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FROM TBE BEQUEST Or
GEORGE FRANCIS PARKMAN
(CUuoflSM)
OF BOSTON
HEINRICH SEUSE
Deutsche Schriften
im Auftrag der Württembergischi
Kommission für
urttein
Landesgeschic
herausgegeben '
Dr. Karl Bihlmeyer.
STUTTGART.
Druck und Veilaj von W. Kohlhanini
iyo7.
HEINRICH SEUSE
Deutsche Schriften
im Auftrag der Württembergischen
Kommission für Landesgeschichte
herausgegeben von
Dr. Karl Bihlmeyer.
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STUTTGART.
Druck und Verlag von \V. Kühlliammer.
1907.
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Dem Gedächtnis
meines hochverehrten Lehrers
Professor ü. Dr. F. X. von Punk
in Dankbarkeit
;^evvidinet.
Eint" kritisclie Edition der deutaelien Sohril'ren Seuses bedarf
flcbwerlich einer besonderen Itechtfertigung. Denifles Aasgabe.
in ihrer Art eine treffliche Leistnng, kann der wiseeiiBcLaftlicIien
Forfchuiiß nicht genügen, weil sie nur eine neu hoch dentsctie Über-
Ira^nne des Originaltestes bietet, auf einer nicht völlig ausreichenden
haiitWbrift lieben Grundlage beruht und zudem UDVoll^-tündig geblieben
i»t Möge daher diese erste vollständige Ansgabe des Urtextes wohl-
wollende Aufnahme linden! Kirchen-. Lileratur-, Sprach- und Kultur-
gescliicble interessieren sich ja, wenn auch in verschiedenem Masse,
fiir den liebenswürdigen schwäbischen Mystiker, der den Oeist des
deutschen Mittelalters nach seiner scliünsten Seite repräsentiert und
dnrch seine gemnlstieien Schriften noch heute wie ehedem zu fesseln
vermag.
Das Hauptaugenmerk hei vorliegender Ausgabe war darauf
gerichtet, eine möglichst breite und sichere Basis für die Herstellung
des Textes zu schaffen. Zu diesem Zwecke wurden, von sonstigen
Xachforachungen abgesehen, auf wiederholten Studienreisen eine
^nisserc Zahl von Bibliotheken Deutschlands und der Schweiz nach
Seose-Haadscliriften durchsucht, so namentlich die Bibliotheken zu
rlin, Ei II siedeln, Engelberg, Kolmar, Konstanz,
I llailiingen, München. Nürnberg, St, Gallen, Stuttgart,
I Wnlfenbüttei, Zürich. Der Erfolg war ein günstiger, insofern
leine stattliche Anzahl wichtiger, noch nicht bekannter Manuskripte
afgefnnden wurde, mit deren Hilfe es gelang, den DeniHeschen
I Text an vielen Punkten erheblich zu verbessern und das Grosse
IBriefbncb in guter Rezension vorzulegen. Zum erstenmal werden
I in dieser .Ausgabe jene elf Briefe, welche Seuse gekürzt in das kleine
Briefbach aufnahm, in ihrer ursprünglichen Form bekannt gemacht.
Aii«drücfclich sei auch anf das bis jetzt unbekannte interessante
VI Vorwort.
„Testament der Minne" (Brief XXVIII) aufmerksam gemacht, ge^^en
dessen Echtheit freilich begründete Zweifel bestehen.
Der Kommentar ist im allgemeinen auf das Nötigste beschränkt
worden. Wie viel ich für das Verständnis und die Kommentierung
der schwierigeren mystischen Stellen Denifle verdanke, bekundet fast
jede Seite der einschlägigen Partien. Mit ihm, dem ausgezeichneten
Kenner der Mystik und Scholastik, konnte ich es auf diesem Gebiete
nicht aufnehmen, und es war auch gar nicht meine Absicht, seine
Ausgabe ganz überflüssig zu machen.
Die Einleitung versucht eine knappe, aber im wesentlichen
erschöpfende Orientierung über lieben und Werke Seuses zu geben,
und insbesondere seine Stellung im Entwicklungsgang der deutschen
Mystik und Literatur zu präzisieren. Am kürzesten glaubte ich mich
in dem Abschnitt über die Lehre fassen zu dürfen, da dieser Gegen-
stand schon genügend behandelt ist und Seuse hierin weniger original
erscheint. Wenn ich in der Einleitung manchmal etwas warm ge-
worden bin, so möge dies mit den Worten des edlen Linsenmann
(in einer Besprechung von Denifles Seuse, Theol. Quartalschrift 1877,1 35)
Entschuldigung finden, die ich zu meinen eigenen mache: „Dem
Theologen ist das literargeschichtliche Interesse an den Schätzen der
grossen Literaturperiode der deutschen Theologie im Mittelalter nicht
das höchste. Was die mittelalterliche Mystik für ihre Zeit war,
das könnte und sollte sie auch für unsere Zeit sein, eine Ergänzung
der vorherrschend nominalistischen Scholastik, eine Lichtseite im
religiösen Volksleben, ein Sauerteig, welcher Gärung und Bewefiung
in die erstarrten Massen des kirchlichen Lebens bringen könnte.
Uns ist die Mystik eines Eckhart, Tauler und Seuse nicht bloss
romantische Poesie, noch blosse Philosophie, sie ist dazu bestimmt,
Leben zu werden und Gestalt anzunehmen ..."
Unumgänglich schien es, der Ausgabe ein ausführliches
Glossar beizugeben, da wir ein solches bis jetzt von keinem der
bedeutenderen deutschen Mystiker besitzen und doch für philologische
und literarhistorische Untersuchungen kaum entbehren können. Ich
bin mir freilich bewusst, dass der vorgelebte Versuch etwas recht
Unvollkommenes darstellt. Allein Zeit und Raum verboten, ein
mehreres zu tun. Philologische Zwecke im eigentlichen Sinne lagen
mir ferne; ich glaubte, die sprachgeschichtlich-lexikalische Ausbeutung
Seuses den Germanisten von F.ach überlassen zu sollen. Um auch
solchen, welche mit dem Mittelhochdeutschen weniger vertraut sind,
die Ausgabe zugänglich zu machen, ist in zahlreichen Fällen die
Vorwort. VII
neuhochdeutsche Bedeutung eines Wortes angegeben. Ich hoflTe
ührigens, in nicht zu langer Zeit eine Auswahl aus Seuse in Über-
tragung für weitere Kreise vorlegen zu können, und behalte mir die
Benützung der Ausgabe für solche Zwecke vor.
Es ist mir eine angenehme Pflicht, für die Unterstützung und
Beihilfe zu danken, die mir von vielen Seiten zuteil geworden ist,
?>o insbesondere den Bibliotheksverwaltungen zu Berlin (Kgl. Bib-
liothek), Breslau (Domkapitelsbibl.), Cues (Hospitalbibl.), Darm-
stadt, Einsiedeln, P'ngelberg, Freiburg (Uni versitätsbibl.
und Erzbischöfliches Archiv), Giessen, Göttingen, Heidelberg,
Kolmar, München (Staatsbibl.), Muri-Gries, Nürnberg
(Stadtbibl.), Paris (Bibl. nationale), Raigern, St. Gallen, Strass-
barg (Universitätsbibl.), Stuttgart, Überlingen, Wien (Hof-
bibliothek), Wolfenbüttel und Zürich (Stadtbibliothek), welche
mir teils Manuskripte zur Benützung hieher sandten, teils die Kol-
lationierung an Ort und Stelle ermöglichten, und der Universitäts-
bibliothek zu Tübingen, welche die Entlehnung zahlreicher Hand-
schriften in liebenswürdiger Weise vermittelte. Eine grosse Zahl
von Bibliotheken des In- und Auslands erteilte auf Anfragen nach
Seuse-Manuskripten gütige Antwort.
Für wertvolle Auskünfte und Winke bin ich ganz besonders
deu Herren Professor Dr. Ph. Strauch in Halle, Professor Dr. H.
von Fisch er und K. Bohnen berger in Tübingen, Hochw. P. P. von
LoeO. Pr., Prior in Düsseldorf und Herrn Dr. J. Ries in St. Peter
bei Freiburg zu Dank verpfliclitet. Herr Professor Dr. F. Vetter
in Bern hatte die Güte, mir eine Abschrift des Büchleins der Ewigen
Weisheit nach der Einsiedler Handschrift 710 zur Verfügung zu
stellen, und die Kgl. bayerische Akademie der Wissenschaften in
München erlaubte, den schon von Preger 1896 edierten Text des
Minnebüchleins wieder abzudrucken.
Der Görresgesellschaft und ihrem verehrten Herrn Präsidenten
Exzellenz Reichsrat Fn^iherr Dr. 6. von Hcrtling sage ich für
'!ie Bewilligung eines Stipendiums für meine Bibliotheksstudienreisen
geziemenden Dank. Ebenso der Württembergisehen Kommission für
Landesgeschichte für die Aufnahme dieser Arbeit unter ihre Publi-
kationen, und namentlich ihrem Geschiiftsiuhrer, Herrn Archivdirektor
Dr. E. von Schneider in Stuttgart für stetes liebenswürdiges Ent-
ge^'enkomraeu.
Für opferwillige Beihilfe bei der Korrektur schulde ich meinem
VIII Vorwort.
Bruder P. Pius Bihlmeyer 0. S. B. in Beuron und Herrn Dr.
A. Hauber in Tübingen ganz besonderen Dank.
Mein verehrter Lehrer, Professor Dr. F. X. von Funk, dessen
Stellvertreter zu sein ich zuraeit die Ehre habe, hatte schon einige
Zeit vor seinem allzufrühen Tode gütigst gestattet, dass das Werk
ihm, dem Altmeister der kirchenhistorischen Wissenschaft, gewidmet
werde. Leider hat er die Vollendung desselben nicht mehr erlebt.
So bleibt mir nur übrig, es als schwaches Zeichen des Dankes für
die stetige herzliche Anteilnahme und die Förderung meiner Studien
auf sein frisches Grab zu legen.
Tübingen, im April 1907.
K. Bihlmeyer.
Inhalt.
Seite
Einleltnnff 1*-163*
Erster TeU. Die Vberllefernnff ;r-62*
A. Die einzelnen Handschriften 3*— 29*
1. Handschriften des Exemplars B* — 9*
II. Handschriften der Vita 9*— 11*
III. Handschriften des Büchleins der ewigen Weisheit . 11* — 18*
IV. Handschriften des Büchleins der Wahrheit .... 18*— 20*
V. Handschriften des Brief büchleins 20*
VI. Handschriften des Grossen Briefbuchs 20* — 26*
Vn. Handschriften der Predigten. Das Minnebüchlein . . 27*— 29*
ß. Da» HandschriftenTerhftltnis. Art nnd Weise dieser
Ausgrabe 29* -45*
I. Das Leben Seuses 29*— 36*
11. Die übrigen Schriften des Exemplars 36* — 37*
III. Das grosse Briefbnch 37*— 43*
IV. Die Predigten und das Minnebachlein 43*— 44*
V. Bemerkungen zur Orthographie des Textes .... 44* — 45*
('. Bilder nnd Hprflclie des Exemplars 45*— 57*
Seuses Terliältnis zur Kunst 57* <)-2*
Zweiter Teil. Sensen Leben nnd Werke .... 63* -163*
A. Jui^end- und Lenijalire zu Konstanz und Köln (ca.
1295-1827) 6.r- 95*
1. (teburtsjahr und -Ort, Abstammun«:: 63* —70*
11. .Tugendzeit, P^intritt ins Kloster. Rekehnniir .... 70'*'^ — 73*
III. Der Dienst der ewigen Weisheit 73* 76*
IV. Seuses Kasteiungen 76*— 80*
V. Visionen und Ekstasen 80^ —S5*
VI. Studiengang zu Konstanz nnd Köln 85"— 90*
\'ll. Das Büchlein der Walnlieit 90"^'- 95*
K. Seuse als Lel^tor und Pri4»r. Seliriflstellerisclie und
seelsor^erlichc Tätigkeit (ea. 1827-I;i4s) . . 95*- 130*
I. Allgemeine Verhältnisse der Dii)zese Konstanz und
des Dominikanerordens 95* lUO*
X inlialt.
Seile
II. Sense als Lektor in Konstanz 100*— 101*
III. Das Büchlein der ewigen Weisheit, HoroJogium
Sapientiae nnd Minncbiiclilein 101* — 111*
IV. Seuses Leiden und Heimsuchungen. Seine seel-
sorgerliche Tätigkeit 111*— 117*
V. Seuses Briefe und Predigten ........ 117*— 122*
VI. Verkehr mit anderen Mystikern. Elsbeth Stagel . 123*— 127*
VII. Die Jahre des Exils (1339—46). Seuse als Prior . 127*— 130*
(*. S01180 in Ulm (ca. l^US-lSfU;), sein Tod und Nachruiini.
Übersetzungen und Ausgaben seiner Werke 130*— 163*
L Seuses AVirksamkeit in Ulm 130* -132*
n. Redaktion des Exemplars 132*— 136*
III. Seuses Tod und Nachruhm. Ikonographisches . . 136*— 140*
IV. Charakteristik von Seuses Person und Werken. Seine
Lehre 141* -150*
V. Nachwirkung Seuses in der Literatur 150* — 156*
VI. Übersetzungen und Ausgaben von Seuses Werken . 157*- 163*
Text 1—554
Erste Abteilnng:« Menses Exemplar 1-401
Prolog 3—6
Eriites Buch« 8eases Leben 7—195
Erster Teil 7—95
Prolog 7—8
I. Kap. Von den vorstriten eins anvahenden menschen . 8 — 10
n. Kap. Von dem übernatürlichen abzug, der im do ward 10 — 11
III. Kap. Wie er kam in die geistlichen gemahelschaft der
ewigen wisheit 11-15
IV. Kap. Wie er den namen Jesus uf sin herz zeichente 15 — 17
V. Kap. Von dem vorspil gütliches trostes, mit dem got
etlichü anvahcndn menschen ri;izzct . . . 17 — 22
VI. Kap. Von etlichen Visionen 22—24
VII. Kap. in weler Ordnung er ze tisch gie 24—25
VIII. Klip. Wie er bcgie daz ingcnd jor 26 — 27
IX. Kaj». Von den Worten Sursum corda 27 — 29
X. Kap. Wie er begie die liehtmiss 29 — 30
XI. Kap. Wie er begir die vasnaht 30 32
XII. Kap. Wie er begie den m(?igen 32—33
XIII. Kap. Von dem eilenden krnzgang, den er mit Cristus
nam, do man in us filrte in den tod . . . 34 — 37
XI\'. Kaj». Von der niizzen tugende, du da heisset swigen 37—38
XV. Kap. Von ke.Ntgung des libes 39-40
Inhalt. XI
Seite
XVI. Kap. Von dem scharpfen kn'iz, daz er tnig uf einem
ruarg:en 41-44
XVII. Kap. Von sinem greliger 44—46
XVIII. Kap. Von dem abbrechene des tränke» 46—53
XIX. Kap. Wie er ward gewiset in die vernünftigen schule
zu der kunst rechter gelassenheit .... 68—54
XX. Kap. Von wetfmdem undorgene 55—61
XXI. Kap. Von inrlichem liden 61 — 63
XXII. Kap. Von dem usker uf sines nehsten heilsamen be-
hulfenheit 63—65
XXIII. Kap. Von menigvaltigem lidene 66 — 70
XXIV. Kap. Von gi'ossem lidenne, daz ime zft viel von siner
liplichen swoster 70—74
XXV. Kap. Von swerem lidene, daz im einest zu viel von
eim sinem gesellen 74—78
XXVI. Kap. Von dem morder 78 — 81
XXVII. Kap. Von wassernot 81—82
XXVIII. Kap. Von einem ruwliu, daz im got einest Hess werden 82 — 83
XXIX. Kap. Von einer minneklicheu rechnung, die er einest
mit got hate 84—86
XXX. Kap. Wie er von lidenne eins males kam uf den tod 87 — 90
XXXI. Kap. Wie ein mensch sin liden in lobricher wise sol
got wider uf tragen 90—92
XXXII. Kap. Wa mite got ergezzet in der zit einen lidenden
nienschon sines lidens 93 — 95
Zweiter Teil 96—195
XXXIII. Kap. Von dez dieners geischlichen tohter .... 96—99
XXXIV. Kap. Von dem ersten begin eins anvahenden menschen 99 — 102
XXXV. Kap. Von den ersten bilden und lere eins anvaheuden
menschen, und wie sin iibunge son sin mit
bescheidenheit 103—109
XXXVI. Kap. Von kintlichem andaht eins jungen anvahenden
menschen 109 — 114
XXX VIT. Kap. Wie er üpigü menschen zii gote zoh und lidendü
menschen tröste 114 — 117
X XXVII 1. Kap. Von einem vil jenierli<h«*n lidene, daz im hier
inne begegente 117—130
XXXIX. Kap. Von inrem lidenne 130-132
XL. Kap. Welü liden sien <h:m uiensclien aller nüzest
und got aller loblicliest 132-135
XLI. Kap. Wie er etlichü niinnendü herzen v(m zitlicher
minne zu gotlicher niiiine zoch 135 — 141
XLII. Kap. Von etlichen lidenden menschen, du mit sunder-
licher trüw iUtm dirner zii geh(»r(en . . . 142—144
XLIII. Kap. Wie im Christus vor erschein in eins Scratin.s
bilde und in lerte liden 144—149
XII Inhalt.
Seite
XLIV. Kap. Wie vestklich der müss «triten, dem der geisch-
lich pris soJ werden 149 — 153
XLV. Kap. Von dem minneklichen uamen Jesus .... 163— 15ö
XLVI. Kap. Güte underschaid enzwfisdien warer und falscher
vernünftkait in etlichen menschen .... 15.'> — 158
XL VIT. Kap. Underscheid enzwischen ordenlicher und floieren-
der veniünftikeit 15ö— 160
XLVIII. Kap. Göt€r underscheid under warer und falscher
gelassenheit 160—163
IL. Kap. Ein vernünftiges inleiten dez ussren menschen
zu siner inrekeit 163— 170
L. Kap. Von den hohen fragen, die du wolgeiiptü tohter
fragte iren geischlichen vater 170 — 17H
LL Kap. Ein usrihtunge, wa got ist und wie got ist . 176 — 1K4
LH. Kap. Von dem aller hohsten Überflug eins geleptt*n
veniünftigen gemiite.s 184 — 190
LIIL Kap. Diss bfiches uieinunge ein heschliessen mit
kurzen einvaltigen worten 190 — 195
Zweites Bneh. Bficlileln der £wi|:en Weisheit . 196-3l>5
Prolog 196—200
Erster Teil 200—278
I. Kap. Wie etlichü menschen von got unwissentlich
werden t gezogen 200—204
11. Kap. Wie es vor dem krüzgenne ergie 204 — 207
III. Kap. Wie es an dem krüz umh in stund nah dem
ussren menschen 207—209
IV. Kap. Wie reht getrüwlich sin liden waz .... 209 -210
V. Kap. Wie du sele under dem krüz kunt ze einem
herzklichen n'iwenne und ze einem muten
vergebennr 211 — 216
VI. Kap. Wie betrogen der weit minne ist und wie min-
neklich aber got ist 216—223
VII. Kap. Wie minnekliche tr(»t ist 228-229
VIII. Kap. Ein usrihtunge drier dinge, du einem minner
aller meist mohtin an got widerstan. Daz
ein ist: wie er s(> zornlich mug geschineu
und doch so minnklich sin 229—230
IX. Kap. I>az ander: war umbe er sich sinen vründen
dik uaii horzlust«' enzühet, und wa hi uian
sin waren geireuwürtkeit erkenuta . . . 2:^0—285
X.Kap. Daz dritt*: war uuil»e es got sinen vründeu
als reht ülxd in zit irrstattet 236—237
XI. Ka]>. Von ienur werendem we der helle .... 237 — 240
Inhalt. XIII
Seite
Xll. Kap. Von unmcssiger vrode des himelrichB . . . 240 — 248
XJn. Kap. Von nnmessiger edli zitliches lidennes . . . 248 254
XIV. Kap. Von unsäglicher giiti der betrahtunge des got-
lichen lidens 254—259
XV. Kap. Von dem njinnekosen, daz du sei mit got hate
gehebt unter dem krdze, keret si sich wider
zu siueni lidenne 259—262
XVI. Kap. Von dem wirdigen lobe der reinen königen von
himelrich 262—268
XVII. Kap. Von ire unsäglichem herzleide 268-271
XVni. Kap. Wie es ze der stund nah dem inren menschen
umb in stund 272—274
XIX. Kap. Von der ablosunge 275—277
XX. Kap. Von der jemerlichen schidunge von dem grabe 277 — 278
Zweiter Teil 278-B14
XXI. Kap. Wie man sol lernen sterben und wie ein un-
bereiter tot geschaffen ist 278—287
XXII. Kap. Wie man inrlich leben soi 288—290
XXni. Kap. Wie man got minneklich enpfahen sol . . . 290-303
Gebet 303
XXIV. Kap. Wie man got grundlosklich alle stunde loben sol 304 — 314
Dritter Teil« Die hundert lletrachtungen und llegelirnngeii 314 — 322
Epiloir 322-324
Kecrister 324—325
^ritten Bach. Büchlein der Wahrheit 326—359
Prolog 326-328
I. Kaj). Wie ein t^elazener mensche beginnet und endet
in einikcite 328-329
II. Kap. Ob in der hohsten einikeit kein anderheit nnige
bestan 329—331
III. Kap. Wie sich der mensche und alle kreaturen ewklich
haben gehalten, niid von ircni gewordenlichen
usbruchc 331- 332
IV. Kap. Von dem waren iiikere. den ein jL^olazsener
mensche durch den einbornen 8un nemen sol 333 — 338
V. Kap. Von den hohen und nützen fragen, die ime du
warheit lies werden von der glichnüsse eins
gelassen menschen 338-352
Vi. Kap. Uff welen pnncten dWu nicnsclien 4»ebristet. die
valsche friheit fiirent 352-357
VII. Kap. Wie adelliclien sich haltet ein reht i^elazsener
mensch in allen diufron 357 — 359
XIV luh'Ah.
Seite
Viertes Buch. Brief bfichlein . 360—393
Prolojjc 300
I. Brief. Von eins aiivahcndcn meuschen ledigen vonker
von der weit zfi got. Kegnnin mundi et omnem
ornatuni saeculi contenipsi propter amorem do-
mini mei Jesu Cristi 300-363
II. Brief. Von einem demntigen undergang eins gotJicheu
menschen. Habitabit lupiis cum agno . . . 363 — 307
III. Brief. Wie sich ein mensch poI geben willeklich in liden
nach dem bilde CYisti. Eisbeten der Staglin
ze Tozz. Nigra sum sed formosa .... 367— 30S
TV. Brief. AVie ein ungelebter mensch sich zu im selber
allein sol keren und endri'i menschen unberichtet
söl lassen. Quoraodo potest caecus ducere? . 369 — ;i72
V. Brief. Von jubilierender frode , die die engel und
engelschlichfi menschen enpfahent, so sich ein
Sünder bekeret. Exultet iam angelica turba
coelorum 373 — 378
VI. Brief. Wie sich ein mensch sol halt-en unerschrokenlich,
so es gat an ein sterben. Absalon. lili mi. quis
mihi det, ut ego moriar pro teV 37H— 3H1
Vn. Brief. Wie sich ein mensch in ustragenden emptorn
sül halten. Oistus factus est pro nobis obediens
usque ad mortem 381 — 3SH
VIII. Brief. Wie sich ein gotlicher mensch in gotlicher suzze-
keit sol haben. Elsbeth Staglin. Annunciate
dilecto, quia amore langueo 384 380
IX. Brief. Wie ein mensch ze ruwe sinea herzen in got
söl kommen. In oranibus requiem quaesivi . 387 -389
X. Brief. Von etlichen stüken, die ze volkomenheit liorent.
Estote perfecti 389—391
XI. Brief. Wie sich ein mensch zii dem gotlichen namen
Jesus sol andehtklich lialten. Pone ni«* ut
signaculum super cor tuuni! 391- -393
Zusätze zum Brief hiichloin : Kr/ählinig toii der Verehrung
des Xamens Jesu, Morgenuruss und Sprüche . . 393— 4ni
Zweite Abteilang:. Die nicht in das Kxemplar auf-
l^enommenen deutschen Schriften Keanes 4u3 -.554
I. Das is^rosse Itriefbnch 405-494
Prolog . 4O5--406
1. r>rief. \{v\ l>avid s«Miuorat 406 410
II. Brief. B«*gnum mundi et omnem ornaium saeculi oon-
tempsi propter amorom domiui mei Jesu Oisti 410—417
Inhalt. XV
Seite
III. Brief. Surrexi, ut aperirem dilecto meo 417—419
IV. Hrief. Habitabit hipus cum agno 420-423
V. Brief. Sonet vox tua in auribus meis, vox enira tna
duJcis et facies tua dccora 423—425
VI. Brief. Vineae florcntes odorem dederunt, et vox tur-
turis audita est in terra nostra 425—427
VII. Brief. Trabe rae, post te cürremus in odore unguen-
torum tuorum! 427—429
M3I. Brief. Gustate et videte, quouiam suavis est dominus 429—432
rX. Brief. Quam dilecta tAbeniacula tna domine virtutum! 432—434
X. Brief. Kevertere, revcrtere Sunamitis, revertere, rever-
tere, ut intueamnr te! 434-437
XL Brief. Audi, fili mi, disciplinam patris tui! . . . . 437 — 439
XII. Brief. Nigra sum, sed formoaa, filiae Jerusalem, sicut
tabemaeula Cedar, sicut pellis Salomonis . . 439-444
XIII. Brief. Absalon, tili mi, fili mi Absaloii, ([uis mihi det,
ut ego moriar pro te? 444—446
XIV. Brief. Exultet iam angelica turba celonim! .... 446—451
XV. Brief. Surge aquilo et veni auster, perfla hortum meum,
et fluant aromata illias! 451—454
XVI. Brief. In exitu Israhel de Egypto etc 454 — 457
XVII. Brief. Quomodo potest cecus cecnm ducere? . . . 457 — 460
XVIII. Brief. Nemo potest dnobus dominis servire .... 461
XIX. Brief. Christus factua est pro nobis obodiens usquc ad
mortem 462 — 465
XX. Brief. Annunciate dilecto, quia amore langueo . . . 466 — 46H
XXI. Brief. In omnibus requiem quesivi . 468—470
XXII. Brief. Estote perfecti! 471—472
XXIII. Brief. Exivi a patre et v«*ni in niundum ; itenini relinquo
mundum et vado ad patn?ni 472—475
XXIV. Brief. Nos autem revelata facie ^loriam domini spe-
culantes in eandeni iniaginein transformamur a
claritate in claritatem. tamquain a domini spiritn 475—477
XXV. Brief. Mihi anteni adhaorere deo bonum est . . . 477 — 479
XXVI. Brief. Pou<' me ut sionaculum super cor tuum! . . 479— 4sO
XXVIl. Brief. Cum essem parvulus, loqucbar ut parvulus . . 480- 4H5
XXVIII. Brief.*) Testament der Minne oder Miiin.reirel . . . 486—494
li. Predi|:ten 495 r>;i6
I. Predigt. Lectulus noster fioridus 495- 5( »8
TL Predigt.*) Miserunt .Tudaei ab Jero»olymi.s sueerdotes
et levitas ad Johannem, ut iuterrogarent
eum: Tu quis es? 509—518
*i Der Asterisk bedeutet, dass die Echtheit des betreffenden :^tiUkf<5
/Avoifelhaft ist.
XVI Inhalt.
Seite-
III. Predigt.*) Exivi a patre et veni in mundum, iterum
relinquo mundum 518— 62B
IV. Predigt. Iterum relinquo mundum et vado ad patrem 529—536^
III. Das Hinnebfiehlein*) 537-554
' I. Kapital 537-543
IL Kapitel 544-547
lU. Kapitel 548—554
Berichtigungen und Nachträge 555—558
Glossar 569— «28
Verzeichnis der Bilder.
1. Zur Vita.
Abb. 1 (Erklärung S. 3) 2
Abb. 2 (Erklärung S. 20; 19
Abb. 3 (Erklärung S. 51) 52
Abb. 4 (Erklärung S. 65) 65
Abb. 5 (Erklärung S. 130) 129 |
Abb. 6 (Erklärung S. 140) 141 j
Abb. 7 (Erklärung S. 148) 147
Abb. 8 (Erklärung S. 152) 150
Abb. 9 (Erklärung S. 152) 151
Abb. 10 (Erklärung S. 155 j 154
Abb. 11 (Erklärung S. 195) 195
a. Zum Büchlein der Ewigen Weislieit.
Abb. 12 (Erklärung S. 258) 255 |
*) Der Asterisk beloutct, dass die Echtheit des betreffenden Stückes j
zweifelhaft ist.
I
Yerzeiohnis der Abkttrznng^iL
= Leben Seiues.
= Büchlein der ewigen Weisheit.
= Büchlein der Wahrheit
J = Kleines Brief bttchlein.
Bfb ■= Grosses Brief buch.
= Minnebttchlein.
r. = Horologium Sapientiae.
= Deutsches W^örterbuch.
(i). = Handschrift^en).
= Jahrhundert.
= Urtnindenbuch.
lir oder ALKliM = Archiv für Literatur- und Kirchengeschichte deH Mittel-
alters,
^i^ == Buch von geistlicher Armut, hrsg. von Denifle 1877.
OL = Denifles Scuseausgabe (1880).
iep. = Diepenbrocks Senseausgabe (•1884).
^hut = Pfeiffer, Deutsche Mystiker des 14. Jh. 11 Meister Eckhart (1857).
•^th = C. Grrith, Die deutsche Mystik im Predigerorden (1861).
rxer = M. Lexer, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, 3 Bde (1872 78).
;)PH = Monumenta Ordinis Praedicatonim Historica ed. Reichert (1895 ff.j.
^^T I— ril = W. Freier, Geschichte der dmtschen Mystik im Mittelalter,
8 Bde (1874 93).
'eger Briefe- = Die Briefe H. Susos hrsjr. von Proger (1K67).
•eisrer Vurarbeiteu = P reger, Vorarbeiten zu einer Geschichte der deutschten
Mystik, Zeitschrift fiir bist. Theologie 1869, IflF.
»eberg — - K. Strebe rg. Ein Kampf um jenseitiges Leben, liebensbiid eim^s
mittelalterlichen Frommen (II. Sense) 1HH9.
tranch, Ad. I^angmann = Die Offenbarungen der Ad. I^. hrsg. von Strauch,
ifV 26 (1878).
Inoch, Marg. Kbner = Strauch, M. E. und Heinrich von Nördlingen (1882).
iriot = Oenvrfrs mystiques du bienh. H. Suso, trad. par Tli. T (J8?^9).
toer = Th. Vetter, Ein Mystikerpaar des 14. Jh. (H. Sousr und E. SUigel) 1882.
~ Z^-itsrhrift für deutsches Altertum.
= Anz^-iger der Zeitschr. f. dt»Qh. A.
ih = Z**it<ichrift für deutsche Philologie.
Einleitung.
— ^«^ ^«.
II . M- u ■ c, Dentiohc Schriften.
A. Die einzelnen Handschriften.
Die deutschen Schriften Seuses sind in sehr zahlreichen und
»«'( zersirtuteit Handschriften überliefert. Soteeit sich ihre Pro-
tmem feststeäen Insst. stammen die meisten derselben mis Nonnen-
Wiiiem, besonders des Dominikanerordens, in Süddeutschland (Elsass,
Baden, Wärtlendterg, Bayern) und der Schweiz, doch nicht wewiye
auch aus Mittel- und Niederdeutscfdand; nach dem Osten (Österreich)
tthniten Seuses Werke weniger gedrungen zu sein. Insbesondere das
pde» ist im 14. und 15. Jh. so häufig abgeschrieben worden, dass
jede grössere Bibliothek in Deutschland und in der Schweiz
mehrere Exemplare daran enthält. Es kann sicJt daher
bei der Aufzählung noch bei der Benutzung der Band-
tAriflm um absolute Vollständigkeit handeln; namentlich aus Privat-
ÜUiothtken »cird noch dies und jenes Manuskript nachgetragen werden
länwn. Möglichste Lückenlosigkett ist jedoch angestrebt bei den
Mdtrhandschriften des sog. Exemplars (d. h. des von Seuse selbst
T*digiiTien Sammelwerks, seine oier Hauptschriften: Vita, Bdew,
Bda und Kl Bfb umfassend), beim Leben Seuses und beim Gr Bfb.
Dit in dieser Ausgabe benützten Handschriften sind mit fettgedruckter
fiißre bezeichnet; von den übrigm sind die meisten wenigstens ein-
ten worden. Bei der grossen Zahl der zu eneähnenden Manu-
'ipte musste die Beschreibung so knapp als möglich gehalten werden.
L Handsehliften des Exemplars.
A = Berlin, KijL Bibliothek Ms. germ. 'inarto 840 face. 9493),
'trg. ISO Bl. (die Bl. 84—87 sind au falscher Steile gebunden,
gehören zwischen fik und (i9) 170 X 215 mm. Lagen von ge-
Einleitung'. I. Die Oberliefpmng.
1
wöhtUich 12 BL, durch schnittlich 33 Zeilen auf einer Seite, von
einer, sich aber nicht immer gaiiz gleichbleihoiden Hand in da
zweiten Hälfte des 14. Jh. sorgifältig geschrieben. Dieselbe Hani
hat nachträglich Korrekturen vorgenommen, dann und tearw, aba
seltener, auch eine zweite, spätere Hand. Dialekt alemannisch, tooh
nur ganz leicht vom elsässischen heeinfiusst. Inhalt: das Ejremplat
vollständig mit Prolog, Bildern und einigen gemalten Initialen (übet
die bildliche Ausstattung siehe genaueres unter C). Die Kapitel»'
Überschriften und Anfangsbuchstaben sind rot. BL 1 ' oben am Bandi
steht von alter Hand (rot): Pater noeter et Ave Maria, d<irunter:
Gelobt vnd gebenediet sy der werde nameti vosers herren tesn spi
vnd der lioh gelobten junefrouwe Marien einer mftter eweclicben
an ende Amen. Darauf von jüngerer Hand (15. Jh., teilweise rer-
wischt): lESUS MARIA zarter minneclicherherre vnd frunt . . . hertzea
Amen. Darunter si;hu:arz (14. Jh.): XI bilde. .Im Schltisse BL 160*
steht (rot): Explicit. Finis adeat vere Echriptor wnit precinm habere
Die für die Seuseforachwig ätisserst wichtige Hs. — sie ist dh
älteste Htid beste Hs. des Exemplars und daher dieser Ausgabe zw
gründe gelegt — hat merkwürdige Schicksale erl^t. Sie stammt aui
d-er Bibliothek des Johanniter havses zum Grünen Wörth in Straw
bürg, imtrde, wie ihr Zustand zeigt, von den dortigen mystisch g*
stimmten Kreisen fiel gelesen und kam bei der Aufhebung d*
Klosters mit anderen wertvollen Hss. jener Sammlung ') in die Strasf
burger SladtbibUothek, wo sie wie vorher die Signatur B 139 trufft
Hier wurde die Hs. von K. Schmidt zu einem Auf säte über Senat
in Theol. Studien und Kritiken 1843, 835 ff., der auch maneh^
Auszüge daraus gibt, benutzt, ferner in den vierziger Jahren dm
19, Jh. von dem bekannten Germanisten Franz Pfeiffer, der etfM
Ausgabe Seuses projektierte'), in ziemlich mangelhafter und ungenau«i
Weise teils abgeschrieben*), teils kollationiert. Pfeiffers Man»
'> Vgl. darüber J. J. Witltr, Cataiogus Cod. Mt». in InhUothtca eaen
ordinis UUroaoh/mitati ArgetUorati aseervatoram , SIrtusburg 1746 (uim*
Stastits. S. 19 unter B 139, doch füUchlkh aU Fapitrh». btteichntt): J, Äad
gtber, Die htl. Schatte der früheren Strassb. Stadthibliothek 1876, 41 f.',
C. Schmidt, Zur Ge*eh. ätr älteattn Blbliothtken za SImstburg 1883, ISj
K. nieder, Dir OottMfreund vom Oberland 1905, 35eff.
') Übtr di«s( Stint PMiie tgl. K. Bartack in eeinn- Biugraphie Pf*ifftr
in ,BriefiixfliatI gwisdmn Jos. von Lassberg u. L. Uhland' hrsg. von F. Pfefffi
1870, XXX f., XLVIl.
•) Ein Teil der Absehriß ist aUtydingg nicht von Pfeiffer nrlb/ä, sondert
vnn unbekannter Hand.
t einzolnen HandBolirift«ii. 5*
•kfii>lc ') kamen nach eeiium Tode (f 29. Mol 18^) in äü HofbibUotkek
n Wie» (=Suppl. 2778 [N. S. 208] eMkalteml Vita'), Bdw,
KIBß. und Sujijyl. 2779 [Nr. 15379; tujL Tnbuine codd. VIII,
155 f.] enthallend Bdmf, Gr Bfb [)>. imU-r VI], Predigt I und IV
(•. anter VII], und eiuüje Stacke von Eckhort nach Abuchift «ow
J. Hfitiptj, ifo sie auch Dtnifie für "eine Aiisgahe heniitzte. Die
Siiassburger Hs. selbst galt als verloren, da am 24. August 1870
i"i der Behgerung die Stadfbibh'ofhek in Brand geschossen und zer-
'lärt trurde. Gross wnr daher die Überraschung, nls Schreiber dieses
m September 1903 rfns verlorene Manuskript in Berlin wieder ent-
d«ktf. Eingezogenen Erkundigungen zufolge ist es im September
ms «US dtm Nachlass Pfeiffers käuflich eiteorben worden. Es
lifgt die Vermutung nahe, dass der Gelehrte die Ha. zur Benützung
fntliehen hatte, jedoch starb, ehe er sie zurückgeben konnte, und dass
tit darauf als sein Eigentum angesehen und verkauft wurde; dass
man in Strassburg den Verlust nicht bemerkte, ist zwar auffallend,
"btf dem Krieg konnte die Sache aber uiohl in Vergessenheit geraten.
tt« Zweifel an der Identität der Hs. kann nicht bestehen: nicht
nur ist die alle Signatur B 139 anf dtm Rücken des Einbandes
«och deutlieh sichtbar, sie stimmt auch aufs genaueste mit den
f^neipten Schmidts und den Abschriften Pfeiffers. Habent sua
Mit libeUi!
IL = Einsiedeln, Stiftsbibliothek Ih. i\r.710. Pap. 9 + 232
■m (Uter Hand numerierte Bl. fol. (208 :- 302 mm), d(rppel>^ltiy
der Bweiten ') Hälfte des 15. Jh. sehr achün geschrieben, reich
Miniaturen ausgestattet (s. unter C). Sprache: alemannisch-
^Kkicdbisch. Inhalf: Bl. 6'^—7'^ Register; Bl. I—XXI (alte Be-
iißerung} Gedicht von Christus und der mtnnenden Seele (mit
Bildtni}, da» sich auch in der 1/onaueschinger Hs. Nr. 106 Bl. 1—40,
') Über «rmm bis jrtst gan£ ungenügend auegtniUiUn und he/ichriebentn,
He ilt G*9ehiehU der druttchen MyHik trei-tvolltn Naehlasfi vgl. jftzl Otto
^faofl, Oberlirfrrung und Handselirifttnverhältmn den Traktate« ,Sehfcetter
JPalf«', Diss. Hau* 1906, 9 f.
*) liit »r»tr tlätftr dergeiben ist nach der Stuttgarter He. Cod. aseet. I&,
fr^ith nicht »eilen nachlattig abgrschrirben und nach der Straesliurger Hs.
i-Hatio^rrt, tiuu iJenifU XX,637 und Zfda XXI, IST nie/it erkannt hrU, in der
netitn H'ilftt i*t nur da» Strateh. Manutkript kt^ien.
*) Dmiße XXVIII weist die H». dem Anfang dts JH. Jh. tu, aber die
TON dtrttlhen Hand geeehriebene Einsiedler Ha. Nr. 3^3 ist im Jährt 1463
"Mendti (tgl. Vatatogus Codd. tnet. in hihi. Monaiä. Einsiedl. descript. a. P.
0. iltler I {189.9} 260K
L
Einleitung. I. Die Überliefenmg.
ni K'irWuhe, Cod. St. Georij. Pap. Germ. 91 Bl. 1—80 (ehenfnU» mit
Bildern), und Überlmgm, Hs. Nr. 22 (= U) Bl. 3-20 findet ');,
Bl, XXIII"— CLXXXIIII'- das Exmplnr vollstäiidüj mit Prolog,
von da l/is Schhiss Bl. CCXXIX kleinere asketische und mystisch*
Stucke (vom christlic/tt-n Lehen, von einem geistlichen Kloster nach
St. Bernhard, Bruderschaft der ewigen Weisheit im Auszug
[Bl. Cölt—CCIll], ton vollkommener Demut, von dm Graden und.
Staffeln iler Geduld, von einem anfangenden, zunehmenden und voll^
kommenen Leben «. a.). Die Hs. stammt laut altem Eintrag Bl. 4*"
aus dem Uominikanerinnenklosier St. Petrr zu Konstanz;
Vergleich mit Hs. Nr. 383 und 752 ') legt die Vermutung nahe, da»
sie wie diese von detu reichen und angesehenen Patrizier geschleclii
der Ehinger — ihr Wappen findet sich in allen drei Hss. — dortt
hin geschenkt wurde. Auszüge aus den lier Schriften des Exemplar*
nach K bei F. Vetter, Lehrhafte Literatur des 14. und 15. Jlh,
2. Teil: Geistliches (= Kürschners Deutsche Nationoüiteratur Xlt^
2 [1889]) 109—247.
R = Hs. der Domkapilelsbibliothek in Breslau, ohne Sigtiatur^
Pap. 293 Bl. fol. (220 x 320 mm), mit Bildern, am Ende dlH
lö. Jh. von Schwester Katkarina Menttellwergerin (Bl.220'*) »
lieh fiächtig geschrieben. Dialekt: bagerisch. Die Hs. utammt
dein Dominikanerinnenklosier zum hl. Kreuz in Regensburg, und
irurd« i'on Kardinal Diepenbrack der Bibliothek des Domkapitels Ht'
Breslau vermacht. Inhalt: Bl. i™ — 244"* dtis Exetnplar vollständig*
mit Prolog (vom Bdw fehlen aber die Kap. 3, 4, 6, 7, vom Kl Bß
Brief 6 und 7); Bl. 244'"— 79'* 23 Briefe des Gr Bfh (s. untei
VI); Bl. 279 •*—82 -* Zttmtz zum Bfb (393,8—96,5); Bl. 282'*~93*
Bruderschaft der ewigen Weisheit.
H= Wolfenbüttel, Herzogl. Bibliothek Cod. 78. ö. Aus
fol., Pap. 322 Bl., im 15. Jh. (Bd. 322": 1473) in bayerisch«»
Dialekt von mehreren Händen geschrieben und mit Miniaturen autfi
gestattet. Die Hs. stammt vermutlich aus einem Nürnberger Klostä
lind enthält das ijanze Exemplar mit Register, Prolog und den Na^
trägen zum Bfb, die Bruderschaft der ewigen Weisheit und da
') Ein Brucltttück ül in Monet Anziifftr VIII (1839) 334 ff. abgtärudt
dit AnfSngt ttnd Ühtrsehrifltn aun übet F. VilUr, Das Lehm der Sehtür.ttt
n> Tßen 19oe, X f. Bttehreibung bei A. Peltter, Deutscht Mystik h
deutliche Kunst (Studien »ur dtulschen KumtgeschichU H. 31) lti99, 181 f.
') Betehreibung diuer Hs. bei Simon a. a. 0. .Uff.
•) Deitifle» Ängnbi- XXVIII f.. da»» das Bdew fehle, ist HfiriehHg.
Die Giuselnen HaoilBchriften. 7*
Stunfthenbuch Mersicinf '). beschreihumj in 0. ton Ittiiir iiiuniis
Kntäog 2. Aht. IV (19fM>) 7.
f = //(f. der Freihuryer Universitätsbibliothek AV. 45S,
Pay. 213 bl. fol. (220 x 290 tum) 15. Jh. (Bl. 212'* : 1440), im
dmanninehschwäbisckem Dialekt, das Exemplar vollsiätidtg mit Re-
jiiltr, Vorrede, Nachträgen und die Bruderschaft der ew. Weish.
fntkaltend; früher im Besitz des Fransiskaner-Tertiarierinnenklostere
a ImiykofeH bei Sigmaringen, dann des Professors F. K. Ories-
h-ibrr, Hftch dessen Tod (ISfiG) die Hs. »ach Freiburg gelangte.
H = Hs. der Siodtbibliothck in Nürnberg Cent. VII, DO,
Pap. 173 Bl. 4' (150x210 mm) mm 15. Jh., in bayerischer
Mundart; sehr fehlerhaft und ohne Verständnis geschrieben, früher
dm Dominikaner Konrad Förster von Ansbach zu Nürnberg ge-
*mj. Enthält Bl. 2^66 Bdew vollständig; Bl. 67—123 Vita bis
Sr.Uuss von Kap. 44, teils stark gekürzt, teils mit Auslassung einzelner
Kapitel (z. B. 6, 30, 33, 34, 57 usw.), wofür dann andere ab-
jäfjlt und mit neuen Überschrtften versehen werden''); Bl. 124 — 3Ü
Bdic; BL 140—73 25 Briefe, eine Kompilation aus Briefen des
KldJ Nr.) und Gr Bfh (14 resp. 15 Nr.) mit den Nachträgen
:m Kl Bß. Vgl. die TabeUe zu VI.
m = ll8. der Münchner Staatsbibliothek Cgm 819, Pap.
S46 bl. 8 ". 15. Jh., in bayerischem Dialekt. Der Inhalt ist, von
im fehlenden Bdew abgesehen, genau derselbe wie in N mit allen
charakteristischen Eigenheilen und Abweichungen, besonders in der
yita und im Brief buch; man ist zur Annahtne genötigt, dass ent-
wdtr Mite Hss. eine gemeinsame Vorlage hatten, oder dass eine von
der anderen direkt abhängt (wahrscheinlich m von N). Beschreibung
iir da. in SchmeUeis Katalog 139. Das Briefbuch der Hs. m hat
H". Preger 1867 unter dem Titel: „Die Briefe Heinrich Susos
»och einer Handschrift des XV. Jahrhunderts" ediert in der irr-
limiichen Meinung, darin das endgültige, von Seuse redigierte Brief-
iuch gefntiden zu haben (weiteres unter B).
B' = Äs. der Kgl. Bibliothek in Berlin, Ms. germ. fol. f58,
Pap. 232 Bl., 15. Jh. (ztveite Hälfte), in bayerischem Dialekt, mit
Bildern, aus dem Dominikanerinnenkloster Allenhohenau bei Wnsser-
barg in Oberbayern, dann im Besitze Meusebachs. Besteht aus zwei
>) Ühtr diitet vgl. Strauch in Z/dph 1902, S3il.
•) htr Schreibt'' htgrUndet »ein Verfahren am Schiuti lies Prologs der
f'ia: ilocli han ich das pest damn!; gelesen in knrtzen «orten, und SI. 139':
ptoMum ed fieri per phtra, qitod pnte«t flen per panciora.
8* Einleituüg. I, Die Übcrliefermig.
'leilen: 1. Bl. 1 — 85 Heiligenleben, 2'eil eines Pasnionals; 2,
1 — 147 Vita mit Proloij de^ Exemplars und Bdew, aber ohne di
100 Betrachtungen. Text spät und umucetiätsig.
P = Paris, Bibliol/iique nationale. Ms. aUem. 223, Pap. 3U
Bl. 4". 15. Jh., in alemanninoh~el«ässischeiii Dialekt, aus dem Do*
minikanerinmnkioster St. Nikolaus in imdis zu Sirassburg stammendi
Inhalt: Bl. I'-^IOO' Vita; Bl. lOff—lW KlBfb ohne Nr. tl
{Pone me); Bl. 118' — 24' die Bilder des Exemplars in sehr rohM
Ausführung mit den Sprächen dazu. Über den weiteren Inhalt dei
interessanten mystischen Sammelhs., auf die zuerst F. fetter']
aufmerksam gemacht hat, siehe die Beschreibung bei G. Hue%
Catatoque des mss. aliemands de la bibl. nationale, Paris 1895, IStj
rollständiger und genauer bei Simon (s. o. S. 5* Ä. 1 ) n. a. 0. 27^,
S = Cod, ascet. 15 der Kgl. Handbibliothek in Stuttgartf
Jetzt (seit 1901) in der Kgl. Landesbibliothek, Pap. 233 Bl. 4*
(145x210 mm), von zwei Händen in der ersten Hälfte des 15. JA^
schön gesehrieben; alemannische Mundart. Itihalt: Bl. 1' Sprüefn
eom ersten Bilde; Bl. 2"" —233' Exemplar mit Prolog ohne Bdeit^
Die Bilder fehlen, aber der Platz dafür ist freigelassen. Die H±
war früher im Besitz des Dominikaneriniienklosters Ötenbach be
Zürich laut Notiz auf der Rückseite des vorderen Deckels von einei
Hand des 15. Jh.: Dis hdoh iat des cODventz an Ötenbach genl
{=: gebet es) dur got wider; i.päler kmn sie nach Weingarten (Bl. 1
oben: Monasterti Weingarteusis 1674). lil. 233' steht (rot): Ga
(ienkent Johannea ^eye (irohl Verunstaltung aus Seüs) durch go^
darunter: Gedenkent durch got Jnngkher DiethelmB von klingen
dem band wir dis bücb.
S' = Cod. theol. et philos. fol. 381 der Kgl. Landesbibliothei
in Stuttgart, Pap. 228 Bl. 210x310 mm, alemannisck-schittäH
acher Dialekt, zweite Häufte des 16. Jh. (Bl. .39' : 147G, Bi
228': 1475). Ent/tält Bl. l'—39' das Leben der gel. MargareU
von Ungarn*), dan sich auch in der St. Gallsr Hs. (>03 (vgi
Vetter, Viten von Tös VIII), in Cgm 750, in de)- Hs. der Nünt
berger Stadtbibliothek Cent. VI, 53, und in U (s. S. 9"
Vetter a. a. 0. XU) findet; Bl. 42' — 220' Exemplar
') Ei« Mi/stikerpaar (s. S. 97) 57,0I> Anm. 47 and 62.
<] Tockttr König Bila» /^', + 1271 als Lominikanermnnt. Ihre Vt
itt von dem Hominikaner Garinu» 1340 eriftust, von gtinen Ordetisgeitott
JSrg VaHf und Konrnd deultch btarbriM trordm. Vgl. darüber Kaini
im Ärohiv für öttfrräeh. Otich. 91 (1903) 53 ff.: Riet. Jahrbuch 19o6, HO.
Die einzelnen Handschriften. g*"
B^ter, Prolog und Nachträgen zum Bfö, aber ohne Bdew;
BL220^—28'' Bruderschaft der ew. Weish. S^ ist mit f nahe
verwandt und hat dieselben zahlreichen Fehler; dem ersten D)'uck
im li82 lag eine S^f ähnliche Hs. zugrunde (vgl. Denifle in
Z/da XIX, 350 f.).
\i = Hs. der Überlinger Stadtbibliothek Nr. 22, Pap. 321
Kfol. (210x295 mm) in alemannisch-schwäbischer Mmidart, aus
dm Dotninikanerinnenkloster Zofingen zu Konstanz stammend. In-
kalt: BL 5'' — 20^ Gedicht von Christus und der minnenden Seele
h. oben S. 6*); BL 20 *" — 125 *" Exemplar mit Prolog, doch ohne
Bdeic'); BL lW—25'' 14 Briefe des Gr Bfb (s. unter VI); über
den iceiteren Inhalt der Hs. (Viten von Töss und Katharinental,
Lehm der sei. Margareta von Ungarn und des hl. Ludwig, Traktat
CO» den 40 Myrrhenbiischeln ) vgl. die Beschreibung bei Vetter
ff. n. 0. X—XIII").
n. Handseliriften der Tita.
Ausser d-en unter I aufgeführten Hss., welche sämtlich al^
trtte^i Buch des Exemplars das Leben Seuses enthalten, sind folgende
nock besonders zu nennen, in welchen sich nur die Vita oder Bruch-
ftidce derselben finden.
A* = Hs. der Universitätsbibliothek in Strassburg L genn. 75,
hp. 142 BL 4 ® (145 x 220 mm), 15. Jh., alemannisch'elsässii<che
Xundarf, aus dem Dominikanerinnenkloster Unterlinden in Ko/mar
ftmmend. Enthält BL 2'' — 4"^ den Prolog des Exemplars, BL 4""
ktf U2^ die Vita.
M = Hs. der Münchner Staatsbibliothek Cgm 362, Pap.
n^ BL, von denen zwei an falscher Stelle {das 25. nach dem 35.,
^» 36. nach dem 38.) stehen, 4^ (145 x 220 mm) vom Anfang des
^5. Jh. oder vielleicht noch etwas früher, ziemlich fiüchtig 7nit teil-
fciw fiark verblasster Tinte geschrieben, in alemannisch-schwäbischem
Kffteti; enthält die Vita in ganz eigener, von den übrigen Hss. ab-
^ Die Sehreiberin begründet Bl. 90 r die Auslassung damit, dass das
*•■ ^»onst als trohl und gut gescJirirlen'" in ihrem Kloster vorhanden sti.
" ^ Tat gind zwei Exemplare des Büchleins aus dem Zojinger Kloster noch
**^ (#. unter III F"^ und K\).
*) Die ebenfalls das Exemplar voraussttzende Kolmarn- Hs. Nr. 2ii(i {sie
'^ ia9 Bdw und Bfb als 3. U7id 4. Buch ein) wird unten unter IV auf-
lU* Einleifoing. I. Die Überüefcruug.
weichender Rezension, worüber unter B ausführlich zu himdtln ia
Bl. 1 ' steht oben : assit prinoipio eaDCta maria meo. Item der wndfl
sves; uiilfn am Bande von späterer Hand: das bftch von dem (liene
der ewigen wizhayt; Bl. 73'' unten (hei Kap. 38): ich han den
eysseti lieb vod hertzen. Vi/l. auch die Beschreibung der Hs. durch
'Strauch in Äfda IX (1883) HO.
Vollständiy, aber in ziemlich verderbter Form enthalten den
'iWt der Vita auch Cgm 4374 Pap. 4" 15. Jh. Bl. 1—129 (v(4.
SchmeUers Katalog 449) und die 1596 geschriebene Hs. d^r Uni-
eersitätsbibliothek in München Hr. 146.
Nur im Auszug von Kap. 1—44 und zwar ganz in der Ä*
sension der oben angeführten Hss. N und m ßndet sich das Leb«»
Seuses in folgenden drei Hss. :
Ms. Theol. 133 der Göttinger Universitätsbibliothek, Pap,
167 Bl. 15. Jh. in mittelfränhschem Dialekt (vgl. W. Megerf
Katalog II, 3G3); Hs. der Stodtbibliotfiek in Mainz, ohne Signatufi
Pap. 15.116, Jh., ebenfalls in mittelfränkisc-hem Dialekt (Beschreibung
von F. W. E. Roth in Zfdph 26 [1894] 67 f.); Wien, KaUen
HojUbliothek Nr. 3022 Pap. 236 Bl. 4" 15. Jh., niederrheinise,
(den iceiteren Inhalt der Hs. in Tabulae codd. II, IdO und Öt
Hoffmann von Fallerslcben, Verzeichnis der altdeutschen Hut
der Hofbibliothek zu Wien 1846, 346).
Eine Anzahl von Hss. ') endlich enthalten Bruchstücke d«\
Vita: Berlin, Ms. germ. oct. 69 (s. unter VI) Bl. 135—4$
264^73: Kap. 49 und teilmise 50, 11, 12, 8; (iättingen, i^
Theol. 292 Bl. 55, 131—36 : Kap. 49 und teilweise 20 ( W. Mty«
Katalog II, 472 ff.); Kolmar, Stadibibliothek Nr. 268 Bl. 174-7$
Kap. 9 (vgl. Bartsch, Beiträge zur Quellenkunde der altdeutschel
Literatur 1880, 314): Milnchen, Cgm 455 Bl. 1—6; Cgm 45i
Bl. 64—70 und Cgm 457 Bl. 318—23: Kap. 13; Cgm 531 /o|
Bl. 116—24: Kap. 1—9; Muri-Gries, titiftsblblioihek Cod. 10^
157 Nr. 104, Pap. 16.117. Jh., enthaltend Kap. 1—33 und im Am
zug 40—49; Stuttgart, Cod. theol. et phil. od. 19 (vgl. unter VI.
Bl. 61—64: Sprüche aus Kap. 35; Cod. a.-<cet. 203 Bl. 10t,
176-82, 191 f.: Kap. 6, 49, 35.
Nach K. Schmidts Angabe in Theol. Studien und Kritikü
1843, 865 Amn. befanden lich in der 1870 verbrannten Hs. dt
Strassburger StadtbihHothek B 146 Teile der Vita. Eine Hi
ü aiigrfirhrii dem l.'i. .Jh. angtMrtnA
Die eitueliia» IIitui]»chrifteii.
Pnvalbesiiz (Dr. Karl Widmann), Pcr.j. und I'fi/i. lü. Jli.
'p4m, i-tneichtiel K. Roth, Deutsche Predigten dc^ 12. und 13. Jh.
, 3 Anm.
m. Handscliriften des BfieblelnH der ewigen Weisheit.
Dit Zahl der llss. des zweiten Buchen Scuses iat Legion. Keine
im Gebiet der deutschen Mystik aiigehörige Schrift wurde so uft
kopiert und go viel gelesen. Bei diesem Btwhe ist ma» daher auch
m der gtückÜcken Lage, eine Ansa/d alter Pergamenthss., die in
die Zeit Sevses selbst zurückgehen oder ihr wenigstens nahe steheti,
iur Verfügung zu haben. Von ilen unter I aufgeführten Bss. des
Krtmpltirs ist das Bdew in A K K \V f X B ' enthalten, oon
di»m aber nur A und K zur Rezensierung des Textes verwendet
Wrden sind. Ausserdem sind zu nenneti:
l=Hs. der Stiftsbibliothek zu Engelberg Nr. 141, Perg.
113 Bl. 4" C118-Xlt>6 mm), 14. Jh., nlemannischer Dialekt. Be-
ickmibung bei B. G ottwald, Catalogtis cudd. mss. in bibl. monast.
Engtlb. 1891, 144. Die Kafiitdilberschriften utid initialen sind
rot; die Hs. ist von einer alteren gleichzeitigen und eimr jüngeren
Band des 15. Jh. nachkorrigiert wurden, von lezterer zienäich will-
käriieh. Leider fehlt etwa ein Drittel des Bdew: der 2. — 5. Sextern
int eoüständig verloren gegangen, i'on dem ersten sind nur zwei
Blätter übrig. Inc. Bl. 1'' : enwoltest dv (202,12), Schluss Bl. 2":
Itificegen ergie (204,3); Bl. S"" beginnt: gerent doe dv frümelichen
i'24ii,26>. Das Manuskript stammt aus dem Benediklinerinnen-
läufter St. Andreas zu Samen, das sich bis 1015 in Engelberg neben
•lfm dortigen Mönchskloster befand. Auf der letstett Seite stehen
wi zwei verschiedenen Händen eine Reihe von Einträgen, von denen
iii für die Geschichte der Hs. bedeutungsvollen aufgeführt seien:
Ueben geiBÜichen frowen gedenkent ouch min Jo. frikers des alten
äohribers von lucern der vch da half singen dur got. Datum circa
Verene ( 1. Se/zt.) Anno domini MCCCLXXVIII ". Weiler unten
i(«i älterer Hand, welche mit der ersten korrigierendrn identisch ist:
Gedenkent dvr got. S. f'= Swester) Elyzabeten Btaglin ze t6z in dem
feloster vnd ir vater Rödolfes Margareten ir mftter vnd drier ir
brfider . fridrihes . otten . vnd Riidolfes. Gedenkent 5ch eines bröders
Ines brüder iobana von Rauenspurg von dem man vcb den mergten ')
') Gottwtld a, a. 0. liest meDst«ii, re hin»» aber Steher mcrstea, woraus
iIm niUert Hand meyrten gemacht hm.
n
12* EiuleituDg. I. Die Dberlivl'emat'.
teil an dis Buch gab. Aus der letzteren Notiz yeht hervor, das» i
Hs. aus dein DomimkanermnenUloster Töss stammt und in irgen
welcher Beziehung zu Seuaes geistlicher Freundin, Etsbeth Stagtl
die „mit solchem Fleisse und göttlichen Treuen hehalfen war", sein
Büchlein zv „vollbringen", d. h. abzuschreiben ( Vita 109, 6 f.)
gestanden hat, sei es nun, dass sie dieselbe selbst schrieb^), oda
wenigstens durchkor rigierie. Die Notiz über den „Bruder" d.
offenbar Dominikanermönch Johann eon Baoensburg^) will in ihn
zieeiten Teile wo/U besagen, dass aus einer von diesem nach TSt
gemachten Stiftung die Kosten der Herstellung der Hs. zum grösstt,
Teil bestritten wurden. Später kam dieselbe in den Besitz
Luzerner Stadtschreibers Johannes Friker'), der sie 1378 ;
Engelbery schenkte. Als älteste aller Seusehss. hat sie auch Jetzt noä
hohe Bedeutung.
t' = Hs. derselben Bibliothek Nr. 153, Ferg. U7
') Bits is( Denißee Anntihmr. (305 A. J).
'') Ed lausen sieh mthrn-e Johattnee von Raptnshnrg nachweiset
Der fine, Sohn de* Schuhmachers Htinrich von Üaransburg, var Katar m
llofschreibrr def BiicIwfM Nikolaus 1 von Konstant (1334— 4t ), Laie, und sta
vor 1380 (i)yt Hegesta »pisenporum ConstitntitHsium II, 171, 193: PA. Ru_
perl, Die Clironihen der Stadt Konslam 1891, 45 ff.). Ein andertr, au» A
liavenebvrger Palrititrgeschleeht äti- Hunlpis { Uttmpiss) slammtnd, Prirtter u
Chorherr am Kollegiatstift Mänsttr (Beromüneter im Kanton T.uttrnI, iet i
bunälich zwischen 1340 und 1369 lu htlegen {Geschichtafreund XXXII, ISoM
XXXIV, 352; X, 90: V, 199: dominus Joh. de H.: Heu. ep. Comt. JI, 3i
fi. 6767, vgl. n. 5994). Doch handfit es sich walimcheinlieh um keinen i
dieem beiden, da die Btteichnung Srudfr" doch ico/il auf eitieti Mönch, d.1
hier einen Dominikaner hinwii»t. ils ist daher wa/trscheintieh Johanr
Raretulnirg, atanfiaeher MinisteriaU und Herr tu Löwental (bei Friedi-iehshafa^
gemtini, der l'JfiO ia das Dominikanerkloster Konstant eintrat (FrÜb. DiöKi
Archiv 1901, 31, 47 f.i und ewtschtn läüO und 1204 bei licchtsgeechllften
tilgender KonnsTiklöster Stints Ordens oft als Zeuge ersehrint {Reg. ep. Const. J
301 n. 1704: Wirt. TJrk.-Buch V, 181, 213, ::i.% 285, 398, 301, 360; V.
ISH: Zürrh. L'rh.-Bueh Hl, HIB, 346). Sein Name ist in dem Kalendarim
eines iJaminikaaerinnenkltister (in Konstant oder TSss?> au» dem 14. Jh., i
der Kinsiedler Hs. Nr, 623 Bt. 6', am äO. April eingetragen.
') Joh. Friker de Brugga iBrugg, Kanton Aargaul ist als noiariue «
Lutertt öfter» betrugt; tr vertiehtele 1378 aufsein Amt, nachdem er es 17 Jaht
verwallet und tag sieh ~in den Hnf auf die T.aiimpfrilnde" (irohl am
kermatift tu Lutem) turitck, starb am 34. Februar unbekannten Jahres (Q
schichtefreund II, 136: IV, 222: XXII. 154). Er »ehrieb auch die Engt
herger lls. Cod. memt'r. 1S5 und schenkte sie 1380 dem Fraaenkloster i
Kngelberg (Goltwald, Catalogtig ViSf.; M'. Wackernagel, Aitdtutea
Predigten und Gebete 187(i, 390).
r>ie einzelne» Uanil^chriften.
13*
(/. 101 fehlt) 8" (83x12<) mm) 14. Jh., zweispaltig schön i/e-
triebe» in alemannischem Dialekt, mit gemallen Initialen, ebenfalls
dem Frauenkloster Engelherg-Sarnen. Die Hs. ist vom Miniator
ausserdem von einer späteren Hand dunhkorrigiert worden. Der
(325, 18—28) fehlt. Vgl. auch Gotitoald n. „. O. 149.
f = Hs. der Freihur ger Universitätsbibliothek Nr. 474,
i'trg. 223 BL 8" (77 >c 120 mm), 14. Jh. alemannisch, am Gries-
habere Vermächtnis. Zwischen 212 und 213 fehlt ein Blatt. Ent-
hält Bl. l'—223' Bdew; 223'— 28' Gebete m Maria, die aber
States Stil nicht eerraten, vgl. Denifle 5<iO A. 5. Die Hs. ist von
Fnaz Pfeifer in Stuttgart 28. Dez. 1842—10. Jan. 1847 ab-
jtsehrieben und mit der Sirassb. Hs. B 139 koUntioiUert worden;
it Kopie ist jetzt in Wien, Cod. Vindob. Suppl. 2779 BL 1-149
(>. oben S. 5*).
F' = Hs. des Krzbischö fliehen Archivs in Freiburg i. B., ohne
Mgtutur, Pap. 13t} Bl. 4" ( 148 >^. 202 mm), Anfang des 15. Jh.,
Hnisch-schifäbisck, am dem Dominikanerinnetikloster Zofingen
'i.cAenS.9* A. t). Bl. J*"— /a' Bdeu) ohne Vei-mahiung an die
•hreiher; Bl. 72' — 75' myst. Gedicht: von armfit des gaistes
^iatutbt bei Tauler 1543 f. 332', in Cgm 447 und 455, in Cod.
■Ol. ijervu qtiart. 191 Bl. 170^71); Bl.75'-—133' mgst. Trtik-
(Inc.: Es ist ze wissest daz in der sei obrosten vemunft . .;
ron Interm leben; Bl. 90" — 102'' deutsche Stücke unter
iniichen Überschriften : de resurrectione tnaterie hominie, de oom-
pontiooe hominiB, yirginitaa, novitas vite usw.; Bl. 108'' Maiater
Bggbiirt sprach Cristus mag Dtt eopfaDgen werden in des men-
tAm eel . . .)'
f- = Ifs. desselben Archivs, ohne Signatur, Pap, 191 Bl, 8"
(100x^148 mm), 15, Jh., alemannisch-schwäbisch, ohne den Epilog
«I die Abschreiber, ebetifalle aus dem Zofinger Kloster.
H = Hs. der Universitätsbibliothek in Seidelberg, Cod. Pal.
Stm.446, Perg. llO Bl. 4" (130^170 mm). 14.115. Jh., ale-
manni.*chschKäbisch, geschrieben von Conrad von Wynsperg (Bl. 1 10 ').
ifw-hreibung in K. Bartschs Katalog 188?. 139.
Z~Hs. der Stadtbibliothek in Zürich C 172 (früher726),
146 Bl. 8° (90,-125 mm), 14. Jh., aUmmniach: drei
mer (zwischen 8 uml 9, 19 und 20, 66 und 67) fehlen. Die
hat »ehr guten Tcxf und namentlich die Vdterzitate am Bande
tMsländigsten, eine spätere Hand hol Korrekturen, die leicht er-
ibar und ohne besondere Bedeutung ^itd, angebracht. Auf der
14* EinlottuDg- I- riie flicrlieferung.
Rücksäte den vordereii Deckels steht: dis bflcli ist des conventen |
ättenbaoh. gebend es durch gott wider (vgl: oben S. 8*).
Zu den beachtenxwerlen alten Hss. des Bdew {sämtlich Pety.j
gehören ferner folgende: Äarnu, Kniilotisbibliotheh B 98.
14. Jh., ohne die 100 Betrachtungen, aus dem Frauenkloster Hennetsek
ivffl bei Muri; Maihingen, Fiirstl. Öttingeii-WalUrstein. BibU»
thek HI 1. 8" 1. 154 Bl. eon 1408, am dem Kloster Kirchhä»
im Bies; München, Cgm 174, 124 Bl, 14. Jh.; Wolfenbätt^
Cod. 67. 9. Aug.. 184 Bl. 8" 14. Jh., Bl. 2'-— 130' (»gl. v. HeiHi
manns Katalog IX, 134); Zürich, Kantonsbibliothek Cod. 14S>
131 Seiten 8° 14. Jh. aus KloKter Bheinau, unvollständig (Kap.
bis 15 fehUn).
Die Papierhss. de.< Bdew aus dem 15. Jh., soweit bekam
seien summarisch aufgezählt: Berlin, Ms. germ. quarto 173 £S
2—148: 194 Bl. 3—105'); 1121 Bl. 1—131; 1135 Bl. 7—10,
(aus dem Kloster Buxheim); oct. 379 ( unvoUstandig ). An^efO{
SM Ms. germ. fot. 1155 Bl. 1—71 aus dem IH. Jh. — Ber
Stadtbibliothek (vgl. F. Vetter in Germania 1877, 357). — Bresla
Universitätsbibliothek Hs. I 8" 27 von 1402 (vgl. Anzeiger f. Kun\
der dtsch. Vorzeit I [1832] 282), — Eichslätt, Seminart
hibliothek (nach gütiger Mitteilung von Prof. Dr. Schlecht in Freising^
- Einsiedehi Nr. H23 und 708 Bl. 122— 1>4. — Engelber
Cod. 340 (Gottwald a. a. 0. 240). — St. Florian, SHfk
hibliothek Cod. XI. i^ß Bl. 57—146 (rgl. Czerngs Katalog l&Tl
114). — St. Gallen, Stiftsbibliolhek Nr. 961 und 995. — Goth
Hm-zogl. Bibliothek Cod. 138^ Bl. 127^70 (am St. Klara in Nüm
berg). — Heidelberg, Universitätsbibliothek Cod. Pal. germ. ^
Bl. 1—81; Cod. Pal. germ. 474 Bl. 1—77 und 570 Bl. 1—lOi
(vgl. K. Bartsch« Katalog 9 ff., 144, 154). — Kalmar,
coangel. Pf arr hibliothek Nr. 321 Bl.11—123 (beschrieben im Jahr
buch für Geschichte, Sprache und Literatur Elsass-Lothringens XQ
[1903] 20 ff.). — Konstanz, Gymnasialbibliothek Nr. 29 a
•) Enthäh Bl 199'-— S12^ das Leben de» ««ligin Ehbeth van BemU
lüttrtr, Mtmtrläasigtrar Vrrsion (aUmantütehl, als der von Birlinger in A
mannia IX, 376 ff. X, Slff. ISS ff. aaeh einer Strtu&hurger und Inndm^
Ha. eilitrte TtJ't. Ich gedmke e» in Bdidt nach diestr und der Maihinfft
Ht. HI 1. 4" 8. Bl. ari4—301 mitzuteilen. In der Berliner Hs. Hfhl Bl, S13—i
Mermeine Bearbtitung von Ruyshroek» ,Zierde der gtisiUchen Hochxeit'. Still
aus dem Bdew hat Bormann in v. d. Hagenn Germania II, 173 ff. «
iiirtntlieM.
Die eiiiaelneii Handucliriften. 15*
dm Konstamer FVamiakanerkloskr. — Maihingen III 1. i°
Bl. 193—304; 1. i" 25. itus Kloster KircJüie'm. — Mainz,
SminarbibliotJtefc zwei Hss., beschrieben von F. H'. E. Roth in
Otmattia 1892, 283 f.; die oben S. 10* eriräknle Hs. der Sladt-
hibliitthdc in Mainz enthält im ersten Teil dwi Bdew ( alemannisch )
m Uli. — Melk, Stiftsbibliothek Cod. 72 Bl. 1—174 und Cod.
17S Bl. 1 — 281, beide in bayerischer Mundart (vyl. Catalogus codd.
m.in bibl. mun. MeiUcemis I [1889] 142 ff., 258). — Die StaaU-
läbliothek in München zählt ausser dem oben angeführten Cgm 174
wirf abgesehen non den kleineren Bruchstücken noch zwölf Hss. des
BSchleins: (gm 352 Bl. 1—96; 403 Bl. 106—71; 405 Bl. 1—106
nw Wessobrunn; 406 Bl. 59—153; 746 Bl. 127—234 aus Tegem-
m; 759 BL 1—102 aus St. Ulrich in Augsburg (vgl. Strauch
in Zfdph 1903, 236 f.); 765 BL 114—240 aus Fölling; 820
Bl 1—146; 3900 foL BL 27—09; 4275 unmllständig; 4308 aus
\im 17. Jh.; Clm 15604 BL 218 ff. awi Kloster Rot am Inn. —
EXürnberg, Sfadtbibliothfk Cent. VI, 43" BL 122—85; Cent. VI,
wSI Bl 1 — 248 iius dem Dominikanerinuenklosler St. Kathwina in
KSirnbtrg, alte Signatur Iv (vgl. den Bibliothekskahdog des Klosters
Waü Jostes, Meister Eckhart und seine Jünger [Oollectanea Fribur-
PfiNÄo IV] 1893, 133); Cent. VI, 85 BL 1—131. — Paris,
f Bibliothi'jue nationale Ms. allem. 303 (vgL Huet a. a. 0. 138).—
ft*th, Ungarische Landesbibliothek Cod. germ. 15 bezw. 14 in 12°
\ ftgi. A. Hartmann, Deutsche Meisterliederhss. in Ungarn 1894, 2).
I - Prag. Univer.iitätsbibliothek Cod. XVI G. 25 Bl 225—343 (vgl
I Sn-opeum 1859, 56 f.). — Baigern bei Brunn, Stiftsbibliathek
\Mi. TheoL 360 BL 4—121 aus dem Kloster St. Katharina in Nüm-
■in^ (vgl. Neuer Anzeiger für Bibliographie und Bibliotkeksrnssen-
m^ftimi, 353 ff.). — Stuttgart, Kgl. Landesbibliothek Cod.
Bwfl. et philos. fol. 19 Bl. 1 — 47 mit einem gereimten Eingang in
mli Zeilen von dem Schreiber: aoh h&eter vatter Jbesu Crist . . .
Wtgl. K. Bartsch, Beiträge 366); 4" 57 BL 1 ff.; 4" 98 BL 28
Kit 80, beschrieben von K. Helm in seiner Ausgabe lies Eeangelium
^icorfewi, LH. Verein 224 (1902) IX. — Wien, Bibliothek des
peWtenrti/fci .Vi-. 57 Bl 84—180 (vgl. Hübler, Catalogus codd.
fm9, 58 ff.); lioßibliothek Nr. 2974, nicht vollständig (Tabula^
eod. tte. II, 165). — Wärzburg. Uniiersitätsbibliothek M. eh. 9.
f7 (rgi. Archiv des hist. Vereins für den üntermainkreis IV, 3,
m). — Zürich, Stadtbibliothek Cod. C 108* Bl 1—122.
Nach der Vorschrift Seuscs in seiner Schlussermahnung an die
16* Einleitung. I. Die Überliefenmg.
Abachreiber (325,22 f.) sollten nur die hundert Betrachtungen aus
dem Bdew gesondert abgeschrieben werden dürfen. Trotz der dem
Zuwiderhandelnden angedrohten göttlichen Rache finden sich doch in
sehr vielen Hss}) Bruchstücke des Büchleins^), so in den fol-
genden: Berlin, Ms. germ.4'' 125 Bl. 25—26; 8 ''42 Bl. 43—60;
8^ 69 Bl. 194-200; 8« 364 Bl. 115—28. — Büdingen, Fürsü.
Isenburgsches Archiv 4 Bl. Perg. 14. Jh. (vgl. Zfda X [1856]
290). — Einsiedeln Nr. 645 Bl. 16—69, 16. Jh. — Engtet-
berg, Cod. membr. 94^ Bl. 8 — 9. — Frauenfeld , Kantons-
archiv Hs. Y 80 Perg. 14. Jh. (vgl. Katalog der Thurgauer
Kantonsbibliothek 1887, 489). — St. Gallen, Stiftsbibliothek
Nr. 955 S. 251; 982 Bl. 127—67; 986 S. 135—63; 1142 S. 490
bis 624. — Göttingen, Ms. Theol. 292 Bl. 231—32. — Heidel-
berg, Cod. Pal. germ. 617 Bl. 273—85; Cod. Salemit. IX, 16
Bl. 36—38. — Karlsruhe, Cod. St. Georg. Pap. Germ. 91 Bl. 30.
— Kloster7ieuburg, Stiftsbibliothek Cod. 1226 Perg. 14. Jh.
Bl. 26—29 (vgl. Anzeiger f. Kunde d. dtsch. Vorzeit 1861, 310 ff.).
— Kolmar, Stadtbibliothek Nr. 268 Bl. 174—76. — Krems-
münster, Stiftsbibliothek Cod. VI. 184 (vgl. J. Bach im Theol..
Literaturblatt 1868, 210). — München Cgm 58 Perg. 14. Jh^
Bl. 206^8; 215 Bl. 166—97; 354 Bl. 139—46; 412 Bl. 1—29;
437 Bl. 101—6; 488 Bl. 1—28; 831 Bl. 56—63; 843 Bl. 125—30;
4880 Bl. 261—69. — Muri-Gries Cod. 239 Nr. 103 Bl. 1—6,
10—11. — Nürnberg, GemMn. Museum Nr. 18525 Bl.98—13ff.
— Stuttgart, Cod. theol. et phil. 8^ 19 Bl. 34—44; 8^ 24 Bl. J/".
Besonders häufig wurde das 21. Kapitel des Bdew: Wie
man sol lernen sterben etc. separat abgeschrieben — meist von
280y7 an — und mit eigener Einleitung als Sferbebüchlein verbreitet *)
so z. B. in folgenden Hss.: Dresden, Kgl. öff'entl. Bibliothek
M 277 Bl. 89—106 (vgl. Schnorr von Carolsfeld, Katalog II,
516 f.). — Heidelberg, Cod. Pal. Germ. 105 Bl. 76—90. —
Karlsruhe, Cod. St. Georg. Pap. Germ. 97 Bl. 7—33 (von 1560).
— Maihingen 111 1. 4' 23. Bl. 284—96; 1. 4"" 32. Bl. 80—90.
— München Cgm 234 Bl. 177—22; 622 Bl. 156-62; 763
Bl. 37-44; 835 Bl. 56-^74; 841 Bl. 72-89. — Nürnberg,
Stadtbibliothek Cent. IV, 36 Bl. 152-58; VI, 43''; VII, 88.
^) Wo nicht anders bemerkt sind es Papierhss, des 15. Jh.
') Besonders häufig Kap. 13 über das Leiden.
^ Vgl, die Anm. zu 278^20.
Die einzelnen Handschriften. 17*
Von der Erlaubnis, die hundert Betrachtungen, welche
den dritten Teil des Bdew bilden, separat abzuschreiben und zu ver-
Mm (325,23), wurde reichlich Gebrauch gemacht ^). Sie finden sich
in folgenden Hss,: Bamberg, Kgl. Bibliothek N. 178 Ed. Vlll 0
BL50—1OO (15.116. Jh.). — Engelberg Nr. 155 Perg. 14. Jh.
BL 9 — 23. — Freiburg, Universitätsbibliothek, Deutsches Gebet-
buch 15. Jh. S"" BL 37 ff. — Karlsruhe, Cod. St. Georg. Perg.
G&rm. 41 Bl. 15 ff.; Cod. St. Pet. Pap. 9; Cod. Licht. 37 vom
IL Jh. (nur der Anfang); Cod. Licht. 99 ; Cod. Wonnenth. 16
tmie. Jh. — Kolmar Nr. 271 Bl. 25—38 (aus Unterlinden).
-- Maihingen III 1. 4"" 5. Bl. 137-^43; 1.4^ 4L Bl. 250—58;
18' 12. Bl. 155—88. — München Cgm 455 Bl. 126—48; 763
Bl.69—75; 851 Bl. 1—17. - Nürnberg, Stadtbibliothek Cent. V
App. 81 Bl. 23—39; Cent. VI, 86.
Die bisher angeführten Hss. des Bdew sind sämtlich in hoch-
ifutschem Dialekt geschrieben. Bas Erbauuungsbuch war aber auch m
Mittel- und Niederdeutschland nicht weniger beliebt und
abreitet und wurde namentlich im 15. Jh. sehr oft ganz oder
teilweise abgeschrieben. Eine Hs. in mitteldeutscher (hessischer)
Mundart, Perg. von ca. 1400, aber nur fragmentarisch erhalten^
findet üich im Fürstl. Hohen zoller nsc/ien Museum zu Sigmaringen,
fl«. W (vgl. Lehner, Verzeichuia der Hss. 1872, 21); ferner zwei
^okhe zu Gi essen, Universitätsbibliothek, Cod. 778 Bl. 2—216,
firg. 14. Jh.; Cod. 852 Bl. 22 — 94, und eine in der Bibliotheca
PhiUippica zu Cheltenham Nr. 647 Bl. l—()7 (vgl. U, Priebsch,
l^eutsche Hss. in England I [1896] 60 f,). Zahlreiche nieder-
deutsche und niederländische Hss. des Bdew oder von Teilen
^tmlben in Amsterdam, Ebstorf Flensburg, Greifswalde,
^ftngy Hamburg, Hildesheim, Kopenhagen, Münster,
^Idenburg^ Osnabrücky Rostock^ Upsala, Wolfenbüttel
^ftschreibt sehr sorgfältig Borchiing in seinem 1. — 3. ^ Reisebericht^ ,
^'(ichrichten der Göttinger Geselli^chift der Wissenschaften ^ Beiheft
^^08, 85, los, 127, 178 f., 243, 254 ff., 289, 299, 309, 315; 1900,
') Dies geschah besonders unter dem Titel: yKurs oder Tagzeiten (nd,
9ffiden) von der ewigen Weisheit, mit Verteilung der Betrachtungen auf die
fintdnm Tage und Hören, tote auch hei Diepenhock* 416 ff.
FT. Senn«, Dtfutich« Sohriften. 2*
18* Einleitung. 1. Die Überlief er uug'.
26. 38, 40, 127, 158, 175, 194; 1002, 44, 85, 214 '). Dazu Jtornm.
noch folgende: Berlin, Ms. geitn. fol, 76; qttttrto 172 Bl. 1 — Sf
553 Bl. 1—63; 1253 Bl. Iff.; oct. 340 Bl. 1—147 aus der Am»
waldtschen Sammlung (vgl. Jahrbuch des Vereins für nd. Sprach
forsckung 1883, 132 f.); 349 Bl. 12—16 (vgl. Jahrbuch a. a. 0.)_
380 BL 1—26; 393 Bl. 50—87. — Bonn. Universitäts&iblwthi
Cod. 390 vom 16. Jh. — Brüssel. Kgl. Bibliothek Nr. 2841
(vgl. Jahrbuch a. a. 0. 132 Anm. 2; ebd. ist eine Leidener Hs. dt
16. Jh. mtiert). — Cues, Hospitaibibliolhek M 115 Bl. 1—67
(Beschreibung unter V). — Darmstadt, Grossherzogl. Bibliothtk
Cod. 1847 Bl. 71—155 (vgl. unter VI); Cod. 1956 (vgl. Germania
1887, 343). — Greifswald, Ms. theol. N. 8 Bl. Gl~86
14. Jh. — Heidelberg, Cod. Träbner 44 Bl. 49 ff.; 1474 Bl.74 ff,
— Sigmaringen, Fürstl. Museum H". 45, 48 und 49, alle de»
Perg. vom 15. Jh.
Zum Schlosse sei noch auf einige verlorene hezw. verachoUm
Hss. des Bdew hingewiesen. Die verbrannte Stadtbibliothek in Straw
bürg enthielt deren mehrere, vgl. Witter l. c (s. oben S. 4* Ä. 1) 19 f^
unter B 139, 140, 147, 148; G. Hänel, Catalogi liborum mss. 1830,
468 f. und K. Schmidt in Theol. Stud. und Kritiken 1843, 851
Weitere Notizen im Zentralblatt für Bibliothekswesen 1900, 421 ut
in Germania 1886, 336 f. Auf ,Catalogue ofthe libranj of Dr. Kloa
of Franckfoii a. M.' 1835 verweist Strauch, Äüg. deutscfie Biogr,
XXXVn, 179 (vgl. ders.. Marg. Ebner XVII, Ä. 2).
IT. Handschriften des BOchleins der Wahrheit.
Die oben aufgeführten Hss. des Exemplars AK H ÜfytntiS* 0
enthalten auch das Bdw ; sie sind alle ausser BW und m für diiS{
Ausgabe herangezogen worden. Abgesondert findet sich dieses Back
lein, dti« wegen feines schwerverständliche», Inhalts nicht so häu^
abgeschrieben irurde wie die Übrigen Schriften Seuses, in folgenden Hss,.
B= Berlin, Kgl. Bibliothek, Ms. germ. quarto 191, Pap\
und Perg. 398 Bl. (150'K220 mm), 14. und 15. Jh., ans Dam
Sudermanns^) Besitz, früher in einem Strassburgei- Kloster; i
') Zu beachten iatwas B archUng, 1. Reisebericht ISOsagt:
aas den Werken Seine« sind tcohl häufiger, als man annimmt, unter den (wr
schitdeiieten Titeln versleckt."
'') Sadtrmann ist geboifn am 3i. Februar löBO eu Lattich, war tangi
Jahre Hofmeiittr bei verschitdmten Grafen und Herren in Deiüsehland, seit ISS
in Slrain-hur^, wo er nacli /Ö.7 J slarh ; Schrenh/eldlann; gfintlicheT LitderdichtU
Die eimeliiL'n UandBchrifteii. 19*
lm*.-'nnte, von mehreren Hunden geschfiebetu mystische Sammdks.,
dertn eimelw Släcke (I — XLVIII rot numeriert) erst später ^M-
Mmmeni/ebundfn teiirdtn. Mundart: nlemanntsch-elsässigch, Haupt-
inhalt: Bl. llr — llS' Predigten und Lehren von Bruder Heinrich,
Btichtiger zu Schönernteinbach ( JJotnimkanerinnenkloster im Elsass);
hl. 115' — 18^ von dem Sterben des Genannten, au/gezeichnet durch
mnm Nachfolger Johann von Mentze*) (Mainz); Bl. 132^—202'
Prtdigten und Traktate von Tauler, Eckhari, Heinrich son Löwen k. a.*);
81. 205—16 12 Perff.-BL 14. Jh., mgst. Traktat dex Bruder Konrad
Kn Weissenburg, betitelt „Der Baumgarten", teilweise gedruckt in
t. der Hagern^ Germania II, 303 — Kl (vgl. dazu P reger II, 51 f.
wi Strauch in Afda IX, 121); Bl. 219'-—S7'' Bdw »lit gutem
Ttil; Bl. 237' — 70' Legetiden (von der seligen Schererin, f 1409
i» Strassburg, und von der seligen Krüppelgredtn, Klausnerin zu
Ktmtantinopel, Barlamn und Joeaphat, St. Petemeüe) ; Bl. ^S^ bin
W?- WM dem Baum göttlicher Lieb und Tugend; Bl. 352'~-9V
Spräche eon Mgatikem (darunter Gregor, Augustinus, Bernhard,
Diem/tius; die der deutschen sind bis auf wenige^ von Pfeiffer
Germania III, 235—43 abgedruckt [vgl. dazu Preger II, 110 f.
\i Strauch a. a. 0. 127 A. 1}); Bl. 391'— 'M^- drei Predigten
Bruder Kon r ad von Esslingen, Provinzial Wolfram*) und Lese'
lur yikolaus von Köln (^ von Stritssburg), nach der Adelhouser
(htmik im Freib. Diöz.-ArcJiiv 1880, 189—93 veröfentlicht.
C = Kohnar, Stadtbibliothek Nr. 2G0, Pap. 137 Bl. 4"
(!ä0>:220 mm) 15. Jh., alenmnnisch-elsässisch, am Unterlinden;
itf Schreiber bis Bl. (iO scheint derselbe zu sein wie bei A^
trnagtl, liai deidaeke Kirchtnlifd I, 666 ff. V, 546—676). Die
Ton ihm gemmiaeiun ll/is. der dtuUchtn Mystiker harnen in die
t/i. Bibliothek nach Berlin ; Vtreeic/iiiix dcrselhtn und voti Sudermanna Schr^fttn
a. Aiugahm vm Tauler, Bui/sbroek; Eckhari, Seus') bei A. F. H.Schntide r,
■ Literatur der Schwenkfeldttcken Liedtrdiehter bi» Daniel Sudermann,
. £eriiu mm, 12 ff. 17 f.
•) Ein Brief von ihm if 1467) in der Nürnberger Ha. Cent. VII, 20,
Vfi. auek K. Schieler, Joh. Nider 1886, 354 und Joh. Meyer, LeheH der
fkkineiuteiMbaehfT Sehiceetem (Tübingen, Univere.-Bibl. U». Md 4öfi).
"i Bl 303' unten steht aehtrer festHich: ditz bBcli ist brflder . . iuliaua
k*ta«u(cT teiuehea oritens i?l.
'i Au/faB*ttdenceier sind gerade die Sprüche rf« Johannen Puterer (vgl.
Hu 33,1 ArnnJ übergangen. Ich werde tie bei anderer Gelegenheit mitteilen.
') WM idenUteh mit br&der Wolfram öiuer proftncifti, der in den Vilen
«« Ti$»fed. Vetter 67,11 genannt im. In der Freifmrger ffn. heitnl tr Wolfart.
20* Einleitung. I. Die ÜterlietVrung.
(h. oben S. 9*). Enthält Bl. 2'—2i' Bdw; Bl.25'-—49' Kl Bfi
(11 Briefe); Bl. 49''— 57' Predigt Lectulm; 57'~60' dr»i Bri^
«US dem Gr Bfb: Surge aqiiilo, Quotnodo potest und Nemo poU
(XV, XVU, XVIII); Bl. 61'—13G'- von anderer, späterer Hm
geschriebette Briefe und Predigten von dem Dominikaner Johann
Nider (f 1438), götlicbur kvnste meUter, seinen geisUivhen Kiruient
{Nonnen) geechriben nnd gelert zii den zitCD, ak er leezmeiBter')
waz. Es sind 23 Stücke, meist mit tuteinisckeni l'ün-pruch (Egreden
de terra, Exaudiat dominus orationes, Fylia conlide, Ädorna tha:
lamuDi usw.), eon Sense beeinfiutst, aber ohne seinen Geist*).
Eine spätere , felderhajh Abschrift des Bdw enthüll Codi
nscet. 303 (4" 15. Jh., ans dem Kloster Oggelsbeuien) in Stutt
gart Bl. 153 — 75, in welchem neben anderem sich auch Stück f c*
Tauler, Eckhart, Merswin (Rutfsbroeks ,Zierde der geistlichen Hock
zeit' bearbeitet, vgl. Strauch in Zfdph 191/7, 124} und der Trakt»
von den drei Fragen finden. Ein kleines Bruchstück ist in Bt
lin f Ms. gerin. qunrto 125 Bl. 75 — 7(!,
V. Handschriften des Brlerbttchletni.
Von den bisher beschriebenen Has. ist das vierte Büchlein e
Exemplars in AKRWfNmPSS^ VC, in Nw freilich in eigentümliche
t'crquickung mit dem Gr Bß>, gegeben. Abschriften einzelner BrüJ
firuleti sich dann und wann, doch ohne besonderen kritischen Wti
aoinSt.Gallen, Cod. 10(17 Bl. 235— 41 Brief III, IV, VI, VIl
München, Cgm 456 Bl. 54—00 Brief VI; H43 Bl. 12(r und m
bis 125'- Stacke au? Brief IX, III und II; Muri-Grits, Cod. 21
Nr. lOS Bl. fi—10 Brief III und 1; Nürnberg, Cent. VII, i
Bl. 197—20] Stücke aus Brief III und IV. In einigen anderen Ht
sind Briefe dr.s Kl BJb unter die des Gr Bfb gemischt, s. unter Vi
VI. Handsohrirten des Grossen Briefbaches.
ht die Überliefemn'/ der Schriften des Ej-emplars eine i
t/rossen ganzen geschlo-^sene nnd tinhtHUch'-, da sie von Seuse seiht
') Xider lear 1428—37 Profasor an thr UnivereiW und Lektor oh i
OrihmachUte zu Wien.
') Der 11. Brirf urf an Weihnaditen eu Nürnberg gaehrieben (Bl, WO*
da» wdnt auf 1427 oder liJib hin. Von obigen Brieftn Nidurg weies Sehiiti
in siiner wnfangrticken Biographit (vgl. auch aeinm Arlikel im
IX', 34Sff.) nicht». Bneff Nider» ßnde» »ich aiu-h in Nürnberg Cent.
20, wohl auch Cent. VI, W*, ein eimeiner in Cgm 312 Bl. 141—43; vgl
Jotle» a. n. 0. XXI A. 1.
Hie einzeluen HimJscIirifteii
21*
1
gtgen Ende feines Lebens rfoidiert und zur Htniusifnbe bestimmt
levrdeti Mnd, so wird bei den Schriften (Gr Bfb und Predigten),
dtren Art drr Kopieruntf und Verbreitung mehr oder weniger dem
Zm/aä nnheim gegeben war, das Bild ein viel mannigfaUigeres und
ica kritische Verhältnis komplizierter. Van den Briefen enthalten
iie einen Hs». nur einige Nummern, andere elwn ein Dutzend, wehrrre
?3— 2C; im einzelnen ist grosse Vnriiition, doch laust die Atifeinander-
fölge und Textgeft^ltting der Briefe auf ein einheitliches Schema in
ier Anordnung titid auf eine Ureortage schliessen. Zur Erleichterung
itt Chemicht ist am Schlüsse dieses Abschnittes eine Tabelle het-
jtgtben, durch welche der Inhalt dei- Hss. des (Ir Bfb und zu-
jirt'cA dessen Verhältnis zum Kl Bfb statistisch dargestellt wird.
Die einzelnen lixe., von denen bisher der Forschung (Denifle,
Prtger) nur der kleinere Teil bekannt war, sind folgende:
b= Berlin, Ms. germ. oct. ß9, Pap. 308 Bl. jmxUSmm,
(OB mehreren Händen am Ende des 14. und im 15. Jh. in aleman-
'tikh-tlaässischem Dialekt geschrieben, aus Daniel Sudermanns Besitz,
die H». mit vielen Bandglosaeti versehen hat, früher einem Strass-
Hr Nonnenkloster') gehörig. Hauptinhalt: Bl. 2' — 35' asketischer
Lehren einer ,erleuchteten, grossen dotteafreundin', worin
rj iler Täweler, der von beröwe, von biele zitiert werden, mit
itistischem Einschlag ähnlich der Gottesfreundliteratur , uncoll-
idig überliefert; Bl. 3S-—1W Prolog zum Gr Bfb, 18 Briefe
Predni Lectidus, meist unter der Aufschrift (rot): eine gute
ligc; Brief XII ist nach derselben Vorlage doppelt abgeschrieben
,S.i3$J, Nr. II und XX sind unvollständig; Bl. 112'— 35'' Traktat
,hohen Berge' (vgl. Denifle, Taulers Bekehrung 1879, 10);
il 135'— 49' und 364'— 73^ Auszuge aus Seuses Vita, BL 194' bis
'üXf iius dem Bdeie; Bl. iS.V' — Sfi" Predigt des Lesemeisters bei den
Bar/iltsfm bflcoirlin'); Bl. 166'-— 78'- Brief IV aus dem Gr Bfb;
BL 18ir—91'- Traktat von der Messe; Bl. 20(1'— 20G' Stücke aus
') Der Umeiand. dax» b im BritfAudifili (439,11 Katberina slatl Angnesc
•tkrtibt. iitüt a-ohl auf da» ßnfninikantrinnenklasUr St. Katharina hin irgl.
ou-A dii Anm. tu Vita 23,1), leas tHtderunt die Fermulanj/ nahe legt, dass dan
*» in h 6btrlie/rrte Teetameni der Minne t Brief XX VIII) an dataelb» Kloattr
$tw<mdt tforden ixt.
*) Konrad BÖmlin iB'inAlini, Franiiskaaer, yeh. um 1380, trat in
EMÜitgm in den Orden, I409 Lektitr su SehwOh.-Haü, 1449 ea Hrilbronn ije-
iM^n. Vgl. aber ihn K.Brehm im Diöt.-Ä'-chlf für Sehwaben 1904, ISü ff.
Hidtdu Prtdifflm Bitnling ßndm sich auch in Berlin, Ms. germ. ifuarlo 194;
Karleruht. Cod. St. Sias. 76.
22* Einleitung. I. Die Überliererung.
TuuUrs Predigten; Hl. nS^—'^d" mystische üprüche (Bl. 221': *
von berowe); Bl. 230' — ^5' Leben der sei. Margareta po« Ypert
ff 1237), nach dem Lateinischen des BrudeiS BygeroB 1391 geschrieben;
Bl. 248^ — 60" Testament der Mintie oder Minneregel (vielleicht
Sei4se).
Die Briefe Seuses nach b finden sich in Abschrift von Suder-
tnanns Band nebst der Predigt Lectvlus und vielen anderen Stärken
aus Tauler, Eckhart und späteren Mystikern in der Berliner ffst.
Ms. tferm. qtiarto 344; derselbe hat sie darnach in einem Sammel-
werk unter dem Titel: Güldene Benrttbrieff vieler Alten Qottseeligen
Kirchen Lehrer : Ale Johann Thaiilere, Heinrich Seiissen, Johan CreStzera
vnd mehr Anderer: In etliche Theil abgeteilt vnd den vhraltea
Schrifften durchausz gemäez gantz vnverfälscht an dasz Liecht ge-
geben. D. S. Anno 1622 (34 Seiten 4"), herausgegeben*).
C = Kalma r Nr. 266, oben unter IV beschrieben, entl^
drei Briefe, davon Nr. XVII unvollständig.
0 = Cues, Hospitalbibliothek Ms. 115 (früher D 41). Pap. 1H
Bl. foL, 15. Jh., niederrheinischer Dialekt. Beschreibung (ungenatti
bei J.Marx, Verzeichnis der Hss.-Snmmlung des Hospitals zuCuesl90i
Ulf Inhalt: Bl. 1—67'" Bdew; Bl. 67'*^8l'^ vom Leiden CkriOi
iuc: Elegit Buependium anima mea . . . (teilweise eine NachahmiMi
des Bdew und der Vita Seuses); Bl. 83"-— 113^ 26 Briefe des ^l
Bfb mit Prolog und vorausgehettdetn Register, in 36 Kap. eingeteilt
Br. XVn uiul XX unvollständig; Bl. 113"— 18" Predigt LectuluS
d = Darmstadt, Grossherzogliche Bibliothek Cod. 1847, Pap^
342 Bl. 8^ (!Ol>xl45 mm), 15. Jh., iiiederrheinisch. Beschreibung
von F. W. E. Roth in Germania 1687, 341 f. Enthält Bl. 206'— 69*
24 Briefe, davon X, XVII, XX, XXI nicht vollständi</.
g = St. (fallen, Stiftsbibliothek Nr. U70, Pap. 319 Seiten
(135.^200 mm), 15 Jh., alemannisch. Beschreibung in Scherrer*
Katalog 363 f. S. 13-71 Traktat Audi filia iiber das hl. Sakn
•\ Der Tiltl luieb A. V. H. .Schneider u.a. 0. 15.- vgl. auch DtnifU
in Zfda XIX, 3t7,37U, deuten An</aben durch obigtv sugleie/i rrgiinU und V
liehtigt nnd. Ein Exemplar des Druckes i.it in n'olfeitbmtel : er enthnU m
den ernten Tri!, eben Seuses Briefe (mehr schtiM nicht erschitntH tu w<i^
Mir liegt »in Exemplar der Dniversitiltbibliothtk T&bingm vor, mit fatgenik
Titel: Der Erste Theil, Inholtend EÜicb schone »uHzerleBene Brieff auch I
Predigten, welche Herr UBinrich Senme vor ohngefchr dritthalbhundert Jäh
an Geisllicho Jaiiglruweii g^iclirieben vnd get'ertiget hat . . . abgetchiieben ds
D. S. (■ohne Ort und Jahr).
Die einzeloen Haudechriften. 23*
rf<r üi Hm. oft beyeijnel (no in Berlin, Kurlsruhe, Kolmiir, Mnihingen,
Nümbery, Stuttgart, Zürich); S. 82'— SS' Brief Habitahit (IV);
S. 127—39 und 150 der Proltxj und weitere 10 Briefe, von denen
dir meinten aber unvollständig sind, wie überhaupt g manche Spuren
rinfT gewissen Überarbeitung (teils Kürzung, teils Veruäsetrung)
an sich trägt; S. 13'J und 149—50 zwei PredigiexserjHe'), Inc.:
••) Jesutn qneritis Nazarennm . . . disü wort sprach der engel . . .
hl Delicie mee . , . mir ist gar wunueklich . .; S. 140 — 49 Predigt
Ifclultig, stark gekargt.
h = Cod. Heidelberg. 358, 38, Pap. 326 BL, 16. Jh., in
ukieä/iischer Mundart. Beschreibung in Bartschs Katalog 206.
Bl.3'~14' Bruderschaß der ewigen Weisheit: Bl. 15'— m* 26 Briefe
mt dem Prolog (Bl. 21'), davon aber XVII, XX und XXVI in
Bezettiimt des Kl Bfb und zwischenhineiu Bl. W — 19' die Er-
tÜtury ton der Verehrung des Namens Jesu und der Morgengruss
ßSß— 396,5) ; Bl. SO'— 84' Vocatum est und Sprüche (396,20 bis
mß).
n=: Cgm bl9 und N = Nürnberg Ce>tt. VII, 90. Über
mitRiiB. 8. oben S.7*. HVr haben m ihnen eine ziemlich fehlerhafte,
einem späteren Abschreiber herrührende Zusammenschweissung
Kl und Gr Bfb, in der iVeise gearbeitet, ilass auf Brief I — ///
<fe< ersteren 14 Briefe des letzteren folgen, dann wieder sieben des
irtkren (IV — X), darauf als 25. Brief Vocalum est mit den Sprächen,
tk Nr. 26 Pone me (XI vom Kl Bfb) mit der Erzählung vom
Jmtn Jesu und Morgengruss^ Die Inferiorität dieser Überlieferung
)er der in den anderen Hss. des Gr Bfb liegt auf der Hand
wird unier B (S. 39^ ff.) auefiihrlicher nachgewiesen werden.
n = Nürnberg Cent. VI, 55, Pap. 344 Bl. 4" (15ox205mm),
!ä. Jh., (Bl. 219' : 1447), bayrischer Dialekt, aus dem St. Katharinen-
ieOer in Nürnberg, alte Signatur E XXX VI (vgl. Jostea a. a. 0.
^f.). Mystische Sammelh»., darin Bl. 1' — 37' Augustins Hand-
*fhUin deutsch; Bl. 37' — 66' innerliche Hede der Seele mit dem
\tr;en und des Herzens mit der Seele; Bl. 67' — 76' Bede Richards
» St. Viktor mit dem Herrn nach seiner gegenwärtigen euigen
fofie; Bl. 97' — 201' Von dem Leben der geistlichen Schwestern;
n Dait me von Stute slammrii, wofür ihre ümg^ung epreehen ki)nnte,
flieh, aber niekl s*hr wahrtchdnlich. An Auhtoritäleii werden Auguetin,
wd, Chrytoetomu», Grtgw und Ämhrosiu» litiert.
*) BritfMihi auf. tat mU einfm StUek aus der ersten Prtdigi verbunden.
24* Eiulpitutif,'- I- t»ie Ülierlieferuiit'.
Bl. 2-^6'— 9u' -JO Briefe iU.s Qr Bfb, die aber sämtlich stark 6.
arbeitet, teils gekürzt, teils erweiiert, teils umgestellt sind; tli-r zireit«
Teil non Itegtmm muiidi steht nach Nr. XXVI, der erste mich Xj
in Nr. II, XI, X VII fehlt ein grösseres Sfiiek.
H=z Breslau, DomkayitdsbibUothek, n. oben S. (i*. Enthält
Bl. 'M4'-'-—79'* 23 Briefe mit Prolog, davon «her XIV Ejttltet in
der Rezension </«t Kl Bfb.
% = Stuttgart Cod. theol. et phil. qunrto (i7, Pap. 84 Bl.
145x2u5 mm, 15 Jh.'), in alemannisch-elsässischer Mundart. Vont
ersten Blatt ist die untere Hälfte weggerissen und «wischen 10 und
n fehlt ein Blatt. Inhalt: Bl. 1"—G2^ Prolog und 35 Briefe,
in Abschrift ■') vm F. Pfeiffer in Cod. Vindob. Suppl. 2779 BL
158—244 (beendigt 24. März 1851), vgl. oben S.S'; Bl.62^—7C*
Predigt Leciulus, nach deren Schluss: Explicit über Deo graciu
Amen; Bl. 77''— 84'' von späterer Hand i/eschrieben und »nchti-äglich
angeheftet drn Predigten Taulers, Frankf. Ausg. If, 323f. 3<J7 ff.
111, 133 f.
s' = Stuttgart Cod. theol. et pkit. od. 10, Pap. 176 Bl.
lOUxlöO mm, 1.5. Jh., iiiemunnisch-schteäbisch. Bl. 17" — 49' untf
ISO'— 37' sechJi Briefe aus dem Gr Bfb; BL 92 ff. Meister Eckharts
Wirtschaft zu Köln; Bl. f25ff. von zwei Predigern und «»«*,
Müüerin; Bl. 127 ff. von 12 Meistern iu Paris; Bl. 133'— 35'
Klagsprüche des leidenden Mennchen (397,9 ff.}.
U = Überlingen Nr. 22, s. oben S. '.I*. Bl. Hb' -25- 14 Brief»,
davon Nr. II nur zur Hälfte.
Z = Zürich. SladtbibUothek Hs. G 96. Pap. 139 Bl.
(145x210 mm), 14. ,'15. Jh., alemannisch -schuäbisch. Beschreibung
der Hs, bei Vetter, Ein Mystikerpaar 59 f. A. 62; P
Zfda XX, 374 f. , vgl. seine Ausgabe des Minnebüchleins (s. S.537} 441
A. 1. Enthält: Bl. f 41' 21 Briefe des Gr Bfb mit Prolog, dav(m.
Nr. XI und XVII unvollständig, II in zwei getrennten Hälften (dit
zweite erst nach XIX); Bl. 63'— 7.5' Minnebüchlei
nach dieser (einzigen) Hs. von Preger (zugleich mit den nicht von
Seuse stammenden Gebeten Bl. 75' — tfO') und in dieser Ausgabe n&i
gedruckt. Weitere Stücke aus der Hs.: Bl. IMf^Utp Brief eint»
Gotte-sfreumUs, 118'— 21* ein göt lere des Talers (schwerlich echt!),
121'— 22' Brief Taulers (?), 122'— 22' Sprüche sind bei Prege.
') Dtntßt Z/da XIX, 367 nimmt wohl mit Unrtcht das 14.
') FTi« dir ährigfn fiüditig uad at^tnau gemacht.
-' ' •=V"K
Die einzelnen Handschriften. 25*
MjfstiklU, 411 f. ediert. Bl. 13^—3^ ist ein Brief einer Gottes-
freundin, in verderbter Form gedruckt bei Tauler 1543 f. 329".
Endlich sind noch zu erwähnen einige Hss. von geringerer
Bedeutung, welche nur den einen oder andern Brief aus dem Gr
ifl enthalten: Berlin, Ms.germ. quarto 125 BL 74 — 75, St,0 allen
Nr. 965 S. 134—35 (vgl. Simon a.a.O. 17) und Cgm 447 Bl.
^""—217" haben ein Stück aus Br. XI Audißli; Berlin, Ms. germ.
juarto 149 BL 75''— 77"^ Br, XII Nigra sum (des süsen bredige),
Bl 125''— 27" Br, XXVI Pone me; Ms. germ. quarto 182 BL 30
bU 40 Br. XXVI, III und II (von aüen aber nur ein Stück und
miigeänderter Einleitung). — St. Gallen Nr. 1014 (vgl. Scherrers
Katalog 386 f) S. 89 — 116 Br. X Bevertere, aber nur den Anfang
da^an, der mit dem Traktat ,von rechter, wahrer, sicherer Ända4:ht^ ^)
zmmmengefügt ist. — Göttingen, Ms. Theol. 292 (vgl. oben S. 10*)
bl, 137^-^47^ Br. XII Nigra sum in ziemlich fehlerhaftem Text
(ob g* bei der Edition 439,9 ff. benützt). — Die verbrannte Strass-
hur g er Hs, F 128 enthielt 23 Briefe in der Reihenfolge von s,
ds vorletzten aber den Br. Exivi (XXIII), der in s fehlt (P reger
in Zfda XX, 375).
Die folgende Tabeüe soll die Überlieferung de,s Gr Bfh in den wichtigeren
^99,j namentlich die Aufeinanderfolge der einzelnen Briefe veranschaulichen.
^ iiigleich im Kl Bfh enthaltenen sind gesperrt gedruckt, die beigegehene
2aW (in runder Klammer) zeigt ihre Reihenfolge an. Eckige Klammer bedeutet,
^ der betreffende Brief in der Hs. in der Rezension des Kl Bfb enthalten
w^ der Asterisk, dass ein Teil desselben fehlt, Brief XK VIII (Testament
^ Minne) ist, weil nur in b sich findend, weggelassen. Zu bemerken ist noch,
^h Bl. 61* und 66 *• eine Notig hat, womach Br. XXI (In omnibus) und
^^VI (Pone) falsch eingereiht sind; ersterer sollte eigentlich nach XIX (Chri-
«<>«), letzterer nach XXV (Mihi autem) stehen.
*) Kommt häufig in Hss, vor, so in Berlin, Ms. germ. 4" 174: Karls-
»•»Ae, Cod. St. Pet. 19; Kolmar !}6S; Cgm 457; Nürnberg Cent. VI, 43^
'ol. :i74r steht am Rande: Eberhart Madach [Dominikaner prior in Nürnberg
i*^-:i6, vgl. Schieler a. a. O, 73 ff.]): VI, 100.
26*
Einleitung. I. Die Überlieferang.
Übersieht Ober die Überlieferung des Grossen Briefbuehs.
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V, Sonet vox . .
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VI, Vineae. . .
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VII. Trahe me . .
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—
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VIII. Gmtate , .
6
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IX. (Juam düecta
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X, JRcvct^tTt .
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XIV.Exultet (6)
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[14]
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X V, Sarge aquüo
11
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— 10\
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XVLIn exüu L .
12
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— 11
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pot. (4) . .
—
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XIX. Christus
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XX. Annunciate
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(10), . . .
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1
XXI IL Exivi a patre
15 ^— 24
22
24
16
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XXIV. Nos autem .
16 \ — \ 26
23
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X X V. Mihi autem .
1 — 23
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XXVLPoneme(ll)
— — 1 2fß
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25 .
XX VII. Cum esseni
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23
Die einzelnen Handschriften, ^7*
TIL Handschriften der Predigten, Das JtUnuebttclilein.
A'«r die erste Predigt Seuses ist in reichlivher Weine überliefert,
icas icoht mit dtr benonderm Wertschätzung zusammenhängt, deren
sie »ich bei ihm selbst (131,28/.) und bei anderen üottesfreunden
erfreute; sie begegnet üfter» (eo in bCcgs) unter den Biiefen und
rrschaint gleichsam als au diesen gekörig. An der Verbreitung der
übrigen Predigten lag Seuse wohl icentg, und duher sind sie nur
tnangelhtift erhalten. Dabei tritt die auffallende Erscheinung su-
tage, dass für Predigt 2 — i fast nur mittel- und niederdeutsche
Hss. in Betracht kommen. Es lässt sich dies wohl nur damit er-
ktären, di'ss einerseits das Nach- und Abschreiben homiletischer Er-
teugnisse der mystischen Literatur im 14. und 15. Jh. in Mittel- und
Siederdeutschland (Siederrhein) ganz besonders im Schwünge war,
andererseits die überragende Kraft und AitktoriUit Taulers als
Prediger diejenige Sevses in den Hintergrund gedrängt hat. Schon
frühzeitig wurden die Uomilien des letzteren — immer von der ersten
abgesehen — mit denen Taulers vermengt. Es ist wohl möglich, dass
eine sgstematische Durchforschung und stilhitische Untersuchung der
Tttulfrüberlieferung neite Predigten Seuses zutage fördert oder
wenigstens eine bessere Basis für die Textesrezenaierung der be-
kannten schafft; diese Arbeit lässt sich aber nur im Zusammenhang tnit
mer kritischen Taulerausgabe unternehmen.
l. Die Predigt Lectulus ist in folgenden Hss. tnthalten:
b = Berlin, Ms. germ. oct. 69 Bl. 93'— UV (s. oben S. 31").
h» = Basel. Universitätsbibliothek Hs. B XI 23, Peig. 22f!
Bl. 16", 14. Jh, Beschreibung bei W. Wackernagel, Altdeutsche
Predigten 547/. Enthält S. 314—69 die Pr. Lectulus, welche nach
dieser Vorlage bei Wackernagel a. a. 0. 552 — 61 abgedruckt ist.
Die S, 172 — 314 vorangehenden Gebete zu den Tagzeiten und zur
Kominunion ßei Wackeriuigel 561 — 83) verraten nicht Seuses Stil,
C = Kolmar 266 BL i9'-57' (s. oben S. 19'/).
e =Cues, Ms. 115 Bl. IVr'—lä" (s. oben S. 22f).
S = St. Gallen, Ms. 070 S. 140—49 (s. oben S. T^ f,).
m = Cgm 819 und H = Nürnberg Cent. Vit, 90 haben nur
ein Stück aus d^r ersten Predigt (vgl. S. 495 u. ob. S. 23* A. 2).
n'= Nürnberg Cent. VI, 43", Pap. 298 Bl. 4", 15. Jh.,
bayerischer Dialekt, aus dem Kloster St. Katharina in Nürnberg.
Bl.t-r.2 TralAat rom hl. Sakrament (vgl. oben S. 22*); Bl. 53-136
Bu4:h con wahren Tugenden Alberts des Gr.; Bl. 160—67 Stücke
oiu </<TM Benner Hugos von Trimberg; Bl. 248 — 56 Pr, Lectulus.
1
28* Einleitung. L Die Überlieferung.
S = Stuttgart, Cod. theol et phil quaHo 67 Bl. 62^— 76"^
(s. oben S, 24*). Abschrift von Pfeiffer in Cod. Vindob. Su-ppl. 2779.
Weiter findet sich die Predigt Lecttdus, meist mt minder-
wenigem Text, in folgenden Hss.: Bamberg Nr. 178 Ed. VIII 6
(Katalog von Leitschuh J, 3.30 f) BL 1 — 22. — Berlin, Ms.
germ. quarto 149 Bl. 77^—84% 174 Bl. 138'''-48%' 580 Bl. 1—8;
1094 Bl, 102^ — 10^ niederdeutsch (vgl. Jahrbuch für nd. Sprachf.
1884, 36). — München Cgm 447 BL 86—92; 456 BL 90—116.
Münster, KgL Bibliothek Nr. 501 Bl. 7 — 28, moderne Abschrift
eifier älteren Vorlage (vgl. Katalog von Ständer 110). — Nürnberg
Cent. VI, 43*^ BL 135^ — 45'', im Verlaufe aber stark abireichend.
— Stuttgart, Cod. theol. et phiL foL 155 BL 264—72 (aus dein
Dominikanerkloster in Bottweil; vgl. atich iJenifle Bvga XI). —
Zürich, Stadtbibliothek Hs. B 223/730 enthält ein Bruchstück der
Pr. Lectulus (vgl. Wackernagel a. a. 0. 259, 552, 558 ff.)- —
Die Strassburger Hs. A 88, welche ebenfalls die Predigt hatte
(vgl. K.Schmidt in Theol. Stud. und Krit. 1843, 856), ist verbrannt.
2. Die zweite Predigt ,Miserunt Judaei^ (Echtheit zweifelhaft !)
ist handschriftlich fast nur mittel' und niederdeutsch erhalten:
b^ = Berlin, Ms. germ. oct. 329 f Pap. 348 BL, 15. Jh., nieder-
deutsch, aus dem Klostrr der Franziskanei'tertiaren in Aachen.
BL 114 — 56 Collacien von Joh. Brinckerink ; Bl. 118 jf. Stücke aus
M. Eckhart; BL 274 "• —82«' Pr. Miserunt.
g''^ = Gi essen, Universitätsbibliothek Nr. 850, Pap. 239 BL
foL, 15. Jh. (Bl. 239*': 1460), mittelfränkisch. Beschreibung in
V. Adrians Katalog 251 f. BL 1-167 der Seelentrost; BL 194 f.
229 ff. Predigten von Tauler; BL 205 — 29 Marcus von Lindawe
aber die zehn debote; Bl. 235*" — 39*' Seuses 2. Predigt.
r = JJs. der Gyninasialbibliothek in Rostock, unsigniert
8 BL 4 ^, 15. Jh., niederdeutsch. Beschreibung und Abdruck im Jahr-
buch f. nd. Sprachforschung II (1877) 11— W.
DieseMe Predigt ist nd. auch in Brüssel, BibliotJieque royale
Cod. 14688, Perg. 14. Jh. BL 93*' — 118*'; genaue Beschreibung der
Hs. bei Borchling, 1. Ileisehericht268ff., und von Priebsch in
Zfdph 1904, 58ff. — Ein Auszug aus der Predigt Einsiedeln
Cod. 708 Bl. 6*^—8*' (alemannisch).
3. Die dritte Predigt ,Exivi a patre' (ob echte') war bisher nur
in dem Taulerdruck von 1543 bekannt mui ist darnadi S. 518 ff.
abgedruckt. Nachträglich iiurde ich auf die Taulerhs. Cod. Vindob.
2739, Perg. 14. Jh. niederrheinisch, aufmerksam, welche die Predigt
Da» HandschriftenTcrliSItiiis. An und Weise dieser Auscalie. 29*
Exivi Bl. 79" — 87"* enthält; eine Kollation dieser Hu, folgt in den
Nachträgen. Jn dernelbeti Hs. Bl. S?"* — 92" ßiidet sich unter Seme»
Na$MH die vierte Predigt ,Iterum relinquo'; henätzt wurde eine Ab-
idirift von J. Haupt in der Wiener Hs. Suppi. :^7i) Bl. 247-— SO*
(cijl. obai S. 5*).
4. Da» Mianebächlein ixt allein in z = äs. der Züricher
Staätbit>li</lhek- C 96 Bl. 63'-75'- überliefert (s. oben S. 24').
1
II
B. Das Handschriften Verhältnis. Art und
Weise dieser Ausgabe.
L Das Leben Seuses.
Fiir den Prolog des Exemplars, der der Vita vorausgeht,
litid haiiptmchlich AÄ'KS benüiist, in zweiter Linie auch RVW
uni 1 = erste Druckaungabe Seuses, Au(/sburg 1482; die letztgenannten
f/«. und der Druck weisen sämtlich sehr eerderbten Tejct auf.
Für die Herstellung eities guten Textes der F/i«') sind vor
"Im AA'KMPS, .^bsidiär auch B'NRS'UWf zu benützen. Von
-I md M sind die Varianten vollständig in den kritischen Apparat
"i'Jpiiommen, um ein genaues Bild von diei/en Hsn. zu geben, von
A' die meisten, von A'PS die bedeutsameren, von den übrigen Hsfi.
nid von «, die sämtlich von Fehlern und Verderbnissen wimmeln,
hmnlm nur in einzelnen wichtigeren Fällen die Lesarten verzeichnet
"^tritai. Übrigens ist bei den ersten Kapiteln — das gilt auch für
'iit folgenden Schriften Seuses — ein ivichlicherer Varianteimpparat
l'rijtgelien, der in der Folge auf das Nötigste beschränkt wird.
Weitaus den besten, wenn auch nicht fehlerfreien Text bietet A,
vdthe Hs. daher zugrunde gelegt ist. A zunächt stehen in bezug auf
^it Gült der Überlieferung K und S, dann folgen A'MP mit schon
fhr ritten Fehlem und Lakunen. A zeigt verhältnismässig die nächste
yerwandtschaft mit S, S mit P, ohne dass jedoch auf direkte Äh-
l>^«gylceit zu schliessen wäre; APS bilden eine zusamntengthörige
Gfvppe, wie eine Anzahl gemeinsamer Lesarten und auffallender
Awila*gungen zeigen (z. h. 40,13.28; 5«.Ö; 72,30; 83,14; 12t>,5;
'I Hiete Autgabe xöhit nur 53 Kapitel, Deniflf 56, Diepmttroek fl/" und
[ *r tntr Druck 59. Die betten Bss. markieren bei 8,4; äü,U: I40,16 ttear
* Äbeatt, abm- *«n neues Kapitel; «ii goklies wird «ontt immer durch eigene
flw»cir[/l gekefimeichn't.
30* Einicilimg. I. Die Überliefemnsj.
145,18; 158,24 usw.). Femer stehen unter sich in gewisser Beziehung
die H«8. A und Ä', K und M, SP und M, besonders aber M und Ä\
die eine Reihe, allerdings meist minder wichtiger Lesarien gemeinsam
haben; in der Hauptsache gibt A' die Texigestalt von A wieder, wit
es auch den Prolog des Exemplars enthält, der in M fehlt.
Wie man sieht, ist das Hss.-Verhältms ein kompliziertes und
daher auch nicht möglich, in allen Fällen eine sichere Entscheidung
über eine bestimmte Lesart zu Ireffen; eine gewisse Bürgschaft ftif^
die Zueerlässigkeit des Textes bieten die Gruppen AA'K, AKP,
KMP, besonders auch A'KMa. gegenüber von APS, Jedenfalls tat
CS aber in dieser Ausgabe gelungen, den Text gegenüber Denifle an
nicht wenigen Stellen zu verbessern.
Eine gesonderte Betrachtung fordert die Hs. M. Sie zeigt
zahlreichen Stellen tiefgreifende Änderungen, Auslassimgen und
Zusätze*), welche unmöglich alle von blosser Schreiberwillkür Ä«r-i
riüiren können und somit dazu nötigen, die Entwicklungsgeschichtt
lies Vitatexfes zu untersuchen. Diese Verschiedenheit von M gege»
aber den übrigen Texteszeugen — ich nenne sie A-Gi-vppe nach
Hauptrepräsentanlen — hat Anlass zu einer heftigen Kontroverai
ztoischen Preger*) und- Denifle^) gegeben. Ersterer behauptet«^
A und seine Trabanten stellen die erste, M die letzte, für dat
Exemplar bestimmte Redaktion der Vita dar, letzterer, dem sich
wesmUtchen auch Strauch*) anschloaa, trat mit Entschiedenheit fÜ
die Priorität von M ein.
Es kann nun aber, vollends auf Grund des durch diese Au»-
gäbe erschlnssenfn reichere?» Materials, kaum mehr einem Zweifel
unterliegen, dass die Pregersche Hypothese durchaus verfeMt ist,
Wentt zwei Redaktionen der Vita ztt unterSchäden sind, so Jtniwl
man in M nur die erste sehen ; das hat Denifie, der überhaupt ^m
eine gründlichere Kenntnis der Hss. verfügte, siegreich nacftgewiei
Ausschlaggebend ist allein schon der Umstand, dass sämtliche Uli
der Vita, welche das Exemplar enthtäten oder wenigstens vorauasetBti
(im ganzen ca. 20), samt den Drucken die Rezension von A i
weisen; es wäre aber doch ein merkwürdiger ,Zufall' zu nent
wen7i gerade dfis für das Exemplar bestimmte Leben Seuses
') Diudben tnnd weder hti Deni/li noch b»i Fiegtr fs. folgtndi
Anm.) voUetSndig aufgtfährl.
') Zfda XX (1876) <Ofijf.; Oetch. d. d. MytUk II, 5/0/.
'^ ^da XXI (1877) 126 ff.! Settae XVIJt—XX.
■) Afdtt IX, 13S-40.
j Das HandacbritleDTcrhÄltuis. Art tind Weise dieser Aiingabe. ^l*
halit flesseiben gemten, das nickt für die Veröffentlichung vorgesehene
dagegen in das ,gereckte' Exemplar ( Vita iß) gelangt icäre^). Weitere
Gründe werden im folgenden Erwähnung finden.
Ist es nun aber unumgänglich notwendig, amunekmen, das»
Seuse feine Biographie zweimal redigiert habe'i' Vor allem ist zu
sagen, dn*s der Text von M bisher zienüich äbeischätsst wurde; er ist
weder so alt noch so gut, wie Deniße und Preger meinten*). Eine
vBrüfung des Variantenapparates zeigt, da^s der Schreiber von M
kAl ,^ort und fort den grössten Fleins" *) aufgewendet hat, nondern
jSkk zafülose Nachlässigkeiten zu Schulden kommen liesg. Oft hat
br bei schwierigeren mystischen Partien den Sinn nicht mehr ver-
tUmtdtn, wie die« bei sfpäteren Abschriften gewdhidich dsr Fall ist
ff» z. B. 164,12; 165,17; 167,5; 168,15. 24; 170,12. 19; 174,23;
175,*' usw.), häufig macht er Änderungen und Zuslitze, um das
Yentändnig zu erleiditern (z. B. 8,3; lO.llf; 21,6; 46,5 f. 60,6;
I e8j2/. ; 67fif 10; 70,7 usw.), wobei aber öfters etwas gattz Un-
' — '-'-fe«*) und Sinnloses herauskommt (so 12,10; 16,9; 27,15;
(,J7; 77,21; 83,20 ff.; 105,26; 108,9; 111,3 umc); Überhaupt ist
» Tendenz zur Erwaterung d. h. Verfluchung und Verwässerung
nTe.eUs hervorsUchend (z. B. 50,8; 57,4; 59,33; 66,4f.; 70,3;
IK; 75,14f.; 77,25; 86,23f.: 87,22ff. usw.). Man sieht sich
f Irrund von alte dem zu der Annahtne genötigt, dass in M bezw.
litwr Vorlage nicht so fast die Hand eines Abschreibers, als die
t Bearbeiters tätig war.
Daneben weist aber M manche Spuren hiJheren Alters auf in
fcritom gegenüber der A-Gruppe, die nach Ausdruck und Inhalt
t «Aj susonisches Gepräge tragen, da.'ts sie nicht als Interpolationen
*^uh9H werden können"). Bei 15,4 und 82,11 f. Hesse sich der
baftUl eines Satzteils allenfalls durch Homoioteleuton erklären, nicht
tr bei 122,lf. und 159,13 f. Es ist kein Grund abzusehen, warum
f Seuxe bei einer zweiten Redaktion sollte gestrichen habe?t;
') Dit Vtrntutung Fregere 11, 342 ff., Seitee iti durch den Tod gthindirt
•*«, 'tin vkHeiliges Werk m einem Bande tu viitinigen, und lin Schreibrr
w* doM Mufanig die falgche Vita in das Extmplar aufgtnumnen, int dach
' |«««fci iMd data tchon durch den Prolog hinrrichend tcidtrhgt.
*) Vgl dagtgen da» vwiiehtigere üneil Strauch» a. n. O. 140.
^DtnifU, Zfda XXI, 131.
) SanuitfT gehört auch 5ä,39 die AHseteuitg eines nrurn KapUtb mit
"pvtndm Überschriftt Wie er «ch aioig hielt.
■) Irh habi^ tlie»eibeii in < > gtsettl.
32* Einleitung. I. Die Überlieferung.
mindestens ebenso plausibel ist die Annahme, dose schon im Arche'
typus der A Gruppe die Auslassung durch ein Schreiberversehen
geschah.
An einer Anzahl von Stellen hat M Sonderlesarten von ge-
ringerer Bedeutung, die zwar gegenüber van Aund seinen Anhängern
ursprünglich sein können, aber keineswegs sein müssen und es meines
Erachtens auch nicht sind, da sie sich ungezwungen aus der
schon konstatierten Art des Abschreiber-Bearbeiters erklären lassen
(so 12,14; 50,27; 51,10; 62,15; 80,22; 86,25; 88,9; 99,3; 100^0;
103,10 f.; 118,24; 126,20; 135,32; 143,32 f.; 158,25; 168,3; 172,6;
177,23; 179,32; 180,1).
Von besonderer Wichtigkeit ist die Lesart von M 18,11/.:
daz (nämlich das Gebet Anima mea) er do schreib an dem nacb-
genden briefb&chlin (vgl. auch A^ in den Varianten) und der Zu-
satz 155,7: als an dem nüwen briefb&cb(l)iD, daz hie ze hindroflt
och stet, aigenlich ist geschriben. Der M-Text kann an diesen
Stellen, tvie auch Preger^) sah, nicht von erster Redaktion her-
rühren, denn er setzt ja das abgeschlossene Exemplar voraus, aber
auch nicht der zweiten, endgültigen Redaktion bei V erÖffentUchwng
des Exemplars angehören, denn sonst wäre es unerklärlich, warum aOe
anderen Hss,, von M und teilweise A^ abgesehen, berichten, Seuse ,
habe den Morgengruss nur an „etliche^ neue d, ä. gekürzte Briefe
büchtein geschrieben (18,12). Diese Na^ihricht muss aber richtig
sein, denn keine alte Hs. enthält den bezw. die Zusätze (vgl. Anm»
zu 393,6). So bleibt nur die Annahme einer Interpolation übrig,
die auch von Denifle^) und Strauch^ gemacht wurde und zu de0^
Charakter von M gut pa^st. Dies gibt uns aber das Recht, auch
den ungeschickten Zusatz in M 175,21 : als da vor gesait ist eis
eine spätere Einfügung zu betrachten.
Einem Schreiber- Bearbeiter, der sich solche Eingriffe in def^
Text erlaubt, wird man auch Auslassungen zumuten dürfen. Vita 63,ld
ist in M der Name Anna tveggela^sen und der Satz entsprechend
geändert, 64, 1 — 65,3, enthaltend die zweite der Anna geworderi^
Offenbarung samt der Rosenvision, fehlt. Mit Sicherheit ist hierauf
weder auf erste noch auf zweite Redaktion zu schliessen: SeuS^
konnte ebenso gut nachtragen als tilgen % Immerhin spricht meh^
M Zfda XX, 407,409; Mystik II, 311 f,
«) Zfda XXI, 128,137,
«) -4. a. 0. 139,
*) So auch Strauch a, a, 0,
D»8 HuKlucliriftünverhtiltiiü. Alt iiml Weise -lieBer Äiisii-abr.
33*
fir Denifif» Auffassuni/, du es Ja, nenn ihr Schri/Mel/er auf die
nxh Ufiendf Anna Jiückiticht nehmen woUle, yenvgt hätte, ikrtn
Samen toeg zulassen ; zudem ist Kap. H7 — mich in M — eine Anna
•/mannt, ivelehe lenhrscheinlich mit der in Kitp, '4'i erwähnten identisch
i4. Ater auch De7nßes Annahme, M veirate hier die erste Redaktion,
ht nicht Bioinffend, denn es konnte auch der Schreiber von M den
Text an der ernten Stelle ändern und an der xueilen die beiden Hr-
iMunge» streichen, ohne dass wir den Grund hiefür eu erkennen
»rmöchten; cielleichl geschah das letztere deshalb, weil in Kap. 34 zwei
SMiche Ersählungen folgen. Ganz tihnlifh liegt der Fall auch in
houy auf den in M fehlenden Passm von dem ,neuen Büchlein', dos
in den Rhein fiel tffl,f> — t3J, und bei den kleinen .Ittslnssungen
äI.Ü— < und S5,18—VJ.
Am tiefsten einschneidend und für unset-e Frage am wichtigeteti
*d die Abweichungen von M in Vita IHO.lff. und 177,1 ff. Am
Ort bringt die He. statt der allgemeinen Andeutung, dam
so schwer verleumdete Unschuld sich liermtsgesteUt habe, die
konkrete Xachricht, der Ordenageneral und der Provimial von
tnltmia hätten die Sache genau untersucht und alles als böswillige
YtHeumdung erkannt usw.; ausserdem ist die folgende, 10 Zeilen
nfiuftendt Ersühlung von der Erscheinung eines Freundes, der jenem
'früAir unrecht getan, gestrichen. Auch hier stehen wir vor der Alter-
lative. Streichung des interessanten Zusatzes in A, oder spätere Ilin-
fJiyuHg in M anzunehmen. In der Tat möchten Denifle^) und
!^lrauch*) den Zusatz der ersten, Preger') der zweiten Redaktion
twfisfn. Aber wahrscheinlich ixt keine der beiden Annahmen richtig.
f'.inmal finden wir in jenen Worten Seuses «onst so leicht erkennbaren
Stil jiicht wieder, die Aund rucksweise klingt fremdartig*) und sehr
nichterti, sodann ist Preger zuzugeben, dass Sense, wenn er einmal
tiM Ehrenrettung durch die höchsten Instanzen des Ordens in
tni-Jctntn Worten niederschrieb, sie schwerlich in der zweiten Redaktion
Kitder getilgt hätte. Daher empfiehlt sich auch hier wieder die An-
nahme, dass ein Unbekannter die Interpolation gemacht und die
Änderung vorgenommen hat. Seuse selbst hat sich wohl in bescheidener
Xvrilckiuiltnng mit allgemeinen Andeutungen begnügt, — seine Un-
') Z/da XXI, 130 f.
') ia. U. iSBf.
■) Zfda XX, ifJH: Mystik II, 3Hjr.
') Atuk Strauch a. a. 0. ßnäel die Leg
'■ Guekuiaek weit anaithrndn:
I A paerl/ieher und filr
&»•«■
, DmIwiM SebriflMi.
34* Einleitung. I. Die Überlieferung'.
xchuld id ja ^^orausfietzung der yanzen Erzählung! — nach seinem
Tode aber hat ein mit den Verhältnissen l^ertrauter , vielleicht ein
Ordensgenosse im Ulmer oder Konstanzer Konvent, die Notiz ein-,
gefügt. Anregung d/izu mochte ihm die Bemerkung (126,13/,) üher
das Kommen der Ordensobereti (nach Konstanz) geben, die von selbst
dem Leser die Frage nach dem Atisgang der Untersuchung auf die
Zunge legte; die anschliessende Erzählung über die Erscheinung eto
verstorbenen Freundes konnte dann als entbehrlich wegfallen.
Wer den Text zu Beginn von Kapitel 51, wo über die
G Ott eser kenn tnis gehandelt wird, nach der A-Gruppe und M
mit einander vergleicht, erkennt unschwer, dass hier eine einschneidet
Änderung in ganz bestimmter Tendenz vorgenommen worden ist.
Während in M nach dem Vorgange Bonaventuras, der hier ah
Quelle dient (vgl. den Nachweis in den Anmerkungen zu 176,11 ff»),
und Meister Eckharts^) dargetan ivird, dass Gott das j^rimum cognitm
sei und dieser Gedanke den ganzen Abschnitt beherrscht, wird in A
der Frage nach dem Ersterkannten ausgewichen und- der Ged/inke!h
gang in recht gezwungener Weise dahin gewendet, dass Gott nicht
in die zerteilten Wesen aufgehe, sondern der Enthalt aller Diny
sei ^). Kein Zweifel, dass der Text in M besser fliesst und deti Ein'
druck der Urspriinglichkeit macht. Daher meint Denifle% dat
Hervorgehen des Textes von M aus A lasse sich in keiner WeifC
begreifen, wohl aber umgekehrt; anfangs habe sich Seuse fast sklavisch
an das fünfte Kapitel des Itinerariums gehalten, später aber, ab
er daranging, die Vita zur Veröffentlichung vorzubereiten und (&
schwierigen mgstischen Partien dem Provinzial Bartholomäus vorlegt
{Prolog 5,18ff.)y habe er den Text ^so gut es ging^ geändert, weH
') Vgl Denifle in seinem Archiv II, 619 f.; 587,21: 600,15: 605,6,
^) Vgl Denifle, Zfda XXI, 131 f. Der Versuch Pregers II, SIT
nachzuweisen, dass zwischen A und M kein wesentlicher Unterschied bestehe
und dass die letztere Hs. und Bonaventura Gott nicht für das IJrsterkanM^
halten, verrät so wenig Kenntnis der scholastischen Terminologie, dass er aJb
ganz verfehlt nicht weiter zu berücksichtigen ist. Vgl auch Denifles scharfe
Zurückweisung im Archiv II, 620 A. 1, 687, Dass die Lehre der älteren ^ansii*^
kanerschule von der ,cognitio in rationibus aeternis^ mit der thomistischen Lchr€
nicht harmoniert, — die Herausgeher des Itinerariums fs. Anm, zu 176,6), SchoUim
p, 487 ff , suchen vergebens Bonaventura und Thomas in Einklang zu bringen —
hat neuerdings lichtvoll und überzeugend M. Grabmann, Die philosophiwke
and theologische Erkennt nisUhre des Matthaeus vwi Aquasparta (= Th%dU
Studien der Leogesellschaft H, 14) 1906, 65 ß\ gezeigt (S. 60 f über Bonaventura)*
Vgl auch Krebs, Meister Dietrich (s. S. 3:!^8) 124 ff.
'•') Zfda XXI, 131 ff.
Das Handschriftenverhältaiis. Art und Weise dieser Ausgabe. 35
jepie Lehre der im Orden streng vorgeschriebenen ^) thomistischen
Doktrin widersprach.
Die Lösung des Problems ist sicher eine ansprechende, tve^in"
gleich nicht alle Bätsei schwinden. Anfallend bleibt dann immerhin,
warum Seuse bei seiner „ängstlichen Furcht** (Denifle) nicht besser
dafür sorgte, dass die Spuren der anstössigen Lehre verschwanden ,
und wie er überhaupt dazu kam, in dieser wichtigen Frage von
Thomas, den er so hoch schätzt und dessen Gegner er so sehr tadelt
(Vita 180,16 f,. Hör, 151 f.), abzuweichen^). Doch wird man die
Möglichkeit nicht leugnen können, dass er trotzdem jene Theorie, die
sieh auf die Auktarität des grossen Augustinus stützte und von einer
Reihe von Theologen seiner Zeit, vor allem von seinetn Lehrer Eck-
hart, vertreten wurde, adaptierte und in seiner mystischen Spektdation
anfänglich zum Ausdruck brachte. Viel schwerer wird man zu der
Annahme greifen, — und sie bliebe allein noch übrig — dass etwa
auch hier der Interpolator von M, der die Notiz 130,1 ff. einfügte,
8ewi€ Hand im Spiele hatte, indem er sich angetrieben fühlte, den
Tejrf der Vita nach Bonaventuras Itinerarium, von dem Seuse so
flötzlich abweicht, zu ändern und zu ebnen.
Das Resultat dieser Untersuchung ist demnach folgendes: wohl
wr in bezug auf den Anfang des 51, Kapitels kann man mit ziem-
*) Auf dem Generalkapitel von 1278 wurden die Dominikaner streng auf
*« Lthrt des fd. Thomas von Aquin verpflichtet und zugleich eigene Inquisitoren
^fgttteÜt, durch welche die NichtnThomisten bestraft , aus ihrer Prooine aus-
9*iiouen und jeden Amtes enthoben werden sollten (MOPH III, 199). Ähnliche
^»Ummungen wurden öfters wiederholt, so auf den Generalkapiteln von 1279,
^ 1309j 1313, 1329, 1342, 1344 usw., ein Beweis, dass sie nicht immer genau
f^thaUen wurden und dass die antithomistische Strömung auch im Prediger^
^dtn tUcht unbedeutend war. Meister Eckhart und Dietrich von Freiberg, die
^olzdem hohe Ordensstellungen bekleideten, sind Zeugen dafür. Übei- des letzteren
^rienntnislehre , welche ebenfalls antithomistisch ist und, wenn auch von
«»<fef«i philosophischen Grundlagen ausgehend, doch in der Hauptsache mit der
^alteren Franziskanerschule zusammentrifft, vgl. Krebs a. a. 0, l'^3 ff.,
^*ff., 203*; ebd. 220* auch über den Traktat von der Minne (bei Preger
^ it9ff.).
^ Als Gegeninstanz wird man weniger betonen dürfen (vgl, Denifle
ö fl.0. 134 A. 2), dass Seuse kurz vorher (17 2,1 ff,) den Weg der Gotteserkenntnis
P^ crtüturas auf aristotelisch-thomistische Art beschreibt, und dass auch das
^^ßff, angeführte Beispiel vom Licht und von den Fledermausaugen der Lehre,
^ göttliche Wesen sei das primum cognüum, nicht recht entspricht. Ein der-
^^ti Ineinander spielen augustinischer und aristotelischer Gedanken findet sich
<w»cÄ in itm System Bonaventura.?, bei Matthäus von Aquasparta n. a. (vgl. Grab'
»'»n« a,a, Q. öTjff., 60 f.).
\
36* Einleitung. I. Die Überlieferung'.
licher Wahrscheinlichkeit von eifier doppelten Redaktion der Viia
reden; einen grösseren Umfang hatte diese scJiwerlich^), Doch mri
bei dieser Annahme der Ausdruck „Doppelredaktion*" besser ver-
mieden *), denn auch die Rezension von M war von Anfang an für
das Exemplar bestimmt^): Vita 18,11 f und 155,7 {s. oben S. 32*) i$t
von dem Briefbüchlein die Rede, 96,2 wird das Leben als erstem
Buch, nämlich des Exemplars, bezeichnet, und es fehlt auch nicht der
Hinweis auf die Bilderausstattung desselben (193,24).
II. Die übrigen Sehriften des Exemplars.
1. Das Bdew hat eine verhältnismässig sehr alte, gute, aber i
doch nicht ganz einheitliche Überlieferung, Von den benutzten JSTä |
(x, S. 196) ist der Konformität halber auch hier A zugrunde gelegt m
obwohl wir in EE^Z einen älteren und besseret Text vor uns haben;
in rein sprachlicher Hinsicht stimmt jedoch A mit diesen Hss, foit
vollständig überein. Relativ den besten Text hat Z, dctö auch dk
Autorenzitate am Rande am genauesten verzeichnet, dann feigen^
E und E\ Diese beiden Hss, weisen Korrekturen von einer äUerei^
und Jüngeren Hand auf, welche nicht immer mit voller Sicherheit e»
unterscheiden sind, Z nur solche aus sjniterer Zeit ; die sicher jängerm
und unrichtigen Korrekturen sind im Variantenapparat nicht berück^
sichtigt. In E^ und F, welche miteinander verwandt sind, zeigt Hdk
häufig ein willkürliches Eingreifen des Schreibers; E^ hat daneben .
aber auch oft sehr gute und alte Überlieferung. Verwandt sin^
feriier F und F^, E^F und F\ namentlich aber A und K, denen
sich noch manchnuxl cl anscMiesst, AKol, welche das Bdew in der
Form repräsetitieren, wie es in das Exemplar aufgenommen wurdSm
stehen durch zahlreiche Änderungen, Auslassungen und sonstige
Korruptelen allen übrigen Hss,, welche das Büchlein separat übef^
liefern, als eigene, minderwertige Gruppe gegenüber, weis zu defn
Schlüsse berechtigt, dass der Vorlage von A keine sehr gute Abschrift
f= X) des BdeWy das schon ca. S5 Jahre vor der Redigierung d0^
^) Höclisteiis wäre noch 159,13 f. an ein Kingreifen Seuses seihst zu ifonÄ?**^
^) ÄXAch Denifle redet wiederholt nur hypothetisch davon (Seuse
Zfda XXI, 137),
*) Unrichtig sagt Denifle, Seuse XIX: „w steht fest, dass das
in M von Seuse nicht für das Exemplar bestimmt war.^ Dagegen mit
F reg er, Mystik II, 321 f.
I>ii8 HftDilachrifteuvcrliSIiuia. Art und Weist dieafcr Äusgalie. 37*
larif nerfnsit war, zugrumle Ici/^); und zwar musn X in
■ Beziehunff zu der in Töss geachriebeHen Hs. E ge^tandm
dae zeiijt das äfiers vorkommeiidv Zusnmmetitreffm von A
'f AK und E, AKx und E, neben d^m jedoch auch die Ver-
tuen AF und AI! betnerkemweri xinri. In ZweifelufSllen wird
ich hei HezenMerwiff den Textex in der Hegel auf jene Hss.-
w zu stützen habe», bei der Z vorkommt. Es gelingt auf diese
öfters einen zuverlässigeren Text gu erzielen, als ihu Denifle hat,
■ und E' bevorzugte.
2. Dna dritte Büchlein (Bdw), weniger kopiert und daher
tr verdorben, ist ziemlieh gut überliefert. Führerin ist A, und
itser H«. bezw. ihrer VorInge scheinen alle übrigen abzustammen ;
ndt tiitd besonders A und li, A und K, A und S, AB und S.
Ha Varianten eon CXSfm, welche voll Fehlern »ttcken, »ind mir zum
iäntUn Teil angeführt. Gegenüber JJeniJIr. der geringeres Material
bte, ist der Text nn manchen Punkten verbessert.
H. Beim Bfh gilt so ziemlich dasselbe, wie beim Bdu: A über-
oU$ übrigen Hss„ von denen VKPS manche, N Ü H'fm a. sehr
Verderbnisse aufweisen, weit, und nur sehr selten muss eon
tbgtgangen werden. Verwandt sind unterei minder //emmders .1
S, C und S, AC und S, K und U. m und N.
4. Di« Zuaätze zum Bfb') sind in mangelhafter iVeise über-
t, und zwar weichen die Hss., welche das Exem/ilar enthalten
h/j, lind a öfters ab eon denen, welche sie in Verbindung mit
hBfb bieten (Shms'). Der letzteren (rrujij/e wird meistens,
itlieh bei den Sirrüchen, der Vorzug zu geben sein. Denifle
rie e» scheint, nur x und m benutzt. Zur Grundlage sind
df genommen, weil diese Hss. die älteren Sprachf armen und
lannifchen Dialekt am meisten bewahrt haben.
III. Das Grosse Briefbach.
Nach ö'dHWfi Zeugnis hat seine geistliche Tochkr Elsbvth
' an» .allen" Briefen, die er ihr und andern seinen geistlichm
(TU i/esandt, ein Buch gemacht; er ."elbst nahm einen Teil der
'\ Au/falimii in dire aÜndingn, da Seutt nach l'rolog 4,1 ß'. Obrr Schreiber-
rrlmiitf, spttirll im Bdmt; hhujl und von Mine" Banitlimtgfn um lin ,ge-
'f Eiimplar btrielittt. Mim ivird 'iber von rinem miltfl-aUerlicHen Schrift-
* W«< aOtH grotet Akribiti erwartfii diir/mi.
1 ygl dif Anm. S. 393.
'iS* Einleitung. I. Die Überlieferung.
Briefe, kürzte sie und machte ein neues Büchlein (873,22: diz kleia
ding) von elf Briefen daraus, dds er als vierten Teil dem Exemplar
einverleibte; die Briefe, welche ihm zur Aufnahme nicht taugUek
schienen, vernichtete er (Prolog zum Exemplar 4,18 ff.; Vita 18,12;
Kl Bß 360,1 ff., 373,22 ff.).
Ist nun wirklich das ursprüngliche, ungekürzte Brief buch der
Stagel unwiderruflich verloren, oder ist es in irgend einer Form e^
halten geblieben? Über diese Frage ist vor 30 Jahren zwiseki»
Denifle^) und Preger^) eine heftige Kontroverse ausgefoehUB
worden, die zwar kein völlig sicheres Resultat herbeiführte, derm
Verlauf aber doch unzweideutig erkennen Hess, auf welcher Seite sick
der grössere Scharfsinn und die umfassendere Kenntnis des haut' ^
schriftlichen Materials befand^). In seinem ersten Aufsatz hatk
Denifle ausgeführt, dass das ursprünglicfie Brief buch nicht, wie mm
glaubte, verloren sei, sondern sich im wesentlichen in der Stutigarltr
Hs. Cod. theol. et philos. 4^ 67 (^ s, s. oben S. 24*) erhalten finita H
während das von Preger 1867 herausgegebene Brief buch des Cgm 8tt 1
(s. oben S. 7*, 23*), das dieser für die endgültige, von Seuse für dm "^
Exemplar bestimmte Redaktion ansah, sich nur als ein ungeschiMm ^
Konglomerat aus Briefen des ungekürzten und gekürzten Briefbuchm *1
darstelle. Dem gegenüber suchte Preger nachzuweisen, dass dir i
Si<igelsche Sammlung gar nicht erhalten sein könne, da Seuse naek
seine)} eigenen Worten (373,27 ff.) sie vernichtete; derselbe hoklf \
mederholt eine Auslese aus ihr veranstaltet : die erste besitzen wir noA
in s (das „alte^ Brief buch), die zweite in den 11 Briefen des erski^ '
Druckes (das „neue^ Briefbüchlein), die dritte, für das vierteilig^
Sammelwerk bestimmte, die aber durch einen Zufall nicht in ioM
Exemplar kam, in m.
Das neu^ Material, da^ in vorliegender Ausgabe der Forschung
unterbreitet wird, ergibt mit Sicherheit, dass Denifle in allen wesffHp*
') ..Zu Seuses ursprünglichem Brief buch,'' Zfda XIX (1876) 346—7$»
^Ein letztes Wort über Seuses Brießücher,'' ebd. XXI (1677) 89—138. Fffc
auch Seuse XXV IL
«) ..Die Briefbücher Susos^ Zfda XX (1S76J 373—416. Die Abh€mS^
lang in Gesch. d, d. Mystik II, 331 ff. bringt nichts Neues von Bedeutung
ebensowenig die persönlichen Erklärungen der beiden Gegner in Äfda Uly 211 — 1
^ Strauch, Afdn IX, i56* hält Denißes Ansicht für glaubhafter^
AÜg. dtsch. Biogr. 37,179 schliesst er sich derselben rückhaltlos an. Vett€
a. a. 0. 59 f. meinte, es habe nicht bloss ztvei, sondern mehrere BriefbUcher
abweichender f^^ihenfolge und Ausirahl der Stücke gegeben, die „Kürzung^ dmrc^
Seuse sei nur entschuldigende Fiktion eines spiUeren.
r>M Uaii(lEchri(t£ii Verhältnis. Art und Weise dieser Ausgabe. 39*
liekfH Punkten da« BicJitige genekett hnt, Preyer dotjfijeH wie »Vi bezug
auf dif Vita so auch hier sich nuf falscher Fährte hefund. Was
zKHQchai das Heitif mUr neue (ijekürzte) Büchlein mit 11 Briefen
anlangt, so kann es keinem Zweifel mehr unterlitym, dnsu tvir darin
die Iftste, in guiiz ttestimmter Tendenz^) benrheiteie und in das
Eiem/tlar auft/eiwtnmene Auswahl Setises cor uns hahrn. Gegenüber
dem Zeugnis der Hu»., welche dasnelbe sämtlich ausser m und N in
tinhtiÜicher Form bieten u»d als viertes Buch dem Bdw anfügen,
mken die Pregerschen Erkfärungscenmehe und Kombinationen *) i«
luthU zusammen, m, wozu n/s Dopjielgängeriu die fast identische
Hl. S kommt (s, oben S. 7* ), kann dagegen unmöglich als Schluss-
ttdaktion Seusei* gellen und ist überhaupt gar keine Originalarbeit ^).
Di« Entstehung dieser Kompilation lässi sich unschwer begreife».
Ütr Münchner fiezw. Nürnberger Bearbeiter hatte eine Hs. cor sich,
m welcher airf das Kl Hfb das ungekürzte ( und wohl auch die
1 Prtdigt Ltctulus) folgte, — solche Hss. haben wir noch in B und V
I ~ fr H/ihm da.i erstere ganz auf, von dem letzteren aber nur die-
I 'r^gen Briefe (14), leelche ein abiceicketides Motto trugen und fügte
(K aaeh Br. 111 (Nigra num) ein frgl. oben S. 23*). Dieses Ver-
fihrtn hatte notwendig Ungleichheiten in den Überschrifli-n und eine
.itihe unnütter Wiederholungen 2ur Folge*).
1 DU Vtiri-tde »p'i'cfit von ttna- Itre, jeder Brief ist mit einer ni/eiien
fUnchrift ctTtehrn, die KurEUtig, Zusammensettunff untt Äbfntyt der Brieff
Ut nocA taehtiehen Getiehtupankten {». ü. 43* A. S) beteerksleliigt. Alt« Vita
JS,1I/. ffrAl hemir, data Abnehriften des Kl BJ'b schon vor der Sehluss-
niikiini 4** Extmplar» im Umlauf irarcn.
1 Hfda XX,41fi: MusUk 11, 342 f. Vgl. dagegen iiamtntlich ll'Uifti',
Zlia XXI, 136.
'i IHc einsetnen Argumente Pregers , der iifUr» angtjch'ckl Ofieriert,
laaiirhin hi*r nicht mthr uiidtrlegt tu werden: Drnifle hat dies fast in aUrn
AWw fieyreieh getan, tgl. hefondtis Zfda XIX, 300f. XXI, 103ff. llOff.
Dir» eehuH dir tinieuehtendt Krktaiung Drnifles, Zfda XXI, Wo.
^ treilere Xolizen übtr dir lifscliaßenheit des Textes in m N. Der
« dtrettbe wie im Kl Bfli, Die 11 Briefe de* letiieren sind, tornn
Khr rtrdtrht, in der Rezension eon A, doch hat der Kompilator nicht
, leo es ihm pattmd seMm, eineelnr Wörter und Phrasen aus dem
Sfh tu äbemthmen, bette, rinselnes utiezulaiitrH, val ts dort nicht stand;
t Beispiele hat schon Denifle, Zfda XXI. llOff. aufmcrklam ge-
io ist Sö,t3 (ich tiiiere Pregtr nach Üriltn und Zeilenl in den Uer-
GrBfl' tll,Vi: L'!f,l steht liegcheidenheit etatl inrkeit = J.?0,&; 30,1
~ 43/,l().- 61,17 waz will. leren = 467,17: 0:1,10 on seinem gebet
«WI; SJ^ goükhen = «V?-- «-'.^ g<"«8 ^nialiol =M«^S; TO.lü fehlt
.S'dmAui = 4St),t8. Am Sehlues ron Brief II, III, XXII, XXIV (nach
40* Einieituiig. I. Uie Überlieferung.
Dem geijetiüber tceisen s luid die dnmit zusammen zustellenden
Hss. bCcdgg^hnRs^Uz untrüffliche Merkmale tiuf, an denen loir m
die Singelscke Sammlung erkennen können. Per Prolog (405,1 ff.)
redet nicht von einer Auslene wie heim Kl Bfb (3G<t,äff.), son/lei
weist deutlich auf die Originalhritfe hin '); esfelilen die yedaktionel/en
Zusätze, welche Brief IV, V, VI ( Anfang undSchluss)im Kl Hf herhalten
haben*), samt — doch ausgenommen hÜs' — der Erzühbmg con dtt
Pftgtrl isl ein lateiniacher Spruch: hec nobie cnncednt ille, qui pusua eet pro noUi
l'iiltr ähnlich) angefügt. Die rfdnttiontlh BeiMfkung fi4,4~~T iBriff (^uomot
polMt, vffh diese Ausgabt 371,3^ ''of-A "«* tcelchtr Preger iZfda XX, 40Si
Myalik II, 339f.) für seine Hyjmtiiee« KaiHfnl *chl/lgt, hnt Itenifle, Zfda
XXI, IJSff, aberitugend als mnsehifbsel dfs Kiimpilators nachgtwi
') Es ist Seiuea Geteohnheit , i'n deii Vorreden und aoast bei ff«-
Irgenheit sich über die Entstehung seiner Schriften auszulasten (vgl. Dei
a. a. 0. lOfJf.i; irie das gtkärwte Rfb au iitande kam, erzählt er sogar dreimali
liier aber haust et rinfaeh : die (briefB) SAnte ... Tsl das nieht ein deutlieh»
Fingertrig, datt tcir keine von b'euse veranstalttle Sammlung vor uns habent
Er pflegt sich sonst auch nicht ein, sondern der dieuer der ewi^-im wisheit a^
itfimtu. liats ein Satt in beiden Prologen fast identisch ist, darf ' " '--^
sondtra auffallen, dctm Seuss hat auch Verse der Slagel eiiiirlnen Absekrifit*
des neuen Bfb lugrselxt, und einige davm unter die tu Bild 1 und iü gehört
Sprüchr aufgeniimmen. I'regti- räumt übrigens selbst die Möglichkeit der i
lehnung ein (Zfdn XX, 380).
') Brief XVII KJuumodo poteidj des GrBfb (vgl. Kl Bf b IV) erfordert
i/tsonderte Betrachtung. Er terfällt in twei deutlieh gssrhiedme Teile, die n
ins unter einem Motto, doch durch rote Initiale und Absat» getrennt (i£a,tO)
fiei eiTiandsr stehen, während C e d nur den erstell, n t nur den neeitm TA
enthalten. Im KlBfb sind die swei Stücke mit Hr. XVIII (A'tmo igtest) t
tammtngisehmolsrn und haben eine historische Einleitung erhalten, aus »elchn
hervorgeht, dass alle drei Teile an dieselbe Adrcssalin, wenn nueh nicht alle M
gleicher ZeÜ geschickt worden waren. Da na» im Gr Bfb mr der tmeitea At
teitung VOR Br. X VII dieselbe Einleitung steht, vttnn auch ausführlicher und m
clutrakttristischen Zügen bereichert r Jß8,/0— <iW,9(, teie im Kl Bfb (370,1—
so sieht Preger <Zfda XX, 3S0: Mgslik II, 33af.l darin einen uniriiglicha
Seiceis der Rtdigierung durch Stuse selbst. Doch ixt dir Argumentation fliW
beweiskräftig und schon von I'enifle fZfda XXI, 90ß.) genügend iridn-ltg
worden. Warnta soUjene Einleitung nicht schon in Stagtls Sammlang gttlandM
haben f Es ist aneitnehmen, dass Sease den xweitm Teil zugleich mit dem vatt
an dieselbe Nonne sendete ; deshalb hat jener auch krin eigene« Motto, nms tom
bei allen Briefen Seusrs der l'aü ist. n allein {S. im Variantenappiital 1
458tl0> kann dagegen nichts beictisen. du diese Tis. überhaupt einen sehr ttm
und oft villißrilch bearbeiteten Tc.rt enthält.- nueh bei 4U1,19 selten n Ml4>
unmoticisrienctito den Beginn eines neuen Briefes an. Eher noch känhU A
ftir »ich unrrrstKtidliche Er "fri Heijinne der Uriilhlui-g (ifiS.ldi auffallen, ab
mellticht hat die Slagrl hier geändert.
l'iia Quiidi-L'liriftvuTerhallDiH, All iiail Weise dieetr Ä-Ua^abe. 41*^
Vn-rhruuff des Samrns Jesu, Morgengrits» und Sprüchen, und über-
haupt ergibt sich dfU Gi' Bfb ') bei genauer Vergleichung unzwei-
deutig als die Vorlage zu erkennen, »(ich der die 11 Briefe des
Ki Hfl) gekürzt und zusnmmengeslellt ifordeti sitid^). Ein Blick in
_ die TabeOe S. Hfi* (vgl. auch die S. 25* vorangehende Notiz) zeigt, da"«
■ Üi Aufeinanderfolffe der Nummern des <Jr Bfb in den Hss,, zu
I 4«w auch die ehemalige Strasshurger Hs. F 128 {s. oben S, 25*)
■n sleUen wäre, — die nur wenige Briefe enthaltenden Manuskripte
HfamMm nicht in Betracht — im wesentlichen konstant ist; nur gegen
HEcUuas macht sich ein leichtes Schwanken gellend. VerhäUntsmäBsig
Hm) besten scheint die Abfolge des Originals in s repräsentiert. Es
Hvl eine interessante Beobachtung und zugleich eine Probe für die
^mBichtigkeit obiger Beweisführung, dass die Art, wie die Briefe des
^1 'i leb fftbrauehe diese Set*ichnung, nicht wie TJeniJle „vnyekil-rttea- Bi-itf-
^B kal, Hvä (Ttr nt'cAt sieher missen, ah alle BiieJ'e dtr Slagelachfn Sammlung
?J thhm sind. Zudem mag der eine oder andere noeli nachträglich data ge-
J Wnmi stin: so ist Nr. XXVII lair .*» drei S}>ätereH Hss., XXVIII (die
irl Mthtit prtittumirrlj nur in einer überlit/crt.
'I *) E* ist ron Inlcrrste Seusrs Vorgehen hierbei tu beobuchtfn. Er kärtt
■r-t >kkt bhi», sondrm macht dann und mann auch kleinere ndsr grösser^ ZusMte
'\ i'fi Brir/ IV—VIEinleitungeti, s. S. 40*1, verdeullie/U ditreh Vtrlausehung
^L ■»« JHsA-Hck» durch einen anderen, bringt hleint stüistieche Vtrbesnerungen
^K «. Die Sprache im Gr Bfb ist Sftera origineller, kräftiger, weniger gefeilt,
^1 ii Kl Bfb glatter, weniger iiersflnlieh. Infolge der Kürsung icird der Gedanken-
H l»f oitr laicAl immer klarer, z. B. int S68,S7 ff. : 370,16: ilS3,17 ohne die Vor-
V V tann rrrständlieh. Im eintelnen entsprechen sich die Briefe im Kl and
m (irBß ia folgender Weise (die betreffenden Partien des Kl Bfb sind immer
'm funiKgtsttlll und die Briefe des Gr Bfb mit römischai Ziffern btteiehnet):
H Ikrguiua mundi besteht am II 1. Teü {Stiü.lU— 362,19^410,10— 413,17) and
^tbuwi .Sluek von III Surr rxi iSG2,äO— 32 = 418,ß -419,10); der 2. Teil von
^^AifNHn ainndi im Gr Bfb, der ganr spesielle lialsMäge für eine Nonne ent-
^BlllL ist im Kl Bfb übirgangeu, ihn nie eigenen Brief ansusehen (Preger in
^I^iId XX, 375), ist aber kein genügender Grund. — 2. Habitabil ist aas seetis
^m-nthiedtntn Teilen suaammertgesetst : a) 363,4— 364,16 = IV Uabitahit ;
■^1 364,1S-3S = V 8onet 423,18—424.22; c) 364,29—360,2 = VI Vintae
■«;U~3S. dt 360,3— I(J= VIII auslote 430,5—13: e) 365,11—366,6 — X
ÄWtoTB i3(i. 4-437. 13.- f) 36U.7—^ = KI Audi ^7,31—439,7. — 3. Mgra sum
^■M »<u XII stark gekürzt. — 4. In Br. Qutmodo polest entspricht 369,4—871,32
^Bh »mntUchtn XVII und 371,33—372,25 XVIII Nttnu polest. — 5. Exulttt
^■^ XtV. - 6, Abealiin= XIII (tisndich erweitert). — 7, fChristusI, 8. (Annun-
^g>su> iMd 9. fln nntnibwii geben die Vorlage Br, XIX— XXI unwesentlich
■••^•J« wieder. — 10. Eslole besteht aus ev>ei Teilen: al 389,24 ^3m,37
im = XXU 471,3—472,11; b) 3al,l-10 = XXIV Noa autim 476,7—24. - ]L Pone
■ ««^AXK/ 4IM Schlms ovniieri.
12* ifiinleitung. I. Die Uberliefening.
O Bfb aufeinanderfolgen und wie die einzelnen kombifiiert sitid,
leutlich erkennen lässt, dass Seuse eine Sammlung vor sich hatte,
velche die Briefe so ziemlich in gleicher Reihenfol-ge und Anzahl wie
enthielt^).
Man wende nicht mit P reg er '^ ein: Stagels Samndung ist ja
mi Seuse vernichtet worden, wie kann sie dann erhalten sein ? Wir
umnen doch nicht annehmen, dass Ehbeth ohne sein Wissen und
Wollen eine Briefsammlung veröffentlichte! Darauf ist zu sagen,
lass die Absicht einer Veröffentlichung in den Worten des Prologs
licht notwendig gefunden werden muss; sie haben einen guten Sinn,
cenn Elsbeth die Briefe auch nur für ein Kloster bestimmte^
bbrigens ist ein eigentliches Verbot, die Briefe anderen mitzuteilenf
tuch flicht gegeben worden, die Bedenken Seuses gegen eine weitere
Verbreitung (7,9 ff\, 118,24 ff\) bezogen sich zunächst nur auf das,
vas er von seinem eigenen Leben, seinen Übungen und Leidefi erzählt
xatte, und davon enthält da^ Gr Bfb nicht viel. Dass sich Seuse
n seiner Meinung, das ursprüngliche Briefbuch sei bis auf den ins
Kl Bfb übernommenen Beat vernichtet, getäuscht hat, ist richtig und
mmerhin auffällig. Aber die Tatsachen verlangen die Annahme:
'S muss noch ein zweites Exemplar des Briefbuches, sei es in der
Hand der Stagel oder einer Gesinnungsgenossin (vgl. 113,24 ff",),
xistiert haben, das erhalten blieb. Völlige Aufhellung des Rätsels
vird uns wohl nie gelingen.
0 Vgl. die vorige Äntn. Warum im Kl Bfb von Nr. JT— VI eine andere
Ordnung beliebt ist, ist leicht ersichtlich. Kr war dem Lehrzweck angemeesen,
gleichartiges zusammenzustellen: Br. 1 — V behandeln geioissermassen die Anfangs-
gründe des geistlichen Lehens. Das Wort ..alle'' im Prolog (4,19) ist nicht n^
pressen ; es wäre auch kaum möglich gewesen, dass Elsbeth alle, möglicherweise
ceit zerstreuten Briefe Seuses in Abschriften zusammenbrachte. Dass uns nu^
in „Bruchstück'' (Denifle, Seuse XXVIII) der Sammlung erhalten sei, i^^
laraus aber nicht zu folgern (vgl, auch Preger II, 333), Die in die Yit^
^erarbeiteten Briefe sind selbstverständlich nicht in die Stagelsche SamnUut^
lufgenommen worden : dafür tvaren manche von ihnen nicht geeignet und ^-^
nusste genügen, sie auf jene Weise ror dem Verlorengehen gu befvahren. 1)09^
Hr. XX Ännuntiate in allen Hss. des GrBfb unvollständig ist, dürftt ledigUc^
Schuld der Abschreiber sein, die den Schluss, weil völlig gleichlautend mit d$s^
Kl Bfb, wegliessen.
*) Zfdn XX, 370 f. 379 ;\Mystik II, 332 f.
•) iSo Denifle, Zfda XXI, 93. Ganz verkehrt ist es zu sagen, d^^
Erwcihnung des ..neuen" Bfb setze voraus, dass ein „altes"^ existierte und
iannt war (Preger, Zfda XX, 369 A. 1: Mystik II, 333). .yNeW heisst
loch nur mit Bäcksicht auf seine Entstehung aus Stagels Sammlung, von d^^
"ieuse dreimal ei-täklt.
DsK UandDchrifteuTui'UMüiiti. AiL uuJ \Vt.'ise dieser Aus^julie. 43^
Wag dag Handschrifttnverhältni» in bezug auf das
tr Bfb betrifft, »o ist es nicht leicht, ein klares Bild hiereon und
hte »icherr Grundiaije fär die TextgesUdtung zu yemnneii, und dies
tsbeaondere deshalb, weil fast bei jedem Brief die Zahl der ihn
iberlieffrnden IIss. sich ander.i zusammensetzt und weil es nn einer
•ntUeh fährenden Ha. fehlt. Sämtliche Texteszeugen sind com
AreketypuK schon ziemlich weit entfernt, und heiner derselben ist frei
I zahlreichen Verde rbiu'fisen and Auslassungen. Verh^tnissmässig
«m beste» ist z, dann folgen b u»k/ s, hierauf chßü, Ods^; recht
»ehlfchlett Text haben mK, g zeigt viele starke Eingriffe des Schreibers,
Und n ift icegen seiner zahlreichen Erweiterungen und Streichungen
tktr eine Umarbeitung als Abschrift zu nennen. Nach dem Gesagten
ist auch der kritische H'ert der einzelnen Hss. zu bemessen. Kine
ftmigsf Sicherheit für richtige Lesart gibt dan Zusammentreffen von
t und b. Verwandt sind folgende Hss.: b und C, b und c,.b und s,
i md U ; d und s; g und n; h und R, h und s; m und N, n und z;
»nd»'; Oundz; bhs, bhBs, bmN, dmN, hmN, hBs. hlts\ hRss\
JHz. Die Variatiten sind bei Brief 1 und III fast voüstätuiig an-
f^hen, bei II die meisten, von IV an musste mit Biicksicht auf
itH üaum eine bedeutende Einschränkung eintreten, indem nur mehr
die wichtigeren, für die Textgeschickte bedeutsamen Abweichungen
mtiert wurden.
In sprachlicher Hinsicht ist z zugrunde gelegt, weil diese Hs.
irmöge ihres Alters und ihrer Mundart dem Original am nächsten
B dürfte; doch nind nicht alle Inkonsequenzen der Schreibung
^tixch kopiert, für das und dz ist stets daz geschrieben und
«ei«Ae/i waz ( Belat.) und was ( Verb.) unterschieden. Bei den
Britfen, welche in z nicht stehen, ist s bevorzugt unter Berücksichtigung
«n h und U. bei Br. XXIII b und bei XXVII s\
IT. Die Predigtet! und <Ias Miunebiichlein.
l. Die Überlieferung der ersten Predigt (Lectulue) ist keine
te^mders gute; auch die relativ beste Hs. b', welche zur Grund-
logt genommen ist, hat nicht wenig Fehler. Als zusammengehörig
tnnii-m sich namentlich b und b'', ä* und s, b a7id C, b und c,
C und i: g und *, n' K»rf s, ferner bCc. bb'C, gnh. g zeigt he-
gegen Schluss starke Kürzung. Von den Varianten sind
die wichtigsten verzeichnet.
4
44* Einleitung. I. Die Cberlieferung.
2, Bei der Predigt Miserunt wie bei den beiden folgenden ist
wegen d^s unzulätiglichen Materials nicht immer ein sicherer Text zu
erzielen. Für die ersfere ist in sjyrachlicher Hinsicht die mittel-
fränkische (hessische) Hs, g^ benutzt, die aber in sachlicher Beziehung
wegen ihrer zahlreichen Interpolationen weniger Vertrauen verdient,
Sie ist zu verbessern durch b^, und namentlich durch die Gruppe b^r.
Für die Predigt Exivi stapid nur d^r schlechte Abdruck in der Tauler-
ausgäbe von 1543 zur Verfügung, d^r hier mit einigen Konjekturen
und mit Ausgleichung und Reduzierung der inkonsequenten und ver-
wilderten Schreibungen iviedergegeben ist; vgl. jedoch oben S. 28* f. Für
die vierte Predigt haben wir eine ältere Hs, nieder rheinischen Dialekts,
die aber d/is hochdeutsche Original noch stellenweise durchblicken
lässt, und den Taulerdruck. Über den Zusatz in letzterem vgl. die
Bemerkung S. 536,
3. Das Minnebüchlei.n ist bis jetzt nur in z gefunden
worden, wornach es schon Preger 1896 edierte (s. S, 537). Für
den mitunter mangelhaften Text hat der erste Herausgeber wenig
getan, es ist hier durch vorsichtige Konjektur an einigen Stellen eine
Besserung versucht worden. Ausserdem ist der Text nicht wie bei
Preger diplomatisch genau abgedruckt^ sondern wie beim Gr Bfb
leicht retouchiert. Dass die in Pregers Edition 466 — 71 angehängten
(iebete nicht von Sewie stammen, wird später gezeigt werden,
y. Bemerkungen zur Orthographie des Textes^).
Der Einheitlichkeit halber, und zugleich, um diese Ausgabe für
philologische Zwecke möglichst brauchbar zu machen, ist beim Exemplar
die Schreibart der vorzüglichen Hs. A, obwohl sie sich nicht immer
konsequent bleibt'^), möglichst beibehalten worden. Wo geändert ist,
sei es um das V'eratändnis zu erleichtern'^) oder weil ein offenbarer
Schreibfehler oder eine falsche Lesart vorliegt, wird die Lesart von A
') Dir folgenden (irundsätte sind tunlichst mit den mn der ^deutschen
K ommiHHion** dtr Kgl. Freuasisdun Akadnnie der Wissenschaften für die Her-
ausgabe der „deutschen Ttxte des Mitt .lalters^ aufgestellten in Übereinstimmung
gebracht worden. Vgl. Heft 1 der „7'ex/t": Friedrich von Schwaben, hrsg. von
Jellinek Umj4 S. VL
') Anmentlich in der Anwendung von s, ss^ z, zz harscht starkes Schwanken.
Heim Text des lidew zeigen sich sowohl bei Vokalen (z. /A o, oi), als hei Kon-
sonanten ( htiujigere Dopplung!) Abweichungen gegen früher,
•') Aus diesem Grund ist in einigen wenigen Fdllm waz (Verb,) in was
geändirt, wo es nahe mit waz [Helat.) zusammensteht.
Bilder und Sprüche des Exemplars. Seuses Verhftltnig zur Kuust. 45*
hn Variantenapparat verzeichiet. Von der Regel etner genauen
Wiedergabe von A ist jedoch femer in folgenden Fällen abgewichen
worden: statt der Schreibung e, welche die Hs. bis auf einigemal
festhält, ist stets ö gesetzt; u und v, i undj sind nach dem Lautwert
verteät; Abbreviaturen^) sind aufgelöst, Eigennamen gross geschrieben
und unllkürliche Grossschreibungen bei anderen Wortern beseitigt,
Worttrennung und -Zusammensetzung sowie Interpunktion nach
modemer W^eise geregelt. Bei der Ansetzung neuer Abschnitte habe
ich mich möglichst an die § Zeichen in A gehalten, jedoch öfters auch
nach Denißes Vorbild bei längeren Auslassungen Unterabteilungen
gemacht. In Sperrdruck ist gegeben, was in der Hs. rot geschrieben
oder unterstrichen ist. Zu bemerken ist noch, dass zwischen ü und ü
in A nicht immer mit Sicherheit unterschieden werden kann; es ist
m diesen Fällen die nach der Analogie wahrscheinlichere Lesart
^twäUt.
Vorstehende Grundsätze sind im wesentlichen auch bei den nicht
im Exemplar stehenden Schriften in Anwendung gebracht worden,
jedoch mit etwas mehr Freiheit in bezug auf Beseitigung inkonse-
JM^wfer Schreibungen. Das einzelne ist schon unter III und IV gesagt.
C. Bilder und Sprüche des Exemplars.
Seuses Verhältnis zur Kunst.
Aus Aiüass der Redaktion des Exemplars hat Seuse dasselbe
'"'^ Bildern und Sprüchen ausgestattet, icelche den Zweck habeti,
•»POrt dieser falschen niederziehenden Welt wieder auf zu dem minnlg-
^^^^m Gott reizlich zu ziehen^ (4,27 f), Sie sollen den Eindruck der
''or/^ verstärken, das Unsichtbare und Unaussprechliche, soweit es
möglich istj der Anschauung und dem Verständnis naherncken (vgl,
^^^M). Nicht als ob Seuse die mystische Spekulation selbst in Linien
^i^d Farben hätte bannen wollen — „wie kann man bildloses bilden?'"
f^ägt er selbst (191,6), und erklärt seine „entworfetien Bilder*" und
"^bildeten Worte*^ der blossen Wahrheit ferner und ungleicher, als
«» schwarzer Mohr der schonen Sonne ist (193,32 f), — sondern
*^ stellen teils die mystischen Erlebnisse in symbolischer Weise dar,
0 xpa ist in Crisius, Jhs in Jesua aufgelöst, wie die Hs. auch manch-
^ ausführlich schreibt.
4ö* Einleitung. I. Die Überlieferang*.
teils halten sie die in dsr Beschauung gezeigten Phantasiebilder fest.
Eine Ausnahme macht nur das elfte Bild, welches, auf Bitten der
St<igel wohl schon früher entworfen (190,27 ff.), den Ausgang der
vemiinftigen Kreaturen aus Gott und ihren Wiedereingang in Ober"
aus sinnreicher Weise veranschaulicht , und von Seme selbst im
53, Kapitel der Vita erklärt wird.
Der Entwurf der Bilder und allem nctch auch die Ausführung
stammt von dem Autor selbst, denn sie sind von höchst origineller
Erfindung und ganz organisch aus den Einzelheiten des Textes, den
sie illustrieren, hervorgewachsen, tragen auch in allem den Stempd
seiner reichen und edlen Phanta^ne.
Bilderhandschriften des Exemplars sind uns in AKEWB\
teilweise auch in P, erhalten^), wozu noch die Druckausgaben v<m
1482 und 1512 kommen. Die Ausführung der Bilder im einzelnen
zeigt entsprechend der mehr oder minder grosseti Gewandtheit und
Sorgfalt der Illuminatoren manche Unterschiede, wenn auch der
Uaupf-charakter der Komposition gewahrt bleibt; von den beigeg^nen
Sprüchen fehlt i7i den jüngeren Hss, ein Teü (namentlich die laiei'
nischen), noch mehr in den Drucken. In der vorliegenden Ausgabe
sind aus den vier Haupthss. AKRW die bezeichnendsten Bilder a^
gewählt und nachgebildet'^); alle aus der ältesten Hs. A zu nehmen
ging nicht an, weil hier verschiedene Bilder sehr roh ausgeführt und
mangelhaft erhalten sind. Die folgende Beschreibung und H^iedef'
gäbe der Sprüche besieht sich jedoch zunächst auf Hs. A *), wo das Ot>
ginal Seuses wohl am treuesten wiedergegeben ist; die wichtigeren '
Abweichungen von K und den anderen Manuskripten sind verzeichnet,
ebenso die bedeutsameren Varianten zu den Sprüchen. Übrigens ist
bei den letzteren in A der Text vorzüglich und nur an ganz wenigen
Stellen zu verbessern.
1. Bild (Abb.l S. 2 nach K) in A Bl. 1" vor dem Prolog. Oben
üteht: Disü bild bewisent der''^ Ewigen wisbeit mit der sele geisch-
«) die K
^) Denifle kannte davon nur K und B; er gibt in seiner Ausgabe jwctüe
genaue Beschreibung der Bilder und Sprüche erster er Hs. Beprodueiert sind
bis jetzt von den Bildern der Hss. nur Nr. 11 nach K bei Denifle^ Nr. 1
nach Bbei A. Salz er, Geschichte der deutschen Literatur 1904 ff., Beilage 61m
*) Durch ein Versehen ist bei einem Teil leider ein zu kleiner MaesMäk^
genommen worden, so dass die Details nicht alle leicht erkennbar sind.
^) Div einzelnen Bilder sind in der Hs. von alter Hand mit Ziffer I-
(Bild ö' und 0 sind als eines gerechnet) numeriert.
Bilder uiid .'^prücbv des [■^vt^m^ltLr
i VerliSltnis znr Kmiet. 47*
getnalielscbaft") ( roll. Links David f nbt-r dir Mrejfent/pn
\teM je ihr i\ame) mit folgenden Sprüchen: Iniciom sapiencie
domini (Pt. 110,10; SimcA 1.10; vgl. Bdiw ■2H7,7i. Ein anvang
etlicbn wisheit ist got flisecblich dieoen in vorchtlicher behilt-
Techf.'' Salomoo: Der sunnen bild ist nit'') ho tin, siu vbertriffet
l.rteriien seliin ( Weish, 7,29; vgl. 4(Hl.&f.). Unter David Die
ige wislieit mit deu Spriicheit: läH, concupiecJs B&pienciam etc.')
irach l,:iH) Kind mins, begerst du der getliclien wisheit, tto be-
ll die tugent der gerelitikeil ; unter Salonioii Der diener der Ewigen
BJieit, nrfjen dem «teht: hanc amari. Diz hau ich geminnet vnd
gesftchet von minen jungen tagen vnd han mir si vserkorn ze einer*)
mhel ( Weish. 8,3; vgl. 2iM,liff.). Unten links Job mit den
'orten: Sapiencia non iniienitur in terra suauiter uiuentiuni (Job
i3f.). VVer Bincs libes mit Zartheit wil pflegen, der endarf sich
■ Ewigen wisbeit minn') niemer angeuemen. Der weit ralnne
B er lan, der die Ewigen wisbeit ze einem liep wil iiau; rechts
illotilez: Sapientie est ordinäre (Aristot., Metaph. 1,2 Ö82al7f.).
tr diser wisbeit wil pflegen, der eol ordnen alles sin leben (eyl.
Wol. HIOJ. Hie einzelnen Personen tragen Spruchbänder, auf denen
I deutuchen (nicht die lateinischen) Sprüche stehen. Die tmge
tilhiit (mit Kiinigamfintel und Krone, die ii'eltsckeibe wit Sonne,
hd und Sternen nuf der Bntut haltend, ogl. 103,17) und der
Im«- (im Dominihnnerhabit, den Namen IHS auf der Brust, bart-
ifeo ttet» in A.'J, ohne den Kram von Hosen, den er in K und
)irägt) ■•'ind in ganzer Figur, die vier übrigen Personen im Brust-
U; batid und Salomon tragen die Königskrone, Job und Arisfotelea
itige Mütze. In KB^RWol steht die ewige Weisheit rechts, Seuse
it, die Spruchbänder fehlen zum Teil, im übrigen xind die .ih-
ickungen unbedeutend.
' 2.Bitd<Abb.2S.19nachW)inABl.i^\ Vorher. Mfht: Dis
Vf/etA bilde bewi^et eins wolannahenden menschen raizzlich gesttche
^ getlicbem tröste (rot): nuf dem Bilde selbtt: Er hat mich vnd
in miuneklicb vmbuangeii, dez stan tcb aller creaturen ledig vnd
I mit in vnbehangen. Du" Bild stellt Seuse dm- — über ihm
b: der diener der Ewigen wisheit — in sitzender Stellung, auf
■•» Schosse umarmen sich die ewige Weisheit in kleiner Figur und
i IHtfurs Seele, die nach mittelalterlicher Art als nacktes Kind
■) i^eraalielichAfft mit der gel goistlicheu B'Il '•) nil frhli B' W -■) cW.
Hl KU ■') aiaem K meiucm fi> ') minii fthh KR
48* Einleitunjf. I. Die Oberlieferang.
abyebildet ist,'^) Hechts und links stehen zwei Engel (in W
einet' rechts und fünf kleinere oben, s. Bild), die auf den Di
hinzeigen; in K tichweben sie in der Luft und haltete einen Kt
von Hosen um Seuses Haupt.
3, Bild (Abb. 3 S. 52 nach W) in A Bl 22^ Oben steht:
nagend bild meinet eins wolzftnemenden menschen f bigen dorpi
^rot). Das Bild stellt dar, ivie Maria, auf einer Bank sitzend,
ias Kind Jesus dem knieenden Seuse (über ihm steht: der dien<
2r trägt von jetzt an den Rosenkranz, der sein. Haupt wie
Heiligenschein umgibt) zu trinken geben, Rechts von den Figt
^teht: wer sin vichlichkeit mit strengen wirigen ^) f bangen hat
bin geleit, dem wird von got erlobet sins libes pflegnAs in on
lieber messikeit. In K ist das Bild durch eigene Zutaten des Mc
'^gotischer Baldachin, prächtiger Thronsessel, reiche Gewänder, alli
Hausgeräte mit realistischer Beobachtung dargestellt) verschöneri
4. Bild (Abb. 4 S. 65 nach A Bl. 28"), Doppelbild, vor .
iteht: Dis nagende bilde mit dem reselohtem ringe betätet menge
iden, in den ein warer gotesfr&nd mfiss beweret werden (r
Oben Seuse (überschrieben: der diener) mit dem Kransse und
ien roten Malzeic/ien an den Händen ufid Füssen (vgl.
Erklärung 64,24 ff.) inmitten seiner Ordensbrüder (links und rn
'e drei Dominikaner), ein Engel ihn umarmend; links oben eine
ien Wolken reichende Hand mit Kreuznimbus, die göttliche Vorsehi
'dextera Dei) bedeute}id% Unten Anna in nomvenartiger Kleide
cnieend, mit einend Kreuzchen in der Hand, von einem Engd n
)hen auf den Diener hingeunesen. In K steht das Bildchen
4nna vor dem andei*en.
o. Bild (Abb. 5 S. 129 nach K) in A Bl. 57r Oben : Diz nage
jrbermklich bilde zeget den strengen vndergang etlicher vserwe
fotes frönden *) (rot). Auf dem Bild selbst stehen folgende Spri
Über deren Zuteilung zu den Figuren die Abbildufig zu vergleic
at) : Liplichü ^biing dv tut wc, aber eines gelassen menschen vo
^ndergang tasentstunt me.
Wer in sinem bitern liden ane bimelscben trost och mAss
laz ist grosse jamer vor allem**) pin.
") der diener fehlt KKW *) wirdigen B^W <?) der gawse Vorepi
ehli K ^) aUer KPRW
^) Vgl. Krths, Die Mystik in Adelhausen (s. Änm. zu 113,14) 82.
^ Vgl F, X. Kraus, Gesch. d. christl. Kunst I (1895) 117 ff.
Bilder and Sprücbc dvn Ezemplarü.
s VerhälliiiK r,
• Kuuat,
49*
, 6ot von himel der bat mich gelagseo, des lid ich Bwarlich")
||-alie maese.
Da bist wordeo ein äffe vnd ein tore, vnd an den eren Bwerzer
B ein more.
I Ein beser lieger vnd ein falscher trieger von*) bilHcb liden
|wan er bat es verBchuldct wol.
I Mit eeeicb vnd mit') gallen, wellen wir in trenken mit eehallen*'),
U Einen hingeworfenn geheimen sol nieman klagen, wan sul in
Lmtier lassen gnagen.
L Eilt ffietfich Bol man hin werfen den hundeu vf den mist, wan
■kIos vnd vnsuber ist; dz fQstüch eol sich uit weren, es sol sich
E biUicb lan mennlich serzerren.
I In <ier Mitte links: frater eram leonum et socius strueionum '),
mmler Job (3o^9; vgl. Hör. 114): Min bröder waren mir grimm
■b vnd minO gesellen vngehiir») strussen. Das Bild stellt dar,
KjStuse von bdsen Geistern und durch Verleuniduitg dtr Menschen
Wiii^t wird. Er steht in d^r Mitte, die Kapuze bin über die Augen
igezögen und die Hände über dem Kopf zusammenschlagend,
\Geister in allerlei äpukgestoUnii (Affe, Habe, Schwein u. s.w.)
. und speien Feuer und Schwefel auf ihn, einer bedroht ihn
einem Bohrer (vgl. tl 1,14 ff.), ein anderer mit einem Pfeile
l^2f.); rechte oben befindet sich die verriegelte Himmelstür,
'TrosUosigkeit bedeutend, links in der Mitte ein mit spitzigen
H besckUigenes Krem (vgl. Kap. LG), auf dem der Name I H 8
tgraben ist und Don dem zwei Geissein mit je drei Zacken herab-
fm (43,4ff.); in K sitzt auf dem Kreuz noch eine Eule. Am
' dejt Dieners nagen und zerren allerlei Tiere: Hund, Löwe,
pw, Schlange, Skorpion. Rechts befinden sich mehrere Personen '):
'. Dominikanerinnen, von denen eine einen Kessel trägt und dem
r mit einem Schwamm Esaig reicht, ferner drei Männer fltomini-
; odtr ein Mönch und zwei Laien?); mehrere con den Personen
Im i»t( dem Finger auf Sevse. Unterhalb davon zwei Fiichse,
ll« W» kUinrg Tier zernagen, und ein Hund mit dem Fusstuch
Maid (58,6 f.).
H. Bild (Abb. <! S. 141 nach H) in A Bl. 62-. Vorher liest man:
•) WacA ««r&rlich iit vnd tum größten Teil htrausradirrl A *) von
S ') mit/thU A -*) schal Ä acbaUe KP ') der tat. Spruch frUl EPS
n ftkU A ») /ort gam inrgradiert A
') in K, Vit t» scheint, ncei Dominikanfr und drei Dominikanerinnen.
H. BtiKD, Dtntish* flobrirun. 4'
50* Einleitung. I. Die Überlieferung'.
Disv«) nagenden*) bild gebend ze vereten die tröstlichen vnderlibi,
die got sinen lidern vnderwilent lat werden (rot). Maria mit
Königsmantel und Krone auf dein Haupte, das Kind auf dem Arm, das
eine Paternoster schiur oder einen Rosenkranz in der Hand hält — in S
hat Maria eine Rose — erscheinen Seuse (überschrieben : der diener),
der dakniet und die Arme ausbreitend zu Jesus spricht: Ach zartes
herzentrat. Auch rechts herüber, teilweise noch über Maria stehl
HERZTRUT. Links ein Engel stehend, in den Wolken ein weiterer
kleiner Engel mit einer Harfe (in K zwei Engel mit kleiner Orgd
und Psalterium),
7. Bild (Abb. 7 S. 147 mich K) in A BL 6'5^• ChriHus erscheint
als gekreuzigter Seraph dem knieenden Seuse, über dem der dienert
steht. Vorher die Horte: Diz nagend bild lert den menschen, wie
er nuzzberlich sol liden (rot). Bei d^m oberen der drei Flügelpaan ;
ist geschrieben : lern liden cristförmklich, beim mittleren : trag lidea '■
gedulteklich, beim untern : enpfah liden willeklich, zwischen Christia :
und Seuse: Ach herr, 1er mich, dazach knnne liden nach dinem -
aller liebsten willen. Das Kreuz ist in W und ol, wie in der spät'
mittelalterlichen Kunst häufig, ein Rosenstrauch mit ausgebreiUiff^
Asten (vgl, auch Bild 12). Es ist nicht unmöglich, da^ss das Büi,
welches den Grundgedanken der Mystik: die NachfoUße Christi synh
bolisch zusammenfasst , von der Darstellung der Stigmatisation des
hl. Franz von Assisi^) beeinflusst ist. Eine moderne Düsseldorfer
Nachbildung (Stahlstich) s. bei Den ifle, Das geistliche Leben H880,
Titelblatt,
H. u. .9. Bild (Abb. 8 S. 150 nach W, 9 S, 151 nach K) in A Bl. 67%
zwei zusammengehörige Bilder: Seuse empfängt himmlische Tröstung
und wird als geistlicher Ritter investiert. Vorher die Worte: Diz*)
nagenden bild bewisent aller gotlidender menschen himelschen troet
in zit vnd ir gross erc vnd loblich wirdekait, die su son besizen in
in ewikait (rot). Auf dem oberen Bild Seuse (überschrieben: der
dienen*), neben einem Stuhle stehend und von einem Engel umarmt,
rechts ein kleinerer Engel auf einer Leiter mit einer Harfe (K: Hand-^
orgel), ferner zwei weitere mit Buch wmi Geige, ganz oben die ei€ig0
«) die K ^) radiert A n K fügt hinzu : der ewigen wiszhait
'0 die K «) fehlt K
') Vgl, IL Thode, Franz von Assist und die Anfänge der Kunst diT*
lienaissance in Itidim ^1904, 144 ff., der 10 italienische Darstellungen dM0
wunderbaren Vorganges aus dem 13. Jh, aufführt. Die spätere Kunst bis 160^
hält den durch Giotto (f ^337) gescfuiffenen Typus fest.
Bildor und Sprüche des KxempiarB. SeaHe» VerhUtniH zur Kuawl. 51*
Weisheit (Christus) mit Marin in Brmtbild. llW'X. wetic/ien in un-
htdeulaiden Einzelheiten iib. Auf dem hildn die Sprüche: Der von
der Ewigen wiBlieit pnd von dem") hsiligen engel''} ist vmlivangen,
den mag enkein scbedlicb viigelück nieiner erlangen.
Mit himeUcher süzikeit, gütlicher wisheit vnd engelschlicher
urtlieit ergezzet got bIo diener alier ire widerwertikeit. Auf dem
liiiteren Bild rric/it Christus die ewige ileinheit (BriisthUd; in
JJ' und H wird ein Engel daraus), von Wo/kennimöus umgehen,
im knieenden Seuse (über ihm steht ivieder: der diener'') einen
lütig. drei Engel bringen Schuhe, lütterkteiii, ('iirtel und eilte Krone,
fKhts oben blasen zwei Engel die Posaune, ein dritter schlägt die
Pauke. Unterhalb ein Schild mit Topfhelm; das Feld ist weiss
inrf rot und mit einem Kranz von Boxen geziert, d-irüber ateht I H S ').
JbcAte hieeon zwei Bitter auf Pferden mit einem Fähnlein, das
in/ulU mit IBS gezeichnet ist, hinter ihnen ein Knappe, Dazu
f^tSrtn die Sprüche: Ritterlichii klaid vnd ere son eä eweklich
Ben, die sieh hie dur got lidens vnd midens nit land verdriessen.
Wer sieb gütlicher ritterschaft nimet an, der aol in allem liden
liiR mannes herz in vnverzagter wise han.
Um den Schild herum steht: Dz wies felil betütet'') luterkeit,
In rot gedultekeit.
Garn unten am Band« ist in A notiert: äü obren bild hörend
mit. l/arnach hätte der Illuminatot- die Bilder falsch gruppiert;
I auch in den andern Hss. ist die Beiheufolge dieselbe. Zum
fmtändnis des zweiten Bildes vgl. Kap. 2u und 44.
tu. Bild (Abb. 10 S. 154 nach K) in A Bl. t!8": Die Ewige wia-
toil m königlicher Gestalt tnit Szepter (in K auch Reichsapfel) hält
r dem weit auegebreiteten Mantel') eine Anzahl Personen: links
if ( rAersckrieben : der diener), rechts seine geistliche Tochter,
•) den B'Ütr üj eugeln B'RW •:) fehlt K "i betlit«t fthU AP
") Phanlattüch i»l es, fi-tnn t. J. Mont auf Grund diente Bilde» Stune
IMitmeieitr und Auktontäi in der Heraldik aiuiehl (Diäs.-Arehh von
S [16931 ÖJ; XV [1807] 14i}).
^ Dae Bild seheinl bteii\ftusgt von der Idee and Darnttllung der Sehuti-
ifi Maria (vgl. 317,14. 647,28 ff.), die gerade im 14. Jh. in Domini-
tutn aufkam, ogt. IC. Krebe in „fVeibuiger Münnlerblätfer*' 1(1906),
I, Gtteh. der ehrittl. Kuitet II, 1 (1897) 433/.; Paltttr f
Gant im Einktang diimit sieht, data in A auf Bild 9 und 10 die ewige
il in «•eAtieher Farm, liorllos und mit gelbem Hnar darnest
l auf Bild in deutlich Maria daraus.
y
52* Einleituug. I. Die Überlieferung.
ü/ier der Elisabef) (rot) uteht, im iJoiiiinikatterirmenlmbit, auf gfnem
Throne sil3eiid und von einem Engel gekrönt; neben ihr ein Bueh^)i
Seme'^uiid Elsheth hallen einen Kram von Rosen, iimerhalh dessen
IHS*) steht, rechts von ihnen sind ein Mönch und eine Nonne det
Dominikanerordens, unterhalb eine bürgerlich yekleidete Frau mit
zwei Mädchen (diese beiden fehlen in K) und drei Mäniur, icelcii
sämtlich nach den von der Strigel ausgeteilten Namen IHS die Bänät
ausstrecken. Links oben ein kleiner Kngel mit einrm Buch '), i
noch einer rechts den Mantel haltend. In B^R Ha fehlen vemchiedeni
Einzelheiten (Thron der Elsbeth, Kranz'lu. s. w.). Vor dem Bildt
stehen die\Worte: Diz nagend bild z&iget, wie ein äberuollee her»
gotee das selb ocli gern gemainsameti vil andren menschen (rot);
auf demselben: In minen getlicben scbirm") wil ich eii nemen, die
minen nameu JesDB in ir begtrd wen tragen,
11. Büd (Abb. 11 S. 195 nach A Bf. 82-), da" wichtigste von aäat%
den mystischen ü'eg darstellend. Einleitend die Worte: Diso nageBd&
bild bezeichuent der blossen gotheit iewesentheif*) in persenlicber
driheit vnd aller oreatnren üb vnd wideringeflosBenbeit vnd zegent
den ersten begin eins annabenden menschen vnd sinen ordenlichen
durprucb dc2 sünemens vnd den allerhehsten vberswank Vberwesticher
volkomenheit (rot). Linkv üben drei einander umschlirssende Ringt
(vgl. l!)l,25f.) und eine Art Triptgchon mit der Überschrift: Dl»
ist der ewigen gotheit wisloses Abgrunde, daz weder anrang li
noch kein ende. .4ms der Einheit des göttlichen W'esfns geki^
die drei giittlichen Persmien hervor, in ganzer Gefiolt dargettd
Unks Gott Vater bärtig, in der Mitte der hl. Geist mit d^ Taubtf
die anderen Per.?onen umfassend als die Liebe, die aus beiden t
geht, rechts der Sohn gesenkten Blickes, womit d^s Leiden nnged*
ist. Dazu die. Worte: Diz ist der persnncn driheit in wesenlichc
einikeit, von dem erielanr gelob seit. Als erstes geschöpßieh
W^ese» folgt der Engel: Disfi figur ist der ussfluzz engelscblicbei
natur; daneben ein Dämon, abwärts schiessend, weichet- den Engels-
sture symbolisiert. Darauf als zweites Gi'schiipf der Mensch
--I') fehlt K '\ »chrin A •') getrennt gtechriebtn K, ic frhit B'
') Bedeutet offenbar di> von ihr gemachte Sammlung der Tüseer V'ilen
Vgl. 97,Sff.
) Üidtuitt wohl StMts Scimfitn; vgl. 394,S3.
') Abbildung ?Mch K bei Dmijte 302.
Bilder und Sprüche des Esemplara, Seuaee Verblihnia /
53«
lengeaialt^) : Diz ist men»cb1icbü geecbaffenlieit gebildet nach
fifcr §ntbeit. Jetsi »cheiden sich die Wege: die einen wenden nick
zu der Luxt der Welt und. gehen mit ihr zugrunde, daher rechts
mäeii ein Innzendes Liebespaar (ein Ritter mit dem Schwert um-
jirtet hält eine modisch gekleidete Frnu an der Hand; in K Jüng-
i\iuj und Mädchen), über welchem steht: Diz") ist der weit minne,
d* Dimt mit jamer ein ende, und hinter ihnen der Tod in teiif-
tiicher Frntse mit der SeiMf ") (über ihm steht: Üiz ist der t3t'),
— A"e anderen kehren sich zu Gott und gelangen auf dem Wege
der Reinigntig, Erleuchtung und Einigung zur höchsten VoUkommen-
luil. Deshalb die mit einer Kette gefesselte (versinnbildet Bezähmung
iiT Leidenschaften), knieende Nonne mit demSpruch: Minen') ker wÜ
iit IT got netnen, wan diz ist gav ein kurtzes leben, und die daneben
grosser Figur, die von Pfeilen und Schceiiern eerwundet,
Schlange und Skorpion (in K auch von ein^n Hunde) bedrängt,
d*r Betrachtung des Leidens Christi hingibt; sie hält mit der
Hand ein grosses Kruzifixbitd und spricht: Ach lÖg, wie
mäs sterben vnd mit Cristns gecrntzget werden! Durch Meiden
Leideil kommt die Seele zur rechten (Jelassenheit, dargestellt
ein« weibliche Gestalt, welche mit herabgesunkenem Haupte,
iloasenifn Augen und schlaffen Armen in einem hohen Lehnstuhl
') und SU der die Worte gehfiren: Gelassenheit mich heroben
»ü, wa min'') ie waz ze vil. Der Weg führt weiter über das schon
mtiknie Krusifixbild zu einer Halbfigur , ebenfalls wie fchlafend und mit
ienbhängenden Armen dai-gestellt. welche den Zustotid der Besc hauung
tminnhildet: Die sinne Bint mir entwürcket, die hoben kreft sint
»benrtrket. Die folgenden Bildchen stellen die mijstische Vereinigung
ifu: a) die Seele im Schosse der Gottheit: Hie ist der geist in
gnwangcn vnd wirt in der driheit der personen funden; b) in der
UcAjte» Beschauung, in den Abgrund des göttlichen Wenens starrend
vAdoch tne in einem „Ausschlag" (vgl. 193,10. 189,13): Ich hin
ÜMn K »1 bloeg der tod B'KItW <■) Einen B'i( ''i miniie /•
9' Keb N imin ül Genet.^des Mtinigm)
■t Bcnc. alg Nunnt dnrgtslellt, iiahl deshalb, Keil dm Bild auf BilUn
'jd, aUo zunächst für Nonnen, entKor/cn vurdc.
■) IM* Darstrilimg iM ritJleieht von einem Bilde der Tott>Uamet/Ut
'. dtrt» Eitttiekiittg man geieöhnlich mit der grossen Pexl den 14. Jh,
in Zatavtmenliang bringt: rgl. Kraus II, I, 44bjf'.
^ Bei diner und der fotgmden iSgur ist in K und noch mehr in ander
dk Pointe tiemlieh ceridicM, rj!. das Bild'hH Dfnifle.
J
54* Einleitung. I. Die Überlieferang'.
in got vergangen, nieman kan mich hie") erlangen (cgL Gr Bfb478/L
c) nla letztes Ziel: „des Geistes Überfahrt^^ (193,11), wo in C
der Beyinn und das Ende eins wird: In dem inschlag ban ich a
ding vergessen; wan es ist grundlous vnd vngemessen.
Das ganze figurenreiche Bild, dessen kurze Erklärung St
selbst gibt (191,30 ff.), veranschaulicht somit geschickt den We\
gang der Mystik im einzelnen Individuum; der Weg ist durch i
kräftige rote Linie, welche die Figuren verbindet und jeweils in
Gegend des Herzens in ein Ringlein (der „Seelengrund^^, vgl, 192,4
einmündet, bezeichnet. Aber nur in A ist der Entwurf noch l
und scharf erhalten, schon K und noch mehr spätere Hss, ha
wesentliche Bestandteile weggelassen *); in den Holzschnitten der bei
Drucke ist die Bedeutung der Figuren und Spräche kaum mehr
enträtseln.
12. Bild (Abb. 12 S. 255 nach A Bl. 109''), Einziges zum Ä
gehöriges Bild, eigentlich eine Verbindung zweier Bilder, die in
d^nn auch getrennt sind. Einleitend die Worte: üiz nagenden bi
meinent ein süsses traten mit himelschen worten aller tmrigen hei
(rot). Oben Christus am Kreuz, dessen Fuss ein Rosenbaum <
s^priesst; oberhalb des linken Querbalkens ein geflügelter bärtiger Ki
wohl Gott Vater darstellend (in K deutlich ein Engelskopf). Li
unten steht (in K kniet) Seuse (überschrieben: der diener*); rti
auf dem Baum das Kind Jesus, Rosen auf den Diener werj
(vgl. 102,18 ff.). Dazu die Verse:
Alles liden wenden tfit^ der Jesus treit in sinem mAt.
Kosen wil ich brechen^ vnd vf sü liden trecben.
Jesas min herz verwandet hat, gezeichenf) da min Jesas sti
Zum unteren Bild zwei Engel mit Spruchband : Wer sui
lieb von got wil han, der sol in lait von billich stan. Lidens
er tragen vil, der gottes früntschaft haben wil. Es ist Christus
Schmerzensmann^ dargestellt, neben der Geisselsäule stehend (
198,24 ff. und Amn. ebd.); Seuse (überschrieben: der diener**),
einer Bank sit-zend, berührt mit der Rechten die Wunden Ch
«) hie fehlt KW t) u. d) fehlt K ^^ bezaichnet K
'; So fehlt in W der Engehsturz, die J'lgareit stehen sehr dicht
einander^ die Linie if<t verwirrt und seihst unterbrochen: ähnlich auch in B^ ui
■) Diese drei Verse hat Stuse wohl aus den Sprüchen der Stagel \
nommen, vgl 39b,Uf. 8 f. 401^3 f.
=h Ein in der mittelaUerliche.H Kunst häufiges Motiv, vgl. Kraus
t, 306 f; Peltzer 16:? ff.
Bflder iind Sprüche des Exemplar». Scuscs Verhältnis zur Kunst. 55*
(tgi 199,8) und greift mit der Linken in ein P salter ixim (vgl. 250,18
AHm,)f dcts ihm ein Engel übergeben, Rechts sitzen zwei weibliche Personen
(eine dopon Nonne ?), über denen steht: Daz sint zwei lidendü menschen
(vgl 253,19, 198,17 f.). Das obere Bild ist in W und in den beiden
Drucken etwas abgeändert schon beim Schluss von Kap, 34 der Vita,
dm bei der dctzugehörigen Erzählung gegeben.
Ausser den bisher beschriebenen zwölf grosseren Bildern finden
nch in mehreren Hss., namentlich in den älteren und teilweise auch
in den Drucken, noch einige kleinere, meist als Initialenverzierungen.
Es ist zu vefynuten, d(fss auch diese auf Seuses Hand zurückgehen.
Bei Beginn des Prologs zum Exemplar (3,2) eine schöne gemalte
Initiale I und in dieser zwei Engel mit Wappenschild, auf dem IHS
ikk (AKB^Wol), ähnlich wie auf dem 9. Bild; beim Anfang der
Vita (7,2) eine Initiale E mit Brustbild Seuses, betend und um das
üaupt den Rosenkranz (AK, in W einfacher); zu 17,5 der Name
IHS mit Goldfarbe gemalt (AB' KR); 96,5 Initiale C mit Pelikan
die Jungen nährend (AK), vgl. 99,2 ff. ; 155,14 bei Beginn des
'f^kulaUvef^ Teils der Vita ein Adler mit ausgespannten Flfigeln in
itr Initiale S (AKol); 196,2 bei Anfang des Bdew der Name IHS
und Brustbild Seuses (wie oben) in der Initiale E (AKW; in a
l)(irAtellung der Verkündigmuj Maria); 200,14 Initiale H mit einer
nackten menschlichen Figur = die Seele (A); 326,4 (Bdw) Initiale E
rot und blau (A W ; in K wie bei 196,2, in W und ol Bild der Ver-
sündigung Maria); 360,2 und 10 (Bfb) je eine farbige Initiale
('iKW; in B und TL Bild des Dieners mit Buch und Abtsstab (!)).
Mimrdem haben W und die beiden Drucke zum Schluss des 34. Kapitels
fkr Vita ein kleines Bild: Anna in der Burg betoid (vgl. Anm,
*•« m,2).
Was das Technische und Künstlerische der Bilder anlangt, so
^^d sie in AB^PRW in der bei der deutschen Buchmalerei des au^^-
9(kenden Mittelalters so beliebten laviert4in Federzeichnung^) ausgeführtj
^fi roh und unbeholfen^ sehr mangelhaft in Perspektive und Anatomie,
'^^r doch flott im Vortrag, naiv und treuherzig, von bemerkenswerter
I *) Vgl. darüber Janitschek, Geschichte der deutschen Mahrei 1890,
^^^S-; R. Kautesch, Einleitende Erörterungen zu einer Geschichte der
^*^chen Uandschrifienillustration im sp^i leren Mitt einher 1694: Klein-
*«*»iid<, Zur süddeutschen Buchmalerei ds späten n Mittelalters^ in der
^^mmhrift: ,JHe christliche Kunst' IT (190516) 2Mfff. 269 fi.
5G* EinleituiiK- I. Die Überliefern ng.
Gewandtheit im Ausdruclc der Seelenstimmungen und in der Gharakieri
siervuij der Personen. Zur richtigen BeuritHltmg ist wichtig, im Äugt
zu behalten, daas die Bilder nicht Srifistzireck sind, sondern
dem Bestreben dienen , sum Wort die Illustration zu liefern. Im
einzelnen sind manche Unterschiede zwischen den verschiedenen Hut.
Am nächsten steht dem Original A, in welcher Hs. die Bilder noch am
meisten archaistisch sind ; die Farbe ist sehr matt und unschön, Teilt
der Zeichnung sind mitunter selbst unkoloriert gelassen. Stäkritisei
betrachtet stellen sich die Darstellungen irohl am nächsten zu der ta
1350 zu Konstanz entstandenen „Armenbibel"*). R und H' ver-
einfachen das Detail, geben den Gestalten mehr Rundung and Fiill^
nnd wirken kräftiger durch lebhafte Kolorierung. Ähnlich ist
auch bei den bemalten Holzschnitten des ersteht Druckes ") (Av^thurti
Anton Sorg J482); die des zweiten Druckes (Augsburg, Hans Othmar
1512) sind zwar sacklich dieselben, haben aber künstlerisch rid ge*
Wonnen : sie sind in den mittlerweile aufgekommenen neuen Stil ifflt^
gearbeitet und kÜnnen daher der Bemalung entbehren. R. Muth<
meint, es lasse sich fast mit Sicherheit sageji , dass der KünstUfi
welcher die Umarbeitung vornahm, Hans Burgkmair war.
Eine besondere Stellung nimmt K ein (vgl. oben S. 5*y.y, W
woU von einem Berufsschreiber und -Illuminator*) hergestellte Prachtht
bringt die Bilder noch mehr miniaturenartig und unter Benützm,
der älteren Manier der Deckmalerei, in kräftigen, leuchtenden FaiiH
(viel Gold). Hier allein nwcht sich auch die realistische RichUW{
die in der ersten Hälfte des 15. Jh. in der Buchmalerei Oberdeuti^
lands sich regt und zum Durchbruch gelangt, in etu-a geltend,
s. B. beim dritten Bild (s. o. S, 48'), ferner in dem zierlichen Rankem
'} Hrtg. von Laib und Sehwart 1867, ''iSSÜ. Zur richtigen Dati
rang vgl. Sehr eibert Einleitung eu F. Htile, Btblia pauperum ISOH, 39,!tl
») Vgl H. Malker, Die deuUche SUcheriüustration der GolMk i
iyahrenaüsnnce 1887 I. 31 Nr.lGS; II Tnfd 70 »nd 71 ( Reproduklien
I. und 10. Hilde»).
•) A. a. O. I, 166 Nr. tt83.
'I VermHtlirh i»t n drrsrtbe, der auch an der Ausachnnloknny der 1
Siedler Has. -JSS und 765 tätig war. Auf Bl. SO drr trsteren steht: Auno sd
1462 .Tohannes Salier presbiter me fecit, auf drvi ersten Blatt der htittrti
1483 heiiali me fecit. ^itileicht igt t» da- im Konslanger RaUlmch 1471 tw
iiniitffn Malern und Goldtehntiedett eingetragene maieter Hans (Ph. Suppe.
Komtamtr gMchickll. Beiträge II fWUO} t6:>,>. Ein bisehö/ticher JVo
»omtnt Gehhard Saltler ist 148ä btteagt (J. Eisdriu, GmvMclitt nnd .
sohrfibung van Koneiana 1851, 3S6i.
Bilder iiud Sprüche des ExeuijilaiB, SeuBe» VürlillMiia zur Kuiial. 57*
litr obtn erwtihntcn Initialen , besonders aber auf dem zugei/ebetien
Vidmimgsbilt/e bl. 4 fein Engel, zwei Wappenschilder haltend, unten
tth und Hirsch, in den Ranken hübsche Dröleries).
Die lüuatrierung von Seuses Sammelwerk eröffnet uns ehun
ck auf ein interesnantes, noch nicht genügend erforschtes Gebiet:
iit öeziehungen zwischen deutscher Mystik und deutscher
Kunet'). Wenn Mgsttk und Kunst eerwandt sind, und sie sind
lienn beide richten sich vorzugsweine an dasselbe Seelenvermögen,
Phantasie, künstlerische Konzeption und visionäre Schauung
gleichmässig innere Gestaltungskraft und eine ausgeprägte
ividiKilität voraus, — so teird eine gegenseitige Beeinflussung not-
die Folge sein und auch bei Seuse ^ wird sich dies irgendwie
\i^n lassen. Dnd in der Tat , wenn bei irgend einem der
;hen Mystiker, so bei ihm, dem phantnsieroUsten und poetischesten
') Di* neuttte SpeiiaHileratur : Ä. Peltier, DtuUche Myntik und dtut-
UKunat 1899, und E. Hintee. Der ?:v\ßa»g der Mystiker auf die äU«e
• Maleraehule, Breelauer Disn. 1901 : der», in Wratdeutsche Ztitsehrifl
12 ff. (Besprechung vm Hchtiblfr-Äldtnhotc», OetchichU der Kölner Maltr-
t 1902), befrirdigt icenig: ihrt Vtrfoistr ioMStn richtiges Verständnis der
^fiUk, wie Hberhaiipt historinche Schulung sehr vermiesen (vgl. Über Peltter
tu Khar/t Urieil finkrs in Alemannia 19(11, 129; 1903, ZTBff.). Immer noch
'"«ncerl igl das schöne Kapitel bri Schnaaae, GttcläehU der bildenden
i'toil« IIB Mitlelaller VI (1S61) 27—60. In der imitrilimm Fragr, ob die
<i(illufrrundt (auch Srvst.') auf die Kölner MalereehuU (Wilhelm von Herle,
I Wjmrich u. a.) an der Wende des 14. Jh. einen Einfluai ausgeilht,
I die Bemerkungen von Kraus II, 1,360 f. wohl da» richtige treffen
3tSff, ist die Sache sehr übertrieben). Wie alle grossen EreehHnungen
K Oibiete dee religiösen Lebens hat sicher auch die milltlallsrliche Mystik,
I die edelsten in ihren Bann eng und ihre Empfinduagewelt be-
^idenden Kunst Anregungen gegeben, die allerdingt oft mehr nach-
I tlatittisch aitfzutOhlen sind. J-'iir Matthias GrUnw^ald hat den
' mystischen Ideen jüngst in muslrrhqfter Weise Er. Schneider
l. tur Aügem. Zeitung 19l>i Nr. :1S4 und 336 naehgemiesen (die knieende
Wkengestatt auf dem Isenheimrr Allarwerk ist nicht Maria in Juxtaposition,
h Pütter 64,174 noch annimmt, sondern Personifikation der „minnenden
* alt Braut Christi).
') Sieht die eingthendm, aber nicht immei' ilberzrugenden Amffühntngtn
r oaff., Rintee ISff.Sftf. Vglaueh Kraus II, 1 439: ..Was
• man aUe* für dir Anschauung der Zeit und der Kilnutlej- aus Heinrich
"vWnm,"-
J
58* Eiuli'iluiife-, I. lÜL' OlurliBfeiiiiig.
unter ihnen. Smtse toar eine kiinsUensch empßndtndi' Nntur. SA
reichbegahter, für alles Schöne so emi>J'äiit/licher Geint fiegnügl ^
nicht mit nebelhaften Phantasieyebilden , er atelll sowohl das in ^
Verzückung Gesc/imite wie die innig meditierten Begebenheiien d
Ueilsgeschichte, besonders des Leidens Christi, plastisch greifbar ■
unsere Augen; mitunier „glaubt man geradezu Beschreibungen e
Gemälden zu lesen" *). Ebenso spricht sich seine malerische Begabu
in der Freude an bildlichen Üaratelhoigen aus. Seiner Andacht K
er „in bildreicher IVeisc' (103,15) genugtun: schon in der Jugti
lässt er die ewige Weisheit in minniglicher Gestalt^) auf Pergnmi
malen und nimmt das Bild mit auf die hohe Schule, um es tägU
anzusehen (l(l3,lGff.), veranlasat die Ausstattung seiner Kapelle i
Bildern und Sprächen der Alträter (f>0,12,ff.. 104,1 ff.) und andet
andächtigen Materien (Name Jesu, liosenbavm des zeitlichen Leidi
und Baum der welllichen und göttlichen Minne, vgl. 39ti,21ff.}, w
sendet eine Kopie der erstgenannten an Elsbeth Stagel (107,lj
Er kennt genau ilte Einzelheiten der künstlerischen Technik M
redet gerne davon (00,16. (14,11 f. 333,17 f.; Hör. 00, 150), schÜSi
die Himmelswonne mit dem Brunnen des Lebens^) und den einzeh
Chören der Heiligen (242,3 ff., 243,24 ff.), den Etigelatam (21,G^
die Madonna mit dem Kinde (267.14ff., vgl. 15,lOff.; Hör. U
in so lebhaften Farben und mit soviel Anmut und Holdseligkeit, <i
man meinen könnte, er habe Bilikr der alten Kölner oder ßämiad
Malerschule oder der Sienesen und Florentiner des 14. und 15, ^
namentlich seiites Ordensgmossen Fra AngeUco da Fiesole'), ■■
Augen gehabt. Das Leiden Christi stellt er, Kapitelssnal, Kreuzg\
und Chor der Kirche seines Klosters zur via dolornsa machend i
die einzelnen Stationen des Leidenstcege^ in Betrachtung miterl^
in so dramatischer Lebendigkeit sich und uns vor, dass man
Fug bei ihm die Idre der Kreuzwege, deren Darstellung dock i
') Strauch in AUff. dUch. Bioijr. H7.176.
') Wohl ffans ähnlich icie «uf Bild 1 t». ". S. 4T*i.
•) Vgl datu auch die Vinon da- Brli con I.iehenbtrij zu T6k*, Vitm 3U
') Der Vergleich Angtlkoa mit S»use lifgt naht, vgl. Itenifte XIF,
Über den „mj/etiichen Maler" par t-xctUenee handeil auegittiebnel Sehrdr
ZtiUchrift für chrigtl. Kuunt 189S, 193 ff. u. B, Vgl das Urltü M»«ch\
in Stimmm aus Maria Lanch ISffT I, 40H: „Aiigdicos WtrU sind die hOl
m^MiiiKhc Po*sie der Farbig, n» wie dit .Sehrt/Ieu Sunn» und riiiAi.w die Mjf
dtl Gemütes xind."
I BilUer uad Sprticlio de» Eitunplars. StiusM Vtriiältnia zur Kuust. 59*
nd. Jh. auftaurht, vorgebildet sehen dnrf^). Endlklt lint er,
MM kümstlerixchen Drantje folgend nach dem Vorbilde früherer
(»(•Apr^ aeim Schriften treibst mit BU^^ern mtsyentnttet, die, weim
\^ituch in fielem mit dem Apparat herkömmltc/ier Anschauungen
itüen find eich mitnnter wohl auch direkt an Vorbilder anlehnen^
{A als Games für originelle Schöpfungen gelten dürfen.
Ein persönliches Verhältnis Seuses zt>r Kunst ist somit un-
'itbnr. Nichl ebenso leicht ist die Frage zu beantworten, üb er
\cHd riner Weise auf die Kunstübung seiner und der folgetiden
tini)twirkt hat. Es ist bereits su denSprüchen H98,10f darauf
iteiesen worden, dass zahlreiche in der ehemaligen Dominikaner-
zu Konstanz, dem Jitzigen Inselhotel, aufgefundene Fresken
14. Jh., Martyrien darstellend und die Hand eines tüchtigen
verratend % neuerdings in Beziehung zu Seuse gebracht
fdeu sind. Vielleicht mit einigein Recht; aber beueinen läast sich
r freilich nichts, und Jedenfalls ist Sense nicht selbst dabei als
'SbendtT Künstler tätig zu denken, wie Peltzer^) annehmen mischte.
meowenig werden wir ettras darüber ausmachen können, ob sein
Irt oder Beispiel für die Kunstpflege in den mystischen JJwnini-
itrintienkH/Ktern AUmannietiS, wie sie für Unterlinden, KUngenttd.
[ 'i Viii Pttiter S4ff., im einttlum itohl Su irtit gehctiä. I>if eiste Ei--
mm»g dtt Krmticege tcheinl bei dem Dominibantr Alvaras von Gordiwa
h*30 ndtr 1430») tu sein (vgl. Katholik 1895 I, S2H; ThuratoH, The
IMdm ii/ the Croae, London 1906). Sehr wahrtcHeitdich sind die Kreuurrge
flhur Verbindung von bibli»ehen fasttinnsetenen mit VorwOrfen der mytli-
Ir Kontemplatiim entetandm (Kraus II, 1,30S).
L *] So uigtn namentlich iwei Wienbadttitr und Heidtlbcrger Uta. in. XII
m. XIII) de» Libtr Sctvioi der AI. Hildegard zahlreiche Miniaturen, meist
PMm der Mystikerin darsteUeitd. Aunführliche Seschreibuag bei A. BOn
ntlhäuaer, Bit Miniaturtn der Univeraitätabibliolhek zu Heiddbtrg I
fo 75 f.: Pttizer 34 ff. febd. 41 f. über eint Sililer/u. der Werke Elisabeth»
WSehönauK
, ') Bf mtlire>'tn Sildern ist oben schnn darauf hingtvitaen morden (Mantel-
wft Mari'l, der Tod und dn« tfinmnde Paar, Christus als gekreuzigter Seraph
malt Schmtriensmann, das Krevi als Mosenbauvil.
k
') über ueilere Spuren von Wandgemälden in der Kirche (Kreutigungs-
an drr nördlichen Leilnernische, teilweise erltalti^) und im Kreusgang
M. Wingenroth in ZcHsehrift für Qeeehiclde des Oberrhevt» N. F. SO
433 ff.
') A. a. t>. 101.
60* EiulLituiig. 1. Die Übt-rlieferung.
1
Adethausen und itantentlich Töne bezogt ist^), non Bedtutumj
Dagegen wird man den Anteil Semes an der Anregung und Bi
fruchtung , welche die mittelalterliche Kunst durch die symboUsehH
Vorgtelluttgen der Mystik"^ empfing, ziemlich hoch einschätzen dürft
denn gerade er hat sie in so ungemein zaiier und poesievoUer Am
ausgebildet und angewendet : ao die Vorstellung von der ewigen Weü
heit, die bald auf Christus bald auf Gott Vater, in gewissem Shim
auch auf Maria^) bezogen wird, eon der mitmenden Seele als Brat
Christi, die Symbolik der Forben (besonders rot, grün, weiss, geü
vgl. r,4,7. 199,2. 244,2 usw.), Blumen (Rosen *), Lilien, Veikhet
vgl. 33.10 f., 59,8 ff., il4, 7 ff., 25 ff., 102,10 ff., 224,21 ff.) und Edei
steine (242,8 f. 252,25. 271,20); auch die Übertragung hiiß»ch9
Anschauungen in das Religiöse, z. Ü. bei Schilderung des liinn
(242,8ff. 432,26 f. 457,1 f.), und die sinnige Naturbetrachtung
Mystikers ist in diesem Zusammenhang zu eriPähnen. Ganz besondti
aber dürfte das biblisch begründete Bild von der geistlichen Riite%
schaß, das bei Seuse Lieblingsmotiv ist (egl. 55,19 ff., 149,4 ff., 205,7 ff'.
352,14 ff., 370,22 ff., Hör. 29, Hl, 122). durch ihn seine VolkstUmiieli
keit wie seine Einführung in die Kunst gefunden haben. Anfang
wurde es in Literatur und Kunst wie bei Seuse noch mehr ii
Sinne einer speziellen Berufung aufgefasst, später aber auf jeA
Christenleben übertragen. „ Von der deutschen Mystik lässt sich m
direkte Verbindungslinie ziehen bis auf Dürer (vgl, dessen Kupfa
stich von 1513: Ritter, Tod und Teufel) und Erasmus (vgl, sei
') Vgl PrUter 70 ff., dtr aber auch hier wie öfter» zu weit geht. Ül
Töte eiehe bmondtrs die Monographie von J. B. Bahn, Bauten und WaMl
gtmäldr in Töas (= Mittmlungen der antiquar. Oadlsehaft in ZSrteh XX.
B, 3) 1906. Der Kreiiigang war mit l/iblüchen Frenken aui dem Ende
IS, und Artfang dts IG, Jh., «um Teil aber auch aas früherer Zeit,
— VöBig aae der Laß gegriffen igt m, wmn F. J. Mont im DiöB.-Ärtk
von Schwaben X VI (1696) 120 meint, dass einigt plastische Figuren Mbcn
Südportal dts Überlinger Miinstere (Johannes der Täufer und Sebastian [i
Judas!}) nach den Angahtn Seuses gemacht worden sein.
'J Vgl. Fellttr iöfiff. Freilich ist nicht au vergesse», daes
derselben ihren eigentlichen Nährboden in der kirehlichtn Liturgie haben. Dt
ist die F<ie*it der Farben- und Blamensprache durch die Schriften der deutsei
Slysliher, besonders Seuses, aufs höchste ausgebildet unrden (vgl. Kra us II, 1^44
") Vgl. oben S. 61' Anm. 2. Dittte Inrinanderspieten ist der allegorieeh
Auelegung des Wrisheitsbuches und der Lilurgi» der Kirche geldujig.
'} Pell st r :iOä iragl die Vermutung, dass Seitse taersl das Motiv
Rose als Sinnbild des Iteidens und des liosrnbaams als Symbol de» Krm
in die deuisehr Kunst eingeführt habt.
Mder nnri Sprllche duH ExempUrs. Spuren VerhSItoii' zur Kunal. 61*
,EiKhiridiott militis christimii' lö02, deutsch und illuntnert so» Urs
Graf 1520*),'- und — /äye« wir hinzu — schon zu der Darstellung
itr „Streiter Vkristi" auf dem Kölner Dombild und Oenter Altar.
VieUacht ist Seuse überkaujit der erste, der das Motiv künstlerisch
I tmtertet hat (in stimm 9. Bild).
I Anregung hat Setisea Ulustrierung des Exemplars auch der
wkutKhen Holzschneidekunst des 15. und 16, Jh. gegeben, wie
mtAon bei Besprechu)tg der allen Drucke ausgeführt wurde. Ausser
miwni Bildern ßnden sich mehrfach zu Devotionsztoecken hergestellte
ftinftiattdrucl-e, welche steh an Seuses Werk anlehnen'). So stellt
I («n btmnlter Holsuchiiitt, um 1470 zu Au(/siurg oder Nürnberg ent-
finnjen, das Christkind dar, in einem Korbe Rosen tragend und mit
Spruchband, auf dem pariencia steht; unterhalb eine fünfzeilige
Cnttrschrift, die mit geringer Änderung den Sprächen beim 12. Bild
StuKcs, von dem die Komposition ja sichtlich beeinßusst ist, tntspricht
leb wil Fosen ttrecheo . . . Wer snnder lieb . . . Liden boI er haben
.. vgl. 398,4—9); ein Exemplar davon im Kgl. Kupferstich-
wf zu Berlin. Leicht variierte Kopien dieses Hokschnittes mit
itmüben Versen befinden sich zu München und Nürnberg (Ger-
tamacA^Ä Museum); von letzterer ist noch der Holzstock, früher dem
Klarissenklnster SSflingen bei Ulm gehörig, vorhinden ^). Noch naher
hrükrt sich mit dem 12. Bild ein um 1470/80 in Schwaben, leahr-
^tinlich in Ulm bezto. Sößingen, entstandener bemalter Holzschnitt,
fc twei Exemplaren zu Stuttgart (Landeabibliothek) und Nürriberg
{birmanisches Museum *f erhalten: Seuse knieend mit dem Kranz
( lind dem Monogramm IMS, rechts oben Maria (tkzw.
üt jtwige Weisheit'} mit Krone, Szepter und Reichsapfel, unten der
Bind mit dem Fit.^sfiich, links das Jesuskind auf einem Rosenbaum,
•) P. Wrbtr, BeürSge sa Dürers Wellanschauung (Studien lar deut-
•■bii Kitnttgt-ickichU U. 331 1900, äO. Elid. 18 ff. etngtliatdf liUrarisvhe und
^MhiMorisehe SaehwHfungm. Eine <ntire«ia»U Stelle au« Tatiltr b$i
^'Ui,r im f.
')Gmaut Begchrtibungdtr folgenden fünf Holimchnitte bei W. L.Sehrei-
*'', Uanad de Vamateur de la gravure aur boi» et aar mital au XV' Hiele
^iVSli 234/. .\>. 821—33: 11 (1S93I 176 f. Nr. 1698, 1699.
'l Vgl. Katalog der im Gei-m. Museum tu Nürnberg vorhandenen Hole-
l {18931 15; Abirildung S. in und bei (Esuenuiein), die Sduehnittt
*« I4.utid 16. Jh. im Germ. Mtunim 1874, Tafel 86,2.
') Dietet Exemplar wie der eben ertcühnl' Holenlock war früher im Be-
•l« eoii ^rofetaor Basiter in Ulm.
1
62* Einleitung:. I. Die Überlieferung'.
Rosen auf Seuse werfend, unten das Wappen von Ulm. Als Ut
Schrift trägt das Devotionsbild die Verse:
Der selig hainrich f&s ze costentz gebom am bodmersee
Nam die ewig wysshait zfim gmahel gaistlicher ee
Sein gespons tet im den namen verwannden
Amandas hiesz sy in nennen in allen lannden
Sein leben wz er in irm dienst vertzeren
Des frödt sich vlm die sein grab vnd hailtnm halt in erei
Abbildung nach dem Nürnberger Exemplar bei Essenwein (s, S.
Anm. 3) Tafel 92 und darnach in verkleinertem Massstab bei De\
(Titelbild). Derselbe Holzschnitt, aber mit lateinischen Versen \
est heinricns constancia quem generauit Snsz etc.), ist in Berlin '!
Weiteres soll später, wo von der Ikonographie Sensen gehan
tvird, Erwähnung find-en.
0 Vgh Schreiber a. a. 0. II, 176. Nach Kärcher (Freib. D
Archiv 1866, 215), der sich aa^ eine brief liehe Mitteilung Sigharts bei
befand sieh im Dominikanerinnenkloster AUenhohenau — dorther stammt i
die Hs, J?*, s. oben S. 7* — ein fünf Fuss hohes Bild Seuses, wie er in t
Vision den Hund mit dem Fusstuche erbUckt. Bei Murer^ Helvetia sa
314 ein Holzschnitt mit (ihnlichem Bild wie das oben guletzt genannte, doch
anderen Sprüchen und im Hintergrund das Konstanzer Predigerkloster,
—•-^•^ <•
Zweiter Teil.
Seuses Leben und Werke ')<
A. Jugend- und Lemjahre zu Konstanz und Köln
(ca. 1295— 1327).
L Oebnrtsjahr und -Ort, Abstammung.
Nur weniges ist uns über den äusseren Lebensgang Seuses,
^f^ondere über seine Geburts- und AbstammungsverhäUnisse über-
') Verzeichnis der Literatur (Detaüunter^uchungen werden zutreffenden
Oru angegeben): i. Biographien bezw. Monographien: F. Bricka,
^99ai sur la vie, les ecrits et la doctrine de Henri Suso, Thhse^ Strasbourg 1654^
^ P' (unbedeutend); W, Volkmann, Der Mystiker H, Suso, Programm DuiS'
^91869, 63 S.: F. Vetter, Ein Mystikerpaar (s, Anm. zu 96, 7; beachtens-
^^frte Anmerkungen); R, Seeberg , Ein Kampf um jenseitiges Leben, Lebens-
^ eines mittelalterlichen Frommen (Seuse) in protestantischer Beleuchtung,
^^>rptu 1889, 148 S, (im literarhistorischen Teil gut, in der Beurteilung vor-
*w^«wmm«i^, gekürzt unter dem Titel: „H, Seuse, Der Gottesfreund** auf-
t^Mwmen in R. Seeberg, Aus Religion und Geschichte, Gesammelte Aufsätze
itd Vorträge, I (1906) 188—246; Th, Jilger, Heinrich Seuse aus Schwaben,
I B^ü 1893, 160 S. (populär -erbaulich). — 2, Chrössere Abhandlungen
m Sammelwerken, A ufs ätze und enzyklopädische Artikel: Acta Sanctorwm
2i. Jan, II (Antwerpen 1643) 652 — 89 (ganz nach Surius, daher ohne selb-
ständigen Wert); H. Murer, Uelvetia sancta. Lucern 1648, 315 — 46 (ebenfalls
nach Surius, doch mit eigenen, nicht immer zuverlässigen Zutaten); Fr. St ei II,
Ephemerides Dominicano-sacrae I (Dilingen 1691) 145—64 (mit Vorsicht zu
henütsen!); Quitif et Echard, Scriptores Ordinis Praedicatorum I (Paris
1719) 653 — 59, II (ebd, 1721) 821 (wertvoll, meist kritisch und quelle ntnüssig);
Ä. Tour an, Uistoire des homme^ illustres de Vordre de S\ Dominique II
(Paris 1746) 435 — 60 (erbaulich): A. Weif ermann, Nachrichten von Ge-
kkrten uno. aus Ulm, Ulm 1798, 499—508; K, Schmidt, Der Mystiker
H. Suso, TheoL Studien und Kritiken 1843, 835—92; ders, in Memoires de
tAcadimU roydle des aciences moraleti et politiques de V Institut de France,
64* Eiiileitiiiig. IJ. (?euseö Lebeu und Werke.
liefert, und nun dam wenigen können wir nur mit Mühe das t
verläasiye heraustesett. Ein einfaches Mouchleben setzt eben die Fei
der Geschichtsschreiber weit weniger in Bewegung als die Tatt
derer, die on/" der Höhe der Metischheit wandeln. Kein seiner 2
angehäriger oder ihr nahestehender Gkroriint ') nennt i'eineti NanM
l, II tavanis elrangert 18411, 396—486 (mit dem deutschen AafeaU btiiai
identiiehi: St. Bormann, Über den MyslUcer H. Saeo, c, d. Hagmt G*
mania II, 172— ht: Fr. BUhringtr, Die deuUchen Mj/atiker dt» li.\
15. Jh. (Bit Kirchr Chi-iUi und ihre Zeugen II, 3), Zürich 7855 (Ü. Ä
SiuUgaii 1877) S37—44I (»ehr brauchbare, ivartne Darstellung); K. Grtit\
in Eath. St-hiceitirblätter II 11860} 65 ff., 137 ff., 399 ff.; i
Mystik im Prtdigerorden 1861, 71ff., 219ff. 3Q3ff.: J. Bach, Meisler i
hart, 1S64, 164— 7U: E. Böhmer in OiwbrechU Damaris 1S6B, SSl—i
L. Karchtr, H. Suao, Abhandiung aber Ort und Zeit »einer Geburt, Fr
Diot.'Arch. 111(1866) 187—320: W. Preger, Vorarbeitet! tu einer Geeelikk
der deutsche« Mystik, ZtHschr.f. historische Theologie 1869, HS — 37 (kritiii
Unttrsuchutiu der Lebmsdaten) : dtrs., Gesch. der deutschen Mystik II (M
309 — 415 (viel wertcoÜta Material neben manchem Anfechtbaren, vgl. die Krilä^
von Strauch, Afda IX (1883) 138— U, und Denifle, Deutsche i»t-2
1883, 201ff.); Fr. Btvan, Three friends nf God (TauUr , Xikotami v
Basel, Stiso), London 1887, 301—88 (witsenschnfaich wertlos »nd tmdsnäl^
Seh. (Sehunr ?;, H. Smto, ein Originalbild diesem grossen schwäbischen MystÜm
Didt.-Arch. von Sehwahtn III (1886) 41, 4y w.o. (erbaulich, kritisch »
A. Baumgarlner im Kirchenlexikon V (1888) 1721—29; Ph. Sir
in Allff. deutsche Biographie 37 (1894) 169- 79 (treffliche Zusammtnfam
H. Suao the MysHc, in Tht Church (^uaterty Bet^eic 61 (1905t 164—81 fi
unsugangliehj ; Cohrs in Realeniyklop. f. prot. Thtol. XIX' (1907) 173"
(mat^elhaft). Zu vergleichen sind auch die Einleilungm in den Äitsgt
von Denifle und Thiriol (s. u.l und die (aber nicht vollatSndige und
verlntsigt) AuffOhrung dir Literatur bei U, Chevalier, Bipertoirt des »tna
hisl. du tnoyen^gr, I Bio-BibUogr., 3. id. Paris 1906, 2101 f. Auf MH«m IM
beruht ea, uienn Kobertiein, Deutuchs Nationallileratur V*, 447 Jxm. {
und Strauch a. a. O. 179 eine popvlSrr Darstellung de« Lebens Seuset >
Denifle in ,Jlte und Nine WtW, Einsiedeln 1883/4, Heft 10 u, 11 angeben!
handdl sich um eine kure» Biographie Heinrich Seue» Dtniftts.
') Der Dominikaner Joh. Meyer au» Zürich (1433— 8&), eifriger Samt
und fleisiiger Chronist seines Ordens — über ihn jetzt tusammenfassend P. Alht
in Ztitaehr.f. Gesch. des Oberrheins 1898, 355—63; 1906, 504—10: vgl. Bild
in Freib. Diöe.-Arch. 1906, 391 f. — weiss an verschiedenen Stellen, ko er t
Stute spricht, so im ,Chronicon df Praedicatoribus' (Mone, QueUensammtung
3311. im ,Libm- de illustribus niris ordinis fr. Fraedicat. (d)d. II, 157), \
,J.tbm da- 33 ernten Meister de» Predigerorden^ (Adel/tauser Sammitband
Frtdiurgtr Stadtarchiv Bt. 303, nach gütiger Mitteilung von Herrn ArcM
Dr. P. Albert), und in der Vorrede der Töaser Viten (ed. Vetter 4 ff.), mj
uie nichts tu berichten, leas er nicht aus Seuses Schriften geschöpft haben h
Geburtiijahr aud -Ort, Ahgtaramnng.
65*
4if Vrkutidrn uiui Bächetve/iäUe dir Ktöstrr^), in denen er
find durch die Ungunst der Zeit fast ganz verloren gegangen.
wrf wir zur ErvifrMuj der Lebensdaten Semes in der Haupt-
\ au/ seine eigenen Schriften angewiesen, die nher weit mehr liae
t Seelenleben als die äusseren Umstände beiUcksichÜgen, und
, hm dem Mangel einer streng chronologisckett Ordnung nur
t sichere AithiUtspunkte Ineleti, Da und dort, nnmentlivh in
Vorrede zur Ümckaungahe von 1512 und Im den nur mit Vor-
2u benutzenden Hngiagrapheii M iirer und Steill, ßtukn sich
ergänzende Sotiscn.
use erzäiill selbst ( Vita 44,4 f.), dass er am St. Benedifctm-
'Hl, März) in ,diese elende Welt' geboren norden sei; das Jahr
wir nicht. Die Attsic/Uen der Neueren, um von äUeren,
\ren Meinungen'^) abzusehen, schwanken zwischen 1295^) and
!■*}, beide Zahlen rund genommen. Der erstem Ajisatz hat mehr
Peinlichkeit für »ich, das ergibt sich aus Bücksehlüssen aus
I datierbriren Ereignissen in Üeuses Leben'"). Wenn er, irie
r gezeigt werden soll, um 1324 nach KiUn übersiedelte und um
e Zeit durch Eckhart von seinen quälenden Zfeeifeln, die nach
r Bekehrung (im IS. Jahre, vgl. 8,4 f.) gegen Kl Jahre gedauert
l (63,2), befreit wurde, so werden wir ungefähr 1295 ala Ge-
fahr anzunehmen haben ; doch nind l^if Jahre Spielraum zu
>) Du* Aiciiio de» Sonilamfr Prrdigcri-lositrs iar in den lie/oitnaliniis-
n («I. 15'/7> rrriorin gegangen (vgl. MoHt, (^wllrnnaiamluitg IV, äSt):
■ SitUolheh jinden »ich Sparen nach in äett tieanMiger Jahren de» 19. Jh.
,roB Zeppelin in Sthrifttn dea Verein»/. Gmch. die Bodeaetea FI,S4i.
■ iit nur da» Kopialbueh dt» l'redigerklonUr» erhalten {im Siadiarchir),
tr Seu»ai Nam:n mu »einen Lthttiten nicht nrnnt legi. Kornbtck in
de» Vereins /. Xuiiat u. Allerlum in Ulm n/id (Iherschteahen WHI,
W.
1 Lärrarhi»torikef wie Altamura, Bellarmin, Dupin, Care u.a.
I St»**» l'od Irits um mos a« und lanttn Ihn schon 1323 mit Thoma»
l)Mn tur Kaniinitation ttnrgtachktgen merden, teil» rricken »ie ihn Aber
Xach ttHer handuchrifÜichen Noiit von 1516 in ejnn' Ausgabe,
i^ienbroek /vgl »ein Sueo lt< A li heia»», wäre tr »chm ISf^) gehören.
*SSo Weyeimann, Vulkmaun, Frtgfr, Jlenifte (Seuet XIII:
) tSSfd und laoO-': Da» geifiÜ. Leben XXI: ..um 1396"), Sethtig.
») Mmrtr, stein, (Juilif und Kehard, Schmidt, Bf.hringfr,
k, Kareher. Vttttr. Strauch.
) Die Vtrruoke l'regtr», Vt/rarbtitm IHff., avu der Abfa»tungSMtit
r Scheißen auf da» Gebartnja/^ Sea»ei< tu .leliltrxsen, sind hinfiUti//,
fc Jim« Thitierttngen al» unriehtig rnnriae».
; lUntitbc äcUilliL'D. 5'
lassen (wohl 1293 — 95). Damit stimmt dann auch, wenn Murer^) thi
1365 (richtiger 1366) im Alter von 70 Jahren, Joh, Meyer^ ,ga
alt an den Jahren^ sterbest lässt, und eine Notiz aus dem 15. Jh
in Clm 15312 Bl. 84"* besagt: decrepitas obiit anno domini 1366
Die Frage fiach Seuses Geburtsort^) hängt enge mit dei
nach seiner Abstammmig ztisammen. In dsr Vorrede der Druck
ausgäbe von 1512 f. i* ist benchtet, er habe eigentlich Heinricl
von Berg geheissen, sein Vater sei ein adeliger Herr von Berg im
Hegau gewesen, seine Mutter, deren Namen er selbst aus Verehrwij
für sie annahm, hiess Seüsserin, Murer*) und St ei 11^) wissen «ä
erzählen: um da^ Jahr 1295 vennählte sich ein Herr von Berg odn
Berger aus Konstanz mit einem Fräulein von Saussen aus Überlingaif
beide aus altefn und vor^iehtnem Geschlecht; um 130() wurde ik
berühmter Sohn geboren y der in der Taufe den Namen HeinriA
erhielt. Darüber hinaus erfahren wir bei späteren Schriftsteilem*)
nichts weiteres von Belang.
Obwohl die angefnJD'ten Nachrichten ziemlich spät sind, so darf
doch wohl die überei)istimmende Angabe, d^4is Seuse aus elftem adeligen
Geschlecht von Berg stamme und dass seine Mutter eine gebürtige Stu
oder Süs (so die ältere alemannische Namensform) war, für glauh
würdig gelten. Zweifelhaft aber bleibt, ob der Wohnsitz der Elten
und Geburtsort des Sohnes Konstanz oder Überlingen ist. Von dei
zahlreichen adeligen Geschlechtern von Berg, die im 13. und 14. Jh
in Schwaben und in der Schweiz a massig waren'^, ist am ehestem
^) Helvetia s, 346. Die Zahl 70 ist jedoch mit Rücksicht auf Ps. 89, i
nicht zu pressen. Ein lap»u8 memoriae ist es, wenn Murer 315 Seuse äH
um 13(X) geboren sein lässt. P reger, Vorarbeiten 128 meint^ er habe die Zal
1295 als Geburtsjahr in einer alten Quelle gefunden,
^ Kurze Chronik des Predigerordens, Tübinger UniversiiätsbibliMSi
Ifs. Md 456 des 15. Jh. (aus Ineigkofen; s. obeti S, li^ A, 1),
^) Ich habe über Seuses Abstammung und Geburtsort ausführiieh «
Hist.'pol. Blmei' ISO (1902 II) 46—58, 106—17 gehandelt; hier eine kitri
Zusammenfassung mit einigen Nachtrögen.
') Helvetia s. 315.
^) Ephemerides I, 146, Steill fügt am Schlüsse hinzu: Haec ex M8
Antiq. Adelhus., was sich wahrscheinlich auf eine (jetzt verlorene ?) Schrift h
,Joh. Sieger, der zu Adelhausen lebte, bezieht.
") So bei Surius in der Votrede seiner lateinischen Übersetzung Seusti
li u celinus, Constantia lihena na 1667, 280 : Quetif et Kchard I, 663 tm
') So in Württemberg rw Berg ()A. Ehingen, Ravensburg, Tettnang^ \
der Schweiz zu Berg am Irchel, bei Arbon und bei Weinfelden, Im He§i
— von den Grafen von Heiligenberg, die Sevin, Kaiset* Baibarts J^^nrnh
Ctljurtajtthr und -Ort, AbBiaramung'. 67*
m dm Konsttime.r Patriziergescklecht von Berg zu denken,
Ihar Herren van Berg »mxen, wie es scfifint, ursprünglich nla Mini-
tkrtalen das Biacho/s con Konstanz zu Burg bei Weinfelden im
Kanton Thurgau, nach d«r Mitte d&< 18. Jh. aber zog Ulrich von
Birg wie manche andere LaiidfdeUent« in die Stadt, Aitgehünge
dt» üeschlechlcs .ipietcn in der grossen Xniiftheire<jung des 14. Jh.
EMiagm I900, 71 ohit Oiimd mit Satte in B*sithung brint/l, wird ahm-
n — ui%d in VbrrlUigtn ilasl nich ein adeligts Gtachlechl von Berg
■htceUrn. — Nach *w«i BerielUfa au« dem Hominikanerordensarchiv
teelche der Rtgmaliurgtr Predigtrkonvent im 18. Jh. (den einen 1TÖ4,
im nndrm venig früher) an den Ordensgeneral beew. an dag Gmrralkapiiel
röfftnlticM in Analecla Ordinis Pratdieatoram Vlll [19001 "ÖIp flSfi;
inungin ZtiUthr.f. kath. Thtol. 1H03, 3GU Jf./, würde Seufr von einem Gitt/m-
pKÜtcht ron Brrg und Saasaiberg abstammen. Es wird nlimlieh darin gesagt,
Valer Seuats (UeoricaB comeB de Monte el Sanaeaberir, quibasdam Subu
I Jährt 1300 am Tage des Apostels Thiimag (Sl. fJez.l gtslorben und
>» Kraugaag des llegensburger Kloster» begrabm, die i'htrreste aber IIJUO in
ti lagen. Alf>trt<i»taptllt älierlragen und in einem Grabe mit dem bekannten
ner Joh. HeroU {f 1468) bestattet wordm sein. An einer benachbarten
Unk habe man eine Intehn/t (nicht mehr erhalten) mit einer Notit über die
Teten angebracht. Ich glaube nicht, dass mit diesem sehr sjiSlen Ziugnia
*fmJ »hro« antu/angen ist. Es steht mit dem Prolog der Ausgabe vim 1&12
iwJ anderen Berichten durchaus im Widerspruch. Schon das Datum 1300
Tietl Misatrauen, dsnn damals var tlruse, dem der Vater nach seinem Tode
•ndHnwN sein soll (Vita 23, :iiff.). erst ein jiaar Jahre all. .S'tine Jr'amiiir
(rtiTri* auch scha-eriieh dem Hoehadtt an. Es gah femer gar kein Grafen-
pifUtda ,rim Berg und Saustnhei'g' : die Burg .Sausenberg (ä^ji Std. südwestlich
"* Xidlheim im Breisgau) var im Jksilte der Markgri^rn ron Baden-Hach-
•"P <ad eist 1306 nannte sich ein Zu>eig des Geschlechtes infolge Teilung de»
imiia Haehberg-Sausenherg wler Hachberg-Röttel-n (s. die Hegesten der Mark-
Ftfat em Sadm und Hachbrrg, I bearbeitet von R. Fester l'MO, h SOff.
iililer ton Knobiach, Ohrrbadisches Oesehlechtrrlmeh I [18981 504f.).
i*i^tinl gunt, als ob jene Nachitchl durch einen findige« Gehhrten aus dem
^emn Sausrnhtrg (Susrnberg ss Borg des 8uso, vgl. A, Soein, Mhd. Namen-
*"* taiia, imi: Krieger, Topograjih. Wlbch. von Baden II', 7.*»Jfl heraus
i"i/iiiüen trorden irär*. Maji mag auch die Vermutung wagen, dass Markgraf
Situich II enn Hachltry, der um 1333 in den Veulschorden trat und 1300,
>Hf uw, starb (rgl. I-'esler a.a.O. h 11, 94) im Regrnshurger Dominikaner-
bestatlet aurde und dass sein Grab spHltr Anläse eu jener Legende
f''. Hier »'i ange/figl, dass dax neue Material, das Denifle «ach einer
Uäteümg Strauchs in Dcutuch' Lit.-Ztg. tSHl, 64: Afda IS, 143: Allg.
dMi. Biogr. ä7, V9 aufgefunden haben soUtt, sieh, wie er mir selbst 1901
if die '•bmgenaniilc'i, in ihrer Bedeutung anfangs «ehr ithersehätilen
itiehtt b'schrSiikt,
()8* EinleituDg. IS, Seuses Leben und Werke.
zu Konstanz wiederholt eim Rolle^). Konrad dictus Tuchscherer
de Beryey 1286 bezeugt'^), war vielleicht Seuses Vater, — manche
Patrizier verschmähten es nicht, ein vornehmeres Handwerk, wie das
der Tuchmacher, hezw. Tuchhandel zu betreiben. In Ulrich ton
Berff, Chorherr bei St Johann in Ko7istanz, der 1298, 1301 und
13()7 urkundet ^), dürfen wir wohl einen Olieim des Mystikers seheti *).
Damit ist mm auch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit gegebeUf
dass Seuse selbst in Kofistanz geboren ist. Das älteste Zeugnis, das
wir besitzen, die Unterschrift des oben S, 62* beschriebenen Ulmer
Holzschnitts von ca. 1470 besagt deutlich: hainrich fÜ8 ze costents
geborn am bodmersee. Im Ernste kann wohl nur Überlingen
Konstanz die Ehre, Geburtsort Seuses zu sein, streitig machen, und
in dsr Tai haben nicht wenige, nachdem früher Konstanz in der
Vorderhand gewesen war, den eingehenden Darlegungen Kärchers^
folgend, wenn auch teilweise mit Reserve, sich für erstere Stadt
entschieden ^). Doch sind die Beweise schicerlich stichhaltig, Kdrcher
legt mangels älterer Nachrichten das Hauptgewicht auf das fiegatwe,
bereits als unhaltbar nachgewiesene Moment, dass sich in Konstanz
kein Geschlecht von Berg nachweisen lasse, ferner auf drei in Dheat'
lingen aufbewahrte Seusejwrträts, welche die Aufschrift treten, dass
der Dargestellte ebendort (um 1300) geboren sei, und auf die Lokal'
*) *SVi7 1:^70 öfters in Konstanz urkunäUch bezeugt; vgL die Zusammen
stellang in Hist.-pol. Bl. a, a. O. 51 ff., 56 ff. und dazu Reg. ep. Conet U
n. 5S14, 6032 (1363 und 1367 Konrad von Berg), n. 6317 (Johann vm Btr§
[de Monte], KUriker, öffentlicher kaiserlicher Notar), n. 6440, 6441 (tST*
Bruder Uuhert von Berg [de Monte], ep. Hossensis, Weihbischof Heinrichs lÜ
von Konstanz). Nicht hieher werden gehören : f rater Johannes de Berg eoncersm
(1319) und F. Thomas de Bergen (1361), beide im Necrologium des l^Veiburger
Dominikanerklosters verzeichnet (Freib. Diöz.-Arch. XVI, 42).
2) Württemb. ÜB IX, 79; Fürstenb. ÜB V, 198: K. Beyerle, Die
Konstanzer Ratslisten 1898, 63 f. Das Haus derer von Berg lag (1360) in der
Paulsgasse und hiess ,zur Taschen^, vgl. K, Beyerle, Grunde igentumsverhäU'
nisse im mittelnlterl. Konstanz II (1902) 375 f.; Marmor, GeschichÜ. Toitf
graphie von Konslam 1860. 180,
») Cod. diplom. Salem. II, 638; III, 129; Reg. Ep. Const. II n. 3208,3219:
Freib. Diöz.-Archio 1903. 137 f. In der Urkunde von 1301 werden sein V4r-
storbener Vater Marguard, seine Mutter Mechthüd und seine Schwester Mar^
fjnreta genannt,
*) Dies ist auch die Ansicht Beyer les, Freib. Diöz.- Archiv 1903,137^
'') S. den oben S. 63* Anm. 1 zitierten Aufsatz; vorher schon tfhnlich im
Freib. kath. Kirchmhlatt 1866, 362 f., 371f., 381 f.
') So nnmentUvh Denifle, Preger, Strauch.
Geburtsjahr um! -Ort, Äbstauiuiunt-,
69*
ition, iBflche das Haus Nr. 493 in der nett 1HS9 no (/mannten
ftisitt tils sein Geburtshaus beseichne. AHein jene Bilder yehüren
I 18„ frühestens 17, Jh. an und haben somit ganz ijeHnge Auk-
die Trndilion aber für da« angebliche SusohauH '), (Ais eor
Jnhren mit Hilfe der bndischen BegieruHy pietätcoU rentouriert
und immerhin eine Sehenswürdigkeit der Stadt bildet, ist mit
'heil kfinnt über 100 Jahre zurück zu rerfolgen, ja ihr Vcr-
wird von Serin') ganz in Abrede gestellt.
Es fileibt aber, wenn auch Seuse selbst allem nach zu Konstanz
ift, doch die Möglichkeit offen, dass Seuses Mutter aus Übcr-
%m ttammief wie auch Murer und, Steitl berichten. Dann würde
'id um ungezwungendateu erklären, ivit man dazu kam, Üherlingen alx
tat Beuses, der »ich nicht nach dem Vater, sondern tiach der
irr nannte, zu hezachnen. Zicnr lässt sich der Familieniuime
Säs') im späteren Mittelalter in den Gegenden am Bodensee und
•\ Näherei Hüit.-p'A. BL a. a. O. 113f. Das im ällfutea Teilt Überlingens
me Uavis knnn nach dem Urtril Sachverst/Indiifer aeintm Kerne nach xoht
lai U. Jh. stifilclireichm : vgl. F. H. Sraug, Sunstdenktnäler des ffrOMS'
^UDM Bndea I (IBüT) 666f.: H. Sfviii , (''hm-linger Häutrrlmeh 1890, HO.
't Kaiser llntbarls Kronhof 72.
'l Ihr illttren H$s., leetehe dtm aUmaniiischea Sprachgebiet angehören,
ilifH durchtreg Stt», Sfise, orfer auch SnB(ei, Heinrieh von ^iirdiingtii: Jer
I iSirauth, M. Eimer XXXI, 22) und der Süsse lLI,S6f.). Dem Süsn
riciu in aekie'lbiseiirhayrisehtr Mundart Sense, dem Siis — Satis. Erstere
I in heanudera durch die Augsburger Ausgabe von 1483 verbreitet leoi'den
durch henifie mieder in Aufnahme gelirimmen; Saeo isl das latinisierte
und homml schon im 14. J/i. vtir (sti in dem später su trwälinenden
eon 13fi6i. Her Personenname Sa» (siis,) scheint nach Fnrstemanu,
Uehes yamenbaeh J* (1900) 1373 tu dem akd. siisim, staöa», «thd. süsc»,
nhd. sausen tu gehören; ein Susi) findet sieh tuersl im U. Jh. iTradi-
Carbsimses ed. Wigand 1843, 244). Ebenso pfiegie auch Ssase selbst
nwm Kamen ahtuUiten: nach dem Prolog von lälS — die Änekdnt« scheint
fhudiKttft ülierüt/ert — munterlc er bei «etn«n Predigten seine Zuluirtr und sieh
ulbri auf mit den Worten: Merckt oaS, Mona der sellM will seitascii, oder: Nu
•oIm iruax. in luflst seüspu ; wenn er das l'o/t strqfen inolile, sprach er:
th laGn d«r seüas »euBen, daa euch die orea seUseu j oder, tcenn er sich nicht
fitniiti, itttan SU sagen: Der geÜBX getar da nit seäBep, Vielleicht liegt auch
X,31- eüeeut iil in di(^ Löhi eine derartige Anspielung vor. Ohm Grand
SIeill, Wegermann und Kär eher den Samen mit dem mhd. siiet«
vgl. auch die Vbtrsehrift der Vita 7,1 «ach M: der wnder
Auf einer Veneechslang von G und S scheint es tu britthtn, wenn in
'S. oben S, 8') gey s, und hei Zillard, Kurte Chronica des Uomini-
I, Jtütngtn JÖ96, 47,b3 {dach vergleic/ie am .fchlusse die Errata und
70^ Einleitung. II. Senses Ijeben und Werke.
Oberrhein verschiedentlich nachweinen \ doch scheint auch in Übe\
lingen eine Familie dieses Namens existiert zu haben, d<( sich <
einem Anniversarienverzeichnis des dortigen Pfarrarchivs 1523 et
Jahrtag für Snsanna SäseriD, ihre Vorfahren und Nachkommet
notiert findet^). Kaum wird man, tcie Sevin ( s. oben S, 66
Anm. 7 ) will, die eine halbe Stunde westlich von Überlingen gelegen
Sassen- bezw. Siessenmnhle hier hereinziehen dürfen, d<i die Ableitun*
dieses Natnens ganz unsicher ist^).
II. Jugendzeit, Eintritt ins Kloster, Bekehrung.
Die Eltern des jungen Heinrich *) von Berg waren, tcie er sdbsi
erzählt (2H,21ff,, 142,17 ff.), sehr ungleichen Charakters; schrofft
Gegensätze standen einander gegenüber, wie wir es im Mitteklttt
Strauch, M. Ebner 364) Geiss geschrieben ist; es ist aber auch möglich, dm
eine Konfundiei'ung mit dem Wiener Professor und I>r. tfieoh Johannes Gtva^
(Geiz)^ f 1440, vorliegt, der verschiedene asketische Schriften verfassie (die Hti
721 und 756 in Giessen enthalten Collationes super Ave Maria und Sermwii
von ihm).
>) So in Wil hei St, Gallen (St. Galler ÜB III, 360,426 [1320 des Süsei
mtili/; IV y 663), in Strassburg (vgl, Anm, zu 74,2) und Basel (Suser, ÜB III
142 f,; IV, 173,261): vgl, auch Socin a. a. 0. 443, Über die in einem Brie)
Heinrichs von Nördlingen (Strauch XXIX, 37 f.) vorkommende Sussin ze Hoch
stetton vgl. die Anm, zu 74,2.
*) Genaueres Hist,'pol. Bl. a, a. (), 109 Anm. 2.
•'•) Von einem Personennamen Sns, oder von ahd, siosza, Weidepiais
Vgl, Bück, Oberdtsch. Flurnamen 1880, 269: ders. in Schriften d. Ver, ,
Gesch. d. Bodensees XI, 113; Krieger a. a. O. 1132,
*) Schwerlich echt ist der Name Johannes, der sich in manchen Hs
des Hör. (so in Clm 18608, 18737: Cod. Mdlic. 106 usw,) und namentlit
in den Hss. der altfranzösischen Übersetzung dieser Schrift ( (juetif ei Kchard
653: Theol. Stud. und Krit, 1843, 852), dagegen nur ganz vereinzelt i
deutlichen Hss. (s, oben S. 6*: vgl. S. 69^ Anm. 3) findet, - - Der Naf
Aman d US, ,Liebetraut^ oder ,Herzentr(iut^ (vgl, 140,7), ist nicht, iß
vielfach geschieht (K drehe r 206: Vetter 21: Strauch 169 usw.) fl*
Klostei'name aufzufassen — die Dominikaner pflegten damals bei der Profe*
den Namen nicht zu ändern, — sondet^i gncissermassen als Seuses nom de guen
als Mystiker, deti er nach seiner Erzählung in der Jugend von der ewigf
Weisheit selbst erhielt (Hör. 216: in ea vinionis gratia quodam novo et mystic
nomine ab ipsa [Sapieutia] vocatus frater Amandus; vgl. tbd. 17,222), Es wät
sonst nicht zu erklären, dnss der Xam*' weder in einvr deutschen Hs,, 7wchh
Heinrich von Nördlingen oder Joh. Meyer oder in iSeuses Epitaph vorkomm
somiern nur in zahlreichen Hss. des Hör, (vgl, Strange o; Quetif ei Echard
653, 656 f.: Clm 7819, 14604 usw.): düae achövften ihn eben ein f eich a\
Ja gen (i /dt, Einlvitl ii
, Bekehrung.
71*
4 selten antreffen ')■ Der Vater irnr durchaus ueltlich gesinnt,
Mutter (Uigegen eine ,heiliije' Frau, ,m't deren Herz und Leih
Wunder') wirkte bei ihrem Lehen'; sie imr .voll Gottes' und
gerne darnach .heilig*, d. h. ihren Übungen der Frömmigkeit
Askese i/etebl, ollein des Mannes rauhe Gemütsart war dem
«hgrneigl, und so ßel ihr manches Leiden su ; sie war ,nlle ihre Tage
title grosse Leiderin'. Beide Eltern starben wohl, ehe der Sohn,
m dem nur noch con einer Tochter'), die Klosterfrau war, die
k ist (70,17 ff.ß, das rolle Manttesalter erreicht hatte. Auf aeinen
/•l und Charakter hat die Mutter massgebenden Einflua» ausgeübt;
übermächtige religiöse Gefühl, das die edle Frau einst ,minnesiech' *)
•.hie und um Karfreitag vor Teilnahme an den Leiden dts Ge-
vagteti »terben Hess, das lieheswarme, weiche und sinnige Gemüt
dem Zug ins Elegische ist als ihr Erbteil auf ihn äbergeganffen.
\'thl glaublich ist es daher, wenn berichtet wird"), er habe sich
ttr nach der Mutter Geschlecht genannt; schon 1338 hezw. 1347
«t ihti Heinrich von NördNngen '^ schlechtweij ,den Süssen', und
tr dem Stichwort .der Siine' ging später die Vita (vgl. 7,1) hesir.
Exemplar in die H'elt.
Den con Jugend mf kränklichen (56,16 f., 280,1 f., Hör. ff3,
<J Knaben, der wohl für einen uvltlichen Beruf nicht recht taitgen
■Jite (vgl. 146,11), bestimmten die Eltern für das geistliche Leben
I hrachten ihn im Älter von 13 Jahren den Domimkanem in
Iwftans als Novizen. l>as idyllisch am Aasßiiss des Rheins ans
tlr.T dts Hör., trie auch r. B. Xolür« nm .Sc/.hisw des ß-ifhes in Cht
Blind 13375 draÜieh seilten, liiuittrtß'end ixl es, irenit der Frolog von
l! tagt, Staat habt den Namen Amandi*» liti Lebetiieit geheim gehalten, tirr-
^ tdtrst nach Htintm Tode in aeinrn Offenbarungen gründen wurdrn. Abtr
Ittnd ja in dem 1334 publüierte» Horotiigium! £in B'iminikaner Amandas
12X (BaaUr ÜB III, 1511 u. 13113 iah Pruvintiai von Tciil.mi», vgl.
'Ijf'r, Vorarbeiten 3(l> btitugt.
') Ein inUreetaTitta Bcispitl m-tählt Stiine Hm: llii.
■} Das Wart wuuder (24,4) ist nicht biichnläblieh tu fansen, snuilern
iU «hA a^r daa 14S,3S ff. trtfihlle Vorkommnis (vgl. auch i/7,4. Iü2,4>.
*J Murer 315 »piHcht viin mthriren Kindern, schwerlich als suverl listiger
*) Gant daisttbe wird
Iff.l und nott ElieabHh n
•) Pnu(oj dl» Druckes i
■) IMtge obtn S. tiä' A
von lUli eoa Sure- in Tim (Vit-
1 Ksalingen lu Wiitr ertähll.
ed. y-llir
72* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
dem Bodensee gelegene InselUosfer^) (vgl. 48ßf,) war foiHan die
längste Zeit seines Lebens seine Heimat, und die Handschriften des
Hör, ^^) bezeichnen ihn mit dem offiziellen Titel als frater Henricus
Su8o (bezw, fr. Amandas) ordinis praedicatoram conventas (oder
domuB) ConBtantiensis. Der Predigerorden stand damals in Deutsch-
land auf dem Höhepunkt seines Ansehens und seiner Ejcjfansivkrafif
und übte als der vornehmere, die Wissenschaft ex profes>o pflegende
Zweig der Bettelorden auf die Söhne adeliger Familien immer fuxA
eine nicht geringe Anziehung aus'^; im Innern des Ordens ßtilich
begann die ursprüngliche Zucht, welche fast das gatize 13. Jh. stand-
gehalten hatte, sich zu lockern, und es zeigten sich manche bedenkliche
Spuren des Niedergangs. Das Konstanzer Kloster machte hierin
keine Ausnahme*). Es hat Sense später bittere Seelenpein verursaehtf
als ihm gesagt wurde, seine Kitern hätten bei Gelegenheit seiner Auf-
nahme ins Kloster, die sonst nicht vor dem 15. Jahre geschehe*
durfte, ein grösseres Geschenk gemacht (62,23 ff., vgl. die Anm. dazuh
Wir wissen nicht, ob dabei wirklich eine Unordnung vorkam — der
Kontext spricht schwerlich dafür, — jedenfalls aber spiegelte sein»
aufgeregte Seele ihm vor, es sei Simonie gewesen, und er litt gegem
zehn Jahre schwer darunter, bis ihn Meister Eckhart durch rer-
niinftige Belehrung von seinen Skrupeln befreite.
Die ersten fünf Jahre des Klosterlebem verflossen ohne eiit^
Aussergewöhnliches ; wie der rückwärtsschauende Asket in strenger^
wohl allzu strenger Selbstbeurteilung erzählt ( Vita 8,4 ff. ; Bdew Kap. 1;
Hör. 15 ff. 56)^ trug er zwar ,geistlichen Schein^ d. h. das Orden»'
gewandy das nach aller Anschauung , rechtlich betrachtet, an sich
schon den Mönchscharakter verlieh '*), aber sein GetniU blieb ,vnr
gesammelt*, er begnügte sich mit dem Geuöhnlichen, ohne sich besondere
sittliche Anstrengungen zuzumuten. Doch seine ideal angelegte Nat^
fand bei dieser Halbheit auf die Dauer kein Genüge; er war in
seinem Innern stets unruhig und unbefriedigt , ein unbestinntite$
') 1^36 fjegrüudety llbiCt ron Kaiser Joseph II aufgehoben, seit Ibli
JnselhoteV.
-) Vf/i. oben iS. 70* Anm. 4.
•') Vf/i. Fiiihe, ViKjedruckti Domiuikanerbrieft des 13. Jh.^lisOl, 10,
*) Vtß. Vila IfyJJfiJf. Nö,:J3ß'. Savh Hör. JJ 'jiugcn manche Mönche
nach dir Noii in die JStndi. um Bekannte zu besuchen : die discursus iiiutiles
evaiij^elizaTitiiiin tadelt ASeusc scharf ( l. c. 174). Weiteres über die Zuatändt
im Predigerardvn unter B L
•') 1'///. 7.'. Sc her er, Kirchenrecht 11 {lüUl) b03.
Dirr Dienst der ewigpn WeislieiL 7
« und Dürsten noch etwas Qrossem, das die gunse Seele aus-
beutete ihn iintihläs»iij '). Die innere Umwandlung, ps^c/iolof/isch
lange vorbereitit, pertlichtetf fich in seinem 18. Lebensjahre,
vm VHS"), «14 dem durchgreifenden Entschlma (der geewinde
6,14), sein Leben forUm ohne Bückhnlt in ikn Dienitt OoUes
<^tUtn. Durch einen ,verbory0Hen liehtreivhen Zwj mn doH'
I er «ich märhtig geHärkt, durch Kampf und Askese hindurch
der .höchHen Kumt rechter (Ifhssenheit' (5.H,/lf. J5 ) zii ringen.
er führte seinen Vorsatz aus, ohieohl dem Anfänger Zweifel
flog Gelingen tntti fremde Einreden, seihst Spott, nicht erspart
m (8JilJf. Hör. IS f.) und er unter seinen Klostergenossen
» ijieichgestit/imten Freund fand, der sein Streben hätte unterstützen
in {9,äl>f.). Mit rfer AbUgung einer Lebensbeichte (43,13f.
K/.> begann er seine ,Vita nuova', die er in all ihren Phasen
rückhaltloser Offenheit und unnachahmlicher Zitrtheit schildert.
III. Der Dienst der ewigen Weisheit,
Dir Keligiosität Senses nach seiner DeMtrung nalim eine ganz
ni^ristische, ihm eigentilnUicIie Ausprägung an. Wir sehen in
n Anfang an zwei verschiedene, sckeinliiir sich widersprechende
ituHgen neben einander herlauj'en: die gefühlmnässig-schuHinneriKche
die itxketifch -selbs Uf ui'ile r euch e.
,Er halle von Jugend auf ein niiunereiches Herz', bekennt er
$ich seibst. (11.27, vgl. 13,14 f.. Dar. 16). Seiner lebhafte»
asie genügte es aber nicht, Gott nur im allgemeinen als das
idrrdatf und Schünheit sich vorzustellen, es verlangte ihn nach
R Üymbol, oder bester einer Personißkation der göttlichen Voll-
ntuheiten, die ihm greifbnr nahetrelen und mit der er in Verkehr
n konnte. Er fand diese in der „ewigen Weisheit". In seiner
tfKap. 3) und noch deutlicher im Hör. (15 ff,) berichtet er, wie
I dieser Vorstellung kam und welche Entwicklungsstufen sie bei
I durchmachte. Angeregt von dtn ,Lihri Sapientiales' des alten
menles, besonders dem Buch der Weisheit, den Sprüchen Salomos
Jem* Sirach, deren Ausspräche über die „ewige Weisheit" seit
*) tiif Ertätilitiig ti,iff. rrinntrt im dirjenir/e iler hl. Oertruil im I.rgalux
m pittatüt, Hwlat. Girtrud. ac Mtc/ithitd. 1 (W/ö) 103ß.
*) Unriehlig Sirbtrg 136: ..seine Brkehru'ig gesrliali am St. Aiineslag%
NO 31. Jan. V113~. Abu '» ttanätll sictt hiei- < Vila 10.11 f.l um riiie
1, äif ,tn »einem Anfanii', d, h. in ilrr rrtttn Zeil nnch der Behthrung
74* Einleitung. 11. SeuBug Lebfii iinil Wt-rke.
altera von der Ideologischen Spekulation nicht bloss auf die Eiget
•fchafUn Gattes, sondern auf eine eigene göttliche Hgpostnse
Logog, gedeutet und in der kirchlichen ägml/olik und Liturgie du
Mittelalters vielfältig in diesetn Sinne eeruendet wurden (vgl. oboi
S. 51* A. 2 u. S. CO* A. 3), fnsste er sie zunächst ganz allgemein oü
den Inbegriff alles Schönen und Liebenswürdigen, iilentifiziertd i
aber dann fortschreitend mit dem ,ausqmllendtn Ursprung der blostm^
Gottheit' (14,30 f.), d. h. mit dem göttlivhen Wesi-n an und für
darauf konkret mit der persönlichen, menschgeu-vr denen eiligen K«V
hat : Christus, ohne jedoch die allgemeinere Auffassung ganz aufsu*
geben, und lässt auch, wie es in der Liturgie geschalt bezw. gestAttHj
die Bezugnohne auf Maria dann und wann miteinfiiessen.
Seine Seele rang nach bildlichem Ausdruck seiner inneren A\
Schonung und begehrte die Geliebte zu sehen; sie zeigte sich t
wirklich seinen .inneren' Augm in bedeutungsvollen, der hl. 8dt
entnommenen Bildern: sie leuchtete wie der Morgenstern und s
wie die aufgehende Sonne, bald erschien sie ihm als schöne Jungfru
bald alu edler Jüngling, bald als weise Meisterin, bald als statlUd
Minnerin, und sprach zu ihm gütlich: „Sohn, gib mir dein Hertf^
(14,10 ff. Hör. 20 f. 57). Die Worte Pavli von Christus als ,6(^
Kraß und Weisheit' (l Kor. 1,24), ,in dem (die Schätze der W^
heif und Wissenschaft verborgen sind' (Kol. 3,3), wiesen ihn t
auf die zweite göttliche Person hin, durch deren leidend« Mensehhü
er zur Gottheit vordringen solle (Hör. 21,25; Bdew 203,6ff.). /
Sinnbild der eirigen IVeisheit iii letzterem Sinne erschien ihm t
Name Jesus (40<),2tiff.), und ihm widmete rr einen bis ins ktetH
geregelten Kult, der in der ,Brudcrschaft der ewigen Weisheif •
weitere Kreise verbreitet wurde (Kap. 45; 393,8 ff.). Ihineben fük
er aber doch stets die Idee der ewigen H'ei.'-heit auf ihren Vrsprti
und Quellpunkt, das Wesen Gottes als den ,grundlosen Abgrund (a
üartheit, Schönheit, Herienlust und Lieblichkeil' (14,29 ff. Hor.i
zurück. Einen unauslöschlichen Eindruck machte es auf ihn, auf
am St. Agnestog erstmals in einer Verzückung rorubergehend jt^
'l Aus dtr iirilehtigrn SrhiWcrung der Vita Imt Herdtr den Vm
zu Ktinmn KChSntn (itdkhU „JMe nniji- Weükeif (ahgedrueH bfi Diep. Sl-
•jriiommcH. Eingehenden f^ueUmnacliteeis hat H. Kühler grlirjirl i
<ltr Kgt. tächs. (it»eÜachaft dtr Wies.' 168'., li>b—3i (dtr Au/sais cnrnUit
Kühl»» Kinneren Schriften 111 119001 1U7-31) und fettgteleUt, das» ifoi
ds» Urtext, »ondem Muin; Hrheiia >. Sliiß. ticniita und das G«d
verfemst hat.
Der Dienst der ewigen Weisheit. 75*
Zustand des Sichselbstverlierens und der mystischen Einigung mit
fM erlebte (Kap, 2, Hör. 22), auf den alle Mystik hinzielt.
Was er da sah, kann er nicht beschreiben: es war formlos und
weisdos* — die Vision war also mehr eitie intellektuelle als eine bild-
liche^) (vgl. Hör. 22: in hoc fontali principio nee forma erat nee
raateria) — und doch war es alles Entzückens voll; er konnte nur
^ch selbst vergessend einstarren in den glanzreichen Widerschein der
(jottheit. Als die Erscheinung zu Ende war, sank er erschöpft wie
ohnmächtig zu Boden, seine Seele und Ge^nüt aber waren voll ,himm-
Men Wunders', und latige Zeit blieb ihnen der fühlbare Eindruck
iacon *).
Die Liebe zur ewigen Weisheit ist fortan die überirdische Atmo-
sphäre, in der Sense schwebt, „Diener der ewigen Weisheit*^ die
istAende Bezeichnung, die er sich gibt. Was nur je irdische Minne
ff« Lobsjyrüchen erdenken kann, häuft er auf dieselbe: sie ist sein
Herzeiitraut (27,4. 140,7), seines Herzens Kaiserin (15,17), sein
fröhlicher Ostertag, des Herzens Sommerwonne, seine liebe Stunde
(37,1 f., Bdew 223,28 ff., Hör. 58 ff.), mit ihr glaubt er sich vermählt
Vit Franz von Assisi mit der Armut (vgl. Hör. 217), und strömt
rfm Jubel seines Herzens über diese Gnade In Worten voll stürmischer
Begeisterung aus (Kap. H; Hör. 215 f., vgl. P reg er II, 362 f.). Er
v)idmi ihr, besonders in den Tagen seiner ^blühenden Jugend^ (110,4),
^0 sein Antlitz noch von frischer, blühende^' Farbe war (110,14),
änen Dienst voll rührender Zärtlichkeit *^), wie es ganz seiner poetisch-
'^mantischen Anlage, seiner ritterlicti-adeligen Erziehung entsprach,
^^^d fühlte sich darin unaussprechlich selig; seifte tägliche Lebens-
^rdnung, seine ,kindlichen Andachten^ (110,3), seine Naturbetrachtung
"nd unter diesen Gesichtspunkt eingestellt. So trenn er ein neues
^^^trnnd anlegt, oder sich zu Ader iässt oder die Tonsur erneuert
i 110,4 — 25), wenn er Lieder singen oder Saitenspiel erklingen hört
^^^}Sff,), unterlässt er nicht sie zu ,meineti' und um ihren Segen
V« hitten; das YV eltall mit allen Geschöpfen ruft er zu ihrem Lobe
''"/(Sursom eorda! Kap, i)). Zu Ehren der ewigen Weisheit reifasst
^f ein eigenes Gebetlein lateinisch und deutsch als ,Morgengrtiss^
USfl2f,, 395,18 ff.), dessen \ er breitung er sich angelegen sein lässt,
'j Vgl. Anm. zu 34:2,:i()ff.
*i Zum Vergleiche ist sehr lehrreich die dichterisvh-sgmholische Schilde-
^ng dtr Ekstase hei liiehard von St. Viktor, Bvnjainin Maior IV, ^3 (ange-
M bei Krebs, Meisler Dietrich /s. Anm. zu 328,17} 133 A, 4).
^) Ililbsdie Schilderung bei Bö hr inger 304 — 6^.
76* Einleitung. II. Seuse« Leben nnd Werke.
f^etzt sie in holder Sjmlerei als Tischyenossen vor sich hin, dass sie
ihm Speis und Trank segtie (Kap. 7)j erbittet con ihr am Neujahr
wie die Jünylinye in Schwaben ein Kränzleiyi (Kap. 8), und setzt
am ersten Mai als seinen geistlichen Maibaum das Kreuz mit allerlei
lüumemier geschmückt (Kap. 12). Er lässt sich auch die eunge
Weisheit in minniglicher Gestalt, tvie sie Himtnel und Erde in ihrer
(wewalt hat, auf Pergament malen, nimmt das Bild mit auf d-ie hohe
Schule nach Köln und bringt es uneder zurück in ,seine Kapelle^
in der P redig erkir die zu Konstanz, in der er gewohnlich seiner An-
dncht pflegte (103,14 ff.). Wie er in einem eigenen prächtigen An-
dachtsbuche, dem BiicIUein der ewigen Weisheit, das Lob seiner
(reliebten verkündete, soll später Ertvähnung finden. Seine Liehen-
Inbrunst ging sogar so weit, dass er einmal in seifier Anfang«s^
mit einem eisernen Griffel sich den Namen Jesus als bleibendes Unlr
zeichen in die Brust eiiigrub^), ,gleichwie weltliche Liebhaber dm
Namen ihrer Dame am Kleide tragen^; unvertilgbar blieb er da Um
zu seinem Tode, nur zwei vertrauten Frewnden und Elsbeth Stagd
offenbarte er d<t^ Geheimnis (Kap. 4; 143,32 ff. 393,12 f.; Hör .76,221;
Minmb. 538,5 f).
lY. Senses Kasteiungen.
,Zur Minne gehört ron altem Hecht Leiden^ Jeder Minner id
auch ein Märtyrer' (13, 15 f.), das war Seuses Überzei4gung, der auck
hierin die Idee des mittehtlterlichen Frauendienstes ins Religiöse übet'
ir(igt% Der ewigen Weisheit zu lieb int er daher bereit, alles, auch
d<ts schwerste zu leiden (34,13 ff.. Hör. 18,65). Und er wartet nicki^
bis Leiden von selbst kommt, sondern beginnt bald nach seifier Be-
krhrum/ damit, seinen ^wilden Mut\ den ,verwöhnien, widerspefisOgen
*» Ähnliches trird erzählt von der hl. Jindegundis (f 567) und Edäkt
fV^M^ «y« Znchler, Askesv und Mönchium IV (1897) 45^: ders.y Ik»
Knuz Christi Iblö, :J47 : ron Christina Ebner y rf/l. Lochner, Ze&M und
(resichte der Chr. K 1^1'^, 11: ferner von Veronika Giuliani (f 1727\ tf/^
Stimmen aus Maria-Laach W0;'> II, ::^S4.
-» Vgl. Hör. 8!: militiae species amor est: /. c. 11 f.: litore qnot coBchia^ ,
tot sunt in amore ilolori's . . . Revolve innuniora et stupenda, qaac legisti et.
andivisti, quac prohpiuior Iiuius roundi aniatons ex amore vanissimo sa^tinaenut ,
Noiinr in^t'iuisoebas, cum ad notitiam tuam ])ervenit iuvenem quendam tibi noteB;
in tantum fiiisse fascinntnm. ut ob amorem nuiu^ puellae fermm quoddam
siiae inlixum portaret? Man fühlt sich unicillkürlich an die LiebestOi
r/r/<7iv vnn I.irhtenst.in erinuti, der sich um seiner Dame tciihn einen
ah hackt <. :
i
Seiise« Kft5l«iiiiigen. 77*
(.«ü', seine ^eieitdige Natur'. 7iiil dey er sich äicrhtdett fii/Uie ('J.l'J.
iS. 39^ ff., 108,18 ff., Bihw 2(M),20), durch ein erfinderischfs Syntem
«H ÄbUitungeii und Kristftungen zu bezwingen und zu unterjochen.
l)ie Eintfrabung dex Xametui Jesu in die Brust iet schon efwähnt
it»räfH. Seine Zunge hielt er in strengster Hut, ao dims er inner-
Ml, Ho Jahren bei Tische nie das StiUschteeigen brach (Kap, 14);
ith« Jahre blieb er in seinem Kloster tibgeschieden i^on iilter Welt
(i2^iiif., 103,5 ff.), trug lang ein hürenes Hemd und eine eiserne
Kfttt Hin den Leib, schlief des Nitc/tts wohl 1(1 Jahre in einem enge»,
fit Söget» besetzten Unterkleid, die Arme in Schlingen gespannt
«(kr die Hände in lederne Hundschuhe gesteckt, die mit spitzigen
Utmngsiiften versehen waren (Knp. 15). Acht Jahre tntg er ein
wi Khar/en Nägeln und Nadeln beschlagenes hiihernes Kreuz unter
dm Kleide auf dem Kücken, und nahm mit demselben wie auch mit
rintr eigens präparierten Geissei häußg Disziplinen (Kap. IG). Un-
yfitkr acht Jahre schlief er auf einer nlten Türe oder in einem
'«¥M Stuhle sitzend, ohne hinreichende liedeckung im Winter, icärmte
'ich iftgen 25 Jahre nie am Konventsofen und mied olles Bad, ass
limijr Zeit nur einmal lies Tages und brach sich nicht nur, wie im
'Jrdtt> zu gewissen Zeiten üblich, das Fleisch, sonilern auch Fisch
ml Eier ab (Kap. 17), enthielt sich zwei Jahre des Obstes (25,8 f.),
trank viele Zeit keinen Hein ausser am Ostertag (46,19 f.) und er-
hivbtr eich nur ein gaiiz kleines Mass Wasser (Kap. J8). Nach der
MtUe, die sehr früh am Morgen stattfand'), trachte er, auf blossein
Silin im Chore stehend bin zu Tage (47,8 f.). Vom 18. bis 40. Lebens-
Jokrr trieb Seuse diese ,marterlichen Übungen'^, an deren Glmth-
'' Üu» ,Ofßciunt noclumum' mardr nicht übtrall für gUie/ien ZtH ab-
friallm fiim MitItrnnckI oder 1—3 Stunden später, vgl. Mörtier, Sialoire
*• nailita grnfraax dr Vordre de» frrrte prichews 1 [Paria JH03} öSlf.). In
' Kmtaiu variierte man, wit ee tcheint (vgl. 47,3f.), nach der Jahreetett.
'[ A* irtrd kaum gelingen, wie ei Prrger, Vorarbeiten 1^4ff., l30ff.,
■ Mim*« eemvxht hat , jene Kattei-ungen in Siune^ J.tben chronologiseh tu
.ffrea. iJesu »intl dit Ztitangabm zu unhiatimmt; etwas Sehematieiercn mai/
^t* trohl mitanrerlat^lm. Aai 69,30/. dürfle tu fotgem »ain, dose Sense die
"Wn ifhn .Jahn nach seiner Bekehrung (cn. 1313— S3) in Konstant btitb. —
^ijiitb -jUivh'f odir ähnlicher Abtötuni/tn, wie Sfuse eie ähtt, bimnen aue dtr
'^liUfengeatKichle und auch aus der deutschen Mystik m Menge beigebracht
'irden; tgl. s. B. Zöekler, Askese II>, bälff. 457: Aers., Kreui Christi
%379: Oreith 3ölf. 383,31^6,414 (aus Katharinental und TBse); Pes,
Mieea tuieeliea VIll (ITSSt 107,156,307 u. ö. (aug Untertindln); Srehs,
■r, ChrisUna Khner 1S73 paesitii; Strauch, M. Ebner
tegl. Anm. S. 302 ff. I. Auch Mechlhild ron Magdeburg uidPtetf tich
78* Einleitung. II. Scuses Leben nnd Werke.
Würdigkeit wohl nicht zu zweifeln ist^), und wir glauben es ihm gerne,
wenn er erzählt, dass er sich dadurch viele Krankheiten zuzog
(01,17. 45,18 ff,) j und daas zuletzt seine ganze Natur verwüstet und
verdorben war, so das» nichts mehr übrig blieb, als sterben oder da*
von lassen (52,8 f. 55,3). Das Resultat seiner Kasteiungen aber
fasst er in den Satz zusammen, dass alles nur ein ,guter Anfang'
und ein , Durchbrechen sei^ies ungebrochenen Memchen^, gewesen sä,
worauf erst die yhohe Schule der rechten Gelassenheit^ folgen ioOe
(53,1 ff., 3,10 ff.).
Die Beurteilung von Seuses strengen Abtötungen wird wohl stäs
je nach dem Standpunkte eine verschiedene sein. Wer die ko^yerticki
Askese prinzipiell veru-irft oder sie wie z. B. Seeberg^ nur unUr
dem Gesichtswinkel der Beformaforen betrachtet, wird notwendig zu
einer mehr oder weniger schaffen Verurteilung gelangen. Doch dürfte
es in unserem Falle richtiger sein, Seuse zunächst aus seiner ZtU
und seinem Charakter heraus verstehen zu lerneti; manches wird »ci
dann begreifen lassen, zum Teil wohl auch entschuldigen. Die A^
Übung von Busswerken, mitunter selbst in einer für unseren «i^
feinerten Geschmack abstossenden Form, lag ganz im Geiste dt»
Mittelalters und galt als ein Teil der für jeden pflichtmässigen Nadh
folge Christi y nicht als Selbstzwecky sondern als Mittd zu dem Zweck,
die lolikommene Herrschaft über die sinnliche Natur und dadurch
die wahre sittliche Freiheit zu erlangen. Seuse selbst spricht siA
wiederholt deutlich genug darüber aus (30^3 ff'., 41, 4f., 106,1 f., 107,16,
I0tij8ff.. Bdiw '^89,2 ff., Bfb473,Wff., Hör. 171). Das augustinisek
,per Christum hominem ad Christum Deum^ (vgl. 34,9 ff ., 168,10»
ISfj:iff.^ Iidi*w 2(f3,S jf/',^ Hör. '^5)y Losungswort der ganzen mtlidr
altrrUchen Mi/stik^), com hl. Bernhard in seinen Homilien zum Hohü^
vom 'Jf),—4fi. Lt'bvnjfjahrf schweren Ahtiitungen (ed. Gall Moni 94/.). Ühr
Kastauntfrn dtr Amichonten in dtr Wüste s. unten.
■> A'fi(7* einer Ändeutnntf .^:iJ ist das Berichtete sogar nur ein Teü.
■» u':f.s Till dcrs, in liealenzt/khp. f. pratest. Theo!. II \ 138. Bitk^
(/(ii/c'iMi B oh ring er 31;'»/. K. I'Uehitjer^ l'ber die Selbstverleugnung v^
den Htiuptrertniirn der dentiivhtn Mgatik des Mittelalters ^ Gymn.'-ProgrQfM^
Brity I^^i* und J^iHK bthnndeli nur Kekhart. Jauler und einige spätere MfStikir*
'*) Auch Kekhart dtnkt trotg seines ^upranuturalismus nicht anden (^
Vhiß\r;}i*A4ß., 4(H'.:f.', J>enso I'nuhr f Behgt htiFitbigrra.a.O., 2.Td)»
/•.V«f^ reiche Stimuduntj von ::> teilen «m.v deutschen Mystikern bei Deniflt^ IH*
ueistl, Lthtu i*t rf\ Vtßl. auch dit AusfiihrMnotn von I) enit'le über .»Auübti
tingen der Kathtdisrhen I.threr l>i\' Luther Hhtr dii Kasteiungen und die BÜ^
ÄTt/i.»M" in .Lttthrr lud Luthertunr 1- iji*it4» ot>l—7t: (StiitjK. iif»er die deuiad^
! Kiieleiuiitjeu. 79*
•itiir mit gli'tkeniier Beyeiste>-ung vorgetmyen und amgeleift, hat der
tkmäbische MijHtiker mit dem ihm eigenen jitgendlichen Fewf und
nnge*tüm, das am liebsten nach dem änssersten grtift, nufgenovmten
md ihm nachgete/it, nicht bloss in sinniger Meditation der vin dolorosa
te ErlQsers (Kap, 13; vgl. Bdew Knp. 14), sondern in grausamer
W'iridichkeit. Wer wollte leugnen, dass er durch Übei-maas gefehlt
kal,auch wenn man dfn Maisstnb mititlalUrlichet Ethik anlegtY Aber
H trotz seiner übertriebenen Askete alt geworden und teilt seine Ver-
ig, die er spälrr selbst bereut haben mag, mit andern Frommen vor
nach ihm '). Und es enlirnffnet unsere Kritik, wenn wir sehen,
tr Elsbeth Stngel gegenilbi-r, die seine Strenge nachzuahmen sucht,
mtersagt, weil sich nicht alles für alle schicke (107,7 f.), und
Leitung seiner anderen geistlichen Töchter eine zarte Dis-
itm und rühmenswerte Klugheit in bezug auf die Askese zeigt
.Llff-, :i88,21f; 469,25/'., Hör. 43,222). In jenem Briefe an
fJi ^ibt er uns auch den Schlüssel zum Verständnis ceincs eigenen
tdonungiilase}* Vorgehens: die Altväter der Wüste, deren asketische
Sprüche er an die Wänd^ seiner Kapelle malen Hess (60,12 ff'.,
^'JJiöJ/'.), deren Lebensbeschreibungen er täglich las und meditierte
r«r. II6), haben es ihm angetan, sie will er nachahmen (vgl. 107, 21 ff.),
Collatiotien Cassians sind seine Richtschnur, der ,sHmmws philo-
m' Arsenius sein Vorbild (Hör. 9, 41, 152, 172 ff.). Wir können
Nachahmung der alten Anackoreten in Seuses Abtötungen fast
\ für Zug nachweisen^). Es gab im 14. Jh. im Dominikalter-
tfm, wie später noch genauer zu zeigen sein wird, gegenüber dem
►t grassierenden Laxismus eine streng reaktionäre Richtung, welche
'$ Rückkehr zu den alten Idealen, die bei Gründung des Ordens in
mung gewesen waren, betonte und mit dem altchristiichen Mönchs-
mche verwandte Züge aufweist^ Auch Sei*se hat zu ihr
^M^', /n-nrr Thomas* ns-3eehfrg, Dngmengeach. des Mitlelalters 1S8S,
*/«■<* /fir da/i AOgemtine Linsenmaitn, Lehrbutb der Maraltheol. ia7K,
So :. S. mit dtni hl. Bernhard (vgl. Amn. ta im,t7. ö3l,Sf.).
So für da» Meidtn des Bades, du KnthaUgamkeit in Speite und Tränt,
Naehtmaehett, da» »ileend Schlafen, das Wnhueii im gam enger Zelle, die
dttreh Hilit und Kälte, h/irenff Hemd und ei»rme Kelle, die Ab-
Skutuag ron den Mensehrn. Vgl. die ZanammensUllimg bei Lucius- Anrieh.
Anfänge da Hriligentititas I9(J4, 367 ff., und eur Bturteilnng C. Butler,
Laueiae Hiatory nf Palladius (Text and Studie» VI, 1) I«,'«, IttSff.
') Ihren Aundruck hat ditst lliehtung namentlich auch in der Croniea
Prardinaorum de» fintttagno dr la Flnmmn (rm 1343, hrsg. in MOPH
^
80* Einleitung, fl. Öeusea Leben und Werke.
yeh'ört und in seiner Jugendzeit ihr im Übemia^ gehuldigt. In
reiferen Jahren sind seine Ansichten gemässigter. Freilich, schreibt er
an Elsbeth, sollen die weichlichen Menschen zu diesen neuen Zeiten
jene strengen Übungen bei anderen nicht verwerfen oder in arger
Weise beurteilen, denn sie wissen nicht, was inbrünstiger Bimst mä
göttlicher Kraft erzeugen mag, zu tun und zu leiden um Gottes willen
— wiewohl manch grosser Heilige sich hierin übersehen habe, — aberei
sei doch besser, vernünftige Strengheit zu üben als unvernünftige, tmi
weil die rechte Mitte schwer zu finden, sei es geratener, ein wmij
darunter zu bleiben, als sich zu viel hinüberzuwagen ; schaue jeder
Mensch auf sich selbst und merke, was Gott von ihm will (107^14 f.)!
y. Visionen und Ekstasen.
Es ist nicht verwunderlich, da^s Seuses ernstes Bingen und
Streben durch jene inneren Tröstungen und Einsprachen, Vision»
und Ekstasen belohnt wurde, denen wir im Lebeti fast aller Mgstikr
begegnen. Anhebend mit jener schon erwähnten Verzückung OM
St Agnestag schildert uns die Vita eine reiche Fülle ausserordent-
licher Erscheinungen und Erlebnisse mystischer Natur ^), nicht selUn
in reizvoller, hochpoetischer Weise. Hieher gehört jenes schöne G$-
sieht, wie das Chnstuskind als ,minniglicher Schüler^ dem Dientr
vorsingt und in einem Körbchen Erdbeeren bringt (31,15 ff.), M
,unsere Frau^ mit dem Kinde ihm zu trinken gibt (49,4 ff. 28ff.)f
ferner die Vision von der Investierung als geistlicher Ritter (55,21 ff^jt
von der Begnadigung seiner geistlichen Tochter (101,7 ff.), der HM-
gung des himmlischen Hofes an Maria (111,17 ff\), die Rosenviäon
(64,21 ff.), die Erscheinung ,unserer Frau^ mit dem Kinde als ,Her2en'
trauV (139,34 ff.) und die Vision Christi als gekreuzigter Serajfh
(144,25 ff. )y die himmlische Messe an Weihnacht (386,3 ff.). Bald sieht
er auf seinsm Herzen y wo er den Namen Jesus eingegraben, ein goldenit
Kreuz strahlen (17, 3 ff.), schaut seinen eigenen Leib durchsichtig
wie Kristall (vgl. Amn. zu 1^>3,2 ff\) und die ewige Weisheit seii^
II j 7, lbiii7) gefunden, der zahlrciclie Beispiele aus den Vitae patrutn und A*
Collationen Cassians anführt und zeigt, wie die ersten Brüder des Predigt
ordeiui nach dem Vorbild der Altväier sich kasteit hätten. Ähnlich auch «€Ää*
in den Vitae fratrum Ordini.s Fracdicatorum des Gerard von Vracheto (f 1371)f
hrsg. in Mi) VII /, 1896), die Seuse jedenfalls kannte,
M Ilieher gchitren all*' jene St dien, wo die Ausdrücke ,abge8ehiedener Ei^
blick', junsäglicher Umfangt, .lichter Schlaf \ ,Kntsinku7ig* oder ,Vergangenht^
oder ,'Ruhe dtr niusserm) Sinne^ ystilhs Jxiihlein^ und f'ihnliche vorkommen.
\'i8ionen iiml KkHta»'D.
wie in unsäglicher Wonne umaitne» und ihr ,Minnespiel' mit ihr
tiben (20,12ff.), /tat oft mit (len Engeln ,himmli»che Kurzweil-
wird von ihnen in seinem Leide r/etröstet, kört überirdiivhen
\mmg uml Mitstk (17,25f., 18,23 ff., 10, J f., 3l,tiff. 2Hff.,
tUöff.. Ii4,19ff.. tiif.lÖff., S9,Gff., 109,17 ff., lli,9ff. mir.).
linviai verrät er Elgbetk, icas «■ bisher noch keinem Menschen ijesagt,
ibrr Btek jetzt doch za nagen gedrängt fühlt '), da»» er in seinem
isifmvj zehn Jnhre lang iüglich iwtimat die gettfUiche Freude det
Juhtin' geh'tbt (173,13 ff.), später, nach seinem grossen Leiden, c«
rV ihm in bleibender ü'eise zuteil geworden, doch so, dass man
imerlich nichts «m ihm merkte (175,22 f.; vgl. 341,17 ff.). Oft hat
tr auch Visionen zakiinjtiger und verborgener Dinge, erhält Kennt-
iDie es im Himmel, in Hülle und Fegfeuer auxsrhe (22,21 ff'.),
\ntä sieht in reger Kommunikation mit den Seelen des Purgn-
toriums und den Verklärten des Himmels, deren nicht wenige, dar-
uitfr Meisler Eckhort und Johanne" der Fuoterer, Meister Diirtholo-
«iHWü PO« Bolsenkeim, sein eigener Vater und seine Mutter, Elsbtth
Stoi/d, und verschiedene nndere Freunde und Behinnte ihm er-
Kktitten (22,2Sff., f!,7 ff., 23,21 ff'., 143,11 ff., 194,23 ff., 128,1 ff'.,
^8ff., 130,9 ff., 144,12 ff., 148,20 ff.). Jedes wichtigere Vor-
muüa m seinem Leben , vollends entscheidende Wendepunkte des-
bi (40,28 f., 52,10ff., 53,9 ff., C,3,10ff'., ö32,14ff.) sind durch
ivntn und himmlische Offenbarungen, die ihm selbst oder Gottes-
d -Freundinnen Über ihn zuteil werden (22,Hff'., 44,16 ff.,
iSff.. 59,7 ff., 63,14ff'., 04.3 ff., 70,3 ff., lo2,6ff., 115,14 ff.}.
So wird ihm auch neues Leiden programmatisch eorher-
't (^4,2lff., ^,3ff., 117,29ff.), in visionärem Schaiu»
Arung aber das Leiden (58,24 ff ., 85,24 ff., 90,18 ff.. 93,3 ff\}
' Weisung über Abfassung und Veröffentlichung seiner Schriften
im (6,7 ff:, 7,19. 198,15 ff., 253,17 ff., 322,21 ff., 373,29 tf.,
r. 13 f.).
Auch Wandergeschichten, i» denen Sense aktiv oder passiv
I fioī tpiell, obgleich nicht viele und nicht in so krasser Aus-
rvng wie bei manchen Hagiogroplien des Mittelalters, feiner
1 al« meist in den Dominikanerinnenviten des 14. Jh., werden
Uft. So wird ein Maler in auffallender Art von seinem Augen-
hi ytheÜt (60,35 ff.), ein Mann durch eine himtnlische Stimme
0 Ähntieh rfdet i*r hl. Btrnhard, um andere jw betthrtn, von srinm
*nt Erfahrungm und Geheimiiieatn. ..wie ein Mann, der lu spreclirtl hangt
dach nicht n-liweigcu kann" {termo 74 in Cant. n. 1).
U. S ( B • * , DiuMcb* 8<:liFln«D. G'
82* Einleitung. II. Peuaea Leben uml Werkp.
vom Selbstmord zurücktfe/talten (13H,7ff.). der Wein teunderk
vermehrt (140,25 ff.), dem Konvent in der Kot uiterwnrttt Gt
gebracht (25,14 J"., 146,0 ff), dem ermatteten Dimer ein Rösdl
zum Reiten gesendet (13S,S2ff.), seine Feinde werden durch jäh
Tod beHraft (70,13 ff:, 128,23 ff ., 148,8/.). Man wird n
fehl gehen, wenn man die misten diese)' yorkommniise u?iter
Gattung der „(tnmutigen Klosternocellen"') einreiht, welche in yleitk
oder ähnlicher Form zu Dutzenden in den Klöstern von Mund
Mund liefen und in der hagiographischen Litenitur, die ja Lieblinf
lekttlre jener Kreine war, nacherzählt wurden\ Senne ist naiä^
auch in diesen Dingen ganz Kind seiner Zeit, aber im eigentUekk
Sinne iviindersächtig wie et-tea Gänarius von Heinterbach, Thtm
von ChantimprS und sein Ordensgenosse Gerard von Frachelo ")
er nicht; in dem Falle des blutenden Kruzifi.ceg hat er sogar
betnerkensw&'te Probe nüchterner Auffassung gegeben (67,Hi\
vgl. auch 60,28 f., 141,7 ff.).
Auch über die Visionen, Ekstasen und Offenbarungen urU
Seuse, wo er als geistlicher Lehrer und Führer darüber redet, i
aüe ernsten Mystiker*) mit gesunder Zurückhaltung und Vorsiel
jene süssen Gaben seien nicht notwendig — nicht darauf, soHd4
auf die Reinheit d-es Lebens und die Vollkommenheit des WiUl
komme es an, — aber auch durchaus nicht zn verachten; bei ih\
Beurteilung sei grosse Vorsicht anzuwenden, da man sieh Uü
täuschen könne, den richtigen Massstab gebe die hl. Schrift U
Lehre der Kirche (183,16ff., l97,Wff.. 385,l2ff., mimend
Pr. Kxici 524,21f. [wenn echt]; Hör. 13f.). Je inteliektwA
d. h. bildloser, geistiger eine Vision "), desto edler sei sie und
■l Michail, Geteh. das dluch. FuUa II! {1903} 169.
') Zahheieht Belehr he! Krel/t a. a. 0. 9tß., 113f.,- OäHter, Ltf
ttenatudien 190G, 162ß. (IliJ A. 3. u. 4 übtr die Wemvermfjirungl.
*) Vgl. oben S. TS* Änm. 3. Auch Reichert in »emer A«
(MOPH 1,2) nmnt Omard IriehtglSuUg, ja gtradteit abtrgläubiseh.
') So namentlich David buk Äuffsburg, De eompo». III, 2 h. G: alju
solatione«, sicut nun sunt uecessariae saluti , nie etiaiu auspectue üuiit et
fftlsae et flctae et lieceptoriai-, ut viniones, revelalionea, prophetiae, seneualM oU
tationcp, luiraculorum operiLtiones, maxime muderniH temporibiis, licet quutdo^
vertie reperiantur, ued in paueis. Vgl. avch II, 34 ; III, 6T n.3; Michael a. a. 0. t
*) Die Visionen a-erdrn »eil Augaitin in kürpfrlieht, imaginüre und iä
ItktutUt eingrteüt, vgl. Anm. zu lS3,fiff..- Denifle 377 A. 7: Kirchm
VIII', aaSi; Xir. tfXJS/.: Joly, Fsijchologk dir Hriligtn, deUtHh
I^l 1904, USff., J4nf., und heeondem das Irrßliche Werk von Poull
Des gräcf* d'iiralton, Tiaili dt theolngii mgstique, 6, id. Pari* 1906,
der Kontemplation, welches hi dem miiielhsm Schnumi der blossen
Vkeit lügt, desto näher (183,6 f., 342,26ff., 391.2. 476,2ff.,
f^9). Man wird diese Grundsätze auch auf die im Leben Äpwws
t berichteten aunaerordentlichen Erecheinungen anwenden dürfen.
im «ich diese nun freilich keinesweife in Bausch und Bogen als
mkhaftg Halluzinntionen eines übe/reisten Gehirns" ') ausgeben
die Ehrlichkeit der Berichterstattung und die Lauterkeit von
»f Absicht i»t von keiner Seite bestriltai. — «o ixt doch hei aäer
(TW, die ilem Historiker geziemt, wo er ein Gebiet betritt, liei
»ich Ntftur und Übernatur berühren, zu betonen, dass das Psychisch-
'icke in jenen Zuständlichkeiten eine nicht geringe Holle >y>ielt
'manchen wohl auch pathologischen Ckiir<ikter an sich trägt, „E»
int Seusee eigene, aber h&here Natur zu sein, die in dieser Weise
wbrieht, Trost und Erleuchtung sucht und gewinnt . . . Die Lauter-
der himmlischen Erscheinungen, die Süssigkeit der Gesünge, dies
I, was ihn so wnnderhtir ergreift, — was ist dien anderes, als
1 lUr heimlich« Dichter «nd Sänger in ihm, der geweckt worden
und nun in ihm spieil'f Aber auch im Inhalt sind diese Nachi-
tht* ganz der Beßex der Taggesichle: es ist immer d^:r Susu,
erscheint und spricht, das heisst, die Jenseitigen sprechen ganz
mnen Ideen und Vurstellungen . . Sogar diemomentanen Stimmungen,
■hrungen, Leiden reflekÜeren sich in diesen Zuständen und ßnden
ihnen ihre Tröstungen, Heilungen, ihren Ersatz"^. Und das ist
\t iiaffäUig, denn Seuses durch fortgesetzte Kränklichkeit ohnehin
terst empfindliche Natur musste durch die übermässige Askese
ttiidig in einen Zustatut abnoi-mer Reizbarkeit versetzt wenlen;
•) l'tittr, Myslik^ipriar H4. Gewigg sayt Denifle mit Rtehl (Smutt
lY): ,iwr aÜ* Vininnm für Eraugnüse nnrr krankhaften VluiHlasie und
I9utionen an»irM, mu»» auch die yanee- Gtsehichte der Mi/zitik ah rln«
lM*iUf«tehichle ansehen-. Aber Im eimilnrn Falle tm'rd man M lang
'Märtiehe L'reachen erkennen mäe/tn, als sich der übematäriiehe Eittfiues
!■ Änttii an den Simonen nicht Ülxraeugend nachweiatn lägst (Schaut im
rAtnUx. XII', 1010). Und es ist I.insenmannt Wort (Tbtsl. (Juartal-
Kß m<3, 6.W ru beachten: „dem hohen und äbemaläriichen Charakter der
Uekin mUtelaltei-Uehen Mji»tih wird dndureh noch kein Abbruch getan, dass
fiiimten frommer Frrsontn o/t genug die Merkmale d*s subjektiven mansch-
W« Olauhens und \'a-iitäHdnisses im sieh tragen''. Vgl. auch die treffenden
W< liti ZSckler, Askese I', iOf. und Michael a. a. O. ÜOäff. Über
iBttUung der neueren Psyehologie und Physiologie bu den mi/slischai Er-
' i^wtilta pgl. nammllich ./. Bessmer, Störungen im Stelenlebfn 1904, 92 ff.;
ift Jamrs. Tbr varieties of rtliii'owi erperience, London '' lÜOä,
') BShrin;irr 322 f.
84*
Einleituuir. tl. yeiiBe» Leben nnd Werke.
Uias er in der fietrichtiing mit (/lühendeii Affekien erwogen, was m
Phantasie mit leuchkiiden Farben ihm vori/evtall, leicht ward es tir
in der Stille der Nackt — die meinten Visionen stellen sieh JrU
am Morgen mich der Mette ein ') — im Chor d«r Kirche oder ät
seiner Kapelle knieenden Mystiker, dsr ja gnm in der Sphäre da
Übernatürlichen lebte und ausserordtmiliche Erscheinungen erwartflt,
zur Wirkiickeit '}. Ein rein innerer Vorgang wird gleichsam dialogiidt
gespalten und gestaltet sich in der dtvmatisch veranlagten DicMtl»
seele zum äusserett Geschehnis, zum Ge^>räch und Verkehr mit
Himmlischen^. Untcahr werden aber diese Erscheinungen dadvf^
noch lange nicht, dass wir rf«» Anteil der Natur darin festsltÜMi
man kann mit Görres*) sagen: „wie vieles immer diesen GesicklK
aus der Persönlichkeit beigetreten, doch hat in ihnen eine Gotteskri^i
gemrkt.' tibrigens gibt uns Seuse selbst in der Vorrede zum bdil
einen werteollen Fingerzeig zur Auffassung seiner Visionen, wetm
sagt (197,32 f.): ,die GesicJite, die hier stehen, geschahen nicht
leiblicher [\'eise, sie sind allein ein ausgelegtes Gleichnis' (Hör. It
visioneR in Bequentibas oontentao uon sudI omnes accipiendae BecUD<
literam, licet inoltae ad literam contigerint, egiI est figurata locatio)«
Ea stellt nichts im Wege, diese Erhlürun;/ auch auf manche Vinione»
der Vita anzuwenden *).
') ygl oben S. 77' Anm. 1.
*) So trltläii Krehga. a. 0. 7ftff., 103 niMprei-henä vtraehndme l'Ui
«im Adtlhau»m und anderen Domiiiiknnerinnmkl'istrm. Atteh Oörrti (Vi
rede bei Dir]>. 124) ileulft dn« Vita 49,38 ff. r^eahlU Vorlcommnie i
(iihnliehes gt»chah in Töas drr Adtlhfid von Fraumbierg,
öifiiff.: vgl. auch Güntir a. a. 0. 166). Lucius o.a. 0.34liff..360ff.fat
all« auaserordentliehf» Ertigttisie und Visionm im Lrbm der AUrältr ai» Hau
nnatianen auf, dnriu gichfrlteh Muwelt gehend — richtiger urttilt Bvth
a. a. 0. 192ff., — im tintflnm bringt er manchts brauehbore Materiat 1
Vergleichung hei. Seuae mag mtch in dieser Beziehung van den Vitae patr
beeinjluest eein, e. S. in beiug auf die dämonischen Infeslationm.
*) Vgl. M-chael a. a, 0. 21(1, wo «Hfl Beispiel atu dem Legalua t
pietalif drr hl. Gertrud angeführt tcird. JBeachtetmcerl ilt die niichleme Auti
rung Ee&haits 634, 3ff.
*j Vorrede in Dirpettbrocki Aueg, 134.
'j So urteilt aui:h A'cu*m Ordmsgcnosne
>>56) mit der Begründung: ille eniin per figumt.
visioniiinque locutboem scribeodi tnodus plurimm
apud spirituiUea invaluit, ut> Tiilcre est in Tbointi Kempensi, Catbariiia de i
Birgfitta äuecs, Alano a Bupe aliie<jufl Mtictis viris ac femiiiie.
Erhard (f/uitiiet Echard,
im cültognii cum D«o et C
i saeculiH XIV et XV praeseit
$tiiiiienK>ng xu KonstaiiK und Köln. fiö*
/wi Leiten der Mi/vliker ist es etwas ganz gewöhnliches^), </f/sn
WfB dea iiuieien Tröste» und der fühlbaren Gnade ubweckseln
ml Perioden der Trockenheit und tiefsten Niedergeschlagenheit. Auch
tiaut machte diese Erfahrung '), Im 21. Kapitel seines Lebens erzählt
er ton seinen innerliciien Leiden (vgl. auch HöG,25Jf.. Hör. 1'^ ):
miiU Hrun Jahre war er von Ghubenssweifeln heimgesucht, acht Jahre
pSÜe ihn ungeordnete Traurigkeit, zehn Jahre glaubte er sich wegen
tnistischtr Aufnahm.: ins Klonter itufewig verloren *) (s, oben S, 72*).
int nicht anzunehmen, das» diese Feinen ununtei'brochen die an-
itne Zahl von Jahreti dauerten — das würde mit anderweitigen
fsben nicht stimmen, — aber sie traten immer wieder von Zeit
Zeit auf. Hieher gehören auch die entsetzlichen Anfechtungen
\ Quälfreien, denen er von Seiten der bösen Geister auegesetzt zu
\ glaubft ßl,I3f., 1HI,7M'., S70,12ff., 458,21 ff., vgl. 70,6 f.,
J-iff.). H'»c kSmun es seiner Erzählung jetzt noch nachfühlen,
A« Freude ihn beseelte, als er dieses Durchgnngsstadium der via
rgatiea ') hinter sich hatte.
TI, Stndien^ang zu Koustanz nnd K31n.
H'rV kehren nach diestm Ej-kurs iiber die religiöse Entwick-
Seunes, welcher manches zeillich später Liegende der Übersicht-
en halber vorausnehmen musste, zu seinem äusseren Lebensgang
]ck.
Es igt bekannt, welch hohen Wert der Dominikanerorden von
fcij auf die u'issensc/tafllichen Studien legte ^), wie er dieselben
\ teeige Bestimmungen regelte und den Studierenden ihre Attf-
1 VffL t. B. Joljf a. a. 0. 65.
*) Die rolfftruagen, dit Schmidt Mä, Volkmann 34 und Stehenj
it fir den Charakter Seitteg daraus stehen, ginrt nicht MUtreffetid; vgl.
'/I* 838.
*> Eine ahnliche An/rchlung hallt Jüttt Sckalthaein eu Tösg, Viten 7 1,13 ff.
') Vi' Ui/ttiker reden von einer Tteinii/unij dir Seele und des Geistes
tifo paesifa' und vurgleichen die Grügtt dieser Leiden mit der Hält enptin
Untex. Vlir. LfJBlf.: Schräm [s. Anm. tu 497,31/.} I, S79ff., 399ffJ.
») V^ «her das Stuäienuitsen der Uaminikantr : Jienifle im Arehiv I,
: Preger, Vor<trheitm Uff.: Bnar im Frcib. Diüt.-Areh. ISOl, 4ff.;
tk, Kirthengeteh. Deateehlanda IV, iöbff.: Douuie, Setai sur Vorgtini-
dea i!»des liane furdec des fr'eres Preehears au XIII et XI i' siielt,
tSS4; Mortitr a. a. O. I, Miff.; H. Felder, Geich. der irwsen-
L .Sluditn im Franti»kanerorden 1304, 'eo tim-h die farntifle EnliHck-
tks lytdij/erordens beriieksichtigl itl.
J
86* Einleitung. IT. Seuses Leben und Werke.
gäbe durch mancherlei Privilegien und Ammihmen von der strengen
Ordetisregel erleichterte. Die Kenntnis der ,grammaticalia% d. k
des Latein, der Logik und Bhetorik, war beim Eintritt in den Orden^
wenigstens in der früheren Zeit, eigentlich vorausgesetzt^); andernfalU
musste einer sich erst in der Klosterschule genügend darin ausbilden^
ehe er zu den höheren Studien — anfangs nur Theologie, seit dtr
zweiten Hälfte des 13, Jh. auch Philosophie — übergehen durfte.
Diese begannen aber nicht gleich nach dem in der Regel einjährigm
Noviziate ^), sondern es wurden vorher noch zwei Jahre der Erlernung
des ydivinum officium' (Chorgebet) und der ^reguläres observanUatf
(Ordsnskonstiiutionen) gewidmet^). Darauf folgte das achtjährigi
philosophisch-theologische Studium, zuerst drei Jahre ^ogicalia^ (ariu)
und zwei Jahre ,naturalia% im wesentlichen auf Grund der Schriflm
des Aristoteles über Logik, Natuiphilosophie und Metaphysik, .(tofw
drei Jahre Theologie, einen einjährigen Bibelkurs und zweijährig
Studium der Sentenzen des Petrus Lombardus umfassend^). Mittd'
punkt des theologischen Unterrichts war die hl. Schrift % LeitHfrn
die im Orden offiziell vorgeschnebene Lehre des Thomas von AgtA^
(s, oben S. 35*), dessen Wei'ke (öfters zur Erklärung der Sentenzen
noch beigezogen wurden ^. Mit diesem geschilderten Studiengang vost
die Bildung der gewöhnlichen Ordensmitglieder abgeschlossen, und m
konnten, twchdem der Befähigungsnachweis geliefert war, zu (fcf
eigentlichen Ordenstätigkeit, der Predigt und Seelsorge übergekm^
Die Priesterweihe sollte nach der Ordensvorschrift nicht vor dtm
25, Lebensjahre empfangen werden'^.
Es scheint, dass Seuse jene achtjährigen Studien in Konstanz
selbst hat nwchen können, wenigstens ist wahrscheifUich, dass «fcl
') Comtit, im Archiv /, 4/OA?. vgl. M O i' H IJI, 17: Fe Idera a,0, 336 f.
^ Consta. (Archiv I. 201, 203).
*) Cap. gen. 1305, 1311, 13 IQ (M O P II IV, 12 f., 52, 58), Ich fi*t^
nur die in die Jugendzeit ^Seuses fallenden Beschlüsse an unter Übergehung i^
früheren und später en, und berücksichtige nur die Siudienordnung, me si$ «*^
in der zweiten Hälfte des 13, Jh. herausgebildet hatte (vgl. Felder a, a, O. Mf^
und für die Folgegeit in Geltung blieb,
*) Cap, gen, 1305, 1309, 1312, 1315, 1325 (MO 1*11 IV, 13, 38, 66,9^
<sJ, 157)^ Für das einzelne vgl, Felder a. a, 0, 525 ff,
*) Felder a, a. 0. 491 ff.: Saul, Die biblischen Studien im Prediger^
Orden, Katholik 1902 II, 269 ff.
•*) Das Generalkapitel von 1313 (MO PH IV, 65) schreibt vor, dass 90
minus tres vel quatuor articuli de doctrina fratris Tliomae gelesen werden miUsei^
0 Cap. gen, 1242, 1311 (MO PH III, 23: IV, 51).
IJtuiliengDng zu Konataux nnil Küln, g^*
SU sauer Üeit daselbut wie in einigen andern südiieutschen Prediger-
mnten ein .Studium pnrtiailare' oder .provinciiile' befand '); miiglich
aber auch, dass er die Theologie oder eitlen Teil derselben in
}$sburff absolvierte*), Jas eine bedeutendere Ordenssekute besass.
Für dir Talentvolleren gab e« jedoch in dem „grossnrtigen
wl»y»Utn'*) der Dominikaner nach eine weitere Gelegen/teit zur
^Idung. Diejenigen, welche gut gesittet waren und begründete
ung gaben, dass sie später als Lehrer tüchtiges leisten würden*),
ften ein ,studium generale' oder .sollemne' besuchen, deren jede
)im eines besnss. Hier blieben die Studierenden (studenies) ije-
Uick wieder drei Jahre"); es wurde Schriftkunde und Studium
tekaUtstischen Theologie auf breiterer Grundlage beirieben, in Ver-
eng mit praktisclien Übungen (Disputationen). Das deutsche
tralsfudium war seit etwa 1248 in Köln") und blieb auch da-
4, als die deutsche Provim 130H in die Provinzen Teutonia und
*) Xaeh den in Rom. Quartnhchr. 1H97, SSrff. edinlen Abiin der I'rom'-
\apiUl eon Teutonia 1H9S, t4(X> und 1403 u;ar um die Wende de» 14. Jh.
^üuffans tin Studium der Theologie.
1 Die» die Annahme I-rfgrr«, Vorarbeiten 130: Mystih II, 36ä. Im
t 1325 Importen sieh die Thfologle gludierenäea jungen Dominikaner r'n
Uiburg grgen den dortigen I'rior und Kurden eur Strafe von der Schult
rn; Se lut ßndct sich nicht unter den namvnltich aufgeführte» Miieelätern
OPBIF, IGO). — Einen interesmutea, uiita-em Veraldndni^ £um Teil ver-
nehrfaeh talyrieeh gehaltenen RüekhUck auf seine Studienzeit (dam
■tndiu ttd Btudioin pergeret, Biir. 149) gilt Seuse Hör. 149 f., vgl. Itl9ff.
Viaion stoti Sehulrn, in der ersten werden die artes liberales
werden genannt die aetrolo^i, physici, geometxici, muHici)
tt, die iteeite i»t die scola theologicae veritatia. In dieter sind Sehöler
Lthrir In drei Klastrn geteilt igana wie es in Wirklichkeit au dm theolO'
ka Fatiultälen var. vgl. Felder a. a. 0. SSSff.), aber das Büd iet ein
'f itfritdigendie : viile btlreibrn die H'issenschaft nur, um Ehrrnsfellefi tu
V«! — die» gab »eit Endf de» 13. .Jh. im Dominikanerorden unatiggtsetet
Bojwi Anlass, vgl. Monier a. a. 0. II llHOü) lS4f., 3Sö/., «?#., 547 ff.:
mdtrt die Würde eines jiratdicator generali*' war angestrebt, — andere
m aicA in Spiitfindigkriten und ersannen opinionum noviUteH mirabiles,
ntf dir reine Lehre des di)CtJ>t egregina (roea Bine Bgiina, soi sioe nube,
kr Thona» n<m AqHtnl mistachtet and hekämpft wurde. Nur .Schiller
' tbrrttn Klasse hatten die richtige Art studendi saaram acriptiiram, indem
•ithf nur uaeh Wissen, sondern auch nach dtr Vultkummenheit und Liebe
(reUitrrtlcn; dies sind auch die geeignetsten für l'rälaluren und Lehrstühle.
") G. Kaufmann, Gesch. der deutschen Universitäten I tlSfibi äOH.
'1 Cap. gen. 1306, 1317, 1333, ISäö (MOFE IV, 13, iu:i, 148, 161 f.).
'1 Caf. gen. 1337 (MOI'H IV, J7B).
") Vgl. Uenifl», Gesch. der Universinilea I (lö65) StfTj:
Einleitung. 11. Seiiaps Leljeii liiiii Werke.
1
[-reis aM
Snxonia geteilt wurde, für die emtgeninitite. in deren Ilmki
der Komtamer Konoent Itnj.
Es ist ein riihMiches Zmtgtiis für Seiises wissemckafUiche
fähigwuf, dass auch er unter den wenigen Erkorenen tmr, die t.
Köln ouf die Hochschule gesclüekt wurden. Er ertoähnt seim
Aufenihnli daselbst <in mehreren Orten (143,10. 19, rgl. 103,21. 152,^.
Wann die Übersiedlung tfeschak, int nicht sicher, doch lässt
ffro»se Begeisterung für Afeister Eckhart schliessen, dnss er ihn «üJ
erst kurz vor seinem Tode (1337) kennen lernte, sondern einige Jak
zu seinen F^sen sass, und dies führt uns etwa nuf dan Jahr 13i
Sein Leben der Askese setzte Seuse auch in Köln fort, doch rfa
er jetzt nicht mehr allein, er fand einen gleichgesinnttn Frevnil, i
dem er einige Jahre zusammenlebte und bis über den Tod hin»
verbunden blieb (143.19 f.). In dieselbe Zeil fällt auch der H
seiner Mutter (Katfreitag 1326 oder 1327). Sie erschien ihm dornt
tote er erzählt, in verklärter Gestalt und tröstete ihn in seinem Leu
(143,10 ff.); ihr Bild lebte als das einer Heiligen in seiner Sede fo
Von einschneidender Bedeutung für seine EntmcMung als Tkt
löge und Mystiker ivurde seine Bekanntschaft mit Meister Eckhv.
und dfts SchülerverhäUnis, in das er tu diesem gefeierten Lehi
an dir Schule zu Köln trat. Mng er auch schon früher dessen Idi
am seinen Schriften gesogen haben oder ihn bei einem AufenthiM\
Obenleutschland vorübergehend persönlich kennen gelernt haben, jed
falls datiert hauptsächlich aus der Kölner Studienzeit seine liohti
geisterung und treue Anhänglichkeit an den Meister '). Wäre es uns ni
durch lindere Zeugnisse verbürgt, wir könnten es allein schon owS«
ermessen, welch machtvollen Eijidruclc Eckhart durch seim Lü
und sein heiliges Leben auf ideal gesinnte jüngere Urdensmit^it
ausgeübt haben inuas; zu der kleinen, aber um so treueren Oentee
von Anhängern, die er besass'^, — eon einer Schule Eckharls la
man nur im weiteren Sinne sprechen ") — gehörte neben Tat
') Alt rin Nachhall »einer Stimmung eu Köln mag dit Schilderung gtl
die Sru»« Hör. 164 vo» dfr drittnt Klasxf der Theologie .'^udiermdni (t. i
S. SI* Änm. 2) gibt: tertii prupe magi»tnim cnogederant et aqiKun BapJGBl
aalutsris ex ore eiut« bibeatee ioebriabaDtur in tantnm, iit eeipaoa et oi
atiornm obliTiscereatur, et corde et unimo, nciili» hc facie aursuni tenderBotj
i|uodiiiiimodo in »byssum divinai- speculationis bc duk-ediuis iiimierai et abMl
ad divina conlemplaiida rapcrentur.
•) Vgl. die Vorrede tum ftfw tripartitiim im Archiv II, 533,5ff.
l'rtgtr I, 354f.
•) n»nifle im Archie II, .•>2:i.
■ Staileugnag zu KunKtanx uiid Riiln. g])* ^^^J
pwRtfirA auch Seuse. Obwohl nicht blind gegen die Schwächen set'tie» ^^^H
^'Btukeits nennt tr dock deti Verewigteii in der \'itn nie nnders als den ^^^^|
^iftn' oder .heiligen' Meisler (22,28 ff. ß3,4. 90,12), und redet mit
Smter Wäi-me von dem ,edlen Tranke' seiner ,ai>ssen Lrhre' (99,12. 14).
Wir dürfen annehmen, dasn Sense den Pruzem gegin Eckhart, der
m Anfang des Jahres 1326 ') angestrengt wurde und seinem Leben
(inin so tragischen Aasgang gab, vielleicht auch densen Tod (1337^,
1» fiöln miterlebt hat. Seine Anhänglichkeit an den Meinter ver-
aochte all dies aber nicht zu erschüttern. Bald nach seinem Tode
irickirn ihm derselbe nach seiner Erzählung (22,28Jf.) in ,überH-hwäng-
liehtr Herrlichkeit', ,in Gott vergottet', und charakteristisch ist seine
idli/nrt inif die Frage des Jüngers, welches die beste Übung sei,
m zur Vereinigung mit Ootf su gelangen: sich selbst mit tiefer
'i^assenheit entsinken, alle Dinge von Ootf, nicJit ron der Kreatur
ntlimttt nnd ttich in stille G eduldigkeit setzen gegen alle
JSil/ischen Menschen.
V In xein Heimatkloster ist Seuse irnhrecheinlich 1337 zuräck-
■lArf. Vorher wird er, wie es Sitte war% einen einjährigen prakH-
Hm Lehrkurs zur unmittelbaren Vorbereitung auf das Lehramt
^btmacht haben. Man kann die Fragt! aufwerfen, warum der so
^tSglich befälligte Dominikaner nicht wie andere hervorragende
Uitgllrder seines Ordens nach Paris gesandt wurde, um daselbst die
Xogisterwürde zu erwerben*)'? Liegt der Grund in dem Misstrauen,
iat man gegen den Schüler deK der Häresie verdächtigen Meisters,
Ar aus seiner Verehrung für ihn kein Hehl mochte, hegen mochte':'
A'j iit möglich. Jedenfalls war es aber auch seine eigene asketische
Sichtung, die ihn der weiteren Verfolgung der wissen-'ichaftlichen
Laufbahn abwendig machte. Aus den interessanten Bekenntnissen
"» Hör. 157 ff., 173 ff. geht hervor, dass er sich im Verlauf seiner >
Studien, namentlich während des philosophischen Kurses stark an-
Jttkdt fühlte durch die Art und Weise, wie er viele seiner Genoasen
iite Wi»senschfift nur aus ehrgeizigen Motiven betreiben sah. Eine
f*) VgL A, Pummerer, ller gegentBärliiji Stand dtr Bckhartforschung,
iWcr i'j Lebeiuguny , Programm der ,'^'tellii 7MlUtitiu in l-'tldk'reh
soff.
'> A. a. U. 33 f.
*) Cap. gen. 1306 tMHI'H IV, Vi).
*t Nafb drm Prolog ron IÖ13 sollte .Smx^ nuf der ll'-cligeliuk nt Köln /f)
trawior {= Maffister) der hl. .Schrift trcrdm, alirrr die viiige Wcixlieil inden-i-i
Ähnlich Murer, Steilt «. n.
90* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
Zeitlafig drohte ihn dieses unlautere Strebertum selbst zu erfasun\
abir seine tiefer angelegte Natur riss sich los und trieb ihn zu mm
entgegengesetzten Extrem, einem Leben strengster ZurOckgezogeniuA
gleich dem der Anachoreten der Wüste, hin (vgl. oben S. 79* *). Er
verliess die Schulen, qnas ab aliis salubrius regi') aestimabat (EarJ5)f
und gab sich ganz der spiritnalis philosophia hin, welche schon auf
Erden einen Vorgeschnack den Himmels zu geben imstande iä
(Hör. 73).
yn. Das Bachleln der Wahrheit')*
In die Kölner Studienzeit fallen noch andere für Sense 4^
Ueutsame Ereignisse seines Lebens. Li den Jahren 1326 und 13X1
ist seine erste ^) Schrift, das Büchlein ihr Wahrheit entstanden, wdckt
Eckharts Einßuss noch am stärksten zeigt. Zwar hat Preger^
aus dem Prolog desselben gefolgert, dass Seuse es erst nach voU-
endetem 40. Jahre (also ruich 1335) verfasst habeti könne, damabj
als er seine Kasteiungen aufgab, um in die höhere Schule der vdär
kommenen Gelassenheit eingeführt zu werden. Aber die Beweisführung
ist nicht stichhaltig, da d£r Begriff der Gelassenheit im Bdw wd
in der Vita sich nicht deckt: hier ist die praktische Bewährung der
^) Hör. 173: ccpit ad honores ac promotiones pluB quam oportoit aspinn
temporales.
*) Den Anstoss gab nach Hör, 173 eine Vision, in welcher er auf d§t
Wort des Altvaters Arsenius: fons et origo omnium bonorum homini spiritoili
est in cella sua iugiter commorari (vgl. Vita 104,8 f.) verwiesen umrde^ Ä
wird hinzuzudenken sein, dass Seuse sicJi damals entscMeden jener Michiiui§
im Dominikanerorden atischloss, welche die allzu starke Betonung der Wisse»'
Schaft und besonders der Philosophie (mundana philosophia, Hör. 174) A
Preisgabe der ursprünglichen Ideale des Ordens verpönte, wie dies iehe»
Gerard von Fracheto getan (s, oben S. 79* A, 3, vgl. Felder a. a, 0, 46^
und Th. Wehofer im Jahrbuch f. Philos. u. spekuh Theoh XI [1897] 17ii'
") Dieser Ausdruck lässi schli essen, dass bei Seuse toirklich die EryDer*
bung des Magister grades in Frage kam: ,magister regens^ hiess der an <Ur
Spitze des Lehrkörpers einer theologischen Fakultät stehende Lektor (Felätr
a. a. 0. 538). Vgl. auch Hör. 154: praelationes ac rogimina.
*) Über die Abfassungsverhältnisse und -Zeit des Bdw, Bdetc und BiHf*
habe ich ausführlicher im Hist, Jahrbuch 1904^ 176—90 gehandelt,
^) Ich sehe hier von dem dritten Teil des Bdew (die hundert Betraehr
tungen) ab, der vielleicht vorher entstanden ist.
«) Vorarbeiten 126 f.: Mystik II, 329 f., 359. Denifle XXVI, Se»'
brrg 49, 138 ff. und Strauch, Allg. dtsch. Biogr. 37, 170 lassen das Büc^
lein zwischen 1327 und 1329 rerfasst sein.
hu» Büt'liIeiD äet WabrLeit.
kld in Heimfiichtingen und Widerwärtigkeiten, dort nher, wenn
\ nicht nuxuclUieitdich, die mystische Vereinigung der Seele mit
\ gemeint; dass aetne Mortißkationen alle schnn zu Ettde Heien,
Seuee im Bdiv nirgends. Näherhin bestimmt sich die Abfassung»-
iks lidw nach der dex Bd«ir: es miins vor dem letzteren verfasst
, denn Bor. 14, ho Sense über die Ent4ehunij des Bdew Auf-
tos gibt, sagt er: tiniens, De iatud quoqne »imiliter piiim opoe
HD (aemnloram) dentibuB dilaeeraretnr, Viit<r der angegriffenen
rift kann, sotfeil wir wissen, nur das Bdw gemeint sein. Nun ist
r dag Bdew, icie später nachgewiesen wird, 1327 j28 entstanden, also
\t da» Bdw vorher fallen, und zwar, da im sechsten Knpitel
itee Eckhart in einer Weise eingeführt ist, dass miin ihn nur
gestorben denken kann (354,5 f.: ich han vernomen, daz ein
er meister ei gewesen), ist der Schlnss nach des Meisters Tod
\ 1327 terfagst. Die vorausgehende Hauptjmrtie (Kap. l~r>)_
de lonkrscheinlich schon vorher während Eckharts I'rozess, in dem
tieh ja um ähnliche Fragen handelte, wie sin in dem Hiichhin
werden, niedergeschrieben.
Seinem Inhalt nach ist das Bdw eine in Dinlogform (der
er fragt, die [ewige] Wahrheit antwortet) gekleidete Ausein'
•Htzung über die höchsten Fragen der Mystik: Gott und Gottes
n, seine Einheit und Dre^rsönlichkeit, Schöpfung und Mensch-
ditng, Vereinigung der SeeU mit Gott hienieden und im Jenseits,
iheü und sittliches Betragen des Menschen '). E.i ist die einzige
fift Beuten, wenn man von Kap. 46—53 der Vitn absieht, welche
tx professo mit der spekulativen Mystik hefasst, nach Denifles*)
hI ths schwierigste Büchlein unter den Schrijten der deutschen
Üker. Besonders das fünfte Kapitel leidet n» Dunkelheit und
■Verständlichkeit. Seuse ist im Bdw nicht der pruktisch gerichtete
der aus der Fülle des Herzens redet, vielmehr wiegt der
lehrhafte 7'on vor und lerrüt den noch im Schulyetriebe
\ätn Anfänger. Die Ausirahl der behandelten Fragen ist
■ die polemische Tendenz bestimmt: das Büchlein richtet sich
ulick zunächst gegen die Begharden und Brüder des Jreien
*«'), welche einerseits den Wesensunterschied zwischen Galt und
') Kmt genauen- Analyse und Enlurkktiiny </"' Lehre des lliiw hri
1 tr 11, 386-400.
•) StuH XKV.
*) YgL Anm. su S3,liff. Wtittrrt Ober diree Srklrn bei Ja
»f* da fanl/iiieme pofiutaire av moyen-äge, Paris 1875, 47 ff.; Dilaet
J
92* EinMtiiritf. IL Stiiaes U-hm und Werke.
der Seele in der Beschauuni/ panthtistiach verfiüchtigen, rtnderefteiü
in falscher Anffassmy der Wiedergeburt dem mit Gott OetiiAn
alles erlauben und so in Libertintsmus auarirten. Vorübergehend
(340,3 ff.) acheint Seuse auch eine rigoristiscJie Bichlung der AskiM
(die FraticeUeit?) sit hckämpfen, welche die Nachfolge Christi >
üusserlich, nicht im Geiste auffa^sie und die Liebe hintametste.
nechnten Kapitel nimmt er seinen verehrten Meister Eclfhtirt, jedoA
ohne seinen Nnmeti z« nennen, gegen die Begharden (daz wiUe)
in Schutz, indem er in takttmlier Weise deren Berufung auf eimelw
unvorsichtige und paradoxe Sätze jenes als unberechtigt aitmit
und ihnen gegenüber die gesunde kirchliche Lehre entwickelt'). Mam
wird in Bücksicht darauf kaum sagen können, Seuse tmye im Bdw
Kckharts Lehre vor'), denn den materiellen Inhalt der angefockitUi
Sülze macht er sich keineswegs zu eigen. Übrigens ist das Andenid
an den Meister in dem Bvchlein durchweg noch ein sehr früeh»
und lebendiges.
Das Bdw fand in gewissen Kreisen — zweifetJos divselbtn,
welche gegen Eckhart so gehässig vorgegangen waren ~
i/iinstige Aufnahme. Es darf uns das nicht überraschen: EckM
war eben gestorben, aber sein Prozess war noch nicht entschiei
und die Erregung der Gemüter dauerte fort, da taucht Seuses Sckrij
auf, ganz im Sinn und Geist des Meisters, wenn auch ohne
Extravagamen und von untadelhafter Orthodoxie, sie rühmt ji
als den ,hohen Meister' und scheint Ihn zu verteidigen oder we>
zu entschuldigen, — was WuTider, wenn der Schüler in das Vi
hängnie des Lehrers hineingezogen wird M«d sich harte Ankiogi
gefallen lassen muss? Verschiedene Andeutungen über Anfeim
Et»ai nur Ir my:tiiclsme gpictilatif «n Atlemagne au XFV eiiele, Pari» U
77/.; H. Haupt in Unainntgklop. f. prot. Thwl. //', 533f., lli; 401
VittleicM hat Haupt Steht (IIi; 470/.), ieenn er meinl, m maehe dm 1
druck, alH ob bei Seuse nicht so fatt eint eigentliehe Sekte, ah eine kraiAM
Itiehtuag und ein Vheraehviang der mgetitehtn KdigioeiKil Überhaapl I
kämpft wfrden.
') yähere» im Kommentar tu S. 364^-57.
') rreger. VorarhtiKn 137. Wenn derai-ll'e, Mystik II, 360,
Stuee sitee eieh durch leine V'ertndiyumj Eekharte in Oegmsaft ruf pSfi
liehen Ymlammungehulle von 1339, mclc/te eine VtiieidigH«n oder BitUg»
der verurttiltfn S6ttr Kckharts verbiete, ti> erweiin lich diett Anaicht bei <
fri>he-rm tiatieeung dri Büchlein/i alu utiiiehtig. rie heriiht iihnehin auf ei-
falschen Auslegung de» Texitn.
DiiB Büchlein der Walirheit,
Verfolgutu/en in der Vita (5,11 f., 68,17 f.) und im Hör. (13 f.')
'fK äck kaum auf etwas anderes ah auf jtne WiderwäHiykeiien
\en, tcelche die Veröffentlichung des Bdw Sense zuzog. Es wird
• Zeitpunkt auch mit jenem zusommenfalirn, iro ihm im Traum-
ejb der verstorbene Meister Eckhart und seine selige Mutter
nen und ihm Mahnung und Trost gaben: er solle sich in stille
ydigkeit setzen gegen alle wölfischen Menschen, Gott werde ihn
\mr Widerwärtigkeit verlassen (23,11/. 143,12/.).
Die Anfeindung verdichtete sich sogar zw einer formellen An-
vor dem Oedenafornm. Settse erzählt im 23. Kapitel seines
w; zu einer Zeit sei er auf die Anklage zweier ,Vornehmen'
Ordensbrüder in höherer Stellung) hin vor eine Ordensversnmm-
in den Siederlanden zitiert worden. Es wurde ihm unter ,viden
■«n Sachen' nnmenÜich das vorgeworfen, er mache Bücher*),
btieR stünde falsche Lehre, von der aÜfS Land verunreinigt würde
hetzerischem Unfiat. Man setzte ihm mit harter Bede scharf zu
droht« schwere Strafe an, ,mewohl ihn Gott und die Welt darin
iuldig wtisste' ; er litt .grosse Unehre und Schmach' (fi9,8f.), aber
iner eigentlichen Bestrafung scheint es nicht gekommen zu sein.
Ordenskapitel, auf dem Seuses Sacke perhandelt vnrde, kann
Versammlung des ganzen Ordens (Generalkapitel) oder der
IM Teutonia, zu der auch die Niederlande (Brabont) gehörten,
WM »em'); auch bei Provinzirdkapiteln hntten nämlich die ,inqui'
iw haereticae pramfutis' amresend su sein*). Von den in der
txm 1327 iiis 1.334 — dieser terminus ad quem ist anzunehmen
K der Datierung des Hör., n. unter B III — in den Nieder-
m abgehaitenen Ordensversamnüungen *) ist das für unsern Fall
') Sni»f fährt Mtr tin« «e/tf «vhar/e Spracht gtgen stine (and Eekhaiin)
er, er muxate Kitten, das« der Ordmsgmm-dl Hugo von Vaucemain, dtm
I Üchhft widmete, kein Gegner df mystischen Richtung »ei.
*] Aach w«in Sfusr zartfit nur rine 6'chrift (das Bdvl vtrfasH hallt,
U AwA verallgtmeinernd gesagt Verden, fr maeht kelntrisckr ,Bücher' (so
rkhtig l'rtger II, 33U gegen DtHiflt XXVI)! vielUicht handelte es
tbv auch noch um eint ander' xtnt unbtknnnlt (lairinitehr ?) Schrift.
'\ Vfß. Aam. SU 38,3.
•) Cap. gen. Iä7ä, 1385 (MO PH III, 161, 3SHh
*) Vl30 Gatei'alkapilel tu Maaatriehl; 1337 Proviaiialkap. su Antwerpi^,
V Utrecht. Die Prorineialkap. und -Pi-iortn werden nach dem Vergeichnis
Vey<r« f» Cod. BruÜ. E III (V Bl. 136 f. sitieit (Publikation durch
WnLoi tithl bevor; mir uland rin- Abschrift von Prof. L. Baur in
ttn nr Vfrfügung).
94* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
zutreffende sehr wahrscheinlich das Provinziddkaipitd von Antwerpen
1327 ^). Provinzialprior von Teutonia war damals (1326 — 31) Hein-
rieh de Ligno *), iDid die Provinz befand sich, wie aus verschiedenen
Anzeichen hervorgeht, in Unordnung und Verwirrung. In einem
päpstlichen Schreiben^) vom 1, August 1325 wird beklagt, dassUnr
friede und Parteiungen unter den deutschen Dominikanern herrschen
und dass Geicalttätigkeiten und Missbrauch der Amtsgewalt gegen
sittenstrenge Untergebene vorgekommen seien (quod quamplares fratrei
laudabilis conversationis et vitac graves ab eorum saperioribns BOot
perpessi iactaras etc), und es tvird daher eine Visitation und Re-
formation der Provinz Teutonia angeordnet, zu der auch der bekannte
Mystiker Nikolaus von Strassburg als Vertrauensfnann beigezoqen
wurde. Der eigentliche Grund jener Wirren lag aber darin, dass
der Orden in Deutschland in eine strengere und laxere Sichtung
gespalten war; wenn nicht alles trügt — das spärliche Quellen*
material erlaubt es nicht, in d^r Sache ganz sicher zu sehen, — so hat
es sich auch bei dern Prozess Eckharts um einen Zusammenstoss beider
Richtungen gehandelt. Es ist aus den Akten erwiesen, duss bei demr
selben Neid, Parteigehässigkeit und niedeHrächtiges Denunziantentum^)
inn- und ausserhalb des Ordens eine Hauptrolle spielten; den Feinden
Eckliarts gelang es sogar, den päpstlicfien Kommissär Nikolaus, der
Eckharts Angelegenheit zunächst in einem diesem günstigen Sinne
entschieden hatte, in dessen Schicksal zu verwickeln und bei dem erzr
bischöflichen Gerichte in Köln seine Exkommunikation als ,Begünstigef
der Häresie^ zu erwirken, welches Urteil aber vom Papste bald dar'
auf wieder aufgehoben unirde'"*) (erste Hälfte von 1327). In dis
unmittelbare Folgezeit, als die Verwirrung in der Provifiz Teutonia
noch fortdauerte, fällt auch das Vorgehen gegen Seuse. Wir werdet
^) Entsprechend der späteren Datierung des Hör, entschieden iid
DenifU 98 für datt Generalkap, zu Brügge 1336', V reg er, Mystik II, 33tl
360 und Seeherg 144 für das Promnzialkap, von Hersogenbusch 1335,
-) Nach dem eben zitierten Verzeichnis J. Meyers; vgl, auch Jund
a. a. 0, 287 ff . Vreger, Vorarbeiten 34 hat fälschlich de Lingo.
8) Veröffentlicht von Denifle im Archiv IV, 314 ff., von HauvilW
in Analecta ÄrgeiUinensia I (J9C0) 83 Jf.
') Ztrei sittlich anrüchige Dominikaner, fr* Hermann de Summo ud
Wilhelm (de Xidecken) traten hauptsächlich als Ankläger gegtn Eckhart atfy
vgl, V u mm er er a. a. 0. 23 ff,
'•) In einer Beschwerdeschrift tratm sich deshalb vifr Fraticellen, dai imM
Wilhelm von Occam, gegen I*apst Johann XXII auf, vgl. P reg er I, 483f,
Denifle in Zfdn XXIX, 2fiO: Pummerer a, a, O. 28, 32 f. .
r
iler Diilze^e Kntmtnux und des Donutiikantrorilptiij. 95*
fehlgreifen, wenn wir die tief erliegende Ursache desselben wie
■.hart in dem Ham und der Aimeiguiig') gegen den unbequemen
iritualen") sehen; die Atikloge wegen heterodoxer Lehrmeinung war
Ir V&neand und auch tatsächlich nicht zu enteisen, denn sonst
H 8euse wohl nicht straflos ausgegangen. Immerhin dürfen wir
kb einen Nachklang der gegen Eckhart, und Seuse gerichteten
inndlungen auffassen, wenn das Generalkapitel zu Toulouse 1$28
Imimunyen gegen einige (aliqaj) Ordensbruder erlässt, welche in
n Predigten vor dem Volke quaedam Bubtilia behunddn, iriix
Volk leicht in Irrtum führen könne, und auch den Lektoren
ikärft, in ihren quaestioues und lectiones nicht i^olch i/efäkrliche
ji vorzutragen ^.
B. Seuse als Lektor und Prior,
^ftstellerische und seelsorgerliche Tätigkeit
(ca. 1327—1348).
lllgemeiue Verhältnisse der Diözese Konätaoz uud des
Uominibanerordens.
schon erwähnt, itsl Seitut vermutlich im Jahre 1327 nach
Itlim zurückgekehrt, sei es vor oder nach Jenem Kapitel, auf
so hart behandelt wurde. Auf dem Heimweg — die Prediger
I stets zu Fuea reisen in Begleitung eines ,GeselU-n' (socius),
•Anm. zu ('iii,lll — befiel den geplagten Mann schwere Krankheit,
ihn dem Tode nahe brachte (68,27 ff.); damals mag sich auch
so ergreifend erzählte Begegnung mit dem Mörder am Ufer des
abgespielt haben (Kap. 26).
'. Sor. 13/.: aemnli, qiii nunc quoqiie sicut olim invidia stimaiante
t Ucet bona depravare aiit penitus annuUfire non degietunt, dWina
lautes Bupentitiosa flguenta, et sanctas revelationes fantastieas
tonimque gvtitn pstnini eaae dicunt narratdrium faliuloBum . . .
idu adinycationea topieas Tel propoBitiones dabias seiiimnliir
B dcmonetratioDeB certas.
^ SpirÜitalM (niVa, philosophia, homo U9U>.) ist rm Liehlini/taitsdruck
Zfdn XXIX, 363: I'ummtrer
96"^ Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
In der Hehnat traf Seuse recht unerquickliche VerhäUniise
an ^). Nach dem Tode des Bischofs Heinrich von Klingenberg (1306)
war die Glanzzeit des Bistums Konstanz vorüber, es geriet immer
mehr in Schäden und die Verweltlichimg zog immer weitere Krei»;
die zwiespältigen Bischofftwahkn wollten nicht enden. Itisbesandm
war es auch der unselige Kampf zwischen Ludwig d-em Bayer und
der Kurie, der seinen Wellenschlag in die Bodenseestadt mrf,
Bischof Rudolf III von Montfort (1322 ^3i) hielt bis zum Jahre
1332 zum Papste, d<m er seine Erhebung verdankte^ während siek
die Stadt und ein Teil der Geistlichkeit (namentlich die Franziskaner)
auf Seite Ludwigs schlugen, weshalb 1326 wie über andere Reich»'
Städte so auch über Konstanz das Interdikt verhängt wurde; von da
an war der öffentliche Gottesdienst zwölf Jahre lang eifigestdlt, eim
Massregel, die notwendig das kirchliche Leben aufs schtverste schädig»
musste. Der Bischof änderte im Laufe dss Jahres 1332 seine /wff-
tische Gesinnung, unterwarf sich 1333 dem Kaiser und empfing po»
ihm die Regalien, was die Verhängmig des Bannes auch über ifc»
zur Folge hatte% Nach seinem Tode fand 1334 eine Doppelwakl
statt; der Kandidat der Majorität, Nikolaus von Frauenfeld (1334^44),
trug, vom Papste bestätigt, den Sieg davon. Dem überlegenen B^
Werber Albrecht von Hohenberg kam Ludwig der Bayer mit Wa^f»r
gewalt zu Hilfe, aber ohne viel auszurichten; von Mai bis August 1334
hielt er sich am Bodensee auf und belagerte 14 Wochen lang wt^
geblich das feste Meersburg, in das sich Bischof Nikolaus einge^
schlössen hatte^.
Die Dominikaner standen von Anfang an treu zum PapfAej
doch flicht ohne Ausnahme^ me verschiedene Verordnungen der Generd"
kapiU'l von 1325 — 30 gegen Brüder der Provinz Teutonia zeigtet
welche die päpstlichen Erlasse nicht ausgeführt hatten % Im IwMfif^
des Predigerordens war wie bei anderen Orden seit Ende des 13. J^'
') Vgl, sum folgenden besonders K, Müller , Der Kampf Ludwigs d, ^
mit der Kurie I (1879) passim; Heg, Ep. Const. II; J. Knöpfler^ KaÜM^
m
Ludwig d, B. und die Ueichstädie in Schwaben, Ehass und am Oherrhetn^ ••
besonderer Berücksichtigung der städtischen Anteilnahme an des Kaistrs KoMfi
mit der Kurie, in ,For8chungm zur Gesch. Bayerns' XI {1903) Iff., 103 ff. Ex^
gute Übersicht der hirchenpolitischen Ereignisse zu Konstanz gibt K, Beyerl^
im Freih. Liöz.- Archiv 1904, Iff,
-) Heg. Ep. ConsU II n. 4336,
^ A. a. (). II n. 4435.
^) MOPH IV, 160f. 16S, 178f. 197, Vgl, auch Preger II, 290f.i
Pflugk'Harifung in Zeitschr, f, Kirchengesch, XXI (1900) 217 ff.
Aflg. VMhKUnisse der Jiiöyaee Konstimz nnil dw l'oiniiiilianerordeus. 9'
Ertchlaffunij eingetreten, die sich in der foiyendtn Zeit in be-
tiicher Ü'eiae str.if/erte^); Missbräuche, unter denen Missachtvng
UösterUchen Disziplin, Beihebnltunij und Erwerb von Privrtt-
itn*), leichtsinniges Schuldenmilchen und VernachlässiyuHg der
n. Haschen nach Ehrenstillen und Privilegien ulier Art, in
nkiöatcrn Üppigkeit und ZuchUosigkeit '} eine Hauptrolle sjnelen,
n sogar teilweise einen raschen Verfall herbeizuführen. Die
Hflen Seusfs sind voll von Klagen darüber, die schwerlich iiber-
m. Im sechsten Kapitel des Bdew und noch eingehender
A^ ff. { Aufschrift : Planctus') BUper extiDcto fervore devotionis
Irersis personie ntriusqoe sexas moderni teiiiporis) »chUdtrt er
Kloslerwesen seiner Zeit in Fomi einer Vision unter dem Bilde
alten, zerftUenen Stadt mit ruinösen Mauern und Gräben, voll
• Tiere in Menac/iengestalt. Obwohl die Zahl der Outen an sich
achtet immer noch eine grosne sei (Hör. 4l^: licet [electi, inste
I inter alios oouvereantes] in magno adhuc nnmero inveniantur
Doi gtatD et religione ac aetate ntriusque sexue), so Überwiege
iceit die Zahl derer, die u-eltUche Herzen unter geistlichem Ge-
t tragen, denen Verstösse gegen Gehorsam, Armut und Keusck-
heinahe zur Gewohnheit, ja zur Ehrbarkeit geworden seien, und
ihre Vergehen durch sophistische Auslegttnij und Deutung der
•egtln zu brsehiinigen auchen. Eine Gegenbewegung gegen jene
Ordnungen machte sieh zwar schon bald von innen heraus geltend,
der rätnischen Provinz eon seilen einiger eifriger Refortnfreunde,
ton dei% Laxeren SpirituaUu (auch ,spigolistae' oder ,de spiritu')
nt wurden, an denen aber das Generalkapitel von 1321 nichts
1 Vgl. auch ohen S, 72*, 94*. Eine quellfiimäteigr Schilderung der Zu-
and der Beformvermeke unter dem Ordensmeii'ter Herväas (131S—S3)
trtitr a.a. 0. II. ädSJf.
*) Dan (Itnfralkapitel von 1318 (MOI'H IV, 108) klagt: cum ynasi
: commmutas pereat elc.
't Statt tieltr Belege rerweiee ich auf das Leben Llutgarts von WitUchen
i(, tjttiinigatamlung III, iSOf.), die Sariiei- Predigten von ea. 1350 (bei
eiernagel a. a. 0. 6S3ff.J und Seuerg Sriefr (namentlich Gr Bfb II,
TIU, XJV, XVII-X.IX, XXVIIl.
*) Wir beßndirt uns in der Zeit der Riform- und Streiitchriften : Alvaru
fo terfanat* 1333 eetnen Traktat ,l}r. planctu tcdesiar', Konrad von Mri/en-
133718 eein Gedicht ,FIanctM tcclesiac in Gn-maniam' (Au.iiüije von
I im Hi«t. Jahrb. 1901, 63Jß.), ersterer als Anklinger de» Papste»,
als aolcher Ludwig» d. B., heide aber alf lUfifm/reunde aus ivaitner
98* Einloilunf;. II. Seasc-s Leben iiii<I Werte.
ctla ihre mit gewissem Eigensinn festgehaltenen Sonderheiten in (Jebm
und Fasten, die leicht zu einer Spnltunfj im Orden föhren konnten,
aitszusetiMn wuaste '). In Deutuchland standen auf Seite der strengere»
Richtung nmnentlich auch (.lie. Gottenfreunde und Mgstiker, tne Etl>
hart, Tau/er, Seuse '), Nikolaus von Strassburg, die aber gerade rf«*'
wegen, wie irir bereits sahen, von den laxeren Elementen geilte alt-
,freie Geister' und Häretiker (vgl, Anm. 2u fS3,}iff.) gebrandmarit'
und verfolgt wurden. Im Jahre 1325 (vgl. oben S. 94*) regte der
Ordensgenerol Bamabaa bei Papst Johann XXII eine Reform ikf*
Provinz Ti'Utonin an; der Promnzial Heinrich de Ligno nppellitrti
dagegen an den Papst, der ihn aber 1331 seines Amtes enthob ml
der Proeim in dtr Person des Franzosen Bernard Carrcrim
Generalmkar gab, der im gleichen Jahr zum Provimial gacäliä'
wurde^). Papst Benedikt XU be^chied 1333 den Ordimimeütir,
Hugo nach Ävignon, um mit ihm über Abschaffung verschiedeiUf:
Missbräuche im Orden zu beraten *). Zu einer durchgreift
Aktion kam es aber damals nicht, und als vollende die PestjaKrt
(1348—50) die Zmhi und Ordnung allmthalhen auflösten \ varM
das Übel noch ärger.
Der allgemeine Niedergang des kirchlirhen Lebens, die unktü
vollen kircfienpolitischen Verltältnisse in der ersten H/ilfte des 14. JA
dazu eine Reihe erschütternder Naturi-reignisse seit den dreisagH
Jahren"): Erdbeben, Überschwemmung, Heuschreckenplage, MiaswacH
und Seuchen, mit ihretn reichen Gefolge an sozialem Elend alUf
•) MOPH IV, IJT ,- vgl. Morticr a. a. 0. II, ^56 ff.
') In der Jvh. Mtytrsehtn Chronik der (rmeralmrister drx Prrdig^
ordms steht hrim 15. General Barnahan (1334—33) dir Bemtrkung: \n X
zitten lebUn vil heiliger brfiiler, den von. bertzen wc tett der ab^ujig der ob
vantK dea orduaa und duz mans nit reformierea niocbt, under den was byMi
VenturinuB, tl. SÜsr, Johannes Tauler, meister Eckard etc. (nach dem
hamer Cod. PhilUpp. 33H0 S. p- siliert bri Priehseh u. a. 0. I, SO).
*) Notie in Joh. Mtyers Liste drr I'roointiak, ha Jundl n, a, 0, i
(diich steht hier fäUehlich Tarrerim, s. dagegen MUPH IV, 311): <
A'. Müller a. a. 0. I, 168/. Sit.
•) Reichert in Rüm. i^narlaischr. 1897, 389 mit Beleg aue dem m
kiinisrh(n Akten.
<•) Vgl. dif Klagen des GmeralkapiteU von 1353 (MOPH IV, MSj
") ZtisarnrnetieteUungen bei Pregtr tl, 2.99; III, 9S: StraueH, .
Langmann Ifüf; Grauert, Meintet- .Joh, von Taleili; in de» Sitzungshtriel
der Mmtehner Akadmii, phil.-^ist. Kl. 1901, SUdff.
AUg. Verbriltnusc der lliöEesc Eoiifltanz und des DniuiiiikatierurdeuB. 99*
') haben hekanntUck einen Hauptanstoss zur Verbreitung des
tischen Lehens tjejfben und die lümpföntflichkeit dafür in vielen
ten geweckt. Eine tiefe Erregung ging damaln durch die Geinter,
atlgptifche Prophezeinngen wurden ausgestreut, Diele glaubten das
le der yi'elt nahe*): in dieser Not der Zeit zogen sich ernstere
lüter gerne in dns innerste Heiligtum der Seele ziniick, um hier
Feuer idealer Begeisterung und eines mystischen Gnadenlebens
listen und zu nähren. Von diesen Gottes/r euiiden "), wie sie sieh
)en, nicht im Sinne eines freikircklichen Geheimbundea, xondern
innigen Zueammenscftlusse'' aller Gleichgesinnten zw gegenseitigen
•eung und Erbauung, ging eine geistige Befruchtung zunächst
Uöslerliche, dann aber auch in Laienkreise aus, von ihnen inirden
religiöeen Bedürfnisse der liefer Angelegten befriedigt, sie erzeugten
mggtisch-asketiscke Literatur in der ans Hers redenden deutschen
tttersprache, ihr Leben teurde zum Sitlemiiiegel ffir den vielfach
•ItUchen Klerus*).
Unter der Schar dieser iVackeren steht als einer der Edelsten
: Von dem, was er in langer, mühsamer Sdbstzucht für sich
errungen, teilte er als abgeklärte Persönlichkeit die goldenen
"Sehte in Wart und Schrift an andere aus. Allein unter dem
tichtspunkt der Seelsorge gefassi, hat er eieihicht die gesegnetste
khamkeit unter den um bekannten Mystikern entfaltet ; als Schrift-
fr con gewolltem und bewiisstem Können uitd anziehender Eigenart
') Eine sehr h/lujigt Ersdninang int wirtgchafilicher Riiekganij und Ver-
mg (If Kläater; eablreichr Bthge für den Oberrhein birirn di' Reg. Ep.
1 II partim.- naueiller a. a. (I. 1, CLXIlff.; Mone, y«eCen*»nim-
<S U, 38 A. 1 : III, 117. Bctüglich dta Konstanstr rrtdigtrklosttra vgl.
kl46,t4f., für Taxe: Rrg. Ep. Connt. II ». 4703 , n. t77 (tSU); n. ö430,
* (ISS8).
*t Ffl Prefftr II, äOO: IH, 92; Graurrl a. a. O.äÜlS-: Vtlter,
Uitrpaar 51 A. 6. Stuif spricht untderhnlt von ,mundue senetetua' (Hör. 9,
tJj von ,appropinquans muniii Urminus' fSor. 50, 105, lOS: der Auadntck
1« lieh abtr gekon in der Käo S, Dominici, vgl. liominiliantrhrtiüa- 4. Auy.
tt IV).
'\ Vgl. Anm. eu 34,10. Bei Srutf inl die Brstichnung gnni allgemein für
»Fntmm*n (t. B. auch die Martt/rer, vgl. 117,31 ff.), nammtlich aber für dit
Ikätjw drr mystiichen Devotion gtbrnucht. Ein herrUche» Lob der Gottts-
»it Bor. JA: electi, qni iiiata et pie ioter alios uouTersantes ... in iiiedii)
linni praToe et perversoe, velut lumiiiaria lucentin iu lioc maniio caliginoso
t" Hiü. 2,15J, terbo ritae proiimoA quoque illuminntit et inäammant etc.
'1 VgL LinstnmanH , Der ithinehe Charakter M. Kckharla, l'ruiiromm
6*«ffOi 1S13, 31).
I
100* Einleitung. IL Seuses Leben und Werke.
erzielte er auf begrenztem Gebiete Erfolge, wie nach Thomas von
Kempen wohl kein zweiter im ausgehenden Mittelalter,
IL Sense als Lektor in Konstanz.
Nach Konstanz zurückgekehrt widmete sich Seuse zunächsi
noch einige Jahre mehr internen Aufgaben des Klosters und schrift-
stellerischer Tätigkeit. Wir dürfen als sicher amiehmen, dass er
seiner Ausbildmig entsprechend im heimatlichen Konvent als Lektor
verwendet wurde^); denn die Ordensstatuten schreiben vor, dass kein
vom Generalstudium Zurückkehrender zum Prior — das wurde Seuse
später — gewählt werden dürfe, bevor er flicht zwei, bezw. drei
bis vier Jahre das Lektoramt verwallet habe ^. Jedes Kloster musstt
einen Lektor haben, dessen Amt es war, die gesamte wissenschaft-
liche Ausbildung nicht bloss der eigentlichen SUidenten, sondern der
Klostergemeinde überhaupt zu leiten; denn auch die älteren BeligioaeHi
seihst d-er Prior, sollten so viel als möglich dem Unterricht, da' in
Vorlesungen (gewöhnlich über die hL Schrift) und Disputation^
bestand, beiwohnen. Dem Lektor stand für die Abhaltung pofi
Eepetitionen und zur Überwachung der äusseren Studienordnung eif^
ymr/gister studentium* zur Seite; entsprechend seiner wichtigen um
angesehenen Stellung genoss er verschiedene Privilegien: Entbinduni
von der Missionsarbeit, teilweise auch vom Chorgebet, eigene Zelle ustc
Über Seuses Schicksale in Jenen Jahren sind toir nur unvoll
kommen unterrichtet. Verschiedenen Andeutungen im Uor. (112 f.
vgl, 132 f.) ist zu entnehmen, dass schwere Heimsuchungen über iht
kamen^): ein teurer Vericandter, sein einziger zeitlicher Trost stirbt
die , Wölfe' rauben zwei seiner Obhut anvertraute Schaf lein, dii
Feinde stürmen mit Beschimpfungen und giftigen Verleumdung^
gegen ihn an, sein blühendes, mit grossem Fleiss von Jugend auj
bebautes Arbeitsfeld wird ihm entzogen, die ,cathedra honoris* ufn
fjestürzt*). Die letzteren Worte können m, E, nur darauf bezogt}
') Das direkte Zeugnis, das man bisher aus V'ita 39,18 entnahm, indet
man leser = Lektor las (statt lesscr = Aderlasser), fdllt jetzt weg. ÜbrigM
nennt ihn Joh, Meyer ,lector et prior^ (Mone a. a. 0. /T, US).
^ Cap, gen. 132U 1324, 1320 (MOPII IV, 133, 162, 165). Ober da
Lektoramt im allgemeinen vgl. Preger, Vorarbeiten 9; Hauch a.a. 0. Jl
469 f.; Felder a. a. 0. 368 ff., 367 ff .
•') Darauf bezieht sich wohl auch Vita 87,14 ff.
•) llur. 113: etenim nemus viriditate folionnn vonuHtum cum magno laboi
et studio a puoritia mea i)lantaverani, cathedrae honoris contentivum, de qi
1 Vas
Wäea, do88 Si
l>(i« Büchlein der ewigen Wcisbeit, Horulogium etc.
101»
dnaa Sßuse infolge verleumderischer Auklagen des Lektorats,
zwiacken 1389 und 1334, entsetzt murde: das ,a pueritia' ge-
]mtr und gehegte ,nemus eenuatttm' ist die yVissensckaft , die
lAedra honoris' die Lehrkamel des Lektors. Als Nachklang der
•K Erfahrung, die Seuse damals mnchtf, dürfen wir es ansehen,
rr Hör. 54 die ewige Weisheit angehende Haifchläge darüber
lÜfn täe^t, wie sich ein Prälat oder Vorsteher bei Anklage gegen
läoäkrie Brüder verhalten solle: oft zeige es sich bei genauerer
Untersuchung, dass gerade die Ankläger die Schuldigen seien, welche
FiAfcr der Vorgesetzten vorschützen, um selbst der verdienten Strafe
IKtgeheu ').
I. Das Bachlflin der ewigen Weisheit, Uorologlnm Sapieiitfae
und MinueliUchlein.
In die Zeit zwischen 1327 dis 1334, die Seuse zurückgezogen
Konstanz zubrachte, fällt die Abfassung zweier seiner Haiipt-
fiften: des Bücfileins der eicigen Weisheit und des Horologium
Über die Entstehungsgeschichte des erateren Werkes spricht sich
Wf im Prolog zu d^iselben und zum Hör. aus. Darnach bilden
Grundstock die hundert Betrnchtungett, welche jetzt den dritten
t aumtachcH. Diese wurden ihm einstmals ,eittt/eleuchtei', als er
gemhnlich nach der Mette das Passionsdrama geistig durchlebte
ia3G,14; Bdew 106,2 f., 314,19 f., Hör. 12). Das war um
' Zeit, wo er sich die Marter mit dem näijelbeechlagenen Kreuze
•Ol vt honorem iu<? recepturuiu sperabuin, iluinque iuri t«iii|iU8 ndeaset, Dt
(merer lalmre, cathedra siihvertiliir et neraus in aUeriug cniiiailBin rfidigitur
hium et Isbor nninis petditiir nc Huis intentiiH fmstratiir.
') Praeliliis vel rector frnlnini l.n cudj bis, licet in miaiiuo gradn, discBB
bb non atatim Adhibere fidein hii>, i[ui ccteroK deferre cuUHueverunt etc.
Igtr, i'ararbtitea I2lff.: Mi/stik 11, ä36g. älil: Setberg, 92/. a. a.
fctMn aun dimrr und der in voriger ÄHmfrkung iitierten Slellr, Seuae sei
Hit Prior geinram und auf dem Grnrralltapitel tu Brügge 1336, auf dem
■il NaptTH nicht genannter Frior von Konatans nhsotfirrl iitirde (MtiPH
i iiü), abgteetil worden. Ir.h glauhf mit Unrecht, denn jtnt StelUn ßndvn
■ilmr itteithuug auf das Lektorat eine fiel bewere ErktHrung; ferner .itellen
Wvrtt Vila Uößff. die Erkebumj i-im Pr/Ilalm — 1343/4 irurdr Seusr
k, tgL Anm. «u 145,14 -- aU rluias Nrtif« für ihn hin, und endlirh inl
ta»»i glaublich, dass »r 13<ili unter drm Ordmgmfisliir Hugo, hei dem er
1
102* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
bereitete (42^6 ff. *). Er übte nun täglich diese hundert Betrach-
tujirgen mit ebensoviel ProstrationeUy schrieb sie auch deutsch nieder
und teilte sie anderen frommen Personen (GoUes/reunden) mit
(197y5ff,y Hör. 12), Im Laufe der Zeit schloss sich an die Be-
trachtungen eilte Beihe von weiteren Erwägungen und Erleuchtungen,
aus denen er den ersten und zweiten Teil des Bdew zusammenstdUe.
Seuse versichert, dass alles in Gegenwart der fühlbaren Gnade, gleich-
sam at4S göttlicher Inspiration und Nötigung niedergeschrieben worden
sei'^, und dass er das Konzipierte stets genau daraufhin geprüfi
habe, ob es mit der hl, Schrift und der Väterlehre in Einklang siehe
(197, 12 ff,, 199,16 f., 323,30 f.. Hör. 10—13). Aus Furcht jedoch,
es möchte der neuen Schrift ebenso ergehen wie detn Bdw, wollte er
dieselbe anfangs geheimhalten oder gar vernichten; doch die ewige
Weisheit habe dies durch deutliche Zeichen und Offenbarungen ver-
hindert, und Maria mit dem Kinde in einer Erscheinung die UiU
teilung der Schnft an alle gottliebenden Seelen angeordnet (Hör. U)*
Die Abfassungszeit des Bdetv^ fällt vor diejenige des Hor,i
welches sicher 1334 geschneben bezw. vollendet ist. Zur genaueren
Datierung ist eine Stelle ans dem 21, Kapitel beizuziehen *), wo die
ewige Weisheit dem Diener, der vom Tode noch nicht gern hören
ivill, sagt: Sibe^ danDan riechent (mehren sich) ietzent die anbereiten,
erscbrokeDÜchen tode, dero die stette und klöster voll sint (279,33 ff*',
vgl. 287,15 f.. Hör. 168). Man wird diese Worte schwerlich andere
als von einer Seuche verstehen können; die starken Ausdrücke trärei^
sonst kaum erklärlich. Nun wissen die Chroniken der Zeit in (fc*
Jahren 1327 bis 1334 nur von einer einzigen Seuche zu berichten''
^) Dass diese Marter gerade com 32,^40, Jahre dauerte (Preger, Vof'
arbeiten 124: Mystik II, 3^6), lässt sich nicht heiceistn, es kann auch etv^
früher gewesen sein.
*) Ilor, 12: supernae inspiratioiii hoc adsciibite, qnae, ut testis est inft*
I)eu8, me die noctuque quiescere non permisit, douec eins coactioni acquicTi»
L, c. 13 : iiotandum, quod originale hiiius operis certis temporibus et non ni'
in praesentia magnae gratiae councriptum fuit. Non enim predictus disdpohi
. . . videbatur ibidem habere modum agentis vel dictantis sed modum quemdaf
divina patientis.
») P reg er (Vorarbeiten 124 f.; Mystik II, 318, 30 1) lässt es iwisck»
1327 und 1335 entstanden und 1337 8 vertiff entlicht sein. Denifle XXV wd
tSt rauch, Ällg, dtsch, Biogr. 37 f 170 geben kein genaues Datum innerhA
der drei^siger Jahre an.
') Hör. lo6 ist diese Stelle iceggelassm, wohl weil eine Ansjtielung (H(
lokal- und zntgcschichtliche Vei'hältni^se für r(fumlich und geiilich ferm
Stehende keinen Wert hatte.
Das Büchlein der ewigen Weisheit, Horoiogium etc. 103*
Johann von Winterthur erzählt als Augenzeuge von einer pestartigen
Krankheit, welche im März 1328 besonders in Ober- und Mittel-
deutschland grosse Verheerungen anrichtete, und er hebt gerade jene
Punkte besonders hervor, auf die es beim Vergleich mit Sense an-
kmmt: das rasche, unvorbereitete Hinscheiden vieler ohne die Sakra-
mk der Kirche ^). Damit haben wir 7iun ein Mittel an der Hand,
Ue Entstehungsgeschichte des Bdew getiauer zu skizzieren. Die
hndert Betrachtungen sind 1327 oder schon früher efitstanden,
nach und nach folgten mit längeren Unterbrechungen (bei Kap, 5,
vgl 198,12 f. Hör. 13, und Kap, 16, vgl 322,21 ff,) bis März 1328
Kap, 1—20; der Schluss des Werkes samt dem vorläufig ausgelassenen
16. Kapitel wird im Frühjahr 1328 noch rasch zu Ende geführt
nrdm sein, da 279,13 ff. die folgenden vier Kapitel programmatisch
(angekündigt werden. Die Publikation des Büchleins ist möglicher-
^ftlH erst später erfolgt^.
Das Bdew gehört seinem Inhalt nach der praktischen Mystik
% es ist eine allgemein verständliche Erbauungsschrifi (ein gemeinü
lere 5,19; 197,28), bestimmt für , einfältige Menschen, die noch haben
(Gebresten abzulegen^ (198,11). Namentlich sind Klosterleute und unter
iieun wohl in erster Linie Nonnen^ Seuses geistliche Töchter, ins
^e gefasst (vgl. Kap, 6, bes, 218,1 ff,). Schon der Titel der Schrift :
der Ewigen Wisheit büchli (324,3 f.) drückt den Fortschritt aus,
^r in ihr gegenüber dem Bdw liegt: Sache der Weisheit ist es, das
^hen zu ordnen (cgi. Hör, 210 und oben S. 47*), nachdem die
,(U!ige Wahrheit* (327,25) den Verstand erleuchtet hat. Der Zweck
^Büchleins ist nach Seuses Angabe'^), ,die göttliche Minne, die in
^if'^er jüngsten Zeil in manchem Herzen zu erlöschen beginnt, in
*) Chronicon ed. Wyss 1656, 104 f.: anno, quo Imperator Ludovicus secundo
"• Ilalia demorabatur, pestilentia ingeus in Germania orta tarn excessive saeviebat
■
^ popalo tempore quadragesimali, quod quandoque una die in civitate Basiliensi,
ubi tUDc praesens eram, L fnnera reperta fuerant tumulanda. In Mainz seien
'^Uch 200 — 30(J Menschen gestorben; in Winterthur und anderwärts habe der
^us nicfU hingereicht, um die Sterbsakramente zu spenden und viele seien
intersehen!' gestorben.
^ Ich verkenne die Schwierigkeit nicht, welche in der Annahme liegt,
ISS Seuse so rasch hintereinander das Bdw und Bdew verfasst habe, aber die
eweisgründe scheinen mir durchschlagend.
*) Genauer Hör. 9 : divina sapientia ... in praesenti opere intendit princi-
liter non qaidem informare iiescientes . . . s(!d reaccendere extinctos, frij2:idos
(ammare, movere tepidos, indevotos ad devotioncm provocare ac «omno nogli-
itiae torpentes ad virtutum vigilautiam excitare.
104* Einleitung. II. Seuses Leben und W'erke.
etlichen wieder zu f-nUütideti' (324,4 /•; vgl. die Anm. dmu uud\
300,5ff.J. Diesen Zweck zu erreiclien werden in 2i Kapitdn Üii
kräfVgMeH Motive mtwicke/t. Entsprechend dem 203,8 ß. ni»-
gesprocheiie» Satze ,pvr Chrixhit» hornigem (pn»mm) ad CkristaM
Deum' bildet den Hauptinhalt ') die Betrochtung des Leidem da
Erlösers; um diesen Kern schliessen sich Eru'äguttgen über die GrÖat
der Sünde, die Trüglichkeit der Welt und den Adel der Gotl»-
mi7ine, die Sirnfgerechtigkeit Gottes, Gedidd im Leiden,
und Hölle, die ,reine Königin vom Himmelreich' und ihr ,unsäglichll
Herzleid'. Der zweite Teil des Buches gibt ganz konkrete Enntihnungtitf
,wie man soll lernen sterben', ,wie man innerlich leben soll', über i«K
Empfang der Kommunion und die Pflicht des immerwährenden Gatten
lobes. Um die Darlegungen lebendiger und anregender zu gestaiM
(vgl. 197,36 f., Hör. 10), int die Lehre in Form eines Ztdegesprikh»^
zwischen der ewigen Weisheit und ihrem Diener gegeben; es »
auf diese Art zugleich die innigste persönliche Verbindung ztevsth
der nnima fidelis und ihrem Bräutigam Christus hergestellt.
Recht hat man das Bdew die ,achönste Frucht der deutschen MgstA
genatmt^). Es lässt sich an innerem Wert neben die HomÜien t
hl. Bernhard, die Seuse wiederholt zitiert und verwertet (egl. besotultt
254,20 ff.), oder neben die Imitatio Christi des Thomas von Ken^
stellen. Zutreffend urteilt Preger') daräber: „so viel Seuse t
von anderen entlehnen mag, er prägt allem seine Eigenart auf; t
ist alles von seiner zarten Empfindung durchwoben, von seiner iiwi^j
keit vergeistigt, von dem milden Feuer seiner Liebe durchglühte
„In herrlicher Weise offenbort sich in dieser Schrift ein in Lid
an seinen Erlöser hiiigegebeties Gemüt und eine durch eigene Erfahvi
gereifte Gotlesweiskeit, die ernst und milde zugleich, mit einen» Ruf*
das aus dem innersten Herzen kommt, irim dem Unfrieden i
Frieden führen will, und mit Worten voll Gei^t und Leben,
Licht und Schönheit Sinn und Hers ergreift und in ihre Kni
zieht," Man wusste im ausgehenden Mittelaller ihren ü'ert auch i
schätzen; das Bdew war in der zweiten Hiilfte den 14. und im 15. «
') Oute Analyst und liarwtrlluny der I.thre hei l'rrger II, 3i6-
*) Übel- die Jiialogfoi-m in der mitItlaUerliehtit grisütehen Literatur
W. WacbtrHaffcl, dtucb. drr deutsch. Lit. P (16791 4l'!i. Jnm. 4ä.
dort ausgeaprtiekent I'»>-fnu(«n^, Stase ttaht die Gapräehtfat'm vitüeithi
dem Lueidariu« entie/mt, ist dureham probletnaitseh.
") Deni/le XXI. ^
•) ift/tiik II, 3S9, aae. i
Dai BlicLlciii der ewigen WeiBheit, Ilorulnfriuui i'tc.
geUsensie deutsche Andficiitsbiich , tci'e die imgeinein r/rosse Ünfil
Ssa. zeifft^).
ii'ohl Htc/it sehr lange ttach Vollenduny des Bdew machte «ich
M an eine Übertraguttg dfr Schrift ins Lateinische % Verschiedene
fBnde miigen ihn dazu bewogen haben: der Mutuch, auch in
ttiogisehen Kreisen ^), besonders in Mönchsklöstern, mehr Beachtung
finden und Gutes zu stiften, die Absicht, durch die grössere
läm/on des lateinischen Ausdtvch und durch Vorlage bei der
\kfUn Ordenainstam gegen Ar^riffe und Verleumdungen mehr ge-
\Uzt zu sein, nicht euUtzt auch die echt mittelalterliche Enrägung,
0 1« .deutscher Zunge' gar zu viel verloren gehe von der Ursprung-
Ifi» Ki-aft und Wärme der Worte, ,die in der lauteren Gnade
tfangen werden', niedergeschrieben aber ,erka/tett und verbleichen
t die abgebrochenen Bösen' fl9if,14ß'.). Aus der Bearbeitung ist
\t2u ein neues Werk geworden, das gegenüber dem deutschen eine
rke Vermehrung des Stoffes aufweist und auch einen neuen Titel:
irologium Saplentiae*) erhielt. In einer Vision sah näinlirh
') Oben S. II* ff. Kind ca. IW, mit den Bntrhatückt» ca. ISO Hau. auf-
kn. Ik manrhrn Haa. dta Ewemplara Kurde ^at Bdew ausutlaiien, vml
Ml «n Abnehriflat ttark vrrbreitet war.- vffl. oben S. T'ff.
•) VrraUtte AnniehUn aiie die de* Suriua, da» Uur. mi die frtie Über-
mg dea Bdtui ins Lateininche darck Hntn Unbfitannleit, von Qtiltif und
ard t, 664/., das Büehlrin sei wsprünglieh laUini»ch verfangt, vitn
p,' Tff., •S'cAmiil 661 »nd Votkmunn 33, die Abweichuiigen dee lat*i-
itn Wrriu fnm deuUchm aeien Vn-derbniaur und InMrpolationtn der Alt-
ibv, brauchen nicht mehr inidrrUgt ev werdr».
'l Vgl. Hör. 67 : sMignat üiniplice« illitprati et indocti ... et ddü sulitilia
HC* ac veritatis Tiam celeris demonetrantes . . K;a agite, noiifratreB et Bodalea !
'1 Xach drn 34 Standen dta Tatian /tat das W«rk 24 (18 + 6) Kapittt.
■ ifle XXIJI liffll ea für tcahrselielnlich, data sich Seuae beim Hör, in
t auf Tilrl und Auaieahl dea Stoffes an ein fremdea Sfuatir angelehnt
JfAfli'M, daag der Titel von dem ,JIornlori%itm devotionia circa ottam Ghriati'
Dominikanera Berthold aua dem Anfang dea 14. Jahrh. etUlehnt ist (dasdbe,
m und Bfter gedruckt fHain SäSfl 99], ist ehenfidia eint Obrraeltung einea
bthm Originale, drr Vcrfaaaer wahracheinlich identisch mit dem Bearbeiter
' ättmma cunfraaorwm' des Johannes von i'reiburg, vgt. Dictterle in
ilv. f. SirchtngeachkhttSe 101061 67 ff.; Fink ein Alemannia 1902, 163 ff.):
iUiehbsaUht k'iue Abhängigkeit. Itaa Hur. devotionia Kuidt apHter öfters
im Hör. Snpienliat rericecltaelt. Clm 5609 s. XV Bl. i—66 tnthäU
Bar. Seusta unter dem Titel: Bar. nurtum divinae sapirntiae; in Catal.
3,3$ ist aber fälschlich ein Johannes de S. Lamparto (=: Jnh.von I-Veiburg^)
fsrfasser angsgrben. Vgl. eum Tilrl avrh <ii-rlrnd, Lvg. die, piet. IV, 5,36
l, 312, 4u4J.
A
lOG* Einliütun^. II. Seuses Lehen tind Werke.
Seuse seiv Werk unter dem Bilde eines ktttistreichen, mit den xchönskn
Hosen geschmückten Uhrwerks, dessen Cymbalschläge die Herzen »il
himmlischem Klange nach oben zogen (Hör. i)f.). Manche Dinp,
die Seuse in dem populären Werkchen zu sagen sich nicht getraiAt
oder nickt für passend hielt, hat er hier eingeschoben, no namenUith
Betrachtungen über das Kloster- und Studienwemn seiner Zeit (3. obtn
8.67* f., 97*), über den kirchenpolitischen Kampf zwischen Ludtdgiitm
Bayer und der Kurie '), auch mnncherUi mehr oder weniger verstedctt
') Ein interensanier Exkurs Hol: 51—04, der in der kirchenpoUtiidu»
Sirdtlitiralur der Zeit Beachtung rerdtml (vergl. auch Prtgtr, Myttik II,
2Sif, : der», in Abhnndl. der baytr. Akademie der Wisseimckaften, plUl.-hiat. öi
XIV l tan} 46). Eh ist eine Alkgorie, oh Vigion eines homo Pei lUtrguUlU
mii folgetidrta Inhalt : im Wetten der civitas ohristiana iriil ein Widder fitwl-
mig da- Bayer) mit ewei Hdmerii auf, eine eiKti-ne Krone auf dem Ha»^
(Krünung Ludwige mit der eisemtn Krone tu Mailand am äU Mai ISSßh
dem TU oder mehr £Vchae folgen, die rhenfalU Kronen erhalten (die iialHnisehM
Ghibetlinenf) : viel* treten aus furcht oder Leidettechoft oder Einfeti i
Oeietts auf »eint Seite. Trote Bedrängung, Verbannung uxtr. durch denWiäi»t
leinten manche vom iiopulu» Dei Widerstand, indem sie Gott mehr fürehli* <Jl
die Mensehen, und sie unleretSlst der dux fitioruiu Dei, loci eiusdem suprewH
^bernator, rir utique per omnia laudnbitia et mn^iänimuB iustiüacqnc )
tPapgt Johann XXII: er war den })rmiiniknne>-n htsonder» gewogen und ü
colli Generalkapitd und Ordensmeieter öfters dem Gthete der Brüder empfM»,
vgl. MOFH IV, Uli: V, 363.- Mortier a. a. U. II, 514, Ö34/,) ;
«itcAi der Widder ihn mit seineti Hörnern ooin Throne fu stosien (Erk
de» Petrus von Corvara als Nikolaus Veum Oegen)iapet). Dabegibt er aieh n
printeps totioB nmlütudinis (Friedrieh der Schönt tnrn Österreich), betört m
arglosen Sinn durch EinßOslerungtn, sieht ihn auf »eine Seilt und gewinnt so M
l'rintipat f Trausniteer Vertag ev/iechen Ladung und IVirdrich vom 13. Märt U
besK. Vertrag von Müjichen rom 5. Sept. 1326). Die Not drr Getreuen wdeAd, i
der Widetei- mit gewaltiger Heertsmacht gegen »eine Gegner oustieht (H6mtft
Ludwigs 1337— 29) : sie nehmen Zußuclit mm Gebet, und siehe: der WidderlH^
plßtglieh zur Erde (Fiasko de» Bümersugs), eine» seiner Homer terbrieM (SM
tnll den Gegenpapstes, August 1330) : et cxiude coepit iiotestoH eiua defioere et dHt
«jere de die in diem. — Ans der Schilderung geht hervor, das» .Seaee sntflf
anderen Mystiker a fvgl. Preger II, 391ff.) ein »charfrr Gegner Ludmigi »
treuer Anhänger der Kurie irar: er folgte also der Parole leinet Ordtnt ■
der Tradition de» oberrheinischen Adels, der eumeiet auf Seitin des Habtbu
»fand. JJie Angatii, dasK Ludwigs Macht von 1330 an immer mehr dahinackt
irißl eigentlich nicht zu: trotz des itisserfolgs in Italien war ai
Deuixchland nicht ungünstig, iiammtlieh die »üddeutrhen StOdten hiilttn N
zu ihm (vgl. Knöpf ler a.a. U. 3tiJ/'.; Assmann, Handbuch der Allgemein'
Gtschiehte II, 3, neubearbeittt von Viereck Woe, Vmjf.l. Man kann dii SeUn
uorie leohl nur dann erklärlich finden, teenn man annimmt, das» sie tu J9
Zeil gesrhrifbin wurdet), wo Ludloig sieh mit dtm (irdanken trvg (Noo. 1333 I
Das Bii(.')jlein fler ewigen Weisliciti Unrnlot'iiuii de. 107*
iuiscetizen an Vorkommtime stines eigenen Le/ienn(i^. obenS.lOOf.*),
ir hindert Belrachtmigen nind der Kürze halher weggelassen (Hör, 12),
|ni ScfUuss i>( ein neiies Kapitel (11, 7j eingefügt mit der Üöer-
\rift: Qnaliter roalti fideles possint sapientiam divinam desponaare
iL, das in deutscher Betirl/eitting als ,Bruderi<chirft der ewigen Weis-
iceite Verbreitung fand (s. unten S. 1 16*f-). Der darin (Hör. 223t
<täiinte CnrSQS de aeterna Sapientia, den Amgabm des Hör. (jedoch
Ü der von Strange) gewöhnlich beigedruckt, ixt ein Uel/ei»forinul(ir
\k Art der Hören des Breviere., aus Psabneu, Hymnen (Jesua
Ws memoria) und Lektionen bestehend und zum Gebrauche der
nhrer der ewigen Weinheit bestimmt. Vermutiich stammt auch das
tgebene Officium Miseae de aeferna Sapientia eo» Seuse.
Was Sense vom Bdew bezeugt, dass es im Zustande höchster
»bang des Oeniätes geschrieben sei, gilt auch für das Hör., ja
diesem noch tnehr. Fast jede Seite zeugt dafür; Öfters weiss
^e glühende Begeisterung kaum mehr in Worte zufassen (vgl. oben
75*^. Seuse zeigt sich auch im Hör. als SchriJ'tsteller von be-
enden Gaben, der nicht seinen stilue simples, sermo imperitUB et
tBB (Hör. 10) hätte zu entschuldigen brauchen. Etwas frostig
|ti-( es uns nur dann und wann, wenn er mit scholastischen
Mauedtäcken operiert; im übrigen ist die Sprache überaus gt-
dt vnd bilderreich, voll Rkgthmus, and oft bricht der Beim
or. Der Inhalt ist wie in den Werken Bernhards ganz durch-
kt Fon Worten und Sentenzen der hl. Schrift und voll von An-
limgm auf liturgische Texte der Kirche, die nw dem Kenner
io^atn. Kein Wunder daher, dass das Werk die weiteste Ver-
häng fand, cor allem in den Kreisen der Gottesfreuude. Am
September 1339 schreibt Heinrich con Nördiingen von Basel aus
Hargareta Ebner, er habe ein Tauler gehöriges Buch, das man
OrolngiotD Sapientiae ze latin, an den Prior eon Kaisheim zum
gesendet, sie möge es sich von ihm Irihen und ebenfalls
; iugututm seine» Vttters Heinrich von Kiedurbager» Mui-ücl/julrcten.
t hiermm kam gam unerKarUt — in der Tat sind tili- Beweggrändt
t auch nicht klar, rgl. die rersrhicdenm Hgpolhe/ien hei Aistnanu
. 137 A. 9 — und mumle bei den Grgnrrn drs Kaisrrs den Eindruck
ufnt, dam stinr .^'trllung erschütirrl sei (rgl. K. Maller a. a. 0. 1, 335).-
4bliehe ßtlagemng Mtertburgs com Mai bis August 13m (vgl. oben S. H6*>
r, »ein Antrhim /« erhiihen. Zu diesrr jioiitischtn Situatiiin,
n der trelm llttfie di-s Jalirt» JHS4 grgrbtn lear, passen Seuses Worlr am
I, mitr rW noih nachher ßadm tcir in dm drmsigrr Jahren eine, ähnliche ,
p ISiS milnidi liBnnten sie unmöglich ijeschritbm sein.
108* Einleitung;. IL Seases Leben und Werke.
kopieren^). Es u>urde überhaupt Lieblingslektüre in den Klöstern
des ausgehenden Mittelalters^ und zwar nicht nur in Deutschlanm
sondern auch in den Niederlandefi, Frankreich, Italien und Englancz
ivie die sehr grosse Zahl der Hand^schriften und eine Beihe ro
Übersetzungen beweisen'^).
Seuse hat das Werk seinem Ordensgeneral Hugo von Vauce
main gewidmet, der, auf dem Generalkapitel zu Dijon 1333 ertcählf,
den Orden bis zu seinem Tode (1341) leitete^. Er übersandte es
ihm mit einer schwungvollen Zueignung im Prolog (Hör. 11 f.) zur
Prüfung und Begutachtung*). Wir dürfen daraus wohl schliesienf
d-ass Seuse in den Augen seiner Vorgesetzten vollständig rehabilitiert
war; dies dürfte übrigens schon bei Neubesetzuiig des Provinzialais
von Teutonia 1331 (v<jl, oben S. 98*) der Fall gewesen sein. Der ter-
minus a quo für die Vollendung des Hör, ist di'mnach das Jahr
1333. Einen sicheren Anhaltspunkt für die Bestimmung des Eni-
termin.^ gibt uns eine Bemerkung Setcses im Prolog (Hör. 11 f»)'
Er redet hier nämlich von den literae exhortatoriae des Ordensgenerah
Hugo, worin dieser filios dilectos admoDitione paterna ad pacem et
fraternam caritatem, ad disciplinae rigorem et fervorem devotionii,
ad conformitatem Christi Jesu ac omnium virtutum perfectiooeiii
') Strauch, M. Ebner XXXV, 82 ff,, vgl ebd. S. 362 ff. Wir sind ht
rechtigt, obengenanntes ,Orologium* mit Seuses Hör. zu identißzierefi, wie Ofte^
Preger, Vorarbeiten 65, i^ö; Mystik II, 3L>3f. gezeigt hat, Denifle XXIIIf»
war in diesem Punkte zu vorsichtig (vgl, auch Strauch in Afda IX, liSi
M. Ebner 363 f.): die voti ihm notierten ,meditationes' über Tod, GrtritM
und Hölle evier Kren^munsterer Hs,, die aus einem ,Orologium SapieniiM^
stammen sollen, sind in Wirklichkeit aus dem ,Tractatus de spiritualibus flWCCTJ»-
onibus^ des Fraterherrn Gerhard von ZiUphen, s, meinen Nachweis im flilt
Jahrb. 1904, 177 f.
-) Über die Übersetzungen später. Eine neue kritische Ausgabe an
Hör, würe tcünschenswert , da die Edition St rang es (Köln 166 1 ) viele Mängt
hat. Ich verzeichne für einen künftigen Herausgeber eine Anzahl guter Per
gamentftss, rf«w 14. Jh.: München (Jim 14604, 15 747, 24811; Erlangen Nr. 565
Göttingen, Ms, Theol. 151 ; Basd B VIII 4: Nürnberg, Stadtbibl Cent. V, 76
Wien, Cod. 3605, 3961; Heiligenkreuz C 166. Weitere Hss. hei Quetif un
Echard I, 656 und bei Haenel /. c. passim.
«) Vgl, MO PH IV, UW, 220, 279: Quitif und Echard I, XVI
5bOf. 655; Denifle im Archiv II, 217 (Hugo wurde 1320 magister theologi*
in Paris : vgl. Hör. 11 : von, qui honore uiagisterii theologicae scientiae polletii
*) Ülyrigens durfte kein Dominikantr ein Werk veröffentlichen, 5<9i
,fraires periti\ die der Gnieral odtr Provinzini aufstellte^ es geprüft hatt
(Cap.gen, 1256, 1316: MO PH III, 78; IV, ,93).
Dm BäclüeiQ iler ewigen Weislitil, llorolugiiim et^. J09''
we, und miseroB quoque huius mandi sectatorea, ut hunc tnim-
fagitivurn ac rallacem deserant et ad veram ac aetern^m est-
am veniant, durch Wort und Beispiel der Ordensbrüder einladen
Diese yi'orte sind nun aber, wie ich im Hintorischen Jahrbuch
4, lätff. im einzelnen nachgewiesen habe, nichts anderes als eine
rSngle, teilweise KörÜich herUbergenommene Inhaltsangabe der
Encyklika Hugos, die auf dem Generalkapitel von 1333 (in
PßnguHeoche ) eflnasen wKctfe'). Mit den folijnnden sechs Rund-
Hben (1334, 1336, 1337, 133i>, 1340, 1341") zeigt Seuse da^
I keine Jiekannlschaß. Damit ist der Beweis geliefert, drns er,
r da» Uor. i'oUendete bezw. den Prolog daen schrieb, die erste
iklika Hugos und nur diese vor Augen hatte, dass also der Ab-
w rf«s Werkes zwischen Mitte 1333 uttd 1334 fällt. Berück-
Ügtn wir weiter die in Kaji. 5 voi-ausgesetzte politische Situation
S. 106* Anm. 1), so merden wir mit Fug den Zeitpunkt der
htdung auf die erste Hälfte oder Mitte 1334 ansetzen^
Dem Bdeic und Hör. stellt sich in/ialtlich eine Icleinere, zeitlich
genau fixierhnre Schrift an die Seite, welche vielleicht auf
r t«lbsi zurückgeht oder doch sehr wahrscheinlich in irgend einer
•htmif zu ihm steht: das Minnebüchlein (Te^rt S. 537-54).
Pret/er in einer Züricher Hs. aufgefunden und 1896 erstmals
f (g. S. 537) enthält es in drei Kapiteln in Form 0()M geistlichen
frachen innige Gebete und Betrachtungen über das Leiden Christi,
tntsprechend dem Titel das ,wahre Minnebuch' (537,12; vgl.
]^) genannt wird, und über die Schmerzen Mariens. Ob die
ikende Schrift wirklich von Scuse herrührt, ist schwer zu sagen.
Beweis der Echtheit hat Freger, Mystik II, 344—47, und in
V Ävsgahe S, 441 — 54 zufahren gesucht. Seine Argumente las-ten
noch vermehren uikI Verstärken, doch ist zu aüem Anfang zu
«, dnsK die in der Hs, unmittelbar folgenden Gebete (Pregers
ttgabe S. 466 — 71) sicher nicht von Seusc rerfnsst sind, wie schon
'I C«<ir,H-*( in MOPll V. i>äO—&4.
■) aOI^H y, 364—73.
'i l)amil faüen aMck di» Datirrungivrrtache Pregers, Vnrarheilm
-^(j-aieehm 1334/8 ahi/rfatti') und Mystik II, 3ä7, 3Ü1 (,l33T'(i voll-
""' ütni/lr XXiy/. imgis kam gniauen' Oatkrnmj zwhrheii 1.133
' 'Wl. Mntieh .Strauch, Altg. dlscli. Ilwgr. 37, 171.
4
110* Einleitung. II. Seuses Leten und Werke.
aus ihrem ganz abweichenden Stil (auffallende Häufung der EpUhet
und Bilder usw.) hervorgeht^); sie gehören überhaupt nicht zm
Minnebüchlein. Die Hauptargumente für die Echtheit des leteieret
sind folgende. Aus Vita 109,11 f. kann man sc/Uiessen, dass Seusi
nicht nur ein Büchlein (Bdew) ,von dem minniglichen Gott^ gemacht
hat, und auch die Idee und der Titel des Minnebüchleins lässt siek
in Bdew 209,11 (vgl. Hör. 33) angedeutet finden^. Das Zusammen-
treffen der Schrift mit den entsprechenden Abschnitten des Bdew
und teilweise auch mit Briefen Seuses bis aufs Detail des Ausdrueh
und auf Lieblingswörter des Mystikers ist sehr häufig und eklatant
(vgl. die Nachweisufigen im Kommentar meiner Ausgabe genauer
als bei Preger). Wir finden ferner in der ganzen Schrift denselben
Rhythmus der Sprache mit dem durchbrechenden Beim, dieselbe poeti-
sche Anschaidichkeit und tief innige Empfindung (vgl. name^iüich den
Eingang des dritten Kapitels 548,4 ff.), wie in sicher echten Schrifkn
Seuses, und das alles in ganz einheitlicher Form, ohne die Unter*
schiede, die bei einer blossen Nachahmung wohl zutage treten würden.
Fügt man endlich hinzu, dass, wie S. 537, 543, 554 angegeben o^
das Einleitungs- und Schlussgebet des ersten und das abschliessenit
Gebet des dritten Kapitels sich wörtlich mit den Lektiofien des van
Seuse verfassten ,Cursus^ (s. oben S. 107*) decken — ob die lateinische
oder deutsche Form früher ist, lässt sich kaum entscheiden — i^
dass gleich zu Anfang (538,3 ff.) allem nach auf Seuses Vermählunj
mit der ewigen Weisheit und das Eingraben des Namens Jesu in die
Brust (Vita Kap. 3 und 4) hingewiesen wird, so scheint die Bew»^
kette geschlossen zu sein. Und doch stehen der Annahme der EchtheS
schwere Bedenken von Seiten des Stils und Wortschatzes entgegen:
die Ausdrucksweise ist nicht so prägnant und packend, wie etwa iif
Bdew, sondern hat etwas Schwerfälliges und Langatmiges (vgLz.B*
die vielen koordinierten Sätze mit do), es kommen ungetvohnte Konsti'uk'
tionen cor (z, B, 541,5. 542,7) und finden sich manche Worter, ito
M ^'och einige weitere Gründe stehen entgegen: die Gebete beMtehenii^
nicht blo^is auf das Leiden Christi^ sondern sind zum Teil siemlich aJIgemeki
gehalten : sie haben fast alle die Anrede jHerr Jesu Christe*, während vorher
das ,Herr* fehlt: endlich würde das dritte Kapitel hei Annahme der Eehtkmi
unrerhfiltnismässig Idnger als die beiden andern.
^ Tn den Vitac fratrum des Gerard von Fracheto, ed. Reichert 217 id
erzählt, dass in jeder Zelle eines Dominikanerklosters ein Bild des Ch"
kreuzigten an die Wand gemalt war : iitpote über vitae expensuH et libcr de
arte rtinoriH Dei.
Suusc» (.eideii iimi Heimaucbiinuren. Seine setlrtorgerliclii' Tül.igkeit. Hl''
K sonst nicht gebraucht*). Schwerlich kann man diese Verschieden-
<ft dndurch erklären, dass mo» die Schrift für ein JugendtCerk
WS ausgibt. Eher noch wird die Annahme etwas für sich haben,
r (w sich um eine Inteinische, von Seune selbst verfasste Vorlage
Mt — «0 erklären sich omh die lateinischen Anfungsuiorte der
tlnen Abschnitte um besleti, — die von rinem geistesverwandten
älrr (oder cielUicht van Elsheth Slagel'^) unter Benützung s^ner
riflen deutsch bearbeitet wurde"^.
Senses Leiden und HeimsQchuugen. Seine seelsnr^erliche
Tätigkeit.
Der Zeitjiunkt, wo Seuse eon seinem Lehramt, das ihn itn
Ifer zurückhielt, entbunden wurde und das Hör. zum Abschluss
"Wife (1334), wird wohl so zirmlieh mit demjenigen zusammenfallen,
»^ er sich innerlich angetrieben fühlte, das Leben der Abgeschlossen-
*a/ aufzugeben und sieh au^schlieselich der Sorge um das Seelenheil
A» NäcMtrn SU widmen (63,9 ß'.). Er erreichte nun sein 40. Lebens-
ki»; da» Hie bei anderen Mystikern so auch hei ihn einen Wende-
funit bildet ^.- er lä^st i-on den strengen Ablöliingen ab, um in die hohe
Schule drr coUkominenen Gelassenheit einzutreten, die vor allem darin
liateht, fremde il'iderwärtigkeit *), Verschmähung und Verfolgung
') Z. B. 63S.lä ferwürtzt; 539,13 gulllich läs Adjeklio .- 539,17. 543,12.
nintilulbeii; ä41,8 hemog; 511,11. 14 pfeller, -lieh; 643,13. 645^.
wwse (vgl. dagtgm :>73,6. 320,1(1}: Höß entachöpfen ; 5*5,15 kleckeii,
i; 546,6 erbimnen; 54H.15 wäff, 550^) wiifen; 647,11 berlichi; 5i7,3.'i
AI» tachliehe Divtrgtns von aUerdings nicht grostfr Bedeutung
M noU^tn, dose noc/t Minneb. 546,36/. Maria unter dem Krfuzr beinaht,
I Bdno äli9,21f., XiO,32ff. wirtlich ohnmächtig irurdr. Die Meinung war
ioMM Z*il aber diue* Punkt bei den Theologen geleilt.
■) Darnach ist die S. 53T gemachte Bemerkung stt prüLititren. Deniftr
1 XII hiai die Echtheit für urtifrlhafl (vgl. ders.. Das grisil. Lehm *18S0,
i: .mÖglichfriDeise von Seasi* ; *1896, X: ,kaum von Seuse selbst veffaast'l.
dam drr Zürieher Bs. beiliegenden Bri^e vom 9. Juli 1879 hebt er ähnliche
W( wie die oben genannten hfrvor und vermalel, das Minnebächlein sei
( Vmtirlitilung rint» lateiniecken Schrifichens, von rinem Schiitt-r Seuses und
•rtw» Geiste gesehrieben.
*) SohtiMeehthild von Magdeburg, liugabrotk und anderen. W. Wacher-
'f *i MM in Zfda VI, SÖS die Meinung turück, als küantf der bekannte
*•( tNi» Sehtfabinalttr auf Seutes Lebensänderung eurückgehen. Eine Spur
fnfmi^ gieh erst in Hebels t'acelien und Kirchhofn Weiidurtmut. Vgl.
«* J. ffdr-riHann, SehwabenspitgH 1901, 30.
') MA {'»reehl nimmt Preger, Vorarbeiten 124ff. an, erst nach dem
', Uhrv^ahr* seien äussere Leiden aber Sense gekommen. So exklun'v können
J
M
112* Einleitung, n. Seusea Leben und Werke.
mit Geduldj ja mit Freudigkeit aufzunehmen (Kap. 19, vgl, oh
S. 90f*). Erst wenn er dies gelernt, kann er den geistlichen BitU
schlag empfangen (55,10 ß'.). Dreierlei Leiden besonders werden Sei
vorauscerkündigt: Untergang seiner weltlichen Ehre, Untreue und Lii
losigkeit seitens der Freunde, innere Trostlosigkeit und Verlassenk
Und sie kommen auch wirklich über den armen Mann in einer Men
und in allen Formen, so dass sie ihm etwas Alltägliches in seim
Leben werden und er ihr Ausbleiben als etwas Ungewöhtüid
empfindet (82,22 ff.). Mit ergreifenden Zügen erzählt er in ä
Vita eine Reihe seiner schmerzhaften Erfahrungen: er wird fl
Diebstahls der wächsernen Exvotobilder in einer Kapelle und ö
Betrugs mit einem blutenden Kruzifix beschuldigt (Kap. 23), m%
seine eigene Schwester, die in Sünde fisl, unter Schmerz und Schan
ins Kloster zurückbringen (Kap. 24). kommt zur Pestzeit als angi
licher Brunnenvergifter in Todesgefahr (Kap. 25), hat ein gefäl
liches Abefiteuer mit einem liaubmörder im tiefen Walde zu besteh
(Kap. 26 )f wäre bei einer Pastorationsfahrt einmal beinahe im Rh
ertrunken (Kap. 27 ), wird wiederholt auf den Tod krank (Kap.
und 30); adelige Herren wollen ihn töten, weil er ihre Töchter u
Geliebten zum geistlichen Leben verfuhrt (Kap. 28), desgleichen o
ungeratene Sohn eines Chorherrn, weil er sich durch ihn finanziell i
nachteiligt glaubt (Kap. 43); er muss von seinen Klostergenossen Schmd
ung und Beschimpfung leiden (Kap. 29; 145,23 ff.) ^ von anderen ül
Nachrede erfahren wegen seines Verkehrs mit den Sündern (Kap, 39
Das Schlimmste aber geschah ihm von einem teuflischen Weibe, das i
der Unzucht beschuldigte (Kap. 38) und dadurch weithin in Verr
brachte. Durch diese Flut von Leiden hindurch ward Seuse e
,gelassener' , ,durch geübter^ Mann; Friede und Freude in allen Dinff
war ztdetzt der Gewinn, den er aus allen Heimsuchungen zog (130,16 ff
Die meisten der erzählten Leiden hängen mit der intensiven sei
sorgerlichen Tätigkeit zusammen, die Seuse in jenen Jahren zu entfaW
begann (vgl. 1 14,19 ff'.). (Heichsam nur zufällig wird um von seini
Pastorationsfahrttn erzählt (vgl. 87,31 f., 117,17. 120,18 f., 153, U
auf denen er von Konstanz aus in die Schweiz (109,31 f., 138^26 f>
in das Elsass (75,10. 81,6), den Rhein hinab bis nach Aach
(153,10 f.) und in die Niederlande (78,22) kam. Wir werden d
eifrigen Mann einen grossen Teil des Jahres auf der Wandersch
aber seine Worte nicht gemeint sein; vgl. 23,11 f., 64,26. 68,17 ff., 143^13; H
112 ff. Nur im Unterschied von den selhstgewdhlten Leiden, die jetzt aufhör
i<ind die ffemden Heimsuchungen ao betont.
Seuse« Leiilen und Heimsucliunfit
eelHiirnedkhe Tätigkeit, HS*
■Anken hohen, teobei er, wie es der Beruf seines Ordens mit steh
»kte, dem Volke in Stadt und Land predigte (v<jit. 112,24. 149,7).
A Kar er nicht eigenüich ein Prediger und Seelsorger für die
um, wie ein Berthald von Uegensburg, seine Domäne imr die
eelpnntoration, für die er ein wahres Charisma gehabt zu haben
tüU, Er verkehrte dabei in hohen und niederen Krdsen (117,'J.
\,4ff-)> »•'' fClosterleuten und Laien, teeiss ebenso die Tirfyemnkenen
Hockenden Herzenstünen zu gewinnen (Kap. 26; llt!,2Jf., 110,7 ff.,
l^liff.) wie amerwählte Seelen zur Beschaulichkeit anzuleiten.
I zartem, mildes ff m« tnusste besonders für die Frauen ettvas
lohendes haben, und an sie hat er sich me Heinrich mn Xörd-
vorzugsweise und mit grösslem Erfolge gewendet. Seiner be-
en Anlage kamen aber, auch die Verhältnisse seines Ordens
m, dessen Aufgabe es unter anderem war, die seiner Obhut
Wsteüten Frauenklfister, welche geroile in Oberdeutschlund besonders
•tich waren*), seelsorgerlich zu leiten. Nachdem sich der Orden
I die Übernahme der schweren Bürde, welche nicht selten die
n Kräfte absorbierte und die Pflege der Wissenschaft beetn-
iktigte, lange gesträubt hatte, wurde ihm die ,cura monialium'
th Papst Kleniens IV 1207 definitiv übertragen^). Die Prediger
men »ich nunmehr mit allem Ernste der Angelegenheit an, und
■ Karen es in der Hegel die gelehrten Brüder, Magistri und
i der Theologie, welche mit der geistlichen Leitung der viel-
I hochgebildeten '), zum guten Teil aus adeligen Häusern stammen-
' Nonnen betraut wurden^ Es ist durch Denifles^) Vnter-
') In d'r Proeins Tiulonia wnivn en zu Beginn des 14. JH. 70 Donini-
m^nen- und 46—48 Dvminikanrrklöeter (Archiv II, G43I. Dir ohnthin
IK kok* Konaaltahl (M) der Nonnen in den eituthten Klnslem irurde oft
MAritlM; tu u:aren t» in Öterthach tä86 J30 (Freffrr II, 366), in Töts
I Hfirf J366 ea. Km Schwestern (Itfg. Ep. CmuU II n. 177, n. 5433).
•) F^. Mortier a. a. 0. I, 3ilff., SSiff.; Dtniflt im Archiv II,
\f.: L.itaur im Frtib. Diöc.-Arehie 1901, lHg. 4H.
' *) Beispitlt bitten die Vilen in Menge. Viele Nonnen konnten lateinisch
Ittr/auten asHtitthe Schriften. Vgl. Preger II, 254.
') VgL in der InsIruktinH dei l'rniiintiaU Htrtnami von Minden (138ß
tO) bftüglir.h der cura monialium die Vorschrift : providet*, ne refectione
Mit (lororc«) Tcrlii Ilei, aed sicut eruditioni ipsanim convenit, per fratres
Ho» uepiUB pr&edicetur (Archiv II, HöOJ. Die Dominikaner rerioeiUen aber
iir Begtt nicht ttdndig am Situ der Nonnenklöster, sondern hemchten die-
i« PIKT BMI Zeil cu Zeit . für den tägltchen Gotttsdiensi Kar gewöhnlich
VälgeietUcher alt Kaplan mneitrlU.
'I Ärekir II, 641ff.
StutCt Oeulirlio ^.JiiiriDi.. 8*
114* Einleilnug. II. Sensea Leben uni5 Werke.
nuchunyen HfirgtsleUt, dass dieser Ums/and sehr viel zum Au/kot
der mystische» P redigtweise in Deutschland beitrug. In Prediglitf-
und Kollationen (\gl. Anm. zu 47,21) machten die Dominikaner die
lionnen in deutscher Spruche mit der scholastischen und mgstischett
Spekuhtion bekannt und hemiihten sich mit vielem Erfolge, dieselben
nicht nur zu genauer Befolgung der Ordensregel anzuhalten, sondern
iiuch ihrer Frömmigkeit ein gediegenes Futidament zu geben. Di«
Probleme der Mystik wurde die erlesene und begierig aufgenommene
Kost der Gottesfreundinnen in den Klöstern und Beginenhäusern.
Wie andere Predigerkonvente hotte auch derjenige zu Konsian»
eine Anzahl Nonnenklöster des gleichen Ordern zu leiten '). In seinm
.termini' (vgl. Anm, zu 119,10) lagen im 14. Jh. die Dominikanerinnen'
klöster zu Katharinental bei Diessenhofen, zu Meersburg. Buchkür»
und in der Nähe davon Löwental, Münsterlingen, Habstal, Engtnt
Siesseti bei Snulyau, und drei Klöster zu Konstanz selbst, genannt
Wil, St. Peter an der Brücke und Zoßnyen % In mehr ah «im
dieser Klöster wird auch Seuse zeitweilig geu-irkt haben. Näherm
über das innere Leben erfahren wir aber nur ron Kathari
wo im 13, und 14. Jh. eine Pßanzschtäe der Mystik war; hin
scheinen in der Tat die Spuren seiner Tätigkeit in den LebensbÜdtnt
einzelner mystischer Nonnen noch erkennbar zu sein "), Auck i
weiter entlegenen Klöstern hatte Seuse Beziehungen, vor allem i
Töss*) bei Winterthur, wo seine bedeutendste SchtUerin Eisbeth Stag4.
') Binchof Oerhard von Konstant terkäadete 1318 »eintr GeUtlie)
dant alle ScIitrtxUrti dts Augitstinerurdena der SnUorgt der Prtdigrr
untrrsirhen (Reg.Ep. Conti. II. 471 n. Tfii.
») Vgl. Quitif und Echard I, X; König im Frab. IHöt.'AnM
Xin, 209 (aacli dfr StaHiiih den J. Meyer): L. Säur ebd. 1901, 33,4
64, 56, 70, 81/.
•) Bits aaek die Annahmt Baihiolds, LH.-Gtieh. der SehutiJi ÜX
Slä, und schon Murtre 349. Es iil aber ei* heaehten, dass tcohl die mnft
dtf in den Viten von Katharinental (ed. Birlinger in Alemaimia tS6
ISa—Si; Auscügt bei Mut er 349 ff.) vorkommenden Nonnen cur Stuse IttU
An StHSt f-innent Eltbeth Heimburg und EUbäh eon Mo/eJi, Adelkad Pfif»
liart (aus Konalant) und Anna cdti Ramsieag (verkehrt mit Eekhart, w« JSStI)
in beeuij auf die Andachten, Kasteiangen. Visionen und die sinnig« lf<A
bttraehlung der h'chwettern leigt sieh manche Ähnlichkeit mit Sense, f
Adelheid ist greagt (16U>: atnurs herreu fmud lietten haimlicbi und minn e&
') Vgl, die Anm. zu flft',/ und die dort lilicrle Literatur, ferner Grti
!i»Slf.,363ff.i Vetter, Mystiierpaar 13ff., 53 ff.. E. Schiller , Das myslm
Leben der (M-dauschwrslim lu Töss, Bemer Bits. lltOS (nur alt MaltridÜi
Sammlung brauchbar). In den Töasrr Yiten finden sieh i'iel« AntUogien
^eusEH Leiden imd Heims uuhimgcti.
eclHorgerliche Tätifrlieit.. 1 Ift*
H.S.12i*ff.)UbU, eennutlich auch zuÖtenbach') bei Zürich, Adel-
, ArtMÄfM*) bei Freiburg und JJnterliuden'^ zu Kolmar, — lauter
Statten deji beschaulichen Lebens. Wie viele Verdienste Seune um die
(fcwl zu findende Blüte der Nonuenrnysttk hat, kennen wir nicht aus-
machen. Beachtenswert ist, dass die von seiner geistlichen Freundin
üiabeth cerfii»ste Viteasammlung von Töss eine Reihe ähnlicher literari-
kUt Produkte veranlasst oder wenigsUnn beeinflusst hat, die zwar
rfiw Vorbild an Tiefe der Auffassung nicht erreichen, aber doch
m ihrer desamtheit einen reizvollen Einblick in die reliyidstn Ideale
»fli/ Stimmungen Jettes Kreises frommer Frauen gewähren. Adolf
I üarnnck^) hat mit Be2Ug darauf das Wort gesprochen: „Welcher
I äiHoriker mit hellen Sinnen wird an diesen Früchten der Mystik
mkänahmslos oder ach»elzuckenii vorbeige/ten können, welcher Christ
i nicht mit herzlicher Freude aus dem Quell lebendiger Ansckau-
, der hier gesprudelt ist, schöpfen, wer wird nicht zuversichtlich
k IJenchichtsforscher bezeugen, das« eine evangelische Reformation
I JäOft (1300?) ebenso unmöglich gewesen wäre, wie sie um 15(K>
treitet tear"')'^
Von Seuses Methode der Pastoration me überhaupt von seinem
WfeeAr mit den Goltesfreundinnen können wir uns auf Grund der
Vtlungen in der Vita, seiner Briefe und Predigten ein deutliches
l machen. Weit über die schwiihifchen Lande hin und in den
n Kykt
•4 L^en (vgl. dU Zu»ammenHellany hei tivhilhri. Doch ist auch hier
en, dau rieb der Hchaegtem «c/ion geatoiben waren, als Seits» nach
f kam: jidmfall» kann man nicht gagtn ino Greith in Kath. SehwäzerH.
', 74} dann rr di% myetiteht Schute da/ielbtt .geschaffen^ habt. Chronologisch
tinglith i»l, aa» Greith a, a. 0. Itü meint, diiss Sevse Itl Jahre lang
MaUr der Prinzeenti Eluheth von Ungarn (f 1336) tu TUss tear.
') Vgl. Murrr 315, Nach der Tradition katn Seuse •ifters i
wUotter nach Zürieh, also mohl auch nach Öimbach: Elaheth r
iJ aiimerl gant an ihn (vgl. Prtger II, 364).
*\ So die Annahme Kärehers 188.
') Vgl. Ingold, Nntice sur l'fgline et h eonvcnt dm doinin
r iBH, 33.
*) Dogmengtschichte IIP (1S97I .W4.
^ CKarakUrisUk und Klassifititrimg der myatischen Vitrnlilrratur von
m/U in Lü. Hundaehau 1879, 136/. und A/da K 260: vgl. auch
f'kitgtr, Di* OotUitfreundt J879, 337 ff. Üher das AllgemHnt handeln gut
\ff*htil, Oeschiehle des dtseh. Volkes III, 167ff.: Pi-tger II, 363ff. und
»tadicl di* ößers tilitrU Schrt/t von Krths über Adelhausen, die auch
I" PAw eoR TSss, Katharinenlal, Unterlindeu und Kirchberg tum Vergldeh
in den richtigen literarhistorischen Zusammenhang sIeUt,
116* Einleitung. 11. Seuses Leben und Werke.
ayistossenden Gegenden besass er eine grosse Zahl begeisterter Jüni^
rinnen, „geistlicher Töchter*^ oder „Kinder*^, teils in der Welt, tne
aber in den Klöstern und Klausen (vgl. 116,23 f,, 140,17 ff.). Manc
adelige Tochter hat er durch Wort und Beispiel für dtzs geistlic
Leben gewonnen und bewogen, die väterliche Burg mit der Klosti
zelle zu vertauschen (83,12 ff.). Stet^ fasst er die Beziehung a
Seele zu Gott unter detn Gesichtspunkt eines geistlichen Liebesverhä
nisses — charakteristisch für das Zeitalter des Minnesangs,
von der falschen, trügerischen Minne der Welt, die mit Lieb (Freue
anfängt aber mit Leid endet ( 455,21 ), toill er hinführen zur treu
Liebe Gottes, die hienieden anfängt und immer und immer tvähr
zu Christus dem himmlischen Bräutigam (137,11 ff.). Dünkte ihn j
dass sein Lieby das er zu minnen gab, besser sei als alle Lieb die»^
Welt (139, 23 f.). Eine wundersame Macht muss die Persönlichkeit diei^
Mannes ausgeübt haben. Wir erkennen dies aus der unbegrenzten, fc
schtcärmerischen Anhänglichkeit, mit der seifte geistlichen Töchter an ih
hingen : sie schauen ihn in ihren Gesichten, emjjfangen Offenbarung*
über seine Schicksale und Lei den , empfindeii selbst seine Schmerz
mit, werden durch himmlischen Befehl an ihn gewiesen (44,14],
51,17 ff., 117,9 ff'.). Seine Auffassung von dem seelsorgerlich
Beruf war auch die idealste: er dünkt sich einen Kärrner Gotte
der aufgeschürzt durch die Lachen fährt, um die Menschen aus dt
tiefen Lache ihres sündlichen Lebens wieder an die Schöne zu brifige
(385,24 ff., 467,32 ff,). In ihm vereinigte sich vieles, was anstehe
musste: reiche Lebens- ufid tierzenserfahrung, die in die Tiefen va.
Leid und Freude geschaut hat, Reichtum an Liebe und innerer Ten
nähme — sein mildes Herz war sprichwörtlich (vgl. 117,1), — A7mj
heit und Milde in den Anforderungen gegen andere bei grösster Streng
gegen sich .selbst, unverdrossener Eifer, der nicht ablässt, auch tcen>
es auf den erstell Anlauf nicht gelingt.
Man hat öfters fälschlich angenommen % dass Seuse unter dt
Gotfesfreunden einen besonderen Bund, die „Bruderschaft de
ewigen Weisheit^ gestiftet habe, und berief sich zum Beweis
dafür auf die Begeht der genannten Bruderschaft, welche sich teii
im Anschluss an das Exemplar in den beiden ältesten Drucken
(etwas gekürzt) und in manchen Hss.^ teils separat in verschiedem
») So z. B, Kärcher n6f.: Schmidt 857 f.
-) 14S:if. 103^—1 10 r; 1512 f. 146*— 51^; Diep.* 4if6—604.
SoüBes Briefe und Predigten. 117*
Hw, ßndtn^). Allein jene Annahme hing zusmnmtn mit der früheren
iTTtämlichen Anschauunff, als ob die Gotte,i freunde eineti Geheimbund
«i( Kpnrniistischer Tendenz gebildet hätten^). Sie hat auch an dem
Texte dtr ,Brudefscha/t' keinen An/iiill.*i»inkt. Die deutsche Fassung
dtrselben ist, wie eine Reihe oun Hss. und die Drucke anheben '),
nur eine frfie Übertragung eines Kapitels des Hör. (II, 7 ; vgl. oben
i.lin^), die tpokl erst im 15. Jh. gefeitigt wurde und allem nach
nickt von Seuse stammt. In divse Ausgabe ist sie daher nicht auf-
V. Benses Brifre und Predigten.
Seuees Briefwechsel ist ganz in den Dienst der Seelsorge gestellt:
'ftttr durch miindlicke Unterweisung bei seitten geistlichen Töchtern
iigonnen, setzte er brieflich fort; nur selten sind persönliche Ver-
^Unisne darin berührt, rein weltliche Dinge gar nie. Wir haben es
i^ieth Singel zu verdanken, dass uns eine Anzahl von Seuaes Briefen
frhalten aind, und zwar nicht nur die in die Vita verarbe.iteten, die
»ich nickt olle mehf mit Sicherheil ausscheiden lassen, sondern auch
tine ausführlichere Sammlung von ungefähr 27 Kummern (das
»npfüngliche Briefbuch der Siagel), und ein von Seuse selbut
ifiütrr verunstalteter und ale viertes Buch dem Exemylar ein-
wlHbter Auszug von II Briefen. Über das Verhältnis des Gr und
Kl Bfb zu einander i»t schon oben S. 37* ff. das Nötige gesagt worden.
DiV 1} Briefe, welche Seuse selbst redigiert hat, erscheinen in dieser
infgabe zum erstenmal in ihrer ursprünglichen Gestalt publiziert'); im
&tm}itiir »ind dieselben stark gekürzt, mit Stücken aus anderen Briefen
iomhiniert und so geordnet, dass darin in gedrängter Form eine
fttUtändige Jjehre' (Hlil>.'J) von der Bekehrung bis zur höchsten
') Z. B.ia Ui. K, R, S\ WJ, h fit. oben S. 6* f., 9", SS"}, ferner in <U„ ll^n.
« tHuien M S77 Bl. 83—89. Htiddb»r,j, Cod. Pal. gervi. 57() Bl. 104—10:
Svbmht, Cod. Lichttnt. oy ; Maihingtn III 1. 8" Sil : München Cgm 405,
l^.m.- Niii-nbtrg Cent. V app. Bl Bl. 3—22; Cent. VI, 44 Bl. 196—303;
CbB. vi, si Bl. 131—44. StmÜkli* Es», gehüren dem 16. Jh. an.
') Vgl die Anm. tu 34,10; Btnifle Ü37f. und oben Ä .99*.
'i In dmt hritek von 1482 sieht f. 103": Das heruai'b gefcLribeu «l^t
** in *e teÜUche braucht von der weiszheit bfli-he. in latPin.
'I In Pregtre Amgab» (Ibti?) «tW difstlbeu in der Eeeenaion ilr/i
f^ 9fgebm, vgl. oben A'. ~'i", 26".
118* Einleitung. 11. Seuses Leben und Werke.
Stufe des rnysii sehen Lebens geboten wird^). An Elsbeth sind sieht
drei Briefe: ^Hgra sunt (Nr. Xllbezw, III), Annuntiate (XXbef^i
VIII) und Pone nie (XXVI hezw. XI) gerichtet% letzterer jedot
nicht an sie allein, sondern als eine Art Zirkularsekreiben ziigleic
an andere Nonnen in Töss (vgl. auch die Anm, zu 479,13), Übe.
die Adresse der anderen Briefe Uisst sich nichts Genaueres sagen,
sie sind wohl sämtlich an Nonnen gerichtet und setzen zum Teil sehr
verschiedene Charaktere und Verhältnisse voraus; Nr, I, III, T/,
VIII, IX, XI, XXI, XXIV, XXV sind für mehrere bestinmt,
Nr, XVII und XVIII für dieselbe Empfängerin (vgl. S. 40* Anm. 2).
Die Echtheitsfrage braucht bei der weitaus grössten Zahl auch jener
Briefe des Gr Bfb, von denen nicht Stücke in das Kl Bfb auf
genommen worden sind (Nr, 1, VII, IX, X V, X VI, XX V), schwerlich
besonders erörtert zu werden, denn sie tragen fvach Ausdruck und
Inhalt das Gepräge der Susonischen Autorschaft an der Stirm»
Zweifel dagegen kann man hegen bei Nr, XXIIl Exivi, Nr. XXV 11
Cum essem parvulus und namentlich bei Nr, XX VIII, dem hier
erstmals edierten Testament der Minne (Minneregel), Brief XXÜI
ist eigentlich eine Predigt ^) und weicht in seiner aphoristischen Fort^
und sei^nem stark mystischen Inhalt von den übrigen Briefen ab; doch
ist es wohl möglich, dass Seuse einmal eine seiner Predigten im Auszug
als Brief versandte. Zudem ist das Stück in sechs Hss, in eng^r
Verbindung mit echten Briefen übeiiiefert. Wir sind also tPoU
berechtigt, die Echtheit anzunehmen. Dasselbe gilt für Nr. XXYIl
worin detaillierte Vorschriften für das Verhalten einer jungen Honne
in einer zu Seuses Art wohl passenden Fonn gegeben fverdef^'
Schwieriger ist die Frage zu entscheiden bei dem Testament dif
Minne, Gewiss ist es ein sehr interessantes Stück, von einer Gefühls-
^) Brief I—V befuindeln die Anfangsgründe des geisiUchefi LeheMi i^
kehr von der Wdtf J^^estigkeit gegen die Versuchungen, Geduld im Leidifh
Br. VI die V^orbereitung auf das Sterben, VII gibt Vorschriftefi für ^
Vorsteherin, VIII — X enthalten Verhaltungsmassregeln bei mystischen Et^
fahrungen, XI empfiehlt Verehrung des Namens Jesu und eifriges Gehet üJ^
, Krone aller Übung''. Vgl. auch oben S. 39*—4:ti^.
-) Vetter, Mystikerpaar 62 findet mit Unrecht einen Widerspruch
zwischen 393,8 und 194,14 fi',, denn das jungst an ersttrem Ort ist nicht zeiÜM^
sondern lokal gemeint, in Hinsicht auf den an letzter Stelle im Bfb stehende^
Brief Pone tne.
•') Vgl. namentlich die charakteristischen Eingangs- und Ubergang$
fitrmeln (473^0. 10, 474,1. 7) und den nur in U überlieferten Schluss (476,1
bis 19).
Seosea Briefe «od Predigten,
119"
iciirme und amr dichterisch gehoUenen Dar^tfllumj, wie sie in der
myiHechen Korrespondenz kaum ihrenyleicken findet., und zHyt sehr
titli Anklänge an Seuse, altein die Bedenken gegen die Echtheit von
»ilen des Gesnmtcharakters, des Stäes und [i'ortifchatzes sind so
>tin-k, dnne wir es hei einem non liquet bewenden lassen müssen^).
w nicht von Seuse selbst, so ist der Brief jedenfalls ton einem
ihm nahestehenden Mgstiker verfamt.
Ihrem litcrarit-chen Charakter nach sind die Briefe Seuses,
} Leider Kurdt vern&unit, S. 4S6 eine dicsbezffyliehe Bcmtrkawg mu
"atktn. J>as« dtr Brief »thr »lark an Seane erinnert, litgt auf der Hand:
■ All Aimerkungm tat die starke, teilweise wöriticite Benütiung von Brief
j nU, XII, XU' und XXVI des Gr Bfb und sonstige Anlehnuttg an
mSta» SchriflsH nachgaoUsrn. Die Entlehnungen sind nicht bloss äasser-
aitgektiht, »ondem organisch mit dem Ganren verbunden, Ks ist sthtner
la vrralihtn, m« ein »o hochbegabter, dichterisch veranlagter Mystiker, als
I «rfcA«B sieh der Schreiber des Briefes ausweist, der in hohem Alter, unmittelbar
I Tode siebend, tum tetilenmal seinen gtislUehen Töchtern aekreibt
wd ihntn die Summe stimr Lehren sieht, dasukam, die Briefe eines andern
(" ttark tu plündern ! Man ist an mittelalterlichen Plagiaten tnanches gewähnt,
«htr hier stehen wir vor einem psycholoifischtn Rätsel, Und doch virbittta
thitm Beäenien, die Echtheit ohne weilrres amunehmin (Professor Dr.
Straueh-Balle hat mich durch giltigf briefliehe Meinungsäusserung in deii
ISedtnien bestärkt). Dtr gance To» des Briefes ist überscbwänglicher, s&ss-
UrÄ», als man es bei A'euse gewohnt ist, and näheii sich der Art Heiniichs
I *•■ SSrdlingm : milunler wird der Stil tändelnd, spielerisch und durch
' Ührrmass des Gefühls unklar. Der Wurlsckals erigt eine lieihe von
ücktn, die mir sonst liei Seuse nicht ßndm, s. B. dSH.lS minnendiep ,-
/. iiiii'esatl« wise (klingt mehr Taultrisch .') ; 469,^ gefüllich; 493,6 quit/
b minnenfiDg'erUü ,- wohl späterer Sprachgebrauch sind: 467,13 lutopeD und
I, 4i/U,J gemHUe, 433,13 wettelöf ; das unedle Bild von der griebe (491,301
b Stuses Feinheit nicht gut an fduclt vgl. Hermann viin Fritdar 63,29 und
Hfftrs Aam. S. 431), die Ausdrücke i93,Gf. sind zu stark und su un-
■ f-ir ihn. Bedenklicher ist noch der viermalige Gebrauch der Phrase (der
I wl winli^) nin gottes und der junekfrowen (466,7. 469,ä. 24. 493,3), die nicht
mtieli ist (über da» Vvrkommen des Ausdrucks ,der megde kint^ und tlhn-
l W. Grimm, Goldene Schmiede XLVlIlf: Jostes, Die Waldenssr
ii eorlutherischf Bibrlübersetsung ISeS, 37; ders., Dir Trpler Bibrlüber-
l löse, aiff.J. Auch was 4S7,lSJf. über den Empfang der Kummunion
ist. findet sieh sonst nicht bei Smtst, dagegen ähnlich wohl bei Tauler,
itniflt Bvga XXXIVff. Man kBvnte darauf hinrceisen, daas die
n Sritfe Stusts aus jUngeren Jakren stammtn und daher markiger und
r sind, dieser leiste dagegen die Abnahme der geistigen Kraft in Stil
tt ium Ausdruck bringt . Aber schicclirb sind damit die Unterschiede
etid trUari.
120* Einleituiig. IL Seuses Leben and Werke.
wie namentlich Strauch^) und Steinhausen'^ hervorgeholt
haben, nicht Briefe im modernen Sinne des Wortes, sondern gei^
liehe Sendschreiben y religiöse Ansprachen in Briefform, Als altes
lins erhaltene eigentliche Brief Sammlung in deutscher Sprache A(
die Korrespondenz Heinrichs von Nördlifigen mit Margareta Ebn^
zu gelfe7i. Von diesen Btiefen heben sich Seuses Schreiben ab dun
verhältnismässige Annut an persönlichen Beziehungen und durch et
weit geringeres Mass an kulturhistorischem Einschlag, stehen abi
hoch über ihnen und nehmen ihrer Empfindsamkeit und Übe
schwänglichkeit gegenüber ein durch Tiefe und Echtheit der Empfindun
durch anmutige, hochpoetische Sprache, die „oft von wunderban
Schönheit''^) ist (tgl. z, B. Brief XII, XIV und XV des Gr Bfb
Ihr hoher Wert ist tätigst anerkannt utid gebührend gepriese
worden*). Preger'^) sagt mit Recht: es sind Pastor albriefe, tc
sie besser das Mittelalter nicht hervorgebracht hcU, voll seelsorgerlicht
Weisheit, die uns Betvunderung abnötigt. In hohem Grade besit
Seuse darin die Gabe der Unterscheidung d^r Geister, die jedem di
zu raten weiss, was nach seiner Individualität und Lage das Hei
samste ist: er warnt vor Halbheit und straft die Lässigen, ermunte
die Zagen, tröstet die Leidenden und Sterbende^i, hält die Ungeduldige
zurück, jubiliert über die Bekehrten, gibt weisen Bat für d^n Gt
brauch der mystischen Gaben. Einige Male macht er auch gam
konkrete und ins einzelne gehende Vorschriften für das Verhalten
seiner geistlichen Töchter (Brief II zweiter Teil und XXV JI im
Gr Bfb). Es sind intime Schilderungen des Seelenlebens von hohem
psychologischem Reiz, utid seine Worte haben hier eiyie noch grössere
Eindringlichkeit als in seinen anderen Schriften.
Von Seuses P redigt tat igk ei t^') sind nur spärliche Beste
erhalten. Ohne Zweifel hat er auch als Volksredner seine hohe^
') Marg. Ebner LXIIf,
') Geschichte den deutschen Briefes I (1869) 14 j\
•) Steinhausen a. a. 0. 14.
*) Vf/l. namentlich Preger, Briefe 20ß.; Mystik II, 366 ff.; Denifi
XXVIf : 'Seeberg 64f.; Böhrinyer 425—31: Thiriots franz. Ühn
Setzung (s. u.) /, LXVIf.
'•) Briefe M).
•^) Vgl. über Seuse als Frediger besonders Bö Jtr in ger 431—36; Cr HC
Gesch. der disch. Prcdif/t im Mittelalter lS79j 397 ff. ; Linsenmayer, Gesc*
d$r Pndiijt in Deutschland usw. 18S6, 433-36. Sehr mangelhaft lUstoriH
orientiert ist F. U. Albert, Gesch. der Predigt in J)eutf<chland III (1896) 16üj
Seuacs Briefü und Predife'teii. 121*
GiiIkii nicht verieugnet und icar beim Volke beliebt und kochungexehen ');
äieiit keine einzige vor der Menge gehaltene Predigt ist uns über-
Sr/til. Uns wir besitzen, sind einfache, in NonnenklÖslern ge-
hdkne und von den Zuhörerinnen aufgezeichnete Hotnilien, die ähn-
lichen Inhalt wie die Briefe haben: Aufforderung zum Verlassen
<iir Weit, zitm Absterben feiner selbst und zur gänzlichen Hingabe
1 Gott. Sie richte» sich nicht an die Gesamtheit, sondern an das
taiulne Indiciduum, das sie belehrten, antreiben, trösten wollen. Am
ii\ti.tten praktisch gehalten ist die erste Predigt, welche auch die
müeite Verbi-eitung gefunden hat, während in der dritten das mystische
\B(inmt eorwiegt. Nach der formalen Seite hin entbehren die Predigten
<■ streng logischen Gliederung der Gedanken, zwischen Text und
besteht nur ein loser Zusammenhang, eon Schriftstellen ist
Srlich Gebrauch gemacht; im übrigen aber eignen auch ihnen die
^lutigen Vorzüge der Susonischen Diktion: warme Innigkeit und
hthrndigkeit der Sprache. Im ganzen kann man es als eine der
Tauterischen ähtUiche Art bezeichnen, die uns in den Uomilien ent-
Stgtntriti, obwohl Seuse, wenn wir nach den geringen Fragmenten
urleilm dürfen, Taider an rednerischer Kraft und allseitiger Kentttnis
und Beimchtung d(» Lebens nicht gleichkommt*).
Die mangelhafte Überlieferung der Seiise-Predigte» ist schon
öifii .S. 27* f. erwähnt worden. Erstmals wurden die Eier in dieser
Aiugabe stehenden unter denen Taulers 1543 gedruckt, aber erst in
irr lateinischen Obet'tragjing eon Seuses Werken durch Surius (Köln
~U6ö5J erscheinen sie unter seinem Name». Die Echtheit der ersten
Wr*digf ,Ltctidm noster fioridus' ist gesichert, da Seuse sie selbst in
r Vita 1.31,29 zitiert'^), und auch bei der eierten ,Iferum relinquo'
T — von dem Anhang in der Taulerausgabe abgesehen, vgl.
< Bemerkung S. 53(1 — nicht ernstlich daran zweifeln dürfen, da
t einer Bs. dre 14. Jh. unter Seuses Namen geht (vgl. S. 28* f.)
i 532,14ß'. eine auch in der Vita Kap. 19 vorkommende Erzählung
fifdiTgegefien (sC), Bei der zweiten f,Miserunt Judaei') und dritten
') S*iH Andenken lehlt im Volke fort, vgl. die ahm S. i>9' A. 3 cilierlcn
Muldof«H, vomach er neine lUdt mit dnii Sauten dee Winde» m virgleiche» pjleglt.
*l Linginmaycr a.a. 0.43li ui-Uii! zu günttig aber Senat, ictnn er
■ atff TauUr Metlt. Vgl. auch Prtger 111, Ulf.r Uenifte, Tauters
^Anmg 72ß.
'< Mine mijKtUche Predigt Über dtmtlhen beliebten l'ixt in einer ilam-
<^ir ä». tititrl Horchling, rraltr lUifthtrichl 131,(f.: vgl. aueh Schulze
^ZKhr./.Eirchtngeseh. Xt. 610 , Traktat Veglus).
■) LitiUrt» Argamtnt war» für sich allein allerdings hui<n beirtigend.
I
J
122* Einleitaug. II. SeiiseB Leben und Werke.
(,Exm a patre') Predüft Jedoch kalten nich die Gründe pro
contra xo ziemlich die Wai/e: sie zeigen wohl manche Berührungen
mit der niertent Prediijt und mit anderen Schriften Seuses
den Nachweis in meinem Kommentar), aber es findet sich in
manches FremdarUye im Inhalt und Ausdi-uck, und auch mit Prtr>
digimi Taulers ist die Ähnlichkeit nicht unbedeutend. Es wird dahn
geraten sein, die Frage in suspenso zu lassen, zumal auch eine hani
schriftliche Bezeugung für Seuse fehlt'). Diepenbrock' f><l4^9.
hat nach Taaler 1543 f. 141^—42'*' (Frankfurter Ausg. n,309ff.}i
als Kr. r eine weitere Predigt ,Lnznriis mendicnns' auf den erat»
Sonntag nach Trimtatls; dieselbe ist aber offenbar unfcM, da «»
sich im ersten Teil als ein Auszug aus Kap. fi den Bdew (219,13
bis 222,17) und im zweiten als Bearbeitung des Briefes II (Hegmm
mnndi) aus dem GrBfb erweist^. Eine sechste Predigt: ,Ego »
jiontor bonuü' auf den zweiten Sonntag nach Ostern, bei Tauler f,
!}S~_(j(j« (Frankf. Ausg. II, 51 ff.; vgl. Diep.' 597 Änm. 1), hm
ebenfalls auf Echtheit schwerlich Anspruch erheben, da sie m
Überarbeitung des siebten Briefes aus dem Kl Bfb ist, mit i
fägung einer Einleitung^).
') Denifle, TaitUr» BekthruMj SU mcml, iHe eu-citt Prediyt nd noA
li'lil und Inhalt Taulerigch, auch weür die folgende l'redigl lEgo nitx clantaMtii
(lö43f. aS-*) auf die Predigt Mi»ei-uni surück. Ob aber äitse Vtatotitm,
ist? Ute EMeitungtn manchrr Taala-predtgte» sind interpoliert oder
haupt erst »päter gefertigt.
*) Nicht au»geachlng»tn ist Jedoch, da»s ein in der Mitte stehtndet U
BrucliitäeL wil/ekannlrr Herkunft, schwungvoll und durehteeff gerätnl, auf St
euräclcgeht. Ich lasse e» dnher hier abdrucken (Tauler f. 141'*): Dainmb, lia
kiniler, verlawet die weit lilosz, «tan sie ist bo gar trüwelofixr ir «oUniti
tinreinigkeit, ir rat iHt liofTart and ^citzigkeit, ir dieiist ist sUesx, ir In i
kranck, ir bli'm ist aohon, ir fimcht ist stanck, ir sicberheit i»t TeiratiniKi !
hülf ist Vergiftung, ir vt^rheiHcbeo ist liege», ir halten i«t triegen. Ffir ft
gibt sie reflw, schände für ere, falachlieit fdr Lreüw, für rf.icheit gibt üc g
tinndt, fflr ewig leben den ewigi-n todt, dann wer in diser leit erkuiat liut'
weit, da er got mit rorlnist, wenn es dann koml ans (fchcideu, ao mft
derben alle<r) bnden. Et gedenkt nicht, wie lustig es da aei» nag, da ti
jar ist ein tag; bei das es ist zu scinl?), uldB(r) da eine nacht iat t&aia
und niiuiner hoI werden morgen, vnr diaer nacbt stet uns wul kS sorgen.
") Hier einige ireilere Noiiiren über verschiedene fredigttn, die tek«
.Veu« t» Anspruch genommen trord'" tind. Nielti .Seuse» Stil ttigt (iw 1
Jostes a. u. (I. 103 — 6 auf einer F'rtibarger iSvhu'riz) Hs. publititris 1
Coneditc atuid . . habent bochzit und Wirtschaft , . (dimtlbe in
Ähtchrift in Berlin, Ms. gtrm. quarto 344 Bl. 31b— 2fJ: nach riner Nötig A
in »einer ,Harmo»ia' f. QT- gtdruikll, dir der Herausgebrr mit Rtstre* ihm I
Verkehr mit anderen Mystikern. Elsbeth StageL 123*
Tl. Verkehr mit anderen Mystikern. Elsbeth Stagel.
Wir werden anzunehmen haben, dass Seime mit ehier Reihe
migeniAssischer Mystiker , die fast alle seinem Orden angehörten, be-
kannt und befreundet war. Ausser Eckhart ist aber nur einer in
seinen Schriften mit Namen genannt: der ,heilige Bruder^ Johannes
der Fuoterer^) von Strassburg (23,1, 13 ff.), der 1325 als Mit-
^lied des Basler Predigerkonvents ^mchgewiesen ist und aus angesehener
Strassburger Familie stammt; genaueres über ihn wissen wir nicht,
und von seinen Predigten sind nur unbedeutende Spruche erhalten,
die van seiner Bedeutung keine Vorstellung geben (vgl. Anm. zu 23,1).
Dm SeuM auch mit Tauler befreundet war tmd dass sich ihre
Lebenswege mehr als einmal kreuzten y ist so gut tcie sicher. Wahr-
^heinlich haften sie einander schön beim Studium in Köln kennen
w»>«n möchte. — Dia Predigt Audi lilia . . hör tohter min . . In den heiligen
Mtertagen nach metten . . (der Anfang aus einer Mainzer Hs, von F, W, E.
Uihin Germania 1892, 200 f. gedruckt, vgl. auch Denifle, Luther T, 309,
375; dieselbe Predigt steht in zwei Nürnberger Hss. : Cent. VI, 46^ Perg, 14. Jh. ;
Ctnt. VII, 20 Pap, 15. Jh.; identisch ist damit wohl die bei Borchling ,
1. Reisebericht 100 ff. 315 zitierte Predigt einer Hamburger Hs, ; eine Predigt
w Versen über denselben Text im Besitze Eoths, vgl. Germania 1892, 285)
f^nert in ihrem schwungvollen Eingang mit der pnlchfigen Naturschilderung
w^ an Seuse, ist aber in der Fortsetzung, die vom Klosterleben handelt, wesent-
^h nüchterner. — P reg er I, 217: II, 28 ff, will in dtn Traktaten V—VII
^^Pfeiffer, Mystiker I, 361 ff, Seuses Art ßnden: Strauch in Afda IX,
^^Ä/. schreibt sie aber nach genauerer sprachlicher Vergleichung me der Heraus-
?'W mit Hecht David von Augsburg zu. — J)ie , Predigt unserer liehen Frau
"» Bruder Heinrichs Person auf dem Hofe zu Köln^, ivelche in sehr vielen Hss,
^rkommt (gedruckt in Pfeiffers Germania III, 242), ist nicht, wie z. B. hei
^Qckernagel, Altdtsch. Pred, 377 angenommen wird, von iSeuse, sondern
^on Heinrich von Löwen, vgl, Preger II, 131; Strauch in Alemannia
'^-V/, 16. -— Über zwei Predigtfragmente in der St. Galler Hs, 970 s, oben
•^■.^^•. — Ch. Th. Murr, Memorahilia hihlioth. puhl. Norimberg, II (1788)
^^ notiert eine Hs. der Nürnberger Stadthihliothek (aus der Biblioth. Ebneriana,
^fiiher Imhofiana) N, 67 Pap. 4°, entlKiltcnd ,Concione.s de tempore, dt sanctis
^ (jmdragesimale Henrici Stisofiis 0, Pr,^. Die Angabe dürfte wohl auf einer
^fnetchslung beruhen; die Hs. selbst ist in der Nürnberger Stadthihliothek nicht
wAr zu finden. Übrigens bemerkt auch B. Braun in seiner Ausgabe des
l'ff. 1724, LI, (rottfr. Olearius verzeichne in seiner Bihl, Script, ecclesiast. I,
?7 Sermonen de tempore, de sanctis et quadragesimale von Suso, und er fügt
nzu, van diesen Predigten befinden sich zwei Hss. aus dem 14, Jh. mit he-
tchtiichrn Fragmenten in der Imhofschen und Thomassinscheii Bibliothek zu
hiiberg.
*) Denifle 36,336 hatte ihn aufamjs, von K. Schmidt verleitet, Tucrtr
)annt, aber die sichere Lesart ist Fuoterer,
124* EinleituD^^. IT. Seuses Leben und Werke.
gelernt ^), und wenn Seuse ,7iach seiner Gewohnheit^ öfters nach StrasS'
bürg fuhr (81,6), so wird er dort wohl auch mit Tauler zusammen-
getroffen sein. Das Hör. Sciises besass Tauler, me schon erwähnt
(S, 107* f.), bereits wenige Jahre nach seiner Abfassung. Freund und
Gesinnungsgenosse unseres Mystikers war auch Heinrich von Nord-
lingen, der geistliche Berater der Margareta Ebner, von dessen
Verhältnis zu Seu^e später noch die Bede sein wird. Als Charakter
wie an Geist und allseitiger Bildung steht Heinrich nicht so hoch
wie Seuse, er war eine allzu weiche und etwas oberflächliche
Natur').
Die folgenreichste Bekanntschaft, die Seuse in den Jahren seiner
seelsorgerlichen Tätigkeit machte, war die mit der begabten, ihm kon-
genialen Dominikanerin Elsbeth Stagel^ zu Töss, die bisher
wiederholt schon zti ei^ähnen war. Wahrsclteinlich trat er um
1336/7 mit ihr in Verkehr, denn damals lagen seine strengen Kastei-
ungen schon einige Zeit hinter ihm (vgl. 1(>7,J9J.). Elsbeth stammte
aus altem, angesehenem Züricher Geschlecht^). Sie war noch eim
») Vgl. Preger III, 93 ff.
*) Strauch, M, Ebner LXXIff. Ute Offenbarung der Christina Ebner ji
über einen gewissen Heinrich , dessen Name mit dem Taulers in den Himmd ^
geschrieben sei (Lochner 34), bezieht sic?^ sicher auf Heinrich von Nördlingei^ A
nicht auf Heinrich Seuse; vgl. Strauch a. a. 0. LX; Denifle, TauUn ^
Bekehrung ^öff'. J)er Irrtum findet sich auch in der Vorrede zur TauUf' ":
ausgäbe von 1643 ^ die wohl von Canisius stammt (s. u. C V). j
^) Vgl. Anm. zu 96,7 und ausser der dort zitierten Literatur Fregtf -
Bnefe 15 ff.; Schiller a. a. (). 11 ff. Bei Murer heisst sie SteigUn und St^ J
lein, bei Steill und Zittard Steiglehi und SteigUn. Ausser dem, was Seuse ti^ i
Elsbeth berichtet, wissen wir so gut wie nichts von ihr. J. Meyer holt i0^
Tösser Viten in der Nürnberger Hs. Cent V, 10 ein Lebensbild der Stngelwef
ausgeschickt {gedruckt bei Vetter 3 — 11), bringt darin aber durchaus luk$
neue selbständige Nachricht. j|
*) Das Geschlecht der Stagel (weibliche Form: Staglin; ,stageV bedtutä i
wohl Steinbock, das Wappen des Geschlechtes führte den Kopf tines sokht^ ■
vgl. Vetter, Mystikfrpaar 10,52) erscheint seit dem 13. Jh. häufig in Ü&
künden (vgl. Züricher ÜB III— V passim) und iciederholt auch in Verbindmut
mit den Klöstern. Töss und Otenbach (vgl. die Angaben bei Vetter a. a. 0.69)t
und erlosch im 15. Jh. Elsbtths Eltern und Brüder sind, wie schon o6#*
S. 11* f. erwähnt, in einem wahrscheinlich von ihr selbst gemachten Eintrag tP*
einer Engelberger, früher Tösser Hs. des Bdew dem Gedächtnis empfokktß*
Der Vater Kudolf, am Bindermarkt wohnend, Ratsherr^ empfing 132S
Herzog Leopold von Österreich die Fleischbank in Zürich su Lehen für
und seine Nachkommeti gegen 10 U 9 seh. jährlichen Zinses, vgl. Zürick0^
Stadtbücher des 14. und 15. Jh., hrsg. von Zeller-Werdmüller I {1899}
Verkelir mit anderen M,T8[Jkerii. Ebheth SteRel. ] 25*
Juiyt ungeübte Schwester' (98,9 f.), als sie steh hochgemuten Geistes
m die Theosophie Eckkirt» vertiefte (97,10ff. 99,10 ff.). Da xie
ach darin nickt zurecht/aKd, schrieb sie an Seuse, dm sie wohl bei
dum Besuche in Töi^ kennen gelernt hatte, und bat um Aufklärung;
tr erklärte sich auf ihre Bitte bereit, ihr geistlicher Führer zu
«frden (08,1 — 101,28). Es entwickelte sich nunmehr zwischen den
kiden gUichge«innten Seelen ein edles Freundschaftsverhälttiis, dos
4mh wiederholte Besuche Seuses in Tiiss (109,31. 394,2. IS f.)
und durch lebhafte Korrespondenz (97,19. 98,1. äl- 99,1. 10. 100,13.
m,4. 107,1.7.18. 109,3 f. 114,10. 17. 130,28. 155,20. 194,10. 393,8;
y. oben S. 118*), gelegentlich auch durch Übersendung von Ideinen
Üftchenken (vgl. 107,1. 368,28. 443,19 ff.) genährt wurde und bis zu
Elsbeths Tod, der wohl um 13ßo'), oder schon etwas früher anzu-
utztn ist, dauejie. Seuse entwirft im zweiten Teil seiner Vita ein
anziehendes Bild von der Persönlichkeit seiner geistlichen Tochter,
Sie hatte nach ihm einen ,heiligen Wandel eon aussen und ein
»nglitches Gemüt von innen' (96,6 f.) und ,wohnte als ein Spiegel
«C*r Tugenden unter dtn Schwestern' (97,1). Mit alter Entschieden-
wandte sie sicit der asketischen und mystischen Richtung zu und
ife in allem ihren geistlichen Vater, an dem sie mit unbegrenzter,
i»e ans Schwärmerische streifender (igl, 394,2ff,) Verehrung
nachzuahmen. In der harten Schule des Lebens gereift warnte
I» aber ehrnso vor d^n Gefahren übertnossi/jer Spekulation wie
indiskrtter Kasteiutig und wies sie auf den Weg der Nachfolge
[Öfwfi durch Demut, Busse und Selbstverleugnung (98,1 ff. 11)7,7 ff.).
\Knl nachdem die gelehrige Schülerin sich in den Elementen des geist-
iÜchen Lebens genugsam geübt hatte, hielt er es an der Zeit, sie in
üt theoretische Mystik einzuführen, damit sie sich ,wie ein junger
Jiifer mit den wohlgewachsenen Fittichen der obersten Kräfte ihrer
iidt in die Hi'ike des besehaulichm Adels' erschwinge (156,3 ff.).
^'ilo Kap. 4ti — 53 enthalten im u-esenilichen die Unterweisungen,
^ tr ihr darüber gab.
Elsbeth war geistig sehr regsam und wie manche Dominikaner-
timen hochgeliildet — sie verstand Latein und übersetzte die ihr von
' i. 1. Auch ihre Brildfr FrirdHch, Otto und Rudolf und andere Glitder
■ QttchUehle» (Johann, Heinrich, Peter) sind im 14. Jh. u-iederholt beeeugl
|(9l. Vtltir o. a. 0.: Zäricher .Stadthüchtr I und II [s. Begisterj).
Sa Murer 346: Bucelinus 399. Preger, Britfr 1!>; Mystik 11,
i( ton nnrichtigm VorauKsel Zungen nun nuf den Anfang der fi>nf.Tig*r
pi*v, ryL dagft/im Vitier, Myltikerpanr .W.
126* Einleitung, n. Seuses Leben und Werke.
Seuse übersandfeti lateinischen Sprüche in deutsche Verse (S97,5ff,) —
und hatte auch lebhaftes literarisches Interesse. Sie zeigte dies nicht bloss
als eifrige Sammlerin und Abschreiberin asketischer und mystischer
Traktate (96,18 ff.) und als verständnisvolle Gehilfin Seuses ,bei Voll-
bringung^ seiner Büchlein (109,7 ), ihr Verdienst ist auch, wie schon
erwähnt, die Sammlung seiner Briefe, und auf sie geht die Idee
und der Kern seiner Biographie zurück. Wenn er nämlich zu ihr
zu Besuch kam, so wussie sie ihm mit weiblicher Klugheit die Ge-
schichte seines geistlichen Lebens zu entlocken; was sie durch solch
,gött/iches Kosen^ (113,23) von ihm erfuhr, schrieb sie heimlich auf,
bis er eines Tages des ,geistlichen Diebstahls' inne ward, die Au»-
folgung der Aufzeichnungen verlangte und das Erhaltene verbrannte.
Als er des anderen Teiles der Aufzeichnungen, den Elsbeth vermuüick
zur Aufbewahrung anderswohin gesandt hatte (vgl. X13,24ff.), auch
habhaft wurde und ihm dasselbe Schicksal bereiten wollte, wurde ü
,durch himmlische Botschaft von Gott' verhindert (7,9 — 8,2). Vidi
Jahre lagen die Memoiren bei ihm verschlössest, bis er sie nidU
lange vor seinem Tode überarbeitete, ergänzte und als erstes Bud
des Exemplars der Öffentlichkeit übergab.
Ausser den geiiannten literarischen Werken ,ist von Elsbetln
Hand noch eine Originalarbeit, eine Sammlung mystischer LebeM- _
bilder aus Töss, erhalten, die Seuse in seiner Vita (97,1 ff.) rühmend ^
hervorhebt. Wir haben darin wohl die erste schriftstellerische Leistung
d-er Stagel zu sehen, die vielleicht schon vor ihrem Bekanntuierdeii
mit Seuse begonnen wurde ^). Das Werk — es ist erst 1906 iw«
F. Vetter vollständig herausgegeben worden, vgl. Anm. zu 96,7 —
enthält ungefähr 40 Lebensbilder von meist verstorbenen Schwestern
seit Gründung des Klosters (1233) bis gegen 1340, ufid ist teä$
^) Abgeschlossen aber ivurde sie wohl erst später, denn es scheinen sÜ
in den Viten einige Beminiszenzen an Seuses Schriften zu finden (Anft0^\
der Viten: Estote perfecti eic. (Mt. 5j4S), wie heim X, resp. XXII Brif'
SeuseSj der wohl an Elsbeth gerichtet sein kann: Vitefi 52,29 besses fttttWtJ
vielleicht von Gr Bfb 443,9 ff. beinßusst; V Um 87,21 f, der Zweck der SammlMa§,
fihnlich tvie in Seuses Bdeir 324,3 ff. angegeben). Die Ausführungen Pregifl
Briefe 16 f. über die Ahfnssungszeit der Sammlung (ca, 1340) mögen
Stichlich das Bichtige treffen, wenn auch seine Voraussetzungen sum Teü
richtig sind. Ob die Legende der Prinzessin Ehbeth von Ungarn (bei retltfi
9^ — 120), die nach dem von J. Meyer medirgegebeneti Epitaph (ebd. 121) r
31. Okt. 1336 nach 28jährigcm Klosterleben starb (die chronologischen AngeSk
scheinen aber nicht ganz übereineustimme^i), eben falls von der Stagei wrft
ist, l^sst sich nicht sicher nagen, vgl. Vetter a. a. O. XVIII f.
I
Die Jahre dee Eiiis (!*<»— W)- i^eiiae ala I'rior. 127*
S tigentn Wahrmhmangen Elsbeths, teils nach mündlichen und
Mißlichen Berichten anderer nbgefa»st; unter den gleichartigen Pro-
duÜemeichnet e» sich durch gewandtere Darstellung und tiefere Auf-
faaung aus und gibt ein anschauliches Bild von dem kochentteickellen
rtijgiönen Leben jenes Klosters. „ Wir finden in diesen Schilderungen
jugendliche Gestillten voll frischaufknospemler Gottesminne, lernen
fine Reihe adeliger Witwen kennen mit den ofl ergreifenden Er-
hkrungen ihres Vorlehem. Wir vernehmen von den hohen Eigen-
Kkafteu einer Anna von KUngnau und einer Jtitzi Schitlthess , rou
JrH besonderen Tugenden eitler Bell von Liebenberg, von der chor~
mi predigteifrigen Gutta von Schönenberg und Margareta Fink, die
vir tin irdischer Engel unter den Schwestern wandelte. Wir wandern
mt den Schwestern ins ,Weykhaus', wo xie ihren Flachs sfiannen
t«ä dabei fröhliche Lieder sangen, ins Schreibzimmer, wo unter Leitung
^ats Sueo viele Schwestern ßei.isig waren, Bücher abzuschreiben oder
telbst abzufassen, in den Chor, wo Schwester Metzi von Klingenberg
iit Mesiyesänge mit herrlicher Stimme und tiefer Hükrung sang, ins
Siechhous' mit seinem erfinderischen Reichtum nn Liebeswerken, Das
rührendste und ergreifendste Bild deutscher Mystik zu Töss, lieblivh
Vit ein junger Maienmorgen, fieckenlos wie eine Lilie, aber ist ElsbeÜi
'<n Ungarn, das i'on seiner Stiefmutter ins Kloster gestossene Königs-
vui' ').
TU. Die Jahre des l^xila (1339—46). Seuse als Prior.
Bis Ende des Jahres 1338 war Seuse, von seinen Pastorations-
t Miesionsfahiien abgesehen, in Konstanz geblieben. Aber nun
I unruhige Zeiten infolge des schärferen Vorgehens Ludwigs des
Die Erkiärung der ünuhhängigkeit des deutschen König-
I com Papste durch den Kurverein zu Eetise (16. Juli 1338)
ntf Ludwigs Stellung bedeutend, so d(is.i er es wagen konnte, auf
\ Reichstag zu Frankfurt (6. August 1338) die 'päpstlichen An-
leA« auf Übertragung der kaiserlichen Gewalt zurückzuweisen und
Wich die fernere Nichtbeachtung der Exkommunikation und des
fnierJikL- , sowie die allgemeine Wiederaufnahme des 'öffenüicheu
iftes bei strenger Strafe zu befehlen. Dir. Bürgerschaft
'. t'inke, Geiietisebt und klrrikaU GttehichUnuffasnung, Jane Ai
r. Lamprrcht 1867. 17: vgl. auch Hiit.-pol. Bl. IS63 1, ä;!.
'} Vgl. tarn /oliirnd'it K.Mäli.r a. a. 0. 11 t IStHil ?Bf..- A/igmin
l O. //?/.
U
128* Einleitung, ü. Seuses Leben und Werke.
zahlreicher Reichsstädte unterstützte nein Vorgehen tatkräftig, l
Konstanz wurde der Geistlichkeit bis Oktav von Epiphanie (13. Januar
1339 Frist zur Wiederabhaltung des Gottesdienstes gewährt; sie ga^
dann auch zum grössten Teil gegen den Willen des Bischofs dem Druck
der Bürgerschaft ncwh. Über die Schicksale des dortigen Prediger
klosters sind wir durch den Chronisten Heinrich von Diessenhofen^l
der als Domherr zu Konstanz die Ereignisse miterlebte, genau unten
richtet. Die Konstanzer Dominika/ner fügten sich, von vieren a^
gesehen, welche, dem Prior ungehorsam, ^profanierten', dem Oebai
des Rates nicht und mussten daher die Stadt auf zehn Jahre «?#/•
lassen; acht derselben fanden in Diessenhofen unweit Konstanz, wok
bei den befreundeten Dominikanerinnen zu Katharinental (s. oben
S. 114*), die übrigen ausserhalb der Stadt im Schottenkloster ein Unter-
kommen. Die Diessenhofer Verbannten führte der neugewählte Bischof
Nikolaus Pf ef erhart (1346—51) am 25. Apnl 1346 bei seinem feier-
lichen Einzug in die Stadt mit zurück, und sie durften in ihre»
Inselkloster unbehelligt bleiben, obwohl sie das Interdikt weiter be-
obachteten und bei verschlossenen Türen zelebrierten, während die
vier genannten ,schismatischen^ Brüder weiter öffentlich die Messe
mngen. Doch scheinen sich die papsttreuen Dominikaner wegen dieser
unerträglichen Sjyaltung nach einiger Zeit zu den Brüdern, wdci$
im Schottetikloster ivaren, zurückgezogen zu haben. Am 15. Jannaf
1349 kehien sämtliche Prediger nach zehnjähriger Abwesenheit Ä
ihr Kloster zurück. Doch dauerte da^selbH die Spaltung des Konvente
immer noch fort, bis am 4. April 1349 die Bürgerschaft von Konstant
(ftif ihr Ansuchen com Bischof Absolution empfing und das InterdtU
(fi(f gehoben wurde.
Welclies in diesen wirren Zeiten Seuses Schicksal war, enizi^
sich zum grössten Teile unserer Kenntnis. Als entschiedener GegMf
dcif Kaisers war er natürlich auch unter den Verbannten. Aus ein^
Briefe Heinrichs von Nördlingen *) erfahren wir, dass dieser, fl&
er am 21. Dezember 1338 nach Konstanz kam, Seuse nicht mekr
dort antraf. Vielleicht war derselbe einsttceilen ausgezogen^ wtw fif
seine Mitbrüder ein Obdach zu suchen ^). Ob er sich die fotgeniee^
Jahre miter den acht Brüdern in Diessenhofen oder bei der ZM
') Bn Böhmer, Fontes I\\ 16 ff, 30, 50, 63, 66, 71. Vgl. die Z)•^
Stellung hei K. Müller a.a. 0. II, 94, 99 ff. 23h 248/.; Pflug k-Haritun§
o.a. O, 186 ff. ; A. Ha ah er in Wiirtt. Vierteljahrsh.f. Landesge^c?^. 1906, 3l7l
0 Bei Strauch, M. Ehner XXXI, 21; vgl. ehd. 8. 356 f.
^) So die ansprechende Vermutung Pregem, Vorarhoiten 61 f.
Die Jahre des Exils (1339—46). Seuse als Prior. 129*
^ereff die im SchoUenkloster sich befanden, aufTiielt, lässt sich nicht
icher entscheiden ^). Vielleicht spricht für erstere Annahme die Tat-
ff che, dass er nach der Erzählung der Vita (145,14 ff,) in jenen
fahren — es muss wegen der dabei encähnten Teuerung 1343 oder
'344 gewesepi sein, vgl. Anm. zu 145,14 — zum Prior gewählt
vwrde. Über die Filfirung dieses Amtes erJahren wir nur, dass die
Brüder sich in der Erwartung nicht täuschten^ die sie in jener
'chweren Zeit auf ihn gesetzt hatten: trotz seiner offenkundigen
^eschäftsunkenntnis (146,5 f) war auch da^ Zeitliche unter ihm gut
besorgt, sodass er sogar alle Schulden des Klosters abbezahlen konnte
(U6,16f).
Wenn Seuse sich zur Zeit des Exils in Diessenhofen aufhielt,
*o ist er icohl auch 1346 mit den übrigen Brüdern nach Konstanz
^'ückgekehrt. Konstanz ist wenigstens allem Anschein nach der
Schauplatz jener furchtbaren Heimsuchung, die durch Verleumdung
«MM schlechten Weibes wohl im Jahre 1347^) über ihn kam. Bis
in die toeitr. Ferne, wohin vorher seine ,vomehme Heiligkeit^ (120,9 f)
frsehoUen war, wurde die leide Märe getragen und sein guter Euf
zugrunde gerichtet; selbst seine besten Freunde wandten sich von ihm
öi; unter ihnen sehr wahrscheinlich bei dieser Gelegenheit auch
Beinrich von Nördlingen (vgl. Anm. zu 124,15). Noch dauerte das
}Ungeheure Wetter des Leidens' {130,1) forty als man Seuse, wo/U
^it Rücksicht auf die Ehre des Ordens, in ein anderes Kloster ver-
^^e. Möglicherweise ist er mit dem durch das Generalkapitel von
^onl348^) abgesetzten Konstanzer Prior identisch. Wie er erzählt
(l'^6,13f.J, war er bereits ,anderswo wohnejid^ als der Ordensgeneral
^^ der Provinzial von Teutonia miteinander in die Stadt kamen,
^0 Seuse verleumdet worden war, und die Angelegenheit untersuchten.
Natürlich stellte sich Setises Unschuld heraus (vgl, oben S. 33'^ f.).
Ein Generalkapitel des Dominikanerordens fand nun in der ganzen
Zeit von 1330 — 1370 in Konstanz nicht statt. Es 7nuss sich also um
fin ausserordentliches Kommen des Generalmeisters, oder, was wahr-
scheinlicher, um das Provinzialkapitel gehandelt haben, das 1354 in
') Preger, Vorarbeiten 134; Mystik II, 364,368 nimmt zu zuversichtlich
0$ ergiere an. Aus der Erzählung Vita 146,8 ff. — der Chorherr vor am
mUm Morgen sehr rasch zur Hand — könnte man vielleicht auf Konstanz
'< Aufenthaltsort schliessen,
*) Vgl. Preger, Vorarbeiten 135 f. Das I)ntum ist aus dem gleich zu
yriihnenden Brief Heinrichs von Nördlingen zu erschliessen,
^ MOFH IV, 324.
n. SeuRC. Deutsche Schriften. 9*
130* Einleitung. 11. Seuses Leben und Werke.
Komtanz tagte ^), und bei dem sich ausnahmsweise auch der oberste
Leiter des Ordens einfand. Durch die furchtbare Pest, die von
1848 — 1350 wütete ^), mochte die Sache in den Hintergrund gedrängt
worden sein; bei dem Kapitel von 1354 bot sich aber Gelegenheit,
darauf zurückzukommen. Damals trat eben der Provinzial Johann
von Zweienbergen von seinem Amte zurück und Seuses Gönnep
Bartholomäus von Bolsenheim übernahm die Leitung der Provinz
Teutonia'% Ordensgeneral war 1352 — 67 Simon de Lingonis*).
C Seuse in Ulm (ca. 1348 — 1366), sein Tod
und Nachruhm. Übersetzungen und Ausgaben
seiner Werke.
I. Senses Wirksamkeit in Ulm.
Wir wissen nicht, ob Seuse, als er um das Jahr 1348 tm
Konstanz versetzt wurde, gleich nach Ulm übersiedelte; doch ist diu
wahrscheinlich ^). Im Anfang des Jahres 1348 hatte der dortiy
Predigerkonvent, der ebenfalls wegen Beobachtung des Interdikts 1339
vertrieben worden war^), nach Ulm zurückkehren können'^), Cbrigent
zeigt die Erzählung in Kap. 25 der Vita, wornach Seuse zur Zeit det
schwarzen Todes in einem Dorfe am Rhein beinahe dem unheimlick^^
Verdacht der Brunnenvergiftung zum Opfer gefaUeti wäre, dass if
*) Vgl, die Liste Joh. Meyers (s, oben 8. 93* A, 5.).
•) Die jähen Todesfälle, welche I:i8,23ff. erwähnt werden, mögen dawiU
im Zusammenhang stehen,
») Vgl. Jan dt a, a, 0. 289.
*) Quvtif et Echard ly XVII: MOPH IV, 339 n, 16; V, 290.
^) Eine handschriftliche Notiz von 1518 (vgl. oben S. 66* A. 2) sagt, Se^
habe lange in Ulm geirohnt. Murer 346, Bucclin 299 und Weyerman*
503 lassen ihn dagegen erst wenige Jahre vor seinem Tode nach Ulm gelang^'.
Der Ulm er Dominikaner Edix Eabri (Hist, Suevorum J, 114; vgL Sulg$fti^
Annales Zwiefalt, I [1698] 276; Steill I, 163) meint, Seuse habe 1339 in IM
Zuflucht gesuchty sei dann mit den dortigen Dominikanern vertrieben woräHHf^
18 Jahre sei dn^ Kloster leer gestanden und der Mystiker erst 1367 mit «MHi
Ordensgniossen nach Ulm eurückgekehrt !
•) Heinrich von Diessenhofen 32.
^) Als Ulm vom Banne absolviert wurde (29. Jan. 1348, vgl. Ülmtr W
II, n. 311).
i
Seuses Wirksamkeit, in 01m. 131*
Jttst noch seine PredigUoanderungen fortsetzte ' ). Über scth
und seilte Tätigkeit in Ulm sind uns nur lehr späriiche NacJi-
i(w äbeilieferl. Gereift und geldulert durch die letzte nchwere
Msuchung. und belohnt mit ,innerh'chein Herzensfriedfn, stiller
■ und liihtreichen dnaden' (130,17 f.) sollte er hier in Jiuhe
I Lebensabend Ireschliessen. Dasi^ er in Ulm noch einnuil Prior
•den sei*), ist- eine unbewiesene Annahme, und ebeiutotcenig fie-
|de( die Nachricht, welche, wie ca scheint, zuerH bei Touron^
^cht, und darnach in die Darsteüungen von Schmidt,
Vetter u. a. übergegangen ist, dags er 1363 auf dem
tralkapitel ron Magdeburg neuerdings wegen Ketzerei nngeklagt
Un Ml*). Eitie glaubwürdige Trndition'") berichtet in unmutige
von seiner Freundn-hafl und seinem innigen Verkehr mit
Itt«' eon Hibra (wohl ^= Biberach a. R.), der unter Abt Ulrich II
' — 71) Cellerarius in dem luihe bei Ulm gelegenen BenediHlner-
') Die Karlsruher Ug. Cod. St. ftearg. Pap. Germ. 75 von 1448 Bl. 4—ä
Lüngins Kntaiog SU und A. K^Uk-, Verteichnia alldmluchr H»s.,
um Sirvert 18!H), 3S,I überliefert Brflder heinriche »tBeen gebet ainH Innl-
ligers Ton ITIm (= Bdite 303,i g.l.
*) Kärchtr 19b, 213 nach der Untemchrift rints Überlingtr Siuae-
t». Wahrscheinlich licyt eine Yerictehfilwig mil dem Dimer Dominikaner
ich drr Prioi' vor, der 1351 und J3ö3 bezeugt int f Ulmer ÜB II n. 367,
tber einem in Ulm anglasigen Geschhr.hte iPi-Iol, Priel) angthSrt. Von
Datninikanerjtrioren in jenen Jahren sind tu, belegen: 1347 Konrad von
Krtn'n iUlmer US II n. 494); 1364 und 1365 Konrad Traber (tbd.n.66S;
j£j). Cmgt. II n. 5886) : 13H? Johann Dyemt, rjerwimf ,der .^ehi-iber'
ÜB II n. 1386). In dem erbaitent» Kopialhiieh des KloHrrs
itn S. 66' A. II tcird Sruee» Name erst im ir>. Jh. («. anlen >S'. läT') gi-
Cbrr die Geaehichtr des Slottnv handeln Kornbeeh a. a. O.
66" Ä. I> 11—21; E. Nahlinii, Ulm unter ffn.so' Karl IV lyos,
\ff., mg., 177 ff, 266 ff., 305f.
•) Hittnir» fit. ts. S. 63' A. 1) II, 456.
*J h dm Akten dt* Kapileh (MOPH IV, Sgl ff.) finde) sieh keine Spur
*) Dtr Stricht findtt »ieh euertt in den tingedraekien Ännales Wiblingani
jUebände, noch jettt m Wiblingta) des Priors Mrinrad Btuehlinger,
I im/ da» Fragment tinar Vita dt» »tilgen Walther, das in Aiideehg
.hrt werde, beruft; gekärst in dem gedruckten Auszug aus demselbeH
,Tfmplum honorir tii't virorum honoris monachorum Wildingensium'
JH^wfiur^ 170:i. Da» Seuse und Wallher betreffende aus dm Aimatcs teilt
im t>iöt.-Ai-chie wmi Schieaben XVII (1899) ß6f. mit; vgl. auch Braig,
OtmehieUt von Wihlini/en lf>34. DOf und J. Hartmann in BliJtter
•t. Kirckmgeseh, 1900, 0.^ f. In den Annales findet sich ein Bild:
und Wallher im Gtsprächi: auf frvletn i'elde, mit Ulm im Hintergrund.
4
n
13^* Eiuleitmig. 11. i!^eu8C!s Leteu qu<I Werke.
kloster Wiblingeii war. Die beideti Freunde hätttn sich mit Eriauh
ihrer Vorgenetzten manchmai am Ufer der Hier zu frotmnem Zwi
gegprüch zusfiiHinengefunden ').
Kf. Redaktion des Exemplars.
Eine Haupinrbeit Seusfn in seiner letzleti Lebenszeit war
liedaktion und einheitiic/ie Ztisrrmmenfassunff seiner der HaaptschrifUmi
der Vita, des Bdew, Bilw und Bfb, Seine Biographie lag,
auch vielleicht schon etita^ üherarbeilet, doch im wesentlichen in d^
Form vor, die sie schon Johre zuvor durch seine geistliche Freund
Elsbeth erhalten hatte (vgl. oben S. 1^0*). Das Bdew und ,etbdi
mehr seiner Bücher' (4,2), d. h. wohl das Bdw und Bfb (s,
S, 39* Anm. 1), waren ,in fernen und nahen Landen' (4,2, vgl. 87ßt
124,tOff.) verbreitet worden, jedoch durch die Schuld nachlättig»
Schreiber oft in verstümmelter and fehlerhafter Form (4,3 ff.),
lat/ Seu^e aber Kehr viel daran, ein ,gerechtes Exemplar', ein Muik^
buch seiner Schriften zu hinterlassen ,nach der }Veise, teie m
des ersten von Gott einleuchteten' (4,6 f.). Daher machte er
daran, den Text zu revidieren und die vier Schriften zu e
Korpus zusammemustellen, das er mit einem besondfren Prolog
und mit eigenhändigen Zeichnungen ausstattete. Der Zeitpunkt dii
redaktionellen Arbeit lasst sich annähernd bestimmen. Seuse ilbt^.
gab nämlich, um sich gegen Angriffe, wie er sie Jriiher erfahrt^
zu schützen, den spekulativen Teil der yitu (Kap. 4t> — 53) dem
wohlgeginnten Protinzinl von Teutonia Bartholomäus von Bolsenh^
zur Prüfung und Begutachtung. Als dieser das H'erk bilUgtt «i
Seuse ihm auch die übrigen Teile {du getnain lere ö,?2) eorUf
wollte, starb der Meister. Derselbe sei Ihm aber, so erzählt d
Mystiker, da er in Verlegenheit war, was zu tun sei, nach seiw
') Supra nienun coavenieotes sacra miscebBtit colloqaia, laudeH c
diTioaa, uoek^iiia perDactabant i;uudiB, aecreU uanifuHUliant rovelst« dirinil
tuitu ftuimonitn «iiuvitate ac duicedine, ut coelicalas non terrigenaa d
(aua ßtuchtingeri Annale»). Die Anlthnung der Ereählung an den Berieht
&reff. M., Zlial. II, 33 ff. (vgl. Bree. Mom. 10. l<'rhi: Leelh IV et V) «Aw
gtiatlichen ünterrfdungen des M. Benedikt mit sw'ntr Sehtculer Scholaniilu
einem Benediktiner «ruhl bekannt sein tnusstt, epringt i» die Augen. L
*timmt tutainrnfn, data Seuer nach HeuchUngerg BertcM seinen tVrund *
tfiaai Glauben» mit Abraham und wegen enne'- Liebe tu geisttichrii JMt
mit Benedikt vtrfflichcH habe,
') Ohne triftigen (Jrtmd hat Vttl-r. Mynlibrrpaar 5* seine Eck
in Zweifel gesogen.
Settoktidu des E:(eRiplara. ISS"
1» einem ,lichtnichen Gesicht' erschienen und hnbe ihm icinid-
fftiH, er soUe die Schrift allen gvtherzit/e/i Menschen, die in rechtet-
^finuny darnach ein Verlangen trügen, mitteilen (5,12— 6,10), Nun
i>t Heister Barfholommts nach zuverlässigen Berichten 1362 gestorben
^'ijl. Anm. zu 5,18), iclr haben demnach die Bedtiktion und Ver-
'frntlkhung de« Exeniplm-s auf 1362 besw. 1362/3 amusetzen.
Die Aufzeichnungen der Stagel über Sewtes Leben haben also
ri bei diesem Anluss durch seine eigene Hund die definitive Form,
der nie nns jetzt vorliegen, erhalten. Sense hatte aus begreiflicher
■heu, die Geheimnisse seines Seelenlebens bei Lebzeiiin der Ojf'etit-
hkeil preiszugeben, ursprünglich die Absicht, seine Biographie bis
<eh seitum Tode liegen zu lassen; allein die Befürchtung, sie möchte
aus Missgunst oder Nachlässigkeit unterdrückt werden, und die
'ung, mehr vor Angriffen und Verunglimpfungen gesichert zu sein,
er sie selbst seinen Obern vorlege, heicogen ihn, sie fchon früher
■öfftnllichen (4,29 f.). Er überarbeitete daher jene Aufzeich-
und legte ,in der Person' der Elshtth, die nicht lange vorher
war, ,etunuf guter Lehre' hinzu (S,2f.). Die letztere Be-
\g dürfte sich namentlich avj' Kap. 46 — 53 beziehen, welche in
wm eines Oesprüchs zwischen Seuse und seiner geistlichen Tochter die
^nttruieisung in der eigentlichen Mystik enthalten. Im einzelnen lässt
leA aber der Umfang der Bearbeitung und Ergänzung nicht mehr
wtimmen: manchmal liegen iiwar die Fugen der Komposition noch
lto«(ry/, S. 134* Anm. 2), auch lassen sich zahlreiche Briefe, welche
Stagel hineingearbeitet hat, noch herausschälen \ aber in den
Fällen sind Seuses Zusätze und Änderungen con Elsbeths
nicht mehr zu unterscheiden^),
') Vfl. dii Naehweüungfn von F.ci/er, Afila J, 36:.': Z/dn XX, 377
»i/lt, Xfda XXI, äif.
*} Spätre hiwzugiifügt »tnrf jtdtnfaVt di-; Von-edii dfr Vila, Kap. SU
( läi» hitr ertählt» Vigion hatlr wahrselmvUch Elsbrthj, ferner dm-
t von Kap. 38 und S3. Ich möchtr als sehr teahrgcheinlich annehmen,
8**f4 Stdakiitrn ttärher eingtgriffm hat, als n auf dm ersten Blich
t ÜJ/erattinder l'itn»eigl»ic/i g«tnfcintr Stil, sei» äethetincher Sinn und
I tkroloffische Dwchbildaiig, leomil die Darstellatig in den T(is»er Viten
t» MfcAt konkarrirrrn kann. Aucli legt sich jene Annahme nahe, wenn
r VtrhaUnü, in dem dag Kl Hfb tum Gr Jifh steht ivgl. oben S.41'
I, ins Auge fassen. Lrhrreieh ist es aueh tu sehen, tei» verschieden im
die Geschiehle von dem Hunde mit dem fusetuch im Gv Sfb (■I43,4ff.j
I Oer Vita föSySjT-) erz-lhll med, obwohl tele nicht wisnen, oh die Stagel
Itdtiehlf direkt au» B%-ief XII hfBbergenommen hnl: dort ein getn'ifves
I
J
134* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
Das Werk ist, vom Prolog abgesehen, in zwei, bezw. drei Teil
eingeteilt: dsr erste (Kap. 1 — 32) beschäftigt sich ausschliesslich m.
Sense selbst und schildert meist sein Leben vor dem Bekanntwerde
mit Elsbeth ; dsr zweite Teil (Kap. 33 — 45 bezw. 53) beginnt mit ,di
Uieficrs geistlicher Tochter* und gibt an der Hand von Seuses Lebe
eine Art Anleitung zum vollkommenen Leben. Besonders von diese)
Teile gilt, was Seuse im Prolog zum Exemplar (3,2 ff.) sagt, dai
seine Vita in ,bildgebender Weise^ erzähle von einem anfangendem
zunehmenden und vollkommenen Metischen. Die eigentliche mystisch
Lehre wird in den letzteti Kapiteln, welche gewissermassen eint
eigenen dritten Teil bilden und von Seuse jedenfalls stark überarbeit
sind^), entwickelt Schon aus dieser Inhaltsangabe erhellt, dass d\
Vita keine Autobiographie im modernen Sinne des Wortes ist; sii
berücksichtigt fast nur die innere Entwicklung des Helden und zu-
qunsten des asketischen Zweckes ist die sachliche Gruppierung statt
der chronologischen bevorzugt^). Wir werden dies aber, wie DenifU^
mit Becht sagt, so wenig bedauern dürfen^ als dass Angelico da
Fiesole seine Gestalten nicht nach streng aftatomischeti Verhältnism
gezeichnet hcU; Seuses minnereiches Herz lernen wir am besten da
kennen, wo es sich ganz frei und ungezwungen ergiesst. BückhaltUi
und mit gewinnender Naivetät enthüllt er darin seine gans»
Seelengeschichte in einer Anschaulichkeit, die alle abstrakte Charah'
teristik weit hinter sich lässt und gibt mis eignen Typus der Äf^
schauung, die er sich von der Entwicklung eines ,geistlichen Menschen*
gebildet. „Nicht leicht wird ein anderer gefunden werden, der dii
tSichgehenlassen, hier knappe tcirkungsvolle Zusammenfassung , stilistische Av^e
feilung, überhaupt Seuses reife schriftstellerische Kunst
*) JJer Elsbeth werden diese Lehren Kohl meist in Briefform zugekwKm€'
sein. Dem steht nicht entgegen, dass es öfters heissi: er (der Diener) htm
sie (die Tochter) ,sprach' (löö,l3. 16. 170,37. 171,6.25. 172,1 usic), denn sol^
Formeln kommen auch in unzireifelhaften Briefen trar (e. B. 99,1. 107^, 130,2!^.
und gehören wohl erst der späteren Redaktion an.
•0 Vgl^ Vetter, Mystikerpaar 66, 61; Seeberg 136 f. Unvergtändliä
ist z. h. 20,24, da erst im Kap. 15 von der betreffenden Kasteiufig erzählt wifdi
auch 104,7—9 wird nur durch Vergleich mit Hör. 173 f. verständlich. Sow^l^
sich Zeitangaben in der Vita Jinden, sind sie allgemein gehalten oder durtk
ein ,irohV oder ähnliche Zusätze verallgemeinert. Das mahnt gur VoreitH
damit vortilige Schlüsse^ wie sie dann und wann bei Freger vorkamzM^
(vgl. auch Strauch, Afda IX, 143), vermieden werden. Zuweitgehend iHi
es dagegen, trenn Vetter a. a. (). 61 in den Zeitangaben lediglich ^phn
tatiti sehen Schematismus^^ oder auch „späteren Zusatz^ sehen möchte,
=) Seuse XVIIL
Redaktion ^es Exemplars. 1S5*
Erforschung seines innersten Seelengrundes dem einig ermassen kundigen
Forscher so leicht gemacht hat, wie diese durch ihre unverfälschte
Lauterkeit bis in ihre tiefste Verborgenheit durchsichtige Natvr*^^),
K, Schmidt^ und nach ihm Vetter^) und Bächtold*) haben
die Ltbemgeschichte Seuses bei aller Anerkennung des hohen sittlichen
Ernstes, der darin waltet, und ihres poetischen Schwunges als „eines
der phantastischsteti Erzeugnisse des Mittelalters*^, W, Scherer ^) als
»m heiliges Seitenstück zu Ulrich von Lichtensieins unheiligen Liebes-
wwoiren^ bezeichnet. Es lässt sich über solche Urteile nicht streiten,
da sie von einem zum voraus eingenommenen Standpunkt aus gefällt
find, allein wir werden Preger^) wohl mehr Recht geben, der sie
^änes der schönsten christlichen Lebensbilder und fast einzigartig in
ihrer Ausprägung^ nennt'').
In der deutschen Literaturgeschichte dürfen Seuses geistliche
Memoiren auch deshalb ein besonderes Interesse in Anspruch nehmen,
veilsie wohl das erste Beispiel einer vom Helden selbst verfassten, bezw.
autorisierten und herausgegebenen Autobiographie in deutscher Sprache
Äwi*). Sie stellen sich zugleich in einen grossen literarhistorischen Zu-
immenhang, der von den' Confessiones Augustins über die Historia
^lamitatum Abälards und die Vita nuova Dantes zu Goethes Dichtung
vnd Wahrheit führt^). An Augustins genialer Selbstschilderung im
kesmdem hat sich auch Seuse wie so viele andere gebildet und die
Irrgänge seines Herzens aus den Wegen der , Ungleichheit^ zum Friedeti
in Gott in beumsster Anlehnung an sie geschildert (vgl. besonders
•) Gör res bei Diep*. 117.
^ Theol. Studien und KriU 1843, 864.
*) Mystikerpaar 22. In einigen Teilen der Vita will Vetter 22, 57 die
'"Spuren einer dritten Hand finden, auf deren liechnung namentlich die ,wundtr-
^^igm und schwärmerischen^ Erzählungen des ersten Teiles kämen. Allein
^ider der handschriftliche Befund noch der Inhalt selbst gibt einen Anhalts-
punkt für eine derartige Annahme.
*) Lit.-Gesch, der Schweiz 215.
5) Gesch. der dtsch. Lit. 1883, 236.
*) Briefe 18; Mystik II, 268.
^ Vgl. auch das schöne Urteil hei Schnaase a. a. 0. VI, 41 f.
») Vetter a. a. 0. 25: Strauch, Allg. dtsch. Biogr, 37, 172: Seeberg IX.
•) Vgl. Kraus a. a. 0. II, 2,1, 8 ff. und namentlich F. von Bczold,
Über die Anfänge der Selbstbiographie und ihre Entwicklung im Mittelalter,
Erlangtr Rektoratsrede 1893. Beachtungswert ist S. 5 f. der Hinweis, dass
auch in den Mänchsromanen der Vitae patrum, welche der Verherrlichung und
Empfehlung der Askese dienen, vieles in autobiographischer Form gegeben ist.
ieust mag. auch hiervon Anregung empfangen haben (vgl. oben S. 79* f.).
136* Einleitung. 11. Seuses Leben und Werke.
Bdew Kctp. 1; Hör. 15 ff.; Minneb. 548,29 ff.). InhnltUch stellt sich
dcis Werk des Bettelmönches am dem 14. Jh. jedoch nähei' zu jener
mystischen Offenharungs- und Vision^literatur, die seit dem 12. Jh.
auftaucht und die ritterlich-höfische Kultur mit ihrem Mimiedienst
und SchönheitsbedürfniSj ihrefi weichen Stimmungen und ihrem Formtn-
sinn wieder si)iegelt^)y freilich in Strahlen, die gebrochen sind durch
das Prisma der religiösen uluffassung. Zur Steigerung und Ver-
tiefung des persönlichen Innenlebens,- zur Veredlung und Verfeinerung
des religiösen Gefühls selbst bis zum Süsslichen und Weichlichen, hat
diese Literatur, deren Trägerinnen fast ausschliesslich Frauen oder
doch wenigstens frauenhaft etnpfind^nde Seelen sitid, ungemein viel
beigetragen. Es ist gewiss bezeichnend, da^ss auch die Lebenserinne-
rungen Seuses nicht zuerst von ihm selbst, sondern nach seinen Ge-
spräclien und Briefen durch seine geistliche Tochter Elsbeth Steiget
gesammelt und niedergeschrieben worden sind, und dass er selbst erst
später nach Überwindung tnanc/ier Bedenken auf ihre Idee eingingt
Im zweiten Teile der Vita (Kaj). 33) Iwt Seuse zugleich seiner
geistlichen Freundhi ein Denkmal gesetzt. Es scheint, dass sie nicht
lange vor der Redaktion des Exemplares starb (vgl. oben S. 125*),
nachdem der geistliche Vater sie noch einmal besucht hatte (394,12 ff,).
Nach ihrem Tode erschien sie ihm, wie er erzählt (194,22 ff.)^ in
einer Vision ,in schneeweissetn Gewand wo/d geziert mit lichtreicher
Klarheit coli himmlischer Freude^ und zeigte ihm an, da^s sie nun
,in die blosse Gottheit vergangen^ sei. Elsbeth hat in Seuses Lebe»
eine so grosse Holle gespielt, dass beids von einander so wenig zu
trennen sindy als Margareta Ebner und Heinrich von Nördiingen.
III. Seuses Tod und Nachruhm. Ikonographisches.
Datum und Ort von Seuses Tod sind in zuverlässiger Wevic
überliefert. Er starb am 25. Januar ISdd zu JJlm^) und wurde in
») Vgl. ir. Scher er, a. a. 0. 239: „die Schriften der Mystiker und
ihrer frommen Verehrerinnen loaren die lettte Zuflucht de^ hitfischen GeiftfS!
Zartheit und Formenainn waren nur noch hier zu Haus/'
0 Vgl Bezold a. a. 0. 18.
*) Siehe die im Text gleich darauf zitierte Notiz aus Clm 7819; die gJeiehf*
Angaben in Hff. S (s. oben S, 8*) BL 233^ von einer Hand des 16, Jh.: ft
ist zo wissen, dnz der selig brüder heinrich süs ist von diser zit gescheiden in
dem iar da man zalt von xps gcburt MCCC und LXYl in dem confent ze ulm
und lit och da begraben und stat die iarzal uf sim grab und starb uf converao
sancti pauli apostoli ; ähnlich auch in dei- Hs.f (s. S. 1*) BL 1^ (f 1366 in die «»•
Sciises TnJ iiml NnclirnLm. Ikuiiograiiliisches.
137*
■ Ar Predigtrkirche daselbst (Jetzt evangelische D reif altigkeitskir che)
~l<p-fiīi; das Grab befand sich nach der (Jimer Tradition und nach
•ilbnZeitpm'ssen in der Kirche selbst'), neben dem Altar des JJominikarter-
lifäiffeH Peiru» von Verona (f 1252), keinenfnlU, wie einige Spätere ^)
mtiaUn, int Kreuzgmuj des Klosters. In einer Münchner Hs. des
Ihr., am 7819 BL 24a' Oeßndel sich. i>i>n einer Hand des 15. Jh.
Mtiert, die O rabschrift des frater AmaDdns Sewez: Ohiit venerabiÜB
liater frster Heinricus Subo Anno dnmini MCCCLXVI aiense JaDuarii
die XXV obdormivit in domiDU propter quod gandeamus in evis
dilecto'). Wir haben darin zugleich einen deutlichen Beweis für
die Verehrung, die er schon zur Zeit seines Todes in Ordenskreiaen
und darüber himius genoss: man sah ihn bald alUjemein nls Heiligen
nii, und der Titel ,beatus' wird ihm im 15. Jh. wiederholt gegeben,
iieiti Andenken erlosch auch in Schwaben und speziell in Ulm in der
Folgezeit nicht*). Laut Eintrag im Kopialbuch der Ulmer Domini-
er Bl. 228 stiftete noch nach der Mitte des 15. Jh. eine Frau
ifirina H'eltzlerin, H'itwe des Ulridt Wdtzlin, Hof Vizekanzlers
I Kaiser Iriedrich III, ein ewiges Licht vor das Grab des
. Pauli) und Itd J. Meifr, Chrotucon lU Praed. (Mone I, UM),
t tU aiiuli: vir. ord. l*raed. (ä)il. IT, 137) u. ,Lrben dir 33 «'««« Meisler'
I* 8. W* J. t). Wfnn Meger in den zu-ti Ulttgenannten Wrrktn States Tud
<^f ^nl l'auhu bekrrtlug' anaetet, ihn aber doch am lö. Januiir alrrhcn ISesI,
t Utjfi levht nn lapaiu ealami vor; auch in der 'IHiiecsr Konalans und im
lliminikanerorden ftitrti man conversio Pnali am 35. Januar. Sri L.Albertas,
I>i cirii iUuttr. urd. Praiä. l. V/.SM. M urur 3*li; Sieill I, 164: Buee-
' äoO u. a, wird IMS al$ Todeigalir angugtbtn, oh infolge falscher Über-
[H/t/aBfl Mirr uiidrrtr Sertchnung dee Jahresanfanges iCalculas t^orentinue
H Jahrrtlirgiriii am S5. Milrz postnumerando?), Idssl sieh nirht leicht «i(-
') J. Meyrr im .Ltlirii der 33 ersten Meister'-, int erlicb begraben in
*Iin;iiiw küchen zu li|m; Clm 16311' ». XV Bl. ftJ-*.- sepultua in eecleMa
läic»toniiii iiutU ultan' Bniict.i petri martyris; Ausgabe dr« H<t. Paris 1611
: HpiiltOB *nr« sllore t. Pelri m. ; ebenso die Ulmer Tradition bei Weyer-
htr Petersallar befand sich ,in der £c/ie hei der RitlM<n Br-
ornbeck a. a. O. 17).
*) Wie es scheint, gutrsi Mar er 34ti.
'} Vorher gehen die Wurtt Nota veraciter Kiütiipliium oou)pÜaloriB',LuiQ8
läri idt» Hör.). Die Abkürzangrn sind aufgrliiat. Vgl. auch dir Noiiz aus
ä». S eben Ä'. 136' Arm. 3.
'J Vgl. auch oben H.
)üder äet 16. Jh.
Notiie
über ülmri' hetir. SöjUnger
138* Kiiileitun^. H. Seuaes Lebeu und Werke, I
sdiyen Heinrich Sense '). Aber schon vorher war .fein Nnme durch seiiA
Schriften über Deutschlands Grenzen hhutnvgedrungen. Besonderä
in den Kreisen der Fraterherrn war er hochverehrt. Als d^r Windtfi
heimer Prior Joh. Vos (f 1424) beim Konzil zu Konstanz icetlt»
besuchte er mit anderen ,Devoten' roll Andifckt die Zelle den Mystiken
,der auf Antrieb d-es hl. Geistes rfns Horologium yesckricben"). Papt
Gregor XVI bestätigte nach eingeholter Information im Jahre IS3|
seine Verehrung und gestattete die Feier des Festes im Dominikoftsu
orden am 11. Mäis^). i
Das Grab Seiises i.it i^eit mehr als drei Jahrhunderten r*i
nchollen. In d^t Jahren 1617 — 21 wurde das Schiß' der Predigmk
kirche, das schon lange vorher baufällig gewesen war, niedergerisa^
und in veränderter Gestalt wieder aufgebaut; nur dtr gotische Cht,
und die südlich an ihn angebnute Sakristei nebst einem anstossendn
klänen gewölbten Raum (Kapelle) blieben vom alten Bau übrig. Dun
diesen Umbau und durch spätere Auffüllungen und Verändenuign
des Terrains infolge der Fettungsbauten ist die Örtlicbkeit so e
umgestaltet woi-den, dass kaum eine Hoffnung auf Wiederauffim
des Grabes besteht. Widerspruchsvoll ist die Erzählung Murert*]^
') Laiupas mite flepulchnini beati Henrici äUsz nutrietidn eat ob rennt
tiiiLij iliuti patri« et prn benefactoribuB per modam participaCioaie ardere data
et donata a Domina Catharina WeltElerio, qoe conventiii dodit 46 flor. p
contiDualioue. De hoc uon liabentur literae (Kornbeck a. n. 0. 17/.).
-) J. Busch, Chronicon Windeshan. rd. Grubt (Gnehiehlnquellai i
Pi-oeins iS'aehsen XIX 1806) e. 41 p. 357. Von einun andtrrn Wii
J-Yattr tpiril äi* Naehahmung von Seunt-s Kasteiunsm htricMet, rbd. c. 108,
') Vgl. Stadler, BtiUgenlfx. II (1861) 641. Stiist reitrde ,ji«- f
cvltm' aeliggntproehen ohne eigentlichen Progesn.
'1 Btli!.».346r der Leichnam Srusts nei 16 IH beim Umbnu der Kirche H
den Werileiiten im Krtutyang gr/unden iroiden, der Biirgtrmtiiiter tol
litfuhten da» Grab wiedti- in nflilittaen, ahrr ein Kathnlili (der tpiitere ÜK"
Werknifiiter Leonhard Bitcltmllkr) habe ein Stück dts ManteU abge^diiuM
teovon er iMurrr) auch einen Teil besHse. Der Bericht, cum der Jahrlätti
gant äbgetehtn, kann Kchon deshalb nicht ttimmen, weil Seiuf nicht tn Krtä
gang, sondern in der Kirche begrabm icar. Murer itl auch »ongt untuvtrtdUi
(vgl.Denifte in Z/da XIX, 348 A. 1). Ober die Veihandlungm dt«J\ '
lees vgl. IVeycrmann 503ff. lAantUge aus drr Korretjiondem i
Hitchof und Halt; Git/el im Diöt.-Archiv on Schwnben II, fiS/. «I
KUrchtr 191/., 304. Di* Vermittltr machten neilrna der Kalholittn i
Dekan de« Chorherrnsti/ts Wtngen Georg l-'bdrrlt und der ICaUherr Jah*
Adam Kitidrn. Buchiniller erklärte bei Meiner Vernehmung durch den S
man habe geinmeit (altu ror aber 60 Jahren) tttiir einen Leichnam gt/imi
aber nicht im Krtuegang, sondern in der alten Kirchs, der Habit »
Scustia Trid unil Xadinihm. Ikano^aphUcheB. 139*
fiwmck 1613 der Leichtuim Setises wohlhe/ialten und lieblich duftend
/t/iindm iconfen sein soll. Die Hemii/iuit^di des Konstnnzer Bischofs
Inrrn Johann foh Prnssherg im Ja/ire 1668, genaueren darüber su
trftthren und ilen angeblich gefundenfn Leichnam aufgeliefert zu
erkalten, sc/tlvgen fehl. Ebenso erfolglos waren die Nachgrabungen,
fttehe eeraiislaltet wurden, als Ulm im spanischen Erbfulgekrieg 1702
ttrübergekend nm den Bayern und Franzosen besetzt wnr'). Als
lS9ti in dem neben dei' Sakrintei gelegenen Räume, der ohne
rruad schfin Susokoj/elle genannt wurde, aiUäsalieh der Einrichtung
Heizanlage Grabarbeilen lomahm und unter dem Bilde eines
totniniktriiera, dos sich um Schlussstein des Oewölbes befindet, Gebeine
'undiTH wurdett, tauchte die Meinung auf man sei auf Semes
\rabstätte gestossen. Dans diese Annahme nicht richtig sein kann,
schon aus dem Gesagten hervor, und sie ist nuch von sachver-
Madiger Seite sofort in überzeugender H"e/*e zurückgewiesen worden').
Über Aussehen und Gestalt Seuses ist nichts überliefert und
»sowenig besitzen wir ein beglaubigtes Porträt van ihm; dass die
trstHlungen nvf den Bildern des Exetnplars fceiiw Portrillähnlichkeit
bntef», bedarf in Anbetracht der Art und Zeit ihrer Entstehung
Wws Beweises. Einiges ikonographisehen Material zu Seuse wurde
fcfc>M oben S. ßi*f beigebracht, wozu nachzutragen ist, dass Mone')
1/ ein weiteres Ejremplar eines brmfilten Sensefiolzschnittes auf-
■•«»«, dt Leichnam aber rcitecxt und ohne liehlichtn Grrueh. AuJ' Antrag
f aa.ngtli*chen (fritütchkat, von dtr ein (futacJUim eingtholt murdc, »ehlug
V fiel itcM Billgesaeh dt» Biachafg nb.
'1 Vgl. W lytrmaun bOäf. und W. Braun in sriner Aaagabe des
y. llJM) IL. Der Kurfflr»t Max Emmanuel nun Bnyem aehrifh am
*. FOr. 1704 an den Slsc/wf von K,mstam Marquard Kailolf von ICoth 'i<
"mr AngtSrgtnheil {vgl. Gie/el <i. n. 0.691. Auch IITG, id» rinr KaptlU
* Ktrehe ahgffieoehtn ward«, eulUn dir Kalhotiktn uachgcgrahtn liitli<n
'^lytrmann äOT.l.
*1 Vffl. namentlic/i ,Drutschis VoUi»l'lall' vom 1!/. August JS9ii. Mit
Kht sahen Grüneisen und Mauch (Uims Kumttebtn im MUielaiiei-
I, 13) in dem Bild ein PorirUt ü'tasis und nannU tetiterer (Mut. des l'treiiis
iiMst u. Alt. is:4, 24) jenen gmoMbten Kaum SusokapeOe. Daa Bild, einen
HiMiifincr darsttlUnd mit IltiUgmsc/irin, einer .Somic M^f' der Brasi und
fc* Mir Hostie in drr itehlm Band, dürfte viel richtiger auf Thomas mii
• t» betithen »ein .• es gah in drr 'Tal in der 2*redlgtrkirche eine ,capMt
■ de Aquiao' (Komb eck a. a. '). 171.
') Qnethnnammtung 11, Iö7 Ahm. TJnx Bild ixt in die Basler Üb.
IX' S von Meyers I.iber de dlunli: viria II. I'r einykleht.
140* Biiildtuni,'. I[. Sfuse« Lebpu uml Werke,
7tterksam macht, mid dass mich Weifermann 507 ein Bild: Seui9
mit dem Muitogyamm IffS auf der Brust, unten den Hund mit
dem Ftisstuch und im Hintergrund Ulm darstellend, zu Augsburg'
bei Götz d?" Glttube.r in Kupfer gtf^tochen wurde. In Überlingen btt
finden sich noch drei von einander wenig verschieden« Seiiseportröfa '^
sämtlich Ölgemälde (Brustbild), welche Sense in der gewöhnliche»
Weise als Mann i'on mittlerem Alter, bärtig, mit gewinnenden ZügeHj
auf der Bnist das bekannte Monogramm und um das Haupt einen
Kram i-on Rosen, darstellen. Keines der Bilder geht aber über dnt-
17. Jh. hinaus, künstlerisch sind sie wertlos. Ahnlich verhält es sich
mit mehreren kleineren Seusebildern, welche sich noch jetzt im Domini-
lämerinnenkloster Zofingen zu Konstanz befinden, wo die Verehnatf
Sense» sich durch die Jahrhunderte erhalten hat; im Hintergrund
befindet sich auf einigen derselben das Konstamer Predigerklostef.
Ein Zeichen der hohen Wertschätzung, die man im Orden für Seuu
hegte, obwohl er noch nicht kanonisiert war, ist auch der Umstand,
dass auf den seit dem 15. Jh. Mufig sich findenden Dominikaner-
Stammbäumen unter wenigen deutschen Ordensmitg/iedern auch sfl'iM
Figur angebracht ist% Am interessantesten ist wohl ein bis jetzt uwü-
beachtetes Ölgemälde, das sich in der Sammlung des Herzogs ««'
Urach auf dem Schlosse Lichlenstein befindet (Nr. 43). Seuse ilt;
darauf in ganzer Figur mit Ueüigenschein auf Goldgrund gema^
bartlos, mit energischen Zügen, in der rechten Hand einen KroM
von Kosen, in der linken einen Griffel, mit dem er sich auf du
entblössten Brust den Namen IHS eingegraben hat. Das Bild stamm
aus der Ulmer Schule des ausgehenden 15, Jh. und ist etwas hand»,
werksmässig ausy^ührt.
In der modurnen religiösen Kunst wird Seuse geu-iiliniick
gebildet, nie er vor der himmlischen Weisheit kniet und das Mowf
gramm IHS auf der Brust trägt (ähnlich wie auch Bernarü
non Siena'%
') Zwei im KuHurhutoriachfu Mu»eum, einrt (dnt l/rsterhaltm«) im B<
gifte ton Stadtpfantr Hr. pon RäpiiUn. Es ist vohl mäglich, das» dem Mab
da» Bild bti Murrr i». ahm S. 6'.'.'* A. 1) als Vorlage gedient hat. Vgl.
die Bilder auch meine liarUgungin Hinl.-pol. hl. 1S02 II. 114/.: Ritr
l!>7ff.! Pregtr II, 3i9 A. 2; Peltif lOti.
') Einen solchen SUimmhaum voit 1473 {HoUichntW htschrüibt Sehn
a. a. <}. II, SOef. Nr. 17J6. In der filnflen Reihe nach Thomas ron Aguii
vor Margareta von Ungarn atehl Sets heinricus huäbp. Vgl, auch Pflttn
') Kraus a.a. 0. il, ],434.
Charakteristik von Seuses Person und Werken. Seine Lehre. 141*
IT. Charakteristik Ton Senses Person nnd Werken. Seine Lehre.
Blicken wir noch einmal zurück avf das einfache und doch so
reiche Leben Seuses und suchen wir uns ein einheitliches Bild von
seiner Persmüichkeit und seinen Werken zu machen^). Der alles
beherrschende Grundzug seines Wesens ist die Liebe, der Reichtum
mjMinnef (11,27 ), der nicht nur das eigene Limre erwärmt und ent-
sendet j sondern auch nach aussen überquillt^ um andere zu beglücken.
Seine ganze Eeligiosität ist von dieser Liebe gestaltet und durchgossen,
in seinen Schriften weht ein johanneischer Geist. Darum heisst er
mch mit Recht AmandfiSy der Liebetraute. Seuse hat aber seine
U(he nicht bloss in lyrischen Ergüssen ausgeatmet, sondern nach
dorre s^ schönem Wort episch sein Leben in ihr gefasst und dieses
Lefen zu einem grossen Epos der Gottesliebe ausgedichtet Nach all-
^meinem Urteil ist er der liebenswürdigste und anziehendste unter
ien deutschen Mystikern. Auf seinem Leben liegt der herzerquickende
Sonnenschein einer reinen, kindlichen Natur voll innerer Harmonie
deines unerschütterlichen Glaubens an Gott und die Menschen. Mit
^dch liebreicher Geschäftigkeit müht er sich ab, alles mit der Wärme
2« durchquellen und zu durchströmen, die ihn selber beseelt/ Wie
^Hsser andere zu trösten und aufzurichten ^ ob ihm auch da^ eigene
Berz verblutet! Man spricht von einer Mystik des Leidens^):
Sense ist einer ihrer edelsten Vertreter in Tat und Wort. Seine
Udme Vita ist unter dem Gesichtspunkt des Leidens geschrieboi,
«w wahre ,Hisioria calamitatum^ ; sie zeigt, wie die mystischen
^dengaben aus dem Mysterium des Leidens ßiessen. Vielleicht ist
nie schöneres über die läuternde und stählende Kraft des ,christ'
förmigen^ (145,4) Leidens geschrieben worden, als im 13. Kapitel
des Bdew, wo Seuse uns den Schatz des Leidens auf seh li esst ; es sind
icahrhaft ^goldene Worte, die nicht nur vom Standpunkt des mittel-
alterlichen Mönchtuins dieses Beiwort verdienen"*).
Als zweiter Grundzug in der Lidividualität des Mystikers lässt
Mich das tiefe Gemüt bezeichnen, das eine hervorstechende Eigenschaft
*) Zur Charakteristik Seuses vgl. besonders I* reg er II y 371 — 74;
Iiöhrinffer436—4t: Görres bei Diep. 117 ff, : Strauch in Alig. disch.
Biogr, 37 j 171 f.
s) Bei Diep. 1:20,
•) Vgl. Linsenmann in Theol. Quart alschr. 1SS:J, 65:2: P, W,
r<w» Keppl^r, Das Probletn des Leidens in der Moral -1904. 16ß\74; Joly
fl. o. O, 193 ff.; Böh ring er 405—7 , Ho rnack , Dogmengesch. IIP, 39^.
*) Strauch a. a, 0, 171.
142* Einleitung:. II. Seuses Leben und Werke.
des deutschen und speziell des schwäbischen StammescharaJcters ms(,
Den schwäbischen Dichtern von der Hohenstaufenzeit bis auf unsere
'Tage eignet jenes sinnige und sinnende Mitgefühl mit Natur tiud
Menschen, jene Herzens- und Blutwärme, die anzieht und sich ath
gezogen fühlt, gepaart mit Phantasie und poetischer Gestaltungskraft
und mit jener eigentümlichen Schwermut, die in der Tiefe der deut-
selten Volksseele wohnt^). Freilich wird die Empfindung auch manch-
mal zur Empfindsamkeit, das Weiche bekommt eitlen Anflug von
Sentimentalität. So ganz auch bei Seuse. Nicht ohne ein gewisses Hoch-
gffühl scheint er sich einen Sohn der schwäbischen Erde (TJi),
Schwaben sein Land zu nennen (26,3). Er ist wie seifie MuUer
ein Schwabe par excellence. Man hat mit Recht gesagt ^), dass dieur
unvergleichliche Mann des Gemütes in bezug auf die Überfülle i$t
Herzenszartheit und den lyrischen Schwung seines Denkens «urf
Fiihlens eigentlich nur einen Nebenbuhler hat — Franz vofi Asm.
Mit diesem teilt er auch die Liebe zur Natur, das sinnige L^
und Weberin in ihr. Auch im kleinsten Kreatiirlein sieht er eitit
Staffel, Gott zu nahen (455,18 f.), einen Abglanz von Gottes Schotir
heit. Lenzeswonne und Maienzanber, Vogelsang und Blumendufit
die Schönheit des gestirnten Himmels und die Majestät des GewitUrs
bringen ihm Entzücken^); ,aller Tierlein und Vögelein und Goittf
Kreatiirlein Mangel und Trauern* geht ihm an das Herz und vt
sucht ihm abzuhelfen, wie er nur immer kann (85,13 fi^.). Fiww
ynan schon d^en Satz aufgestellt hftt, erst die Eenaissafwe habe die
Natur entdeckt, so ist das nur in beschränktem Masse ricJitig; oueh
die deutschen Mgstiker, vor allem Sense, haben ihren Anteil an dir
Erschliessung der Natur für das Geistesauge, wenn auch zugegebe»
werden tniisSy dass ihre Palette noch ziemlich farbetiatyn ist und do-^
die Natur nicht an und für sichy sondern nur als Spiegel der Voll-
kommenheiten Gottes ihr Interesse fesselt^).
In der Stärke ron Seuses Charakter liegt aber doch in gewiss^
*) Vgl. e, li. die Charakteristik Hartmanns von Aue bei Saran, H, v. A^
nls Lyriker 1889y 96 f. : ferner R. Kraus s, Schwab. Lit.-Gesch. 1(1897) 11 f
-) A. M. Weiss, A])ologie des Christentums IIP (1897) 836.
^) Vgl. statt vieler Belege (namentlich die Briefe sind voll prilchii§(f
Xnturhildir), besonders 17,17 ff., 17:2,7 ff.. 304,13 ff., 406,15 ff., 409,14 ff., 426^ f
Nor. 56, 70, 137, 199.
*) Vgl A.Biese, Die Entioicklung des Naturgefühls 1889, 197; Zroui '
a. «. 0.11,3, 1, 19 ff. über Seuses XaturgefiÜd besonders Hintge (s.obt»
'S. fi7* A. 1) 36 ß. und Dnlgnirns, Th' Crerman mystics, in Dublin Review
44 (hS5ty) 96.
ChüTsktariHlik v
* Pef^im Bßd Werkeil. Seine Lehre.
pH mich »nieder mnt Schwäche: die Gefahr, der Gefiihlsichwäi'meret
wtrfalUn. In der Tut i-e.itnhsen wir bei ihm, wenigstem in seiner
Utreti Zeit, miluiUer den Hiichtemen Sinn, die Abgeklärtheit und
\A^ä8aige Haltung, und milttsen zuweilen ein alhustarkes Schwelgen
Se/ählen und Empfindungen, ein Schwanken zwischen entgegett-
atlen Stimmungen, eitte gewisse Ängstlichkeit und Verzagtheit, ein
rtgliges Jammern konstatieren. Aber doch wiirden wir ihm Unrecht
l woiUen ißir daritus, wie Seeberg^) tut, einen harten Vorwurf
(M ihn schmieden. Wenn man bedenkt, dass Seune in seinem
im Wesen eine geradezu Jungfräuliche Zartheit zeigt, dass seine
)ferliehe Kraft durch übertriebene Askese geschwächt war. nament-
^aber, dang dnm Mittelalter, und vollends eine so unmittelbare
iftr wie Seuse, an der auch giir nichts Gemachtes und Geziertes
I »larke Gefühlsäuseerungen liebte, — so werden wir eerstehen
\' «ntw/iutdigen. In tlem schwachen Körper wohnte doch eine
tcke Seele. Seuse ist eben in aOem, auch in dei- ,complexii)
ilitorum' seines Charakter.^, ein echter Sah» des Mitteloltrrs, einer
r reinsten Vertreter').
Der dritte Grundzug in Seuse-i Charakter, von dem vorigen
ich untrennbar, ist sein romantisch-ritterlicher Geist,
hier Mystik ist dies nichts Neues, Auch der wundersame Seilige
tAt»isi ist ganz durchdrungen von den ritterlichen Anschauungen
l Kreuzfahrerzeit, die er ins Religiöse überträgt und in lyrischen
IRK» zum Ausdruck bringt'). Selbst Frauen wie MecMhild von
') NamiitUeh S. Sl ff. seines Werkt». Seebfi-g äbertreibt öJUrs und tat
iiloriecheit Dingen »icht gtnüf/end wicntirrt. Er meint, Stiise habe e» nicht
k guthloMentn Einheit tiate grossen Charakttrs gebracht (S.S7) und ßnäel
ir .lehwilchh'ehe tiniickt Stimmung" hei ihm (3. 143).' Bau konfeasiontJU
mtut »1 gant unnötig stark hereingezogen. Wenn S. Hl ganc butondem da»
pUlrn Settact grgen seine Schwestur gctndtlt wird, dass er nämlich tutrtt
^ttnin Schmers und die Zerstörung seiner Ehre denke (Vüa 71,ä4ff.},
Uh dabei nickt berücksichtigt, das» die Atusserung de» Schmtrjts im Mittel-
w eine andtre war als hei modernen Menschen. Vieh Belege da/Or bietet
wßapptrt, i'btr den Atudruek de» geistigen SehmerBt» im Mittelalter,
mKM/tm der Akad. der Wis». au Wim, phU.-hi»t. Klasse V (18041 73 ff. .-
Ibm«A A.Schulti, Das höf. Leben II, 412: Schönbach, Hartmann
|u«< HS. Auch Maria lins» man stit dem 13./14. Jh. unter drm Kreuze
I «* lautem Klage- und Jammergeschrei ergehen (Minntb. S4ß,]6. 547,10;
'im X!f^ff. £70,10.- vgl. Zappert a. a. 0. 137/,).
, ■) ^a'- 'f"'«» a.a.O. V" (JS9S) SJ»; Eöhringer 440^ Strauch
I. 176.
[ ») Vgl. beeonder» G. Schnurfr, Krnns von As^isi ;«)5, l^iiff.
144* Einleitung. II. SeiiBcs Leiieu uud Werke.
Mof/debufi/ Ulla Gertrud d. Gr. zeiijen unter religiöser Hülle männlid
kriegerischen Geint und ihre Schriften stehen unter dem Zeichen d(
höfischen Kultur'). Noch weit mehr in( dies hei Se.use der Fii
Er verleugnet mich in keinem Stücke — selbst nicht in seinem Liri
lingmusruf: waffent — seine adelige Geburt und Erziehung. Mit
darf mit Strauch') sagen: „Die ritterliche Zeit spiegelt eich i
Setise besser wieder als bei irgend einem anderen Dichter der Ef
gonenzeit; der Glanz des BitteHums strahlt fast noch ebeimo ki
Im ihm leie in dessen schönsten Zeiten, die damals schon vergnnffi
waren'. Sein ganzes Leben hat Sense als geistliches Rittertum nig
gefasst, als Lehensdienst im Solde einer himmlischen Herrin,
ewigen Weisheit*). Von derselben ritterlich-romantischen Auffaititi
ist auch seine Marien Verehrung*) beseelt, die bei ihm eine griii»m
Rolle spielt als bat den anderen deutschen Mystikern. Er
von Jugend auf treuen ,Dien»f' der ,zarten, geblümten, rosigen Magi
(taUes Mutter' (110,29 f.), und zeichnet im Bdeic die ,süsse Königi
des himmlischen Landes' (243,1 f.) mit derselben ^kindlichen Innigkti
und mit dem gleichen engelsreinen A^ekl" *), w/e etwa später Stephai
Lochner seine Madonna im Rusrnhag oder Fra Ängelicn seine Madoniü
della Stella malt. Er beweist dadurch, wie tief und i-ein er dl
Ideal edler Weiblichkeit er/asst hat. Aus dem Marienkult eni
auch sein ritterliches Benehmen gegen die Frauen überhaupt: um dt
Gottesmutter willen bietet er allen Frauen, selbst dem ännlirh^
Weibe, gerne Zucht und Ehre (49,11 f., vgl. 133,9f. 2fi5,18/.).
W. Wackernagel'^) hat Seuse einen „Minnesänger
Prosa und auf geistlichem Gebiet" genannt und andere Liter
historiker'') haben dieses tretende Urteil übernommen. Er iit
') Vgl. tu Mtchtliild .Vlrau c h in Allg. dueh. Siogi: 31, 166; Miehm
a. a. 0. 191; gu Gurtrud H*i)tlal. I, 670 und Miehnel IHH. Kerner PtUti
a. n. (f. 184 f.
*) Allg. dtech. Biogr. 37, 17b.
") Vgl. oben S. 60', 75' und dniu IFriM a. n. 0. I* (1894) 722ff.
*.l Stutt folgt darin nur der Tradüion »eines Ordeiui, vgl. Greilh33Sf
Haurk, Kire/itngftch. Deutiehlands IV (1903) 395f. Die HauplMttUn *i
17,19ff, 3»,8ff., 3H,30ff., 41,iaff., 89,Sff.. 110,39ff., Ii7,12ff., 343,1 ff. und^
Konder* Itd^ui Kap. 16, IT, 19, SO (Hör. 137—48). Im Sinnt du hl. Ktmkal
nennt Snuir Maria Hne ,gnädige Mittlerin und Sßhnerin' tmtchen den Mm
und der einigen Weisheit <364,lf.), dar .mitttUone Mittel allr Sünder' (mS^,
f'hfT die Identifitierung Marias mit der ewigen Weiiiheit e, nhrn .S". SO*. TO*.
") Dtnifle 413 Ä. 1.
') Geirk. dei- denUchen Lit. /', 430.
') So namenllie/i tV.Sc/iert,- o.a. 0.:.:18.
CharakteriHlik lon Seuae« Pereou iind Werken, Seine Lehre. 145*
iir^K Poet, (jetiHuer ausgedrückt der Lt/riker unter den deutschen
ifyiiiktrn ') und mehr Dichter als mancher seiner verseschmiedetideu
BWj«ffos*e»; (M der Geschichte der deutschen Nationalliteratur Ver-
ität rr lUiher auch einen Ehrenplatz*). Seine geistliche Liebe ist
min Fonnen gekleidet, welche an die weltliche Liebeslyrik erinnern;
ist iiohl auch kaum zu bezweifeln, ditse er wie das hößsclie Epos "j
auch den Minne^sang, der in Schwaben ja ganz besonders zu Hause
V, gekannt luit und von ihm beinßuast wurde *). In jenen j'eurigen
orten, womit er die Junge, wohlgeborene Tochter', die ihr Herz
■tppige Minne verstrickt hafte, für Gottes Minne zu gewinnen sucht
W,loff,), spricht gleichzeitig der Minnesänger und der Mönch.
Ober seine Rede ist noch jetzt ein wunderbarer Zauber gebreitet, der
gtj'angen nimmt. Mehr noch als bei Mechthild von Magdeburg klingt
Sprache wie Musik, nie ist sie abstrakt und nüchtern, sondern
■ lebensfrisch, farbenreich und schwungvoll, voll treffender Ver-
und Bilder, nicht selten auch ron prägnanter Kürze, voll
') JÜtniJlc, Taulers Bthtbrung Ö5 sagt stoar, venu man nun nalie^u kim-
netl Seuee eum TJnteischied von den übrige» äeuteehm Myetiktrn als dtn
fltr dtr diehlerischtrt Hichtung der Mystik beeeiekne, so sei es an da-
diMM Urteii Sa korrigieren, denn TaMler sei nicht weniger poetisch als
d an Beiehtum der Phantasie könne sich Seuse mit Tauler nicM messen.
i u itt sehr fraglieh, ob Denifle imstande ist, die allffemeine Auffassung
ttosstn: er hat sein Urteil in seiner Seuseausgahe auch nicht unederhoU.
r ist gtteiss nicht in gleichen Masse Momaatiker uiui Lyriker uu'e Sense,
k*i[rt nicht dessen Kraß, das gante Leben poetisch su verklären und in
«cA gsluAtner Sprache darrustctitn, seine Bilder sind äsllirlisch Keniger
h mkJ nicht so abgerundet.
') Vgl. e. S. seiius learme Würdigung bei Scher er a. a. O. ä38f. und
rrt Vogt in B. Paula Grundriss der german. Philal. II' (19(11) 357 f.
l'OHcA, Ällg. dtsch. Bingr. 37, 176 nmnt Seuse geradezu den „letslen
^tachdeuiachm Dichter, mit dem die Periode abschliesst", und Vogt
ii. 0.357 meint, Seusss Vita sei wo/il das poesitvoOste Prosadeukmal der
tmodt.
1 Vgl. die An», ru 56,5f. 113,16 und nammtlich Rar. 18 (schon S. 76'
i liüerlt. Cl'tr Kenntnis der Artussagi in geistlichen Kreisen vgl. Schein-
(A, Üarfmattn von Aue 446 f.
'\ J/itsBT Einflnsa verrSt sich besonders in seinen Natarschilderungen, in
I Ytrkindung nrin iVühling und Liebe, Winter und Trauer, in dem Apparat
r Btider und Vergleiche ( Vögel, Blumen, Tant und Spiel uate.). Bei Vita
7jf. arird man an die geistlichen 'Tagelieder erinnert. Der bekannte term.
m, fir Abfassung und Vortrag Igriseher Poesien: Bbgen und eagea begegnet
ferlmlt M Seuse (15,6. 6e,ti. 610,61.
n. Saaia, ßnUohi SsbrirtEB. 10*
1
,-lJ
I
146* Einleitung. U. Seuses Leben und Werke.
Salz und Sinnigkeit ^). Senses Werke bezeichnen einen Höhepunkt
der deutschen mittelalterlichen Prosa; das alemannische Idiom ist
darin in seiner ganzen Biegsamkeit und Fülle angewandt ohne alle
Manieriertheit und Künstelei , in naiver, unbewusster Schönheit').
Man hat schon oft rühmend hervorgehoben, loelche Bedeutung det^
defftscheti Mystikern zur Ausbildung einer guten deutschen Prosr^
zukamy und wie sie es verstanden haben, auch das Abstrakteste i^
deutscher Zunge treffend wiederzugeben^), Sense hat seinen woi
gemessenen Anteil an diesem Verdienste. Nicht als ob er eigentiit
ein sprachschöpferisches Genie gewesen, allein er hat es wie ke^g:^
zweiter verstanden, auch die feinsten Nuancen des Empfindungslebe-^^i^
treffend und plastisch in einer anmutigen laui bilderreichen Sprac^^
auszudrücken, welche in der Seele des Hörers oder Lesers unwillkürl£cA
ähnliche Envpfindmigen auslöst. Als Virtuose des religiösen GefUJUs
hat er das Wort seinen innersten Anschauungen und Empfituluttpen
*) Vgl seine schönen Wortspiele, z. B. 174,9 f., 221,1 f,, 234,13 ff,, 249;i2f,,
269,10 f,, 299,0 f., 312,31 f., 431,23 f., 433,17, 455,21 ff., 462,t 5 f,, 463,21, 478ßf,;
ferner den häufigen Gebrauch von Sprichwörtern und Sentenzen, so e, B, ISßff*^
384,12f,, 407,19, 420,19, 424,13. 441,12/,, 445,18, 460,9f., 462,5/., 463,17/.,
23/,, 464,26, 483,16. ö 15,20, 535,19/ Birling er /ührt in Alemannia 1877,
56/, 14 Sprüche aus dem Bdetc an. In Seuses Rede bricht nicht selten dit
Heim durch (z, B. 224,16 ff,) und Assonanzen sind sehr häufig; er Uebt «
namentlich, den Schluss eines Abschnittes, z, B, in den Briefen 437,13. 458,6 ft
460,29/, 477,5 durch Reim zu bezeichnen. Über den Gehrauch des Beimts •»
den deutschen Preditjten des Mittelalters vgl, Wackernagel, Altdeutsek
Fred. 324/
-) Seuse selbst schätzt seine schri/tslellerische Kunst und die Ausdruck»'
fähifjkdt des Deutschen gering ein (Bdew 199,14 ff, ; vgl. oben S, 105*); das LaU^
stand ehrn den Theologen im Mittelalter immer hoch über den Vulgärsprach0»
^) Vgl, namentlich P/ei//er in seiner Ausgabe der deutschen Theclogi^
und in Germania III, 409: Wackernagel, Lit.-Gesch. /', 423; Fregtf
in der Ausgabe des Minneb, 132 ff. Über Seuse speziell: P reg er a,a, 0.437f»t
B ö h r i n g er 441 : Seebe rg 71 /, Auf Einzdunt-^rsuchung kann hier nkM
eingegangen wirden. Ga/enübcr Kramm in Z/dph XVI, Iff. hat DenijU
im Archiv II, 42-1/ davor gewarnt, die Verdeutschung der scholastischen Kw^
ausdrücke durch die Mt/fftiktr allsuhoch anzuschlagen. Zu gründlicher UnUf*
sachung sind bis jetzt aber kaum die ersten An/änge gemacht (vgl, ainA
Jostes n. n. (). [s, S. l.'f* l VIII /.). Auch ist noch nicht er/orscM, toeldbOl
Antfil die Predigt der Beitelniönche und die Mgstik an der Überführung iä
deutschen S/trache aus der rittvrlich'hofischen Welt in die bürgerlich^ theologiitk
Sphäre im sptftercn Mittelalter gehabt hat (vgL den Bedeutungswandel k.
Wörtern wie guot, milt, tuginthn/t usw.).
Charakteristik von Seuses Person und Werken. Seine Lehre. 147*
f(/ebildet %ind mitunter auch in 7ieuen Formen denselben dienstbar
mcht *).
Nicht sehr viel ist über Seuses Lehre zu sagen^). Durch
i^che Zergliederung und systematische Zusammenfassung laufen
e gottinnigen Gedanken Gefahr, den lieblichen Zauber, der über
ausgegossen ist, zu verlieren. Seuse will mehr nachempßoiden
genossen, als verstandesgemäss aufgefasst sein. Seine spekulativen
'anken entwickelt er in den letzten acht Kapiteln der Vita und
Bdw, seine Grundsätze über das asketische wnd mystische Leben
iuiers im Bdew, in den Briefen und Predigten. Um ein zu-
menhängendes, methodisch durchgeführtes System handelt es sich
ihm weder in der spekidativen noch in der praktischen Mystik,
keiner von beiden Beziehungen kann er eigentlich originell oder
nhrechend genannt werden : er trägt das von Väterzeiten her Über-
h'te und durch die Scholastik systematisch Bearbeitete mit grosser
Mi vor und macht kaum einen Versuch, darüber hinauszukommoi,
ue ist in allem der getreue Gefolgstnann seines Ordenslehrers
') Einzelne Beispiele bei Prep er a, a, (), 43b, Surius in der Vorrede
^tr lateinischen ühersetsung (Köln 1655, 5) urteilt über Seuses Sprache:
•wo eiiis Germanicus magnam habet gratianij adeo ut Latino sermone eam
^(qui non potuerim. W, von Scholz als moderner Dichter schreibt in der Vor-
\^ seiner Auswahl (s, u.) S. IX f.: „Ein Dichter spricht ^ ein starker Beweger
Hnr schönen, anschaulichen, gedanklich nicht zersetzten^ reichen alten Sprache^
Mann, der zu dieser Sprache von Geburt an begabt ist, dem selbst Gedanken
ft naturgetnäss leuchtende Anschauung, Vision werden . . . SuSo ist vielleicht
n ganzer Erzühlungskänstler : er sieht als Erzähler über das einzelne Erlehnis
ht weit hinaus. Aber das weiss er mit Kunst aufzurollen. Wo die ruhigere
Mlung zum Ereignis zusarnmendrcingt, da fosst ihn im lebhaften Vergegen-
rtigen der Rhythmus de.s Geschehens selbst. Sein Aietn geht rascher, seine
ize werden knapper, seine innere Anschauung reiht hart Moment an Moment'*
l. Knp, 26 der Vita). Wie vid die Modernen in sprachlicher Hinsicht an
i deutschen Mystikern lernen können, zeigt z. B. P. Ernst, Der Weg zur
^fli. ästhetische Abhandlungen WOd,
^ Seuses Lehre etitwickeln, frdlich zum Ttil nicht immer richtig, weil
".genügende Kenntnis der Scholastik: F reg er II, 375—415: Schmidt
-85; Böhringer 365— 4:H; Volkmann 4<S—6:?: Greith 303— S5,
itrre Aufschlüsse findet man in Denifles ireß'Uchem Kommentar, Eine
' Entwicklung der Hauptgedank(n der ikutsrhvn Mystik, die auch auf Seuse
endbar ist, bei Krebs , Meister JJietrich 1:?T — 34 . T h omasi us-Se cbcr g
0, 290-315.
148* Einleitung. IL Seuses Leben und Werke.
Thomas von Aquin ^), den er aufs höchste verehrt (vgl. oben S, 3o
87* A. 2). Daneben ist er freilich auch Schiller Eckhartt*^, aüei
er folgt dem Meister nur so weit, als die strenge kirchliche Lehr
mit sei)ien Aufstellungen harmoniert^), und vermeidet sorgfältig un
mit Glück die Klippen, an denen jener gescheitert. Von Pantheismu
oder Quietismus kann bei Seuse keine Rede sein; er hält in seinei
Weltbilde die Immanenz und Transzendenz Gottes fest und verteidig
den Begharden gegenüber den wesentlichen Unterschied zwischen Goi
und der Menschens^ele auch in der höchsten Beschauung (vgl. 3 50 ,21 ff
354,13ff.).
Li einer Hinsicht ist Seuse jedoch durch und durch origind
in der Art, tvie er die mystische Lehre vor allem auf sich selb-
angewandt und sich zu einem durchgeübten Geistesmann herangebilc:
hat. Er wirkt mehr durch das, ivas er selbst war, als durch d^
was er tat und lehrte. Seuse ist auch der einzige deutsche Mgstih^i
von dessen Persönlichkeit wir uns ein ganz klares, scharfumrissea
Bild machen hönnen. Weit mehr als bei Eckhart und Tauler, vo
denen wir überhaupt nicht sicher wissen, ob sie auch pi-aktischt
Mystiker waren, steht bei Seuse die mystische Devotion, das innere
Erleben im Vordergrund und beeinflusst auch seine Spekulation*),
Auch wo er sich mit mehr theoretischen Fragen befasst, hat er stets
praktische Ziele: Unterweisung der fortgeschritteneren Gottesfreunde
oder Polemik gegen irrtümliche Atiffassungen, im Auge, Sein Ver-
« »
^) Über die strittige Stelle zu Beginn von Kaj>. 51 der Vita, wo Seus€
in der Frage der Gotleserkenntnis sich zuerst der ältei-en FranziskanerschuU
und Eckhart angeschlossen zu haben scheint, vgl. oben S, 34* f,
*) Stdrker benutzt ist Eckhart namentlich in Kap, 5Ü der Vita ; vgl, aucf
Bdw Kap. 1 und 6, Vita 170,7 f. ist der pseudoeckhartische Traktat ,Schicest^
Katrei* bezic, seine Quelle benutzt; vgl. dazu auch Krebs, Meister iJietrici
U4 A, 1.
°) Daher betont Seuse in den Prologen seiner Schriften ('5,4?i. 197,15 ß
328,2 ff., Hör, 13) immer ganz besonders die Zusammenstimmung mit der ^eüig^^
Schrift^ (svriptura sacra im weiteren Sinne gebraucht, vgl, die Anm, zu 107,20)*
*) K, Müller in Zeitschr.f, Kirche ngesch. VII (1885) 116 ff. (vgl. aud^
ThomasiuS'Seeberg a, a, 0, :J91; Deniflc im Archiv II, 526 f.) betOfU
mit Hecht, dass Pregers Darstellung, tcelche sich vornehmlich, ja fast au^
schliesslich für die dogmen- und lUerargeschichtUche Seite der Mystik intertssiertt
den eigentlichen Kernpunkt derselben sticht treffe: das eigentümliche in dit
deutschen Mystik sei nicht die „Lehre^, in der sie sich zugestandenertnastm
ganz auf dem Boden der Scholastik bewege, sondern die mystische Devation im
weitesten Sinne des Wortes. Das trifft ganz besonders auf Seuse zu.
Charakteristik von Seuses Person und Werken. Seine Lehre. 149"'
hältm zu Eckhart und Tauler pflegt man gewöhnlich in die Forfnel
:us(mmen2ufassen, dass Eckhart die Mystik vormegend von der Seite
der Erkenntnis, Tauler von der Seite des Willens, Seuse aber von
der Seite des Gefühls erfasst habe ^). Wie alle Vergleiche so hat
auch dieser seine Schwächen, wenngleich er in der Hauptsache zweifellos
das richtige trifft An spekulativer Kraft steht Seuse Eckhart jeden-
falk nicht gleich, obwohl seine Begabung auch nach dieser Seite hin
nicht unterschätzt werden darf^, an Gemütsinnigkeit und dichterischem
Sinne steht er über Tatäer, der ihn aber seinerseits an Klarheit und
jh'aktischer Erfassung aller Verhältnisse des Lebens, wie an edlem,
eindringlichem Pathos übertrifft. Wie bei jenen beiden Koryphäen
(kr deutschen Mystik bildet auch bei Seuse die areopagitische Form
der Mystik, die durch die Viktoriner erneuert worden war, das
Knochengerüst seiner Spekulation, aber mehr noch als sie belebt
und erfrischt er dieselbe durch die bernhardinische Art der Frömmig-
Wf, die in der bräutlichen Liebe zu Jesus gipfelt^). Der Grund-
jedanke seiner Mystik kann 7Ücht besser und bündiger ausgedrückt
werden, als er es selbst tut mit den Worten (168,9 f): ,ein gelassener
Hemch muss entbildet werden von der Kreatur, gebildet werden mit
Christo und überbildet in der Gottheit*,
Seuses Gelehrsamkeit geht nicht über das im Zeitalter der
Scholastik gewöhnliche Mass hinaus^), Seinai Aristoteles hat er
'ßt Elidiert und zitiert ihn gerne als jhohen' oder ,weisen* Meister
^^"^1,12, 177,15, 388,3, 428,1). Als Kronzeuge seiner Spekulation figu-
^'•^rtder ,lichte' Dionysius (190,4. 390,1. 471,6). Er kennt und be-
'^''izt auch Boethius, unter den Kirchenvätern besonders Augustin
f^'id Gregor d. Gr,; unter den mittelalterlichen Theologen haben ihn
'^omentlich der ^süsse Herr Sankt Bernhard' (254,17) und ,das
^l^m Licht, der liebe Sankt Thomas, der Lehrer' (180,16 f.), zum
^^'tl auch Bonaventura (vgl, Vita Kap. 51) heeinßusst. Noch
^) Vgl. Wackernagel, Altdeutsche Pred. 4ol ; P reger II, 373 : G reit h
''^V"..' Strauch, Allg. dtsch, Biogr, 37, 176,
-) Unrichtig sagt Schmidt bSOf,: „Seu.sc konnte haum zu einem Ge-
timtken kommen, der nicht unter sichtbanr Gestalt seiner Phantasie erschien . . .
Iffii'um will ihm auch d<i8 Philosophieren nicht gelingen.'"
*) Vgl, besonders K. Müller. Kirchen gesch. II, 1 (hs97) 38 f.; Loofs,
Leitfaden der iJogmengesch, ^1906, ti3()f. : Ilar nach , iJogmengesrh. Iir\ 396 f,
.*) In naturwissenschaftlichen ( rgl. z. B. l'^,6f., 99,:Jff.. ii(>6,:*4f.) and
hi^orischen (vgl. die Legenden von J. Chrgsostomus, Paulus und Ljnatius,
Vita Ö0f2^ff.: Bfb 392,!^ l ff,) Dingen zeigt er dir ganze Kaivdc'it seiner Zeit,
150* Einleitung. IL Seuses Leben und Werke.
viel weniger cds bei irgend einem anderen deutschen Mystiker könnet
hei ihm vorreformatorische Tendenzen, eine ,evangelische Grundrichtung
nachgewiesen werden^); er ist ganz und gar katholisch und mit alle^
Fasern auf dem Boden mittelalterlichen Kirchen- und Christentum
festgewachsen. Wenn er manche Formen der kirchlichen trömmigke
verinnerlicht und ihnen die Glut seines Lebens eingehaucht hat ^, «.
ist das sein persönliches Verdienst, das ihn aber in keiner \Ve^
über seine Zeit hinaushebt,
T. Nachwirkung Senses in der Literatur.
Seuses Werke waren nicht bloss zu seiner Zeit, sondern a-94
in den folgenden Jahrhunderten sehr beliebt^) und viel gelesen;
haben dementsprechend auf die spätere geistliche Literatur einen tttc
unbedeutenden Einfluss ausgeübt, der freilich im einzelnen oft schice
nachzuweisen ist*). Manche Verfasser von asketischen Traktaten uttt
Briefeti, sowie Prediger des 14, und 15. Jh, haben Seuse benutzt
und oft fnehr oder weniger wörtlich Teile aus ihm herüber genommen %
^) Die Versuche hei Volk mann 30 f,; Albert a. a, 0, Uly 100 ff, ;
Lechler, Wiclif I (1873) lüO f. sind hinfällig; vgl. dagegen JDenifUBdS
A,5; Schmidt 892: Seeberg4Sf.;Thomasiu8-Seeberg a. a. 0. 299 A, i-
2) Vgl I' reg er II, 372,
=) Vgl. die Schreiber notiz in Hs. M (s. oben S. 10*) : ich han den Sysseo
lieb von hertzen und eine ähnliche Bemerkung von einer Hand des 16.116. Jh
auf dem letzten Blatte eines Exemplars des Druckes von 1462 (in der K^*
Landtsbibliothek zu Stuttgart): man soll das mit gülden pnchstaben schreibei
prueder . . . (das folgende teils unleserlich, teils ioeggeschnitten).
0 Vgl, Strauch in Allg, dt seh. Biogr, 37, 178: „es wäre eine danken J^
werte Aufgabe, dieses Nachwirken einmal im Zusammenhange zu vmfdlgcf*'
Auf Vollständigkeit kann es hier nicht abgesehen sein.
'^) Benützungen von geringerer Bedeutung seien hier summarisch auj
geführt : die Verfasserin des Traktates ,Buch der göttlichen Liebe* in der Et'*
Siedler Es. 762 (vgl Simon a. a. O. [s. oben S. ö* A. 1] 31 ff.) hat SeuS^
Vita und Bdew mehrfach benutzt ; in einer asketischen Schrift über G$duld '*
Leiden, Kolir.ar Hs. 332 und Zürich, SiadtbibL Hs. C 127 (beide 15. Jh},
ßndffn sich Stücke aus dem Bdew ; in der Maihinger Hs. III 1. 4^ 3. ist i^
l^assionshetrachtungen einiges aus Vita und Bdew verwoben, und ähnlich auch »*
Cod. Nori?nh. Cent. IV, 30; die 100 Betrachtungen sind benütgt beere, nax^
geahmt in Cod. Berol. germ. oct. 42 und Cod. Norimb. Cent. VI, 63 und VII, Si
(lOff Artikel, von Lesemeister Gerhart zu Unttrlinden 1426 gepredigt); in der
Maihinger Hs. 111 1. 4" 8. Bl. 179—94 ein Brief mit dem Motto ,Habitchii
lujms' ähnlich demjenigen von Seuse. Auf weitere Benützungen Seuses (n Ha.
zu Berlin, Cnes, >/. Güllen, Nürnberg ist schon oben S. 22*, 26* und 26* auf'
merksam gemacht worden.
Nachwirkung Seuses in der Literatur. 151*
Die Benützung von Bdew 232,16 f. und Brief Audi fili 437,16 ff.
durch Rulman Merswin^) ist im Kommentar zu diesen Stellen
erwähnt; in dem Schürebrandtraktat (ed. Strauch 50,14), der zur
GotiesfreundJiteratur gehört, werden die zwei angeredeten Nonnen
auf die Schriften der hl. Kirchenväter und der ,erleuchteten Gottes-
freunde' Tatder und Seuse hingewiesen *). Die schöne Parabel von
der Ewigkeit (das Vöglein, das alle hundertausend Jahre ein kleims
Körnlein vom Berge abbeisst), wohl erstmals durch Seuse in die
Literatur eingeführt, findet sich bis ins 18. Jh. sehr häufig in ver-
schiedener Variation in poetischen und prosaischen Werken (vgl. den
zu 239,12 ff. zitierten Aufsatz R, Köhlers), Möglicherweise ist
auch der Gebrauch des Wortes ,Fusstuch* (^8,7 u. ö., vgl. das Register)
zur Bezeichnung des geduldigen Leidens ohne allen Widerspruch
durch ihn aufgekommen ^). Der unbekannte Verfasser eines Lehr-
<!fstems der deutschen Mystik (bei Greith 96 — 202), welches teils
ms älteren Theologen, teils aus verschiedenen deutschen Mystikern
des 14. Jh. zusammengefügt ist, hat aus Seti^es Vita und Bdw grössere
Abschnitte wöHlich entlehnt, ohne seinen Namen zu yiennen *). Ehen-
^) Dass das Buch von den neun Felsen^ das bis neuestens vielfach Seuse
^^fschrieben und in die Ausgaben seiner Werke aufgenommen wurde ^ vicht
'■'>n ihm stammt ^ braucht jetzt nicht mehr bemesen zu werden, ,^Soivohl der
fimertn Form wie dem inneren Geiste nach herrscht zwischen ihm und den
^kten Schriften Seuses ein wesentlicher Unterschied, und zwar ein so fjcvjaUiycr^
^t smschen Seuse und Bulman Merswin^' (Denifle XII). iJem letzteren ist
strotz der Bestreitung durch Bieder (Der Gottesfreund vom Oberland, Hne
Erfindung des Johanniterbruders Nikolaus von Löwen 19fJÖ, 98 ff.) allem nach
immer noch zuzuschreiben (vgl, gegen Bieder namentlich Strauch in Zfdph
^^^ 121 ff.). Über Komposition und Quellen des Traktates vgl, die eindringen-
^ Untersuchungen Strauchs in Zfdph 1902, 235—311,
*) In dem noch ungedruckten Gottesfreundtraktat: Leben zweier heiliger
^iosterfrauen in Bayern (Margareta und Katharina) Jindet sich eine Vision,
*ti der beide Frauen mit roten Bosenkränzen geschmückt erscheinen (Strauch
^ Healenzykl, f. Protest, Theoh XVIP, 210,15 f: vgl, ebd, 212,23 ; 216,40), und
'Mich im Zweimannenbuch ed. Laudiert 1S96, 12,10 und in einem Briefe
^^-i Gott^sfreundes bei Bieder a. a. (K 109*, 42; offenbar isf Seat-e {vgl. die
Stellen oben S. fiO*) Vorbild gewesen,
^) Es findet sich z. B. in den Viten von Tnss <s. oben S. I2ti'" A, Ij, in
Ittiysbroeks ,Buch von zwölf Tugtnden^ (vgl. Böhringcr ülo) und hei higolt
(Goldenes Spiel ed, Schröder 15,10 L
*) Bei Greith 123, 126, 129 ff., 152 ff., 174. Cbn- diisr Kompilation, die
Greith viel zu hoch eingeschätzt hat, vgl. M. Pahncke , Untersuch ungtn zu
den deutschen Predigten M, Kckharts. l)iss. llalU 1905, 6 ff. ; Knhs.
152* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
falls noch ins 14. Jh. gehört d-er süddeutsche Prediger, dessen Sammel
werk: Sermones de tempore et de sanctis, das im 15, ufid 16. Jh
häufig gedmckt und fälschlich Albert dsm Gr. zugeschrieben wurds
einigetnnl Seuf^es Hör. zitiert^).
Es ist bekannt, dass die asketische Literatur am Ausgang de^
14. und im 15. Jh. an Originalität und Tiefe gegenüber der voran
gehenden Periode bedeutend abnimmt; sie gebraucht zwar noch viel
fach Wendungen der deutschen Mystik und benützt deren Erzeugnisse
aber ohne imstande zu sein, ihrem hohen Gedxinkemchwung zu folgen
und ihre poesievolle Redeweise nachzuahmen. Der Basler Minor^
Otto von Passau zeigt sich in seiner Schrift: yDie 24 Alten od ^
der goldene Thron', die er für Gottesfreunde verfasst hat (ca. 138^
inhaltlich von den deutschen Mystikern nicht unberührt, aber er ziti ^
sie nicht '^). Die Abhandhnig seine.^ Ordensgenossen Markus ^-
Lindau (f 1392) über die zehn Gebote^ die ebenfalls vornehmt r'i
die Gottesfreunde berücksichtigt uml in Nonnenklöstern riel gele^
wurde, streut einige Male Zitate aus dem Hör. ein ^). Wärmer stm
die Beziehungen des Dominikaners Joh. Nider (f 1438) zu Seme,
zwar nicht so sehr in seiner Erbauungsschrift : ,Die 24 goldenen
]Tarfen% wiewohl er ihn auch hier in der Vorrede und sonst einigt
Male zitiert, als vielmehr in den schon oben S, 20* erwähnten an-
gedruckten geistlichen Briefen an Klosterfrauen, die einen recht herz-
liehen Ton anschlagen *), und in einer ebenfalls, wie es scheint, bis
jetzt unbekannt gebliebenen Anweistmg für seine geistlichen Kinder?
yWie sie sich der ewigen Weisheit vennählen sollen^ (in der Karl^'
rnher Hs. Cod. St. Georg. Genn. 103 Bl. 138—54 [von 1572, au^
]\[t^i.st*r Dietrich 217*, :J:^l*. Eim- bessere und vollständigere Hs, in Zurief*
Stadihihl. C WS'\
^) Vgl. Crui'l n. a. 0. 3<i:J : J. i ns e um (i yr r a. a. 0. 401 ff.
') Vgl. Strauch in Allg. dlsch. Biogr. i*4, 741 ff : Deutsch in Real'
enzyklop* f. prntcst. Theol. XIV \ f):i7ff.
•') Vgl. Cruel a. a. O. 40 J : Gcffckvu. Der Bilderkatechismus dtf
i:>. Jii. isö:k ijjff. 109 f.
') iJicsclhen sind icohl nacfi Schönnistfinhaih im El sass gerichtet, wenigsUm
irird in den ron ./. Mei/tr henrheiiitcn Sc.Jiöm-nsteinhav.her Viten (s. oben S. 19*
A. Ji g^'sagtf Xidt'r hnhe an die SchtiKsfirn, deren ]'icanus er war (vgl. auch
Schirltr a. (i. 0, 141 ff.), r/f/c' Brirfe geschrivhcn, die noch in einem Budu
crha/fcu seitn. iJtr <cht Senstsc/n' Ausruf .Waff'rtr kehrt in den Briefm
mt'hnunls irif.der. Zirii an Scusv tr.innernde liriefv htzir. Predigten von Nidtr
ührr d'e Texte ,Xif/ra sum' und ,OscuUtur mr in (U)d. Xorimh. Cent, VII, 2X^
Bl 105- VJ.
Nac-hwirkune Seusea in d^r Literatur. 153*
Klwter Urnpring], v(/l. Lffnghts Kotftlog 79), die ersicktiich
Bnw nachahmt '). Der Geist S»«omaeher Denotion, den Nider in
im FraMeniUöstem seinen Ordens anzufachen nuchte, findet sich in
zweiUn Hälfte des 15. J}>. iw anziehender Foiin ganz besonders
der Abtisfin den Klansnenklosters (Bickenkhster) zu Villingen,
iSuula Haider aus Letttkirch (f U98). Die edle Frau, eine
titr M^stikerin, hemnyebHikt in de>- Schule der El^Acih von Beute,
ihren Andachten, Vinionen und Offenbarungen, über die tde
mdjge Aufzeichnungen hinterlassen haf). stark von Seuse be-
Auch ein schönes geistliches Lied der Äbtissin eon Frauen-
Katharina ton Senuhingen (1518), weist Erinnerungen an die
'^Oüre des My*tikers auf^).
Bcfonilers lebhaft u!(ir die Verehrung für Seuseg Person und
\trke auch in den religös angeregten Kreisen der Niederlande (vgl.
S. 138*). Zwar hat die Forschung das Ver/iältnis der nieder-
iMtwAeM Mgstik zur oberdeutüchen noch Kenig aufzuheUen vermocht,
"wi persönliche Berührung und Ideenaustausch, sei es milndlick
B" durch Übersendung von Briefen und Schriften, lässt sich nwhr-
ii konstatieren. Der grosse flämische Mystiker Buysbroek
liHlf ist sicher von Eckhart beeinflusst worden; vielleicht hat er
t Meister selbst noch in Köln gehört und 6« dieser Gelegenheit
ri TaaUr und Seuse kennen gelernt. Bei seinen Fahrten in die
"MedanJe (s- oben S. 112*) maij der schwäbische Mi/stiker auch
') Et wird im nntelffn dwv/ii/efährt, wir die Nonnen du geiMichta
^pptlin' au* aÜfrlei Btamm wriudra sollen (vgl. dazu Vita Kap. 8 und 12).
^fmaiUrh Hamm! tin* in derselbtii Ui. Bl. 3U9—i07 btfindlickt Bearbeitung
Bndtnek»/) der etoigen Wäakeit, in die vtrschirdenes aus der Viia und
i"* Sehri/Ieti Stusis hineingtarb^H ist, ehenfalU von Nidcr.
') Aufgeao'nmen tn dir Chronik des Bickenl-losterg, hr/g. von Glntt
.Vtrmt 1611 1S83. Vgl. darin S.^äf. dii Vision vom Rosenstrauch, 41 ff.
ftdnmg der aeigen Weühsit (nach Art von Seiuea .Bruderschaft'), 67 Er-
'iiUnjf Marias: 112, 1S8, 130, 13ii, 14t) eimetne Htminisafneen an S^use.
'l S*i Orrilh aasff.: Damarit ISÜii, 33ä. Die Vnse: Du hast die ro«
ISeket, JesDs, mi-in herzenstraut etc. irklfiren sich am besttn autt S*H»r, —
I Gtil t r hat Schriflm Setue» gekannt und btniiUl (vgl. Jitaleiisykiop. /.
A Thtot. IV, T9St. Im übrigen ist aber seine Richtung diejenige Gtreona,
If rfiV dcmttchen Myiiiker finssen ihm eher Migelraucn ein : er meint, die
'AWrr SeuMtB über die bräutUchr Vereinigung der SrMt mit Chrittu» lönuteu
fir i/t PhoHlaii* gtfnhrlieh werden (Pred. und Leren f. IT, Mititrt bei
ekSehmidt. Uietoirt iitirairt de VAUact 1 (1879} 4371. — Einige weitere
Über VtHrreituiig Seuxei im lö. Jh. bii L. KtUer. Itie Reformation
dir atterm Stformparleirn 18S6, 3H4f.
154* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.
jenen, der so manche verwandte Züge in seinem Leben aufwei'<t '
bemicht liaben. Die mystischen Grundgedanken sind bei beiden dt
selben, wenn auch jeder sie in eigentiimliclier Art auffasst un
darstellt; selbst Beminiszenzen^) aus Seuses Werken fehhn nici
ganz bei Ruysbroek, der verhältnismässig erst spät Schriftstellerisc
auftrat Der Mystiker Johann von Schönhof en (f 143 1) z
Grönental schrieb einen ,PrologVrSf zu den ,Centum meditation^
Dominicae passionis* Seuses, der aber inhaltlidi nur eine Ihischre
bung und Erweiterung der deutschen Vorrede Seuses (314,11 ff.
darstellt^). Unter den Frater her rn*) ist besonders Gerhard Groo>
zu lunnen, der den Gläubigen Seuses Hör. und Bdew warm zw
Lektüre empfahl ^) imd das erstere Werk auch in seinem erst unlä)k/8t
entdeckten flämischen Traktat ,De simonia ad begutta^^ zitiert % Auch
Thomas von Kempen, der in seinen Lehreti im wesentlichen mit
der oberdeutschen Mystik übereinstimmt, hat allem nach Seuse ge-
kannt und benutzt^). Unter den angeblichen Verfassern der Imi-
tat io Christi figurierte auch Seuse^)!
^) Z. B. in dem Verhältnis zu seiner Mutter, in der Abfassung der
iSchriften infolge höheren Antriebs und in der Bekämpfung des üppigen Klotier'
lebens und der ^ freien Geister* ; vgl, die Belege bei Böhringer 443 ff., 454, 476.
^ So findet sich in dem ^Buch von zwölf Tugenden^ (Ausgabe i?a»/*-
broeks von Da cid II I^ 104), dessen Echtheit allerdings bestritten vird, d**
Stelle Bdeio i^l4,lff. Vgl. auch S, 151* A, 3,
«) Er findet sich z, B, zu Triei; StadtbibU Hs. 496 Bl. 74; Bantber^
Kgl Bibl. Cod. Q VI 73 Bl. 8 und ist nach einer Pariser Hs. bei QuHif *
Echard /, 658 abgedruckt.
*) Die Littraturgattung der ^geistlichen Minnebriefe* pflegten die Brüä^
des gemeinsamen Lebens gerade so lebhaft wie Seuse, vielleicht auch v<^
ihm angeregt ; freilich ist der Inhalt meist nüchterner und praktisch^
Vgl, W. Moll-Z uppkcy Die vor reformatorische Kirchengeschichte der Xied^
lande IT {1895) 34U.
'") In einem Briefe von 1380, hrsg. von P reg er in Abhandlungen (/«
Münchner Akademie, phil.-hist. Klasse XXI (1894) 35.
") Bei Langenberg , (Quellen und Forschungen zur Geschichte d^
deutschen Mystik 1902, 32.
"') So die Angabe des tüchtige^i Thomaskenners Pohl im KirchenU^
XP, 1677. Da Thomas selten Autoren zitiert^ sind Belege schwer zu gebefi
doch vgl. seine naiv-kindliche Andacht zum Kinde Jesu, seine Vei'ehrutig dfi
Passion Christi^ seine Ausführungen über das jSpiel der Liebe^ in den ,Sermont
de incarnntione, vita et passinne JJomini^ {Analyse hei Böhringer 726 f
734 ff.). Die Germanismen des Thomas und seine BtTührungen mit den de\k\
sehen Mystikern behandelt Denifle in /Asv.hr. f. kath. Theol, 1883, 697—}0(
^) Vgl. Eahricius, Jiihlioth. tat. medii aeri II (1754) 222,
Nach Wirkung' Sensen in der Literatur. 155*
Hie Mystik laust sich als Unter Strömung der rfliffiösen
Btmjung auch lins yame IG. Jh. hindurch in der katholischen
utiä protestantischen Kirche verfolgen. In der letzteren ist Sense
nilerdings, vielleicht von einigen Sekten abgesehen^), irohl kaum he-
hannl — erst die Pietisten zeigen wieder Berührung mit ihm, —
wäirmd Tauler von Anfang an eine Hauptrolle spielt; in der
iatholischen Kirche dagegeti, wenigstens in germanischen Ländern,
ial jener seine Beliebtlieit nie ganz eingebüssi. Es Ist nicht sufälUg,
dim Sevse im 16. und 17. Jh. auch innerhalb des Jesuitenordens, der
eon seinem Stifter her einen mystische» Zug besa^*), bekannt und
Ttrthrt 'car; wenn eine Zeitlang In demselben Orden eine antimystische
Strömung die Oberhand gewann, so rührt dies daher, diiss man
färelttetr, der quietisUschen Sekte der Alumbrados Vorschub zu
Uiäen, beztp. der Begünstigung derselben angeklagt zu werden, was
UiUächlich selbst den Ordensgeneralen Ignatius und Franz rfe Borja
mi/eniossen war"). Unter de» deutschen Seuseverehrern ist haupt-
iärüich Petrus Canisius (f 1597 ) anzufahren, der inmitten eines
asketischen Kreises zu Köln aufgewachsen war*) und mit Männern
nw dfn Karthäuseni Surius (Übersetzer Taulers, Seuses und Biiys-
\ntkt) und Landsberg (Herausgeber der hl. Gertrud) verkehrte. Er
Vranalaltete 1543 zu Köln eine wertvolle neue Taulerausgabe ^),
» 'Irren Eitäeitung er wiederholt auf Seuse Bezug nimmt; den
) Ch. E. Luthnrdl, Gtseh. der chnsll Ethik II (1893) 5.<) fS/trt —
idimrUch mit Rreht — die Wurztht der teiedei-lättferise/itn BeweguTiit auf die
^"Oichf Mi/ttik euräck. Thomas Milager «n mit Saso und btsondem mit
ic etrtraut ffttutatn.
') Vgl. t, B. Holt, Die geistlivhen Übungen des Ignatius «. L., eine
fykdlogisehe Studie (Sammlung gemeinverstflnäl. Vorträge und Schriften aus
'• Ötbift der Theol. und lidigiorngtiehichte, Heft 41) 190ä.
■) Vgl. F. X-ltfusih, Her Index der verbotenen Bücher I 1 18fi3) 6S9.
*■ Jfsuitmgeneral Evrrard Mercurian verordnete 1576: Neque Bpiriluales
un, iini inatituto Doetro minue conveniunt, nnatris peimittautur, ituales sunt
tolenw, BnslirocbiUB, Henr. Suao, Rosetnin, Henr. Her» {lies Herp), Ars scr-
radi Duo, Kajiu. Lnllas, Gertrudia opera et MeubtildiH et alia hiiiusmodi.
«Ü vi^ro hnram librorum uspiam servetur in noatria collegÜB sisi ex P. Pro-
86Dtpntift i Friedrich , Beilrögr cur Gegehicble dex .Jfiititenordcns
til.
•) Vgl. ¥. Drevi, P. Canisius, dei- erste deuttehe Jeeuit (Schiiften des
ftrtint f. SeformaliOTUgesch., Heft 36) 1S03, 6 f.
*) Drall rr der Herausgeber lear, ist nicht gant sicher, aber sehr trahr-
sdMitlieA, vgl. P. Canisii Epietulat et Acta ed. Brauttsbtrger I (ItlS'J) 93:
Ad, 79 — V3 ist die Vorrede der Tauirrausgabe abgeilritckl.
156* EinleituBg. n. Seuses Leben und Werke.
yCurstis de aeterno Sapientia^ schätzte er besofiders hoch *). Dei
edle Jesuit Friedrich Spe (f 1635) zeigt sich „im Leben unc
Dichten nahe mit Sense verwandf^^. Die empfindsame Jesuslieb
seiner yTrutznachtigaV und die treuherzigen Unterweistingen seines
jGüldenen Tugendbuchs' knüpfen gerade in dem Besten j was st^
bieten und wo sie sich von dem verderbten Geschmack der Zeitgenosse
abwendeyi, an die Tradition der älteren deutschen Mystik an. Viel^
namentlich der Gedankengang, die Parabeln und die Sprache
letzterem Werke erinnern unwillkürlich an die Art Taiders u 9
Seuses'^). S2)e ist ein zartbesaiteter Sänger der Gottesminne, «^
sinniger Naturbetrachter wie jener. Auch die pietistischen uni
mystischen Dichter des 17. und 18. Jh., zu denen er überleitet, trn
Angelus Silesius (Johann Scheffler*), Daniel Suderfnann^), Knarr
V071 Rosenroth, Spener, Frank, Tersteegen u. a. bieten manche Be*
rührungspunkte mit ihm, wie überhaupt mit den Ideen und Be-
strebungen der deutschen Mystik ^"). Endlich hat am Ende des 18. Jh.
Herder mit feinem Gefühl den poetischen Gehalt der Mystik
Seuses erfasst und sein Lob der ewigen Weisheit in einem schwung-
vollen Hymnus ernexiert (s. oben S. 74* A. 1). Im 19. Jh. ist durch
die Romantik, die in ihm Fleisch voyi ihrem Fleische erkannte,
die Aufmerksamkeit weiterer Kreise wieder auf den schwäbischen
Mgsfiker gelenkt worden.
*) Braunshcrger, Entstehung und Eniivichlung der KatechistMn d^
P. Caniaiuit lt>93y 126f.
^ Strauch in AUg. dtsch, Biogr, 37 j 17b.
^) (r. Balkfy Spes Trutznnchiigal {Deutsche Dichter des 17. Jh. XIIX
/cs;p, XXXIV. Vgl auch Diel, Fr. Spe ^1901, 51 f. und die mir nicht Mtd
gtingliche Schrift von 11. Schachner j Xat Urbilder und Naturbetrachtung ^
den Dichtungen Fr.s v. Sjte, G gmnas.-Programm von KremsmünHer 1906.
0 F<//. die Vorrede Kllingers zu seiner Ausgabe des ^Cherubinische
Wandersmnnn* 1695 j XXXl^III. Ob Seh. Suso gekannt hat, ist dama^
zircifclhaß ; er erwähnt ihn nicht unter den miitcJ alterlichen Mystikern, die ^
studierte. Im siebten Sonett (Elli ng er S. 149) erinnert die Klage des Ve*
dawmten an Bdeir 2b5,7, aber dies genügt nicht, am Abhängigkeit zu konstatiere^
Seh. kann auch aus einem anderen Erbauungsbach (einem Sterbchächlein^ vg<
AniH. zu ?7cS,5ry) geschöpft habjn.
•') Vgl. oben S. Iti* A. f.\ Seine Lieder bringen mitunter direkt Texte da
Mystiker, namentlich Taubers, in \'erse : an Scase erinnert Nr.iSö7 bei Wacktf*
n a // el Bd. V.
'') Vgl. A. Hitschh Gesch. des Pietismus III ( ISS4) 63 ff.: „Jesusliik
in Poesie and Prosa^.
Übersetzungen und Ausgaben von Seuses Werken. 157*
TL Übersetrangen und Ausgaben Yon Seuses Werken.
Der Beliebtkeit, welche Seuses Schriften von Anfang an genossen,
Spricht ihre weite Verbreitung durch zahlreiche Hss, und Druckaus-
ben und durch Übertragung in fast alle europäischen Ktdturspra-
m^). Auf die von Borchling beschriebenen und auf weitere
ederdeutsche und niederländische Hss. des Bdew bezw. des
•r. ist schon oben S. 17* f. aufmerksam gemacht worden^). Zum
brauch bei der Privatandacht wurden die hundert Betrachtungen
ien Niederlanden allgemein verwendet ^). Die Allegorie vom Kampf
Widders und der 70 Füchse gegen die Söhne Gottes aus dem Hör,
oben S, 106* Anm. 1) musste im Jahre 1572 bezw. 1573 sogar
u dienen, in einem Flugblatt gegen die Spanier — der Widder ist
rzog Alba — Stimmung zu machen^). 1627 wurde die Vita Seuses
Antwerpen in niederländischer Sprache herausgegeben^).'
Eine altenglische Übersetzung eines Auszugs aus dem Hör,
>. Jh.) in sieben Kapiteln (The seueo poyntes of trewe loue or
)logium Sapientiae) hat K. Horstmann in Anglia X (1888)
H—89 ediert; derselbe Auszug wurde um 1490 bei Caxton in
estminster gedruckt. Der erste englische Dtmck^ des ,Horloge de
^Itience^ erschien schobt 1483 '^), eine Übertragung von Diepenbrocks
H^gabe durch Rychard Eaby zu London 1867, 2. A. 1868% Eine
'mische Übersetzung des Hör. aus de^n 15. Jh., wohl in einem
irffittinerkloster etitstandeyi und zum Gehrauch bei der Tischlektüre
'Mmnt, hat C. J. Brandt unter dem Titel ,Gudelig Visdoms bog
dnMk oversaetelse^ etc. in der Sammlung ,Dansk Klosterlaesning^ zu
^) Leider ist es ohne Einsicht in die Hss. und die oft seltenen Drucke
v:ht immer möglich^ genau zu unterscheiden^ oh es sich um eine Übersetzung
<« Bdew oder des Ho-r. handelt; meist ist das leietere der Fail.
*) In Cod. 8224 der Bihl. des Arsenals in Paris (Catal, VI, 444) ist eine
ifdtrl, Übertragung des Hör. von ca. 1380.
*) Vgl. oben S. 17* A. 1. und Mei/hoom, Susos honderi artikelen in
'fderlandj Archief voor Nederlandsche Kerkgeschiedenis I (188fJ) 173 ff. Ein
fiterer Beleg bei Langenherg a. a. O. 109, WO.
*) Pr&phetie Een wonderlike ende gt sieht etc., gcdrukt hut/ten Noonriis
''3: tgl. Graesse, Tresor de.<t l irres rares et precieux VII^ 450.
^) Het Leven van den Salighca Ihnrictis Suso door Johann van Heren-
l 233 S. in 12^.
''') Notizen über Hss. der englischen Übersetzung des Hör. bei (J ue t if
^chard I, 658; Oudin 1(j66.
'^)Grae88e V, 50 verzeichnet einen weiteren Druck s. a.
'') Vgl. die Rezension von J. Bach im TheoL Literaturblatt I8(j8j 209.
158* Einleitung. IL Seuses Leben und Werke.
Kopenhagen 1865 herausgegeben. Zivei Birgitthiennnen, Karen Jew
Tochter und Kirstin Hans* Tochter, übersetzten da^ Hör. um loO{
unter dem Titel: , Wecken* gottseligeyi Geistes^ ins Schwedische^]
Bedeutsamer ist, dass das Hör. schon im Jahre 1389 unte
dem Titel firloge de Sapience^ als Werk eines frere Je/ian de Sonbs
haube ^= Schwäbelt) von einem unbekannten lothringischen Minorite
Magister der Theologie, zu Cha^stelneuf ins Französische Hberseit
wnrd£ (de latin en ronmans donnee). Die gereimte Vorrede ^ erzäl^ ,
dass die Übersetzutig auf \Vu7isch des Maistre Dirnen che de Por
Lizentiaten des bürgerlichen urul kanonischen Rechtes, gefertigt um
am 28, April 1389 vollendst worden sei. Dieselbe wurde van einem
Karthäuse}'mönch zu Paris 1493 bei Verard ctJs eige)ie Arbeit heraus-
gegeben und König Karl Vlll dediziert; Neudrucke ebd. 1499 und
1530. Die Suriussche Bearbeitung der Werke Seuses wurde von
Fr. N. Le Cerf ins Französische übersetzt und zu Paris 1586 und
1614 gedruckt^, eine Übertragung des Bdew und Bdw nach
Surius von dem Kanonikus D. de Vienne erschien Paris 1684 und
1701. Die Übersetzer Chavin efe Malan et Üartier (La vie et IfS
epHres de H. de Suzo, Paris 1842) wnd Cartier (Oeuvres du J.
Hetiri Suso, Pans 1856) arbeiteten nach der italienischen Ausgabe
des Dominikaners Igmtzio del Nente (Vita ed opere »pirituali dd
beato Enrico Susone, Firenze 1642, Roma 1663, Padua 1675, Paru
1697, Orvieto 1861), die aber selbst wieder nach Surius gefeiiifi
worden war^). Weit brauchbarer als diese sehr fehlerhaften Aus-
gaben ist die neue Übersetzung dss Dominikaners G. Thiriot
(Oeuvres mystiques du b, Henri SusOy 2 Bds Paris 1899), icekhe
die Deniflesche Ausgabe zugrunde legt — für die bei Deniße fehlet^
*) Hrsij. ron Ji erf/str/hn in der Sammlung der ,Svenska Jh^omskrifl'
siWffkapet^ ; vgl. IL Schuck in II. Pauls Grundriss der gernu Phüol. I^
(1901) 93^: Krogh-Tonning, Die hl BirgiUa ron Schwtfden 1907, 129 f>
-) Zum grössUn Teil gedruckt hei Quet if et Kchard I, 663 und (WH
K. Brunn er in Mitteilungen der hndischen hvst. Kommission n.^20 (BeHagi
zur Ztschr. f. Gesch. des Oherrheins lti98, 7o). Bei (Juitif a. a. 0. und bfi
Brunn er 51, 70^ 7 5 f. 78 Nachweise über Hss. zu Paris und andtrwärts.
•') 'fouron a, a. (>. II, 549 führt noch die Übertragung eines DovM
kaners, Lgan 17 U5 an.
') Graesse \\ 50 und Chevalier (s. tS. 04*) ^lOlf. fahren weiter an
(h'ologio delln sojnenza aus dem Französ. übersetzt, Ven. de Luere 1611 ; Sc^
li u r ri, I ila dtl h. Kurien S., \ 'erona 10:^5 : Lorenzo Mar er a^ Hintoria i
la vida g milagros de los b. frag II. S\. Barcelona 1024. Stücke von Sem
fnthtflt Thomas de liocaberti , Alimento espiritual, Barcelona 1668.
Übersetzungen und Ausgaben von Seuses Werken. 159*
l^nefe des Gr Bfb ist Preger benützt, für die Predigten Diepen-
i/'ock — und der ei}ie gute Einleitung vorangeht.
Ins Lateinische wurden die deutschen Schriften Seuses schon
^'rtilo. Jh. von einein Karthäusermönch übertragen; das Werk befand
<ich nach Joh. Meyer ^) in den Bibliotheken der Predigerklöster zu
^^nsel und Nürnberg, ist aber jetzt verschwunden. Nach dem Drucke
'on 1512 übersetzte sie in freier Weise auf Wunsch des Abtes
Ludwig Blosius der Karthäuser Laurentius Surius (H. Susonis
Opera), Köln bei Quentel 1555; er gab auch vier Predigten ^lach
1er Taulerausgabe von 1543, das unechte Büchlein von den neun
Fdsefi, den Cursus und das Officium de aeterna Sapientia bei. Neu-
Irucke der Ausgabe erfolgten Köln 1588, 1615 und Neapel 1658.
Die Suriussche Ausgabe wurde durch Anselm Hoffmmn, Köln 1661,
nieder ins Deutsche zurückübersetzt.
Von den deutschen Ausgaben sind die beiden ältesten die
nkon öfters zitierten Drucke: Augsburg 1482 bei Anton Sorg^,
108 + 146 BL (die Vita ist besonders beziffert) fol. (Panzer I, 124
yr.l44) und ebd. 1512 bei Hans Othmar 228 Bl. fol. (Panzer
1 338 Nr. 710). Beide enthalten das Exemplar mit den Nachträgen,
& Bruderschaft der ewigen Weisheit und die neun Felsen, der zweite
l^ruck ausserdem ein längeres Vorwort und Nachwort des Druckers.
Uw die Ausstattung mit Holzschnitten s. oben S, 46^ ff. Die erste
Misgabe ist allein nach von dem bekannten Ulmer Dominikaner Felix
Fobri besorgt^), und zwar, wie schon Denifle^) gegen Preger"")
*) Notiz in seinem Lehen der Mutter Seuses j das er den Viten von Tüss
^^gtgeben hat, ed. Vetter 96, 26 ff.
') Schlusswort des Druckers f. 146 r : Gedruckt viid vollendet ist dicz
^fidi (des geleicb nocb bessers den laien nit kund ist sein leben ze bessern, ge-
^t der Seüsse) von Antonio sorg etc. Ein Extruplar aus der Kapiielshihliothek
^«* Waldsee (früher einem Waldseer Nonnenkloster [Klause] (jehörig)^ stand
•t in dankenswerter Weise längere Zeit zur Verfügung.
^ Vgl. die Vorrede von 151:2 f. :J'': so das (buch) on Ordnung hin vnd her
festrowet gewesen ist, so hat der wird ig Icszmaister brfider Felix Fabri zä Ulm
das mit fleisz züsamen gelesen vnd in Ordnung gesetzt in lateinischer sproch.
Da Fabri schon 1502 starb, so kann sich seine Beihilfe wohl nur auf dm Druck
'^» 1482 bezogen haben. Was die Schlusswortc hedadtn, ist nicht recht klar:
wahrscheinlich liegt ein Irrtum des l)r uckers vor. Mar er 315 und Wtyer-
lann 203 (vgl. auch liealenzykl. f. protesi. Theol. \"-\ 723) sprechen, offenbar
^hl^cht unterrichtet, von einer Übersetzung des Lehens Seuses aus dem Lafeini-
hen ins Deutsche.
*) Zfda XIX, 347 ff:
'-) Briefe 2 ff.; Zfda XX, 413 f.
160* Einleitung:. II. Seuses Leben und Werke.
nachgewiesen hat und aus dieser Ausgabe noch deutlichem erhellt
nach einer späten und schlechten Hs. (vgl. oben S, 9*). Die zweite ist
obwohl Meister H. Othmar den Sorgschen Druck herunterzusetze
sucht (f, 218*', 220^ )y nur ein durch neue Fehler vermehrter Abdruc^
der ersten. Eine Gesamtausgabe der deutschen Schriften Seuses wur^^
erst wieder im ersten Drittel des 19. Jh. versucht, als man unt:^
anderen Schätzen des Mittelalters auch die deutschen Mystiker wieUe,
am Tageslicht zog. Melchior von Diepenbrock (nachmals Karditvii
und Fürstbischof von Breslau, f 1853) veröffentlichte eitie solcie
unter dem Titel: Heinrich .Susos, genannt Amandus, Leben und
Schriften, nach den ältesten Hss. und Drucken mit unveräputerim
Text in neuerer Schriftsprache herausgegeben, Regensburg 1829,
H837, H854, ^1884. Die Ausgabe ist nach den beiden ältestm
Drucken bearbeitet unter Hinzuziehung des Cgm 362 und einiger
jüngerer Münchner Hss. für die Vita und das Bdew; es ist auch
die Bruderschaft der ewigen Weisheit und das Neunfelsenbuch darin
aufgenommen. Für ihre Zeit verdienstlich ist sie icissenschafüich t?a»
keiner Bedeutung, da Diepenbrock für die Verbesserung des TexUi
fast nichts getan hat^). Immer noch sehr beachte^is- Mid lesenswert
ist die ausführliche Einleitung, welche Josef von Gör res dazu gt"
schrieben hat (4. Aufl. S. 25 — 136) ; er handelt darin geistreich und
mit brillantem Stil über die kirchenpolitischen und religiösen Verhält
nisse d^s 14. Jh., über Wesen und Bedeutung der Mystik, und gibt eim
schöne Charakteristik von Seuses Person und Werken^). Ganz wertlos
*) Vgl. auch Denifle X.
•^) Vgl. darüber J. Galland, J. von Görres 1676, 479 ff.; A. WihUlU
J. von Görres als Literarhistoriker 1899 ^ 71 ff. Der Brief Diepenbrocks (V9»
IS. Mörz 18^7) f worin er auf Veranlassung Clemens Brentanos Görres utn <*•
Geleit^wort fiir seine Ausgabe ersucht, steht bei Gör res j Gesammelte Britftlll
(1674), 294 ff. Nach Empfang der Einleitung schreibt er am 37. Sept. 10
enthusiastisch an Gön-es: ,. Welche Freude macht mir dieser herrliche ÄttfitiMi
und welche wird er dem bessern Publikum machen! Es ist icundersam, wk
alles lebendig wird, und sich organisch gestaltet und sein tiefstes Leben atf*
schliesst vor ihrem Blick, und wie trefftfnd ihre Hand das Erschaute md^ ^
kann. Sie sind kein Poef, kein Philosojjhy kein Theolog, sondern dcLS Dr§ieiM 1
aus allen, und Theologie, Philosophie und Poesie ist lebendig innetooknend ift j
Ihnen in Geist, ,swh' und Leib, zu einer Persönlichkeit sich gestaltend'* (a.tu(Ki
359). Der Historiker J. Er. Böhmer rühmte besondtrs die Schilderung d^e]
kirchrnpolifischtn Vcrhöltnisse durch Görres und schrieb in einem Briefe: sJü.
scimn Anschauungm ist tine Grossartigkeit und ein Tiefbliek, wovor ich tr*
staune. Wer von den leihenden könnte sich einer solchen Ditnnationsgokt
riihmrn, wie rr sif Itesitzti^" (J. Janssvn, Böhmers Leben I [1868] ^63 f^
Übersetzungen imd Ausgraben von Seuses Werken. 161*
f<tdie 1863 in Wien erschienene Ausgabe: Amandus des seligen, (je-
innnt H. Suso, Lehen und Schriften, drei Bändchen (I Büchlein
^on den neun Felsen, II Bdew, III Leben und Lehren Susos).
WmenschafÜicheJi Anforderungen entsprach bis jetzt nur Denifles
Bearbeitung: Die deutschen Schriften des seligen Heinrich Seuse aus
iem Predigerorden, nach den ältesten Hss, in jetziger Schriftsprache
\eruusgegeben von P. Fr. Heinrich Seuse Denifie aus demselben
Jrden, erster (einziger) Band München, M, Huttier 1880, XXX und
iii Seiten. Sie bietet nebst einer gediegenen literarhistorischen Ein-
eitung die Schriften des Exemplars vollständig samt de)i Nachträgen
hzu. Der zweite Band, der nach dem Tode des grossen Gelehrten
^f 10. Mai 1905) sicher nicht mshr erscheinen wird ^), sollte Forsch-
ungen über Seuses Leben und Lehre, den Text des ungekürzten
Briefbuchs, der Predigten, d^s Hör. und der Bruderschaft der ewigen
Weisheit, anhangsweise auch den fiursus de aeterna Sapientia^ und
Aw Minnebüchlein bringen. Denifle hat in seiner Ausgabe, um Seu^e
ilem allgemeinen Verständnis zu erschliessen , mit viel Glück eine
sprachliche Erneuerung versucht, dabei sich aber doch „durchaus und
zmr fast sklavisch*''^) an die Hss. angeschmiegt. Benutzt sind für
(/en Text die besten Denifle bekannten Hss., vor aUem A (in Pfeiffers
Akchrift), ferner KMIi Um, für das Bdew E und E^, für das B<lw
^uch b; Varianten sind jedoch nur bei einzelnen wichtigeren Stellen an-
Udjeben, Was der Au^sgabe^) einen bleibenden Wert verleiht, ist namen t-
U die im Komment-ar gegebene Erklärung der schwierigeren mystischen
^t^llerij in welcher der enge Xusamtnenhang zwischen Mystik und
Scholastik deutlich ans Licht gestellt wird und Denifle überha/ipt
^mtmngistrnler Gelehrsamkeit seine umfassenden Kenntnisse ausbreitet,
tine populäre Auswahl aus Seuse nach Diepcnbrock mit (iörres
^n diesr Ausfiihrunyeti fanden alu^r den Tadel des Ch-meng und Christian
^rtnl ano : vgl, Görrea* Verieidigunfj in einem Brief vom 1:J. ^fifrz 183(J an
^nf Tochter Sophie (^ich siimme überall für die frische, grüne Wahrheit, ohne
aOf Furcfav in Ges, Briefe I (IböS) 314, \\\ von Scholz in der \\)rrede
»einer Ausgabe (s. oj KIV bezeichnet Görres* Einleitung als „inhaltlich teihreis
ffTTj gedanklich unklar^, sagt aber doch, dass sie in ,Ahrem stünnischen Sprach -
'k^ihmus, ihren melodisch steigenden und fallenden Perioden, ihrer aus unserem
Uten Wortschatz erworbenen T^iille."' ein grosser Genuss für den Leser sei,
^) Noch vor einigen Jahren äusserte Denifle die, fnilich utojnstisrhe
hfnung, noch einmal zu Seuse zurückhehren zu können.
*) Seuse XXX.
^ Vgl. aber dieselbe auch iStrauch in J)fsch. Lit.-Ztg. is^l, S3jl'.:
. Grab mann, P. U, Denifle 190ö. 11 f.
H. Sense, Deatsche Schriften. W"
162* Einleitung. ET. Seuses Leben und Werke.
EMeitiuiy und mit den Holzschnitten des ersten Druckes hat jüng^
W, iwn Scholz lierausgegeben (Heinrich Stiso, eine Auswahl a
seinen deutschen Schriften [= Die Fruchtschale Bd. XIV], Münch^^f
und Leipzig 1906, XCI und 219 S.); eiyie ähnliche Auswahl in zto^/
Bänden soll im Verlage von E. Diederichs in Jena erscheinen. Eü^ie
rollständige kritische Ausgabe Seuses im Urtext blieb nach Deniftes
Veröffentlichung immer noch ein dringendes Bedürfnis; namentlick
Strauch^) hat das zu wiederholten Malen betont. Mit Setises
Sprache wird man sich erst dann in erspriesslicher Weise beschäftigen
können. In dieser Beziehung, z, B.für Untersuchungen Hber Sprach-
schätz und Syntax verspricht er grössere und sicherere Ausbeute, ab
etwa Berthold von Regensburg, Meister Eckhart und andere hervor'
ragende Prosaiker des IS. 114, Jh., für die wir wohl niemals so zu*
verlässige Texte bekommen werden wie für Seuse. Van dem Original'
text sind aber bis jetzt nur ganz geringe Bruchstücke nach verschiedene!^
Hss, an zerstreuten Orten veröffentlicht'^); die Absicht eine Seuse^
ausgäbe als ztveiten Band der ,Bihliothek älterer Schriftwerke def
deutschen Schweiz', herausgegeben von Bächtold und Vetter, durch
Letztgenannten besorgen zu lassen, wurde nicht ausgefUhrt. So soß
vorliegende Edition die Lücke ausfüllen. -
Drucke von einzelnen Schriften Seuses seien zum Schlüsse sunh
niarisch aufgezählt: das Leben Susos wurde 1744 zu Dillingen g^
druckt, das ,Buch von der ewigen Weisheit' in ,verbesserier Schrifl'
s^prache' 'on Rauche nbic hier, Augsburg 1832 herausgegeben; das Bdiit
und die Bruderschaft der ewigen Weisheit sind gekürzt enthalten tK
,Der ewigen wiszheit betbüchlein% Basel 1518^), neugedruckt DiUingm
15^7 und NeU'Ruppin 1861*^); ein , Manual oder Handbüchlein det]
e tri gen Wet/szheif^ (Abriss des Lebens Seuses, Unterweisungen
Gebete) erschien 1622 zu Konstanz bei J, Sprenger. Die Suder^.
mannsche Ausgabe von 22 Briefen (1622) ist oben S. 22* zitii
») Afda IX, 13^: AUg. dtsch. Biogr. 37, 179.
0 Vgl. oben K 7*f,; 14* Anm, 1, ferner die Anm. zu 211,1, 236^1.
495f1. ö(j9J. ö:J7, Einzelne Stücke aus dem Bdeio 7iach F hei t\ K, Gri§i
haher. Alte ungedruckte deutsclie Sprachdenkmale 1644, 36 — 47 (deisselbe
in (irieshaher. Vaterländisches t84:i, 292— 303) ; aus dem Gr Bfh nodb-j
in Z/da XIX, 360 ff. XXI, 103 ff.
^) Well er Nr. 1094. Exemplare des Druckes s, B, in MainM,
Inhliothek (vgl. Zfdph 1894, 66 K Zürich, Knntonshihliothek ; AuseÜge dm
hei Hasak\ Der christliche Glauhe des deutschen Volkes heim Sehhust
Mittelalters 1866. ihSI ff.
*) (r messe 17, 7, 531.
Übersetzungen und Ausgaben von Seuses Werken. 163*
Vo)i dem Horologlum sind folgende Äusfjahen x\i nennen:
'lieälkste s. l. et a. (Paris 1470?), nachgedruckt Paris 1479 ; ferner
(Ii( Ausgaben zu Venedig 1492 j 1536 ; Köln (Joh. Landen) 1496,
im, 1503, 1509; Nürnberg 1479, 1724; Paris (J. Petit 1511,
tbd. 1578 unter den Exercitia S. Gertrudis; Neapel 1658^). In
neuerer Zeit ivurd^ das Hör. herausgegeben von Reg. Braun 0. Pr,,
Kolli 1724 und von Jos. Strange ebd. 1861; beide Ausgaben sind
'(bei' recht mangelhaft und sollten durch eine neue kritische ersetzt
icerden (vgl. oben S. 108* A. 2). Die ,Cenium meditationes' sind
inti^ser in den meisten Ausgaben des Hör. da und dort in Andtzchts-
bkhern, z. B. im Precordiale devotorum, Strassburg 1489 ^, gedruckt.
Das jOfficium de aeterna Sapientia' erschien Paris 1578 und Luxem-
Imj 1605.
') Obige Notizen nach (rrat'ssp V, ;Vy.- Murr, Metrtornhilin IJ,.?4^;
ii. Braun, Hör. XXIII ff.
') V*jL Gr ieshaher, Sprachdenkmale 5.
Erste Abteilung.
Seuses Exemplar.
B. Seate, Denttcbe Schriften.
^^flc^^i^
|A2'J DIz ist d«r prologn^. dae ist i\6 vorred dlsa büclies.
In disem exemplar stand geschriben vier gfttii büchhi.
Da:
frsi seit fiberal mit bildgebeiider wise von eini anvaheuden lebeue
und Kit logenlich ze erkennen, iu weler ordcDhafti ein rebt an-
i fuliender mensch boI den usBern nnd den inren menschen richten
nah gotes aller liepsteu willen. Und wan giitü werk ane allen
iwirel me wisent and dem menschen neiswi rebt sin herz erlupbeut,
nie denn wort allein, 60 t>eit es für sich an bin mit gUehnuegebender
"iae von inengerley bailigen werken, dii in der warheit also ge-
ii'baben. Es eait von aim zflaemenden meuscben. wie er mit
miden and mit lidenn und iibenne einen durpruch sol nemen durch
, m selba unerstorben vichlichkeit hin zi\ grosser löblichen heilikoit.
g och etlichii menschen sind, dero sin und müt na dem aller
J nebsten nnd besten ze ervolgen ringet und in aber underschaides
■^ebristet, da von sü veriert nnd ver^^'iset werdent, hier umb git es
In/ göten nnderschaid warer und valscher vernünftekeit nnd lert,
^wie man mit rehter ordenhal'ti zu der blossen warheit eins seligen
rolkomeu lehetts sol kamen.
Duz ander büchli ist ein gemeinii lere, nnd sait von betrahtung
0 iiniiers berren marter und wie man sol lernen inrlJch leben und
A = B*. Btrlm 4" 840 (- ÜtroaKliarg B 139); A' - SlriMsburg On.Bibi.
Z. 75; B' - Bei-tin fol.e&S: Ä- Einsitdeln 710: M- Cgm 36Si iV = Närti-
btry Cma. VII. 90; P - Purü Bibl. iiat. 323; R-Bralau Domkap.BiM. ;
S -^ Stuttgart AKtt. 15: S' - Stuttgart Theol. et jJÄfl. 381 .- (/ = Überlingen
22; W WolfenbätUl 78. & Aug. ; f l-YeHiurg Un.Bibl. 453 ; a - 1. Dritck
1483. — In MKP fthlt der Prolog. Vor dtmaMen in AKBWB'a ein Bilä
(Abb. 1 nach K Bl. 39'): David, Salomoii, der Bitner fSeugel. die Ewige
W^sheit, Job und ArietoUles mit Sprüchen.
I Rotr (fhertehri/t : liie Iahet an des sfiaen leben und ander gute leer A'
Um iet der prologua dias liQclia und die vorred desa dienerg der Ewigen
■wwihnlf. darin gar vil trost nnd uoderwiHtiaiig' Funden wirti Einefl gediehen g&iBt-
Uebeo menschen U red S den Imchlins, du» da heisHet der Seltsj^e {süsa*.'
W)aW 2 An X" 7 naiawen A'a reht fehlt EA'U 2il lemen| Ktcii A'
4 Prolog des Exemplars.
selklich sterben und des gelich. Wan aber daz selb buebli ur
etlicbü me siner bucher nn lange in verren und in nahen lande
von mengerley unkunnenden schribern und schriberin ungantzlic
abgeschriben sind, daz ieder man dur zfi leite und dur von nai
nach sinem sinne, dar umb hat sA der diener der ewigen wishe
hie zA samen gesezzet und wol gerihtet, daz man ein gereht exen
plar vinde nach der wise, als sü ime dez ersten von gote
luhten.
Daz dritt buchli, daz da heisset daz büchli der warheit, de
mainung ist: wan bi unsren ziten etlichü ungelertü und doch ver
nAnftigu menschen die hohen sinne der heiligen scfarift von den
lerern verkerlich faain genomen nah ire selbs eigem und wilden
gründe, und sü och also hein angeschriben, und nüt nach der meinnnge
der heiligen schrift, so wiset es hie den menschen in den selben
hfihsten sinnen mit underscheid uf den rechten weg und uf die [2^]
ainvaltigen warheit, du dar inne von got nach oristanlioher nemnng
gemeinet ist.
Daz vierd buchli, daz da heisset daz brief buchli, daz m
geischlichA tobter och zesamen brachte uss allen den briefen, die er
ir und andren sinen geischlichen kinden hat gesendet, und si ein
bfich dar us hate gemachet, uss dem bat er genomen enteil den)
brieven und hat es gekurzet, als man es hie na vindet. Dez knrzen
büchlis mainung ist, daz es ein underlibi geb und ein lihtrung eim
abgescheiden gemüte. Und du himelschen bilde, du hie vor und
na stand, sind dar zi\ nüzz, daz ein g&tlicher mensch in sinem
usgang der sinnen und ingang dez gemütes alle zit etwaz vinde,
daz in von diser valschen niederziehenden weit wider uf zft dem
minneklichen got reizlicb ziehe.
Es ist och ze wussen: do die quaternen diss ersten sinnen«
riehen bäches heinlich beschlossen lagen vil jaren und dez dieners
todes beiteten, wan er sich in rechter warhoit ungern dur mit bi
sinem lebenne keinem menschen wolt offnen, ze jungst do seit in
sin bescheidenheit, daz ze disen ziten nah dem gegenwärtigen lof
der abnemenden menscheit besserr und sicherr weri, daz daz bucH
mit gotes urlob wurdi geofnct sinen obren, die wil er lepti und i
Hieb wol uf ellü stuk diser warheit versprechen könde, denn ii
2 etlicher S 6 reht A^aW 11 f. von der lere in verkerlich h. g. JK
12 ergem A 16 meinung ASA^E 20 sinen fehlt SI{ 23 underiilm]
KURaW 29deBA'aIiW 81 dur nüt iC 32 doJehHKUa 34 bem
:>'KU sicher SA^ sichrer KT 35 sinem AW
Prolog des Exemplars,
■m tode, ob Joch daz also gevieli, daz etlicbü UDveratandnil men-
!!D, der rede nit ze ahten iBt, daz dii hier uinb in verkerlicher
: valgch arteil dar über wurdin gebende, die ain guten meinung
iaue Dit w61tiu an sehen, ald die vi>n ir grobbeit kein besBere
I selber kunneii verBtan. Wau es möbti wol also Bin ergangen,
es Da sinem tode deu lawen and gnadloBen weri worden, die
n erbet dar mit hetiu gehabt, daz es fürba/, got ze lob begirigeo
BHcbcD wen gemeinsamet, und tnüsti also uuuuzberlich Bin ver-
Bgen. Ocb möhti sin geBcheben, daz es blinden an der bekantnnst
den argen an dein gemtite dez erBteu weri wurdeu, die es von
gebi-eetlithen uugunBt hctin under gedruket, ala och me ist
lebeo. Dar umbe erbaldet er »ich mit ainer götHcben kraft
BÜndert itBSer disem bfteh die aller höbsten sinne und die aller
eakfiten materiell, die iene bie Bttind, und gab sie selb dez
ze überiesene einem hohen ineister, der waz von got mit
lenrichen tagenden wol begäbet und waz an g&tlicbcr kunst
I bewerter [3 '] maister. Dar zö waz er über tüteches land in
dier orden gewaltige preUt. und hieBS maister Bartholo-
Dem enlwnrt er es demüteklich, und er überlaz es mit
ganzen wolgeyallen eines herzen und meinde, es weri allea
: als ein togenlicher süzzer kerne uss der heiligen scbrift allen
^eeehenden menücfaen. Dar nach do du gemain lere ward zb
n geeezzet, nf daz daz ieder mensch dan ein hie fundi, und er
7 dorch micb(!) EU 14 ga\i fehlt KU 23 f. zh d. wart gesclzet A^
13 sinne hier mit ÖfttTS = /rnnleiUtae, Sfriiche, Austiirüehe, Thesen, Ab-
Sammlungen van Viüereteileii und Släteultsutt aut schotaHtiiichan
! m^ürhtn Autoren (Setilenien. auch .Summen fftnannl) sind stit litm
fjl. »thr häitfig ; vgl. Denifii in ALKGM I, 58b. 18 Bartholomaau von
Ml. Ohtr ihn s. Dtnifie 8 A. 1 u. ALKGM II, 334: Prtger, Vor-
33/.; Jundl, Histoirt du panthiisme populaire au mogtn äge. Porig
I aw». . Pnintignon im Frtibayger Diöiuanarchiv X VI, 11/., IS, iU; QuÜif
■ t, Striptortf nrdiais Praedicatontm 1(1719), 6ST ; Sftill, Ephemeridtg
■no-aacrae I 11691), :i3. Er stammte atm einem angetehtncn, frähtr
^kUrdiof«, atit dem in. Jh. im Breisgaa antnetigen Adelsg&eMeeM
von Knobloch. Oberbadisches GeichleclUrrbach I [1898], 140f.), war
Ir im SlriUBburgtT Preiligerkloittei; Prior in Freiburg (fi, Mayiiter der
\fgit in Pari« and magtstcr gaeri palatii apostolici. lag 1361 in Paria dit
tem fMOPH /!' [1999], 337J und vertBaltete vm 1354 bin ea »einem
13G3 (Nekroloj/ium det Feeihurger Dominikaiierkloflerii, Poingignon
tt.43 a. Ad^httueer Chronik den Joh. Meyer a. u. ". i;-) das Prnvintialat
6 Prolog des Exemplars.
im daz gemein och wolt han gezfiget, do zukte der minbekli
disen edeln maister von binnan. Do der diener veniam,
tot waz, do ward er gar sere betrübet, wan er nit wäste, ^
dar mite ze tun was. Also kom er sin mit vil grossem er
die ewigen wisheit und bat si^^ daz si in in der sacbe dez
bewisti. Dar na rieiswen do ward er erhöret, und der vor]
maister der erschain im vor in ainer liehtricher gesiht und
kund, daz es gotes guter wille were, daz es färbaz würdi g
samet allen gfitherzigen menschen, da mit rehter meinnn
jamriger belanguug sin hetin ein begeren.
Swer nn gern ein gfiter seliger mensch wurdi und gotes
heinlichi gern heti, oder den got mit swerem liden gemeine
als er gewoniich phliget ze tftne sinen sundren fründen, den
dis buch gar ein tr6stlichü behulfenheit Es git och gfitb<
menschen ein liehtrich wisnnge ze götlicher warheit und vernä
menschen einen richtigen weg zu der aller höhsten selikeit.
1 erzöget K 2 cliseui S do er die rede vemam A^ 4
7 [der] erschein -4* W 10 jomrigem belangen A^R 12 sweren lide:
Erstes Buch.
Seuses Leben.
Erster Teil
Hlenhet an daz erste tail dizz bflches, daz da haisset der Sdse,
Es waz ein brediger in tiitsciiem lande, von geburt ein Swabe,
ia nam gescliriben sie an dem lebenden bi'ieh, Der bat begird, daz
er wurde nnd bit^ase ein diener der ewigen wisheit. Er gewan
&kDDtsami eins beiligen erlabten menseben, der ein vü erbetseliger
lidtuder nienscb waz in diser weli Der mensch begert von im,
hl er ir etwaz seiti vun lidene usser eigenr enpfindunge, dar abe
ir lidendes herz ein kraft mÖhti nemen; und daz treib si vil ziteB
ime. Wenn er ztt ir (com, do zoch si im ns mit heinlichen
nAsgen die wise sines anvanges und fürgangs nnd etliefa ubunge und
, liden, die er bat gehabt, du seit er ir in gotlicher heimlichi. Do
Eti 7on den dingen trost und wisung befand, do schreib ei es alles
las, ir selb nnd och andren [3'j menschen ze einem hehelfen. und
(et daz versloln vor ime, daz ev mit dnr von wüste. Dar na neiswen,
b do er diser geischlichcn däpstal innen ward, do straft er si dar
Dinbe, nnd mßste im es her us geben. Er nam es und verbraud
es alles, daz im do ward. Do ime daz ander teil ward und er im
in glicber wise och also wolt hau getan, do ward es understanden
mit bimelscber hotschaft von got, du im do geschah, du daz waute.
1 Bote Obergehriß: Ais ist Am sflaen leben P Assit principio aaiicta
Hnia meo Item der wmier saea; darunter: Hie vahet — Söse; am imttrn Rand:
Dkz bflch von di-m dlner der ewigen wiHzhayt M duz leben eins predigera
der do bies güse N daz da — Sftse fehlt A' 5 heil, fehlt A' 5f. erber
setiger PM erher selig lidendcr A' 7 enger M dar nmb Ma 9 körnende
wa^ A' 11 du] do M lä tüle« fehlt S 13 an] in P 14 tfit J/ er]
<« A} neiHwi A^ 17 [du] ward P ucli ward M 18 in fem A'
19 bkimoUcher M d6 Im da/ M
3 Vffl. Hör. 127: eviug nomen sil i» Ubro vitae (Jt. iji.- Dmn. 13,1;
Phü. 4.3 wuj B Etibtth Slagel. Ä'«i«w rjeütliehc Tochter : vgl. Kap. 33.
8 Leben Seoses, Prolog und Kap. I.
Und also bleib dis nagende un verbrennet, als si es den meren tei**.
mit ir selbes banden bäte gescbriben. Etwaz guter lere wart od
na ir tode in ir person von im dar zft geleit.
Der erst anvang dez dieners beschab, do er waz in dem
zebendem jare. Und do er dero selben jaren fünfü geischlici^ee
scbin bat getragen, do waz dennocb sin geinüte ungesamnet; eht j^
got bebftte vor den meisten gebresten, du sinen lünden mohfeo
swecben, so dabte in, dez gemeinen m6bti nit ze vil werden. Hier
inne waz er docb von got neiswi bewaret, daz er ein angenügde in
im vand, wa er sieb bin kerte zu den dingen, du ime begirlioh 10
waren, und dubt in als es weri neiswaz anders, daz sin wildez ben
friden sölte, and was im we in siner anrüwigen wise. Er bäte alle
zit ein widerbissen und konde docb im selb nit gebelfen, unz das
in der mute got dar von entledgot mit einem geswinden kere. Si ,
namen wunder ab der geswinden endrunge, wie im gescbeben weri, U
und spracb eine dis, der ander daz, aber wie es waz, daz rftiie
nieman, wan es waz ein verborgen liebtrieber zug von got, und der
wurkte geswintlicben den abker.
I. Kapitel.
Ton den vorstrlten eins anvahenden menschen.
Do im dise indruk von got bescbab, do erbüben sich bald
etlicb vorstrite in ime, mit dien in der fient sines heiles wolt bai
verierret. Und die waren also: daz inrlicb triben, daz im von go*
waz worden, daz vordret von ime einen lidigen vonker von alle»
dem, daz im ein mitel möhti bringen. Dem widerstund dA aa-
vehtung mit einem inscbicssenden gedank also: „bedenk dich bai,
es ist Übt an ze vabene, es ist aber mülicb ze volbringen." D*
iure ruf der bot für gotes kraft und sin hilf, der widerruf meiade,
es enwer kein zwivel an gotes gewalt, es weri aber zwivellich, ob
1 also fehlt P 3 [in — im] darzu geschriben M Ainen ^ 4 fi*
ÜberscIiHft: von dem gotlichen intruck Cap. I N; die übrigen Hbs, haben Uf
kein neues Kapitd. 9 imgemugd M 12 entfriden P alle /eÄft A*
17 der fehlt M 18 acker A' 22 erstriteii P mit dien fMt A^ dem Ö
24 vordret] vertreip P vorker M 25 mitte A^ 28 inrüffe A^ [der!
bot (bat A'^ für PA'\Va got P
Leben .SeuHen. Kiip. I. 9
er welle. Üez ward er och hewiset kiiiitlicli, wan daz hat der milt
got beweret mit sjoeii gQten geheisseu usser siuem götlichen muude,
das er nerlichen [4''] helfen welie allen den, die es in einem namen
an vahent. Do dii gnade in disem atrite an ime gesigte. do kom
t ein vieotlicher gedank in fründes bilde und riet im also: „es mag
g6t sin, da Holt dich besron, aber du solt uit ze vast dur binder
komen. Vah es an also messeküch, daz du es mngist volbringen,
da solt vast e»tsen und tiinken und dir selb ^ütlieh tiin. nnd solte
dich da mite vor sfindea hüten. Bis wie göt du will in dir selb.
Ol nnd doch also raegseklieb, daz die lüt von ussnen keinen gruBen ab
ilir tieoien; nach der litten rede: ist daz herz {;üt, so ist es alles
gftl. Du macht mit den Uiten avoI frolich sin, und doch ein gilter
menseli sin; endrü menschen wen och ze himelrich komen, die doch
nil liein ein so übiges leben." Hie mite und dez EjHch wart er dn
j 15 gar vast angevohten; aber die betrogen rete widerwarf du ewig
wislieit in ime also: „swer den belen visoh, der da heissct ein al,
lii dem sweif wil liaben und ein heilige» leben mit lawkeit wil an
"ihea, der wirt in baiden betrog:en; wan so er wenet haben, so ist
n endninneu. Wer och einen verwenteu widerspenigen lip mit
ftairtheit wil überwinden, der bedarf göter sinnen. Der die weit wil
I lallen und doch got Tolkomenüeh dienen, der wil unmüglicber
' ikgea phlegen und gottes 1er selb felschen. Dar umb, wilt du ab
lusen, so lass och ze frumen ab." In disem gevehte waz er neiswi
lang; ze jungst gewan er ein getürstekeit und kerte sich vermügent-
^Jicb vun den saclien.
Sin wilder mf\t nsm des ersten menges sterben von dem er-
ecbcne, daz er tet von fipiger geselschaft, Etwen überwand in
idü natnr, daz er zfi in gie dur ein lihtrung sines gemütes, und be-
»chah gemeinlich, daz er frSliche dar gie und trurige von in gie;
^1 «an du red und kurzwil, die sü fftrten. waz im unlustig, und aber
da «ine waz in unlidig. Underwilent, so er zf^ in kom, so äptan
sä in mit s6lichen worten. Eine sprach also: „waz sonder wise
tiasl du dich an genomenV Der ander sprach: „ein gemein lelien
1 er /thU PH och] oIbo M 1 f. wan es der mute gotte« beweis i*A'
S betrart M 5 fränd.] A-om<]ei< f 7 also an P 9 hCidiI P 10 gmew]
rrgmug P 11 e« fthll S 12 wol frei, »n loit d. I. S IS ain mit
udrni ni-, wenn Oie wih K hiiud MaXRW 16 rede KA^ rflder(I) P
16 in ime] iiiinne K 17 Awanx MR 21 voUekUch PK i. wil dienen
wa Tolk. d- A' 23 och| es P doch A' 31 du sine rede P 32 niscn
aa an dich K
-J
10 Leben Seuscs. Kap. U.
weri daz sicherst.** Der dritte seite: „es nimet niemer gftt ei
Und also gab in eine dem andern. Er sweig als ein stumbe
gedahte: „wafen, zarter got! Es ist nät bessei* denn fliehen. H>
du na dis red nit geh6red, so könd si dir int 'geschaden.^
ding waz im do ein pinliches liden, daz er nieman hate, den
sin liden klagti, der daz selb sQchti in der sielben wise, als [4^
gerufet waz. Dar umbe gie er eilend und lieblos und enzoh
mit groser gezwungenheit, daz im dur -im: waii; ein grfissü süse
IL Kapitel.
Yon demV Übernatürlichen abzug, der Im do ward.
In sinem anvang do geschah eins males, daz er kom in
kor gendc an sant Agnesen tag, do der convent hat enbisse:
mitem tag. Er waz da alleine und stund in dem nidren ge
dez rehten chores. Dez selben zites hat er sunderlich gedrenge
swerem liden^ daz im ob lag. Und so er also stat trostlos
nieman bi im noh umb in waz, do ward sin sei verzuket in
libe neiss ussdem libe.> Da sah er und horte, daz allen zui
unsprechlich ist: es waz formlos und wiselos und hate doch
formen und wisen frödenrichen lust in ime. Das herz waz |
und doch gesatet, der müt lustig und wol gefuret; im waz wAns
gelegen und begeren engangen. Er tet nüwen ein steren in
glanzenrichen widcrglast, in dem er gewan sin selbs und
dingen ein vergessen. Waz ez tag oder naht, dez enwust er
Es waz dez ewigen lebens ein usbrechend& süssekeit nach ge
würtiger, stillestender, riiwigen enpfintlicheit. Er sprach dur
„ist dis nit himelrieh, so enweis ich nit, waz himelrich ist;
alles daz liden, daz man kan gewörten, enmag die fr&de nit
billich verdienen, der si eweklich sol besizzen.** Diso übersw»
zug werte wol ein stunde neiss ein halbe; ob du sei in den
belibi oder von dem lip gescheiden weri, des enwust er nit. E
4 uiircd M G in ir [selben] >vi8 M wiz A 7 erzoh M Ij
s. u. an sant agnesiin tag do beschach daz er kam gand in den chor M \
sund. ^. A^ 17 ueiszwi A^ 18 weselos P 21 vergangen K vngi
AA" 23 ein fehlt M 24 Eh] er A^ 25 stillender A^ 27 gewart
mag ASa 2fl neiss] ald K 30 das iV
12 21. Januar, l«f. Vgl II Kor. U,3f,
Leben Seusefl. Kup. III. H
vider zu im selb kom, do wnz im in alter wise ale einem menseben,
der von einer andren weit ist komen. Dem lip geschah als ne von
dem karzen ogenblik. daz er nit wände, da/, keinem menschen ane
lien tod in so kurzer frist so we molit geschehen. Er kom wider
ineiswi mit einem grundlosem süfzen, and der lip seig nider gen
fcr erde wider einen dank als ein mensch, dem von nnmaht wil
Itbretten. Er erschrei inrlich und ersüfzet ingruntlich in im selb
iBil sprach: „owe got, wa waz ich, wa bin ich nu?" und sprach:
,ach lierzkliches gut, dieu stunde enmag von minem herzen niemer
linnft komen." Er gie da mit dem übe und ensah noch enniarkte
umesdig nieman nüt an ime; aber [5'] sin sele tnid müt waren
inwendig vol himelscfaes wundei-s; die himelscben blike giengen nnd
wdergiengen in siner innigosten inrkeit, und waz im neiswi als ob
«r ia dem lüfte swebti. Die kreft siner sele waren erfüllet dez .
Wtnssen bimelsmakes, als so man ein gfit latwergen usser einer bühsen
«intet und du bühs dennoch dnr n;t den gflten smak behaltet.
Diser himelscher smak bleib im dur na vil zites und gab im ein
bioflsch senung nah got.
III. Kapitel.
" Ifie er kam in die geistlichen genialtelscliart der ewigen wlsheit.
Der lot. uf den sin leben dur na vil zites geribtet was mit
inrlicher ubange, waz ein steter fliz/, cmzlger gegen würtikeit in
BiDneklicIier vereinung mit der ewigen wisheit. Aber wie daz des
fntcn gewnnni einen anvang, daz mag man merken an siuem
häthhn der wisbeit in lutsch und in latln, du got dur in bat ge-
m«chet.
Er batc von jngent uf ein minneriches berz. Nu erbütet sich
da enig wisbeit in der heiligen scrift als minneklich als ein lütseligi^
i ile» bCBcliach dem I. A' 6 einem menschen PMS'W 8 sprach
/(Ab M 10 dem frltlt A^ ood] noch Ä' 15 lectuaricii AA' electuarium
«fS'«' 16 dnr na /Ml M 17 bleib [im] M 20 gehü. fehü M 21 dnr
am fthlt P 2*2 doK waz ^1/ gegcaw.] wirdeksit M 24f. viaea bücblauhen
15 electaarinm, Utwnrje, latwerje fLexer I, lB40f.) =: diek HngekoetiUr
it^ vtrtehiedtner Beil- itnd WOrikräater, ah Salbe in einer Büchne oder in
Avffjfttn/ann aufheteahrt: vgl. M. Heyne, Fflnf BBcher deutlicher BnutialUr-
limer III (19fl3), IM f. 25 Büchlein der ewigen Weisheit und Nor "
Sapientiae.
12 Leben Seuses. Kap. in.
minnerin, da sich finlich nf machet, dar umb daz 8i menlich w^
gevalle, und redet zartlieh in fröwlicbem bilde, daz si ellA herz^
gen ir geneigen muge. Underwileut seit si, wie betrogen anc^
minnerin sien und wie recht minneklich und stet aber si sie. £r
von wart sin junger niut gezogen, und geschah im von ir, als so ^
pantier sinen süssen smak us lat und du wilden tier dez waldea
ime zühet. Dis reizlich wise hate si gar dik und ein minnekliei}i
luderen zu ir geischlichen minne, sunderlich an den bucbern, dik d
heissent der wisheit bucher. Wenn man du ze tisch laz, und ei
denne derley minnekosen horte dar ab lesen, so waz im vil wol ze
mute. Hie von begond er ein elenden han und gedenken in sinem
minnerichen mute also: „du soltest reht versuchen din gelük, ob dir
disü hohü minnerin möhti werden ze einem liebe, von der ich ab
grössü wunder hör sagen, wan doch din jungez wildes herz ane
sunder liebi nit wol mag die lengi beliben.^ In den dingen oam
er ir dik war, und viel im minneklichen in und geviel ime wol in
herzen und in mute.
Es geschah, so er momendes aber dar ze tisch gesass, so r&fte
si US der wise Salomon und sprach also: „Audi, fili mi! H6r,
kint mins, den hohen rat dins vater! Wellest du hoher mione
pflegen, so solt du zu einem minneklichen lieb die zarten wisbät
nemen, wan si git iren minnern jugent und mugent, edli und rieh*
tum, ere und [5^] gefür, grossen gewalt und einen ewigen namen.
Si machet in minneklich und lert in wesen hoflich, lob vor deo
luten, rftm in den scharen; si machet in lieb und werd got und deo
lüten. Dur si ist daz ertrich geschafen, dur si ist der himel ge-
2 frolichein PA'W 4 siiit SaN 5 also 31 8 lüder Jtf suDderÄP
in d. b. P 9 zö tusche (.!) JPaW 10 diT minn der lay koseu M 11 eUetd
Ma W 14 horte F herz also wildez M 15 die lengi fefUt P 16 dik
fddt A' 18 dar fehlt A'aNW do röfte im [us] ^* 19 mi etc. Kß
22 lugend u. m. M 24 Si — 25 scharen nach 26 lüten M 25 go£ T«
d. 1. P 26 beschaffen P [ist] der A"^
6 f. Zuerst hei Aristoteles, Eist. Antm. JX, 6 (p, 612 a,12 98.) erwokid,
dann im Physiologus (Fr, Lauchert, Ge^ch, des Phys, 1689, 19, 176/., 199 fj^
bei VinBenz von Beauvais, Spec. nat. XX, 99 und bei Seuses Zeitgemossn
Konrad von Mcgtnherg (j 1374), Buch der Natur ed. Pfeiffer 1861, W
9 Als „ Weisheitsbücher'' (Libri sapientiales oder morales) wurden im MiM
alter sämtliche Lehrschriften des Altm Testamentes bezeichnet^ besonders dj
Libri Salomonis quinque (Sj)richto., Höh, Lied, Pred., Weish,, Siraeh
19—13,2 Weisheit K, 7 u. 8, besonders 8,2. 10. 18. Sprichw. K. i— ^, h%
3,19. 4.L
Leben SeuRea. Kup. m.
htael und daz abfand andergründet. Der si hat, der ^t ge-
iriich nnd Bchlaffet rftwklich und lept sicherlich." Do er die
h(D rede also bort lesen vor ime. do zehand gedabte sin sendes
rz also: „owe. wel ein lieb daz ist! Wan ni&hti mir du ze teil
mlen, wie wer ich denn so recht wol beraten!" Daz widerzugen
bdä bilde, nnd gedaht also: „aol ich minnen, da?, leb nie gesach,
I ich enweiss, »az es ist? Es ist besser ein bandvol mit besizene
BD ein husvol allein mit wartcne. Der hob zitnbret nnd weh
inel. der gewinnet nnderwilent bungermal. Disü herii mionerin
irigöt lieb ze haben, liessi si ire diener de?, libes wol und zärtlich
legen. \n eprichet ei also: „gQtu niQrsel und starken win und
nge« schlaffen, wer de?, wil pflegen, der endarf sich der wisbeit
inne nietner an genenien," Wa wurden ie keinem diener so hertü
H für geworfen"? Daz widersprach ein götlicber gedank also:
Ibt minne von altem recht höret zu liden. Nu ist docb enkein
iriier, er sie ein lider, noch kein minner, er si ein martrer. Dar
rit ist nit nnbillich, der so boh minnet, ob im etwen ein wider-
Migeg begegent. Nim her für alles daz ungehik nnd verdrossen-
H, daz die weltminner müssen erüden, es ei in lieb ald leid."
1 disem nnd derley insprechene ward er denne aber vestklicb ge-
hfcet ze volbprteue. Des gelich beschah im vile. Etwen hat er
In willen, underwilent licRS er sin herz aber nf zerganklich
Ine. So er denne bin und her gesftchte, so vand er ieraer etwaz,
■ der gant7.e ker sines herzen widerspracli, von dem er denn ward
ff wider getriben.
I Gins tages las man in ze tische von der wisbeit, da von ein
R ingmotlieh bewegt ward. Si sprach also: „sam der scbAne
pboDi blüget nnd als der hohe liban unverschniteu smaket nnd
k der nnvermiscbet baisam röchet, also bin ich ein blandes, wol-
hhendes, un vermischtes Heb an urdruzz und ane biterkelt in
ndloseT minneklicher süzzekeit. Aber alle ander minnerin hein
M wort und bitem Ion. ire herzen sint dez tndes seginan, ire
2 schaffet KP lept] gBt S loft P 3 diso fehlt >V hört leaeii also Jtf
At «hand K i wel] wie KaW S Joch also M 7 wux <1bz ist P
M] bobe i* 10 ze fehll .S 12 den eniiarf A' bedarf MW U als»
.Jf 17 e).wrn] iergent A' widerwerlikcit P 20 denne fthlt K
/tut A' en-terket M 26 in] im MaW, fehlt K 27 gmolJieh
)t M 38 liubuiu M lilian A^ 80 undniee A 32 herzen] herrcn A
7 Vgl. Prrdig. 4,6.
* 24.18. 30. SJ.
11—13 Vgl.Sprichw.i
32 Vgl. Pred. 7^7.
W. :'l,]r.
27 ff. Vgl.
14 Leben Seoses. Kap. III.
bend sint iseDhalten, ire red gesüstü [6 '] gift, ire kurzwile erenrok
Er gedahte: „wafen^ wie ist dis so war!*" und sprach frilich iu I
selb: „gewerlieb; ez müs recht sin^ si müs rebt min liep sin, i
wil ir diener sin/ Und gedahte: „ach got, wan mfibti ich d
lieben nüwan einest gesehen, wan möhti ich nüwan einest zu
red komen! Ach wie ist das liep gestalte daz so vil lastlicfae
dingen in im hat verborgen? Weder ist es got ald mensch; fron
oder man; kanst ald list; oder waz mag ez sin?*^ Und als verr er
si in den usgeleiten bischaften der schrift mit den inren ogen ge-
sehen mohte; do zogte si sich ime also : si swepte buh ob ime in
einem gewülkten throne, si luhte als der morgensterne nnd schein
als du spilndü sunne; iru kröne waz ewikeit; ire wat waz selÜLeit,
irü wort süzzekeit; ire umbfang alles lustes gnuhsamkeit. Si wu
verr und nahC; höh und nider, si waz gegenwärtig und doch ver-
borgen ; si liess mit ir umb gan, und moht si doch nieman begriffen.
Si reichete über daz obrest dez böhsten himels und rftrte daz tiett
des abgrundes ; si zerspreite sich von ende ze ende gewalteklich und
richte ellü ding us susseklich. So er iez wände haben ein sehte
jungfrowen, geswind vand er einen stolzen jungherreu. Si geharrt
etwen als ein wisü meisterin, etwen hielt si sich als ein vil weiden-
lichä minnerin. Sie bot sich zu im minneklich und grfizte in fil
lechelich und sprach zu ime gutlich: „PrebC; fili, cor tann
mihi! Gib mir diu herz, kind mins!** Er neig ir uf die faflN
'Und danket ire herzeklich uss einem demütigen gründe. Dis ward
ime do, und nit me mofat im do werden.
Dar na ge wonlich , so er also gie verdahte nah der allei
lieplichosteu; do tet er ein inrlich frage und fragte sin minnesftchendei
herze also: „ach herz mins, lüg, wannen flässet minne und elH
lütselikeitV Wannen knmt ellü Zartheit, Schönheit; herzlust od
lieplichi ? Kunt ez nit alles von dem usquellenden Ursprung da
blossen gotheit? Wol uf dar, herz und sin und mftt, dar in im
grundlos abgründ aller lieplichen dingen ! Wer wil mir nu werrea'
Ach, ich umbvach dich hüt nach mins brinnenden herzen begirde!
Und denne so trukte sich in sin sele neiswi der ursprünglich usftoi
1 gesüssestc S 2 wafeu fehlt M 4 wan fehlt MaW 5 an f
sehen M 9 mit [den] K 11 gewilketen trone gewolketen <^ 14 d»
fehlt S 16 rillte -4* 17 erspreite P 18 wolt haben oder wonde haben a
22 lech.] lübklich (?) P 26 f. aller liepsten MW 30 us wellenden M 81 n
ufl" wol Mfi KaW 33 Ach fehlt S
•
16-18 Wdsh. S;L 22f. Sprichw. :i3,26.
Lebfu Seuscs. Kap. IV. 15
in dem er bevaud geiechlicb allez, daz gcbon, lleplich
begirlicb waz; daz waz alles da in unsprechlieher wise.
Hie mite Itoin er iu ein gewoobeit, wenn er loblieder horte
ider Büzzü geitenspil erklingen oder von zitlichem Heb bort^-
:n ald singen, so wart im sin [6^] herz und mCit geewintlicb
ig geiiiTt mit einem abgescheiden inblik in sin lieplichostes lieb,
WD dem alles liep flüsset. Wie dik daz minneklich Hep mit minne-
wdoenden ogeii, mit uazergpreitem grundlosen herzen sie umbvangen
! in daz minnenrich herz lieplich gedruket, daz weri unsäglich,
geeebaeh hie von dik reht, als so ein mäter ir sugendez kindli
ander den armen u( der schösse stende: als daz mit sinem
te Dnd bewegte eines liblis gen der zarteuden luöter enbor vert
1 sias herzen frÖde mit den lechlichen geberden erzöget, also fbr
herz dik in sinem libe gen der ewigen wisheit lustrieben gegen-
ttikeit in einer enpäntlichen dnrfloBsenheit. So gedabt er denne:
re herr. weri mir nn ein künegin gemehelt, dez gasti sieb min
\; owe, nn bist du mins herzen keisrin und aller gnaden geberin!
dir han ieh ricbtumg gnüg, gewaltes als vil leb wil. Alles des,
ertricb bat, wfilt ieh nit me haben!" Und alsus betrabteude do
1 ein antlöt so fr&licb, siuü ogen so gütlich, sin herz ward
lierende and alle sin iuren sinne diz singende: „Snper ealn-
; etc., ob allem glükd, ob aller scbonheit, du mins herzen glük
BOboDfaeit; wan gelükt bat mir mit dir gevolget und alles gflt
iefa in dir und mit dir l
IV. Kapitel,
er d«n mlnnekllchea aamen Jesus of sin herz zetchente.
In den selben ziten ward neiswaz unmeziges türes in .sin sei
idet, daz sin herz in gütlicher minne gar inbrünstig macbete,
tages, do er sin hevand in ime und sere wart kaiende in göt-
r minne, do gie er in sin celle an sin heinlicbi und kam in
iininnekHcta betrabtunge und sprach also: „acb, zarter got, wan
2 «U /thit Ä' i Bingen i>der — hört M, fehit ASPKA'aNUW
npr. A 9 m /Mi M. 10 also, als %o M kint P 13 Karten
d' 13 der lieplichen c^cb&rd M den lieplichcn geberden aW 16 gssti]
P 18 de», (laz dB! Uta 20 anlWt] hen M 24 dir terste»j\
K 29 enpfand Pa 31 ein] Bin M wan feM Ma
2] ff. i'^il, Wtish.7,10f.
*
16 Leben Seuses. Kap. IV.
kfind ich etwas minnezeichens erdenken^ daz ein ewiges minnezeiehen
weri enzwischan mir und dir ze einem Urkunde, daz ich din and
du mins herzen ewigu minne bist, daz kein vergessen niemer me
verdiigen möhti!*' In disem inbrunstigen ernste warf er yoman
sinen schapren uf und zerlies vornan sinen büsen, und nam einen I
grifel in die band und sach sin herz an und sprach : „ach, gewaltiger
got, nu gib mir hüt kraft und macht ze volbringen min begirde,
wan du mAst hüt in den grund mins herzen gesmelzet werden. **
Und vie an und stach dar mit dem grifel in daz flaisch ob dem
herzen die richti, und stach also hin und her und uf und ab, nni ]
er den namen IHS eben uf sin herz [7'] gezeichent Von den
scharpfen stieben wiel daz blfit vast uss dem fleische und ran Aber
den lip abe in den büsen. Daz waz ime als minneklich an ze
sehent von der fürinen minne, daz er dez smerzen nit vil ahtete.
Uo er dis getet, do gie er also verserte und blutige uss der cell
die cancell under daz cruciiixus und knäwet nider und sprach: „eya,
herr mine und mins herzen einigä minne, nu Ifig an mins heneo
grossen begirde! Herr, ich enkan noch eumag dich nit fürbaz in
mich gedruken; owe herr, ich bite dich, daz du es volbringest md .
daz du dich nu fürbaz in den grund mins herzen drukest und dinen 9j
heiligen namen in mich also zeichnest, daz du uss minem henei 2
niemer me gescheidest. *^ Er gie also minnewnnt vil zites, nu
neiswen über lang, do genas er, und beleih der nam IHS eben nf
dem herzen stende, als er begeii; hate, und waren die bfichstabea
umb sich wol als breit als du breiti eins geschlichten halmes, und '
als lang als ein gelid des minsten vingers. Er trüg den namn i
also uf sinem herzen unz an sinen tod, und als dik sich daz hene ^
bewegte, als dik wart der nam bewegt. In der nuwi waz es gar \
schinber. Er trug in in der heinlichi, daz in nie kein mensch gesak,
denne eine sin gesell, dem zöget er es in gfitlicher heinlichi. So
in dur na üt widerwertigs an gie, so sah er daz minneklich minne-
zeichen an, so ward im du widerwertikeit dest lihter. Sin bcBü*
etwen in einem minnekosen gesprochen: „Herr, lüg, die minner diatf
weit die zcichent irü liep uf ir gewant, ach minne minü, so hil
ich dich in daz frisch blfit mins herzensafes gezeichent.**
1 ininiu'z.] miimklich(!) M 0 die] sin M 8 noch hüte P demÄi
« stach den griffel da mit in d. f. M 11 sin fMt S und von A^ 13 an« 8\
17 und min.s — 18 Herr fehlt S ewigü MA^ 22 also gie er M 19^1
wimt P 25 <Kil ein P als du b. — 26 lan^ fahU K 28 An MA^\
20 k«'iu fehlt M in nach mensch A^
Leben Seuses. Kap. V. 17
Eins males na meti, do er von sinem gebet kooi, do ^ie er
\ sin cell und sass also uf sinen stül, und nani der altveter biich
nder sin hobt zii einem kässin. In dem entsank er im selb und
lacht in, daz neiswaz lichtes us drungi von sinem herzen^ und er
ögte dar: do erschein uf sinem herzen ein guldin krüz, und dar
in waren verwürket in erhabenr wisc vil edelr stein, und die luhten
zeroal schon. Also nam der diener sin kapen und schlAg si über
daz herz Und meinde, daz er daz usbrehend klar lieht gern heti
bedeket, daz ez nieman mohti han gesehen. Do braunen die us-
'driogent glenz als wünneklich, wie vast er sü barg, daz es nit half
von ire kräftigen Schönheit,
V. Kapitel.
[<'] Ton dem vorspil götliches trostes, mit dem got etlichii
anyahendd menschen reizzet.
'* So er nah siner gewonheit nach der mettin in sin kapeil kern
nnd dar eins rüwelis willen in sinen stfil gesass — dis sizzen waz
kurz nnd weret nit länger, denn unz daz der wahter kunte den
Dfgenden tag, — und denne giengen im och uf sinü ogen, und viel
geswind of sinü knü und grftzte den ufbrechenden lichten morgen-
sternen. die zarten küngin von himelrich, und meinde: als du kleim'i
vogelü in dem sumer den lichten tag grüzent und in frolich enphahent,
also in der frolichen begirdc grfr/t er die liehtbringerin des ewigen
tages, und sprach denn du wort nit einvalteklich, er sprach sü mit
rinem süssen stillen gedone in siner sele.
' Eins males sass er also der selben zit in siner rfiwe, do bort
er neiswaz in siner innewendekeit als lierzklich erklingen, daz alles
rin herz bewegt wart, und du stimme sang mit einer luter süsser
Teilung, under dannen do der morgenstern uf gie, und sang disü
^^rt: „Stella Maria maris ho die processit ad ort um, der
1 na meti fehlt K nach der nietti M 2 sinem M :3 in im s. ASF
5 im uff P 6 [die] erluhten P B nsbrechend SP IHf. mit — roizzct
/^ M etlichen andehtigcn m. A^ 15 SoJ do Ä" 17 daz fehlt M
^1 grnszten A' und [in] M enph.J sahcnt A' 22 also |in| K 2:3 nit|
^t(r) M 24 srnfieii fehlt A^ stillen suzzen M 27 hiW.vftlift M 2H dannen]
em P 29 ad ortum fehlt P
2 altveter, vgl. Kap. 35. 5 In.AKJiB^ ein Ideiue.s IJild: dtr Xame
HS mit f/rossen goldenen Buchatahiii in farbiger Uinrahmuny. 2J> Aus
m 9. Jiesponsorium der Maiutin am Fest Maria Gehurt f^. SeptJ, nach dem
ym irtiUantrr officium.
}{, Sc OS«, Httotiche Schrifteu. 2
18 lii'ben Seiiscs. Kap. V.
merslern Maria ist liüt her lür gezogt/* Di» gesang erhal als iibe
natürlich wol in ime, daz im alles sin gemüt verflöget ward, u\
sang mit ime frulich. Do sü es mit einander huglieh us gesungc
do ward im ein unsäglicher umbvang, und in dem ward zu in
gi'si>rochen also: ^so du mich ie minneklieher umbvahest und ie ür
nintorilicher küssest, so du in miner ewigen klarheit ie minnekliclie
und ie lie[>lieher wirst umbvangen." Also gicngcn im die ogen ul
die trehen waletan im daz antlut abe, und grftzte den ufgeudeu
morgensternen nah siner gewonheit.
Dar na uf den grnzz gie der ander morgengröz och mit einer
venje der zarten ewigen wisheit mit dem lobrichen gebetlin, daz er
schreib an etliehü nüwc briefl)uehli, uml vahet an: Anima mea
desideravit etc. Hier uf gie denne der drite grflz mit einer
venje dem höhsten minnerichstem geiste von Seraphin, der in der
aller hitzigosten fürinen minne uf flammet gen der ewigen wisheit,
dar umb daz der hizzige geist sin Iierz inbrünstig in götlicher minne
nincheti, also daz es in im selb brunni und ellü menschen durch ginii
minnerichü wort und lere enzunti. Dis waz do sin teglicher
morgengruz.
Einest an der vasnaht hat er sin gebet gezogen^ unz daz der
wahter den lajr blies. Also gedaht er: ,,sizz enklein, e daz dn den
lichten morgensternen \S^] enpfahest". Und do im also ein vii kleiu
<lie sinne in ein rnw kamen, do erhttben die himelschen jonglinp
mit hoher stimme daz schön resi)ons: llluminare, ill um innre
Jerusalem etc., und daz erklang als unmesseklieh süzz enmiteo
in siner sele. Do sü kummc ein vil wenig gesungen, do wart ixt
himelschen gedönes du sei als vol, daz sin der krank lip idt »^
nioht erliden. und giengen im du ogen uf, und daz hei*ze gieng tter
und Aussen die inbrünstigen trehen über abe.
1 für] fit! S Disj (iaz P 4 uiislilig(!) .1/ 5 und lie] M w
luiitrrlicliir P U) d. a. irruz *^s' mit e. v. och .1/ 12 an etliehe njDBti
liiu'hlaeh uf do sHircib an dem iiucligcndtMi briet'lturiiliii M an dem nagende
iiuwcii l»ri«'tl»iuldiii A^ V.\ ctr. fehlt Kl' h'wr us ASJ' 16 inbritautigtf
vKV iiihn'instly:«'!- liitziiror miiiiiv J' 18 wurt| wfrck P 20 verlogen P
2i daz| ilni J' 2:") daz fehlt .V disz K 29 aho] al M
12 in'iwc 1». — iiekiirzte lirivfftücfdiin. 14 venje, venia = l'roslrathi
(auf (he rechte Seite des J\t">rj)er.s\ vgl. Coiist. FF. (hd. Praed. iJigt. I C ',
lt. t:^'i I. 24 'J. liespnnsorinin der Matutiu an h'fn'/th<mie nach dem iJomin,
Jinricr fJs. fi(Kl).
Lüljeii fteuse^i. Kiiji. V.
\l<> er einest ulsn sass der selben zit, do was im vor in einer
e er neiswar verfiiret weri iu ein ander lajul. Also dnht
enycl gar gütlieh vor im stünde /.e sincr rehten liaud.
iener vert geswind uf und iinimvahct den ;,'eininiiten eiigel,
ftl.ll 1' -2 -.'efiirt M 4 v.Tr A vnr P -tiint S
20 Leben Seurscs. Kap. V.
und uinbschlüsset in und trukt in an sin sele, so er iemer minnek-
lichest konde, daz reht kein mitel was enzwischen in zwein, dez in
duhte, und hub uf mit kleglicher stimme und mit weinenden ogeu.
und sprach us einem vollen herzen: „owe, eugel mine, den mir der
minneklieh got ze trost und ze hfit hat geben^ ich bite dich dar die ^
minne, die du ze got hast, daz du mich nit lassisf Do entwürt
der engel und sprach also: „getaret du got nit getruwenV Lttg,
got der hat dich also lieplicli unibvangen in siner ewikeit, daz er
dich niemer wil gelassen.**
Und eins males nach einem lidendeu zite do geschah eios ic
morgens frft, daz er och umbgeben waz mit dem himelschen ingesinde
in einer gesiht. Do begert er von ire einem klaren himelfärsten.
daz er im zogti, in weler wise gotes vcrborgnu wonung in siner
sele gestalt were. Do sprach der engel zfi im also: „nu ttt einen
frolichen inblik in dich und lag, wie der minneklieh got mit diner V^
minnenden sele tribet sin minnespil.** Geswind sah er dar und sah, "j
daz der lip ob sineni herzen ward als luter als ein kristalle, und :^
sah enmiten in dem herzen rftweklich sizen die ewigen wisheit in i
minneklicher gestalt, und bi dem sass des dieners sele in himelscber j
senung; du waz minneklieh uf sin siten geneiget und mit sinen 4|
armen umbvangen und an sin götlich herze gedruket, und lag also
vei-zogen und vei'sofet von niinnen under dez geminten ^te»
armen.
[9*^J Er hate im selb ernüwrct etlichü band, und do ward lU»
der engel naht, do waz im vor in der gesiht, wie er horti engelsck-
liches gesang und süzzes himelsches ged6ne. Da von ward im il*
wol, daz er alles sines lidens vergass. Also sprach ire [d""] einezfc
ime: „sih, als du gern hörest von uns daz gesang der ewikeit, al«^
1 umbschüssi;t M 2 dez) daz P 8 der fehlt S 10 eiii«ai.',
dem 6' 12 ire) orst(!) P einen KA^ 14 einem A 17 ward /«Alt i^
18 ensach «V ruwekl. fehlt M 22 verzoy:en nnd fehlt M imd
minnen A" 24 Ks K 27 ainü .1/ 28 als gern du von uns h,
ainikeit M
2'.^ In AKJiWB^cc ein Bild: die ewiye Weisheit and des Diener« .V«
umarmen sich auf seinem Schoss (Abb, :? nach W Bh 14*'). 24 I
Kap. 15. 25 Vorabend des FesUs aller Kngel ( Michaelittfe^tJ, dae
:Jlf. Sept. (jeftiert wurde
^
lA-boil
Ki>p. '
21
Pen wir von dir gern daz gesang von der ewigen wislieit." Und
Ps^ach über dur na alßo: „die ist des gesanges, daz die nserwelti'n
tieiligen werdeut frölicli singende an dem Jnngsten tage, so sii an
schfiwent, dnz sä in iemer werendei- fr6de der ewikeit aint
5 liestelel."
Kr bäte dur uu einest an ire liobzit vil stunden in semlicber
fflliownng ir fr6den verzeret, iind do es nabele dem tago, do kom
n .iungiing. der gebarete dem glich, als oh er were ein hiinelscher
spilinan von got zfi im gesendet. Mit dem kamen ueiswi nienger
Miiolzer jnngling in .ijlichei' wise und geberde als der vorder, denne
1 daz der erst etwaz wirdekeit Imte vor den andren, als ob er
«i-ri ein furstengel. Der selb jungling kom als recht wol gemiitek-
I lieh zfi ime und nieinde, sfi weriu dar nmb her all von got zll im
Ipfendet. daz ^ii im söltin in stnem llden himelsch fröd machen,
IkhI £|>racb. er Rfilti sinü Itdeu nz den sinnen werfen und inen gesel-
fiAift leisten, und er müsti mit in och himelschlieb tanzen. Sü
' EUgvii den diener bi der band an den tanz, und der jungling vie an
I fid rr&lii-bex gesengeli von dem kindlin Jesus, da/, spricbet also: In
nlci Jubilo ete. Do der diener borte den geniinten namen Jesus
0 süsseklieh erklingen, do ward sin lierx und sinne alse reeiit
frenifit, daz ime verswand, ob er ie liden bat gehabt. Nu
t er mit fröden, daz sn taten die aller liöbsten und die aller
r frieiteii 9|ininge. Der vorsenger der kond es ids gar wol mren, und
dfT sang vor und eü na, und sungcn und raniteten mit jubilierendem
Der vorsenger macbete die repetitio wol drivalt: Ergo
etc. Dis tanzen waz nit gescbaten in der wise, als man
P diser weit tanzet; ez waz neiswi ein bimelscber uswal und ein
in daz wild abgründ der götlieben togenbeit. Die und
■ himelsches trostes ward inic unzallicli vil in den selben jaren.
1 gern v.in dir SM [vi.»] di-r MA^ ew
4 iii fthll M 8 einest fthll A'
na] »irenif »hniu; K, feldt Jf 7 tr5<l ^t
y IH üch mit in M 20 u. sin
n ftiat M 3 frStich
huliz. iiiijs nachtz 3f
t^'iiiifii und i^caoiidet M
II .1/ 21 k- f^hll A'
■ivierwi HA'fö' regieren KaU 24 jiibi-
c- fehtt M 11 diaer] «ier i'M
Vgl. H'iffmann v. t'uUenhhtH, lii dulei Jiililo, ein Btitrag tur Gt-
|«tmii« df druUcbtn Pon-ie, S.A. 1861. Bf. 4tl—6u.- i'h. Waektr, taget, Tia»
e Kirchnilicä II, 4a:iff. Hit Übc.-llrfvrnng ,le- Müthlittiei üt vtn-
• -■ Uoffma'"' Uietrt tinc nitdtrländi'cl-e I'faKung des IS. Jli. mit d-m
I Krijo merilii in der rrsten Slf'/'/n:
1
22 Leben Seuses. Kap. VI.
und aller meist xfi den ziten, so er mit grossem liden waz umbgebei
und dö wurden im denne dest lichter ze lidene.
Einem heiigen menschen waz vor in einr gesiht, do er ühc
alter waz gegangen mess sprechen, daz er wurdi luter mit einr irc
Zierde einr durlühten minne. und sah, daz dii götlich gnade her al
towete in sin scle, und daz er ward eins mit gote. Do kamen
hinder in stende gar vil lutseliger kinden mit brinnenden [10'] kerzen
zft dem alter, eine na dem andern. Sü zerspreiten Ire arme nud
umbviengen in. ein ieklicher sunderlich, so sü iemer lieplichest kondcn,
und trukten in an ire herzen. Sü fraget von wunder, wer sü werin
ald waz sü meindin? Sü sprachen: ,,wir sien üwrü gcswisteroit
mit lobe und fröde in ewiger selikeit, und sien bi üoh und hüten
üwer ze allen ziten.** Si sprach: „ach lieben engel, waz meinet,
daz ir den herren so reht minneklich heind umbvangen?" Sa
sprachen: ^do ist er uns als herzeklich liep, daz wir vil tüues mit :
im haben, und wüssist, daz got unsaglichü wunder würket in ^iner
sele, und waz er got ernschlich hat ze bitcne, dez wil im got niemer
versagen."
VT. Kapitel.
Von etlichen Visionen. ^
Do in den selben ziten hat er gnr vil vision künftiger und
verhorgenr dingen und gab im got neiswi ein enptintlich kuntsanii.
als verr es denn moht sin, wie es in himelrich und in helle und in
vegfür stünde. Es waz im gewonlich, daz vil seien im vor erschinen?
so Sil von diser weit geschieden, und im kund taten, wie es iß '
ergangen weri, wa mit sii ir bfisse hetin verschuldet und wa wi^
man in gehelfen inöhte, oder wie ir Ion vor got weri. Under deö
andren erschein im och vor der selig meist er Eghart und def
1 irrosM-n A 7 Ihtzcii ihin-hstrichen, darunter kerzen M heiifO
ASPA' 8 sül (hl ASA' 12 init] an M lobe \\n^ fehlt F \h M
so S 17 irnstliclies Z^ bictene .1 dez] dz l^M 22 gab im got]
i^owan M 2'i bimelr. |uiul| P 24 vil üowonl. M vor im M 25 in]
iin(!) M 2G \v fi'hlt A^ 27 von L'-ot S 28 do erscbein S
28 Ecklicirt .sfarh bald nach seiner Krhlärnntj com 13. Vehrnar i-W*«
/// dassclfiL Jahr f(dJf wohl auch die Vision.
\m\\g brildei' Jnlians der Ffitrer von Straebiirg, Von lU-ni ineieter
wnnl er bewiset. tiaz er waz in iiberswenker giinlifhi. in die
irk hlos vergütet waz in gote. Also begertr der iHcner zweiev ding
II im zc wÜBseiie; da/, ein waz: wie dfi monsclien in got stiinilin.
»ilii iler nehsten warlielt mit rehti-i- gelafiscnhi-it ane allen faleeli {;erit
piii:: >vmn. Dez wart ime evüüpet, <iaz dero menschen ingenonien-
Wil JQ die wigelosen abgrändkcit nieman niöhti gewÖrten. Er traget
akt fiirbaz also; ein inenscU. der gern dar zQ kemj, waz dem dii
fdrderltchest Übung weri? Ün sprach er: „er sol im seil) nnh f'm
lD»ll)Rheit mit tiefer gelasHetilieit entsinken, und ellü ding von gut
der creulur nemeii, und sicli in ein stille gedultkeit sezzcn
ft{ei) »llen wullineu menschen ^
Der ander bnidei Joiians iIli /ogk im ihIl in dei geiilit die
nnncdicheii icbonbeit, mit dei &m seh vcikleiet nae nnd \nn
I begert u och, da/ ci im ein frag n/ nliti Du fug » »•* nlsii
If fraget nelu under [10'] allen ubungLn du wen, du einem men
n aller wtr'^t teti mid im allei uuzest wen '' Do hfih ei ut und
mich da/ mit wetuiiders und uiizeis di m mensch' n wen, denn di
[(fr men-tth ni „-elasBenheit von fiot im stlbci gedulleklich nb rin-igi
pnuilalsi gnt dm .irot Ikem
■510 eigne vater du di.i wAt kiiit zi iinl «iz gt«f-Ln tlei
fi^them im vor na «iiieni t de und / )plt im mit unim )injeilniiiii
|>ullikBin angHtlalic^ legUir und wo. mit n du iIIli um ist h itc
1
1 liejlig] nelit; S fütrc
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l Johannes >ler Fiilerer gflt-irl einer ungeielieniii, nichliialri-'irhcit A'Inms-
trJ-^iuilie .in ; ;4l3S/3tf »ml tUlli2 wird Clames F&Urer mu der A'iJr«c/.i.ci--
fi in den Hat ytvähU iSlrassb. ÜB \'H, 69-', 895). ■ 1307 sind Wilhetni J-'.
^ A^mtin. II, ■^ Altxandtr !■'. cu/iontcus am St. ThiimaekapHel url:uii<lHi-h
a.l}.3T7t. Johanne» !•: rrncktinl 1335 fthd. III, 3JL') tilsMit-
atltr l'rtdigtrkonvriiU ; der ISüli ynanvte lehd. \'II, 'iö^t gleifJi-
tK'liurgcr Sa'ipi'ior uiird ir-IU ein V-nraiidler von »Am gtirentii m-in.
fmfiiU m^iriitLher Pndigtfti von ..Bruder Jnhan» der fSttrur ein hitdi'itr"
m in ittr Strlinrr Handnelii-ift ,U-. germ. gnart. 191 <XV.JIk' BI. iSTi';
Si*. .%?■', ätü)''. ISit sitmlieh migcachiekl tusninineni/ttlellleii ft'tiriiclit
alHr keinen it,grijf eon Ks Brdiuluii// als Brrdirjer ; Bt. ^iÜS' nennt *lr
= UiiinimiiaticrlnutnkhiKltr Sl. Kolhiiriuu iu Sirmxl'nry ut» Ort
M
24 Leben Seuscs. Kap. VII.
verschuldet; und seit im usgesclieidenlieh. wie er im helfen sohi
Und dnz tet er. Und er zogte sich im dur na und seit im, daz e
lidig dur von waz worden. Sin heilgü rofiter, mit der hei'zen unf
übe got wunder würkte bi ir lebene, dii erschein im och vor in
einer gesiht und zogte ime den grossen Ion, den si von got enpfangen
hate. Des glich beschah im von unzallichen vil seien; und hier ab
nam er do lust, und gab im vil zites einen bildrichen afenthalt in
der wise. die er do ffirte.
VII. Kapitel.
lu weler Ordnung er ze tiseh gie.
So er ze tisch solte gan, so knuwet er nider mit inrlicher he-
trahtung sines herzen für die ewigen wisheit, und bat die vil ge-
tnilich, daz si mit ime ze tische giengi und mit im enbissi, und
sprach zfi im nlso: „aller süssester Jesu Criste, ich lade dich mit
grosser begirde mins herzen und bite dich, als du mich milteklicb
spisest, daz du mir och hüte din zarten gegen würtikeit verlihest.'*
So er über tisch gesass, so saste er den geminten gast der reinen
seie eben für sich zu einem gemassen und sah in vil gütlich an;
etwen neigte er sich uf die siten sines herzen. Zö einer ieklichea
trabte, die man im für saste, bot er nf die schnssel gen dem himel-
sehen hüswirt, daz er im sinen heiligen segen dar über teti, and
sprach dik in einer minnericher frnntlichcit: „ach zarter gemasse,
nu isse mit mir. herr mine, nu grife vor dar und iss^ mit dinem
knchtl'* Und derley minnekosendü wort hat er gen ime.
So er trinken wolte, so hfib er den köpf uf und bot im in
och vorhin, daz er trunki. Er trank do ob tisch gewonlich fünf
trünke und tet die uss den fünf wunden sines geminnten hcrren;
wan aber |11'] wasser und blüt uss der götlichen siten ran, bicf
unibe tet er disen trunk zwivalt: den ersten muntvol und deo
jüngsten noss er in der minne dez minnerichsten herzen, so die
ertrich geleisten mag, und in der inhizigosten minne dez hohsten geistefi
von Seraphin, daz die mit sineni herzen wurdin völleclich geteilet
1 usbcsrlicid. M 2 er irzoigte P^l'« 4 vor naiswie M 5 voi
irot fehlt A^ 6 Dos] dis S 7 doj deime P 10 8:ie essen P 13 [im
enb. P 14 siirucb also z. i. P 17 gesass feUit A^ 18 för sich eben Ä
22 ininneklichcii .1/ 25 uf nach hub er -V 26 do fehlt MA^ 28 wti
J\'h1f M blüt u. Wasser F den A^'P HO miniiricben M 31 hitzigosteB 1
:V2 wurd M voll, fthlt M
Leben ^Seusfs. Kuji. VII. 25
l'ic Spiee, du im uit Uiiplig wax, bot er ze tiuiken geu dem minnewutiileu
knea mit ^bteiu globeii, aar. »i iin denne nit möliti genclmdeii.
Er sAfate last an op^e. und daz wolt im got nit gestntcn. Im
iu vor in einer geBiht. wie im einr Imti einen apfel und sprach :
'.nim hin. da/, ist daz. da du lust au sQcbst," Do sprach i?r:
.Dein, alle iniu lust lit an der minneklicben ewigeu wislieit." Do
meiiide er, änz weri nit war, er eflliti sinen luet ze vif an dem ops,
l'nd dez erscliamt er sieb iu im selb, und was zwei jar. daz er uie
ieiiies opses enbetss. Do dfi zwei jar mit belangiing hin kamen
KmiHi in dem nagenden jare daz ops erseseen waz, daz dem convent
nil npses ward, und er mit mengem strite sich selber überwand,
||«z er kein sunderlieit ob dem tieclie wolt haben mit opae. du bat
CT gnt, weri es sin wiiie. daz er es t'BSe, daz er denne den cunveut
tllen npses beriete. L'ud daz geschalt. Do mornend ward, do kom
Um frömdü person und braelite dem unnvent ein gfit teil nüwer
Pfenning, und wolt nit enbern, wan kofti liberal nüwan epfel dur
Und daz geschah, also daz sA vil /jtes guQ^ baten, und also
er daiikberlich ops wider ze essen.
Da/, gross ops teilt er in vier teil: du diu ass er in dem
liHnieii der heiligen drivaltekeit, daz vierde teil in der minne, als
liii bimelsch mflter irem zarten kindlin Jesus ein epfelli gab ze essen.
Itiz selb teil ass er unbesehniten, wan es du kindeKi also unbe-
Khiiilten pflegent ze essene. Von dem winnahttag nnz etwi lang
na so ass er nit daz vierde teil: er bot es in siner betrahtunge
itT Harten mCiter. daz si'i es ir lieben jnngen sfinlin gebi, so wolt
fr äia in den worten enbern. So er underwileut ze geawintliehen
»f die spise oder trank viel, dez erscbamt er sieb vor sineni erberen
pinaseen; und so er diser Ordnung keiner ob tische weri ab ge-
Mngen. m gab er im selber büss dar i'ilier.
Eh kom einest eiu f^tttev mensch von einr andren stat zu ime
"id seit ime. daz got iu einer gcsibt zft im beti gesprochen also:
.«eilest |11'] du ein ordeiiliehes tischsizen haben, so gang zfi
wiiipm diener. und bnispi dir alle sin wisc sagen."
I mJiUK'iitleii i' L' v-e»c1]. molilc P 4 Imti itiii<-r MA' :> uiin]
til- 7 diii] PS A' ••> hjiil as P 10 vcrsezaeii MA' 11 sdb.T
/•Uf M 12 ■uiirlerhei't .-l 13 uiti fi/ill S 13 f. dem c. alle» opaee A'
iß tTtHTn ASP duj' uiul> P 18 dauklicfi willer ohe M 21 uirteu ffhit M
Xk/MI .V -^ finmASKA' |<'ff/. 22,17) 3B Winf\ fehll Ä iX lieltl
lil m K sfMjirnrfien liet [alnn] ,1/ :(:-( Bin] ilic >
d
26 Leben Sensos. Kap. VIII.
VIII. Kapitel.
Wie er hegie daz ingend jor.
Als ze Swaben in sinem lande au etlichen steten gewo
ist an dem ingendem Jare, so gand die jungling dez nahtes ii
unwisheit und bitent dez genieiten, daz ist, sü singend lieder
sprechent schönü gediht und bringent es zu, wie sü nu'igeni
hof lieber wise, daz in ire liep schapel geben. Daz viel s
jungen minnerichen herzen also vast in, so er es horte, daz er
der selben naht für sin ewiges liep gie und bat och dez gemt
Er gie vor tag für daz bilde, da du rein mtiter ir zartes 1
die schönen ewigen wisheit uf ire sclioss an ire herz hat gedr
und knüwete nider und hüb an ze singen in stillem süssen ge
siner sele ein sequenci der müter vor an, daz si im erlopti
schapel ze erwerbenc von ir kinde, und da er es nit wol köndi,
si im da hülfe, und ward im dik als ernst und als not ze we
daz im die heissen trehen über ab waletan. So er da us ges
so kert er sich denn gen der herzlieben wisheit und neig ir i
uf die füsse, und grftzte sie von dem tiefen abgründe sines h(
und rftmde si mit lobe an sehöni, an adel, an tugenden. an zart
an friheit mit iemer wercnder wirdekeit über alle schön jungfn
diser weit, und tet daz mit singenc, mit sagene, mit gedenken
mit begirden, so er iemer best konde. und wünschte denn, da
in geischlicher wise aller minner und minneklicher herzen ein
lofer weri, und aller lieplicher gedenken, worten und sinnen
orthaber weri, dar umbe daz er die wirdigen gnü minneklicli
ire unwirdigeni diener kond geloben. Und sprach denn ze ji
:3 i,^<'\v(m -1^ 4 «l»'z fehlt M 5 unwisheit korritjürt aus unw
heit A unwissenlicit P 11 [hat] c^edrukti .1/ 15 als not u. a. en
19 tujrent 3A 2\ mu\ mit sair. 1* 25 entliaber I* wiiriloklicl
2G wirdigen A^
IJ tr. Übjtr die ahmanniaclicn Volhsfjehrüuvhe in der Ntujahrsnacht.
(las Ansingen dt r GrUehtai ( früher ..Kntnzstnffen" genannt ^ noch jetzt
Holle spielt, vgl. K. II. Mcf/er, liadisr.lies l'olkshhen im liK Jahrhundert
2(0Jf., 4Uo. Dt'Z gemeiten biten um das Angenehmr^ die LieU
bitten (von üfomcit schön, stattlich, li'.lf) : (irimm IJ]V IV\ <J37:/ff.: Si
ier ir-\ 4.1! f. Denifle -10: um Kränz lein singen, schapel Kranz ron lil
oder I wie hier) hünsilich'.'r Kranz, Hand oder Diadem (oft mit Perlen bt
um die tStirne geschlungen, als Sclimucl' für Jungfrauen. Frauen and .Mö
vgl. Lerw IL HöU : 1) W VI IL :>lnüf. ; A. Srhnlt:, Bas hüf, Leben /-, :>U
Kii]i. IX,
»Iso; ,ach, du bist doeli, liep, min frilicher ostertay, iniiis herzen
^nwrwunne, mhi liebii stunde; du bist dnx lieb. äa?. miii jimge/
Ijcw «Hein miniict und meinet, und alles zitlicli lieb dnreh dich
hl verschmähet- Dez lasa. herzonlrut, mich gciiieasen, und tass
i laich faÄt ei» 8cha|)el von diu erwerben! Ach uiiltes herz, ttl es
ifirr ilin g&tlielien tagende, dur diu nntiirlichen güti, und lass mich
liit an dieem insendem jare nit ler von dir gnn! Eya. wie slundi
fB dir. 8Ü8S*i [12'] eüssekeit? Gerlenk, daz eine Hin lieber knelit
m ron dir seit und Bprichet. daz in dir nit eic nein und ja, in
liirgie DÜwan Ja und Ja. Dar unibe, mius herzen minnt?, Iifit mir
lilil ein liepliches ja diner hinielschen gäbe, nnd als den toben
niiriDem ein liepliehes schapel wirt gegeben, also müss miner sele
W zo einem gl\ten jare etwaz Hunderlicher gnaden ald nüwes liehtes
i'on diner 8ch5nen hant geboten werden, zartii trütii min wisheit!"
'Ife und dez gelich begond er do und gie nienicr ungeweret dannen.
Von den Worten Sursuiu corda.
Er wart gefraget, was sin gegenwurl' wei'i. so er iiiess sang
ipd er ror der stillen messe ilie prefation an bttb: Sursum
'rdn! Wan du wort nach gemeiner hellung sprechet ze tütscb
!": Surstiin, süsent uf in die höhl elli'i herzen zä gote! Du wort
DCngeu im als recht begirlieh uss sinein munde, daz dii menschen.
1 es hortan. einen snnderu andaht dar ab m&btin hau genomen.
an frage entwürt er mit einem innekücben süfzen und sprach
»: „wenn ieb dn selben lobrichü wort Sursuni corda saug in
f iDesse, so geschah gcmeinlieh. da/, min her/ iin<l scle zeiHussen
n g5ilichein jamcr und begirde, die min herz ucs im selb an der
rode vcrfl6gteii; wan es erlidhen sich dennc gewonlieh drierley
"h uftragender meinungcn. Etwen kom einü. ctweu zwo,' elweii
•JIp drie. in den ich ward nl'geswenket in got nnd dur mich allf
Bfitnren.
a und meinet /Mi M 6 j-rnil ^iiii.l AsP lu
ei' II lieiii-l luiniitclicheK A' colieii i' la licpl. /e/.« .1/
K werUi'Ti «eh, i' 15 iiieuier) der minner 0) ^
it P 23 ilur all nach t^enomen M '24 inrlieliea M
1' und *i:li! fehll P zi-rttix PM 2«l TiiiiiuiiiL'Pn F
9ff. Paulus, ti Kor. LV.i.
Usehäncii
21 sAsenii
2ti trowöii-
28 Leben Seuses. Ka[). IX.
„Du erst inluhtend meinunge was also: ich nam far minü
inru ogcn mich selber nah allem dein, daz ich bin, mit lib und sele
und allen minen kreften, und stalte umb mich alle creataren, die
got ie geschttf in himelrich und in ertrich und in den vier elementen^
ein iekliches sunderlich mit namen, es weri vogel des luftes, tieir
des Waldes, visch des wassers. lob und graz dez ertricbs und da^
unzailich grien in dem mere, und dar zti alles daz klein gestaplaeh,
daz in der sunnen glänz schinet, und ellü du wassers tröpflu. du
von tow ald von sehne ald von regen ie ge vielen ald iemer me
gevallent, und wünschte, daz dero ein iekliches heti ein süsses uf-io
tringendes seitenspil, wol gereiset uss mines herzen innigostem saffe^
und also uf klanktin ein nüwes hochgemutes [12^] lob dem geminteo
zarten gote von ewen ze ewen. Und denne in einer häglichen wise
zertaten und zerspreiten sich die minnerichen arme der sele gen
der unsäglichen zal nller der creaturen, und waz sin meinonge, sAUft
alle frfitig dar inne ze machen, recht als so ein frier wolgemüter
vorsenger die singenden gesellen reizet, frölich ze singene und ire
herzen ze got uf ze bietene: Sursum cordal" 1
„Du ander meinunge waz also/ sprach er, „ich nam her Mr
in minen gedenken min herz und aller menschen herzen und binder- W
dahte, waz lustes und fröden, waz liebes und frides die gebrochent,
<lie iru herzen got allein gebeut, und da wider, waz schadeu ofld
lidens, waz leides und unrtlw zergaugkliehü minne in treit ire unter*
tanen. und rufte denn mit grosser begirde zu minem und zu deo
selben herzen, wa su sind, über ellü ende diser weit: „wol uf, ir^
;revangnü herzen, uss den engen banden zerganklicher minne! Wol
uf, ir schlafenden herzen, uss dem tode der sünden! Wol uf, ir
üpigen herzeu, uss der lawkeit üvvers tregen, hinlessigen lebeos!
Habent üch uff mit einem gantzen ledigen kere hin zu dem roinnek-
lichcn ^ote: Sursum cor da!" Ä
„Dil dritte meinunge waz ein früntlicher rflf aller g&twilligcr
nn<c»»lasenr menschen, du verierd gand in in selber, daz sft weder
i
1 I am Kunde (i'ot i A luaiiun«: 1* -J ^esjt-iilt ilf 5 warin K
7 klein J'ehli A^ irosstüppe S stüplacli M 8 troppfen P 10 daz fthli M
12 kleiiken uüwrs fehlt s IS in eirH»r| niemer (!) Ä" hfigl.] frolichea 5
14 zorbreiteii .4' minriekliolion vor niinncr. durchstrichen A 15 und — men.
fehlt M H> all.' fihlt M 18 iis \zv] b. P uf fehlt M 19 II am Bimü
• mti A a. zwo niannnge V '2i) in min herz A^ 22 allein] aller ding Jf
iUi fehlt A' 25 wol nf wol ut" M wol — 26 minne fehlt A^ 29 äff
u.:h 6' uff fehlt P niinnekl.] Iiimclsclien P 31 111 a, Raiul (rnt) A
rrnntlicln's iTiffen P 32 verierd] vierde di 1*
Lttbcn Seiises. Kau. X. 2i^
an got noh an der creatiir hein, wan ir herz hin und her mit der
zit zerströwet ist. Den rftft ich und mir selb uf ein getürstiges
wagen unser selbs mit einem ganzen abker von uns und von allen
creaturen."
5 Und dis waz sin gegenwurf in den worten Sursum cor da.
X. Kapitel.
Wie er begie die liehtmiss.
An iinser frowen tag zfi der liehtmiss bereit er vorhin drie
tag mit gebete ein kerzen der himelschen kindbeterin, und du kerz
0 was gewunden mit drin strängen also: der erste in der meinung ire
reinen, jnngfr6wlichen luterkeit, der ander ire grundlosen diemutikeit.
der dritte ire mftterlichen wirdekeit, du drü si allein hate under
allen menschen. Dis geischlieben kerzen bereit er vorhin alle taj:
mit drin Magnificat. So denn der tag kom der kerzwihi, frü, e daz
loieman ze kilcben giengi, so gieng er für fronalter und wartet da
in siner betrahtunge der kindbeterin, wenn sü kerne mit irem
bimelgcben horde. Do su nahte der ussren porte der stat, so fur-
lnf[13'] er in sines herzen begirde su alle, und lüf ir engegen mit
dem gezo;re aller gotesminnenden herzen. Er viel in der Strasse
*• für gi und bat si still haben mit ir gezoge ein wili, unz daz er ir
eins gesungi. Er hob denn uf und sang mit geischlichem stillen
?ed6ne, daz der mund gie und es docli nieman horte, die prose:
In?iolata etc., so er iemer minneklichest konde. und nei^ ir von
gninde, so er daz sang: 0 beningna, o beningna, und bat si»
^ daz si die milten güti an einem armen siinder erzogti, und stund
denn uf und volgete ir mit siner geischlichen kerzen in hegirde, daz
w die brinnenden flammen des gotlichen lichtes in im niemer liessi
erligchen. Dar na so er denn zu der schar aller niinnenden herzen
kom, dien hüb er denne an daz gesang: Adorna etc., und ermant
BÜy daz 8Ü minneklich den heilant cnpfiengin und begirlich sin kind-
2 vtTstrowet *S f^estrowct P zerstöret .1' ;) leben und wa^^en *y alikei
inuiiz P uns selben M 8 zu fehU F 10 bewundrn P 1 L in*] in .V
12 den dritten ASKMA^ 18 ^Hc fehlt A' 19 viel nider A' 20 unz
md K 24 so] do AS 26 an im o. ^f 2B in der beir. M 29 dierii
lenn M so afS^
23 f. Aiis dei' 1, Vesper von Maria Lidttmess cJ. Vthrtiar) mich dem
'jominikanerbrevier. 29 Antiphon bei der Kerzcnprozei^Hon an Licht incss.
30 Leben Stuses. Kap. XI.
beterin urabfiengiii; und ffirteu si also mit lobe und gesange un
ztt dem tempel. Dar na trat er mit herzenbegirde dar, e daz d
kindbeterin bin in kemi und hern Simeon den sun gebi, und kniiuc
für si und hftb sinü ogen und hend uf und bat si, daz si im de
kindli zogti und im daz och ze küssen erlopti. Und do si im (h
gütlich bot, so zerspreit er sin arme in du endlosen teil der wit «
weit, und enpfie und umbfie den geminten einer stunde ze tuse
malen. Er geschowete sinü hübschü oglü, er gesah sinü klei :
liendlü, er ergrüzte sin zartes mündli, und ellü sinü kintlichü gelid
dez himelschen hordes dursah er, und hüb denn uf sinü ogen ui
orschrei von wunder in sinem herzen, daz der himeltrager so groi
und so klein ist, so schön in dem himelrich nnd so kintsch in ertric/j
und begie sich denne mit im. als er im es denne ze läne gab, tnii
singen und mit weinen und mit geischlichen Übungen, und gab in
denn geswinde siner müter wider und gie mit ir hin in, unz daz es
alles volbraht ward.
XI. Kapitel.
Wie er begie die yasnaht.
So denne du vasnah t nahete, des abendes, so man alleluja leit
und die unwisen lüt diser weit an vahent verlassen ze sine, so vic
er an in sinem herzen ein himelsch vasnaht zesamen tragen. Unc
du waz also. Er betrahtet dez ersten den kurzen schedlicben lus
diser liplichen [IS""] vasnaht, und wie etlichen umb kurzes lie|
langes leid volget, und sprach einen Miserere dem werden gote f&
alle die sünde und unere, du im in dem selben verlassen zit geschihi
1 siinjre P '^ hin] liif .V licrrn] lieti I\ den] irn M geben J
o och daz *y 5 f. «;. daz gebot 6 teilj tal P 9 grüszet A^ cllü/eW/ -''
10 dursah] <laz sähe P 11 in fehlt M Vi\ es] des A^ mit sin^n -
J4 irab fehlt .1' 15 mit ir gW S gie denn M 20 nn\\T8en A unwi»ei
unwurschen A' di'rlossen ^^ 21 hhwQWh fehlt M 22 dez ersten /eÄft 3
24 so lanireb 1. P 25 (ien . . zit(?n P
19 \'on der Vesper am Samstag ror Scptuagesima bis Ostern hört dm
AUelujfi auf: man nannte dies das A, legen (a. claudcre, dimitteref sepelire), 3f^^
unter waren an Sept. nach der Non symbolische Feierlichkeiten damit ©er
banden. Vgl. Gmtefendj Zeitrechnung /, :'> : Ducange ed. Henschd J, ISt
20 ff. Das Fastnacht treiben ist im südlichen Baden j von der Baar hitt zm
JJodensee, noch jetzt besonders lebhaft, vgl. E. H, Meyer a, a, 0. JO^'J
24 Ps. :'tO, ah hirchlichcs Bnssgebet nft gebraucht.
LeWn r't»
Kiiii. XI.
31
\'>f vasiialit hiesf er dtr cehnren vasnaiit, wan bi!i nit beaeers er-
^pDnent, Di'i Miider vasaaliC woz ein betrolitange (los vorBpils der
i'wikdt, wie got mit einen userwelten rründen dennoli in discm
Mmigeni libe mit liimeUclicm trostn »pilt. iiud uam denn her fl'ii'
' mit ibnklterem lobe, wiiz im de/, wcirdcn wns, und liess im mit
;r<)i »ol ein.
In dem sell>cii aneviiliendei] zitc w:trt im ocIj einest ein geimth-
licbii vnsmilit von gut, nnd du wn?. also. Ki' w:i/ an der vasnnlit
VW der conplel in ein warmes stübli {refranjjien, da/, er sieh wolte
m mniieti, wnii in IVnr und linn^ret in. Aber im tet nit nl» we als der
tur]<t. den er leid. L'nd do er da )>i(Ii lleise.b essen mid gftten win
trinken und er hun;;rigc und lursti^ was. do ward er von innen
gcruret, und gie halde us und liegond »ich selb erbarmen, nnd ward
tng ^and eins ber/en innekllcli HÜfzende. Des selben nahtes was
or in einer j;esihlc, da/, er weri in einer siecbslubcn. Also
tWt i^r tissrenthalb der »tnlien neiswen singen ein himelecbes geeang,
Ulli daz gedöne erklang als süsseklicb, da/, nie kein natitrlicliu
ir|)f 80 BÜsseklieli »{iraclt, und was dem glieh, als ob ein /well-
'jwjes sehCilerli da sungi alleine. Der diener vergase aller liplieber
nt Inset dem süssen gcdöne, und sprncb mit begirliebem
Wn: „acb. wnz ist da/, dii singetV Ich gehorte doli uf ertrich nie
*' «iis« gedöne!" Do entwürt im ein stolzer jungling, der stund
epr.ieli also: „du solt wüssen, da/, dise wolsiagender knabe
''Billiget, nnd da/, er dieb meinet mit sinem gesang." Do sprach
dimier; „nwe. gesah mich gotl Aih bimelscber jungling, heiss
n*^ singen!' Er san;; aber, dnz es in dem lut't höh eraclial. und
ing tvnl drit himelsebn lieder us und ns. Do daz gelang ns wnz,
kom der seil) wolsingender knah. de/, in duhte, bin in dem lulle
dtai vensterlin der stuben. und but dem jungling ein hübsches
'Inli, daz wa/. vol mter friiliten, und die waren glich roten zitigeu
lltern, und waren gross nmb sich. Der jungling aiim die zeiiieu
"") dem knallen und bot [1-i'j sü dem brfider mit fröden nnd
'pQCfa: nl'i'kge. geselle nnd geswislergil. dis n)ten l'ruht hat dir diu
fruDi und diu himelscher hcrr gesendet, der wunneklich knab und
1 Hesfipfes] iiuder< ■■■ 5 \\-.\h\ waz A 7 ;iiin.'hteiiifeii Jl/ lü Imngrut
liöl f IJ <Tlinil .V lleisoli «Uli •: .S' 17 natürl. fefäl .V 21 iia
ia i:\t M Do — üT iiihI m fehlt K 26 'lern] li.m A' liöhe luft S
3i Hclli/e/i/l M ile^t in ihiUe /fhlt A' 28f. hin in xt d. v. ia
ilufte a.T -I. * ao Iriil.t .1/ 31 Der Jana], fehl I M :il dai neiulin P
B conplpl, compUlarinm ist das kirrklichf Abeiutgchel.
32 Lehen Seu«OH. Kap. XJI.
sun dez liimclscheu vaters, der dir och gesungen hat. Ach, wie bat
er dich so recht liep!" Do ward der brftder enzündet und rot ander
sinem antlut von fröden, und enptie daz körbli begirlich und sprach :
„eya, wol minem herzen! Dis ist mir ein liebü sandunge von dem
minneklichen himelschen knaben; des sol sich min herz und min
sei iemer gesten.*" Und sprach do zft dem jungling und zft dem
andern himelschen gesinde, daz dawaz: ^ach lieben fninde, ist nit
billich, daz ich disen himelschen gnadenrichen knaben lieb habe?
Ja^ gewerlich; ich sol in von billich lieb haben, und waz ich wästi,
daz sin aller liepster wille weri, daz wölti ich iemer tun!** Und
kerte sich hin zu dem vor genanten jungling nnd sprach: „sag mir,
liebe jungling, han ich nitrehtV" Der jungling lachete gutlich and
sprach: Ja, du hast recht! Du solt in billich lieb haben, wan er
hat dich furbaz gemeinet und geeret denn vil ander menschen. Dar
umb hab in vil lieb. Und sag dir: du müst liden und mt^st och 15
i^iirbaz mc liden denn vil ander menschen. Dar umbe bereit dich
dur zttl*^ Der diener sprach: „ach, daz wil ich von herzen ^ern
tftn, und bite dich, daz du mir gehelfest, daz ich in gesehe und daz
ich im gedanke siner schönen gäbe." Do sprach er: „nu gang her
zrt dem vensterlin und tft einen ogenblik!" Er tet daz venster uf,
— do sah er vor dem venster stau den aller zartensten, minneklichsten
Schüler, der mit ogen ie gesehen ward. Und do er zft im wolte
dringen dur daz venster us, do kcrt er sich lieplich umbe gen ime.
und neig ime gütlich mit einem früntlichen gesegnen und verswand
vor sinen ogen. Also zcrgie du gesiht. Do er wider zft im selb
kom. do danket er gote siner gftten vasnaht, du im waz worden.
XII. Kapitel.
Wie er begie den meigen.
All der nacht des ingendeii meyen vie er an gewonlich und ,
.saste einen geistlichen nieyen^ und erete den etwi lang alle tag einest
Under allen den schonen zwiern, du ie gewfthsen, kond er nit
2 recht fehlt S iS gestoiij iicfrowen P 10 i4:eni tun P 12 ba]
hat .4^ 10 nie fehlt M menschen andn'i .V 19 goben P 23 und
do .1/ ;31 allen fehlt M
20 ft. Das Maietifittc/^eitj Maibaumsetsen ( Ernchten eines mit Blumm
und Ji ander tt (jeschmiickten Tannen- oder Birkenba umes oder 'Zweiges vor dt»
Lebeu Seu.*«es. Kap. XI F. :;3
i^lichers vinden dem schönen meyen, denn den wunneklichen ast des
ieiligen cruzes, der blander ist mit gnaden und tagenden und aller
-Schoner gezierde, denn alle meyen [M""] ie wurden. Under diseni
ineyen nam er VI venjen, und hat iedü venje in ire betrahtung
5 ein begird eins zierens dez geischlichen meyen mit den schönsten
dingen, du denn der sumer niobte für bringen. Und si)rach und
saDg in siner inrkeit vor dem meyen mit <lem hymnus Salve
CTux sancta also: ^gegrüzet sist du, hymelscher raeye der ewigen
wisheit, uf dem da gewahsen ist du fruht der ewigen selikeitl
I. Dir ze ewiger gezierde für alle roten rosen büt ich dir hüte
ein herzkliches minnen ;
IL für alle kleine vyol ein diemutiges nigen;
III. für alle zarten lilien ein luterliches umbvahen;
IV. für allerley schon geverwten und glenzenden blfinien, die
^ kein beide ald anger, wald ald owen, bome ald wisen in disem
schönen meyen hein fürbraht ald ie wurden ald iemer werdent,
büt dir min herz ein geischliches küssen ;
V. für aller wolgemöter vögelin gesang, daz sü uf ie keinem
Qieyenrise frilich hein gesungen, büt dir min sei ein grundloses loben ;
^ VI. und für alle die gezierde, so ie kein meye in der zit ward
gezieret, erhebt dich min herz hüte mit einem iicischlieheii singene,
Qöd bite dich, daz du, gesegneter meye, mir helfest, daz ich dich in
[ fer kurzen zit also gelobe, da/ icli dich, lobondü fruht. eweklich
^erd niessende."
* Und alsus w^ard der nicy begangen.
1 ;j^licher [vinden | den seh. m. ^f li n. mit tutenden .^."1/ :> denn
^i'U' ie] nie S und disen m. A' i liat| bat ^1^ 5 de/, fehlt M
^'^ mn\ M 15 ald owen] und A' 1(5 w] iemer P H) frolicli .v 20 und
M M war 31 20 f. y-ez. wart S
^dm der Geliebten f iat inlernalionale JSitte : nftcrs ircrden (lurk (/rosse Mm-
^'^(ime im Dorfe errichtet. Für Alemannivn vf/l. E. H. Meyer a. a. (). :J:il [?..
^; Schriften de^ Vereins für Gofchicltte d-s Bodetis'-e.s VI i IS7;'}), 14? f.
'i^fr. 11^ 7 (p, 225): iunc (sc. prima die inensifi maiii comnicfKtn est, tt inaxiiiu
ffi jfartibus Sueoiae terrae Altnaniuej qiiod adtdesccntes de uoctc sih:<(s /Ktmtt, et
iHore^ viriditate foliorum venustas precidunl et ßorihiis ornaias prcic forihus
(ocantj tdn se putant habere amicatij in s-ignum amicitiae et fidcUtatii<. Li dem
Maibaum ein Bild des Kreuzes zu sehen, war dem Mittela/ttr sehr (/clüafif/.
rgl. die Lieder vom ^^geistlichen Maien^' ha Hoffmann rou Falhrshtien. has
deutsche Kirclienlied * 1661, 122 ff., und Predvjien (J eilers rnu Kaisersbcni
über den ^Baum des hl. Kreuzes." 7 llymnns vom l'\st Krcuzerfmdung
i3. Maif.
71. Seuse, Deatsche Schriften. .'>
34 TiObon Scuses. Kap. XIII.
XIII. Kapitel.
Von dem eilenden krdzgang, den er mit Cristus uam, do i
in US fftrte in den tod.
Got der hat in an der ersti vil zites verwennet mit hiinelsc
tröste, und waz dar inn so gar verliket: waz die gothcit an h
daz waz im lustlich, so er aber unsers herren marter solte betra
und sich dar in mit nachvolge solt geben, daz waz im swer
bitter. Dez ward er eins males von gote herteklich gestrafet,
ward in ime gesprochen also: ^weist du nit, daz ich daz tor
dur daz alle die waren gotesfnind mussent in dringen, die zft rec
selikeit son komenV Du mftst den durpruch nemen dur min gelil
nienscheit, solt du warlich komen zft miner blossen gotheit."
diener erschrak und waz im ein swerü red. ledoch begond ei
in sin gemerk nemen, wie wider es ime waz, und vie an ze lerni
daz er vor nit konde, und gab sich gelassenlich dar in. Hie
er an, daz er alle nehte na der meti an siner «ewonlichen stat, [1
daz waz in dem capitel, sich erl)rach in ein cristförmig mitli
alles des, daz sin herr und sin got Cristus vor hate geliten.
stftnd uf und gie von winkel ze winkel, uf daz daz im ellü trak
enpfieli, und daz er munder und waker in des lidens enpfintlicb
belibi. Er vie es an mit ime an dem jüngsten nahtmale und
sich mit ime von stat zfi stat, unz daz er in brachte für Pvls
Ze jungst nam er in vor gorihte also verteilten, und gieng mit
US den eilenden cruzgang, den er tet von dem rihthus unz ui
den galgen. Und den kri'iz<rang begie er also:
:J zii dem tod P 4 mit dem li. t. «V 5 dar an M so feh
vrrl)likt M 7 iiacl»vol«iOii FKA' 8 w - 0 \van\ fehlt K 13 sv
irn>ssu M 16 daz er fehlt A^ a. iu*hte tet M sine P 17 df
iu d. c. ^ich erbrach M 18 daz] so P 19 und zfi w. A^ 22 bra*
beiralite A^
10 i'ber die Bezeichnung gfotest'nnid s, Denifle ti5 A. 1 und namen
dl treffliche Zusawmenfasimng von Strauch in Reahn%syklo^iädi€ für prt
Thcohf/ic Xr//3 (J905), :JOif. An Joh. hyJ4f,, Ps. 138,17 u. Jak.
unknüpfnd, ist gf. zatiärhst Epitheton für Kvangdifiten und Apositly i
nhtrhatipt fitr il eilige und fromme, und wird von den Mystikern des 14.
scht'hfer formuliert als Ideal des durch Christas zur Freumlsehaft und li
Schaft Gottes erhobenen Menschen, Kiue Verwendung des Ausdrucks in
kinhlicheiu iSinn (bei den WaUlensern) läuft daneben her»
Leben Seuses. Kap. XJII. 35
So er kom au die swellen des capitels, do knuwet er nider
und küste die ersten ffisstapfeD, die er tet, do er also verteilte sich
nmb gekerte und in den tod wolte gan, und vieng denne an den
salraen von unsers herren marter: Deus, Dens mens, respice etc.,
5 und gie dur mit zft der tür us in den kruzgang. Xu wurden der
gagsen viere, dur die er mit ime wart gende:
Die ersten gassen gieng er mit ime us in den tod in der be-
inrde, daz er baide, frunden und zerganklichem gute wölti us gan
and liden im ze lobe trostloses eilende und willig armüt.
10 Zfi der andren gassen hat er einen fursaz sich ze gebene in
einen hinwerf nah zerganklicher ere und wirdekeit, in ein willeklicb
veremeht von aller diser weit mit der betrahtunge, wie er och waz
worden ein wurm und ein hinwerf aller menschen.
An dem anvang der dritten gassen knüwet er aber nider mit
15 einem knss der erde in einem frien ufgebene alles unnoturftiges ge*
maches und Zartheit dez libes in du ser sines zarten libes, und leit
inr ginu ogen, als da stat, wie ellü sinu kraft erdorret und sin natur
ertodet. Und so su in vor an hin also jemerlich triben^ so gedaht
; er, wie billich da von ellü ogen ernassen söltin und ellü herzen
^fterrtfzen söltin.
So er denn kom an die vierden gassen, so knüwet er nider
enmitten in den weg, als ob er knüweti vor dem tor, da er mftste
ftr in US gan, und viel denne engegen für in und kuste daz ertrich
Qnd ruft in an und bat in, daz er nit ane in in den tod giengi, daz
^er in mit im liessi, wan er reht an ime müste hin gan. Und bildet
<laz, go er iemer eigenlichest konde, in sich und sprach dazgebetli:
Ave rex noster, fili David etc., und Hess in denne für gan.
Dar na knüwet [lö""] er änderest nider also gekerte gen dem
tore und enphie daz krüz mit dem vers: 0 crux ave, spes
Konica etc., und liess es och für gan. Denn knüwet er nider gen
I <i<?r zarten mftter, die man in grundlosem herzeleid da hin für in
ftrte, und nam war, wie kleglich si sich gehftb und der heissen
1 die] doli M do] so jV 2 ersten] eriden -4' 5 wurden] woren P
^ eüeude] ende K 12 daz <>cli M IH als ein wiiiin A^ 16 ser] sele A^
1" 4a stat] die stück P kraf A 19 nassen M 22 in dem we<r M
2« irebett PK 27 liess fehii P 28 anderwerbe SP :^1 laid M
4 P#. 4>/. 13 Ps. ;?y, ;. 17 f. Ps. ^>i, 15 ß\ 27 Antiphon
^ der Proz^Mton am Palmsonntag/ nach Dornt nikanerr Uns. 29 Strophe
*** dtm tfchönen Hymnuft W.dlla rtgit< jtrodeunt de.s Vcnantiua Fortunaius
'«» KrtHgerfindung und in der Paasionszeit gesntifjenj.
36 Leben Scuses. Kap. XUI.
\ trehen und eilenden sufzen und ir trureklichen geberde, und meiiK
sü mit einem. Salve Reginn und kuste ir lYistapfen.
Dar na stund er gcswind uf und trat sinem berren bald i
unz daz er an sin siten kom. Und daz bild waz im etwen 5
gegenwürtig, rebt als ob er liplicb an siner siten gicugi, und jredal
also, do der kung David von sinem kungrieb was Verstössen, \.
do die frümsten ritor an siner siten umb in giengen und im früntl i
bchulfen waren. Hie gab er uf sinen willen, waz got mit im te
daz daz sin balb stet were. Zc hindrost nam er die epistel her 1"
die man in der karwüchen liset uss dem wissagen Isaias^ du sprich
Doniine. quis credidit auditui nostro etc., du als eigenli
sin usfüren in den tod begrifet. Und mit der gie er ze des kores ti
in und gie die Stegen uf uf die canzell. So er also kom under <Ia
krüz, da im eins males die bundert betrabtunge sins lidens wunieD
da knüwet er nider in dem anscbowene dez abziebens siner kleidei
und des grimmen annegelens sins berren an das krüz; so nam ei
aber ein disciplin und negelt sieb mit berzklicber begierde zA siiieir
berren an sin kruzz und bat in, daz sinen diener weder daz lebei
nob der tod, nocb lieb nocb leid niemer von ime gescbeiden möliten
Nocb einen andern inrlicben kruzgang bat er, und der wa
also : so man daz Salve Regina ze conplet sang, so saste er in siner
! berzen in betrabtunge, als ob du rein mtiter nob zu der seihen z.
bi ir liebes kindes grab in muterlicber trurkeit ires begraben kinde
were, und daz es zit were, daz si wider bein gefiiret wurdi, un
er si wider bein füren sölte. Also macbet er in sinem berzen dri
venjen, mit dien er si in betrabtunge wider bein fftrte:
Uie ersten ob dem grabe, so man an vie den grüz Salve lU
gina; so neig ir sin sele, und enpfie si in geisehlieber wise und(
sin arme und klagte ir zartes berze, daz do in der selben zit so vi
waz biterkeit, versmebt und totlieber trurkeit, und trost si mit eine'
l eil. süfzenj elloiidoz schrien .1/ maiitd FMA^ 4 unz] iiml
in im P 5 ob fehlt A^ 8 s. willen in j^otz wilion. waz got MA^ 10 <
da sp. M 11 düfeJilt P \'^ stieer M is yWowQv fehlt A^ 18 t'. [da
leben n. [der] tod M 19 mohte FM 20 und fehlt S 21 ze der c. ^
2:5 in] ir .1/ 27 T aiit Bande frot) A 'M^ waz sd vol S trurk.] bittr
kait M eiiM.'in tVlilt 8
6tt. // Knii. 75, /.'>.//. 11 Is. r,3,l. 13 f. \'(jh Proloff den Bdn
21 Die Antiphon iSalve Reniiui wird im Domiuiknnerorden seit v. 1230 fThiO
i^uartuhrhr. 7906, 7i.//. ' alle Tatje nach der Komplet in Prozession gesungn
H'obei der Ilrhdomadar die li rüder mit Weihwasser besprengt; vgl, Vita 47,1
Loben Seuses. Kap. XIV. 37
ennanene. wie si dar iiinbe [16*] nn weri ein kungin der wirde-
keit, unser zftversiht und unsrü siissekeit, als an dem gesang stet.
So er si denn brahte under daz tor ze Jerusalem^ so furtrat
fi si an dem wege und löget wider gen ire, wie ellendeklich si
^ koin ingcnde also blutrusig dez lüzzigen blütes, daz uf si hate ge-
rmpfet. daz von den ufgebrochnen wunden ab floss ires durgeminten
kindes, und wie si gelassen und berobet waz alles ires trostes; und
denn enptie er si aber mit einer inner herzklicben venje in den
Worten: Eya ergo advocata nostra etc. und meinde, si sölti
!'-• sich wol gehaben, wan si nu were unser aller ein wirdigü fursprechin,
und hat si, daz si in der minne dez eilenden anblikes irü erbarm-
herzi«;ii ogen zft ime kerti und ime den werden sun na disem eilende
lieplicli ze schowen gebi, als der rfif des gebetes begert.
Aber die driten inrun venje machet er vor der ture des huses
1*9 ant Annen ir mftter. da si in ward gefiiret in ir leide, und tet
•laz mit einem genadene und bevelhene in ire miltekeit und in ir
mtiterhehen süssekeit mit den andehtigen Worten: 0 clemens, o
1 pia. 0 dulcis Maria, und bat si, daz si sin eilenden sei en-
piiengi an siner jüngsten hinvart und ir beleiterin und schirmerin
'*'were vor den bösen vienden dur du himelschen tor hin in die
''wijron selikeit.
XIV. Kapitel.
You der niizzeu tugeude, du da heisset swigeii.
Der diener hate ein triben in siner inwendekeit, daz er niohti
-■ konien zu gtltem fride sines herzen, und duchte in, daz im swigen
1 mi (larmube S im fehlt P 3 IT (tm Rande (rot) A 4 wider
/'■/'/■' .1/ .5 lilötruusig SPM G irciniiitrn j* 8 inner herz.| inrklicht'n
^'■V H Kvai fehlt M 10 wmliirü fehlt M VI u. inu- do l* 113 gcrt M
^■1 ni (im Hunde (roiß A 15 s. Annen ir swoster ASPKMays^Uf sant
i-i'ubf ir ?w«»<ter A^ 2:i da fehlt A^
2 Salcf lieffina : vita, duhedo et .s-y/r.v nostni. S) Im Salrc lief/iud.
f \'i(.Ehd.: et Jen um ^ hetiedicttim frurtiim renlris iui. nohis post hoc exilinm
'jstcitde. 15 Es JUHfis (»ßhdtar „Matter^ statt ,,6'chwester'^ (so alle IIss!)
fiiUfiu . denn von einer Schwester Marias Kainens Anna iceiss die Lerjend'
niehtit. ])ie St. Annenverehrantj war im 14. a. lö. dh., hctuniders auch tu
iJentMchland^ ftehr verbreitet: vf/l. E. Srhamnkell, JJer Kultus der hl. Anna an»
A'iJff/amj des Mittelalters itSM7,
38 lieben Seuses. Kap, XIV.
fürderlich dar zfi weri. Dar umbe hielt er sinen mund in sölich
httte, daz er inrend XXX jaren siu swigen ob tisch nie gebrac
denn ze eim einigen male, do er von einem capitel für mit >
brüdem und sü aasen in dem schife, do gie er im abe.
Uf daz daz er siner zungen liberal dest baz gemeistern mok
und nnt ze vil mit rede usbrVichig were, do nani er in siner 1
trahtunge drie meister, ane dero sunder urlob er nit reden w61
und daz waren die lieben heiligen: unse vater sant Demi nie i
sant Arsen ins und sant Bern hart. So er reden wolte, so ^
er in der betrahtunge von eime zft dem andern und bat urlob vi
sprach: Jube domine benedicere! Und wenn du red mol
beschehen ze rehter zit und stat, [Iß""] so hat er von dem erste,
meister urlob; so du red im von ussnan enkeinen anhang gab
so hat er von dem andern; und so si im inwendig enkeiu un
lidkeit brahte, so duhte in, daz er ire aller drier urlob hete.
und denne redde er. So daz nit waz, so duhte in, daz im ze
swigen were.
So man ime zfi der i)ort rftfte, so fleiss er sich diser vie
dingen: des ersten, einen ieklichen menschen gütlich ze enpfahen
daz ander, kurzlich us ze rihten; daz dritte, trostlich ze lassen; da
vierde, unbehenket wider in ze gene.
1 dar zu fürd. M 2 iiireiidj in PM nie j^fcbr. ob t. P 3 einij^'e
fehlt M 5 dest] beste S Vd so im PA' U si fehlt A' 15 ir drir
aller M 16 So dis M 19 monschen fehlt M 20 zß einer kurzwile
21 niibolieiikend M
3 Ordtnsva'sammJung, eniiader aller Pronnziah mit dem General d-*
Ordentf ( Generalkajnteh oder aller Priortn einer Proving (Prorinzialkapilei
Sit' wurden jährlich ahgdialien, und zwar das Generalkapiitl in der Pfing^
oh'tav, das Vrovinzialkapitcl 7iach den Konstitutionen von li>2S an Micha t
(:J9. Sept.), nach deti Konstitutionen Jlaimunds von Pennaforte (123^!4fif ^
unbestimmter Zeitj doch meist an Maria Gehurt (ti. Sept,): vgl, Preger, Voi
urheiten 7 und Reichert, Feier und Geschäftsordnung der Pror, Kapitel des DomiH'
kanerordens des 13. Jh., Römische (^uartalschrift 190,3, 101 ff. Die Akten dt'
Gcneralkap, sind herausgegeben von Reichert: Monumenta ordinis frairtt»
Praediratorum historica, t. III— \ lS96ff.j die Akten der deutschen Provinzinl'
kap. sind bis auf kleine Bruchstücke tKinke in Rom, (Jiutrtalschrift 1894,
'j74ff., Reichert ehd, lbi97 , ^S7 ff.) verloren gegangen, 9 Arscniti» d, Gr.
t 149 als Einsiedler in Ägg/den (vgl. ASS Jul, IV, 617 ff.), ron Seuse hocl
r erehrt. Kr erzählt Hör. 173—75, wie er von übertriebenem Streben find
Wissenschaft und Ehren sich zur Lebensweise des „sttmmus philotophn
Arsenius" bekehrt habe. 11 Bitte um dif Benediktion vor den Ltktitme
des Breviers und heim Tischrfehet.
LHiL'U M-Ufes. Klip, XV.
XV. Kai.itci.
Von kcätgnng de» lihes.
Er hate cur ein leMii'li iisitiir in sincr j(i{^einli?. Uu
pmk ir selbe« beviinlcii und er ULiikle, da/, er mit im selben iilier-
lultn was, daz wns im biter und swere. Er sfichtc mengen list
Mil croBs bfisscn, wie er den lip inachcti undertenig dem geiste.
Ei» burin bemde und ein isnin lietßii trftg er nuiswi Innge, nnit da?.
äii blftt wart von im zem brunnea gende, i\a/. er es meiste ab legen.
iEr hiess im heinlich ein hcrin niderkleid maclieii nod in daz nider-
Nd ricmen, da waren in geschlagen fi'int'zeg und hundert spi/.iger
ä«!, die waren m&echin nnd scbarpf gevilct, und waren der« uiigel
u alle zit gen dem Heisehe gekeret. Er macliete daz kleid gar
;e ttnd vornan zesameu gerigen, dar unibe daz es sieh deet nelier
U den lip fi^gti nnd die spizigen nage! in daz Heisch drungin. nnd
iBctiek- es iu der höhi, daz es im unz an daz gnibli her nl" gie;
Her iune schlief er des nahtes. In dem gumcr, so es beiss waz
li er vil mild von dem genc und krank waz worden, ald so er
n l«ser waz und er denne in den erbeiten also gevangen lag und
iilsigewi'irm alsi.» pingete, so lag er underwilent und gri'in und
[ramet in im selb und wände sich von niiten umb und uinb.
*l<<in wurm tßt, m man in mit spizigcn nadleii stiebet. Im waz
dik, al« üb er in eint>m anbesliufen legi von angscfalichi des ge-
"irme«; wa» so er gern lieti geschlafen ald so er entschlafen waü,
"ugen Sil nnd bissen in wider strit. Kr sprach etwen zf\ gut mit
llcm herzen: „nwe, zarter got, wel ein sterben dis ist! Wen die
ald starki'i üer tädent, der kunt geHwinde ditr von; so Hg
» l'le ander disen ungenemen würmuii nnd stirb und kan doch nil
2 Cbtrrch-ifl fehU S 3 Ueplich .V 4 im sdlM-ii| ir /' zi-
*bLj1' 6lip/f/(i(3f 8 mag M 10 spitzer P ffmfzcg ii. I..|
iMnJb [,. M 11 messio M iri^vUet] eenegtlt !• 15 uiu fthU M
\m P 16 df- fehlt P 17 K| vil S vou dem sen^ ffhlt M hM]
IJ' 16 lesser ASPA^ laaser KMaü lasMer / tDciiifle: Legtr = Leit'.r!)
vrfMl M 20 in sich und in im ücll) .V 31 naifd l'A' -23 uldj
A' ^ itigeuj «unifen M 25 wul S]' 26 ^»winde] halde 7' schirr M
fitem Djig. ijTiwiirmc M
18 C'lfT Aderlmt m Klötteru ,i,„ I)omiiiika„a-'>rtU» imiit j.Jhiiifli,
Ktiftäuliaiten, ALKGÜ I, -Am: V, Ö40) sithi Slranch, Marij. Kbntr
A. «» AT, 46 u. Thirint 1. 1}4 A. ^: M. Hn/fe, Itownllrrhimtr III,
r. i'al auch Sewr Vita K 3ti.
^
40 Leben Seuses*. Kap. XV.
ersterben." Du nehte wurden in dem winter niemer so laii:,^
der [IT'] suraer so heiss, daz er dur von liessi. Und daz er
diser marter dest niinr underlibi gewönne, do erdaht er noch ei
er band umb sin kelen ein teil eins gürteis und an daz machet
mit listen zwen lidrin ringe ; da schlofte er sin hend in und besch
die arm dar inne mit zwein marhenschlossen. und die Schlüssel
er für daz bet uf ein bret, unz er ze meti uf stund und sich se
entschloss. Sin arme waren also in den banden ietwedrent an
kelen utwert gespennet, und hat du baut also versichert, und a
du cell ob im gebrunnen, er enmöhti im selber nit haben gehul
Dis treib er, unz im die hend und arme waren vast zitrend won
von dem spanene; do erdaht er ein anders.
Er hiess im machen zwo lidrin hantelen, als die erbei
pflegent ze tragene, so sü dorne gewinnent, und hiess im eir
Spengler dar an machen moschinu spizzigü steftlü umb und un
und leite die des nahtes an. Er tete daz dar umbe, ob er in d
schlaffe daz herin niderkleid wölti von im werfen oder in keii
ander wise im selber behulfen sin in dem gnagene, daz im tet <
gewürmme, daz in denn die steften in den lip stechin ; und daz
scliach och. Wenne er im selb mit den henden wolte helfen, so
er schlaffende mit den spizzigen steften in busen und krazte si
er machet als grülich krczzc, als ob in ein ber under sinen spizi
klawen heti zerkrawet. Daz erswar denn in dem fleisch an
armen ald umb daz herz, und so er über vil wuchen genesen v
so gewürset er sich denn aber, und machete nüwe wundan.
marterlich nbung treib er wol XVI jar. Dar na do sip adren
natur erkeltet und verwüstet waz. do erschein im vor in einr gc
an dem pfiugstage ein himelsches gesinde, und kunten ime, da:
got nit leiiger wolte von ime haben. Do Hess er dur von und
warf es alles in ein abfliessendes wasser.
1 crstrib.] stelx'ii (I) M 4 an daz fehli P 5 schlofte] be^l«
<) nialonslossfu S luaren schl(is>en K nial-^lbsser V marrhschlossen M i
wedtM' >itc S ietwederLalb .1/ 9 uswcit jV i[;:espannen PM 10
linnunn .1/ molit .1/ 11 vast waren M wordru ./V//// P J
ß/ih A^ liantijuclM'ln S liantschfich Mccfs^ 15 nicssinfi M stefft
stielt .1/ st.Hhclin P 17 von im] hin .1/ 18 nai>cnt MA^ 20 behelf«
21 sclihitV. fehlt P >to(!holn J' in dou bfisen SPM 22 gekreta
*2:i «'rkniwet .y zerkrnnimot I* zerkratzet -4^ 2G materlich A XXI
üdren] andren A' 27 sin natur M 29 sot fehlt A^ von im wolt
:J() .in fehlt M
Leben Seuses. Kap. X.\'I. 41
XVI. Kapitel.
Ton dem scharpfeu krüz, daz er trüg uf siueiu ruggeu.
Vor allen andren Übungen hat er einen begirliclien inval, etwaz
Zeichens an sinem libe ze tragene eines enpfintlichen mitlidens dez
0 pinlichen lidens sines gekruzgeten herren. Also machet er im selb
ein hültczin krüz, daz >vaz in der lengi als eins mannes spang und
iiate dez sin [17'] ordenlichen breiti, und schlug dar in XXX isniner
naiiel in sunderlicher mainunge aller siner wunden und siner fünf
minnezeiehen. Daz krüz spand er uf sin blossen rnggen enzwischen
lu iiie schulteren uf daz fleisch, und trog daz tag und naht steteklich
WH jar dem gekruzgeten herren ze lobe. Dar na in dem jüngsten
jare schlug er och siben nadlen dar in, also daz die spizze dur daz
krüz etwi verr drungen und dar inne stekend bliben; und daz
ander teil brach er hinnen ab. Diser spizziger nadlen verwunden
'15 % er ze lobe dem nahtringenden herzleide der reinen gotes mftter.
to ir herz und sele zu der stunde sines jcraerlichen todes so gar
<lQnvundete. Do er dis krüz dez ersten uf den blossen ruggen ge-
spien, do erschrak sin menschlichü nature dar abe, und meinde, er
mohti es mit mitü erliden, und nam es her abe und widerleite
'^'enklein die scharpfen na^el an einem steine. Du unmanJich zagheit
;rerow in balde, und machet su alle andrest wider spizzig und scharpt"
mit einer viln, und nam es wider uf sich. Es riflet im uf dem
ruggen, <Ia es beinoht was. und machet in blfitig und verseret. Wa
er sass oder stund, da waz ime, wie ein i^elhut uf inic lege: so in
■^ ienian rürrt unverwenet ald in stiess uf daz gewant, daz verserte in.
Dhz im dis pinlich krüz dest lidiger were, do ergrftb er hinnan uf
daz krüz den lieben namen IHS. Mit discm kurz nam er vil zites
alle tag zwo disciplinen in sölicher wise: er schlug hinnen mit der
fii.st uf daz kruze. so trungen die uagel in daz fleisch und gesteketen
9CI dar inne, daz er sü mit dem gowande nuist her us zukcn. Die
schieß uf daz krüz tet er als togenlich, daz es nieinan wol moht
irernerken. Die ersten disciplin nam er, so er mit betrahtuiig komen
2 uf s. r. trug /' 5 hoiTfii] hrrzcii (!) M ü si»rani! 1' 7 dez,
dz rM ^in /^/*^^ ^ ^ maiiunge P 10 luu-lir u. t-Ag M 12 od\J\hU A'
jjiijrel A^ 1-i er fehlt K hin ab P IG ii. ir st'lr P 17 rucken Mos P
19 l»i nute P 21 bero r audrest fvhU M andt^nverbe P 23 da] daz SA^
VM-iiioht roll anderer (alter) Huud A 25 [in] stiess .1/ 26.28 hiudman
.^/M/ -7 ilis am Rande M M Wt < r uf d. kruz .V uit wol il/
42 Leben SeuseH. Kaj). XVI.
waz zu der sul, da der schon lierr als grülich gegeislet ward, uv^,
bat in, daz er mit sinen wunden die sinen heilti. Die andren u^. lu
er, so er fiirbaz under daz kruz komen waz, und dar an geneg^^/f
ward, und negelt sich zft inie, nieraer von im ze scheiden, l »
dritten disciplin nam er nit alle tag, er tet es, so er im selb ze tj7
Zartheit oder ungeordenetes lustes hate verhenget an trinken, an
essen ald solichen sachen.
Er hate sich ze einer zit misshütet, daz er zwain jungfroweu,
do [IS^^J SU oflfenlich in der gemeinde bi im sassen, ire hende in
sin hende hat genomen ane alle böse geverde. Du unbehütekeit ro
gerow in geswinde. und meinde, der ungeordnete lust müsti gehütet
werden. Do er von den jungfrowen gie und in sin kapeil an sin
heimlichen stat kom, do schlftg er sich umb dis missetat nf daz
krüz, daz imc die spizigen nagel in dem ruggen gesteketen. Er tet
sich selb och umb die missetat ze banne, daz er im selber nit wolte li?;
erloben, na meti hin in daz capitel an sin gewonlichen stat rin»
gebctes ze gene zfi dem reinen himelschen ingesinde, die im an der
selben stat in betrahtunge gegenwürtig waren. Dar na neiswen, do
er sich gentzlich wolte versünen umb dis missetat, do waget er sich
hin in vil blnklich, und viel dem rihter vor an ze fflssen und nam 3^
vor ime ein disciplin mit dem krnze, und gie do ietwedrenthalb urab J
und umb vor den heiligen und nam XXX disciplinen, daz im dal
blüt den ruggen ab ran. Und also erarnet er den lust vil bitterlich
den er hat gehabt unordenlich.
So man meti hate gesungen, so gie er in daz capitel an sin
heinlichi, und nam da hundert gestrachter venje und hundert
knuwender, ein ieklich vcnjc mit sunderlich betrahtunge; und die
taten im vil we von doz krüzes wegen, wan wenn er daz krüz also
strenklich an sich gespien und naher an den lip getreib, als der
einen reif tribet, als er ze der zit pflag ze tfme, so viel er nider nf 8
die erde und nam die hundert venjen, und von dem nidervallene
so «gesteketen in ime die na«;el. und so er dennc uflFstftnd, do znkt
4 |zcl ^cscheidrii A^ i» sü| die A^ 10 hof^Q fehlt A^ ifcbenli* P
11 \\\ fikll M 14 krüzl ortrich F 15 zu bau umb d. m. P li> hin
fdiU A' 17 i^csiiidr M 18 stat fehlt P U) wolt ^räntziich .1/ 20 in
ft'hfi iM' bhikl.l belienklich P |vur] an zc tuzz .1/ 20 1. vor im
Dam er A^ 2() >trjicker P 28 vil \\v iiiie S 20 stctteklich A^ iiohe jP
M iiidrr vall M ^2 in fvhff A' doj und .4*
2() f. l '///. Jidcir Vorrede und J. Teil t die ICO Bvtntchtunf/tnL Gestreckte Ktnte
int die iifjLiüUche Pro.stnition im Unterschied vom blossen Kniefall (vgl, oben 16,14 f.
1
Lebeu SeusoH. Kap. XVI. 43
er 81 denn her wider us, und aber von dem nidervallene stachen
sü nuwü löcher^ und daz waz im gar pinlich; weune sü niiwan an
einer stat beliben in im stekende, so waz es lidig.
Vor diser übunge hat er ein ander. Er hat im selber ein
ö geisel gemachet uss einem riemen ; den schuf er ime beschlaben mit
m&Bchinen spizzigen steften, die waren scharpf als ein grifel, und
giengen die zwen spiz ietwedrent für den riemen, also daz ein
ieklicbes drispizig was^ mit welen ort es den lip trefe^ daz es
wanden machete. Hier us machet er ein geisel, und stund vor meti
10 of and gie in den kor für gotes fronlicham, und nam da stark [IS""]
disciplinen. Und daz tet er neiswi lang, unz es die brfider innen
wurden, do lies er dur von.
Au sant Clemens tag, so der winter an vahet, tet er einest
ganz biht. Und do es heinlich wart, do beschloss er sich in der
Ideell, und zoh sich bloss us unz an daz heriu niderkleid; er nam sin
geisel her f&r mit den spizigen dornen, und schlAg sich selben über
den lip and umb die arme und du bein, daz daz blfit von obnen
nider ab ran, als so man eime schrepfet. Es waz sunderlich ein
knunber steft an der geisel, der waz gestalt als ein heggli, waz der
^greif fleiscbes, daz zarte er da hin. Hie mit schlög er sich als
^wt, daz im dft geisel in drü stuk zersprang, und im ein stuk in
der haut bleib und die spizz umb die wende fören. Do er also
Wütende da stund und sich selber an sach, daz waz der jemerlichest
*Dblik, daz er in dik gelichte in etlicher wise der geschöwde. als
do man den geminten Cristns freischlicb geislete. Er wäret von er-
kermde über sich selb als reht herzklich weinende, und knüwet nider
^ko nakende und blfttige in dem frost und bat ^ot, daz er sin
^ind vor sinen milten ogen dilgeti.
Dar na an der pfafenvasnaht gie er aber als och vor undei
des eonventes tisch in sin cell, und do er sich blos ab gezoh, de
P^^ er im selb gar grimm schleg, daz sin blüt den lip ab floss.
So er noh vaster wil schlahen, do kom ein l)ruder, der hat daz ge-
l denn her fehlt S 1 f. st. di ime S S l»eliben fehlt M stekoion .1/
0 »chöt] hiesg M 6 Hpitz. meschinen A^ stjicheln l* 9 f. uf vor m. 3[
*7 und umb d. bein SMA*^ 18 schraffet P sunderl. — 19 stet't) ein sunde'
*^^l P 19 daz waz waz daz /' 2;^ uf stvuido A^ jemerlich J'
® Anschlich S31 25 f. ermberinde A 29 och fehlt P
l'^ U3, Nor. 14 BeicfU über das f/mise Lelnii. 29 Sountof/ Kst^
*^ f^uintfuagesima, Fctstnachissonntagi, auch Herren- oder rfaffenfi^tnach-
^^nnt, f, Orotffend, Zeitrechnung i, öd.
44 Lehen Seuses. Kap. XVII.
schelle ueiswa gehöret, und er müste hören. Er nam ezzieb uu
<altz und bereib sin wunden dur mit, daz eines smerzen dest ra
wurdi.
An sant Henedictus tag, an dem er in die eilend weit wan
^eborn, gie er under dem inbiss in sin capell ; die beschloss er un<
zoh sich US als och vor. Er nam die geisel her für, und vie an z(
scldahent. Also ward im neiswi ein schlag uf den lingen arm unc
traf die ader, du da heisset mediana, neiss ein ander dur bi. De
du als vast troifen ward, do sprang daz blfit her us, daz im der
runs des blutes flos über den ffiss ab dur die zehen uf den estrich
und da swebte. Ime geswal der arm behendelich gross und ward
blawvar. Hier ab erschrak er, und getorst nit me schlahen. In
der selben zit [19'] und an der selben stunde, do er sich selber
also schlug, was ein heiligu jungfrow, du hiess Anna, du waz an
ir gebet an einr andren stat uf einer bürg. Der waz vor in einr
gesiht, daz si wurdi hin gefüret an die stat, da er die disciplin nam.
Do si die herten schleg an sah, daz erbarmet si als übel, daz 81
hin zu im trat, und do er den arm hat uf erhebt und sich wolte
?ichlahen, do undergic si ime den schlag, und der ward ir uf ir arm,
als si duhte in der gesiht. Do si zft ir selber wider kom, do vand
si den schlag gezeichent mit swarzcn totblüten an dem arme, als d
du geisel getrofen hate. Si trfig du kuntlichen Wortzeichen mit
irrossom smerzen vil zites.
XVII. Kapitel.
Von sinem geliger.
In den selben ziten ward im neiswa ein eltü hingeworfnü tür;
die Icit er in siner cell an sin betstat under sich, und lag dar ufc
ane alles betgewand. Ze einer behulfenheit sin selbes hat er eil
vil tünnes mctli uss ror gemachet: daz leit er uf die türc, und das
1 crlioiHt A^ 4 er nacli weit .1/ 0 tVir her K 8 ueissj oder ÄJ
j tropheiid itn»i)tt'on) MA^aV 12 torst M 18 zu im hm zö S 19 unde
uie — 20 in] -1' 19 uf (hii arm 1* 20 selhcr zfi ir 8 23 grossen J
2H tur waz hin ireworffeii V 27 sin P 29 vil tünnes] nüwes KU t
ü.hlt M Hl et zun ^S'
4 4.''/. Mär:. 8 \'ena mediana, die mittlere Blutader am inner^
J'J//' nhof/eii. im MittdaUor hüiififj zum Aderlass henätzl, .v. M. Höfler, DeuUtdt
Knnikk'jHfiiuuiunhuth ISUlf. 4(Jti, 41S.
Lebeu 8euses. Kap. XVII. 45
erwand im an den knüwen. Under sin hobt für ein kiissi leit er
eh seckli gefüllet mit erwisstro, und dar uf ein vil kleines küsseli.
Er hate enkein betgewand liberal, und als er des tages gie, also
lag er des nahtes, ane daz daz er die schü ab zoh; und einen
ötiken mantel tet er umb sieb. Alsus gewan er ein jemerlich geliger,
wan daz hert erwisstro lag im knollobt under dem böpt; do stach
in daz kruz mit den scharpfen nagel in den ruggen ; er hate be-
; «hlossnü band an den armen und daz herin niderkleid umb die
i baffen; do waz der mantel gar svvere und du türe hert. Er lag
■10 also verjamert, daz er sich nit geleichen mohte als ein bloch: wenn
er sich wolt umb kercn, so geschah im we, wan so er schlaferlich
Mnder sich uf daz krüz üt vaste viel, so drungen im die nagel hin
in in daz gebcin, und denne Hess er mengen siifzen zii got. In
dem winter beschah im von frost gar we, wan in dem schlafe so
Ä er die füsse wolt streken nah gewonheit, so wurden sii bloss uf der
tnr ligende und erfruren ime; so er su denn zu im hin under zoh
nnd also hüb ungestreket, so ward daz bliit wütende in den bein:
iaz tet im vil we. Im wurden die füsse vol gesühtcs : do geswullen
' ime du bein, als ob er wassersiihtig w61ti werden. Du knü waren
• Wötig und verseret, [lO""] die huflFcn vol schnatan von dein herin
niderkleid, der rugg was von dem kruz verwundet; der lip waz öde
v^on masslosi, der mund türr von turstiij:er not, die hend zitreden
von kraftlosi. Und alsus in diser marterlicher wise vertreib er sin
tag and nahte.
* Dar na endert er die übunge, die er hate mit der tür, und
2oh in ein kleines celleli und machet den stul, da man uf sass, im
^Ib ze einer betstat; der was schmal und als kurz, daz er sich
dar ufe nit mohte gestreken. In diseni loche und uf der türe bleib
er ligende wol VIII jar mit sinen gewonlichen banden. Do hat er
ein gewonheit, daz er na conplet in dem winter, so er in dem
jonvent was, in kein stuben noh über des convents oven dur keiner
2.6 erüwsstro A enveisstro aSP arbszstro A' liiibcrstro ccf.s^ :> het an
t*in M und] denn M 7 in «Icn rugj^en nach kn'iz M liato fthU S
i «chafferlich A^ 18 [in| in MÄ^ 15 ?^terckon S nacli <1« r gew. ^f
5 niKl«-r] wider 3/ 17 ungestr.] im ^a'strcket -4' in «loiii baiu .V IS do|
?s M und A^ 20 schnattra K 22 der nmiid - not fr/dt M waz türr P
Tteni P 28 diser] der P 2'y mdet A^ 2«> f. im seil» nath betstat M
'< nit molite dar uff S
24 Der Zusatz hei Diepenhroch {- 1S,'J7, :U) : * /6.s/, 776' > ßiuhfi sich nur
t dem Druck vo^n 1512 fol. IS*" und fehlt in allen llandschriflen.
46 Leben Seiincs. Kap. XVIII.
wermi willen nie kam wol inrend XXV jaren, wie kalt es wa«, gs
ffigtin (lenne ander sacheu. In den selben jaren meid er ellä bad,
beidü wasserbad und sweisbad. dnr angemach sines zartsftchende^
libes. Er was vii zites, daz er sumer und winter nüwan einest ao
dem tag ass, nnd nit allein mit dem vastene ane fleisch^ mer dor
zft ane viscli und ane eyer was. Vil zites ftpte er sich an sölioher
arniAt; daz er enkeincn pfenning wolt enpfahen noch handien, weder
mit urlob noh ane urlob. Neiswi vil zites sah in an sölichä Inter-
keit, daz er sich selb niene an dem libe wolte krazen noh an rüren,
denn allein an henden und fassen.
XVIII. Kapitel.
Ton dem abbreeheue des trankes.
Er vie einest an die wetunden übunge, daz er im selb ein vil
klein massc uf saste ze trinken; und daz er der masse dest minr
vermisti^ baidii innen und usse, do scbflf er im selb umb ein k6pfli j
uf die selben masse, und daz trag er mit im, so er us gie. In
grossem tnrste was es im nüwan ein erkülen des türren mundes, ab 3
der einen siechen menschen in siner hizze labet. Er waz vil zito^
daz er liberal enkeinen win trank denn allein an dem ostcrtag; dem
hohen tage tet er es ze eren. So er etwen als turstig waz und in iil
selber von strenkheit sinen turst weder mit wasser noh mit wine wolt .
{)üzen, und er denn vil jemerlich uf zA got sah, do ward im einest J
von got incrlich geentwürt [20'] also : „lüg du, wie ich stand turstige I
in sterbender not mit enklein ezzichs und gallen, nnd waren dodi 1
alle küleu brunnen des ertrichs min eigen!" d|
Es geschah ze einer zit vor den winnahten, daz er gar ver-
rüchet hate uf alles liplich geroach, und nam an sich drie fibnnge
1 iniTiidl in PM XXX A' 2 fügte P fhgii A' 3 usserbad A^
«luroh gemach imd ungeiiiach S 4 f. liz nach einest M 5 nit — 6 was]
waz an Haiscli, liii fisch, an aiger dar zu 3/ 10 und an fassen SMA^m
12 ÜUrschnft fehlt S dem fehlt F 14 uf — masse fehU K 15 imi
n. uss .1/ nmh fehlt S 19 fiberal fehlt M 22 zu got uff S 23 iunek-
lich (!) M 2)5 f. in sterb. not tnrstige 6" 24 gallen wart ich ^trenkct Ä^
25 dis APA'a
8 an s<-hcn mit sacldichem Snhjdd und ptrsönlichem Objekt - etitew «0
und NO scheinen, gut dünken: vyL Grimm I>\V /, 466: IL Irischer, Schwülb.
Wötierh. i, :Ji',!f. 25 Der Zusatz hei JJiepenhrock (* 37 : * 174) ftkU ni
^dlen JIs8. und steht zuerst in der Ausgabe von JoJ2 fol, iö«*.
Leben Seuses. Kap. XVIIL 47
ane die gemeinen, die er lange hate gehabt. Du erst was, daz er
na der meti vor dem fronalter uf den blossen steinen also stende
Weib unz ze tage, und daz waz urab die zit, so die nehte aller
kngest sind und man vil frü meti lute. Du ander waz, daz er an
5 kein warm stat gie weder tages nob nahtes^ noch kein wermi von
der glöt au die hende ob dem alter wolt nemen ; und geswullen im
die hende groslichen, wan es der selben zit aller keltest waz. Na
coDplet gie er also kalte uf sinen stül schlaffen^ na meti stand er
vor dem alter uf blossem stein unz ze tage. Du drit Übung waz,
10 daz er im selb allez trank ab brach dur den tag, wie übel in turste,
denn eht des morges ob tische, und denn so turst in nüt. So es
aber begond abenden, so turst in als reht übel, daz ellü sin nature
na trinkene mng; und daz verhüb er alles mit mengem bitterlichen
ßmerzen. Der mund ward ime als türr von innen und ussnan als
15 einem siechen, der an einer suht lit. Do zerschrant im sin zunge,
diz 8i dur na me denn in einem jar nie kond verheilen. So er ze
conplete also turre da stiind und man daz wichwasser nah gewonheit
nmb gab, so tet er mit begirde den türren mund uf, und ginet wite
gen dem sprengwadel uf daz gedinge, ob im en kleines tropfli
io witters uff sin türren zungen vieli, daz si da von joh en wenig
erkult würdi. So er denn ze collacion oder ob tische also turstige
den win von im saste, so hub er etwen sinü ogen uf und sprach :
1 jrehabtj iu:et«ni r 4 iiuti lutc] hat iiietti K (3 an <1. hend«- fehlt ^f
^ Hiieii] ainen K fl blosstMi stWin-n J' 10 soll» fehlt K |abj l»rach /'
11 «'ht fehlt P 13 incnpfon A 15 zerschand M zerspit'lt P 17 f. gab
«a^A wichw. M 20 joh] doch il/, fehlt 1* 21 f. den win also durstig«»! M
5 f. Zur Krwärmung der 1^'ingtr hei der Mtfsse wurde im kalten Winter
^'» Gefäüx mit Kohlen auf den Altar (/enteilt ; vgl. Caerem, Ord. Praed. II, 1 a.
il'öti2 (Thiriot /, 74): ./. Sauer, Sgnibolik de^ Kirchen geh üudeti J^aJ, 211.
17 Vgl, oben Anm. zu 36yJl. 21 CoUatio (collazie, collacie : Lerer /,
M'5) ixi die schon hei den alten Orden iReg. /SV. Benedict! c. 4:i* : Chrodegang,
''(</' can. c. 21) und ehenso hei den Dominikanern ühliche Bezeichnung für die
Endliche Tiachlesung, bei der viel die Collationes Patrum (Unterredungen
*Ä den Viltem) des Johannes Cas,sian gehraucht wurden : in der Folge erhielt
^V Abendmahlzeit selbst^ oder der Trunk hti derselben, besfmdcrs an luistiagen
''« hominikanerorden vom 14. Se/tt. bis Ostern ausser den Sonntagen^ ferner
'^flt Freitage und sonst einige Tage des Jahres: vgl. Constitutiones. ALKGM
i, 19t*\ Vf u36) dai Kamen Cnllatin. Statt der Lesung konnte auch unier
leiinng des Lektors oder Priors ein Vortrag oder J)isjtuiation über theologische
fotogen oder eine Besprechung über geistliche Dinge stattfinden; in Frauen'
kh'tstern oder Beghinenhäusern hielt der Beichtvatfr oder ein anderer Geist-
48 Lehen Sense.'*. Ka]). XVIII.
«owe, himelscher vater, iiim hin zc einem opfer mins herzen sap
dis kül trank, und trenk din klnd dur mite in dem turste, als er
stund turstige an dem kn'ize in sterbender not." Etvven gie er über
den brunnen in dem grossen turste, und sah daz klinglent wasser
an in dem überzineten kesselin, und sah denn uf ze got mit Lerzk-
lichem süfzene. Etwen so er als gar überwunden waz, so sprach
er gar von ingrunde: „owe, ewiges gilt, dincr verborgen gerihtenl
daz [20""] mir der breit Bodense so nah ist und der luter Rin umb
und umb mich Üüsset, und mir en einiger trunk wassers so tür isti
Wel ein jemerlich ding daz ist!" l
Dis zoh sih uf daz zit, so man lisct daz ewangelium. wie
unser herr wasser in win verkerte. Do sass er des selben suimen-
tages ze naht mit jamer ob tische, wan im ward daz essen mit
grossem turst uit ze liebe. Do man den tischsegen gelas, do ilte
er geswinde in sin capell, wan er enmolit sich von überwundem l
lidene nit me enthalten, und brach us und flos hin mit bitterUchen
trehen und sprach: „owe got, du erkennest allein herzliden und
herzennot: wie bin ich in dis weit so recht erbetselklich geborn. daz
ich in aller genügdc so reht grossen gebresten mtlss lidenl" Do
er in diser klag stund, do waz im in siner inwendekeit, wie neiswas i
in sin sele sprechi also: „hab guten müt, got der wil dich sehio"
fröwen und trösten; nüt enwein, frume riter! Gehab dich woll*
Du wort erhügten neiswi sin herz, daz er uf hüb und nüt moht
genzlich weinen, und aber von smerzen moht er nit genzlich frölich
sin, denne mit dem, daz im die trehen ab vielen, do zwang in -
neiswas inrliches ze lachene uf ein gütlich künftig aventüre, du im
küizeklich von got werden solte. Also gie er ze conplete. Der
1 Uli II M 2 dvm\ (h'\) M 4 «lern fehlt M 7 von gniiidf ■?
8 so| als «rar M \{in fehlt P 11 Dis| daz Ä^ daz cw. list S 12f.nii»
joimT nach sass er /' 1:5 [ze naht] <»b tische mit j. M . 14 so erossoiu ^
15 moht SM 18 hertzt; imit A' li) mu^s fehlt S 2^ daz] des A' 26 iw-
iich P innrklich M gotlich fehlt P
liclur (ierariifjt' Konferenzen. Die Kinrichtunij irard besonders t'n iV'oitHf"'
Lhtstern von grosser Tiedentiuuj für die Fi^rderung der Mystik : zahlreicht
Predigten oder Traktate Kchharts (vgl. Pfeiffer ö4o; Wackernagel, Alidcuiitcht
Predigten and Gebete 187 0^ 15Ü, IH), Taulers und Stnses sind auf diese Wiü^
entstanden. Vgl. JJucange s. r.: Dtnifle in ALKGM II.(i41ß\; Wackentag^
a. a. (}, :i07\:iiitf.: Lecog de la Marche, La chaire fran{:aise au moyen dgt
- hssa, :J1J f. 8 f. J)as Dominikanerkloster, jetzt In^elhotel in Konsta^^
liegt auf einer kleinen Insel am Ausfluss des [Rheins aus dem BodeMti,
1 1 f. :J. Sonntag nach Eptphanie.
Leben Seuacs. Kap. XVIll.
49
ind sang mit zitrendem herzen, and in dem duht in als wie er
idier alles tünee lidens sAlte ergezzet werden. Und daz gesehah
clikurzlicb dur na. Und in der selben naiit hüb es an enteil also:
ui waz vor in einer geHiht. wie unse frow kernt mit dem lieben
iDdlin Jesus in der gestalt, als do er uf ertrich waz und aibenjerig
az. Es brahle in der band ein krugli mit frischem wasser; daz
rügli waz überglcstet nnd waz enklein grOsaer den en conventkopf.
bo nam ünse frow daz krügli in ir band nnd bot es im, daz er
i^. Er nam e» nnd trank mit grosser begirde und erlaste sineii
nt na wnnsche.
Er gie do einest aber veld, und uf einem schmalen stige do
kom im gende ein arniü erberü frowe. Do dii frowe nahe zö im
ta, do weich er ir ab dem truchen wege und trat neben sich in
t nessln nnd Hess so fiir gan. Du frowe kerte sich nmb und
iracli also: „lieber herr, waz meinent ir hie mite, daz ir. erbere
in und [iriester, [21'] mir armen froweo als demüteklich wicbend,
id ich iich vil billicber solti han gewichen?" Do sprach er: „ey,
ft6 frowe, min gewonheit ist, daz ich allen frowen gern zuht und
B blit dar der zarten gotes mQter willen von himelrieli," Si hi"ii)
irn ogen und ir hende gen dem hiniel und sprach also: „nu liil
h die selben erenwirdigen frowen, daz ir von diser weit niemer
ccheident, ftch bescheh ttwas sunder gnaden von ir, die ir an
p allen frnwen erent". Er sprach: „dez helf mir dii rein fruw
Üitmelrieh!"
Es geschah kürzlich hie na, daz er ua gewonheit in grosser
■igile mengerley trankcs einen turstigen mund ab tische hat ge-
igen. Do er des nabtes nider kom, do kom für in stan in einer
l^hte ein himelschas fröwliches bilde, nnd das sprach vA im also:
fbia es, du möter, du dici in der vordren naht hat getrenket
dem krüglin, und mein, wan dich »h übel türstet, so wil ich
erbermde dich aber ti-enken," Do spiaeh er vil bluklich zu ir:
1 mit iBcbeii uud luit z. li. S ä dat luioli liärslich S Und jihU A^
10 na] mit M 11 Biege KP X2 armä/c/i/i Af erlierü] er-
19 rutu"'ich /' und tral neben Kiub in ZtHe li nach kerte sieh
f ASP 16 a]f dcuicit. J'ihll ASP eiitwichuut M 17 uud ich — ge-
ll /tMl A.SP ttiitwichen Jtf 17 f. ach frow li.'bii M IS mStter
P von hiiufilr. willen .tf 21 ewirdige P 22 guad AM 23 dez]
25 geschah aber VurzL M 28 fröwl.| frölirhz ;i/, fehlt ASP das
29 g^trpnhet hat A'' 31 j^etrencken i' ir) im ASP
50 LiibL'tj Senses. Kap. Will.
^nch reinü frnht, du ha^t docb nit in der faant, da mite du micbi
miigist treoken." Do entwürt ei nnd sprach: „ich wil dich trenkev
mit dein heilsamen tränke, dnz von mlDem herzen tlügset." Do er-
Pi-hrak er, dag er nit konde geentwürten, wnn er sich des als nn*
wirdig erkande. Do sprach ei gar gütlich zfi ime: „wan sich der
hinielecher hört Jesus als lieplich in din her/, hat gesenket, und das
selb din türrer mund als sur hat erarnet, so sol es dir ze gunderm
trost von mir werden," Und sprach: „es ist nit ein lipliches trank,
es ist ein heilsames geischliches trank warer luterkeit." Do lie^
es zö gan und gedaht in im selb: „nn solt du rebt gnflg trinkeo,
daz du dinen grossen turst ivol mugist erloschen." Do er wol hat
getrunken des himelschen trankes, do bleib im neiswas in dem
munde als ein tu kleines weiches kn511eli. daz was wiss, als du
himelbrot geschafen was; daz bchflb er in dem munde neiswi lan;
ze einem waren Urkunde. Dar na enbrast er an ein herzklichefl
weinen, und danket gote und siner lieben mflter ire grossen gnaden,
die er von in hate enpfangen.
Der selben naht erschein nnee frow einer gar heiligen petyi
vor, dii was in einer andren etat, und seite der, In weler wige i
in [21^] heti getrenket. und sprach zä ir also: ^gang hin und sag
mins kindes diener von mir, als man vindet geschriben von dem
hohen lerer, der da hoisset Johannes Chrysostomus, mit dem
gnldin mande: do der ein schökr was und vor einem altar knäwete,
da du himclsch möter och in der form eins hülzin btldes ir kind
uf ii- schösse mCiterlichen tränkte, do hiess daz mflterlich bild iP
kint ein willi nf halten, und Hess den vor genanten schftler och VOB
irem herzen trinken. Du selb gnade du ist im och im in der ge«bt
von mir worden, und ze einem Urkunde der warheit so nein in
war, duz sin lere, dii von sinem munde get, vil begirlicher nnd
lustlicber nu fiirba?. wirt ze hörene denn vor." Do er dis erhört^!
do hfib er uf sin hende und herz und ogen und sprach: „gelofi
2 ii inii/ V 4 !'. als imwirdig] mit würilig- P 5 dcrj min .1/ T i
»ur fehlt M 8 tmal. komen und vou mir w. M 9 geiachl. fehlt M 11 1
löwehon .S' 13 kleiiKs fehlt A' weiches feldl S weiches Weinei
14 daz — lang] v.r häb ez naian-li' lang in d. mDnde M 17 in] ir A' l8i
». nacbtz M gar hfi). felill M 20 f. hin z3 mlns lt. d, und Mg in T
mir P 23 der) it ÄSl-A' 2ä hiez SI'K dem S 27 |i!ü] iit ItP
nu wlrlich [in d«r s..>siht| AI 28 der warlic-it fehlt M 30 nn fürb« W
denn Tor M zfi hÖr. nu fürhaz wftrt .V 31 und oiich sin hurzp S
14 Dat Mani
Lelif« Srii«!-«. Kap. XVIII. öl
dk ader der tieäies8eiKleii gotbeit, und i'ibeilopE sie du süss
Ater aller gnaden von mir armen unwirdigen menscben diser
himelachen gäbe!" Ein glicbes vindet man och an dem ersten tail
dee hdchcB, daz da baisset Speculuni Vincentn.
I Dieü beiligü per^oD bQb aber nn und i^pracb iti ime also:
,noli eins sol icb ü sagen, Ir sond wiiasen, daz mir unse frow mit
ir lieben kinde hinabt in einr geeihte für kom, und hat iiiise frow
in ir band ein schönes trinkvas mit wasger. Daz kind und du
frowe reddan minneklichü wort von ['icli. Also bot sü daz vass
mil dem waeaer gen dem kindeliii und bat, daz es sinen segen dar
äher tele. Eh tet sinen heiligen segcn Aber daz wasser, und ge-
«ninde do ward daz wasser zc wine. Und sprach also: „ea ist
soi^, ich wil iiiit, daz der brftder sieh me hier inne übe, daz er
IM ane win sie; er sol im hinnaii für wiu trinken von siner ver-
«rter oatnr wegen." Und do es im also von got geurlobet ward.
iln trank er fürbaz win. als er ocb dur vor hate getan.
[22"] Er waz do in den ziten vil krank worden von dem
ibrrlaste der vordren dbungen, die er so lange hnt getriben. Ka
erschein unser herre vor einem heiligen gotcsfründ und bäte ein
tiBcbBen in der hant. Si sprach zft im: „ach herr, waz meinst du
Diii der bühaenV" Er sprach: „do wil ich minen diener ar/uen,
der ist Biecli." Also [2^'] gie unser herre zö dem diener mit der
hiicbsen und det die uf, do was in der büchsen frisches bli'it. Des
til6tes nani er her ns und streich es an des dieners herz, daz es
ÜKtaal blfttig wart, und streich im do an sin bend und füsse und
«inü gelider ellü sament. Do sprach sti zu ime: „acb. min lierr
sie fthlt P 2 diser - 4 \iiieentii fehil M 3 gi.beu P
S miK liebe fr. Ä' 7 hal fthlt S 9 vrort fthlt M 10 und bat fthlt M
pt grawinde] ep stonfle A^ 12 do fehlt S 13 sich der brflder S mer
bier) dar S sich daz |?I M U fiir] hin M 20 bfich.diii dttreh-
am Hnniie bfime P 23 f. das Id&I P 24 is - ffi streich fehlt S
d <lo| daz 5 2(i un fehlt A
« Vinitnz con Btaurais, Spec. Mtl. VIJI,84 ivon einem krankm
ÄhnlichM «Hrd freShlt vom hl. Brmhard (vgl. Vaeandard, Vit de
jtficnuircf // [1895} 78 f.), von Lukardia vtm Oberweimar il4. Jh.; Aualeeta
•S99, 318), in den Offenbarungen deg Alanm de Hupe (i 1476 .-
piff, HoUayftl, St. Dominikug und der Bosenkrane 19(J3,31ff.) und andere»
Wiaritmlegenden (A. Poncelet, Mü-amlorum B. V. Marias s. VI—XV Indtx,
r. SoU. ia03, 241ß. 2fr. 184, 461, 614, 667>. 16 In AKRWB'a ein
Wind: Juut und Maria tranken di'n Diener lAhh. 3 nm-b ^\' Bl. HP'K
52
Lelien Seiises. Kap, XVUI.
r
■ und ntio ^ot, wie zeichnest du in so! AM will du ime A'inix t'üaf
I zeichen in trukenV" Er sprach: ja, icli wil sio herz und alle sjs
H natnre mit lidenoe tniiineklichen zeichnen, und wil in denne arznea
I and gesunt gemachen, ich wil einen menschen us im machen n;
B allem tninem herzen."
Uo der diener nölicli iibig leben naL'li dem usscru menschMiil
ala lia vor enteil stat geBchriben. hat geluret von sinem ahtzehendeol
jai-e unz uf sin vierzegst jar, und elli'i sin natur verwüstet was, d«»|
niit me dur hinder waz, denn sterben ald über von dcriey übnnW
lassen, do liess er dur von, und ward ime von got gezAget, duq
1 diufl! Uie J' 2 inimiüaichfu M
im fehlt il l> iil-iK] lippii; A'
3 f. I
Leben äeiitea. Kiip. XIN. 53
"enkheit un<I die wiseu alle sament oit auders weri gewesen, denn
an guter anvang und ein durprechen eines ungebroolien mensclieD,
nnd meinde, er musti noch fiirbaz gedrungen werden in einer ander-
ley wise, sölti im ieroer reht bcsclieheu.
i XIX. KapiU-l.
Wie er ward gewiset In die Teniüiiftigen schäle m der knnst
rechter Gelassenheit.
Es eaüs der diener xe einer zit nach der meti in sinem stüle,
und in einer verdahtekeit entBiinken im die einne und duchte in in
loiler iuren geeiht, da?, ein stoltzer juugling obnan ab her kemi und
für in stülidi, und sprecbi zft im also: „du bist gnd lang in den
iiidren schulen gewesen und hast dich gnüg dar inne geiibct und
Mrt zitig wordei], Wol uf mit mir! Ich wil dich nn füren 7,t\ der
liAhsten scbRIe, dd in diser zit ist, da solt du nu lernen mit Hisse
liilie h&hsten kunst, du dich in g6tUchen frid sol sezzen und diuen
heiligen anvang zft eim seligen end bringen." Des was er tVo und
Wind nf. Der jangling nam in hi der band und fürte in, als in
iahte, in ein vernünftiges land, da was neiswaz schSnes huses und
c was glicb. als ob es geischlicher litten wonung weri. In dem
kveilteD, di der selben kunst phlagen. Uo er hiu in kom, do ward
er |[itÜißb enpfangen und lieplieb griizet von in; sü ilten hin zu
' ivn flbreBteii [23'] meister und selten ime, es weri eine komeu, der
»Mü och ein junger sin und w61ti die kunst lernen. Er sprach:
,deii wil ich vor ander ogen an sehen, vvie er mir gevalle." Do
|l«r in gesah, dn lachet er in vil gutlich an und sprach: „nu wüssent
I du ron mir, daz diser gast wol mag werden ein frumer schftlpfaf
r hohen kunst, wil er sich gedulteklich geben in den engen
bnoUtal, da er inne m&ss beweret werden." Der diener verstund
kfr verborgnen Worten dennoh nil; er kerte sich zfi dem jungling,
läcr in hate hin in gefüret, und fragte in also: „eya, lieber gesell
sag mir. waz ist du hfihste schule nnd ir kunst, von der du
i Er S 10 htr ab P 11 sprach P 14 sdiflle ~ 16 IjSIisIch fi/iü
diwrl der P nu] inne P, fehlt S 18 land fehlt A' iIb) daz M
a trit. hns P 18 f. hu» [und — geiich] M 19 weri, dem wob
II btut griich W 21 hiu in P 24 under ögen vor iui S 25 aacli SM
B g*lL iu /' 27 geben ged. P
iöff. i'ffl. ilie SehtUUnrnff Hm: 11, 1 n-il. Strange USff.K
54
Le\»-A
Kiip. XtX.
mir hast geseil?" Der juag:ling sprach also: „Du faobe scbU iili
ir kunst, die man hie liset, daz ist nit anders denn ein genz4, vj^
komnii gelassenheit sin aeDiB, also daz ein mensr?) stand in s&lielNi
enlwordenheit. wie im got ist mit im selb alil mrt einen crealnm
in lieb ald in leide, daz er sich dez tibi^c, dait er alle zit stau
glich in einem usgene des sinen, als es denn mensefalieh krankbei
erzügen ma^, und allein gotes lob und ere sie ansehende, als ti4
der lieb Cristus bewiste gen sinem himelsehen vatter." Do ds
diener dis erhörte, dn geviel es im gar wol und meinde, er wilM
der knnst leben, nnd rs enmöhti nüt so swer sin, daz in des mäht
geierren ; und wolle da biiwen und vil tinmüssiges weikes babci
Daz werte im der jungling und sprach also: „disü kunst wil haba
ein ledig müssekeit; so man ie minr hie tut, so man in ^er warbe
ie ine hat getan;" und meinde ein s6lich lEin, in dem der nif
nich selb vermitelt nnd nit luter gotes lob meinet.
Nah diser rede geswinde koni der diener zft Ime selben
sass also stille; er begonde discr rede tief na gedenken und merk«
daz es lutn'i warheit ist, die Cristus selber lerte. Er begoid in
flelben mit im selben einreden nnd sprach also: „l&g inwert genol
60 vindest du dich selb noch eigenllch und merkst, daz du ooh
allen dineu iissren iibnngen. die du dir selb nsser dinem dg
gmnd an tet, bist ungelassen ze enpfahene frömd widerwertib
Du bist noh als ein erschroekens besli, daz in einem buschen t
borgen lit und ab iedcm fliegenden blate erachriket. Also iel d
nb ztivallendem lidene erschrikest [24'] du alle din tag; ab <1<
anblik diner widersachen entvarwest du; so du sollest under gl
so fli'ihst du; so du dich göltest bloss darbieten, so birgest dn die
so man dich denne labet, so lachest, und so man dich schiltet,
trurirtt. Es mag wol war sin, daz du einer hoben sehfll bedfirftiBl
L'nd also mit einem inneklichen süfzen sah er nf z£i got nnd epn
also: „eya got, wie ist mir dA warheit so bloss geseit!" und eprSi
„owe, wenn sol ich iemer ein reht gelassenr mensch werden?"
5 ald] und P « uf yen .U es Jehll P 9 dis] .laz .1/
A' er woitfl fe/tit M Vi diaü] diu S 13 setöt M 19 mit im sd*
fthU KA' mit im selb in im selli M [eiii)rede>i P als» /«Alt &l
20 duK fthU SM 24 Ut] ist A* och Jir M 27 fl&list [du] PA'
dich S 28 lachesrii Ä und fehlt F 29 tnirfstu Ä
1»
r-ji. Lui. w.itj.
^^^H Lelii'n Kap.
^^^^^r XX Kapitel.
I Ton wetönileni nndergene.
I Du dem diener dertey usser übungeo, di im au sin leben
ieDgtn. wurden von got abgesprocben, des wart sin vermügtü
ilar so fro, daz er weinet« von fröden. So er hinderdabte sinii
üengu band, nnd war. er eblich erliten und erstriteo liate, so apracb
ta im selb also: „nu dar, lieber hcrr, nu wil ich hinnan für ein
kng and ein fries leben ban, and wil mir wol lassen sin. Ich
1 minen tnrst mit win und mit wasser wol büzen, icb wil un-
^nden uf tninem strosak schlafen, des icb dik mit jamer hau
(gert, daz mir daz gemach vor minem tod von got wnrdi. Ich
10 mich selber gnfl lang verderbet, es ist zit, daz ich hinnan für
jrflwe." Sfilicb vermessen gedenke und derlej invelle lüfen im
I do nmbe in sinen sinnen, owe, und wüste aber nüt, waz got über
Ihate gedaht !
, Do im mit disen ergezzlifhen gedenken neiswi meng wuchea
wol was gewesen, do gescbacb eins males, daz er gesass in
aein gewonlichen betstöl und kom in ein betrahtunge des war-
iflen Wortes, daz der lideod Job sprach: militia est etc., des
enscfaen leben ut" diaem ertrieh ist nit anders denn ein riterschaft.
■düer betrahtnng entsunken im aber sin sinne und duht in, wie dort
k in kemi ein snber jungling, der was gar m;in1icb gestalt, und
hu mit ime zwen klßg riterschftb und endru kleider, du riter
Iteot ze tragene, Er gie zb dem diener und lelt im an du riter-
St ond sprach iü im: „bis riter! Du bist unz her kneht gesin,
id got wil, daz du nu riter sicst." Er sah sieh selber an in den
tetschdhen und sprach mit grossem wunder sinee herzen: „wafeii
KI wie ist es mir ergangen, waz ist uss mir worden! Sol ich uu
Ich pflege hinnan für vil lieber mins gemaches," und
Kh zfi dem jungting: [24'] „sid nu got wil, daz ich riter sie,
i ich denne loblieh in einem strite riter worden, so weri es mir
3 ilryerlej (\) A' 4 ab gebrachen K de»] do A' vermüdfte P
j} fu M von] vor .V So [er] Ä' 6 so] du M Ü turst] Irost (I)
12 l.nn{,' guSg SP 13 geröwe] mit rSwe K gerflwetj A' U als
*inen] den S sinem sinn M 22 iji fL-hlt P 23 klö;^ /Ml K
kKhfJ ritter J' 27 BcUahen ASV 29 piläge KM vil ftMl M
56 Leben Seuses. Kap. XX.
dest lieber.^ Der jungling kerte sich einend ab und lachcte nnd
sprach do zu ime: „bis ane sorge, dir sol noh strites gnfig werden!
Wer die geischlicben ritterschaft gotes wil unverzageklich füren, dem
sol vil me grosses gedranges begegnen, denn es ie tete hie vor bi
den alten ziten den vernimten beiden, von der kechen riterschaft du i
weit pfliget ze singen und ze sagen. Du wenest, got hab dir dinü
joch ab geleit und din6 band hin geworfen, und sülest na gemaches
pflegen: es gat noch nit also, got wil dir din6 band nit ab legen,
er wil sA allein endren und wil so vil swerer machen, denn sfi ie
wurden." Hier ab erschrak der diener vil übel und sprach: «EysiO
got, waz wilt du nu mit mir beginnen? Ich wände, es heti ein
ende, so gat es erst her för, es gat mir nu erst an die not, des
mich dunket Ach, herr von himel, waz meinst du mit mir? Bio
ich allein ein sünder und ist menlich gereht, daz du din rüten an
mir armen also übest, und si an mengen menschen also sparest? tt^i
Dis tribest du mit mir von minen kindlichen tagen, in den du min ^
jung natur mit sweren, langwirigen siechtagen krüzgetest, nnd wände,
ez weri nu gnfig !** Er sprach: „nein, es ist noh nit gnüg. Da
mfist ze gründe in allen dingen gesfichet werden, sol dir recht be-
schehen." Der diener sprach: „herr, zog mir, wie meng liden ich
noh vor mir habe." Er entwürt und sprach: „lüg ufwert an den
himel: mähst du die unzallichen mengi der Sternen gezellen, so
mäht du och dinfi liden gezellen, du dir noch künftig sint; und ab
die Sternen klein schinent und doch gross sint, also son dinü liden
klein schinen vor ungeüpter menschen ogen, dö doch na eigenr cn-
pfindung dir gross werden ze tragene." Der diener sprach: „adi
herr, z6g du mir du liden vorhin, daz ich sü wüsse." Er spradi:
„nein, es ist dir weger, nit ze wissen, dar umb daz du nit vorhin
erzagest. Doch under den unzallichen liden, dö dir künftig sint,
so wil ich dir nnwen drü nemmen:
1 ein halb ab P 2 do fehlt F 4 grossere P hie vor dct P
5 [den] alten M von der kechen r. der M 6 f. din joch SP 8 es g»t
— ab legen fehlt ASP 10 her ab a^P 11 nu fehlt S 13 himelrich 8
16 manigem SÄ^ 16 vouj in M 17 crftzigost PM 19 ersftchet i
21 noh fehlt Ä^ hab vor mir S 22 mengi der fehlt K 24 und - 26
Bchincn fehlt P gross] klein A^ 25 f. enphintnust M 27 du fehlt UA^
28 vveger fehlt M ze fehlt SP vorhin nit SA^ 29 verzagint Ui^
den fehlt S 30 nemen S
5 f. Erinnert an die erste Strophe des Nibelungenliedes ; es wird o^
wohl an die Helden der Artuffsage zu denkefi sein.
Kiip. XX.
57
Dsz ein ist: da B<.'hlßgde dich Belbcn bis her mit dineii eignen
^en nnd hortest, eo du woltest, und bittest erbermdc Aber dich
k Ich wil dich im dir selber nemen, und wil dich ane alle wer
I frJuiden -le bändeln geben. Da mhst du einen bcrtichen under-
ig [25'] nemen diner fürnemekeit in etlichen blinden menschen,
I dem truke dir »irs sol geschehen, denn von dem seharpfen krüz
C8 verwundeten ruggen; wan in dinen vordren Übungen wurde
io den läten gross erhaben, aber hie wirst an nnder geschlagen
i inäHt ze nihtü werden.
Daz ander liden ist: wie mengen bittern tod du dir selb hast
äigetsn, so ist dir doch daz beliben von gotes verhengde, daz du
M"8l ein aart, liebsftfhende natur; und es ivirt geschehende, da/, an
üen steteD, da du suuderlicb lieb und tri'iw sAhst, daz du da gross
rfiw und gross liden und nngemach wirst habende. Daz liden
als menigvnltig, d»z dennoh du inenscben. dii dich mit sunder
Fe meinent, miissen mit dir von erbermdc geliten werden.
Daz dritt liden ist: du Itist bis her ein suger und ein ver-
lor zertling gewesen, und hast in gütlicher BÜssekeit als ein viscb
em tner geswebt. Daz wil ich dir nu zuken, und wil dich laa-
dsrben nnd torren, daz du baide, von got nnd von aller der
t soll gelassen werden, und mQ«t von friinden und vienden ber-
durehtet werden. Daz ich dir es kürze: alles, daz du an vahest
lieb ald ze trost, daz mhsn alles Kinder sich gan, und waz
leid und wider ist, duz sol alles für eich gan."
Der diener erschrak hier ab, daz elii'i sin natur erzitrete, und
! nf toblicb und viel da nider an die erde in kn'izwise, and
\ üb got mit Bchriendem herzen und mit hnwlender stimme nnd
in, m&ht es sin, daz er in denne überhübe dez grossen jamers
sin milten vcterliehen gut!; möhti es aber nüt sin, daz denn
tiimelscb wille einer ewigen ordnnng an ime volbraht wurde.
«r also gelag in den n6ten ein g&t wili, do sprach neiswas in
tlto: .gehab dich wol! Ich wil selb mit dir sin und wil dir
1 wlbPD .Mdi M a iLuiidiicii A 3 ja icL ivil K [dichj dir nu .?
in jT/ 4 fromileu enplielben uud z. h. ^^eboji .V kerlichen .1/ 6 wuret
8 linder] nider A' II doch daz dir A' verhenganst M da da
13 simdeT il 14 (gruBs] liden M 17 ist, dar. du bisher c. r. M
imbc P 19 ilas] dii Ä' 21 ii. von vienden A' 23 Ueh] leid (!) S
itUen Af 26 wiiBl] für M 27 uff aS got. P liftwl.] liort«r A'
I iln .« riB ime fthll .V
68 Ubcii SiüiBCH. Kap. X.\.
beU'eo, dis wttnder alles ^nedeklich überwiDden." Er ^tänd uf m
ergrab sich in die iicnd g'ote».
Do morneDd ward na der mess, und er in der cell sase tror
nnd verdabte uf digii ding und in fror, wan es winter v/a», i
sprach neiswaa in ime: „tfi uf der celle veneter, und Ifig und lernJ
Er tet nf und lAget hin: do »ah er einen biind, der lüf enniÜteii i
dem krüzgang und trag ein verechlisfien fässtäcli umbe in de«
munde, und bat wunderlich geberde mit dem füstttch; [25'] er wij
es uf, er warf es nider, und zarte l&cher dar in. Also sah er ^
und ersufzet inneklich, und ward in ime gesprochen: „reht also will
du in diner brflder munde." Er gedaht in im selb; „eid es andef
nAt mag gesin, so gib dich dar in, und Iftg eben, wie sich dazftia
tüch Ewigende übel lat bandlen; daz tA och du!" Er gie bin a)
nnd behielt da/ ftistüch vil jaren als sin liebes kleined, und so f
wolte US brecfaeii mit uogedalt, so nam er es her für, daz er si^
selb dar inne erkandi und gen menlich stille swigeti.
äo er etwen sin antlüt unwertlich gekeret bäte einend ab iß
etlichen, die in trnktcn, da ward er von innen umb gestrafet B|
ward gesprochen: ,,gedenk, daz ich, din herr, min schünes and
nit kerte von dien, die mich an gespfizeten," Es gerow in übl
und er kerte sich hin wider vil gütlich.
An der cr»ti, so im ein liden begegnete, so gedaht er
„owe got, wan heti dis liden ein ende, daz ich sin were ab komei!
Do erschein im vor daz kindli Jesus in einer gesibt aii unser froW
tag ze der liclitmiss, und tutraft in und sprach also: „du kaust
nit wol liden, ich wil dich es leren. I.fig, wenne du in einem lidi
bist, SU solt du nit sebens haben uf des gegen wiirtigen lidens erf
daz du wenest denn ze rAw komen; dn seit dich uuder danuen.
wil ens liden wert, bereiteu, ein anders liden gednlteklich
enphaheue, daz hfiret dur zft. iJu solt tfln als ein jungfrow, i
rosen briehet: so dö einen rosen ab der rosensluden gebrichet, I
1 als M a er /Mt E 7 eirieu . - . fftzguder S 8 t&6gaitt
10 nrd liwtitM) fehil ÄSKA^ U munde niube jrelrageo A^ munde o
gewurfeu und gezeixet 5 Er| und Ä^ 12.14 der (den) ffizgiider .V 14 1
sfllerx 1. ic. S liebea] selliei) A' 16 gen fehit M swige S 17 elM
Lulben [ulij V 20 [an] Terapöitzlen P an Mpflwen .V an apot«I«u A' Sl
andern- Hand am Banilt So. liii. (= Not* Bemhardiis) A er fehlt S
bIho] aJa er M 2iJ dU lidea| <iz M 25 xe felill P 26 wol] volle
2fl eitf] fin F liwreiteii fe/äl S 30 ftls feliü M
Kiip. XX.
5»
fetiigl Jr Bit, si ninit in ir sinne einen füreaK, wie si noli me her
ib gewann e. Also tfl och du: bereit dich vorhin dar zö, wenn di&
fiflen ein end hab, daz dir geswind ein anders begegent."
Under andren goteefründen, die im sini't kiinftigii liden vorhia
kniii) taten, do kom zu ime ein fiimemer heiliger mensch und seite
in, daz si an der enge! hobzit na meti gar ernstlich got Aber in
hfli gebeten; do duhte si in der gesiht, wie si wurdi gefuret an die
do der diener was, und sah, daz oh im nf gie ein 6eb6ne ros-
und der waz wit und breit lunb sich; er waz einer wünnik-.
:hen gestalt und was vol schöner roter rosen, Si lügete hin gen
im himel: do duht si, daz du sunne schon uf giengi ane alles ge-
wiilk mit vil glasles; in der sunnen glast stfiud ein schönes kindlin
in crtizwisp. Also sah si, daz uss der sunnen [2fi'] gie ein glast
gen des dieners hemen, der waz als kreftig, daz alle sin adrea
linod Kclider enziindet wurden. Aber der rosbom neigte sieh en-
tniscben, und heti gern mit sinen diken estcn der sunnen schin
gen einem hereen gehindert. Da/, enmoht er nit getün, wann dii
nbrechenden glenz waren als stark, daz sü durdrungen alle die e»te
und luhten hin in in daz herze. Dar na snh si. daz daz kind her
^>i8 kom geiide uüs der sunnen. >Si sprach zfi im also: ,,ach liebes
Und, war wilt dnV" Es sprach: „do wil ich gan ztl minem ge-
minlen diener," .Si sprach: „ach zartes kind, waz meinet der
niDDen glast in dines geminten herzen?" Es sprach: ,,do hab ich
iin rainneriches herz als klarlich durglestet. daz ein widerschin des
B glattes 8ol von sinem herzen us dringen, der menschlichij herzen
*°i minDeklieh z(i mir ziehen; und der diker rosbom. der da be-
k Intel änü manigvaltigü liden, du im künftig sint, der enmag daz
tft gehinderen, es niOss adelich in im volbraht werden."
i Wan abgescheidenheit eim anvahenden menschen als nüz ist,
io ward er ze rat, daz er bleib in sinem kloeter me denn X Jar
ibgescbeiden von aller der weit. So er ab tisch gie, so bcschlosa
I beilägt M mit eiiieiu f. A' 3 begebe K Q Mndetan S 6 f über
<> p>t hetUn g. if B [du] ob im uf gtn A* 10 rot^T »rbonrr M
13 tiodlin] knebli S 14 der] daa A' 15 enxfindet] enznket M 19 [in]
«I * 21 f. geminten /rhU K 23 sprach zfl im also üf 25 Binem] minem K
»! rd .SM 26 iimeküch A' 20 neues Kap. mit der Überschrift: Wie er
^h ainig hielt M 31 <ler| dirr M
e V-jl. dnm.
29 ff. Viii. Hör. IT.Hf.
60 Leben Seuses. Kap. XX.
€r sich in einer kapell und bleib alda. Er enwolt weder an det-
port noch anderswa mit frowen noh mit mannen einkein lang red
haben noh sä an sehen. Sinen ogen hat er ein kurzes zil gebeo^
für daz su uit solten sehen^ und daz zil waren fänf füsse. Er
bleib alle zit da heime, daz er weder in die stat noh in daz land
komen wolte, und wolt allein siner einikeit pflegen. Disä hüt ellfi
half in nit^ wan in den selben jaren vielen uf in gar berlichi liden,
von den er ward als s warlich gedrungen , daz er im selb und andren
menschen ward ze erbarmene.
Daz im sin gevangnust dest lichter wurdi, als er sieh selber]
du X jar ane isen hate in geschlossen nah blipnust in der capelli
do frumt er von einem maler^ daz er im entwarf die heiligen alteo
veter und ire sprüch und etlich ander andehtig materien^ die einen
lidenden menschen reizent zu gedult^keit in widerwertikeit Dax
selb wolt im got nit lassen ze lieb werden, wan do der maier hate 1
entworfen mit koln in der capell die alten veter^ do ward er siech
an den ogen, daz er nüt me gesah us ze strichen. Also nam er
urlob und sprach, daz werk müsti also beliben, unz daz [26^] er
genesi. Er kerte sich zu dem maier und fraget in^ wie lang dar
giengi, daz er genesi. Er sprach: uf XII wuchen. Der dienerS
hiess in die nidergeworfen leiter wider uf zu den entworfen alten
vetem rihten, und gie die leiter uf und streich sin hende an di
bilde und bestreich dem maier sinü wetfindu ogen und sprach: gin
der kraft gotes und der heilikeit diser alter veter gebüt ich u,
meister, daz ir morn des tages her wider in koment und an uwern i
ogen genzlich genesen siend. ^ Do mornend frü ward, do kom er
frölich und gesunde und danket got und ime, daz er genesen was.
Aber der diener gab es den alten vetern, an der bilde er die hende
hat gestrichen.
1 alda] da K 4 fnzz M 5 uf daz land M 6 nit komen w. '
allein sin in siner ein. [pflegen] M but fehlt A^ 8 warlich MA^ 9 ■•
erb. wart A^ 10 vanknust M 12 frumt er von] froget er noch P ent*
wtirff P 13 ainem M 14 zu gedultiklich in in der wid. (!) M in widcrw.
fthlt S 18 werk fehlt M 21 wider fehlt S 22 uf fehU S 24 und i^
der h. M 25 morn her w. i. k. dez tagz M in fehlt P 28 die] sin U
1 Nach IT. Marer, Helvetia Sancta (Luzern 1648, 329) war Seuses Ka]^
„in dem Predif/er Kloster zu Cosiantz, neben dem Chor zu der rechten Ew^
wie man auff den Lethner gehet, ander de? Stiegen** noch im 17, Jh, zu sthei^
12 ff. Vgl dazu Kap. oö.
Leben Seuses. Kap. XXL 6 t
6ot der tet die glich do in den seihen ziten, als ob er den
)68en geisten und allen menschen über in erlobet heti in ze pingeu.
Unzallichen vil erleid er do von den b6sen geisten, die im mit an-
genonmen jemerlichen bilden mit wilder freidkeit so vil leides and
lidens an taten, baidü tag und naht, wachende und schlaffende, daz
im yil we dar von beschah.
Ze einer zit kam er in ein anvehtung, daz in gelaste fleisch
ze essene^ wan er waz vil jaren ane fleisch gewesen. Do er daz
fleisch geass und sinen last erst gebfizte, do kam in einer fesihte
) für in stende ein ungehürä helschö person und sprach den vers :
Adhac eseae eoram erant etc., und mit bellender stimme
sprach er zu den, die da umb stflnden: ^dise münch hat einen tod
venebaldet^ and den wil ich im an tfin.^ Do sA im daz nit weiten
gestaten, do zoh er as einen grülichen negber and sprach zu im
(dso: ,8id ich dir nu anders nit get&n mag, so wil ich dinen lip
^h mit disem negber pingen and ze dem mund in boren, daz dir
als we mfiss geschehen, als gross din last mit fleisch essen ist ge-
wesen,^ and für im do mit dem negber gen dem munde. Zehand
geswnllen im d6 kinnbein und die zene und verswal im der mund;
• 4tt er in nit mobte af getün und wol uf drie tag weder fleisch noh
ander ding moht essen, denne so vil er dar die zene raftst sugei>.
XXI. KapitcL
Yen inrliehem liden.
Under andren sinen liden waren drü inrü liden, du im do vil
^pinlich waren. Dero was eins unrebt invelle von dem globen. [27']
h viel in sinen gedank also : wie moht got mensch werden ? und
ies gelicb menges. So er dem ieme begegente, so er ieme verierrete.
Jd dieser anvehtung liess in got wol uf IX jar mit sehriendem
Wzen und weinenden ogen uf zfi gote und ze allen heiligen umb
^ kilf. Ze jungst neiswen, do es got zit duhte, do half er im genz-
lich dur von, und ward im von got grfissü vestekeit und erlühtunge
des globen.
3 vil arbeit S im] in AS 5 slafeude u. wacheu<le S 9 glust S
12 dar umb K 14.16.18 n&pper K nejrbor P ne^ebor ^1* 19 kinbacken P
20 wol uf get. M 23 innerlichen S 28 wol uf fehU S
11 Pm. 77,30/., vgl. IV Mos. 11,33.
^2 Leben Scuses. Kap. XXI.
Daz ander inrlich liden war ungeordnetü trurkeit. Im ^va
-emzklich als swer in sinem gemutC; als ob ein berg nf sinem herze
leg; und waz daz ein teil da von: sin geswinder abker waz g
scharpf; daz siner leblichen natnr vil gross gedrang dur von bescbai
Disü not werete im wol VIII jar.
Aber daz drit inrlich liden waz^ daz er gewan anvehtung, daz
^iner sele niemer rat würdig und eweklich müsti verdammet sin, swie
recht er teti ald wie vil er sich übti, daz daz nihtes nit bulfi, duz
er der behaltnen eine wurdi; es weri alles vor ns bin verloni.
Hie mite bekämberte er sin sinne tag und naht So er solte ze kor i
gan oder tt anders gutes tfin, so kom d& anvehtang her ffir nnd
sprach vil kleglich: ^waz hilfet dich gote dienen? Es ist dir nu-
wan ein flfich, din wird doch niemer rat. Lass nnwen enzit dar
von, du bist verloren, wie da es an vahest.^ So gedaht er denn:
^eya, ich vil armer man, war sol ich mich keren? Gan ich ml
dem orden, so wird ich der helle ze teil, blib ich denne, sO wirt
min doch niemer rat. Ach berr got, ward ie keinem menschen wirs
denn mir?^ Er stflnd etwen verdaht in im selb und lies mengen
erholten sufzen mit niderwalenden trehen; er klopfete an siu hen
und sprach also: ^owe got, sol min niemer rat werden? Wel eiii
kleglich ding daz ist! Müss ich hie und dort erbetselig sin? We
mir, daz ich von miner mftter lip ie geboren ward!"
Disü anvehtang viel im zu von ungeordneter vorte: im ward
geseit, daz sin enphahen in den orden weri geschehen mit ander-
tragene zitlichs gutes, dannen du sönd körnet, du da heisset sy* fl
monia, da man ein geischliches umb ein liplichs kofet. Daz sankte
2 emzklich] ane uuderlas S siu. herzen] im 6' 5 im] in S 7 mofl M
9 es] er P iia fehlt FÄ' hin fehlt M 11 tun gütz M komen P
he für ^ 11 f. und — kleglich fehlt M 12 f. dienen , daz sprach er ^
klaglich, ez ist dir doch mm ein fl., dir wird niemer r. M 13 in «it S «•
zit A* 15 vil armer] gmndarmer M 19 erholten] verholten K heimlichen S
20 also fehlt P 21 dort und hie SP 23 von fehlt M 25 dannen Ton F
23 ff. Scuse trat schon mit 13 Jahren ( Vita 8,6) in das DomimkSMt'
klosta- eu Konstanz^ während sonst eine Aufnahme vor dem 16, Jährt tÄ«*
hcsondtre Erlaubnis des VrovinzialpHors verboten war (Generalkap. von lM»
J.?6.?, 1^94, i:jl:3, MOPH III, 129, 223, 273: IV, 68). Ob wirklich Simm$
dabei vorkam (ein blosses Gt'schtnh wäre solche nicht gewesen, vgl. A Lti^
Die Simonie 1902, 15 ff. 139 ff.), wie Preger II, 349 und Seeberg 13 aw¥^mlm^
wird nicht sicher auszumachen sein. Dass er selbst seine Furcht eine ,1*
geordnete*^ nennt, spricht eher für das Geff inieil.
1
Lelu'ii Seiises. Kap. XXII. 63
in Btß lierz, unz er hinder dis lideii koiii. Do dis freidig liden
^werete irol uf X jar, d&v. er sich selber in dem zit allem nie an
fetak, denn für einen verdamiineten nieneehen. do kom er zfl [27']
dem hcilij^fn meister Eg:g:hart und klaget im sin liden. Der half
dnr von, und also ward er erlöset von der helle, da er so lang
Wai inne gewesen.
XXn. Kapitel.
Von dem usker »r sines nehsten heilüAiiieii beliiilfeiiheit.
Do er vil jaren einer inrkeit liate pHegen, do ward er von got
jetriben mit mengerlev oft'enbamnge uf ainee nehsten heil, daz er
dem och gniig 8Ölti ein. Was im eblich grosses lidens vieli nf dis
fhi werk, dm waz ane zal und ane mass, wie menger sei och dur
in geliülfen wurdi. Üaz zogte got einest cini userweiten gotesfründ.
lud hiess A 11 n a und was och sin gaischlichü tohter. Uu ward eins
oiales in ir andabt veiztiket, und sab den diener uf ainem hohen
fcerg mess sprechen. Si sah ein itn/.allich mengi in im und an im
l»iigeu, und was eins nit als dan ander; ein ieklichea als vil ez
nwgotes hate, als vil hat es och ine stat in ime, und als vil ez im
uriicher lag, als vil hat sich och got zti im gekeret. Si sah, daz
o ernschlich über bü ellii bat den ewigen got, den er in sinen
fnuterlichen lienden bäte; und si begert von got, daz er ir kund
tele, wsz dö gesibt belnti. Des ward ir von gote geentwürt also:
t^A anmesBig znl dero kinden, du an im hangent, daz sind ellu du
■oengclien. du iu siiier biht ald lere sind, ald in ane daz mit suiider
'l'Sn'e ineinent. Du bat er mir als" in getragen, duz ich ir leben
If ein gflt ende wil richten, und BÜ von minem frölichen antlät
fiiemer gescheiden son werden, Waz im eblieh lidens hier uf mag
**ilen. des sol er alles von mir wnl ergenet werden."
1 Jax lid.'u M 2 wert M XI jor P ailem »u/i allein kon-iyio-t A
^ PKA' 4 Der] Aas A' 6 so /ehU A> 8 lieilsamcn ffhli M 1 1 eb-
U]«(]jcli.9f läf.dariDA' 14 [unä] äie h. A' uud hiesa — 15 diener]
w der WS in siner andaht, do wart ai verzukt und sah in dem i^aist den gelben
iuer isa wizhait M 18 in im und fehlt P 18 [ne] sUt M 18 f. ini
tAinrklit^enL M ISinrlicliP zfi] ^n J1/ 20 |<;r] eruachl. ^' 22 also
Itcnt A^ 26 ricblen] uf enthalten S bringen M 27 äon] bti Ä^ sont
NdL ». J/ ehlicL] clielklichK Af 29 gevallen I'K w.d f(Ml SM
64 Loben Seuses. Kap. XXII.
£ daz du selb vor genand edel creatur den diener der ewigen
wisheit erkaudi^ do gewan si von got ein inrlieh triben in ze sehen.
Und geschah ainest, do ward si verzuket, und ward zu ir gesprochen
in der gesiht, daz si hin kemi, da der diener waz, und in gesehi.
Si sprach: „ich erkenne sin nit nnder der menge der br&der.^ Do
ward zfi ir gesprochen also: „er ist gut ze erkennen under den
andern: er hat einen grünen ring umb sin hobt, der ist umb nnd
umb mit roten und wissen rosen vermischet under enander ak ein
rösin schapel, nnd betutend die wissen rosen sin luterkeit nnd die
roten rosen sin gedultekeit in menigvaltigem liden, daz er mfts er- 2
liden. Und als der guldin sinwel ring, den man den heiligen umb
daz hobt pfliget ze malene, [28'] als der bezeichent ir ewigen seit-
keit, d& s& iez besessen hein in got, also bezeichent der rAsekAte
ring menigvaltikeit dez lidens, daz die lieben gotesfrfinde mftflieiit
tragen, die wil sü noch in der zit mit ritterlicher nbnng got dienend II
sind.^ Dar na fürt si der engel in der gesiht hin, da er was, und
si erkand in balde bi dem röselohten ringe, den er nmb fh
hobt hate.
In dem selben lidenden zite was sin gröster ufenthalt von imM i
der himelscben engel emzigu behulfenheit. Eins males, do er mi
komen in ein Vergangenheit der ussren sinnen, do waz im ▼or li
einer gesiht, wie er wurdi gefiirt an ein stat, da waz gar tU dar
engelschlichen geselschaft, und ir aine, der im aller nehst wVi i
sprach zu im: „tdi diu hend her für und lAg!** Er bot die hui
her für und lüget, so siht er, daz enmitten uf der band entspiMI
ein schöne rote rose mit sinen gr&nen bletlin. Der ros ward ik
gross, daz er die band unz an die vinger bedahte, und w«d «b
sch&n und liehtrich, daz er den ogen grossen lust brachte. Er hatf
die hend umb ussnen und innen, do waz es bedenthalp ein wuoNfe
lieber anblik. Er sprach mit grossem wnnder sines herzen: ^tjfjl
lieber gesell, waz betütet disü gesiht?^ Der jnngling sprach: ^
betütet liden und aber liden, und och liden und aber nnd och lUHf
daz dir got wil geben, und daz sint die vier rote rosen an be^l^
1 K daz — (55,:-3 got fehlt M daz fehlt S 2 von got ßMii
4 liin] hein Ä' 0 ofüt fehlt A^ 10 manio^valtigen S 10 f. erL] lidea P
12 als fthh 6' 19 den 8. 1. ziten KA^ 24 der sprach SP für her I
20 Der] dio P 27 vr] su P die jungt-r (!) untz an die hant b. A* 28 tu
lieht r. K .m] su P :52 und ahor — liden fehlt SPK
es. Kap. XXJl.
05
n und lieden füBsen." I>e,r diener ersülzet und sprach: „ach
I herr, <laz liden Hein luenBchcn :>]e reht we tOt, und es in doch
llich als schon zieret, daz ist ein wunderlich gelesB von got!"
1
»56 lA'ben Scusos. Knp. XXIJI.
XXIII. Kapital.
[2tK] Ton menigvaltigeiii lidene.
Er koni eins males zfl einem stetlin gegangen, und l)i der.si;jf
nahe was ein hülzin bilde, ein crucifixus, daz waz mit einem hüsliu
umbmachet, als etwa gewonbeit ist, und meinden die liite, es ge-
schebin vil zeicben da. Dar umbe brabten sü wehsinü bild und
vil wabses dar, und bankten es da uf got ze lobe. Do er für das
crueifixus ward gende, do trat er hin zu und knüwet für daz craci-
fixus. Do^er ein wili gebetete, do stund er uf und gie mit sineni
gesellen bein in die herberg. Dis knüwen und bet^n, daz er vor i
ilem bilde hat getan, bat gesehen ein töliterli, daz waz ein kiud
von siben jaren. So hin wirt in der naht, do kamen diebe zö dem
bilde, und brachen uf die tür und verstalen alles daz wahs, daz sii
da funden. Do ez tag wart, do kamen du mere in die stat und
für den burger, der des selben bildes pfleger was. Der fragte den i
dingen na. wer daz gross mord beti getan. Do spraeli daz vor ge-
nant kind: es wüsti wol, wer daz beti getan. Und do man es vaJ^t
an kom, daz es verjebi und den böswibt zogti, do sprach es: r,e^
ist nieman schuldig an der missetat denn der brüder," und meinde
den diener; „wan," sprach es, „den sach ich nehtind spate bi demi
bilde knüwen und do in die stat gan." Dis rede des kiudes nam
der burger in für ein warheit, und seit es fürbas umb und um^Je.
daz der böse lumde also dur die stat wart gend über den bröder.
und ward des swaclien dinges gezi^icn. Es ward meng bösü urteil
über in gende, wie man in s6lti verderben und als ainen bösen man i
schier ab der weit tfin. Do er disi'i mere erhörte, do erschrak er
übel, wie gar er sich unschuldig wüste, und mit einem inneklichen
snfzen sprach er hin zu gotc: „ach berr, sid ich nu liden sol und
3 uud t't'hlt AS 4 t'. liulziu Iniselin iiberniachet M 5 t'. «jcacheli^
vil /A'ichcns ^V (5 f. dar nach bild SM 7 zu i^otz lob M 9 sine»
Kcc 10 ht'iu fehlt 6'P in] an S 14 da fehlt K kam P 15 vor
bildes ist kindes durchHn'chen M 17 woi* rz h. <:. M Yos^tev M 18^
sprach M 20 naht KM 23 also] all MA\ fehlt SK
10 gt'soUen. Die reisenden PreJigerbriiUcr mussieu stets einen „«oci»*'*'
hei sich halten trgl. Knp. :J5 ru Beginn), durften weder Wagen noch Pferde hi'
nützen und hatlai iiterae testimoninles mitzuführcn (Constitutiones in ALKG^
I,:J:^4: V. c>(it : Fonlana . Consfitutiones , Dedarationes etc. O. Praed.. Koiß
16Ü5. 340 Jf.: MOPH JII, 1:?, Vi u. öfter).
Lolioii Soiisi's. Ka]). XXIII. t>7
•'HISS, ^ebist du mir denn gemeiuü liden, du mir nit unerlicli werin,
«iii wolti ich frolicli liden ; nu grifest du mir in min lierz mit dem
JMidergang miner eren mit den sacben, da von mir aller wirst ge-
schult/ Er bleib also do in dem stetlin, unz es verredet wart.
Es gcsebab an ainer andern stat, daz ein gross gescbell über
in ward gende, so vil daz du selb stat und ellü du gegin dur mit
nrnb gie. Es waz in der stat ein kloster, in dem waz ein steinin
hMi\ ein [29^] crucifixus, und daz was, als man seit, ein ebenlcngi
der inasse, als Cristus was. Da fand man eins males in der vasten
frisches hlfit an dem selben bilde undcr dem zeichen der wunden
•filier siten. Der diener koni och mit den andren dar lofende, daz
er daz wunder geselle. Do er daz Wut ersah, do bot er sich hin
/ii und enpüe ez an sinen vinger, daz es alle die sahen, die dar
unib stunden. Hie ward der ztilof aller der stat gross, und triben
5 in dar zd, daz er must uf stau oifenlich vor der weit und mtist
'^a^en. waz er gesehen und griffen heti. Daz tet er und seit es,
'ioeli in der gewarsamkeit, daz er enkein urteil dar liber gab, ob
^ weri von got dar komen oder von den menschen ; daz Hess er
hin zu den andren.
^' Disü mere erschulleu verr in daz lande, und leit ieder man
'liir zu, daz er wolte. und ward für ^eben, <m* heti im selb in die
Finger gestochen und heti daz blfit uf daz crneiiixus ^^estrichen, daz
Jnan wandi, daz daz bild blüti von im selb, und hat einen lof ge-
inaohet von siner gitekeit wegen, dnz er der weit dnz gut ab nome.
^ Solich bös rede treib man von ime in andren stetten und seiten :
'lo die burger der seihen stat innen wurden der grosen valscheit.
'1^ miist er nahtes endrinnen von der stat, und sü ilten im na und
^^«Itaii in han verderbet, wer er nit endrunnen : sü buten gross gelt
2 Ulli fehlt M 8 vonj mit X 4 ahn] ald M nutz daz .1/ .5 i;ross
-'♦'><li«ll] jrftt «roselle (!) P ^5 ;r«Mi<l«\/W/// MA^ «»'^ni A' 0 f. dur mit — jrio|
la mit zf schjiflVii bot M h i'in oh., jils m. sait 6M/ 9 f. in der vaston
tach hiid»» M, nach blüt A^ 10 f. sirirr vorwnntt'ii siten .1/ V6 i\n] in 3/
15 nt ffhlt ^f m ireirrifteu PM nnd seit <'s fehU 6' 21 die) den M
JHü d:u iremai-lien M 24 irritikrit P 25 nnd seiten fehlt A'^cc 28 irelt]
:^\ s
*:^&. JLin ganz nhniicht'fi Vorkoinmnisj wohci ztrei I'raaen J34ti zu Kon-
•iuuz einnn Belruf/ versuchten, herichtet der Chronist Heinrich ron Diessenhoven
Böhmer, Fontes rer. gernianic, IV [LSCt^] ßti). Urzdhluuf/en ron blutenden
Kruzifixen sind ühru/ens im Mittelalter häufig : vgl. K. v. Dohschvtz, Christ ns-
^ihler iTe-iic u. Unters. XVII ] t ISfUK 2S1** A. :-i.
Ö8 Leben 8eu«es. Kap. XXIII.
Über in, swer in brehti lebent oder toden. Üis und derley bos ired
was vil. Wa disü mer hin erschuUen, da kripften sfi es uf für ^in
warheit, und enpfie sin nain meng schelten und fluchen ; es w s^rd
meng freidig urteil über in geben. Etlich waren och da in der
bescheidenheit, die in erkanden, die sprachen, er weri unschuldig', s
Die wurden als gremlich widerworfen, daz sü müsteu swigen und in
lassen under gan. Ein erberü burgerin der selben stat, do du lioite
daz pinlieh wunder alles, daz der armer man mit Unschulden erl<?id.
do kom si von erbermde zu im in sinen nöten und gab im eineii
rat, daz er sölti brief und insigel nemeu von der stat andei'swa bin lo
siner unschulde, wan menlich in der stat wol wüste, daz er im-
schuldig waz. Do sprach er: „eya, licbü frowe, weri dis liden
alleine und keins me, daz got über mich verhengeu wölte, so wölt
ich mich wol verbrieven; nu ist daz liden und dero glich also ril. i
[30'] du mir teglich zfi vallent, daz ich es nittss got enphelhen and 16
dur zft ungetan lassen.^
Ze einer zit für er abwert in Niderland ze einem eapitel. Da
waz im vorhin liden bereit, wan es füren ire zwen fümemc wider
in dar, die vil unmüssig waren, wie ßü in swarlich betrüptin. Er
ward mit zitrendem herzen hin für geriht gestellet, und wurden vil :W
Sachen uf in geleit, dero was einü: si sprachen, er machet! büiber.
an den siündi falschü lere, mit der alles laut wurdi verunreinet mit
kezerlichem unflat. Hier umbe ward er vil übel gehandict mit
scharpfer rede und ward ime getrowet, wan wölti im gross liden an
tun, wie in got und du weit dar innc unschuldig wüste. Au disem ^ i
sweren gedrang gnüget got nit^ er macheti den hufen uoh merer.
Er saute im uf der widervart siechtagen an, und gewan einen starken
riten; dar zft erhüb sich ein sorklich geswer inwendig nah bi dem
1 boHor MA^ 2 WaJ da M kripften uf] hej^reif mau 8U S
4 freidig: fehlt S 5 und [die] sprachen S so die sprachen ^fA^ er] es K
6 grimeelich ^' ü:rinilich M 7 in der 6'M 14 daz] der M 15 all tag ^^
17 abw. in nid.] aber in ander lant P 18 für durc/isiricfieH ut^er wider ^
20 zitr.] zurnigem A^ 21 dero] daz .1/ falscliu hficher M 24 fcta ffnw*
SK 25 dar inne fehlt M
17 ff. Wahrscheinlich das l^rovinzialhapitel zu Antwerpen 13:i7y nich^
das ron Herzogenbusch 1336 {Frcger, Thiriot) oder das Getieralkapitd 9G^
Brftgge 1336 (Dcnifle), Es hann sich nur um da^t Bdw handeln: dieses vd^
aber anfangs 1327 fertig^ und nach Vollendung des Bdew (1328) fürehU^*
Seuse (Ilor, 14) y t's möchte ^auch dieses fromme Wcrk*^ von den Zähnen st»
Gegner zerrissen xcerdcn.
Lesben Sell8(^s. Kap. XXIII. 69
iierzeu. Und also, baidü von inrem gedrang und ussrem laste kom
er von nöten unz uf den tod, daz im nieman daz leben gebiess.
>5in geselle löget in dik an, wenn im dfi sele us giengi.
Do er in einem fromden convent vil ellendeklich ze bet gelag
und dez nahtes von noten des grimmen siechtagen nit mohte schlafen^
rfo begond er mit got ein rehnnng her für nemen und sprach also :
rsAch gerehter got, daz du min kranken natnr so gar überladen hast
Tnit bitenn lidene^ und min herz dunvundet mit grosser unere und
verschmebt^ du mir geboten ist, und daz ich also mit biter not, baidu
ussnen und innen umbgeben bin ! Wenn wilt du an mir hören, milte
vater, ald wenne dunket es dich gnüg?*' Und nam in sinen mftt
die totlichen angst, die Cristus leid uf dem berge. In diser betrah-
tonge kroch er ab dem bete uf den sessel, der vor dem bete stund,
ttnd gesass also, won er enmohte von dem geswer nit ligen. Do er
5 also ellendklich gesass, do yvas im vor in einer gesiht, wie ein
^ssü schar dez himelschen Ingesindes kemi zu im in die kamer
im ze tröste, und die himelschar vieng an ze singen einen himelschen
^yen; daz erklang also susseklich in sinen oren, daz ellii sin natur
v^vandlet ward. Do su also frölich sungen und der siech diener
■^ 'ö trurklich do sass, do [SO""] gie ein jungling zft ime und sprach
^ar gütlich: „war umbe swigest du, war umbe singst du och nit mit
'io^V Du kanst doch wol den himelsang?** Do entwürt im der diener
'^it besoftkeit sines trurigen herzen und sprach also: „ach sihst du
^K wie we mir ist? Wa gefrowete sich ie kein sterbender mensch V
'^1 icii singen ? Ich sing iez den leiden jamersang. Gesang ich ie
frolich, daz ist nu ein ende, wan ich warten nu der stunde mins
Mes'"*. Do sprach der jungling gar frölich: „Viril iter agite!
^»ehab dich wol. bis frölich, dir wirt niti Du wirst noh ein solich
^'eüang l>i dinen tagen tünde, da von got in siner ewikeit wirt ge-
h»pt und menig lidender mensch getröstet." In den dingen volletan
im sinn ogen und enbrast an ein weinen, und geswinde in der selben
tnml zerbrach daz geswer, daz er hate in im, und ffir von ime,
ind ^renas uf der stat.
1 von clfin S 2 nifinaii int P 4 la^ KA^ l:i da vor .1/ 14 \V(mi
lö ij^esasfi fehlt K von] vor .1/ 2\ ni'it och PA^ 2(5 im «ler st.]
ü'l«»r stunden A^ 27 a^c otc A/ 28 du 20 nuido fhff M 2f> von
fsit M .'K) voll.] \valb«t»Mi P 81 nbrast .V
27 Ps. ."iO.fJö.
70 liCbeu S<;iis<'s. Kap. XXIV.
Dar iia, do er wider heiui koin, do koiu ein seliger ^^»t<
/h ime und sprach also: „lieber herr, wie daz si. daz ir i\
vert nie denn hundert mile von nur siend gewesen, doch so
uwer liden vil gegenwurti^LT gewesen, leh sah mit niinen inre
eins tagcs den götlichen richter sizen uf sineni stule, und voi
verhengde do wurden zwen hos geiste us ^^ehissen, und du
üch nrabe dur die zwen furnemen, du üch daz liden an täte
rftft ich zii got und sprach : ,,aeh niilter got, wie nialit du di
biter liden an dinem frund erlidenV^ Er entwurt und sprael
„do han ich in mir userweit, daz er in solieher lidender \>
niiuem einbornen sun gebildet werde; und doch so mrtss von
gerehtekcit daz gross unrecht, daz man im tnt, gerochen wen!
zwein jungen toden dero, die in gepinget hend.** Daz ges(*ha
schier dur na in der warheit, daz es vil kuntlich ward ni
menschen.
XXIV. Kapitel.
Voll grossem lideuiie^ daz iuie zu viel von siner liplic
Nwöster.
Der diener hate ein liplieh swöster, du waz ander lyeh
geischliches lebens. Dis fugte sieh, do der brttder andei'swii
wonende, daz si begond us !)rechcn und sich zu schedlicher
Schaft fügen. Eins males, do si whz usgevarn n)it der j:esel
do misslang [31 'J ir und verviel in sunde; und von leid ui
gemach; daz uf si gevallen was, do gie su usser ir samnui
verluf sich, er enwüst nit war.
Do er wider hein kom, do murmlet man du leiden men
kom zu im und seit ime, wie es gevarn waz. Do ersteinot
leide, und erstarb im sin herz, daz er gie als ein sinnloser n
Er fraget, wa und war si weri; im kond nieman gesagen w
gedabt also: „nuwes lidens ist relit al)er hiel Nu erzag ni
:J liuniU-rtl tiisriir t!i M W vcrlicngt-n .1/ 7 üili .. . ucli] in ..
10 iiserwolt /t//// A' l:J Juii^tm) iniiiijeii .S' «Icn») «Ion »S 14 kii
iin'ii:ieii A 22 tng^eti K 2\^ \vai| \\;i '!) ,1/ .l«) iiuwos] iiiiii».-s •>"
A li<l«n SMA^a vi'rza*r M
18 Xarh Miu'cr ( Jleir, sttnctd iciJ f sitll S' i(f*t.s ^Srhicvjitrr in dem 1
haiieriitnenJdosler kH. Peter zu Konstanz i I:J(}7 tfifiriiudet) t,etcesin st in.
21 ft'. \'(jl. dazu den hUien Ahst hnitt des Jiritfcft \htoinodo j'Oi
Ä/ Jifh.
Leben Seuses. Kup. XXIV. 71
<>b du ieiuer der ariHen verdorbncn sei mii^ist wider gehcifcii, und
opfer reht hiit diu zitlich ere dem muten got, wirf hin alle mcnscli-
licb scbame, und sprin^^ zfi ir in die tiefen lachen und hab si ufl"^
Do rlic brüder in dem kor stünden, do tet er ainen gang dur den
') kor, daz im elln sinu varwe engie, und inie waz, wie cllü sinü lierlü
ze berg giengin. Er engetorste zti nieman gan, wan ieder man der
schämte sich sin; und die vor sin gesellen waren, die Hüben von
ime. So er rat zft sinen frunden stiebte, so kertan sü ir antliit un-
wertlich von ime. Do gedahte er an den armen Job und sprach :
i«» ,110 niüss mich der erbarinherzig got trösten, sid ich von aller der
weit gelassen bin."
Kr fragte umb und umb, war er sölti. daz er der verh)rnen
j^ele IUI ilti. Ze jungst do ward er gewiset an ein stat, da gie er
liiii. Nu waz es an der lieben sant Angncsen tag, und waz kalt;
1^ es waz in der naht ein gus wassers komeu, und waren die beelie
gross. Do er über einen buch soltc springen, do viel er von kraft-
los! in den bach. Do er mohte, do stftnd er uf, und waz siner inren
Hut als vil, daz er der usren wenig ahtete. So er hin kunt, do
ward si im in einem kleinen hüslin dort neisvva gezöget. Da tet er
^' «lie eilenden trit hin, imd kom ingend und vand si da. Do er si an
Wikte, do viel er nider uf den bank, da si sass, und geswand im
zwirent uf einander. leso er zu im selber kom, do hfib er uf heiser-
licli ze schriene und ze weinen und die hend ob dem hobt zesamen
xe sdilahene, und sprach: „owe, n)in got, wie hast du mich gelani*
'ä> 011(1 vergiengen im denn du ogen und gestund im der mund und
geragetan im die hende, und gelag also hingescheiden in der unmaht
»in wih. So er denn aber zfi [31 ""J im selber kom, so nam er sin
g»*8wÜ8tergit uiider sin arme und sprach: „owe. kind mins, owe.
5>w6ster minü, waz han ich an dir geleptl" und sprach: „owe, zartü
^)«> l«ugfrow sant Angnes, wie ist mir diu tag so biter worden I" und
^^^i^' denn aber da nider, und vergiengen im die sinne.
Do stftnd sin krenkü swoster uf, und viel im ze fiisse mit
;:rü^sen bitterlichen trehen und sprach kleglich zu im also: ^ach
l armiMi fehlt M 4 (luij «U» .1/ 5 varwtl iiatiin' vi' wir im M
'• -"torste SMA^ 0 dru] der A 10 f. |der| wolt M 1.') giL^Mvas^cr M
^'» Wh/e/,// K 20 f. Uli «reblikt.- AK 22 \o do SM -J.-) vi-ioii-ini A
'■*^»"/f/</; ASp 27 df'ii II /'///// .1/ 2S üL-wMst.J s\vt^>t.r 1*
U ;>i. Jan.
72 Leben Souses. Kap. XXIV.
herr und vater minc, wel ein kleglicher tag der waz, der mich in
dis ertrieb ie brahte. daz ich got han verloren und üch so grossez
lidens han gestatet! Dar umbe we und schäm und sufzen mineni
eilenden herzen iemer und iemer noe! Ach getrüwe widerbringer
ininer verlornen sele, swie icli üwer red und beschöwde nit wirdig
sie, so nement doch in üwer getrüwes herz und gedenkent, daz ir
got niene me triiwen mugent geleisten noch im glicher gewürken,
denn an einer verworfenen sünderin und einem überladen herzen.
Got der hat ü doch gen allen erbennklichen dingen erbarraherzig
gemachet; wie wend ir denn mir armen hingeworfnen sünderin er-
bermd versagen, und ich got und der weit bin ze erbarmen worden
an diser stunde, so mich min sweren schulde so baldc und so an-
wüssent allen menschen ze einem unwerd hat gemachet? Daz ellu
menschen verwerfent und verpfuhzent, daz snchent ir; da sich min
ellü menschen von billich schament, da gant ir üwerm wetundem li
laster under ogen und sf^chent mich. Herr, ich bit üch mit einein
iemer werenden herzleide, gestreket und geneiget under üwer fiifiße,
daz ir got an mir armen verviillen sünderin erent und mir luterlich
dis mord und übel vergebent, daz ich an ü und wider min armen
sei han getan; und gedenkent, han ich an diser weit üwer ere ge-ll
swecht und üwerm lib und leben abgebrochen, so gedenkent, du
ir suuderlich ere und ewigen trost da von sond enphahen, und land
üch erbarmen, daz ich du arme mfid bin, du in den strik bin ge-
vallen, und in zit und in ewikeit daz an herzen und an sele iemer
me erben müss, und mir selben und allen menschen ein burdi mtal
sin, und land mich üvvren armen dürftigen hie und dort sin. Nit
hohers begert [32'] min herz niemer me, daz ich na rehte üwer
geswistergid iemer me geheisse ald sie, wan nüwan nah erbermde
so land mich üwer verlornes geswistcrgit sin, und na rehte uwen j
lünden wol erameten dürftigen. Und diser grund der ist als war in l|
minem herzen : so man mich üwer swoster heisset ald mich leman i
in diser wise zögan wölti, daz daz niinem herzen ein sunderlidiA !
biterkeit ist. und ich dike ein erbarmen über üch han. so ir da sind,
1 wrl] wir SPKMcc i\\\ uff M 2 t'. ^loss lideii M 3 gestatet]
;r('S(li:iftVu 'V 5 II. uwer lK's(lh)Wuiiirr S i\ lit-rz mich \\, <^. S ww^ ftkU
KM S uiiun .1/ 0 rrlKinulirrziireii .1/ 10 driiii fehlt M 16 u. di
ojjr»'n .1/ cineiii fc/ilf ^f IH arnioii suthUtju. «In vei\ allen ist M 21 üwtt
.y.V 2:J iih arm müt bin <Ii .1/ hin] ist .Vi'J/a 2ii\a'AfehltM 26 hie :
sin uuil dort M '27 höhn .1/ 'Js.21> ircswistcr I* icnicr me] uicmer .>'
iiO t'uiKhii /■"//// ASJ' (Inrftiiicii sin ^f o'J in in. hcrzon S sunder S
J
Kap, XXIV. 73
«tax ir mich ge^enwnrteklicb i^ehend und da von liden ninsFieiit, daz
icb an n weig^. alW daz sicli ein herz von natar scliamen snl. daz
if h de?, nit erwerren mayent. Und ander gemeinsami enBot noh
'iiinag ich nimiier ine von d noli mit ii gehaben, wan daz sieh i'iwri'i
5 "Sin und nreii min erschamen und ersehreken müsaent. Disü wer-
'■niiii ding vfil ich elin liden nnd wil sfi got fnr min lasterbercnd
■nnil opfren, daz ir ein miltes erbarmen und ein gptn'iwes hesren IVir
"liih arnicn minderin gen got halicnt. nnd miner armen sele widci-
"■ hdiden helfent/
' Diser kleglichen rede enhviirt der brüder. do er zn iui selber
W. also: „owe, heisscn trehcn. breehcnt iiB von einem vollen herzen,
'Isj: sich von hei-zleid nit me enthalten mag! Owe, kind mins, owe,
''inigii fr6d mins her/en und miner seje von minen kintlichen tagen,
[ "Ii dem ich wände fröd und trost gefeben, kum her und laes mich
"'''dl trnkcn an daz tot herz dins eilenden brftder! Lass mich daz
'i'itliit mine» geswiistergids dnrglessen mit den bitren trelien miiier
"gen. lass mich ob minem toten kind erschrien nnd weinen I Owe,
'osend lipltch tÖde. kleines we. owe. sei nnd eren tod, grosses wcl
t*we, leid und liden mines eilenden herzen! Ach got, owe, erbarni-
■M'r/igi' got. was hau ich jrelept! Owe. kind mins, kum her zu mirl
Ehl i<'h min kind uoh fluiden han, nu wil ich min klag und min
"^finen ab lassen, und wil dich hi'it enphaben in der gnad und er-
*ännde. als ich beger. daz mich sündigen menschen der erbarm-
^räg got t^nphali an miner jüngsten hinvart, und wil dir gern
»itTlich vergeben daz unmcHsig leid imd liden, daz ich han von dir
^habt und iinz min ende haben mnss. und wil dir dtn miBsetat
»vftklich helfen büzen und besren gen got und gen f32'] der weit."
taz erbamiete elU'i dii menschen, dii es sahen und den jamer lie-
pnlhalb horten, nie iibel, daz sieh nieman moht enthalten, er müsti
leiaen. Und also mit kleglichem gehabone und giitiichcm trfistene
Feilte er si, daz ei gflten willen gewan, sieh schier wider in
Bsmi ze gebene.
Dar na. do er mit unsäglicher schäm und grosser kost und
ireitfii daz verlorn scbefli hate dem milteii gof under siner
1 gegen "tifck Hell .V i noii mit n fflitl K ö f. wei*findö A »■■
i MaffP ß ich ftkU K 10 f. sIho narh lirflder .V J4 tro»t halipu m
» lieben g. M -20 L-elopi i!i M 21 fllifl siii M 24 a
lei-gebPti fiMi .V -.'öf. vou <\h ImW PA' 2Et ti. iiiöh mölilE' .
— host fehlt Ä iiii.l mit ^r- k- .itid mit »rlipil.'n .1/
J
74 Loben 8eiis(.'s. Kap. XXV.
wider braht do fugte der erbarmberzige got, daz si an einer \
trostlicher stat ward enpbangen, denn si vor waz, und ward dar na i
ernst so gross gen got, und ire wol bebüte heilig wandel so bestet
in tugenden unz an ir tod, daz er ward gen got und gen <ler w(
an ire wol ergezzet alles leides und lidens. so er ie bat ;;ehal
So der getrüw brttder sah, daz sin liden als rebt wol geraten \\i
dar an bat er lust und fröd, und gedahte an gotes beinlieb
Ordnung, wie ellu ding dem guten konient ze gute, und den
so sab er uf ze gote in grosser dankberkeit, und zerfloss im >
herze in dem götlichen lobe.
XXV. Kapitel.
Ton .swerem lideiie, daz im einest zu viel Ton eini siiieni
gesellen.
Im ward eins males. do er ns wolt varn, ein gesell geben, <
leybrtider, der waz nit wol besinnet. Den fürt er ungern, wan
binderdahte, waz er eblicb unertekeit von gesellen hate erliteu; i«
gnl) sich doch dar in, und nam in mit ime.
Nu fttgte sieh, daz sü kamen in ein dorf vor friigem inbisj
da was des selben tages jarmarkt, und kom gar vil allerley volg(
dar. Der geselle waz nass worden von dem regen, und gie in ei
hus zu dem füre und meinde. er enmöbti nienr komen, daz er .<clit
ane in, daz er ze schaffen heti, er wolti sin da beiten. Do il»
i)rüder erst uss dem hus kom, do stfin<l der gesell uf, und sas*
sich ze tisch zu einem wilden gesinde und gutgewünnern. die o«
zu dem jarmarkt waren komen. Do die sahen, daz im der win
wol ersehoss, und uf waz gestanden und under der bofti'ir stiii
2 trosilirln.'ii ASl'M doiiii ./'t//// .1/ :> ire w. bcbutfu bailiroii \v.
4 uiizj l)is .1/ 5 io| liie K 16 hiiidenl.] vor «Iahte «y ebelklich
IH fili^-to ("S s. P 21 iiiohte S'h'A^ uiriu) iii<Mlert ^[ uieiiirr A^ 22
schjatti'iulc ö' 25 z»'| so M
2 ll'o/// hl einem ^he.sc/tluifscuvn" d.h. utiier Kluusnv stehenden AVo«
Oh die in einem Jirief Hcinnclis ron Xördliiif/(.'n an Martfareia Kbntr {Shw
A\/a, .;; tS. 'Jl4i f/i.nnnnlc Sussin zu IJochstrtfen lAugtatiini-rinneniflo*
f'fi /)iUinf/en) viue WrwandU Seusts oder f/nr r/t'.vÄen Schwester ttKir, h
sich nicht entscheiden. Anch eine '^lra.ssffur[/'.r Patniierfamili ' dts 14.
hifs.s SnssCj Süsse. SfiiiS' (Vf;l. Slr(t,ssh. Uli V — V ] I paffsimt. Q Röw, S.
uiuli sich j^at'ende, do gvifen sii in aiic und spmclieti. <.'!' bcti in
I kes vorstolii. Under tlannen do dis bösen lüt mit im« aJen
freideJilich nmh giengcu. do konieii d&rt ber für vier neiss (üiif
Krrfichter harscher, und valleud in och an iind sprachen, ' der hat-
■lincb weri ein gifttrager; wan es was in den selben ziten, do daz
) gesL-hell wo./, von der gifl. Also viengen sü in und niachetun
irroBS gebrclit, dass menlich zft IM. Do er sah, wie es gie nnd
diz (T gevangeii waz, do heti er im selb gern gehulf'eii, und kertt-
ioch um und spiacb zli iu also: „haltent nl' ein wiü. und stand
itiilt' nod land mich /.e red körnen, so wil ich i'i vergehen und sagen.
s gevaru ist, wan es ist leider übel gevarn". Öü hielten stille.
ind menlich loset zfi. Er hüb ur und spraeb also: „IQgeut, ir merkeut
nir, daz ich bin ein tore and ein unwiser man, und hat man
kein al)t uf mich. Aber min geselle der ist ein wolkuunender wiser
1, und dem hat der orden bevoln giftaeklii, die sol er in die brunnen
ttrKeuken hin und her unzint gen Elsas abbin, da er iez hin wil, und
nil alles daz verunreineu mit b&ser git't, da er hin kumt. Lugent.
mz er uh bald werde, ald er stift daz mord, üaz uiemer me geheilet:
1 bat iez ein sekli her iis genomeu und hat es in den dorf'brunneit
|;elaii. dar umbe daz alle die, die ber Icomcnt ze markte, müssin
. alle die des brunnen triiikent. Hier umbe bleib ich und
ttoll mit mit im hin us gan. w:iii es mir leid ist. Und -/.e einem
1 apiücheuj juoLcut 6' 2 mit iiiif/eWi .¥ 3 fäifthll APA' »eis»]
> S uu A' ne» ,y 4 verrüebtcr] verre ilört her 4' 5 wcri] ist .v
rn^ U •■} itlsi) üS in M 13 riu tore bin £ U f. wulk. mau und
yian mun .1/ 15 f. er Irajjien unrl ]iiii in ü. b. \etf. imd her |!) M
mj. SKMA' 17 vergifl .1/ lö verheilet -v 21 ulk f*Mt AMA'a
fi UthirMi tun DtegteithoBeit eraahlt (BlihtMt; Fonitg I\',öHff.}: w/Uii«ti<l
■ Surththareu Ptat {..»ehwarttr Tod" 1347—60) wurden 'von A'ur. i5JA liie
Jt i34l> 'ilte Juden von Kuln bin mich IMerreich hinein terliruiinl, denn datr-
'«U batcliuläigtt nie, «ie hätten /itllimt oder durch angeatiftett ChnsUn die
'Minen ttrgifttt. In Konstant vernchilUete man die WaseerbehäUcr der Juden.
og das Trinkwanecr aiu dem Bodenree und verbrannte am ä. JUäi'g 134-''
I Jaden in ehtem eigint iitiiinmtrita Otbäude. — Margarela Ebner brgehri
wÜMH, ob dir Juden an dem ^gemeinen Sterben- tehuldip /leien, und en uird
in iltr Entrßckwig gtantirortel : „ts wäif iBabr- ( ifjaiic/i, Marg. Kbntr
'fiff.l. Hin J/Vattfishaner bttehuldigle läiä in einer Predigt eint grositr
Stratsburgur Bürger, 'ie Miien Oifl bei sich und gebraucMiu i^, nm
Wn m eergifien tStritesb. Uli V, :;iö)l Wciltecs ». U. HSniga; l)tr
■M Tod J8ti3, äff. 3fiff. L. L-rcHsIcin, Ge^ch. der J-'dm um llodt,-
J87J>J.
76 Leben Seuaes. Kap. XXV. ,
•
airkünd, daz ich war sagen, so sond ir wüssen, daz er hat einen
grossen bftclisak, der ist vol dero giftseklin und vil guldinr, die er
und der orden von den Juden hein enpfangen, uf daz daz er dis
mort volbringe." Do dis red erhörte daz wild gesind und alle, die
<)ar umb st&nden und hin zfi waren gedrungen, do tobten si und
«chruwen mit luter stimme: „hin bald über den morder, daz er uns
nit endrfinne!" Eine kripfte einea «piess, der ander ein mordax.
und ieder man als er niohte, und lüfen mit wilden tobenden siten,
und stiessen du häser uf und kloscn und wa su in wanden vinden,
und stachen mit blossen swerten dur du bet und stro, daz der jar-
markt alle zfl ward lofende. Es kamen och dar fr5md erber lüte,
•die in wol erkanden, und do si in horten nemmen, do traten sfi her
für und sprachen zfl in, sü tetin übel an ime, er weri gar ein
frumer man, der ungern kein s51ich mord begicngi. Do sü in nit
funden, do liesscnt sü dur von und fürten den gesellen gevang«n it
für des dorfes vogt, und der hiess in besliessen in ein gaden.
Dis zoch sich wol uf den tag. Von disen nöten wüste der
<liener nit. denn do es in zit duht, daz es vastender [33"^] inbiss
Avere, und sich versah, daz sin geselle bi dem füre vvol ertruchnet j
were, do kom er gende und wolt enbissen. Do er in die herbeiy^i^
kom, do hüben sü uf und seiten ime du leiden mere, wie es ergangen .
waz. Do lüf er balde mit erschrokem herzen hin in daz hus, dt
der gesell und der vogt inne waz, und bat für sinen gesellen, dai j
man in licssi. Do sprach der vogt, daz möhti nit sin, er w61ti in j
in ein turn legen umb sin missetat. Daz waz im swere und unli-Ä
dig, und lüf eins hin daz ander her wider umb hilf, Do vant er
nieman der im dez vor weri. Do er daz lange mit grosser schäme ;
und bitterkeit getreib, ze jungst do schuf er mit sinem grosses
schaden, daz man in Hess.
Er wände do, daz sin liden ein ende heti, do vil es erst ane; J
wan do er sieh mit lidene und mit schaden von den gwaltigen bat
2 ouidiu .^PKA'a 7 nit| iit M kri))ftej nam S 8 [wilden]
toi), stiineii und sitten S siten) sinnen P 14 fniiner] fumenier 4^ 17 den
mitten dixff P IH vast der i. II li) truken ^ 24 moliti] mag M
28 LTi'schuff K Bl schndeiil schiindrn aS sclianie 1*
18 Jt'nijlc 6H8 trohl uitrichiiij : fast der Imhhs = hohe Essenszeit (SO
'illtin li ! I : riehn^:hr: fast fuder Imlßins = Morgvnmahl an einem (fftr den Orden
rorf;eschriclntiinf lasttatj. In dtn Konstitutionen (ALKGM I^ 198 : V, 538)
<find die Taijo anf/cf/cltcn, au denen nur ..quadraf/esimalis cibus*^ jytiona dicta*
^/enonnnen irrrden darftc.
Leben Seusc«?. Kap. XXV, 7T
erbrochen, do ward es im erst geude an sin leben. Do er von dem
yogi gie. wol uf die vesperzit, do waz es linder daz gemein vol»;
önd hüben erschullen, er weri ein gifttrager; und die schrüwen uf
in als nf einen morder, daz er mit nütü getorste für daz dorf komen.
Sd zögtan uf in und sprachen: „lüg menlich, daz ist der gitttrager!
Kr endrünnet uns tala, er müss ertodet werden ! In hilfet enkein
Pfenning gen uns als gen dem vogte." So er denn wolt eudrünnen-
und abwert in daz dorf entwichen, die schrüwen noh vaster uf in.
Ire ein teil sprachen: „wir süllen in ertrenken in dem Rine," —
wan der ran bi dem dorf ab, — die andren rfiftan: „neina, der
unrein morder verunreint daz wasser alles, wir süllen in verbrennen!"
Ein angehöre gebur mit einem rüssigen Schoppen erwuste einen
^iess und trang dur sü alle hin für und rfift also: ^hörent mich,
ir herren alle sament! Wir kunnen disem bösen kezzer nit laster-
liebers todes an getan, denn daz ich disen langen spiess enmiten
dar in rihe, als man tut einer giftigen kroten, die man spisset. Also
Und mich disen gifttrager also nekent an disen spiess rihen und
klingen uf haben und in disen starken zun vast stossen und ver-
sichern, daz er nit valle; lassen den unreinen toten c6rpel windtürr
''erden, daz ellü du weit, du vür in uf ald ab gat, des morders
fc«b ein ansehen und ime na sinem lasterlichen tode fluche, daz er
*D diser weit und an enr weit dest feiger [34'] sie, wan daz hat
^er grundboswicht wol verschuldet." Daz horte der eilend diener
Diit mengem bitem schreken und mit erholten süfzen; daz im von
•ögst die grossen trehen über daz antlüt ab runnen. Ellü du
^engcben, du umb den ring stünden und in sahen, wurden biterlich
•'einende, und etlichü du klopfeten von erber md an ir herz und
flögen ir hend ob dem hopt zesamen. Aber nieman getorst vor
^ fraidigen volg nüt sprechen, wou si vortan, daz man sü och
*ö griffe. Do es begond nahten und er gie hin und her und bat
^^t weinenden ogen, ob sich ieman dur got über in wölt erbarmen
1 gebruclien aS^ enbroclien A'^ 2 f. volk komen und [li&benj eiöcli. -^
aJa K daland 6' dole P tala M talen A^ 7 als] oder P denn] denen K
\ A^ 10 bi] in SM 15 enmiten] (juent -S' 17 »ifitterer A i^^ifter
'€rf.s * nekent] uebent (!) A^ 19 toten] bösen SA^ korpper P 20 ab]
r -P mordes SP 21 hab ein] gebain (!) M flöcben M 24 von]
M 25 über daz wang und daz antlüt M 26 die wurden M 27 [du]
ft, Ä" 29 fraiden M nüt] nu S nütz .1/ won sie vortan] von
ten M 31 wolte über in SM
78 Leben Seuses. Kap. XX VI.
und herbcrgon, do vertreib man in herteklicli: etlieh gfttherzig frowei
Iietin in gern behuset, do engedorstan si.
Do der eilend lider also in des todes noten was, und ime eil
menscblichu hilfe enpfiel und man nüwan wartet, wenn sü in a
^M'ifen und in totin. do viel er nider bi einem zune von jamer un
von vorten des todes, und hub uf sinn eilenden verswuUen o£:en zi
dem himelschen vater und sprach also: ,,owe, vater aller erbermdt
wenn wilt du mir hüte ze staten komen in minen grossen noten';
Owe, niiltes herz, wie hast du diner miltekeit gen mir vergessen!
Owe vater, owe getrüwc miltc vater, hilf mir armen in disen grossen
nöten! Ich enkau doch in minem vorhin toten herzen nit ze rat
werden, ob mir lidiger si ze ertrinken ald ze verbrennen ald an
einem spiess ze erstcrl)en, dcro toden ich iez mtiss einen nemen.
Ich bevil dir hüt minen eilenden geist, und la dich erbarmen mine«
kleglichen tod, wan su sind nahe bi mir, die mich wen todenl"
Disü jemerlichü klag du koni für einen priester, und der lüf dar
mit gewalt und zukte in uf uss ire henden, und fürt in hein in sin
hus und behielt in die naht, daz im nit geschah, und half im inor-
nent frü enweg usser sinen noten.
XXVI. Kapitel.
Von dem morder.
Er koui einest von Niderland und gie den liin uf. Do bat
er einen jun^^en gesellen, der moht wol gan; und geschah eins tages-
daz er dem gesellen nit wol mohte gevolgen, wan er waz do vU
müd und krank worden. Der gesell vergie sich vor an hin vor im
wol uf ein halb mile. Er lögte hinder sich, ob er ieman sehe, Dii<
dem er gienge dur den wald, an den er vil nach [34^^] komen wa«.
und was spate an dem tage. Der wald waz gross und sorklicb«
wan vil menschen dar inne ermordet wurden. Er stund stille voi
dem wald und beitet iemans. Do kamen dort her an zwei menschen
2 jy:ehiiset ^STM 12 tTtrcnkoii Ä' verlninnet M 13 [ze] erst. M
19 usserj von M 24 freselleiij selben P 28 und was fehU SPM
29 mensclienj Int ^f :K) nnd do k. M
15 l'(jl Ps. ^>1,1^. 21 fr. JJicJtes Kap. kat eine frappante ParaM
itn einem Abenteuer im Lehen der gleiclieeitigen Mystikerin Luitgard von WH
ticken : r(/I. Mnne^ Quellenatammlnng zur badischen Landesgeschichie HL 463)
Leben Seiiscs. Kap. XX VT. 79
ind (lii gieiigen ^ar roschlich ; dcro was eins ein jungii subrii frowe.
'iaz amler waz ein vil i,^rülicher langer man mit einem spiesse und
•"ineni laniren messer , und liate einen swar/en sehopcn ane. Er
'Technik ab dez vortlicben mannes ungestalt und Iftj^ete umb sich, ob
•i'Yiemnn sebe her na gan. Do sali er nieman. Ergedahte: „owe,
'ler ^0^ waz lütes ist dis! Wie sol icli tala dur disen langen wald
koiiiHi, ald wie sol es mir hut erganV" Und maebet ein krüz über
"In herz und waget es.
Po sü in den wald kamen vast hin in, do trat du frow hin
"iiTzii ime und fraget in, wer er weri ald wie er liiessi. Er seits.
"^i^iprach: „lieber berr, ich erkenn ücb wol von <lez namen wegen.
Icli bit ucb. daz ir mir bibt horent." Si hüb an und bibtet und
sprach also: „owe, tugenthafter berr, do klag ich ü, daz mir als
:ar übel ist geschehen. Sehet ir den man, der uns na getV Der
► i>t ein rehter morder, und mordet die lüt hie in disem walde und
andfrswa, und ninit in denn ir gelt und gewand, und schonet nie-
:i'aiis iit* «Mtrich. Der hat mich betrogen und usgefiiret von minen
•^rlhiTii tVünd'^n. und mtiss sin wip sin." Er erschrak ab diser
rt^ilr. daz ime na geswunden waz, und Iftgte umb sich vil jemerlieb.
''bir ienian .'^ehi ald horti. ald ob er in keinen weg möbti end-
niimn. Do ensah nob enbort er nieman in dem vinstern walde,
'i^iiii (kn morder im na gende. Do gedaht er: ,.i1uhst du nu also
■iiinle. so hat er dich bald erlofcn und tödet dich; schrigst du denn,
fc höret niemnn in diser wiisti, und bist aber tod." Und sah uf
* ^il ellcndeklich und sprach: „ach got, wie sol es mir hut ergan V
"we tod. owe tod, wie bist du mir so iiahel^ Do du frow gebilitet.
'If^ ick sl hinder sich zu dem morder un^l bat in heinlieh und sprach:
-^^51. lieber geselle, ga hin und bilit ochl Sü sind da lieime in
-iiteiii globen gen ime: wer im gebihtel, wie sündig er ist. daz den
'?'^tniemer well gelassen. Dar uml) tu (\s, ob dir got Job von sinen
'^^'^en an dinem junirsten süfzen zc heU' ki>m." Do sü also runeten
^it enander. do erschrak er voll und gedahte: ^du bist verraten!"
^r morder sweig [35'] und gie hin für. Do der arm man sah.
'Iaz der morder mit dem spiess gen im trat, do erzitrot und erschrak
^flii sin natur abe und gedaht: „eya, nu bist verlorn I" wan ov en-
*ast nit waz sü hatent geredet. Xu waz es da also g(\^rhal'en.
10 seit AJ'A^ Si'it irs S' sagt er ir. wir er liicsz a/.s ' 1*J inir| min /'
II. ir fi-ewaiit P 20 im kciiion w. AK in keines weir»*^ ''' *-^<> '»w<» t<»i|
- eiftmal M iU dinen M Ho •^h im -^ ))ist du S :i(> also dr» .1/
80 Leben Seuses. Kap. XXVI.
daz der Riu nebend an dem wald ab rau. und gie der äuiale \vt-
uf dem porte und schikte es der morder also, daz der brftder niösi
gan wassershalb und er gie waldcsbalb. Do er also gie mit zitrei
dem herzen, do hüb der morder an ze bihten und verjah im ak
die totschlege und du mord, du er ie begangen hate. Sunderüc
seit er ime ein grüliehes mord, dar ab sin herz erstarb, und sprac
also: „ich kom einest her in diseu wald dur mordens willen^ a
ich och nu hau getan. Do kom mir zu ein erbere priester, dei
bichtet ich. Der gieng nebent mir hie, als ir iez tünd, und do d
biht US kom," sprach er, „do zoh ich diss messer us. daz ich l
mir trag, und stach es dur in und stiess in von mir über daz por
ab in den Rin."
Ab diser rede und geberden des morders erbleichet und erto-
det er als gar, daz im der kalte totsweis über daz antlüt und dur
den büsen ab ran, und erzagte und erstumbet, daz im alle sin siooe
entgiengen, und blikte ie neben sich, wenn er daz selb messer in
in stechi und in och hin ab stiessi. Da er von angsten iez da
nider wolt sin gevallen und nüt me mohte, do lüget er vil jemer-
lich hinder sich als ein mensch, der gern dem tod weri endruneo.
Und sin jemerlich antlüt daz ersah daz fröwli, und loft hin zft und
kripft in also nidersigenden under ir arme und hüb in vast und
sprach: „göte herr, lurtent üch uit, er tötdet üeh nit!" Der morder
sprach: „mir ist vil gutes von üch geseit; des sond ir hüte ge-
niessen, daz ich ü wil lassen leben. Bitent got, daz er mir armen
morder an miner jüngsten hinvart dur üch ze staten kerne/
Under dez waren sü uss dem wald komen. Sin geselle sas»
dort vor dem walde under einem bome und beitet sin. Der morder
und sin gespile giengen für. Er kroch zu sinem gesellen und viel
da nider uf die erde, und zitret sin herz und alle sin lip, als so
eins der rite schütet, und lag also stille neiswi lang. Do er wider-
kom, do stund er uf und volgie den weg. und bat got mit ernst*
und mit einem [So""] inneklichen süfzen über den morder, daz it
got liessi geniessen sins guten globen, den er zfl im gewan, mc
daz er in an sinem jüngsten süfzen nit liessi verdamnet werden
5 w fehlt M () erstarb] ersclirak 1* 11 von mii fehU 1* 13 gt*
bärd M 20 sin] daz M [daz] ersah M 21 kripft] begreif S 22 en-
ffthrtent üch nit, er eutiit uch nit noch tötet üch nit M 28 vil gfitx v^
mir M 29 und a. 8. lip fehlt M alle fthlt E 31 folget» 8
Leben Seiises. Kap. XXVII. 81
Dez ward im ein sölicher gegenwiirf von got, dar an or enkeiucn
zwivel wolle han, daz er s61te der behaltnen eine wesen und von
?ot niemer gescheiden hier umbe.
XXVII. Kapitel.
1 Vou wassernot.
Er waz ainest gen Strasburg gevarn nah siner gewonheit.
Do er wider hain wolte, do viel er in einen ungehüren giessen des
Rines and daz nüw büchli mit im, dem der bos vient vil gever
waz. Do er in des todes not vast abwert ran unbehulfenlich, do
'%e der getrüw got, daz uf die selben stunde von geschiht ein
JQDge nüwe ritter von Prüscen dar kam; der wagte sieh hin in zu
im in daz trüb sturmig wasser, und half im us von dem jemerliehen
tode und och sinem gesellen.
Eins males für et us in einer gehorsami, do es kalt waz. L'nd
io er also spislos allen den tag unzin t spate in dem kalten winde
und frostigen weter hate gevani uf einem wagen, do kamen sü
neiswa zu einem trüben wasser, daz waz tief und schnei, als es
von dem regenweter waz worden. Der kneht, der in fftrte, übersah
|ich neiswi, daz er ze nahe uf daz port kom, und warf umbe. Der
"rüder schoss ab dem wagen und viel in daz wasser, daz er dar
inne an dem ruggen gelag. Der wagen viel hin na und viel eben
nf in. daz er sich in dem wasser noh hin noh her niohte gekeren
Doh kein hilf von im selber hau, und ran also man und wagen
Qeiswi verr abwert gen einr muH sines Undankes. Des lüf der kneht
^ dar und ander lüte, und Sprüngen hin in in den wag und kripftan
iB und hetin ime gern her us gehulfen ; do lag der swer wagen uf
•
inj nnd trukt in hin under. Do sü mit grossen erbeiten den wagen
*l> ime brahten, do zugen si in her us also triefenden an (hiz hind.
Ind do er her us kom, do crefror daz irewand l)ald an ime von
2 er hie uinb M 3 hier umbe fthli MA^ ♦> Er 1:J nesollen
M/ M 9 abwert vast P 11 ritter usz Strasburg- von prassen K hin
N m 15 UDtz Ö'KM 17 tief] trübe P 18 der i'il)tT.s. J/ li) neiswa -S'
^i iiin] iiii M eben] obnan M 22 weder bin S [uohj hin .1/ 23 wagen
Iman *S' 25 in [in] SM wagen (!) P kri])ftaul erwustent X boirripfton M
8 Sehr wahrscheinlich ist das iö'<iAs v(f/lcndetc Bdac jicmeini ((jtyen
'rtfßtr II, 317), 11 Ein Ritter des Deufschordens, der in S'irasfihvrr/ eine
iederlassung bestiss,
H. Seat«, Deottchtt Sehriften. G
32 Leben Seiist's. Kap. \.\v j...^.
grosser keltin. Er ward zitreude von Irost, daz im die zene in ein-
ander klaperten, und gestund also janirige still ein wili und sah u1
ze gote und sprach also: „wafen got, wie sol ich tfln ald waz so
ich an vahenV Ez ist spate gen der naht^ so ist einkein stat not
dorf hie umbe, da icli mich erwarmen mug ald mich mug generen
Mftss ich nu hie also sterben? Daz ist ein kleglicher tod!" E
[36''] kerte sich hin und her, do sah er dort verr an einem her-
ein vil kleines vvilerli, und da kroch er hin also nasse und frostig«
und do waz och du naht hie. Er gie umb und umb and bat he
berg dur got. Des ward er von den hüsern vertriben, daz sie
nienian wolte iiber sü erbarmen. Do < begond im der frost uk
erbeit umb daz herz gan, daz er sins lebens> begond fürten. S
sprach mit einem luten rftf zu got: „herr, herr, du möhtist mich
mer han lan ertrunken, so weri ich dur von komen, lieber dei
daz ich nu von frost hie an diser strass mfiss sterben.** Die kl^
liehe rede erhörte ein gebur, der in vor hate vertriben, und erba
met sich über in und nam in under sin arme und ffirte in hii
wider in in sin hus, und also vertreib er och die naht mit erbet-
i^elikeit.
XXVIII. Kapitel.
Ton einem rüwlin, daz im got eiuest Hess werden.
Got der hat in des gewennet: wenn im ein liden ab gie.
waz geswind ein anders da bereit. Hie mite spilt got mit i
ane underlass, denne einest do Hess er in müssig gan; es wei
aber nit lange.
Er kom in dem selben müssigen zite zu einem frowenkl
gende, und sinü geischlichü kind frageten in, wie ez umb in sti'
Do sprach er: „ich fürte, daz es iez übel umb mich stände, u
da von: ich bin iez wol vier wochen gewesen, daz ich wed
lip noh an eren von nieman bin angereunet wider min alten f
1 V. grossem frost M 2 stund SP 4 so eiiist SP 4 f. a
noch kain d. M 5 mich [mu^] M crnereii SPM 6 sterben
0 [und] do M 9 f. der herherg M 11 8Ü] in S 11 f. Do b
fürten M Do [begond — lebens] begond er im fürten ASPKA^afUS^
mär K als mer S 15 ich fnn] M hie fehlt SP von frost nac
16 die erhört M 17 hin fehlt K 18 [in] in M 21 ruglin d
23 da fehlt PS 24 dennoht M 26 den s. ni. ziten P
Leben Seuscs. Kap. XX VIII. 83
ieit und fürte leider, daz min got hab vergessen." Do er also ein
^vl kleines vvlli bi in gesass an dem venster, do kom ein brüdcr
'ie8 Ordens und rfifte ini hin us und sprach also: „ich vvaz nu kürz-
lich uf einer bürg, und der herr fraget ü na, wa ir werint, vil
hcrteklich. Er hüb och uf sin haut und swür dez vor menlich, wa
♦^r fich funde, da wölt er ein «wert dur üch stechen. Däz selb hein
iretan ire etlich freidig harscher, sin nehsten fründe, die üch ze
etlichen klöstern hier urabe hein gesüchet, daz sü iren bösen willen
an üch volbringen. Dar umb sind gewarnet und hütent üch, nls
lieb üch üwer leben sie!" Ab diser red erschrak er und sprach zu
dem brüder: „ich wüsti gern, wa mit ich den tod verschuldet heti."
Do sprach er: „dem herren ist geseit. ir habent im sin tohter als
•>ch vil ander menschen verkeret in ein sunder leben, daz heisset
der geist, und die in der selben wise sind, die heisscnt die geister
.5 und die geisterin, und ist ime für geleit, daz daz sie daz verkertest
vol^. dar uf ertrich lebt. Und noh [36^ J rae: ein ander freidiger
man. der waz da und der sprnch von üch also: „er hat mir einen
rob genomen an einer lieben frowen : si zühet nu die stuchen für
Dnd wil mich nit me an sehen, si wil nüwan inwert sehen; daz
äümüiis er gearnen!" Do er disü mere gehorte, do sprach er: „gelopt
^'iejrot!'* und ilte bald hin wider an daz venster und sprach ztt
feinen tuhtrau: „eya, minü kint, gehabend üch wol! Got hat au
i*>ich jcedaht und hat min noh nit vergessen,'^ und seite in du herten
nif^re. wie man im umb wolgetan i'ibel wölti Ionen.
2 vil fehlt M 5 och fehlt P \) siiit ir ^. M 14 d<;r ^^oist -
^m^'WX fehlt ASP geister] geist P 18 stacheu] stürtzr /* den schlogcr M
^^ im nit me S 20 eramen M 20 ff. sprach er o:en sinon tohtran: „eya,
nünü kint. j^ebabent (ich wol, golopt sie g-ot !** und ilt<; bald zu in an daz v. und
"prwli: .,^or bat etc.^* M 21 widrr hin in iV -Ji nie — lonon fehlt P
Mihi' S
2 In den Kraue nklötftetTi mit strenr/er Khiusur durfte und darf der
^trkdir mit der Aussenwdt nur durch ein Sjtrachgilter (rtdevcnster) (jeschehen.
Uff. I)ie »Stelle Seigt, dass man die Gotteftfreunde öfters mit den ßer/harden
'"'d Brinkrn (Schioestern) des ^J'reien Geisten'^ zusammenwarf, wehhe in der
^Htn Hälfte des 14. Jh. besonders am Oherrhcin anftrattn und von der
^'^<imUion mederhoU verfolgt wurden doIO zu Mainz, loli zu >itrasshurg,
^^WJT. zu Köln; 13S9 drei liegharden zu Konstanz hingerichtet ^ Hegesta
^isci}porum Constaniiensium II [1904] n. 4:>(i7>. Auch Luitgard ron Witticheu
fwde Betrügerin und Ketzerin gescholten (Monc a. a. (). III. 443 f, und Tauler
*ö^, d(w« die Gottesfreunde von ihren Gegnern die .,neuen Geister' genannt
^''^ ^it dem Schimpf wot't ..Begharden" hcdacht wurden ( liöhringrr. I)ie deutsche
-Vbk f|fi55j ogß jnit Quelletihelegen S'.w, 8i^4).
84 Leben Soiisef«. Kap. XXIX.
XXIX. Kapitel.
Ton einer minneklichen rechnnng, die er einest mit got hate ^^»
In den seihon lidenden ziten und in den selben steten, da e" :— r
do wonte, so der diener underwilent in daz siechhiis gie, daz e rr^r
sinem kranken libe eins gemechlis gestateti, und so er ob tisch sas -^=!s
swigende nah siner gewonheit, so ward er geübet mit spotred uii»- d
mit unverwnsnen worten, daz ime an der ersti vil we beschah ; nn rj
erbarmet sich selb als übel, daz im dik die heissen trehen du \vange=^=!?n
ab waletan, und dnz ime die trehen mit der spise und mit de^^K»
tränke in den mund trungen. Er sfih also swigende uf zu go -^e i
und sprach mit inneklichem sufzen : „acli got. gnüget dich nit nr^it
miner erbetselikeit, die ich tag und naht lide, mir müss och n^ in
spisli ob tisch mit grosser widerwertikeit vermischet werden?" TJ^is
geschah im dik und vil.
Eins males, do er ab tisch gie, do raoht er sich nit me exjf-xj:^
halten, er gie an sin heimlichi und sprach zft got also: „eya, lieber
got und ein herr aller der weit, bis milt und tugenthaft gen mir
armen menschen, wan ich muss hüt ain rechnung mit dir habeo»
des mag ich nit enbern. Und wie daz sie, daz du nieman uut
schuldig noch gebunden siest von diner grossen herheit, so gezirot
doch wol diner unmessigen güti, daz dn ein volles herz lassest sich
mit dir erkülen von dinen gnaden, daz nieman andern hat, dem es
klage ald der es tröste. Herr, ich zugen-daz an dich, wan du ellü
ding weist, daz mir daz hat gevolget von miner müter libe, daz ich
en miltes herz han gehabt alle min tag. Ich gesah nie keinen
menschen in leid noch in betrübde, ich heti ein herzklichs mitliden
mit ime, und ennioht nie gern hören weder hinder den menscbeo
noh [37'] vor in reden, daz ieman besweren mohti. Dez müssen
mit mir alle min gesellen jehen, daz es von mir selten ie gehftret
ward, daz ich ie keins bröders oder keins andern menschen ding
bösreti mit minen worten, weder gen den prelaten noh ane daz, denn
5 «gemaches M ob doni tisch ]\f 0 mit dem fehlt M 11 brnügt3»
nit [mit] FM 13 «pine PA' ob tisch fehlt A^ 17 bis] wie M 20 JT^'
bumlen noch sohuldiir S noch i!:ch. fMi M 23 ztigcn [daz] JSC 261ei."»
liebe iS' 27 f. dem m. noch vor im AI 2J» mit fehlt S 29 f. seltnen n»-^^
daz ich .1/ 80 dinir fMt A'
4 siechlius, besondere Ableilunq des Klosters für die kranken Brüdtf^ -
Leben Seuses. Kap. XXIX. 85
ler menseben ding bessren, als verr ich mohte. So ich daz nit
öht getün, so sweig ich ald ich floh dur von^ daz ich es nit horti.
i menschen, du gelezzet waren an ir eren, den was ich von er-
rmde dest heimlicher, uf daz daz sii dest baz wider ze ir eren
nin. Dero armen getrüwe vater hiess ich, aller gotesfründen
der fründ waz ich; ellü du menschen, du trurig ald beswerd ie
mir kamen, du fanden iemer etwas rates, da sü frölich und wol
rostet von mir schieden, wan mit den weinenden weinet ich, mit
trurenden truret ich, unz daz ich si mfiterlich widerbrahte. Mir
?t nie kein mensch so gross herzleid, so er mich nüwan dur na
lieh an lachete, so waz es alles da hin in gotes namen, als ob
nie weri beschehen. Herr, ich wil geswigen der menscheit,
noh nie: aller tierlin und vögelin und gotes creatürlin mangel
I truren. so ich daz sah ald bort, so gie es mir an min herz,
I so ich in nit moht gehelfen, so ersüfzet ich und bat den obresten
ten herren, daz er in hulfi. Alles daz in ertrich lebt, daz vand
id und miltekeit an mir. Ach und du. milter herr, gestatest
eben, von den der lieb Paulus sait und sü uamd sin valschen
ider, ach herr, daz klag ich, daz sü in so grosser grinimkeit sich
1 mir bewisent. als du, herr. wol weist und es offenbar gnftg
Ach, milter herr, da/ sieh an und ergezz mich sin mit dir
benl^
Do er ein gut wili sin herz also mit got erkölte. do kom er
iswi in ein stilles rüwli und luht im in von got also: „din kint-
hü rehnung. die du hast gen mir getan, kunt da von, daz du nit
e zit eben war nimst dez geliten Cristus worten und wisen. Du
It wüssen, daz got nit von dir gnüget eins gütigen herzen, daz du
iSt. er wil noh me von dir, er wil daz och: wenn du von ieman
irst mit Worten ald wisen berlich gehandelt, daz du daz nit jillein
iiulteklich lidest, du müst dir selb als gar under gan, daz du nit
fangest schlafen, e daz du hin zfi dinen widersachen körnest und
^ du, als verr es denn müglich ist, ire wütiges herz machest
'^^g mit dinen süssen, demütigen [37'] worten und geberden; wan
'i^t §6licher senftmütigen demut benimesi du in swmt und messer
1 daz n. m. — 2 daz i<'h fchU K (> beswor r 7 «laj ilaz ' .Sa
•^^migen SPA' 10 f. gutlicli dar iiacli .1/ HJ iniltcn fvlili s 18 von —
^^wb/e/ilf M namd] maiitf A' inciiMlc r IS) |(laz| nit S \\\ hin
;«^'/( .v.v
^^- ^V. Köm. J:.Klö. IS II Km-. IL. 6. dal. -J.-i.
86 Leben Souses. Kap. XXIX.
and machest sü unmehtig in ir schalkheit. Sih, dis ist der all
volkoraen weg, den der lieb Cristus lert sin junger, do er spra(
„Itt^ent, ich send ü als du sclieflü under die wolfe." Do der dien«
zfi im selb kom, do duht in dise volkomen rat ze mülich, und wj
ime swer, dur na ze betrahten, und noh vil swerer ze ervolgei
Und doh gab er sich dar in und begond es lernen.
Es geschah einest dur na, do hate ein leybröder. der waz ä- -jd
suter, vil übermütklich mit im geredet und berlich missboten. KDo
sweig er vil gedulteklich und wolte es da mit gnug han laaa<«ii
gesin. Do ward er von innen vermant, er müsti noh baz tun. 1h i
ze abent wart und der selb brüder in dem siechhus ass, do gie der
diener für daz siechhus stan warten, wenn der convers her m
giengi. Und neiswen, do er her us koni, do viel der diener für in
und sprach mit demütigem tiehene: 7,eya, lieber togenthaftiger vater. ^
erent got an mir armen, und hab ich i'i betrübet, so vergend min
luterlich dur got!" Der brüder gestund still und sah uf DÜt wunder
und sprach mit einer hüwlender stimme: „wafen! wes begand ir
Wunders? Ir getatent mir doch nie kein leid, als wenig als den
andren; ich han üch berlich betrübt mit minen schalkhaften woriai.
ir sond mirs vergeben, daz bit ich." Und alsus ward sin herz ge-
stillet und kom ze fride.
Ze aineni male do er ob tisch sass in dem gasthus, do miese*
böte im es ein brüder mit schalklicher rede. Do kert er sich gen
ime vil gütlich und lachet in ane, als ob er im etwas sunders klciae-
des heti geben. Des wart der brüder in sich selb geschlagen, du
er gesweig und sin antlüt och gütlich her wider gen im kerte. Di^
seit der brüder nah inbiss in der stat und sprach: „ich bin hätsl^
berlich ob tisch geschendet, als ich ie ward: do ich es dem dicie^
ob tisch berlich missbot, do neigte er sin antlüt vil süsseklich g0^
mir, daz ich schamrot ward; und daz bild sol mir iemer gut sin'
4 volk.J noch koiueii P i*^ar ze m. J/ 5 dur na — swerer /eÄÄ^
6 lernen] liden M 9 lian nachyetrof/en A, fehlt SKM 10 sin SP innem ^
13 komj ifien^r s 14 tugrenthafter SFMA' 15 mirs] loir KM 16 Ktuiit t
der g^est. M 17 hinvcUendcr S 18 wundrr S den] die S 20 mir M
es mir A^ ver^-. durch got >> dez 3/ ich uch SP 23 aber ain ai*
brüder M 24 f. iiin sunder khünet h. gejofeben. Do wart M 26 der brftikrl i
er M 27 f. oh tisch als berlich M
'i\ Luk. lOj.j. 12 converse, coiwersus = Laienbruder,
Loben Seuses. Kap. XXX. 87
XXX. Kapitel.
Wie er von lidenne eins iiiales l^ain uf deu tod.
r
Es geschah ze einer zit, daz im in neiswi nieuger naht, s^o er
erst Q88 dem schlaffe uf schrak^ — do vie neiswaz in im ze au
5 Fahene den salmen von unsers herren marter: Deus, Deus mens,
respice in me; [38'J den salmen sprach der eilend Cristus, do er
an dem galgen des cruzes in sinen n6ten von dem hinielschen vater
und von menlieh gelassen waz. Ab disem emzigen insprechene, so
er erst erwachete, erschrak er übel und vort ime. Er ruft zu im
lo an daz krüz mit bitterlichen trehen und sprach also: „owe, min herr
und min got, sol und mfiss ich aber ein niiwes krüzgen mit dir
erliden, so ere dinen reinen unschuldigen tod an mir armen^ und
bis mit mir und hilf mir alles min liden überwinden I" Do daz krüz
kam. als im vor waz gesin, do begonden im ungehürü liden, von
15 den hie nit ze sagen ist, vil vast wahsen und von tag ze tag meren
und worden ze jungst als gross, daz sü ersuchten den kranken mnn
doch als gnote, daz sü in brahten uf den jüngsten ])uncten sins
lebeos. Wan do er eins abendes ussrent des conventes was nider
an gin bet gegangen ruwen, do hindergie in ein kraftlosi. daz in
2i)dnhte, daz im von amaht wolti gebresten und daz er iez miisti aller
ding vergan. Er gelag also stille, daz sich kein ader an sineni lip
rftrte. Do dis innen ward ein gctrüwer gutherziger mensche, der
sin do pflag, den er ztt got hate gezogen und in vil sur erarnet
l^Äte, do lüf er dar mit leid und bitterkeit und greif im uf sin herz.
Ädazer markti, ob kein leben noh da were. Do waz es gelegen,
^t 68 sich als wenig rürte als in einem toten meiisclion. Des sank
^f nider von grossem leide und hüb an mit iiidergiessendeu trehen
'^nd jemerlicher klag und sprach also: „owe, got, des edlen herzen,
^az dich, minneklicher got, so minneklich mengen tag hat in inie
■ *^ fragen, daz dich so lustlich mengem wiselosem menschen trcstlieh
kat usgesprochen mit worten und scrift in allen landen, wie ist daz
3 daz man im K uciswi fehlt S 4 f. ze aiiiVchten(h' *S' 7 dem
hi;ii.J Kinem S vater fehlt K 9 so crsclirak M 11 alxri iciiur -s
12 rfinen fehlt S 16 wahsen |undj K IS uzwcMulig S \\>^('r M 1!^ Imi-
lin J' 20 amaht I unmaht P andahtc (!) A' 22 tt". wiiideu du gt-tniueii i^ür-
//erzitren meiischeu, du sin do ptiagen, du . . si .... (24) dl«' lül'en dar .... gritY» ii
.... (25) ni markden (26) suuken si n '27i und ir ainü |liül>| au .1/
5 Py. :J1.
^8 Leben Senscs. Kap. XXX.
liinabt vergangen! Wel ein iil)el mcr daz ist, daz daz edel
sol fulen. und daz es nit noli vil lenger got ze lobe und men
menschen ze trost solte leben I" Und alsus mit erbermklicher
und mit weinenden ogen neigte er sich ie dar und greif im uf
herz und gen dem munde und an die arme, ob er noh lepti odei
weri. Do waz kein bevvegde da; daz antlät war ime erbleichet,
mund erswarzet und ellü leblichi waz da hin als eines toten mensc
den man uf die bare hat geleit. Daz werete wol als lang, daz
under dannen weri ein mil weges gegangen.
Sines geistes gegenwurf, [38 ""J under dannen do er also
gangen lag, waz nit anders denn got und gotheit, war und wai
na ewiger inswebender einikeit; wol geschah daz. e daz er ])eg(
also vast swachen und von im selber komen. Do vie er an ne
in im selben ze einkosene mit got und sprach also: „ach, ev
warheit, dero tieffu abgruntliehkeit ist verborgen allen creatu
ich diu armer diener versieh mich, daz es nu ein ende sie unib ni
dem min vergangnü kraft glich tttt. Nu red ich iez an miner jung
hinvart mit dir. gewaltiger herr, dem nieman liegen noh tri(
kan, wan dir ellü ding offenbar sint; so weist du alleine, wie
zwischen dir und mir stat. Hier umbe such ich diu gnade, getri
himelscher vater, und wa ich ie keinen usbruch han getan in
unglichheit uss der nehsten warheit, ach got, daz ist mir leid
rüwet mich von allem minem herzen, und bite dich, daz du daz
dinem kostberen blftt verdiigest nah diner gnade und miner not
Gedenk, daz ich daz rein unschuldig blnt han alle min tage mi
und wirdekeit höh erhaben, als verr ich mohte, und daz mftss
nu an miner jüngsten hinvart alle min sünde ab weschen.
knüwent nider, daz beger ich, alle heiligen und sunderlich
gnediger herr sant Niclaus; hütend üwer hend uf und helfen
2 noch nit SM d sol M erbaniihertzig^er P erbarmherzlich'
4 naiii"ton si ... yritt'eii M t> wol ain niil wey-z war g. M 12 inswe
(Irr A inswrnk<'n(ler A 12 f. also vast l»e«rnnil M 17 vergannü A ]
<lir fchit AS 20 mir und dir .1/ 21 ixeixeii dir bau g. A^ 25 gedenl
20 irnrd. inilter b. AM/
22 nn^licbbeit (/ein lateinischen dissimiiitudn (Aug., Conf, VII^ j
rtijittnc dissiiniliiudinis) nach(j(.hHdet ^— Entfeninng ron Gott. S. auch
K. 1 Anfnmi und Heinrich ron Xord/uif/en, bei Si rauch, Marg, Ebner JA
29 St. Nikolaus, nm JUtdefis.r riet verehrt, war auch Patron des Kon^i
J'ndfgir/,lof(fcrf( : dorh n-unlc f.r iiherhaupt als Ihtfer in Not und Bedrä
ftni/ernfm.
II •■^euses Knii. \XX,
herren biteii nrab eio gut eude! Afli reinü, zarlu. iiiiltü niuter
Itia, bat mir bixt din hant, din gncdigeD hand, und an (User
sten Stande enpfah min »el iif gnad^- in dinen schirm, wan du
mins henten troet uud fr6de »Heine. Ach, frow und mfiter niinfi,
maniis tuaa conimendn gpiritum meum, in din bende. in
griedigen hende bevil ich hinaht minen geist, Kva. lieben engel,
lenkeiit. daz min herz lacliete alle min tag, so hh üch ni'iwan
Demmen, und wie dik ir mir in miuem eilende liend himelach
gemaebet und mich bcind vor den vienden behütet; eya. zarten
, uu »et es mir nii erst, an min Jüngsten not nnd bedarf hilfe.
, nn heifent und sehirment mich vor dem grAlicben anblik miner
fcn. der bösen geisten ! Ach. herr von himelrich. ich lolien dich,
dn mir na an miuem tode ein so reht gnt bi^sebeideu ende und
intnnst hast verifiwen, und var nu von hinnen mitt ganzem cristam
ane allen zwifel und ano alle vort, und vergib allen [39 'J
e mir ie kein leid getaten. als du vergehe an dem urilce
( die dich toten. Herr, herr, din götlicher fronlicham. den ich
ni der mess enptie. wie krank ich waz, der mtiss min bebiiter
tnin beleiter sin iiin /,ö diueni gütlichen aotlüt. Und min
IBtes biten, daz ich nu thn an miuem ende, acb 7Arter herr von
■Jricli. daz get über minii liebd geistlicliii kind, du sich mit
Iren trüwen ald mit bihte friintlicb in disem eilend zil mir bein
;. Ach. erbannherzige Gristus, als du an dinem jüngsten hin-
dene din lieben junger dinem hinielschcn vater mit trftwen beviel.
ir selben minne sien sii dir bevnln, da/, du in och ein gftt heilig
rerlihe^t. Xu nim ich einen lidigen abker von allen creatnrcn,
ker mich hin zti der blossen gotheit in den ersten Ursprung der
!D »«likeit.*
Do er also dis und derley neiswi vil in im seihen geeinredete,
Btgie er im selb und kam in die swacbheit. von der geseit igt.
luillii /elUl .^ -2 \n-ni\ heud S ilin triieil.
mi] :*i:lirin AS ö in <liii hea^i- fehlt M 7 daz mir
fihlt S 14 vdriölieii PA' verlilieii SKAl lö und
S IT liPH' (herrl Ä 19 lieleiler] beiialter .v riiuein] dem K
l(k ftAU SMA^ 221. [Iiein] gekttret M 24 mit trtwen fehlt M
*e SA^ bpfnilii it BnpfelcUt K 25 »d fdilt M heiliji gfll PM
ler] e»-i^T sPl. M 29 ireredeto i" :« vim iI.tJ lin von P
B pM.,3IJ,(}: Luk. 23,46: iiiteh im ÜicMicken Ahaulijiliil f Kimplrt :
IMS luar, domine etc.i und in dtn .SIrihegebcleii i/thrauiht. 16 l.uli.
23 f. Joh. }7,!>ff.
90 Lesben Seuses. Kap. XXXI.
Do er uud endrü menschen wanden, er solte vergangen sin, dar j
neiswen do kom er wider zft im selb, daz erstorben herz begoii.
wider leblich werden und du krenkü gelider wider zft in selber komen.
und genas, daz er ward wider lebende als ie von erst.
XXXI. Kapitel.
Wie ein mensch sin liden iu lobricher wise sol got wider nf
tragen.
iJo der lidende diener disen langwirigen kämpf mit tiefer be-
trahtung hinderdahtc und och gotes verborgnu wunder dar inne an
sah, do kert ersieh eins males zfi got mit einem inneclichen süfeenl
und sprach also: „ach zarter herr, disü vor genantn liden du sint
uswendig an ze sehene als die scharpfen dorne, die dur fleisch and
bein tringent; dar umbe, /arter herr, so lass usser den scbarpfefl
dornen dero liden etwas süsser fruht us dringen einer gftter lere,
daz wir erbetseligü menschen dest gedultklichcr liden und unser liden
in gotes lob dest baz kunnin uf tragen."
Do er dis neiswi vil zites von got hat begert ernschlich, do
geschah eins males, daz er neiswi ward verzuket in sich und über
sich selb, und in entsunkenheit der sinnen ward in im süzoklieb
gesprochen also: „ich wil dir hüt erzogen den hohen adel mins liden*,
und wie ein lidender mensch sol sin liden in lobricher wise de»
minneklichen gote wider uf tragen.^ Von disen siizzen ingesprochiiett
Worten zerfloss im sin sele in sinem libe, und in der Vergangenheit
der sinnen [39^] von grundloser v611i sines herzen do zerspreiten n\A
neiswi die arm siner sele in du witen ende der weit in himeln oid
in erde, und danket und lobte got mit einr grundlosen herzklicken
begirde und sprach also: ..herr, ich han dich unz her in minen p-
dihten gelopt mit allem dem, daz lustlich ald minneklicli mag gesin
in allen creaturen. Eya, aber nu so muss ich aber frolicli uf brechen
mit einem nuwen reyen und selzenen lobe, daz ich nieme erkande,
denne daz es mir nu bekant ist worden in dem lidene. Und dal
ist also: ich beger von mins herzen grundlosen nl)gründe. daz elli
3 lidor M H lobliclirr 3/ ut'| in A' 8 So AKA^ hinkwigi-u J
1» himlrrd. fehlt S 15 daz] dar ASPMA' arbeit seligii lideiidu m. }
17 h«Mt von iror b. .1/ 19 wart neiswio K 21 loblicher M 27 iini
l.i< .1/ 27t. in minem fr»tiht .1/ M rs| er P erkant 1'
;hii. \xx!.
I^deii uud leid, dfi ich ie geleid, uud dar zh alter herzen wc-
pdee herzleid, aller wniiden smerzen, aller siecben alizen, aller
fingen ||;eniiiten süfzen. aller weinenden ogen trehen, aller veiiriikter
leuächen verschmeht, aller armer dürftigen witwen und weisen ge-
ttitKD. aller tiirstiger und hungriger menschen türre mangel, aller
artrer vergossen blftt, aller frfilicher blünder Jugend willen brechen,
ler gottesl'ründen wetAnden Übungen und cUü du verborgnü und'
hobarfi lideu und leid, da ich ald ie kein erbetseliger lidender
^ch ie gewan an lib, an gät, an eren, an ('runden nid an unra&t.
I daz hein mensch iemer nie erliden sol unz an den jüngsten tag.
^ dir daz sie ein ewiges lob, faimelscher vater, und dinem ein-
pDen lidenden snne ein ewigü ere von ewan ze cwan. Und ich,
i krmer dienet, beger hüte aller lidender menschen, die vil liht
H liden iiit kondan rehte ti)n mit gednitigem dankberen gotes lobe.
i getrnwer fiirweser beger ich sin, daz ich dir irü liden an Ire
I bot loblich uf trage, in weler wise sü geliteii hein, und npfren
|l es an ire »itat. als üb ich selbe daz alles sament nah mines herzen
ÜHOb au minem lib und herzen allein erüten heti, nnd hüt ez hut
'.an ire stat dinem einbomen lidenden suue, daz er eweklieh dur
1 gelopt werde und du lidenden menschen getröstet werden, ri'i
B nob hie in diaein jamertal ald an enr weit in dlnem gewalt,
l „0 ir ellü mit mir lidendü menschen, sehent mich an und lo&ent.
■ ich ü sag: wir ermn gelider süllen uns trösten und fr&wen unsere
fe^en boptes. daz ist tlez minneklichen einliornen sunes. des, der
■Tor geliten hat uud uf ertrich nie (40 '] göten tag gewan. LDgent,
tweri in einem armen geschiebte nüwan ein richer werder man.
I geschieht alles frÖweti sich sin. Ach, wirdiges ho|.t unser aller
[er, bis uns gnedig, und wa uns gebristet rehtcr gednltekeit in
iner widerwertikeit von menschlicher krankheit, daz volbring du
Q dinem lieben himelschen vaterl (iedenk, daz du c-ineet ze hilf
I eim dinem diener; do er wolte In Udene verzagt sin, do eprechd
pt ime: „gehab dich wol und lüg mich ane! Ich waz edel und
i ich waz zart und eilend, und waz hsb allen tV&den geborn und
f doch vnl lidens." Hier umbe wir, dez keiserlichen herren Trumen
erxagen nit. wir, dez wirdigen vorgengers edlen nahvolger.
arin'i- li'leiiJiT il. M
.■eil II. tr. P 2i des
fehlt l' m lifliru
1) rroli.liiT/Mi/A" 9eri-.S* I;
15 dir] durch P "JS iimien lidrr M Irö
■28 iii — -20 kriiukbci
I
92 Leben Seuse.s. Kap. XXXI.
gehaben uns wol nnd liden nit ungern ! Wan weri nit anders nuzze
noch gutes an lidene, wan allein, daz wir dem schönen klaren spiegt
Cristus so vil dest glicher werden, es weri wol angcleit. Mich dunk«
eins in der warheit: ob joch got glichen Ion wölti geben den lidendc
und den nit lidendon nah diseni lebene, ^ewerlich, wir söltin dennoc
den lidenden teil uf nemen allein durch der glichheit willen, \va
lieb glichet und hüldet sich liebe, wa es kau ald mag.
„Eya, mit waz baltheit geturren aber wir uns dez an nemen,
daz wir dir mit ünserm lidene glich sülen werden, edelr herr? Owe,
liden und liden, wie bist du so gar unglich! Herr, herr, du W
allein der lider, der lidene mit schulden ursach nie gegab: owe, wer
ist aber der, der sich des niuge gesten, daz er lidene nie kein ursach
hab geben? Wan waz er einend ane schulde der lidenden Sachen,
so hat er andrent daz bftsswirdig was. Hier umbe so sezzen wir
uns, ich meine ellu du lidenden menschen, du ie gellten, zu einem
grossen witen ringe umb und urab, und sezzen dich, zarter trater
unschuldiger bftle, enmiten under uns in den ring dero selben liden-
den menschen, und zerspreiten unser turstigen adren wit uf ginende
von grosser begirde gen dir, usklinglender gnadenricher bmone.
Lfigent wunder I Daz ertrich, daz aller meist von turri zerschrnnden
ist, daz enphahet aller meist dez nassen regens stürmige flüsse, und
^o wir ^ebresthaftigü menschen dir icme schuldiger [40^] sien worden,
so wir ienie mit ufgezerteni herzen dich in uns schliessen und wellen,
als diu götlicher mund selb hat gesprochen: wem lieb, wem leid,
dur din lidenden hintrieifenden wunden geweschen und aller ding
unschuldig werden aller missetat, von dem du ewiges lob und erc
>olt von uns haben und wir gnade von dir enpfahen, wan in diner
gewaltigen vermügentheit wirt ellü unglichheit abgeleit.**
Do der dieuer ein gut will also stillr gesasse, unz daz sich dis
alles in der innigosten inwcndikeit siner sele mit grossem ernst ge-
^^ffenbaret hate, do stftnd er frolich uf und dankete got siner gnaden.
2 claicii silionrii KA} >vh'nm'n fehlt M 4 irot joch F 6 der] des I
7 huldct] h\\(\v\ u'V liebe] Wohor K wa| wan ö' 8 iiiitj in ASP g«
.valtkait il/ alxr luir/t an MOiiimen M 0 mit und siner liden (!) J
■♦ In rr Ju herr lerfittfo fehlt M 11 mit seh.] noch .schuld M 13 einel
halh S 14 aiKU'rthalh -S 17 huhe P 18 uf] und K 19 nsklingendi
MA^ i:n:i<llichei' M 21 [stunniirej ein geflüsse P 8ti'u*migeD ilazz .
22 <(liiil(liii A 25 [hin] triett. .1/ 27 irnaden K 29 unz] bis aS'^ m
ASA' M) iiiniirosten fthlt S
Leben Seuses. Kap. XXXll. 93
XXXII. Kapitel.
Wa mite got ergezzet in der zit einen lidenden menschen
sines lidens.
An dem frölichen ostertag, do waz dem diener eines males
3r hüijlicb ze mute, und gesass also na gewonheit an sinem rüwiin.
0 belfert er von gote ze wüssenne, waz crgezzunge du menschen
diser zit von got söltin enpfalien, du dur in menigvalteklich betin
Uten. Und in enr entsunkenheit luht im in von got also: fröwent
b wol gemftteklicfa, ellü lidendü gelassnu meuseben, wan ire ge-
Itekeit sol herlich gelopt werden, und als sü hie sind vil menschen
erbarmen worden, also wirt sich eweklich menger mensch fröwent
got ire wirdigen lobes und ewiger eren. - Sü sind mit mir erstorben,
son och mit mir frölicb erstan. Drie sunder gaben wil ich in
>en, die sind als wirdig, daz sü nieman kan gescbezzen. Einü
: ich wil in geben Wunsches gewalt in himeln und in ertrich, daz
*8, daz sü iemer gewünschent, daz daz geschibt. Daz ander: ich
in minen götlichen frid geben, den weder engel noch tüfel noch
Dsch noch kein creatur mag nemen. Daz dritist: ich wil sü als
eklicb durküssen und als minneklich umbvahen. daz ich sü und
ich, und wir zwei ein einiges ein iemer me eweklich sülin bliben.
i wan langes beiten unruwigen herzen we tut, so sol für dis gciren-
rtiges stündli eins einigen ogen])like8 lang dis liep nit gesparet
den, denn nu an vahen und es eweklich niessen, als verr es denn
tödemiich menscheit nach eins ieklichen Gelegenheit minr und
mag erliden.
Diser frölicben meren waz der diener fro, und do er zu im
er kom, [41'] dosprang er ufund ward inneklich lachende, daz
n der kapell, da er inne waz. lute erhal, und sprach frolich in
selben also: „der geliten hab, der gang her für und klage! Weiss
2 menHchen fehlt S 4 (lem| ;dneni KMa 8 eilitleii M dir
S 9 trelassnü fehlt K 10 herzlich M 11 meiiüei* iii. ewtiiklicli A
ch fehlt M IB himelrich PM 16 d. ander ist .1/ 18 trciiemen KA^
annien M ist fehlt S 19 iniiin.| iniieklicli S i>() si'i mich ^S7v'
iten M uiiruwigem 31 fiir A 2'^ nii| im M H do ut
M
15 wünschen gewalt (optio omnium) Vermöt/eu a/Us Heil und Stg')t
haffen (Lexer 111,997): vgl. Ja/:. Grimm. MtjthoL I\ IN f.
19 t. Vgl. Joh. 17,21—23.
94 Leben Scuses. Kap. XXXII.
^ot, ich versprich mich selb wol, daz mich des dunket, daz ich hj
liden gewunni uf ertrich; ich enweiss iiit, waz liden ist, ich weis
wol, waz wüune und fröd ist: Wunsches gewalt ist mir geben, d«
nienig veriertes herz müss manglen, waz wnl ich me?"
Dar na kert er sich mit siner vernünftekeit zft der ewigen
warheit und sprach also: „ach ewigü warheit, nu bewise mich diser
verborgnen togenheit, als verr man es den gewörten mag; da war-
heit mengem blinden menschen so gar unkund ist." Dez wanl er
von innen bewiset also: log, dien menschen, dien reht beschihl in
dem durpruch, den ein mensch vor an hin mfiss nemen mit einem
entsinkene im selben und allen dingen, dero doch nit vil ist, dero
sin und müt sind als gar vergangen in got, daz sä neiswi umb sieh
selber mit wüssen, denn sich und ellü ding zc nemene in ire ersten
Ursprünge. Und dar umbc hein sü als grossen lust und wolgevallen
in einem ieklichen dinge, daz got tfit, als ob sin got lidig und raüssig
Stande und es inen na ire sinne hab geben us ze würken. Und also
in diser wise gcwünnent sü Wunsches gewalt in in selb, wan in
dienent himel und erde und in sind gehorsam alle creaturen in itm,
daz ein iekliches tttt, daz es tftt, oder lat, daz es lat. Und sölichi
menschen enpfindent nit leid von herzen in keinen dingen; wandai
heiss ich leid und liden von herzen, daz der wille mit wolbedahtöf
bescheidenheit wolti erlassen sin. Wan nah dem usscm ze redenc
so hein sii empfinden wol und wc als ander lüte, und tringet in
etwen naher denn andren von ire entgrobten Zartheit^ es enhat ab«
da inno nit st^t ze belibene, und nach dem usscm so blibent sü ve^
vor ungehabtkeit. Su werdent hie übergesast. als verr es niäglid
ist, von ire selbs entgangenheit, daz ire fröd ganz und stet wirt ii
allen dingen; wan in dem gütlichen wesene, da sich ire herzen han
vergangen, ob in reht ist beschelien, enhat leid kein etat noh h
triibdc, sunder frid und frod. Als vil dich nu eigne gebrest [41
hin ziihet, daz du sunde tust, da von billich leid und betrübt kum
einem ieklichen menschen, der si iibet, als vil gebrist dir noh dis
selikeit; als vil du aber sund midest und dir selben dar inne
Ü und warhfit fehlt A^ 9 dorn meu>clM*ii deiu M lo dun
Inecbeii *U 12 sinno .V *j;iiv fehlt S 13 »'iiwissen il/ 16 ireu Binnen
ir(?^^ebt'U .1/ 20 in] von .V in keinen wv.a; und dingen M 21 volbedahter
23 enpfunden SPK 25 so fehlt PA^ 20 vor] not (!) M ' hie werd. si
2H dal 'hi^' ■'^'-^f -^'^ nirnscbon fehlt KA^ 33 f. uf giist A'
.{1 f. V(jl. Köm. :.%!K
Lebeu Seasen. Kap. XXXII. 95
'^st UDd in daz vergast, da da noh leid noh swarheit mäht haben,
deone daz dir leid nit leid ist und dir liden uit liden ist, daz dir
ellü ding ein luter frid sind, so ist dir reht in der warheit. Und
daz ^'eschiht alles in der verlornheit des eigen willen ; wan sü werdent
i« m in selb getriben mit einem jamrigen turste hin zii dem willen
$ote« und siner gerehtikeit, und der wille gotes smakt in so wol
nnd hein so vil gunlichi dar an, daz alles daz, daz got ober sü
verbenget, daz ist in so lastlich, daz sü nit anders enwellen noh
be^erent. Daz sol man nüt also versten, daz hie mite dem men-
«chen sie abgesprochen biten und beten zft got, wan gotes wille ist,
daz er wil gebeten werden ; es ist ze verstene nah dem ordenlichen
Qs^ene der sinsheit in den willen der hohen gotheit, als geseit ist.
Nu lit aber ein verborgne stoss hier inne, der mengen men-
schen stössig machet, daz ist also: „wer weiss, *^ sprechent sü, „-ob
^ gottes wille ist?" Lftg, got ist ein überweslichü sache, du einem
ieklicheu ding inrlicher und gegenwürtiger ist, denne daz ding im
Seiben sie, und wider dez willen kein ding mag beschehen noh bestan
einen ogenblik. Dar umbe niüss den we sin, die alle zit wider
gotes willen strebent und ire eigen willen gerne fürtin, ob sü möhtin ;
die hein frid als in der helle, wan sü sind in betrübde und trurikeit
alle zit. Aber da wider einem entplözten gemüte entwürt got und
frid alle zit gegenwürteklich in den widerwertigen dingen als och
in den wolgevallenden, wan er werlich da ist, der es alles tftt, der
es alles ist: wie mag inen denne der lidend anblik svver sin, da
nn innc got scheut, got vindent, gotes willen gebruchent und umb
Jen iren willen nüt wüssentV Ich wil geswigen alles dez liehtrichen
trostes und himelschen lustes, mit den got verborgenlicb sin lidendeu
fruode dik uf enthaltet. Disü menschen sind neiswi reht als in dem
biinelf42'^]rich; waz in geschiht ald nüt ^eschiht, waz got tut in
^ allen sinen creaturen oder nüt tut, daz kumt in alles zti dem besten.
Und alsas wirt dem menschen, der wol liden kan, sins lidens in der
zit ein teil gelonet, wan er gewinnet frid und fröd in allen dingen,
und na dem tod folget im daz ewig leben. Amen.
2 leid [ist] M S siiulj si S 7 dur inne V IJ uidriil. fehlt M
12 <lez sinsh. MA^ IB die inengeni K 14 daz ist fehlt s IG innorklich
n- geg-enwürtig 3/ 21 f. und frid fehlt S 25 au ^ch^nt A 27 siner M
28 ufeiithaltent K reht fehlt M 31 kau liden M :32 wol irel. idii
ru il M ^ amen fehlt PM
29 f. Jy. Bt-ftn, a,26.
96 l-''>«'"" JSeuMs. Kiiii. XXXm.
Zweiter Teil.
Hie vahet an daz ander teil dis.s ersten büelies.
XXXIIl. Kapitel.
Ton dez.dieners geisehliclien toliter.
Confide filia! Es was in den selben ziten dez dicuer».
von dem geseit ist, ein geisehlichii tohtor bredier ordens in einem
beschlossen kloster ze Tözze, du hiess Elsbet Staglin und hate
einen vil heiligen wandel von ussnan und ein engelsehliches gemüt
von innen. Der edle ker, den si nam zft gotc mit herzen und sele.
was so kreftig, daz ir enpfielen alle üpig Sachen, da mit sich menger
mensch sumet siner ewigen selikeit. Alle ir fliz waz stellen nah
geischlieher lere, mit der si mShte gcwiset werden zu einem seligen
volkomen lebene, dar na ellü ir begirde rang. Si screib au, wa ir
ut lustliches werden mohte, daz si und endn'i menschen gefürdren
mohte zti götlichen tugenden. Si tet als du gewirbigii binlü. du daz
süss hong uss den menigvaltigen blnmen in tragent.
2 IJhtr Schrift fehlt 1* »liss] (k'sz KM 7 tozze (eii weise radiert A
tÖKse 'S' tose A' Irzze A^ Klihsibet ^S' Klsabet stcii^erliii A^ 11 steüent .V
14 f. 7M irotl. tuy:. nach werdon mohte M <laz — L") mohte fehlt I* 15 dw
si tet M reht als .s' H> (h.'n| «lein M
5 Matth. Ity'j:^. 7 Tr»s>, Dowinikanfnnnenklostrr. ftiidtcestlich v^
Winterthur am J^lu.sfi Tötifi tjehf/cn j 1L*3'I mit Hilfe der Kyhurgtr Grtffcit
(/ergründet, ff<lnnf/te l>ald zu grosser Blute und /rar ein Hauptsitz des myMi*
scheu Lehens. Es irurde JöJu rom Züricher Hat aufyehohen und ist j*^
Fabrik. Von d-jr Literatur ist besonders b(. achtenswert G^reitftx Aufsatz t»
Kath. Schwcizcrblätter 18(i0, 6.0 7/. 137 (K r/JO f. und H, Sulzer, Das Dointfw-
kanerinnenkloster Töss . 1. Tnl: Geschichte. Mit i,? Tcxtillusiratianen uhi
4 Tafeln, Zürich 1003, 4:^ S. 4" (— Mitteilungen der antiquarischen fifweft
Sihaft in Zürich XX VI, :Jf. — Kl^hl•t]l Stairol oder Staglin, Seuses begabt
geistliche Freundin, von der schon in der Vorride der Vita die Btde «tff
stammt aus angesehener Züricher Familie (ihr Vater Rudolf fear JEUitsherrj
trat wohl in d' " dreissiger Jahren des 14. Jh. zu Töss ein, lourde um 1337 m
Leben Seuses. Kap. XXXIll. *)7
In dem kloster, da ei wonete ander den sw&stran als ein gpiegel
■Her engenden, do braht bi ztt mit item kranken übe ein vil gftt
tth da ßtet an under andren dingen von den vergangnen heiligen
fiftrm, wie seiklich die leptan und waz grosses Wunders got mit
vnrkte, daz vil reizlicb ist ze nndabt gütberzigen menseben.
Du selig tohter gewan kuntsami dez dieners der ewigen wis-
it; zft dez leben und lere ward si von gote mit grossem audaht
Iriben. Si zob im ns verborgenlicli die wise sines dnrpruchca zfl
e und screib es an, als es da vor und hie na stet geHcbrihen,
In irem ersten anevnug wurden ir iiigetragen vun neiswem
le und vemünttig sinne, die vil übcrewenk waren: von der blossen
heit, von aller dingen nibtkeit, von sin selbs in daz [42'] nibt
kssenheit, von aller bilden bildlosekeit und von derley sinnen,
tnit sch&nen worten bedaht waren und dem menschen lust in
Igen. Es lag aber etwas verborgen schaden da hinder einvaltigen
anvabenden menschen, wan im gebrast alzemal noturitiges
Iderscbatdes. daz man dii wort mohte hin und her ziehen nf geist
nf natar, wie der mensch gemttt waz. Disü lere waz gut in
Und kond im aber doch nit getün. Si screib dem diener, daz
ir dar iune ze staten kerne und si nf den rebten weg wlsti.
idoch bat si des vordren lustes in der selben lere gelikct und dar
le meinde si, daz er grob lere underwegen liessi und ir von den
Iren hoben sinnen etwas scbribi.
1 n fehlt M 3 wt^.] vor geuanlen P 8 im] in M die iibigen
kin« darbr. M 9 geechr. HlÄt M 11) f. von nniswi hoben n. vemfinf-
I linneti P 12 in] Bin M 15 verborgens scbudena M 16 m<?iiBchen
M ül erliicktt P gelitbet A' 23 bobcu fthlt AS
I bekannt und »iarh am 1360 (naeh andern schon c. S3öO). Vgl, Sbertit:
er II, X5—69.- F. Vetter, Ein MijsUherpaar des li. Jh. (E. Slagd und
t), Baacl ISüä t = Offtuli. Vorträge gshalten in der Sthiceii VI, 12). Ihr
l — siv ist die erste :^ehrißaletkrin Zürieht, vgl. Biic/Uold, Literatui--
Axhle der Schu-eit 11)93, :il3g. — sind ausser dem Grundxtoek von .Sr««M
md der Sammlung seiner Brie/t (Gr Bßi) die oben eitcähnien Lehens-
abungen der Schifestem von Töss, weicht tu den betten ProdukttTi dieser
ig gehören und loohl sah/m vor i/irtm Sekannlieerden mit Seime begonnen
1. Bit vor kurzem utarm nur Ausmge davon bei Sturer u. Greith
Ü.- eine rolUt&niige krititche Aitsgahe ton F. Vetter erschien 1906
"PeuUcht Teaie des Hittelaltert, iirsy. von der Preuss. Akademie Bd. VI).
Vgl. Prolog der Viia [7, 6, ff.). 10 ff. Aus der Lehre Metgter Eck-
ib't Seitte im futgtnden einer Irrß'ciirltn Kritik unlenrir/i.- cgi. auch
k im Arehic II. 6:27 f.
»•VI*. DvolKhe Sllllri[|«i. 7
98 Leben Seuses. Kap. XXXIII.
Der diener screib ir hin wider also: „gütü tohter, fragest diM
mich von den hohen Sachen uss wunder, uf daz daz es dir bekan^
werd und daz du kunnist von dem geist wol reden, so han ich di^
schier dar us berihtet mit kurzen werten. Dez darfst du dich abe -
nit vil fröwen, wan du mäht dur mit in einen schedlichen iergan^
komen. Rehtu selikeit lit nnt an schönen werten, si lit an gfite^
werken. Fragest du aber nah den dingen dur ein lebliches eirolgeK:
so la die hohen fragen noch underwegen und nim sölich fragen h^
für, die dir gemesse sind. Du schinest noh ein jnngü angeüi^%|
swöster, dar umbe dir und dinen glichen ist nüzzer ze wiissene roj»
dem ersten begin, wie man sül an vahen, und von übigem lebeve
und guten heiligen bilden, wie diser und der gotesfründ, die ocb
einen götlichen anvang baten, wie sich die des ersten mit Gristffs
leben und lidene fiptin, waz sü eblich erliddin und wie sü sich von
innen und von ussnan hieltin, ob sä got dur süssekeit ald dur herti* H
keit zugi, und wenn ald wie in d& bild ab vielin. Sich, da mit
wirt ein anvahender mensch gereizet und gewiset, fürbaz in da2
nehst ze komen, wie daz sie, daz got dis alles möhti dem menschen
in einem ogenblik geben; daz pfligt er aber nit ze tüne, es mtai
gemeinlich erstritten und [43'] ererbeit werden. ^
Du tohter screib im hin wider also: „min begird stat nät oft
klugen werten, si stat na heiligem lebene, und daz han ich m&ty
reht und redlich ze ervolgene, wie we daz iemer mag getfln, essi^
miden, es sie liden oder sterben oder waz daz ist, daz mich zft dein
nehsten mag bringen; daz mftss volhertet werden. Und erzageo*'^
nüt ab miner kranken nature: was ir geturrent heissen, daz der
natur we tut, daz getar ich ervolgen mit hilfe der götlichen kraft
Vahent dez ersten an bi dem nidresten und wisent hin durch, ai^ I
man ein junges schülerli dez ersten leret, daz zu der kintheit höre^ J
und es aber und aber fürbaz wiset, unz es selber wirt ein meiste*
der künsten. Ein einig bet Lan ich zu üch, der sond ir mich g^
weren dur got, dar umbe daz ich nit allein gewiset werde von icfc, ;
mer daz ich och gesterket werde in aller widerwertikeit, du mir
2 von — 3 werd fehlt A" 4 bedarfst M aber fthU M 7 l5^ ]
liclies P 8 sol. [fragen] M 11 übigem] ubungeu M übingen P 14 ebd- j
klich M 16 ald wie] ad wie A und wie M 17 ain vahender m. K ^
18 mohti fehlt S dem] den AA^ 24 liden . . . miden P 32 werd gewiset K
8 geist; rgh oben 83, 14 ff, 18 daz nehst = die höchste Stuft der
Vollkommenheit.
i
Leben Seuaes. Kap. SXXI\'. yg
me begegnen mag." Erfraget, waz du bet weri. Si sprach:
glerr, ich hau gehöret sageu, daz der pellicanuB solicher natur sie,
dkt er in sich selben bisset and einü jungi'i kind in dem neste von
referlicher minne mit sineiii eigen blöt spiset. Aeh herr, und da
D mm ich, daz ir ze glicher wise also mir, üwerm taratigen kinde,
tä^eot lind mit geischlicher spisc üwer gflter lere fhrent, und nit ze
verr Bitchent. denn daz ir üch selb nahe grifent; wan so es üh ie
neher ist gewesen iu usgewürktcr wise, bo es ie enpfenklicher ist
miner begingen sele,"
ü Der diener scraib ir hin wider also: „du zogtest mir nu kürz-
lich neiswaz äberswenker sinnen, die du dir seih batest UBgelesen
iiis der susf>en lere dez heiligen maister Eghards, daz du, als
billich ist, so zärtlich handledest; und bin in grossem wunder, daz
da na so cdelni tränke dez hohen meisters dich als turstig erzögest
lUnn des klainen dieners grobem trank. Aber so ich es reht an sibe,
» !pür ich mit frödcn diu grossen wizze iu der »ach, daz du als
gwirhig bist mit frageu, wie der erst anvaug sie eins hohen siebern
ItbenB. ald mit welen Übungen ein mensch dez ersten sül dnr zfl
XXXIV. Kapitel.
Ton dem ersten begin eins anvahenden menschen.
.Der anvang eins heiligen lebens, tohter, der ist misslich: ainer
MS, der ander [43''] so. Aber dem anvang, dem du na fragest,
Ton dem wil ich dir sagen. Ich weiss einen menschen in Cristo,
jd der an vieng, do rumde er des ersten siuer gewiisni mit einer
toen bihte und waz do alle Bin flizz, wie er der biht reht getete,
W er alle siu missetat einem wolbescbeiden bihter für leti, dar
nbe daz er von dem bihter, der au gotee stat da sizzet, daz er
H dem Inter und rein giengi und im alle ein sAnd vergeben wenn,
2 pellic] veaix (!) IH 3 in dem neste fMl M 4 veterl.] natur-
ki M 6 [also] mir tugent als üw. t. k. .S e üwer] imd P 7 ir)
I M 10 wider) wiher A 10 f. kürzlich felilt M U uaiaweiin M
il»inen ffhlt K 18 erster A dur zn] sB dir SA'- 29 werdent S
2 ff. Vgl. F. Lauehei-i. Gesch. de3 Phytiologna ItiBS, 8, 170, 211 ; Knnrad
I Megtnberg, Buch der Natur td. P/äffer 310 .■ der r^Schwanviälder Fredigtr'-
.Jh.) bei GrüthaUr, DeiiUche Predigte I (lS4i>, 106. 25 Vgl oben
p. IS (43,13 f.).
100 Leben Seuses. Kap. XXXIV.
als Marien Magdalenun beschati, do si Cristas mit niwig-ezz
herzen und weinenden ogen sin götlich ffiss wasch, und ir got a//e
ir s&nd vergab. Daz waz des selben menschen erster SLUvang
zft gote.*
Dis bilde nam du tohter vil eben in ir herze, und wolt im :
geswind genüg sin and viel mit begirde dar uf, daz ir der selb
diener dar zu der best weri, daz si ime ir biht teti, und meinde
och dar inne, daz si von der biht wegen sin geischlichu tohter
wurdi und im dest baz in götlichen trnwen bevoln weri. Nu lageD
die Sachen also, daz du bihte nit moht mit worten bescheheu. Do ]i
nam si alles ir leben her für, daz in der warheit rein und later
waz, und wa si sich ie hate nach irem sinne verschuldet, daz screib
si an an ein gross wehsin tavel, und sand im die also beschlossen und
bat in, daz er ir aplass sprechi über ir sünde. Do er die bifattavel
US gelass, do stund ze hindrest dar an also : „min gnediger berr, U
nu vall ich sündiger mensch für üwer füsse und bit üch, daz ir mit
üwerm minnerichem herzen mich widerbringent in daz götlich herz,
und daz ich üwer kind heisse in zit und in ewikeit." Ab der tohter
wolgetrüwendem andaht ward er herzklich bewegt und kerte sich it
gote und sprach also: „erbarmherziger got, waz sol ich, diu diener, a
hier zu sprechen? Sol ich si von mir stossen? Herr, daz möbti ich
einem hündlin nit getfin; herr, teti ich daz, daz stündi vil übt dir,
minem herren, übel. Si sucht die richheit dez herren in sinem knehte.
Eya, zarter herr mine, nu vall ich mit ir für din tugenthajQFten fusse,
milter got, und bite dich, daz du si erhörest. Lasse si gemessen S
ire göten globeu, ire herzklichen getrüwens, wan si scriet ins n«.
Wie tete du der heidinn? Ach miltes herz, lug, din grundlosü milte-
keit ist uns als herzklich vil gerümet, und weri es noh vil me, dn
soltist es vergeben. [44'] Eya, miltü miltekeit, ker dinü miltü ogen
zft ir, sprich ein einiges w6rtli zft ir, sprich also: Confide fili«. ^
2 und mit M 5 eben war ^S' 8 j^eischl.] gotliche A' 13 an H
MA^ 14 er [ir] 31 sünde] schulde .S' 19 liertzenandaht K 21 berr
fehlt M 29 vil miltü m. M 30 und sprich e. e. trostlichz w. M
1 ff. Luk. r, 37 ff. 46. 10 Elsheth ^Slagtl war zu Töss, Seuse iwAf
scheinlich in Konstanz. 13 Wachsiafdn wurden im Mittelalter noch lon^
namentlich für Niederschrifitn von rorii hergehender Bedeutung^ mitunter awk
zu Briefen verwendet : vgl. Wattenbachy Das Schriftwesen im MittMUer • 1H96,
81 ff.: Michael j Gesch. des deutschen Volkes III (19()3), 3 f. 26 f. VpL
Matth. 15, 2:dff. die Erzählung vom kananäischen Weibe. 80 f. MaUh. 9^3,
Leben Seuse». Kup. XXXIV. 101
iei loa te salTam fecit, din gAte glob bat dich behalten, und
gtet an miner slat, wan ich han da?, min getan und han ir
iränschet ganzen apIas aller ir sunden."
Er echraih ir bi dem seihen boten hin wider also: „daz du
ert hast von gote dur den diener, daz int bescheheu, und solt
Ben, daz ea im alles Torhiii von gnt erzöget ward. Dez selben
genB frb waz er nah sineiu gebete nider gesessen in ein stilles
U, und in einr Vergangenheit der ussren sinnen was im vor vil
gütlichen togni. Under dem andern ward im nfiswi ingelühtet,
got die engelschliehen nature heti gesondert in iie fÖrmilicher
B, und wie er iektichem also sin sunderlichen eigenschaft nah
iderlicrher ordenlicher nsgescheidenheit heti gehen, daz er nit kan
Ir&rtea, Do er ein gi^t wili mit den engelseh liehen junglingen
■iBch ktirzwil hat gehabt und im sin gemüte fr&lich wa/, von
öberflössigcn wunder, daz ein sele befunden hate, do waz im
in der selben gesihte, wie du kemist in gende für in stan, da er
under dem engeischlicben gcsinde, und mit grossem ernst knü-
iBt du nider Tür in und neigtast din antUit eben uf sin herz, und
iwetast also mit dinem geneigten antlüt nf sinem her/en ein gut
I, daz ea die bistenden engel an sahen. Also nam der brfider
ider sh diner getiirBtekeit, und doch do stand es dir als heilklich
t, daz er es dir gütlich gestatet. Waz dir da uf dem eilenden
tn Benei;:ct der himelsch vater gnaden teti, daz weist du vil
und man sah es an dir; wan nah einer gOten wile rihtest du
of, — do ward din antlüt so frÖlich und so gnadenricli gestalt,
man es knntlich bmfen molite, daz dir got neiswas sunder
len hat getan und noh tun wil dur daz selb herze, also daz got
von gelupt und du getröstet wirst."
:i »und ,W B es] et K IT inut^Iud M 19 sinetu) ditiem A'
fihietesi S
S Satse ImI dif Beicht gam kontkt nicht tilg nakramentah aufyfj'iis^t,
lJ(n« nur alt eint Art „ fi«ieinacnartehennchafl~ (Deriifli: 149 A. S) : er tenitt
' darum nicht die Abtolution, tondtrn lOOiucKt sie nur. Einem abtrt&eaden
*»((r trhriftlieh ea btiehtta hat Thomas x'On Aquin vtntrteüt (S. Th. Suppl.
*n- 3i und Pa/itl Rhmima VIII IfSOS als itii(fäüig veneor/m (Denmager,
Mirfii'an symhottrmn " JH99 n. 9ii2i : cgi. Schant, Snkramtntenlrhre 16$3, Sdä,
Wff. A'acA der Lehre des Ttiomna von A^uin (a: Th. I q. t
«hart 276. 3.>/.V bildet jedes KnstlinäiiidtMiin zugleich i
Wm.- vgl. Seheehe», Handbuch du- kalh. D"ijmnlik II (igf
^'k im Atvhie II, 437 A. 1.
102
Leben Sensen. Kap. XXXIV.
Dez selben glich etwas begcfaah do och einer g&llicheo pera^
M waz ein edlii jungfrow uf einer bürg und hiesa Anna, und w
och alles ir leben ein luter liden. Mit der wurkte got eiuü gr&a)
wunder von jagent uf unz an ir tod. E daz du [44*] den dieM(
erkandi ald von im ie iit heti gehöret, do si ainest an ir andsa
verznket way., do eah sie, wie in dem himelschen hofe die heilige^
got schowent und lobent. Do begert si von irem lieben her
boten sant Johanseii, zu dem si Bunder gnad bäte, daz er irbi
horte, Do sprach er vil gütlich zfl ire: „ich wil dir geben ein gflt
bihter an miner etat, dem bat got ganzen gewalt über dich gebi
and er kan dich wol tr&sten in dinem manigvaltigen lidene.
fraget in, wer der weri, ald wa, ald wie er hiessi. Des ward
alles von im bewieet. Si dankte got nnd bftb sich mornent (td
und kern hin zu dem kloster, da si hin von gote gewiset waz, d
fraget im na. Er kam zft ir an die port und fraget si, waz ir sacbd
werin. Si hflh an und seile und bihtet ime, und do er horte di
götlichen botschaft, do liess er es zti gan nnd rihte si us.
Dil selb heiligü tohter seit ime, daz ei eins males heti gesebei
in dem geiste einen schönen rosbom wol gezieret mit roten rosM
und uf dem i-osbome erschein daz kindli JESUS mit einem rot
i'osensehapelin. Under dem rosbom sah si sizzen den diener. 0*
ktndli brach der rosen vil abe und warf si denne uf den dieaa
daz er zemal mit roten rosen bczetet ward, Do si daz kindli fragil
waz die rosen bezeichetin, do sprach es: „die "mengi dero rosen
sind dli mengvaltigü liden, du im got wil zA senden, da er frilutlid
TOD got Bol enphahen und sü gedulteklich liden."
1 beschacb im do M tod aioer g. p. MA' geistlicihen P
im nach heti M 7 irem] öuserm Ä^ 7 f. und boten fehh M 10 f. gtM
Aber dich and der U 12 der] er SP U [hin] v. gote M 20 dem n
rosbom 0) ^ 20 f. roterrosen sah. A rotröseliii seh. P 26 «ü g«t .
zfi fefdl K
8 I}i« hier ffertanntt Anna üit woM idtntiedt inii dtr in Kap, 10 i4iM
aber venchieäeti ton der in Kap. 22 u. 37 efwä/tnte". Die Wot/tnbäUlrr .
Bl. Gl', die trete liruchauegaiif vnn I4ti3 Bl. öSf und die timlt von I
Bl. 4ii'' haben hier ci» kleinen Bild: Anna in der Burg betend. — Die bä
bei Seu»e vorknmmendtn Anna xind wohl nicht sa idenlifiiitriH mit der in ä
Brief Ueinriclia mn KUrdlingeH iLII, 611 vom Jährt lSi8l4H genanntem Od
/rmndia Aniut tu Bauet: cgi. Sti-auch, Marg. Ebner 389.
8 Der Apostel Johanne» war dtr berorsuglr Heilige in den mygtim
Kreisen, htsonder» der NonnenklSeler, aber auch im Dominitiantrordm i
haitpt. vgl. Greilh 332 ff. 403: Strauch, Marg. Ebner 292.
r
Leben Seiisest. Knp. XXXV.
XXXV. Kapitel,
fu den ersteu liildea und Iure eins anvahenden uienscheu,
I and w!e sin ubun^'e son »n mit beseheidenheit.
Do der diener des ersten an gevie nud sieh mit liihte giidg
de gelntert, <Io machet er änr na im selb mit gedeuEien drie kreiEs,
(der die er sich in geiechlich hüt bäte beschlossen. Der erst
'am waz sin celle, sin capell und der kor; wenn er in disem
des was, 80 dahte in, er weri in giUcr Sicherheit. Der ander Itreiss
IS daz kloster alles ane allein du port. Der drit und der i
IE dn porte, und hie bedorft er guter hfitnnst. So er uss disen
b kreissen kam, so duht in, im weri als einem [45'] wilden
riin, daz QBser sinem loch ist und mit gejegdo nmbgeben ist, so
tJarT es gftter listen mit sin selbes faftte.
Er hat im och do in sinem anvang ein heinlich stat. ein capell
f erwclet, da er siuem andaht nah bildricher wise möhti gnög
i .Sonderlich hat er im in siner Jugend heissen gemalet an ein
hnit die ewige wisheit, du himel und erd in ir gewalt hat, und
9 ei in minneklicher Schönheit und licplicher gestalt übertrifet aller
Mtoren Schönheit, dar umbe er sj do in siner blanden jugent im
Iben ze einem liep bäte us erkoren. Daz miuneklich bilde fQrt er
b ime, die wii er ze schfti für, und säst es für sich in siner celle
RBter und bükt es au lieplich mit herzklicher begirde. Er braht
1 wider hein mid verwurkt es in die capell mit minneklicher
nnange.
j Waz aber endrü sinü bild do wenn uab inrem gegenwurf, als
im und andren anvahenden menschen zil gehöret, daz mag man
f
I 5 im dar nach FM selb fehlt M 10 f. diaen kraiaen allen drien M
Hin SIS 14 im Hell) M lü in sinen jungtn tagen .b' malen SPA^
Ut in ir g. M 18 liplicher S 19 sl fehlt M 21 a<.lmlcn P le
Weh Jtf 26 anrah. fMt M
f li capetl, «gl. obtn 17,1Ö. 60,1. 16 fl'. \ yl das Bild dti ewigm
WUit uad die dazu gehSrigen Üpriicht vor dem Prolog den Lxtmplart,
titr Gemahltchafl der eicigsn Weis/ieä handtit das dritte Kap u. Hör.
C 21 Seitte Kurde um 13ä4 an dan GtneraMudMim df llomini-
w nach KSln gtsehicM, iro tr Schüler Kckh<irta irar [Vyl. Kap. 4U und
t
J
104 Leben Seuses. Kap. XXXV.
merken an den gemaleten bilden und guten Sprüchen der alten vet^
und dero spruch ist ein teil hie na geschriben^ als sü in der ea|
sind entworfen, und die sprechent ze tütsch also:
Der altvater sant Arsenius fragete den engel, waz er 8.5,
tun, daz er behalten wurdi. Do sprach der engel: „du solt üiebei
und solt swigen und dich ze rflw sezzen."
Dar na in einer gesiht laz der engel dem diener ab der alt-
veter bflch also : ein Ursprung aller selikeit ist, sich selb still hallen
und in einikeit.
Theodorus: Luterlich sich halten git me künsten denne vast ;
studieren.
Abbas Moyses: Sizze in diner celle, du sol dich ellü ding
leren. — Halte dinen ussern menschen in stilheit und den inren in
luterkeit.
Abbas Johannes: Der visch usrent dem wasser und der]
miinch ussrent dem kloster.
4 Arsenius auch am Rande AS 8 seilikeit A 10 ff. die Namen steki»
in ASPKMA^ rot am Rand odei' vor den betre finden Sprächen (deren Zuteilung
in einigen Hss. mitunter unklar ist, in andern ieilweist ahxceicht) Theod.
abbas AS 12 Moyses abbas AS 16 abbas fehlt AS
1 ff. Die von Seuse öfters genannten und so hoch geschätzten f/fß'
Hör. 41y 45, 116 f., lo'J, 172 ff,) altveter sind die Anachoreten der Wiiste, D«'
AltiHiterhuch (Vitaii odvr Vitas pairuin) , ein aus verschiedenen Mönch*'
geschichten von Athanasius, Hiernnymus, Palladius (Historia Lausiaca, ^^
die Ausgabe von C. Buller, Cambridge lyai-) und andei'n zusammengesett^^i
nach und nach immer mehr anschwellendes Sammelwerk (Ausg. von H. H^'
wet/dCf Anfwerp-n ItJlö ; bei Migne Patr. Lat. 7H u. 74), war eines der g^
lesensten Bücher in den Klöstern des Mittelalters (Seuse, Hör, 116 : collacioM*
ac vitas patrum, quas coiidi ; legis ac relegis), irurde frühe gedruckt (t^-
y. Falk, Die Drnckkunst im Dienst der Kirche 1^79, 36, 86) und in Üler-
Setzungen und Auszügen weit verbreitet (poetische Bearbeitufig des 13, Jh. hrf§'
von Franke IbiSo, 1. Heft : Prosaauseug in mitiddeutschem Dialekt hmg, po»
Palm, lAt. Verein 7:* [1863], in alemannischer Mundart fc. 1350J von iVct«^
in Zfdph wo:», 371ff.>. Seuse hat seine ASprüche aus den Verba seniomt»
(apnphthegmata 2>alrum), bei Rosweyde in lib. III, V — VII, gesammelt, DoM
AUvnterhuch galt ihm als „nucleus totius perfectiotiis"* (Hör. 175) und du
Ahtöfungen der Anachoreten sind ihm bis ins einzelne vorbildlich gevtsen
7 t'. JJnr. 17:J f. berichtet Seuse von einer Vision, wie ihm ein Kngel an
den Vitae patrum vorlas: fons et origo omnium bonorum hatnini ifpirituai
est, in cella jugiter commorari (cgi. Migne, Patr. Lat. 73, 801 und H«tr, 17$
fUge, tace, tjuicsa: haec sunt principia salutis).
Lehen SeusM. Kap. XXX^^ 105
ADtoniDs: Liplichfi kestuug und herzenaitdaht iiod von deii
ilfD fliehen gebirt künschkeit. — Du sott enkein kleid tragen, an
>m man äpkeit miig merken. — Der eret Btrit eins anvahenden
mcben ist, sich wider frassbeit kechlich sezzen.
Pastor: Da ensolt mit keinem menschen zürnen, nnz er dir
dlp din rehtes oge ns brechen.
Isidorns: Ein zorniger menBcli ist gote missvellig. wie ^rossü
liehen er tftt.
[45*] Ipericiug: Es ist minr HÜnde llergch eseeu, so es ze
liilen weri, denn sinen nehsteu hinderklafen,
l'yor: Es ist gar bos, frömd gebresten her für netnen und
rigcn gebresten ze rnggen Blossen.
Zacharias; üb niügg ein mensch gross verachmeht liden, sol
fni iemer reht beschehen.
Sestor; Da mflst vor ze einem esel werden, sottu götlich wis-
it besizzeD.
Seuex: Du solt unbeweglich in lieb und in leid stan, als der
Wen beiD tut.
Heltas: Blaichü vanve nnd ein verzerter iip und demütiger
*au(1el zierent wol einen geiscblicben menschen.
Hilarion: Wan sol einem ze geilen rosse und einem un-
k*iL<cliem übe sinee ffiters ab brechen.
Senex. Ein vater sprach: tu hin von mir den win, wan ein
W der gele lit dar inne verborgen.
Pastor: Der ward nie ein geischlicher mensch, der sieb noh
%et nnd an zorne und undergene und vilrede sich nob nit kan
ItliSBen.
Cassianus: Als sich der sterbend Cristus an dem iTÜze be~
<i)te. dar nah sol unsrü bewisungc gebildet sin.
Antonius sprach zQ einem bnlder: mensch, hilf dir selb,
Bder« weder ich noch got wen dir niemer gehelfen.
Arsenins. Ein frowe bat einen alten vater, der er ir gedehti
i got; do sprach er: „ich bit got, daz er din bild nsser minem
(raen verdiige."
l luud] von sM 2 ensolt Win P 6 aoU M 11 prior SP
Ziich:miis K venichiuii'chait M 15 Holtii du A 18 beiii] kein i!| M
B.vlsrius K '26 [und] von vilr. M 27 lassen M ao sprach — brader
k K zä einem inenscheu uime brdder S
17 Senei !ifdc«(t( eintn mit Nnmm iikhl litkiiuntfii, AltvaUr.
106 Leben Seuses. Kap. XXXV.
Macharius: Ich tftn minem übe vil hertekeit au, wan
von ime vil anvehtung haD.
Johanne 8. Ein vater sprach: ich behüb minen willen .
nob gelerte nie mit worten^ daz ich selb nit tet mit werken.
Senex: Vil schöner worten ane werk ist üpig als der hon
der vil lobes treit ane frucht.
Nilns: Swer bi der weit vil mfiss wandeln, der mflss oel
meng wunden enpfahen.
Senex: Mögest du nit anders tftn, so solt du dur got dinei
Celle hüten.
Ipericius: Der sich kunscbklich haltet, der wird hie geerel
und von got gekrönet.
Apolloniu8:Du solt dem anvang widerstan und dem schlangei;
sins hoptes varen.
Agathon. Ein vater sprach: ich han drä jar einen stein in
minem mund [46'] getragen, daz ich gelerneti swigen.
Arsenius: Mich hat dik geriiwen reden, aber swigen gerovi
mich nie.
Senex. Ein junger fragte einen altvater, wie lang er swigen
sölte; do sprach er: „unz daz man dich frage. ""
Sancta Syncletices: Wirst du siech, dez fröw dich, wan
got hat an dich gedaht ; wirst du krank, daz gib nüt dinem vastene,
wan die nut vastend, die werdent och siech ; wirst du geubet mit dez
libes anvehtunge, fröw dich, daz ein andre Paulus mag uss dir werden.
Nestorius. Ein gftte brAder sprach: d& sunne überscbelD
mich nie essende.
Johannes. Der ander sprach: noch mich zärnende.
Antonius: Die gröst tugent ist: mass kunnen haben in allei)
dingen.
Paphuucius: Es hilfet nüt wol an vahen, wan bring es denn
zh ainem guten ende.
Abbas Moyses: Waz dich eines Intern gemütes mag ent
sezzen, daz solt du miden, wie gut es schinet.
Cassianus: Ellü vollkomenheit endet da, wenn du sele mi
allen iren krcften ist ingenomen in daz einig ein, daz got ist.
7 yiim fehh K vil miiss] wil müssig M 20 daz fehlt FM 21 sii
ch'c'ic» S sinclerices K aiiklendcs (!) M 24 U8 dir mnge P 30 Pafnncii
APA' l»nfriiiciu8 M, fehlt K 32 abbas Moyses /<-/</< iL
21 Dir Xame. lautet sonst JSyncltiica {Mujnc, Patr, Lot, ?Jf ttyö u. 6
24 Vyl. 11 Kor. 12, 7ff.
Leben Seuses. Kap. XXXV. lOT
Disü bild und lere der alten veter sante der diener siner geisch-
lichen tohter, and ei nam es in sich und kerte es uf den weg, daz.
er meinde da mite, daz si nah der alten veter strenger wise Iren
lip oh mit grosser kestgnng s51ti üben, und vie an, ir selben ab ze
5 brechene und sich ze pingen mit herinen hemdem und mit seiln und
gmlichen banden, mit scharpfen isninen nageln und dez gelieh vil.
Do der diener dez innen ward, do enbot er ir also: „liebü
tohter, wilt du din geischliches leben nah miner lere rihten, als du
es an mich hast gevordret, so lasse sölich übrig strenkheit under-
W wegen, wan es diner fröwlichen krankheit und wol geordneten nature
nit zu gehöret. Der lieb Cristus sprach nüt: ^nement min krüz uf
ich," er sprach: „ieder mensch neme sin krüz uf sich!" Du solt
nit an sehen ze ervolgen der alten veter strenkheit noh die hcrten
ubonge dines geischlichen vaters, du solt usser dem allen dir selb-
^ och ein vabt nemen, daz du wol niugest erzügen mit dinem kranken
übe, daz du Untugend in dir sterbe und mit dem libe lang lebest.
Daz ist ein wirigü ubunge und ist dir daz beste.**
Si begerte von im ze wüssene, war umbe er so streng [46^]
ibnng heti gehabt, und er daz selb weder ir noh andren menschen
'OwSlti raten. Do wiste er si uf die heiligen scrift und sprach also:
»man vindet gescriben, daz hie vor under den alten vetern ire etlicb
^in nnmenschlich und ungeloblich strenges leben fürten, daz ze disen
Diwen ziten etlichen weichen menschen ein grüwel ist allein dur
von hören sagen; und merkent nit, waz inbrünstiger ernst erzügen
* 'öag mit g6tlicher kraft ze tun und ze lidene dur got. Einem s6-
licben inbrünstigen menschen werdent ellü unmüglichü ding müglicb
2e?olbringen in gote, als David seite, er w61te mit gotes hilf dur
ein gantz mur dringen. Es stat och an der altvater buch gescriben^
<laz ire etlich in selber solich gross strenkheit nit an taten, die doch
baide uf ainem zil enden wolten. Sant Peter und sant Johann
5 f. und mit grül. b. PK 6 ist vil S 12 mensch] man S 15 wol
eAit K 17 wlirdige F 19 und daz er daz h. M 23 grül M 25 ainen K
12 Matth. 16,24. 20 Hier wie oft hat d-.r Ausdruck: (heilige) Schrift
racra scriptura oder pagina) eine viel weitere Bedeutung als jetzt und he-
lichntt die Väterlthre oder die theologische Wissenschaft überhaupt : vgl,
\ Velder^ Geschichte der wissenschaftlichen Studien im Franziskanerorden bis
n düf Mitte des 13. Jh. 1904 y 493 ff. : Michael, Geschichte des deutschen
olkes III (1903), 48 A.1: Schönbach, Über Hartmann von Aue 1894, 192 f..
26 f. Vgl Phil. 4,13. 27 Ps. 17, oO.
108 Leben Seuses. Kap. XXXV.
wurden ungelich gezogen. Wer kan nu daz wunder alles us gerich
denn daz der herr, der ein wundrer ist in sinen frunden, und ci
von siner grossen herschaft wegen mit mengerley wisen wil gelop^
werden? Dar zu sien wir och ungelich genaturt: daz eines mengcbei?
gute fug ist, daz füget dem andern niht. Dar umb sei man nAt dar
fär haben, ob vil liht ein mensch sölich strenkheit nit hat gehabt,
daz er dar umbe gehindert werd, daz er zfi dem nehsten nit mig
komen. Den selben weichen menschen sind och solich streng übuDgen
in andern nit ze verwerfen noch in arger wise ze urteilen; lüge
allein ieder mensch zfi im selb und merk, waz got von im well, und ]
sie dem gnfig und lasse ellfi endrü ding beliben. Gemeinlich ze
sprechen so ist vil bessrer bescheiden strenkheit füren denn unbe-
scheiden. Wan aber daz mitel mülich ist ze findene, so ist doch
weger enklein dar under ze bliben, denn sich ze vil hin über wagen;
wan es geschiht dik, so man der natur ze vil unordenlich ab]
prichet, daz man ir och dur na ze vil mftss unordenlich wider geben,
wie daz sie, daz sich hier inne menger grosser heilig bab fiberseben
von inbrünstigem ernste. Sölich strenges leben und dfi bild, von den
geseit ist, mugen den menschen nüzz sin, die sich selber ze zait
habcnt und ire widerspenigen natur uf [47'] ire ewigen schaden zcl
mütwilleklich bruchent; daz höret aber dir und dinen glichen nitxi
Gott der hat mengerley crüzze, mit den er sin fründ kestget. Ich
versieh mich dez, daz dir got einer anderley krüz well uf dinen
ruggen stossen, daz dir noh pinlicher wirt, denn semlichü kestgnng
sie; daz krüz enpfah gedulteklich, so es dir kome!"
1 erzogen M 3 gelopt] geübt A^ 7 dem] den M 9 in andern
menschen nit ze werfent M 11 f. am Randv Benil)ardus AK 12 besser SM
ze füren K 13 am Bande In collationibus patrum AK mitel] miden K
16 ze vil och fdur na] M unord. mos PM 20 wider spenigung A' 22 mit
den] da mit M 24 Holiche A'
2 Ps. ü7,3fi. 11 ft". Y'ffL Hern., sermo 3 in circumcis. n. 11: hoc
rytßo timendam eat ti, qni iania ddectatione (Sc. in devotionis grntia) omniä
facit, ne, dum sequiiur offictionemj corpus destruat per immoderatam w^fci»
iationemj ac diinde ntccsae haheatj non sine magno spiritualia exerciiii däri'
mtntOy circa debilitati curam corporis occtipari. Knjo .... necesse est lumiM
discretionis . . . ; haec nimirum docet, ne quid nimis. Vgl. auch GuigOj Ep. «
fratres de Monte Da I, 11 (inter, opp. S. Bern., Venet, 1781 ^ 111,191)
IB ff. Joh. Cass. , CoUaiioncs Patrum II, 16. 17 iSfuae selbst htgi»{
diesen l^\'kler (vgl. Kap. 18 Schluss). wie ror ihm auch d$r ?d. Btmhat
( Vacandard. Vie de S. Bernard, 1 / 1695] 45 Jf.), Franz von Assiifi, Mechthü
von Magdeburg (ed. Gull. Morel 94 f.) n. a.
Lebeu Seiiaes. Kap, XXXVI. JOy-
Dar nah, do nit vil zites bin kont, do greif got die geiscblich
Her an mit laii^wirigem giechtagen, daz eic wart an dem libe ein
Weche dürftig unz an ir tod. Si enbot inie, wie es ir ergangen waz.
als er ir vor bäte geseit. Er screib ir hin wider also; „liehü tobter,
^t der bat nüt allein dicb dur mit getrofen, er hat och mich io dir
^lezzet. wan ich nieman me Lab, der mir mit sölicbem üisBe und
gitliclien trfin'en beiialfen sie minü bneblu ze volbringen, als du tet,
die wil du gesund werd. Hier umbe bat der diener got getrüwÜcb
aber dich. ni6bti es sin wille sin, daz er dir denne gesuntbeit gebi.
Und do in got nit wolte bald erhören, do zurede er mit got eines
f[iiotbcb«s zärnens und meinde, er enwölte von dem minneklicben
!."ole nit tne bücLlü maclien und wulti ocb sinen gewonlicben morgen-
grti nnderwegen lassen von unmftt, ob er dich nit wider gesund
maebeti. Do er also in der uurüw eines herzen nider gesass in der
kB|ie|] nah siner gewonljeit, do entsunken im naiswi die sinne und
riuclil in, es kemi ein engelseblichü schar bin in für in in die kapell;
die gangen im ze tröste ein bimelscbes gesang, wan sü in do in der
■elben zit in snndern lideu wüsten, und fragten in, war umb er als
tnuklich gebareti und nüt mit in ocb sunge. Do verjab er in sin
Monlenlich entrihtunge, die er gen dem lieben got bäte, daz er in
in der bete diner ge-snntbeit nit hat erhöret. Do mcinden sü, er
w'ilte ab lassen und sölti nit also tftn, wan got heti den siechtagen
über dich verhenget dur daz aller beste, und daz sülte din kröz sin
io diaer zit, da mit du soltist erwerben gross gnad hie nnd manig-
^tlügen lun in dem himelrich. Dar umbe bis gedultig, tobter minü,
BBd nim es iif allein als ein friintlich gäbe von dem minneklicben
.gMe."
XXXVI. Kapitel.
[4T'] Ton kiutlichem andaht eins jaugeu anvahenden
Disu siechü getscbüchü tobter bat einest den liiener, do er dar
Waz komen und st gesehen wolte in ire krankbeit, daz er ir etwaz
3 «ieche «Ifirre dfirftige A' B gestinffel 1' 10 linld /rhll M 1 1 zumes S
SM H machen K '20 daz] do 31 20f. in [in] JfMA' 31 disfl] diu S
6 (f. Hitr igt wohl nicht die 'J'eiinahmf uu lUr Abfassung der Vita und
S^ßr Sr/b, sofultrn dae Ahnchrtihtn und Vcrbreiltu den Bdtr u. Bdew ge-
DU au» TSs» tlautmende Engelberger Hm. (ICr. 141) den Itltttrin Buch'
H rielkichl vf Ehbeth aelbH geschriibtii. 'dl f. N<iek Tö's.
110 Leben Seuses. Kap. XXX VI.
Seite von götlichen dingen, da nit grossen ernst in trugin und doch
einem götlichen geraüt lustlich wenn ze hören, und er seit ir von
sinem kintlichem andaht und sprach also:
Do der diener dennoch einen blünden möt hate in siner jugende,
do hat er neiswi vil zites ein wise, so er erst geliess ze ader, daz
er uf der selben stunde einen ker nam zu dem geminten gote nnder
daz kruz, und böte sinen verwunten arm her für und sprach denne
mit inneklichem süfzen: „ach herzeklicher fründ minr, gedenk, daz
gewonlich ist, daz lieb ze lieb pfliget ze gene, so man gelassen hat
unib gutes bl&t. Nu waist du, lieber herr, daz ich nit liebes denol
'dich allein han ; dar umbe kum ich zu dir, daz du mir die wanden
segnest und mir gfit bliU machest."^
In den selben ziten siner jugend, so er etwen hat geschorO;
und dennoh sin antlät in schöner ufgezunter varwe waz, so gie er
hin zfi dem schönen herren und sprach : ^ach zarter herr, wen min I
^estalt und min mund als rösloht als aller roter rosen schin, dtf
wölti din diener dir behalten und nieman andern geben; und svie
^u allain daz herz an sihst und dez ussem nüt vil abtest, geiuinter
faerr, so büt dir doch min herz ein minnezeicheU; daz ich dur mite
zu dir und zfi nieman anders kere.^ i
[48'] So er denn einen nüwen rok ald kapen an leite, so p^
er etwen hin dez ersten an sin gewonlich stat und bat den himd-
sehen herren, der in dez kleides beraten hate, daz er im gl&kes und
heiles dar in wnnschti und im hülfe, daz er es in sinem aller lieb-
sten willen verschlissi. ^
Hie vor in siner kintheit hat er ein gewonheit: so der %c\M
snmer kam und du zarten blümlü erst entsprungend, so enthielt er
sich, daz er der blftmen nit wolte brechen noh handien nnz an dtf
zit, daz er sin geischliches liep, die zarten geblümten röselochtee
magd, gotes m fiter, dez ersten gemeindi mit sinen ersten blflmen.
So es in zit duhte, so brach er der blumen mit mengem minnek*
liehen gedanke und trfig sü in die celle und roachete ein schapel
dar US, und gie hin in den kor ald in finser frowen kapeil nirf
1 von geistlichen dingen oder gotlichen A^ 2 war M 8 herzlieberlf
10 lieber S 16 und ni. inund fdilt M 24 dar in fehlt M 27 bloadi]
blumen P ernst entspringent M 30 dez ersten fehlt 8 gemerndi A
sinem MA^ 31 f. innekl. A' 82 e. minklich schapel M
18 Vgl. I Kon. 10,7. 21 ff. Das Gläcktaünschen und Begcheiüm
beim Tragen eines neuen Kkides ist noch jetzt in Schwaben VoiksgebraitA
Leben Seuses. Kap. XXXVI. 1 1 1
kDQwete fdr die lieben frowen demüteklicb^ und saste ir bilde daz
minneklich schapel uf in der meinunge, wan si der aller schönst
bifim were nnd daz si sines jungen herzen sumerwunne weri^ daz
8i den ersten biAmen von ir diener nit versmabeti.
5 Eins males do er die schönen also bäte gekrönet, do waz im
vor in einer gesibt, daz der himel offen were, und sab die liebten
enge! klar uf und ab varn in lichter wat. Also bort er daz aller
sehonst gesang in dem bimelschen hofe von dem frölicben ingesinde,
daz ie gehöret ward. Sü sungen sunderlich ein gesang von unser
0 frowen, daz sprach als recht süzeklich, daz es sin sele von grosser
Wollust zerfloste, und waz dem glich, daz man von ir singet an aller
heiligen tage an der sequenci: lUic regina virginum, trans-
cendens culmen ordinum etc., und ist der sin dez gesanges,
wie du rein kungin obswebt in eren und wirdekeit allem bimelschen
^ker. Er hfib och uf und sang mit dem bimelschen ingesinde; siner
Kle bleib do vil bimlisches smakes und jamers na gote.
Dar na einest do hat er ze ingendem meyen siner aller liepsten
kimelschen frowen na gewonheit ein scbapel von rosen uf gesezzet
nit grossem andabt, und dez selben morgens frü, won er neiswannen
^kooien waz und müd waz, dez wolt er im selb gnügd an schlafen
kan gestatet und [48''] wolt die jungfrowen ze der stund nit bau
grazet. Also do es zit waz nah siner gewonheit und er uf solt stan,
do waz im ze glicber wise, wie er were in einem himelscben köre,
und da sang man den Magnificat gotes müter ze lobe. Do daz us
'kam, do trat du jungfrow dort her für und gebot dem briuler, daz
er an viengi den vers: 0 vernalis rosula, daz sprichet: o du
ines sumerlicbes röseli! Er gedabte, waz si da mite mcindi, und
doch wolt er ir gehorsam sin und hüb an mit einem frölicben gemüte:
0 Fernalis rosula, und zehand ire drie neis viere jungling des
3 8. herzen jungü s. M 4 versniahen K 10 siizzeklich reht M
^Äsin 8. 3f 11 zerfloss PM 12 sequentz M 16 himelsmakz M 20 dez]
^ M gnfig ^'^t 22 gegrüzt SM 27 sumerroselin M 20 neis] ald K
öw ir vier M
12 f. lUic — ordinum, eucuset npud Dominum^ nostrorum lapsas crimi-
I««, ist eine Strophe des Hymnus Supernat matris gaudia , repraesentet
cclesia (von Adam von St. Viktor verfaast) : vgl. Chevalier , Repert. hymnolog.
Vr. 19822 II, 626 f. (111,287): Mone , Lat. Hymnen 111,10: Daniel, Thes.
ffmn. V, 109. 26 Sequenz über die Antiphon Alma redemptoris mater,
fL Galt Mord, Lat. Hymnen des Mittelalters 1866, 129: Chevalier a. a. 0.
r. 13879 II, 249.
112 Leben Senses. Kap. XXXVI.
himelschen ingesindes, daz in dem köre st&nd, viengen an n
ze singen, dar na du ander schar ellu sament widerstritz, und s
so wol gemütklich, daz es als susseklich erschal, als ob ellü s
spil da erklungen; und den überschal mohte sin t&demlichü i
nit lenger liden, und kam wider zu im selben.
An dem nehsten tag nah unser frowen tag Assumptio, do
im aber grössu fröd erzöget in dem himelschen hofe, und wolt
nieman hin in dur zu lassen, der unwirdeklich dar kerne. D
diener gern heti hin in gedrungen, do kom ein jungling und
in mit der haut und sprach: „gesell, du hörest iez ze disen
nit hin in; belieb hie usse, du bist in schulden, und müss vo
missetat gebüzet werden, e daz du daz himelsch gesang n
hören.** Und fftrt in neiswa hin einen krumben weg in ein
under der erde, daz waz vinster und waz öde und jemerlich gi
Er enkonde noh hin noh her komen als eine, der gevangen li
er weder die sunnen noh den man mag gesehen. Diz tet in
und vie an ze sftfzen und sich übel gehaben umb sin gevan^
Dar na schier do kom der jungling zu ime und fraget in, ^
möhti. Er sprach: „übel, übel!** Do seit im der jungling
„wüssist, daz du obrest fürstin von himelrich ieze mit dir z
umbe die schulde, dar umbe du och hie gevangen bisf Der d
erschrak gar übel und sprach: „owe mir vil armen! waz ha
wider si getan?" Er sprach: „do zürnet si, daz du als ungen
ir brediest ze ire hohziten; und gester an [49'] irem grossem 1
verseitest du diner meisterschaft, daz du nit weitest von ir brec
Er sprach: „owe, gesell und herr mine, lüg, mich dunket, d
als reht grosser eren werd sie, daz ich mich ze klein dar zu d
und bevil es den alten und den wirdigen, da mich dunket, d
wirdeklicher kunnin von ir bredien denn ich armer mensch."
sprach der jungling: „wüssist, daz si es gern von dir hat, ur
ir ein gencmer dienst von dir. Dar umb tu es nit me!" Der d
vie an ze weinen und sprach zft dem jungling: „ach herzk]
2 widerstrit SPMA'a 3 erhal S 5 lenger fehlt M 6 a.«'
tionis Ka^ 9 e. gross jungling S begreif S 10 mit] bi 4^3/ 1;
wi K 14 und waz jem. g. M 15 lit] ist. A^ 16 den sunnen
man kS 19 übel und ü. 3/ 29 von ir k. S
6 Also am 16, August. 15 In einem tiefen Burgverliese
Lanzelot 1680: In einen turn er in warf^ Da er Kunnen noch defi mdnei
(A, Schultz, Das höfische Lehm I- (IbSü), 44 f).
Leben Seases. Kap. XSXM. HS
, versün mir ea gen der reinen mftter, wan ich {;eloben dir
piininer trflwe. daz es mir nit nie bescliilit." Der jungling lachete
d tröste in gütlich und fhrt in usser der gevangnües wider hein
i sprach : „ich han es an der himelfurBtin gütlichem antlüt und
Wrteo. die si hat gen dir, geinerket, daz si wil, und hat iren zorn
D dir ab gelan und wil ienier mftterlich trüwe gen dir han."
Er hate do ein gewoaheit, so er iiss der celle hin ab gie ald
n wider uf, daz er gewonlich sinen weg machete dur den kor fiir
da; sacratnent, nnd gedaht also: swer einen herzklichen rrünt iene
) nf KJner Strasse hat, der machet sinen weg gern enklcin dest lenger
dnr eins lieplichen erkosene willen.
Ein mensch begerte einer vasnaht von gote, wan er si von
keiuer creatur haben wolte. Und in einer eutgangenheit siner sinnen
in waz im vor, wie der lieb Cristus kemi in gentle in der gestalt,
'alsdo er XXXjerig waz; und meinde, er wolte im sin begirde er-
rüllen und ein himelsch vasnaht machen, und nam einen becher
Mit wine in die band nnd bot in den drin menschen, du och da
»ssen ob tische, einer nah der andren. Du erst seig da nider kraft-
los, dö ander ward och enklein swach, aber du drit abtet sin niht.
'l'ml seit im do den underscheid eins anvnhenden, zftnemenden und
Tolkomen menseben, wie sich die misslich haltent in g6tlicber
SDisekeit.
Mit disem und derley gütlichen kosene nam da red ein ende.
Si screib es alles an heinlich und sante es neiswa hin ze gehalten
and ze verbergen in ein bescbloseen lade. Eins males do kom [49'']
ein ^lü swester 7.h der, du es behalten bäte, und sprach also: ^eya,
liebu swüster, waz hast da verborgens gütliches wanders in diner
UdV L6g, mir waz hinaht vor in einem trome, daz ein Junger
timelBeher knab stöude in diner lade, und hate der ein süsses seilen-
tl ez mir M 7 am BamU NO bii 1= Xota Bemhardua) A 8 hiu w.
■f Jtf 9 also fthh S 13 vergajigenlieit P cigeulieit A' 16 und üii K
kn«) »»^ M 21 behalteu M 35 lade] laude S 26 di^ - liate ftlilt A'-
^ia dur euiht M
4f. AU ^langer, eicrer herre'-, ..aU er wae amb drieiig Jar" (d.h. cur
■ öfffTttlichft WirkfumkeitJ truelieint Christas aw:h den myetiaehe»
n Bngtltal, AdeXkaiuen, Ünlerlinden, Töa»; rgl E. Krebs, Die Myitik
^Ftstgabe" für H. l'inke 1904) 93 A. 3.
114 Leben Seuses. Kap. XXXVII.
spil in sinen bandeD, daz man nemmet ein röbobli, und da macZi
er nf geiscblich reyen, die waren als reislicb, daz menlicb dur vo,
geiscblicben Inst und fröd nam. leb bit dich, gib es ber ns, da}.
du bescblossen bast, daz wir endrü es oeb lesen." Si sweig und
wolte ir nit dur von sagen, wan es ir waz verboten.
XXXVII. Kapitel.
Wie er üplgd menschen zu gote zoh nnd lidendü mensehen
tröste.
Es waz der diener einest lang zit gewesen, daz er siner geiscb-
licben tobter nibtesnit bat enboten. Do screib si im einen brief, daz
si wol bedürfte, daz er ir etwaz enbuti, da von ir lidendes berz er-
lupfet wurdi, und spracb also: ein armer menscb nimet im selb
ein tröstli dar ab, so er etlicbü noh ermr& menschen vor im sibt,
denn er sie, und ein lidender menscb gewinnet ein gfit m&tli, so er
höret, daz ander sin nabgebur in noh grösren nöten sind gewesen
und in got dar us bat gebnlfen.
Und screib ir also: dar nmbe, daz du dest gedultiger siest
in dinem lidcne, so wil ich dir got ze lobe etwas von liden sagen,
leb wüste einen menschen, uf den vielen von gotes verbengde ber-
lichü liden an sinen färnemen zitlicben eren. Des selben menschen
gutü begirde lag dar an alzemale, daz er got von ganzem grnnd
sins herzen begerte minnen, und daz er daz selb minneklich liep
allen menschen möbti wol gelieben und von aller ander Apiger
minne ziehen; und daz gescbab ocb an vil personen, baidti mannen
und frowen. Da er dem tüfel daz sin entfrömdet und es gote wider-
brachte, daz mute den bösen geist übel, und erscbain guten menschen
vor und trowte im, er wölte sieb an im reeben.
1 rubobU M robobli A' roddel P 3 und frod fehlt M 4 leseBJ
losen K 5 w. verborgen APKM verborgen waz S 10 n6t2 M niht 8
11 dorfte K 16 geholfen hat M 20 zitl. fehlt A^ 23 f. üppiger ander
m. M 26 einem guten m. S
1 robobli (Lexei' II j 518: ruheblin) = Ruhehe , rebeü, rebec, orabM
rebah^ eine kleine zweiaaitige Geige, Taschengeige, roddel (P) = rottt (Lern
Ily 50y)f eine Art Zither oder Harfe, später identisch mit dem PsaUtriwm
Vgl. 0. Fleischet' bei H. Faul, Grundriss der german, PhiloL III (1900), 572 f*
A. Schutts, Das höfische Leben I'-, 654 f.
Leben Seusea. Kaji. XXXVII. 115
Sonderlich do kom er ainest zfi eiro kloster eins söliehen
1, in dem die geischlicheti Iierren pflegent ir sunder wouuug
liiu and die geischlicheu frowen ii* ordeDS och runder ze sine. In
dem kloster da waren zwo geischlich und vil gewegen persooen, ein
Man nnd ein frowe, an [öO'] einander verkleibet mit grosser rninne
tnd Bt^bedlicber hainlichi; nnd daz hate der tiifel bedeket in ire
laider blinden herzen, daz sü die missetat an sahen, ab ob es kein
:ebre8t noli sind weri, und in von got weri getirlobet. Do der
liener dea hainlioh gefraget ward, ob es also nii'ihti bestan in golee
riiien in der warheit, do sprach er: „nein, mit nihtö!" und seit in,
laz daz liebt falsch were und wider cristenlich lere, und schuf, daz
i^dur von lieesen nnd sich luterlicb dur na hielten.
Under dannen do er daz tet, do waz ein heiligii person, hiess
loa, an ir andabt und ward verzuket in dem geiste, und da sah
I daz ob dem dieuer in den lüften ein grössü sctiar tüfellicher
irier sich samnetan, und die schrüwcn alle sament: „mord und
»rd aber den bösen muncb!" Sü schnlten und flüeheten ime dar
imbe, daz er sü von der selben gevelligen stat vertriben bäte mit
iiiem rate, und swären dez alle sament mit fraidigen gebevden, daz
ü iemer wültin uf in stellen, daz sü sich an ime gereebin, und
'an sü im weder an Übe noh an gtite nit miibtin zi^ komcn, daz
i in doch an der fürnemekeit aiuer eren vor der weit grösslich
dn beschalken. Sü wultin unerlichü ding uf in trecbeu, und
sich joeh vor ursach, wie gnot er iemer möhte, so wMtin sü
loch mit falschen listen zfl bringen, da« es geschehe. Dar ab
rak der beiliger mensch gar übel und bat unser frowen, daz
le ze hilf kern! in den künftigen nöten. Do sprach du milt
gutlich zu Ire: „sü mugen im nüt getün ane mins lieben kindes
lengnus: waz der über in verbeuget, das ist nnd wirt sin nehstes
sin aller bestes. Dar umb haiss in guten müt haben!''
2 ff. (geüchlichen] herren phlegen ainer gaiatlichen snnder wonimg und
fr. och ir orden« besnnder sind in dem kloBter, Da waren ... M 4 z.
nuchl. S 7 baiden K 8 im M 9 wart gefra^et M IB in dem
H 18 hette t-ertriben PM 19 fradigen A mit einen fraid. g. M
fehlt M S2 3ä im 3/ 24 er joob ieiuer wÖlte S 2ä z8 ii' gütlich M
1 ff. Doypelkliigtti- verechiedtner Ordw (Benediktiner, Aagattintrchor-
I, Prätnonatrateiuer), obwohl vom litmonigehtn Jttcht verboten (e. 33 C.
tu q. ä), bettandta aaeh im äpäteren Mittelalter vielfach, to in SüddeuUeh-
Mit Zwitfaitent Obermarchlal, Weignenau, Siickirijen, Königsfflden, Engel-
St. Johann im Thurtal. .Sijlo (i. JihasB). 14 Vgl. die Aiim. su 103,2.
116 Leben Seuses. Kap. XXXVII.
Do si daz dem brüder geseite, do begunde er ime vil üh
fürten die fientlichen samnung der bösen geisten und gie, als er du
pflag ze tun in sinen gedrangen, bin uf uf den berg, da ein capell
stat^ d& gewibet ist in der ere der heiligen engel, und gie nah sioer
gewonheit betende ze nun malen umb die capell in der ere der IX
kören der himelschen scharen, und bat su ernscblich, daz sü sin
gehilfen werin wider alle sin fiende. Do mornent frfi ward, do ward
er gefuret in ainer gaischlichen gesiht uf ein schön veld. Da sah
er umb sich ein vil gross schar [50''] der engelschlichen jungherren,
die im woltan helfen. Die trostan in und sprachen zö im also: „got
der ist mit dir und wil dich niemer gelassen in kainen dinen nuten;
dar umb lass nit abe, du zuhest dA weltlichü herzen ze götiicher
minne!"
Hier ab ward er gevestnet und varete genot, daz er wildes und
zames got widerbrechti. Er hat einen fraidigen man umbgangen
mit sinen guten worten, der waz XVIII jar gewesen, daz er nie hate
gebihtet. Der gewan von gote gnad zfi im und bihtet im als rüweklich,
daz sA baide wurden weinende. Der starb kurzlich dur na und nam
ein selig ende. Er hate einest XII gemeiner sünderinn bekert von
ire sündigem lebene. Waz er eblich von dien erlitt, daz ist unsäg-
lich. Ir bliben aber ze jungst nüwen zwo stet.
Eis waren hin und her in dem lande neiswi meng person, fröh-
lich bildes, baidü weltlich und gaischlich, du waren von krankbeit
ires gemütes berlich vervallen in süntlich gebresten. Die armen
töhtran baten nieman, dem sü vor schäme getörstin verjeben
ir wetündes herzleid, denn daz sü dik von angstlicher not in die
anvehtung kamen, daz sü sich selber woltan han ertödet. Do da
1 ime vil] sieb gar P 3 uf [uf J SK 12 du weltl. fehlt M 16 XXVI -S^
19 gemeine sünder S gemeiner sünder vil P 20 Ire sünd. leb.] iren Sünden S
ebclklicb (so stet^) M 21 aber fehlt M 22 f. frolicbes A^ 25 die
hetton M 25 f. si getörstin verjeben ir scbam ires wetfinden benlaidz M
26 vor M 27 woltin K
27 Selbstmord hezw. Anfechtung zum Selbstmord ist im späteren MüiA-
alter nicht so selitti, wie es scheinen möchte. Die EreählungslittrcUuTy htscndut
Caesarius von Heisterbach (Dial. mirac, 4,4()—46) und Thomas von Chan-
ttmpre bieten manche Beispiele, Vgl. auch Vita K. 39: BOchlein van dif
Gnaden Überlast 6,12^ und das bei Straucf^ Ad, Langmann 117 f,^ Inkofet
Der Selbstmord lb86, 344 ff,, Schönbach, Über Hartmann von Aue 466 um
Michael, Gesch. d. deutschen Volkes II (1899), ^2 A, 1 eusammengteteüi
Material.
Leben Seuses. Kap. XXXVIII. 117
menscben yernamen, daz der selb diener ein miltes berz beti gen
allen lidenden menseben, do erbaldetan sü sieb, daz su zft ime kamen,
ein ieklieba zu der zit, so es ir an die not gie, und klagten ime ir
angst und ir not, da mit sü gevangen waren. So er sab du armen
o herzen in dem jemerlicben lidene, so ward er mit in weinende und
tröste sü gutlieb. Er balff in und wägete dik sin zitlicb ere vast
nmb daz, daz er in an sei und eren wider gebulfi, und Hess dar uf
Valien mit böser zungen rede, was gevallen mobte.
Unter den andren kom einü zu ime, du waz von bober geburt,
10 und seit im in der bibte, do si als gross rüwe umb ire val gewan,
do ersebein ir unser frow vor und spracb zu ir also: „gang hin zu
niinem kaplan, der sol dir wider belfen." Si spracb: „owe frow,
ich erkenn sin nit." Du müter der erbermde spracb: „lüg ber under
minen mantel, da bau icb in in minem scbirme, und gescbow du
l^vil wol sin antlät, daz du in bekennest; der ist ein notbelfer und
ein tröster aller lidender menseben und [51'] der sol dicb trösten."
Si kom bin zu im in ein fremdes land und erkande sin antlüt, als
ä es vor in dem geist gesehen bäte, und bat in, daz er si begnadeti,
^d seit, wie es gevarn waz. Und er empfie si milteklicb und half
* ir wider nah allem sinem vermugen, als im du mfiter der erbermde
hat enboten.
XXXVIU. Kapitel,
^on einem t11 jemerllchen lidene, daz im hier inne begegente.
In sölicber wise kom er mengem lidendem menschen ze bilfe.
fi Aber daz tugentlich gut werk müste er vil sur erarnen mit marter-
"chem lidene, daz im dar uf viel. Und du selben kunftigü liden
^gte im got vorbin in einer gesibt also:
Er kom einest eins abendes an ein hcrberg, und do es ward gen
^ge, do ward er in einer gesiht gefüret an ein stat, da wolt man
'^ess singen und er solt selber mess singen, wan daz loss waz uf
^ gevallen. Die senger hüben an die messe von den martrern:
Mnltae tribulationes justorum etc., daz da sait von menig-
^altigem lidene gotesfründen. Daz borte er ungern und beti es gern
gewendet und spracb also: „wafen, wes tobent ir uns mit den martrern?
7 o. an eren M u. an ere 6'A^ 25 tugentlich nach erarnen P, fthlt K
32 Anfang des Introüus einer Messe von mehreren Märtyrern,
118 Leben Seuses. Kap. XXXVm.
War zä singent ir hat von den martrern, und es hüt enkaines martrera«
tag ist, den wir begangen?^ Su sahen in an und zögtan mit dei^
vingem nf in und sprachen: „got der vindet sin martrer hut an disen^
tage, als er sii ie vand. Berait dich nüwan dar z& nnd sing fi^
dich!" Er warf die bleter dez messbüches, daz vor im lag, hw^
und her, und heti gern von den bihtern ald icht anders gesnng^
denn von den lidenden martrern; waz er warf und nmb kerte, c^
stund es alles vol von den martrern. Do er sah, daz es nit and^j^
mohte sin, do sang er mit in und sin gesang sprach gar trurklieli;
über en kleines wili hüb er aber an und sprach: „dis ist ein selzeiri
ding; man möhti es mer singen: Gaudeamus, von fröden, als von
trurenden dingen, den martrern." Su sprachen: „guter gesell, da
waist noh nit. Es gat dis gesang von martrern vor an hin, and
dar na neiswen, so es zit wirt, so kunt daz frölich gesang hinna:
Gaudeamus!*' ^
Do er wider zu im selben kom, do erzitert im daz herz ab
diser gesiht und sprach: „owe, got, müss ich aber marter liden?^
Do er uf dem weg hier ab vil trurklich gebarete, do sprach sin
geselle: „ach vater, waz wirt üch, daz ir als recht trurlich ge- j
barent?" [51^] Er sprach: „owe lieber geselle, ich müss hie mes»*!
singen von den martrern, ** und meinde, got der heti im kund getan,
daz er marterlich müste liden. Und dez verstund der geselle nit
Do swiget och er und trukt es in sich.
Do er hin kom in die stat, daz waz zu der zit in den vinstren
tagen vor den winnahten, do ward er na gewonheit gesüchet mit
biterm liden als swarlich, daz in duchte, na menschlicher wise %^
redene, daz im sin herz in sinem libe sölti brechen, ob es keinem
lidenden menschen ie weri geschehen ; wan du liden baten in do ab
swarlich umbgeben, daz im nit anders entwürte denn ein unverzogen ^
klegliches entsezzen alles dez, daz sin ufenthalt waz nah nuzze und
tröste ald eren, daz den menschen in der zit mag trösten. Dss
biter liden waz also geschafen:
1 Wtor z& — mart. fehlt M 4 f iir -4. 6 icht] etwas M ihi tt P
11.15 Gadeamiis A 13 von den mart. M 14 naiswe K 18 hier ab ff^
AP da her ab M 19 wurt P 22 mart. liden müsd M 23 swaig S^
24 vinstxen] jüngsten M 25 wihenähtcn M 27 zerbrechen M 28 gesch-l
gebrochen P 28 du liden du baten M 29 unverzegen P unversigeDS M
31 ald] und M
11.15 Auf an f/ des Introüus der Messe im Commune Virginum non üffl«^
rum (DominikanerriUis) und an den meisten Marienfesten.
I
Lehen Seuses. Kitji. SXXVllI. Hg
r Unter andren menHi^faeii, du er gern tieti z!i got gezogen, kom
ifl im ein trugUcher ahlistiger menscli, dii trttg ein wiilfin herz under
einem gütigen wandel und barg daz als genote, daz es der brflder
in vil Innger zit nie koiid gemerken. Dil ivaz vor in gross siinde
ö nnii liister mit einem man vervallen und raerete ir miBSCtat da mite,
dai si die geburt einem andern gab denn dem rech tschuld igen, der
sich selb wol unechnldig seile der Bache. Dis tohter Hess er ire
nisaetat uit entgelten und horte ir bifate, und ward im dienstberr
mit notarftigen erberen diensten me denn die andern, nah gewonbeit
lu geischlicber lüten dez landes, die termner heissent. Do daz lang
zil geweret, do ward er nnd ander warhaftigü menschen knntiich
innan. daz ei hainlich sSlichü bSgii werk treib, als ei ocb vor hate
getan. Dar zfi sweig ev stille nnd wolle si uit gern melden; er
I brach eich aber von ir und von ir dienste. Do si des innen ward,
Ido entbot si ime, er s61ti nit also thn, und hrecbi er Ir ab den nuzz,
■4eD si von im hate, dez müsti er engetten, und si wölti im ein kind
L.daz ei bi ainem weltlichen manne hat gewunnen; dez kindes
LbH er siti. und w<i in also geschenden mit dem kinde,
r sUenIhalb ze n'if wurde.
Er erschrak ab diser rede nnd gestftnd stille uf im selb und
[ mäfeet inneklich nnd sprach in im selben also: „äuget und not
I [ö'i'] hein mich allenthalb umbgeben, nnd waiss nit. wa ich mich
I hin 8ol keren; wan tfln ich daz, so we mir, tfin ich aiu uit, so we
I mir aber, und bin also mit we und not allenthalb umbgeben, daz
licli dar inne möhti besinken." Dez wartet er mit erschrokem herzen,
I *« got dem töiel w61ti über iu verbeugen. Er wart ze rate mit
Ifot nnd mit im selben, daz under den zwein Jemerlichen geteilten
■ lo weger weri, baidii an scle und an lip, der vonker von dem
6 <Iaz ei] unii guli M 9 notdärftigem erberem dienst, Jlf
11 wärhat'ten M 13 getan] geliriben S 19 er]
f 2B mit erechr. herz, fehlt M 27 jemerl. fehlt S
10 Jtdrr Koncft bei den Bettetordai halti: ein genau beilimmtfii Gebiet
■l'iriiini', Jeiiltrh lerminit', in dtm er alMn das Rtclit b(^aas, tu predigen und
»amiaeln : vgl. die Krklurang des Jah. Met/er in «rintm „Amter-
*", fVeib. Diöt.Archiv XIII (]b80), S07f. und Funtana, Congtitutionex ete.
pM, 634 f. Terminitier tind Aimottnsammler , nach Ducange-yaore VIII,
^/. abtr auch Xöncht^ ^qui habendis per ngro» euiqut t
I datinantur." Beides u-ar wähl oft rfrtinigl.
IS f. Vgl. Dan. I3,2:i.
120 Leben Seuses. Kap. XXXVm.
bösen menschen^ wie es joch umb die zitlichen ere iemer gefüre-
Und daz tet er.
Hier umb ward si so grimme über in mit ir freidigem herzen^
daz si lüf hin und her zu geischlichcn und weltlichen, und wolte
von ire unmenschlichen bosheit sich selb lasterlich geschenden, dar
umbe daz si den armen man möhti in erbeit bringen, und seite
menlich, si hete ein kind gewunnen, und daz were dez selben bröder.
Dar ab ward vil gross unbilde in allen den menschen, die ire werten
gelopten, und ward daz unbild so vil dest grösser, so vil sin fur-
nemü heilikeit verrer waz erschullen. Daz trang im dur daz inni- 1(
gost gemarg sines herzen und sele, und gie sinkend in im selb mit
jamer und not umbgeben und hate lange tag und streng nehte, und
sin kurzes rüwen waz mit schreken vermischet. Er sah vil kleglich
uf ze gote und sprach mit inneklichen süfzen also: ;,owe got, min
jemerlichü stunde ist komen! Wie sol ald wie mag ich die eilenden 15
not mins herzen iemer erliden? Owe got, wan weri ich tod, daz
ich den jamer weder sehi noh horti! Herr, herr, nu han ich alle
min tag dinen wirdigen namen gecret und vil wit und breit mengem
menschen geliept und ze erene geben, und du wilt minen nameu in
gross unere verwerfen V Daz ist min grössü klag ! Lüg, der wirdigc 2B|
bredierorden der müss nu von miner person also geswechet werden;
daz klag ich hüt und iemer me! Owe der not mins herzen! EUo
du reinü menschen, du mich vor baten in eren als einen heiligen
man, da von mir ein guter mät uf stönd, we mir, du sehent mich
nu an als einen bösen trieger der weit, dar ab min herz und 8elefl|
durwundet und durschossen wirt!"
Do der arm lidcr in der klag waz neiswi lange und im üb
und leben swein, do kom ein fröwlichü person zu ime und sprach also:
„eya, guter hcrr, wcs [52''] verderbcnt ir üch so gar kleglich? j
Gehabent üch wol! Ich wil raten und helfen, wend ir mir volgen,«
daz üch nit wirt an üwren eren. Dar umb sint kechl** Er sah uf
und sprach: „owe, wie wilt du daz zu bringen?** Si sprach: „da wil
ich daz kindli under minen mantel heinlich uemen und wil es nahtes ;
also lebend begraben ald im ein nadlen in sin hirni rihen, dar ab :
9 rto vil 80 M 9 f. fürnemü lieil.] fümemikeit P 10 waz verrer }l
10 i\ inrest^ inar<j: S 12 und mit uot M 13 mit fehlt M 14 iuneclichem K
jemerlicheii S 15 [wie] mag 3/ 16 wan] und M 18 mengen K 21 alw
fehlt M 23 [du] reinü Ä' 25 und min sei M 2G durschossen] dorstochen P
28 frolichü AM 29 üch selb M 34 hiriili /' hiru M rihten M stechend
Leben Seneeg. Kap, XXXVIII.
121
a&s» stei'heD ; und 80 daz kind her undcr kmiit, so gelit du b6s
ellä Bament, und hlibent an üwren eren." Er sprach mit
!nder stimme t „owe, du bösü morderiii, dinea mürdigeo herzen!
du daz uiischaldig kindli also tÖden? Waz mag es, daz
iiifller ein bös wib ist? Will du es also lebend begraben V
Kein, nein, das enwell got oit, da/, daz mord iemer von mir bescheh.
Uga, daz wirst, daz mir dar inne mag beschehen, diu ist ein
ibnng miner zitlicben eren; und stündi eins ganzen landes weit-
ere an mir, die wil ieb hüt alle dem werden got uf geben,
idaz ich da7. unschnldig bl&t well also lassen verderben". Hi
ich: „nu ist es doch üwer kind nit, waz band ir denn not dur
mit?" und zoh ns ein scbarpfes spizzig inesser und sprach: „land
mich es ainend ab von üwren ogen tragen, so riss ich im die keli^n
A ald ich stich im dis messer in sin herzli, so ist es schier tod
U'l ir koment ze rftwe." Er sprach: „^wiei "I" unreine böse tüt'el!
Sie wes es welle uf ertrich, so ist es doch nah got gebildet und
Dit dem kostberen Cristus unschuldigen blAt vil sur erarneC; dar
iiub wil ich nit, daz sin junges blütli also vergossen werd." Si
&nch mit ungedultigen worten: „wend irs nit lassen t&den, so
|d es doch beinlicb eins morgens frfi in die kileben tragen, daz
^eschccfa als andren verworfnen fundnen kJnden; ald ir miissent
r gross kost und unlidkeit dur tuit haben, e daz daz knebli werd
Igen". Er sprach: „ich getrüwen dem riehen got von himel,
I tnieb bis her alleinen bat beraten, der berat mich och wol selb
Ibt." Und sprach zb ir: „ga bin und bring mir daz kindli vil
ulich, daz ich es gesehe."
Do er daz kindli uf sin scfaoss gesaste und es an sab, do
bet es in an, Do ersüfzet aber er als grundlosklich und sprach:
ich ein mich anlachendes hübsches kindli t&denV Zwar nein
I Ich wil e gern liden alles, daz [53'] dar uf mag gevallen".
flud kerie sich zärtlich zh dem kind und sprach disü wort: „ov/e,
in eilendes armes kindli, wie bist du so gar ein armes weisli!
^fan din eigne ungetrüwe vater der hat din verlögent, diu murdigü
nAter wolt dich hin werfen als ein ungenemes, hingeworfens händli.
^D bat gotes verhengde dich mir geben, daz ich sol und mfiss din
d daz wil ich gern tun; ich wil dicli haben von gote
A b. m. ASPE 1 «-irrt] bSste .S U dis] dz M
sse&tj werdent .S' 22 mit im S 32 du vil arm
33 mördigü fehlt S 31 lifiaAii] kindelin S
17 dem] des M
fll, k. S [ilu]
122 Leben Seuses. Kap. XXXVm.
und von nieman anders, <and wan mir der lieb ist, so mäst ocb
du min liebs kindli sin>. Ach herzenkind mins! Du sizest uf
miner trurigen schösse und sihst mich gutlich an, und kanst docb
nit sprechen. Ach, so sich ich dich an mit verwundetem herzen;
mit weinenden ogen und mit küssendem munde beguss ich din
kintliches antlüt mit dem bache miuer heissen trehen/ Do dem
hübschen kneblin des weinenden mannes gross trehen über %m
5glü als vast ab runnen, do ward es och herzklich weinende mit
ime, und weineten also beidü mit einander. Do er sah daz kindli
also weinen, do trukt er es lieplich an sin herz und sprach : „swige,
gelükd mins! Ach herzenkind mins, sol ich dich töden, dar umb
daz du min kind nit bist, und daz ich dich sur erarnen möss? Ach
schönes, liebes, min zartes kind, lüg, ich enmag dir reht einkeifi
leid tfln, denn daz du must min und gotes kind sin, und die wil
mich got beratet eins einigen muntvols, den wil ich mit dir teilen
dem minneklichen got ze lobe, und wil alles daz gedulteklich liden,
daz mir iemer dar uf mag gevallen, zartes min kind!*^
Do dis weinlich zarten sah und horte daz grimm herz dn
wibes, du es vor wolt han ertödet, do ward si als herzklich bewegt
ze grosser erbermde, daz si erbrast an ein weinen und an ein
hüwlen, daz er si mfiste stillen, wan er im vorte, daz etwer kemi
und daz man es innen wurdi. Do si sich wol erweinete, do bot
er ir wider daz kindli und gesegnet es und sprach also: ,nQ
gesogen dich der minnekliche got, und die heiligen engel beschirmen
dich vor allem übel!" und hiess es mit siner kost wol versehen
nn siner noturft.
Dar na neiswen do gie daz bus wip, dez kindes mftter, zty
und als si den brftder übel hat gemasget, daz tet si noh /urde^
lieber, wa es im mohte geschaden, daz er hie von mengem reinen
tugenthaften herzen ward ze erbarmen und ir [53^] von in dik
ward gewünschet, daz si der gerehte got ab der erd nemi. Dax
fügte sich ainest, daz siner liplichen frunden eine zu im kam und
sprach: ryOvrej herr, dez grossen mordes, daz daz bös wip hat an
üch begangen! Waiss got, ich wil üch an ir bederptlich rechen
If. und wan - kindli sin M, fehlt ASPKA'afUS'^ 13 kain 5J
15 munt vollen M 18 wainklich M 20 enbrast M 21 hiiwlen] htuien
won er kam in vorbt M 25 m. sinen kosten P versorgen S JJO tngentl
fehlt 6' 34 bcderklicli SM
24 V[/l. I Mos. 48,16,
Leben Seasea. Ka|i. XXXVIII.
123
•m rcli wil mich heinlich uf die langen bnigge stellen, du über daz
■■ Wasser get, und so si etwa da her über get, so wil ich die gotes-
V^ morderln hin ab stogsen und wil si ertrenken, daz daz gross niord
i ire gerochen werde." Er sprach : „nein», fründ mine, daz
eunell got nit, daz kein lebender raetech von minen wegen ertSdet
»erde. Waiss got, der ellü verborgnü ding waiss, daz si mir mit
dem kinde unreht hat getan; so bevil ich die sache in sin band,
iii er si sedier töde ald leben lasse nah sinem willen, und sagen
ia: w5lti ich min sei an ir tode übersehen, so wolti ich doch alier
reinen frowen namen an ir eren, und w61ti si lassen genesen." Der
man sprach vil abelHch: „mir weri ein wip ze t6den als ein man,
äü mich also w51t beschalken." Er sprach: „nein, daz weri ein
Mvemünftigü geburschbeiC und ein ühelstendu freidikeit. La dnr
loa nnd lass rebt her wichen, lass alles daz liden her komen, daz
t von mir wil geliten haben!"
Do daz liden vast ward wahsende, do überwand in eine&l sin
krankes gemüte, do siner not als vil waz, daz er gern im selb in
tinem lidenne etw&z behulfenlieit und ergezznng heti gemachet. Und
^e OS und suchte trost, snnderlich von zwein tVünden, die sich, die
• wil er dennoch uf dem glükrad sass, gen im hateu bewiset, als ob sü
getrüw gesellen und fründ werin; und da wolt er sftcben trost
äaem lidenden herzen, Aeli, do lieBS in got innan werden an in
biiden. daz in der creatur nut gantzheit ist! Wan er ward von den
|«!ben und von ire geselleschaft berlicher nnder druket, me denn er
iTor von gemeinem volg ie ward. Der ein gesell enpße den lideiiden
I briider vil bertktich, und kerte sin antlut von im unwertlich nnd
I geharte mit sinen schnidenden Worten vil schmählich; und under
iMdren verserenden Worten, die er gen im redde, biess er in, daz
lin über ab Jf 8 verborguft /tAft S 9 dir imcA ich darcli/itr. A
P9 g^bTftrschajt M 16 wU von mir M gel. wU h. &'P 17 f. im selb nach
r 21 sin getr. fründ und ges. M 23 |uüt] ganzhait mit int (!) M
Bndergpdmkt M 26 vil hert M 28 versereten SA' redde] det S
I Wohl die Rheinbrück» bii Konstanz. 2 t. gutesmürderin = tacri-
tga, irtgen ihrts au emtr gollgeineihten Person verübUn Frenels. 20 glük-
id, dat »ich drehcHdc Rad des Gläckn (Lexer I, 629), ale Bild den wtchtela-
t Sthicksalt. Die VorgttUung sehon bti Origencs, In ps. 7(1,21 (Pilra, An.
t 111, 109) und Boethiiis, Cona. phil. 2,2. Zar LUtraiwr: Wackerimget
I Z/da VI, 134 ff..- Vogt in Zschr. drg Vereing f. l'olkgkunde III, 3iÖ ff.
^F, Jüö ff. ; Wtinhold tu Sitzungsbtr. der Btrlincr AJtadcmie 1902;
Symbolik des Kircheiigebüudes }9i>2, 2r--i ff.
1 24 Leben Seuses. Kap. XXXVIII.
-er im nit me heinlich were, wan er schamti sich siner geselschaft.
Ach, daz durtrang alles sin herz, und [54'] sprach yil ellendklicb
hin zu inie: „owe, lieber geselle, werist du von ^otes verhengde in
4ie trüben lachen geworfen als ich, werlich, ich weri zu dir hin
in gesprungen und heti dir früntlich her us gehulfen. Owe jamer,
nu ^nüget dir nit, daz ich tief in der lachen vor dir lige, du
wellest och dur zu uf mich treten! Daz klag ich dem eilenden
herzen Jesu Cristi.^ Der gesell hiess in swigeu und sprach zu im
vil schmachlich: „es hat hinnan für umb uch ein ende; man 8ol
nüt allein üwer bredien, wan sol och üwrü bücher, die ir gemachet i
heind, verwerfen." Er entwürt vil gnedklich und sah uf ze bimel
und sprach also: „ich getruvv dem guten got von himelricb, daz
minü biicher sülin noh werder und lieber werden, denn sü ie
getaten, so es nu zit wirt." Sölichen kleglichen trost enptie er von
flinem besten gesellen. 1
Im waz in der selben stat unz an die selben zit sin notorft
vil wol zfi gevallen von gutherzigen menschen. Und do er also
mit disen falschen meren zä in vertragen ward, weli disen mer-
fiagern wider in gelopten, du zugen ir hilf und fruntschaft von im,
unz daz su von der g5tlichen warheit vermant wurden, daz sn einen '
bekanten widerker zu im wider namen.
Eins males do saste er sich in ein stilles rüwli und vergiengen
im neiswi die würkliche sinne und duht in, wie er weri in ein
vernünftigs land gefüret. Da sprach neiswaz in dem grund siner
sele also: „liör, hör ein trostlich wort, daz ich dir wil lesen.** Er
bot sich dar und loset genote. Do vie es an und las du wort in
latine, und ist daz capitel ze none an dem heiligen abent ze wio-
nahten: Non vocaberis ultra derelicta etc; daz sprichet ze
tütscli: „du ensolt nu fürbas nüt heissen du gelassen von gote, und
diu ertrich sol nüt heissen daz verwüstet ertrich, du solt heissen:
1 sicli] si M 7 ich fehlt K 10 predie M 13 sülin fehlt U
15 sineii Ka gesellen fthli *V 18 disem v. mar M 18 f. mertageni S
voi-siigem A^ 20 grütlichen M 24 dem] den K 26 daz] was K 27 aa
dem h. wiuechtaboiit S 28 vocabis (!) M 29 nit nu haisseo fürbai U
16 UnUr den Freunden^ die sich bei dieser Gelegenheit von Seuse <Ä"
wandten, befand sich allem nach auch Heinrich von Nördlingen. DentB^
schreibt Ende 1.147 oder Anfang 1348 von lidsel aus an Margareta Ebneft
^mein hertz haltet nit msr zu dem Siisen^ als es etwan tet; bit got für Mlf
biid" (ö'trauch, Marg, Ebner LI, t>6 f. u, Anm. S. 3Ö8), 28 ff. Is. 62,4.
Leben SeuaeB. Kup. XXXVTIl. l2&
B will« ist in ip, und din ertrich wird gebnwen, wan der himelecli
' hat im selb eio wolgevalleD id dir." Do es disü wort 08
^Ks, do rie es du selbeD wort wider an aber und aber ze lesene
toi ze vier malen. Er sprach von wunder: „liebe, waz meinest
du, daz du mir disü wort als dike vor sprichst?" Er sprach; „daz
Kid ich dar unibe, daz ich dich vestne gote ze getrüwen, der siner
fnind ertrich, daz ist [54'] iren tßdemlichen lip och versehen wii
SL siner noturft, und wa es in einend ab gat, da wil er andrent
ifi füfren, dez sü bediirfent; also wil dir got och väterlich tftn."
liaz geüchah alles in der warbeit als kiintlich, daz meng herz von
Hden ward lacbent und got lobend, dero ogen dnr vor waren von
niitliden weinende worden.
Dem lidenden man beschah do, als so ein totes geschunden
lierli von den wilden tieren zerzerret ist und noh etwaz smakes da
i« heliben, als denn ze jungst die hnngrigen bremen dar uf vallent
mit ir geselleschaft und daz genagen bein zemal enpl^zent und daz
ugesogen mit in verfürent in den Itift: also ward er jemerlich zer-
Iragen in verni land von derley gfltsch inenden menschen; und sfi
taten daz mit schöner rede und mit bedahten ktagworten in er-
logting früntscbaft, da kein trüwe waz. Hier inne so scboss im
stnen ein ungedank in sin herz also: „ach lieber got, der von Juden
Ud TOI) Heiden ald offnen sondern allein liddi, dem könd man etwi
getflD; at schinent disü menschen din güiten fründe, di mich da so
"war pingent, und dar umbe tftt es so vil deat wirs." So er aber
ifi ini selber kom und es mit rehter bescheidenheit an sah, so gab
er in enkein schulde, denn daz es got dur sü heti gewürket, und
in er es also e<i erliden, und daz got dik sin frund dnr sin
jMnd liereitet ih dem besten.
B Sunderlicli einest in sines gemütes lidendem gegenwurf ward
■o in im gesprochen; , gedenk, daz Cristns nit allaiu wolle sinen
rfebea junger Jobannes und den getrüwen sant Peter in siner reinen
E^lescbaft han, er wolt och den bösen Judaz hi im liden, und
m begerest ein nahvolger Cristi sin, und wilt ungern dinen Jndaz
k?" Dez entwArt geswinde ein inschiessender gedank also :
1 ir] ilir S 6 gesprichest 31 6 der] das: er MA' 7 doüichen i*
'ibbftlb M Sf. nnderh&lb z. f, in, ilez e. b. M 11 f. dero o^u diu imd
\t wntea mit lidca dem wajnent worden (?) M 13 do er als aiii M 11 nr
tM t!i 3f smakes] markes Jf 16 benagen M 17 uBg. blät P so
19 f. worum und erzaigun^' .1/ 30 in im fehlt S z& im M das
34 Dez] das K duz M
126 Leben Seuses. Kap. XXX\TII.
^owe herr, heti ein li den der gotesMnd nüwan einen Jndas, so wen
■es lidig; so sint ze disen ziten alle winkel vol Judaz, und wenn
aine ab gat, so koment vier ald fünf her für.*^ Diser red wart
von innen geentwürt also: ^ einem menschen^ dem reht ist, dem sol
kein Judaz Judaz sin in sinem sinne, er sol im ein gotes mitwnrker
«in, dur den er sol us gewörket werden uf sin bestes. Do Judai
Gristus mit dem kuss verriet, [55 '] do namde in Gristns sinen frund
und sprach: „fründ mine etc."
Do sich diser armer man neiswi lang also geleid vil eilend-
klich, do hangete er dennoch an einem vil kleinen tröstlin, daz allel
sin ufenthalt waz, und daz waz, daz du trukendü burdi dennoht
nit für die rihter und prelaten dez ordens waz komen. Dis trösüi
zukte im och got geswinde, wan du obrest meisterschaft über allen
orden und du meisterschaft über tütsches land kamen mit einander
in die stat, da das bos wip den biderman hate an gelogen. Dol
der arme man anderswa wonende disü mer erhörte, do erstarb im
sin herz ingruntlich und gedahte: „wie die meister dem b6sen wibe
wider dir gelosent, so bist du tod; sü legent dich in ein 861ichea
notstal der bfisse, daz dir vil weger weri ein liplicher tod." Du
pinlich gedrang weret XII tag und naht an einander, daz er der I
marterlichen bfiss wartend waz, wenn sü dar kemin.
Eins tages von menschlicher krankheit brach er us mit on-
geberden und mit unsitiger gehabd von den nöten, in den er was,
und in der kleglichen gehabd dez inren und dez ussern menschea
gie er einend ab von den lüten an ein heimlich stat, da io niemal i
sehi noch horti, und underwilent so liess er die grundlosen erholtoi
süfzen. Nu waren ime die trehen in den ogen, denn gussen sü ber
US über sinü wangen abe. Er enkond von angstlicher not nf im
selb niene still bliben : nu sass er geswinde nider, denn so woat er
2 vol] von K won M 6 mitwürken ASP 12 ribter waa komea
und (die S) prelaten SP 13 f. allen orden und du rot durchstr.^ aber loiMbr-
hergestellt: meisterschaft über (var tütsch. 1.) am Bande nachgetragm A
16 biderben man SM 20 wol zwelf t. M 23 unsiniger ALSPA^ vm
— 24 gehabd fehlt PK 26 so fehlt M erholten grundlosesten S 28 Toa]
yor M 29 wischt M
8 Matth. 26,50. 13 f. Der Ordensgmeral und der ProvinMial
Deutschland (Provinz Teutonia). 16 In Ulm, wohin er um 1348 vereM
wurde. 19 Über die Bestrafung der peccata camiSy die beaander9 ttrm§
geahndet tcurdeHj vgl. Konstitutionen I, 18: De graviori culpa (ALKGM I, 20B\
V, 647).
1 Seiises. Kap, XXXVIII. 127
iif und lüf bin and her in der katner als ein menscb, mit dem
äugst und not ringet. Denn stiess im ein gedank her dur ein herz,
Diid sprach mit zitrender, einredender stimme also: „owe got, waz
ineinst du mit mir?" Under daunen, do er in der klegüchen nn-
pliehd waz, do sprach neiswas von got in inie also: „wa ist nu
diu Gelassenheit, wa ist gUchstan in lieb und in leide, daz du dik
hA andren luten Irfilich geliept, wie man sich gotc lidklich sül
IsKeu und uf niht beliben?" Dez entwurt er vil weinlich hin
ffider also: „fragest du mich, wa min gelassenheit sie, eya, so sag
(In mir, wa ist goles grundlosü erbarm herzikeit über sin frände?
Ich gau doch bie wartende, und bin in mir selb verdorben als ein
fertrilter man libes und gutes und eren. Ich wände, got wer! milt,
ifh wände, er weri ein gnediger, tugenthafter herr allen den, die
ȟb getorstin an in gelassen; owe mir, [55'^] got ist an mir erzaget!
Owe, du milt ader, du nie erseig an erbermde, dii ist an mir armen
enigen ! Owe, daz milt herz, von dez miltekeit ellü dii weit sehriet,
hat mich ellendklicb gelassen 1 Er bat sinn sobönü ogen und sin
juediges antlüt von mir gekeret. Owe du gütliches auttuC, owe du
niltes berz, icb heti dir es nie getriiwet, daz du mich so gar hetist
Terworfenl Owe grundloses abgründ, kum mir ze staten, wan ich
liia vorhin verdorben! Du weist, daz alle min trost und ziiversiht
aD dir allein lit und an nteman andcrm uf ertrich. Eya, h6rent
mich hite dur gut. ellü lidenden herzen! Lögent, es endarf nieman
kein anliild nemen ab miner ungebabd, wan alle die wile, do mir
geUssenbeit allein in dem mund waz mit rede dur von ze sprechen,
do waz mir süss dur von ze reden; owe, nu hat es alles min herz
danrnndet und daz innigest gemarg aller miner adren und mins
himis dursofet, daz kein gelid an minem übe niene ist, es sie dur-
aartret nnd durwundet; wie kan icb denne gelassen sin?"
Do er in diser ungebabt wol einen halben tag waz nnd sin
Ürai verwüstet hate, do gesass er also stille und kerte eich von im
Klb zft gote und ergab sich in sinen willen und sprach: „mag es
Oders nit sin: fiat voluntas tua!" Do er also sass in einer
igenheit einer sinnen, do duht in in einer gesiht, daz siner
4 f. nngeliabe SM 5 im /elUt M 7 hast frötich a. 1. ?, M 11 seib
11 f. ein verdorl>eii man der verteilt ist 5 13 tug^enthatter gned.
14 verzagt MÄ' 17 f. ogüii von mir gekert u. r. g. a. M 2i un-
27 iuroat S marg SPE 33 und do M
1 28 Leben Seuses. Kap. XXXVin.
heiligen geischliehen töbtran einü für in kemi stan^ d6 im, die wi]
si dennoh lepte, dik hat geseit, er müsti vil liden, aber got w5lti
im diir von helfen; und du erschein im vor und tröste in gütlich.
Daz nam er von ir uf vil unwertlich und sprach ir an ir warheit
Do lachet si und trat hin zu und bot im ir heiligen band nnd (
sprach also: ^nement hin min kristanlichen tr&we an gottes stat,
daz üch got nit wil lassen, er wil uch helfen dis liden *nnd elM
üwrü liden überwinden.** Er sprach: „lüg, tohter, min gedrang ist
als gross, daz ich dir nit me mag globen, du gebest mir denn dez
ein gftt Wortzeichen." Si sprach: „do wil üch got in allen guten !•;
reinen herzen selb entschuldgen ; den bösen herzen entwürtent da
ding nah ir selbes bosheit, daz einem wisen gotesfründ nit ze ahten
ist. Und bredierorden, den ir klagent, der sol got und allen be-
[56']scheiden menschen von üwren wegen dest gevelliger sin. Diser
warheit nement ein Wortzeichen da mite: lügent^ got der wil üeb rt
schier rechen und wil sin zornlich hand über daz bös herz lasset
gau; daz üch also hat betrübet, und wil ir daz leben ab precheo
mit dem tode; dar zu alle, die ir sunderlich in der sach mit b&se^
klaf hein gehulfen, an den müss es och also bald gerochen werdec^?
dez sint sicher!** Der brftder ward hier ab wol getröstet und wart^*
vast, wie got die sach wölti enden.
Do gar kurzlich dur na ward, do geschah es alles in der wa'
heit, als si hate geseit. Wan der Unmensch, der in also hat g<
pinget, der starb, und starb eins unbekanten todes; du endrü i
nei^wi vil, von den im aller wirst waz geschehen, die zukte d
tod von hinnen, dero enteil unverstandenlich stürben, etlich ane bi J^*
und ane gotes fronlicham vergiengen. Der selben menschen eL«i^
waz ein prelat gewesen und hat im vil we getan; der erschein itü
vor in einr gesiht, do er erstarb, und kunte im, daz im got hi^^
umbe heti ab gebrochen sin leben und sin wirdekeit, und daz c^ ^
etwi lange müsti dur von in der büsse darben und torren.
Do die ungewönlichen rächen und och töde, die got über sin
widersachen als geswind sante, do die sahen ire vil menschen, dien
9 me fMf PM dez fehlt SP 10 gut fehlt K üch] dich 5
ich A^ ich iich M ^^ten fehlt S 13 der fehlt M IB nam er ain
w. M 24 und starb fehlt P 27 f. waz ains e. p. M 29 do er eistiA
fehlt M 31 in der wis und in der bus [darben und] torren M 82 gewon-
lichen A^ 3B ire] wie A'
1;3 Vgl. oben l:>o,21.
i
Lebeu Seiises. Kup. XXXVIII. 129
dar von kund waz ami ime günstij^ waren, die loptno f^ot und
tpraeben also: „werlich, got der ist mit di&em gbtea manne, und
whfu wo), daz man im uniecht bat getan, und sol in Aub und in
31 bekanten menscben von billich gewegenr nu fürbaz sin an
lieber selilteit, denn ob got daz liden nit heti über in ver-
2 nmnuej menschen M 2 f. ti. wir sehen .1/
130 Leben Seuses. Kap. XXXIX.
Hier na do half irae der inilt got, daz sich daz ungehür weter
dez lidens gar genedklich nider Hess und zergie, nah dem als in
du hailig tohter in der gesiht wol hate getröstet. Er gedahte dike:
„ach herr, wie ist daz wort so war^ daz man von dir seit: dem got
wol, dem nieman übel!" 5
^ Och sin geselle, der im in der sach ungeselleklicb hat getan
^nd in och got kürzlich dur na hinnen nam, do der erstarb und
alles mitel, daz in der blossen götlichen beschöwde gesumet bäte,
do daz waz ab gevallen, do erschein er im vor in liehtricher gnl-
dinr wat, und umbfieng den diener lieplich und trukte sin antlütio
an sin wangen gutlich und bat [56^] in, daz er im vergebi, da er
sich gen im übersehen beti, und daz ain getrüwü himelschü frunt-
Schaft enzwischen inen zwain eweklich belibe. Daz nam der diener
frölich uf und umbfieng in och früntlich; und also verswand er vor
im und für in die götlichen fröde. ISj
Dar na neiswen, do es got zit duchte, do ward der lider von
got ergezzet alles dez lidens, so er hate gehabt, mit inrlichem
herzenfrid und mit stiller rüwe und liehtrieben gnaden. Er lopte ;
got inneklich umb daz minneklich liden und sprach, daz er nit alle .
die weit dur wider heti genomen, er heti es alles erliten. Got gab 2||
im wol ze erkennen, daz er von disem niderschlag sin selbs adel-
licber entsezzet ward und in got übersezzet, denn von allen den
mannigvaltigen lideU; du er von jugent uf unz an daz selb zit ie
hate gewunnen.
XXXIX. Kapitel. «
[57^] Ton inrem lidenne.
Under dannen, do du geischlich tohter daz vorder klegllcb
liden las und sich von erbermde wol erweinete, do bat si in, daz
er ir och seiti, wie inrü liden geschafen werin. Er sprach:
1 Hier ua — 15 frode fehlt j dafür folgender Zusatz: Och der prelat
über tusch laut entschiildget in und sprach, daz er und der meister des ordeni
hetcn da strenklich visitiert, als mau sol, und fuuden wider in niht, denn dai
ain bo3 wih, der nit ze flohen waz, hett von dem biderben man bosschlich
geredt, und daz moht noch beschehen, der boaen zungen weit gelosen M 8 gotL
fehlt A' 14 fn'mtl.] frolich P 20 die] dis M da wider M 21 schlag M
26 Überschrift fehlt K inren Ä 27 dis M kleglich fehlt SM
24 In AKUWB^a an Bild: Seast wird von den hchtn Geistern und
durch Verleimdung der Menschen (jepeiniyt (Abb. 5 nach K El, 84^),
Leben Sensex. Kap. XXXIX.
131
Von inren liden wil ich dir zwai ding sagen. Es waz in
orden ein ffirnemer man, aber den hat got rerbenget ein
liden, und in dem lideoe waz dem armen brflder sin müt und
also versunken, daz er naht und tag; gie neinen und bäwlen
\ sieh Übel gehaben. Der hröder kam zu dem diener der wis-
k mit grossem andabt und klagte im sin not und begeret, daz er
f fiber in bete, daz im gehulfeu wurde. Eins morgens frft, do
[diener dar über bat und also gesass in siner capell, do waz im
in einer gesiht, wie der selb bös geist kemi für in stan, und
; Waz in einem angenomen bilde geschafen als ein ungestalter
ib mit fürinen ogen, nnd bäte einen heischen erschrokenlicben
Ek und hate einen bogen in der band. Der diener sprach zfi
ilgo: „ich beswer dich bi dem lebenden got, daz du mir sagest,
i du siest ald waz dn her weUist." Er sprach vil tüfellicb: „ich
es, Spiritus blaspbemiae, und du wirst wol innen, waz ich wil.*
Der diener kert eich umbe zu dez kores türe, do kom der
Rde brüder zfl der selben türe in gende und wolt in den kor ze
k gan. Do zukte der bi!is geist sinen bogen her für nnd schoss
fürin pfil in dez brflder herze, daz er na hiiider sieh waz ge-
bt, und moht nit in den kor komen. Daz mflte den diener
•] nnd strafte den lüfel hier nmbe herteklicb. Dez ward der
srtig tüfel zornig nf in, und zukte den bogen in mit einem füri-
ipfil als ocb vor, und wolt im es och in sin herz hau geschossen,
k kert er sich geswinde ze unser frowen umb hilf und sprach :
Itcnm prole pia benedicat virgo Maria, und der tüfel
l^tpr sin kraft und verswand vor ime. Do momend ward, do seit
jK dem lidenden brflder, er trost in und seit im, waz da wider
und nit anders, als er es screib an siner bredien einer, du
lan vabet: Lectnlus noster floridus.
Under vil andren inren lidenden menschen kom eins males
iweltlicher man zfl ime, der waz von einer frömder gegin, und
I lür öeh M it. [gie] weinet« u. hüwlet« .... gebflb A' hftwleu]
S 15 pl&zlommea (!) M 20 mSgt E 21 dar nmb M 22 bogen
fl 24 geawiud umb M 28 einer fehlt M. 30 inren fehlt MA'
10 1. Eine *eit alter» geläufige VoiateÜHng, Schon dk hl. Perpetua (Paitio
kämpft in der Vision mit einifm „AegyjAiua, foedu» »pteit.'^ Vgl. bei
ann ton Auf (MFr. 211 fi) und Waillier: Itellemör; Berlhold von Reg.
38 ff.: Mecklhüd von Magdeburg 93. IG Matlh. 13,31.
BentdiktiOH vor der 3. Lektion der 1. A'iidtn» an Marienfeaten
)äUktMerbncier). 29 i'tsfe Pirdigt Seu»es.
n
132 Leben Seuses. Kap. XL.
der seit im also: „herr, ich han daz aller gröst liden in mir, da^ .
ie kein mensch gewan, und mir kan nieman gehelfen. Ich hate
na kurzlich an gote verzwifelt und waz als verzagt, daz ich miei
selb wolt han verderbet von übrigem leide, und wolt mir selb den
tod han an getan an Hb und an sele. So ich iez in der not bin i
und in ein wutiges wasser wil springen, und den anlof genam nnd
mich selb mfitwilklich wolte ertrenken, do hört ich ein stimme ob
mir, du sprach also: „halt uf, halt uf, tft dir selb nit den schant-
lichen tod anl Such einen bredier!"^ Und namte im den dienermit
sinem eigen namen, den er nieme hat gehöret nemmen, und sprach: 10
„von dem sol dir gehulfeu werden, daz dir reht geschiht.** Er waz
fro und Hess sich selb ungetödet, und suchte in mit nafragen, als
er geheissen waz. Do der diener sah, daz sich der mensch als
kleglich geh Ab, do kert er sich zfi dem lider gutHch und tröste in;
er machete im sin herz als Hht und lerte in, waz im ze tun waz. Uk
daz er mit gotes hilf dur na in sölich anvehtung nieme kam.
XL. Kapitel.
Welü liden sien dem menschen aller ntizzest und got aller ^
loblichest
Du heilig tohter fraget und sprach also: „ich wüsti gem^S^
welü liden under allen liden dem menschen du aller nüzest und
gote aller loblichest sien?'* Er entwürt und sprach also: du Bolt i
wüssen, daz man vindet mengerley liden, du den menschen bereitend i
und im guten weg gebent zu siner selikeit, der in reht kan tön.
Got verhenget etwen über einen menschen swerü liden aneÄj
alle sin schulde, in dem lidene got den menschen eintweder wil |
versuchen, wie vast er stände, ald waz er an im selber habe, [öS**] ''
als man vil liset in der alten e. ald aber daz got dar inne allein I
meinet sin götliches lob und ere, als daz ewangelium seit von des 1
bHndgebornen menschen, den Cristus unschuldig seite und in gesehendBl
machte. "
Etlich liden ist och gar wol verschuldet, als dez schachere
liden, der mit Cristo gekriizget ward und in Cristus selig machete
von dem getrüwen ker, den er zft im nam in sinem Hdene.
8 f. schamlichen P 16 nimmer me kam M 21 ander a. 1. weit
liden S du fehlt M 29 meinet] nieme t A
20 Jo/i. 0,3. 32 ff. Luk. 23,43.
Leben Sfuse». Kap. XL. 133
Etlicb liden hat nit selialde in der lidenden eaeh, du ime
tone gegenwürtig ist; es hat abev etwas anders gebresthaftiges uf
me, dar ainb got lideu über in verhengct, als vil dik besebiht, daz
■ot übrig hofnrt drnkt und den menseben zft im selben wiset mit
ioem aweren undergang silier übertragenheit in einer sftlicher sacli,
■r er vi] liht denn zemal gar unBcbuldig ist.
i Etlichü liden werdent dem menseben ton gote in der trüwe
leben, daz der mensch dur von werd noh grüsser liden übcrhalien,
ilfi den meuBcheu gegchibt, den got hie ir fegfür git mit siei'htagen
Jd mit amifit ald (lez glich, daz sü des nagenden über werden,
ild Job daz er sü lat tüfellichü menscben üben, daz sü an dem tode
tez anblikes überbept werden,
Etliebü menschen du lident von rehter inbrünstiger minne, als
lie martrer. die mit ire manigvaltigen sterbene libes oder gewütes
^etn lieben got gern zogtin ire minne.
Wan vindet och in diser weit meng üpig und trostloses liden,
ils die müssen bau, die der weit nah weltlichen Sachen gnüg wen
äin; sü müssen die helle vil sur erarnen, da bi ein gotlidender
mensch im selb wol möhti behelfen in sinem lidene.
So sint etlichü menschen, du got inrlicb dik vermant, daz sü
'lea rehten ker zu got nemen, wan er in gern heinlicb were, die
•la widerstrebend mit hinlessikeit. Dfi zübet got nuderwilent mit
lidenne: wa sü sich hin kerent und gern got endrunnin, so ist got
'la mit zitlicbem nngeluk diser weit und bebebt aü mit dem bare,
•iaz sü im nit mugen endninnen.
Man vindet och du menschen, du nit lidens hein, denn so vil,
^ sü in selber liden machent da mite, daz sü daz gross wegend,
iüT nit ze wegen ist. Als einest: do gie ein wolgeladenr mensch
in lidene für ein hus, da hört er, daz sich ein frow gar übel gehflb.
Er gedahle: , gange bin in und tröst [Ö9'] den menschen in sinem
'Mene!" Er gie bin in und sprach: „owe, liebü frowe, waz wirt
•ich, daz ir üeh also klagent?" Si sprach: „da ist mir ein nadel
Wfalleii, ond die kan ich niene tinden." Er kert sich nmb und
_ 3 andere fekü ff gebrieath. A 9 ineneoli noch grözzur 1. da von
ttri öberh. M H mainigvaltigen Ä 16 m&u SM 18 ainn Ä 19 ge-
tlfea M 22 nnderstreliend M 23 gern [gut] Ä 29 in] mit M gar
iä M 30 den meoscbeD] si S ireiu S 31 f. wirt üch] gebriat dir P
t üch JJ
iftfA Seufi: aelh/il.
134 Leben Seuses. Kap. XL.
gie US and gedahte: owe, du tobe mensch, hetist du miner burdine
eine uf dir, du weinetist kein nadlen!'' Also machent etlichü zart
menschen in selber ein liden in mengerley Sachen, daz kei
liden ist.
Aber daz edelst und daz best liden, daz ist ein cristfSnni
liden, ich mein daz liden, daz der himelsch vater sinem einborne
sun und noh sinen lieben frunden git. Daz ist nit also ze verstenc
daz kein mensch zemal ane alle schuld sie, denn allein der lie
Cristus, der nie sAnd getet. Mer als Cristus sich gednlteklich erzog"
und sich hielt in sinem lidene als ein senftes lembli ander d<
Wolfen, also git er etlichen sinen liepsten frunden och underwilei
gross liden, dar umbe daz wir unlidigii menschen bi den selige
menschen lernen gedultig sin und alle zit mit einem süssen herzei
übel mit gut überwinden.
Dis alles solt du an sehen, tohter minä, und solt nit ungern
liden, wan swannen liden her kumt, so mag es dem menschen Dizz
werden, ob er es reht alles sament kan von got uf nemen und es
wider in got tragen und mit im überwinden.
Du tohter sprach : ^daz edelst liden, von dem ir hie ze jungst
heind geseit, da man mit Unschuld lidet, daz hein wenig meDSchen.
Ich horti gern, wie ein verschulter gebresthaftiger mensch sin liden
mit got mug überwinden, wan die hein zwivalt liden: sü hein got
erzürnet und werdent von ussnan gepinget."
Er sprach: daz wil ich dir sagen. Ich wüste einen menschen,
der hate ein gewonheit, so er von menschlicher krankheit hate kaineo
gebresten geübt, der bfisswirdig waz, so tet er als ein gutü wösche-
rin, du mit irem ingedrukten und geweichten wat hin gat zu dem
Intern wasser, und es da alles suber und rein machet mit der wisehi^
daz vor unrein waz: also erwand er niemer, e daz im ward def
unschuldigen nieder trieffenden bifites Cristi, daz er ze hilfe nndze
trost mit unsäglicher minne dur alle sünder vergoss, daz ime geisclh
lich dez selben blütes ward ein gnuhsamer usfluss. Und in dem
hizzigen [59"'] blute so wusch er sich und sine masen abe, er badei
sich in dem heilsamen blutigen bedlin, als so man ein kindli badel
in eim warmen wasserbad, und tet daz mit herzklichem andaht ii
3 in selber fehlt M mit mengf. s. M 7 lieben] gfiten S 19 oi
Bande von anderer Hand : nö von verschultem liden A 27 wat] gewand .
28 wasser] brunncn M gemachet M in dem weschen S 31 dur fehU 1
32 influes .S'
Leheu Seiise«. KHp. XLI. 135
Einern vfol getriiwendem kiistHnlichem globen, daz es im alle Bin
läod B61t nnd w&U ab wescbeD und in rein machen von allen
tcfatiUlen mit sinei- almugenden liraft. Und alens, wie die Sachen
fielen, siner unscbnid ald einer schuld, so endetan st alle zit glich
t dem gftten gole.
XLI. Kapitel,
He er etlichä Diinneiidd herzen von zitlicher minne zfi got-
licher niinne zoch.
In den ziten, do der diener mit eniste sich dennoh erbot, du
« mensuhen von zUlioher minne bin z& got ziehenne, do markte er,
liaü in sumlicben klöstern etlichii menschen waren, du geiBchlicben
Bthiii trfigen und aber weltlichii herzen dar under baten.
ünder dien waz einii, du hat ir herz uf zerganklicb niinue
'iiBt gekeret, <laz da heisset spunzieren, daz da ist ein gilt geisub-
iMicber seltkeit. Do seit er ir: wolti si ze einem rüwigem gStlichem
jlebeii komen, daz si deune dur von liesei und die ewigen wisbeit
Bn des iren HebeB gtat ze einem liep nemi. Onz waz ir swer ze
Bae, wan Bi jung und frisch waz und mit derlay geselscliaft ver-
I^Pnbert waz. Er braht si neiswen dar zö, daz si guten willen
"gewan daz ze tüne, und do ir der gut wilie von den iren ward ab
Hs^irciehen, do sprach er zft Ire: „tohter, Ja dur von! Ich engen
f, tost du es nit frölich, du wirst es unfr^lich tiinde." Do si sieb
t ffolt an sin getriiwen red keren, do bat er got ernschlieh über
daz ei got dur von zngi, es weri mit liep uld mit laid. Eins
ic er uf die canzell under sin gcwonlicli crucifixus und uam
»mea blossen ruggen ein stark ilisciplin, daz im daz bißt dur
1 trang, und bat got liber ei, daz si gezemet wnrdi. Und daz
Whah aUo; wan do si wider hein kom, do wfibs ir geswinde ein
K^bafenr bover uf dem ruggen, daz si hesslich ward, und niflste
von not lassen, daz si dur got nit woltc lassen.
Es waz in dem selben unbeschiossen kloster ein jangii, süh&nä,
Digebornü tobter, dö mit dez selben tüfels nezze menig jar ir herz
1 wolgetrüwen dem AS wu! getr, [dera] P 4 schulde . . . uuschulde P
in./ehh M 9 mit entsie fthll A^ 11 semlicliru .SP 14 sponsieren A'
rief« M gift] gät (II K 15 götl, rüw. M 17 [des] ir 1. sL M
bekünbPrt SP 20 ii'cn] inren K 26 f, dur na trang) ab ran P
sn~ laisen/fWf J' 32 nesze /J./f .1/ iiniswie nienie jar M
136 Leben Seuses. Kap. XLI.
und ir zit hate üpcklich verzeret mit allerley gesinde^ nnd du wae
80 vast dar iiine erblendet, daz si den selben diener der wishei**
alle zit floh als ein [60'] wildes tier, wan si vorte, daz er ir di««
wise, die si fftrte, ab spreche. Nu bat in der selben tohter lif^
lichü swöster, daz er sin glükt an ir versuchte, ob er si von dei
schedlichen wise zft got möliti bringen. Daz duhte in ein nnmag--
lichü bete, und sprach, in dubti müglicher, daz sich der himel her
ab neigti, denn daz si dur von liessi, der tod der musti ir es be-
nemen. Si bat vil flehklich und sprach, si weri in dem globen,
weler sach er an got ernschlich kerne, daz im daz got nit verseid. M
Mit sölicher rede überwand si in, daz er es gelopte ze tune.
Und wan si in alle zit floh und nit moht zfi ir rede komen,
do nam er war eins tages umb sant Margareten tag, daz si mit den
andren jungen swöstern waz us gegangen uf einen aker ire werk
liechen. Er schleich hinna und umbgie den aker, daz er mit glimpf U|
zu ir kemi. Do si war nam, daz er ir begond nahen, do karte si
ime gar schalklich den ruggen mit einem zornlichem fürinem antlAt, ,
und rftfte vil ungestümklich hin über gen im also: „her munch,
waz wend ir her zfi mir? Gand reht üwer Strasse von mir, das
rate ich ü ! Lfigent, e daz ich ü wölti bihten, ich wölte mir e lassen Ü
daz hopt ab schlahen; e daz ich ü denne wolte volgen und DÜn
spunzieren ab lan, ich w51ti e, daz man mich also lebende begrabe.
Dar umbe gand reht üwer Strasse, wan ir schaffent nut an mir!'
Du gespil du bi ir aller nehst stfind, du stillet si und strafte si und
meinde, er heti es nüwan dur gftt getan. Si für mit ir hoptetob-^
lieh und sprach: „lug, ich wil in nit triegen, ich wil im mit worten j
und wisen zögen, waz ich in miuem herzen hau." Ab diser frti* ;
diger rede und unsitiger geberde erschrak der diener, daz er schäm- Ü
rot ward, und gesweig stille, daz er nüt sprechen konde. Dien J
andren swöstran, die daz geschrei über in horten, waz es leid, nnd ^
gaben ir ungelimpf. Er gie geswinde einent ab und entweich ir
und sah uf und ward inneklich süfzende, und wolte dur von haa
13 war fehlt M 15 lüchen K glimpf] oren Ä" 17 gar smähklich <
18 vil zornlicli und uiiirest. S 19 ir [her] PK von mir fehlt S 20f. d.k- ^
lassen ab s(.lil. SK 27 und wisen] fünf wi.s (!) M 28 uiisinniger Tl^ ]
31 einenthalben [ab] VA^
13 St. Mnryaretentag wurde in der Diözese Konstanz am 15, JhU ^
feiert, von den Doiiiinikanern am 13, oder L^o. Juli, doch fUgten sich die OritM
meist dem Diüzesany ehr auch; vgl. Grotefend, Zeilrechnung /, IIb; II, 5, 3$i
Fiala im Anz. f. Schweiz. Gesch. /, ö — tS.
Leben Seases. Kap. XLI. 137
^an, denne daz als oeiswas inrlicbs tribens von got da beleih,
üod daz nieinde: wer gen gote ald gen der weit üt wil schafen,
der endarf nit als bald ab lassen. Dis geschah na dem miten tage.
Dar na do es ward abent, na dem nahtmal, do die swöstran
5 gemainlich in den hof wurden gende, daz sä daz nsgelochen werk
rifletin, und du [60^] selb tohter mit in gie, und s6 für daz gasthus
inftsten gan, da der selb diener inne waz, do bat er ire gespilen
eine, daz sie die tohter mit etlichen listen hin in zu ime brehti,
und si denn hin wider us giengi. Und daz geschah mit n5ten.
V) Do si hin in kam und under dem laden bi im gesass, do büb
er an mit inneklichen söfzen sines vollen herzen und sprach: „eya,
8ch6nü, zartü, gotes userweltü jungfrow, wie lang wend ir üweni
schönen minneklichen lip und Awer zartes minnekliches herz dem
leiden täfel lassen? Ir sind doch von gote so gar gnadenrich
gestalt in allem üwerm gelesse, daz es ein übel mere ist, daz ein
sftlicher engelschlicher, wolgestalter, edelr mensch ieman sol ze teil
werden, denn dem aller heresten ze einem liebe. Wer sol den
schönen zarten rosen billicher brechen, denne der, des er da ist?
Keina, tr&tü, minnekliohü jungfrow, tünd üwrA klaren falkenogen
tf und gedenkend an daz schön liep, daz hie an vahet und iemer
und iemer weret; und nement och her für, waz kumbers und un-
truwen und laides und lidens an lip, an gut, an sei, an eren der-
l^y menschen müssen erliden, es sie in lieb ald laid, die des pfle-
gcnt, denn daz sü die versüsstü gift also verblendet, daz sü dez
Pässen schaden under dannen vergessent, der in da volget in zit
DBd in ewikeit. Eya dar umbe, du engelschliches bilde, du minnek-
liches edels herz, ker umb dinen natürlichen adel uf den ewigen
*<lcl, und lass dur von! Ich globen dir daz bi miner ti-üwe, daz
^ch got ze einem lieb wil nemen und dir ganze trüwe und reht
'i«bi hie und dort wil iemer leisten."
Gut waz du stunde! Disü fürinü wort schussen ir glich dur
*r herze und erweichten si also gar, daz si geswind irü ogen uf
2 ütz 3f 3 bedarf M 6 mit ir M 8 hin in fehlt M brehtint SÄ^
1^ laidigen K 16 engelscher M 21 nement — für fehlt M 21 f. iin-
^we A^a unrüwen AS unrögen F 24 vor blendet M blendet S 25 da
^öh K 27 f. uf — adel fehlt K 31 furiiiü] frume i»
6 Besonderes, vom eigentlichen Kloster (jetrennte,s Gebäude zur Auf-
*•***« der Gäste. 10 In der Fensternische j der Schicklichheit halber
138 Leben Seases. Kap. XLI.
hAb, und Hess einen grundlosen süfzen und sprach ingmntlich m
verwegnen getürstigen worten zfi im also: „ach herr und vate
mine, ich ergib mich hüte an got und an üch, daz ich minem vei
lassen üpigem lebene nu an diser stunde wil ein fries urlob gebec
und wil na üwerm rate und hilfe mich dem minneklichen gote Z(
eigen geben, und wil ime allein unz an minen tode dienen. ** Ei
sprach: „daz ist ein frölichu stunde; gelopt sie der milt herr, dei
ellü widerkerendü menschen wil frSlich enpfahen!**
Under dannen do sä [61'] zwei heimlich mit einander also
von gote reddan, do stflnden ire verlassen gespilen ussrend an der
ture und verdross sü der langen rede, wan sü vorten, daz si m
ire üpigen geselschaft abdrünnig wurde. Die ruften ir, daz si es
ein ende macheti. Si stfind ein endrü worden uf und gie mit ime
und sprach zu in also: „min gespilen, got der gesegen uch! und
heind ein fries urlob von mir, baide, ir und alle unser gesellen, mit
dien ich leider min zit han üpeklich vertriben, wan ich wil got na
allein haben und daz a.nder alles vam lassen/
Die tohter vie an, alle schedlich geselschaft ze miden und sich
abgescheidenlich ze halten; und wie dik es dar na an si versüht
ward, ob man si möhte hin wider in daz alt leben bringen, do hall
es nit. Si hielt sich also, daz si mit lobrichen eren und gotlicheo
tugenden vest und stete an got unz an ir tod bleib.
Der diener gie dur na eins males us, daz er sin nüwen tohtei
in gutem lebene gevestneti, und ob si in keinem liden weri, das er
si gutlich trosti, und tet im selb vil we mit gene in der krankheit,
in der er do waz. So er dur daz tief hör also trat und die hohen
berg uf klamm, do hüb er dik sinü ogen uf ze gote und sprach:
„erbarmherziger got, bis ermant diner eilenden füsstapfen, die do
tet dur menschlich hail, und behalt mirminkind!^ Sin geselle, ao
den er sich ie erleinde, der sprach von erbermde: „es zimt wd
gotes guti, daz meng sei durch üch behalten werde."
Do er fürbaz gie, unz daz er nüt me mohte und gar erlegeo
waz, do sprach aber der geselle: „eya, vater, got der s61ti wol an
sehen üwer krankheit und solti üch senden ein rössli, daz ir geritend,
unz ir etwa zft den lüteu kemend.** Er sprach: „nu komen sinbaid
5 und wil — 6 geben nach dienen *S' 5 f. erzaigen und z. e. g. 1
10 verlassen fehlt M ussen *S' ussnen K 13 niachetin M ein e. wordei
anderweit S 21 loblichen S lebrichen P 29 mine kinde P 32 uiu
und .1/ 33 [derj jj^cselle K
Lebeu Seuses. Kap. XLI. 13^
B got, 80 getrnw ich, daz mich got diner tugent lass geniessen und
Witt es gescbeh." AIbo l&gete der diener umb sich, do sah er zd
ier rehten band ddrt her us von einem walde gan ein hübsches,
ml gezßmtes und gesatletes rÖBsli alleine. Der gesell röfte mit
„eya, lieber vater, Iftgent wie iich got nit wil lassen!" Er
neb: „IQg, sun, nmb nud umb ut' disem braiten veld, ob ieman
r mit gange, de/, es sie." Er lügete verr und nahe, und sab nie-
denn daz r6ssli da lier zelten und sprach: „vater, werlich, got
der bat üch daz gesendet; sizent uf und [131'] ritend!" Er sprach:
HjQg, geselle, ist, daz daz rössü still stat, so es zQ uns kunit. so
ptrüw ich got, der hab ee ze iinser notdurft her gefiiget," Daz
Mi kam senfteklich und stand stille vor in. Er sprach: „wol her
ip gotes namenl" und der geselle half im uf und Hess in riten, und
|ieng er mit ime neiswi verr, unz er gerilwete. Und do sü kamen
Unabe zö einem dorfe, do sass er abe und leite dem rösslin den zom
I niiier uf und hiese es sin strass gan, dannan es komen were; war
I do kemi ald wes es weri, daz kond er dur na nie ervarn.
Do der diener kam hin. da er hin wolte, do geschah ein»
Endes, daz er also gesass bt sinen geischlichen kinden und inen
fete zerganklich liep und iu liepte daz ewig liep. Do sü von im
fflgen, do waz sin herz neiswi erhizzet von siner begirlichen rede
gdtlicher minne, wan in diihle, daz sin liep, daz er meinde und
ären menschen gab ze minnene, als reht vil besser were denn
A lieb dieser weit. Und do im in der betrahtunge die sinne neiswi
bnnken, do duht in in einer geslht, er wurdi gefüret uf ein Bcb&n,
hen beide, und gie ein stoltzer himelscber jungling bi ime und
Ite in an siner band. Also erhüb der selb jungling in dez bröder
e ein lied, und daz ersi-bal als frölich, daz es im alle sin sinne
rflogte von Überkraft des süssen gedönes; und dubte in, daz sin
h als reht vol wurdi inbrünstiger minne und jamers na gote, daz
I herz ward varnd und wütende in dem libe, als ob es von übriger
1 urbrcchen wi'dte, und mäste die rehten band legen uf {laz herz
selber ze hilfe, und sinü ogen wurden als vol, daz die trehen
If ab runnen. • Do daz lied us kom, do ward im ein bild für
mrfen, in dem man in leren wolte daz selb lied, daz er sin nit
1 Jugent P 4 wol gczeiutea röüselin mit luncm sat^l duz kam alltün
a ISge -''-V IU ans zu k. M 11 gesendet ü/ 20 ir zerg. liq
II erhitat^et SK 25 bcIiÖd fehlt K 26 liimelsclier /elUl P ime] in
% t. !«■] !"■ »'■ 8- ^'n und mSt verflog M ^
1
140 Leben Seuses. Kap. XLI.
vergessen mohte. Also lügete er dar und sah unser frowen, wie
ir kind, die ewigen wisheit, geneiget bäte an ire niftterliches her
Nu stfind der anvang dez liedes dem kindlin ob sinem hobte ^
schriben mit schönen, wolgeflorierten büchstaben, und waz du scr
als togen, daz si nit menlich gelesen konde; allein du mensche
du es haten erkrieget mit übiger enpfintlichkeit, du lasen es w
Und waz du schrift also: HEBZENTBUT. Die sehrifl las d
diener behendeklich, und sah denn nf und blikte in denn liepli
an und waz im denn neiswi enpfintlich, wie daz als reht war wei
[62'] daz er allein weri daz zart herzentrut, in dem man liep a
leid heti, und trakte in denn in den grund sines herzen, und h
denn uf und sang mit dem jangling daz lied us und ns. Und
der inbrünstigen herzklichen minne kam er wider zu im selben n
vand sin rehten band ob dem herzen ligende, als er si der ud|
«tümen bewegung ze hilfe uf daz herz hat geleit.
[62''] Eins males waz er verr gegangen, daz er vil müd ^\
worden, und do er kam ze abent an ein frömd stat zu einer klose
da sü woltan herberg nemen die naht, und waz kein win da, wed<
in dem dorf noh in der klosen, da gie ein gütü tohter her für no
Seite, si heti ein vil kleines fleschli mit wine, wol uf ein halb mm
und sprach, waz aber daz hulfi under der mengiV Wan ire wäre
wol uf XX person guter kinden mit dien, die dar waren komei
daz sü gotes wort usser sinem munde begertan ze hörene. Er hies
daz fleschli her für tragen über tisch, und sü baten in, daz er eine
götlichen segen dar über teti. Und er tet es in der hohen kraft de
minneklichen namen Jesus, und vie es an und trank, wan in turst
nah dem genne, und bot von im, und sü trunken ellü sament. Da
fleschli ward nider gesezzet ofi*enbarlich, da sü es alle sahen, ao
7 abwechselnd rote und blaue Buchstaben AK, am Rande M 8 liepl
^tlich P 13 herzkl. fehlt P 15 ze hiltV fehlt M 16 ASPKßVt
haben hier neue Linie und grossen Anfangsbuchstaben, MA^ •keinen Absati : w
aN W und darnach Denifle haben eigenes KapiiA mit der Überschrift : wie g"
(las leipLieh tranck seineu freunden meret (N etwas abweicliend) vü fehlt ^
19 gütige S 21 waren fehlt M 23 begerton nach wort M
15 In yiKRWJi^a ein Bild: Maria mit dem Jesuskind erscheinen dt
Diener, der Jtsus .Jhrj-entraut^ nennt (Abb, 6 nach R Bl. 8M. 17 klc
TTz kleine Beghinenniedcrhifoning. Die folgende Erzählung ist ein typisches B
spiel, wie Seusc unter den Gottesfreundinnen missionierte. 21 Vgl, Joh, 6
Kap. XLl.
I wider in giegsen wassere oder wines, wan kein andre win da
Sil tranken aber and aber vast ubs dem selben fleschlin, nnd
I als begirig von im ze fa&ren gotee wort, daz dez grttliclieD
s nieman ahtete. Ze jungst neiswen, do ^u zQ in selber kamen
141
golee Termugendcn kraft in der merung de?, trankes als kuntücb
^ben, do begonden sü got loben und wolten des dieners heilikeit
igetat geben. Dax weit er mit iiihtü gestaten und sprach: ,,kinder,
ist nüt min getat, got der bat der rcineii geselschaft ire guten
en lassen geniessen, und het si liplieh und geiseblich getrenket."
1 Tnder aus wiik-r korrigiert A wnnder [in] gieN^cii (!) K 5 rermügetit.
traft 5' S tiis t. gn. M 9 geniesaen Ä ^enoazen KM lieiilich M
f
I
142 Lebeu Seuses. Kap. XLII.
XLII. Kapitel.
Ton etlichen lidenden menschen, dd mit sonderlicher trüw
dem diener zn gehorten.
Es waren in einer stat zwo fürnem personen an heilikeit^ die
im heinlich waren. Diser zweier gotesMnden geischlicher zDgwaz
gar ungelich. Du ain waz fürneme vor dem volge und waz begäbet
mit götlicher süssekeit, du ander waz nüt fürneme und got üpte si
•emzklieh mit lidene. Do die baid erstürben, do heti der diener gern
von got gewüsset, wie.mis8[63']lich ire Ion an enr weit weri, wan
sü hie als ungelich wisen f&rten. Eins morgens frü do erschein l
ime du ein vor, du da als fürneme waz, und seit ime, daz si noh
in dem fegfür were ; und do er fragete, wie daz möhti sin, do meinde
si, daz si nit ander schulden uf ir heti, denn daz von ire fürneme-
keit etwaz geischlicher hofart ir in viel, dem si nit gnü geswinde iu
gie ; es solt aber schier ir liden ein end haben. Du ander, du ein li
verdrukter, lidender mensch was, du für ane mitel ze gote.
Dez dieners liplichü müter waz och alle ir tage ein vil groflsi
liderin. Und daz kom von der widerwertigen unglichheit, so si und
ire huswirt baten: si waz vol gotes und heti gern dar nah g&tlicb
gelept, do waz er der weit vol und zoh mit strenger hertikeit di I
wider, und hier uf viel liden.
Si hat ein gewonheit, daz si alles ir liden in daz biter liden
Cristi warf und da mit ire eigen liden überwand. Si verjah im vor '
ir tode, daz si inrent XXX jaren ze keiner mess nie gestund, i
erweinti sich biterlich von herzklichem mitlidene, daz si mit imseni
herren marter hate und siner getrüwen müter, und seit im och, dil '
si von der unmessigen minne, die si ze got hate, ainest minnesiedl
ward und wol XII wuchen ze bet lag also jamrig und serwende ni
gote, daz es die arzet kuntlieh innen wurden und gut bild dar ab
uamen. |
3 gehorten etc. A' 10 wis M do fehlt M 13 schuld PJÜ*
17 Ez waz de8 dieners 1. m. och M orrosslfi A 21 f. vil vil liden. Si betten U
24 nie] nie M 25 bit. von herzen mit lident M 27 ainest fehlt M 28 »er
weinde A^
16 ane mitel - ohne Hindeniie^ d. h. ohne Feyfeuer. 24 ff. K. Sckmiä
(Theoh Sind, u. Kr iL 1843, 83ti) und Böhnwjer (DeuUche Mystiker 18S5yi96)
Jasaten die Stelle so auf als habe sie 30 Jahre lang aus I*\irc?U vor lÄrtH
Gatten keiner Messe angewohnt !
Lebcu Seusex. Ea]). XLII. 143
Si gie einest ze äugender vaeten in dnz miinster, da du ab- | ^
wg mit geeebniten bilden uf einen alter etat, und vor den bilden \
tiitJerkom Bi neiswi in enpfintlicher n'ise der gro^g smerz, den du '
zart mAter hate under dem krüze. Und von der not geschah dieer
Sollen frowen och als we von erbermde, daz ir herz neiswi erkrachete
CDfifiDilich in ir Übe, daz »i von amaht nider seig an die erde und
»rder sah nob Rpraeb. I Do man ir hein gehalf, du lag gi siech nnz
a den stillen fritag ze none, do starb si, under dannen do man den
pEisiou las.
In den selben ziten waz ir sun, der diener, ze C6Lne ze sofaftle;
1^1 ereehein im vor in einer gesiht und sprach mit grossen frfideii:
'*, kind mins, hab got liep und getrüw im wol, er lat din mit
kainer [63'] widerwertikeit. Lilg, ich bin von diser weit
ihaiden und bin uüt teil, ich sol eweklich leben vor got/ Si
le in mflterlich an sinen mund und gesegnet in getriilich und ver-
id also. Er vie an ze weinen und rftfte ir na: n^vre, getriiwü,
igö mftter minü, bis mir getrüw gen gote!" Und also mit wei-
und süfzende kom er wider zil im selben.
In sinen jungen tagen, do er ze schfll fftr, do beriet in got
it eins lieben g6tlichen gesellen. Eins males in einer beinlichi,
von got vil baten gekoset, do bat in der geselle durch ge-
ich trnwe. daz er im zogti und in licssi gehen den niinnek-
tichen namen Jesus uf einem herzen gezeichenten. Daz tet er iin-
^m, und doch, do er sinen grossen andabt an sah, do waz er im
der bet gnftg, und zerliess den rok ob dem herzen und lie8.s in daz
herzcnkleinet sehen nah aller siner begirde. Dez begnßgte den ge-
<elleu nit. Du er es wul gesah schinberlich stau nn dem libe en-
Hiiren uf sinem herzen, do ffir er mit slner band dar und mit sinem
tbtliit, und streich es dar nn und leit sinen mund dar uf. Er ward
herzklich weinende von andabt, daz im die ab walenden trehen über
■Uz hera ab runnen. Und der diener verbarg den namen dur na,
lu er in nie keinen menschen wolt me lassen sehen, denn eht ein
2 »ineiu KM 8 neiswaa SA^ 6 vor Jf 8 atiUen fr.] karfiitag M
tue P 17 mit fihlt MÄ^ IB nnd also aüfieul M zi i. a. wider M
etton vil M 21 f. gesellicb M 2i [au] sach K 27 an] in MA'
I woU SKA^ gMeheii AP e!it] Sth P, fehlt MA' :S2 f. ein uspin-.
) einigen M
Charfreitag , wo dt'
10.19 Vyl. 10ä,ai.
144 Lehen Seuses. Kap. XLin.
einigen userweiten gotesfründ, dem es von got erlobet waz; der ge
schowte in och mit glieher andaht als och dise.
Do die zwen lieben gesellen neiswi meng jar bi einander mit
götlicher geselschaft waren gewesen und von einander solten varn,
do gesegneten su einander getrülich und macheten ein geding en-
zwüschen in, wedre vor sturbi, daz im der ander geselklich truwe
na dem tode leisti; und sölte ime ein jar alle wuchen zwo messaB
sprechen, ein an dem mändag Requiem und ein an dem fritag von
ünsers herren marter. Dar na über neiswi meng jar, do starb dem
diener sin gesell vor an, und er hat vergessen umb die gelübde der
vor genanten messen, und gedaht sin aber ane daz getrülich. Do
er eins morgens also sass ingezogen in siner kapell, do kam der
geselle in einr gesiht für in stan und sprach vil kleglich: ^eja,
geselle, diner grossen untrüwe! Wie hast du min vergessen!" Er
sprach: „ich gedenk din doch alle [64'] tag in minen messen.^ Der
gesell sprach: „es ist dar an nit gnüg, laist mir unser gelübte omb
die messan, daz mir dez unschuldigen blütes hin ab werde, daz mir
daz streng für lösche, so wird ich schier gelidget von dem fegfüir.*
Und daz tet er do mit herzenklichen trüwen und mit grossem laid
siner vergessunge, und im ward schier gehulfen.
XLIII. Kapitel.
Wie im Crlstns vor erschein In eins Seraflns bilde und in
lerte liden.
Do sich der diener eins males hate zft got gekeret mit grogsem
ernste und in bat, daz er in lerti liden, do erschein im vor in einer
geischlichen gesihte ein glichnüs des gekrüzgeten Cristus in eine«
Serafins bilde, und daz selb engelschlich Serapfin hate VI vetchen:
2 frlicher] bc^irlichcr M discr K^[ 4 Etlicher S 6 f. entw. inj
mit enaiuler S 7 ein jar fehlt M im [ein] jar Ä^ 16 alle tag] allwegp t
18 jürelediget KM 24 zu got hate SM 25 und — liden feMt M 26 cristi K
27 ff. fettachen S vetticb P vetken .V
8 f. Am Montag eine Totenmesse (Requiem), am Freitag eine Mitea i^
passione. 27 ff". Im Leben des hl, Franz von Assist (Vision auf dem Berff '■.
Alverniiij 14. tSept. 1224, vgl. Lamprecht von Regenshurg, St, Frangieken X«M i
i(L Weinhold lü8ü, :i38l ff. 40ö:J ff. nach Thomas von Celano) kommt »Ä '■
zum erstenmal die Erscheinung Christi in Gestalt eines gekreuzigten Sert^
ror: von da ah wiederholt sie sich öfters, mit und ohne Stigmatisation. Vf/L
auch /.v. 6",;? u. Strauch, Marg. Ebner 40,3.
Leben Seusei. Kup. XLIII. J45
ruit zwain vetchea bedacht es daz hobt, mit zweiii die füsse, und
mit zwetn flog es. An den zwein nidresten vetchen Btänd geschribeii :
(npfah liden willeklicb; an den mitlesten stfind ntso: trag liden ge-
dalleklicb; an den obresteu stöud: lern liden cristf&rmklich.
Die luinneklich gesiht seit er einem heiligen fn'inde, der ein
f'i heiliger mensch waz. Do sprach si bin wider: „wüssiut für war,
4z üch aber nüwu liden sint berait von got, daz ir crliden niiissent."
Er fragte, welerley du liden werin. Si seile: „ir müsaent nu erhebt
werden ze einem preisten, daz die üch deet baz mugen trefen, die
UiDiganst gen ücb bein, und deat tiefer her ab schupfen. Dar umh
«ment ueh uf gedultekeit, als üch in dem Seraptin gezSget ist."
Er ersäfzet und lüget uf ein nüwes künftiges uugewiter. Und es
fr^ieng also in der warbeit, als im der heilig mensche bäte geseit.
Es fögte sich in den selben ziten, daz tüni jar kamen nnd daz
UraaD sinem konvent, da er do waz, weder brot noh win gab, und
duz der konvent waz komen in gross giilte. Die brüder wurden ze
%te gemeinlich, daz sü in der grossen türi den diener namen ze
priol, wie leid ald widerwertig es im waz, wan er verattlnd wol,
. liai im da mit nüwes liden bereit waz,
i) Dez ersten tages biess er lüten ze capitell und mante eü, daz
^ »ant Domioicus an r&ftin, wan der heti sinen hrtidern getopt,
"enn sü in an rüftin an den nfiten, so wdit er in ze belf komen.
Do Sassen zwen brüder bi einander in dem capltel, nnd runete eine
Um andern and sprach vil spotlieh zu ime; „IQga, waz torohten
1 ddrt K 1 f. [und] mit M 3 dem mitl. ASKMaS' 4 dem
l *T. * crisrfonnlioh M 6 gotteafrönde Ka 7 iiier fehlt M 8 fragte]
r ijfith M 12 kiinft fthlt M 18 ald wie wid. SP 18 f. wan — ber.
I nt fthlt ASP ai der] «r K 24 ime] in M
Vol^ Herbst 1343 bis Juni 13U tear in Oberdeittschlund eint
ftut TeHerung: der Bitehof vatt Konstam, Nikolaus van Kmtingen, speisle
lf Hinem Schlote £a»ttll täglich gegtn 300U Armr. Stiege: Joh. Viiod. ed.
t 17S, ms, 310 f.; Heinrieh c. Ditaaenhoven hei Bühmer, Fönten IV, 39,
\i Frttb. Diös^Archiv 1874, 40; IbOl, 149; Strauch, Ad. Langinann 109.
% SD cspitel = V'trmmmlung der Mönche eines Klosters oder Ort, wo diese
f|fnd<t (Kapitelisaal) : vgl. Dacange s. c. 21 f. Vgl. Laeordaire. Leben
Im. Domiiiikus, deaUch '1671, 309 nach ASS Aug. 1, 516, 6*0 (rgl. auch
,t 0, Seauvais, Sprc. hist. XXX, 113). Dieses sog. Prioiltgium digiittatis,
I auch bei vielen andern Heiligen vorkommt, ist in stin Officium (nach
biaerrüusj übergegangen, vgl. Hesp. ad leci. IX: O sptn miram, quam
I mortis horae (t ßentibus, tlum posi mortem promisitli te profi
/mtribiu ttc.
H. Stillt, DcniKOiB SohTmoD. 10
1
<eben
'atis, I
Do- I
146 Lehen Seuses. Kap. XLIII.
mannes ist dise priol, daz er uns heisset, daz wir mit unser not ;
got konien! Wenet er, daz got den hirael uf tüg und uns her i
trinken und essen [64^] sende?" Der ander sprach hin wider: „
ist nit allein ein tore, wir sien toren alle sament^ daz wir in ze pri
namen, und wir vorhin wol wüstan, daz er unkunnent ist uf zi
lichä ding und nüwan ufwert ze himel gaflFet.** Und ward man
spötigu urteil über in geben. Do moment ward, do hiess er ei
mess singen von sant Dominicus^ daz er sü berieti. So er als
in dem kor stat verdahte, do kom der portner und rAfte im hin n
z(ü ainem riehen korherren, der sin sunder fränd waz, und de
sprach also zA ime: ^lieber herr, ir sind nit kündig uf zitlichu ding
und bin hinaht von got inrlich ermant, daz ich ü helf an siner stat
und bring üch hie XX pfund Costenzer zu ainem anvang^ und ge
trüwent gote, der sol üch nit lassen." Er waz fro und nam da;
gelt und hiess win und kom kofen. Und got half in und san
Dominions, alle die wil er priol waz, daz alle rat da waz, not
vergalt dur zft, daz sü nihtesnit soltan gelten.
Der selb korherr, von dem geseit ist, do der an sinem todbe
gelag, do besaste er ein vil grosses selgerete hin und her, da er gna«
zA hate. Dar na sant er na dem diener, der do priol waz, an*
beval dem neiswi vil guldin, daz er die anderswa under arm gote£
frund teilti, die ir kraft mit strenger Übung hetin verzeret. Da
wolt er nit gern tAn, wan er vorte nahgend liden, als och geschal
Ze jungst ward er überkomen, daz er es nam, und für us in da
land und teilte daz gelt, als er im gelopt hate, hin und her, wa e
getrüwete, daz es siner sele aller nüzzest weri; und tet daz m
gAter gezügnüst und mit widerrechnung sinen obren. Hier uf ru
im grosses liden.
6 wol fehlt M 8 Dominico K 11 zu im also M 13 pfund] libn
ASFA^ Cost. phenniiig M 16 prior K 17 nihtesnit] nit me S nfttx i
gelten solten M 19 la^ SFA^ 21 arm fehlt M 25 hate gelopt S ha
fehlt M 27 siner SMA^ hier us KA'
13 Zu Costenzer trgänze: phennic, %cie M liest. Ein phuni (librt
= :^0 Schilling (solidi) = Ü40 Pfennige (Silberdenare), vgl Ltxer II, 238, Üßt
zur weiter e7i Onentierung vgl. Poinsignony Kurze Münegeschichte von Komtan
1S70, und die Notizen über Kurs und Kaufkraft des Geldes zu Konstanz i
14. Jh. in Freib. Ditk.Archiv 1902, 43. 19 selgerete = UtMwülige Vt
fitgung zum Heile der Seele (remedium aniinae), besonders Stiftung von Seile
messen und Almosen an Arme, die dafür beten mussten, dann Testament Ubi
haupt (Lexer II,bi05f: vgl. Schönbach, Über Hartmann von Aue 44 f.).
Leben Beuaea. Kap. XLIII.
147
Der heire hat einen ungeraten kepsun; der bat verzeret, daz
mia herr hat geben, und yod einer verrftchtkett greif er du diug
idä ime echedlich waren. Der beti gern daz selb gelt gehabt,
I do im daz nit mohte werden, do wtderseit er dem diener und
i
bot im mit einem geBwornen eide, wa er in au kern, da nMt er
t6den. Dis sorglich yientschaft koud nieman understau, wie dik
versöcbt ward, er wolt in näwan tSden. Der armer man waz
anbeten und in n&ten lang zit, und getorgte nit wol hin noh ber
1 WM Jf 3 gell] g&t M
U
148 Leben Seiises. Kap. XLIII.
wandlen von vorten eins ermunlcns von dem verruchten menscliei
Er hftb siuü ogen dik uf ze gote und sprach mit inrlichen süfzei
„ach got, waz jemerlichen todes wilt [65"^] du über mich verbengen
Sin not waz dar umbe dest grösser, wan kurzlich dur vor ward
einer andren stat ein erbere brfider von senilichen Sachen jemerlic
ermordet. Der arme brüder hat nieman, der im des lidens v«
w61ti ald get6rsti sin, von dez wilden menschen fraidekeit. Do koi
er sin an den obresten herren, der enband in von im und brach ij
ab sin junges starkes leben, und starb.
ZA disem liden kam och do ein anders biter liden. Es wa:
ein ganzü gemeinde, dien der herr groslich hat geben. Dar ar
gnügt sü nit, und die vielen alle ut den brüder mit grossem Ungunst
daz er in daz selb gelt och nit alles liess werden. Und ward jemer-
lieh hier umb von in durehtet und ward von in getragen für welt-
lich und geischlich, und kam verr in daz land in verkerlicher wise
siner schulden, und müst undergan vor den lüten in den Sachen, Ib
den er vor gotes ogen unschuldig waz. Disü lidendü sach, so der
ein wil geswiget ward, so nam man si aber und aber her für, und
triben daz menig jar, unz daz der aim man dar umb wol gesibet ward.
In den selben ziten erschein ime der selb tote korherr vor in
einer gesiht und hate ein schön gewand an, daz waz grün und waz
umb und umb vol roter rosen. Und seit im, daz es wol umb in
stunde an enr weit, und bat den diener, daz er gedulteklich liddi
daz gross unrecht, daz man in zeh, wan got wölti in dez alles wol
ergezzen. Er fragte den herren, waz sinü schönü kleider betntin.
Er sprach: „die roten rosen in dem grünen velde, daz ist üwer ge-
dultiges liden, mit dem hend ir mich gekleidet, und got wil ücb hiei
umb mit im selben eweklich kleiden."
1 und [von] yorhten J/ 6 brüder] man S 11 der herr] er J
12 den brüder] in M 13 nit och M Ih und für g. SF 16 schuld /
18 und a))er fehlt M 19 dar umb fehlt M 24 ungereht M rihi -^
zoch P
19 Zum Ausdruck vgl. Luk, 22,31. 20 ff. Vgl dagu Strauch^ Äl
Langmann 6b,34ff, und B. von der Gnaden Überlast ed. Schröder 41,36 f»
28 In AKIiWB^a ein Bild: Christus erscheint dem Diener in SeraphimS
gtetalt (Abb. 7 nach K Bl 93^,
Leben Ppuaes, Kap. XLIV.
XLIV. Kapitel.
66'] Vfte vestklich der luuss gtriteu, dem der geischlich pris
sul werdeu.
An der DÜwi siueB anvanges do ct(\nd der diener uf dem einne,
er von herzeu gerne deu ogen des miuneklicheu gotes heti wol
illen mit fürnemer sunderlieit, aber ane liden und ane erbeit,
füllte sich, daz er eins males üb f&r dur hrediens willen in daz
Und do er kom in ein gemein scbef uf dem bodensew, da
pBoe sasB ander den andren ein weidenlieher kncbt, der trfig hof-
lolichii kleider ane, Zu dem machet er sich und fraget in, waz mannee
er wen. Er sprach; „ich bin ein ayentürer und bring die herreu
'if^men, daz sii bovieren, uud da stiebt man und tuvniert und dienet
tchinen frowen; und wele es da aller best tfit, dem git man die ere
Dnil im wirt geloreL" Er spracb: „waz ist der loni" Der kneht
■fisi-itei „du BchSnat frowe, dii da ist, du git im ein guldin vingerli
>ii sin band." Er fraget aber: „sag mir, lieber, waz raöse aine tftn,
(faz im dii ere werde und daz vingerli t"' Er sprach: „wele aller
meist streichen und gedranges erlidet und dar inne nit erzaget, denn
Ösj er kechlich und raanlich gebaret, der vast sizet und uf sieb tat
BUahen, dem wirt der pris geben." Er fraget aber: „acb, sag mir:
IT nu an dem ersten anriteune kech ist, weri daz genflg?" Er
)ncb: „nein, er mi^ss den tnrnei üb und us herten, und wurdi er
Beblagen, daz im daz für zi^ den ogen us wüste und im daz blüt
B nurnd und nasen üb brechi, daz mi^ss er alles liden, sol er daz
Agewünnen." Er fraget aber: „eya, lieber geselle, getar er iht
ffineti ald trurklich gebaren, so er als übel wird geschlagen?" Er
2 vestUch M 8 üi den 5Ä 9 waidellicher PM U'fig fchll M
'iufb »techent imd hovierent uuil tumierent H dienent 6'f 16 Hog
^MU S lieber ^aelle A' 16 Btraich o. gi^dran^ M 21 anriton itf
l'araer SK tnrae P da« tnruei A' 23 «irete d) A 24 zfl mimd und zu
* agva und zä der aasea üb drange S niid ze iiaHuti M
II ftTentürer := a^|' Wai/niiae austielimder Bitter iLexer I,loö); vgl.
I« Ä',5/. Man ist hiir an die Definition van „dreHtiure" bei Hwtmann
t A»t (Itetia 637 ff.: ävtntiwt, was itl das etc.) rrinnert, oder an Ulriehg
I lÄehituKtein abtnteuerliche Pahrt, der jtäem Speerbrechee iinea goldwtn
trtpraeh (vgl, den geiatvnUen Aufgatt von Schönbach in: Biogi-aphiache
Watler. hrtg. von Settdheim II [1806], It ff.). Zur Schildening des Turnierg
lyl. A. Schultt, Diu hüf. Ltb:m II', 106 und daa Süd ebd. 146.
^
Leben Seufies. Kap, XLIV,
sprach: ^iieiii, und daz im sin herz in sinem libe vereunki, a
mengem tflt, er getar die glich nit tfin, als ob im üt sie; er
frölich und weidenlich gebaren, anders er wnrdi ze spote imd v(
dnr mit die ere und daz vingerli." Ab dieer rede ward (
2 der glich P den glich M \ die] siu M
Leben Seuses. Kap. XLIV. 151
in aicii gelber geschlagen und ward beraklich und iDiieklieh siifzende
will sprach: „acb wirdiger herre, mfissen die riter diser weit solichü
Üden enpfahen nmb so klaincii lun. ilcr ;iii im seih mit ist, ach got,
'S'ttAi.i^-SiJuHii
*ic iBt denn so billicb, daz man nmb den ewigen piis noh vil nie
Sfbeten erlide! Owe, zarter herr, wan weri ich dez wirdig, da/, icli
flii) geischliche riter weri! Eya, sehonü, minneklichii ewigii wislieit,
^pro gnadennchkeit nit glich ist in allen landen, wan mAhti minor
5 M-bait K 7 f. mohl mir ym liiner sei aiii v. w. i!j M
152 Leben Seuses. Kap. XLIV.
sele von dir ein vingerli [66''] werden, ach dar umbe w61ti ich lid(
waz du iemer wöltist!" Und ward weinende von grossem ernst, d
er gewan.
Do er kom an die stat, da er hin wolte, da sant got nf
gr5ss6 und berlichü liden so vil, daz der arme man na erzaget w
an gote, und daz meng oge nass ward von erbermde über in. 1
vergass er aller verwegenlicher riterschaft und gelübde, die er hi
in sinem fArsazz gehabt z& got umb geischlich riterschaft, und wa
trurig und widermutig gen got, wes er in zigi und im sölichü iid
zu santi. Do mornent der tag uf gie, do kom ein stilli in sin se
und in einer Vergangenheit der sinnen do sprach neiswas in i
also: „wa nu f&rnemu riterschaft, waz sol ein str6wine riter und «
tuchine man? Gross Verwegenheit han in liebe und denn verzag
in leide, da mit gewunnet man nit daz ewig vingerli, dez du {
gerest.** Er entwürt und sprach: ^owe, herr, die turney, da mi
dir sich inne müss liden, die sint gar ze langwirig.^ Dez ward h
hin wider geentwürt: „do ist och daz lob und ere und vingerli mioe
riter, die von mir werdent geeret, stet und ewig.** Do ward de
diener in sich selb geschlagen und sprach vil demuteklich: ,,herr
ich han unreht, erlob mir allein ze weinen in minem lidene, wai
min herz ist als reht vol." Er sprach: „we dir, wilt du wainen all
ein wipV Du geschendest dich selb in dem himelschen hove! Wüscl
dinü ogen und gebar frölich, daz es weder got noch mensch inoai
werde, daz du von lidens wegen habest geweinet!" Er vie an «
lachene und vielen im doch dur mite die trehen über die waogcn
abe, und entbiess gote, daz er nit me weinen wölte, umb daz dai
im daz geischlich vingerli von im wurde.
[67^] Do der diener eins males ze Coln brediete mit großW©
ernste, do sass ein anvahender mensch an der bredie, der sich nüwes
4 Do er kom fehlt S 5 verzagen M 7 f. liet gehept M 9 wider-
wertig /S' 9 f. im zu s. s. h M 16 turny K dumier P der toiner S der
tumay MÄ^ 17 daz vingerli und daz lob u. ere S 25 dur mite fehU »
26 er entliiess M 27 ward von im M 28 X und Diepehbrock Juiben liiff
ein neues Kap, mit der Überschrift: wie sein antlit wart gesehen in kloAöt
der dienor] er M kol P
27 heew. 163,7 in ÄKRWB^a zwei Bilder: der Diener empfängt toi
Knycln himmlische Tröstung und wird mit Bitterinsignien bekleidet (Abb,
nach W BL yö^, Abb, y nach K Bl, 95^),
Leben .Seiisfs. Kiip. XLV. 153
tlgotbste gekeret. Do Bin der lidender mensch mit flisse war
sali si mit den inren ügen, daz ain anüiit sieb begond ver-
mdlen in ein wiinneklich klarheit, und ward ze drin malen glich
liechlen sunnen nah ire h6fa6ten widerglaste, und ward im dar
sin antliil als Inter, daz si sich selber dar inne schowete. Und
diser ^sibt ward si in ire lidene gar wol getröstet und ge-
let in einem heiligen lehene.
XI-V. Kapitel.
Ton dem uiiuneklichen uamen Jetnus.
Der diener der ewigen wisheit ft'ir ainest von oberlande ah gen
che zö unser frowen. [68'] Und do er her wider kom, do erschein
nnse frow vor einer vil heiligen person und sprach zö iralso: „lüg,
der diener miues kindes ist liomen, und hat siiieu süssen namen
iems vil wit and brait mit begirde umh getragen, als in och hie
Vor sin junger umb trügen ; und als die heglrd baten, daz si'i den
Hamen allen menseben mit dem globen ze erkennen gehin. also hat
«r ganzen fliss, daz er den selben namen Jesas iu allen kalten herzen
mit nnwer minne wider enzünde. Dar nmbe so sol er nah sinem
tode ewigen Ion mit in enpfahen/' Dar ua Iftgete der seil) beiliger
menscb unser frowen an und sab, daz si in der haut hate ein scb&n
kenea, dö bran als schone, daz si dur alle die weit luhte, und an
<ler kerzen waz umb und umb geschriben der name JESUS. Also
sprach unser frowe zfi der persone; „lüge, disü brünnendi'i kerz he-
tütet den namen Jesus, wan er warlich erliihtet ellü herzen, du einen
'»amen andehtklieh enpfabent und in erent und in begirlich bi in
tWgent. Und min kint hat sinen diener im selb dar zfi us erwellet,
1 mit. fliBsc fehlt P ö ire] inren S 11 ncli SKM och P 14 Jean»
Mü s 22 der uamy fehlt A'
1 ff. Da» Ltiichtfii des AntiitEea und Duyelisicktigwerden dm Leibes
~ 'int AntiHpaliori der himmliaehen Verklärung — kommt in der myitiüchen
'^<*iHmtitrralur Mußg vor, vgl. die Belege hei Krebs a. a. O. 7t f. und
E SehiUer, Dan mgsi. Leben i>i T/its 1903, 49 ff. 11 Die Wallfahrt nach
^'chtn iachvart) lU den dortigen grossen Heiligtümern ixt geil dem frühen
Mindalter »ehr im Schirtmg: sie wurde im 14. it. 15. Jh. auch als Sühnt für
tekirtre Verbrechen avf erlegt. Vgl. die Belege bei Strauch, Ad. Langmann
A. IU 53,5ff.: Marg. Mner A. »« XLJV. 41 ff. . und bes. St. Beiesel, Die
iadienfnh>t IDfjS. 12 Ehbeth Stagtl.
154
Ltlien Senaes. Kap. XLV.
daz sin name dar iu begiiUeh in mengem herzen werd eDzi'iDdet d
zft ire ewigen selikeit gefürdert."
Do disü vor genantü heiligü tohter hat gemerket menigvitl
klich, daz ire geischlich vater so grossen andaht und guten ^h\
hate zfi dem rainDeklichen namen Jesus, den er uf einem heu
trflg, do genan si ein snnder minne diir zfl, und Id eimm gfi
andabt do nate b\ den selben namen JestiB mit roter eiden nf i
kleines tücbli in disev gestalt: IHS, den e\ ir selben wolle belnt
4 Bii /Ml M u. so f^lea e. M 7 regt SP t.
fehlt il iii - im /Ml P IHS fol AK iLs um Randt M |
Leben Seueea. Kap. XLVI. 15&
hgen. Und machete do dez selben nümen glicb UDzallichen vil
CD and schöf, daz der diener die namen alle uf sin herz btos»
and sü mit einero gotlic^beu gegen Einen geiBclilicben kinden
und her sante. Uod ir ward kuod getan von gotc: wer den
Imen also bi im trüge und im teglieh ze eren ein Pater noster
Sprech, dem w<e got hie gutlich tun und w61ti in begnaden aD
sicer jgngeteu hinrart.
Mit sAlicben strengen Übungen und mit gfitliehen bilden Jesu
CnBli nnd siner lieben friinden waz der anvang diser heiligen
n lohter gebildet.
XLVI. Kapitel.
[H'] Gftte onderschald enzwüschen warer und falscher ver-
nitnftkait in etlichen menschen.
SicQt aquila provocans ad volandiim pullos suos etc.
Do disä beiligü tohter nah der göten 1er ires geiscblichen
Hers nf ellü atak bildricher heilikeit wol waz nah dem nssern
leiachen geberret als ein lindes wehsli bi dem füre, daz der forme
I iti insigela enpl'enklich ist worden, und och dur daz spiegelich leben
'^riiti, der der sicherst weg ist, waz ordenlicb lang zit gezogen, do
iß—
6 ze eren fthlt SA' 7 M aetet nach binvart kintn: als an dem
n briefbtichin (meh, ilaz hie ze hindroat och stet, aigenlioh ist geBchriben
Sttrengen — mit fthlt MA' 13 [in] etlicher M 14 grosm gtmalt* Initial»
-UX 17 menschen fehlt M 18 ingeaigeU SP enphhik M 19 [waz}
'"i' L I, ist gezogen M
10 In AKSWB'b ein Bild: äie ewige Wdahtit halt den Binntr, stine
Si^tithc Toekttr and andere Verehrer des Namens Jesu unter ihrem Schalt-
I •'«nlil ,Abb. lü nach K BI. mn. — Hier tndtt der ersähltmle Teil dtr Vita
^ft». Die folgenden 8 Kapitel enthalten theoritieche Unttrweiaungen über die
I ^ktttn h'ragen der Myetik (die aller überBWCiikaten materien, Prolog des
£*mplarM5,J3f.). 14 V Mos. 32,11. 17 Vgl. Alberl. M.. Dt adhatr.
ikee.ä: Forma attimae Dcus tst, cui debtt imprimi, sicut cera sigiüo et sig-
Vtttm gigno aignatur. Ähnlich dera, im Prol. summne theologiat, Opp. ed.
Sirgntt XXXI, 2 und David von Augsburg, Dt ej-ieriorie ei interioris hominis
wmposilione III, 63 n. 8 (ed. (Juaracchi 1899, 346). IB f. Vgl. das Kap. :
•Christus unser Vorbild" bei Deitijle, iJus geistliehe Leben '1880, 143 ff. and
Bita Kap. 1.
156 Lebeo Seuses. Kap. XLVI.
Fro tohter, es wen nn wol zit, daz da fürbaz in ein
giengist, und dich usb dem neBt bütlichs trostes eins aiiralieDdi
menscbeii uf erlupftist. Tfi als ein junger zitiger adler, da mite di
du die wolgewahaen vetchen, ich meine diner sele oliresten krefte
erswingest in die li6hi dez schöwiichen adels eins seligen Tolkoma
lebens. Waist du nit, daz Gristas spracb zj\ sinen jangeru, die
siner biltlicber gegen wurtikeit ze vast kicptan: „es ist iich funiffl
lieh, daz icli von üch var, sond ir dez geistes enpfenklich werden"!
Din vordren Übungen sind gewesen ein gütü bereitunge, fürbaz
komen dur die wüsti eins viblicben unbekanten lebens, hin in i
geheissen land eins lutren i-uwigen herzen, in dem hie selikeit
vahot und an enr weit cweklicl] blibet. Und daz dir der höh Te^
nönftiger weg dest bekanter sie, so wil ich dir vor lübten mit lieil
lieble eins gilten underschcides, wenn du den underschetd wol h
grifi'Bt, daz dn mit nihtü mäht verierren, wie hob du iemer mildf
sinnen fiügest. Nu merk eben:
Man vindet zwaierlay wisen under gütacbinenden nienscfaed
etlichu fürent ein vemfinftig wise und etlichfi ein unvernünftig. W
ersten, daz sind du menschen, du ir Vernunft dar na rihteud, <i
alles ir verstau und ir thu und ir lau wirt us gewürket mit relil
bescheidenbeit nah meiuung der heiligen crisfenhait, nach gotes lol
«nd aller andren menschen riiwigen l'ridc, mit besorgungc ire ivorl
und wisen, daz menlicb dar inne irhalb unstSssig belibet, er lu
es denn von sin selbes gebreslUchen giunde , als dik beschihl
S5lichen behftten wandel und selklicb wisen ze fürene bewiset <H
natnr und der nam [85'] der vernünftekeit. Und dis ist ein pot
ffirmigü Inblicbä Vernunft, wan si wideriübtet in ir selb mit togft
lieber warheit, als der himel tflt in sinem liebtrichen gestirne. Abs
du gfttscbinenden menschen, du ein nnvernünftig wise furenl, ^
sind du, du nf ir selbs bilde zilent mit einer unerbrüchenr nntnrt
und allein mit ir Vernunft na echftwlicher wise dii ding scharpfli«^
an sehent, und dur von übermüteklich vor unwüesenden menscbfl!
kunnen reden in einr verahtunge alles des, daz dar nf mAhti ^
Valien missrallendea mit rede oder mit geteten. Der selben *'(*
7 [ze] vast M 8 ücli] hionan S 12 eiiwelt A lH Yor lOhLl
inhten M 17 wis M 23 lieUlie ASP 24 gehreBteiilir-h M 36 «I
lichj solklifh P sSüclie S bewisent Jlf 2!) Tomiinftig M SO «I
fehU M 34 f. ffirnfliiftJgs M
7f. Joh. iii.T. yfft. data die Prtdiijt Senats: Itemni idinqun munrl
Leben Seuaea. Kitp. XL VI.
157
iges liebt ist us brechende und nnt in brechende als daz fnl holtz,
nahte« scbtnet etwaz, und tet doch niit. Also bewiset sich
menschen iüies lieht und ueser wandcl überal dem ungelich,
es glich sölti jehen.
l Disü menscben hruft man etwi vil an ire frien lind nnbesorgeten
^chen, die bü fürent; und dero nemeu wir allein einen sprnchf
Mem man die andren alle mag schezzen. Es ist von Ire eim ge-
•chen in einem gediht also: „dem gerebten ist einkein mitel ze
ttben." Dise Spruch und dero glich Bchinent etwas in etlieheu
Pgesehenden menseben, sü sind aber den wol geseheuden niit ze
fcne, die da wol verstand, waz sü inue tragent. Und daz merkt
p eigenlicb in dem vordren Bpmcb, der da seit, daz dem gerebten
In mitel sie ze mtden. Waz ist uu der gereht, ald waz ist daz
hl? Der gerebt, nah gemeiner bethtug der rede, daz ist ein ge-
ller mensch, genomcn nah sincr geschafenheit; wan gereht bestat
k nf im selben, es mttss naiswaz understandes haben, und daz ist
t'der gerebt mensch. Waz ist denn mitel? Daz ist sünde, daz
I menschen schaidet von got. Sei nu ein gerehter mensch kein
p, daz ist kein sünd miden noh schuhen? Daz ist luter falsch
I wider alle vernunftlkeit. Wol ist daz war, daz der gereht
nch, als vil er und ellü ding nah ire ewigen ungewordenheit in
Biberweslichcn gotes vernuuftkeit daz selb sind in keiner förm-
mr anderbeit, so m^hti man im etwi getfln. Aber da in dem
ptltigen überweslichen gründe ist der gereht mensch mit der lip-
mensch, wan es ist kein liplichkelt in der gothcit; [85^] da
ecb enkein mitel. Aber ein ieklicher mensch bevindet, daz er
ald der mensch ist nesrent dem selben gründe, wan er ist hie
mlicb und dftrt nit; und da ist er iez in siuer gebresthaftigen
1 not] mil K 2 ist frhll M 9 aprücii PJ/
^in mitd schlichen, daz i. k. s. miden [noh si^liüheii]
i imdcrHcheilz S
24 über Wesen-
I
8 ,.Dem VoükammeHtn schadtt keine Sünde mehr," int ein Satg, der
In' ctrschiedenen panthtitthch-qmetUtiechen Sekltn dt» Mülelalitrs, he».
Uli hetttrüchen Bei/harden vnd Brüdern de» freien Get'eles ßndet ; vgl.
I, 4H1 ff. (Nr. 15, 31, ä4 t*. *. wj Wmtere Belege bei Denifie, Iter Gottat-
im tiberiand, SepMjdr. aus HisL-pal. Bl. 76 (1875 I), 36J\
r. Alle Dinge »ind der Idee nach in Gott, und dort nicht toetintUck
timmder noch vom Wesen Ootte» unterschieden. Weiteres liber die scho-
tehe Ideenithre in Kap. 3 de» Bdw: vgl Denifle 328, 517 f. 27 Äuam-
'Sotlesg runde ; attsföbriieher dariiber in Kap. 6 des Bdw.
158 Leben Seoses. Kap. XLVn.
^eschafenheit, da er wol bedarf ellü schedlichfr mitel ze miden.
Wölti ich DU in miner vernünftekeit ze nihtü werden and nmb mich
selb in diser wise niht wüssen, und wölti ane allen nnderscheid min
und gotes ellü liplichü werk würken, als ob es daz nngeschafen
wesen wurkti^ daz weri gebrest ob allen gebresten. i
Und alsus mag man merken, daz sölich sprüch kein reht Ter-
•nünftigkeit inne habent in der warheit. Hie mite meinet man oit
^b sprechen vernünftig lere ald vernünftig wolbesorget spräche ald
gdiht, die den menschen entgrobent und in ze vernünftiger warheit
ordenlich wisent, ob sü joch uüt menlich verstat; wan daz ist kont- j
lieh war^ daz grober blintheit und unverwissner vihlichkeit enkan
«ieman gnü eben gereden.
Du tohter sprach: „gelopt sie got dez guten underscheidefl!
Ich horti gern underscheid zwischen einer rehten vernnnft und eiser
üoierenden vernünftkeit, und enzwischen falscher und warer ge*!
lassenheit^
Der diener sprach:
XLVII. Kapitel.
Underscheid enzwischen ordenlicher und floierender
yerndnftikeit.
Na den ersten striten, die da geschehent mit dem untertrok
:fleisches und blütes, so kunt der mensch zA einem tiefen wage, di^
menger mensch inne versinket, und daz ist ein floierendü vemünflö* :
keit. Waz ist nu daz gesprochen? Ich heiss daz ein floierend veK
Tiünftekeit, so dem menschen gerumet wirt von süntlicher grobhei^'
und gelSset wird von haftenden bilden und sich frilich uf erswingfl^
über zit und über stat, da der mensch vor entfriet waz, daz er sinett
natürlichen adels nit konde gebruchen ; so sich denne daz vemü
oge beginnet uf tön, und der mensch geliket eins andren b
lustes, der da lit an bekennen der warheit, an bmchene götli
selikeit, an dem inblik in daz gegenwärtig nn der ewikeit und deil
glich, und du geschafen vernünftekeit beginnet die [86'] ewigen vm^
geworden vernünftekeit enteil verstau in im selben und in alki^
3 wise] weit M 11 un^nssener S 14 ich — underscheid fMt
15 florierenden SKMA'^a 19 f. ÜberschHft fehlt P 19.23 florierendü KMJ^
24 Waz ist — fl. (florierende KA^a) vern. fehlt ASP 25 von innan ger. Ww
32 beginnet — 33 vemunft. fehlt A^ 38 enteil fehlt M
Leben Seusea, Kap. XI.VII. 159
BO bescbiht dem mensclien neiswi wundeilich, so er sieb
[ler dez ersten ao siht, waz er vor waz und waz er du ist, und
»indet, daz er vor waz als ein armer gotloser dürl'tig:, der zemnl
Wind waz und im got veri- waz. Aber nu so dankt in, daz er vol
^tes sie und daz mit sie, dnz got nit sie, mer daz got und ellii
ding ein einig ein sien: und kripfet die saclien ze geswintlicb in
einer nnzitigen wise, er wirt in sinem gemüte floierende als ein uf
lesender most. der noh nit zu im selben ist komen, und vallet uf
daz, daz er denn verstat, ald ime ane underscheid fiir geworfen ist
von ieiuan, der daz selb ist, dem er denne allein hat ze losene und
keinem andern, und nil denn nah sinen wolgevallenden sinnen lassen
gcnerden ellü ding, und enpfallent im du ding, es sie helle ald
himelricfa, töfel ald engel, in ire eigenr natur genomen, <och Criati
gellten menschheit verahtend si>, wan sü nüwan got dar inne ge-
kripfet bein, und die sacken sind iu noh nit ze gi'unde worden ze
erkennen nah nuderscheide. nah ire belipnuss und nah ire Vergangen-
heit. Dien menschen besehiht als den biulin, die daz hong machent:
80 die zitig werdent nnd dez ersten us stürment usser den körben,
so fliegent sü in verierter wise bin und her und enwissen nit war;
etlichü missHiegent und werdent verlorn, aber etlichü werdent orden-
lioh wider in gesezzet. Also geschibt disen menschen: wan sü mit
nn^aster Vernunft got schowent al in al nah ire unvolkomenr Ver-
nunft, so wen so dis und daz lassen vallen, sü enwässen wie. Daz
ist wol war. es mflss alles ab, dem relit sol geschehen; sü verstand
aber noh nit, wie der abval sol gestellet sin, und wen ungelimpflich
die nnd daz lassen und sich nnd ellü ding got nemen, und wen dar
m würken ane underscheid. Und dise gebrest knnt eintweder von
S Iwax er! mi M i umi — waz fthlt SP 5 wer - 6 sien fehlt M
■ig] ewiges £ 7 f. of ierender M 8 koitien ist MA' 11 sinen] siueui A
«I denne nUp die ding P 13 och — 14 verahtend 8i M, fehlt ASPKÄ'tifS^ U
Mwui] 011 S 15 noh oit in ^ iu öch null nit P 17 bygliu S jmlin K
(«nd] ä enw. M
10 d&z i^elb d, h. sinnlich and aufgeblaten. Sease spielt auf das „sich «V'ieni
Orunde lainen" an, mit es bei den häretiachai Gottesfreiindm (t. B. bri
Basel, vgl. Dettifie, Der Goittsfreiind im Oberland 35 ff.) vorkam.
Vntmteerfung unter die Leitung eines andern (auch Laien) findet sieh aber
ler Weist auch bei kireklichen Goltegfrtanden, vgl. Venifle a. a. 0. 51 ff.
I3f. Die Meinung, der Gedankt ön das Leiden Christi sei ein Hindernis
pmur Btschauung, ist ein Irrtum der Begharden, den das Kotizü von
(1311IW verurteilte (Eefelt, KontiUeageseh. VI', 544).
J
160 Leben Seuses. Kap. XLVIII.
ungelerter einvaltekeit ald aber von unerstorbenr ablistekeit. B
wenet menger mensch, er hab es alles ergrifen, so er im selb h;
mag US gan und sich mag gelassen; und daz ist nit also, wan e
ist erst geschlichen über die vorgraben der unersturmter vesti, binde;
den schirm, hinder den sich der mensch togenlich birget und nol
nit kan under gan nah sines geistenriches wesens ordenlichen [86^^
entwordenheit in ein war armüt, der da enpfellet in etlicher wise
aller fr6mder gegenwurf und du ie wesendu einvaltigü gotheit ir
selb entwürt mit dez menschen unverwerten müssikeit, als hie na
mit gutem underscheid wirt bewiset.
Lag, dis ist der punct, in dem etlichu menschen verborgenlich
meng jar hangent, daz sii weder us noh in kunnen komen. Aber dir
sol von mir mit underscheid geweget sin, daz du nit kanst verierren.
XLVIII. Kapitel.
Guter underscheid under warer und falscher gelassenheit
Es ist ze wussen, daz man vindet drierley Vergangenheit. Do
ein ist ein ganzii Vergangenheit, als so ein ding in im selb vergat,
daz sin nüt me ist, als der schat vergat und ze nihtü wirt Und
alsus vergat nit dez menschen geist in siner usvart, den geist wir
ein vernünftig sele nemmen; si blibet eweklich von irem vernünf-
tigen adel ire gotförmigen kreften, wan got ist ein überweslichü Ver-
nunft, na dem si vernünfklich gebildet ist. Und dar umbe so isteß
unmuglich, daz si also ze nihtü werd, als der t5demlich lip tut, so
er ze nihtü wirt.
Ein endrü Vergangenheit heisset ein helbü Vergangenheit, du
ir eigen stund und zit wil haben, als den menschen beschiht, di
in die blossen gotheit na schowlicher Avise werdent verzuket, ab
Paulus, ald joch ane daz, so ein mensch in entbildeter wise dik
entwürket wirt und im selb vergat. Dis ist aber unbliplich. H^
Paulus her wider kam, do vand er sich den selben Paulus, einen
menschen als ie von erst.
1 uuerstorbem K 6 gaistriches M ^eistlichens P 8 fromdea A
9 antwiirten M nit wurt (!) i' 15 under] und M 16 Du — 17 vergang./eWt^
Dil — 19 vergat fehlt A^ 19 den] dem M 20 nennent P nemet S 28 «li
Jochime (= Johannes!) S ainbildeter K 29 wirt] wir M unbeliplich *
9 f. iJie Erklär uny folgt besonder.^ in Kap, 52, 19 usvart au$ d0
Leibe, d,h, bdm Tod, 28 // Kor. 12,2 ff.
Leben Seuses. Kap. XLVm. 161
So heisset eins ein entlenlu Vergangenheit, da der menscb mit
nem ufgebene eines frien willens sieb got lasset in einem ieklicben
I, da er sieh vindet, als er nmb sich selb nut wüsse und got allein
T herr sie. Und disu Vergangenheit mag nit wol ganz bliben, die
il Hb nnd sei bi einander sind; wan so der mensch sich selb iez
t gelassen und wenet sin vergangen in gote nah des sinsheit, sich
Iber niemer her wider ze nemene, geswind in einem ogenblik so
er und sin scbalk ber wider komen uf sich selben, und ist der
Ib, der er och vor waz, und hat sich aber und aber ze lassen.
^r nn uss diser kranken gelassenheit wölti würken, daz wer! luter
kb. Wol ist daz war: als vil sich der mensch entfr6mdet im
Iben und wirt ingenomen in die Vergangenheit, als vil bestat er
rehter warheit.
Furbaz ist ze [87'] wissen, daz man vindet zweierley gelassen-
it: einu heisset du vorgendü gelassenheit, du ander heisset du ^
gend gelassenheit. Und des nim war in einer bischaft. Ein diep
t ein heischen in ime von der bosheit siner natur, daz er stele.
i wider sprichet sin beschaidenheit: du solt es nit tun, es ist ge-
J8t. Giengi nu der diep im selber us und liessi sich der be-
laidenbeity daz weri du vorgend und du edelst gelassenheit, wan
blibi in siner unschulde. Aber so er sich hier inne nit wil lassen
i wil siner bossheit gnög sin, dar na, so er wirt gevangen und
t, daz er mfiss erhangen werden, so kunt du nagende gelassen-
t. daz er sich in den tod gedulteklich git, wan es anders nit
g sin. Du gelassenheit ist och gut und machet in selig, du vorder
z aber ungelich edelr und besser.
Hier nmbe ist es nit ze wagene und sich in die gebresten ze
sene, als etlichü torohtü menschen sprechent, daz man dur alle
)re8ten müss waten, der zft volkomenr gelassenheit wil komen.
z ist falsch, wan der ist ein tore, der sich mötwilleklich in ein
»über lachen wirfet, dar umb daz er dur na dest schöner werde.
r umb so hein die aller frumsten gotesfründ daz inne, daz sü
1 entlechneti K 2 f. in [eiiu-mj ieglichoin nu A" 4 blibot (!) M
ntfromendet 3/ 17 blosheit S bolbeit P qv fehlt M stelle A 21 [or]
i M bier uinme AK darumb a 25 f. aber du vorder w. [aber] SM
m Bande Thomas AA\ im Kontext K 31 lachen] wa.^.ser S
4 fF. V(/l. Stuses Predigt Itenim rdiiiquo. 28 1". Vgl. die heyhardi-
'i Sätze heiPregtr I, 461 ff. (Nr. :J1, öö, öO, lOU, V^l) und Ihfek a. a. O.
0 Das Zitat aas Thomas nicht nachiceii<bar,
. Sense, Deatiche Schriften. 11
162 Leben Seuses. Kap. XL\in.
sich gern ze grund Hessin und in der vorgenden gelassenheit sfe/
belibiu aue alles wider nemen, als vil es menscblichu krankheit er-
zögen mag; und so daz nit geschiht, daz ist ir klag. Wol hein sn
eins vor andren raenscben, daz sü sieb gericbtklicber kunncn von
dem mitel entscblaben, wan in der selben klag entspringet ein nagendn
gelassenheit, du den menschen geswind wider in sezzet; und daz
ist, da sich der mensch noh menschen vindet und sich also got ze
lob lidet. Und disü nagendü gelassenheit wirt och etwen nüzz von
ir selbs erkantheit; und hie verswindet du klag als klag, und ge-
birt sich ainvalteklicb wider in daz selb und wirt daz selb, als ie ]
von erst.
Weri nu, daz kein s&licher unganzer mensch im selb och hier
inne wölti düplich behelfen und sprechi also: „da sich der mensch
wider nimet nah dem züval und da mit etwas gebresten übet nah
dem ussern, waz kan im daz geschaden, eht du wesentheit dezl
menschen glich stat ane alles wider nemen?*" — da sprich ich, daz
der sich selb nit verstat und nüt waiss, waz er [87^] sait; und dez
hein alle wolgelert meister ein wüssen, ob eht sü kunnen verstau,
was der nam züval ist. Wan daz heisset zftval, daz der under-
standen Wesenheit zft und ab vellet ane des understandes zerstimng, 9
als du varw tut an dem brete. Also ist es nit hie, wan lib und
sei, daz sü von ire unwüssentheit heissent zftval, sind zwai weslichü
stuke, du dem menschen wesen gebent und im nüt in zftvallicher
wise bi sint. Dar umbe hat ein ieklicher mensch, wie nah er iemer
verstat sich selber ze lassen und wider ze nemen, indem er tagend Ä
und gebresten mage üben ; wan dez geistes vernihtkeit, sin vergaogen-
heit in die ainvaltigen gotheit und aller adel und volkomenheit ist
ze nemene nüt na Verwandlung sin selbes geschafenheit in daz, also
daz daz selb, daz er ist, got sie, und es der mensch von siner grob-
heit nit erkenne, ald daz er got werde und in sin selbs wesentheit 9
ze nihtü werd, mer es lit an der entgangung und verahtunge sin
2 nerameu M 5 entpsprin^et Ä entsprichet A^ 7 mensch fehU M
9 als klai,^ fehlt P 15 ob eht M 17 sich der selb PM 19 am Randt
Aristütiles A4*, im Kontext K 2'6 nüt in züv.] mit unzuv. A^ 25 wider
zc gebent uement (!) M
19 flf. Aristotelea^ Lehre über dt-n y^Zufall^ (accidens, oujißgßr^xög, y.HiM^
kommendes'*) findet sich an mihreren Orten in seinen Schriften: vgl. IndtiS
Arist, 740 a 20ff. Obige Definition gehört eigentlich Porphyrius an (DeniM
237 A. J). Vgl. Bdw Kap. 4. 24 Zu hat ergänze ctwaz.
Leben Senses. Kap. IL. 163
selbs na angeblikter wise. Und alsus in der entnomenheit verget
»eh der geist ordenlicb^ und im ist erst hie reht beschehen, wan
m ist got ellü ding worden, und ellü ding sind im hie neiswi got
Forden; wan im entwürtend ellu ding in der wise, als su sind in
:ote, und blibet doch ein ieklich ding, daz es ist in siner natur-
icher wesentheit, daz ein unverstandnü blintheit ald ein ungeüptA
ernanftikeit nah disem waren underscheid nit kan oder nit wil in
re wüstes gemerk lassen komen.
Von disem gftten anderscheide mäht du nu furbaz merken die
aagenden vernünftig Sprüche und lere, die den menschen entwisent
von giner grobheit und in wisent zu siner höbsten selikeit.
IL. KapiteL
Ein Temdnftlges Inleiten dez nssren menschen zu siner
Inrekeit.
Hab einen ingetanen wandel und bis nüt usbrüchig weder an
Worten noh an wandel.
Tft der warheit gnüg ainvalteklich, und swas dar zft vellet,
*la bis dir selben inne unbehulfen, wan swer im selb ze vil behilfet,
^Jem wirt von der warheit nit behulfen.
So du bist bi den menschen, so lass vallen ellü ding, du du
»ihst oder hörst, und halte dich allein zu dem, daz sich dir er-
zöget hat.
Flizz dich, daz din Vernunft in dinen [69 ""J werken hab dez
ersten iren fürbruch, wan swa der sinnelich fürschuz ze schnei ist,
^nan kumet alles übel.
Wan sol den lust nüt nemen nah den sinnen, wan sol in nemen
nah der warheit.
Got wil uns nit beroben lustes, er wil uns nah allichkeit
lost geben.
' In dem kreftigosten underwurf ist du höhst erstanduug.
10 den] dem A 13 f. in sin inrekeit 31 16 f. an w. noh fehlt K
18 gehilfet M 19 geholfen M 20 dem m. M 24 sinnel.] sumclich A'
1 flf. „In der höchsten Vereinigung mit Gott geht der Blick des Geistes ganz
a«/ Gott über. Er weiss, weil ohne Reflexion und DiskurSj von sicJi seihst
'/etcissermassen nichts, nur von Gottr Denifl^: :^3S A. L
164 Lebeu Seuses. Kap. IL.
Wer dem inuigosten wil sin, der mftss sich aller meBigval%-
keit entschüten; wan möss sich sezzen in ein verrfichea uf alle^
daz, daz daz einig nit ist.
Wa du natar wurket uss des sinsheit, da ist erbet, liden uod
bedekunge der Vernunft. i
Wenn ich mich vinde daz ein, daz ich sin sol, und daz al,
daz ich sin sol, waz ist grösser lustes?
Ein mensch sol in siner unbiltlichkeit und in siner unenthalt-
lichkeit stan, dar inne lit der maist lust.
Waz ist eins wolgelassen menschen übunge? Daz isteiuM
entwerden.
Swa man minnet in bild ald person, da minnet züval zäval;
dem ist unreht. Doch so liddi ich mich dar inne, unz es abvieli.
Es ist neiswas von innen einvaltigs, und da minnet der mensch nut
gegenwürtikeit dez bildes, mer, da der mensch und er selbs nndB
ellu ding eins sind, und daz ist got.
Der sich selben liessi an begirlichen usbrüchen der sinneD,
daz weri ein undergang sin selbes; sus ist es ein behelfen der sinnen.
Hab ein inliden in liep und in laid, wan ein inlidender mensch
nimet me zu in einem jare denn ein usbrechender in drin. ^
Wilt du allen creaturen nüzz sin, so ker dich von allen creatnren.
Ein mensch mag die Bachen nit begrifen : sie müssig, so be-
griflfent in die Sachen.
Fliz dich, daz kein usbruch beschehe, der dem bilde ungelicb sie.
Ein mensch sol war nemen der neigunge, du sich ze allen i
dingen bietend ist in behelfwise wider der ainvaltigeu warheit.
Wilt du dich nit liden in einvaltekeit, du wirst dich lidende
in menigvaltekeit.
Leb, als kein creatur me uf ertrich sie denn du. Sprich: „J
2 verrächten M 12 in minnet bild (!) M 14 nüt] mit PA* 29 me)
nie K
14 Ett ist hier (vgl 16U,2S) der „Seelengrund^, das „lichte If^ünklm der
Seelc^ (apex meiUis, abditum meniis, iniitnum ei sumwum mentis^ sciniiÜa animat)
gemeint, von dem hei den Mystikern so käufig die Rede ist (vgl. Eckhart ll^i
33 jr. und Denifle in Hist.'pol. Bl. 75, 765 und Archiv II, 575), Beßeichnun^
die auf Pseadodionys und weiterhin die Neuplatoniker zurückgehen. Vgl, aiK^
Grabmann, Die Lehre des h. Thomas von der scintilla animae in ihrer Bf
deuiung )ür die deutsche Mystik im Predigerorden, Jahrbuch f, Fhüos. u, spekd-
Theol liK,o, 413—27: Preger II, 212 J/ 19 inliden = Gelassensem.
20 Sprich zu der Knalur.
Leben Seuses. Kap. IL. 1()5
I mir bist, also mag ich dir nit sin". Natur miunet natur und
'inet sich selben.
Etlicher menschen natur ist ze ungebrochen und der usser
!DSch hie ussnan bliben.
Ein vermugen sich uf ze enthalten git einem menschen nie
mngens, denn du din»: haben.
Ein Unordnung bringet die andren.
Lftg, daz d6 natur sie ungeladen und [69""] der usser mensch
förmig mit dem inren.
Xim dez inren menschen war, dar an lit usser leben und inr leben.
Der nehsten gelassenheit höret zä, daz man alle zit die natur
einem zom habe.
Ein mensch sol sich alle zit gegenwurtklich halten, daz sich dii
tur nit verlofe.
Du klagest, daz du noh siest ze wurklich und ungelassen und
lidig: doch nit verzwifel: ie neher ie besser.
Ein Wurzel aller nntngent und ein bedeken aller warheit ist
rganklichü minne.
Der sinnen undergang ist der warheit ufgang.
Swenn die kreft entwürket werdent und du dement gelütert,
s kreft stand neiswi als in irem ewigen sinne, wan sü sich dar
it irem vermugen gerichtet hein. Alle kreft hein ein sin und ein
irk, daz ist: der ewigen warheit gnftg ze sine.
Es ist nut lustlich, denn daz einförmig ist dem innigosten
unde götlicher nature.
Wan vindet etlichü menschen^ du hein ein nahrftren gehabt
\i dem nit gevolget; ire inrestes und ir ussrestes sind verr von
nander, und hier inne gebristet vil menschen.
Du natur stat iez in richlicher wise; ie me usgegangen, ie
'irer, und ingegangen, ie neher.
Swer zu siner richheit ist Icomen, der würket ellü sinnelichü
H dest baz.
15 [daz] du siest noch M 17 würzelin aller tiitrcMit (!) 3/ 20 gelürt A'
l sinnen P sin « sine ÄKÄ^ sinde S 21 f. dar [mit] M 2:3 daz] als 3/
' der e. w. M 24 lustlichs M daz fehlt K 20 iiaclinnTii M
0 Dan Vermögeti sich über den Dingen zu halten d. h. iihtr ,sie erhaben
mn (Denifle 241 A 6). 29 Wohl = die Natur int j:tzt (d. h. infolgt
'Erbsünde) ungeordnet und tippig- Denifle L^4:J A.fi: sie unterliegt nnserm
llen, so dass wir über sie gebieten können.
166 Leben Seuses. Kap. IL.
Swer die natur, die wil si ist in luterkait, inbegrifet der wa.
heit; so wirt si gerihtet, daz si dest besser usribtunge git in nsse
keit; anders verget si in die zit und enkan keinem ding reht a
rihtung geben.
Luterkeit und verstentnus und tugent machent rieh in der natu
und in dero underzukung geschibt etwen, daz du menschen entwerde
vor allen creaturen, und da es wol geratet^ werdent neher in gewiss
Waz ist daz, daz den menseben jaget arg wisen zu sftchei
Daz ist gesücbd einer gnugde ; die vindet man allain in dem lassen
mit in den argen wisen.
Dar umb etlicbü menseben als dik in gebrestlicb betrübt vallei
daz kunt da von, daz sü ir selbs in nahlicher wise nit alle zit w^
uement, uf ein ieglicb puntlin sich ze hüten vor straflieben dingei
Siglos werden ist gotes fründen ban gewunnen.
Blib in dir selb ; ursach ander dingen zöget sich als ein notorft
es ist aber ein bebelfen.
Daz ist b5s, vil sacben anvahen und kein enden. [70'] Mai
sol vast haben, unz man merk, ob got oder natur.
Fliz dich, daz du natur usser irem eigen gründe würke ir werk
suuder ursach.
Ein rebt gelassenr mensch sol sich vier ding flizen : I. Er sol
sin gar sitig au dem wandel, daz du ding sunder in uss im fliesseo.
II. Sitig und rftwig in den sinnen, nüt bin und her woldenieren —
wan daz ist gar inzügig der bilden — , so wurdi den inren sinnen
ein müssiges spacieren. III. Nüt anbaftig sin; er sol war nemen,
daz nüt vermischetes da sie. IV. Nit wortwege, sunder lieplicM
zfi dien haben, dur die in got wil ab würken.
Hab ein vestes bliben in dir selb, unz daz du uss dir selb
sunder dich selb gewürket werdest.
Nim war, ob göter lüten beinlichi gange uss gunst ald ^
elnvaltekeit; des ersten ist ze vil.
Erbütt dich nieman ze vil : da aller maist erbietens ist, da ist
6 dero] der J/ 7 da] daz M 8 wis M 9 gesfich M Vi ^1
in .1/ 13 uf eins ieklichen piinüiii ASP 19 gründe] gut M 21 ff- ^
erst, (las ander, das dritt, das vierd K, I II fehlt M 21 f. er sol och sin [g^
s. .V 23 wolderun S wol demeren P woldeniieren 3/ 26 venniscbi ^
li('l»lichen A' licplich M 32 erbütt — vil fehlt Ä"^
G f. (relasfienhcit in dir inntren Verlasutnhiit und Diint bringt u*^
irtiter in der Voükommenlteit.
Leben Seiises. Kap. IL. 167
etwen aller minst gevelles; dir gezimt ein ingetane demütige wandel.
Swenn eins wider sin wesen tut, daz gezimt ime niemer woL
Selig ist der mensch, der nut vil wisen noch Worten füret;
ie me wisen und werten, ie me zftvellen.
5 Hab dich inne und erzog dich dem nut glich, anders du wirst
lideDde.
Etlichä menschen w&rkent ns enpfindene in wol und in we;
aber wan sol sich dar inne n&t an sehen.
In dem undergang werdent eliü ding volbracht. Do Cristus
rio gesprach: In manus tuas, zehand dowazes: Consummatum est.
[ 6ot und der tüfel sind in dem menschen; der sich selb wil
r füren ald sich selb wil lassen, der vindet den underschaid.
Swele mensch wAlti alle zit rAwe haben, der behübi sich selb
dar inne als wol als in andren dingen,
fclß Swem inrkait wirt in usserkait, dem wirt inrkait inrlicher,
denn dem inrkait wirt in inrkeit.
Daz ist gAt, daz sich der mensch in kainer sach füre, und
dem ist reht, dem d& ding der bilden entwürtend in dem obren.
Es ist vil me vernünftiger menschen denne einvaltiger. Du
ffthaissent vernünftig, da du vemunft rengniert; aber der ainvaltekeit
voD ire müssigkait enpfellet menigvaltikait der dingen nah dez sins-
beit genomen, und hat denn nüt soliches schowens; wan einvalte-
keit ist neiswi sin wesen worden, und er ist ein gezöw [70^] und
ein kind.
^ß Swer wil, daz im ellü ding sien, der sol im selb und allen
dingen nichtesnit werden.
Eya, wie selig der mensch ist, der stet belibet vor manig-
valtikait! Waz enpfindet der hainliches inganges!
Gütü meinung vermitelt dik wäre einiinge.
^^ Daz oge sol nüt usseliens han, es hab denn ein ustragen der
bilden.
1 getan M 5 ndt fehlt M 15 iiuiicli .1/ 20 trirminfti'x .1/ 2:3 er]
«lü A\ fthlt P gezüge A^ 20 maniin^^ P
3 wise, entsprechend dem Tanhrschen iif;<az = sich sdbst vorgesetzte
Handlungen (Denifle ^45 A. 4 und Bvga XX VIII). 5 nüt bei den Mij-
j'fi&ent häufig = Grund, Wesen Gottts. Sense handelt darüber im Bdw Kap. I
undfJ, vgL auch Kap, o'J der Vita. 10 Luh. :j3JfJ: Job. W.SO, 18 In
dem oberen^ höheren Teile des Menschen. 23 f. FAn Werkzeug und Kind
Gottes; vgl. Echhatt 4o:i, 32; o'Jß, ;J f.
168 Leben Seuses. Kap. IL.
Der teil, der von Adam ist, den sol man als gern liden, als
den, mit dem wir selig sien.
Ein gelassener mensch bildet enkein ungeluk in sich.
Daz der mensch noh klaget und leidig ist, daz knnt alles von
gebiesten; wan mfis es uss triben.
Alle, die unreht friheit fürent, die zilent uf ir selbes bilde.
Einer gerehten unledikeit ledig wellen stan ist du ungewerlichost
ledikeit, die man mag han.
Ein gelassener mensch mftss entbildet werden von der creatur,
gebildet werden mit Cristo, und überbildet in der gotheit. i
Swer sich selben in Cristo nemend ist, der lat allen dingen
ir Ordnung.
Swenn ein mensch ein mensch ist worden in Cristo und ent-
worden im selber, dem ist reht.
So sich ein mensch mit einem inker zfi der warheit wil fftgen, IJ
so liihtet im in du entgangenheit sin selbs und merket, daz creatar
noch in im ist, du den vonzug enpfie. Hier inue lidet er sich selben
und merket, daz er noh mit entwurkt ist. Sich also liden, ist iez
ainvaltig werden. Du entgangunge gebirt ein müdi, in dem vonker
vellet es abe. 28
Waz ist eins reht gelassen menschen gegenwnrf in allen dingen ?
Daz ist ein entsinken im selb, und mit ime entsinkend im ellü ding.
Waz ist daz minst mitel? Daz ist ein gedank. Waz izt daz
maist mitel? Daz ist, da du sele in ire namhafti ires eigens
willen belibet. Si
Einem gelassen menschen sol enkain stiindli vergan unangesehen.
Ein gelassener mensch sol mit alle zit Iftgent sin, wes er be-
dürfe, er sol lügend sin, wes er enbern muge.
So sich ein gelassenr mensch fügen wil zfi der warheit, so
sol er sich flizzen, daz er nem einen inbruch der sinnen, wan got Ä
3 bildet fehlt A^ enbildet S unj^elCik] unglich M 5 gebrestem
7—8 fe/ill M 8 man] ein mensch A^ 9 von — 10 überb. felüt K 15 ffd
der w. wil] tTigett J/ 16 im [in] M 24 manhafti 3/
1 f. Damit ist jeder urif/esunde Spin'tuah'sfnus abgelehnt, 9 f. Karti
und tnßende Zusammenfassung des mystischen Weges (via purgaUva^ iUumi'
nativa, unitica), wie er seit Pseudodiongs gewöhnlich gelehrt wird (vgl, H. Koch^
Pseudodiongsius 1900, 174 ff,), 15 flf. Erklär utig s, Denifle 246 Ä. i.
30 ff. Ucr Abschnitt kehrt in Kap. 7 des Bdir etwas abgeändert wieder.
Vgl. Joh. 4,i^4.
Lebeu Seuses. Kap. IL. 169
ist ein geist. IL War nemen, ob er sich iene vermittelt habe,
III. ob er sich selben iene [71'] für in keinem fürgrif dez sinsheit.
IV. Und 8ül denn in dem lieht merken die gegenwürtikeit dez
allichen götlichen wesens in ime, und daz er dez selben allein ist
ein gezöw.
Als vil sich der mensch keret von im selb und von allen
geschafnen dingen, als vil wirt er geainiget und geseligot.
Wilt du ein gelassenr mensch sin, so fliz dich, wie dir got ist
mit im selb ald mit sinen creaturen in lieb ald in laid, daz du alle
zit standest glich in einem usgene des dinen.
Hab ein beschliessen der sinnen vor allen gegenwärtigen forman.
Bis lidig alles dez, daz du uslügendü beschaidenhait us erwellet,
daz den willen beheftet und der hügnust woUust in trait.
Blib uf niht, daz got nüt ist.
) Swenn du bist da, da iemen gebresten übet ald unglichheit,
80 gib dez dinen nit dur zu und hab och nit dur zu.
Der bi im selben alle zit wonet, der gewännet gar ein riches
Termügen.
Eins gelassen menschen ergezzung in der natur sol sin ein
beschnitnü noturft in unvermisten werken, du in tragen einen lidigen
vonker.
So vil der mensch minr und me gelassen ist, so vil wirt er
minr und me betrübet von den hinziehenden dingen. Und alsus
geschah einem halbgelassen menschen: do er in der empfindung* im
selb ze nahe lag, do ward gesprochen also: ^du soltist min als flissig
sin und din selbs als unehtig, wenne du waist, daz mir wol ist, daz
dich enrüchti, wie es dir giengi".
Ein gelassenr mensch, so sich der in inburgheit sezzet mit
iDgefürten sinnen, — so der ie minr ufenthaltes von innan vindet,
^ im ie wirs von innen geschibt, und ie geswinder stirbet und ie
sclineljeklicher hin durch kumet.
Ein wites ussweifen der sinnen entsezet den menschen siner
'Aiit. Lüg, daz du kain ustragend sach siest furende; so dieh
^e «ichen suchen, so la dich nit vinden. Hab einen geswinden
'uker in dich selben.
Natürliches leben bewiset sich in bewe^lichkeit und in sinne-
1 — 3 das ander, dan drit, das vienl A' 2 kaincii -1 4 all«'in ft-lilt M
l U ist uit M 16 und — diu- zö fehlt S 20 unv^Tmusclioten -S" lideii-
</en M 27 gang SP 28 der [in] SP 30 f. iiinl in .sinn, fehlt S
170 Leben Seuses. Kap. L.
lichkeit; der sich selb da lasset und entwirdet, in der stillheit
ginnet übernatürliches leben.
Etlichu menschen hein einen ufgang ane hinderniss: su bi
aber uüt ein stetes bliben.
Sezze dich in ein bloss gelassenheit, wan unmessigü begerun
so der ze vil ist, hier zft möhti ein [71^] verborgen mitel werde
Ein gelassenr mensch sölte alle siner sei krefte also gezemnie
wenn er in sich sehe, daz sich daz al da erzogti.
Ein gelassenr mensch blibet sin selbs müssig, als ob er un
sich selb nüt wüsse; wan in dem, daz got ist, so sind in im el
ding erlich berihtet.
Hab flizz och zu dinem ussren menschen, daz der geainig
werd mit dem inren mit underzogenheit aller vihlicher gelüsten.
Ein gelassenr widerker ist gote dik lieber denn ein behangnn sie
Samen din sei zesamen von den ussren sinnen, da sü sich in
zerströwet hein uf die menigvaltekeit der ussren dingen.
Gang wider in, ker aber und och wider in in din ainmftt, ü
gebruche gotes.
Hert vast und la dir niemer begnügen, unz daz du erkrieg«
in der zit daz gegenwürtig nu der ewikait, als verr es muglieh
menschlicher krankheit.
L. Kapitel.
Ton den hohen fragen, die du wolgeüptü tohter fragte ir
geischlichen vater.
Nah dem vernünftigen inlaitene des ussren menschen in d
inren erhüben sich in der tohter gcist höh sinne und mcinde, ob
noh getorsti fragen von den selben hohen sinnen. Er sprach: ^
3 etlichü — Sil fehlt Ä' G hier ns K 7 aUer SM 8 [daz] al
11 erlich fehlt M 12 dincn 3/^1* 13 den inren M 17 armüt
10 niemer fehlt M benu^en M 26 meinde] luain 3f
3 ntVan^, nämlich su Gott : vgl. Schice^ter Katrei hei Pfeiffer 4ß4,
5 Auch ithermästfigc Begehrung des Guten ifft schädlich; vgl, a. a, 0.464f
1 f. Schwester Katrei 468. ^(i f.: Ich hete aller miner sele krefte geäc»
icennt ich in mich such, so sach ich got in mir etc. scheint hier Vorlagt
nein. Vgl. übrigens oben Wö.2()Jf. 14 Eint selbstgefällige und desha
Gott miss fällige Stetigkeit im Guten, Denijte :^52: behagliche.
Leben Seuses. Kap. L. 171
wao du ordenlich dar du rehten mitel bist gezogen^ so ist na wol
erlobet diner geistenrichen vernünftekeit, von hohen dingen ze fragen.
Frag, waz du wellest.** Du tohter sprach : „sagent mir, waz ist got,
ald wa ist got, ald wie ist got? Ich mein, wie er sie einvaltig
6 und doch drivaltig?**
Er sprach: weiss got, daz sind höh fragen. Von der ersten
I frage, waz got sie, solt du wissen, daz alle die meister, die ie wurden,
können daz nit us gerihten, wan er über alle sinne und Vernunft
ist Und doch so gewinnet ein iiissiger mensch mit emzigem sfichene
1* 10 etwaz kundsami von got, aber gar in verrer wise, dar an dez menschen
obrestu selikeit lit. Nah diser wise süchtan in hie vor etlich tugend-
haft heidensche meister, und sunderlich der vernunftig Aristotiles.
Der grüblet na in dem lof der natur, wer der weri, der da ist ein
herr der natur. Er suchte in genote [72'] und vand. Er bewert
|pl5 088 der wolgeordneten nature lof, daz von not mfiss sin ein einiger
fürst nnd herr aller creaturen, und daz heissen wir got.
Von disem got und herren haben wir wol so vil kundsami, daz
er ist ein substanzlich wesen, und daz er ist ewig, ane vor und ane'
na, einvaltig, unwandelber, ein unliplicher, weslicher geist, dez wesen
tt m leben und würken ist, dez istigü vernunftkeit ellü ding erkennet
in im selb mit im selb, dez wesen grundlose lust und fr5d in im
. ^Iben ist, der sin selbs und aller der, die daz selb in schöwlicher
i wise messen son, ein übernatürlichü, unsprechlichü, wunnenberndü
selikait ist.
* Du tohter sah uf und sprach: „eya, daz ist gut ze hören,
wan es daz herz riiret, den geist uf lupfet, sursura, höh über sich
^Ib. Da von, lieber vater, sagent me dur von!"
2 gaistrichen MA^ 4 ald wa ist got fehlt Ä^ ald wie ist got fehlt S
^ mensch feM M 14 vand in M 19 und uiiwand. M 20 illigü (!) A^
22 die — 23 son fehlt S
12 ff. Die Aristotelischen Gottesheweise, die Thomas^ S, c. Geiit. 1,13 und
•^' Tk. 1 q, 2a, 3 weiter ausführt, finden sich Fhf/s. VII ;J41 b Ü4jf. : VIII 258b
^Off.: Metaph, a 994 a 11: ^ 1040 b 17 ff. : X 1072 a 19, 1073 a 14; I. <:. 1070 a 4
^(t9 EomtiHsche Wort (IL B 204) : sT^ xo'lpavog loxco, auf das auch Sense an-
^piflt. Es ist hier speziell der sogen. physiko-Utenloijische oder teleolof/ische
(fOtteshetceis gemeint, der weiter unten dargestellt tcird. Vgl, Schanz, Apologie
fit« Christentums I^ (1903), 470 ff. ; Holfes, Die Gottesbeucisc bei Thomas ron
Aquin und Aristot, 1896. 18 ewii^-, ane vor und aue na, vgl. Thomas,
S. TL 1 q. 3 ff. Weitere Erklärung und Bcltg^i bei TJenifle 204 A. 1 und lUhv
Kap. 5.
172 Leben Seuses. Kap. L.
Er sprach: lug, daz götlich weseu, von dem geseit ist, dazi;
^in sölichü vernünftigu substancie, die daz tödemlieh oge nit geseh ^
mag iu im selb; wan sibt in aber wol in siner getat, als man eine
guten meister spurt an sineui werke, wan als Paulus seit: „cli<
crcaturen sind als ein Spiegel, in dem got widerlühtet.'* Und dis
bekennen heisset ein speculieren.
Nu lass uns ein wili alhie beliben, und lass uns speculieren
den hohen wirdigen meister in siner getat! Lüg über dich und umb
dich in du vier ende der weit, wie wit, wie hob der schon bimel
ist in sinem schnellen lof, und wie adelich in sin meister gezieret]
hat mit den siben planeten, der ein iek lieber, ane allein der mane,
vil grösser ist, denne alles ertrich sie, und wie er gepriset ist mit
der unzallichen mengi dez lichten gestirnes. Ach, so d& schön sunne
ungew&lkt heiterlich uf brichet in dem sumerlichen zit, waz si denn
eblich frnht und gutes dem ertrich git! Wie der anger schon grünet, i
wie lob und gras uf dringet, die schönen blümen lachent, der wald
und heid und owen mit der nahtgal und der kleinen fögelin süssein
•gesang widerhellent , ellü tierlü, du von dem argen winter ver-
schloffen waren, sich her für machent und sich fröwent und sich
zweient, wie in der menscheit [72^] jung und alt werdent von wunne- s
bernder fröd frölich gebarent! Ach zarter got, bist du in diner
creatur als minneklich, owe, wie bist du denn in dir selb so gar
schön und minneklich!
Lüg furbas, ich bite dich, schow du vier dement, ertrich,
Wasser, luft und für, und alles daz wunder, daz dar inne ist voo i
mengerlay unglichen menschen, von tieren, von vögeln und vischen
und mcrwunderu; daz dar inne ist, daz rufet allesament: lob and
4 an sinen werken PÄ^ sant Paulus 6' 6 haissent wir e. sp. U
11 den] dem M siben fMt ASPA' 17 liogelin A 18 f. verschlofen AA'
20 log wie ASP 21 gebarent frolich M 23 wunklich M 27 daz - i«t
fthll P 27 f. li))) u. ere und grundlos wunderlich ungeui. (!) 3/
2 \'(fL II Mos. 33yW. 4 Rom. 1,J(>, 6 Vgl Thomas, S. /*•
;?yi? (j, Ibioa. 3 ad 2 : speculaiin diciUir a speculo . . , ., videre autem aliqui^
j/€r sptcidum, est videre causam per cffectttm^ in quo eius similitudo relucd^
linde speculaiio ad meditat iontm reduci vidHur, Bonaventura, Itintr, c. 3: ^
spt'culatione iJei in rtstigiis ituis in hoc setisibili mundo. tSeuse, Hör. 6U
omnis creaiurae dccor, ifuid aliud est, quam qunddam spe<:ulum^ in quo shvk»a
opificis relacet maf/tsterium '^ Tochter tSi/on ed. Schade 35 ff. , ed. Merzd^f
(iJtr Mönch von lleihbronn 1870), 1:^9,11 Jf\ 11 Vgl. Beriholds van RegeM-
bürg Predi(ji (cd. PJdJfer-ö'trohl /, 48 Jf'.: IL :J33 ff.) : Von den siben Planeitn
fSonnt'y Mond, Mars, Merkur. Jupititer, Venus, Snturn).
Leben Seuses. Kap. L. 173
e der grundlosen wunderlichen ungeraessenheit, du in dir ist!
?rr, wer enthaltet dis alles, wer spiset es alles? Du beratest es
es, ein iekliches in siner wise, gross und klain, rieh und arm;
got tust es, du got werlich got bist!
Nu dar, fro tohter, nu hast du dinen got funden, den din herz
g hat gesüchet. Nu sich ufwert mit spilnden ogen, mit lechlichem
:lQt, mit ufspringendem herzen, und sich in ane und umbvah in
t den endlosen armen diner sele und gemutes, und sag im dank
1 lob, dem edeln fürsten aller creaturen. Sich, von diesem specu-
ren dringet bald uf in einem enpfenklichen menschen ein herzk-
les jubilieren; wan jubilieren ist ein fröde, daz du zung nit
tagen kan, und es doch herz und sei krefteklich durgüsset.
Ach Iftg, ich merk iez an mir selb, es sie mir lieb ald leid,
: mir der beschlossen mund miner sele gen dir ist uf gebrochen,
1 müss dir aber sagen gote ze lob neiswas miner verborgen hein-
)i, daz ich nie keinem menschen geseit. Lüg, ich wüste einen
dier, der waz an sinem anvang wol uf zehen jar, daz im sölichu
webendü gnade alle tag gemeinlich zwirent von got ward, des
rgens und des abendes, und du werte wol als lang als zwo
ilien. Er versank die wil als gar in gote die ewigen wisheit,
: er nut konde dur von gesprechen. Uuderwilent hat er ein minnek-
1 einreden mit gote, denn ein jamriges süfzen, denn ein senliches
inen, etwen ein stilleswigendes lachen. Im waz dik, als ob er
dem luft swepti, und enzwischen zit und ewikeit in dem tiefen
ge gotes grundlosen wundern swummi. Von dem ward sin herz
vol, daz er underwilent sin band uf daz wütend herz [73'] leite
1 sprach: „owe, herz mins, wie wil es dir hüt ergan!"
6 lachidem 4^ liehtlichem M 11 du fehlt K 20 in die ew. w. M
fiüt da yon kond K
11 Die Definition folgt Thomas von Aquin^ In ps. 32,3 : vgl. In ps, 40 jl
^>p. Paris 16S9y Will, 410, 519), Weitere Belege: David von Augsburg,
compOH, 111,67; Eckhart ed. Pfeiffer Ö53y23 : Mönch von Heil.'ihronn cd.
ndorf 58; Strauch, Marg, Ebner XVII, 97 u. A. S. ciciU : Buch von d^m
f Mannen hei K, Schmidt, Nikolaus von Basel 18üü, 103: Viten von Kirch-
1 ed. Roth in Alemannia 21, 105 (gnad jubilus} .- vgl. auch Denifle 2ö7 A, 2:
bs, Die Mystik in Adelhausen 74 f.; Michail, Gtsch. des deutschen Volkes
. 14fJ. 17 Seuse selbst. 20 Vlf/ilie hiess im Bredigerorden das
kh zu betende Totenofficiiim (eine Xocturn n. Lauiies). Vgl. itber derartige
^f estimmun gen Strauch, Ad. Langmann lol ( A. .7a .Yt ,S) und Marg. Ebner
f. (A. zu 127,11).
174 Leben Seuses. Kap. L.
Eins tages waz im, wie daz veterlich herz in geischlicher wi?
neiswi unsäglich ane alles mitel an sin herz zärtlich geneiget wen
und daz sin herz eben gen dem veterlichen herzen begirlich ufgetaj
were, und duht in, wie daz veterlich herz, die ewigen wisheif,
minneklich und formlosklich in sin herz spreche. Er hüb uf mi
sprach frolich in dem geischlichen jubilieren: ^nu dar, min liephches
liep, so enblöz ich min herz, und in der einvaltigen blossheit aller
geschafenheit umbvah ich din bildlosen gotheit. Owe, du über-
trefendes liep alles liebes! Du gröst liebi zitliches liebes mit sinem
liep lit dennoch liebes mit liep zerteilter underscheideuheit; owe aber
-du, alles liebes grundlosu vollheit, du zerflässest in liebes beraen.
du zergässest dich in der sei wesen, du bloss al in al, daz liebes
ein einig teil nit uss blibet, den daz es lieplich mit lieb vereinet wirt."
Du tohter sprach: „ach got, waz grosser gnaden ist daz, da
der mensch also in jubilierender wise in got verzuket wirt! Ki
wüsti ich gern, ob daz selb daz nehst sie oder nit?"* Er sprach:
nein, es ist allein ein reizlicher vorlof, ze komen in ein weslich in-
genomenheit. Si sprach: „waz heissent ir weslich ald nit weslich ?'^
Er entwürt und sprach: ich heiss den einen weslichen menschen,
der mit guter steter ubung die tugent erstriten hat, daz sü im nah
dem höbsten adel lustlich und beliplich sind worden, als der schin
der sunnen in ir ist beliplich. So heiss ich unweslich, dem dai
lieht der tugent in entlenter, unsteter, unvolkomenr wise lühtet, ab
der schin in dem mane tot. Der vorder gnadenricher lust verlekert
eins unweslichen menschen geist, daz er daz alle zit gern heti, und
als im der gegenwurf fr6d birt, also birt im der nnderzuk unge-
ordnet trurikeit, und wirt unwillig sich andren sachen ze geben, ab
ich dich bewisen wil.
Es geschah eins males, do gie der diener in dem capitelhnse,
und waz sin herz vol götlicher jubilierender fröden. Also kom der-
portner und hiess in gan an die port zu ainer frowen, da wolt bihten.
Er brach sich ungern von dem inrlichen luste und enpfie den portal
10 f. du aber M 18 ald nit weslicli feJilt A^ 23 entlenter fehliS
entlechnetcr K entlelientcr M voUkomer M 26 also gebirt MA^ 30 gotL
fehlt .y frode SA'
5 IJ. h. ohne Bilder und Formen (Denifle 258 A. 2h 17 f. Wa9 imtir
ingenomenheit zu verstehen int, wird gegen Ende des folg, Kap. erklärt,
19 flf. Vgl, die Lehre des Thomas von Aquiny der auf Aristoteles fusst, tibcf
die hahituelle Tagend, S, Th. 1,2 q, 49; q. 51 a, 2, 3.
Leben Seuses. Kap. L. 175
lerteklich und sprach^ [73^] daz si na eim andern santi, er w61ti ir
iez kain bibt hören. Si hat ein geladen sündig herz und sprach, si
Aeti Sander gnad zi\ im, daz er si trosti, und wolti kaim andern
Mhten. Und do er nit wolt komen, do vie si an mit einem beträpten
berzen ze weinen, und gic ellendeklich enweg in einen winkel sizzen
und erweinet sich da vil wol. Under dannen do zukt im got ge-
swinde die frölichen gnade, und ward im sin herz als hert als ein
Üdiog. Und do er gern heti gewüsset, waz daz meindi, do ward
in im von got gesprochen also: „lag, als du die armen frowen mit
Einern geladen herzen hast von dir getriben ungetrostet, also hau ich
aiinen götlichen trost von dir gezuket." Er ersüfzet inneklich und
M^hlfig an sin herz und lüf bald hin an die port, und do er die
frowen nit vand, do gehfib er sich übel. Der portner lüf umb und
imb suchende; do er si vand d6rt sizend weinende und si an die
[K)rt wider kam, do enpfie er si gutlich und tröste ir rüwiges herz
Snedeklich, und gie von ir wider in daz capitel, und geswinde in
tmm ogenblik do kam der milt herr her wider mit sinem gütlichen
trost, als ie von erst.
Du tohter sprach: „der mensch mohti liden wol erliden, dem
BrgebisSlich jubilierende fr6de." Er sprach: „owe, es mftst dar na
illes mit grossem liden wol erarnet werden." Aber ze jungst neiswen,
lo es sich alles hat erlüfen und es got zit duhte, do kom du selb
jubilierend gnade her wider und ward im neiswi in beliplicher wise,
er weri da heim oder füri us, bi den lüten ald ane du menschen,
dik in dem bad ald ob tische ward im du selb gnade; aber daz
geschah in inbrüchiger wise, nüt in usbrüchiger wise.
8 daz] es M 11 süfzet innerklicb M 14 do er rI vand] und vand
*i S sitzent dort M und si — 15 wider kam] do nam er si und fürt si
^<ler an die port S 16 wider in in FKa capitelhus S 20 müs M
^1 werden, als da vor gesait ist M 22 erloffen SKA^ erlofleu PM 26 in
^rtch. w. M
18 Zu der Erzäftlung vgl. Meister EchhaH 553,38 ff. : were der mensche
^^ in eime ineucke als sanctus Paulus was unde weste einen siechen menschen,
<fer eins suppelins von ime bedörfte, ich ahie verre hcgzer, daz du liezest von
y^me ton dem zuche unde diendest dein dürftigen in merre minne etc. Vgl.
'iuch Thomas, S. Th, 2fi q. 18'2a. 1 ad 3 : Tauler ( Basel löi^l) f. 9ö'', 1:28*'.
20 er = Gott. 26 Ohne dass man äusserlich etwa^t an ihm merkte.
176 Leben Seuses. Kap. LI.
LI. Kapitel.
Ein usrihtunge^ wa got ist und wie got ist.
Du gftt tohter sprach: „herr, ich han nu wol funden, daz got
ist; aber wa got ist, daz wüsti ich gern." Er sprach: daz solt hören.
Die maister sprechent, got der enhab enkein wa, er sie al in
al. Nu tft du inren oreu uf diner sele und los eben. Die selben
maister sprechent och in der kunst Loyca, wan kom etwen in ein
kuntsami eins dinges von sines namen wegen. Es sprichet ein lerer,
daz der nam wesen der erst nam sie gotes. Zu dem [74'] wesen
ker dinu ogen in siner luter einvaltekeit, daz du lassest vallen disl
und daz teilhaftig wesen. Nim allein wesen an im selb, daz an-
vermischet sie mit nütwesen ; wan als nütwesen logent alles wesens,
also tfit wesen an im selb, daz lögent alles nütwesens. Ein ding;
daz noh werden sol ald gewesen ist, daz ist iez nit in weslleber
gegenwürtikeit. Nu kan man vermischet wesen oder nutweseu nitl
3 M hat hier auch daz nicht wa ('gegen Denifle 261 A. 7) 4 soltdno'
8oltu PA^ 6 orcii] ogen P 7 an d. k. 3/ 8 am Rande Damasceow
AMA^^ im Text KS 11 am Bande Anshelnius in pro8ologio(n) AMA^^ im Tai
KS 11 f. daz vermüschet sie nüt mit weseu P 12.13 löget 4S' 13 alle»
mit wesen P
5 Vgl. Thomas j S, Th. 1 q, Sa, 2 ad 3: Deus iotus est in omnibna f^"
singulis eniihus {vgl, I Kor. 15,28), 6 Bonaventura, Itinerariwn maiff
in Deum c. 1^15 (Ausgabe in: Tria opuscula S, Bonav,, td, II Quaracchi Ifä^
413): aptri igitur oculos, aures spirituales admove etc. Ein Teil dieses K9f
isty mitunter wörUichf dem Itinerarium entnommen. Belege nach zitierter Auf'
gäbe, genauere Nachweise bei Denifle 261 ff, 8 f. Hin. 5,2 (p, 453): Damat
cenus (De fide orthod. I, 9) igitur sequefis Moysen (Exod, 3,14) dicit, quod^^
esV est primum nomen Dei, Vgl, dazu Eckhart 108,28: 162,38: 262^9 ff,: 26^
und im Archiv II, 543,3: 578,24: ebd, und II, 436 ff, Belegstellen aus ITiOtm
Bonaventura u, s. xc, 11 ff. Der Grundgedanke der folgenden AurfOhrtiH
findet sich bei Ansclm, Monolog, c, 1 und zuvor schon bei Augustin^ Dt triA
VIII, 3 n. 4 : der Wortlaut selbst ist aber fast ganz Bonaventura^ Itin, 5M
(p, 453 ff,) entlehnt. Doch ist im Texte der A-Gruppe der Frage nach A»
Krsterkannten, das M der ültertn Franziskanerschule (Bonaventura) undSA'
hart folgend mit Gott rericechselt, ausgewichen. Vieüticht hat Seuse den «f*
spnuiglichen Te.it (M), welcher der offiziell im Dominikanerorden vorgesekrif'
Innen Doktrin widersprach, geändert, als er einen Teil der Vita dem Provintid
liartholomaeus rorhgte : vgl. auch die Einleitung und zur Erklärung Deniß^
2(13 A. 3, ferner ders, in Zfda 21,131 ff, u. Archiv IL 620 f., 536, 687, 605.
Leben Seuses. Kap. LI. 177
^^1 bekenneo, denn mit einem gemerke dez allichen wesens. Es
^^t nüt ein zerteilteö wesen diser ald der creatur, wan daz geteilt
^€8en ist alles vermischet mit etwaz anderheit einer müglichkeit iht
^e enpfaben. Dar umb so müss daz namlos g6tlich wesen in sich
^ ^elh ein allichs wesen sin, daz ellü zerteiltu wesen ufenthaltend ist
Halt siner gegenwtrtikait. Es ist ein wunderlichü blintheit mensch-
licher vernanft, daz si nit mag briifen daz, ane daz si niht mag er-
kennen noh sehen. Ir geschiht als dem ogen: so dem ernst ist ze
lägen die menigvaltekeit der varwen, so nimt es nit war des liehtes,
10 dar daz es daz ander alles sament siht, oder siht es daz lieht, so
nimt es sin doch nit war. Also ist es umb daz oge ünsers gemütes :
80 daz ein sehen hat nf dis und daz wesen, so verahtet es dez
Wesens, daz da Aber al luter einvaltig wesen ist, dur des kraft es
du endrA in nimet, dez nimt es nit war. Hier umbe so sprichet ein
Uwiser meister, daz sich daz oge unser bekentnus von siner krank-
beit halte zä dem wesene, daz an im selber aller bekantlichest ist,
als einer fledermus ogen gen dem klaren liebte der sunnen ; wan du
zerteiltu wesen zerspreitend und blendend daz gemute, daz es nut
mag sehen die g6tlichen vinsterheit, du da an ir selb ist du aller
^M\»tfi klarheit.
Nu tft dine inren ogen uf und sih an, ob du raaht, daz wesen
in siner einvaltigen luterkeit genomen, so sihst du geswinde, daz es
von nieman ist und nit hat vor noh na, und daz es weder innan
Qob von ussnan kein verwandelkeit hat, denn daz es einvaltig wesen
ist; so merkst du, daz es ist daz aller würklichcst, daz aller gegen-
^rtigest, daz aller volkomenst, [74''] in dem nit gebrest noh ander-
beit ist, denn daz es ein einiges ein ist in ainvaltiger blossheit. Und
disA warheit ist als kuntlich in crlühten vernönften, daz si kein
anders mngen gedenken, wan eins bewiset und bringet daz ander
lwo\ fehlt M gemerke] bekeünen 3/ nach wesens Zusatz: won so
^>»n ain ding wil verstan, so begegent der Vernunft des ersten wesen, und daz
JA ain aller dingen würkendes wesen J/, feJiÜ ASPKA^afUS^ 2 zert.] {ü:e-
tifltes M wan] wa M 4 namlos — 6 gegenw.] wesen, von dem gesait ist,
sin dtz gotlich wesen M 7 daz si nit daz prüft, daz si vor an siht und an
^ if 13 f. nach iBt Zusatz und Änderung: wie es im doch des ersten be-
siegest und durch daz es du ändrü in n, M 17 liedramus A 23 von in-
nan 3/ 25 und daz aller g. M 27 einiges [ein] PA^ ist [in] ASK
6 — 20 Jlf'ast wörtlich nach Bonav.j Hin. 5,4 (p. 456 f.) 12 f. Hin,
l c: ipsum esse extra omne genas .... non advertit. 15 AristoteleSj
Metaph. a 993 b 9, 21 ff. Das Folgende aus Hin, 5,5,(J (p. 457 f.).
H. Sentt} Dtntaehe Schriften. 12
178 Leben Seuscs. Kap. LI.
für. Dar umbe, daz es einvaltig wesen ist, dar umb möss es v
not daz erst sin und von nieman sin und ewig sin, und wan es d
erst ist und ewig ist und einvaltig, da von müss es daz gegi
würtigest sin. Es stat in der aller höhsten volkomenheit, einvaltekc
da nüt mag zfi noh von genomen werden.
Mäht du dis verstau, daz ich dir geseit hau von der blosse
gotheit, so wirst du etwi vil gewiset in daz unbegrifenlich liebt de
gotlieben verborgnen warheit. Dis einvaltig luter wesen ist du ere
obrest sach aller sachlicher wesen, und von siner bisinder gegen
würtikeit so umbscblüsset es alle zitlicb gewordenheit als ein anvan^
und ein ende aller dingen. Es ist allzemal in allen dingen und k
alzemal uss allen dingen. Dar umb sprichet ein meister: got istak
ein cirkellicber ring, des ringes mitle punct allenthalb ist und sii
umbswank niene.
Du tohter sprach: „gelopt sie got! Ich bin bewiset, als ven
es mir denne müglich ist, daz got ist und wa got ist. Nu wisti icl
gern, wan er als gar ainvaltig ist, wie er da mit mug drivaltig wesen'
Er hüb aber an und sprach: ein ieklich wesen, so es i<
ainvaltiger ist an im. selb, so es ie menigvaltiger ist an siner kref
tigen vermügentheit; daz nit hat, daz git nit, daz vil hat, dai
mag vil geben. Nu ist da vor geseit von dem infliessenden nnc
überfli essen den gute, daz got ist in im selb, dez grundlosü über
natürlichü gfitheit zwinget sich selb, daz er daz nüt allein wi
haben, er wil es och frilich in sich und uss sich teilen. Nu müsi
1 dar umb] da von M 2 and ewig sin fehlt PMA^ 5 mkg fehU^
9 bi sin der K besinder 31 bisunder A^ 10 als ein feiät S 11 Es — 1*
dingen fehlt A^ 16 mir fehlt M 17 gar fehlt M 18 am Rande In libn
sententiarum AM, im Text K 22 dez — 23 selb fehlt F 23 zwyget *
24 in sich fehlt M
6 ff. Vgl. Itin. 5,0—8 (p. 459—61), 12 Alanus ab Inauiis (Etgulae t)
den auch Bonaventura^ Itin, 5ß (p, 461) and Thomas v, Aquin, De periU 4
2 a, 3 ad 11 zitieren ; vgl Eckhart 96,30 und Archiv II, 571, 16 f. Der Gedank
war geläufig, vgl, das mystische Gedicht hei P reger I, 290, 18 ff. Itin, 5,
(p. 460) : quia enim simj)licissimum in essentia, ideo maximum in viriute, q}^
virtuft, quanio plus est unita^ tanto jtlus est infinita : vgl, dazu Lib. de caitf**
prop. 17 : weitere Behge Denifle 267 A. 2 und Archiv II, 474 A. 1.
21 — 24 Itin, 6,2 (p, 463): summiim igitur bonum summe est diffusicum ^
(vgl, Dionys., De diu. nom, 4,1 und Opp. S, Bonav. V, 60 n. 7), Hieher, nick
nach oben ist die Zitierung des Petrus Lombnrdus (2 Sent, dist. 1) zu buiiH^
zwingen (Z. 23) ist hier = drängen, wie das folge^ide: frilich — teilen J(i§
(Denifte 267 A, 4),
Leben Seuses. Kap. LI. 179
^az sin von not, daz daz obrest gftt die höhsten und die nehsten
^ntgiessnng liab sin selbs, und daz mag nit sin^ si sie denn in einr
^egenwörtekeit und sie inrlich, substanzlich, persönlich^ natürlich
Qiid in unbezwungenlicher wise noturfklich, und sie endlos und vol-
B komen. Alle ander entgiessunge, die in der [75'] zit ald in der
creatur sind, du kunt von dem widerblik der ewigen entgiessunge
der grundlosen gotlichen g&theit. Und sprechent die meister, daz
an dem usflnsse der creatur uss dem ersten Ursprung sie ein cirkel-
liches widerbögen des endes uf den begin; wan als daz usfliessen
10 der personen usser got ist ein förmliches bilde des Ursprunges der
creatur, also ist es och ein vorspil des widerfliessens der creatur
in got.
Nu merk den underscheid der entgiessunge der creatur und
gotes. Wan du creatur ein zerteiltes wesen ist, so ist och ir geben
^ und ir entgiessen teilhaftig und gemessen. Der menschliche vater
git sinem snne in der geburt ein teil des wesens^ aber nüt zemale
daz, daz er ist^ wan er selb ein geteiltes gut ist. Wan nu daz
knntlich ist, daz du götlich entgiessunge so vil inniger ist und edelr
i^t nah der wise der grössi dez gfltes, daz er selb ist, und er
** grundlosklich übertrifet alles ander gut, so mflss von not sin, daz
oh d6 entgiessung sie glich dem wesen, und daz mag nit sin ane
entgiessung sines wesens nach persönlicher eigenschaft.
Kanst du nu mit einem gelüterten ogen hin in büken und
scbowen dez obresten gutes lütersten gütekait, du da ist an irem
^ ^mn ein gegenwürteklicher würkender anvang, sich selb naturlich
ttöd willeklich ze minnen, so sihst du die überswenken, übernatür-
lichen entgiessunge dez wortes uss dem vater, von des geberene
Qnd sprechen ellü ding werdent her für gesprochen und gegeben ;
önd gibst och, daz in dem obresten gut und in der höhsten ent-
*?og8enheit von not entspringet du götlich drivaltekeit : vater, sun,
heiliger geist. Und wan du höhst entgossenheit dringet von der
obresten weslichen gfitheit, so mfiss in der gerivierten drivaltekait
2 sin selb M 5 aller K 20 ander fehlt S 21 f. ane ain g-ies-
«ing (!) ilf 22 persönlich AÄ^ 24 giathait M 29 sihst och] sicherlich K
t32 obresten fe?Ut M gotheit P
Iff. Das folgende nach Itin, 6,2 (p.463f.). 7 ff . Vgl Thomas, In
^ ^^, d. 14 a. 2; d. 32 q. 1 : Eckhart 165,24 ff. ( Deniße 26S A. 4). 16 f. Vgl,
^Oäkw, Dt verit. q, 4 a. 4. 18 ff, Itin, 6,2 uk 463 /.). 23 ü,^ Itin, 6,2
(]i. 4RÄ f \
180 Leben Seiises. Kap. LI.
sin du aller obrest und nebst mitwesentbeit, du böbste glibbeituiit
selbsbeit des wesens, daz die personen bein in inneblibender ixs-
gossenbeit nab ungeteilter substaneie, ungeteilter almehtikeit der
drier personen in der gotbeit.
Du tobter sprach: „wafen, icb swimm in der gotbeit als ein t
adler in dem lüfte!"
Er sprach: wie der götlicben personen drivaltekeit [75^] mug
stan in eines wesenes einikait, daz kan nieman mit Worten für
bringen. Docb als vil man dur von mag sprechen, so sprichet saot
Augustinus, daz der vater sie ein Ursprung aller der gotbeit des ^*
sunes und des geistes, baidü persönlich und weslicb. Dionysins
seit; daz in dem vater sie ein usfluss oder ein runs der gotbeit, und
der runs entgüsset sich natürlich in dem usgrfinendem worte, der
ein natürlicher sun ist. Er entg&sset sieh och nah minnericher
miltekait dez willen, daz da ist der heilig geist.
Dis verborgen sinne entschlüsset uns und bewiset daz klar
liebt, der lieb sant Thomas, der lerer, und sprichet also: zu der
entgossenbeit dez wortes uss des vaters herzen und verounft mftss
daz sin, daz got mit siner liehtrichen bekentnuss uf sich selber büke
mit einer widerbögung uf sin götlicb wesen ; wan weri an der ver- r
nunft dez vater der gegenwurf nit daz gotlicb wesen, so enmöhte
daz enphangen wort nit got sin, snnder es weri ein creatnr. Daz
weri falsch; aber in diser wise ist es götlich wesen uss wesen.
Und der widerblick dez g6tlicben wesens in der Vernunft des vater
mftss geschehen mit einer nabbildender wise einer natärlichen glich-
heit, anders daz wort weri nit sun. Hie hat man einikeit dez
1 aller nähst M 10 Augustinus auch am Band A LI wesenüch M ^
Dionysius auch am Rand AA^ 13 in dem. usgründ bi. dem worte A^ grftnen —
dem ASP 16 und bewiset fehlt M 17 Thomas auch am Rand AMA^^
23 uss wesen fehlt M
7 flf . Dtr folg, Passus bei 6'tuse ist benutzt in dem Lehr aystem eines wi- j
bekannten Mystikers, bei Greith 1L*2 f. 10 Aug,, De trinit, IV, 20 n, 29 *
totius divinitatis, vel si melius dicitur deitatisy principium pater est. Von dei^r-
Scholastikern häufig zitierte Stelle^ vgl, Archiv II, ^8 A, 3, 11 Dion,, D^^
dir, nom. 2, oJ, 15 Die Ausgabe von 1512 f, 69^ und Diep, ^159 habet. '^
nach willen eine längere Interpolation, 17 Thomas, S. c, Gent, 4,11 i$t «c^
folgenden frei benützt. Sense spendet dem Dominikanertheologen xax' iSox^^v auc. ^*^
Ilorol 151 f. grosse Lobsprüche. 20 ff. Vgl, dazu bei Pfeiffer II, 680,12,
den flicht von Eckhart (vgl, Archiv II, 676) stammenden Traktat (GIom)
das Evangelium Johann is (Te.ct Verbesserung durch Denifle in HisL^poL B ' ^
76,911). 23 Vgl. die Erklärung bei Denifle 272 A. 2.
Leben Seuses. Kap. LI. 181
•Wesens mit anderheit der personen. Und ze einem guten urkünd
dez selben underscheides do sprach der hobgeflogen adler sant
Job ans: „daz wort waz in dem beginne bi gote.**
Aber von entgossenheit dez geistes ist ze wüssene, daz du
> substanci der götliehen vemunft ist ein bekentnust, und du mflss
ob haben neigang nah der forme, du in der Vernunft enpfangen ist,
nah ir ende. Dis neigung daz ist wille, dez begerung ist lust
^chen nah dem besten. Nu merk och, daz der gegenwurf dez
geminten ist in dem minner nut na der glichnust der forme der
10 natur, als der gegenwurf der vernünftikeit in dem lieht dez bekent-
nas. Und swenn dis wort flüsset uss dem usblik dez vater nah der
fonne der natur mit personlichen underscheid, so heisset sin ent-
giessonge von dem vater ein geburt; wan [76'] aber disü wise ab
dem usrunse des willen und der minne nit also ist, da von du drit
15 person, du nah der minne fluss entgossen ist, baidü von dem vater
und och von dem usgedrukten bild uss sinem innigosten abgründe,
dar nmb mag es weder sun heissen noch geborn. Und wan du
minne vemunfteklich oder geischlich ist in dem willen als ein nei-
Siuige oder ein minneband inwendig in dem minner in daz, daz er
^'^ Dünnet, dar umbe ist zftgehörlich der driten person der Ursprung,
^^r da ist nah der minnewise dez willen, daz er geist heisse. Hie
^irt der mensch überbildet von dem götlichen liebte in der hein-
Kchkeit, die nieman kan gemerken, denn der es hat enpfunden.
Du tohter sprach: „ach herr, wie ist dis ein so uberswenkü
^Mstanlichü lere! Aber man vindet etlichü vernünftigü menschen,
ÖÄ sprechent daz alles abe, daz hie von pot geseit ist, und meinent,
^er zfi dem nehsten welle komen, dem sie got ein schedliches mitel;
^r müss entgötet werden, er müsse och entgeistet sin und alle vision
2e ruggen stossen, und sich zfi der inlühtenden warheit allein keren,
^die er selb selber ist."
Er sprach: disü red ist falsch na gemeiner hellung. Dar umb
^tand ir lidig und hör, waz cristanlichü warheit hie von haltet,
^ah gemeiner wise ze redene, so nimet man got als einen herren
2 f. sant Joh. fehlt M 4 daz] do K 5 gfutlichen M 8 [der] geg. M
^^ dei] der K 11 swenn — nah der fehlt P 14 da von — 15 ist fehlt M
1' du] disü M 24 dis] daz M 25 krist. fehlt K 28 ez mäs e. g. M
^ Dünnet (!) M
3 Joh. 1,1. 4 fif. Vgl Thomas, S. c. Gent. 4,19. 11 ff. Vgl, Eck-
^^76^4 ff, 25 ff. Lehre der Brüder des freien Geistes. Einer ihrer Sätze
^^^' hotno non est honus, nisi dhnittai deum propter deum, vgl. Preger I, 463.
1^2 Leben Seuses. Kap. LI.
aller der weit, der kein bossheit lat hin gau nngebuzet, noh k^ij
gut werk ungelonet. Wer nu sünde tut, dem igt got ein vortliclier
got, als der gut Jop sprach: „ich han got alle zit gefürtet als da
schiflüt die grossen wellau." Wer och uf grossen Ion got dienet, der
hat einen grossen got, der im gröslich gelonen mag. Aber ein wol- ;
geüpter bekanter mensch, der sich gebrestlicber dingen, du got hasset,
hat mit menigvaltigem sterbene entschutet und got von inbrünstiger
minne alle zit dienet, der nimt got in sinem herzen nit got in deo
vor geseiten wisen, er ist im wol entgötet; er nimt in als ein
herzklich minneklichs lieb, da du knehtlich vorte ab gevallen ist, als 19
Paulus seit. Also blibet dem götlichen menschen got werlich got
und herr, und stat sin doch lidig in diser grober nemunge, wan er
hat ein nehers begrifen.
Wie aber der mensch [76^] engeistet sül werden, da h6r den
underscheid. So ein mensch in sinem anevang beginnet merken?^
daz er ein creatur von lib und sele ist, und daz der Hb tdderolicl^
ist und aber du sele ein ewiger geist ist, so git si dem libe od^
aller siner .vihlichkait urlob, und haltet sich zft dem geist un^
machet den lip dem geist undertenig, und ist alles sin würker^
inwendig mit betrahtung gerihtet gen dem überweslichen geisU^
wie er den vinde, wie er den begriffe und sinen geist mit der^
geist vereine. Und du menschen heissent gcischlicbü, heilig''*
menschen. Dem nu reht hie beschiht, so er sich hier ini^
lange zit geübet, und im der überweslicher geist alle zit vo^
spilt, und im doch des begrifes vorget, so beginnet der cree^
türlich geist sin selbes unmngentheit an sehen und mit* einer en^
sunkenheit sin sclbheit sich der ewigen götlichen kraft ze grvüm^
lassen, und sich von im selb zft dem keren in einer verahtnnge d^
sinsheit in des obresten wesens ungemessenheit; und in der in
nomenheit kunt der geist neiswi in sin selbes Vergessenheit u
verlornheit, als Paulus sprach: „ich leb nüt me ich,** und Crist
sprach: „selig sint die armen des geistes.^ Alsus blibet der gel
1 ungeletzet A 3 gfit lident J. M 7 von] mit M 8 nimt] minnet
9 vorsaiten M vor genanten P 12 wan] und M 14 aber fehlt M 16 f. 5*^
nacli er M 20 üb er messlichen K 25 begriffene M 26 unmtiglicheit ^
3 Job 31^3. 1 1 Rom. 8, 16. 29 f. ingenomenheit (vgl, oben 161,12 i»*«^
174,17 f. ) = Absorbiertwerdffu in Gott in der höchsten Beschauung (DtnifUS^^
A. 3; 61:JA. 6). 31 Gal 2,20; Matth. 5,3. 32—183,2 In der höeh^^
Vereinigung mit Gott vergisst der Geist sich selbst und uird seiner ungewal^*^'
Belege aus Eichard von St. Viktor bei Lenifle 27 ti A. 6; vgl, ebd. 266 A. 7.
Leben Seiises. Kap. LT. 183
iiah silier wesentheit, und wirt entgeistet nah besizlicher eigenscbaft
dez sinsheit.
Den underscheid enzwüschen luter warheit und zwifellichen
visionefi in bekennender materie wil ich dir och sagen. Ein mitel-
^ loses scfaowen der blossen gotheit, daz ist rehtü lutrü warheit ane
allen zwivel; und ein ieklichü vision, so si ie vernünftiger und bild-
loser ist und der selben blosser schowung ie glicher ist, so si ie
edelr ist. Etlich profeten baten bildrich vision als Jeremias und
die andren. Sölich bildrieh vision werdent noh dike gotes hein-
10 liehen fründen, etwen wachende, etwen schlafend, in stiller rüw
und abgescheidenheit der ussren sinnen. Und sprichet ein lerer, daz
engelschlichti gegenwürtikeit diker erschinet etlichen menschen in
dem schlaf, me denn in dem wachen, dar umbe, wan der mensch
in dem schlaf von usser menigvaltiger würklichheit mer gestillet ist
15 denn in dem wachen.
Wenn aber ein vision, du dem menschen wirt [77'] in dem
schlaf, wenn du mug ald sfil heissen ein warsagendü vision, — als
in der alten e dem künig Pfarao von siben vaissen rindern und
von siben magren tromete, und dez glich vil von tromen, daz du
* beilig scrift seit, — wie man hie kunne underschaid der warheit
binden, wan die tröme gemeinlich triegent und och ane allen zwivel
nnderwilent war sagent, da solt du wissen, daz sant Augustinus
der Seite daz von siner heiligen mfitcr, daz im du saiti, daz si die
gäbe von got heti, wenn ir üt von got in ganzen schlaf ald in
^kalben schlaf wnrd, so ward ir dur mitte der underschaid von innen
Reben, daz si wol erkande, ob es allain ain gemaine trom waz, der
Düt ze ahten waz, ald ob es waz ein biltlich vision, dar an sich
2e keren waz. Und welem menschen got die selben gäbe git, der
kan 8ich dest bas hier inne berihteu. Es kan nienian dem andern
* '^ol mit Worten geben, denn der merkt es, der es enpfunden bat.
6 am Bande Thomas in summa AA^ 6 f. u. ie hildl. 3/ 7 f. [ie] cdelr
^^-4* 8 profeten] sprechent P 18 pharao KMA^ pharao und dez wissagen
^el M 19 daz fehlt 31 daz daz A^ 22 Augustinus auch avi Rande A
23 der gelte fthU M 24 f. ganzem . . . halbem SM
6 ff. Thomas, S. Th, 2,2 q. 174 a. 2.3; vfjl. Eckhart 315,22 ß. Über die
^^hitdmen Arten von Visionen handelt nach dem Vorgang von Augustinus
^^ Oentsi ad lit, XII, 4 ff.) auch David von Augsburg, J)e compos. III, 66.
11 Thomas, S. Th. 2,2 q. 172 a. 1 ad 2 und De verit. q. 12 a. 3 ad 2.
12 D.h. Engelserscheinung. 18 / Mos. 41,1 ff. 22 Aug., Conf. VI, 13.
184 Leben Seuses. Kap. LII.
LH. Kapitel.
Von dem aller h6hsten überflug eins gelepten yemünftigen
gemütes.
Du wisü tohter sprach: „ich wüsti nüt als gern uss der schrift^
als den uberswenken sin, wa nud wie eins wolgeüpten menschen
hescheidenbeit in der tiefsten abgründkeit uf sin h5hstes zil enden
solte, also daz geleptü enpfindung mit der scrift meinange ein
geliches ustragCD gewunne." Dez nam er uss der scrift ein ver-
nünftig entwärt, und du hillet nah den verborgnen sinnen in diser-
ley wise also: K
Ein sölicher edelr raensch, der nimet war mit einvaltiger
müssekeit dez sinnerichen wertes, daz der ewig sun sprach an dem
ewan^^elio: „wa ich bin, da sol och min diener sin." Wer nu daz
wa, daz der sun nam nah der menschheit in sterbender wise an
sinem cruze, wer daz streng wa in nahvolg nüt hat geschühet, daz i
ist wol müglich nah siner gehaiss, daz der daz lustlich wa siner
sünlichcn blossen gotheit werde in vernünftiger frodenbemder wise
niessende in zit und in ewikait, als verr es denn müglich ist^ minr ^
und me.
Eya, wa ist nu daz wa der blossen götlichen sunheit? DaiW;
ist in dem bildrichen lieht der götlichen ainikeit^ und daz ist oa
sinem namlosen namen ein nihtekeit, nah [T?""] dem inschlag ein
weslichü stilheit, nah dem inneblibendem usschlag ein natnr der
driheit, nah eigenschaft ein lieht sin selbsheit, nah ungeschafenr
Sachlichkeit ein aller dingen gebendü istekeit. Und in der vinstreo *]
6 geübten M 8 geliches] gotliches S 15 nachvolgunge SFH
22 nah d. i. — 23 atüheit fehlt S 23 inneblib. fehlt M uschlag A 25 ge-
bendü fehlt S
7 f. So dass innere Erfuhrung und Lehre der Theologen übereinstu^*'
l;^ Joh. ]JL\?6, 20 ff. Von hier an bis gegen Ende des Kapitels hat Se^
Eckharts Traktat vom Überschall (Ffeiffer I, 516 ff.) und Stücks aus dem fälsch-
lich 80 genannten Liber positionum (Pfeiffer /, 6'6'6 — 71) starb benütit, Gen^
Nachxceitte bei Denifle 280^9:^. 21 f. Nähere Erklärung im 1, Kap, des B^'
22 f. Vgl. Eckhart 889,3; 668,38. 6^0,24 ff. 24 Vgl. Eekhart 669,18 f.
25—186,2 Auf der höchsten Stufe der Vereinigung mit Gott (conUmpl^^
in caligine; vgl. Bonav., Hin, 7 p. 470 ff. und Nota p. 475: unten 187,17: dfOiB^
heit) reflektiert der Geist nicht mehr über sich und über sein Denksn, #W^
weiss nichts mehr als Gott {Denifle 280 A. 7). Vgl. auch oben 183^1 f. undpfß
Schluss des Kapitels.
Leben Sensen. Kii|). LH. IS5
wiselosekeit verget elli'i menigvaltekeil, und der geist verldret sin
selbstieit: er vergat oa ein selb» wiirklichkcit. Und die ist dflz
hnbfite atil und daz endlos wa, ig dem da endet aller geisteu geiste-
keit, iiier inne alle Kit sich verlorn bau ist evägü selikeit.
Und daz du dis dest baz merkest, so ist ze wüasene, daz in
dem bildriclien lieht der gStlichen eiuikeit ist ein inswebendn ent-
«pninglichkeit der pergonlicbeu entgosseubeit usg der almugenden
ewigen gotheit; wan di'i drilieit der personen ist in der einikeit der
Datnre, und d(i einikeit der nature in der dribeit der personen.
Du einikeit liat ir würklicbkeit au der dribeit und du dribeit bat
e mugentbeit an der einikeit. als sant Augustinus spiicliet
1 dem buch von der drivaltikeit. Du dribeit der personen bat
eschloBsen die einikeit in ir als iie natürlich wesen. dar umbe ist
in ieklichii periton got, und na einvaltekeit der natur ist es gotheit.
Ku lühtet dfi einikeit iu der dribeit nah undersehcidenlicher wise,
Im dn dribeit nah dem inswebenden widcrseblage lühtet in der
isikcit eiovalteklicb, als si es in ire beschlossen hat einvalteklich.
Der vater ist ein Ursprung dez suneg; de?, ist der sun ein uswal,
ton dem vater eweklich geflossen na der persone und inneblibende
Mh dem weBene. Der vater nnd der sun entgiessent iren geist.
I'qiI du einikeit. du dn wesen ist des ersten Ursprunges, du ist daz
!lb nesen ire aller drier personen. Wie aber du driheit ein sie,
Xd du driheit in der einikeit der natur ein sie. und doch du driheit
"ser einikeit sie, daz mag man nit gewörten von dez tiefen grundes
iDvaltekeit.
Aihie her in dis übervernünftig wa erswinget sich der geist
»iBtende, und etwen von endloser höhi so wirt er fliegende, denn
on |;ruDdlo8er tiefi so wirt er swimniende von den hoben wundern
^r gotheit, Und dennob so blibet der geist hie in geistcs srt in
ler gebrüchlichkeit [78'] dero glich ewigen, glich gewaltigen, inne-
^ilibenden und doch ussfliessenden personen, abgeseheiden sinde von
31. eftisthait M BS. am Rand^ Au^uatiiius <le trinitnte AA', nur
Aoguiintts K 11 vcnnugentheit M !5 einikeit] ainyiiKkeit M iin-
[ "Mdenlioher P 23 und — ein sie f</iU S 28 swinende A' 30 ewigem .W
8ff. Erklärung bei Ben^e Ml A. 1; vgl. Eckhart 526,34ff. 517,34 f.
I0~~I2 Sieher, niehl »choii früher, daa Au,gu»tint*aeitat (De trin, I und VIIl.
\~^ Salt letirtlic/i aaeh bri Eekhart öl7,36—S7 twirkeii slatt wirdekeit tu
■ !■«•'',■ i>gl ebd. 368^9/. IB— 17 Eckhart 617.33 f. 337,ög. 18 ff. Eck'
"Wr^rjf..- Archiv II, 467 ; 668,9 f. ■.'2-25 Kckhart 669,37—39.
186 Leben Seuses. Kap. LH.
allem gewulk und gewerbe der nidren dingen, ansterende du göU
lichu wunder. Wan waz mag grössers wanders sin, denn da blössu
einikeit; in die sich der personen driheit in senket nah einvaltekei^
und da ellü menigvaltekeit wirt entsezet dez sinsheit? Und daz ist
also ze verstene, daz dero entgossnen personen usgeflossenheit aUei
zit ist sich wider in bietende in des selben wesens einikeit. Und
alle creaturen nah ire inneblibenden usgeflossenheit sind eweklich in
dem einen nah got lebender, got wüssender, got wesender istekeit,
als daz evangelium seit In principio: daz worden ist, daz ist in ime
eweklich sin daz leben. I
Dis& blossu einikeit ist ein vinster stillheit und ein mussigi
müssekeit, die nieman kan verstau wan der, in den da l&htet da
einikeit mit ir selbsheit. Uss der stillen müssikeit lühtet rehtu fri-
heit ane alle bossheit, wan d& gebirt sich in entwordenr widergeborn-
heit; da lühtet us verborgnu warheit ane alle falschheit, und dil
gebirt sich in der entekunge der bedahten blossheit. Wan hie idrt
der geist entkleidet von dem tinbern liebte, daz im na menschlicher
wise gevolget hate nah oflfenbarunge dero Sachen, von dem wirt er
da enplözet, wan er vindet sich da einen andern eigenlicher, desB
er sich vor verstand in des vordren lichtes wise, als Pdulus sprach:!
„ich leb, nit me ich^, und wirt alsus entkleidet und entwiset in der
wiselosekeit dez götlichen einvaltigen wesens. Daz l&htet sich eilt
ding in ainvaltiger stillheit, und da wirt der blibender underscbeid
der personen nah sunderheit genomen verahtet in einvaltiger wise-
loser wise. Wan als du scrift seit: du person des vaters allein ge-:
nomen git nit selikeit, noh du persone des sunes allein, noh des
heiligen geistes allein, mer die drie personen inhangende in einikeit
8 lobender P 9 in pr. erat verbum etc. K 10 sin eweklich M
14 boBsheit] blosheit P 17 dimern K timem M 26 f. nah d. h. g. ÄSK
9 Joh. 1,3 f, : quod factum est, in ipso vita erat. Die meisten Kirche»'
Väter, besonders Augustinus {De Gen, ad lit. V, 14: Tract. in Joh, 1), unddii
Scholastiker zogen den Schluss von Vers 3 (ö Yiyovev) zu V, 4 herikher, und
sahen darin einen Hauptheweis für ihre Ideenlehre, vgl. s, B. Thomas, S. Tk
1 ([, 18 a, 4 : S, c. Gent. 4,13. Ühtr die Geschichte der Exegese düser Stille:
J. Maldonat, Comment. in Evang. II (Mainz * 1663), 395 ff, .• SchoHM^ Km-
mentar snm Kv. des hl. Joh. 1865, 76. BtUgc aus EckharU kxteimsehe»
Schriften in Archiv II, 46 If 11 ff. Eckhart 518, 13—16, 13 Vgl Ai
51944 f. : e68,:>2f. 17 ff. Eckhart 518,25 ff. Das natürliche Liehi der >>
nunft ivird von dem höheren Lichte der Kontemplation absorbiert (Deniße2b4A.b)o
19 Vgl. Richard von St. Viktor, De contempl. V, 12 (8, unten 18843).
20 Gal. 2y><). 22 ff. Eckhart 668,38 ff. 25 ff. Vgl. Eekhwi 215^ f- ,
LtbeQ Seuaea. Kap. LU. 187.
iei weaens ist selikeit. Und dis ist wesen der personen natürlich
oDil wesen gebend allen creattiren genedeklicli ; Dtid dis hat aller
dingen bild in inie besclilossen einvalteklich und weslich. Wan steh
nu dis bildrich lieht [78'] haltet weseti, so sind du ding in ime na.
\m selbes wesentheit, and nüt na inbildender zävallikait; und wan
es sich ellü ding labtet, dar umbe haltet es liehtes eigenschaft. Und
alsug 80 iuhtend ellü ding in dem wesene in einer inwesender still-
beit nah des wesens einvaltekeit.
Daz selb vernünftig wa, da von geseit ist, da ein bewerter
diener sol dem ewigen sune mitwonend sin, mag man nemmen die
istigen namlosen nihtekeit: nnd da kumt der geiet uf daz niht der
einikeil. Und du einikeit heiBset dar unib ein niht, wan der gei^t
eokan enkein zitlicb wise finden, waz es sie; nier der geist enpfindet
wol. daz er wirt enthalten von einem andern, denn daz er selber ist.
Dar nnib ist daz, daz in da enthaltet, eigenlicber iht denn niht; ea
i*l dem geiste wol niht an der wise, waz ea sie.
Swenn nn der geist in diaer verklerten glanzenrii:hen dünster-
lieit na sin selb» uinvüssenthelt eigenlichen hio wonhaft wirt, so
veriürel er ellü mitcl und alle sin eigenechaft, als sant Bernhart
«prichcl. Und daz besehiht minr und me nah dem, als der geist in
dem libe ald von dem übe uss im selb in daz vergangen ist. Und
ili verlornheit ein selbsheit ist von der götlichen art, du im neiewi
dlA ding worden ist, als du scrift seit. In diser entsunkenheit en
1 persönlich l!) M 5 itm Saude Aug^iBtinus super geuesim A 10 ne-
nieii SP 11 f. [der] einikeit -W 12 und — niht ftlät M dar umb — U
irtMK K 13 kau M ziüioh fehlt M 19 und — 20 epricliet fehlt A^
BtnurduB auch am Rand Ä 23 eo] m M
1 Eckhart 669,3 ff. 1G~22. Über die nchnlastüchc Idemhhre vgl. JJttüfte
Äö J. 5.- 238 A. 5; älTff. und im Archiv II, 460ff. Das Augiulinuatitat (Vt
OtH. ad tu. II. 12; r, 31) gehSrt mu 3 ff. 6f. Eckhai-t 66!>,31f.
Uff. Vgl. Eckkart 519,iy ff. (Z. 19 iec gu lestn aiaU iauU : einikeit = (Joll.
An-, wfe .ifltrt, ntnnt Seuee GoU ein Nicht, vffl. oben 167,5 : Dmifl« 345 A. 5.-
^A.5; öllff. 17 ff. Im folg. ist Bernhard, De dil, Deo 10 n. 27 vnd 38
'"Wl«; /( eniia quodammodo perdere, lanquam qui non ws, et i
'niir« teipeum et a leipto exinaniri, tt paene annuliari, caeleetia
'ViOHt», non hwnanae affectinnig toUtm divinum t»t, quod gentUiir; aie
"fjia, däficari ett .... alioquin quomodo omnia in omnibus erii Den» (I Kor,.
'*J6>, fiin homint de hamine naicqiiam nuptrerit? Manebit qitidem sub/itantia,
'*tf IM alia forma, alia gloHa aliaque potentia ete. .' ogl. Guigo, Ep. ad fratre»
* «oirti Dei l. II c. 3,16 ( Opp. S. BeiHardi td. Mabilloa, Venedig 1781, III,
^H) «nrf Eekhart 519,36 ff. Zu nnwfisseuthejt fZ. 18) vgl oben lS3,3i: 184,36
"td Denifie 366 A. 7.
188 Leben Seuses. Kap. LII.
verget der freist, und doch nit genzlich, er gewinnet wol etlicb«
eigenscbaft der gotfaeit, mer er wirt doch natürlich got nit; daz ime
geschiht, daz geschiht von gnaden, wan er ist ein iht, geschaffei?
uss niht, daz eweklich belibet; denne so vil sie geseit, daz in der
Vergangenheit nah ire selbes ingenomenheit so enget ir daz zwivelidi -•
wunder in der verlomheit, da si entsezzet wirt des irsheit in dei
sinsheit na ir eigen unwüssentheit. Wan na gemeiner red ze sprechen,
so wirt der ^eist mit dez götlichen liehtrichen wesens kraft gernket
über sine naturlich vermugentheit in diss nihtes blossheit, wan si
ist aller wisen bloss von creaturen, mer in ir selben hat si ir wisel
eigenlich na ire weslichkeit. Disu wiselos wise ist wesen der l)e^
soneu; die habent es beschlossen in ainvaltiger wise na rehter dnr-
[79']gruntlichkeit als ir nature. Dis bekentn&s, als geseit ist, ent- .
sezet den geist; und daz geschiht in dem niht der einikeit na dei .
nihtes ungrüntlicher wüssentheit, darbende siner eigenlichen uemliclh ■
keit; wan da verlürt er sich in ein sin selbs vermissen und in dB
aller ding vergessen. Und daz geschah im do, do sich der geist u
im selber hat gekeret von sin selbs und aller dingen gewordenlicb-
:keit in die blossen ungewordenheit der nihtekeit.
In disem wilden gebirge des überg6tlichen wa ist ein enpfiot-l
lichü vorspilendü allen reinen geisten abgrüntlichkeit, und da kont
5 nah ire] sin M zwivelich fthli 31 6 da] daz M [in] de« M
7 am Bande Thomaz AMA\ im Text K 9 nihtes fehlt K 11 weslicht]
Wesenheit S wislichkeit A^ 11 f. am Rande Paulus A^ 16 dnrchgrfimt-
licher M darbender K 17 beschiht M 18 verkeret M 19 gewordo-
heit 0) M
6 f. Seuse unterschiebt hier den BegHjff Seele (statt Geist), 6 — 7 D. A.
^die Seele verliert gleicJisam das Ihrige und geht über in das göttliche S*«^
doch ohne Verlust ihres eigenen Wesens^ (Denifle 288 A, 2) ; vgl, Bernhard^ 1 1
10 n. 27 : 15 n. 39. 7 ff. Thomas, S. Th. 2,2 q, 176 a. 1, Von hier bis Z. 19
ist auch Eckhart 519,31 — 620,4 benützt (Z, 36 zu lesen wise, statt wite>.
9 si besieht sich auf diss nihtes blossheit (= da>s göttliche Wesen), nickt ü/
Seele oder Geist des Mensclien (so Diep, ^ 166) : bei Eckhart (Z, 34) geht i
auf einikeit. 13 ff. Sinn: in der Entrückung vergisst und verfitissi der (Mt
gleichsam sich selbst (nenilichkeit — Begriffe Wtsenheit), da er das unergrünMkt ■
Wesen Gottes zu erkennen sucht, mit andern Worten : er wird ents^tMi, entgtilt^
(vgl. oben 162,32 ff. und 188,6). Bichard von St. Viktor, De contempl. r,li:
cur non rede dicatur Spiritus semetipsum non habere, quando inctpit a stmMift^
deßcere et a suo e^se in supermundanum quemdam et vere plus quam kumtt*
num statum iransire etc. ? 20 Das Gleichnis vom Gebirgs nach II Jfot.
19,3 bei Dionysius, Dt myst. theol 1,3. 20 f. Eckhart 618,S4f.
Lehen Seiises. Kap. LH. ISf)-
. » iD die togenlicben ungenantheit und in daz wild enpfrömdekeit.
' lad daz ist daz grundlos tiefen abgründ allen creatnren nnd im
seikr grüntlidi; daz ist och verborgen allem dem, daz er selber nir
isl, denn allein dien, den er sieb wil gemeinden. Und die selben
oiöeseü in gelaseeDlieli säcben und in etlicbcr wise mit itii selben
bekennen, als du eehrift seit: „wir siilen da bekennen, als wir er-
kaiit sien." Dis bekentntis hat der geist nit von ein selbsheit, waa
dii einikeit zühet in in der dribcit an sieb, daz ist au sin rehteii.
libernatärUcbeR wonenden stat, da er wonet über sich selb in dem,
^ in da gezogen hat. Da stirbet der geiet al lebende in den.
IDiIern der gotbeit. Daz sterben dez geistes lit dar an, daz er
lerscbeides nit war nimt in siner Vergangenheit an der eigenlichen
ichkeit, mer nah dem ussehlag haltet er underscheid nah der
Mien driheit und lat ein ieklieb ding underscheidenlich sin, daz
It, als der diener underscbeidenlich bat üb geleit an dem bücblin
irarheit. L'nd merk noh ninen puncten : daz in der vordren ent-
^nheit schinet uss der einikeit ein ainvaltiges lieht, und dis wise-
I lieht wirt geliibtet von den drin personen in die luterkeit des-
Von dem inblike entsinket der geist im selben und aller
r eelbsbeit, er entsinket och der Wirklichkeit siner kret'ten and<
cntwörket und entgeistet. Und daz lit an dem inschlag, da er
sin selbsheit in daz fromd sinsheit vergangen und verlorn ist,
itillbeit der verklerten glanzenrichen düneterbeit in der blossen
1 togenl.) nigenlichen i!) 3fÄ' 4, gemenden A 6 als ^ bekenuen
P am Bande Paulus AM. im Te.xl SK 7 erkimtnUBt M 13 er]
V SO er fthlt M aller siner h. M 22 frouiJ fthU M 23 glanz-
l M ncd [in] der .W
1 »i = di« Sceli. 2—190,1 naeh Eckhart 518,38 — 519,19 (öla,39-
m gnintiii.'h, statt angruntlidi J. 6f. J Kor. 13,13. 10 Eekhart
> al sterbende. J^'g ist die Redt von äf gogen. mom mt/ttica.
. Veit der G*ist in der höc/wten Vereififfung nicht übtr lieh 'wd geilte
t^eklim (Daiiße 291 A. 1; S9^A.3: ö:isA.4.- S44 A. 1).- vgl Bdw
6. Wtnn er dagtgtn wieder su sich selber kommt (= Umschlag Z. 13) und
Utrt, «o «pirrf er »eina- eigenen ExigteuB bfinttgt und unltrschtidet drei-
HMD wt frofl. 19 ff. IH* Lehrer der Mystik «agtn, in der höchsten
„„tmyiiatiim sn ein Schliff, ein Schweigen, ein« Masse der Kräfit (gomnvs,
Wtv, Kpnicrum aniniiu}, vttil dit Seele während dieser Ruhe in Gott jeder
TtUfieit teie entrOekt und allem aussei- Gott wie abgestorbtn sei. Dabei sei
|iv Geist und Wille in hilchster Weist und mit grSsster Leichtigkeit tätig in
I Eiitgehva ai^f den Zug der Gnade und der Hingabe an Gott. Vgl..
'e291 A.S; 540 ff. Bonav., Hin. 7,3. 6 (p. 473, 476).
190 Lehen Seuses. Kap. LIII.
•eiuvaltigen einikeit. Und in disem entwistem wa lit du [79*="
h5hstü selikeit.
Du toliter sprach: ;,eya, eya, wunder! Wie sol man hier i/y
komen?" Er sprach: dar zfi lan ich entwürten den liehten Dio-
nysius; der sprichet also zfi sinem junger: begerest du in die ver-
borgen togenheit ze komen, so trite kechlich ufwert, und la vallen
din ussren und din inren sinne und daz eigen werk diner vemnoft,
und alles, daz gesihtig ald ungesihtig ist, und alles, daz we^en ond
nüt wesen ist, — zu der einvaltigen einikeit, in die solt du dringes
unwussende, in daz swigen, daz do ob allem wesen ist und ob aller i
roeister kunst ist, mit einem blossen abzuge des grundlosen, einval-
tigen, reinen gemütes, hin in den überweslichen widerglast der git-
liehen vinstri. Hie müss alle haft entheftet sin, ellä ding gelasseo
sin, wan in der überweslichen drivaltekait der fibergegöteten gotbei^
in dem togenlichen, überunbekanten, uberglestigen, aller höhsten gibel j
da hört man mit stillsprechendem swigene wunder, wunder; mu
enpfindet da nüwü abgeschaidnu unwandelberü wunder in der üb^
liehten dunklen vinsterheit, daz da ein fiberoffenbar liehtriche scliii
ist, in dem da al widerluhtet, und daz die ungesihtigen vemnnft
.fiberfället mit den unbekanten, ungesihtigen, fiberglestigen liechteB.1
Lin. Kapitel.
Diss bAches meinunge ein beschliessen mit kurzen einTaltigei ,
werten.
Dfi tohter sprach : „ach herr, ir redent, baidfi uss eigem grund«.
und uss der heiligen schrift, als gar kuntlich und cristanlich von tej
togenheit der blossen gotheit, von des geistes usgeflossenheit nsd
vwideringeflossenheit; mohtind ir mir die togen sinne nah fiwer ve^i
4 f. da wil ich zu antwürten lassen den 1. D. M Dionysius auch M
Rande A 5 sinen jungem SPM 8 ald] und M 12 widerglast — 14
überw. /ß/*7^ A^ 17 nüwü] nuwent S nö wie P 18 vinstren dunkelbüt Jf
4 — 20 Dionysius j De myst. theol. 1,1 (vgl. 1,3), ist hier von Seuu frd
benutzt, wohl auch Bonaventura, Itin. 7,5.6 (p. 473 ff.), der ebenfaüs Di^
nysius zitiert. 10 unwussende, vgl. Bonav., Itin. 7,5 (p. 473) : ad hoc (9A
ad transitum et exce^siim menti«) nihil potest natura, modicum patett mäm
Stria etc. : Brevil. 5,7 : Spiritus . . . quadam ignorantia docta supra 9e iptßm
rapitur in caliginem et excessum. Belege aus Augustinus und Richard
•St. Viktor bei Denifle 2U2 A. L\
Leben Seuses. Kap. LIÜ. 191
«tentoast etwie entwerfen mit bildgebender glichnus, daz ich es dest
baz verstünde ! Und wölti och gern, daz ir mir alle die hohen sinne,
die da vor witsweiflich geruret sind, daz ir die mit kurzer bildlicher
rede zesamen vassetind, dar umbe daz sn minen kranken sinnen dest
* beliplicher wurdin."
Er sprach: wie kan man bildlos gebilden unde wiselos be-
wiseo, daz fiber alle sinne und über menschlich vemunft ist? Wan
waz man glichnust dem git, so ist es noh tusentvalt ungelicher, denn
es glich sie. Aber doch, daz man bild mit bilden us tribe, so wil
ich dir hie biltlich zögen mit glichnusgebender rede, als verr [80']
es denn müglich ist^ von den selben bildlosen sinnen, wie es in der
warheit ze nemen ist, und lang red mit kurzen worten beschliessen.
Na hör: es seit ein wiser meister, daz got nah siner gotheit
genomen sie als ein yil wite ring, des mitle punct sie allenthalb
'nod der umbswank niene. Hie sezz in diner biltlichen betrahtung:
wer mit einem sweren stein enmiten in ein still stendes wasser vast
warfi, da wardi ein ring in dem wasser, und der ring von siner
kraft macheti ain andern, und der aber ein andern, und na ver-
iftagentheit dez ersten wurfes werdent och die kreiss wit und breit;
daz vermügen dez wurfes möhti als kreftig sin, daz es daz wasser
^les übergiengi. Hie nim biltlich in dem ersten ringe, daz ist in
der vermägenden kraft götlicher nature in dem vater, dd grundlos
ist, — di birt ir gelich einen andern ring nah der person, und daz
ist der sun, und die zwo die driten, daz ist ire beider geist, glich
^wig, glich almehtig. Daz bezeichnent die drie kreiss: vater, sun,
beiliger geist. In disem tiefen abgrftnde da ist du götlich nature
in dem vater sprechent und geberend daz wort her us na persön-
lichkeit, inne blibend na weslichkeit, du an sich nam die naturlichen
ixienschheit.
Wer nu daz wil bilden, der nem eins menschen forme, uss dez
berzen innigosten gründe entspring ein glichü gestalt, also daz es
die zit hab ein steren wider in. Disü geischlichü überweslichu
Bebort ist ein volkomnu sach aller dingen und geisten her für ze
bringen in ir natürliches wesen. Der obreste überwesliche geist der
1 bildberender M 2 mir — 3 ir die fehlt F 8 bildlicher SA^ 5 be-
ipeher A 16 sweren fehlt M 22 iind [du] i^rundl. M 31 entspringt S
iiehü] gotlichft A^
13 Alanus ab Insults j vgl. oben 17bA:2. 30 ff. V(jl. dazu das von
ffise entworfene Büd am Ende dkf^es Kapitels. 32 ff. Vgl, oben 179.öß\
192 Leben Seuses. Kap. Lin.
hat den menschen geedelt, daz er im von siner ewigen gotheit luhtei
und daz ist daz bilde gotes in dem vernünftigen gemute, daz ocl:
ewig ist. Dar umbe usser dem grossen ringe, der da betütet die
ewigen gotheit, flässent us nah biltlieher glichnüst kleinu ringln, da
och bezeichen mugen den hohen adel ire vern&nftikeit
Nu sind etlichü menschen, du nement den schedlichen vonker
von disem vernünftigen adel, sü verkleibent daz lühtend bilde und
kerent sich uf liplich lüste diser weit; und so sü wenent die frid
besizzen, so kunt der grimme tod und machet sin ein ende. Abo*
ein bekanter mensch von dem lichten fünklin der sele kert sich wider 1
uf in daz, [80""] daz ewig ist, usser dem es geflossen ist; er git
allen creaturen ein urlob und haltet sich allein zfi der ewigen
warheit.
Nim och nu eben war, wie der widerfluss dez geistes nah
biltlieher wise in rehter ordenhafti geschafen ist. Daz erst bilde]
ist ein lidiger vonker von der weit lasten und von süntlichen ge
bresten, sich vermugentlich ze keren uf ze gote mit emzigem gebete,
mit abgescheidenheit und mit tugentlichen bescheiden Übungen, of
ein undertenig machen den lip dem geiste. Daz ander bild dal
ist: sich willeklich und gedulteklich dar biten ze lidene die nnzil-||
liehen mengi aller der widerwertikeit, so im von got ald von Creator
mag zu gevallen. Daz drit bilde daz ist, daz er daz liden dei
gekrüzgcten Cristus sol in sich bilden und sin süssen lere ond
senften wandel und luters leben, daz er uns vor trüg, im nah xe
volgen, und also dur in fürbas hin in tringen; dar na mit einem I
enpfallene dez ussern gewerbes sich sezzen in ein stillheit sins ge-
mütes mit einer kreftigen gelassenheit, als ob der mensch im selber
tod sie, sich selb niene ze füren noh ze meinen, denn allein Criatoi ^
und sins himelschen vaters lob und ere meinen, gen allen menscheBy
baidü fi-ünden und vienden, sich demütklich und früntlich halten. \
Dar na kunt ein übiger mensch in ein entwürken der ussren
sinnen, die vor in dem usbrnch gar ze würklich waren, und der geul
kunt in ein entsinken siner obresten kreften nah ire floierender
6 schedL] beschaidenlichen (!) M 19 dem lip M 19 f. daz ist] ichlf
20 dar ze bietent M 21 ald [von] MA^ 25 [hin in] zu tringen P 81 ein-
würken S 32 [in] dem M 33 flogierender S florierender KMA^a
5 Das Gleichnis von den Hingen^ die der Stein im Wasser büdet^ atteh
bei Eckhart lOöyli'tff, An Kmanationslchre ist dabei nicht zu denken (Demß§
295 A, 0), 32 ff. Vgl. oben 189,19 ff. und Detiifle 296 A. 3.
Leben Seuses. Kap. LIII. 193
oatürlicbkeit; in ein übernatürlich enpfintlicbkeit. Hie dringet der
geist fürbaz in mit einer verlornheit anhaftender creatnrliehkeit, dur
den ring in, der da betütet die ewigen gotheit, und kunt da in
geistrich yolkomenheit. Du obrest richheit dez geistes in siner eigen
forme lit dar an, daz er snnder gebrestlich swarheit sich uf swinget
mit g6tlicher kraft in sin liehtrichen vernünftkeit, da er enpfindet
himelscbes trostes emzig ingeflossenheit. Er kan du ding togenlich
an sehen und vernünfteklich us rihten nah ire guten underscheide,
und stat ordenlich gefriet dur den sun in [81'] dem sun. Er stat
aber noh als in dem usschlag, nah der dingen in ire eigenr natur
wamemender anschownnge. Dis mag heissen dez geistes übervart,
wan er ist hie über zit nnd über stat, und ist mit minnericher
fichowunge in got vergangen.
Der nu im selber hie noh fürbaz kan rumen, und dem got
groslich mit Sonderheit wil helfen mit einem kreftigen abzug, als er
Panlus tet und noh müglich ist ze beschehen, als sant Bernhart
spricht, so wirt der creatürlich geist von dem übervveslichem geist
begrifen in daz, da er von eigenr kraft nit mohte hin komen. Der
insehlag entschleht im bild und form und alle menigvaltekeit, und
hmt in sin selbs und aller dingen warnemenden unwüssentheit, und
wirt da mit den drin personen wider in daz abgründ nah insweben-
der einvaltekeit in geswungen, da er gebruchet siner selikeit nah der
Mhsten warheit. Hie fürbaz ist enkein ringen noh werben, wan
daz begin und ende, als es hie na mit bilden ist entworfen, sind
eins worden, und der geist in entgeisteter wise ist eins mit im
worden. Wie aber du Vergangenheit, da si in diser zit einem
menschen wurdi, wie du na beliplicher ald unbeliplicher wise sie
geschafen, ald wie der menscli minr und me in der zit über zit
Wirt in begrifen und sin selbs entsezzet und in daz bildlos ein über-
8ezet, daz stat da vor mit gutem underscheid geschriben.
Fro tohter, nu merk eben, daz disü ellü cntworfnü bild und
disü usgeleiten verbildetü wort sind der bildlosen warheit als verr
5 am Bande von späterer Hand Nota A 11 luiscliow. — 18 schowunge
Mit F V2 mit] mir K 18 mochte K 20 wiirntmeink'r M 24 als —
entworfen nach 26 worden M 26 f. einen ni. A i31 disü t^llu feJtlt M
9 Joh. S,S6. 11 librrvart = transiius hei Bouaveuhira n'(jl, oben
^yOjlO Anm,), 16 II Kor. lL\:i Jlf. : Berfuirdutiy J)c grad. htim. b.
24 Am ScfUusa des Kapitels. 80 In Kap. 4ö n, ,>.?.
H, S e u • e, Deaticho Schriften. 13
194 Leben Seuses. Kap. LIII.
and als ungeliebt als ein swarzer mor der schönen sannen, und
knnt daz von der selben warheit formlosen, anbekanten einvaltekeit
Du tobter sab uf andebteklicb und sprach: „gelopt sie du
ewig warheit, daz ich von üweren wisen und leblichen worten m
schon bewiset bin dez ersten beginnes eins anvahenden meoscheDf §
und der ordenlicher mitel midens und lidens und ubens eins sft-
nemenden menschen, und mit gfttem underscheide in togenliehar
wise der aller nehsten blossen warheit. Dar umbe sie got ewekM
gelopt ! **
Do disü heiligü tohter von irem [Sl""] geischlichen vataril
adellich waz gewiset na ganzzer kristanlicher warheit mit gfttM J
underscheid uff alle weg, die da endent in hoher selikeit, and • J
daz wol hat ergrifen, als man es denn in der zit mag haben, do
schreib er ir an dem jüngsten brief under andren dingen also: Bi
dar, tohter, gib der creatur urlob und la diu fragen f&rbaz m^ loi
selb, waz got in dir Sprech! Du macht dich wol frftwen, dai dir
worden ist, daz mengem menschen vor belibet, wie aar es dir tat
worden ; daz ist nu alles da hin mit der zit. Dir ist nn fEirbai irfk
me ze tune, denn götlichen frid in stiller rftw haben, and bSBA
ze beiten der stunde diner zitlichen Vergangenheit in die YoIkoMV-i
ewigen selikeit.
Es geschah kürzlich dur na, do starb da heilig tohter all
nam ein selig ende, als och alles ir leben waz selig gewesen. 8
erschein irem geischlichen vater na ir tode vor in einer abgeseheidatf
gesiht, und luhte in schnewisser wat wol gezieret mit Uehtriohitfl
klarheit vol himelscher fröden. Si trat hin zfl ime and zogts iti^
wie adellich si in die blossen gotheit vergangen were. Das ssk flf
und bort es mit last und mit fr6den, und ward sin sele ab dlMf
gesiht vol g6tliches trostes. Do er zfi im selber kom, do sAfiMt 9
inneklich und gedahte: ;,ach got, wie selig der mensch ist, der lii||l
4 warheit] wyszhait K wort (!; P lieplichen S 7 menschen fM M
14 also uiidcr a. d. M 20 f. in — selik. fehlt A^ 24 von hier an sind i»
3/ etwa 6 Zeilen grossenteils verwischt und nur schwer Userlich abgesdi.
fehlt M 28 ab] von M 29 ersüfzet S
24 f. D. h. in einer mehr intellektuellen, als körperlichen oder tmapifidrai
Vision (Denifle 501 A. 1): vgl oben ISSpff,
Zweites Buch.
Büchlein der Ewigen Weisheit
[82""] Hie rahet an daz ander buchli.
Es stand ein bredier ze einer zit nah einer metti vor einem
kruzifixus und klaget got inneklich, daz er nit konde betrachten nah
siner martter und nah sinem lidenne, und daz ime daz als bitter
waz; wan dar an hatte* er bis an die stunde gar grozen gebrestffl
gehabt. Und do er in der klage stänt^ do kamen sine inren simie
in ein ungewonlich ufgezogenheit^ und luhte im gar geswinde wA
klarlich in also: „du solt hundert venjen machen und iedie reqe
mit einer sunderlichen betrahtnnge mins lidennes und die betrahtonge
mit einer begerunge, und ein ieklichs liden sol dir geistlich in g^
druket werden, daz selb durch mich wider ze lidenne, als verre es
dir muglich ist." Und do er also in dem Hecht stund und sfi zellen J
wolte, do vant er nit me denne nünzig. Do begerte er ze got also: "
„minneklicher herre, du hattest gemeinet von hunderten, und ü ;
envinde nit me denne nünzig.** Do wart er gewiset dennoch rf^
zehen, die hate er vor in dem capittel genomen, e daz er nah siner 3
gewonheit die gelichnüs sins eilenden usfürens in den tot hetti be- j
A = Hs. Berlin 4^ 64(j: E = Engelhtrg 141; E^ = Engelberg 15S;
E = Freiburg Unh\Bibl 474 : F"^ und F^ = Freiburg Erzbiach. Archiv («*«<
Signatur); H= Heidelbei-g Pal gtrm. 446: K=^ Einsiedeln 710; W= Wdff»'
büttel 7.S. 5 Aug. : Z = Zürich Stadtbibl. C Vä : a= L Druck 14S2. j
i
1 Überschrifl fehlt EU^F'FUIZ 7 f. und klarl. in fehlt F 9 inttl
inre F 18 vant — !:> do fehlt H 15 vinde E^ denne fehlt K I7il j
dem tod F^ j
2 ff. Vgl. Vita Kap. lo und IG: Hör. 12. 7 ufi^ezogenlieit = Vet^
zückung (quasi in vxtasi positus , Hör. l:J). 12 sü = die lOU Bdraehr
tungen. 17 sins r^ Christi.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Prolog. 197
und ander daz selb kruzifixus were komen. Und do vant
die hundert betrahtunge sinen bittern tod von dem anvang
daz ende gar eigenlich hatten beschlossen. Und do er sich
begonde üben nah dem, als er bewiset waz, do wart im dft
hertikeit verkeret in ein minneklich süzikeit.
u begerte er, ob vil liht ieman me in dem selben gebresten
Q hertikeit und in bitterkeit der betrahtunge dez minneklichen
i, in dem ellü selikeit lit, daz dem och gehulfen wurdi, und
sich hier an ftbti und nit ab liezi, unz daz er och geheilti.
ir umb so screib er die betrahtunge an und tet daz ze t&tsche,
im och also von gotte waren worden.
•ar nah gewan er mengen Hechten iufiuz gotlicher warheit,
im ein ursach waren, und stftnt in im uf ein kosen mit der
Wisheit; und daz geschah nit mit einem liplichen kosenne
t bildricher entwürt, es geschah allein mit betrahtunge in dem
jr heiligen schrift, der entwürt bi nüti getriegen mag, also
3 entwvirt genomen sint eintweder von der Ewigen Wisheit
die si selber sprach an dem evangelio, oder aber von dien
[83'] lerern; und begrifent eintweder du selben wort oder
ben sin oder aber sogtan warheit, du nah dem sinne der
i scrift geriht ist, usser der round du Ewig Wisheit hat geredet.
>ie gesihte, die hie nach Stent, die geschahen och nüt in
r wise, sü sint allein ein usgeleitü bischaft.
>ie entwürt von unser vrowen klag hat er genomen von dem
ler Worten sant Bernhardes.
nd die lere git er also vür in vragwise, dar umb daz si dest
iher sie, nüt daz er der si, den es an gehöret, oder daz er es
selber hab gesprochen. Er meint dar inne ein gemein lere'
da beidü, er und ellü menschen, mugen an vindcn, ein iek-
laz, daz in an gehöret.
daz fehlt F sines b. todes F 4 dar an fehlt F 7 [in] hitt.
IC 9 daz — geheilti] er daz och der bi lerneti F 10 so] do Fl^
;ot also J5* 13 dero] daz F in in ^ 15 bildlicher FlI allein
fehlt H einem vor betr. rot durchstr, A 16 betriegen F^K
n E^Fa oder aber — 20 sin fehlt K 20 nah] usser F 21 heiL
ger. hat F 24 f. von den sinnen F^ 26 als E^ 27 an ge-
28 meinde E^ 29 an fehlt E' SO [daz] daz E^ an höret E^
2 f. Hör. 10: visiones in sequeniihus content ae non sunt omnes accipiendae
m Uteram, licet midtae ad literam contif/erint, sed est figurata locutio,
'gl Kap. 17. 19. 20. 26 ff. Vgl. Hör. 10.
198 Büchlein der Ewigen Weisheit. Prolog.
Er nimt an sieb, als ein lerer tun sol, aller menscben persoi
nu redet er in eins sündigen menschen person, denne in eins vo
komen menschen person^ etwenne in der minnenden sele bilde, da
nah als dn materie ist, in einer gelichnüze eins dieners, mit dem d
Ewig Wisheit redet.
Es ist nahe alles in togenlicher wise us geleit; vil stat hie ii
lerewise, daz ein vliziger mensche im selben us kiesen sol ze an
debtigen gebeten.
Die sinne, die hie stant, sint einvaltig; so sint dt vvort doI
einveltiger, wan sü gant nzzer einer einvaltigen sele und gehören
zu einvaltigen menschen, du nob babent gebresten ab ze legen.
Es geschah, do der selb brüder die drie materien: daz lidei
und daz nachvolgen und daz ander alles, daz da stet, bäte an ge
vangen ze schribenne und komen waz bis dar von der rüwe: nt
wol uf sei minu etc., do hatte er etwas stozes dar inne. Also bak
er sich ze einem mitten tage geneiget uf sinen stftl, und in einea
liebten schlafe waz im vor gar bescbeidenlich, wie zwei verschoW
menschen in geischlichcm schine vor im sessin, und daz er sü gai
berteklicben strafti; daz sü als müssig sazen und sich nit übten. De
wart im ze versten geben, er sölte inen ein nadlun vedmen, dd im
in die hant wart gegeben. Nu waz der vadem drivaltig und zw«
teil waren gar klein, aber der dritte teil waz ein wenig grbux
Und do er du drü teil zesamen wolt trejen, do wolt es ime nll
wol ze banden gan. So sibet er nebent ime ze der rehten hanc
vor [83^] im unsern lieben herren stan, als er ab der sul wart g^
nomen, und der stünt vor im als reht gütlich und als vetterlich, das
er gedaht, ob er sin vater were. Nu nam er war, daz sin zarttfl
2 denne] etwenne E^ 7 f. andehti^em gebet J^'F^ 9 hie nach F wort
sinne F 12 f. liden [und] E» 13 und d. nachv. fehlt AKa 23 woU tti
AKaZ 24 f. stan iiach band Z 25 wart] was FP^ 26 reht vor vetteii i
und — vett. fehlt E^
14 f. Kap, 5. 17 lieliter schlaf = Viaion (Hör, 13: in visione), Vj
dazu das Bild am SchlufiS von Kap. 13. 21 drivaltig, Anspielung auf i
drei verschieden grossen Teile des Bdeiv. 24 ff. Ahnlicht Visionmij dit <
bildlichen Darstellungen ihre ünt^lage haben, finden sich namenUi^ in i
Dominikanerinnen viten des 14. Jh. öfters: Bttleye bei E. Krebs, Die Afy«fA
AdeViansen i>lf. 25 sul = G eisseh äule.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Prolog. 1 99
lip gar ein natarlich varw hatte : er enwaz nüt reht wiz, er waz
weisseDYar, daz ist wiz und rot wol vennigchet ander einander, und
daz ist dt aller naturlichest varw. Und nam war^ daz alle sin lip
recht durchwunt was, und die wunden waren vrisch und blfttig, und
gedieh waren sinwel und etlich eggeht, etlicb waren gar lang, als
in die geislen gezerret hatten. Und do er also minneklich vor im
8tünt und in so gutlich an sah, do hüb der brediger sin hende uf
und streich sA an sin blutigen wunden hin und her, aud nam denne
du drü teil des vadems und träte su geswind zesamen. Und do
0 wart im gegeben ein vermugen und verstaut es also^ daz er es s61ti
Tolbringen und daz got mit rSsvarwem kleid, daz usser sinen wun-
den wünklich gewürkt ist, die w61te in ewiger Schönheit kleiden,
die DU ir stunden hie mit vertribin.
Ein ding sol man wüssen : als unglich ist, der ein süzes seiten-
jßspil selber horti suzklich erklingen gegen dem, daz man da von allein
b6rt sprechen, als ungelich sint du wort, du in der lutren guade
werdent enpfangen und usser einem lebenden herzen dur einen leben-
den munt US fliezent gegen den selben werten, so sü an daz tot
bermit koment, und sunderliche in tütscher zungen ; wan so erkaltent
Ort neiswe und verblichent als die abgebrochnen roseo, wan du lust-
lich wise, du ob allen dingen menschlich herz rüret, du erlöschet
denne, und in der türri der türren herzeij werdent sü denn enphangen.
& enwart nie kein selten so süze: der in richtet uf ein türres schit,
« erstumbet. Ein minnerichen zungen ein unminneriches herze en-
ßkan als wenig verstan, als ein tütscher einen walhen. Und dar
2 weissenwar A wis varw K 4 reht] gar 2*' 6 zerzerret E^ zerret K
780] also r als A^ 8 denne] do AKa 10 er [es] jf*^^ 11 mit fehlt AF
12 wünklich] minneclich E' 15 süs E 15.18 gen E'EE' 15 all. da
Ton FF^ 20 verblaichent E^ 20 f. am Bande Gregorius in prologo HW
Jeronimus E^Z S.Jö E^ lusteklich Z 24 am Rande Bemardus super
Cantica E^F^HWZ Ein unminnriches herze kau ein minneriche zungen E^
2 wiz und rot (Eoheh 5,10), v(jl. Tochter Syon ed. Weinhold 1934 ff.;
Bern,, sermo 28 in Cant. n. 10; Richard j von St, Viktor in Cant, c. 36. Weitere
Mge bei Weinhold 517 und von Strauch in Afda VIII (hs82), 6. 19 Es
iit auffallend, wie Seuse von der deutschen Sprache, die er doch ausgezeichnet
handhabte, so gering denkt. Im Horologium ist sein Ai*fschwung allerdings
fWcÄ höher, 24 f. Bemardus, strmo 79 in Cant. n. 1 : omnino non potest
capert ignitum eloqui'um frigidum pectus. Quomodn eniin graece hquentem non
inkttigitj qui graecum non novit, nee latine loquentan, qui latinus non est, et
äa de eaeieris, sie litigua amoris ei, qui non amat, harbara en't, eritque sicut
aes sanans aui cymhalum tinniens.
200 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. I.
umbe 60 sol ein vliziger mensch den usvergangen rünsen diser suzeu
ler nah ilen, daz er si lerne au sehen nah dem ursprange^ do su io
ir leblichi, in ir wünklicher Schönheit waren; und daz waz der in-
fluz gegenwörtiger gnade, in dem si tötü herzen möhtin han erkicket
Und swer sü also [88 '] an blicket, der mag eigenlich kumme iemer l
dis überlesen, sin herz ranze inneklich bewegt werden, eintweder ze
inbrünstiger minne oder ze nüwem lichte oder jamer nah gotte und
missevallen der sünden, oder iemer zfi etlicher geistlichen begemngc,
in der du sele denne wurt ernüwret in gnaden.
Hie hat ein ende der prologus, daz ist du vorrede diss bucblis. t
Erster Teil.
I. Kapitel.
Wie etlichü menscheii von got unwissentlich werdent gezogfen.
Haue amavi et exquisivi a iuventute mea, et quae-
sivi mihi sponsam assumere.
Disü w6rtlü staut geschriben au der wisheit buche, und «int
gesprochen von der 8ch6nen minnerichen Ewigen Wisheit und spre-
chent ze tütsche also: „dis han ich gerainnet und us gesftchet voi
minen jungen tagen und han mir si us erkorn ze einer gemahlen.*
Es hate sich ein wilder müt in sinem ersten usker vergangen
in die wege der ungelichheit. Do begegent im in geistlicher unsap'
lieber bildunge du Ewig Wisheit und zoh in dur süz und sur, nni
daz si in brahte uf daz reht pfad der g6tlichen warheit. Und i^
er sich reht hinderdahte uf die wunderlichen züge, do sprach er w
2 [an] sehen F^ doj das F^ 3 in ir] mit A 5 enmag P^
7 und] oder zu einem E^ 9 sünde E^ 9 denne fehlt F^ 10 hie -
diss (des A) büchlis fehlt F^FF'HZ ein ende hat die vorrede des bnddiü
Wa 13 unwiss. von got F 16 an der — 17 gespr. fehlt F^ 18 ib»
ze tusche E' [us] gesüchet E' 19 und han — gem. fehlt F 21 uf di»
weg E^ 22 u. durch sur F^
I
14 Weish. 6,5. 21 ungelichheit - dissimüüudo, vgl. Vita B6^
und Bern., sermo 42 de dir. n. 3. Sense spricht hier von sich selbsi, vgl dk
ersten Kapitel der Vita, namentlich das vierte und Hör, 16 ff.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. L 201
gotte also: „minneklicher zarter herre, min gemüte hat von roinen
kintlichen tagen neiswaz gesücliet mit einem ilenden turste, herr,
Qnd waz daz si, daz enhab ich noh nit volkomenlich begriffen.
Herre, ich habe im menig jar hitzeklich nah gejaget, und enkonde
mir noh nie reht werden, wan ich enweiz nit reht, waz es ist, und
ist doch neiswaz, daz min herz und sele nah im zühet, und ane daz
ich niemer in reht riliwe kan gesetzet werden. Herre, ich wolt es
in den ersten tagen miner kintheit s&chen, als ich vor mir sah tun
io dien kreatnren, und so ich ieme suchte, so ich ie minre vand,
und 80 ich ie naher gieng, so ich dem selben ieme verret; wan von
einem ieklichen inblikenden bilde hat ich ein insprechen, e daz ich
8in genzlich versftchti, oder mich mit rflwe dar uf ergebi, also : daz
ist nit daz, daz du da sftchest. Und dis vontriben ist mir ie und
ie in allen dingen vor gewesen. Herre, nu wütet min herz dar nah,
Wan es hetti es gerne, und hat wol dik als [88"] einest enphunden,
«^az es nüt ist, herr, aber was es ist, dez ist es noh unbewiset. Owe,
feminter herr von himelrich, was ist es, ald wie ist es geschaffen,
'az so recht togenlich in mir spilt?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Erkennest du es nit? Es
tat dich doch minneklich unibevangen und hat dir den weg dik
nderstanden, unz daz es dich nu im selber allein hat gewunen.
Der dienen Herre, ich gesach sin nie noch gehört sin nie, ich
oweis, waz es ist.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Daz ist nit unbillich, wan
er kreaturen heimlichi und sin vrömdi schüfen daz. Aber nu tu uf
inü inren ougen und log, wer ich si. Ich hin es, du Ewig Wis-
icit, du dich in ewikeit ir selber hat uz erwellet mit dem umbvange
ainer ewigen vürsichtikeit. Ich han dir den weg als dik under-
tanden, als dik du werist von mir gescheiden, ob ich dich hetti
[clazen. Du funde in allen dingen iemer etwaz widerstenes; und
1 s.ho fehlt E' 3 hab 1? [noh] nit F' volleclich h? 4 im nu E^
^] DU F konde E^ 5 wais^ F^ 7 öre;*. kan w. E^ 11 inblikeu K
^t daz ist] ich hin E^ 13 [dazj daz F suchtest K 15 es] ich E^
H hab E^ wol nach eiuest E^ IG was es aber E^F^a 20 doch dik F
?DOch] und Ka noch geh. s. nie fehlt AHZ sin] si K en cc ich] und Ä
i Entwürt — Wisheit] die ewig wisheit F^ tso s-tvtsf) 25 creature E^
dik fehlt F^ 30 widerstants K
1 ff. Im folgenden sind die Conft\sf(iones dts hJ, Augustinus htnüizt, be^
der» Xy 6'.
202 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. I.
daz ist daz gewerest zeichen miner uzerwelten, daz ich sü mir selbe
wil haben.
Der diener: Zartü minneklichü wisheit, und bist du daz, daj
ich so reht lange han gesüchet? Bist du daz, nah dem min mtt
ie und ie rang? Owe, got, war umbe erz6igte8t du dich mir nit do
vil lang? Wie hast du es so rehte lange gesparet! Wie han ich so
mengen mülichen weg gewatten!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Hetti ich daz do getan,
80 erkandist du nit als enphintlich min gflt, als du es sus erkennest
Der diener: Owe, grundloses göt, wie hastu dich nn so
süzeklich in mir gegutet! Do ich nit waz, do gebe du mir wesen;
do ich mich von dir hate gescheiden, do enwoltest du nit von mir
scheiden; do ich dir endrinnen wolt, do hattest du mich so süzek*
lieh gevangen. Eya, Ewigü Wisheit, wan möhti sich nu min hcn
in tusent stuk uf brechen, und dich mins herzen wunne umbvahci
und mit steter minne und ganzem lobe alle mine tage mit dir ye^
zerren, daz were mins herzen girde! Wan gewerlich der mensch iit
selig, den du also minneklich vürkumist, daz du in niene reht liit
gerüwen, unz daz er sin röwe in dir alleine suchet.
Ach uzerweltü, minneklichü wisheit, [89'] sider ich nu an dir
vunden han, den min sei da minnet, so versmahe nit din anntt
kreatur; sich an, wie gar min herz erstumbet ist gegen aller diser
weit in lieb und in leide ! Herr, sol min herz iemer ein stumbe geg«
dir sin? Gib urlob, gib urlob, geminter herre, miner eilenden fld,
ein wort ze dir ze sprechenne, wan min volles herze mag es nit nwf
alleine getragen; so hat es in diser witen weit nieman, gegen de«
es sich erküle denne gegen dir, zarter, uzerwelter, geminter herra
und brüder! Herre, du sihest und weist allein die natur eins mioB*
riehen herzen und weist, daz nieman mag minnen, daz er in keincf
1 ist] ich (!) K 1 f. sü wil alleine mir s. h. E' 4 reht fehlt P9
7 gewandelt F 8 am Bande Thomas K^HZ do] vor F^ 11 gütet *
17 hegirde FK 18 verkumest Z last reht E^ 19 r&wen F^ tlldü
in dir F^FF^ 21 din] min F 22 verstumbet F^ 23 iemer und iemcr JP
24 min geminter h. E^ 25 enniag AK 28 und brüder fthU F 29 eiutf|
AFK
6 f. V(jl. Weish. 5,7. 8 Stuse hat wohl Thomas, S, Th. 3q.la.6hi
nützt. 18 f. Vgl Augustinus, Confess. i, 1: quia ftcisti nos ad te, ttitifitk
tum est cor nostrum, donec requiescat in te. 27 f. herre und brüder. Cil
die Bezeichnimgerij in denen das Verxcandtschafts Verhältnis zwischen Gott um
der begnadeten Seele zum Ausdruck kommt, vgl. die Zusammenstellungen I
Weinhold j Lamprecht ron Heg. 534 f.: Strauch, Marg. Ebner 316 f.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. I. 203
ise enkan bekennen. Dar umbe, sider leb dich nu allein 8ol minnen,
gib dich mir noh furbaz ze erkennene^ daz ich dich och genzlich
mionen künne.
Entwürt der Ewigen Wisbeit: Den höbsten usfluz aller
sen von ir ersten Ursprünge nimet man nach naturlicher ordenunge
"cb du edelsten wesen in du nidersten ; aber den widerfluz zft dem
prange nimt man durch du nidersten in du höhsten. Dar umb,
t du mich schowen in miner ungewordenen gotheit, so solt du
)h hie lernen erkennen und minnen in roiner gelitnen menscheit;
D daz ist der schnellest weg ze ewiger selikeit.
Der diener: Herre, so ermane ich dich hüt der grundlosen
me, daz du dich neigtest von dem hohen throne, von dem kunk-
len st&le des vätterlichen herzen in eilend und verschmeht drü
i drizig jar, und din minne, die du z& mir und ze allen menschen
ins&ij aller meist erzöigtest in dem aller bittersten lidenne dins
mmen todes; herre, des bis eimant^ daz du dich miner sele geist-
1 erzögest in der minneklichsten gestalte dar zft dich da unmezig
one ie brahte.
Entwurt der Ewigen Wisheit: So ich ie versigner, ie
lieber von minnen bin, so ich einem reht geordneten gemüte ie
ineklicher bin. Min grundlosü minne erzöigt sich in der grozen
terkeit mins lidennes als du sunne in ir glaste, als der schone
e in sinem smacke, und als daz starke vür in siner inbrünstigen
ze. Dar umbe so bore mit andahte, wie herzeklichen durch dich
itten ist.
1 kan E*F erkennen K nu fehlt F 3 kiiiine gem. K^ 4 am
nde Thomas AE^F'H alle E 6 [widerlfluz ?:' 13 und in v. F
erzoiget F 17 aUer minneklichsten AKaKK^ du] din E^ 18 be-
Bhte (!) K 19 ich [ie] F^ ersigeuer iV* 24 so fehlt F^
4 Vgl, Thomas, S, Th. 1 q, 44: ])e procisaione creaturaruvi a Deo. Sense
mt hier die Schöpfung (gegen Den. 314 A. ^), vgl. Hör. Q5: processus ema-
■ionis Cftaiurarum a summo verum rertice deo sccuiulum ordinem naturae
per descensum ex perfectioribus ad inperfectiora; ähnlich Hör. iiOö, Zur
klärung Dtnifle 295 A, 1: 519 A, 1, An Fantheismus ist nie bei Kap. ö3
Vita u. Kap. 3 des Bdw nicht zu denken. 8 tt. Ein den Vdtern sehr
iufiger Gedanke (vgl, Rom. 8,1?), die via rer/ia (Hör. 25) der Mystik hezeich-
d: vgl. Äug,, Tract, 13 in Joann. n. 4: per Christum hominem ad Christum
<m (vgl, Tract, 42 n, S ; sermo 141 n. 4, 2(J1 n. 7) : Thomas, Comp, theol. c. 2:
isti humanitas via est, qua ad JJivinitatem pervenitur (vgh id. in Joann.
t; Quodl, 6 a, 20). Eine Zusammenstellung aus deutschen Mystikern gibt
iflt, Das geistliehe Leben ' ISSo, 309 ff.
204 Büchlein der Ewigeu Weisheit. Kap. IL
II. Kapitel.
[89^] Wie es vor dem krtizgenne ergle.
Nach dem jüngsten nahtinal, do ich mich uf deme berge ergab
in daz liden des grimmen todes, do ich bevant, daz er mir gegen-
würtig was, do ward ich von angsten mines zarten herzen und ?on
noten alles mins libes nature hin vliezende von dem blutigen sweis.
Ich wart vientlich gevangen, strenklich gebunden, ellendklich ver*
füret; ich wart der naht mit streichen, mit verspoizenne, mit ver-
bindenne miner ogen lästerlich gehandelt, vrflje vor Cayphas ver-
sprochen und in den t5de vür schuldig ergeben. \ Unsäglich herz- u
J leid sah man an miner reinen mfiter von dem ersten anbüke, in dem
si mich in nöten sah, unz daz ich an daz krüze wart erhangen.J
Ich wart vür Pylatus schamlich gestellet, valseblich gerüget, totlicb i
verdamnet; sü stünden gegen mir mit griiwlichen ogen als die riseo
gewegenlich, und ich stund vor in als ein lämbli senftmütklich. leb, i
du Ewig Wisheit, ward vor Herodes in wissen kleidem torlich ver-
spottet, min schöne lip wart so gar leitlich von dien ungezogen
geiselschlegen zerfüret und zermüstet, min zartes hobt durgraben und (
daz minneklich antlüt mit Speichel und mit blftte vernmnen ; und wart
also verteilet ellendklich und schamlich mit minem krüz us gefaretll
in den tod. Sü schrüwen uf mich vil grüwlich, daz es in den luft
uf trang: „nu henka, henk den bösen wiht!" .
Der diener: Owe herr, der auvang ist als gar bitter, wie i
* 1 OTT! t_*l_* 'll A.* 1 «Mktff i
liden dur min herze und dur min sele gan!
Aber herre, daz ist ein groz wunder in minem herzen: minDek-
licher herr, ich such alles diu gotheit, so bütest du mir din men^cbeit;
ich sflch din süzigkeit, so hebest du vür din bitterkeit; ich woH
alles sugen, so lerest du mich striten. Ach herr, waz meinest du
hie mitte?
sol es ein ende nemen? Und sehe ich ein wildes tier also vor mir
handien, ich möhte es kume erliden ; wie sol mir denne so billich di»
]
2 kriiz<rang K 3 deme] den FF^ 7 f. gefuret F^ 8 Id der nahtf
8 f. im<l mit verb. E^FF^ 9 schonen ogen F claren durchstrichin Ik*
11 reinen] lieben FF^ 12 unz] bis E^ 15 geweg.] gemeinlich F 18 ux-
müschet F^ 20 f. us in den tod gef. F 24 vor mir also F^J^^ 25 f. dii
liden so b. E^ 28 mir als d. m. F 29 du mir F
18 durgraben von den Doimm. 22 Bor. :26: tolU^ ioUe, crucißge ■wte-
ficum ! 29 f. L, c. : petenti mamillas sngere das robusta ceriamina dec4rtaft»
:r
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. II. 205
Entw&rt der Ewigen Wisheit: Es mag »nieman komen
2e göüicher hocheit noch ze ungewonlieher süzikeit, er werde denn
yoT gezogen dur daz bilde miner menschlichen bitterkeit. So man
ane daz durcbgan miner menscheit ie höher uf klimmet, so man ie
6 tieffer Teilet. Min menscheit ist der weg, den man gat^ min liden
ist daz tor, durch daz man gan mftz, der zu dem wil komen, daz
du da suchest. Dar umbe tu [90'] hin dines herzen kleinheit und
tritte zu mir in den ring ritterlicher vestekeit, wan dem kneht ge-
zimt nit wol Zartheit, da der herre stat in stritberlicber künheit.
Ich wil dir minü wafenkleit an legen, w^an alles min liden müz von
dir nah dinem vermugenne werden gelitten.
Setze dich vorhin uf ein Verwegenheit, wan din herz müz dik
sterben, e daz du din natur überwindest, und von angsten den
blitigen sweis switzen von mengem pinlichem lidenne, in dem ich
&h mir wil bereiten-, wan ich wil dinen wurzgartten mit roter blüst
tungen. Du m&st wider alt gewonheit gevangen und gebunden
Werden; du wirst von minen widersachen dik heimlich gevelschet
ööd offenlich geschamget; manig valsche urteil der lüten wirt über
dich g&nde. Min marter solt du emzeklich in dinem herzen mit
Biüterlicher hcrzklicher minne tragen. Du gewinnest mengen argen
rihter dins götliohen lebens; so wirt din g6tlichü wise von mensch-
licher wise dik torlich verspottet. Din ungeübter lip wirt gegeiselt
öiit dem herten strengen lebenne; du wirst spotlich gekrönet mit
einem vertrukenne dins heiligen lebens. Dar nach wirst du mit mir
ö8 gefuret den eilenden krüzgaiig, so du dins eigennen wrllen us
gest, und dich din selbs verzihcst und aller kreatur als warlich ledig
stast in dien dingen, die dich dines ewigen heiles mugen ierren, als
ein sterbender mensch, so er hin zühet und mit diser weit nit me
ze schaffen hat.
Der diene r: Owe herr, daz ist mir ein müliches spil! Ellü
min natur erkunt sich diser wort, herr, wie sol ich daz iemer alles
erliden? Zarter herr, ich mftss eins sprechen: enkondest du in dincr
1 enmag E*F 4 [uf] climmct 7''^ 8 f. ziramet F' IH sterben FF^
15 rotem blät F^ 18 vasche (!) A 21 irutlicheii F^ 24 heil.] i^^otlicheii F
26 dich fehlt E^ 27 stat F in d. d. — krren fehlt FJ v^\\<r(i\\] eigenen F
30 diss /♦'* 31 erküt sich von diser red F alles fehlt AF
5 f. Vgl. Vita Kap. 13 m/jß',). 10 Vfjl Vtia Ko},. 44, 15 rok-
blüst =:= Leiden (angustiae et trihulationesj Hor.:JU), 10 /.. c: inretenitas
in ie consuetudines vincendo captivabens tt r/unsj h'gaheris.
206 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IL
ewigen wisheit kein ander wise vinden, mich ze behaltenne und dlz
njinne mir ze erzöigenne, daz du dich des grozen lidens nnd mich
dez bittem mitlidennes hettist überhebt? Wie schinent dinä gerib^
80 reht wunderlich!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Dem grundlosen abgründ
miner t6gni, in der ich ellü ding us riht nah miner ewigen vürsicb-
tikeity sol nieman nah gan, wan sü kan nieman begrifen. Und in
der so waz beid&, dez und menges anders ein vermugen, daz doch
niemer geschiht.
Doch so wissest daz, daz in der ordnunge nu du [90^] usgefloz- ]
nä wesen sind, daz enkein behaglicher wise enmoht werden. Der
herr der natur nimet nit war, waz er vermag in der natur, er nimt
war, was einer ieklicher kreatur aller gezemest ist, und dar nah so
würket er.
Wie moht nu der mensch baz erkennen die gfttlichen yerboMl|
genheit, denn in der angenomenen menscheit?
Der von ungeordneter wollust hate vröd verlorn, wie moht der
ordenlicher ewiger vröde bewiset werden?
Wie moht der ungeübt weg eins herten verschmehten lebcni
getribenr werden, denne so er von got selb selber getribeill
wurde ?
Legist du denne in dem gerihte des todes: der den totschUg
vür dich enpbienge, wie konde er dir mer trüwen und liebi erz6igcn,
oder dich hin wider gereizen sich ze minnenne?
Swen denn min grundlosu minne, min unsaglichü erbarmhen- 0
keit, min klaru gotheit, min aller J&tzeligistü menscheit, brAderlicki
trüwe, gemahellichü vrüntschaft nit beweget ze inneklicher minnc
was solti denn daz ersteinte herz erweichen?
■{
1
— ■ i
3 bittern fehlt F b am Rande Thomas E^ 8 mengea fekU P
10 als nu ÄKa 11 daz fehU ÜJ'F^ behagenlicher JE* moht E'P
12 am Rande Augustinus E'Z 13 einer fehlt E^ ist] si E* 16 be
kennen F 20 getriben werden AKaFZ 23 dir der mer E^ trüw f^ ]
24 hin wider fehlt F sich fehlt F dich F* 27 gemahelte F^ i
i
3 Rom, 11,33, 6 ff. Weitere Ämfiihrumj Hör, SO, Das ThtmaiP^
bezieht sich wohl auf S, Th. 3 q. 1 a. 2. 12 Das Äugustinussitat (De TrM>
XIII, 10 n. 1), wohl aus Thomas /. c. entnomtnen, gehört bu Z, 15. 17 Fpl
Hör. 31 : qualiter ordinatius quam per temporalem tnbulationem amissa (gaiM)
recuperare dihuerat ? 19 L, c. : cum via, quae ducit ad vf<am, sü arU d
semitae angusiae et ante incarnationem fuerint minus iritae etc.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. III. 207
Vrag aller kreatnr schön ordnunge, ob ich in keiner wünk-
ier wise min gerehtkeit mAhti behalten^ min grundlosen erbarm-
rzkeit erz&gen, menschlich natur geedeln, min guti entgiessen, himel-
h und ertrich versunen, denn mit minem bittern tode?
Derdiener: Herre,gewerlich, ich beginne eigenlichen merken,
\ es also ist; und swen nnverstandenheit nut hat geblendet und
i hier uf reht hinderdenket, der müz dir des jehen und die
önen mineklichen wise ob aller wise rümen. Aber einem tr&gen
) tat daz nachvolgen we.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Erschrik nät ab deme
lYolgenne mins lidens; wan swem got als inr wirt, daz ime daz
in licht wirt; der hat nüt ze klagenne.
Mich nnzet nieman me nah ungewonlicher säzikeit, denn die,
mit mir stant in der hertsten bitterkeit.
E^ klaget nieman als vil bitterkeit der hülschen, als der, dem
kant ist du iure s&zikeit dez kernen.
Es ist halb erstritten, swer hat einen gftten gehilfen.
Der diener: Herr, dinu trostlichen wort hein mich als ge-
rz gemaehet, daz mich dunket, ich vermuge in dir ellü ding tun
d liden. Dar umbe beger ich, daz du mir den hord dins lidens
Qzlich uf schliesses^, und mir noch me da von sagest.
III. Kapitel.
[91'] Wie es an dem kriiz nmb In stund nah dem ussren
menschen.
Entwärt der Ewigen Wisheit: Do ich an dem hohen
ie des kruzes vür dich und ellü menschen von grundloser minne
langen ward, do wart ellü min gestalt vil jemerlich verkert. Minü
iren ogen erlaschen und wurden verkeret; minü götlichen oren
irden spottes und lasters erfüllet, min edels riechen waz verwan-
1 creaturen F 6 nüt] nü ^ 7 bedenket F^ 8 ob aller wise
H F^ einen K 18 [herr] disü F 19 eUii d. in dir Z 25 Entw.
T\laheit fehlt AF^HK 27 f. minü kl. o. — verkeret fehlt F'
1 flF. Die Kongraentgründe für ClirisH Menschwerdung und Leiden (nullus
hrior et eongruentior modus, Hör, 31) gibt Sense ganz im Anschluss
lie Scholastik (Thomas, S. Th. 3 q. 19 sqq.: Comp, theol rerit. IV, 6. 9. 19).
9 Fhil 4,13.
208 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. III.
delt mit bösem smak, min suzer mund mit bitterm tränke, mi
zartü berürde mit herten schlagen. Do gebrast mir alles ertriche
ze einer kleinen rüwe, wan es waz min götlichs hobt von ser nsd
Ungemach geneiget. Min gemeitü kele waz vil ungezogenlich ge-
streichet, min reines antlut mit speichel gar verunreint, min latrn
varw erbleichet. Sich, do ertodet min schönü gestalt als gar, ab
ob ich es were ein ussezling, und ich es du schön wisheit nie were
worden.
Der diener: 0 du so reht lützeliger Spiegel aller gnaden,
in dem die himelschen geiste ir ogen ermeient und erwitterent, wan
hetti ich din gemintes antlut in der tötlichen wise, unz daz ich es
mit mins herzen trehneu wol durchgusse, unz daz ich du schineo
ogen, die lichten wangen, den zartten mund so erbleichet und er-
todet durschoweti, daz ich min herz mit inneklicher klag ob im wol
erkfllti !
Ach minneklicher herr, din liden gat etlichen lüten als nah ze
herzen, die kunnen dich als inneklichen klagen und mugen dich ab
herzklichen weinen; ach got, wan könd und möht ich nu ellu min-
nenden herzen mit klag verwesen, wan möhte ich aller ogen lichte
trehen gereren und aller zungen kleglichu wort gesprechen, so w61t
ich dir hüt erzöigen, wie nahe mir din eilendes liden lit!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Es erzöiget nieman bax,
wie nahe im min liden gat, denn der es treit mit mir an erzöigunge
der werke. Mir ist lieber ein lediges unbekumbert herze von aller
zerganklicher minne mit stetem vlize ze ervolgenne daz nehstenaki
einem uswürkenne mins vorgebildeten lebens, denne ob du mich
iemer klagtist und als mengen treben von weinenne miner marter
rcvtist, als meng trophli wassers von himel ie geregnet; wan dai
nahvolgen waz ein sach, dar [Ol""] umb ich den bittem tod leit,
swie mir die trehen och gar minnklich und genem sien. . '
Der diener: Owe, zarter herr, sid dir denne ein lieplichcs
nahvolgen dius senftmütigen lebenncs und dins minnericheu liden«
2 •rel)ra]it F 3 [es] min g. höbet waz E^J' 4 waz fefdi i'' 7 [«)
wori ein ussezzip^cr mensche /' were nach ussezling E^ ussezig K 10 «^
witrent E^HKZ 11 p^emintes] gemeites AK minigkliches « 14 to ^^
weti F 16 miiuieker (!) A 23 mit mir fehlt E^ erzoiren F^ 30innec*
lieh [und] F 31 zart<T fehlt F' dir fehlt AK
Gf. V<jl. Is. 53,4. 10 Hur. o3: iocttndi.'^smiit obtntibus suos gandt^i
oculos defigere felicitate indefessa.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IV. 209
80 gar minneklich ist^ so wil ich na värbaz minen fliz me legen nf
ein minnekliches nahvolgen denn uf ein weinliches klagen, wie ich
ni beidü nah dinen worten sül haben. Und dar umb so lere, wie
ieb mich dir sul geliehen an disem lidenne.
5 Entwürt der Ewigen Wisheit: Brich dinen last an ver-
lasener gesiebt and üppiger gehörde; laze dir wol schmaken von
minnen and lastig sin, daz dir vor wider waz, leg ab dar mich Zart-
heit dins libes. Da solt alle din rfiwe in mir suchen, liplich an-
gemach minnen, vrömdes übel willeklich liden, verschmeht begeren,
dinen begirden erbleichen and allen dinen gelüsten ertoden. Daz
ist der anevang in der schule der wisheit, den man liset an dem
ii%etanen zertenneten buch mines gekrüzgeten libes. Und lüge, so
ein mensch getfit alles sin vermagen, ob mir dennoh ieman in aller
diser weit si, als ich im bin?
IV. Kapitel.
Wie reht getrüwllch sin liden waz.
Der diener: Herre, so ich vergisse diner wirdekeit, diner
gäbe, des natzes and aller ding, so ruret mich dennoch ein ding als
teht nahe, daz ist, so ich recht hinderdenk nit allein die wise ansers
^ keiles, och die grandlosen getrüwen wise. Herr, es git menge dem
tadem, daz man sin liebi and sin trüwe baz an der wise, denn an
d^ gäbe verstat: ein kleinü gäbe in getrüwlicher wise tut dik baz,
denne ein grözü ane die wise. Herr, na ist nit alleine din gäbe
groz, och du wise danket mich als reht grandlos getrüwlich. Da
^hsü nit allein den tot vür mich gelitten, da hast och daz aller
Inaderste, daz aller nehste, daz verborgnest aller minne gesflchet, in
dem man liden kiesen kan oder mag. Da hast reht getan, als ob
du sprechist: „lügent ellü herzen, ob ie kein herz so vol minnen
1 m. flis fürbas i'' me fehlt F 2 minneriches E^ 3 lere mich F
4 aD di8. 1. fehlt F 5 d. lust] dinem lip ab F 7 lustlich E^ 8 f. 1. ung.
ainnen fehlt AKaH 11 da liset AKaH 12 krützegoten E^ 13 in —
U weit fehlt F^ 14 diser] der E^ im fehlt K 16 getrüwe E' ' 17 d.
diener /eÄÄ AF^ 23 nit^tt F 24 dunk. mich] ist F 26 vür] durch F"^
och daz — 27 du hast fehlt K 25 f. daz aller h. fehlt FH 26 hund.]
piniichost E^ 27 kiesen] sftchen F^ als [ob] F
9 VTomdes übel = mala ülata (Hör. 33). 11 Vgl. l. c.: haec sunt
nquam prima principia.
H. Seuie, Deatiche Schriften. 14
210 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IV.
wurde? Sehent, werin ellü minü gelider daz edelste gelid, daz s
mir ist, daz ist daz herz^ daz wolt ich lazen durwnnden und tot^
und uf zerren und in kleinü stuk zermalen, daz nüt in mir nob ai
mir belibe ungegeben, daz ir [92'] min minne erkandent.** Aei
herr, wie waz dir ze mute, oder wez gedehte du? Du werest es
doch wol noh naher zu komen?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Do begerte nie kein io-
turstiger mund so bitzeklichen eins kalten brunnen noch kein ster-
bender mensche des vrölichen lebtagen, als ich begertC; daz ich
allen sündem gehulfe und mich inen geliebti. E hat man die Ter- :
farnen tag her wider braht, e hat man alle ertorreten biAmen widff
ergrunet und ellu regentröphlü wider gesamnet, e man min minna
ze dir und ze allen menschen mug gezellen. Und dar umb so bin iek
als gar ns gegossen von minnezeichen, daz man einer nadlen pAnffi
nit möhti han gesetzet an minem durmarterten Übe ane sin 8unde^)
lieh minnezeichen.
Lüg, min rehtü band waz dnmegelt, min linggu band dar '
schlagen, min rechter arm zerspannen und min lingger gar ser zer-
tennet, min rechter vüz durgraben und min lingger grüwlich diu^*
howen. Ich hanget in ungewalte und in grozer müdi miner götlichen i
bein, Ellü min zarten glider wurden unbeweglich gephrenget an da
engen notstal ; min hitziges blüt gewan von nöten mengen wildei J
uzbruch, von dem min sterbende Hb verrunnen und blfltig waz, dtf
ein jemerlich angesibt gab. Sich ein kleglich ding: min jange^
schone, blüender lip der begonde valwen, torren und darben. DffI
müde zarte rugge bäte an dem ruhen kruz ein hertes lenen. dub
swere Hb ein nidirsigen ; alle min lip waz durwunt und dorsere^ '
— und daz alles trüg min minnendez herze minneklich.
1 werin] vor au AKa daz ed. glid — 2 ist, daz fehlt F^ 2 und /«W ,
AFF^ 5 [du] Du HK es] sin 1^ 6 noh fehlt E^F noch wol P
7 f. turstiger F 8 kalten] kulen F' 9 daz] wie E^ 10 mich] ich F 10 f. Te^
varndcn F^ 11 h^t fehlt F 13 zelleu K 14 ussgelesen F^ usgeseBseni!)^
18 {rg,r fehlt F ser fehlt AKE^ 21 lider E^ 22 notstal des krüzes AKt^S^
23 ufbruch AKaFF^Z 25 tiirren Z 26 ruhen /eA// AK 28 alles sament f
minnendez fMt F
14 f. Hör. 34: (juod non itweniebatur nee sjyatium unius puncH i« «*•
corjtore cnicifixo. quod non dolore et amore singulari rdiiceret, 20 f. I». f«*
er uro admodiim fesüa et viidenti quadnin eancellatione constricta; respiee ddh
cdia corporis mtinbra^ tarn artae inelusioni mancipata.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. V. 211
V. Kapitel.
Wie du sele under dem krdz kunt ze einem herzklichen
rdwenne und ze einem rollten rergebenne.
Der diener: Nu wol uf, sei niinü, samen dich genzlich von
Her nsserkeit in ein stilles swigen rehter inrkeit, daz du mit ganzer
rafi nf brechest, daz du dich verloffest und verwildest in die wilden
isti eins grundlosen herzleides^ uf die hohen velsen dez hinder-
ihten eilendes, und schriest mit dinem versenedem herzen, daz es
ber berg und tal hohe dur die lüfte in den himel vur alles himel-
ihes her nf tringe, und sprich in diner [92^] kleglichen stimme
80: „ach ir lebenden stein, ir wilden rein, ir liebten 5wen! wer
t mir, daz daz inbrünstig vür mins vollen herzen und daz heisse
asser miner kleglichen trehen üch erweke, daz ir mir helfent klagen
LZ grundlos leid, leid, herzlcid, daz min armes herze so t5genlich
eit! Owe, mich hatte der himelsche vater über alle liplich kreatur
zieret und im selber ze einer zarten, minneklichen geniahel us er-
riet; nu bin ich im endrunnen! Owe, ich han in verlorn^ ich han
in einges uzerweltes liep verlorn! Owe und owe, und mincm ellen-
n herzen iemer we, waz han ich getan, waz han ich verlorn! Ich
in mich selber und alles himelsches her, — alles, daz wunne und
öd moht geben, daz ist mir endrunnen! Ich sitze bloz, wan min
tischen minner, mine waren trieger, owe mord, hein mich valsch-
ih und ellendklich gelazen und ab mir gezerret alles daz gOf, da
it mich min einges liep hate gekleidet. (Jwe ere, owe vrode, owe
le trost, wie bin ich diu so gar berobet! Wan ach und we sol min
ost iemer sin. War sol ich mich koren V Mich hat doch ellü disü
elt gelazen, wan ich min einiges liep han gelazen. Owe und owe,
u ich daz ie getet! Wel ein jemerliehü stunde daz waz! I^fjgcnt
d mich speten zitlosen, sehent mich an einoii Kclilffchdorn, alle roton
4 d. flieneT fehlt F^HK \\\u\ .«amen F 0 verk'^rt^f.st. F J5 kn»a-
iren AKF^ 16 und mich hu -i. F 17 in fehtt K MW ich lian rn.
JTlorn fehlt F 18 [und] mineiii F UM. Ich han h*-v fehlt // -jo iinü
lea, daz AKa 21 gehen moht F 21 h»:in mi'h \*:\\ liiui /' ' 25 Min
hU AF 26 doch fthU K
1 Kap, 5 auch in W. Wn(:h*crnfifjel- Jjt^iit/^rhtm Leheharh /* fjhtijj
^JF., ran F. Pfeiffer nach AFZ h'arh':<tet. 2'» Xarh in-r './'fange v<rr-
1? Vgl. Mar. 30 : memetipsum etenim //uo^i *-f o////". rttic^ifM MffnitiH' ollendi.
21 L0. c: sedeo nuda. tidua ft de^olntn.
212 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. V.
rSsen, wissen lylien, und neraent war, wie schier verblichen, erdorre^
und erdarbet ist der bläme, den disä weit brichet! Wan ich sol no
iemer me also lebend sterben, also blüjend torren, also junge alteo
und also gesunder siechen.
Owe, zarter herr, es ist aber alles klein ze wegenne, daz ich
lide, gegen dem allein, daz ich din vätterliches antlät han erzürnet,
wan daz ist mir ein helle und ein liden ob allem lidenne. Owe,
daz du mich so minneklich hattest värkomen, so zärtlich mantest ond
so lieplich zuge, owe, und daz ich des alles so gar vergass! Owe
sterben ! Owe, menschliches herze, waz macht du erliden ! Owe hen j
mins, wie bist du so st&blin, daz du nit alles von leide zerspringest!
Ich hies doch hie vor sin liebü [93'] geraahel, owe, we und iemer
we, ich bin nüt wirdig, daz ich nu heisse sin &rmä wöscherin! Idi
engetar doch minu ogen vor bittere schäm niemer me nf erhaben.
Min mund müz doch iemer me ein stumbe gegen im sin in lieb nkl
in leide. Owe, wie ist mir in diser witen weit so enge! Owe gol^
wan were ich in einem wilden walde, da mich nieman sehi noeh
borti, unz daz ich mich wol erschrüwe nah alles mins herzen begirde^
daz joch dem armen herzen so vil dest lichter wurde, wan anden
trostes han ich nit. Owe s&nd, war z6 hastu mich bracht ! We, we^
valschu weit, dem der dir dienet! Wie hast du mir gelonet, daz iflh
mir selben und aller der weit ein burdi bin und iemer mftz sin!
Owe, gesah got die riehen künginnen, die riehen seien, die mit
vr6mdem schaden sint witzig worden, die in ir ersten unschulde vsi
reinikeit an lib und an mät beliben sint; wie sint die so nnwtoeit
selig! Owe, lutru consciencie, lediges, vries herz, wie ist dir so «•
kunt, wie es umb ein sundig, geladen, swärmütig herzstat! Ovreick
aimes wip, wie waz mir so wol bi minem gemaheln, und loh dal
do so wenig erkande! Wer git mir des himels breit permit, d«i
1
2 ist fehlt AKaFF^Z 3 sterben lebent K 6 aUein] allem P
7 mir fehlt E' 8 verkomen Z 13 doch niU F^Z 14 getar E'F^ 16 m]
ze JK^F"^ 17 f. horti n. sehi FJF 18 unz] bis F' nah — begirde/#iW« ^
20 han] enhab AK 22 iemer me E^ 23 riehen s.] reinen s, E^ 24 witflf
8. worden E^ unschulde] Ursprung F '25 [an] mui AZ unwissentlieii ^ <
26 so gar E^ 27 sündig gel. fehlt F 29 do fehlt F
9 ff. Hör. 37: o moHis infelicis opiata praeseniia, ad quid retardoi? Ctf
me non tollis ? 0 cordis humani foriitudo praevalida, quia tanta patimio »^
deficio! 13 L. c: focaria^ lotricis officio deputanda. 22 Job 7J^
29 ff. Hör, 39 : quis mihi det membranas celi habentes latitudinemf otf^
mentum maris excedetis qaaniiiatem^ et calamos tot quot arbarum folia €t JMV^
BüehleiD der Ewigen Weisheit. Kap. V. 213
mers tieflS ze tinkten, lob und gras ze vedren, daz ich volschribe
min berzleid und daz nnwiderbrinklich ungemach, daz mir daz leit-
lieh scheiden von minem geminten hat getan! We mir, daz ich ie
reboren ward! Waz ist mir nu me ze tünne, denne daz ich mich
dber verwerfe in daz abgründ dez leitlichen verzwiflens?**
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du solt nit verzwiflen;
eh bin doch dnr dich und alle sünder in dis weit komen, daz ich
Uefa widerbringe minem himelscben vater in als grozer gezierde,
darfaeit und laterkeit, als du si ie gewunne.
Der diener: Owe, waz ist daz, daz da so süzeklich erklinget
0 einer erstorbnen, ungenemen, hingeworfnen sele ?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Erkennest du mich
ut? Wie bist du so nider gesigen? Oder ist dir von unmessigem
berzleide geswunden? Min zartes kint, ich bin es doch, du zarte,
U erbarmherzig Wisheit, du da hat daz abgr&nde der grundlosen
ffbarmherzkeit, dt da allen heiligen nah ir abgründe verborgen ist,
Ht uf geschlossen^ [93^] dich und jfiix ruwigen herzen miltklich ze
^hahenne. Ich bin es, du süsse, du da arm und eilend wart, daz
eh dich zft diner wirdekeit widerbrechti ; ich bin es, du den bittern
od hat gelitten, daz ich dich wider lebent macheti. Ich stan hie
leich, bifitvar und minneklich, als ich stund an dem hohen galgen
es kruzes enzwuschent dem strengen gerichte mins vatters und
ir. Ich bin es, din bräder, lüg, ich bin es, din gemahel! Ich han
ig gar vergessen alles, daz du ie wider mich getet, als ob es nie
rere geschehen, ob du dich allein nu genzklich zi\ mir kerest und
ich nit me von mir scheidest. Wesche dich in minem minnerichen,
osevarwem blftte, richte uf din hopte, tti uf dinü ogen, und ge-
rinne einen guten mät! Nim hin ze einem Urkunde einer gantzen
•tne min gemahelvingerlin an din band, din erstes kleid, scIiAhe
in din fusse und den minneklichen namen, daz du min gemahel
^eklich heissest und siest.
1 timkten A 3f. we mir, daz ich daz ie ^^etet, we mir, daz ich ie fi;.
^'F 4 ward geboren E^ 8 dich] si F 10 da ß'hlt FM' so] als AKa
15 [du] erbarmh. F 16 du] daz AKa dsL fehlt E"^ 18 8uze wislieit, du [da] E^
lökhb. — 20 macheti /e^Zf E^ 25 beschehen weri E^ 30 minnerichen F
^^fum gmmina, ut perstringere posnem dolorem .sitnulque damnum v-recuperabikf
9^ incurri, quia düectum meum dereliqui! Zu diesen und ähnlichen formel*
Mtften Wendungen (vgl, auch Bdetc Kap. :24 Anfang und Hör, 76) reiche Belege
Wä Köhler, Kleine Schriften III (1900), :^i)3—31ti iS. 30() Seuse); Müllen-
ef und Seherer, Denkmäler 11^, 152 ff. 29 f. Luk. lö,22.
214 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. V.
Sihe, ich han dich als reht sur erarnet ; dar umbe, were all<
ertrich ein inbrünstiges vur und legi enmitten dar inne ein handFc
werkeS; daz were von siner naturlichen art nit so geswind enpbeoi
lieh der fürinen flaromen, als daz abgründ miner grundlosen er-
barmherzkeit einem widerkerenden menschen.
Der diener: Owe vater miner, owe brüder miner, owe alle«,
daz min herze erfröwen mag, und wilt du mich ungeneroen sei noch
begnaden? Owe waz gnaden, waz grundloser erbarmherzkeit! Des
valle ich vür din y&ze, himelscher vater, und sagen dir dank von
allem gründe mins herzen und bitte dich, daz du an sehest diDea
minneklichen einbornen sun, den du von minnen in den bittern t5d
gebde, und miner giozen missetat vergessest. Gedenk, himelscher
vatter, daz du hie vor Noe gelübd und spreche: ^ich wil minen
bogen zerspannen in die lüfte, den wil ich an sehen, und dersolai
ein sftnzeichen enzwischen mir und dem ertriche." Eya, nu sihe iif
an, zarter vater, wie zerspannen und zertennet er ist, daz man aOcf
sin gebein und sin rippe m6hti zellen! Lüg, wie gerötet, ergrauet
und ergilwet in du minne hat! Nu durschSwe, himelscher Tater,
dins [94'] zarten einbornen minneklichen kindes hende und ame
und fuze so jemerlich zerdennet, sihe an sinen schönen lip so ifri
varw und durchmartret, und vergis dines zornes gegen mir! Gedenk,
war umb heissest du der erbarmherziger herre, der vatter der et'
barmherzkeit, denne daz du vergebest? Daz ist din name. Wen
hast du din aller liepstes liep gegeben? Den sündern! Herr, eriit
min, herre, er ist reht unser! Ich nmbschlnz mich hüt mit sineil
zertanen blozen armen, mit einem inneklichen umbvang des gnmdei
mines herzen und miner sele, und enwil von im weder lebent noek
töte niemer me werden gescheiden. Dar umb so ere in hüt an mif
und laze gnedklich varn, wa ich dich ie erzurnde; wan möglicher
dühte mich den tot ze lidenne, denn dich, minen getrüwen bimet*
sehen vater ieraer me swarlich ze erzürnenne. Wan alles liden nii^
vertruken, noch helle noch vegfür klage ich nit so vil und tft^
3 enwere E^ 3 f. nit als enpfenclich so geswinde E^ 6 einen J
8 owe w. gnaden fehlt AKH 9 ich hüt F gnade und dank E^ 10 iUc0
fthlt F 14 f. sin nach sönz. AK 16 zarter] müter E^ 19 hende [und] S
20 f. rosevarweclich und so durchm. F 22 erbarmh.] mute jB* 28 f. ^
vatter d. erb. fehU F erbarmh.] erbermde E^ 32 helle und y. E} vai
tÄt — 216,1 we fehlt F^
9
13 ff. I Mos. 9,13. 31 f. Ergänze : was ich als Straf $ vtrdimi M«
Bitehlein der Ewigen Weisheit, Kap. V. 215
inem herzen DÜt so we, als daz ich dicb, minen schepher, ininen
minen got, minen loser, ach, und alle inine vröde und herzen-
IDDC, ie erzurude und dir kein unere ie g;etet. Owe, mfiht ich
ir umbe dur alle himel herzleid schrien, daz min herz iu dem libe
hjsend stuk zerBprunye, daz teti ich genie. Und so du mir min
BBetat ie laterlicher vergibest, so es mir ie herzleider ist, daz ich
lern grozen gftte als undankber bin gesin.
Und du, min einiger trost, zavtü uzerweltü Ewigü Wisheit,
e kao ich dir iemer voldanken des i'ibergüldens alles gutes, daz
mit dinen wunden, mit diuem ser versünet hast und gebeilet hast
1 bruch, den alle kreaturen nit mohten widerbringen! Und dar
;be, min eingü vrfide, so wise mich, wie ich dinii minnezeichen
allen minem libe getrage, in miner gehfigde ze allen ziten habe,
i ellü disü weit und alles himelsches her gebe, daz ich dankber
dem grundlosen gät, daz du mir armen verlorneu sele hast getan
ein ron diner grandiosen unmezigen guti.
Entwiirt der Ewigen Wisheit: Du soll dich und daz
le mir vrilich geben und niemer wider nemen; alles, daz notdurft
ist, daz sei von dir unberürt stan: so siut diu hemle warlich an
I kröz genegelt; in gütii werk vrölich treten und dar inne veste
ibeu: so ist diu lingger vflz geheftet; din unstetes gemüte und
.mneten gedanke in mir steten und veatnen: [94'] so ist din
rter tAz an min krüz gestecket. Din geistlich und lipticb krefte
knät in lawkeit lomeu, sü gon nach glichniis miner arme in minem
Inste sin zertennet nnd zerspannen. Din kranke Hb sol ze lobe
aeu g6tlicben bein in geistlicher übunge dik ermüden und in un-
walt« Btan, sin eigen begirde ze erfüllenne. Manig nnbekantes liden
irenget dich zii mir an mines krilzes engen notstal, von dem da
tr«t nach mir minneklich und bifltvar.
Diner natur darben sol mich machen wider blüjeud; din willek-
fies nngemacfa sol minem müden ruggen betten ; din kreftiges
2 erlöser AKE' 3 dir kein] dekein I'Z heiu AKP^ 4 dem] minem £•
ils fihü A gewesen E' 9 \ol gettaDkeo Z 10 vers&net [hast] £'£a
(«oj bewise m. l."' 13 an] in F 16 grundloaeu] grosaeii F'H, fehlt F
' Bigt AK 26 minem K und — 27 erföH. fehlt K 30 mich] dich F
% irilligcR f
9t. Hot. 42: li poasem nunc omnes eotlos rtpltre elatnoribitt irremedia-
tutete. 12 rgl.Gal.6,17. 18f. Hor.l.c: nott tolum a luperfluit,
I itiam Mterdum a licitit abtiintat. 31 Hör. 43: dtilce reelinaloi
fuieteendum facta» per incommodomm coluntariam perpusionan.
'A
216 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VI.
widerstan den Bunden sol mir daz gemüte lichteren ; din andebtiges
herz sol alles min ser senften, und din ufflammendes herze roia
minnendes herz enzünden.
Der diener: Ewigü Wisbeit, nu voilebringe minen götei]
willen nah dinem böhsten lobe und nah dime aller liepsten willen,
wan gewerlich din jocb ist senfte und din burdi ist liebte ; daz wAsses
alle die; die sin baut enphunden und mit dem sweren laste der
Bänden ie wurden äberladen.
i
VI. Kapitel.
Wie betrogen der weit minne ist und wie minnelcllch aber ii
got ist.
i
Minneklicbes gut, swie klein ich einen ker ns dir tun, so be- J
schibt mir als einem rehlin, daz siner müter hat vermisset, und dw ]
in einem starken gejegde ist und mit flübtigen wenken sich uf en^
haltet, unz daz es hin wider an sin stat endrinnet. Herr, ich vlühe,
ich jage ze dir mit hitzigem inbriinstigem ernste, als der birze li
dem lebenden brunnen. Herr, ein einiges stündli ane dich ist ein
ganzes jar; ein tag dir vrömd gesin, daz sint tusent jar einem
minnenden herzen. Eya dar umbe, du seldenzwi, du meienris, da
roter rosen blüjendü stude, scblüs uf din arme, zertft und zerspreilÄ
die geblümten este diner götlicben und menschlichen nature! Herr,
din antlüt ist so vol gnaden, din mund so vol der lebenden worten, ^
aller din wandel ist so gar ein luter Spiegel aller zuht und send-
mütkeiti 0 du lütseliger anblik aller heiligen, wie reht selig der
ist, der diner süzen gemahelschaft wirdig ist! ^
Entvvürt der Ewigen Wisheit: Es ist vil menschen dar
zu gerüfet, ir ist aber wenig uz erwellet.
Der diener: Zarter herr, weder sint sü denne von dir oder
du von in versprochen?
[95'] Entwürt der Ewigen Wisheit: Dez hab uf dini*
inren o;^en, und nim war diser gesiht.
2 herze sol min E^I'F^ B enzündet AK 4 nu fehlt K 6 hohste«
— dime fehlt AK 8 sünde A» 10 aber fehlt F 12 Der diener f«
(Z von späterer Hand) tun von dir F 13 hat fehlt Z 20 stunde Ö) ^
21 blugenden F 22 [der] lebender worten F
6 Matth, 11,30. 16 f. Psalm 41,2. 19 seldenzwi, wohl An^piüw^
auf den Ölzweig bei der Sintflut. 26 f. Matth, 22,U,
Büchlein der Ewigen Wei8heit. Kap. VI. 217
Der diener sah nf und erschrak und sprach gar mit einem
inneklichen süfzen: „owe, geminter herr, daz ich ie gebom ward!
Weder ist mir reht oder tromet mir ? Ich sah dich vor in so rilicher
Schönheit und in so liepliclier Zartheit; nu sich ich nit denne einen
armen vertribnen eilenden bilgrin, der stat dort erbermklich geneiget
nf einen stab vor einer alten zergangnen stat. Die graben sint ver-
vallen and daz gemüre riset gar sere, denne daz noch hin und her
die hohen spitze dez alten gezimbers höh uf gagent. Und in der
^t ist neiswas grozer mengi, und under dien ist gar vil, die schi-
oent als wildä tier in menschlichen bilden. Und da gat der eilend
bilgri umb und umbe und lAget, ob im ieman die band welle bieten;
>v?e, so sihe ich, daz in du menigi gar unwertlich vertribent und
^00 nnmftzy die sü haut, kumm an gescheut. Aber ir etlichü und
loch wenig bietent im die haut; so koment du andren wilden tier
md widerzuckent daz. Also h6r ich, daz der eilend bilgri von in-
ITond ellendklich ersäfzet und sprichet: ^o himelrich und ertrich,
and üch erbarmen, daz ich dis stat so sur han erarnet, und es mir
üe als reht äbel wirt erbotten, und daz die, die nie kein arbeit dar
unb gewunnen, so lieplich hie werdent enphangen!" — Herr, dis
»t mir vor gesin. Owe, minneklicher got, waz meinet diz? Weder
ist mir reht oder unrecht?"
Entwürt der Ewigen wisheit: Du gesiht ist ein gesiht
der Intren warheit. Hör ein kleglich ding und laze es diu miltes
herz erbarmen. Sihe, ich bin der eilend vertriben bilgri, den du
^he; ich waz etwenne in der stat in grozer wirdikeit, nu bin ich
cnnkliche verellendet und vertriben.
Der diener: Owe, geminter herr, wellü ist du stat oder daz
Volk in der stat ?
1 uf fehlt E^FF"^ 2 min gem. h. K 5 armen fehlt E"^ 7 die
""^en risent AK 11 hende E^F 12 in du menigi] sü in F vertribet
^&^ 15 widerzöhent E^ 17 so reht sur AKa 18 tlaz fehlt FF^ en-
^in AKE^ 23 hör] herr K 24 vertriben fehlt FF' 26 jemerlich AKa
1 ff. Der folgende Passtis ist im Hör, Kap. ö (43 ff., vijl. 214) bedeutend
Eitert unter der Überschrift: Planctus super extincto fervore devotionis in
^^sis personis utriusque sexus moderni temporis etc. Seuse schildert im ein-
^nen den Verfall der Klosterzucht und fügt die allegorische Vision vom Streit
^ Widders gegen die Söhne Gottes (=■ Kampf Ludwig des Baiern gegen die
^urie und ihre Anhänger) an, 10 Hör. 44: quaedam animalia veluti
umstra marina in effigie humana, 20 vor gesin, nämlich in der Vision,
218 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VI.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du zergangen stat daz i
ernsthaftes geiBtlicbes leben, in dem man mir hie vor so einberliche
dienet, und da man inne so heiliklichen und sicherlichen lebte; da
beginnet nu an menger stat gar ser zergan. Die graben beginnen
vervallen und die rauren zerrisen, daz ist: du andehtig [95^] gehör
sami, du willig armüt und abgesebeidnü luterkeit in heiliger ein
valtkeit beginnet vergan, denn so vil man die hohen gezimber etwac
nswendiger haltunge nah eime sehine noch spürt. Aber daz groi
Volk, du wilden tier in menschlichen bilden, daz sint welÜichA herzen
in geistlichem schine, die von üppiger unmftz zergankliches knmben
mich von ir herzen vertribent. Aber daz etlichü, du mir ir hende
butten, von den andern underzucket wurden, daz ist, daz etlicher
menschen gute wille und anvang von der andren reten und bisenn
bilde wirt verkeret. Der stab, uf dem ich geneiget vor in stftnt,
daz ist daz krüz mins bittern lidens, mit dem ich sü ze allen ziten
erman, daz sü dar an gedenken und mit ir herzen minne allein ze
mir keren. Aber daz eilend r&ffen, daz du hortest, daz ist, daz min
t6d hie an vahet ze rüffenne, und iemer me schriet über die, da
weder min grundlosü minne noh min bitter t5d so vil vermugen in
ir herzen geschaffen, ich werde von in Verstössen und vertriben.
Der diener: Owe, zarter herr, wie schuldet daz durch min
herze und dur min sele, daz du so reht minneklich bist, und in
roengem herzen mit allem dinem erbietenne so reht unehtig bist!
Ach, zarter herr, wie wilt du es aber dien bieten, die dir na in
diner eilenden forme, in der du von der mengi verworfen biet, ir
hende mit rehter trüw und liebi bietent?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Sweli durch mich zer-
ganklich minne lassent, und mich mit rehter trüw und minne alleio
enphahent und dar an stet belibent, die wil ich hie mit miner git*
liehen minne und süzikeit mehellen, und wil in an ir t5de min bend€
bieten, und wil sü in den tron miner ewigen wirdekeit vor alleiD
himelschen her erhöhen.
2 emberlichen A 4 gar fehlt F 5 ser risen E^ 9 in menicti
lichem bilde FF^ 12 widerzncket Fa 13 red F^ 19 [min] gmndl. m. ^
20 gesch. — von in] daz sü daz ungewtüme von ir herzen AKa (yon ir /fAtt £
23 herzem A 24 herr zarter AK 31 den] dem A
2 Gemeint ist das Klosterleben (sanciae religionis filii ae profe§$wr€^
Hör, 45). Vgl, die Schilderung in Mersmns Büchlein von den neun Fd90
ed, K, Schmidt 1659, 29 /. 10 in geistlichem schine = in habitu religio^
(Hör. 48).
Btlchlein der Eivigen Weialieit, Kaj), VI. 219
Der diener: Herr, nu ist ire vil, die meioent, sü welIeD dich
ninDen und doch von zerganklicher minne nit lazen. Herr, sii wen
dir gar lieb sin, und wen doch zitlicher liebt nüt deet minre han.
EotwArt der Ewigen Wisheit: Daz ist als unmuglich, als
iiea himel zesamen trueken und in ein klein nuzselialen beschliezen.
Sü beECh&nent sich mit schAnen worteD, sii buwent uf den wint und
liaibrent öf den regenbogen. Wie soll daz [96'] ewig bi deme zit-
licben beliben. so ein zitlicheg daz ander mit mag erliden? Er trüget
acb selber berlicb, der den künig aller küngc wenet setzen in ein
Itemetnes gastfaus oder stoseen in ein gesundertes kneehthns. In
lilozer abgescheidenhi-tt aller kreatnre miz er sieb halten, der den
werden gast rebt n-il enphahen.
Der diener: Ach süzü wisheit. wie siut sü so gar verzöbert,
%z sü dis nit an sehentl
Entwiirt der Ewigen Wisheit: Sü stant in tieffer blint-
it, sü hant menig grozes rechten nach vröden, du in doch weder
lieb noch ze ganzer vrßd niemer werdent. E in ein liep besehehe,
begegent in zeben leid, and so sii ir begirde ie me nach gant,
Bu ie ungenüklicher werdent verwiset. Sih, gotlosü herzen oiüzent
:h ze allen ziten ein in vorhten und in scbreken. Daz selb kurz
Tridli, daz inen wirt, daz wirt in als gar snr, wan es gat in zQ mit
arbeiten, und behabent es mit grozen angslen, ach, und verlierent es
mit grozer bitterkeit, Dii weit ist vol untrüwen, valschheit und un-
«tetikeit; wan des nutzes ein ende ist oeh der vFunlscbaft ein ende.
Und daz ich dir es kürze: weder rebt liep noch ganz vrode noch
»teten herzenvrid gewan nie kein herz in der kreature.
Der diener: Owe, zarter berre, wel ein klegUch ding daz
iö! Owe, 80 menig edlü sele, so meng minneudes herz, so menig
tch5n wiinklich nach got gebildetes bilde, die in diner gemahelschaft
*>klingin und keiserin söltin sin, die himelricbes und ei'trichs gewaltig
«Ähtin sin, daz eich die so torüeben verweirent und vernidrent!
2 herr — 8 hau fthlf K S zitlicheit A 16 wehten £.''J-'' doch
ttUt F 22 behaltent HZa 24 wan so F wan wa F' ist, ist Z ist, so
(^f) ist FF^Ha 28 herz] menache F in den creaturen F 27 zarter
/*( AKZ wel] wie /"'« 30 |die] himelr. i'
7 zimbrenl uf d. r., im Sprichvort oft gebrauchtes Bild, t. B. Freidank
^1 : ojl J. p. ZingerU, Die deittsclitn Sprichwörttr im Mittelalter 18114, 119/,
21—23 Vgl. Sern., stTmo 43 dt dir. n. 3. 28 Eriamri an Walthtr von
^ Vogtlvreidi: diu verli ig/ allenthalben ungetitiden vol (ed. Pfeiffer ' 1880, 306J.
W«ir(, zMht lind ire ist in der uierlle löt (a. a. 0. 3(J3).
ä
220 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. VI.
Wafen, wafen, zarter got, daz sä sich selb so willeklich Verlierern
wau nah dinen waren Worten weger were in du grimme schidan^
der sei von dem übe, denn daz du dich, daz ewig leben, von de
sei mftst scheiden, da du enkein stat vindest. Owe, ir tumben toren^
wie wahset üwer groz schade, wie meret üwer grözti verlust, wie
lant ir daz 8cb6n, daz edel, daz wunneklich zit da hin gan, daz h
kume oder niemer mugent widerbringen! Und wie gebarent ir hier
inne so vrölich, als üch nüt dar umbe si ! Owe, miltü wisheit, wan
wustin sü und befunden ir selbs!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Hör wunder und jamer:l(
dis wAssent sü, daz bevindent sü alle stunde, und lant doch da von
nit. Sü wüssent [96^] es und wenn es doch nit wüssen. Sfi be-
schönent alles den unganzen grund mit liehtem schine, der doch
der blozen warheit ungelich ist, als ir vil ze jüngste bevindent, 80 es
ze spate wirt. U
Der diener: Ach zartü wisheit, wie sint sü so unsinig, oder
waz meinet es?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Do wen sü ungemach
und lidenne von mir endninnen, und vallent enmitten dar in; und
wan sü mich, daz ewig gut, und min süzes joch nit wen tragen, soSI
werdent sü von der verhengde miner strengen gerehtikeit mit meDger
sweren burdi überladen, Sü vürchtent den rifen und vallent in
den sehne.
Der diener: Eya, zartü, erbarmherzigü Wisheit, gedenk, dtf
nieman ane din kraft nüt enmag. Ich ensihe kein ander hilfe,*
denne daz sü ir eilenden ogen uf zu dir bieten und vür din gne-
digen vüsse vallen mit bitterlichen trechnen ir herzen, daz du ri
erlüchtest und enbindest von den sweren banden, da mit sfi ge-
bunden sint.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Ich bin in ze allen ritcn*
bereit ze helfenne, weren echt sü mir bereit; ich gan inen nüt ab,
sü gant mir ab.
Der diener: Herr, es tut we, liep sich von liebe ze scheidenne.
1 wafen nur einmal E^ 2 waren fehlt FF^ grimme fehlt F 3 lebea)
gUt AK 4 scheiden müst A» 7 enmügent Z 9 sü es AKa 11 dal)
dis F des F^ stunde] samd K 17 waz radiert Z 21 strengen fehlt P
22 am Bande Job E^F^Z 24 eya zartü] zarter herre und ewigü F 26 de*
kein F^Z 33 scbeideuue] brechenne Z
2 f. Vgl. Matth. 18,6, 22 Job 6,16.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VI. 22 1
EDtwürt der Ewigen Wisbeit: Daz ist war^ könde und
w6It ich nit in liebes berzen alles liep lieplicb verwesen.
Derdiener: Owe berr, so ist m&licb alt gewonbeit ze lassenne.
Entwürt der Ewigen Wisbeit: Es wirt aber nocb vil
6aialicher, die k&nftigen marter ze lideune.
Der diener: Herre^ sü sint vil liebt als geordnet in in selber,
^ es inen nnscbedlicb ist.
Entwürt der Ewigen Wisbeit: leb waz der bas geord-
oetest and docb der lieblosest. Wie mag daz geordnet sin, daz von
• iber natar daz berz entribtet, den müt verwirret, daz von inrkeit
xihet and berzenvrides beruhet ? Es brichet du tor uf, binder dien
gitlich leben verborgen ist, daz sint die fünf sinne. Es ber5bet
bh^eit and bringet baltbeit, gnadlosi und gottes vr6mdi; des inren
menschen lawkeit and des assern tragkeit.
\ Der diener: Herr, so danket nit, daz sü so vil gebindert
werden, ob eebt daz, daz sü da minnent, ist in einem scbine eins
geisüieben lebennes.
Entwürt der Ewigen Wisbeit: Es wirt etwenne ein
loter oge als sebiere geblendet von wissem melwe als von bleicber
besehen. Sieb, wart [97'] ie kein bisiu dekeines menseben so
QQschedlicb alse daz min bi minen lieben jangern? Da waz nüt
ttnnützer wort , da waz nüt verlazner geberden , es wart da nit
lioh in dem geiste an gevangen und in tiefli unendlicber Worten
oider gelassen; da waz nit anders denn rebter ernst und ganzü
^warheit ane alle valscbeit. Und docb so mäste in min liplicbü
S^nwürtikeit enzogen werden, e daz sü des geistes enpbenklicb
^eren. Waz sol da menschlich bisin bindemüs geben! E daz sü
^on einem in gefüret werden, sü werdent von tusenten us gefürt; e
^ einest mit lere werden gewiset, sü werdent dike mit b6sem bilde
^erwiset. Und daz icb es kürze: als der kalt rife in dem meien
^ie wünklieben blftst terret und veröset, also terret zerganklichü
^inne allen götlicben ernst und geistlich zubt. Und zwiflest du
^h üt hier inne, so log umb dich in die blüjenden schönen win-
12 verborgen] besclozen E^ 14 usaern menschen F 15 f. werden
Wi. L^ 16 ist nach echt daz FF^ 22 geberde F^F 23 und [in] F
^ tusenten] vil mengem AKH 30 venvTset Ä 33 schonen blügenden Äa
26 f. Vgl. Joh, 16 j7, Denifle 342 Ä, 2 belegt den Gedanken aus Augustiriy
^egor^ Bernhard, Hugo von St. Viktor und Thomas: auch Seuses Predigt
^terum rdinquo ist zu vergleichen, 33 f. wingarten = Klöster, wie nach-
er WTirzgarte. Vgl, zum Folg. Bern., sermo 63 in Cant. w. 6. 7.
222 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VI.
garten, die bie vor so wunklicb in ir ersten bläst stünden, >?ie g^
die verblieben und verrisen sint, daz man inbrünstiges ernstes am
grozes andaehtes wenig me spürt. Aber daz tut den unwiderbriafc
lieben scbaden, daz es komen ist in ein gewonbeit and in ein geisr-
lieb erberkeit, daz da so verborgenlicb verwüstet alle geistlicb sei/-
keit. Es ist so vil sehedlicber, so vil es anscbedlieber scbinet Wie
ist so menge edle wurzgarte, der schon gezieret waz mit wünklicheo
gaben, und waz ein bimelscbes paradis, in dem got lustlicb waz ze
wonene, der nu von zerganklicber liebi ze einem unkrutgarten wor-
den ist! Und da vor die roseu und die lylien wücbsen^ daz statu
nu vol dornen, neslen und tistel, und da bie vor die beiligen engd
pblagen ze wonenne, da wülent nu du swin. We, we, we an der
stunde, so man ellü unnütze wort, alles verlorn zit, alles versamet
gut sol widerreebnen, so man ellü unnützü wort, gesprochnn, g^
dabtü oder gescbribnü, beimlicb oder offenlieb, wirt vor gotte ond 11
aller der weite offenbarlieb lesende und ir meinunge ane alles bergen
verstende ! i
Der diener: Acb berre, disü wort sint als gar scbarpb, es
müs joeb wol ein ersteintes berze sin^ daz da von nit bewegt will
Minneklicber [97^] berr, nu sint etlicbü berzen als zarter Sl
natur, daz sü scbierer von minnen denn von vorbten gezogen we^
dent; und wau du, der herr der natur, nit bist ein zerstöret der H
nature — du bist der natur ein volbringer — , da von, minneklicber
berr, so geben diser trurigen rede ein ende, und sag mir, wie
du siest ein niftter der scbönen minne, und wie süze aber diiiB
minne si.
2 und fehlt K 3 tut] bringet AK 5 da fehlt K^F 6 f. am Radt
Bernardus Z 7 edle] schone F^ 8 und [waz] Ä 14 so — woiifthU^
16 und vor F 19 joch feMt E^ versteinotes /;* 21 f. am Bande Aig«" i
Btinus Z v. m. gez. werdent denn von v. Z 22 f. zerst, [der natore] F
7 Dasselbe Bild vom Wurzfjai'ten bei E. Stagth Viten von Tö§s 12,1^- ]
16 Beim jüngsten Gericht (Hymnus Dies irae von Thomas von Celano ft*-
IQoü] : Liber scriptus proferetui., in quo iotnm continetur, unde mundus w^^
ceturK 21 ff. Wohl nicht Augustinus ist henütetj sondern Thomas, S. 1^
1 q. 1 a, 8 ad 2 : cum graiia non tollat naturam sed perficiat, oportet quod irt*
turalis ratio subserriat fidei, sicut et naturalis inclinatio roluntatis obscquitif
caritnti. Lbrigens lautet ein scholastisches Axiom : Dens non destruit na/nroM)
aed perficit eam. 25 Vgl. ^'irach ^^4,;?i.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VII. 223
VU. Kapitel.
Wie minnekllche got ist.
Der dien er: Herre^ ich hinderdenk den minnezug^ als da
riehest von dir seihen in der wisheit bfich: Transite ad me
in es ete.^ koment zu mir alle die, die min begerent^ von minen
l)nrten werdent ir erfüllet. Ich bin ein müter der schönen minne,
D geist ist suzer denne honig und min erbe über honig and honig-
Q. Edle win and süz ged6ne erfr6wt daz herze and ob in beiden
* wisheit minne.
Zarter herr, du kanst dich selber als minneklich und als zart-
li erbieten^ daz ellü herzen din möhti gelasten und einen seneden
der nah diner minne haben. Es fliezent du minnewort so leblich
ler dinem süzen munde, daz sü menig herze als krefleklich ver-
nten in ir bluj enden tagen, daz in inen ellü zerganklichü minne
izklich erlasch. Eya, zarter herr, dar nah jamert min herze, dar
b ellendet minem mute, von der horti ich dich gerne sprechen,
i spriche, min einiger uzerwelter trost, ein einiges wörtli ze miner
e, ze diner armen dirnen, wan under dinem schatten bin ich
sklich entschlaffen und min herze daz wachet.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Nu h6r, min tohter, und
le, neige ze mir dinü oren, tft einen kreftigen inker und vergisse
Q selbes und aller dinge.
Ich bin in mir selben daz unbegriffen gut, daz ie waz und
Daer ist, daz nie gesprochen wart und niemer gesprochen wirt. Ich
ag mich wol dem herzen inrlich ze enphinden geben, aber enkein
inge mag mich eigenlich gewörten noh gesprecbeu. Und doch,
an ich mich, daz übernatürliches, unwandelberes gut, einer ieklichen
reatnr gib nah ir mugentheit in der wise, als si min enpheiiklich
3 der diener fehlt II 5 omnes, qui concupiscitis me E^F^ etc. fehlt
Z [die] die E^F 7 und m. e. — honig fehlt F 8 erfrowent E'F"^
t lieblich AFF^ 13 süzen fehlt F 16 min F^a minen F 26 den
ßen Ka 26 enmag Z gewürteu Z am Bande r)yonisius E^Z Jero-
nus l"* 27 übemat. leben F 28 nah ir wirdekeit und ir muglicheit F
4 Sirach 24,26. 34; 40,20. 18 Hohel. 2,3: 6,2. 20 Ps. 44,11.
l. zum Folgendeti Kap. 4 der Vita, das Seuse auch zum Teil in die erweiterte
rgtellung des Mar. c. 6 hereinzieht. 23 f. Deiiifle 34ü A. 3 denkt hier wohl
Unrecht an den irinitarischen Prozess : die Erklär unq gibt vielmehr der
^nde Satz. 27 ff. Vgl. Dioni/ti., De tiom. I)ei I, 1: De coeL hier. II, 3.
224 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VII.
ist, so bewinde ich der BUDnen glast in eiu tfich und gibe dir geist-
licheu sin in liplicben Worten von mir und miner süzen minne also:
ich stelle mich [98'] zärtlich vür dines herzen 5gen, nu zier und
kleide mich in geistlichem sinne und mache mich vinlich uf nah
Wunsches gewalt und gib mir alles daz, daz zA sunderlicher roione i
und liebi uud ze ganzem herzluste din herze bewegen kan: sihe,
daz ist alles und alles, daz du und ellü menschen köndin erdeokcD
von gestalt, von gezierde, von gnaden, in mir noh wAnklicher, denn
es ieman gesprechen muge. Und diserley sint du wort, in dicD ick
mich mag ze erkennen geben. H
Nu hör me: ich bin von hoher geburt, von edlem geschlechte;
ich bin daz minneklich wort dez veterlichen herzen, in dem nah
dem minnerichen abgründe miner naturlichen sünlichkeit in siner
blozen veterlicheit hein ein wünklich wolgevallen sinü minneklicheo
ogen in der suzen u£9ammenden minne dez heiligen geistes. lAM
bin der wünne thron, ich bin der seiden krön, min ogen sint so
klar, min mnnd so zart, minü wengel so liehtvar und so rosenrit
und ellü min gestalt so schöne und so wünklich und als dnr wol
gestalt: und sölt ein mensch unz an den jüngsten tag in eime
glüjenden oven sin, daz im nüwan ein anblik würde, derwereden-M
noch unverdienet. Sich, icli bin als wünklich gezieret mit liebter
wat, ich bin so finlich umbgeben mit geblümter missevarw der
lebenden blftraen, von röten rösen, wizen lylien, schönen violn und
allerley biAmen, daz aller meien schönü bläst, aller lichten owefl
grunü ris, aller schönen beiden zartü blümlü gegen miner gezierde ■
sint als ein ruhe tistel. Ich spil in der gotheit der vröden spily
daz git der engel schar vröden als vil, daz inen tasent jar eintali
ein kleines stündli. Alles himelsches her von nüwen wundem gebent
mir ogen und nement min war. Irü dgen sint in minü geblenkety
ir herz gegen mir geneiget, ir sei und ir müt ane underlaz imniekil
1 dir der s. ^1. K 7 erd. kondin AK 8 g^iade E^ denn — 9g««pr.
fehlt F 10 zerkenncu mag g. i'* 12 wort] gut /'* 12 f. nah [dem] ^
22 wat] varw F^ so] als AKaF^ 25 schonen fthlt F 29 gclcnW
AKa geblendet F
12 if. nie nähere Erklärung gibt Seme Viia Kap, oL 19 ff. Hör, CO:
pulchritudo quippe mea tanta est, ut 8% quis magnis cruciatibus muUis 011«**
se e.ipontrei, ut cd ad ictum oculi me in decore tanto conspicire po99ei^ a5^
omni dubio labor pntemio minus adhuc responderei. 26 UtHSckr^ihmg (^
Hör, 61, 29 irü ogen sint in minü geblenket = oeuloa iugiier in me d^uofH
habenty stant suspensis oultibus (h c).
Büchlein lier Ewigen Weisheit. Kap. VII. 225
gebäget. Wol im, der daz minnespil, den vrödentanz in bimelscher
vrODae fln miner siteii, an miner Behauen hant in vrölicher sicher-
lieit iemer eweklich tretten sol! Ein einges wiVHi, daz da so leb-
tiefa ue klinget von mineni süzen munde, übertrifi'et aller engel aang,
aller barphen klang, elM süzeD Beitenspil. £ja, IQg, ich bin als
tnit[98']licb ze minnenne. ich hin als lieplicb ze timbvahenoe nnd
so zartlicb der reinen niinnenden sele ze küssenne, daz ellü herzen
nah mir s<in brechen. Ich bin kleinfftg nnd zAtetig und der lutreu
sei ze allen zilen (:egenwürtig. Ich wone ir togenticben bi ze tische,
ze bete, ze wege, ze stege; ich ker mich hin, ich ker mich her.
Tn mir ist nüt, dnz mlBsevalle; in mir ist alles daz. daz da wol
gefallet nah herzenwnnsch, nah sei begirde. Sich, icb bin als gar
QU luter gät; dem dennoch in zit min ein einges trüpbli wirt, dem
Wirt elln vröde nnd wollust diaer weit ein bitterkeit, alles göt und
ere ein hinwerf nnd ein nnwert. Su werdent, die lieben, von miner
anzen minne nmbgeben nnd verswemmet in daz einig ein ane ge-
bildet minne nnd gesprochnü wort, und werdent gefriet nnd geflözet
in daz gfit, danuan sü geflossen eint. Min minne kann och anva-
hendfi herzen entladen von dem sweren laste der sunden, nnd in
icinvries wolgemQtes luter herze geben und ein rein nngestrafet
consciencl machen. Sag mir, waz ist in aller diser weit, daz die
I wan wol im K der frödeo tanz E' tiimelscblioher Z 8 iemer
fT" 3 f. UepUch FH 4 am Band Beraardng in Jnbilo E^F'F^Z
und [ao] K 9 ititen) dingen K ir] in ff 9 f. ze bei ze tiach F
u at. ze wege E' 11 [dai] daz E'FH da fehil F'Za 13 [ein]
[El Ä 16 verBweioet [in] F 19 Blinde E^ in fehlt E'J" 20 rein
1 TTÖdentanz, vgl, Strauch, Marg. Ebner XLVIII, 40 und Attm. 3. 383.
8ff. Vt/l. Strophe 3 ait» dem ,.Mymnwi rythväeus de Nomine Jetu" (*n(<r
t. S. Bemardi, cd. Mabißon Vcnetiie nni III, 797 f.): nü eanÜMV auaviui,
t axiditur iueunäiu», nil cogitatur duiciut, quam Jetut Dei fiUua, und Strophe
: Jaun deeu» angeUcum, in aure dulce canticum, in ore mtl mirißcum, in
•it neetar eoelicum. Der Hyamui i»t, wenn nickt vom hl. Bernhard eelbet,
iwh in nHntm Geitte und in »einer Schule gediclU*t: vgl TT, Brtmme, Der
rm<M J. d. m. 1899. Aach im folgendvn sind Gedanken aiis dem JtAilue
Inrttl. 9 t. Hm\ HU: praetau in choro, prauenn in Ihoro, in rnrnia,
«a, IM clauttro, in foro. Vgl. dann Vita Kap. fiw (176,33 ff.j and Strophe Ä
iJutrHu»: Jttum qtMtram in leetulo, clausa cordts cubiculo, privatim et in
ikeo, quiteram amor« stdalo. 15 PhiL 3,8. 16f. daz einig: 6in =s &ott.
tjp hei Strauch, Mqrg. Ebner, Anm. tu 69, 27. Hör. 63 : ipaos luo aeterno
ulal principio. — ane gebildet minne := ohne die imaginea et »imilitudinti
r. Mi, deren nur auf Erden tum Vtretändnis bedürfen.
226 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. Vn.
allein verwegen muge? Ellü disA weit m6ht] ein sogtan herz nfi
widerwegen, wan der menseb, der mir allein sin herze gibet, der
lebt wänklich und stirbet sicherlich^ und hat hie himelrieb und dort
eweklich.
Nu Iftg, ich han dir vil werte gegeben, und stan von dien
allen in miner minneklichen Schönheit als unberuret, als daz firroa-
ment von dinem minsten vingerlin, wan es 5ge nie gesach noch ore
nie gehorte und in kein herze nie komen mohte. Doch so si dir
dis entworfen ze einem underscheide miner süzen minne und der
valschen zerganklichen minne. 1
Der diener: Ach, du zarter wünklicher veltblüme, du ge-
rointes herztrut in dien umbvangnen armen der reinen roinnenden
sele, wie ist daz so kuntlich dem, der diu ie rehte enphant, nod
wie ist es so selzen ze h6renne dem menschen, dem du unkunt bist,
des herz und miit noch liplich ist! Ach herzkliches, unbegriSen-i
liebes gftt, dis ist ein liebü stunde, dis ist ein süzes nu, und in dem
müz ich dir uf tftn ein verborgen wunden, die min [99'] herze noh
treit von diner siizen minne. Herr, gemeinsami in minne ist ab
Wasser in füre: minneklicher herr, du weist, daz reht& inbrünstigt
minne nit enmag kein zweiheit erliden. Ach, zarter einger heiri
mins herzen und miner sele, daf umbe so begert min herz als innek-
lichen, daz du sunderlich liebi und minne zft mir hettist, und das
dinu götlicben ogen hettin ein sunderlicbes lustlich wolgevalleo in
mir. Owe herr, du hast als vil minnender herzen, die dich herzek-
liehen rainnent und die vil mit dir kunnen, owe, zarter truter herr, 1
wa bin ich denn dar an?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Ich bin ein solichff
minner, der in einikeit nit wirt verklemmet noch in der mengi ver-
1 widerwegen (aus verwegen kon\) Z enmohte "FZ 7 dinem] mine«
AK noch] und AKZ 14 den menschen den F 17 wunder F 18 M
minne AF^ 24 f. herzkl. fehlt F 27 am Bande Bemardus super Cantic»
E^F'F'Z 28verkleinet F^ noch — 28 f. ycrmenget fehlt F
3 Hör. 6:2: quodammodo in praesenti gaudia inchoat, qu(U per aetei^
aaecida durani. 7 f. J Kor, 2j9. 9 Hör. l. c. : quasi ex abrupto pr<M*
potius quam dicta. 11 Hohel. 5,7. 20 Hör, 63: amor mtensus $oci^
non patiturj non sustinet pluralitatem. 27 ff. Bemardus, sermo 69 in CaiA
n, 2: pnmo quidem^ quod haheat in natura smplicissima spofisi divinitas quttd
unum res^yicere multos et quasi multos unum. Nee ad multitudinem «mftat
erit, nee ad paticitatem rarus etc. Vgl. Hör. 05 (Verklemmet = minoratur).
Büchlein det Ewigen Weisheit. Knp. VII.
227
maget Ich bin mit dir allein ze allen ziten als gar bekümberet
ind geflissen, wie ich mich dir alleiu geliebe und volbringe allee,
tu zu dir gehöret, als ob ich aller ander dinge ledig stände.
Der diener: Anima mea liijue facta est, ut dilectns
ocutufi est. Wafen, wafen, wa bin ich hin verfiiretV Wie bin
ch 80 gar verwiset, wie ist min sei so gar zerfloBsen von des ge-
niaten vrüntlichen süzen worteo! Eva, ker dinü liechtä 5gen von
oir. wan si hein mich gar verflöget. Wa ward ie herz so hert,
ra wart ie sei so kalt und so lawe, die dinü süzen lebenden
aiDnendü wort horti, du da so übermesseklich fürin sint, es müz
Tweicben nnd erhitzen in diner süssen minneV Owe, wunder und
TQoder ob allem wnnder, der dich also mit dien ögcii eins herzen
ichüwet, <Iaz sin herz von minnen nit alles zerHüzet! Owe, wie
«lig der minner Ist, der din gemahel heisset und ist! Waz mag
sr eblich süzes trostes nnd verborgens liebes von dir enphahen! Eya,
iiizü, zartü jnngfrow saut Agnes, der Ewigen Wisheit minnerin,
ifh mobtest du dich dins lieben gemabels so wol gesten, do du
ipreehe: „sin blftt hat minü wcngel rosvarwklicb gezieret!" Owe,
Carter herr, wan were ich wirdig, daz min sele hiessi din minnerin!
äich, were denn mugUch, daz ellü wollust, ellü vröde und minne,
iie disü weit geleisten rnag, legi an einem menschen, den wölt ich
niliche dar umb uf geben. Ach, [99'] gesach in got, daz er ie
gebom wart an dis weit, der din minner heisset und ist! Hetti doch
ein menscfai tusent übe. die s< er dar umb wagen, daz er dich
k&nde erwerben. 0 ir alle gottesvründe, alles himelsches her, und
iJu. liebü jnngfrow sant Agnes, helfent mir in bitten, wan ich enwiste
nie reht, waz sin minne was! Acb, berze mins, leg abe, t(i hine
H Rande Ängustinua E^fyZ ze a. n
f/Mt F G war AF 7 liechtü] miltco F i
10 mäste AKaFF' 17 dich] dick K
|fu dise w. ie geb. w. J?' 2ü du] dft E'Z
gar fehlt E' ie kein
22 dar uml) frhll AF
0 tu hone 0
nipolen
Iff. Auffuttiitu«, Cotif. III, 11.
■am, lanquam soluin eure«, it nie omnts, lanquam »ingulos.
A Boktt. ä,e. 1 A.a. 0. 6,4. 10 ea = das Hert 15 Turborgeo!
= quanta dulredine tibi quidtm sali riota, ab oculis a»lem eiinctoritm
(tun ahneondita prrfraelur (Hör. H7 ) ! IS Mel et lac ex ort »tu»
pl, et KaBgvui eiu» omatit getia» meaa, Antiphon au« der Malulin dt»
* tUr hl. Affiit« (21. Jan.) nach deta Dominikaner- nud röntifchen Sre-
35 H<w. /. c: adiuro no« omnig, o aettma« »apientiat ardenti»simi
\, Amtm diriniffimae apongat ffh
228 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VII.
alle tragkeit und Ifige, ob da vor dinem tSde dar zu mugest koroej
daz du einer s&zen minne enphindest! Wie hasta so traklich an*
so lawklicb da her gelebt!
Owe, zartu, 8ch6nä, uzerweltü Wisbeit, wie kanst dn so reht
wol ein minnekliebes liep sin ob allem dem liep diser weit! Wie
ist din minne und der kreatur so ungelicb! Wie ist es ein so be-
trogen ding, alles, daz in diser weit minneklich schinet und etwas
wenet sin, so man es mit heinlicbi reht beginnet erkennen! Herr,
wa ich minü ogen ie hin gekerte, da vand ich iemer ein ,nisi' und
ein ^enwere daz'; wan waz da ein sch5n bilde, so was es gnadlosj
was es sch6n und minneklich, so gebrast im wise, oder hatte es
daz och, so vand ich iemer etwas, eintweder von innen oder von
nznen, dem der ganze ker mins herzen widersprach. In heinlidu
nnd in kuntscbaft fand ich, daz es sin selbs ein verdriessen uf in
trfig. Owe aber dn, du Schönheit mit grundloser lätzelikeit, giaiH
mit gestalt, wort mit wise, edli mit tugenden, richtfim mitgewalte,
inwendigü vriheit und uzwendigü klarheit, und ein ding, daz ich io
zit nie vand, daz ist: ein rehtes widerlegen nah genügde an kunnenoe
und vermugenne und einem begirlichen wellenne eins reht minnendoi
herzen ! So man dich ie bas erkennet, so man dich ie lieber gewinet; 9
so man dir ie heinlicher ist, so man dich ie minneklicher yindet
Wafen, wafen, wie bist du ein so grundloses, ganzes, luter git!
SchSwent ellä herzen, wie die sint betrogen, die ir minne an it
anders legent! Ach ir valschen minner, vliehent verre von mir,
genahent mir niemer me, wan daz einig liep han ich minem herzen S
US erkorn, da herze, sele, begirde und alle mine krefte allein gesattet
werdent von inneklicher liebi, du da niemer zergat. Owe herr,
könd ich dich uf min herz gezeichen, könde ich dich in daz innigoste
mins herzen und miner ^ele mit guldinen bfichstaben gesmelzen,
daz du niemer [100'] in mir vertilget wurdist! Owe jamer und*
not, daz ich min herz nut ie und ie da mitte bekumberte! Wal
2 siner] diner F 6 f. [so] betrogen JF^ 14 früntschaft F 181 an fc
n. vermug. fehlt F^ 19 und an v. K^ reht miiin.] begirlichen F^ 2S giitf*
fehlt E^ 25 in minem h. ÄFF^ 26 gesattet] geaamnet F^ 28 geaechcni
geziehen F
«
9ft\ Hör. 68: fateor mt ... invenisse hoc, quod in proverbio dieÜMr: ^
caruere nisiy non sunt oculis mihi visiy . . . nam si aderat pulchrütido corpifriii
(Uerat formoaitas mentis; subiectum delicatum nonnunquam morum imeemft
sitione . , . peccabat : wise = Art sich zu gehen , feine Sitte (Buht) im Gtge^
satg zur rusticitas generis (l. cj. 16 wort mit wiae = Text und
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. VIII. 229
babe ich von allen minen minnern, denn yerlorues zit, vervarnü wort^
ek 1er hand^ wenig guter werke und ein geladen gewissen! mit
gebresten? Zarter herr^ töde mich e in diner minne, wan von
dinen minneklichen Tuzen enwil ich niemer me gesebeiden!
5 Entwurt der Ewigen Wisheit: Ich värkum sü^ die mich
sAcbent und enphahe sü mit lieplicher yr5d, die miner minne be-
gerent AUeS; daz du 5cb in zit enphinden mäht miner süzen minne^
daz ist als ein tröphlin gegen dem mer gegen der minne der ewikeit.
Vm. Kapitel.
10 Ctn narlchtnnge drier dinge, du einem minner aller meist
nohtia an got widerstan. Daz ein ist: wie er so zomlich
mng geschinen nnd doch so minnklich sin.
Der diener: Ach zarter herre, nu wandert mich drier dinge
als inneklichen vaste. Daz ein ist: daz du als überminneklich bist
^ an dir selben, nnd du doch ein als gar strenge richter bist der
nriteetat. Herr, wenn ich mich hinderdenk an din grimmen gerehti-
kdt, so schriet min herz mit senlicher stimme: we, we allen dien,
die iemer gesündent, wan wüstin sü die strengen rehtvertikeit, die
du also swjgende wilt ane alle widerred haben von einer ieklichen
80 Bünde, dennoch von dinen aller liebsten vrunden, sü soltin in selber
6 die zene und daz bar us zerren, e daz su dich iemer erzurndin.
Owe, din zomliches antlät ist so gar grimme, din unwertliches von-
1 keren ist so unlidig, we mir, und dinü vientlichen wort sint so gar
1^ ftrin, daz sü durchschnident durch herz und durch sele. Owe herr,
f* beschirme mich vor dinem zornlichen antlüt, und gespar din räche
L 8^n mir nit an ene weit. Sich, so ich allein einen arkwan hab,
4tt da von minen verschalten gebresten din antlüt habest unwert-
lich von mir gewendet, herr, daz ist mir so unlidig, daz mir nüt
in diaer witen weit so reht bitter ist. Owe, herre und getrüwe vater
^^Jöine, wie sSlti denn min herz din grüwliches antlüt iemer erliden !
Aeh, wenne ich reht gedenk au din entstaltes zornliches antlüte, so
^rt min sei als gar ergremmet, ellü min kraft erzittret als gar, daz
6 m. sfizen minne F^ 11 an ^ot fehlt A au ^. mohtln Ka 13 d.
fiener fMt E^H 20 f. [in selber] e die zene u. d. har in lassen uz z. F
Ä 00 reht nnl. F^ we mir fehU F^ 24 und [tUirch] Fa die sele AK
oh g, mir E^Z 27 f. von m. unw. Z
230 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IX.
ich im enkein gelich kan geben, denn als so der bimel beginn
tanklen und swarzen und [100^] daz für in dien wnlken wütet, ni
ein starke tonre den wölken zerret, daz daz ertrich erbidemet, m
denn du fürin strale schüsset gegen einem menschen. Herr, niem;
laze sich an diu swigen, wan gewerlich din stilles swigen geral
ze jüngste ze einem grimmen tonren. Herr, din zomliches antlu
dins yetteriichen zornes ist dennoch einem menschen, der di<
YÜrchtet ze erzürnenne und ze verlierenne, ein helle ob aller he
— ich wil geswigen dez grimmen antlütes, daz die b6sen an de;
jüngsten tag mit herzleide müssen sehen. We, we nnd iemer iv
dien, die des grozen jamers beitent sint!
Herr, dis ist in miuem herzen ein groz wunder, und du dod
spri ehest, daz du als minneklich siest?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Ich bin daz unwanddber
gut und stan gelich und bin gelich. Aber daz ich ungelich schine^
daz kumt von ungelicheit dero, die mich ungelich mit sünde oihI
ane sünde sehent. Ich bin minneklich an miner nature, und bii
aber doch ein vorhtliche rihter der missetat. Ich wil von minen
TTÜnden kintlich vorhte und lieplich minne haben, daz sü die vorbte
ze allen ziten uf enthalt vor Sünden, und du minne mir vereine mit
ganzen trüwen.
IX. Kapitel.
Daz ander : war nmbe er sich sinen Trdnden dik nah herdist^
enzühet, und wa bi man sin waren gegen würtkeit erkeni^ti
Der diener: Herre, es ist alles nah herzen wünsch denn ditf-
Gewerlichen, herre, so ein sei recht kreftlos wirt nah dir und nach
dem süzen miunekosen diner süzen gegen würtikeit, herr, so swig«^
du und sprichest ein einig wort nit, daz man mug gehören. Ow^j
min herr, sol daz nit we tun, so du, zarter herr, bist ^az einil
3 daz daz — erbid. fehlt AK 7 din vetterliche zom AZ 10 «eke^.
jehen F iemer me E^ 16 mit sönden FZa 17 und bin fehU K 84 be-
kennet F 25 d. diener fehlt H
19 ff. Hör, 72: ehetos meos in hoc mundo timoretn pariter ei afnomi Äij^
habere expedit, ut et timor semper animam solUcitana a naxüs r§trakat ex(ß
aihus, et amor laetificans erigat ad supema, 28 L, e, : subtraetio ükä
contra votum diligentia. Vgl, zum ganzen iCapitel David wm Augi^mrg^ D
compos, IIIj 69, 23 Hör, 73 : nullum omnino dai inteUigünle n
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IX. 231
nterweltes herzli«p, und du dich denne als yrömdeklich gebarest
nnd als stille swigest?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Mich rüfent doch alle
kreataren^ daz ich es si.
5 Derdiener: Owe, herr, es ist einer verseneden sei hier an
oit g:enüg.
Entwürt der Ewigen Wisheit: So ist ein ieklich wort,
daz von mir gesprochen wirt, ein minnebötlin zu ir herzen, und ein
ieklich wort der heiligen schrift, daz von mir geschriben ist, ein
losozer minnebriefy als ob ich in ir selber hete geschriben. Sol si
dar an nit genügen?
Der diener: Owe, zartes, az[101 'Jerweltes liep, nu weist du
doch wol, daz einem minnenden herzen ungenflg ist alles, daz sin
ehiig lieb, sin einig trost nit selber ist. Herr, du bist als gar ein
KtrailiehSy uzerweltes, grundloses liep, sich, und daz dich mir aller
engel znngen sprechin, so tringet und ringet du grundelos minne
alles nah dem einen, den si da begert. Ein minnendu sele neme
dich doch vnr daz himelrich, wan du bist ir himelrich. Owe herr,
da göltist, getdrste ich es sprechen, dien armen minnenden herzen
H) ein klein gelöbiger sin, du da nah dir darbeut und torrent, d6 so
mengen inneklichen grundlosen süfzen nach dir, ir einigem liebe,
lazent, du so ellendklich nah dir uf sebent und mit herzklicher
atimme sprechent: „revertere, revertere!" und mit in selber einredent
nnd sprechent: „owe, wenest du, ob du in habest erzürnet, und ob
* er dich welle lazen vam ? Wenest du, ob er iemer me dir welle
wider geben sin minneklichen gegenwurtikeit, daz du in mit dien
snoen dins herzen minneklich umbvahest und in din herz truckest,
dai alles din leid verswinde ?**
Herre, dis hörst du und weist, und swigest?
3 f. am Rande Paulus E^F^F'^Z 5 owe, zarter herr AKa 18 wan
** himelr. fehlt F 19 gesprechen FZ 20 tiirrent aus trurent korr, E^
21 grundlosen fehlt JP* 22 du do so F 26 f. ob er dir iemer me wider
»eüe g. E^ 29 du feMi K
3 Vgl, Rom. l^iO, 11^36, Hör, l, c. : magnitudo et puXchriiudo cuiusltbet
cnaturae poierit pro me reapondere, 9 f. Z. c. ; quamlihet paginam (sacrae
fcripiurae) pro liiera amoroea . . . euscipiat. Vgl. Greg, ilf., Reg. F, 46 (Mon,
Oerm, Ep. /, 34Ö) : quid est autem scripiura sacra nisi quaedam epistola omni'
dei ad ereaturam euam? 15 daz = etiamai (Hör. 74).
28 Hohü, 6,12; einredent = secum confabtUantur (Hör. l c).
232 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IX.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Ich weiss es und Bibe
es mit begirlichem herzlaste.
Du Wisheit vraget: Nn entwärt mir och einer vrage, sider
du als togenlichen fündlest : waz ist daz, daz dem h6hsten geschaf-
nen geist aller best smacket under allen dingen? I
Der diener: öwe herr, daz beger ich von dir ze wissenDe,
wan dö vrage ist mir ze hohe.
Entwürt der Ewigen Wisheit: So wil aber ich dir es
sagen. Dem obresten engel smakt not baz, denn minem willen
gnüg sin in allen dingen; und wüsti er, daz min lob gelege anH
neslan uz brechen und ander unkrut, daz were im daz begirlicbest
ze volbringenne.
Der diener: Ach herre, wie schiebest du mich an diser
yrage ! Wan du meinest, daz ich mich halte ledklich und gelazenlieb
an luste, und din lob allein suche in hertikeit als in der suzikeitfl
EntwArt der Ewigen Wisheit: Ein gelazenheit ob aller
gelazenbeit ist gelazen sin in gelazenheit.
Der diener: Owe herr, es tut aber als gar we,
Entwürt der Ewigen Wisheit: Wa wirt du tugent b^
weret, denn in der widerwertikeit? Aber doch so [101^] wussest,*
daz ich dik kum und beger eines inganges in min hus^ so es mir
verseit wirt; dik wird ich enphangen als ein bilgri, und wird QQ-
wirdeklich gehalten und schiere us getriben. Aber ich kum zu min^
geminten selb selber, und hab ein minnekliches wonen bi ir; aber
daz geschiht als togenlich, daz es gar verborgen ist allen menscben^ fl
denn allein dien, die als gar abgescheiden sint und miner weg war
nement, die ze allen ziten uf der läge stant, daz sü miner gnade
gnüg sien. Wan ich bin nah miner gotheit ein Inter wesentlicber
geist, und wirde geistlichen in den luteren geisten enphangeo.
Der diener: Zarter herr, mich dunket, du siest gar ein tSgen-*
lieber minner; dar umb beger ich, daz du mir etlichü zeichen gebest
diner waren gegenwürtikeit.
5 smake i'* 6 daz] des 1'? 9 den obersten engelen F 10 lege £*
13 diser] diner F 16 herzeleit F der fehlt E^F 21 daz daz FP
22 und w. — 23 us getr. fehlt K 25 daz — tog. fehlt F 29 in d. L geisten
fthlt AK in dem 1. geist F
16 f. Dieser Sprt^ch wird in d$m Traktat von den drei Fragen fM tef^
sprichet: ein gelassenheit etc., bei Denifle, Tauler a Bekehrung 1879, 140) wU
darnach in Rülman Mersicins Traktat von den drei Durchbrüchtm (JuM^
Histoire du panthiisme populaire au moyen-äge 1875, 217) sUiert.
Mehlrin der Ewigen Weiaheit. Knp. IX. 233
Entwnrt der Ewigen Wisheit: Min waren gegenwärtikeit
[ennest dn in keiner wiae als wol als hier inne : gwenne icb mich
Mfge und daz mine von der eele gezühe, m wirst du erst innan,
wer ich bin ald du. Ich bin daz ewig gttt, aue daz gflt oieman
IDt gätes hat; und dar umb, so ich mich, daz ewig gät, als gütlich
\i als minneklich entgusse, so gütet sieb nlles daz, da icb hine
le, da bi man min gegenwürtikeit mag erkennen, als die sonuen
rir glaste, die mau docb an ir subetanci nüt sehen mag. Befunde
niu ie. so gang in dich selber, und lerne die rösen von den
len scheiden und die biAmen von dem grase us lesen.
Der diener; Herr, gewerlieh, icb efich und vinde in mir ein
groz unglieheit. Swenne ich stan in gelassen Ijeit, so ist min
ll als ein sieirhe meni^ch, dem nüt uol smaket, dem ellii ding uq-
ntig sint; der lib ist trege, der müt ist swere, inwendigü hertikeit
Dod nswendigii ti'urikeit. Mich vordrüzet denne alles, daz icb sihe
Dud h6re und weis, swie gut es ist, wan mir enpballet alle glimpf.
Ich bin deune geneiget ze gebresten, krank ze widerstene dien
Tienden, kalt und law ze allen guten dingen. Swer mich au kuniet,
der vindet ein Ödes bus. wan der wirt ist da heime nit, der da
bn rat git und von dem daz Ingesinde alles wolgemfit ist.
HeiT, so aber der liebte morgeusteine nf bricbet enmitten in
sele, so zergat alles leid, es verswindet ellü vinBtri und gat
die lieht beitri, herr, so lachet min berz, so [102'] hüget sich
gemäte, so vröwet sieb min sele, so ist mir als reht bohzitklicb,
alles, daz in mir und an mir Ist, verkert sich in dJn lob. Swaz
le swercs, mülicfaes und uiiranglichea whz. daz wirt alles übte
eüze: vasten, wachen, betten, liden, miden nud ellü strenkeit
genzklich vernibtet in der gegenwürtikeit. Icli gewinne denn
»ig groz vermesHcnheit, der ich doch ab gan in gelazenheit. Du
wirt mit klarheit und warheit und süzekeit durcbgossen, daz si
4 wer iifh [bin] ald dn biat E^Ff fbist raditrt AV 7 min wären
Inw. AKaF ob die a. — 8 sehen mag f»Mt AK 9 gang-] lang K
hm fthU AK 11 f. [ein] gar AK 13 dem nöi w. Kinaket fehU AK
illes des, daz AKaF^ 16 wan frhit AK 26 wirt dii' FF^
it. Domen und Grat beileutea den menschlichen, Bonen und Blumen dm
ihtti Trott, 14 B-or. TU: cordis durüia ac spirüua trittüia genUlvr.
■ü L. c: paterfamiliat omaea domaticos btntdictiom el hHaritaU rtplnu
tu. 28 f. ffor. BO daiUlicher: in ta quoque hora gratiae Bjiiiäuatie
*mendart, moru corrigere ae multa bona factre /iropono, guae gratxa
»te, ht», minimt ad efftclum pei-dueo.
^
234 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. IX.
aller arbeit vergisset. Daz herz kan suzklich betrahten^ du zang
höh sprechen, der lip cllA ding geriugklich an grifen^ and 8we
n&wan sftehet, der vindet denne hohen rat alles, des er begeret
Mir ist denne, wie ich habe Abergangen stat und zit, und stände ii
dem vorhove ewiger selikeit. Ach herr, wer git mir, daz es nüwai
lang werti! Wan geswind in eime Sgenblike wirt es verzucket, onc
bin denn bloz und gelazen, etwenn gnü nah, als ob ich es nie hett
gewunnen, unz daz es aber nach herzklichem jamer wider kamt
Ach herr, bist du daz, oder bin ich es, oder waz ist es?
Entwurt der Ewigen Wisheit: Du bist und hast voodii
not denn gebresten; ich bin es, und dis ist der minne spil.
Der diener: Herr, waz ist der minne spil?
Entwurt der Ewigen Wisheit: Alle die wile liep bi
liebe ist, so enweis liep nit, wie liep liep ist; swenn aber liep yoi
liep gescheidet, so enphindet erst liep, wie lieb lieb waz.
Der diener: Herr dis ist ein muliches spil. Ach herr, wir
du wandelberkeit ut ab geleit an keinem menschen in zit?
Entw&rt der Ewigen Wisheit: An vil wenig menscheii
wan dö unwandelberkeit gehört zu der ewikeit.
Der diener: Welü sint du menschen?
Entwurt der Ewigen Wisheit: DA aller lutersten an
der ewikeit du aller glichsten.
Der diener: Herr, welü sint du?
Entwurt der Ewigen Wisheit: Daz sint du menschet
d& alles mittel aller genötest hein ab geleit.
Der diener: Zarter herr, lere mich, wie ich mich nach min€
nnyolkomenheit hier inne säl halten.
2 beringklich AK 3 des] daz iC 5 es] ich (!) iC 11 dis] du i
17 unwandelbarkeit FF^ 18 am Rande Bemardus E^F^F^Z 26 nac]
in AK
13 ff. X. c. : hoc enim proprium amoria esse solet, ut, quanius sü, praiseni
amabili lateat, recedente vero magis percipiaiur. 17 wandelberkeit = Weeki^
Mwischen fühlbarer Gnade und geistlicher Trockenheit (vicissiiudo Visitation
Hör. l, c, ; ähnlich auch Bernardus, sermo 32 in Cant, n. 2). 18 BemanM»
De dilig. Deo 10 n. 27; U n. 39. Vgl. auch Bdw Kap. 4 gegen Schluss. Bor.
l. c: paucissimi; nimirum tania divinorum in homine patiicipatto staJnVte^
est quasi quaedam inchoatio aetemitatis. 21 Hör, 61 : hi s%uU, qm MMi
purissimis affectibus ab infimis abstracti et longo iam usu et exereitio dmforwä
quodammodo effecti divinis rebus continue uniuntur. 25 Z. c. : ^i JN
secessum mentis perfectissime omne medium dividens deum et annmam tatß ak
critate deposuerunt. 27 hier inne besieht sich auf wandelberkeit fiuile
M Büchlein der Ewigen Weisheit. Kup. IX. 235
■ Entwürt der Ewigen Wisheit; Du solt in dien göten
H b^n die bösen an sehen, und in dien busen der giften nit ver-
M ge»Ben, so enkan dir weder liberuiiitikeit in der gegen wiii-tikeit, noch
r ifrarmütikeit in gelazenheit gescbadeii. Entnabt du von diner klein-
1 bell dich nob nit min verzifaen nah luste, bo hab [102'] docb min
GH gedaltig heiten nnd ein minneklicbes suchen.
Der diener: Owe herr, langes heilen daz tfit wel
Entwiirt der Ewigen Wisheit: Nu müzz er wol nnd we
Ingen, swer in zit kein liep wil haben. Es genüget tiit dar an,
10 daz man ein zit des tages mir git, er nifiz ein stetes innebliben
hun. der gotes inrlich bevinden wil und sinn heiniUchü wort gehören
und sin tÖgen sinne gemerken wil.
Eyn, wie last du dinü ögen und din herze so unbednhteklich
Bnibe gan, und du daz wünkÜch, daz ewig bilde, hast vor dir
'Kuände, daz mit einem ogenblike niemer ab dir gewenketi Wie
lazesl du dir dinä oren endrinnen, und ich zft dir so manig minnek-
lich Wort spriehe! Wie vergissest du din selbes so berlich, und du
mit dem ewigen gute so gegen wftrtikli eh umbgeben bist! Waz
flehet dti sei in keiner nsserkeit, dii daz bimejricli so tügenlich in
ire treit V
Der diener: Herre, waz ist daz himelricb, daz in der seleist?
Entwiirt der Ewigen Wisheit: Daz ist gerehtikeit und
Trid nnd vr6d in dem heiligen geiste.
Der diener: Herre, ich erkenne an diser red, daz du mengen
'erbwgnen wandel hast in der sele, der ir gar verborgen ist, und
du du die sele zühest in tögenheit und wisest wol müzklicb in die
xinDe nnd bekantnüsse diner hohen gotheit, dii da vor allein be-
kiSmbert waz mit diner suzen menscheit.
1 am Rande Salomon E'F'HZ 7 herre rot diirchstr. i' 8 am
■"«wie BemarduH E^Z 9 benaget mich nit !■' 16 bo eniir. Z 21 herre
ftUlAR [daz] bimelr. AK 22 am Randt Paulue E'F'Z 24 rede wol £<
H Itgenlicheit Z
1—2 Siiach 11^. Vgl. David von Augsburg l. c. (td. QtMiaeehi 371).
3f. Bor, I.e.: Kc U quidei» n«c üi praaentüi grattat ultra modHtn extoUa»,
"K in abufUia ultra quam expedii depnmai, 7 Vgl, Sprkhte. 13,12.
8 Vgl. Btrnardv», ttrmu 61 in Cant, n. 1. 10 Hör. 69: unam hvntlam
Umpi/ri». 13 f. L. e.: cur inquam vagahunda corde et oeulis ti-emutit ae
m ßnta urbi/i terrae rotalU »lare eoratn lanla spansa pratsumü etc.?
19 Vgl. Luk. 17,21. 22f. Rom. 14,17-
L
236 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. X.
X. Kapitel.
Daz drite: war nmbe es got slnen yründen als reht übel in
zit gestattet.
Der diene r: Herre, so ist ein ding in minem herzen, getörste
ich daz z& dir gesprechen? Ach, suzer herre, wan getörste ichna
mit dinem nrlob mit dir disputieren als der heilig Jeremias! Zarter
herr, nn z'um nit, and hör es gedultklicb! Herr, sü sprechent also:
wie inneklich süze din minne und din vräntsehaft si, so last da si
doch dinen vrunden under stunden gar sur werden mit mengem
bitterlichem lidenne, daz du inen zfi sendest von versmechte tod ü
aller der weit und von menger widerwertikeit, beidü uzwendig and
inwendig. So ein mensch doch erst getrittet in din vrüntscbaft, 80
ist der erste trit dar nah, daz er sich bereite und bewegenlich setie
uf liden. Herr, dur dinü güti, waz mngen sü süzikeit hier inne
ban, ald wie macht du es alles erliden an [103'] dinen yr&ndeD?!
Oder gerfichest du es nit ze wissenne?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Als mich min vater
minnet, also minne ich mine vrönde. Ich t&n miuen vründen na^
als ich in han getan von angenge der weit bis an disen bätigen tag.
Der diener: Herr, daz ist, daz man klagt, und dar umb so
sprechent s&, daz du so wenig vründen hast, wan du inen es so
gar übel in diser weit gestattest. Herr, dar umbe ist ir och vil, 9€
sü dine vrüntscbaft erwerbent und sü in lidenne beweret son werdeOt
daz sü dir abe gant, owe, und daz ich mit herzklicbem leid uaä
mit bitterlichen trehnen mins herzen müs sprechen, daz sü denoc
wider hinder sich gant uf daz, daz sü gelazen durch dich hatten.
Herr mine, waz sprichest du hier zu?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Disü klage ist dero men-
4 d. diener fehlt F' 6 nn fehlt AK 16 nit fMi F 17 am
Sande Ewangelium F^Z 19 in fehlt AFa disen] den JP 20 ist och ^
da klagt F^ 21 es in Z 22 gest. in d. w. E^ 23 son bew. w. P
28 am Band In coUacionibus patrum E^F-Z diso] du FF^
1 Kap. 10—12 auch hei Wackemagel a. a. 0. 1039—62. Kap. 10 i^
im Hör, 83 ff. (c. 9) in erweiterter und gros/tartiger Weise durchgeführt*
6 Jerm. 1.9,1 f. 7 sü = die Menschen. 12 f. SifXich 2,1 f.
17 f. Jöh. 15,9. Ergänze nach dem Hör. 87: mein (Christi) Leben war voS
Leiden, der Jünger ist aber nicht über dem Meister (Joh. 15,18; Luk. 6,40),
28—237,2 Joh. Cassianus, Collat. VI, 2 (Hör. 88).
BüchieJD iler Enigeii Weisheit. Knp. XI.
237
«eben, da krankes globen siot nnd kleiner werke, lawes lebenes nnd
ODgeübtes geistes. Aber du, gemintü, wol uf mit dinem mftte nsser
dem horwe und der tiefen lacbun liplicber wollnat! Eutechlüs din
inren sinne, tft uf dinü geistlichen ogen nnd Ifig, nim eben war, waz
£ dn bist, wa du bist und war du borest; sieb, so mäht da giifen,
daz ich minen vTiinden daz aller minneklicbest tön.
Da bist nach dinem natürlichen wesen ein spiegel der gotheit,
da bist ein bilde der drivaltkeit und bist ein esemplar der ewikeit.
Und als ich in miner ewigen ungewordenheit bin daz gAt, daz da
toiet endlos, also bist du nacb diner begirde grundelos; und als wenig
ela kleines trüpbli erscbüsset in der hohen tieh des meres, als wenig
frschusse an der erfnllnnge diner begirde alles, daz d6 weit ge-
leislen mag.
So bist dn in dem eilenden jamertal, in dem liep mit leide,
luben mit weinenne, vr6d mit trurkett vermischet ist, in dem ganz
vüe nie herz gewan; wan es trüget und lüget, als ich dir sagen
wil, es gebeisset vil und leistet wenig, es ist kurz, unstet und
ttudelber; hüt liebes vil, morne leides ein herze rol, sieb, daz ist
dit zites spil.
XI. Kapitel.
Ton iemer werendem we der helle.
£ya, min uzerweltü, nu lag von allem gründe
^ kleglichen jamer. Wa sint nu alle die, die sich I
2 mit d. mSt« fehU AK
"•inu Z, bloss ^uguBt. F'F'
'»Kleides Tol AK 21 we]
IS herzen
her mit
6 w« do b. fthtt F 1 am Bande I Äugu-
8 bÜder i-'' 14 -im Rande UZ 18 ejii
2 f. Bor. l. c: tu avlem tn nostra apirituati philosophia aiiter inMiiiutu/i
*^iiFgt. .... gurge igüar de viaeosa obseomtitate teinpomlium deleetaltonum !
7 f. L.C.: tu namque es speculum divinitatis, to quod in te priacipaliiu
IMw m etttris crtaturis dem reluctat .■ imago trinitatis, eo quod eiw imago
* ft r;gplendatl (nämlieh in den drei obersten Kräften der Se'le) : exemplar
'^tniiatit, eo quod inviolabili incoiruptione gaudeas. Vgl, Aug., De trm,
■tt J/.; XI. 7 n. 12; Bern., sei-mo 45 dt div. it. 6: Thomas, S. Th. 1 q. m a. 6.
16 ea ^^ «NM in diesem Jammertal tat. 21 Attch dieses Kittel i»l im
Sor. i^Sff. c. il> bedeutend moeilert; die Bestrafung der tintilnen Sünden wird
/am in dantesien Farbin ge»ekitden. Vgl. dasu Mechlhild von Magdeburg,
yUtssendtt Licht der Gottheit ed. Gail Morel 1869, 83 ff.; Hugo von Langenstrin,
MarUna ed. Seiler 165$, 60, 43^73, 90 und dessen Quellen : Innoeent, De con-
tfmptu mundi III, 4 und Hugo de Argent., Comp, theol. verilatia VIT, 32.
238 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XL
rftw und laste nider liezen in diz zit, mit Zartheit und des libes
gemach? Eya jamer, waz hilfet sü [103^] ellä d6 yr6de in dem
zite, du so halde mit dem kurzen zit ist vervam, als ob si nie were
worden ? Wie ist daz lieb so schiere yür, des leid iemer und iemer
weren mfls! 0 ir tumben toren! Wa uu, daz ir so vrölich spracbeot:
„wol her, ir wolgemftten kinder, wir sülen trurkeit urlob geben und
sülen hoher vröden phlegen!'' Waz hilfet nu ellA du vröd, die ir
ie gewunnent? Ir mugent wol mit jemerlicher stimme rufen: ^^we,
we und iemer we, daz wir an dis weit ie gebom wurden! Wie
hat uns daz kurz zit betrogen, wie hat uns der tot so hinderschlicheD! ]
Owe, ist ieman uf ertrich me, der noch betrogen werde, als wir
armen eilenden betrogen sien? Oder ist ieman, der an yr6mdein
schaden witze welle nemen ? Hetti doch ein mensche aller meDScheo
liden tusent jar, daz were gegen disem als ein ogenblick. Owe,
wie ist der so selig, der nie vröde wider got gesuchte, der durch 1
in nie gftten tag in zit gewan! Wir unsinnigen wanden, sä wenn
von gote gelazen und vergessen, eya, wie hat er sä nn so trutlich
in siner ewikeit umbvangen und in so grozen eren vor allem himel-
schem here ! Waz konde inen geschaden alles daz liden und ver
smehte, die inen zu so grozen vr6den geraten ist? Wie ist aber 8
alles unser lieb so gar verswunden! Ach jamer und not, es mfts
doch iemer weren! Owe, iemer und iemer, waz bist du? Owe, end
an alles ende, owe sterben ob allem sterbenne, alle stund sterben
und doch niemer mugen ersterl)en! Owe, vatter und mflter und
alles lieb mit einander, got gnad uch iemer und iemer, wan wirfl
gesehen äch ze keinem liebe niemer me, wir müzen doch iemer mc
von uch gescheiden sin ! Owe scheiden, owe iemer werendes scheiden,
wie tust du so we! Owe hendschlagen, owe grisgramen, süfaen
und weinen! Owe iemer hüwlen und rufen, und niemer erbirrf
werden! Unser eilenden ogen mugen doch niemer anders gesehen •
denn not und ani;:st, unser oren nicht anders hören denne ach und
we. Owe, ellu herzen, lant uch daz kleglich iemer und iemer er-
barmen, laut uch daz jemerlich iemer und iemer ze herzen gnn-
Owe und owe, ir berg und tal, wes beitent ir, wes haltent ir ^
5 0 ir] die A 13 witze] wis F nemen weUe J^J^ 26 iemer [ntf]
AKct 2U u. weinen fehlt F 30 eilenden fehlt A 32 f. erb. — und iemer
fehlt F'
6 Vgl. Weish. ,?/>. 16 ff. Weüh. 5,4 f 25 got gnad üch = wMi
(JIot\9:j). 34 ff. Vgl Oseas lOß : Luk, ^3,30.
Blichlein der Ewigen Weisheit. Kap. XI.
239
1 nf, wes vertragent ir uns? War umb bestarzeut ir uns nit
Pdem jemerlicheu anblicke? Owe, liden enr weit und liden diaer
It wie bist du so ungelich! Owe [104'] gegienwärtikeit, wie
ndest du, wie trügeBt du! Daz wir die in unser blüjeudeDJugent.
unsren schAneD wünklicben tagen nit vergaben, die wir eo üppek-
len verzarten, owe. die niemer noch nieiner her wider koment!
b und owe, wan hcttin wir ein einiges stündli aller der langen
Tarnen jaren, daz uns iron gottes gerehtikeit verzigen ist, und
\/a ane alle z&vereibt verzigen müz einl Kya, leid und not und
f iemer und iemer in disem vergesenen lande, da wir von allem
, ane allen trost und Zuversicht, iemer nie müzen geseheiden
Owe, wir gei'tin nit anders, wan wcre ein mülistein als breit
lOeE ertrich und umb sich als groz, daz er den bimel allent-
1 rörti. und kemi ein kleines vögelli ie i'iber hundei-t tusent
|, nnd bissi ab dem stein als groz, als der zehende teil ist eins
ftArnline, und aber aber hundert tusent jar so vil, also daz es in
lent stont hundert tusent jaren als vil ab dem stein geklubeti, als
iz ein ganzes hirskörnli ist, — wir armen begevtin nit anders,
t dez Steines ein ende were, daz och ünsrü ewigü marter
fpde hete, — und daz mag nit sin!"
\h, daz ist der jamersang, der da nach volget dien vriiuden
Der diener: Owe, strenge richter, wie ist min herz so in-
dlch erschroken! Wie siget min sele so kiaftlos da hin von
t erbermde über die armen seien! Wer ist doch in aller
I verrücbet, der dis horti, er erzittreti ab diser grimmen
6 minneo Glichen F fünahen £' 9 iemer me AKa 10 i. u. iemer
11 ane] von F 11 f. sin gesch. AK 12 mül«tein E'F'H mülin-
13 ertrich ist AK 17 klubeti K 18 gruz fehlt F 20 enmag K '
OD e. F 26 diser] der E'
10 Hör. y4: in terra kac oblivioiiis. 12 ff. Dasselbe Gleichnis von
t mit der Eiiileüung : posila per impoasibUe, quod esgtt etc. im Uor.
I begtgnel «n» xiieril bei Seusi, dann sehr oft vom 16.— 16. Jh. im
märe/itH, im VolktUtil und in der Knasidichtung (t. S. hti B. Ringicaldt
« Silttiuiil, ging in die religio»« Erbauangaliteratur itber, ttnd Mli
\ im katholiiChen und jirotutanfitchen Kircheaiied: vgl. dit> Belege
, Ein Bild der Eirigkeil, G<r„iania VIII (1863), 306—307, tr-
I Kltint Schriften II (ISOO), 37—47. Bi^ Fatsung de* Hör. findil
f Ludolf von Sachten (t 1377 9), Vita Chritti c. HS und bei Dionysiu»
I (\ 1471), Cordiale de quatitor novi»»im\ Coln 1403 Bi. 60'.
240 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XU.
not! Owe und owe^ min einiges liep, laze min nit! Owe, min
einiger nzerwelter trost^ scheide dich niht also von mir ! Owe, silte
ich also iemer und iemer von dir, minem einigen liebe, gescbeiden
sin — ich wil dez andern geswigen — owe, jamer und not, ieh
wölte doch e alle tage tusent stnnt gemartert werden. So ich doch |
nüwan an die schidunge gedenk, so möhte mir von angsten gebresten.
£ya, herr mine, zarter vatter, tft mir hie, wie du wilt, dez habe von
mir ein vries urlob, allein erlaze mich dez jemerlichen scheideDDes,
wan dez möhti ich bi nüti erliden.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Erschrik nit! Es belib^Jfl
in ewikeit ungescheiden, daz in zit ist vereinet.
Der diener: Owe herr, wan hortin dis ellü du menschen,
du ir schönen tag noch so torlich vertribent, daz st gewitziget
wurdin nnd ir [104^J leben bessertin, e daz in och also beschehe!
XII. Kapitel. 18
Ton unmessiger yröde des himelrichs*
Du Ewig Wisheit: Nu hab och dinä ogen uf undlflg, wir
du hörest. Du hörest in daz vaterlant dez himelschen paradyses;
du bist hie ein vrömder gast, ein eilender bilgri. Und dar ombe,
als ein bilgri ilet wider hin in sin heimüt, da sin die gemintentf
lieben vründe wartent und mit grozem jamer beitent, also sei din
ilen sin in daz vatterlant, eya, da man dich so gern sehe, die so
inneklichen ser nach diner vrölichen gegenwärtikeit belanget, wie
sA dich minneklicb gegruzen, zärtlich enphahen und zu ir vrölichei
geselleschaft eweklich vereinen. Sihe, und wistist du, wie su naeh<
dir turstet, wie sü begerent, daz du fruniklichen strittest in lideone,
9 enmohti FZ 12 [du] menschen F 17 am Rande Jeronimns F^F*i
du ewig w.] der diener (!) F, fehlt H hebe ÄKa [och] uf d. o. 2^ 20 hin]
hein ÄKaF\ fehlt F 22 hin in d. v. E^K 24 f. zö in vr. [g^. ew.] tö^
einen AK 26 von hier an Schluss des Buches tritt E ein
14 Der 2, Druck von 1512 hat hier (Bl 90^) icie auch Diepenbro^
(*212) einige Zeilen Zusatz, der aber sicher unecht ist. 17 Nimmt dk
Aufforderung in Kap, 10 (237,4) wieder auf, der jetzt die Erklärung fei^
Das Zitat bezieht sich auf Hieron,, ep. 98 (Migne, Fatr. Lat. 22, 792f.):ft^
netnus supemae laetitiae festa celebrare et jüngere nos angelorum choriSj «K
coronae et praemia et certa victoria est et desiderata triumphantibuM petkßM
proponitur etc.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XII. 241
DDrl dich ritterlich haltest io aller widerwertikeit, die sü uberwundea
hant, and nn mit g^ozcr »üssikeit überdenkent die strengen jar, die
ai hatten, dir were alles liden deste lidiger; wan so du ie bitter-
lirber gelitten hast, ßo du ie wirdeklicher enphangen wirst. Eya,
wie tfil d» ere denn so wol, wie darcli{<at dif vrßd denne benc nnd
mAt, »10 dii sei von mir vor minem vatter und vor allem bimelscbeii
bere so erlicb gerümet, gelobt und gepriset wirt, daz ei liie in dem
Btrititcbem zite so vil erlitten, so vi! gestritten und überwunden hab,
dai mengem so vrömde wirt, der ane liden ist gesin! Wie wirt
d6 kröne so wunklich überacbinent, du hie so sur erarnet ist, wie
werdent die wunden und du zeichen so inbrunstklieh glenitende, di
hie von miner minne enphangen sint! Sich, du bist da in dem
«Uerlande als wol gefrünt. daz der vrömdest der unmezigen zal
mionet dich minneklicher und getrüwlicher. denue kein vater oder
' kein müter ir einiges berzklichs kint ie gomint in diser zit.
Der diener: Owe berre, dnr din giiti, wan getörste ich dir
na gemöten, daz da mir noch me von dem vattertande seitist, daz
Kicii deet me dar naeb jamreti, und alles liden nu dest baz erlitti!
Eva, min berr, wie ist es da in dem lande geschafen, oder waz Iflt
' tuan da? Oder ist ire üt vil, oder wtssen eA als wol, wie es liie
Kmb lins stat, als diuü wort lücbtentV
Entwurf der Ewigen Wisbcit: Nu maohe dich nf mit
mir, ich wil dich [105'] da hin vuren in betrabtunge, nnd wil dich
einen verren anblik lazen tun nach einer groben glicfanässe.
Sihe, ob dem nfinden himcl, der unzallichen me denn hundert
twent stunt witer ist denn alles ertrich, da ist erst ein ander himel
ob, der da heisset coclnm enpyreum, der fi'irin himel, also geheissen
i wiTHl enph. /'.'■ 5 daz tierr AKa 7 gorümet] gegrüeet /•' uiiii
!At AI'Z dem] diecm F 8 etatritten !■' hat AKa 9 wie — 10
' ttlt £" 10 [üher]8chiiieiit AKkK 12 dem] dinem E 13 gefrümt AK
V n. s. £* 14 ie dekein K' 15 gcmiunetin E^ 18 deet] noch F
^fibH E' 20 ftt da vil ä: 27 an Uandc Thomas EE'HZ der [da] F
11 äor. 95: goU claHnn ... micabunt i-ulnfra, livorts rt »iigmala pro
t meo hie reeepta. 25 Hör. 9G nimmt Seuse nur acht Sphären an,
RtfefcArn da» coelam «mpyreum hommt. Über dicfe mittelalterlichen Theimen
. Wolf, Handbuch der A-<tronomie, ihrer Genchiehte und Literatur I
'fJSSOK.täTff.; Michael, Gtxeh. des deutschen Vnlkee 111(1903), 397 f.: Phlla-
klia, Dantes Göltl. Komödie, Exkurs eu Gesang I des Paradiese» (III, 12 ff.).
Sir Beschreibung der Freuden de» Himmel» rgl. Uugo von T.angenstein, Mar-
teil 245,61—207,78: Comp. Ihenl. veril. VII, 31. 27 Thomas. In 2 Sent.
'itt. W q. 3 a. ;' vnd Bfter : e. die Belege bei Dm. 37:!.
O. S*ft>*, SHUoha Babiftu. 16
1
242 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. Xu.
nut von dem füre, allein von der nnmessigeD durglenzenden klar-
heit, die er an siner nature hat, unbeweglich und untödemlich. Und
daz ist der herlich hof, in dem daz bimelsch her wonet, in dem
mich mit einander lobet daz mettigestirne und jubiliereut ellü gottee
kint. Da stant die ewigen stule umbgeben mit unbegriffenlichem
Hechte, von dien die bösen geiste wurden Verstössen, dar die Qier-
welten hörent. Sihe, du wünklich stat glenzet hin von durscblagem
golde, si luhtet hin von edlen margariten^ durleit mit edlem gesteine,
diu^eret als ein kristalle, widerschinent von rSten rosen^ wissen
lylien und allerley lebenden blömen. Nft Iftg selber nf die sch^inefll
himelschen beide: hey, hie ganzä sumerwunne, hie des liechten
meien owe, hie der rehten vröden tal! Hie sihet man vrölicb ogen-
blicke von lieb ze liebe gan-A bie harphen, gigen. hie singen, spriDgeo,
tanzen, reieu und ganzer vrodB^emer pblegen ; hie Wunsches gewalt,
hie lieb ane leid in iemer werender Sicherheit. Nu Ifig umb diek I
die unzallichen mengi, wie sü uz dem lebenden usklingenden bronoeii
trinkent nach aller ire herzen girde. Lüge, wie sü den Intreu klares
Spiegel der blozen gotheit au sterent, in dem in ellü ding kund osd
offenbar sint.
6 dien] dem F 1 am Bande Johannes in apocalypsi EE^Z 9 w]de^
Bchinet E}Fa 10 lehender AKa 11 snmerweide F 14 froiden f
17 trinket E hegirde E^Fa 18 in fehlt F
1 f. Hör, l. c, : uniforme, immobile, luminositatis perfectae et capacito^
immensae ; nntodemlich = incoiTuptibile, 4 Job 38,7, 6 Hör. l c: *
quibus iüe it^elix numerus spirituum malignorum corruena electorum numtn
reparandus erit. Nach scholastischer Ansicht können durch Ooties Gnade dif
Menschen den Engeln der einzelnen Chöre in der Glorie gletchkommen u»i
sollen die Zahl der gefallenen Engel ersetzen ; vgl, Thomas, S. Th. 1 q,61e,i
ad 2; q, 108 a. 6; Comp, theoL verü. II, 34. 7 flp. Apok. 21,10 ff.
11 ff. Hör. 97: hie vemalis amoenitas, autumnalis fecunditas, Merenita» ü9if^
valis, iocunditas nuptialis (vgl. Comp, theol. ver, l. c) ; hie vaüis gaudiosa, ti^
amorosa. Hie caelestes harmoniae personant, divinae fig^Uae, vocea tukHotH
decantant. Hie laetabunda plaudunt agmina ae laetis se miaceni modulam^
choris, hie choreae virginum cursitanies post dominum, hie una vox laeiafitit^
et unus ardor cordium. 14 Wunsches gewalt = deleetabüinm copia, (Hfßßf
bilium affluentia (Hör. l. c). 16 lebender usklingender brunne, vgl. Vili
Kap. 31 (92,19). Hör, l. c. ; fontale principium. Die Anschauung i$t Ar
mittelalterlichen Symbolik, an Ps. 41,2 anlehnend, sehr geläufig (DwrwßdH^
Rationale 0ß2 n. 26). Seuses Schilderung erinnert an das MitUHbHi du Gefitf
Altares (Anbetung des Lammes) von den Brüdern van Eyck. 18 Eeit. L t
speculum illud divinissimum , in quo omnia relucent. Nach der Lehrt dM
Theologen selten die Seligen alles in Gott, vgl. Kirchenlex. XI*, 93 : I\ ST8J,
Hör. 17b: haec (beaii) in deo perfede intuentur.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XII. 243
Verstil dich noch yürbaz und lüg, wie d& suz künigin dez
liiinelscben landes, die du so herzkiich minnest, mit wirdikeit und
Triden obswebet allem faimelschem her, geneiget von Zartheit uf ir
gemioten, unoibgeben mit dien bl(^men der rosen und dien lylien con-
Falliam. " Lüg, wie ir wänklichü Schönheit wnnne und vröd und
wander git allem himelschem her. Eya, tu nu ein gesiht, du din
hen und dinen m&t erh&get^ und Iflg, wie du müter der erbarm -
herrikeit du ogen, du muten erbarmherzigen ogen hat so milteklich
gekeret gegen dir und gegen allen sündern^ und wie ge[105^]waltklich
ä schirmt und sünet gegen ir geminten kinde.
Nu kere dich mit den ogen der lutren verstentnüsse und Ifig
och; wie die hohen Seraphin und die minnrichen seien des selben
kores ein inbrunstiges ufflammen hein ane uuderlaz in mich^ wie
die Hechten Cherubin und ir geselschaft hein einen Hechten influz
and usguz mines ewigen und unbegriifenlichen lichtes, wie die hohen
thrfine und du schar hein ein süzes rüwen in mir und ich in in.
So schowe denne^ wie du drihcit der anderen schar, die herscher,
krefiger und gewaltscher ordenlichen volbringent die wünkHchen
ewigen ordnnnge in der aUicheit der nature; lüg och, wie du drit
schar der engelschlichen geisten volbringent min hohen botschaft und
min gesatzd in dien sunderlichen teilen der weit. Ach, nu lüg,
wie berzkHchen wünklich und ungelich du gros niengi geordenot
ist, wel ein schöne anblik dis ist!
So ker daz oge hin und lug, wie min nzerwelten junger und
min aller liepsten vründ sitzent in so grozer rüw und ere uf dien
2 f. am Bande Bernardus KK^Z 6 nu tö AF'a nn tu nu IJK 11 f. am
Rand^ Dyonisius de (in K'F') celesti ierarchia EK^F-Z 12 och fehlt F
15 ewigen [und] AKKK^H 16 und ich in in fehlt A' ich in im A 17 so
«^owe — 23 anhlik dis ist fehlt AK drifaltikeit FF' 18 ordenlicher E'F
20 f. und m. gcsazd fehlt E 22 w unklichen Ea
2 flf. Bernardus j sermo 1 in Assumpt. B, V. Mariae und sermo in Nativ.
*'9, Ausserdem ist der Vita Kap. 36 (lll^tU) zitierte Aller hciligenhymnus
hcnützt, 3 Hohd. 8jö, 4 Ehd, :J,1 (Aniijfhon heim Magnifikat in der
Oktav von Maria Himmelfahrt nach dem hominikanerhrevier). 8 V(jl.
S'alre Regina : iUos tuos misericorden ncaloi< ad nos converf(\ 9 f. Hör, l. c:
fuam impcriose et potenter omnihua imperat^ iniseros dtfcndit d rcoft reconciliat,
'<//. Bernardus, sermo in Nutiv. B. V. Mariae n. 7; »cnno ,? in festo Pentcc. n. 4,
11 ff. Dionysius, De coel. hier. c. 7' ff. Vgl. Bhilakthcs, Dante, Note iL* zu
ixattg äS des Paradieses (III, 34^ ß.). VI Vfjl. Anm. zu L>4^,6.
17 ff. Die zweite (Herrschaften, G eindien, Märlde) hvztv. drifte ( Fit rsfent inner,
rzengel, Engel) Hierarchie, 24 f. Hör. Uö: apostoli tt amici mci praecipui.
244 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. Xu.
erwirdigeu rihtstulen, wie die martrcr schinent in iren rosen
kleidern, die bihtere lAhtent in grünender Schönheit, wie die z
jungfröwen glenzeut in engelscher luterkeit, wie alles himelsche
hin vlüsset von götlicher suzikeit. Eya, wel geselschaft, wel vr
lant! Gesach in got, daz er ie geborn wart, der iemer bie wonei
Sihe, in dis vatterlant vüre ich ze hnse min lieben gen
under minen armen von dem eilende mit der hohen ricbeit
rilichen morgengabe. Ich zier si inwendig mit der schönen
des liecbtes der glorie, daz si uf erhebt ob alle ir natnrli
mugentheit. Si wirt uswendig gekleidet mit dem geklerten Übe
siben stunt liecbter wirt denn der sannen schin, schnei, kleinfug
unlidig. Ich setze ir nf ein wunklicbe guldin kröne, und dt
ein gnldin krentzli.
Der diener: Zarter herre, waz ist du morgengabe, und
ist da kröne und daz gemeite krenzli?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du morgengabe isl
offenbares scbowen des, daz du hie allein glSbest, ein gegenwüi
begriffen dez du hie dingest, und ein minneklicb lustlicbes ni
des, daz du hie minnest. So ist d6 scbön kröne wesentlicber
aber daz gemeit krenzli ist zävallender Ion.
Der diener; Herr, waz ist dazV
1 ewirdigen E^ erwidigeu A wirdigen ]f' ewigen F^ 4 hin Tlüssei
wel ein ges. AKaKH ü daz E^FF^ 7 von dem eilende u. m. arnn
9 ob] über AKaF^ 10 so wirt si F gekleid] gekleret AK 12 g
gemeite F^ 16 am Rande Thomas EE^F^Z 18 des das K, das ro
derer Hand Z 20 aber — Ion fehlt F
1 f . L, c: mariyres rtUtlant roseo colortj confeasores radiant ignei
ffore^ virginesque emicani niveo candore. An den Festen der Bekennt
brauchte man im Mittelalter in manchen Diözesen grüne Paramente.
Kirchenlex. /K", 1230, 9 liecht der glorie, lumen gloriae (vgl, Ps. .
= übernatürlich verliehene Fähigkeit zur Anschauung Gottes (Kirchenle,
bSlff.: vgl. JJenifle Bvga XXXIX, 20S). 11 Eigenschaften des verki
Leibes sind nach den Theologen: claritas, agilitas, subtilitas, imjHUsibt
vgl Comp, theol, verit, VII, Q6: Kirchenlex, D, 1600 f, 12 Vgl, II Mos.
16 flf. Thomas, In 4 Sent, dist, 4U q. 4 a, 5 (vgl S, Th., SuppL q. 95) h
von den dotes animae: visio, dilectio (bei Stuse comprehensio), fruitio, \
den tlieologischen Tugenden des Erdenhbens entsprechen. Vgl, auch Comp,
verit. VII, 24 ff. 19 Hör, l, c; per eoronam auream praemium in
essentiale, per aureolam vero praemium accipe accidentaU: vgl, Thom>
4 Sent, dist, 49 q, 6 a, 1,
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. Xu. 245
Entw&rt der Ewigen Wisheit: Züvalleuder Ion lit an
sooderlicher yr6de, die du sei gewinnet von sunderlichen nnd erwir-
Jigen werken, mit dien si hie gesiget hat, als die hoben lerer, die
ttarken martrer nnd die reinen jungfrowen; aber wesentlicher Ion
it an scbftwlicher vereinunge der sele mit der blosen gotheit, wan
i gerüwet si niemer, [106'] e si gefüret wirt über alle ir krefte und
Qogentheit, und gewiset wirt in der personen natürlich wesentheit
nd in des wesens einvaltigen blozheit. Und in dem gegenwnrfe
indet si denne genügde nnd ewig selikeit; und ie abgescheidner
ediger usgang, ie vrier ufgang, und ie vrier ufgang, ie neher ingang
D die wilden wüsti und in daz tief abgründe der wiselosen gotheit,
D die sü versenket, verswemraet und vereinet werdent, daz sü nüt
Inders mngen wellen, denn daz got wil, und daz ist daz selb wesen,
laz da got ist, daz ist, daz s& selig sint von gnaden, als er selig
Bt von natur.
Eya, nn hab uf vrölich diu antlüt, vergisse ein wile alles dines
eides, verkül din herz in diser vinstren stilleheit mit der lieben
^Ueschaft, die du so tögenlich schowest, und lüg, wie rosenrot,
m durwünklieh du antlüt schinent, du hie so dik schamrot durch
Dich wurden. Hab nf ein wolgemütes herze und sprich also: „wa
ua du bitterlieh schäme, die üwer reinen herzen so gar durchtrang?
Wa du geneigten höbt, du nider geworfenen 5gen, wa du vertruckten
2 sanderl. froden £7* 2 f. ewirdigeu E^ 3 hohen 1. — 4 und die
Mt AK 4 Ion — 5 schowl. fehlt F 10 und ie v. ufg. fehlt F [und] ie
fifier [ufgang] E^ 11 und [in] AKE 12 am Rande Bemardus ad fratres
de monte (Dei E) EE^F'F^Z 13 wesen — 14 daz ist fehlt AK 16 din
Wlich antlüt E^
Iff. Hör. l, c. wörtlich nach Thomas l. c: accidentale prai-mium (Thomas:
OMtola) est quoddam gaudium de operihus a se factis, quae hahent rationein
^iäoriae exceHetitis, Zur Sache vtjl. Comp, theoh verit. VII^ ^Of.; Blume der
^^^ung hei Preger 11,430: Kirchenlex. I\ 1696 jg^, 4 f. Hör. l, c. tcie
^'h(ma8: praemium essentiale consistit in perfecta coninnctione animae cum
^(Thom€u: ad Deum), in quantum eo perfecie fruit ur ut viso et amato per-
/tett. lOX. c; quanto nunc perfectius temporalia cuncia reliquerity tanto
ttm'iM ad eantempkUionem spiritualium consurgit, 11 wilde wusti der
gotheit, vgl. Strauch, Marg. Ebner 301, A. zu 76,18: Denifle im Archiv II, 4öö.
12 ff. Cruigo Carthusiensis, Episiola ad Fratres de Monte Bei II, 3 n. 16
miir opp, S. Bern. ed. Mabillon II L ^04, Venetiis 1781) : vgl. Bemardus, De
W. Deo 15 n. 39. Die Lehre von der deificatio ist in Kap. 5 des- Bdw aus-
ührlieher behandelt, 17 Hör. 9U: in hac quietisnima pausatione iocundissi-
ia$ M0ci€tat4s.
246 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XIL
herzleid, die iniieklichen süfzen und die bitterlichen trehne? Wadü
bleichen antlüt, du groz armüt und gebresten, wa nu d6 erbennklicb
stimme: „ach herr, owe got, wie ist mir so herzklich we!" Wa alle, die
üch versmaliten und vertrukten? Wan hört nit rae: „wol her striten,
vvol her kcmphen, wol her vehten!" nacht und tag, als der an die I
beiden vihtet. Wa nu, dnz ir inwendklich ze tusent malen spracbent
in gegen'würtikeit der gnade: „bist du bereit vesteklich ze steune
in gelasscnheit?" Wan hört nüt me den kleglichen eilenden ruf,
den ir do tatent: „owe herr, wie hast du mich gelassen!** Ich hJre
minneklich erklingen in üweren oren: „koment her zfi mir, min M
geminten, besitzent daz ewig rieh, daz üch bereit ist von angenge
der weite." Wa alles liden, leid und ungemach, daz ir uf ertricb ie
gewunnent? Owe got, wie ist daz alles als ein tr5m sehnelleklich da
hin vür gevarn, als ir nie leid gewunnint! Wafen, zarter got. wie
sint dinü gericht so gar verborgen der weit! Eya, ir uzerwelten, esll
ist nüt me in die winkel sich gan verslieflFen und verbergen vor der
andren unsinigeu toblieit. Owe, weren doch ellü herzen ein hen,
sü könden nit überdenken die grozen ere, die unmessigen wirdikcit,
[lOü^] daz lob, die gunlichi, die ir iemer und iemer haben sont
0 ir himelfürsten, ir edlen küng und keiser, o ir ewige gotteskindcr, i
wie sint üwer antlütte so wünklich, üwer herzen so vrölicb, wie
hant ir einen so liohen mftt, wie erklinget üwer stimme so vr6licb
diz gesang: „eya, eya, dank und lob, heil und selde, gnad nnd
wünne und iemer wercndü cre si im geseit von ewen ze ewen von
allem gründe unsers herzen, von des gnaden wir dis alles iemer Ä
eweklich besessen haben!** - Sih, hie vatterlant, hie ganzes rftwcB,
hie herzeklich jubilieren, hie grundloses, iemer werendes loben!
Der diener; Owe wunder ob allem wunder! Ach grundlofti
göt, waz bist du? Eya, zarter, uzerwelter, minneklicher herr, wie ist
hie so gar gut ze sinne! Owe, min einiges liep, laze ünsalbieJI
beliben!
Kntwürt der Ewigen Wisheit: Es ist nit hie bliben»
noch ; du müst noch mengen kiinen strit durbrechen. Dise anblik
2 nu fehlt AKEF' 6 inwendig E' 7 bereitet AK 8 eil. klegl. i"*
13 [als] ein Al^' IG gan vera. und fehlt AK 18 verdenken A 23 di»
gesang fehlt F seldo fddt K 24 und ze ew. AEF 29 minnekl. fehlt ¥
30 aUe hie Fa
9 Matth. 27,46. 10 f. Matih. 25,34. 14 f. Rom. 11,33,
23 ft'. Apok, 7,12. 30 f. Matth. 17,4.
Bflchlein der Ewigen Weisheit Kap. XII. 247
ipt dir allein gezöiget, daz du dar einen geswinden ker kunnest tun
ip allem dinem lidenne, — sih, so kanst da niemer erzagen, — und
^ergiggest alles dins leides, and ze einer antwart der klage der un-
^ratandnen menschen, die da sprechent, daz ich es übel gestatte
pinen yründen. Nu lag, wel unglicheit ist zwüschent miner und
|b zites vrfintscbaft, und wie ungelich wol ich es minen vründen
[estatten nach der warheit ze nemenne, — ich wil geswigen dez
pozen kombers, der arbeiten und menges sweren lidens, in dem sü
iwimment and wehtent nacht und tag, denn daz sü also geblendet
lint, daz sü es nit verstaut. Es ist doch min ewigü ordenunge,
)tt ein angeordnetes gemnt im selber ein marter und ein swerü
l^fiz ist Min vründe hein liplich ungemach, und hein aber herben*
iftwe; aber der weit vründe sAchent liplich gemach, und gewinnet
It^zen, sele und mfttes ungemach.
Der diener: Herr, sü sint unsinnig und t6big, die din waren
Tr&ntsehaft und der valschen weit iemer zesamen zellent, dar umb,
du da wenig vründen hast, — wan daz ist ir grozen blintheit
•ebalde, — und die von keinem liden iemer me geklagent. Owe,
wie ist din vetterlichü rflte so minneklich ! Selig ist der, vor dem
do sie nie gespartesti Herr, ich sich nu wol, daz liden [107'] nit
kont von hertikeit, es kunt von minneklicher Zartheit Nieman
spreche me, daz du diner vründen habest vergessen! Du hast dero
vergessen, — wan du hast an in verzwiflet, — an den du hie liden
sparest Herr, sü^on billich niemer guten tag, niemer liep noch
gemach hie gewinnen, die du dort beschirmen wilt vor der ewigen
Dot, and dien du geben wilt die iemer werenden vröde. Owe herr,
gib mir, daz dis zwen anblike von den ogen mins herzen niemer
gttcbeiden, daz ich din vrüntschaft niemer verliere.
2 verzagen AKaK 4 f. minen fr. ü. gest K-^ 6 wel ein E^ 6 es
/eÄÄ £» 9 wettent F vechtent AKaF' 10 am Band Augustinus EE^F'F^Z
\l f. irt nach marter HZ 12 böz] burdi F ung.] erbeit E^F 14 sele]
ler P 16 gezellent Z 18 kleinem E 23 f. wan au den hast du ver-
iwiTelt nach sparest E^ 25 wilt besch. E^ 26 not] marter E^ du dort Z
ie fehU ÄF 28 verl. amen F^
3 f. Vgl. oben Kap, 10, 8 sü = die Freunde dieser Zeit. 10 f. Augu^
fi»U8y Coftf, /, 12: iussisti enim et sie est, nt poena sua sihi sit omnis inordi-
atus ammu8. 19 Vgl. Sprichw. 3^12. 27 zwen anblike, der HöUe
nd d$s Himmels.
248 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. Xm.
XUI. Kapitel.
Ton unmessiger edli zitliches lidennes.
Zarter herre, nn sag mir, weles liden meinest du, daz da 8C
inneklich nütze und gfit ist? Und wie beger ich so berzklich^ dai
du mir da von me sagest, ob du mir es zu sendest, daz ich «
lieplicb und vrölich als von diner vetterlichen band enphabei
Entwürt der Ewigen Wisbeit: Ich mein ein ieklichee
liden, es si willeklich angenomen oder unwilleklich zfi gevallen, di
echt ein mensche usser der notdurft ein tugent machet, daz er m
ane minen willen nit wölte ledig stan, und es ordnet in min ewiges lob
mit einer minneklicben demütigen gedultikeit; und so es ie williger
ist, so es ie edler ist und mir ie genemcr ist. Sieb, von deriey
liden so hör me^ und schrib es in den grünt dins herzen, und hab
es ze einem zeichen vor dien geistlichen ogen diner sele.
Min wonunge ist in der reinen sele als in eime paradys allei
Wollust; dar umb mag ich nit liden, daz si mit liebi oder loste oi
kein ding valle. Si ist von natur geneiget uf schedlicb wollosl,
dar umb verdüme ich ir die straze, ich bestecke ir alle lackan
mit widerwertikeit, es si ir liep oder leid, daz si mir nit endrünne;
ich bestrowe ir alle wege mit lidenne, daz si niene den vüz ir herz-
lustes kunne gesetzen, denn in der hoheit miner götlichen natar.
Sihe, weren ellu herzen ein herze, su enmöhten nit getragen in vi
den minsten Ion, den ich geben wil in evvikeit umb daz minste lideo,
daz ein mensche von minnen dur mich lidet. Daz ist min ewign
ordnunge in aller der nature, der ich nit ab gan: waz edel und gW
ist, daz müz sur erarnet werden; der da belibet, der belibe. Vil
ist der gerüften, weni^ der uzerwelten.
Der diener: Herr, es mag wol sin, daz liden ein unmessig^
gfit ist, da es nit ane maze ist, und da es nit als grüwlich und dk
8 d. diener F'Ka da fehlt E^F"^ 4 ^fit u. n. i? 6 frolich o.
1. E' 7 am Hände Tliomas in Scripto EE'FUIZ 10 led. wolte AK}T
11 f. williger ist so es ie fehlt AK 12 und) so es AK 16 oder mit 1"'*
18 und [ich] best. E^ 20 f. niene nach herzl. AKaE^ 21 dennefehU^
24 f. am liande Jeronimns in epistolis EE^F^E^HZ 29 da (Mweitts)] d«x£
7 Thomas, In 4 Seni, dist, 15 q, ] a, 4; q. 2 ad 1, 18 f. Vgl V AI«
6,0 ff, 18 V(jl. Oseas L\6. 25 f. Vtjl. Hieronymua, ep. 58 ad Paulv
(Migne, Fatr. Lat, 22^586): nihil sine magno lahore vita dedit mortalüf^
(Horat., ;Sai, /, if,59). 26 f. Matth. 20,16,
r
BHchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XIII.
im^hört ist, Herr, anerkennest [107'] allein ellö verborgnü ding
und hast ellü ding in zal und in masse geschaffen; du weist, daz
DUD liden aber alle masse ist, es ist über alle mine kraft. Herr,
ist ieman in aller diser weit, der pinlicbrü liden die steti hab denn
< iti, daz ist mir uncnpbintlicli. Wie gul ich sü erliden? Herr, gebiet
du mir gemeinü liden, die m&hti ich erliden; ich ensibe nit, wie
ich (lü vromden liden. du so verborgenlicb miu sei und minen mftt
cugeiit, du du allein ze gründe erkennest, iemer muge erliden.
Eutwärt der Ewigen Wisbeit: leder siech wcnet, daz
im aller wirst si, und ieder dürftig, daz er der aller crmst si. Hetti
ich dir endrü liden gegeben, es were daz selb. Gib dich vrilich iu
Einen willen in allem lideiine, da« ich von dir wil, ane alle us-
genomenbeit dez oder dez lidennes. Weist du nit, dan ieli uuwan
din aller bestes wil als vrüiitlich als du selb selber? So bin ich du
Ewig Wiebeit und weis bas, waz din aller bestes ist; so macht du
dea enphunden han, daz minü liden vil naher sDchent und tiefer
;:»it und balder tribent denne ellü augenomnü liden, der iß reht tut.
Weg klagest dn denne? Sprich zö mir also; „min aller getrüwster
valier, tö mir überal, daz du will!"
' Derdiener: Owe herr, es ist als licht ze sprechenne, aber
ii gegen würtikeit ist als miiticb ze lidenue, wan es tot als reht we.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Teti liden nit we, so
bieese es nit liden. Es ist nüt pinlicbers denn liden. und ist nüt
'rAlicIiers denn gelitten ban. Liden ist ein kurzes leid und ein
' ^igcg liep. Liden ti^t dem liden liden ist, dnz dem liden nit liden
»in, Hettist du als vil geistlicher siizikeit und gOlHches trostes und
NInat, daz du ze allen ziten bin flussest von dein biinelscben töwe,
4 in a. d. weit. felUt AK 8 angont 1' 12 wil huben AKa 15 dir
i'iialv i.' IG eiiiiünd«ii E 23 eniat not pinlicber AKl? und |iBt]
■WE 2Ö liden tSt — 26 wirt fehlt J-' 26 du] doch J-J'
2 Wtüh. 11,31. 7 Vgl. Vita K. 31 u. 33. 17 tribtut zu Golt : an-
«tManii I. = stlbalgewähltt Ltidtn. 18 f. Vgl Maltli. U6,43. 21 Uor.
'W; (ribu^attnnitm pmmetiiiuM taefa vulntru sunt valiJe affiicliva.
23 (. Eckhart 493fi6f. gant wie Seme, tigl. i43,:i6Jf.: 434,4t} aber sagt
^ckhati: alliu ir (der Tilgend) aelikeil iX liden dur got, niht geliten hdn.
Walfit Äustprüehv dtr Mgtlilitr äbtr Wert und Jiedtaiuntj des Leidens bei
i)raiich, Marg. Ebnir287f., Dtnifie, Das geistl. Leben '1880, Sötff.
at. Hur, l. f.: brevem habet amaritadineta et longam consolationem ; fre-
ftn* Iribvlalio coneueludine landein eiiwitur, M iam quani non esse iribiilalio
tut lepit twe rideatur.
250 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. Xm.
du were dir nit als lonber an ir selber; wan ich betti dir von der
aller sament nit so vil ze dankenne, si macbti mich nit dinen
Schuldner als vil, als ein minnriches liden oder ein gelazenheit in
hertikeity in der du mich von minnen lidest. Es sint e zehnu nmb
geswenket in grozem Inste und vrölicher süzikeit, e eins unib swenke
in emzigem lidenne und widerwertikeit. Hettist da als vil kanst
als alle sternseher, köndet da als wol von gotte sprechen als aller
menschen engelslichen zangen und hettist aller meister [108'J
känstigen richheit, daz enkönd dich niht als vil ze einem guten
leben gefürderen, als ob du dich in allem dinem lidenne got kanst
geben und lazen ; wan daz ist gäten und bösen gemein, aber dis
ist allein miner uzerwelten. Swer reht könde gewegen zit and
ewikeit, der s61ti lieber wellen hundert jar in eime värin oven ligen,
denn des minsten lones umb daz minst liden wellen enbem in
ewikeit; wan daz hat ein ende, diz ist ane alles ende.
Der dienen Ach suzer, minneklicher herre, wel ein s&zes
harphen dis ist einem lidenden menschen! Herr, w<ist da mir
also minneklich psalterjen in minem lidenne, so w61t ich gern liden,
so were mir baz mit lidenne denn ane liden.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Nu höre daz suz selten-
spil der zertenneten seiten eines gotlidenden menschen, wie riliches
dönet und wie suzklich es erklinget
Liden ist vor der weit ein Verworfenheit, und ist aber vor mir
ein unmessigA wirdekeit. Liden ist mines zornes ein erlöscherin
und miner hulde ein erwerberin. Liden machet mir den menseben
minneklich, wan der lidende mensch ist mir anlich. Liden ist ein
verborgen gflt, daz nieman vergelten kan; und daz ein meDSch
4 am Bande Bemardus EE^F^F^HZ 5 uiubgeswenke Ä 8 he-
tistu E^ 9 künftigen (!) F 10 kanst got AKE 14 umb] und K
wellen radieft Z 19 denn a. 1. fehlt F 26 angelich E 27 f. am Bade
In vitaa patrum EE^F^HZ
4 Von dem got liden apiHcht Eck hart öfters , so 4^14: 15^ ff,; i^»^
Vgl, Hör. l. c: totum te deo in omni tribulatione committtre, 4 f. Bf^
nardtis, De consid, II, 12; sermo 2 in dorn. Palm, n. 2. 6 ff. Hör» Ic.:^
in astroloyca disciplina floreres et omnium liberalium artium secreta p(^
irares, si admirahilis in omni sapientia appareres, si cunctos rhdores et di^
ticos fa<:undia et argutiis praeires etc. 18 psalterjen (Hör. 130: psaJkfV
= Psalmen singen, auf dem Psalterium (psalierje, psalteri, eine Art Harfi^ äh*"
lieh dem späteren Hackbrett; vgl. Bild 12) spielet^; vgl. Lexer II, 304: A, Sck0i^^^
Höf. Leben I\ 563; H. Paul, Grundriss der germau. Philol. III\ 572.
26 Hör. l, c: Christo passo assimilatur.
]iMe
L der Ewigen Weisheit. Kap. xm.
251
Imwlert jar vor mir knüweti nmbe ein vrüntlicheB lideii, es were
inverdienet. Es machet uzzer einem irdenschen mensohen einen
linielschen mensciien. Liden bringet der weit vrömdi und git aber
Hin emzig hetolichi. Es minret vründe und mcret gnade. Er mftz
:tii7licb verlSggent und gelazen werden von aller der weit, dez ich
iiich vrüntlicb underwinde. Es ist der siuherste weg und ist der
ürzesf und der nebste weg. Sieb, siver rebt wüsti, wie nütz.liden
![, er B<i CS als ein werde gäbe von gotte enpbabcn. Eva, wie
it m mcnig menseli. daz ein kint waz des ewigen todes und ent-
clilureu waz den tieüTen schlaf, daz daz lidcn bat erkicket und er-
liindert in ein göt leben! Wie ist so meng wildeB tier und unge-
etnles vSgcIli, daz mit emzigem lidenne iti geschlossen ist als in ein
eci, der im stund und stat liessi, wie es einer ewigen sellkeit
ndmnni! Liden behütet vor sweren velleii, es machet den menschen
ich selber erkennen, in im selben bestan, sinem nehsten gl5ben.
Men behaltet die sei in dcmi'itikeit und leret gedullikeit; si ist
in hüteriu der reinikeit, si bringet die kröne ewiger Bclikeit. Es
lag knme dekeiit mensch sin, er enphahe etwaz gätCB vonlidenne,
f si iu gebresten [lOS'] oder in eime anvange oder zi^nemenne oder
I votkomenheit, wan es fiirbet daz isen, cb Iiitret daz gold, es
ieret daz edel gesmide. Liden daz leit Bund ab, es minret daz
fgfiir, vertribet bekorunge, verswendet gebresten. ernüwret den
eist; es bringet war zftversibt, rin hiter gewissen und steten hohen
ifll, Wässist, es ist ein gesundos trank und ein heilsames krut ob
ll^n knitern des paradyses. Es kestget den lib, der doch fulen
^bü, und spieet aber die edlen sele, dii da eweklicb bliben sol.
3 bim. [raenaclieu] Ah git aber] bringet Z 4 vründe] süude If"
\.\ BcUeroBt J-' lind [ist] /.'i-'i''' 7 nebate [we{,'| A rebt /Ml AK
»werem willen /; dial die A IS in] uiiil AKK'I' 22 tmd vertr.
WZ
2 ff. Hör. 121: hotniiicm farnahm facii tpiriluattvi, ... niundi huiua
n (Irüiulatio) gtntrat denertinnem, scrf diviiHim parit familiarilatem, ....
But arla via gtd «teura et compendiosa duems ad vüaiu (vgl. Eckhart 492^3),
rtl IT. Hör. i. c: o guot auiU tn mundo captivi, qui per manum alti»timi t
^uli'd indomita et aviculae incaoeaiae tribulationHiu» ti prcineiitibus i'itcllMt
^nlur, quibu* »i faeulta« adeaset, otio resolati a »tatn diffiigireni proprtae
'AUur.' 15 X. c: htmililer in seifiao eonrnstere ac timer«, ... proximo
nimlj eondeacendere. 16 f. si betieht sieh auf gedultikeit 2ü f. i
ȟndige, gold ^ die ati/angtndc und foriachreitcnde, gegmide ^ di* wO-
MS 8ttU. 22 vi'iKweodet gebresten = extinguil earnalitnleit (Hör. 132).
252 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. Xm.
Sihe, du edel sele trujet von lidenne, als die schönen rösen von dem
süzen meient6we. Liden machet einen wisen mflt und einen ge&bten
menschen. Ein mensch, der nit gelitten hat, waz weis der? Lideo
ist ein minnerflt, ein vetterlicher schlag miner nzerwelten. Liden
zähet and zwinget den menschen zu gote, es si im lieb oder leid. 5
Der sich vrölich in lidenne haltet^ dem dienet lieb und leid, vrind
and viende. Wie dik hast du dien anzennenden vienden isninä
gebiss in geschlagen und sä nnmechtig gemachet mit dinem yrölicben
lobe und senftmütigen lidenne! Ich schüfe e liden nzzer nüti, e icb
min vr&nde ane liden liezi; wan in lidenne werdent alle tngentlO
beweret, der mensch gezieret, der nehste gebessert, got gelobt. 6e-
dultikeit in lidenne ist ein lebendes opher, es ist ein suzzer smak
dez edlen baisamen vor minem götlichen antlät, es ist ein uf triDgen-
des wunder vor allem himelschen here. Es enwart nie kein so groz
kaphen uf einen wol turnierenden ritter, als alles bimelsches her IB
kaphet uf einen wol lidenden menschen. Alle heiligen sint eins
lidenden menschen crcdencier, wan sä hein es vor wol versuchet
und rufent mit gemeinem munde, daz es aller gift ane ist und ein
beilsames trank ist. Gedultkeit in lidenne ist grözer denn toten
machen uf stau oder andru zeichen tfin; es ist der enge weg, der da 90
rilich tringet hin ze der himelporte. Liden machet der martrer genoz,
es füret hine daz lob, es füret hin den sig wider alle viende. Lideo
kleidet die sele mit röslim kleide, mit purpurvar; si treit der riteo
rosen schapel, dez grünen palmen zepter, si ist ein us glenzender
rubin in eime jungvröwlichen värspan. Si singet vor in ewikcit*
mit süsser stimme^ mit vriem niflte einen näwen reien, den aller
engel schar nie gesingen konden, wan su dez lidennes nie befanden.
Und daz icb es kürze : die lidenden heissent von der weit die armen,
und heissent aber von mir die seligen, wan sü sint min uzerwelten.
1 trüget FF^H trfigeti Z 2 sfizen] lichten E^F^ 4 ein minner.
fehlt AK 6 der — leid fehlt F lidenne] dem A 12 ein leb. o. es ist
feldt A 16 f. eins wol lid. E^ 19 am Bande Gregorius in dyalogo E^I^F^Bl
29 sint von mir die userw. E^
1 trujen (Lex, 11^ 1537) = gedeüien (Har. l. c; saginatur), 8 8vmh
34,9. 7 £f. Vgl. Vita Kap, 29, Hör, l. c, : inimicis frenum sücntii mpoMMiti
14 L. c. : totam coelestem curiam in admirationem suspendit» 19 Gttg^
Dial. ly 3: ego enim virfutem paiitniiae signis et miraculü/ maiorem eredo,
23 f. Die roten Bösen sind Zeichen des Leidens, d§r PdhnmoHg SymhcH des
Sieges (Apok, 7,9),
Büchlein der Bwigeu Weiaheit. Kap. SIll.
253
[109'] Der dieoer: Eya, wie schinet ao wol, daz Aa du
Ewig Wisheit bist, daz du so innekltcheo wol die warhclt kanst zc
felde bringen, da/, nieman dar an kan noh mag gezwiflenl Es ist
wnnder, daz er liden mag erlidcD, dem du liden also kanst ge-
|t lieben, Herre, du hast mit dinen süzen worten gemachet, daz mir
nit allein alles liden iemer deste lidiger und deste vr&licher mAz
i Bin, berre mine und getrüwe vatter, icb knuwen hüt vur dich, acb,
I iini] loben dich inneklichen umb gegenwärtiges liden und och umb
1 ii ?crvamen unmezigen liden, du mich do so groz duhten, wan sü
vientlicb I übten.
Du Ewig Wisbeit; Wie duuket dieb aber nii?
Der diener: Herr, raicli dunket daz eigenlich; wenn ich dich,
I mioB herzen wunkliehen Sgenweide, mit Iteplicben ögen an sibe, daz
I dii starken grozen liden, mit dien du mich als vetterlieb hast geübet,
■ Ton dero angesiht an mir dennoch din frumen vriinde erschraken,
I iiT, du ellü sien gewesen als ein Büzes meicntowe.
Do der selb bredier hate an gevangen von lidenne ze schri-
(»eüne, do waz im vor in der selben wise, als och vor an geschriben
8tai, wie du selben zwei menschen, du in liden und in betrübte
* Waren gesin. vor im ses^in, und begert ir einü, daz man ir psalter-
jeti, Daz enphieng er nnwertlicb und meind, es were ungeistlich.
Do wart gesprochen, daz ir begirliohes psalterjen nit ungeistlicb
^re. Und do zehant do waz ein jnngüng da, der bereite uf ein
kAnst d. w. Z 8 der aa nach
12 d. diener /thlt £> dez FHZ
16 ge-K. sien £' 18 vor [an] £'
ellifluo guodam eapore ei suavitsima
'.. c: quia tx hoglili severitaU prodire
2 innekl.] minneklicben A, fMt J-?
nwg A'F' 6 und d. vröl. fehlt AKa
'4 p'oasen starken E 15 dinj die E'
18 und [in) £'/■'
a Hör. 133: veritatem agnitam t
fveiationi ad lucfn produein. 9t.
fniahantar.
18 In AKRWS' (in a tum Teil Kchon nach Vita Kap. 34) ein BOd:
obia der Diener vor dem gckrtittigten Ckrittn» und dem Jenuäkind emschea
Senenhechen, unten der Diener mit dem Fialtrriam vor dem gegeistelltn Heiland,
richl* die tuet leidende» Menschen (Abb. 12 nach A Bl. IO!f).
17 der aelb Iredier = Seine. 18 Im Prolog des Bdew; vgl. auch Hör.
111 und 13.
254 Büchlein der Ewigen \Veisheit. Kap. XIV.
psalteri, and do er si gereiset, do spieo er die zwen fedem über
die Seiten in krüzwis und gab si dem brftder in die band, und tfo
hfib er an zc eprecbennc von lidt-nne:
XIV. Kapitel.
|110^] Von unsaglleher göti der betrahtHnge. des ^tlleha
lidens.
0er dieuer: Herrc, gewerlicbe, es ist ror allen herzen nr-
borgen daz grundelos gut, daz man in dincm liden rindet, der dem
zit und stat git. Wafen, wie ist der weg dines lidens so gar eio
geweres pbad dur den weg der warbeit hin af den faoligten toldeft I
aller volkonienheit ! Wol dir, edcls lieht ander allem himelschen gt-
Btirne, Paale, daz du als hohe werd gezogen und als tief in gefurdt.
in die verborgnen tSgni der blozen gotheit, da da hortest die tiefet
wort, die nieman gesprechen mag, und dir doch daz selb mionel* >
lieb liden ob im allem so euzklich ze herzen gieng, daz du eprecfas;«
„ich enkan nit denn Jesum Cristnm und den also geknlzget^L^'
Gesegnet siest du $ch under allen lerern, süzer heir sant ßer»
hart, des sei so durHibtet waz mit dez ewigen wortes blozh^ '
und daz din süzü zUDge so süzklich us töwet von etuem voUtfl'
herzen daz Hdcn sincr mcnecheit, do diu minnendü sei sprnch: qd*!'
geblümet mirretihäscbelli des bittren lidenues mins geuiinten herra
halt ieb minneklich gevasset entzwiischcnt minii brästlA und zarüich'
geneiget enmitten in min herz. leb ensftchc nit als di'i gemidiil,
wa er unib den mitten tilg rfiwe, den icii enmitten in niinGm bendl.
umbevube. Ich cnfrage nit, wa er umb den mitten tag werde fc^l
spiset, den min sei so miiinklich an dem krüz an bliket. Ens M
wol höher, aber dis ist süzer und bereiter. Usser dem minneklieluS.
1 [ilio] zwen K 1 f. fibcr die b. /Ml K 7 der dieonr dareha^.
fthll H 8 f. dem e zit A !) ein m [gM] E'f 12 wcrd]
16 am Rande Pniilufl KK'F'F'HX 10 lUz fe/ili K'H 20 f. a«
Heriiiiraiis «njitr c;iiiti(rfi AKF' l-'-ll/. 27 diMu] disi'in AKK
IM.lf. 13 f. II Kor. 12,4. 16 / Xur. -U
■ tt tu, roekaü figtUa, suapüatf »crntOHüi duleittr
ii diriitiniima maiflate itluminala, bealif»imr Btrn-
IUI ti in ifiice /mspenmiiii tarn duicilir tapiebat eU.
4i; Kl Cant. (1,1U) n. i fi-ti UiiOtzt.
1 jisalteri, rgl.
oben
17 fl-. lim: mt «
milit
jieroriKilti aUiue verl-i
fiiU'
hartle, ciii verliiim im
ariKi
'^Iff. BenmrduH,
cnno
Büchlein der Ewiy;eii Woishsit. Kap. XIV,
Udenne nim ich ein völliges erHetzen mins kleinen verdienens. Hier
lit min vollkomnt'i gerectitikeit; liis betruhten beis ich ewig
256 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XIV.
wertikeit; es enthaltet mich eutzwüschen lieb uud leid diser wel
in rehter glicheit, und behütet mich vor allem übel in ganzer sicher
heit Ich han dar us under stunden enphangen ein trank sioe:
bitterkeit^ och under wilent ist mir dar us worden ein trank götlichei
trostes und geistlicher suzikeit.^
Ach dar umb, süzer herr sant Bernhart^ so ist billich, daz
din zunge hin ilüsse von süzikeit^ wan din herz mit dem süssen
lidenne so gar versusset waz.
Ewigü Wisheit; ich merke hier inue: swer grosses lones mi
ewiges heiles begert, swer hoher kunst und tieffer wisheit begert,
swer glich in lieb und in leid welle stan und ganz Sicherheit vor
allem übel welle han, und ein trank dines bittren lidennes und nn-
gewonlicher süzikeit welle enphafaen, der sol dich, den gekrüzigeteo
Jesum, ze allen ziten vor den ögen sins herzen tragen.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du enweist nit [110']
recht; waz grozes gutes hier inne lit. Sich, erozigü betrahtange
mins minneklicben lidennes machet us einem einveltigen meDscIien
einen hohen künstrichen meister.
Es ist doch ein lebendes buch, da man ellü ding an vindet;
wie ist der mensch so reht selig, der es ze allen ziten vor sinen
ogen hat und dar an studieret ! Waz mag der wisheit und gnaden,
trostes und süzikeit, ein ablegen aller gebresten und miner emzigeo
gegenwurtikeit erwerben! Und hie von so hör eins:
Es geschah vor vil jaren, do hat ein bredier in sinem anrang
ein bitterliches liden von ungeordneter swermütikeit, du in ze etlichen
ziten also überladen hate, daz es enkein herze m&ht ergründen, daz
sin nie bcvant. Und do er ze einer zit also sas in der zelle nach
dem imbis, da hat in daz liden überwunden, daz er enmoht weder
studieren noch betten noch nüt gutes getfin, denne daz er ako
trurige sas in der zelle und sin hende in die schoz leit, als ob er •
der zelle wölte got ze lobe hüten, wan er ze allen andren geistliehfn
dingen unnütz were ; und do er also sas trostlos, do waz im, als zA
im dise sin vernünftiklich gesprochen würde: „wes sitzest du bieV
11 f. welle vor a. ti. 7v* 16 acrossen AE götes] lones F*^ 22emi*
gen A 23 und — eins fehlt AK 24 ein] der selb F 27 f. nach i i-
— 30 in d. zellt' ftJdt A 31 wolte liüteu Za hfit. wolti A* andren fehlt ¥
32 als] wie AKa 33 diso sin fehlt F
19 Hör. r^6: vtlut quidam liber vitae. 24 ein bredier = Stuat ((jfw-
dam dhcipulus sapienliae, Hör. 127), 25 Vgl. Vita Kap. 21. 33 H'>r.
l. c. : facta est ad tum dtauptir quasi vox inicüeciuali^ dicens etc.
Bttchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XIV. 257
Staot nf und vergang dich in min liden, so überwindest du din
liden!" Und er stünt geswinde uf, wan im was, wie daz reht von
bimel were erschollen, und nam her vtr daz liden, und in dem lidenne
verlor er alles sin liden, daz er es in sogtaner wise nieme dar nah
5 enphant.
Der dienen Owe, min suzü Wisheit, nu erkennest du ellü
herzen, du weist, daz mir ob allen dingen begirlich were, daz mir
din pinliches liden vor allen menschen ze herzen gienge, und daz
es asser minen 5gen einen vliezenden brunnen der bitterlichen trehen
.0 nacht und tag hetti gemachet. Owe, nu hat min sei ein fierzeklicb
klag, daz es mir nit als ingrüntlicb ze herzen gat ze allen ziten,
noh als minneklich dar nah enkan betrahten, als du, zarte, nzer-
weite, wirdig werest. Dar umbe so wise mich, wie ich mich
halten säle.
5 Entwurt der Ewigen Wisheit: Du betrahtuug nach miner
marter sol sin nit mit einem ilenden ubervarne, so man zit und stat
mag han, mer si sol sin mit herzklicher minne und mit einem kleg-
lichen übergenne, wan anders daz herz blibet als unberürt mit an-
daht, als der mund mit unzertribnem süzholze. 3Iacht du min liden
0 nit von der bitterlichen not, die ich leid, mit weinenden ogen über-
trahten, so solt du es aber mit lachendem herzen übergan von dem
vr51ichen gut, daz du dar innc vindest. Enmaht du aber weder
lachen noch weinen, so solt du es mir ze lob in der türri dins
herzen Übergan; und hier inne solt du nit minr hnn getan, denn ob
5 da von trehen und süzikeit da bin flussist, wan so würkest du von
binnen der tugende ane ansehen din selbs.
Und daz es dir iemer nie deste baz ze herzen gange, so hör me:
1 stant uf und fMt F 2 uf geswinde AKa ;3 lideu uusers lierren
^ 7 und [du] weist AKaE 11 klagen AE zc allen z. fehlt AKE
lo nach fthU E^ 25 und] in AKct und von s. E^F 25 f. am Bande
Bemardus EE'F'F^
3 daz liden, nämlich Christi, 25 f. Bernardua, sermo 0 in Quadrat/.
"• /■; mullo virilius aguni, si virtutes ipsas non pro dehctatione, sed pro rir-
^^ttihuft ipsis et pro solo beneplacito dei tota intentione, ctsi non tota affectione
^ct'iniar, 27 ff. Hör. 127 f. führt Sense genauer aas, dass die Betrachtung
^ts Leidens Christi besonders nützlich sti ad poenam purgatorii diminuendam,
-{> handelt sich in dem zunächst Folgenden nicht um Vergehung der Sünden-
^c/iuldj sondern um Abbüssung der zeitlichen Sündenstr afen, icelche nach
^ergebener Schuld auf Erden oder im Fegfeuer zur satisf actio condigna (Hör.)
^bzubiUtsen sind. Weiter unten unterscheidet Seuse deutlich zwischen Schuld und
'traft (bäze). Ähnlich icie Sense Nikolaus von Strassburg ( Pf ei ff er L 282 f).
j£, SoQS«« Deotiche Schrirten. 17
258 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XIV.
Min strengü gerechtikeit lat kein unrelit in aller [111'] dei
natur so klein noch so grozes, es müze gebusset und gebessert wer-
den. Wie s61t nu ein grozer sünder, der vil lieht me denn hunder
totsünde hat getan, und umb ieklich totsünde sölte nach der scrif
siben jar büzen, oder die ungeleisten büsse in dem heissen eitoTei
dez grimmen vegfüres müste leisten, eya, wenn s61te du eilend se
ir büze vol uz gelcisten, w^enne s61te ir langes ach und we ein eudc
nemen? Wie wurd es ir so gar ze lang! Sih, daz hat si behendek-
lich gebusset und gebessert mit minem unschuldigen wirdigen lideniie:
si mag als wol in den edlen schätz mines verdienten lones kunnen
grifen und zu ir ziehen. Und sölte si tusent jar in dem vegtür
brinnen, si hat es in kurzer zit nah schuld und böze ab geleit, in
si ane alles vegfür in die ewigen vrode vert.
Der diener: Owe, min zartü Ewigu Wisheit, daz 1er mich
dur din gütin; wie könde ich so gern einen sogtanen grif tön! )
Entwürt der Ewigen Wisheit: Der grif beschiht also:
I. daz ein mensche mit einem rüwigen herzen als dik und als swar-
lichen wiget die grözi und die mengi siner grozcn missetat, mit dien
er so berlicbe erzürnet hat du ogen sins himelschen vatters; IL und
dar nach mit einem vernihtenne der werke siner eigenen bessemnge. 2
wan du sint gezellet gegen den sünden als ein tröphli gegen dem
tiefifen mer; III. imd denn mit einem hüglichen wegenne der anmes-
sigen grozheit miner besserunge, wan daz minste truphli mins kost-
bercn blfites^ daz da unmesseklich allenthalb us minem minnericbeD
Übe vloz, daz vermöhte vür tusent weit sünde besseren; und doch*
so zühet ieder mensch der besserunge als vil zu im, als vil er sich
mir mit mitlidenne gclichet. IV. Und dar nach, daz ein mensche
als demütklichen und als viehlichen die kleinheit des sinen in die
grozheit miner besserunge versenke und verhefte.
1 iiDgereht AKaEF^ 4 solti biizen E^ 6 miizi K^ eya raditrt^
10 wol vor kunnen P? 14 am Bande Nota Bernhardus F^ 17.19.22.27 fl«
Hände 1 II III IV AEE^Z 18 i^riozcu fthlt E' dien] dem E^F'H 21 den]
disen AKa 24 alleuth. fehlt AKE 25 hin flos EE^ 26 am Bandi
Thomas in tercia parte EFM'^F^Z der] des AF 28 demutkliche A »»<*
a. vlehl. fehlt F 29 grozi iv»
4 f. Über diäte theologisch^ Meinung vgl, lliomas, SuppL q, 8 a. 7 : Ik/ff^
c. 44 D. L.; c. 5 D. LXXXII: Raymundiis de Fennaf.^ Summa (Paris 1722/
L, III tit. H4 p, 436 f. 25 Hör, liiO: pro redemptione et satisf actione ioti^
mundi suffecisset. Zur Sache vgl. Thomas, In 3 Sent, diät, 2() a. 3 ad 4; Ä Tfc.
3 q, 46 a, ö ad 3, 26 Thomas^ S. Th, 3 q. 49 a. 3 ad 2, im Hör. 139 f, /alt
icörtlich zitiert.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XV. 259
Und (laz ich dir es kurze, so wüssest, daz alle meister von
»d noch von maze enköndin gerechnen daz unmezig gftt, daz ver-
borgen ist in einziger betrahtunge mins lidennes.
Der diener: Eya, zarter herre, dar umb lazze alle rede
DDderwegeo, — ich bin gar verfurct, — und tu mir noch me uf
verborgen hordes dins minneklichen lidennes.
XV. Kapitel.
Ton dem minnekosen, daz du sei mit got hate gehebt nnder
dem krdze, keret si sich wider zu sinem lidenne.
Der diener: Du hast mir geotTenbaret die unmessigen not,
die diu usser meusch hatte an dem hohen galgen des krüzes, wie
darmartert er waz und umbgeben mit dien banden des jemerlichen
todes. Ach herr, wie stünt es aber [111^] under dem krüze, alder
waz ieman da, dem din klegliche tod ze herzen gienge, oder wie
hielt du dich in der not zu diner trurigen müter?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Da höre ein kleglich
ding und daz lazze dir ze herzen gan.
Do ich, alse du hast gehöret, in aller der angst und tötlicher
Qot stfint vor in uf erhenket jemerlich, do stünden sü gegen mir und
ffiften mich an mit ire stimmen vil spotlich; sü wegten irü höbter
?egen mir gar smachlich, sü vernihteten mich in ir herzen genzklich,
reht als ob ich ein ungenemer wurm were. Aber ich stund hier
inne vestklich und bat minen lieben vatter über sü minneklich.
Sich, ich, daz unschuldig lembli, wart zu dien schuldigen gelichet,
ich wart von ir einem verspottet, aber von dem andren an gerüfet.
Ich eophieng in geswinde und vergab im alle sin missetat; ich tet
im uf daz himelsche paradys.
Ach hör ein kleglichs ding: ich lüget unib mich, do vant ich
'öich ellendklich von allen menschen gelazen, und die selben vründe,
^ie mir nach hatten gevolget, die stünden verre von mir, min lieben
6 hordes] ordens F^ 9 keret — lid. fehlt F^ 10 d. diener fehlt H
5 zö] gen E^F 16 am Hände rot wie es under dem krüz iiml) in stüiit EE^F^,
on anderer Hand Z 22 ich es ein AKE 26 und [ich] tet E 30 gev.
itton E^
1 f. AlU Arühmetiker und Gtomeier. 5 vertTiret = weggeführt, ah-
scliweifi (Hör, 130: digressionem fecimus). 19 ff. Vgl Matth. 27,39 ff,
2b Von den swei Schachern; vgl Liik. ^3,S9A:>. 30 Luk, 23,49.
i
260 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XV.
junger waren von mir geflohen. Ich stund also nackent und all^
miner kleider berobet. Ich waz do worden der unmehtig und d^
giglos. Su handleten mich unerbermklich, aber ich hielt mich ^/^
ein swigendes lembli senftmütklich.
Ich waz mit herzeleide und mit bitter not umbgeben, wa ich i
mich hin kerte. l Es stünt under mir du trurig müter, und leid ir
müterliches herz ze gründe alles, daz ich an dem libe leid, jifio
miltes herz wart da von inneklich bewegt, wan ich allein ir grozes
herzleid ze gründe erkande, ir scneden geberde an sah und irü
kleglichü wort horte. Ich tröste si vil gütliche in der tötlichenlDj
schidunge, und bevalh si minem geminten junger in müterlich trawe
und bevalh den junger ir in kintlich trüwe.
Der diener: Ach min milter herr, wer mag hie enbem, er
müze inneklichen siifzen oder bitterlichen weinen? Eya, min scbonü
Wisheit, wie mohten su gegen dir süzen lemblin so gar unmilt sin, llj
die wütigen lowen, die mürdigen wolfe, daz sü dich also handleten? .
Ach, wafen, zarter got, wan were din anner diener da gesin, daz
ich hetti ellii menschen verwesen, daz ich vür minen herren dar
were gestanden, ald aber mit minem eingen liebe in den bittern
töd were gegangen, oder, wölten sü mich nüt [112'] mit minem Ä
lieb lian getötet, daz ich den herten stein dines krüzes heti mit dien
armen mins herzen in jamer und klag umbvangen, do er von mit-
lidenne zersprang, daz 5ch min eilendes herz mit im nach dem ge-
minten were zersprungen !
Entwürt der Ewigen Wisheit: Es waz min ewiguord-*^
nunge, daz ich ze der stunde den kclch miner bitteren marter allein
litte vür ellü menschen. Aber du und alle die, die mir nach wellen
gan, die verloigen ir selbes, nemen nu ir eigen krüz uf und gangen
mir nach ! Wan daz sterben ist mir als minneklich, als ob sü do
mit mir in den bittern tod weren gegangen. *■
Der diener: Zarter herr, nu lere mich, wie ich mit dir er-
6 \i\\\ fehlt I'? imder] wider A' 11 gem.] lieben K^ 17 ich din F
icli nachgetragen KF^ 18 het furweseu 1? 22 u. in klag AaE^F 26 bit-
teren fMt F äO do tot mit m. E^
3 f. Jer, lljl9. 6 Hör, 131: atahat iunc iuxta crucem filü pendentu
matu' maesiissima etc. Seuse scheint die Scquens Stabat tnat€r des Jacopom
da Todi f| ISOfi) gekannt zu haben. 11 f. Joh. 19,26 f, 21 den herten
stein, den Feh, in den das Kreuz eingerammt war (pedem eruds^ Hör, L c).
23 f. Vgl Matth. 27,öl. 27 f. Matth, 16,24.
kb
Bliclüeiu der Eivif^eu Weisheit. Kap. SV. 261
rterben sül, und weles min eigen kriiz bi, wan gewerlich, min herr,
ensol nit me mir leben, sider du mir tot bist.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swenne du dicli rlizest
aller best ze tünne, daz du dich verstast, und du denn da von
dien menschen Bpotlichfi wort tiud smahlich geberde enpfaabest,
md 8LI dich als ^ar vernihtent in ir herzen, daz sA dich da vür
lein, daz du dich weder kunnest noh geturrist gerechen, und du nit
illein vestklich und unbeweglich hier inne stest, mer daz da och
teo himelsehen vatter lieplich i'iber bu bittest und Bii minneklich
fegen im enischuld igest; sich, als dik du von minnen alsus dir selb
irstirbest, als dike ergmnet uuderblüjet sich min tod an dir. Swenne
Iq dich haltest luterlich nnd unschnldklich, und dinii gttten werk
ilan vertrucket werdent. daz man dich mit wolgevallenne dins herzen
lellet zö dien schuldigen, und du gegen dien, die dich pingent oder
iiner söu begerent, als behend bist von gründe ze vergelienne alles
laz ungemacb, daa dir ie von in beschah, alt ob es nie were be-
ichehen, nnd inen dar zö heliolfcn und diensthaft bist mit worten
und werken dur die glicheit mins vergebennea mineu kruzgern: so
(tael du warlich bi dincm liebe gekrüziget. Swenne du dich denne
lUer menschen liebes, nutzes und trostes verzihest, denn so vil es
lin hkrii notdurft ist: so verwiset din lieblosi alle, die mich do ze
ier gtnnde Hessen, Swenne dn aller diner vninde als ledig stast
Inr mich, als ob sü dich nit an h6ren, in allen dingen, da ein mittel
Mag gevallen; so han ich einen lieben junger und brflder under
lern krüze etende, der mir min liden hilfet tragen. Dö ledig vriheit
lins herzen kleidet nnd zieret mine blozheit. Swenne dn denne in
Jler widerwertikeit, [112"] du dich von dem necbsten an gat, von
minnen durch mich sigloe wirst, und da aller menschen ungestümen
Wrn, nannan er wejet, wie geswinde er kumet, du habest recht
»der Ulirecht, als senftniütklich enphahest als ein swigeutes lembli,
lipo daz du mit dinem siizmütigem herzen nnd mit dinen senf^
"lütigen Worten und gütlichem anlli'ite der andren übli überwindest:
1
4 dn [vou] E''F 8 beweglich J-S 10 selb dir alma Aa dir s. a. i:K
i< gegen fehlt K' 16 nie] nit E 20 f. ial nach es EK 21 ein bärfi u.
J'finviaet h'' 29 weget KfE 31 süzm.] senftmötigen A''
6f. Hör. 132: ut hoc nnn vütuU ixtlieniiae atcribant ... sid impotentiat
a9ia€. 21 Bor. 133: desfi-tinnem mtatn, qua ab oiniiibus deriUclu»
tr hanc rtcompensa» voluntniiam abfiractionem. S&f- /-■. <:•: 'xapoliatio
e vohintatia veBtimenta gvnt nudÜatU meae.
262 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XVI.
sich, 80 wirt daz war bilde mins t5des in dir us gewArket. Eya, ds
ich di8 gelicheit vinde, waz hab ich da in dem lastes und woJ-
gevallens mir selber und minem himelschen vatter!
Trage minen bittem t5d in dem gründe dins herzen und in
dinem gebette und in erzöigunge der werke: so volltürest du dai 6
leid und die trüwe miner reinen mftter und mins lieben jungem.
Der diener: Ach minneklicher herre, min sele begert, daz
du US würkest daz bilde dines eilenden todes an minem libe and
an miner sele^ es si mir liep oder leid, nah dinem höhsten lobe nnd
dinem aller liebsten willen. lij
Ich beger och sunderliche, daz du noch nie ein klein rurest
daz groz herzleid der trurigen müter und mir sagest, wie si sieb
ze der stunde under dem krüze hielte.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Des vrage si selber.
XVI. Kapitel.
Ton dem wlrdigen lobe der reinen kiinlgen von himelrich.
Der diener: 0 hohü richeit der götlicheu kunst und wißheit,
wie sint dinü gericht so unbegriffenlich und diu wege so unerkant!
Wie hast du so mengen vromden weg, die armen seien wider 2C
bringenne ! Wes gedecht du, oder wie was dir so wol ze mftt in
diner ewigen unwandelberkeit, do du so adellichen schufde die reinen,
die zarten, die wirdigen kreatur ob allen lutren kreaturen! Herre,
du mochtest wol sprechen: „Ego cogito cogitaciones paciB»
ich gedenk die gedenke des vrides." Herr, du hast uzzer dein a^
gründe dincs wesentlichen gutes dir selber in ir widerlühtet, in dem dfl
ellü verflössnü wesen hast wider in den Ursprung geleitet Eya, himel-
scher vatter, wie getörste ein sündiger mensche ze dir komen, ^
were denue, daz du uns hettist gegeben din einiges uzerweltes kiot,
1 sich fehlt AKE eya — 3 h. vatter fehlt AE\ nachgetragen E d»;
wa E 2 in dem fehlt E 8 in mir s. und in m. h. v. E 14 da« -f'^
17 d. diener fehlt H 19 ^Tomden fehlt F
4 f. L. c; //* operatione per imitationtm affectuosam, 14 Die Mi^^
folgt Kap. 17. Im Hör, (134 — ISO) ist Kap, lls mit Kap, 15 vereinigt,
17 f Röin. Ily33, 22 Maria : lutre kreaturen = Engel. 23 Jerm. 29,11
24 f. Sinn: durch Christus^ dtr von Maria geboren wurde, hat d$r Vater
alles H'itder in sich zurückgefilhrt : vgl. Bonaventura, Brevü, JK, :i (ed* Qwf
racchi IbüO, 17iO : id., In 3 Sent. dist. 1 a. :,K q. 3.
Bttchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVI. 263
die Ev^igen Wisheit, ze einem leiter? Eya, Ewigü Wisheit, wie
getörste ein armer sandiger mensche iemer die baltheit gewinnen^
daz er viir sogtane laterkeit sine unreinkeit getörste gezöigen, es
were denn, daz er die mftter aller erbarmherzikeit ze einem schirme
Demi? Ewigü Wisheit, bist du min brüder, so bist du och min herre;
bist da ein warer mensche, owe, so bist du och wäre got und ein
Til strenge rihter der missetat.
Eya dar umbe, so unser armen seien [113 '] sint in dem engen
notstal grundloses berzleides und wir enkunnen noh hin noh her
komen, so blibet uns nit, denn daz wir unser eilenden ogen uf
bieten ze dir, uzerweltü künigin von himelrich! Eya dar umbe, du
der ewigen sunnen glastes wid erglenzender Spiegel, du der verborgen
hört der grundlosen götlichen erbarmherzkeit, bis hüt gegrüzet von
mir und von allen sündigen ruwigen herzen! Ach ir hohen geiste,
ir reinen seien, trettent hin vür, rüment und prisent, lobent und
günlichent daz wuneklich paradys aller wollust, die hohen künegin,
wan dez bin ich nit wirdig, si gerftch mir es denne ze erlobenne
^on ir guti!
0 du gottes uzerweltes herztrut, du schöne guldine thron der
Ewigen Wisheit, erlobe mir armen sünder joch von minen gebresten
ein klein sich mit dir ze erkosenne! Min sele vallet vur dich mit
Wagen ogen, mit schamlichem anthite und mit nidergeworfnen ögen.
Ach, ein mftter aller gnaden, mir ist aber als neiswie als weder
min sei noch kein endrü sundigü sei bedürfe keines urlobes noch
enkeins mitlers gegen dir; du bist doch daz mittellos mittel aller
runder. So doch ein sele ie sundiger ist, so si ie billicher dunket,
daz 81 einen zftgang zft dir habe ; so si ie missetctiger ist, so si ie
billicher hin vür dich tringet. Dar umh, sei minii, so gang vrilich
hin vür! Vertribet dich din grozü missetat, ach, so ladet dich du
^uudelos miltekeit.
Eya dar umbe, du einiger trost aller sündigen herzen, du einigü
vlabt der verschulten menschen, zt\ der manig nasses öge, manig
1 leiter] lerer F^ 2 die b. ieiu«^" h? 4 erljermdc AKaK 5 miii
. — 8 och fehlt F 19 thron] krön F' 23 gnade K'FHu 24 keines
M E^ 27 daz si baltliehe /'.' habe zu dir h? mein tetiger /*' 29 [Iiin]
ir A* vertribe /:» 32 zii dir FF'
5 ff • Vgl. BeniarduSf senno in Jjom. infra Oct. A<!snmpi. n. I.Q: sermo
Nativ. n. 7. Zum GedunhtnifaiKj cks (jauieu Abschnittes rr/I. Wtcaudard,
e de 6'. Bernard II ( Paris lb9öj^ O.i f.
264 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVI.
verwundet eilendes herze uf gebotten wirt, bis ein gnedigu mitleriu
und sünerin entzwüsehent mir und der Ewigen Wisheit! Gedenk,
gedenk, miltü uzerweltü künegin, daz du alle dine wirdikeit von
Aus sündigen menschen hast. Waz hat dich gemachet ein müter
gottes, einen schrin, in dem die Ewig Wisheit süzeklich gerfiwer
hat? Vrowe, daz hein unser armen menschen sünde. Wie wökest
du heissen du mi^^ter der gnaden und der erbarmherzikeit, denn von
unser ärbeitselikeit, die diner gnade und erbarmherzkeit bedürfen?
Unser armftt hat dich rieh geniachet, unser gebresten hein dich über
alle luter kreatur geedelt. 10
Eya dar umbe, ker dinü 5gen der erbarmherzkeit, du din
miltes herz nie gekerte von keinem sunder, von keinem trostlosem
menschen, ze mir armen menschen, nim mich under dinen scbirm,
wan min trost und Zuversicht lit an dir. Wie ist so menig sündigü
sei, so si gote ein urlob hate gegeben und allem himelscheni her, ID
[113^J so si gottes verlöigent hate, so si an gote verzwiflet hate
und von im jemerlich goscheiden waz, du sich an dich hankte,
owe, du so milteklich von dir uf enthalten ist, unz daz si von diner
gnade wider ze gnaden kam ! Wer ist der sunder, der ie so vil
mordes und meines begangen hab, so er an dich gedenke, er g^ ÄJ
winne einen mftt? Uzerwelter, einger trost unser armen sünder, du
grundlos güti gottes du hat dich als lustlich gemachet allen sündern, ;
daz uns sin von diner übervliezenden güti gelüsten mfiz. Sich,
wenne min sele sich nach dir recht hinderdenket, so hügt mir der ;
mftt, so dachte mich billich, ob es muglich were, daz min herz mit S^
weinenden ogen zfi dem munde us von vroden Sprunge, so zer-
vlüzet diu nam in niiner sei als ein bonigsein. Du heissest dochdn
ii ^etan nach sfiiide von späterer Hand K 7 du] ein AKaK pnä^^
K'F^H U unser geb. — 10 geedelt feUU F^ 10 kreatnreu AK U ^^
her AKa du ogen diner erh. K^ 12 f. von k. 8. nie gekert noch von k. t.
m. />' V6 ze] gegen E ze — mensclien fehlt AKa n. mich frowe i^
14 und min z. A* 17 im] gottc E^ was gesch. E^ du — hankte ./«"W'
AK 19 kom ze «x. E' 22 [du] hat AKEFH 2b ob — were fehlt AKK
26 von vroden (t'rod E) ze d. m. us spr. AKaE 27 in minem herzen AKl
1 f. Bern,^ sermo J2 de advaitu iJomini n. 5: per te accessum ?MbeathUi
ad filium, o henedicta inventrix (/ratiatj genetri.c vitae, mattr siHtUia ... do«»«^
7wstraj mediatrix nosira, advocata nostra^ tuo filio u08 feconeilia etc, ^9^-
oben :J43Mf. 11 V(/L das Salve regina und Tiern.^ sermo 4 in Assumpt, n.is
14 l'gl. Bern., sermo in Is-ativ. n. 7 : haec (Maria) peccatorum scala, haet
mea maxima fiducia esf^ hacc tota ratio spei ineac.
[Siiclileiti der Eivi-ieii Weislicit. Kap. XVI. 265
mDter, du kÜDgiiiiie der erbarmlierKkeit; eya, zartü rafiter, eya,
tniltü kiinigin der grundloBen erbaniihei-zkeit ! Owe, wel ein name!
Wie ist daz wesen en grundlos, dez nani so gnadenrieh istl Erldaiig
ir kein seitenspil so wol in einem wilden beizen, als der reinen nam
tUiI in unseren rüwigen herzen? Disem hoben namen son billicb eUix
bi'ibter nigen und eWü knie sich biegen. Wie dik bast dtt die vient-
licheu band der b6sen geisten von uns vlüchtig geniachet! Wie dik
Wt du des strengen richters zornlichen gerehtikeit nnterstanden !
Wie dik hast du uns gnad und trost von im erworben! Eya, wir
taroieii sundigen mensehen, waz wellen wir hier zu sprechen, wie
*iilen wir ir dez grozen götes iemcr gcdauken? So si alle engelsch-
lichen znngeii, alle Inter geiste und seien, himelrich und ertrieh nnd
^ll(-s, dar. dar inne beschlossen ist, ir wirdikeit, ir wnnne, ir gnade
onil ir grundlosen ere nit voUoIien kan, ach, waz siileu wir süudigen
herzen denue iftnV Tüjen wir unser vermugen, und sagen ir gnade
<>Dd dank, wan ir grozä demiitikeit siht nit an die kleini der gäbe,
^i siht an richheit des willen.
Ach, süzü künigin. wie mag sich dtn so billieh rrÖwlicher nam
festen! Wa nu: verfluchet si Eva, daz si der vrucht ie enbeiz? Oe-
^e^et si Eva, daz si uns die süzen himelschen vrtiht ie brable!
Kieman klage me daz paradys, — wir haben ein paradys verlorn,
Und haben zwei paradys gewunnen. Oder ist sl nit ein paradys,
in der da wftcbs du vruht dez lebenden [IH""] bömes, in der ellü
Wollust und vröde mit einander beschlossen wazV Oder ist daz och
nit ein paradys ob allen paradysen, in dem die töten wiiUr lebent
werdcnt, so sü siner vruht versftchent, von dez bendeu und viizen
Und eilen vlussen die lebenden brunnen, die da alles ertrieh be-
giewent , unerseb&phter erbarmherzikeit, grundloser wisheit, ikber-
vliesgender siizikeit, inbrünstiger minne, nnd Her brunne des ewigen
1 /. (eya) niiltfl £' 4 rein(e) J'^'l^'a 8 des zoriiliclien richters perelil,
*KK ISerAeAKK 1& demät.] gnü ÄKaE die fthlf AKE 19 lier
*Wlil - 20 UOB fihll K 20 Evai Maria von gpätem- Hand F. 22 am
^«dt BernardtiB AKK'fZ 23 da] der /■J'F' 2i und vrode fehlt AK
^ iiu E' och Mll FF' 26 vrälite E'
I In dem Gebet: S^ve Btffina, maler mvitricoriliae etc. 2Ü Hi^r ial
Mana gemeint, die bei den Väteni die tvieitt Eva genamil und der ersten gegun-
^ gtuteüt wird: rgt. Seheebtn, Vtigmatik III ( IbSS). &9tl ff. 22 Maria
W Chrigtue. In dam Traclatut ad laudem tflorinnae rirginü malna (inter
^p. S. Bernardi, Migw }'atr. J.at. Ibä, 1J44) toird Maria pnradigiis deh-
tiaram gmaiMt. 25 Baitht lic/t auf Christa*. 27 Vgl I Mo». 2,lu f.
266 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVI.
lebens? Gewerlicb, herr, der diser vriiht hat versftchet, der dise
brunnen hat getrunken, der weis, daz disü zwei paradis übertreffen
verre daz irdensch paradys.
Uzerweltü küngin, du bist och der gnaden tor, der erbermdc
porte, du nie zft geschlossen wart. Hiraeirich und ertriche mag
zergan, e daz du ieman, der es mit ernste suchet, lazest ungehnifen
von dir gan. Sich, dar umb bist du miner sele erster ogenblik, so
ich uf stan, du bist ir jüngster anblik, so ich schlaffen gan. Daz
din rein hende entwärten und ansihtig machen, von dez botten
wirdikeit, daz da an im selber klein ist, wie mag es verworfen
werden, daz du, reinü, entwürtest dinem lieben kinde? Dar amb,
zartü uzerweltü, nim die kleinheit miner werke und trag sü w,
daz sü etwas schinen von dinen henden vor den ogen dez ahneh-
tigen gottes. Du bist doch daz rein rotguldin vaz, durschmelzet
mit gnaden, durleit mit edlen smaragden und Saphiren und ailerlej
tugeuden, des einiger anblik übertriffet in dien ogen des himelschen
künges aller luter kreatur anblik. /Ach uzerweltü, minneklichü gotes
gemahl, [Vard der küng Aswerus gevaugen in sinero herzen von der
scböni der miuneklicheu Hester, vand si ein wolge Valien in sinen
ogen ob allen frowen, vand si gnade vor in allen, daz er tet, wa«
si begerte: owe, du roter rosen und aller lylieu übergülden, wie
mag denne der himelscli künig von diner lutren reinikeit, von diner
senftmütigen demütikeit, von der wolriechenden apotek aller tagen-
den und gnaden so wol gevangen werden! Oder wer hat den wilden
einhorn gevangen denne du? Waz grundlosen wolgevallennes hat in ^
sinen ogen vor allen menschen din minneklichü zartü Schönheit,
ge<;en der ellü Schönheit erlöschet als ein schinncndes nachtwünnÜ
4 (loch AKccEF' 5 (un liande Bernardus EK'F'Z 6 daz ßU 'l
7 miner — ug.] min erster anhlik AKE 8 ir] min AK 14 wai ^
19 frowen Hester AKa 20 oh a. fr. fehU AKE vor i. a, fMt F 21 d«r
rot. r. AKa 24 gnade E'a 26 din] du AF
5 f. Bernardus, strmo 4 in Asaumpt. n. 8. 9 Zu entwürten en/än^'
Gott. 19 ff. Esther 'Jj9. 25 einhorn, sagenhaftes Tier mit spit:i9^*
Hnrn, dass sich nur von eintr Jungfrau fangen lasse (Lauchert, Gesch. »^
Pht/siologus 2:) f., 170, 21ci: Konrad von Megenberg, Buch der Natur ed. Fffiß^
Hilf.); im MittdaUer wurde das Einhorn sijmbolisch auf ChrisiM^ die J^
frau auf Maria gedeutet. Vgl. C, Cohn, Zur liter. Gesch. des E. 1895 f; dr^*^
Die Jagd des E., Stimmen aus Maria Laach 43 (1892 IL), 66 ff.; A. Scht^
Die Eegende vom Jjeben der Jungfrau Maria und ihre Darstellung in der W»-
Kunst des Mittelalttrs 1878j ööf.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVI. 267
gegen der glenzenden sannen glaste! Waz übervliezender gnade
hast da vor im vanden dir and uns andren gnadlosen menschen!
Wie sol oder mag dir denne der himelsch känig üt versagen? Du
macht wol sprechen: [114^] „min geminter mir und ich im"; ach,
dn gottes and got din, und ir zwei ein ewiges grandloses minne-
fffi, daz enkeine zweiheit niemer me gescheiden mag! Gedenkent
ond vergessent nit unser armen därftigen^ die so jemerlich noch
wailent in dem sorklichen eilende!
Eya na, ein vrow himelriches und ertriches, nu stand af und
big ein mitlerin, ein gnade erwerberin gegen dinem zarten kinde,
gegen der Ewigen Wisheit! Ach, Ewigü Wisheit, wie wilt du mir
Hü Ätes versagen? Als ich dich dem ewigen vatter rar bute, also
b4t ich die reinen zarten uzerwelten müter vür dinü milten
ogen; eya, miltü schönä Wisheit, nu sich si an, nu schowe d&
milten ogen, du dich so gütlich dik hein an gesehen, erkenne du
schönen wengel, du si so dik an din kintliches antlät so lieplich
hat getrucket! Ach, Ifig an den süzen mund, der dich dike so zärt-
lich hat durkässet, sich an die reinen hende, die dir so dike hein
gedienet! Ach, du miltü miltekeit, wie macht du der ütes versagen,
du dich so minneklich s6gte und an ir armen trüg, leit und hüb
und 80 zärtlich zoch?
Herre, ich ermanen dich alles des liebes, so du in dinen kint-
lichen tagen ie von ir gewunne, do du si uf der mflterlichen schoz.
80 inneklichen zärtlich mit dinen spilenden öglin an lachetest, mit
dinen kintlichen armen lieplich umbschlusse mit grundloser minne
und liebi, die du ze ir hattest ob allen kreaturen. Gedenk och an
daz groz herzeleid, daz ir mfiterlich herze allein mit dir trflg ander
dem galgen dines eilenden krüzes, do si dich in sterbender not sah,
3 (lenne dir A^ 6 niemer [me] AKE 14 eya — IG weiii^fel fehlt A
^^^ — 15 ogen fehlt Fa schonii miltii K^ 15 dieli ilik so tr- E 16 si
«o] sich A si fehlt /;» 17 dike fMt K 23 vuu ir ie E'F 25 liepl.
Mt F
4 f. Hohel. J2j16: du gottes und got din etc. erinnert an ähnliche Wen-
dungen der weltlichen MinnepoesiCj v<jl. die Beleye hei Strauch, Ad. Langm.
t03f, 12 f. Hör. 142: aicut te (Christum) caelesti patri ac genitori tuo ad-
•ocatum exhibeOj sie tibi diltctam matrem ut vieam exhibeo auxiliatricem.
14 ff. Man fühlt sich hier (vgl. auch Hör. 14Q) an die aus dem Geiste der
(ystik geborenen Mariendarstellungen der alten Kolner Schule (Madonna mit
\r Wickenblüte) und des Fra Angelico da Fiesole erinnert.
268 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVII.
und ir herze und ir sele mit dir in jamer und not dik erstarb, daz
du mir gebest von ir gnaden alles mittel ab ze legenne, din gnade
ze erwerbenne, und die niemer ze verlierenne.
XVII. Kapitel
Ton Ire nnsagllcliem herzleide. l
Wer git niinen ogen als mengen trehen als mengen büclistaben,
daz ich mit liebten trehnen geschribe die eilenden trehen desgrund- j
losen hcrzleides miner lieben vrowen? Reinü vrow und edlü küngin \
himelriches und ertriches, rure min ersteintes herz mit einem diner j
hitzigen trehen, die du vergusse von der bitteren not dines zarten U
kindes under dem eilenden krüze, daz es erweiche und dich ge-
merken kunne ; wan herzleit ist der natur, daz es nieman rebt er-
kennet, denne den es riiret. Ach, nu rür min herze, uzerweltü vrow.
mit dinen trurigen worten, und sag mir mit kurzen sinnerichen
Worten allein ze [115'] einer manunge, wie dir ze mftt were undll(
wie du dich gehübist under dem kruze, do du din zartes kint, die '
schönen Ewigen Wisheit, sehd als jemerlichen ersterben.
Entwurt: Daz solt du hören mit jamer und herzleide; wan
swie ich nu alles leides vri si, do ergie es doch ze der zit nit also.
E daz ich under daz krüz keme, do hat ich meuig groz undi
unsäglich herzleid enphangen, sunderlich von der stat, da ich den
ersten anblik nam des schlahennes und stossens und übel handlens
mins kindes, da von ich so kraftlos wart und also kraftlosu wart
dem lieben sun nach gefüret bis under daz krüz. Aber dem do
nah vragest, wie mir do ze müt were und wie ich mich gehüblÄ
daz hör, als vil es muglich ist ze wissenne; wan enkein herz, dai
ie geborn wart, möchte es genzlicb ergründen.
1 lind in n. AKaE 3 die fehlt t? 6 der diener AKa 13 den]
der F 18 ontwürt der ewigen wisheit F am Bande Ex Bensu veiboruffl
Bernardi KK'Z 19 nu fehlt F' nit ze d. z. also AKEF^ 21 und
simderl. AKKH 23 m. lieben kindes AKF 24 minem 1. san t? 27 cd-
molite Z
18 Vgl, Frolog des Bdeic 197,24 f, Sense bezieht sich auf die paeadoben-
hardische Schrift Liber de 2)assione Chnsti, de doloribus et planctibu» maifii
eins (inier ojtp. S. Bernardi^ Miyne Patr. Lat, 182, 1133 ff.), die auch in Kap. 19
und 20 benutzt ist. Manches in diesen Abschnitten erinnert an die Marie»'
hlay^n des Mittelalters ; vgl, A. E. Schönbach, Über die Marienklagen 187i*
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVII. 269'
Sich, ellü du herzleid, du kein herz ie gewan, du werin als
sin tröpheli gegen dem mere gegen dem grundlosen herzleide, so-
min mfiterlich herz do gewan. Und daz verstand da bi: so daz
Uep ie lieber ist, so es ie minneklicher und ie süzer ist, so sin ver-
lost and sin tod ie unlidiger ist. Owe, wa wart nu uf ertrich ie
zarters geborn, ie minneklichers gesehen, denn min einiges minnek-
liebes liep waz, an dem und in dem ich hate genzklich besessen
alles, daz disü weit geleisten mohte? Ich waz mir selber vor tot
Qnd lebt in ime, und do mir min schönes liep ertödet wart, do er-
todet ich do erst genzklich. Als min einges liep einiges waz und
fiep was ob allen/ liebe, also was min einig leid einig und leid ob
allem dem leide, daz ie gesprochen wart. Sin schönü lutzeligü
menscheit was mir ein lustliches ansehen, sin wirdigu gotheit waz
Qunen ogen ein suzes ansteren, an in gedenken waz mins herzen
^6ide, von im sprechen was min kurzvvil, sinü süzü wort hören,
i^as miner sei seitenspil. Er was miues herzen Spiegel, miner sele
vtnne; himelrich und ertrich und alles, daz dar inne waz, hatte
dk an siner gegenwürtikeit. Sich, do ich daz liep alles sament
ah also vor mir uf erhenket stan in sterbender not, owe des an-
lickes! Owe, wel ein 5genblik daz was! Wie erstarb in mir min
erze, wie ertodet min müt! Wie wart ich so kraftlos, und wie
erswunden mir alle min sinne ! Ich lügete uf, do eumoht ich minem
eben kinde nit ze staten komen; ich läget nider, do sach ich die
üt minen ogen, die mir min kint so jemerliche haudleten. Wie
Dg mir do waz uf allem dem ertrich! Ich was herzlos worden,
lin stimme was mir engangen, [11 5"'] ich hate min kraft zemal
erlern. Und doch, do ich zii mir selber kam, do hftb ich uf mine
eiser stimme und sprach zu minem kinde gar in kleglicher wise
liserley wort under andren: „owe min kint, owe kint mins, owe
oins herzen vrödenricher Spiegel, in dem ich mich dik mit vröden
lan ersehen, wie sihc ich dich nu so jemerlich vor minen ogen!
2 mere — dem ftidt F 4 uud [ie] AKaE 5 wa fehlt AKK
»zartes At?K 7 jsrenzlicli hat h?F^ D ilo mir do KZ 13 mir — goth.
"fufthU AK Instl.] lütseli^^es K^ 10 stau nach not AKccE 28 [nit] ze
deinen staten E^ do] so AKcc/J 24 mir fehlt E^ m. liebes kint als
em. AKE 27 f. uf nach stimme AEF 28 <rar fehlt FF' 29 owe m.
int fehlt AK 0. kint mins fehlt E'
21 f. Hör, 144 f.: virtus omnis cvanait, ticnsus a mc rectssit ... defeci
^ae dolore, corrui prae maerore. iJies war im Mittelalter n-eitverbreitete An-
cht (Den. 416 A. o).
?
270 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVU.
Owe, ein hord ob alier diser weit, min müter, min vatter und alles,
daz min herze geleisten mag, ninie mich mit dir! Oder wem wilt
du din eilenden mftter hinder dir lazen V Owe, kint mins, wer git
mir, daz ich vur dich sterbe, das ich disen bittren töd vir dich
lide? Owe, ellendü not einer lieblosen mftter, wie bin ich berobet i
aller vröden, liebes und trostes! Owe, begirlicher t5d, wes vertreist
du mir? Nim hin, nim hin zu minem kinde die armen mfiter, der
' I
leben bitterer ist denn kein sterben. Ich sihe doch starben den, den
min sei da minnet. Owe, kint mins, ach min liebes kint!"
Sich, und do ich mich als jemerlich gehfib, do trost mich inin
kint gar gütlich und sprach under andren Worten: menschlich künne
enmochti anders nit erlöset werden, und er w61te an dem dritten
tage erstan und mir und den jungern erschinen, und sprach: „vrow,
laze din weinen sin, nit weine, min schönü mftter! Ich enwil dich
niemer eweklich gelazen." Und do mich min kint als gütlich ge-
troste und mich dem junger bevalh, den er da minnet und och
vol herzleides da stftnt, — du wort wurden so jemerlich und so
besoftklich in min herze gestecket, daz sü durchschniten min herz und
sei als ein spitziges swert, — do gewunnen och du herten herzen
gar groz erbermde über mich. Ich hüb min hende und arme uf
und hetti gerne von jamer mins herzen min lieb umbevangen, nnd
daz selb enmoht mir nit werden. Und von rechtem überwundem
herzleide do seig ich nider under dem krüze neiswie dik und ge-
leit die spräche; und so ich wider zft mir selber kam und mir
anders nit moht werden, so kuste ich daz blüt, daz von sinen wun-
den da nider flos, also daz min erbleichtü wangen und mund gar
blfttvar wurden.
Der dien er: Owe, grundlosü miltekeit, waz grundloser marter
und not ist disü not! Wa sol ich mich hin keren, oder zft wem 8ol
ich minü ogen bieten? Sich ich die schönen Wisheit an, owe, so
sih ich not, da von min herze besinken sölti: wan rufet doch uf in
uzwendig, tötlichü angest ringet mit im inwendig, [116'] alle ßin
adren spanent, alles sin blftt zerrünnet. Da ist ach und we und
1 m. vater m. luöter K^ 3 o. min kint i'* 6 frode A'* Ter-
trerst A 7 nim hin 3 mal AK 8 den [den] K^F 10 jcm.] kleglich T
16 alsus [^nitlich] ¥ 16 enplialh K'FF^Ha mich enph. d. j. £» «
[da] K^ 18 beslossen und bestecket F 18 f. und min s. AKaEE^ 20 und
a. uf fehlt AF 22 überwundnen AK 29 zwem E 32 totl. — inw. fthli I
3 Vgl II Könige 1S,33.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVII. 271
lebloses sterben ane alles genesen. Kere ich denne minü ogen zft
ler reinen nifiter, acb, so sihe ich daz zart herze durwunt, als ob
useDt messer dar in stecken, so sihe ich die reinen sele durmar-
teret. fDer seneden geberde wart nie gelich gesehen, der möter-
lichen ' klage wart nie gelich gehöret. Ir kranker lip ist da nider
von leide gesigen, ir schönes antlüt mit dem ertöten blute bestrichen.
Orre, hie jamer und not ob aller not! Sines herzen marter lit an
ier trurigen müter leide, der trurigen müter marter ist an des lieben
cindes unschuldigen tode, der ir vil pinlicher ist denne ir eigen
od. Er sihet si an und tröstet si gutlich, si hütet ir hende kleg-
ich uf gegen im, und wölt gern vür in sterben jemerlich. Ach,
rerderm ist hie wirs? Wedrent ist du grözer not? Si ist beident-
alb als grundelos, daz ir nieme gelich wart. Ach des mfiterlichen
erzen, dez zarten vröwlichen mjites ! Wie mohte dis unmessig liden
in mflterliches herze alles ie getragen? Gesegnet si daz zart herz,
egen des leide alles, daz ie gesprochen und geschriben wart von
erzleid, ist als ein trom gegen der warheit! Gesegnet sist du, uf-
rechender morgenrot, ob allen kreaturen, und gesegnet si der ge-
turnte röselochter anger dines schönen antlütes, daz da gezieret
Jt mit dem rubinroten blute der Ewigen Wisheit!
Uwe, du lütseliges antlüte der schönen Wisheit, wie todest du !
>we, du schöne lib, wie hangest du! Owe und owe, du reines blüt,
rie rinnest du her abe so hitzig uf die müter, du dich gebar! Owe,
lle roütren , laut üch daz leid geklcgt sin ! Ellü reinen herzen, laut
tch ze herzen gan daz rosvarwe rein blüt, daz die reinen müter
Jso begüzet! Schowent, ellü herzen, du ie herzleid gewunnen, und
ftgent, daz disem herzleid nie glich wart! Es ist nit wunder, daz
insrü herzen hie von jamer und erbermde zervliessent; du not
vart doch als groz, daz si die herten steine zerspielt, daz ertrich
tbidmet, du sunne erlasch, daz sü ir schöpher mit littin.
4 enwart AKEE^ 5 n. f^. gesellen nocli irehort K^ 5 f. von leide
a nider AK 6 etoteii A 8 ist] lit AKE'F 10 f. uf gen im kl. FJ
1 gern und iemer E^ 14 gemntes AK wie — 15 getragen fehlt AK
5 alles fMt E ie fehlt E'F 16 leide] iierze F und] ald AKE
' alles als E^ 28 zerflussent E
4.27 Vgl Klagel 1,1:2.
272 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVUI.
XVIII. Kapitel.
Wie es ze der stand nah dem inren menschen umb in stund.
Der diener: Ewigä Wisheit, 80 man dinem anmezigen
lidenne ieme nah gat, 8o es ie grundloser ist. Diner not waz als
gar vil under dem krüze, do waz ir noch me an dem kruze nacb
dinen ussren kreften, die ze [116^] der stunde waren in dem enphin-
denne dez smerzen dez bitteren todes. Ach, min zarter herre, wie
stftnt es aber umb den inren menschen, umb die edlen seie? Waz dÄ
in keinem tröste oder süzikeit ze der zit als ander martrer, daz din
grimmes liden joch so vil dest senfter were gesin, oder wenne nam ;
es ein ende?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Da höre ein not ob aller
not, die du noch gehöret hast. Swie daz min sele nach ir obresten
kreften do were in einem schowenne und niessenne der blozen got«
heit als adellich, als si nu ist, sich, do waren doch die niderenl
krefte des inren und des usscren menschen als gar in selber ge-
lazen uf daz jiingste püntli grundloser bitterkeit in ganzem frost-
losem liden, daz der marter nie gelich wart. Ach höre: und doich
genzklichen als gar hilflos und gelazen also stftnt mit nider trieffen-
den wunden, mit weinenden ogen, mit zerspannen armen und zer- f
zo^^nen adren aller miner gelider in sterbender not, do hflb ich irf
ein jemcrlich stimme und rufte ellendklich zft minem vater und
sprach: „min got, min got, wie hast du mich gelazen!" Und doch
so waz min wille mit sincm willen in ewiger ordnunge vereinet
Sich, und do min blftt und ellü min kraft so gar vergossen nndl
verrunnen waz, do wart mich von sterbender not bitterlich tdrstende,
— aber mich turste noch wirs nach aller menschen heile. Do wart
in dem grimmen turste gallo imd essich minem turstigen munde
3 der d. f.'hlt HZ 13 swie [daz] AK obren AKE 16 fl«
Bande ("irey:onns Xaziaiizeiius (Xazareiius [!] KF-) KE^F^Z und [des] Ei'
18 luai'trer AH 28 essicli u. ^^ Z galle u. e. nach munde E^
•
13 ff. Hin-, 134: anima cerho perfecte fruthatur, tt tarnen divtniia» l^
misit carni agere et paii\ quae propria sibi erant: et quia vires inferiorti 'fi^
ijjsis relinquebantur, pastathiles valde reddtbantur. Dies ist die Lthre du ^
Thomas, S. Th. 3 q, 46 a. 0 et 8 und öfters; vgl Eckhart 293,18/. Las Zitate
Zeih' IfJ bezieht sich wohl nicht auf Gregor von Nazianz, sondern auf die ^i^
.sische Stille bei Joh, UamascenuSy JÜe fide orthod, III, 15. 23 Matth.27,^'
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XVIII. 273
gebotten. Und do ich also menschlich heil hate volbraht, do sprach
ich: „Consnmmatum est!^ Ich leiste volkomen gehorsam! minem
lütter bis in den t5d; ich bevalh minen geist in sine hende und
sprach: „In manus tuas" etc., imd do schied noiin edlü sei von minem
6 g6tlichem libe, du beidü ungescheiden von der gotheit beliben. Dar
nah wart ein scharphes sper dur min rehten siten gestochen: do
wiel her us ein runs des kostberen blütes, und da mit ein brunne
dcz lebenden wassers.
Sich, min kint, mit solicher jemerlicher not han ich dich und
Odie Qzerwelten erarnet und mit dem lebenden opher mines unschul-
digen blütes von dem ewigen tode erlöset.
Der diener: Ach, zarter, minnekliclier herre und brüder, wie
hast du mich so jemerlichen sur erarnet! Wie hast du mich so
minneklich geminnet und so vrüntlich erlöset! Owe, min schönü
^Wigheit, wie sol ich dir diner [117'] minne und dines grozen lidens
gedanken ? Sich, herre, hetti ich Sampsons sterki und Absalons
8ch6ni, Salomons wisheit und aller kunge richt&m und wirdikeit, die
w61te ich dir ze lobe in dinem dienste verzerren. Herr, nu bin ich
Bit, so enmag ich mit, so enkan ich nit. Owe herr, wie sol ich
^ dir gedanken ?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Hettist du aller engel
xungen und aller menschen gütü werk und aller kreatur vermugen,
da enmöhtist mir nit des minsten lidennes gedanken, daz ich dur
dich von minnen ie erleid.
Der diener: Zarter herr, so gib und 1er mich, daz ich dir
^on dinen gnaden minneklich werde, sider dinen minnezeichen nieraan
kan widerlegen.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du solt min trostloses krüz
rtr dlnü ogen stellen, und solt dir min bitteren marter ze herzen
'Iftzen gan und alles din liden dar nach bilden. Swenne ich dich
Jan in trostlosem lidenne, in hertikeit erdarben und ertorren ane
1 also nach heil E^ 3 beval im E^ 14 min fehlt ]'? 16 iemer
ged. F sich — 20 gedanken fehlt K sterki [und] E^ 17 und Sal. w.
M /;» 19 kan ... mag A'^ 23 nit ged. E' 25 gib] wise F gib du AK
27 wid. kan JK»
2Joh, 19^0: vgl. Fhil 2,8, 4 Luk. 23,40, 16 f. Samsons Stärke,
^^ialons Schönheit und Salomons Weisheit werden oft formelhaft^ namentlich
*^ Beispiel der Eitelkeit weltlicher Dinge verwendet : cgi. Tochter Syon ed.
^*inhold 350ff, und Anm, S. öol.
H. Setii«, DeoUche Schriften. 18
274 Bttclilein der Ewigen Weisheit. Kap. XVIU.
alle 8Üzikeit, als mich min bimelscher vatter lie, so solt du enke/o
gesöch vrömdes trostes haben. Din eilendes raffen sol uf sehen zö
dem himelschen vatter mit einem verzihenne din selbs in luste iiah
sinem vetterlichen willen. Sih, so denne din liden uzwendig ie
bitterr ist, nnd inwendig ie gelazener bist, so du mir ie glicher und '
dem himelschen vatter ie minneklicher bist; wan hier inne werdent
die frümsten uf daz aller nechste versuchet. Swenne 5ch din begirde
hat ein turstiges heischen, genügde und lust in üte ze sftchenne.
daz dir gar lustlich were, da solt du dich von minnen lazen, so wirt
mit mir din turstiger munt mit bitterkeit getrenket Dich sol nach 10
aller menschen heil türsten; du solt dinü guten werk uf ein vol-
komen leben rihten und bis an daz ende volbringen. Du solt haben ■
einen undertenigen willen in schneller gehorsami diner meisterschaft, ^
ein ufergeben sei nah aller eigenschaft in des himelschen vattere j
hende, und einen hinscheidenden geist von zit in ewkeit nach einer m
nachbildunge dins jüngsten hinzuges. Sih, so ist din krüz na^ *
mincm eilenden kriiz gebildet und wirt in ime adellichen volbraht ,
Du solt dich in min ufgeschlossen situn zA dem minnewnnten
herzen minneklich verschliessen, und da ein wonen und beliben
suchen, [117''] so wil ich dich mit dem lebenden wasser reinen
und mit minem rosvarwen blftte rosvarwklich zieren, ich wil mich
zft dir verbinden und dich mit mir eweklich vereinen.
Der diener: Herr, es wart nie enkein adamas so kreftife
daz herte isen an sich ze ziehenne, als din vorgebildetes, minnek-
liches liden ellü herzen zu ime ze vereinen. Ach, minneklicher
herre, nu zühe mich dur lieb und dur leid von aller diser weit ri
dir an din krüz, volbringe in mir dins krüzes nebsten glicheit, dai
min sele dich werde niessendc in diner aller höchsten klarheit.
G so werdent F 8 cischen FF^ 10 mit bitt. fehlt F 11 f. töI'
keinen Ä 17 und in im wirt es K' 22 binden E^ 23 kein F^Z 24[«e]
zieh. J? 27 aller nehsten AKaK
6 f. Hoi\ 130: per quod milites probatissiini in ade Christi coMt*^
strictissime e.caminanlur. 13 d. meisterschaft = superionbus tuis (l c.h
15 L. c: sie ie libere in onwi facto (debes) tertere quasi homOy qui in f^
cinctu mtf/raturns cat de hoc mundo.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XIX. 275
XIX. Kapitel.
Ton der ablösnnge.
Der diener: Ach, reinü mftter und zartü vrowe, wenn nam
dJD groz und bitter herzleid ein ende, daz du an dinem geminten
kinde hattest?
Entwürt: Daz höre mit einer kleglichen erbermde. Do min
Eartes kint verläeheiden waz und also töte vor mir hanget, und minem
berzen und sinnen so gar aller kraft gebrosten waz, do ich nit an-
ders mochte, do hate ich doch menig eilendes ufsehen nach minem
toten kinde. Und do sü kamen und in wolten ab lösen, do waz
mir, als ich von dem töde wurde erkicket. Ach, wie müterlichen
ich do sin toten arme enphieng, mit welen trüwen ich sü an min
Ufttvarwen wangen trukte, und do er mir her abe wart, wie grunt-
üeplich ich in mit minen armen also toten umbvieng, zA minem
ntterlichen herzen daz einig uzerweltes zartes liep trukte, und sin
Ufttig vrischen wunden, sin totes antl6te durkuste, daz doch, als
hh alle sin lip, gar in ein wünklich Schönheit waz verkeret, daz
Boköndin ellä herzen nit betrahten ! Ich nam min zartes kint uf min
Jchoze und sah in an, — do waz er tot ; ich lügt in aber und aber
in, do enwas da weder sin noch stimme. Sich, do erstarb min
berze aber und möchti von dien totwunden, so es enphieng, in
tasent stuk sin zersprungen. Do lies es mengen inneklichen grund-
lösen süfzen; du ogen rerten mengen eilenden bitterlichen trehen,
ich gewan ein gar trurklich gestalt. So rainü kleglichü wort zu
dem munde kamen, so vmrden sü von we underzucket, daz sü uu-
6anz bliben. Ich sprach: „we, we! Wa wart ie kein mensch uf
^ch so übe! gehandlet, als daz unschuldig gemint kint? Owe, min
kint, min trost und min eingü vröde, wie hast du mich gelazen!
^ie bist du mir so gar verkeret in bitterkeit! Wa nu vröde, die
3 d. diener fehlt F^RZ 4 groz [und] E^F 6 am Itande Ex Berii-
lurdo EF^Z ex sensu Bemhardi F- 7 vor mir also tote E^ 10 ab 1.
Mten AKE 13 war FF^ 14 und zö E^ 15 zartes jMt AKaE
6 totlich AKE 17 och fehlt i'^ 20 enwas [da] FF^ 21 dien] der F
2 zerspr. sin E^ gmndl. fehlt F 24 gar ein AKaE 25 würden A
)t uf erde ie k, m. E^ 27 so] als E^ als daz] so du E^ 28 miu
[)st feldt F wie hast — 29 bitt. fehlt K 29 die vrode AKa
6 Vgl, den oben bei Kap, 17 zHioiai Traktat. 20 Vgl. IV Kön, 4,31.
276
Btichleiu der Ewigeu Weisheit. Kap. XIX.
ich hate von diner geburt, wa der lust, den ich hate von diner
minneklichen kintheit? Wa du ere und wirdikeit, [118'] die ich
hatte von diner gegenwürtikeit? War ist alles daz komen, daz herz
ie gefröwen mochte? Owe, angest und bitterkeit und herzleid! Es
ist doch nu alles verkeret in ein so grundlos herzleid und in einen
tötlichen smerzen ! Owe^ kint mins, owe min kint, wie bin ich nn
so lieblos! Wie ist min herz so gar trostlos worden!*^ — Dyserley
und menig kleglich wort sprach ich ob minem töten kinde.
Der diener: Ach, reinü und schönü müter, erlöb mir, lazc
mich noch einest min herz mit dinem liebe und mit minem herren,
mit der minneklichen Wisheit in disem anblike sich erkillen, e daz
es gange an ein scheiden, daz er uns ze grab verzucket werde.
Reinü mfiter, wie grundlos din herzleid were und wie reht
inneklichen es ellü herzen bewegen mnge, so dunket mich doch, dai
du noch neiswaz lustes fundest in den minneklichen umbevengen
dines toten kindes. Owe, reinü zartü frSwe, nu beger ich, daz dn
mir din zartes kint in der tötlichen angesiht bietest uf die schoze
miner sele, daz mir nach minem vermugenne geistlich und in be-
trahtunge werde, daz dir do wart liplich.
Herre, ich kere minü ögen zu dir in der spilendosten rröde
und herzklichsten minne, so kein einiges liep ie wart von sinem
gemintcn an gesehen. Herr, min herze schlüsset sich uf dich ze
enphahenne, als der zarte rose gen der klaren sunnen glaste. Herre,
min sei du zertfit wite gegen dir die arme ire grundlosen begirde,
eya, minneklicher herr, und in der inbrünstigen begirde umbvabe
ich dich hüte mit dank und lobe, und truk dich in daz innigoste
mins herzen und miner sele und ermanen dich der minneklichen
stunde, daz du die niemer lazest an mir verlorn werden, und beger^
daz weder leben noch tot, noch liep noch leid dich von mir niemer
J gescheide. Herr, minü ögen durschöwent din tötlichez antlüt, hub
sei durküsset alle dine vrischen blutigen wunden, alle min sion^
werdent gespiset von dieser süzen vruht under disem lebenden boine
des krüzes. Und daz ist billich : herr, eins tröstet sich sins unscbnl-
digen lebens, eins grozer übunge und strenges lebens, eins dieea,
1 wa nu d. 1. E 5 so fehlt E gnmdl.] gro» i'' [m] einen FT
7 trostl.] kraftlos E 8 menig] wenig K 10 mich durchstr, JS 11 ^
durchstr. E 15 noch fehlt AKaE'E^H 16 zartü fehlt E^ frowe] müttf
AKa 19 lipl. ward £* 22 schlisset E 24 du fehlt EE^Ha 26 [fi*!
dik in A 28 verl. w. an mir E^ 29 der tot AK ai dürkAsiet i
Biiclilem dur Ewigen Weiaheit. Kap, XX. 277
daz ander des, aber alle loiu trost und zftvereicfat lit genzklich
ftn dinem lideune, an diner IteBsernnge nnd an dinem verdienten
loue. Und dar umb so sol ich es ze allen [118*] ziten in dem
^nde mins herzen bügeliehei] tragen, und daz selb bild au worten
und werken uswendig naeb allem minem veniiugen erzigen.
0 wunneklicher glänz des ewigen liecbtes, wie bist du nn
dur mich so gar crlSschen'. Erlösche in mir die brinnenden be^rde
»Her Untugenden. 0 ein iuter klarer Spiegel der gfitlicheu majeetat,
wie bist du na rerunreint! Reine die grozen uiasen miner nii^setat.
U ein schönes bilde der vätterlichen giiti, wie bist du so entsübert
und 80 gar entstellet! Widerbring das entstell verblichen bilde miner
sele. O du nuscbuldiges lembli. wie bist du so jemerlieb gehandlet!
Boz und besser viir min schuldig süntlicbes leben. 0 du kling aller
kün^e und ein herre aller herren, wie sihet dich min sei so jemer-
lich und totlichen hie liegen! Verlihe mir, als dich nn min sele mit
klage nnd jamer umbvahet in diner Verworfenheit, daz si von dir
bbvangen werde mit vröden in diner ewigen klarheit.
XX. Kajiitel.
Ton der jemeriicheu schidauge tou dem grabe.
Der diener: Nu, zartü vrowe, nu gib dinem leide und der
ein ende, und sag mir, wie daz scheiden were von dinem
inten.
Entwürt: Es was jamer ze h&renue und ze sehen. Ach, es
aber alles lidig, die wile ich min kint bi mir hate; wan dn su
totes kint von minem erstorbnen herzen, us minen nmbvangnen
BD, von minem getrukten antliite brachen und es begrüben, wie
;lich ich mich ze der stunde gehitb, daz möcht man kum glöben.
: do es gieng an ein scheiden, waz man do janiers und not an
sah! Wan do ed mich von minem begrabnen liebe schieden,
scheiden rang mit minem herzen als der bitter tut, Ich tet
er tre banden, die mich dannan vfirten, die eilenden vftzstapfen,
ich waz berobet alles tiostes; min herze waz iu einem seneden
i nnd durchgti: E' ö and an w. AKa 7 «o ifiir d. m. f?
Ide E^FF'a klarer fehlt AK 9 nu fihlt AP/" lOf. ao eu
AK 13 «hüdig A 15 und verl. F 20 A. dieuer fehlt HZ
I IL » Ii. Z 28 ergie f 30 lu. minneadeii benen F
278 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXT.
jamer hin wider zu minem liebe. Min zfiversiht waz ganz, i
leiste ira allein ander allen menschen ganz trüw and recht vriint*
Schaft unz in daz grab.
Der diener: Minneklichü zartu vrow, dar umbe gruzent dich -
ellä herzen and lobent alle zangen, wan alles daz gät, daz uns daz t
vetterlich herze wolte geben, daz ist dar din hende geflossen. Du bist
der anvang and daz mittel, du [119'] solt och daz ende sin. Ach,
zartü reinü mQter, na bis hüt der eilenden schidange ermant, gedenke
an daz bitter scheiden, daz da von dinem zarten kinde tet, and hilf
mir, daz ich von dir noch von sinem vrölichen anblik niemer werde M
gescheiden. Eya, reinü müter, and als nu min sei mit erbermklichem
mitlidenne bi dir stat and dich mit inneklicher begirde enphahet,
und in betrahtange mit herzklicher girde, mit dank und lobe vod <
dem grabe dar daz tor ze Jerusalem hin wider in daz hos yaret, j
also beger ich, daz min sei an miner jüngsten hinvart von dir, II
reinä zartü müter and ein ende alles mines trostes, wider zA ir vatter-
lande werde gefüret ande in ewiger selikeit bestetet. Amen.
Daz ander teil.
XXI. Kapitel.
Wie man sol lernen sterben, und wie ein nnbereiter tot i
geschaffen ist.
Ewigü Wisheit, der mir alles ertrich ze eigen gebe, daz were .
mir nit so liep, als du warheit and der nutz, den ich fanden hab
2 rehte trüw u. ganze fr. E^ 4 dar u. so gniz. 1^'HZ 5 am Ä*»^
Bernardus EE'F^Z 6 geb. wolte E^ 8 nu fehlt AK 10 antlüt i^'
13 begirde FKZ 16 mines fehlt AF 22 der diener ÄKaF^
1 Die Zuversicht auf Christus und sein Wort, vgl. Bernardus, «rüO **
Nativ, n, 14: numquid non sperahat coniinuo reswTecturum P Et fidenier,
5 f. Bernardus^ l. c. m. 7: votis omnibus Mariam hanc veneremur, quiasict^
üoluntas tiuSf qui totum nos habere coluit per Mariam. 13 f. Vgl. Vita Kap-to
geyen Schluss, 20 IHeses Kapitel wurde, am Eingang ettvas gekOretj «^
fach separat als SterbebüdUein verbreitet: älteste Di-uckausgaben : Venedig 1^^
Augsburg 14.06, 1501, Strassburg löoS, Köln 1509; vgl. F.Falk, die deuUckt»
Sterbebüchlein lö90, 30ff, Text auch bei M, Huttier, Ars moriendi 1878, 46-^-
Biichkii] 'icr Ewigen Weislieit. Kap, XXI,
279
dioer siizen lere. Dar unibe beger ich von allem giiinde mius
wn. daz du, Ewigii Wisheit, mich noch me lerest.
Herr, waz gehöret einem diencr der Ewigen Wisheit aller eigei.-
kest zft, der dir allein begert ze BiDne;' Herr, ich horti gern von
' vereinunge der blozen vernunft mit der heiligen dnvaltikeit, da
in dem waren widerglanzc der iügeburt des wortea und wider-
burt ir selbe geistes ir selber wirt benomen und von allem mittel
Iflizet.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Der ensol not vragen nach
b6bBteii an lere, der noch stat bi dien nidereten an lebenne. Ich
dich leren, daz dir nütze ist.
Der diener: Herr, waz wilt du mich leren?
Entwürt der Ewigen Wisheit; I. kh wil dich leren sterben,
and wil dich leren leben; III. ich wil dich leren mich minneklich
phaben. IV. und wil dich leren mich inneklicben loben. Sich,
geboret dir eigenlichen zti,
Der diener: Ewlgu Wiebelt, und betti ich Wunsches gewalt,
euwiste nit, daz ich in zit icbt anders von lere wünschen sulte,
n daz ich mir und allen dingen k6nde sterben und dir alleine
n, dich von allem hei-zen miniien und miuneklich enphahen tind
irdeklich loben. Ach got, wie ist der mensch so selig, der dis
)1 kan Dnd alles sin leben hie mit verzerti Herre, weder meinest
aller ein geistliches sterben, daz mich din eilender tut so
biDeklich bat bewiset, oder ein lipliches sterben?
Entwärt der Ewigen Wisheit: Ich [119*] meine bü
it.
Der diener: Herr, was bedarf ich lere des liplichen lödes?
leret sich selber wol, so er nu kumt.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swer die lere unz denne
ret, der ist denn versnmet.
Der diener: Owe, herre, nu ist mir noch etwas bitter von
1 töde ze börenne,
Entwürt der Ewigen Wisheit: Sibe, dannan riecbent
Mt die nnbereiten, erBchrokenlichen töde, dero die stette und
1 so beger AEtt 8 enWÖBef Z ü nol KF'Z -im Uaniif Criso-
Df AEE'HZ 10 den ... Jieu] dem ... dem FUa 11 nölier AKaE
dch denne I. E' 13ff. I— IV rat nni Rarnir AJiK'F'Z 18 von lere
lilLTB i.'' 23 liea AKK -U hew. hat ^A' 34 [die] sietle K^
\
13 Ä. Diei
vti-d in d-H f<il'jtnd(n i
'■ Aa/jitclii behandelt.
280 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXL
klöster vol sint, .Sich, und der selbe der hate dich dike verborgen-
lich gezomet, und wolte dich also von hinnan han verfüret, als er
die unzallichen niengi tat, under dien ich dir iez eins z6igen wil.
Nu tu uf dine inreu sinne und sihe und höre, sih die geseh6pbde
des grimmen todes an dime nechsten, nim eben war der kleglichen (
stimme, die du hörest.
Der diener horte in siner verstantnüs, wie dii grimme ge-
schöphde des unbereiten sterbenden menschen schrei, und du sprach
mit gar kleglichen worten also:
Circumdederunt me gemitus mortis. Owe, got vodii
himelriche, daz ich in dis weite ie gebom wart! Nu waz der an-
vang mins lebens mit schrien und wcinenne, nu ist min usgang mit
bitterlichem schrienue und weinenne. Ach, mich hein doch nmb-
geben die sufzen des tödes, die smerzen der helle hein mich umb-
geben. Owe tot, owe grimme tot, wie bist du ein so leider gast*
minem jungen vrölichen herzen! Wie hetti ich mich din noch w
wenig versehen ! Nu bist du hindnan uf mich gevallen, du hast mich
erilet. Owe, du fürest mich in dinen banden, als der einen ver-
damneten menschen gebunden füret an die stat, da man in töten
I wil. Nu schlahe ich min hende ob minem hopt zesamen, ich winde S0J
,' sü von leide in einander, wan ich endrunni im gerne. Ich lügen
umb mich in ellü ende diser weite, ob mir ieman geraten oder ge- i
helfen muge, und es enmag nit sin. Ich hör doch den töd totlicb
in mir sprechen also: „noch vründ noch gut noch kunst noch witi
hört da wider,- es raüz recht sin." Owe, und müz es sin? Ach got, S^
und müz ich doch von hinnan? Gates iezent an ein scheiden? Daz
ich ie geborn wart! Ach töd, owe tot, waz wilt du an mir began?
Der diener sprach: Liebe, wie gehebst du dich so recht
iibel? Dis ist ein gemein geriht des riehen und des armen, des jungen
[120'] und des alten; ir ist vil me, die vor ir zite denn in irrit*
1 [der] hate E^F 3 iezent EF 8 und du — 9 worten fM i'
10 me fehlt E 11 in] an Z 12 und mit w. AH nu ist — 13 wein-
fehlt K 21 leide] jamer F^ 22 diser] der E^ 23 f. in mir totlich ^
26 dochl du E^ 28 sprach fthlt AK recht] gar JE;* 29 Daz A
1 der selbe = der l'od (mors quondam tibi quoque frequetUius ftti^*^
imjtosaerat, Hör. i.>6'). 4 f. Hör, 151 : vide ergo uunc simüiiudinem hof^v^^
morientis. 10.131". Fs. 17,5 f. 27 Hör. 1. c: o mortis immensa cr«(WtW'»
o impietas et indignatio miseranda! 29 ff. Hör, 158: persofiam non aecip^
nee alicui parcii, ftcd ö-e ae(jnalHtr omnibus condividit, .... qninimmo phrtt
ante perfeetam completionein annorum suorum de media suhlaii sunt.
BüdiU-i!i d« Ewigen Wei-Iidt. Ka|,. SXI. 281
Sd «int. Oder wandest du allein dem toile endriiinen? Uaz waz
grozü anverstandenheit!
Entwiirt des unbereiten sterbenden menschen: Owe
wel ein bitters trösten dis ist! Ich Itin nit unverstanden, die sint
nrerstanden, die ime ntt gelebt hant und nit ab dem lüde erschrekent.
vSAsIntblint, eü eterbent als du vihe, sn wüssen nit, waz sü vor in
heio. Ich klag nit, daz ich sterben müs, owe, ich klag, daz ich nnbereit
sterben raöz. Ich stirbe und bin unbereit ze eterbenne! Ich weinen
Dil allein daz ende mines lebene, ich schrie und weine die wünk-
licben tage, die so gar verlorn sint und da hine sint ane allen nutz.
Ich l>in doch als ein unzitigü, verworfnu gcbuit, als ein abgerisnü
bM in dem meien. Min tage eint dach balder verloffen denn daz
pliil von dem bogen. Min ist vergessen, ob ich ie wart, als des
we^*es, den der vogel durch die lütte machet, der sich nach im wider
ib schlüsset und alton menschen unkund ist. Dar umb eint minü -
»ort vol bilterkeit und min rede vol sraerzen. Owe, wer git mir
len menschen, daz ich si, als ich hie vor waz, daz ich daz
Qklicb zit vor mir habe und wisse, daz ich nu weis! Owe, do ich
I dem zit waz, do cnwag ich ein nit reht, ich lies ee öppeklich
torlich Türlofen; nu ist es mir gezuket, ich enmag sin nit her
er bringen, ich enmag sin nit erlofen. Es enwaz kein stiindli so
[, ich sölt es kostberlicher ban gebebt und dankberlicher denne
armer mensche, der im ein küngrich ze eigen gebe. Sich, dar
) rerent minu ögen die lichten trehen, wan sü daz nit mugeu
"iderbringen, Owe, got von himelrich, daz ich so mengen tag ban
üppeklich versessen, und mich daz nu so wenig hitfet! Owe, war I
nmbe lernet ich nüt daz zit alles sterben? F.ya, ir btüjenden losen, '
•l'e üwer tage noch vor ü hant, scheut mich an and ternent witze,
Went üwer jagent ze gote und vertdbent das zit mit im allein,
Hii öeh nit also geschehe. Owe, jiigent, wie han ich dich verzeretl .
'lerr von himelrich, laze dir es ienier geklegt sin. Ich enwolt nicman
^^^Ku, min wilde müt enmohte nieman gelosen; ach got, nu bin
^chia die vallun gerallen des bittren todes! Daz zit igt hin, du jugent
5 nil erschr. i.'' >i und [et] sterb. ^"F' 7 ich klag — owe fJiU /'
t EFF' verflossen ÄK 13 ie gcborii ward F> 20 icli — 21
1 /tMt y 21 was AKh^ 24 ao rerent F'Z 25 von hiiu. fthH
Bf. äjip. han F.' 28 6] iu AKaEFH
M SS der then mufieni-rochoien Wahrheil. 1*2 ft', WMt. n,lL'. II.
Bl Joh S3,X6,3.
282 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXI.
ist vur; mir were besser gesin, daz mir der müter Hb ein [120''
grab were worden, denn daz ich daz schöne zit alles so nnendliei]
han vertriben.
Der diener: Ker dich ze gote, hab rüw urab din sünde;
ist das end gät^ so ist es alles göt.
Entwurt des unbereiten sterbenden menschen: Owe,
waz rede ist dis? Sol ich nu rüwen, sol ich mich keren? Sihest da
nit, ich bin doch als ser erschrocken, miner not ist doch als gar
vir? Mir ist beschehen als einem ergremten vögellin, daz ander eins
krimvogels klawen lit und von sterbender not sinnelos worden ist.
Ich enkan recht nüt, denn daz ich gerne endranne und doch nit
endrinnen mag; mich truket der tot und daz bitter scheiden. Owe,
rüw und vrier ker des wolmugenden menschen, wie bist da ein so
sicher ding! Der sich din sumet, der mag gesumet werden. Owe,
langes ufschlahen miner besserunge^ wie bist du mir ze lang wor-
den! Die gftten willen ane werk, die guten geheisse ane leisten
hein mich verderbet! Ich han gote getaget, unz daz ich in die naebt
des todes bin gevallen. Owe, almehtiger got, ist daz nit ein jamer
ob allem jamer? Sol mir daz nit we tun, daz ich alles min leben,
minu drizig jar also han verlorn? Ich enweis doch nit, daz ich ie
keinen tag verzarti nach gottes willen genzklich, als ich von billich
solte, ob ich gotte ie keinen recht genemen dienst getet. Owe,
daz schnidet mir dur min herze;, ach got, wie wird ich so unerlicb
stende vor dir und vor allem himelschen her!
Nu v.ir ich von hinnan, nu vröwti mich me an diser stunde
ein einig Ave Maria mit andacht gesprochen, owe, denne der mir
tusent mark goldes in min hende gebe. Ach got, waz han icb
eblich vcrsumct, wie han ich mir selber so übel getan! Daz icb dis
nit an sach, die wile ich mocht! Waz ist mir der standen cn-
gangen, wie liez ich mich so kleinü ding so grozer selikeit irren!
5 es fehlt AF 7 bekcren i'» 8 ist [doch] AKaZ 10 grimmen
Vogels FF^ 11 nüt nie AKa 13 frigü bekerde E^ 17 die hein i^
gote jMt F 19 sol ich daz nit we^en, sol mir daz n. w. t. -F 20 drii^fl
(Korrektur) im Texij am Rande driseg E^ 21 von fehlt AKaEH
If. Job lOJSf, 7 llor, ItiO: dvheo poenitere, debeo me conurttrf-
fJl". L, c: qutmadmodum perdh:. cum suh unguihus accipitris mox discerptna^
•
comprimiiur, prae angiisiia mortis quodammodo exanimis redditur, nie ow^
scnsus a me rece-^sü eic, 16 ff. Hör. 161: propositum honum sine itichoaii(f^i
voluiitas aiii' operatione, promissa bona sine execntione perdiderunt me. Ocro^
crasj quam lougam restem ftcisti^ et in baratrum mortis me procrastmaiwo
pirtraxisti!
Bachidii iler Ewigen Weiaheii, Kap. XSI, 28S
Kir were nu lieber, es brecht! mir me ewiges toiieH, daz ich mines
iiiBleB in einem anblike mins vründes, der wider gottes wilieD ge-
wliali, von minnen betti enbnrD, denn ob der mcnscb drissig jnr uf
Nnen knüwen mir an got Ion vordereti. Hörent, hßrent, ellü
meuscben, ein kleglich ding: ich gan umb und umb, wan mir zites
jfebroeten ist, und han gebetlet der kleinen almtisen des verdienten
ioneg gj)ter liiten vür mich ze beseerunge, und mir ist vereeit, waa
liü rurchteiit, d&z inen oleis in dem lampad gebregte. Ach, got von
l^ielrich, daz laze dich erbarmen, [121''] daz ich so grozen Iod
ii richeit mochti hno verdienet in so mengem tage mit minem
fanden übe, do ich müzig gieng, nnd mir nu daz klein almüsen,
nriwan ze bessernnge nüt ze lone, ze dank were, und mir sin
sieman git. Ach, daz lazeut i'ich ze herzen gan, jung und alt, und
Üe wile ir mugent, so aamnent in dem lieben zite, daz ir nit wer-
ieot an der stunde betlere und verschicket als ich.
Der diener: Ach, liebe vrünt, diu not gat mir an min herze.
kh heswer dich bi dem lebenden gotte, daz du mir etwas rate»
gebest, daz ich in die not nit kome.
Entwiirt des unberciten sterbenden measeben:
Der beste rat, du grÖst wisheit nnd vüreihtikeit, du uf ertrich ist^
äaz ist, daz du dich mit gantzer bichte nnd mit nllen dingen, da
ilu haft weist, bereitest, nnd dich dar nach haltest ellü zit, als
ob du dez tages oder zft dem lengsten der wuchen von hinnan
»ulest scheiden. Setze in din herze iezeiit, als din sele in dem veg-
% si und umb ir missetat zehen jar da siile sin, und dir allein
dis jar verüben si ir ze helfen. Sib si also dik an, wie ellendklich
si zu dir riiffe und spreche: „owe, min aUer liebste vrünt, büt mir
din hand, erbarm dich über mich, hilf mir, daz ich schier usser
■li^m grimmen rare kome, wan ich bin als eilend, daz mir nieman
3 f. at (an E') a. kn. mir dr, jar EE'Il uf s. ku. hundert j. mir AKa
'Btiwtlen AKa 7 besserenne AKaEE^ 8 oles AEa lones
,*t«n[nillen t' in deraiupel A' 12 sin] sii AF des f? Uf, an d. st. werd.
li) tu A 28 soliier) aitlier /■''
9t. Hör. 162: peten» deemogi/num tUnlem et tenutin mihi ilari de abi
■XKa dMtiamm aj/iriiiiaUitin et bonorum operum sitarum in »upplttionerrt
« et in etnendain deltctoritm ntcoitim. S MiUlh. 35,y.
\ i2f. l'tjl. Luk. 16,31. \1 Matth, 26,63. 21 f. Hör. I.e.: ut per vt'-am
IriUotUia tt piiram ac integrallm coiifesaionem te rlüpmair sana» et fortü
f ptr »atißfactiiineui cnHdignam, cuncta '/uoqut mwia ii tiabile
;e mi}*dicräia pruiciun ele.
: I
am I
•tu 1
284 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXI.
mit truwen hilfet denne du allein. Min ist vergessen von aller de
weit, wan ieder mensche schaffet daz sine."
Der dienen Dis were ein uzerweltü lere, der es an dem
herzen hetti in einem gegenwärtigen enphindenue als du. Wie
durchschnidende nu dinu wort sint, so sitzent sü hie and acbtent
ir wenig ; sü hein oren und gehörent nit, sü hein 5gen und gesebent
nit. Es wil nieman sterben, e im du sei us gat.
Entwürt des unbereiten sterbenden menschen: Dar
umb, so sü nn och gehangeut an dem angel des bittem t5des nod
rufent von we, so werdent sü nit erhöret. Sich, als miner worten
under hundert menschen, du geistlichen schin tragent, — ich wil
der andren geswigen, — nit eins achtet ze bekerde und ze besser-
unge des lebens, also ist es nu dar zu komen, daz under hunderten
nüt eins ist, es valle unbereit in den strik des tödes, als ich. Wol
gescbihet dien nu, die nit zemale unbekantlich und unbescheiden-
lich sterbent. Uppigu ere, des libes gemach, zerganklichü minne
und daz gitig suchen ir notdurft blendet die mengi. Wilt aber dn
mit der kleinen zal dez jemerlichen unbereiten todes ledig werden,
so volge miner [121^] lere. Sihe, emziger anblik des todes, du
getrüw hilfe diner armen sele, du da zA dir als ellendklich rufet,
bringet dich schier dar zA, daz du nit allein ane vorht stast mer
daz du sin och beitest mit ganzer begirde dins herzen. Hinderdenk
echt du mich alle tag dik zc grund, schribe minü wort in din herze.
Sihe an min bittreu not, was dir geswind künftig ist; lüg, wel ein
nacht disü ist! Gesah in got, daz er ie geboru wart, der wol bereit
zti diser stund kumt, wan der vert wol, swie bitter joch sin tod istt
wan die lichten engel hütent sin, die heiligen beleitent in, der
himelsche hof enphahet in, sin jüngster hinzAg ist ein ingang in
daz ewig vatterland. Owe, got, wa sol aber min sei noch hinacbt
herbergen in dem vrömdeni unbekanten land? Wie wirt min sei so!
gar gelazen, ach got, wie wirt si so gar eilend under allen eilenden
seien! Wer ist der, der ir mit ^ranzen truwen helfe?
1 (leime] wan Z 6 Iiorent 1? 7 e daz ¥> 9 bittern ftUi i^*
12 und [zol Z 14 als ncli ich AKa 17 du fMi jE"' 23 echt ftWX /'^
24 minor AKEVMl 27 lieht.] heiliiren AKa 29 got fthlt AKa 3ötUi-
kuiidcn J? H2 [der] der AKaK^
4 Hoi\ Pi3: per t.rjien'eritiam. 6 V(/l Fs. 113,ti, 6. 15f. Hör- ^^'
(jui noii relut pfcora sine omni raiione rnfniuninr. 17 L. c: soVic't'^^
jiimid tjn(ifstn.'< rei fKiniiians,
Bttchleiu der Ewigen Weiahtit. Kii]i. XXI.
2S5
]i Na gib ich ein ende iniiier jemerlicheii klage. Dt'i stunde ist
teo, owe, un aih icb, daz es andere nit mag Bin. Mir beginnent
Ibende töden, daz antliit bleichen, dii Ögen vergan. Aeh, des
ttmeii todcB stösBe ringent mit dem nrmen herzen! Ich beginne
läten vil tief suchen, daz liecht rliser weit beginnet mir ab Valien,
beginne an ene weit sehen. Owe, got, wel ein anblik! Es
iMut sich du grüwlichen bilde der swarzen inoren, du heischen |
kein mich nmbgeben; aü Ifigent der armen sele, ob si in mng
den. Uwe, rechte ricbler, des strengen gerihtee! Wie wigest dn
■Uer tninsten ding so groz, dero nientan von kleini ahtet! Mir
get der kalt tötsweis von angst dur den lib. Owe. zomliche
Ük des strengen richters, wie reht schariib dim'i gericht sinl!
, Nd ker ich mich mit dem gemüte an cne weit, da bin ieh
iHnde verfiiret wirde, in daz vegfür; und da sihe icb in dem
! Hände angst und not. Owe, got, ich sihe die wilden beissen
len hob af schlahen inen ob döm hSbte nesamen ; su varent in
instren 6anime uf und ab als die gueiste in dem vüre. SU
»t: „we und ach. und groz ist unser ungemach!" Ellü bei-zen i
btiu die mauigvaltkeit und die bitterkeit unser not nit betrahten.
höret mengen eilenden ruf: „helfa, helfe! Owe, wa ist ellÄ hilf
vninden, wa ellü gflt geheiss unser vaiscben vründen? Wie
li ins gelazen, wie haut si unser so gar vergessen! Owe, er-
8MDt ücb, erbannent nch über uns, joch ir unser [122'] aller
Ken vründe! Wie haben wir ücb gedienet, waz haben wir ge-
bet, nnd wie ist uns geloneti Ach, wie lant ir uns nu in dem
ikq kalehoven brinneu! Owe, daz wir dis selber nit ab uns
BD, and wir daz mit so kleinen dingen hettin getan! Es ist doch
;^8te marter bie mere. denn keines marterers uf ertrich ie
iL Owe, ein stunde in dem vegfüre hundert jar lang! Owe, nu '
S ennug AK 9 bleichen . , . töden AKa 7 der] die AK 11 angsten
f 20 helfa h, fehlt F 22 f. erb. öch nur einmal AS 26 dem] disem
Saj" 27 HO fthh AB 28 am Rande AugilSÜnna EK'F^F'Z 29 1". am
)<ll CriiostoratiB EK^F^F-'Z
SIT. Hör. 165: cn maniu incatidae ineijiiunt rigtgctrt, faciti pallrucare,
Lvtumirari et oeuH profundari ae traHgr^trti en pulsus iactpU capri-
laJt'M* dtßcire et guati ex profimdo ae catUgtre. 7 f. L. c: tn eruenlae
Ih larvelet daemonum fades, nigri aethffopts innunterabilta circumdatU
33 Job 13^1. 28 Aitg.. nirmo lOi (in apptndJ ». 6; in p». HT i
«A Thoma», In i Smt. dUl. :>!
q.l,
. l. q. 3. Comp, Ihenl. vtHt. VII, 3
286 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXI.
sieden wir, nu braten wir, nu rufen wir umb hilf! Aber ob
dingen tfit we, daz wir des vrölichen anblikes so lange müz(
beren; daz sweinet herz, sin und rafit." Und also verscheid
Der diener: Ach, Ewigü Wisheit, hast du mich gel
Owe, got, wie ist mir der t5t so gegen würtig worden! Ac
minä, bist du noch in dem libe? Herr von himelrich, lebe
noch? Ach, herre, ich loben dich und geloben dir besserunge
den tot. Wie bin ich so gar erschrocken ! Ich enwiste doch ni(
mir der tot als nach waz. Gewerlich, herre, dise anblik s(
iemer gut sin ; herr, ich wil alle tag gan uf die läge des todcf
wil mich umb sehen, daz er mich nit hinderschliche. Ich wil '.
sterben, ich wil mich an ene weit richten. Herr, ich sihe, (
hie nit belibens ist. Herr, gewerlich, ich sol min niwe und bi
bis an den tot sparen. Wafen, ich bin doch erschroken von
anblike, daz mich wundert, daz min sele bi dem libe ist! Ti
it[ hin von mir wol ligen, lang schlafen, wol essen und tri
zerganklich ere, Zartheit und wollust! Mir tftt hie ein klein
als we, owe, wie sölti ich denne daz unmezig liden iemer erl
We mir, got, were ich also tot, stürbe ich ietzent, wie sölt e
ergan! Wie han ich noch so vil uf mir! Herre, ich wil hüt
dürftigen setzen min eilenden sele, und sider alle vrunde laze
sol ich ire vrüntlich tfin.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Sih, dis solt du ems
an sehen, die wile du noch in diner jugent bist, die wile do
gesunt und stark bist, und die wile du es wol gebesseren n
Aber so du in der warheit an die stunde kumst, und du es^ n
besseren macht, so solt du nät uf ertrich an sehen, denne min
und min grundlosen erbarmherzikeit, daz diu Zuversicht gantz b
3 und sin ÄKaFF^ 8 nie] nit E 9 als nach] so gegen wi;
13 f. nit sparen E^ 21 si nach sider nachf/ef ragen E 24 f. noch £
d. wile du fehlt AKa
1 Ein ChrysostomusBitat zu :}85y2i) f. Jässt steh nicht auffinden: H
in Act, redt't nur im aUgemeinen vom Eegfeucr. 1 f. Hör, 166: super
cetera iormentcrum genera laedil uimium illius divinae faciei felicissitnae ah
12 f. Hebr, 13yU, 20 ff . Vgl, oben Qd3,i>0ff, Hör, 167: dileciam a\
meam non sie ptrire permittam, sed ei in transiiorio et brevissimo hoc it
ptr tolerantiam lahorum et exercitium rirtutnm providebo, 27 f. Ho\
te miscrivordiae dei solinfi commiiias tt passionem meam inter tt ti iu<
meam inicrpouas, nc iimtitiam meam ultni quam necesse est pertimescens e
a spe tua.
Bttchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXI. 287
Der diener: Owe, herre, ich valle dir ze vftz mit bitter-
lichen trehnen und bitte dich, daz da mich hie buzest, swie du
wilt, spar mir es allein lüt dort hin. [122^] Owe, herr, des vegfures,
der grundlosen marter! Wie was ich so unsinnig daher, daz ich daz
80 gar ring wag, und wie viirchte ich es nu so übel!
Entwürt der Ewigen Wisheit: Gehab dich wol! disü
Forht ist ein anvang aller wisheit und ein weg ze aller selikeit.
Oder hast du vergessen, wie ellü du schrift rüflfet, was grozer wis-
heit lig an vorhte und emziger betrahtunge des tödes? Du solt got
iemer loben, wan ander tusent menschen ist es einem nit ze erkennen
geben als dir. Hör jamer: su horent dur von reden, sü wüssen es
vorhin und laut hine gan, su lazent vur gan, su achtent sin nit,
owe, unz daz sü da von verschlunden werdent; und denne rüffent
8Ü, denne hüwleut und weinent sä, — so ist es ze spate. Tu du
ogen uf, zelle an dien vingern, lüg, waz ir eblich bi dinen ziten bi
dir tot sint. Hab ein kosen in dinem herzen mit in, setze dinen
alten menschen, als er tod sie, z& in, vrage sü mit einander, lag,
mit welen gruntliehen süfzen und bitterlichen trehen sü sprechent :
,ach, gesah in got, daz er ie geborn wart, der dem süzen rate
▼olget und an vrömdem schaden gewitzget wirt!** Setze dich recht
uf ein hinevart, wan gewerlich, du sitzest als ein v6gelli uf dem
zwie, und als ein mensch, der an deme porte des wassers stat und
lüget des geswinden ab vliezenden schifes, da er in sitze und hin
▼are in daz vromde land, do er niemcr me her wider kumet. Da
von 80 rihte reht alles din leben dar nah, wenne er kome, daz du
bereit siest und vrolich von hinnan varest.
6 [nu] 80 gar F 6 am Hundt David EE^F^Z 7 zc aller wish. AKa
9 üt E'Z 10 nit eioeiu AKa 11 gegeben FZ 12 vor in AEE^F^Z
U htiwelent sü u. w. [aü] FF^ 17 zu in fehlt F 19 dem] disera FF^
21 reht als e. v. FF"^ 22 [und] als A 23 hinnen AK
7 Suach 1,16. 8 ?:hd. 7,40. 20 f. llor. 109: diapone domui
^"fl« (h. 38,1), praepara te ad riain universac caimis. ad horam mortis.
288 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIT.
XXII. Kapitel.
Wie man inrlich leben soL
Der diener: Herre, der übunge ist vil, der leben ist niengez,
eins sust, daz ander so; der wise ist vil und mengerley. Herr, dn
Schrift ist grundlos, der lere ist ane alle zal. Ewigü Wisheit, lere
mich mit kurzen woiiien usser dem abgi'ünde dero aller sament war
uf ich mich aller meist halten säle in dem wege eins waren lebens.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du wärest, du nützest,
du behendest 1er, du dir in aller der schrift mag werden, in der du
mit kurzen Worten aller warheit überswenklich bewiset wirst nach
der h&hsten volkomenheit eines luteren lebens, ist disü lere : I. halte
dich abgescheidenlich von allen menschen ; U. halte dich Interlich voo
allen ingezognen bilden; III. vrie dich von allem dem, daz z&-
val, anhaft und kumber mag bringen; IV. und rieht din gemüteze
allen ziten [123'] uf in ein togenliches g6tliches schowen, in dem
3 d. diener fehlt F^HZ 5 lerer A 8 am Rande In collacionibus
patnim de fiue monachi Moyaes (mon. abbas M. AZ) AEE^F-Z 9 und dö
beh. AKa 11 if. I— IV rot am Rande AJ^JE^F^HZ 12 von (ztceit&<i] vor
AKaEFF'Z 13 von] vor KaEF^HZ 15 [in] ein AF
2 Hör. 109 Überschrift: Formula compendiosa vitae spiriiualis.
3 ff. Hör. 169 f, : niundus diversiiate doctrinaruin repletus est. Mille sunt tnodi
rirendi, alias qaidem sie, alias vero sie. Tot sunt Codices de vfitiis et virtMuf
matjiütralittr tractanteSj tot sunt quaterni (\, Kolleghefte^) quaestiones subtüi^
mas et propositiones diversas pertractantes, ut pnus vita hrevis deficiaij g»«*
omnia siudere, sed necdum perlegere contingat. Quis dinumerare possei omnia
rationalia, natnralia (Philosophie und Naturxcisseiischaften)^ historialiaj moralia
ac divina (I'heologie)j omnia scnpta, cuncta commenta nova et vetera, «/«nfnto-
tionts, compilationeSj singulosque iractatus ac summas, quibus universa suptr*
ficies terrae tanquam fluvio inundante irrigata est? Vgl. auch Hör. Wf.
8 ff. Die 1. Collation Joh. Cassians ist im ganzen Kapitel benutzt, buonöff*
c. 4, r, tiy 12, 13: vgl. Albertus M., De adhaer. Deo c. Ö. Seuse scheint ^rigt^
die Stelle 288,11^289,6 direkt aus Eckhart 492,34—493,1 herubergenommen :•»
haben. Die ausführlichere Fassung des Hör. (p. 170 ff.) ist zum Teil in ^
Octo puncUi perfectionis assequendae übergegangen, welche unter den unechte^
Werken des hl. Bernhard (Opp. ed. Mabillon III, 716 f.) stehen.
12 — 15 Hör. 170 f.: tordis ostia aformis sensibilium et imaginationtbas Utrttr
noriim, quantum possibilc est, habeas diligenter serata, , . . affectum tuum cü»
omni diligentia absolvas ab his omnilms, quae libertcUem ipsius impedire poMt*^
et ah omni re possibilitaiem habente alligandi et tenendi ipsum affedum ad «*-
hacrendumj .... animum tuum iugiter sursum in coniemplatione divinorum ei^
vatum habeas, ut ditnnis rebus ac deo mens semper inhaereai.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXII. 289
<lu mich ze allen ziten vor dinen ogen tragest mit einem steten
gegenwarf, ab dem din oge reht niemer gewenke. Und swaz ander
übunge ist, es si arraöt, vasten, wachen und alle ander kestigunge,
die richte zft diseni als uf ir ende, und hab ir als vil, als vil sü
dich hier zft gefürderen mugen. Sich, so gewinnest du daz hohste
ende der volkomenheit, daz under tusent menschen nftt eins begrifet,
wan 811 mit ir ende allein uf andere übunge bestant und dar umbe
du langen jar irre gant.
Der dienen Herre, wer mag in dem unverwenkten anbüke
lins gütlichen gegenwurfes ze allen ziten bestau ?
Entwärt der Ewigen Wisheit: Nieman, der hüt lebt in
üt. Es ist dir allein geseit dar umb, daz du wissest, wa du solt
ienden und war nach du solt stellen und war du din herz und müt
«)lt tennen. Und wenn dir der anblik wirt underzogen, so sei dir
«n, wie dir din ewigü selikeit si benomen, und solt geswinde wider-
ieren in daz selb, daz es dir wider werde, und solt din selbs acht
laben ; wan swenne es dir engat, so ist dir als einem schifman, dem
n starkem gewille du rüder sint engangen und nit weis, wa er hin
»1. Enkanst du aber noch nit blibens hier innc haben, so sol dich
lü mengi dero inkeren und emzigu vluht in daz selb bringen zc
?tetikeit, als verre es muglich ist.
H6r, hör, min kint, die getrüwen lere dins getruwen vatters,
lim ir eben war, schlfts si in den grund dines herzen! Gedenk, wer
ier ist, der dich dis leret, und wie gar er daz von gründe meinet.
^Vellest du iemer tftrr werden, so nim sü vür dinü ogen; swa du
«tzest, stest oder gest, so si dir, als ob ich dich gegenwürtklich
2 niemer mer E^ 8 daz lang jar E 11 lebte E^ 13 leiiden —
1q solt fehlt F 17 so ist dir fehlt AF 18 nit euweiz Z 20 fruht F
iOf. ze stet. br. i* 21 als — ist fehlt AKa verre] vil E^ 22 kint
öins AKa 24 ist] si FF"^
3 ff. L, c: puriias cordis inttr omnia txercitia spiritualia ... tanquam
fttfledaw finalis intcntio sibi vindicat principatum : .... corporis castUjatio,
•**»iufw vel vigüiae et similia virtutis eaercitia quasi secundaria et inferiora
^icanda sunt et tantum expedientia, quantum ad cordis proficiunt puritatem,
^^kge aus Thomas u. a, hei Denifle 447 A. 1 ; ders., Luther und Luthertum
'* (1904), 365 ff, 9—10 Coli I c. lä. 11 ff. L. c. c. 13. 20 f. Hör.
*2: quod frequentia actus similem sibi habiium generare consuent, ein schola-
'itrJker Grundsat ß. 22 Sprichw. 1,8. 25 türr = <mr, trefflich, ausge-
iehnet (Denifle: vollkommener J, oder = dürre, trocken, lau? Letztere Bedeu^
ng ist wahrscheinlicher.
H. 8 e a • e , Deatiohe Schriften. 19
290 Büchleiu der Ewigen Weisheit. Kap. XXIII.
mane und spreche: „min kint, halte dich inrlich, luterlich, ledklich
und ufgezogenlich!^ Sich, so wirst du schier innan miner worteo.
dir wirt och daz gfit bekant, daz dir noch vil verborgen ist.
Der dien er: Ach, Evvigü Wisheit, gelobt sist du ewekliclil
Herrc mine und min getrüwste vrünt, wölte ich es ane daz nüt tön, i
so zwingest du mich mit dinen süzen Worten und mit diner zarten
minneklichen lere dar zu. Herr, ich sol und wil allen minen vliz
dar au legen.
XXIII. Kapitel.
Wie man got mlnnekllch enphahen sol. lO
Ewigü Wisheit, kondi min sei nu komen über den heinlichen
schrin diner gotlichen togni, so w61te ich noch me von niinnen
vragen, und ist min vrage also: herr, du hast daz abgründ diner
grundlosen minne als gar us ge[123'']gossen in dinem minneklichen
lidenne, daz mich wunder nimet, ob du üt me minuezcichen geleislen 15
mugist.
Entvvürt der Ewigen Wisheit: Ja, als daz gestirae au
dem himel unzallich ist, also sint du minnezeichen miner grundlosen
minne ungezellet.
Der diener: Ach, süzü minne minü, ach zarter minneklicher 80
uzerwelter herr, Iftg, wie min sele nah diner minne kalet! Keredin
minnekliches antlüte gegen mir verworfnen kreatur, lüg, wie eilu J
ding in mir verswindent und vergant unz an den einigen hört diner
inbrünstigen minne, und sag mir etwas me von dem edlen verbarg- j
nen horde. Herr, du weist, daz der minne reht ist, daz si von*
irem geminten nihtes begnüget; so si ieme hat, so si ieme begert,
swie unwirdig si sich dar inne bekennet, wan daz würket du über-
kraft der minne. Owe, schonü Wisheit, nu sag mir, weles ist dtf
gröste und daz lieplichest minnezeichen, so du ie in diner ange*
1 inrlich fehU F 5 getrüwer E^FF^ vrünt] vatter F 11 d«
diener F^F^, nachgetragen E 14 gnmdl.] gotlichen AKa in] mit ^
13 unzallichen AK 27 erkennet E' 29 ie fehlt AKE
1
1 f. Vgl. Hör. 173 die Lehre des AUvaters Arsennu (Vita 104,4 f. I'
fuge et tace et quiesce. 2 f. Hör. l. c. : in qua (doctrina) si diligenter ttudäerii i
et fideliter effeciui mancipare curaveris, beatus eria et ^[»od€U)imodo aetifwoß
felicitatem in hoc fragili corpore inchoahis. j
Biichleia der Eu-iiren WcishHt, Kai>. XXHI. 291
nomnen meiiscbeit erzfii^est ane das gnuiiilog mionezeichen dioB
iiitlren todeeV
Entwürt der Ewigen Wisheit: Nu entwürtmir einer vrage:
wu ist daz, daz under allen minncklichen dingen einem minnenden
S bcrzen rnti einem ^eminten alter minneklicfaeet ist?
Entwürt des dieners: Herre, nach mineni verstenne so ist
nnt tninnekl ichers einem minnenden herzen denne sin geminter selb
«clbcr und sin niinneklichü gegenwörtkeit.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Daz. ist also. Sich, nnd
Wiit QDib, daz minen geminten uiit ab gienge, daz ze refater minne
bArel, du zwang mich min grundlosü minne dar z(i, do ich von
HiMr weit scheiden wolle mit dem bitteren töde ze minem vatler,
— wan ich rorhin wiste den jamer, den meng miunendes herze
i*iirile nach mir habent, ^ daz ich micli do selb selber und min
miniieklicbe gegenwurtikeit ob dem tische des jüngsten nahtmale
minen lieben jungern gap, und noch alle tage minen nzerwelten gibe.
Der diener: Owe, miniieklicher herre, und bist du aber selb
selber eigenlichen da?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Dp hast mich in dem
Mcramente vor dir and bi dir als gewerlich nnd eigenücb got und
ansehen, nah sei and Übe. mit vleische und blfile, als gewerlich
■nich min reinii mAIer trdg an ir arme, und als warlich ich bin in
dem himel in miner volkoraenen klarheü.
Der diener: Ach, zarter berr, nu ist ein ding in minem
•«ReD, get&rst ich daz mit urlob zfi dir gesprecbenV Herr, es kant
■lit vnn unglöben: ich globe, waz dn wilt, daz du daz vermacht
Aber, zarter [124'] herre mine, mich wundert, ob ich es getar
"pfechen, wie der scb6ne wünneklich glorifizierte lip mins minuek-
liehen herren in aller sincr grizi und ganzbeit sich mug verbergen
"l" tügcnlicb nnder der kleinen forme des brötlins, das diner masee
"0 angemessen ist. Zarter herre, nu zürne sin nit'. Wan du min
■lUrweltä minoeklichä Wieheit bist, so wAlt ich gerne von dinea
piiden etwaz da von ns dinem süzen munde hören.
13 wan — 14 habent fehlt AKa 14 habent wurde E' do mich .AF
IB inh Ol. II. E 22 als warl. ida AKEF 29 f. &]e t«g. mus: v. EB
S7 ff. Hfir.lT7: valät mirabüt vidtlur, »i fa» e»l dicere, qualiter corput
iimmi mei formosum eui» «uU debiti* dimengionibu» tt omnimoda ptr/eclione
UnltHui }iQ»itit suh formis mimtti» fpeeierum gaerametilalium tibi improporfio-
»aliler itieommensuraianitii. Dit Erklärung ist Hör. 1711 angedrutit.
1
292 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIII.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Wie min schöne lip und
sele nach ganzer warheit sie in dem sacramente, daz enkan kein
zunge gesprechen, wan es enmag kein sin begrifen, es ist ein werk
miner almechtikeit. Dar umb so solt du es einvalteklich globen
und solt im nit vil nach gan. Und doch so müz ich dir ein klein
hie von sagen; ich wii dir dis wunder mit einem andern wunder
uz stozen. Sag mir: wie mag daz sin in der natur, daz ein grozes
hus sich erbildet in einem kleinen Spiegel und in iedem stuke, ob
er geteilt wirt? Oder wie mag daz sin, daz sich der groz himei als
kleinfügklich truket in daz klein 5ge, und doch an der grozi ein- 1
ander unglich sint?
Der dienen Herr, gewerlich, des enkan ich nit vinden; es
ist ein wunderlichs ding, wan das oge ist als ein püntli gegen den
himel.
Entwurt der Ewigen Wisheit: Sih, swie nu wederl
dis noch einkcin ander ding in der natur dem glich si, doch, und
mag daz du natur getun, war umbe enm6cht ich denne, der herre
der nature, nit noh vil merü ding übernatürlich getün ? Nu sag mir
me: ist das nit ein als groz wunder, himelrich und ertlich und alle
kreatur uzzer nute schephen, alse daz brot in mich nngesihteklieh i
verwandten ?
Der diener: Herr es ist din halb als muglich nah minem
verstene üt in üt wandlen, als üt usser nute schephen.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Und wundert dich denne
daz und dis nüt? So sag mir: du globest, daz ich vünf tosentS
menschen usser fünf broten spiste; wa waz du verborgen materie,
du minen worten do dienet?
Der diener: Herr, ich enweis.
3 mag AKa 4 so fehlt U' 8 und] ald AKa 12 d. diener -
21 verwandlen fthlt F gew. herre E^ 15 weder fehlt E^ 16 kein i^*
19 als fehlt EE^HZ wunder] ding AKaF 20 ungea. in m. AK<t^
25 sag mir me AKa
4 f. Hör. 177: cavendum (tibi est) a praesumptuosa perscrtUalione.
15 ff. L. c, : et licet in hoc exemplo simplici maior ait dissimüUudo }««•
similtiudOf sicut et quaelihet res naturalis maiorem importat in proposito diti^
tntlitudinem quam similitudintm^ nihilominus tarnen etc, 19flf. i.e.; p^
tarn impossibilis videtur kaec transmutatio ? Et sive maior ait actus iat$ trvM'
suhstantiationis ( Wesensvertoandlung) creatione, aive minor sive aequaUSy »^
inconsonum tarnen rationi est credere, quod hie, qui mundum ex mhilo ff^
ducere jßotuity virtutem suam nequaquam ad hunc solum actum liwntmvent*
Büchlein der Ewigen Weisheit Ka]), XXIU.
293
D& Wisbeit: Aid glübest du. da?, du ein sei habest?
Der diener.- Herr, daz glob ich nit, wan ich weis es, waii
} enlebte ich nit,
ICntwiirt der Ewigen WiBheit: Nu enm&cht du doch die
pmit keinen liplichen ogen gesehen: glöbest dn denn, ob kein
ei. denn du man mag gesehen und geboren?
Der diener: Herre. ich weis, daz dero wesen vil rae ist, da
esihtig eint von allen liplichen ögen, denn düi man mag gesehen.
Du Wisheit: Nu Ißg, so ist manige menRcb als grober sinne,
i[124'] er dennoch kume glöhen wil, daz üt gi, denne daz er
IgiDcn sinnen begrltTen miig, dar über die gelerten ein wissen hein.
I daz nit also ist. Ze glicher wise ist es hte nach menschlichem
penne gegen dem gütlichen wüssenne. Hette ich dich nii gefraget
b: wie sint geschaffen die ingange des abgrundes, oder wie sint
Bellet du Wasser ob dien himelnV du sprechest vil licht also: „es
imir ze tief, ich engan im nüt nach und ich enkam in daz ab-
finde nie noh uf den himel nie." Nu han ich dich gevraget irden-
lier dinge, du dn sihest und hörest, und liegriffest ir nit; wie
Uteat du denne begrifen daz, daz alles ertrich und himel und
I sinne übertriffet? Oder wie wtlt du dem nach gefragen? Sibe,
Bui wundren und schüzzig gedenke koment allein von grobheit
i Sinnen/die g^tlichö und übematürlichü ding nement nacb glich -
pe irdenscher und natürlicher dinfre. und also eniet es nit. Gehere
|Tröw ein kint in einem turne, und so es dar inne erzögen wurde
1 im du mfiter Seite von der sunnen und von den Sternen, es
t daz kint groz wunder und dächte es nnbillich und ungidblicb,
k doch der luütor gar kund ist.
Der diener: Herre, gewerlich, ich enkan reht nüt nie ge-
2 wan das weis ich h'' 3 lebü E' 5 keinem 1. öge FJi 8 gus.
10 wil globeu AKaE' 11 mit — ni&g] mag gegehen nnd gehoreu
dar übet dai ft'' hein e. w, Z 15 dem biiuel K' 18 kom F'Z
nmdniug AKa inschäzzige !•' 23 ht J''Z 'H wirrde A
8 Jfath IhomütUekrr Lrhre (D§ verit. q. 14 a. 9) Adfiii dertclht Vtrttand
le Sack* aktutll nicht augiäch glauben uiid ifisten. G f. Hör. 178:
tnÜa iHBitibilia. 10 f. L. c: expsritatta docet, qvod mutti iliiltrati
mpMiibili habtut ea, de guilut» peritt /labmt dtvtoniiratinHim certwi'
wktU paUl jn-atciput in geometria et aslrologia. 17 ff. I jil. Joh. 3,12.
Hör. 173: (nlw dubilalionea et c-nctpliotie» ci-roneat. 23 ff. Hör. ISO:
U de hoc hahifs de piiero in careere iialo a diu
294 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXm.
sprechen, wan du hast mir minen globen erlühtet, daz ich einkei
wunder an minem herzen niemer me darf gewinnen. Oder wie w
ich den höhsten nach gegan, so ich du nidersten nit begrifen kan
Du bist dö warheit, die nüt geliegen mag; du bist du obrestewic
heit; dö ellü ding kan ; du bist der almehtig, der ellü ding vermag
Eya, minneklicher schöner herre, nu han ich dicke von heraei
begert, daz ich dich mit dem gerechten Symeon in dem tempe
möhte lian enphangen liplich an min arme, owe, minneklicher herr
und dich mit minen armen in min sei und in min herze m6hte hai
getrucket, daz mir der geistlich kuss diner waren gegen wArtikd
weri worden als warlich als ime. Herre, nu sihe ich, daz ich diel
als warlich enphahc alse er, und so vil adellicher, als vil din zartei
lib nu glorifizieret und unlidig ist, der do lidig waz. Ach minnek
lieber herr, dar umb, hetti min herze aller herzen minne, min ge
wisseni aller engel klarheit und min sei aller seien Schönheit, dai
ich es von dinen gnaden wirdig were, herr, so w61t ich dich hii
alse minneklich enphahen und in den grund mines herzen und miDCi
sei versenken, [125'] daz mich von dir weder leben noch tod niema
geschiedi. Ach, süzer minneklicher herre, und hettist du, min nsr
erweites lieb, mir nüwan dinen hotten gesendet, ich enwüsti in aller
diser weite nit, wie ich im es gnfi wol sölti han erbotten ; wie sol
ich mich denne gebaren gegen dem, mit deme selben, den min sele
da minnet? Du bist doch daz einig ein, in dem beschlossen ist alles,
daz min herze in zit und in ewikeit begeren mag. Oder ist noch
üt, daz min sele mit dir, daz du nut bist, beger? — ich wil gc-
swigeu des, daz wider dich und ane dich, wan daz were mir ein
Unlust. Du bist doch dien ogen der aller schönste, dem munde de^
aller süzeste, der bcrürde der aller zartest, dem herzen der -A^
minneklichest. Herr, ich ensihe noch enhöre noch enphindet min
sele nit in allem dem, daz ist, si vinde ein iekliches tusent stnnt
minneklicher in dir, minem uzerwelten. Ach, minneklicher herr, wie
sol ich mich gegen dir halten von wunder und von vröden? Di^
gegen würtikeit erzündet mich, aber din grozheit erschreket Diich;
min bescheidenhcit wil ir herren ercn, aber min herze wil sin ei
1 kein K'F' 2 me fehlt i'* 3 gan ÄKaE'F^ 11 als warl. »•
w. AKa 16 hat fMt AK 18 der tod AK 19 gescheide J?F 24ttDd|
ald K' 26 ane dich ist AKaE' 28 begirde >'* 31 in dir — minntlil
fthlt F
1 1". L. c: admiraiioiu's no.cias iimidasque cogitationes toUis,
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIII. 295
liep minneD und minneklich umbvahen. Du bist min lierre und
min got, 80 bist min briider, und ob ich es getar gesprechen, min
geminter gemahel. Owe, waz liebes, waz wunne und waz vröden,
waz wirdikeit han ich an dir einem !
5 Ach, süzer herre, mich duchte daher: und were mir allein du
gnade widervarn, daz ich usser mins geminten offen wunden von
sinem herzen ein einig blütes tröphli sölte han enphangen in minen
mnnd, wie ich Wunsches gewalt heti gehebt. Ach, herzkliches, un-
begriffenliches wunder, nu han ich nit allein von sinem herzen, noch
10 von henden und vüzen und allen sinen zarten wunden enphaugen,
ich han nit allein eins oder zwei tröphlü, ich han 5ch alles sin
rogvarw hitzige blftt dur mincn mund zt minem herzen und sele
enphangen. Ist daz nit ein groz ding? Sol ich daz nit wegen, daz
allen hohen engelen tür ist? Ist daz nit ein minneklichs ding?
16 Herre, ich wölje, daz ellü minü gelider und alles, dnz ich bin und
kan, verkeret wurde in ein gruudelos niinne nmbe dis minnekliche
miunezeichen. Herr, waz ist noch in aller diser weite, daz min
kerze erfrowen oder begeren muge, so du dich mir als minneklich
K niezeune und ze minnenne gist? Es heisset wol ein sacrament
) der minne. Wa wart ie minneklichcrs gehöret oder gesehen, denue
die niinne selb selber in gnaden werden? Herr, ich ensihe dekeinen
onderscheit, denne [125''] daz dich herr Synieon gesihteklich en-
phieog und ich ungesihteklich. Aber als wenig nu min lipliches
oge din waren menscheit da mag gesehen, als weni;; mocht sin lip-
' liches oge do din gotheit gesehen denn in dem globen, als och ich
DU. Herre, waz lit mir kraft an diser liplichen gesiht? Dem des
geistes ogen sint uf getan, der hat nit vil sehennes uf liplieh gesiht,
wan du ogen des geistes gesehent eigenlicher und warlicher. Herr,
2 got so 1). m. ft/ilt AK 4.9 ha])e AKcc 7 minem Aa 9 f. von
^neii wunden, von hondcn und tiizcn und von sinem zarten herzen A* 19 gi-
^^Aa 21 keinen FJ^^Z 23 f. nu nadt oge AK 20 lipl. fehlt F
^ im Hundt Bemardus AEKF^Z
13 ff. Hör. Iblf.: twune ist ad est majcimum et piaecipaum donum et
^^ünig laudihus eJCtoUendumy ad quod luque angdica natura awivat aspirare'^
y^U€ ideo utinam omiies artus mei et tota virtut^ meu et omnia inttriora mea
*" laudem iaam re.solvcrentur, ut amori tuo pro jio.ssc vito responderc j)(f<tsein f
19 f. Hör. 182: hent Uaque appellatur ttdcramentum hoc sacramentum amoriü.
26 L.c\: sed quid mihi de visu cnrporeo, cuHf beuti dicantur oculi, qui non
^'dent gecundum carnem (Jnh. ^0,-J!n etc. 28 1'^/. Jhrn., sermn -j-j in
296 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXTTT.
echt ich weis in dem globen, als verre man es wissen mag, da:
ich dich da han, waz wil ich denn me? — so han ich alles, d«!
min herz begert. Herr, mir ist tusent stnnt nAzzer, daz ich diel
nit gesehen mag; wie möhte ich daz iemer an minem herzen vindeo
daz ich dich also gesichtkliche nasse? Aber alsns so blibet daz,
daz da minneklich ist, und vellet ab, daz da unmenschlieh ist. Herr,
so ich hinderdenk, wie grandlos wol, wie minneklich, wie ordeolicb
du ellü ding hast geordenet, so rufet min herz mit luter stimme:
0 höhu richheit des abgründes der götlichen wisheit, waz bist do
in dir selber^ so du als recht vil bist in dinen schönen usvlAzzen!
Nu, minneklicher herre, nu sihe an die begirde mins herEei!
Herre, es enwart nie kein kAnig noch keiser so wirdeklichen en-
phangen, nie kein lieber vrömder gast so minneklich umbvangen, nie
kein gemahel so schone noch so zärtlich ze hose geffiret noch so
erlich gehalten, als min sei begert, dich, minen aller werdesten keim
mines herzen aller süssesten gast, miner sele aller minneklicfaestoB
gemahel hüte enphahen und in füren in daz inwendigest and daz
beste, daz min herz und min sei geleisten mag, und dir es bieten
flis wirdeklich, als es dir ie von keiner kreature erbotten wart. Herr,
dar umb so ler mich, wie ich mich gegen dir halten süle, wie ich
dich gnft schone und minuekliche enphahen süL
Entwürt der Ewigen Wisheit: Du solt mich enphahen
wirdeklich und solt mich niessen demütklich und solt mich behalten
ernstlich, in gemahellicher minne umbschliezen, in götlicher wirde-
kcit vor 5gen haben ; geistlicher hunger und gegenwärtiger andacM i
«ol dicli zu mir triben me denne gewonheit. Du sele, dfi min in
der heinlichen klusc eins abgescheidenen lebens inrlich enpbinden
und süzklich niessen wil, du müz vorhin von Untugenden sin g^
lürbet, mit tugenden gezieret, mit lidikeit umbhenket, mit roten riscn
inbrünstiger minne bestecket, mit schönen vioin demütiger verworfen- ^
1 mag wissen AKa 3 gert Z 4 vinden] han AK gehaben«
5 misse (!) A 6 [daz] da m. A"* und — unm. ist fehlt AK 7 grundlose
lieh JJ' 9 am Rande Paulus A 11 d. inneklichen beg. AK 12 (bcn«)
es AK 13 fromdor lieber /;» 17 f. in daz best u. in d. inw. K 19^«"
ie k. K^F^ 20 so fehlt J^? 29 sin gez. K 30 sin best. E b«^'
stocket F^HZ
4 f. Hör. 183: quis eniin tantae possei esse ferocäatiSj ut ipsum praesv»^^
sab forma carnis et sanguinis masticare? 9 Rom. 11,33, 9 f. Hor.l^"
qualis ts in ijisa esstntia, qui talis es ac iantns in rerum crtatarum tffi^t^
fafii n'riuosa!
Büchleiu Aer Ewigeu Weiabett. Kap. XXIIl. 297
keit Dod wieeeit lylies rehter reinikeit bezetet. Si sol mir betteu
Srit herzenyride, wan in dem vride ißt min [ISJ6'] etat; si eol mich
iL ir arme umb^chlicssen mit usgeficIilosRenheit aller vrömder minae,
iQ ich Hchübe si und flüb si, ab der wilde vo^el tfit die kevi.
sol mir singen des gesangee von Syon, daz iBt ein inbrimatiges
BioDeti mit einem grundlosen lobenne; denne wil icb ei umbvaben,
si 8oI sich uf min berze neigen. Werde ir da ein stillcB rfiwen,
blozes pch(^wen, ein ungewonlichs niessen, ein vorsmak ewiger
lizikeit and ein enplnnden ewiger selikeil, daz bab ir, behabe eB
selben, waii der vr&mde enpbindet ein nüt; sprecb also mit einem
pandJosen süfzen : „gewerlicb, du tiist der verborgen got, du bist
iii beinlicb gÖt, daz nieman kan wissen, der sin nit hat enphunden."
Uer diener: Owe miuer grozen blintheit, in der ich bis her
Irin geetandeu ! Ich brach die rnteu rosen und smakt iv nüt; icb gie
oder den schönen biAmen und sah ir nüt: ich waz als ein tiirres
»i in des suzcn meien töwe. Owe, mich enkan nienier me ver-
tnen, daz du mir so manigeu tag so nahe bist gewesen, und loh
ir 80 verre bin geein. Owe, du süzer gast der reinen sele, wie han
!h Hir es bis her gebotten, wie ban ich dir es so dike missebotten!
He unbegirlich ich ab der süzen engelspise geharrt! Ich hntc den
delen baisam in dem munde und enpbant sin nit. Ach, du vr6den-
^chii ögenweide aller engel, ich gefrowte mich din doch nie recht!
Ond B6lt mir ein üplicher yrünt des morgens sin komen, ich het
Diich alle die nacht dar uf gefräwet. Ich bereite mich doch nie
•gegen dir werden gaste, den himelrich und ertrich eret, als ich bil-
liche solle. Ach, wie kerte icb mich so geswinde von dir, wie ver-
treib ich dich so balde us dlmc eigen! Owe, minneklicher got, und
bist du selber hie als gegcnwürteklich, ond ist der enge! schar hie,
■nd ich dar zfi als hinlir^he han getan! Herr, ich wil din geswigen,
'(ewerlich, hcrr, ich enweis kein stat über vil milen, da ich vür war
bette gewiseet der heiligen engein gegenwnrtikeit, der hohen geistcn,
1 reht. rein, fehlt F »in bez. AKEE'^ listen AKE' 4 wan da
'Wi 0, seh. ich /-■' 9 daa behabe ir ÄKaE' 11 griindl.] hersklichen AKa
'2 bfvundMi E enpli. hat E' 17 j^ew. bial K' LH hau [ich] Z 25 f. liUl.]
»riihie/;' 28 selb selber AKaE 30 enkeiii AK da] daz AE^ 31 go-
»Wu A
■i Fl. 75,2. 5 Vgl_ Pt. 130,3. 7 ff. Hit. i«fi.- «t eoncetga Juei-it
*'^iper intffabilis patuatto, raptica qiiaedain coiitemplatio et inutrilata fruilio
PiM JuntMi' rf vtri pratseniü buni gratia« r^frrat bonorum omnmm lar-
W^ nee « imrbis v^umial, sed /tra-ttun teeretum tmeal e(t.
J
298 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIU.
die dich schowent ze allen ziten, ich were mit willen dar ;:egangei
und möcht ich su joch nit han gesehen, so bette sich doch mi
herze in minem libe ab inen gefröwet. Owe, süzer berre, und da
du selber, aller engel herre. gegen würtklicbe hie werd, und bi di
vil der engel schar, daz ich der stat nit me war nam, daz mfiz mi
ieroer leid sin! Ich sölte doch der stat han genigen, da ich diel
also hetti gewist, und möht mir anders nit sin worden.
[126''] Owe got, wie bin ich dik an der stat, da du vor mi
und bi mir werd in dem sacramente, so recht unbesintklich und un^
andechtklich gestanden! Der lip stünt da, aber daz herze waz andere
wa. Wie han ich dik so manigen ker da hin vür dich, werden herren
getan so gar unbedachtklich, daz dir min herz nit einen herzklichei
grüz bot mit einem andechtigen nigenne! Herr, zai-ter herre mine
minü ogen söltin dich han an gesehen mit spilender vröde, min her
s61te dich han gemeinet mit gantzer girde, min mund solte dich hai
gelobt mit inbrönstigem herzklichem jubilierenne , alle min kreft
söltin sin zervlozzen in dinem vrölichen dienste! Waz tet din knech
David, der vor der arke, da allein lipliches himelbrot und liplichi
ding inne warent, so vrölich mit allen sinen kreften sprang! Herre
nu stan ich hie vor dir und vor dien heiligen engein, und valle dii
ze vftze mit inneklicheu trehen mins herze. Gedenk, gedenk, zartei
herre, daz du hie vor mir bist, min fleisch und min brüder, nnd
laze varn, vergib mir hüt alle die unere, die ich dir ie erbot viac
daz ist mir leit und müs mir iemer leid sin, wan daz Hecht dei
wisheit beginnet mir erst lüchten; und du stat, da du bist, nit allein
nach der gotlieit, och nach diner schonen minneklichen meuscheit,
sol ienier me von mir vürbaz geeret werden.
Ach, minnekliches gut, wirdiger herre und süzer gast, min sele
vragti gar gerne einer vrage: zarter herre, sag mir, waz bringej^t
1 ze a. z. dich seh. 1^? 3 suzer fekU K' 4 were AKaE^ 5 schare
AK nit] nie AF \) were Aa 12 ich dir [min herz] F 13 inine fehlt t'
14 spilendeu froden E^ 20 vor allen dinen engein AKa 21 vnzeu i«^-
iiinekl.] bitterliclien AKa 23 hüt fehlt AKaE 27 vürb. v. m. AKaE^
21) ein vr. AaK'F'
6 f. Hör. li^'t : nam ubi dominum mcuin praescntem scirij hamilitcr incHniif^
(lehui, cum aliud sig^ium rerereniiae nihi exhibfre non potui, 11 f. L. <:•'
n (juniiens locum htiiu:, in quo sub sacraiur.nto hospes dulcissimus pratf*^
faisti^ tief/litfenUr ri festinauter praelerii ! 14 ff. Hör, 18S: ideo i^^^
])raescntiac dtf/uit cor adfjandvre, animus fipplaudere, oculi laetanitr arridc^-
oi! iuhilarc, lahin fe hcnedicvre et (/lorißcare, et singula quaeque meinbra et (tri'**
tili ostendtre siyna (imoris. 17 if. // Kon. 0,14.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXm. 29Ö
dn diner geininten mit diner waren gegen würtikeit in dem sacra-
mente, so si dich roinneklich und begirlich enphahet?
Entwurt der Ewigen Wisheit: Ist dis einem minner ein
zimliehü vrage? Waz han ich bezzers denn mich selben? Der sin
sliep selb selber hat, wem hat der nach ze vragenne? Der sich
selben git, waz hat der verseit? Ich gib mich dir and nime dich
dir und vereine dich mit mir ; du verlürest dich und wirst verwandelt
in mich. Waz bringet da sunne in ir aller schönsten glenzendem
widerglaste dem ungewülkten lüfte? Waz bringet der ufbrechende
[ loliechter morgensterne der vinstren nacht? Oder waz bringet du
8ch6n snmerwunne wünklicher gezierde nach dem kalten winterlichen
tnirigen zite?
Der diener: Owe, herr, du bringent rilich gaben.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Sü dunkent dich rilich,
ttwan 86 dir gesibtklich sint. Sih, da minste gnade, du von mir
vliezent ist in dem sacrament, ist in ewikeit widerglenzender denne
kein der liplichen [127 '] sunnenglaste. Si ist lühtender denne kein
Morgenstern, si ist in ewiger Schönheit dich wünklicher zierende,
denne kein sumerlichü gezierde daz ertrich ie gezierde. Oder ist
-^min liechtü gotbeit nit glenzender denn kein sunne, min edlü sele
lichtender denn kein sterne, min klerter lip wünklicher denn kein
sumerwunne, du du warlich hüt hast enphangen?
Der diener: Owe, herr, war umb sint sü denne nit enphint-
licher? Herr, ich gan dicke zu in sogtaner hertikeit, daz mir als
-Ä tfire ist alles lieht, gnade und süssekeit nach minem verstenue als
einem menschen, der blint geborn ist und daz Hecht nie gesach. Herr,
getörste ich es sprechen, so gonde ich diner waren gegenwürtkeit
wol. daz du din selbs mer Urkunde hettist gegeben.
Entwürt der Ewigen Wisheit: So der Urkunde ie minr
6 am Bande Augustinus KE^F^Z 6 f. und iiiiiie d. d. fehlt F 7 mit
f^H K 8 am Rande Nota Bernhardus F^ aller gleiizendein scbonsten (!) h?
^^^ morgen r ot ^Ä" 13 bringet AE^ gäbe 7v* 15 gesibtig E^ 21 klerter]
«arter F 25 1. und gu. [und siiss.] AKa 2() der] daz AKa 27 ge-
''Prechen E^FF"^ 29 am Rande J'aulus EF'Z
6 ff . Aug., Conf. VIl^ 10: nee tu me in te mufahittj sicuf vihum airnis
'**0(j. Htd tu mutaheris in nit'. 15 Hör. 1S9: minima gratia gratam favieius
^^iiiy machende j im Unterschied ron dtr aktuellen Gnade). 27 f. Hör. IUI:
^^nne melius esset, ut evident ioribuft indiciis et manifestiorihus e.vptrimentis
^em taniorum itistaurasses mgstcriorum (^ 29 f. L. c.: an ignoras, quin per
^em amhulamus et non per speciem (II. Kor, ö,7 ) i^
300 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIII.
ist, so der globe ie lutere ist und din Ion ie mer ist. Eis würkef
der herre der natur so tSgenliche in mengem schönen bome ein
wnnklicbs zünemen, daz doch kein oge noch kein sin die wile
enphinden mag, e daz es vollbracht ist. Ich bin da nit ein uslib-
tendes liecht, ich bin nät ein uzwürkendes gftt, ich bin ein inwär- f
kendes gftt, und daz ist so vil edeler, so vil es geistlicher ist.
Der dien er: Owe, got, wie ist so wenig menschen, die daz
wegen von gründe, daz si da enphahent ! Sa gant zu als die andern
gemeinlich in einer schiebten unbedahten wise, und dar umb, als si
lere dar gant, also gant sü gnadlos dannen ; sü zertribent der spise 10.
nit, daz sü wegen, waz sü da enphahent.
Du Ewig Wisheit: Ich bin dien wolbereiten daz lebende
brot, dien kleinbereiten daz trucken brot, aber dien unbereiten ein
zitlicher schlag, ein t6tlicher val und ein ewiger vlüch.
Der diener: Owe herre, wie ist dis ein so erschrokenlick Ift
HÜng! Ach, zarter herre, weli heissest du die wolbereiten oder die
unbereiten?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Die wolbereiten sind die
geluterten, die kleinbereiten die vermittelten, aber die unbereiten die _
sündigen, die mit willen oder mit werken in tötsünden stant. ^j
Der diener: Owe, zarter herr, ob denn ze der stunde dem \
menschen sine sünde von herzen leit sint und sin vermugen dar
inne tut, daz er ir nach der kristenheit reht ledig werde?
Entwürt der Ewigen Wisheit: So ist der mensch ieze I
nit me in sünden. *|
1 din glühe AKa 1 f. am Rande Nota Bernhardus F^ 4 da /«ÄÄ
E'F 5 f. ich h. e. inw. gut fehlt F 9 unbed. fehlt AH 11 da f^
E'FF'Z 14 und e. t. val AEF 15 dis] daz AKa 16 ach fehlt AK*
21 dem] den AKE 22 i. dar zö AKa
4 flf . Hör. 192: jßraestfitia divina ibidem existens lux est, nan quÜ^
talift, quae ah oculo corporeo videri possii vel quae se ad exteriora diffu^dü^
sed quae a solo inteUectu divino vel .^altern ab ipso beatificato videri possü, •••
nam et substantiae spiriluales, quanto fuerint nobilioreSy tanto simpliciorts.
10 f. L. c. : hi sunt sicut animalia non i-uminantia, 18 ff. Hör, 193'
omnino indispositi .... bene dispositi, sicut psrfectij .... quidam medio «^
se habentj sicut indevoti. 21 ff. /.. c: si liomo .... in procinctu aeetdi^
de [teccatis conteritur et facti secundum statuta ecclesiae hoc quod potest, **••
quid audchit de tua gratia homo hie peccatoi' accedere? Sapientia: ti^
conteritur et consilio spiritualium utitur viedicorum (d, Ä. trenn er bemU «*•
heiditd), iam proprie loquendo peccator non est.
Büchlein der E^^igen Weisheit. Kap. XXIII. 301
Der diener: Herr, nach minem danke, es ist der grösten
Dgen eins, so alles zit geleisten mag. Herr, wer lebt in zit, der
ih gnft wirdeklich zfi dir bereiten muge?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Der [127^] mensch wart
e geborn, und hette ein mensch aller engel naturliche luterkeit,
ler balligen reinikeit und aller menschen gütu werk, er were min
nnoch unwirdig.
Der diener: Owe, minneklicher herre, mit welem zitter s&len
HD wir unvervanklichü gnadlosü menschen zu dir gan?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swenne der mensch ge-
t sin vermugen, so wirt nit me von im gevordert, wan got vol-
iDget daz unvolbrachte. Ein siech sol alle blugkeit hin werfen
d gel dem arzade nahen, des bisin sin genesen ist.
Der diener: Minneklicher herr, weder ist aber besser dik
er gelten dich in dem wirdigen sacrament en[)hahen ?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swelen menschen gnad
d andacht enphintlich da von wahset, dien ist du emzikeit nütze.
Der diener: Herr, da denn ein mensch nach sinem versten
ch stat oder dike in grözer hertikeit ist?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Der mensch sol sich von
r hertikeit, so echt er daz sin getüt, nit merklich enziehen, wan
z heil der sele, du von gottes geleze in hertikeit stat, wirt dik
ein in dem lieht des lutren globen als adellich volbracht, als in
)zer aüzikeit. Ich bin ein gut, daz gebrucbet wahset und gesparet
8 auif cit nachträglich cittren korr, E 11 mu^en AK 15 dich nach
T. £1 16 am Bande Aug^ustinus KE^F^Z 16 f. swelem ... dem FF^
volbr. als ad. E^
1 es bezieht sich nach dem Hör. auf das Sakrament überhaupt j nicht
^ dit Vorbereitung dazu, 4 f. Hör. L c. : inter natos mulierum nnn sur-
^ij qui ex sola virtute et iustitia operum s-uorum tanquam ex condigno se
ficienter praeparare possit. 16 f. Hör, 195: super hac re communem ac
<itn egregii doctoris Augustini (ep. 54 n. :J. 4) accipe sententiam, qui utrum-
■ pro loco et tempore dicit esse commendahile^ ut et pro reverentia interdum
'tineatur et ex devotione nihilomrnus acadatur. Quibus vtro ex frequenti
tS8u reverentia sacramenti parittr et devotio accrescit, his fregueniatio ipsius
U erii. Seuse hat übrigens auch Thomas^ In 4 Scnt. dist. 12 q. 3 a, 1 : q, 2
^gt. Vgl, Dtnifle 466 A. 4. 23 Hör, 196: cum solo fidei subsidio anima
'täur nee aliqua dulcedine spirituali fulcitur. 24 t'. Opusc, 58 (inter opp,
rhomae) c. 14: corpus Christi dum manducaiur augmentatur.
302 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIII.
swinet. Es ist besser von miunen zu gan, denne von vorchten von
stan ; es ist besser alle wuclien einest zfl gan mit einem tiefen gründe
rehter demütkeit, denne einest in dem jare mit einem überbebenne
in sin selbes billicbeit.
Der dien er: Hcrre, ze weler zit bescbibt der influs der gnaden
Ton dem saeramentV
Entwürt der Ewigen Wisbeit: In dem nu des gegen-
würtklicbeo niezens.
Der diene r: Zarter berr, ob ein menscb nu in grundlosem
jamer naeb diner liplicben gegenwürtikeit des sacramentes stat, und
er din enbern mfiz?
Entwürt der Ewigen Wisbeit: Meniger mensch wirt
min nücbterlingcn vol, und maniger gewinnet min ob dem tische
mangel; die küwent micb allein liplicb, aber dise niezent mich
geistlicb. 1
Der diener: Zarter berr, bat aber der mensebe üt vürbaz,
der dicb liplich und geistlicb enpliabet, denn der dich allein geist-
licb nüsset?
Entwürt der Ewigen Wisbeit: Weder bat der mensch
me, der mich und min gnade hat, oder der min gnade allein hat? 8
Der diener: Herr, wie lange blibest du in liplicber gegen-
würtikeit bi dem menschen, so er dich enphabet?
Entwürt der Ewigen Wisbeit: Alle die wile daz bilde
und glicbnüsse des sacramentes belibet.
1 am Bande In collacionibus patrum abbas Cheremon EE^Z 5 gnade
E^F^ 7 am Rande Thomas EE^F^Z 7 f. gegenwurtigen Z 10 liep-
liehen F 14 [mich] allein E"^ 23 am Rande Thomas EE'F^Z
1—4 Coli, 23 c. 21 (abbas Theonas, nicht Chaeremon), Hör, l c: mtli»'
est singulis hebdomadis vel eiiam diebus accedere. Vgl. auch David von Av9^
bürg, De comp. 111, 70. 7 f. Thomas, S. Th, 3 q. 80 a. 8 ad 6: in ipsa sump-
tione huius sacramenti .... ptrcipitur sacramenti effectus, 12 ff. Se^
redet von der geistlichen Kommunion (Thomas, *S\ Th. 3 q. 80 a, 1—3). Zur Er-
klärung Dtnifle 468 f. Anm. 19 f. Hör. 197: revera ampliorem maierüt^
devoti(}nis et gratiae habet qui lUrumque suscipit, quam qui aüerum tantui^
quia simul habet donaniem cum dono, causam cum effectu. 23 f. Thof^
S. Th. 3 q. 76 a. 6 ad 3: corpus Christi remanet in hoc sacramento .... q^t^^
que species sacrameniales manent.
Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIII. 303
DIs solt du sprechen, so du zu gast.
[128'] Eya, du lebendü vruht, du suzü gimme, du wuuneklicher
radisöphel dez geblümten vetterlichen herzen, du süzer truhel von
per in den wingarten Engaddi, wer git mir, daz ich dich hütte
wirdeklich enphahe, daz dich gelüste zä mir ze komen, bi mir
blibenne und von mir niemer ze scheidenne? Eya, grundloses
t, daz da himelrich und ertlich erfüllet, neige dich hüt gnedek-
li zfi mir und versmahe nit din armen kreature! Herr, bin ich
I nit wirdig, so bin ich din aber notdürftig. Ach, zarter herr, bist
nit der, der himelrich und ertrich mit eime einigen worte ge-
lepbet hat? Herr, mit einem einigen worte macht du min siechen
e gesunt machen. Owe, zarter herr, tu mir nach diner gnade,
ih diner grundlosen erbermde, und nit nach minem verdienenne.
bist doch daz unschuldig osterlembli, daz hüt vür aller menschen
ide wirt geophert. Ach, siizes wolgesmackes himelbrot, daz da
30 s&zen smak in im hat nach iedez herzen begirde, mache hüt
tig in dir den türren munt miner sele; spise und trenke, sterke
1 ziere und vereine dich minneklich mit mir! Ach, Ewigü Wis-
t, nu kum hüte als krefteklich in min sele, daz du alle mine
nde vertribest, alle mine gebresten versmelzest und alle mine sünde
gebest. Erlühte min verstentnüsse mit dem Hechte dins waren
oben, enbrenne minen willen mit diner süzen minne, erklere min
Luisse mit diner vrölichen gegenwürtikeit, und gib allen minen
'ften tugent und volkomenheit. Bewar mich an minem tSde, daz
i dich oflfenbarlich werd niessende in ewiger selikeit. Amen.
1 8olt d. spr.] sprich F 4 dem w. AF 10 f. geschaffen F 15 geoph.
t K' da fthlt A^ 16 in im selbe E"^ 17 dir] mir AF 23 gehüg-
J8e E^F 24 mich gnedecliche F
3 f. Hohel 1,13, 11 f. Matth, 8,8, 15 f. Weüh. 16,20.
304 Bttchleiu der Ewigen Weisheit. Kap. XXIV.
XXIV. Kapitel.
Wie man got grundlosklich alle stunde loben sol.
Lauda aniraa mea (lominum^ laudabo dominum in
vita mea. Owe, got, wer git minem v^ollen herzen, daz es sin
begirde erfülle vor minem tode in dinem lobe? Wer git mir, daz
ich in niinen tagen gelobe wirdeklich den geminten hcrren, den min
sei da minnet? Ach, zarter herr, wan giengi als manig schönes ge
done von minem herzen, als raenig vrömder süzer 8eitens|»il ie
wart und als menig lob und graz ist, und du ellü nf gerichl wereu
hine vür dich in den himclsehen hof, daz von minem herzen ut i
trunge ein so wunneklichs ungehörtes lob, daz es den ogen diiies
herzen gevellig were und allem himelschen here vrödebere! Minnek-
lieber herre, bin ich dins lobes nit [128''] wirdig, so begert doch
min sele, daz der himel dich lobe, so er in siner aller wunnekliehsten
Schönheit mit der sunnen glaste und mit der liecbten Sternen unzal- 1
liehen mengi in siner hohen klarheit widerlühtet, und die schonen
beiden, so sü in sumcrlichcr wunne, in manigvaltiger geblümter ge-
zierde, nach ire naturlichen adel in lustlicher Schönheit widergicn-
zent, ach, und alle die süzen gedenke und inbrünstige begirde, die
kein rein minnendes herze ie nach dir gewan, so es in heiterlieher i
summerwunue dins inlülitenden geistes umbgeben waz.
Herr, so ich allein an diu hohes lop gedenke, so m6cliti min
herz in minem lip zerfliezen, mir vergent die gedenke, mir gebristet
Worte und ellü wise engat mir. Es lühtet neiswas in dem herzen,
daz nieman geworten kau, so ich dich, daz wiselose gut, lobenwil;2
wan gan ich in die aller schönsten kreature, in die höhsten geiste,
in du lutersten wesen, daz übergast du alles ansaglich, gan ich
denne in daz tief abgründe dines eigen gutes, herre, da verswindet
alles lop von kleinheit. Herre, so ich hü))8chü lebendü bilde, lutzelig
2 stunden K^ (> wird, gelobe K^ 10 von] U8 7*' 14 dich der
h. J'J' aller fehlt F 18 f. widerglenzet E^ 21 wunne E^ 25 didi
fehlt HZ
3 Ps, 145,1. 24t fi. Hör. 199: nam quoddam ineffabUe desideri^%
quod omnem naturae supergreditur facultatetn, te sumtnum bonum laudandi t*
me invent'Oy quod tarnen informe relinqui sua ex inpossibilitaU deploro, ^^
si te inielligKniiis seu inteUectuaUbus creaturis comparare voluero^ in infinOft*
te super gredi cunctas creaturas certistfime inrenio. 29 Har. 200: puickf^
apecies et ad vidcndum delectabiles habüesque ad amandutn.
Ilthlein der Ewigen Weisheit. Kflp. XXJV.
305
eatiiren an blike, so sprechent bü z& miuem herzen; „eya, Iftg, wie
■Itt lätzelig der ist, von dem wir gcÜossen ain, von dem ellü
äonbeit kumen iBt!" Ich durcbgan himel und ertrich, die weite
id äaz abgründ, wald und beiden, berg und tal: du scbrient ellü
Beut in miuii oren ein rilieh gedßne dins grundlosen lobeB. 80
. denne eihe, wie g:rund]oee Bchone und ordenlicb du ellü ding
Inest, beidii übel und gftt, so wird ich wortlos. Herre, sweune
aber gedenke, daz du daz lobücb gät, der bist, den min sele
I DBS erwellet, und den min sei ir selber allein hat us erkorn ze
em einigen geniinten liebe, owe, herr, st» mächte min beize von
e in im selben zerspringen.
Eya, zarter berr, nu sihe an die inneklichen begirde mins
zeu nnd miner sele und 1er mich dich loben, lere micfa, wie ich
i wirdeklieh gelobe, e daz ich von fainnan scheide, wan dar nach
rtet min sei in niinem libe.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Loptist du mich gerne?
Der diener: Owe, herre, wes reizest du mich? Du erkennest
ib elln herzen, du weist, daz min herze in minem übe »ich möi;bt
wandelen von rechter hegjrde, die ich dar nah han gehebt von
len kindlichen tagen.
Entwürt der Ew igen Wisbeit: Den verebten gezimt mich
litbenne.
Der diener: Owe, herre, eilö min gerehtkeit [129'] lit an
er grandiosen erbarmherzikeit. Minneklicher herre, nu lobent dich
h die frösehen in den graben, und raugent sii nit singen, so
ment sfi aber. Owe, zarter herre, ich weis und erkenne wol, wer
bin. herr, ich erkenne woi, daz ich billicher nmb mine sünde
i vieben denne dich loben; aber doch, dn grundloses gflt, ver-
ihe nit von mir ungcnemen wurme min girde diues Inbes. Herr,
dich nn Seraphin und Cberubin und du groz zai der hohen geisten
I lobent nach ire aller gr&sten vermugenne, waz mugen sü denne
1 kreatur Jil" 4 beide AKaE^l" 12 miniieklichen Fa IS wie)
EFB 17 owej ach £F 18 f, Terw. niöbte E' 21 am Sande David
^BZ 26 dem AFF'a 26 geiizent F gew&lzond F' roMeot H 21 f. solü
■ £• LiU. BÖlti AK 30 uiigel and gtisten F 31 loh. sUe Z idlem f*
21 pH. 32,1. Hör. 201 fägt Sii-aeh 16,9 hmiu. 23 f. Vgl. Aug., Conf.
■ 13: In px. 139 n. 18, 144 n. 11. 24 ff. Hör. l. c: nonne tt verm4» «t
1« imfaundac tx palrtdine gtnvratat ciaxitnnlts tn paludibv tt tuum crta-
II landar« eupiuKt prout sciuiU et po»iuitt¥
L B«ai*, QaniMbt Sduiricn. 20
306 Büchleiu der Ewigen Weisheit. Kap. XXIV.
vürbaz getfin gegen der loblosen ungemessen wirdekeit, denn di
aller minste kreatur? Herre, da stest aller kreatnr nnnotdürftig, abei
din grandiosen güti küset man so vil mer, so vil da dich unver
dienter gist.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swer mich wenet nad
wirdikeit volloben, der tfit, als der dem winde nach jagt and dei:
schatten ergriffen wil; and doch so ist dir and allen kreataren er-
15bet, mich ze lobenne nach allem vermagenne. Wan es enwart nie
kein kreatar so klein noch so groz, noch so gftt noch so bös^ uocb
enwirt niemer, eintweder si lobe mich, oder si erzöiget mich loblich;
und so si mir ieme vereinet ist, so ich ir ie loblicher bin^ und so
din lob ie glicher ist dem lobe der ewigen glorie, so es mir ie lob-
licher ist. Und daz lob ist so vil glicher, so vil es me von allen
kreataren nach inbildunge geledget ist und mit mir in rehtem an-
dacht vereinet ist. Es dönet baz in minen oren ein inrlichs
betrahten, denn ein lob allein von Worten, und ein herzklichs sufzen
erklinget baz, denn ein hohes rufen. Ein demiitigü Verworfenheit
sin selbs in rehter versmechte ander got und ellä menschen in eime
uüt wellen sin d6net vor mir ob all^n schönen klenken. Ich er-
schein vor minem vatter uf ertrich nie so löblich, als do ich stünt
an dem krüze aller totlicheste. Etlich lüte lobent mich allein mit
schönen Worten, aber ir herz ist verre von mir; und dez lobes achte
ich wenig. So lobent mich etlich wol, so es in nach wünsch gat,
aber wenne es inen übel beginnet gan, so verget daz lob ; und daz
lob ist mir ungenem. Aber daz ist ein werdes lob vor minen git-
liehen ogen, daz du mich mit herzen, mit werten und mit werken
als inneklichen lobest in leide als in liebe, in aller widerwertikeit.
als so es dir aller best get, wan denne meinest du mich nnd
nit dich.
1 gegen fehlt Aü 2 herre — kreat. fehlt F 3 f. unverdienet iT
6 loben KFF' 7 wil ergr. E^ 8 a. ir verm. AKa 9 enkein AK, ßU
EF 80 groz noch so klein E} 11 ieme mir E^ und so ich ir AKFF^
14 gelidgost Z'.' Ib am Jtande ^otsL BcmhaxHus F^ innekliches Jt'* 20 nie)
mit E 21 f. am Hände Ysaias EE'F'Z aUein fehlt AKa 23 am Mandt
Gregoriua EE'F^Z 24 beg. übel i'^ 25 daz] dis AKH
2 L. c: bonorum vicorum noti indiges (r^t. 1Ö,J2). 3 f. L. c: quaat»
magis .... graiiam gratis eo; sola liberalitate largiHs, 14 nach inbildung*
geledget = je vergeistigter und reiner von Sinnlichkeit es ist, 21 1 Is, 2iÜ^>*
23 ff. Greg. M., Moral, F, 71.
Bflchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIV.
307
Der dienen Herr, ich begeren nit lideue von dir, ich enwtl
i eokeiD [129'] nreach disen dingen ^eben; aber ich laze tuicli
»!ber on ze gründe nach begirde mins herzen dinem ewigen lobe,
da ich mich selber von mir selber nie reht konde gelazcn. Herr,
rerhnngtist du über mich. da/, ich der verBmehteßt mensch wurde,
Ata dis ertricb geleisten mag, herr, daz walte ich vou minnen dir
K lobe liden. Herr, ich ergibe mich htit an din guade, und daz
man mich des grösten mordes zige, daz ie kein mensch getet, swer
mich an sehe, daz der min antlüt versp&zeti: herr, daz w< ich dir
le lobe gern liden, echt ich vor dinen ögen unsehaldig stünde. Were
ich aber schuldig, ro w51t ich es aber liden diner wirdigen gerehti-
lieit ze lobe, der ere mir tusent etunt lieber ist denne min eigen ere,
Dud ff<e ze einer ieklichen versmechte dir ein sunderliches lob
geben, und w< mit dem Schacher an dem kruze sprechen: „herr,
id lide es billich, aber waz hattest du getanV Herre, gedenk an
mich in dinem riebe!" Und wöltist du mich ietzent von hinuan nemen,
Und es din lob were, ich enwolte nit hinder mich sehen umb
dekeinen ufscblag; aber ich begcrti des: und BÖlt ich als alt sin
witrilen als Matusalam, daz ein ieklich jar der langen zit und ein
ieklich wuche der jaren, ein iekliche tag dero wuchen, ein ieklieh
ständli der tagen und ein ieklicher ogetiblik der stündlin dich von
mir lobtin in als wünnekliebem lobe, als dich ie kein heilig gelobte
in dem waren widerglanze der heiligen, als unzallich, alse daz ge-
Bäppe ist in der Runnen schio, uud min gflten begirde volbreehtin,
^ ob ich es selber alles in zit hetti volbraht.
H Herr, des halb nini mich zu dir über kurz ald über lang, wan
mt\*i mins herzen girde. Herr, ich sprich noch me: und daz ich
ment von hinnan söltc scheiden, und din lop were, daz ich vänfzig
jir iu dem vegfür sölte brinnen, herr, ich neige mich iezent dinem
Ifibe under dine vüze und enphahe es willeklieh dir ze einem ewigen
lobe, Gesegnet si daz vegfür, in dem din lob an mir volbraht
*irt! Herr, du und nit ich, du bist daz selb selber, daz ich da mein,
akeiai'T" 4 von] vor .4 Xa 8 zihe i,' 9 verapöizet K 9 f. gern
1. AKa dir. g. xe 1. EFF'H 15 [es] liiUich, waz du wilt F 16 iez F
17 wolti EF IS begeren F' 19 f. jar — a. e. ieklich fehlt AK
. Uk und e. i. sttadli AKaF 24 ist fehlt h> girde AK
it nllea AKE'H 38 f. in dem r. 8. l.r. fünfzcK j. E' 30 dir fehlt AF
I holocauxtum voliin
Vgl. Ps. 109,3.
308 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XXIV.
daz ich da rainne, daz ich da sflche, and nit ich. Herr, da weis
ellü ding und erkennest ell6 herzen, du weist, daz mir yesteklich Z4
sinne ist: und wnsti ich dennoch, daz ich in deme gründe der hell<
iemer s<e sin, swie we minem eilenden herzen teti da berSbaogi
[130'] diner wunneklichen besch6wde, so enwölte ich dir dar umbe
nit ab brechen. Und möcht ich aller menschen verlomü zit her
wider bringen, ir missetat gebesseren und alle die unere, du dir ie
widervfir, volleklich mit lob und ere ersetzen, daz wölte ich willek-
liche t&n ; und were es dennoch muglich, so müsti von dem nidersten
gründe der helle ein schönes lob uf brechen von mir, daz dnrcb-i
trunge helle, ertrich, luft und alle himel, unz es keme vär din güt-
liches antlüt. Aber, wan daz unmuglich were, sich, so w61t ich
dich hie deste me loben, daz ich mich din doch hie dest me
genieti.
Herr, t& mir, diner armen kreaturen, daz din lob ist; wini
gange, wie es welle, din lob wil ich sprechen, die wile ein etenlin
in minem munde ist. Und so ich die spräche gelege^ so beger ich,
daz ein ufbieten mines vingers si ein besteten und ein beschliesseo
alles des lobes, daz ich dir ie gesprach; und dennoh, wenne nuD
lip verpulvert wirt, so begere ich, daz von einem ieklichen pülverlin fl
ein grundloses lob uf tringe dur den herten stein, dar alle bim^l
hin vür din götliches antläte untz an den jüngsten tag, daz sieb lib
und sele wider gesamnet in dinero lobe.
Entwürt der Ewigen Wisheit: In diser begirde bisstetc
unz in den tod, daz ist mir ein liepliches lop. 91
Der dienen Ach, minneklicher herr, sider du nu gerftclwt
von mir armen sündigen menschen lobes, so beger ich, daz du micb
bewisest diser dingen : herr, ist daz uzzer lob, daz man mit worteD
und gesange tut, icht vürderlich?
2 daz mir daz E^F^ 2 f. ze sinnen AKZ 4 eil.] minnenden ^
berobunge A 5 dir fehlt AF 11 himle AK 12 wan aber E^ 18 derte
— hie fehlt F loben] leben A doch din E^F"^ 14 genieteti ii*i^
20 einem fehlt E^Z 26 f. gerächest nach lobes E^
3 ff. Hör. 203: si^ quod absU, voluntaiis iuae beneplacitum $t laudüprüi-
conium in hoc contiisieret, quod anima a corpore exuta aut ignem purgatof^
aut certe inferni supplicium in poenam suorum criminum recipere debeni, «*W
de laude domini mei veÜem diminuere. 9 X. c: supposüo per impott^
quod in infernOj uhi tuae laudis nulla est confessio, anima mea . . . esttt ^
Sita etc, 11 L. c. ; cum tnrtus loquendi mortis hora defecerit, 19i^^'
guando corpus meum fuen't in puiveres minutissimos redactum et lapidi d«Mt^
Büchlein der Ewigen WeiaLeit. Kap. XXIV. 309
Entw&rt der Ewigen Wisheit: Es iat wol viirderlicli,
snnderlich, als vil es den inren menachen gereizen mag, der vil
I da von gereizet wii-t, und sunderlicfa an anvabenden menRchen,
• Der diener: Zarter hene, so han ich och alles ein belachen
pir, Bider man gern in Kit an valiet, daz man in ewikeit ttiben
d&z ich eiti emziges loben in mir gewunne, und daz daz niemer
ala ein ögenblik underzogen wurde. Herre, ich haa dik ge-
shen von des selben begirdc: „owe, himel, wes ilest du? Wie
du 80 baide! Ich be^er; stand in disem päntün stille, udz daz
linen einigen iizerwelten zarten herren durlobe nach mins herzen
Herr, so ich etwenne ein kleines wili bin gesin, daz ich
■az in gegenwürtifrem inker dines lobes, und so ich zfl mir
kam, Ko sprach ich: „owe, herr, es eint fusent jar, daz ich
nen geminten nie gedachte!" Eya nu, minneklicher herre,
ir mich, als vil es ranglieh ist, die wile der lip nob [130''] bi
i! ist, daz ich ein stetes ungenenktes lob gewunne.
Entwürt der Ewigen Wisheit: Swer mich in allen dingen
und sich vor sünden hütet und sich tugenden äizet, der lobet
ze allen ziten, Aber doch, «an du dem höhsten lob nach
so hör noch naher. Dit sele gelichet sich ainer liebten flnni-
80 du enkeinen anhang hat, so wirt si gar lihte von ir
lieben beweglicbeit in die h6hl gegen dem hiniele hob uf ge-
[; swenn si aber iit geladen ist, so siget si nidcr, Ze glicher
«n gelftterter raöt von gebresilicher awarbeit wirt als von sinem
ichem adel von lichter bilfe geistlicher betrachtuuge in himel-
ding uf erhebt; und dar umb. swenne daz bescbihet, daz ein
aller liplicber begirde wirt geledget und in stilleheit wirt
t, daz ellil sin meinnuge dem unwandelberen gilte ungescheiden-
ce allen ziten an klebt, — der volbringet min lob ze allen ziten.
in der Interkeit, als vil man es gewürten mag, so wirt mensch-
et geru /Ml F 8 Wie] wes ÄK 11 wili] stiindeli F 16 [m]
um Runde In collBtiouibus pfttnim EE^F'Z noch fehlt £*
mwedem Ä 23 f. uf gefloget E' 23 ist] wirt AEE'K 29 der
- aiO,3 wttrket f«}iU F
ll ff. Vgl. Thomas, S. Th. 3^ q. &5 a, 13. Bf. Hör. SiH: o prim mnbiUi
PMlomnMiu, quid /«slinaaf Cur tarn vttoi-iltr ptrlraniiialf Quam ob r im
fptra»9 Ohtccro te, hoe (fuod tet iwipotsibile fac pogsibile tt sla paaliniier!
t agel 20—28 Coli. IX, 4, mich bd Kckharl ä6V,9 ff. fiffriüi«,
: Coli. IX, IL
310 Büchlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIV.
icher 8in als gar versöffet und von irdenscheit ze einer geistlichei
und engelschlicfaen glieheit verbildet; waz der mensch von u8seE
in enphahet, waz er tut, waz er wirket, er esse, er trinke, ei
schlaffe, er wache, daz ist nit anders denne daz aller luterste lop.
Der diener: Ach, zarter herre miner, wel ein reht süsflülere
dis ist! Minneklichü Wisheit, so wnrde ich als reht gern noch vier
dinge von dir bewiset. Daz ein ist: herr, wa vinde ich die meisten
Ursache dich ze lobenne?
Entwürt der Ewigen Wisheit; In dem ersten Ursprünge
alles gutes, und dar nach in den usfliezenden r&nsen.
Der diener: Herre, der Ursprung ist mir ze hohe und it
unbekant; da sülnt dich loben die hohen zederb5me uf dem lyban
der bimelschen geisten und engelschlichen gemuten. Und doch so
wil ich als ein ruhe tistel 5ch hin vür tringen mit lobe, dar nmbe,
daz sü von einem anschowenne miner begirde volendens unmngent-
heit werden ermant ire hohen wirdekeit, daz si in ire lutere klar-
heit geraisset werden, dich inneklich ze lobenne, also daz der goch
der nachtgal ursach gebe eins wunklichen gesanges. Aber der uswal
diner güti ist mir ze frumen ze lobenne. Herr, so ich mich recht
hinderdenke, wer ich waz, wa vor und wie dicke du [131'] mich
behütet hast, us welen vreisinen, von welen banden, von welen^triken
du mich geledget hast, ach, ewiges gut, daz min herze alles sament
nit zerfiüzet in dime lobe! Herr, wie lange hast du mir gebeitet,
wie vrüntlich hast du mich enphangen, wie süzklich hast da mich
dik verborgenlicb vürkomen, inrlich ermant! Swie undankber ich
hier inne ie wart, do lieze du doch nie abe, unz daz du mich z^
dir hast gezogen. Sol ich dich hier umb nit loben? Ja gewerlich.
2 waz] wan AE^ 3 in fehU E^ 6 dis] daz AK 7 ein] errt F
10 flieasenden EFH 11 herre fMt AKa 13 geisten fehU E U her
vur AF 15 des vollendens FF^ ervollens Z 21 ns] von FF^ Tffisea
AKa striten A 22 f. nit a. sament E^ 23 zeflüsset A 26 lieze idi
doch AF nie] nit EF
9 f. U(»\ 205: in contetnplatione iUius siimmae ac divinissimae et fufff'
excdlentissimae maiestatis^ in qua sicut in suo fontali principio omnia 6om
simplicissime ac uniformiter ab aeterno continentur ; deinde in rivulis bonoruM
pariicularium ab illo summo bono proflueivtium^ quae diversimode a creaiuri
participantur aecundum phis et minus, prout ea causa causarum dignatur si*
(julis communicare. Vgl. Thomas^ S. c, Gent. 2^2, 12 Hör, Lc: hoc ctdr
Libanij videUcet fortioribus relinquo.
BücUeiu der Ewifc'BD Weisheit. Knp. XXIV. 311
herre! Min zarter herre, ich beger, ilaz hier iimhe ein riliches lol»
rar dinen 5geu uf trioge Dach dem grozeii vr&denrielien lobe, als
die engel hatten in dem ersten anbilk, (lo sii gchoweten ii- beatati-
deoheit pnd der andern Verworfenheit, und in der vrüde, so die
eilenden seien hein, so sü koment von dem kercher dez grimmen
(Utes hin Wir dich und din vrölichs mtnuekiicbes antlüte dez ersten
m blicUent, und in dem grundlosem lobe, daz in dien himelschen
gaseen uf brichet nach der jüngsten urteil, so die nzerwelten vnn
dien bi'iBen in iemer wemder sieberbeit gescheiden werdeut.
Herr, eins, daz ieb och beger ze wissenne von dinem lobe,
dai ist, wie alles min uatürlichs gQt in din ewiges lob von mir ge-
werde.
Entwürtder Ewigen Wisheit: Wan nieman in zit dekeinen
tigenüchen underscheit nach kuntlichem wissenne under natur mid
gnad haben mag, dar umbe, es si von natnre, es si von gnaden, so
lit lülzeliges, üt vrölichea oder hügliehea in dinem möte oder übe
nfstet, so hab einen gesiviuden ker mit einem uftragcnne in got,
daz. es in minera lobe verzerret werde, wan ich ein herr der nuture
und der ^nade bin; nnd alsus so wirt dir ietzeot natnr Übernatur.
Der dienen Herre, wie gezübe ich denne öch der bßeen
Wien inbildunge in din ewiges lob?
twürt der Ewigen Wisheit: Da sprich in des bösen
fiites iügeleze also: „berre, als dicke diser b6ser geist oder kein
idre Eogetan pngeneme gedenke in mich sendent wider minen willen,
ilike si dir mit verdachtem willen daz aller gchfinste lop an siuer
Li nie] ila EI-' 6 vegfüres Ah'a 7 hiinelecliea graudl. I. AKa dteu]
AF 16 oder [6tj vröl. AKaE Üinein] dum AKa oder an dinem
£• l^tofdiUAEF 20 gesien .IKii.'ff a4 anderen i," sendet ^i-'a
1 ff. Hör. 21/6: opin et desidero, at laU's lamque iocunda laudatio «tl tibi
rW mt, quaiin fmt bwtorum »pirüuum laMs lunc, cwa in pritno aspectu tuae
iictnitinmae mattalatis gamlehanl st acternaliter in tua laude confinnatog, malia
ffro II u eine fine detruan». 2.4.7 Sinn: ähnlich dem Lobe and dtr Fi-eude.
11 f. i,. <■,: qualiter affeclinata inlerdum in mt exurgmtcs, dt qiiibus dubito
nalin'alt$ gint an gratititnt, in laudcm tuani pontim eonvtrlere.
f. Zicixchm Afftkttn dtr Natur und der Gnade. 16 ff. Hör. S07 :
g?it* ei irrii/uas affectiwt» »lalim al nenstrin debt» dei-ota qiiadam ex-
t mrsum ad rerum omniai» auctorem trigere ad modiim acctptabiii»
>', .... ft sie gratiae talts, qua* ul nie sunt naluraie» nee mtritoriae,
luo quodammodo possunt fieri supernaturaUf, iit at meritoriat. Zi*
f. vgl. oben 2^'3,ä0 f. 20 f. /- t.,- imminsime« maliguae, blaaphemae
ttionta {ingelöte).
312 Büchlein der Ewigen Weisheit Kap. XXIV.
stat von mir uf gesendet in iemer wernder ewikeit, in dem die
der selb bös geist in iemer werender ewikeit heitti gelobet, ob e
bestanden were, daz ich siner vertribenbeit ein värweser si in dinen
lobe ; und als dik er daz ungeschaffen b&s gerune in sendet, als dili
si dir daz gut uf gesendet. '^
Der diener: Herr, ich sitae nn, daz dien guten ellü ding
koment ze gute, so inen daz aller böste dez bösen geistes also u
gfit mag gekeret [131^] werden.
Nu sag mir noch eins: ach, minneklicher herre, wie gekere
ich denne alles daz in din lop, daz ich gesih oder gehöre?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Als dik du kein groz zal
sihest, als dik du kein nsgenomen schöni oder mengi an blickest,
als dik sprich von gründe dins herzen: „berr, als dicke und als
schone müzen dich hütte die tnsent stnnt tusent engelschlicher geisten
die dir dienent, minneklich an miner stat gr&zen^ und die zehen
tusent stunt hundert tusent der geiste, die vor dir stand» dich bit
v6r mich loben und alle heilig begirde aller heiligen vür mich
begeren, und aller kreaturen wünklichü Schönheit vür mich eren.*
Der diener: Wafen, minneklicher got, wie hast du mineo
mfit ergrünet und ergrüzet mit dinem lobe!
Herre, aber dis zitlichs lob hat min herze ermant, es hatmio
scle versenet, eya, nach dem ewigen iemer werenden lobe! Owe,
min uzerweltü Wisheit, wenn sol der liecbte tag uf gan, wenne sol
du vrölich stunde komen eins volkomen bereiten hinscheidennes von
disem eilende hin zu minem geminten, owe, daz ich dich lieplich
schowe und lobe? Herr, gewerlich, mir beginnet als ser eilenden,
mich beginnet als inneklichen belangen nach mins einigen herzen
wünne. Owe, wenne sol ich iemer da hin komen? Wie lenget es
sich, wie spetet es sich, daz ich mins herzen ögenweide von antlot
ze antlüt an sehe, und mich din nach alles mins herzen lust genietel
Ach eilend, wie bist du so eilend einem menschen, der sich in der
warheit haltet eilende! Herr, Ifig, es ist Ifitzel ieman uf ertriebe, er
habe etwen, den er süchCj er habe etwas niderlazes, da sin vüz ein
3 si e. vürw. EF 7 f. mag ze g. gek. w. E^ gek, mag w. AK 14 der
engelschlichen ^. Z 16 der fehlt K^ 21 aber herre E^ 26 gew. herre f^
27 f. raina herzen einigen w. E^ herzen] herren F 33 söchet F
3 bestanden, nämlich bei der Prüfung, 4 Hör. l, c: nefanda ^'
siirria immissa. 6 Rom. 8,28, Uff. Vgl, Dan. 7 ,10, 24 f. Vgl.Bö»-
7,24:: Phil l,Ü3 (Hör, 208). 28 f. Vgl, Ps, 119,0.
Bächlein der Ewigen Weisheit. Kap. XXIV. 313
will gerfiwe; owe, min einiges ein, daz min sei da sAehet und be-
geret, so weist da, daz ich der ein bin, der dir allein gelazzen ist.
Herr, swaz ich sihe und höre, da ich dich nit vinde, daz ist mir ein
nirter, aller menschen bisin, denne dor dich, ist mir ein bitterkeit.
Herre, waz sol mich ermüten, oder waz sei mich uf enthalten?
Entwürt der Ewigen Wisheit: Da solt du dich dik ergan
in disen schönen wänneklichen böngarten mins geblümten lobes. Es
ist in zit nit eigenlichers vorspilcs himelscher wonunge, denne die
got in wolgemüter vröde lobent; es enist nut, daz einem menschen
also erluphe sinen mfit und erlichtere sin liden, daz die bösen geiste
Tertribe, daz swarmutkeit verswende, als vrölich lop. Got der ist
inen [132^] nahe bi, die engel sint in heinlich, sä sint in selber
n&tze; es gebessert den nehsten und erfröwet die seien, alles
himelsches her wirt von dem wolgemftten lobe geeret.
Der diener: Minneklicher herr, min zartü Ewigü Wisheit,
ich beger, swenne minü ogen dez morgens erst uf gant, daz och
min herz uf gange, und von ime uf breche ein ufflammendü vürinü
minnevackel dins lobes mit der lieplichesten minne des minnendcsten
herzen, daz in zit ist, nach der hitzigosten minne des höhsten geistes
von Seraphin in ewikeit, und der grundlosen minne, als du, himel-
scher vatter, din gemintes kint minnest in der usblikenden minii(3
fiwer beider geistes, und daz lob als suzklich erklinge in dinem
vatterlichen herzen, als in zit in siner achte kein süz gedöne aller
minneklichen seiteuspil in keinem vrien gemüt ie gedonde, und in
der minnevackel uf tringe ein als suzer smak des lobes, als es
nsgenomenlich von allen edlen krutern und würzen und allen apo-
tekan aller lugenden in ir hohsten luterkeit zesamen pülverlich
ger6chet weri, und sin anblik als schone in gnaden geblümet si, daz
Die kein meie in siner wünneklichen blöst so schon geblümet wart,
3 dich] din EF 4 daz ist KFH 8 am Rande In collationibus pa-
trom EE^F*HZ 9 ist FF^Z 10 lihtre K^ am Rande abba« arithoiiiuH
^E^F-HZ 21 nsciingenden F 27 zesumne A 28 i^erochet E \v»rin
^EE^ FF^Z
8ff. CoU. A', 6. lOf. Vgl Vita h. Anionii c. S u. U (Mignt, Patr. Lnt.
*Sj3:^i. 20 ff. Hör. 209: ad exemplar niliilominv^ illius MUperfuh/ftantinliM ft
^MptrtsstfUialis ac ineffabilis caritntix, vi fjwi tu. o jtoUr codeKtiM. ferKf.ntiftniuu-
iiligif tuum unigenitum in Spiritu fnw:to. 2511. L.f-.: odorif'tra fumi vir-
ida tarn graciota, ac si esset composita * r omnihu^ nromatihus myrrliac et
\uris et nnittrsi jmlreris pigmentnrii.
314 Büchlein der Ewigen Weisheit. IIL Teü.
daz 68 dinen götlichen 5gen nnd allem himelschen here werde ei
lustliches ansehen; und beger, daz da minnevackel ze allen zite
inbrünstklich uf schlahe in allem minem gebette, nz dem mand(
in dem gesange, an gedenken^ worten und werken, daz si alle min
viende verjage, alle mine gebresten verswende, gnade erbitte uq
ein heiliges ende erwerbe, daz ein ende dises zitlichen lobes si ei
anvang des iemer werenden ewigen lobes. Amen.
Daz dritte teil
hat die hundert betrachtunge und begernnge mit kurzen worteo^
als man sü alle tag mit andacht sprechen sol.
Swer begert, kurzlich, eigenlich und begirlich kunnen be-
trachten nah dem minneklichen lideune unsers herren Jesu Cristi,
an dem alles unser heil lit, und sinem manigvaltigen lidenne begert
dankber sin, der sol dis hundert betrahtunge, die hie nach usgenomen-
lich stant, sunder nach den sinnen, die in den kurzen worten sint
begriffen, usnan lernen und andechtklich mit hundert venjen, oder
wie es im aller best vflget, alle tag übergan, und ze ieder venjeein
Pater noster sprechen, [132 ^J oder ein Salve regina oder aber ein
Ave Maria, da es unser vrowen an gehört. Wan also wurden sü
einem bredier von gotte ze einer zit, do er noch metti vor einem
kruzifixus stiünt und gotte inneklichen klagte, daz er nit konde be-
trachten nach siner marter und daz si im so bitter ze betracbtenne
waz; wan dar an hatte er och bis an die stunde grozen gebresten
gehebt, und der wart do abe geleit. Die begerunge leite er von im
selben dar nach hin zu in der kürzi, dar umbe daz ieder menscb
im selber ursach vinde ze begerenne, als er denne gemöt ist
1 f. ans. werde E^ 0 f. ein anv. si A* 9 hat] sint JC^ daz hal
AKaZ die] hie Z und heg, fehlt F' 10 sol] mag JP* 11 eig.
kurzlich K^ 15 f. begr. sint K^ 16 and. sprechen F 17 vüget] kuinel i*
ze feldt AK 19 an höret t? 22 f. waz ze betracht. E^
19 Wenn sich diu Betracht utigspunkte auf Maria beziehm,
20 ff. VgL Prolog des Bdeic, Die meisten der hundert Betrachtungen xiiu
schon im trsien Teile des Büchleins rorgc kommen. In das Horologium «i*
sie der Kurze halber (vgl, ebd. 12) nicht aufgenommen.
Die hundert Bei räch tuDgen.
315-
1. Eya, Ewigii Wisheit, min herffl eimanet rlieh, als du
nah dem jiingsteo nacfatmale uf denic berge voii aiigsten dines zarten
heraen wurd hinvliezende von dem blutigen aweize,
II. Und als du wurde vientlich gevangeii, strenklicb gebun-
fiden and ellendklich verfüret;
ni. Herre, als du wurde in der naclit mit herten streichen,
mit verHp6izenne und verbiudenne diner scheuen 5gen lasterlich ge-
handelt,
IV. Früje vor Caypbas versprochen und in den t5d vür
Wschnldig ergeben,
V. Von diner sarten mftter mit grundlosem herzleide an ge-
seiien.
VI. Du wurd vor I'ylato schamlich gestellet, valschlicb ge-
riget, tÖtlich verdiimpnet,
Vli. Du, Ewigü Wisheit, wurd vor Herodes in wissen kleidcru'
lui'iich verspottet,
VIII. Üin schöner Up wart so gar leitlich von dien ungezognen
geiselsch legen zerfüret iiud zerniüstet,
!X. Din zartes höpt mit spitzigen dornen dnrstochen, da voH'
^din minneklichs antliite mit biftt waz verrannen,
X. Du wurd also verteilet ellendklich und schamlich mit
ditiem kru^e us in den tot gefüret.
Ach, min einigü zfiversiht, dez siest du ermanet, daz da mir
>litlerlich ze hilf körnest in allen minen n6ten. Enbinde mich vou'
*i Diiaen süntlichen sweren banden, behüt mich vor heinlichen sünden
und offenbarem laster. Beschirme micli vor dez viendes valBchen>
reten und vor ursach aller sünden; gib mir diiis lidcns und diner
zarten möter leides ein herzklichs enphinden. Herr, ribte ab mir
'n rainer jüngsten hinvart erbarm herzklich, lere mich weltlich ere
^'ersmaben und dir dienen wislich. Alle mine gebresten werden in
Jinen wunden verheilet, min bescheidenheit in dem sere dins höptea
''IT aller anvechtunge gesterket und [133'] gezieret, und alles din
'iden nach mineni vermugenne von mir ervolget.
1 ff. DU Zahlen von l
Konttxl Fa, fehlen F^F\
riehiig. 1 ilicb hftte E*
16 Uü EH 20 aUea wu .
wülieit ond kÖt. F 27 aüuiie K'F'
fecht. »päUr weiAe.tingtfügt A
er an hü Schluea rot am Rande AKEE'HZ, im
n A ißt die VeHtilung der Zißerii nicht immtr
2 zarten fehlt E' 6 inrent der n. wurde i"'
32 uagefSeret in d. t, E' 33 min ewigü
30 wiBlich dit^Q
316 Büchlein der Evrigen Weisheit, m. Teil.
I. Minneklicher herre, als an dem hoben aste des krazes
dinü klaren ogen erlaschen und wurden verkeret,
IL Dinü götlichü oren wurden spottes und lasters erfüllet^
HI. Din edels riechen verwandelt mit bösem smake,
IV. Din suzer munt mit bitterem trank, 6
V. Din zartü berürde mit herten schlegen:
Also beger ich, daz du hüt minA 5gen behütest vor verlazner
gesiht, minü oren vor üppiger gehörde. Herr, benim mir smakbafti
liplicher dingen, mache mir unlustig ellü zitlichü ding und benime
mir Zartheit mins eigen libes. 10
I. Zarter berr, als din götliches höbet waz von sere and
•Ungemach geneiget,
II. Din gemeitü kele vil ungezogenliche gestreichet,
III. Din reines antlüte mit Speichel und blflt gar verrnnDeiif
IV. Diu lutrü varwe erbleichet, 18
V. Ellü din schönü gestalt ertodet:
Also gib mir, min herr, liplich ungemach minnen und alle
min räw in dir suchen, vrömdes übel willeklich liden, versmecht
begeren, minen begirden erbleichen und allen minen glüsten er-
töden.
I. Minneklicher herre, als din rechtü band ward durnegelt,
II. Din lingü band durschlagen,
III. Din rechter arm zerspannen
IV. Und din lingger ser zerdennet
V. Din rehter vüz durgraben
VI. Und din linger grülich durchhowen;
VII. Du hangetest in ungewalt
VIII. Und in grozer müdi diner götlichen bein,
IX. Ellü dinü zarten lider wurden unbeweglich gephrenget
an den engen notstal dez krüzes,
X. Din lip waz von dem hitzigem blute an menger stat
berunnen :
Ach, minneklicher herre, also beger ich, daz ich in lieb und in
leide unbeweglich zfi dir werde genegelt, alles min vermugen libes
1 aste] jral<^eii F 4 waz rerw. F 11 f. waz geneiget £* 14 be-
mnneu E' 29 gelider AKaFF^ 31 dem feMt EF 32 vemmnen
AKaKF 34 iimbewefirlich A
Die hundert Betrachtungen. 317
und sele an din kr&z zerspennet, min vemunfi and min begirde zfi
dir geheftet. Gib mir unmugentheit liplich vr6de ze volbringenne^
Bnellbeit din lob und ere ze sfichenne. Ich beger, daz kein gelid
sie an minem libe, es habe dines todes ein sanderliches tragen und
\ dines lidens gelicheit ein minneklichs erzöigen.
I. Zarter herre^ din blujender lip hatte an dem kräze ein.
darben and ein dorren,
II. Din raude zarte ragge an dem rahen kräze ein hertes
leneD,
^ III. Din swere lip ein nidersigen,
IV. Alle din lip waz durwunt and durseret,
V. Herr, und daz alles trftg din herz minneklich.
Herre, din darben si mir ein ewiges widergrunen, din hertes
lenen ein geistliches r&wen, din nidersigen ein kreftiges nfenthalten ;
^68 din ser müsse daz mine senften and din minneriches herze
daz mine inbrAnstklich enzünden.
[ISS""] L Minneklicher herre, in der t&tlichen not wart din.
gespottet mit spehen werten,
IL Mit spotlicher geberde,
III. Und wurde gar vernichtet in ire herzen;
IV. Du stünde hier inne vestekliche,
V. Und bete dinen lieben vatter über sü minneklich;
VI. Du anschuldiges lembli wurd zft den verschulten gelichet,
VII. Von deme linggen verdümet,
VIII. Von dem rechten an gerüflFet;
IX. Du vergebe ime alle sine sünde,
X. Und tete im uf daz himelsche paradys.
Nu lere, geminter herr, dinen diener ellü spechü wort, spotlich
?eberde and alles vernichten vesteklich dar dich liden, und alle
^iue widersachen minneklich gegen dir entschuldigen. Ach, grund-
osü miltekeit, ich bäte hüte dinen unschuldigen tot vür du ogen
lez himelschen vatters vür min verschultes leben. Herr, ich rufe
ft dir mit dem Schacher: „gedenke, gedenk min in dinem rieh!"
erdume mich nit umb mine missetat, vergibe mir alle mine sünde,
[ mir nf din himelsches paradys.
2 [ze] volb. £' 3 sneUekeit ÄKal? lid K' 4 an m. 1. sie A.
iürren Z 23 schuldigen AKF'a 31 liüte fthlt /•;» 36 din] daz !>'
:318 Büchlein der Ewigen Weisheit m. TeiL
I. Zarter herr, an der stände wurde du durch mich vo
allen menschen gelassen,
II. Dine vründe hatten sich diu verzigen,
III. Du stund nackent und aller ere und kleider ber6bet,
IV. Din kraft erschein do sigelos;
V. Sü handleten dich unerbermklich, und du litte es alles
•stille und senftm&tklich.
VI. Ach, dins milten herzen, do du diner zarten mftter herz-
.leid allein ze grnnd erkandest,
VII. Ire seneden geberde an sehde,
VIII. Und irü kleglichü wort hortest,
IX. Und in der tötlichen schidunge si beveld dinem junger
in müterlich trüwe,
X. Und den junger ir in kintlich trüwe!
Eya, zartes exemplar aller tugenden, benim mir aller menscbeo
schedJich minne, aller vründe ungeordnet trüwe. Enblös mich von
aller unlidekeit, gip mir vestikeit gegen allen bösen geisten and
senftmütkeit gegen allen ungestümen menschen. Milter herre, gip
mir dinen bittem tot in den grünt mines herzen, in min gebet und
in erzöigunge der werke. Owe, zarter minneklicher herre, ich be-
vilhe mich hütte in die stete trüwe und hüte diner zarten reinen
müter und dines lieben geminten junger,
Salve regina oder Ave Maria.
I. Eya, reinü zartü müter, ich ermanen dich hütte de2
grundlosen herzleides, daz du enphienge in dem ersten anblik, de
du din liebes kint also sehde uf erhenkt in sterbender not stan.
II. Du enmochtest im do nit ze hilf komen,
III. Du hattest dines kindes ertötere ein pinlichs ansehen,
IV. Du klagtest in vil jemerlich,
V. Und er tröste dich gar [134'] gütlich.
VI. Sinü gutlichü wort durwunten din herz,
VII. Din kleglichü geberde erweichte du herten herzen,
VIII. Diu müterlichen hende und arme hatten ein eilendes ui
bieten,
IX. Aber din kranke lip ein kraftloses nidersigen,
4 kleider u. ere J^? 12 bevelh aKF d. geminten jnnger F 15 a
ter Aa 17 imledikeit Aa 20 [in] ir erz. Z 26 Uebes fehU A 28 <
todeii J'J ersterben « 31 durwüt^n F
Die hundert Betrachtungen. 319
X. Din zarter mnnt sines abgerannen bifites ein minnek-
liches küssen.
Eja na, ein mftter aller gnaden, behüte mich müterlich in
allem minem lebenne, bewar mich gnedklich an minem tode. Owe,
zarti 7röW; sihe, daz ist du stände, umb die ich beger alle niine
tage din diener ze sine, daz ist dfi grülich stunde, ab der herze
und sei erschriket; denn so ist us bitten und rufen, denne so en-
nreis .ich, zfi weme ich arme mensch keren sol. Eja dar umb,
In grandioses abgrunde der götlichen erbarmherzikeit, so valle ich
lir hotte ze vftze mit inneklicben süfzen mines herzen, daz ich
denne wirdig werde diner vrölichen gegenwürtikeit. Wie mag der
«rerzagen, oder waz mag dem geschaden, den du, reinü mfiter, wilt
behüten ?
Ach, einige trost, beschirme mich denne vor der bSsen geisten
jemerlichem anblicke, bis mir beholfen und behüt mich vor den
rientlichen henden. Min eilendes sfifzen werde von dir getröstet,
min t6tlichu kraftlos! von dien ögen diner erbermde gutlich an ge-
sehen, dine muten hende werden mir denne gebotten, mine ellend&
wie von dir enphangen und mit dinem rosvarwen antlüt vür den
hohen richter gefüret und in ewiger selikeit bestetet.
I. 0 du gemintes wolgevallen dez himelschen vatters, wie
du an der stunde an dem krüze zft allen dem ussereu smerzen dez
bitteren todes och von innen genzklichen wurde von aller süzikeit
ond tröste gelazen!
II. Du hattest ze dinem vatter ein eilendes rüffeu,
III. Dines willen mit dem sinen ein ganzes vereinen;
IV. Herr, dich turste von rechter türri liplich,
V. Dich turste von grozer minne geistlich,
VI. Du wurde bitterliche getrenket,
VII. Und do es alles volbracht waz, do Sprech du: Consum-
natum est!
VIII. Du werd dinem geminten vatter gehorsam unz in den tot,
XI. Du bevelhde dineu geist in sine vetterlichen hende,
X. Und do verschied din edlü sele von dinem götlichen Übe.
7 f. weis Z 10 inneklicheiu KFcc 14 einige] ewige AKaKF^ denne
hlt F 22 den uss. sm. AF 32 werc A
21 Vgl. Matih. 17,5.
320 Büchlein der Ewigen Weisheit HI. Teil.
Ach, minneklicher herr, in der miDne beger ich, daz da mir
in allem lidenne milteklieh bi sist^ daz du dinü vetterlichu oren ze
minem rufenne ze allen ziten uf scbliezest^ und mir mit dir eineo
vereinten willen in allen dingen gebest. Herr, erlösche in mir allen
turst liplicher dinge, mache mich durstig nah [134^] geisÜicbeQ
dingen. Zarter herr, din bitters trank müsse alle mine widerwerti-
keit in süzikeit verkeren. Gip mir, daz ich in rechten sinnen und
guten werken stet bis an den töd belibe und usser diner gehorsam!
niemer getrette.
Kwigu Wisheit, min geist si hüt in dine hende ergeben, daz l(
er an sinem jüngsten hinscheidenne von dir vrölich werd enphangeo.
Herr, gip mir ein leben, daz dir gevelJig si, einen tod, der
wol bereit si, ein ende, daz von dir gesichert si. Herr, din bittere
t5d ersch&zze minü kieinu werk, daz an der stunde schuld und büze
genzklich ab geleit si. H
I. Ach herr, gedenke, wie daz scharphe sper durch din git-
lieben siten wart gestochen,
IL Wie daz rosvarw kostber blüt dar us trang,
III. Wie daz lebende wusser dar us ran,
IV. Owe, herr, und wie sure du mich hast erarnet,
V. Und wie vrilich du mich hast erlöset!
Minneklicher heiTC, din tieflFü wunde behüte mich vor allen
minen vienden, din lebendes wasser reine mich von allen minen
Sünden, dins rösvarwes blfit ziere mich mit allen gnaden und tagen-
den. Zarter herre, din sures erarnen binde dich zft mir, din vrilichea M
erlosen verein mich eweklich mit dir.
I. Ach, uzerwclter trost aller sünder, süzü küngin, bis hüt
ermant, do du under dem krüz stund und din kint waz verscheiden
und also tote vor dir hanget: wie hattest du do so menig eilendes
ufsehen, 31
II. Wie müterlichen sin arme von dir wurden enphangen,
III. Mit welen trüwen an din blfitvarwes antlüt getmcket,
7 daz ich fehU AZ 10 gegeben AFF^ 13 bereitet A 20 hen
fthli F und fehlt Z erarnet hast Aa 26 dich ew. m. mir £*
1 In der von Christus in seinem Leiden erzeigten Minne* 14 Vgl
Kap. 14 gegen Schluss (2ö7j27 ff.).
Die hundert Bi'trachtu!i(,'eii. 321
vrischen wunden, ain tätlich anlliite vod dir dur-
V. Wie in^nig totwunden din herze do enphieng,
VI. Wie menitjen inncklieheii gnindlnseii siifzen dn lieze,
VII. Wie mengen bitterlichen eilenden Irchen du rertestl
VIII. Dinä eilenden wort waren do so gar klaglich,
I\. Diu lulKeligü gestalt so gar tnirkltch,
X. Aber din ellendeB herz wnz von allen menschen un-
Irostiich.
p Eya, reini'i vrow, dez sient du hat ermant, daz du Biet alles
miiies lehemiea ein stetü liüteriii und ein getrüwii wiserin. Ker dinü
ögea, du muten 5gen ze allen ziten gegen mir erbermklich, cnphahe
mich in allem göchene möterlich, behüte mich vor allen minen
rienden nnder dinen zarten armen getrüwlich. Diu trntliehs küssen
ßnner wunden si mir gegen im ein liepUches süneu, din tätlichen
■VDnden erwerben mir ein hcrzkücbes rutveii, din inneklicben Biifzen
bringen mir ein Htetes begeren, und iliu bitterlichen Ireheu umssen
min [135'] hartes herz erweichen. Dinü kleglicliü wort sien mir
ftller üppiger rede ein ablegen, din trurklichü geberde aller ver-
' Wener geberde ein hinwerfen, din troBtloses heize aller zergank-
liclicr minne ein vefsmahen!
kl. 0 wunneklicher glänz dez ewigen Hechtes, wie bist du
in disem anblicke, als dich min scle selber under dem krüze uf
^er schösse diner Irurigen möter also töten mit klage und d&uke
Ombvahet, so gar erlöschen! ErlSsch in mir diebrinnenden begirde
sHer untngende'.
11. 0 ein luter klarer Spiegel der gütlichen majestat, wie
tij8lu von minnen dur mich vernnreinet! Reine die grozen masen
Urtner missetat!
III. 0 ein schÄncs lichtes bilde der vätterlichen güti, wie bist
In 80 eutsübert! Widerbringe daz cntstelt bilde miner sele!
I Ton dir fihll i-' G do/ehlt AaFH 10 hllt frhlt AKaK 11 wspriu A
I öt^n da fthtt J*'*"' euiilialie - 13 mät. fehlt F 17 und fehlt F.^ und
18 erw. fehlt FH 20 tinmu^cndeti A 28 gruzeii fthlt E' 29 so] nu Z
22 ff. Die fünf fnlgmden Betrachtuitgen und Begehfungt» »tanim mit
inger Ahireithu»!/ »cIi-ih h» SMwk vnn Kap. 19. V'ffl. auch <Un Prolog
96. i& ff- '■
322 Büchlein der Ewigen Weisheit, m. Teil
lY. 0 da nnBchnIdiges lembli, wie bist du so jemerlich ge
handelt! Busse and besser nir min schaldig suntliches leben!
V. 0 du künig aller künige und ein herre aller herren, vei
lihe mir, als dich nn min sele mit klage und jamer umbvahet i
diner Verworfenheit, daz si von dir umbvangen werde mit vr6de
in diner ewigen klarheit!
I. Minneklichü reinü müter, biz hüte ermant der kleglicbe:
gehab, die du hattest, do sü din t5tes kint von dinem herzen bracbeo
II. Des jemerlichen dannan seheidens,
III. Der eilenden vüzstaphen,
IV. Des jamrigen herzen, so du bin wider hattest,
V. Und der getrüwen stetikeit, die du ime allein in allei
sinen n6ten unz in daz grab leistest,
Und erwirbe mir von dinem zarten kinde, daz ich in dinen
leide und in sinem lidenne alles min leid und liden überwiDde
daz ich mich zu ime in sin grab vor allem zitlichem kumbe
verschliesse, daz mir ellü disü weit bringe ein eilenden, daz ic
nach ime allein trage ein grundloses jameren, und daz ich in sisei
lobe und in dime dienst hab unz in daz grab ein stetes blibei
Amen.
Do dis alles bereit Waz und an papyr geschriben waz, c
stftnt im dennoch usse ein wenig ze macbenne an einem ende, di
unser lieben vrowen zu geborte; und hatte dem selben ein spacia
gelazen, unz es im 5ch von gotte wurde, wan er waz do neisv
mengen manode gestanden in undcrgezogenheit, daz es ime nit kon«
werden. Also kam er sin an unser vrowen, daz si es volbrechl
Und do wart [ISö""] an sant Dominions abent ze nacht, do m
hatte von im metti gesungen, do waz ime vor in dem schlafe, v
er in einer kamer were; und do er also saz, do kam ein sch£
12 allein im F 13 sinen fehlt K' 18 allein fehlt Z 21 Do
324,2 fehlt Jt'^ 22 ein wen. usse AaE 26 uuderzogenh. Z 25 f. vi\
konde E^
11 hin wider = zu deinem toten Kinde surück, 22 Bezieht sich n
auf Kap, 16. 25 undcrgezogenheit = geistige Trockenheit^ Enisiehung
fühlbaren Gnade. 27 In der Nacht vom 4, — 5. August (Jb^est des kl. .
minikuSf ffHiier am o., jetzt am 4, August),
Niidiwort. 83ä
jungling in gande mit einer wünklichen barphen, nnd mit itne vier>
ander janglinge mit gchalmicD. Also sas der jimgling mit der
harpben zfl dem brüder und begonde sin barphen reisen und schone
Df klenken. üaz waz dem brftder gar luetlicb ■m bärenne, und
6 sprach zü im: „owe, wan kemist du an die stat, da ich wonen,
daz da mir etwcnne also hohen niüt mahtiBt!" Do vraget der jong-
ling den br&dcr, ob er noch neiswaz übange beti, die er neiswe
lange hatte gehabt. Do sprach er: „jat" Do entwürte er und
sprach: „daz ist ein bertes spil," Also kerte sich der jungling zfi
Iv dnii vieren mit den achalmien und epmch zü in, daz si uf bliesen.
Do antwürte ir eine und meinde, es were gnftg an zwcio. Dar an
ennolte dise nit gn% bnn und sprach, sä s<in alle satnent uf
dönen, und wiset in iif neiswaz tones, den der selb wol verstönt;
wan der bröder kond sin nit verstau. Und daz geschah also. In
15 den dingen geswinde do ensab noch enhorte er kein seitenspil, denne
daz er sab, daz die junglinge under banden hatten gar ane alle
niagse ein lützeliges bilde ünserre lieben yrowen, uud daz waz ge-
H'urket an etn t&ch, und waz des bildes mantel gar in rot und
purjmrvar mit heidenschem aelzemme werke, daz einen wünneklichen
l ® aiiblik gap, und daz velt daz waz wiss als ein sehne. Also waz der
^ lirftder in einem grozen wunder und hatte lust an der gesibt,
und nam war, daz sü es wollen volbringen; und vollewurkten des
ersten daz velt. Do sprachen sü: „lüg, wie es wachset!" Und do
sah er es us würken, und do nam ir einer die nadlun mit dem
* Taden und machet vornan uf den mantel enzweres über gar klftg
fitricke, und die ständen als recht finticb nnd zierten die lieben
vrÖwen als wöunekHch, Und in dem giengen im dft ögen uf und
* do verstünt er daz, daz er nach enkeinen zwivel dar an wolte haben,
fime were gegeben, daz er daz velt, daz lere spacium und daz geist-
lich bilde volbrecbte, daz im solange vor beschlossen waz; wan er
waz dez gewennct, daz im daz vorder gnfi nach alles sament wart
1 «chonen wünkl. h. Z 12 wi.It Z diae] ct F 16 alle /eAK V
17 lieben /«Aft AaE waz dftK A' 20 der] ein Z 22 f. von ersteu E^Z
'S> vi>r all V.^Z den] dein Z 27 do gieugeii Aa 29 der lere sp. £*
81 naE nach gew. Aa
7 übunge vioM — Katteiunff. Denifit fnOl A. 3) denkt an da» Iten
Spatium. 19 hcidensch - morgentändiach, garagei»ach. 91 f. Vyl Uor- 13:
nptandum, quod oi-iginale hitiua operü (= Bdrwl eertis tfmpoHlnis et noH-
Itiri in prargenti'a mni/nae graliae onseripliim fiat. Nnn entm pratdictiu
^
324 Büchlein der Ewigeu Weisheit. Kegister.
in etlicher glicheit [136'] der selben wise. Und do zehant mornent
wart es voilebracht uf sin ende.
Dis buchlin, daz da heisset der Ewigen Wisheit
buchli, dez sin i^t, die götlichen rainnC; du in disern jüngsten zite
beginnet in mengem herzen erlöschen, in etlichen wider enzündeu; 6
und dez materie ist von dem anvange bis an daz ende unsere herren
Jesu Cristi minneriches liden, und wie ein frumcr mensche daz selb
bild nach.sinem vermu^^enne mäz ervolgen, und von dem wirdigin
lobe und unsäglichem leide der reinen küngin von bimelriche. L'nd
hier inne sint vermischet in togenlichcr wise zehen materiell, die M
usgenomenlieh edele und nütze sint:
I. Wie etlichu menschen von gotte unwissentlich werdent
gezogen.
U. Von einem herzklichen rüwenne und einem muten ver-
gebenne. 1*
III. Wie minneklich got ist, und wie betrogen der weit
minne ist.
Ein usrichtunge drier dinge, du einem minner aller meist
m&chtin an gotc widerstan:
3 da fthlt Z B herzen] menscheu ¥ etlichem Hl 6 und ist des
materig ¥ 10 hie inne Z 11 nach sint: als ob geschriben stat K (nicht A,
wie Denifle 503 A. 1 angibt!), das folgende fehlt in K 12 ff. die Ziffern ll
rot am Rande AKZ, fehlen E^FF^H iinwiss. v. got F^IIZ 19 an ?ot
moht. E^Z
discipulus .... videbatur ibidem habere modum agentxs vel dictaniis (== Uhit^i
schriftlich abfassen) , sed modum quemdam divina paiientis, Nam ...' P^
revelationes spirituales habuit et quando scribere debuil et pene singulas mo*
terias, quas scripsit. 4 f. L. c, 9: heu modernis temporibus mundo iamswf^'
cente hie amor divinus in inuUorum cordibus tantum refriguit (vgl, Matth, 2^W^
ut pene sit extinctus .... Divina sapientia ... in praesenti opere intendii pii*'
cipaliter non quidem informare nescientes . . . sed reaccendere extinctoSf fri^diß
inflammare, movere iepidos etc. Die Ausdrücke finden sich fast wörtlich t« ^
2)ominiku)<legende (LecU IV der Matutin) des Dominikanerbreviers. Die Kla^
über die Verderbtheit der Zeit und Betonung der Nähe des Mattendes kffhri
bei Seuse öfters wieder (Hör. ö(), 105, 108, 104, :i24; Brief Gustaie im Gr Brßi
Vgl. auch Gertrud, Legatus divinae pietatis IV, 4 (ed, PF. Solesmetis. 1, 3W:
ut (nämlich durch die Offenbarung dci' Liebe Jesu) recaUscai tarn senescen» tt
amore dei iorpescens mundus.
Nachwort der separaten Büchlein der Ewigen Weisheit. 325
IV. Daz eine ist: wie er so zornlich muge geschinen und
doch 60 minneklich sin;
V. Daz ander: war umbe er sich sinen minnern dicke nach
herzlaste enzühet, und wa bi man sin waren gegen würtikeit erkennet;
VI. Daz dritte: war umbe es got sinen vründun als reht übel
in zit gestattet. Und dis hat beschlossen in ime:
VII. Von iemer werendem we der helle;
VIII. Von unmessiger vrSde des himelriches;
IX. Von unmeziger edeli zitliches lidennes;
X. Von unsäglicher güti der betrachtunge des gßtlichen lidens.
Das ander teil dis büchclins:
I. Wie man sol lernen sterben.
II. Wie man inrlich leben sol.
III. Wie man got minneklich enphahen sol.
IV. Wie man got grundlosklich alle stund loben sol.
Daz dritte teil hat die hundert betrachtunge mit kurzen
Worten, als man sü alle tage mit andacht sprechen sol.
Swer dis buchli, daz mit fliss geschriben und geriht ist, well
ab schriben. der sol es alles samcnt cigcnlich an Worten und sinnen
8chriben, als es hie stat, und niit dar zu noh dur von legen noh
äü wort verwandien, und sol es denne einest oder zwirunt hier ab
ilarnehtklich rihten, und sol nut sunders dar us schriben, denne die
bnndcrt bctrahtung ze hindrost; die schrib dar us, ob er well. Wer
iiw üt anders tut, der sol vurchten gottes räch, wan er beröbet got
des wirdigeu lobes und dt menschen der bessrung und den, der
sich dar zä gearbeit hat, siner arbeit. Und dar umb, wer es hier
ttmb nit well lassen, das müss gerochen werden von der EWIGEN
«VLSHEIT.
4 bekennet E^F 10 Von — lid. fehlt F unsiigl.] unmeziger AE
U dis buch, fehlt AaE dez b. F^HZ 15 stunden A 16 betr. und bege-
liDge Ea 16 f. mit k. w. fehlt F 23 ob er well] oder F 24 im fehlt F
^f. nit h. umb F 27 müst fälschlich bd Deniflc üOi A. L
18 ff. Das hier nach E gegebene Xachwortj dessen V^orscJtrift^n von den
ihreibem aber keineswegs immer befolgt wurden (in dar dieser Hs, Nr. 115
\ ö'/** polemisiert ein solcher dagegen!), findet tiich nur in den separaten
tchlein der etrigen Weisheit; es fehlt daher in AKcc^ doch euch in E^ u. F^,
rL (Uizu noch IVackernagel-Maiiinj Gesch. der dtsch, Lit, 1' (lti79)^ 430,
Drittes Buch.
Büchlein der Wahrheit
Hie vaht an daz drit buch:
Yon inrelicher gelazenheite und you gutem underscheide, der
ze habenne ist in vernunftikeite.
Ecce enim veritatem dilexisti, incerta et occalta
sapientiae tuae manifestasti michi. (
Es waz ein mensche in Cristo^ der hatte sich in sinen jungen
tagen geubet nach dem ussern menschen uf ellü du stüke, da sieb
anvahendü menschen pflegent ze übenne, und beleip aber der inr
mensch ungeübt in sin selbs [ISe^"] nehsten gelazenheit und befand
wol, daz im neiswaz gebrast, er enwiste aber nit waz. Und do er dai H
langü zit und vil jaren getreib, do wart im eins males ein inker,
in deme er wart getriben zä im selben, und ward in im gesprochen
also : du solt wissen, daz inrlichü gelazenheit bringet den menscben
zA der nehsten warheit.
Nu waz im dis edel wort dennoch wild und unbekant, ondlf^
hatte doch vil minne dar zA, und wart uf daz selbe und des gliek
gar vestiklich getriben, ob er vor sime tode iemer dar zu möchte
komen, daz er daz selb bloz erkandi und ze gründe crvolgti. Al^
kam er dar zä, daz er wart gewarnet und wart ime für geworfen,
Handschriften: A K N S S^ W f, vgl oben 8. 3; B = BcrUn4'19U
0= Colmar 206: a — 1. Druck (1482),
1 f. Hie vohet au das dürte böch des dicners der ewigen wiszheit, daz ö
gemäht het, und seit von innerlicher gelosseuheit . . J?, Überschrift fM Jf
drit buch] ander buchelin (Bdew fehlt!) S 2 iuneclicher K 7 da] die S
9 nehstes C 16 wart] war *S' 17 mohte dar zu S
4 f. P8. 50ß. — Im ersten Druck und bei Diepenbroch ist der Prolog fälsch'
lieh als J. Kap. gesählt, 13 Vgl, die Frage Stuses an Eckhart Vita 23,4 f.
Büchlein der Wahrheit Prolog. 327
daz in dem schine des selbeD bildes verborgen legi valscher gmnt
Qngeordenter friheit nnd bedecket legi groze schade der heiligen
kmtenheit. Und hier abe erschrak er und gewan etlich zit einen
widerstoz des inren rüfes in im selben.
Und eins males do wart im ein kreftiger inschlag in sich selb
und Iahte im in von gfitlicher warheit, daz er hier abe kein gedrang
861te nemen; wan daz ist ie gesin und mfiz iemer wesen, daz sich
daz b6se birget hinder daz gute, and daz man dar nmb daz gute
nit sei verwerfen von des bösen wegen. Und meinde, daz in der
alten e, do got durch Moysen sinü waren zeichen tet, do würfen die
zobrer irü falschen dar under; und do Gristus der wäre Messias kam,
do kament etlich andere und erz6gten sich valschliche, daz sü dcv
selb werin. Und also ist es äberal in allen dingen^ und dar uinbe
i8t daz gute nit mit dem b6sen ze verwerfenne, mer mit g&tem
nnderscheide ze ns kiesenne, sam der götlich mund tfit. Und also
meinde es, daz gütü vernünftigü bilde nut werin ze verwerfenne, du
ir klaren vem&nftikeit underwiirfliche haltent nach meinunge der
heiligen kristenheit, noch vernunftig sinne, die gftt warheit inne
tragent eins dumechtigen lebennes, werin nit ze schühenne; wan sü
entgrobent den menschen und zögent im sinen adel und des göt-
Hehen wesennes ubertreifenlicheit und aller andere dingen nihtikeit,
daz den menschen von billich ob allen dingen reizet zu rehter ge-
lassenheit. Und also kam er wider uf daz vorder getrifte, da er zfi
vermant waz, einer warer gelassenheit.
Nu begerte er von der ewigen warheit, daz sü im guten
nnderscheid gebi, als verre es muglich were, enzwüsehent dien men-
schen, die da zilent uf [137'] ordenlicher einvaltikeit, und etlichen,
die da zilent, als man seit, uf ungeordenter friheit, und in dar inne
hewisti, weles weri ein rechtü gelazenheit, mit der er kemi, da er
hin silte. Also wart im in liehtricher wise geantwürt, daz dis alles
1 valscher — 2 legi fehlt KN 5 do fehlt B 6 keinen B 8 ver-
"irget under d. g. B 11 ir valscheit B 13 weri K 14 den b. K
15 sam] also B 16 du] durch C 17 haltet S 18 suue (!) Ä 21 we-
"«nnes] adels B übertriflicheit 6' übertriffetilicheit AB 22 dem m. B
^ ut"i US 6' 28 im J? 29 keimi A
1 f. Es ist hier die quietistische Gelassenheit der Begharden und Brüder des
^^am Geistes gemeifU (ihre Sätze bei Freger /, 468^ besonders Nr, 78, 111, l:il),
9.16 Subjekt: Das Einsprechen der göttlichen Wahrheit. 10 f. II Mos,
)3f. 11 ff. Vgl, Matth, 24,5, 11, 15 Jerem. 16,19.
328 Büchlein der Wahrheit Kap. I.
söltc geschehen nach der wise einer usgeleiten bischaft, als ob der
junger fragti und du warheit antwürti. Und wart des ersten ge-
wiset zu dem kernen der heiligen schrift, us der dix ewig warbdt
redet, daz er da sächti und liügti,. waz die aller geiertesten und ge-
leptesten, dien got sine verborgenen wisheit hat uf getan, als da?or fi
stat in latine, dur von liettin gesprochen, ald waz du heilig kristen-
heit dur von hielti, daz er uf sicherre warheit blibi. Und hier ns
luhte im in also:
I. Kapitel.
Wie ein gelazener mensche beginnet und endet in einikeite. lO
Allen den menschen, die wider in gefuret son werden, den ist
fürderlich ze wissenne ir und aller dingen erstes begin, wan in deme
selben ist och ir jüngstes lenden. Und hier nmbe sol man wissen,
daz alle die, die von warheit ie gesprachen, die koment des Aber
ein, daz neiswaz ist, daz liberal daz erste ist und daz einveltigest ift
und vor dem nut enist. Nu hat dis grundelos wesen Dionysins
in siner blozheit an gesehen und sprichet daz und och ander lerer,
daz daz einveltig, von dem geseit ist, mit allen namen blibet alze-
male ungenemmet; wan als da stat an der kunst Loyca, der name
s61ti US sprechen die nature und redelicheit des genemten dinges. Nu^,
ist daz kuntlich, daz des vor genanten einveltigen wesennes natur
endelos und ungcmesseu ist und unbegriflFen aller kreatärlicher ver-
nünftikeit. Dar iimb so ist kund allen wolgelerten pfafTen, daz daz
wiselos wesen 5ch namelos ist. Und dar umb sprichet Di onysins
3 geschrift B 4 f. gelobten C gelobtesten S 6 hetti C bettin
— 7 dur von fehlt K 7 er] 68-6' 11 die fehlt C in sond gef. K
werdent B 12 f. den selben S 18 hier inne 4^ 14 ie fehü K Ä) ge-
nanten B genemmen C 23 ist es C ist das KN
6 f. Im Vorspruch des Prologs. 16 f. De div. nom, /, 4 — 6: VllfS^
17 Justin^ ÄpoL II c. 6'.- Gregw von Naz,, Or, theoh 2: Joh, Damast^
Defide orthod, /, 4; August, In Joann. ir. 13 n. 5; Thomas, S, Th. 1 q, 13(i*i'
Kchhart 112,31 ff. Weitire Belege bei K Krebs, Meister Dittrich (Theodmcftt
Teutonicus de Vriberg), sein Leben, seine Werke, seine Wissenschaft (=sB<t"
träge zur Geschichte der Philosophie des Mittelalters, hrsg, von Bäumker wi
Hertling V, ö/e) 19()6, 65, i>lii*f. 19 Vgl Vita 176,7. Thomas, S. TA. 1
q. 13 a. 4 (nach Aristoteles, Metaph. 8 lü24 b 4): ratio, quam signifieai ffoweii,
est conceptio intdlectus de re significata per nomen: vgl. auch ib. a.tfad3.
24 f. De div* nom, I, 1, 6; De myst, Theol. F.
Büchlein -Ut Wahrheil. Ka|i. II. 329
,n dem bftche ron den g&tlichen Damen, daz g:ot si uitwesen oder
ein niht, and daz ist ze verstenne nach alieni deme wesenne und
\hte, daz wir ime nmgen nach kieaturlicher wise zft gelegen;
vran wsz man ime des in s&lichcr wise zfi leit, duz ist alles in
I etlicher wise falsch, und ire lüggenungc ist war. Lind iis dem so
m&hte man ime Bpreehen ein ewiges niht; aber doch, so man von
eime dinge reden so), wie übertrelfeulirb ald übermerklich es ist,
io mbz man im etwaz namen echepfen.
Diser stiller einveltikeit wesen ist ir lehen und ir [137'] leben
listir wesen. Es ist ein lehendn, wesendü, istigü Ternäoflikeit,
daz sich selber veretat. und ist und lebt selber in im selber und
ist daz selb.
\n enkan ich es nit me fiirbaz her us bringen, und dis heis
ich die ewigen ungeschaffen warheit, wan ellfi ding da siut als in
Mr ativii und in ir ersti und in ire ewigen beginnt'. Und hie beginnet
und endet ein gelazener mensche in ordenlicher ingenomenheit, als
hie nach wirt bewiaet.
II. Kapitel.
^ Ob in der liühHtoii eiiiikeit kein niiderlieit inuge hestmi.
Der junger fragte und sprach also:
Mich nimt wunder, sid daz also isl, da/ dis eine so gar ein*
Hg ist, wannen denne komc dil manigvaltikeit, die man ime ztl
Eine kleidet in mit wi»heit und spricfaet im du wisheit, eine
|t g&ti, eine mit gerebtikeit und des glich ; so eagent die pfatien
Idem glöben von der gütlichen drivaltikeit. War nmbe tat mau
■Bit bclihen in einer einraltikeit, die es selber ist? Mich dunket
I dem K. n. SN 6 von
~~ iu] selber /elill S 16 nflwi [iindj J
"» gtr Ä 22 iiiiinigr*-4itkeit A i
: C 10 in'Btetigii (!) C 11 und
ewigen) cigueia C 21 eine fchll S
liuu mit ger. — glich fehll S
it. Dionygiuf, De eotl. Hier, II, 3. 6 Zu niht ejjl. Vita lii7,ö : 104,33;
'W.IS.- Dmifie öll A. 3 u. ders. im Archiv II, iö3. 10—12 Die Stelle
^ «* Ecihari ]8tf.39 f. ,- istigü vernfinftikait = »ubiiftiertude yerHünfliiitil
'^. il2l: istikeit = Setn (etsel, oittr = Exinlen^ (ixi»teatiit), von Gott oittr
^ Srtaliir autgesagt. Seide Ausdrückt, die bei Eckkart häufig «ind, ffä)t
iucf I. 14ßu unriclilig mit easentialig, tstmlia wieder. weBOD kium »ownhl
4u Stin al* die Wtfetiheit irssenUa) beieichntn. Vgl, Ztaiific iui Archi« II,
tau A. 4, 442. 14 f. AOt Dinge haben ihre Ideen in Gott, vgl. Knp. 3 dm Sdw.
330 Büchlein der Wahrheit. Kap. U.
alles, daz dis einig ein ze vil Werkes habe und ze vil anderheite;
ald wie mag es als gar ein blozes ein sin, da so vil menigheit i8tV
Du warb ei t antwürt und sprach: Disü menigheit eil ü ist mit
dem gründe und in dem bödme ein einveltigü einikeit.
Der junger sprach: Waz heissest du den grund und den nr- 6
Sprung, ald nit den grünt?
Entwürt der warheit: Ich hcisse den grund den usqoal
und den Ursprung, us dem die usflösse entspringent.
Der junger: Herr, waz ist dazV
Du warheit: Daz ist du natur und daz wesen der gotheit;lö
und in disem grundelosen abgründe siget du driheit der personen
in Ire einikeit, und ellii mengi wirt da ir selbs entsetzet in etlicher
wise. Da ist och nach diser wise ze nemenne nüt fromdes werkes,
denne ein stillü inswebende dünsterheit.
Der junger sprach: Ey, lieber herrc, sag mir, waz ist denne 15
daz, daz den ersten usblik git disem selben ze werke, und aller
meist zä sinem eigenen werke, daz da ist geberen?
Du warheit sprach: Daz tftt sin vermugendü kraft.
Der junger: Herre, waz ist daz?
Du warheit: Daz ist götlich natur in dem vatier; und da 30
in dem selben ogeblicke ist es swanger berhaftikeit und werkes,
wan alda hat sich in der nemunge ünserrc Vernunft gotheit ze gotte
geswungen.
Der junger: Lieber herre, ist dis nit eins?
Du warheit sprach: Ja, gotheit und got [138'] ist eins, und*
doch so würket noch gebirt gotheit nit, aber got gebirt und würket.
Und daz kumt allein von der anderheit, du da ist in der bezeich-
nunge nach nemlicheit der Vernunft. Aber es ist eins in dem gründe;
3 disü] du C 7 am limide In libro seiiteutianim AK 8 ufflüi«se A'
11 singet S 12 erlicher C V6 nemmennc ABCK 15 eya C 16 disenC
17 sinen ei^. werken C ge herben (!) C geben K 19 ist [daz] K
3 f. V(jl, Kckhart 181,3.13 (gründe hodem, rivcr und quelle der gothei^y*
114,33 f.: fi3'^,'J5f, 7 Vgl Fetr. Lomh., 1 Sent dist. 5. 10 E€khart668^'
daz bildcriche lieht gütlicher einekeit daz ist einveltig und ist doch toesen «*•
nätüre, 16 ff. Vgl. Eckhart lSl,10^rJ: got wirket y diu gotheit wirket wWi
si enhät niht ze wirkenne^ in ir ist kein werc : si geluogete üf nie kein Wft-
20ff. Vgl. Vita 185,5 ff,: Eckhart 672,6 ff.: 386,^ff.; 160,15. Thomas,]»
1 Svnt. dist. 5 </. 1 a. 1: pat^ir generat virtute essaitiae vel naiurae. 25 ff. y^
die eben zitierten Stellen bei Eckhart und Thomas, S, Th, 1 q, 39 a. 5. TT«*«*
Belege bei Denifle 515 A, 3.
Bächlein der Wahrheit Kap. m. 331
ffai) in der g6tlichen nature ist nit anders denne wesen nnd die
ffidertragenden eigenschefte, und die legent äberal nihtesnit ztt dem
nesenne , sü sint es alzemale , wie bii nnderscheit haben gegen
dem sü sint, daz ist gegen ir gegenwurfe. Wan g6tlichä nature
nach dem Beiben gründe ze nemenne ist nihteznit einveltiger an ir
selb, denne der vatter in der selben nature genomen, ald kein ftodrü
persone. Du bist allein in der inbildunge betrogen, du daz an büket
nach der wise, als es in der kreature iet in getragen. Es ist an
im Belber einig und btoz.
Der junger sprach: Ich merk wol, daz ich bin konien nf
die gnmtrüri der nehsten einveltikeit, für die nieman inbaz mag
komtneD, der warheit wil füren,
Im. Kapitel.
Wie sich d«r mensche und all« krcaturen ewkiich haben
gehalten, und von Irem gewordenlieheri nsbruche.
Der junger: Ewigi'i warheit, wie heiii sielt aber die kreaturen
iltch in gntte gehalten V
I Entwürt: Sü sint da gesin als in Irem ewigen exemptar.
Der junger: Waz ist daz exemplar?
' Du warheit: Es ist sin ewiges wegen in der nemunge, als
f* sieb in gemeinsam kl icher wise der kieature git ze ervolgennc.
Und merke, daz alle kreaturen ewkiich in gotte sint got und hein da
ciikeiuen gruntlichen nnderscheit gehebt, denn als gesprochen ist.
2 [nud] die leg. A 3 kU ze [oialel C 14 sich der] sicher (!) C
'4t [haben] geh. uud haben nud tou S 16 von irem] nf iren C 16 d.
Jnn^f fffjt OjV 20 meiuunge S 23 ist fthü C
1 ff. In Galt sind nur da» Wcum und die Wtchgelbegieliungen ( Bela-
*>«Uit), und ditte aind mü dem Wtsen eins: vgl. Thomai, S. Th. 1 q. 29 a, 4;
J'SSo. 3: Denffte im Archiv II, 438. 15 ushmch ist Übtrselsang von pro-
«MIO (fif Bdfic S03,4 nsfluK, 16 ff. Zu da- hit-r vorgeUgUn scholaslischen
^itnUhrt offL Vita 157^>; 187,1: Eckhart l'81,äO ff. : 334.31 ff.; 378^/.;
^,30 ff.: 503,23; Blumt der Hchaunng bti Preger II, 429 f. Kiklürung mit
'HUtren Stiegen bti Denifte 617 A.3u.3; fH8 A. 1; ders. in HUt.-poL Bl.
fi,314ff und im Arehie II, 463 ff.; 530 ff.; Krebs, Meister Dietrich 66,316:
TAomos. S. Th. 1 q. 4J a. 3 schreibt in Übereinstimmung mit Seugt: licet ffiirmae
■ttmplaritl maltipUcentar sec. rtspeclHm ad ans. tarnen nun «tnt realiter aliud
dirina tfsenliii, prnut eins simililudn a divirsis parlicipari pnleet diver^imode.
ie igitur ipst iJeus ett primum txemplar omnium. Vgl. auch l. c. q. 15.
332 Büchlein der Wahrheit. Kap. III.
Sü sint daz selb leben, wesen und vermügen, als verre sü in gotte
sint, und sint daz selb ein und nit miimre. Aber nach dem ns-
schlage^ da su ir eigen wesen nement, da hat ein ieklichs sin sander
wesen usgescheidenlich mit siner eigenen forme, du im natürlich
wesen gibt; wan forme gibt wesen, gesündert und gescheiden, beidi
von dem götlichen wesenne und von allen andren, als du naturlich
forme dez Steines git im, daz er sin eigen wesen hat. Und daz ist
nit gottes wesen, wan der stein ist nit got, noch got ist nit der
stein, wie er und alle kreaturen von im sint, daz sü sint. Und iu
disem usfluzse da haut alle kreaturen iren got gewunnen, wan l
da kreature sich kreature vindet, da ist si vergichtig irs schephers
[138 ^ und ir gottes.
Der junger: Lieber herre, weder ist daz wesen der kreatore
cdeler nach dem und es in gotte ist, ald nach dem, als es in im
selben ist? H
Du warb ei t: Daz wesen der kreature in gotte ist nit krea-
ture, aber die kreaturlicheit einer ieklicher kreature ist ir edeler
und gebruchlicher, denne daz wesen, daz si in gotte hat. Wan
waz hat der stein dest me oder der mensche oder kein kreatore in
ire kreaturlichem wesenne, daz sü ewklich in gotte got sint ge-*
wesen? Got hat du ding wol und recht geordent, wan ein ieklichs
ding hat ein widerka|)hen zfl sinie ersten Ursprünge in nnder-
würHicher wise.
Der junger: Ach herre, wannen knmet denn sünde, ald box-
heit, ald helle, ald vegfür, ald tüfel und des glich? *
Entwürt: Da du vernünftig kreature s61te ein entsinkendes
widerinjehen hau in daz ein, und si da blibet uz gekeret mit un-
rehter angesehner eigenschaft uf des sinsheit, dannen kumet tüvel
und ellü bozheit.
7 gestoines B im] in .V 9 von fehlt C 11 verichtijr AS ver-
jchen B 13 creatiiron BN lt> kreatnren BC 22 widerkaffen -B^
24 f. ald] oder (dreimal) B 26 ald helle fehlt B 26 da fehlt S 28 tf-
«besehender H
5 Navh arifitoteliac'h-scholastischer Lehre ist die Form das bestiwfnf*^^
Prinzip der Materie^ durch das sie erst aktuelles Sein gewinnt (Arisiot,i Jtf**
taph. 1017 h M; 10T2 a 14; Thomas, 8. Th. 1 7. 42 a, 1 ad 1 u, ö.K Vgl He&
ling, Materie und Form lti7L 11 Vgl, Eekhari 2S4,12; IbiJyö f, /M <tt
Kreatur in (Jott (iott selbst ist, so bekennt sie ihren ö'chöpfer und GcU erst •»•
folge ihres Ausflusses, d, h. icenn sie ein wirkliches Geschöpf wird, 16 ff. Ffl
dagegen Eckhart ö3o,8: alle creaiüre sind edeler ingote^ denne sit an in selben sM
Büchleiu der Wahrheit. Kap. IV. 333
IV. Kapitel.
Von dem waren iiikere, den ein golazsener mensche durch den
einbornen nun nemen sol.
Der junger: Von der kreaturen gewordenlichem usbruche
habe ich die warheit wol verstanden. Ich horti nu gerne von dem
darchbroche, wie der mensch durch Cristum sol wider in komen
nnd sin selikeit erlangen.
Du warheit: Es ist ze wissenne^ daz CristuS; gottes suu,
etwas gemein hatte mit allen menschen^ und hatte etwas sunders
?or andren menschen. Daz, daz im gemein ist mit allen menschen^
daz ist menschlichü natare, daz er och ein wäre mensch waz. Er uam
an sich menschlich nature und nit persone; und daz ist in der wise
E6 nemenne, daz Cristus menschlich natur an sich nam in einer
mteillichi der materien, daz der lerer Damascenus heisset in
ithomO; und also der angenomennen gemeinen menschlichen nature
intwürte daz rein blfitli in der gesegneten Marien lib, da er liplich
^eziw von uam.
Und dar umbe so hat menschlichä nature an ir selben ge-
Qomen kein solich recht, — wan si Cristus hatte an genomen und
nit persone, — daz ieder mensche dar umbe sül und mug in der
^Iben wise got und mensch sin. Er ist der allein, dem du uner-
vilgklici) wirdikeit zu gehört^ daz er die nature an sich nam in
der luterkeit, daz im mit hat gevolget weder von der erbsunde,
noch von keiner [139'] anderre sünde; und dar umb waz er der
alleine, der daz verschulte menschlich künne erlösen mohte.
Daz ander: aller anderre menschen verdientü werk, die su
*ftnt in rehter gelazsenheit ir selbes, die ordenent eigenlich den
3 eingebornen BCN 4 usbruche fehlt C 7 sin] in K sol er-
'*Dgen C 10 [daz] daz K 13 nam fcMt B 14 Damascenus auch am
^nde A 15 achonio (!) C 17 gczügnüsse (' 18.2(>.334,14 am Rande
Ulm A
14 Joh, Damascenus, De fide orthodoxa II L IL — in einer unt. der
•itoterien = eine individuelle menschliche Natur (Den. 5:21 A, :J), 15 f. y'gl.
ThomaSy S. 2'h. 3 q, 31 a. 5 und Eckharts Kommentar zu Ekklesiastikus (Archiv
%Ö63,3()): Christus secundum homintm ex purissimis virginis sanguinibus est
wwuUujfj ut ait Damascenus (De fide oi-th, III, :J). 17 gezow = oryanum,
\ttrum0nlum, fnV die Theologen die menschlicht* Natur in Christus nennen
^. ThamaSj S. e. Gent. 4,41).
334 Büchlein der Wahrheit. Kap. IV.
menschen zu der selikeit, du da ein Ion ist der tagende. Und iü
selikeit lit an der voller götlicher gebruchunge, da alles mittel and
anderheit ist ab geleit. Aber du einunge der infleischunge Cristi,
Sit daz si ist in einem persönlichen wesenne, so überget si und ist
höher, denne du einunge des gemütes der seligen zfl gotte. Wao
von dem ersten beginne, do er enphangen wart der mensch, do
waz er werliche gottes sun, also daz er enkein ander selbstandoDge
hatte, denne gottes sun. Aber ellü andru menschen d& haut ir na-
turlich uuderstandunge in irem natürlichen wesenne, und wie genz-
klich s& in selber iemer entgant ald wie luterlich sü sich iemer
gelazsent in der warheit, so geschihet daz nit, daz sü in der git-
lichen persone uuderstandunge iemer übersetzet werden und die iren
verlieren.
Daz dritte: dirre mensch Cristus hatte daz och für ellü
menschen, daz er ist ein höbt der kristenheit, nach glicher wise ze
redenne dez menschen höbtes gegen sinem libe, als da stat ge-
schriben, daz alle die, die er hat fürsehen, die hat er vor bereit,
daz sü würdin mitförmig mit dem bilde des sunes gottes, daz er
der erstgeborn si under vil andren. Und dar umb, wer einen rehten
wideringang welle haben und sun werden in Cristo, der kere wcli
mit rehter gelazscnheit ze im von im selb, so kumet er, dar er 8ol.
Der junger: Herre, waz ist rehtü gelazscnheit?
Du warheit: Nim war mit merklichem underscheit diser
zweier Worten, du da sprechent: sich lazsen. Und kanst da di
zwei wort eben wegen und ze gründe prüfen uf ir jüngstes ort undl
mit rehtem underscheide an sehen, so macht du snelleklich der
warheit bewiset werden.
Nu nim des ersten her für daz erste wort, daz da heißset:
sich ald mich, und lüg, waz daz si. Und da ist ze wissenoe,
daz ein ieklicher mensch hat fünfley sich. Daz eine sich ist üb'
gemein mit dem steine, und daz ist wesen; ein anders mit dem
krute, und daz ist wahsen ; daz dritte mit den tieren, und daz M
enphinden; daz vierde mit allen menschen, daz ist, daz er ^
1 tagen B 2 lit fehlt S 5 einiguiig B IB mensch A 18 nit*
formig (!) C mit formit K 23 mercklicher K 28 nu] so 2r 30 fftnf ^
eine] erste B 30 f. das ist im g. C 32 ist mit d. t. IT 83 ist mit a. m.1
3 iDfleischunge = incarnatio; vgl, Thomas, Ä Th, 3 q, 2 a, 9. 7.9 fldV
standiinge, understandunge = auhsisUniia, PersönlichkeiL 14 f. Vgl, EpkH
1,22 f. 16flf. Bim, 8,29; vgl. Thomas, 8, Th. 3 q. 8 a. 1.
feüchlein der Wahrheit. Kap. IV, 335
gemeine menschlich nature an im hat, in dem du andern ellü eins
fliiit; das fünfte, daz im eigenlich zu gehört, daz ist sin [139^] per-
sinlicher mensch, beidü nach deme adel und och nach dem züval.
Waz ist nu daz, daz den menschen irret nnd in selikeit be-
ör5bet? Daz ist allein daz jüngste sich, da der mensch den usker
nimet von gotte nf sich selb, da er wider in solte keren, nnd im
selb nach dem züval ein eigen sich stiftet, daz ist, daz er von
blintheit im selber eigent, daz gottes ist, und zilet da und verflüsset
mit der zit in gebresten.
rV) Der aber dis sich ordenlich w51ti lazen, der s61ti drie inblike
ttn: den ersten also, daz er mit eime entsinkenden inblike kerti
auf die nihtekeit sins eigenen siches, schowende, daz daz sich nnd
nnd aller dingen sich ein niht ist, us gelazsen und ns geschlozsen
^ Ton dem ichte, daz du einig würkende kraft ist. Der ander in-
N^blik ist, daz da nit übersehen werde, daz in dem selben nehsten
gelezse iedoch sin selbs sich alwegent blibet nf siner eigen gez6w-
Hoher istikeit nach dem usschlage, und da nüt ze male vemihtet
Wirt. Der dritte inblik geschiht mit einem entwerdenne und friem
L nfgebenne sin selbs in allem dem, da er sich ie geffirte in eigener
n^tngesehner kreatürlichkeit, in unlediger manigvaltikeit wider die
g5tlichen warheit, in liebe ald in leide, in tünne oder in lazenne,
also daz er mit richem vermügenne sich wiseloseklich vergange, und
im selb unwidernemklich entwerde und mit Cristo in einikeit eins
L werde, daz er us disem nach einem injehenne allü zit würke, ellü
piding enphahe, und in diser einvaltikeit ellü ding an sehe. Und dis
gelassen sich wirt ein kristförmig ich, von dem du schrift seit von
Paulo, der da sprichet: ^ich leb, nit me ich, Cristus lebt in mir.**
Und daz heiss ich ein wolgewegen sich.
8 och fehlt B 12 sich es scliowendes K 14 einig] eine C 17 iti-
keit C nüt] mit S 18 einem fehlt C 26 f. von sante P. BN 28 heiss
^]B
3 i>. Ä. sowohl dem Geiste (adel), als dem Leihe ( züval, accidens; ähnlich
i^ekhart 158^12 f) nach; vgl. dagegen Vita 10:J,Wff. 13 Die geschaffenen
iHnge im Vergleich mit Gott als Nicht zu bezeichnen ist den Mystikern ge-
Öit^; vgl, August., Soliloq. I, 1,3: iJeus . . . extra quem nihil; Inps. 134 n. 4;
Omf. VII, 11; Bernardus, De consid. V,6; Thimias, De ven't. q. 8 a. 7 ad 2;
Ä Th. 2,2 q.5a.l ad 2; Eckhart 136,23 ff. ; 222,35 f. Weitere Belege im Archiv
il, 515 /. 14 icht = das göttliche Wef^en. 22 wiseloseklich = ohne auf
tÜes oder jenes zu achten ("wise = die Art, sich zu gehen). 27 Gal. 2,20.
33G Büchlein der Wahrheit. Kap. IV.
Nu nemen wir daz ander wort her für, daz er spricht: lazsen.
Daz meinde er ufgeben oder verahten, nut also, daz man es müg
gelazsen, daz es zenial ze nibti werde, denn allein in der verahtODge,
und denn ist im gar rebt.
Der junger: Gelobet si du warheit! Lieber herr, sag mir,
blibet eime seligen gelazenen menschen ätzet?
Du warheit: Es geschihet ane zwifel, wenne der gftt und
und getrüw kneht wirt in gefuret in die fröde sins herren, so ^irt
er trunken von dem unmessigen Überflusse des gAtlichen hnses; wan
ime [140'] geschiliet in unsprecbelicher wise als einem trunken
menschen, der sin selb vergisset, daz er sin selbes nit ist, daz er
im selb zemal eutworden ist und sich zemal in got vergangen bat
und ein geist mit im worden ist in aller wise, als ein kleines wassere
tröphlin in vil wines gegozsen. Wan als daz im selber entwirdet,
80 es den smak und die varwe an sich und in sich zühet, also ge-
schiht dien, die in voller besitzungc sint der selikeit, daz dien in
unsprecbelicher wise ellA menschlichu begirde entwichet, und io
selber entsinkent und ze male in dem götlichen willen versinkenL
Anders möhti du schrift nut war sin, da da sprichet, daz got sol
werden ellu ding in allen dingen, wcre daz des menschen in deoi
menschen üt blibi, daz nit zemal uz im gegozsen wurdi. Da blibet
wol sin wcscn, aber in einer anderü forme, in einer andern glorie
und in eime andern vermugenne. Und daz kumet alles von ir sclbs
grundlosen gelazsenheit.
Und sprichet dcnnc uf den vordem sin also: ob aber kein 8
mensche in disem lebenne als gelazsen si, daz er daz volkomenlidi
2 inaint K 7 am Bande Bernardus ÄS^ im Text K 9 den nun«
überflüzen C 10 unussprechenlicher B 12 zemal fehlt 8 14 wan] und (^
17 urisprcchenlicher B 17 f. im selber K 18 entsinket C 22 [ändert]
forme C 23 eime] einer S
1 er bezieht sich wohl auf ChHftius (vgl. Matth, 16,24: 8% quis tuU ]^
me venire^ abneget semetipsum etcJ, 7 BeniarduSj De dilig, Deo c. 10 u. 1^
(vgl EpittU 11 fi. 8) ist von hier bis 337,0 teilweise wörtlich henütsi: tigl 1'«^
Ib7yl7 ff» Dass Bernhard (und Sense) das Kingehen der Seele in Gott ni(^
in jtantheistischim Sinne fasst, sondetfi scharf ihre Selbständigkeit tcahrt, ^di^
J, Bies, Das geistliche Leben in seinen Entiricklungsstufen nach der Lehre dw
hl Bernard 1906, 306 f gut gegen Hai-nack fiavh, 7 f. Matth. 2ö,33.
9 Vgl Ps. 3^t,i). 13 I Kor, 6,17: qui adhaeret domina, unus spiritMS rt*.
19 f. Ebd. Iö,ü8. 25.337,4 Nämlich dtr Jd. BemJiard, />« dil Deo 15
n, 39 und Ep, 11 n, S,
Biichldii der VValirli.:it, Kap. r\'. 337
begriffen habe, ilaz er des siueheit iiieinei' ane gesefae in lieb noeli
in leide, dünn <laz er »Izemal sich eelb dtir got minne und meine
awh der aller volkoninesten begriffcnbeit, des kan ich mich —
fprichet er — nit veretan, ob es ist. Die gangen her für, diu im
igelflit hein, wau nach niinem versteune ze sprechenne, so dunket
es mich nüt ujuglich,
Usaer diser rede aller niacbt du merken ein antwiirt diner frage,
vtti ein rehtü gclazsenhclt eins goliefaen edelen meuschen in der
lit da ist nach gebildet und gestcllet nach der gelazsenheit der
wligen, von den du sehrift seit, minr und me nach dem, als deoue
du menschen minr und me geeiniget ald ein» sint worden. Und
merk snnderlicb, daz er »prichct, daz sA 6a. entsetzet werdent dez
iresbeit und übersetzet in ein ander forme nnd in ein ander gun-
lichi und in einen andern gewalt, Waz ist nu du ander frörade
forme, denn du göllich nnture und daz gÖtliche wesen, in daz sü,
and daz sü in sich verfl5zent, daz selbe ze sinne V Was ist denne ein
ander glorie, denn verkleret und vergiinlichet werden in dem isHgcn
bellte, daz nit zfiganges hat? Waz ist denne ein anders vermügeii,
denn daz von der selbsheit [140''] und der selben einikeit dera
iTienschen wirt gegeben ein gotlichö kralt und gotliches veniiügen
in löime nnd in lazsennne alles, daz ir selikeit z(\ gebäret? Und
^ wirt der menseh entmenschet, als geseit ist.
^ Der junger; Herre, ist dis inugUob ia der zit;*
V Du warheit; Du selikeit, von der gesprochen ist, mag er-
•^et werden in zweierley wiae. Ein wise int nach dem aller vol-
komnesten ^rade, du über alle müglicbeit ist, und daz mag nitgesin
in diser zit; wan zii des menschen natnre höret der lip, des aianig-
*altig gedrang widersprichet disem. Aber die selikeit ze nemene
Dach teilbafter gemeinsamkeit, also ist es muglieh, und dunket doch
Bieiigen menschen unmnglich. Und daz ist nit unbilUcii. wan hie
■ 1 niemer] in ainer K 5 versta
WhiftMt B 13 in mit ein a. f. 8
"'dneiu a, g. 5 16 aiiidc S 17
'Ürre S 26 liberal müglicb ABKS
12 Beinardm I. c. 17 f. / Tim. 6,16. 251'. Vgl. Tboma», S. Th.
Uq. 184 lt. 2. 28ff. Vgl. Bdav 234,Uff. und Btr:.ardm, De dil. Den 10
\.S7: htatum dixirim et nanelum, cui lalt aliquid iit hac morlali vita raro
titrdum aut rel semcl, tl hoc ipmm mpHm aut umua vix miitntHti »imtio
tjierirt donatum est; flrmo S6 in Cnnt. n. 13: lUke commeiviam, brttt tiio-
tnlum tl cxperimtntiim ranini. Zur Erklärung Rite a. a. (I. ä9b,lf'.
B. Scuaa. Dealicba Ssljrtfiaii. 22
de -S' 10 niicli — 11
me /Ml Blf
13f. [ein] an.tcr g. B
geliclie (!) S
li^eu C 21 zu llöret
V 23 der]
29 teiUiaftiger S
338 Büchlein der Wahrheit. Kap. V.
her enmag kein sin noch Vernunft gelangen. Wol sprichet ein schrift.
daz man vindet einer hande menschen, usgesundertü und geleptü
menschen, daz die sijen so gar ^relütertes und gotförraiges gemütes.
daz die fügenden in in standen nach gütlicher glicheit ; wan sü sint
entbildet und überbildet in des ersten exemplars einikeit, und koment
neiswi in ein volles vergessen zerganklichs und zitliches lebenDCS,
und sint verwandelt in götliches bilde und sint eins mit im. Aber
es stet dur bi, daz dis zu gehöret allein dien, die dise selikeit in
ir h6hsten hein besessen, ald aber etlichen menschen, Mrenigen und
den aller frärasten. die noch mit dem Übe in dem zite gand. I
V. Kapitel.
Ton den hohen und ntitzen fragen^ die ime dti warheit lies
werden von der gliehntisse eins gelassen menschen.
Dar nah kam der junger in eine begirde, ob in keinen landeo
ein sölich edeler gelazner mensch weri, der dur Cristum warlichU
wer in genomen, daz im der von gotte bekant wurde und zft siner
heimlicher rede keme. Und do er in disem ernste waz, do wart er
sinkende in sich selb und in der Vergangenheit siner sinnen dachte
in, er wurde gefüret in ein vernünftiges land. Und da sah er
entzwüschent himel und erde sweben ein glichnüst, als ob es eins^
menschen glichnüs were, bi einem krüze in gutlicher gestalt, nnd
daz zweierley menschen giengen dar umbe und kamen nit hin zö-
und die einerley sahen die glichniis an nüwan von innan und not
von ussen, die andern von ussen und nit von innen, und waren
beide gekeret mit schlage und hertikeit gegen der glichnüs. Ako^
duchte [141'] in, daz sich die glichnüs her abe liezsi als ein wes-
licher mensch, und sas zft ime und meinde, daz er fragti, waz erze
fragenne hetti. dez wurdi im geantwurtet.
1 am Band: Thomas in summa .4 j^cschrift A' 2 hiinde fthlt ^
div so g-ar usges. C 2 f. treli'btu [menschoiij .S' 4 tutend in in standet 5
{) ir] in»m UN drin S 10 mit] nit »S in den ziteu C 23 die sahen ^
20 f. wesoloser >S
1 T/ioiridSj S\ T/i. l^ti fj. Gl a. 5, wo er von den virtutes tarn asutquenti^
diriitnm similHudinem handelt. 5 Vij}. Viia 108,9 f. und Krebs, 3f.
J)ietricli 1:J!:. :jjr''. 241. Heide sl rauhten sich gq/en die richtige A*}'
fassan<i und Xachahinnng dett Vorhildes ilJevifli-s Krkhirung 53i) A, 2 »roW
unrichii(i).
Büchlein der Wahrheit. Kap. V; 339
Er hftb uf und sprach mit inrlichen süfzen sins herzen: ,,Achy
igü warheit, waz ist dis, ald waz betütet disü wunderlichü gesieht?"
M) wart im geantwüitet und sprach daz wort in im also:
Disä glichnäst, die dn hast gesehen, betütet den einbornen sun
tes nah der wise, als er menschlich nature hat an sich genomen.
d daz du nüwan ein bild sehe und daz selb doch unzallich manig-
tig waz, daz betütet ellü du menschen, du sinü gelider sint, die
I süne oder sun worden sint dur in und in ime, als du zale vil
lieber gelider an eime übe. Aber daz daz hopt übei*treffelich
ein^ daz meinde, daz er der erste und eingeborne sun ist nach
' übertreflFenden annemunge in die selbsheit der gütlichen persone,
i aber die andern in die innemunge überförmiger einikeit des
ben bildes. Daz krüze betütet, daz ein warer gelazsener mensche
ih dem ussern und inren menschen alle zit sol stan in sin selbs
rgebenlichi in alles daz, daz got wil von im gelitten han, wannen
i kumt, (laz er geneiget si in sterbender wise daz ze enphahenne
n himelschen vatter ze lobe. Und solichü menschen stant adel-
a von innen und gewerlich von ussen. Daz du gestalt als güt-
b waz bi dem krüze, daz bezeichent: wie vil sü lidennes hant,
j hein sü ein verachten von ir selbs gelazsenheit. Wa sich daz
pt hin kerte, da kerte sich och der lip hin: daz betütet die ein-
itikeit der getrüwen nachvolge sines reinen spiegellichen lebennes
d guter lere, zu der sü sich vermügentlich kerent und sich dem
cb haltent.
Die einerley menschen, du in von innen an sahen und nüt
n ussen, bezeichnent du menschen, die Cristi leben an schont nü-
m in der Vernunft nach schowlicher wise und nüt in abwürkender
se, da sü ir eigen nature söltin durbrechen in nachvolgklicher
UDge des selben bildes. Sü zühent es alles nah diser angesiht
der nature wollust und lediger friheit in selb ze hilfe, und dunkt
I irirlichem (,'N 2 jreschilit C 4 t'ing-ebonien HCN 10 meiude]
in B 11 anveimnij:e (!) S einuiiiic Xwa personen HC 12 inven-
?e(!) *S' 13 j^rewarer -S' 15 ergebcnliclii K 21 hin daz — 22 iiachv.
ilt K 22 nachvoljürunge CS' 23 den S 28 da] die C uachvollik-
ler C 30 lebiger .S'
II Vgl. bei Thomas, S\ Th. 3 7. 4 a. :2 : 7. ;?6' a. 4 die Lehre ron der as-
nplio hnmanae nafurae in divitiatn persmiam. 12 Die Menschen knnnen
• Vereinigung mit O'ott niclit aufnenoinmcn, sondern )iKr eingenommen icir-
Vgl. II Kor. 3Jti: Xos- rern ... in eanidm imifffinem ininsformamur
?rformitf).
340 Büchlein der Wahrheit. Kap. V.
sü menglich grob und unverstanden, du inen des selben nit ge
hellent.
Etliebfi sahen es 5ch an allein nach der ussern wise und nil
nach dem inren, und du schein berte und strenge ; und us dem übenl
sü sich strengklicb und lebent behütklich und [141^] tragent den
lüten vor einen erberen heiligen wandel, und übersehent aber Crirtum
von innen. Wan sin leben waz senfte und milte, aber disü mensrhen
hant vil slahennes und urteilent ander lüte, und dunket sü alles da2
unreht, daz ir wise nit füret. Disü menschen haltent sich unglicti
dem, den sü doch meinent, und daz merket man da bi: der sü
suchet, sü stant nüt in eime lazsenne ir selbz noch entsinkenne ii
nature und nach verlust der dingen, du da schirment den willen,
als gern und ungern und des glich. Und hie mit wirt der wille
behalten und beschirmet, daz der mensch nit kumet ze gotlichen
lügenden, als gehorsami, lidberi, unbehabenlichi und dero glich;
wan sogtan lügende tragent den menschen in daz bilde Cristi.
Der junger vieng an ze fragenne noch me und sprach al«):
Sag mir, in weler benenten wise kumet ein mensch zft siner selikeit?
Entwürt: Man mag es nennnen ein geberlich wis, als da stet
geschriben an sant Job ans ewangelio, daz er hat gegeben macht
und mügen, gottes sün werden allen den, die von nihti anders denne
von gotte geborn sint. Und daz geschihet in glicher wise, als man
geberunge nach einer intragender gemeiner wise nemmet. Waz dd
daz ander in solicher wiae gebirt, daz bildet es nach im und in sich
und git ime glichheit sins wesens und würkunge. Und dar umbe,
in einem ;i:elazsenen menschen, da got allein vatter ist, in dem sich
nüt zitliches gebirt nach cigenschaft, dem werdent sinü ©«ren nf
getan, daz er sich da verstat, und nimet da sin selig wesen und
leben und ist eins mit im, wan ellü dinge sint hie eins in eime.
Der junger sprach: Ich sich doch, daz berg und tal i^'
und wasser und luft und manigerley kreature; waz seist du denne,
daz nüvvan eins si?
4 den iiiiiern -V scheinen X herti und strengi S 5 behüt«»'
klich B 10 daz fehlt C 13 und als u. S 15 gehorsam Alia 18 be-
nanteu Ii 19 nemeii ABCKS*S^cc, der Kontext verlangt nemmen (vgl 2»^
US u, OS) 21 mugende B 22 glicher] gotlicher S 30 ist fehU B
20 Joh. ]jJ:2 f. 27 eigeuschaft = unordentliche Anhänglichkeü «•
sich selbst oder an irdische Dinye (Selbstt'gkeit), das Gegenteil der Gelost^
htü; vgl. Krebs, M. Dietrich 147, '^22*,
Büchlein der Wahrheit. Kap. V. 341
Daz luter wort entwürt und sprach also: Ich sagen dir noch
le: es si denn, daz der mensch zwei contraria, daz ist zwei wider-
^ertigü ding verstände in eime mit einander, — fürwar ane allen
ffifel, 80 ist nüt gut lihte mit ime ze redenne von sulichen dingen;
an 80 er dis verstat, so ist er aller erst getretten dez halb uf den
eg des lebennes, daz ich mein.
Ein frage: Weles sint du contraria?
Entwürt: Ein ewiges niht und [142'] sin zitlichü gewor-
mheit
Ein widerwerfunge: Zwei contraria in eime sinde nach
Jer wise widerwerfent alle küuste.
Entwürt: Ich und du bekomen einander nit uf einem rise
d uf einem platze; du gast einen weg und ich ein andern. Dine
ageu gand us menschlichen sinnen, und ich antwürt us den sinnen,
ie da sint über aller menschen gemerke. Du möst sinuelos werden,
ilt du hin zu komeo, wan mit unbekennen wirt du warheit bekant.
Es geschah in den selben ziten ein vil grozü endrunge in ime.
ir kam underwilent dar zu, daz er etwie dike zehen wochen, ald
»inre ald me, so kreftekliche entwürket wart, daz im mit offenen
iunen, in der lüten biwonuuge und ane die lüte, sin sinne also
ntgiengen nach eigener würklicher wise, daz im überal in allen
ingen nüwan eins antwurte und ellü ding in eime ane alle nianig-
altigkeit disses und jenes.
Daz wort hüb an und sprach in im: Wie do, wie ist es nu
evam, hab ich reht geseit?
Er sprach: Ja, daz ich vor nit mobt glöben, daz ist mir nu
'Orden ein wissen ; aber mich wundert, war umb es vergange.
3 verstanden AB 5 altererHt A^S abrr erst C 13 ein pl. AK ein]
en SN 18 ettwen K 2,3 jenes] enses x 24 wie do fJdt K
8 Seine, d. h. dts Mcnscfun zeitliche Geirordinlieit und das eirit/e Nicht
= Gott) sind für den, der auf den Wey des J.tb.nn cur wi/siiachin Wr-
^ifjung) gelangt ist, eigentlich keine Gcf/ensäfze mehr, die KnatPrlichkeit fällt
trissennassen ab und Gott alltin bleibt. Kähere Erklär untj und Belege lui
miße 634 A. 4, Vgl. auch Krebs a. a. 0. VIS. 16 August., De ord. 11, l(i
44: JJeus scitur melius nesciendo. Vgl. Vita Iö7yl7 : VjO.lO und unten 34(),bff.
17 ff. Vgl. Vita 175,2:) ff. 22 eins = Gott.
342 Büchlein der Wahrheit. Kap. V.
Daz wort sprach: Da ist es vil liht noch nit gesuuken nf
sinen weslichen grünt.
Der junger vieng aber an und fraget also: Wa lendet eins
4i:elazsenen menschen verstandenheit?
Entwürt: Der mensch mag in zit dar zfi komen^ daz ersieh 5
verstat eins in dem, daz da niht ist aller der dingen, die man be
sinnen alder gewörten mag; und daz niht nemmet man nach ver-
hengter wise got, und ist an im selber ein aller weslichostes iht.
Und hie erkennet sich der mensch eins mit disem nihte, und dis
niht erkennet sich selb ane werk der erkantnisse. Aber es ist hie 10
verborgen neiswaz noch inbaz.
Ein frage: Seit du schrift üt von dem, daz du hast genemmet
niht, nit von sime nütsinde, mer von siner übertreffender unbe-
griffenheit?
Entwürt: Dionysius schribet von eime, daz ist namelos, IS
und daz mag sin daz niht, daz ich meine; wan der im sprichet
gotheit oder wesen, oder waz namen man im git, die sint im nit
eigen nach dem^ als die namen sich bildent in der kreature.
Ein frage: Waz ist aber daz verborgen inbaz dis vorgenan-
ten nihtes, daz da in siner betütung nach diner meinunge alle g6- #|
worden ihtikeite us schliezende [142"^] ist? Es ist doch lutrü eio-
valtikeit; wie mag daz aller einvaltigest haben inbas ald asbasV
Entwürt: Alle die wile, so der mensche verstat ein einunge
oder solich ding, daz man mit rede kan bewisen^ so hat der mensch
noch inbaz ze gänne; daz niht mag inbaz in sich selber nite, m^i''
nach dem, so wir verstau mugen, daz ist, so wir ane alle ßrm-
lichü lieht und bilde, die sin mugent, werden verstände, daz doch
5 der mag A 6 in dem] sinden C 9 disem] dem K 18 f. unbe'
griflicheit B 19 dis] des AKS^a 22 haben fehlt C 24 ding fthU C
reden B 25 inbaz mag S
10 ane werk d. erkantn. = in aiium blossen Schauen. 16 Ik dit'
nom, /, 4— 6\- VII, 3: vgl oben 328,16 ff. und Kap. 6. 26 ff. Alk m^^
sehen Erkenntnishilder sind imagines speculatoriae et umbraiibilss (Bernardttii
stnno 41 n. 11), welche Gott nicht zeigen, wie er ist, und was der Mensch ^
von redet, ist dem GeschaiUen niemals adäquat (Bern., De grad. humil. 8 n, 22:
ibi ridei invisibilia, audit ineffubilia, quaenon licet homini loqui; vgl.sermotö
in Cant. n. 14). Die höcliste Stufe der Ekstase aber ist das Schauen der Wes€h
heit (rottes ohne .JUldtr und Formen'* d. h. ohne Phantasiebilder und oA«-
geschaffene specit:^ intelliyibilis. Vgl. Brief X {Estote perfecti) im KlBfb nwJ
Krebs a. a. O. lii:^ f. ; Thomas, S. Th. ;,^^^ q. 174 a. ^ sq.
Büchlein der Wnhilitit. Kap. V.
343
jftciD rerstentnisBe mit formen imd bilden mag erlangen. Und hie
kan man nit gereden, wan ich ahten, daz sie geredet von eiine
dtt,7. man mit der rede kan bewisen; waz mau nu hie von
80 wirt docii daz nibt nihtesnit beivieet, waz es ist, daz uocli
vil lerer und büeber werin. Aber daz diz nibt sie selb du ver-
Mt oder wesen oder niecsen, daz ist och wo) war nach <!em, als
ID ans dar us reden mag; es ist aber nach warheit dez selben
Iferre und verrer, denn der einer fiuen berlen spreehi ein hakbank.
I Ein frage: Waz ist daz gesprochen: so daz geberlicb niht,
B man got nemmet, in sieb selber kumet, so weis der mensche
i nad des keinen underscheid?
Entwürt: Denne ist dis niht nüt in im selber unser halii, die
He es solich ding in uns ist würkende; wenne es aber in sieb
per kumet unser halb, so wissen wir und ocli es unser halb vun
Itn dingen nüt.
I Ein frag: Des bewise mich baz!
' Entwürt: Verstast du nit, daz der kreftiger ent worden liehe
wblag in daz uiht entschleht In dem gründe allen underseheid,
II nach wesunge, mer nach nemunge unser halb, als geseit ist?
i| Ein frage: Mich rüret noch ein wort, daz da vor get^prochen
fe daz der menseb dar zft muge konien in zit, daz er sieh ver-
pde eins in dem, daz io ist gewesen. Wie mag daz sinV
I Entwürt; Es spricliet i;in meister, daz ewikeit ist einleben,
■ aber /it ist und alles zit in sich bescblüzset, ane vor tind ane
(A, Und wer in Genomen wirt in daz ewig nibt, der besitzet nl
2 geredent B 3 mi /Ml C 6 oder niessen fehlt K 7 man feliU
iS B eine f. berlin B huchbiuik oder eia »täl N U klaioeu K
'.Vierhalp B 14 och [eaj C 15 disem K IG di» bewiseut S 17 ein-
dulicb B 19 nät] mit S 21 mn^e diir tÄ C S3 am Rande Bueciue A,
Tut S 24 zit [ist] K.S 25 nach fehlt C
■ 12ff. Zur Eiklärung vgl. Vita Anm. s« 1S9,1S ff. und Dtitifle öSü A. 4.
S inschlog ^ lagen omenheit; ni in dem gründe ri-gänie: Gölten.
tS. Botthiua, Dt consol. philo». V,6 («d. Päpir 139,7J: aettrnilan mt
fänabäia vitae tota simitl et ptrfectu possessio. VgL Vita 171,18 und den
« Kommvitai- be-i Deniße 3ö* A. 1 : 540 A. 1 und im Archiv II, 4öü. —
Wim hüehtten Grade dir Beschavung ftrantfurmatio mgatiea, vgl. ohtn
\ Vita IO,23) kein« Reflexion ataltfndtt, »n tftiss die 6'tek nicht, ob
Mmmcnjirin'' kan odtr lang dauert, sie üt äbrr Zeit nnd Raum.
4 IBO, ä7 — 3Sf: dai- umht dtr »teatehe, der ikbtr tit erhaben ist in etnkeit,
tritt nnt goti, riat gat vor tüstnl tmiia näth täntnt jArrn gtworM hat.
344 Büchlein der Wahrheit Kap. V.
in al und hat da nit vor noch nach. Ja, der mensch, der hüt wiirdi
in genomen, der weri nit kürzer da gesin nach ewikeit ze sprechenne,
denn der vor tusent jaren in wart genomen.
Jlin wider sprechenne: Dis innemennes ist der nieusch
allein wartende nach sime tode, als du schrift seit. 5
Entwiirt: Daz ist war nach einer wirigen und volko-[14.V]
mener besitzunge, aber nüt nach einem vorversüchennc, minr mid nie.
Ein frage: Wie ist es aber umb daz mitwürken dos inen-
sehen mit gotte?
Entwürt: Daz da von gesprochen ist, daz ist nit ze verstenne tf
nach Ijlozser hellunge, als du wort hellcnt nach gemeiner rede, es
ist ze nemenne nach der ent^^angunge, da der mensch im selber not
ist blil)en und sich in daz eine bat vergangen und eins ist worden;
und da würket der mensch nüt als mensch. Und us disem f:rande
ist ze verstenne. wie dirre mensch in ime hat alle kreaturen in eini- U
keite und alle wolluste, ja dennoch, die man hat in liplichen werken,
ane liplichü und geistlichü werk, wan er ist es selber in der vor
gesprochenner einikeit.
Und merk hie einen underscheit. Die alten naturlichen meister
giengen dien natürlichen dingen nach allein in der wise, als sü sintJO
in ir natürlichen Sachen, und also sprachen sü och dur von, und
also smakten sü inen und nit anders. Ouch die götlich kristan
meister und gemeinliche die lerer und heilig lüte nement du ding:,
alse sü von gotte sint us geflozsen und den menschen nach siine
natürlichen tode wider in brin^^ent mit deme, daz sü hie in sinem*
willen lebent. Aber disü ingenomnü menschen nement von über
swenker inneblibender einikeite sich und ellü ding als ie und ewklich.
Ein frage: Ist kein anderheit da?
Entwürt: Ja, der elit es relit hat, der weis daz und erkennet
8 dem [der] C 7 veröricheuiie S 10 da vor 4^ 12 uüt] nu C
13 vordt'ii A 20 alleiu] allem .S" 25 dorne fehlt 6' 26 f. überswenkiger i^«**
28 da f'JiU B 2S) es eht CN
Di ff. Die Mihstil'a- snr/eu, die Sttle irerde in der Beschauung ^yoti-
förmig-, j^rcn/oUvt^ (dtificatiis) , v</L Auf/u«l., de irin. XlVy 16 n, 24,26: i^^*
itardua, De dil. De 11 n. :2t> (sie afßci deificari est); ThomaSy In 3 Sent. dl>^3*
q.la.l: Kvkhart 156,b: :>4o,l4: r,Sl,20f.: 013,VJ.38 u, ö.; vgl. Vita i'i:^-
Ausführlir/ifr iihvr diese Lehre hei Dcnijle 541 A, 1; 649 A, 'J ; den. lit^
XXXVI ß.: XIV f.: über ihre (rrundlaf/ai hei IHonysius rgh U, K*t^
Pseudodioni/sius lt)0 f, 190 ff. 19 naturl. meister, vgl. 349,13.
Bttchlein der Wahrheit. Kap. V. 345
sich kreature, nit gebrestlich, mer voreintlich ; und do er iiüt waz,
do waz er daz selbe un vereinet.
Ein frage; Waz ist daz gesprochen: do er nüt waz, do waz
er daz selb?
6 Entwürt: Es ist, daz sant Johans spriebet an sime ewan-
gelio: „daz geworden oder geschaffen ist, daz waz in im daz leben."
Ein frage: Wie mag nu dis bestan in der warheit, wan es
hillet, als ob du sele zwei iht si, geschaffen und ungeschaflFen? Wie
mag daz sin, wie mag der mensch kreature sin und nüt kreature V
Entwürt: Der mensch mag nüt kreature und got sin nach
inser rede, mer got ist drivalt und eins; also mag der mensch in
etlicher wise, so er sich in got vergat, eins sin in dem verlierenne
und nach usserlicber [MS""] wise scho wende niessende sin, und des
glich. Und des gib ich ein glichnüst. Daz oge verlüret sich in
ßinem gegenwürtigen sebenne, wan es wirt eins an dem werke der
gesibte mit sinem gegenwurle, und blibet doch ietweders, daz es ist.
Ein frage: Wer ie die schrift bekande, der weis, daz du sele
in dem nihte eintweder mfiz überförmet werden ald aber ze nihte
Werden nach dem wesenne; und daz ist hie nüt also.
Entwürt: Du sele blibet iemer kreature, aber in dem nihte,
^0 si da ist verlorn, wie si denne kreature si oder daz niht si, oder
ob si kreatur si oder nit, des wirt (hi nütznüt gedalit, oder ob si
sie vereinet oder niL Aber da man noch Vernunft hat, da nimet
nian es wol, und dis blibet dem menschen mit einander.
Ein frage: Hat dirre mensch noch daz beste?
Entwürt: Ja, nach der wise, daz im daz, daz er hat, nüt
wirt benomen, und ein anders, ein bessers, gegeben. Er wirt daz
^db me und luterlicher verstende, und blibet im daz. Aber er kam
9 und nüt k. sin S 10 kreatur Hin imd ^njt [sin] Ji 15 wan] und -S
16 ietweder B 17 ie fehlt C der i:»'schrift K bekenn er C 21 f. oder
^^ - gedaht fehlt C 23 vereint sie S 25 besten K
1 Vor seiner Erschaffung icar er ah Idee in Gott GoU selbst und des-
^^ib uncereint. bf, Joh, l,3f. Vgl Vita lb6,9. 11 ft". Die Steh- icird
f-xn etlicher Weise"^ (dieselbe Limitier luuj heye'jnet nftvrs auch hei Tauler ^ v(jl.
*^tnißi. Bvga XXXVII f.)j d.h. von Gnaden^ nicht von Nattir, eins mit Gott,
*it verliert ihr Wesen flicht und i,st mit ihren eigenen Kniften tätig ( rgl. ohen
<^6,21f. wul Vita 188,1 ff.; 18U,19 ff.). Das Gl.'ichnis vom Äugt ist nach Ar i-
fioteles, iJe anima '^2,425 h2(J: vgl, 43t a 1: 431 l>:J2: ähnlivh auch Bcrnur-
ius, srmo 31 in Cant. n. 2.3 und Kckharl WSA ff. 22 Vgl. ViUi 180,11 ff.
nd Denifle 544 A. 1.
34t) Büchlein der Wahrheit. Kap. V.
noch iiüt dar mit disem allem, da von gesprochen ist, nach dem as-
schlüge. Sol er d«r komen, so mftz er sin in dem gründe, der ver-
borgen lit in dem vor genemten nihte. Da weis man nüt von nute,
da ist nit, da ist och kein da; waz man da von redet, so verbunet
man es. Nochdenn so ist dirre mensche sin nüt, in dem im blibet I
dis alles nach dem, als vor geredet ist.
Ein frage: Des bewise mich bas!
Entwürt: Die lerer sprechent, daz der sele selikeit lit ze
vorderlichest dar an: so si schowet got bloz, so nimet si alles ir
wesen und leben und scbepfet alles, daz si ist, als verre si selig ist, l
von dem gründe dis nihtes, und weis, nach disem anblike ze
sprechenne, von wissenne nüt, noch von minne, noch von nute alze-
male. Si gestillet ganz und alleine in dem nihte und weis nit denne
wesen, daz got oder daz nit ist. So si aber weis und bekennet, daz
si daz niht weis, schowet und bekennet, daz ist ein usscblag und i
ein widerschiag us disem ersten uf sich nach naturlicher ordenunge.
Und wan disü innemunge us der selben adren getrnngen ist, hier
umb so macht du verstau, wie es sich gruntlich haltende ist.
Ein frage: Ich verstünde es gerne noch baz us der warheit
der Schrift. i
Entwürt: Es sprechent die lerer: swenne man bekennet die
1 allem] allein C 2 da sin i^ 5 mensche fehlt S 6 geret B
8 sele fehlt C 9 schowent C nimet] minnet B 10 u. leben felM C
12 minnen C 15 f. und [ein] B 21 Augustinus vor swenne K
1 f. usschlag (vgl. Vita 189,13) ^ exitus bei Thomas (De verit, q.SaJ
ad :2), d, i. das Wiederzusichkommen des Geistes, auf das der widerschlag (Z, 16^
= reditus, die Beflexion folgt. Den Vorgang schildert anschaulich der hl Bim-
hard, sertno 41 in Cant. n. 3; De dil, Deo 10 n. 27. 5 Der Mensch ist sti«^
selbst ungewaltig (vgl. die zu Vita 188,13 ff. zitierte Stelle aus Eichard tm
St. Viktor). 8 ff. Es ist hier die Bede von der höchsten Kontsrnplationt-
stufe (unio seu mors mystica, matrimonium spirüuaU); vgl. darüber die it«»-
zu Vita 189,19 ff. und besonders Denifle 545 Ä. 5; 546 Ä. 2; dsrs., Bcga XlVI-
Albertus M., De adhaer. Deo 6 (ed. Sailer 241): et sie transformatur }«<>'
dammodo ifi Deum, quod nee cogitare nee intelligere nee amare nee tnemorar*
potest, nisi Deum pariter et de Deo. Eckhart 491,7 f.: so diu abegescheidenhfii
kumet uf daz hoehste, so icirt si von erkennen kennelos und von minne minnt'
lös finde von liehte x:inster : 505,5: si (diu sele) sol so gar ze nihte werdend^
ir seihen, daz da niht eublibe dan got; ähnlich auch 500,8; 508,1; 509,Uf-'
519,25 ff. 13 f. Vgl. Bernardus, sevmo 23 in Cant. n. 16: hie vere quiescit^fi
iranquillus D:us iranquillat omnia. 21 ff. Augustinus, De Gen. ad lit. IV. '2^
n. J9ff.: njl. Comp, thcol. verit. VII, :J(j und Eckhart 263,22 ff.; die Lehn
Dietrichs con FrAbtry bei Krebs a. a. (). i/ö"^. *
Biiclilpin der Wabrlii?it. Kup, V, 347
kreatare [144'] in sich selber, daz heisset und ist ein abentbe-
bentnisse, wan so siht man die kreature in bilden etlicher nnder-
Mheide; sn man aber bekennet die kreature in gotte, daz heisaet
und ist ein mörgenbekentniase, und so schSwet man die kreatare
1 *ne allerley underscbeit, .iller bilden eutbildet und entfliehet aller
gliclieit in dem einen, d&x got selber in aicb selber ist.
Ein frage: Mag sich der mensch dta nibt verstan in digem
zite?
Enlwnrt: Nach geistes wise verstan ich nit, daz es mug sin;
Nber nach der vereinter wise so verstat er sich vereinet in dem, da
sich die niht nüsset und geberlich ist. Dis ist wol, so der lip uf der
fiic ist nach gemeiner rede, aber der mensch ist über zit.
Ein frage: Weder geschiht du vereinunge der sele mit dem
«csen der sele ald mit ir krefteu?
i Entwürt: Daz wesen der sele wirt vereinet mit wesenne des
DJhtes, und die krefte der sele mit werken des nibtes, die werk daz
nibt hat in im selben.
Ein frage: Ob öch dem menschen sin gebresten enpfaalleu,
sld oll er keinen gebresten mfige dar naeb erz&gen, so er siL-h er-
> kennet nochdenne kreature, nit in gebrestlicber wise, mer in ver-
einter wise?
Entwürt: Als verre der mensch im selber blibet, als verre
mag er gebresten üben, als sant Johannes sprichet: „nenien vrir
lins des an, da/, wir mit sunde haben, so triegen wir uns selb und
' i*t kein warheit in uns." Aber als verre der mensch im selb nüt
Wibet, als verre wdrket er nit gebresten, als och sant Johans
sprichet an siner epistele^ daz der mensch, der us got geborn ist,
2 bilder S 6 ist fehlt B 7 aiht fthlt B 9 ich] 'ÜA S du daz £
« «firt ver. — 16 sele/eA« C 16 uiid — nihtes fehlt S 17 niht] nihtes ABS
IB erzägen A erzägen BC 34 betriegen C 25 nüt] mit C 26 nit] mit C
lü nach der vereinter wise ^ in der Vereinigung mit Gotl. hie Myttiktr
'"itH tongt von „ilb*rformter" Wtiet (tranaformatio tnystiea), 15 ff. Vgl.
£'kharl 536^4 ff.: diu ätlichen dine (das ist ir geacbaffenheit an den krefUn)
^ Mibatt üf den Personen, and daz bloze wenen icirt enpfangen von der
Wäffli einikfä gotes dne widei-ßieeeti. Über die Lehrt vom Wesen der i'eeU
•*r Sttltugruad (rgl. Vita 164,14) Deniße in Biat.-pol. hl. 76, T85 und Krebs
•i- 0.0. 136 ff., 70'ff.,3iy,23^. 2a I J,ih. Iß. 2&fS. Joh. 3,9. ~
^ mU Üolt tertinigte Seele, Uhren die Mystiker, teirkc non humana simpli-
ö>tr, ätd qaodam modo dieina (Thomas. In 3 Sent. ditl. 34 g. 1 a. II, und für
dl» Augenblick der Vereiniginiff »ei ihr die Sünde unm/lglich. Weiteres bei
l)mifte!.4t>A.7; S49A.S; dirs. in Zfda 34, i03 und Bvga XL Fi/.
348 Büchlein der Wahrheit. Kap. V.
entut iiit sünde, noch übet uit gebresten, wan der götlich same blibet
in ime. Und dar umb dem menschen, dem hie reht beschult, der
wiirket niemer werk me denne ein werk; wan es ist ein geburt und
ein grünt, ja nach vereinunge.
Ein wider werfen: Wie mag daz bestan, daz der nieuscb
nlt mc wiirke denn ein werk? Nu hatte doch Cristus zwivalt werk.
Entwurt: Ich achte, daz der mensch nit me würke denn ein
werk, der nit sehens hat zft keinem werke, nnwan als du ewige
geburt es wurket. Gebere got sinen sun nit ane underlaz, Cristas
hctte naturlich werk nie gewürket. Da von ahte ich es nit wan ein
werk, man welle es denne nemen nach menschlicher verstcntnüst.
Ein w i d e r w e r f e n : Nu sprechent doch die heidenscben
meister, daz enkein ding [144''] entsetzet wirt siner eigener wir-
kunge.
Entwurt: Der mensch wirt nit entsetzet siner eigenen wür-
kunge, uier si blibet da unangesehen nach der wise.
Ein frage: Ob du kreatürlichü werk, die dem nieiisehen
bliheiit ze würkennc, weder er du si würkennde ald wer?
Entwurt: Sol der mensch komen zu dem vordem, so mözer
tot sin der widergeburt, die in im ist, und du selb widergeburt vm
erstanden sin. Als wie, daz merke. Alles, daz in uns kumet, wan-
nan daz ist, wirt es nüt in uns anderwerb geborn, so ist es uns niil
nütze. Du widergeburt ist so frouide und hat so wenig me ze tüne
mit dem übe nah ir urstendi, daz du nature wurket in dem men-
schen als in eime vernünftigen tiere solichü werk, du zft dez men-
schen lebenne hörent, und hat der mensch neiswie nüt me ze tnune,
ja in würkender wise, als er hatte vor siner urstendi; mer in br
sitzcn'ler wise so wurket es disü werk. Und dez nim ein glichnisse
10 lietto] hat A' 11 mcnschl.] natürlicher C 15 f. Entw. — wörk.
fMt CK 18 si ze wiirkende C 22 anderwert *S' 25 ch'z] dem ^V 26;.^
horent 1t 28 es] er X
12 f. An.stoli'Ii'ft, JJe voclo ß ;?.S6" a cS, rgl. Thomas, S. Th. 1 q. lO't «/. .*>•
15 f. I)ie Wirl'samkcU der iS.'denkräflr i\st in der höchsten KontempM"^
hicht <(ufgeh<tlnn, es nuti-rhleibt nur die Rvßexion darüber. VtjL JJeniHe ''^'
A. :J und Krt'hs a. (i. 0. 17.!HS''' mit Bdeyv.n aua Thomas u. a. 19 tf. i^f*"
fohlende Abschnitt bittet dem Vcrstündni't (jrottse ^»'chwicrigkeit. Nach Dti\'ß*
(i'n'fl A. (ji untcrachi^id.t Scuaa eine rein natürliche Witdcrgthurt, die der Mt:nfch
mit dt in T'ure (jontin hat, und eine f/nifftUchey über natürliche^ die in dernüch-^f*
Antwn't erklärt wird. Vgl. auch Fregcr II, 23(ij 396 f. 26 vem. tier = fl^»*
m(d ratiunale. 27 t'. in h(.»sitz. wise = habitnalitcr. 28 68 = daz v. tier
Büchlein der Wahrheit. Kap. V. 349
I dem gebranten wine: der hat nit minre materilicheit, ein kref-
;er and stiller uswürken, denne der win, der in siner ersten ge-
rte ist bliben.
Ein frage: Gib einen underscbeit zwüschent der ewigen go-
rt und der widergeburt, die in dem menschen ist!
Entwurt: Die ewigen gehurt heiss ich die einigen kraft, in
r ellü ding und aller dingen Sachen hein, daz su sint und daz sii
ihen sint. Aber die widergeburt, du deme menschen allein zft ge-
ret, heis ich ein vviderlenken eins ieklichen dinges, daz gevellet,
ier in den Ursprung, ze nemenne nach dez Ursprunges wise, ane
es eigen anesehen.
Ein wider wer fem Waz würkent denne die weslichen, natür-
lien Sachen, von dien die natürlichen meister schribent?
Entwurt: Sü würkent natürlich alles, daz du ewig gehurt in
n menschen würket in irem geberenne, aber in dem gründe ist
von nüt ze sagenne.
Ein frage: So du sele in der innemunge vergat nach bekent-
?se und aller ir kreatiirlichen gebruchunge, waz ist daz, daz denne
■ US lüget nach usrichtunge der usseren sachen?
Entwurt: Alle die krefte der sele sint ze krank, daz sü mu-
komen in diz niht nsich solicher wise, als da vor geseit ist; aber
jhdenne, so man in disem nihte sich also verlorn hat, so würkent
krefte daz, daz ir Ursprung ist.
Ein frage: [145^j Wie ist daz verlieren gestalt, in dem sich
• mensche in gotte verlüretV
Entwurt: Hast du mich eben gemerket, so ist es dir vor gar
enlich gezoget, wan wenne der mensch im selben also wirt ent-
men, daz er weder von sich noch umb nüt niht waiz und ze male
Jtillet in dem gründe des ewigen nihtes, so ist er wol verlorn im
her.
Ein frage: Ob der wille zergange in dem nihte?
Entwurt: Ja, nach sinem wellende, wan wie fri der wille
. 80 ist er alrerst fri worden, wan er bedarf nit me wellen.
8 f. zu gehorent AJW 17 düj disu C 23 ir fehlt S 2G mich]
S 27 erzeiget Ji 32 welhnidel avüIjmi C 33 ^verd^n C
13 die nattirl. meister = die Philosophen, hesondrrs Aristoitles. im Unter-
ed von den Mustern der „r/ött/ichtn Kuvst^, den Theologen: rr/l. Dtnijlc
a 203. 15 Zu in dem gründe n-gänzt: des Xichtes.
350 Büchlein der Wahrheit. Kap. Y.
Ein wider werfen: Wie mag dem menschen sin wiile zer-
gan? Cristo beleip sin wille nach wellender wise.
Entwürt: Dem menschen vergat sin wille nach dem wellende.
daz er wil usser eigenschaft würken, nu dis, nu daz; und hie hat
er*nit werk soliches wellendes in gebrestlichcr wise, als da vor i?t 6
geseit, mer sin wille ist fri worden, also daz er nit me denne ein
werk würket, daz er selber ist nach vereinter wise, und ane zit
würket. Mer, der es uimet nach unser rede, so wil er nihteznit
Übels würken und wil ellü guten ding; aber eigenlich so ist alles
sin leben und wellen und würken ein stillü unberürtü friheit, die 10
sicher ane allen zwifel sin enthalt ist; und denne ist er sich haltende
in geberlicher wise.
Ein wider werfen: Der usbruch dez willen ist nüt in ge-
berlieher wise.
Entwürt: Dirre wille ist vereint mit götlichem willen und i?t H
nüt wellende, denne daz er selber ist, als vil daz wellen in gotte
ist. Und daz vor gesprochen ist, daz ist nit ze verstenne nach einer
insetzunge sin selbs in got, als es gemeinlich hillet, es ist ze ne-
menne nach entsetzunge sin selbs, wan der mensch wirt so ;rar ver-
einet, daz got sin grünt ist. *
Ein frage: Ob dem menschen blibe sin persönlich ander-
scheiden wesen in dem gründe dez nihtes?
Entwürt: Dis ist alles sament ze verstenne allein nach de?
menschen nemunge, in der nach dem inswebenden inblike in ent-
wordenlicher wise diz und daz unangesehen ist, nü| in der wesunge.il
in der ein ieklichs blihet, daz es ist, als sant Augustinus sprichet:
la Valien dis und daz gut in verahtunge, so blibet lüter gftti in ach
swebende in sincr blozscn witi, und daz ist got.
Ein frage: Der mensch, der sich verstat daz niht, von dem J
gesprochen ist. in gebruchlicher wise, blibet diz dem menschen al-*
wegent V
5 brestonlichor (' 7 ane] alle V/.V in « 11 sicher] sich n 12 ber-
lieher C ^»-ebcnlichor *S' i:'>f. berlieher (" 16 als v. als daz H 17 sprocheni^'
'IS in ^LTOt — 19 selbs fMl K 25 wesenuffe i!) K 20 Aujrustinus auch a»
Tiaudc A 27 luter ;;Ut 7/ 29 verstat ] iier (!) A'
51. Vf/l. ohi-n :i47,:^^ß\ 11 f. Kr virkt <hmn die Werke GolU^i: rf
oben :J47,:J(jff. 2() JJc Irin. VIII, 3 n. 4,
Bttchlein der Wahrheit. Kap. V. • 351
Entwürt: Nein es in gebruchlicher wise, mer es blibet in
einer [145^] behaltlicher, unverlorner wise.
Ein frage: Oder irret daz usser daz inre fit?
Entwürt: Weren wir usser zite nach dem libe, so were es
ninre bindrunge verre nach etlicher wise an hunger, erbeite und
och anders ; aber die usser geistliche schSwunge irret nüt daz- inre,
da si in friheite ist. Onch geschihet es underwilent, so die natnre
ie näher getrungen wirt, so du götliche warheit ie richlicher stat.
Ein frage: Wannen kumet swarmiitikeit?
Entwürt: So s&Iich ding nit kumet wan von natürlichen
Sachen, und der mensch inwendig fri ist, so enahte sin nüt, es zer-
gat mit dem libe. Were aber daz inre da mit vermischet von gründe,
(lern were nit rehte.
Ein widerwerfunge: Du schrift der alten e und der nüwen
US dem ewangelio lühtet, wie man in zit dar zu nüt mug komen,
daz geseit ist.
Entwürt: Diz ist war nach besitzunge dez selben und voller
bekennnnge; wan daz er hie versflehet, daz ist alles dort volkomen-
licher, wie es daz selb ist, und für verstände mag es sin uf erden.
Ein frage: Ein mensch, der sin ewiges niht beginnet vcr-
stan, nüt von übertreflFender kraft, mer allein von hören sagenne,
alder ane daz von ingetragnen bilden, waz ist dem ze tünne?
Entwürt: Der mensche, der noch nit so vil verstat, daz er
weis übernatürlich, waz daz vor gesprochen niht ist, da ellü ding
^erdent inne vernihtet nah ir selbs eigenschaft, der laze ellü ding
sin, als sü sint, ^az im für kumet, und halte sich an die gemeinen
lere der heiligen kristenheit, als man sihet vil gftter einvaltiger
5 erbeiton C 6 irrut A 7 da] das r 19 c^] er ACS für ver-
standen B förverstend iS\fa erde AK 20 f. W\x. verstau] verstat /> 22 [al]
♦i^r [ane dazj C 24 wisz K 26 im] iu K '21 iz riter fehlt K
1 Die Wirkunfjm der mi/stischen Verein if/i<n(/ .find der -SVe/f, wenn sie Irtu
^My, unverlierbar (hahiinaliter) eif/tn, aber nivJit in gcnitssendtr Wt-isv (actuu'
^''/:r>.- rf/f. JJenijfe 5Ö1 A. 1 und Kits n, a. 0. Hon A. 4. 1) \',il. Vita 6:JJ f,
19 für verstände = üotr Vers f and nis, <tdcr — anstatt des Wrsti'indniases.
^^fiiffe (nac/t B): rorhfr verstanden. 21 von übeitrrt!'. knift = infoftfc der
götiUchen Kraft. 23 tl". 7>/i' Mustil-er l>eiamn, dass dir (inadi, der !»/•
fc/tauung nicht durch dfjoie Ihntüliang, snndmt nur durch dt schenk (iottts
trreichhar Jfci: nicht a/le sind dazu hvntf<.n. Val. Jkrnardus. sernto (S? de dir.
t.H: aermo H in Circumcis. n. V.j : Ttnders Lehr h i Dniijl:, lirf/a XW'If.
26 f. Vf/l Eckhart 496, 'JU f.
352 BUchleiu der Wahrheit. Kap. VI.
menschen, die in loblicher heilikeit lendent, dien doch hier zu ii
ist geriiflfet. Aber ie näher, ie besser. Ist im aber worden i
sicher punct, da halt er sich an, und ist uf dem rehten wege; w;
der punct haltet sich mit der heiligen schrift. Anders dunket mi
sorgklich ze tünne, wan der sich hier inne versummet, der verg
sich eintwcder in unledikeit, ald geratet aber dik in ungeorde
friheit.
VI. Kapitel.
Uff weleii piincten dien menschen gebristet, die valsehe
friheit fiirent.
An einem lichten sunnentage do sazz er eins males in gezogt
und vcrdaht, und in der stilli sins gemütes begegnet ime ein ve
nünftiges bilde, daz waz subtil an sinen worten und waz aber ni
geubet an sinen werken, und waz usbrüchig in flogierender richhei
Er hftb an und sprach zu im also: „wannen bist du?" Es spracl
j,ich kam nie dannen." Er sprach: „sag mir, waz bist du?" l
sprach: „ich bin niht." [146'] Er sprach: „w^az wilt du?" i
antwürte und sprach: „ich wil nüt." Er sprach aber: „dis ist ei
wunder; sag mir, wie heizsest du?" Es sprach: „ich heisse da
naniolos wilde."
Der junger sprach: Du mäht wol heissen daz wilde, wa
dinü wort und antwürte sint gar wilde. Nu sag mir eins, des id
dich frage: wa lendct diu bescheidenheit?
Es sprach: In lediger friheit.
Der junger sprach: Sag mir, w^az heissest du ein lefc
friheit?
Es sprach: Da der mensch nach allem sinem mütwillen leW
sunder anderheit, ane allen anblik in vor und in nach.
2 im] in -V 3 halt] hab (7 [und] do ist er C 9 MI rot nat^
ffiront J.V 12 in [der] stiller (.' 14 HoriertMle C 15.16 Es] er C ISant-
wnrtet // 22 gar Mit ABS des] daz JJ 23 fragen wil .5^ 2ol>«'
Junircr -- 2G friheit fehlt KN
9 f. V'gl. Jirga itj ff. : Unierscheit undvr gfAlicher friheit und u^
onluitcr friheit. 27 f. Gemeint ist die liiert inxstische Lthre der Brüdtr i
frrien Geistes. — Minder anderheit = ohne zwischen Gott und der yVtU ein
Unterschied zu machen.
Büchlein der AVahrbeit. Kap. VI. 353
Der junger sprach: Du bist nüt uf dem rehten wege der
warheit, wan sölichä friheit verwiset den menschen von aller seli-
keite und entfriet in siner waren friheit; wan 9wem underscheides
gebristet, dem gebristet ordenunge, und waz ane reht ordenunge ist,
daz ist böse und gebreste, als Cristus sprach : „der süude tftt, der
ist ein kneht der sönde". Aber wer mit einer luteren gewissem
nnd behfitem lebenne in get in Cristum mit rehter gelazsenheit sins
Jelbg, der kumet zft der rehten friheit, als er selbe sprach: „löset
Dch der sun, so werdent ir warlichen fri."
Daz wilde sprach: Waz heissest du ordenhaft ald nüt ordenhaft?
Der junger sprach: Ich heis daz ordenhaft, wenn alles daz,
laz der sache zögehörlich ist von innen ald von ussen nüt under-
»vegen blibet unangesehen in dem uswürkenne; so heis ich daz un-
)rdenhaft, weles under disen vor genanten underwegen blibet
Daz wilde sprach: Ein ledigü friheit sol dem allem sament
indergan und es alles verahten.
Der junger sprach: Du verrftchtekeit were wider aller war-
leit und ist der falschen ledigen friheite gelich, wan si ist wider
iie ordenunge, die daz ewig niht in siner berhaftkeit hat gegeben
dien dingen.
Daz wild sprach: Der mensche, der in sime ewigen nihte ze
rihte ist worden, der weis von underscheide nüt.
Der junger: Daz ewiir niht, daz hie und in allen gerehten
^emünften ist gemeinet, daz es niht si nüt von sime nütsinde, mer
'On siner übertreffender ihtekeit, daz niht ist in im selber aller
ninste underscheides habende, und von im, als es berhaft ist, kumet
'Her ordenlicher underscheit aller dingen. Der mensch wirt niemer
'o gar vernihtet in disem nihte, sinen sinnen blibe dennoch under-
'Cheit ir eigennes Ursprunges und der Vernunft dez selben ir eigen
"esen, wie daz alles in sinem [Hö""] ersten gründe unangesehen
)libet.
Daz wild: Ob man es denne ze male nimet nicrgen denne
ödem selben und us dem selben gründe?
Der junger: Der nemi es nit rehte, wan es enist nit allein
^ dem gründe, es ist och in im selbe ein kreatürlichs iht hie usse
3 entfiert B 8 sprach selber C 10.11 ordenschafft B' ald nüt ord.
^^i IC 13 f. unordenscbafft B 22 wisz K 23 gerehten fMt *V 24 mit-
'^e S 32 Dienen K 35 usse fehlt S
Öf. Joh, 6j34. 8 f. floh. 6,56'. 35 hie usse = ausser dem Goitesgrunde.
' *eui«, Dsutiohe Schriften. ^
354 Büchlein der Wahrheit. Kap. VI.
und blibet, daz es ist, und nach dem so mftz man es och neme
Were, daz ime engienge sin underscheid nach der wesunge als nat
der nemunge, so möht es bestan; und des euist nit, als da vor ^e
seit ist. Hie von sol man alweg haben gftten underscheit.
Daz wilde sprach: Ich han vernomen, daz ein hoher meister
si gewesen, und daz der ab sprechi allen underscheit.
Der junger sprach: Daz du meinest, daz er allen underscheit
ab sprechi, — nimst du daz in der gotheit, daz möht man m-
stan, daz er meindi der personen eins ieklichen in dem graode,
da sü inne sint nnunderscheiden, aber nüt gegen dem sü sieb wider- ]
heblich haltent; und da ist ze halteune sicherlich persönlich uoder-
scheidenheit,
Nimest du es och von eins vergangnen menschen entworden*
heit, da von ist genüg da vor geseit, wie es ist ze verstenne nach
der nemunge, nit nach der wesunge. Und merke hie, daz es ein ]
anders ist underschidunge und undcrschcidenheit, als kuntlich iß^
daz lib und sei hant nit underschidunge, wan eins ist in dem an-
dern, und kein lid mag leben, daz usgescbidet ist. Aber uoder-
scbeiden ist du sele von dem libe, wan dö sele ist nit der lib, noch
der lib du sele. Also verstau ich, daz iri der warheit nüt ist, dtfj
underschidunge müge han von deme einveltigen wesenne, wan es
allen wesenne wesen git, aber nach underscheidenheit, also daz daz
götlich wesen nit ist des Steines wesen, noch des Steines wesen daz
götlich wesen, noch kein kreature der andern. Und also meinent
1 och fddt S 3 desj daz B 6 [ab] sprechi C 9 eiiis] ainer A'
ieiior N 10 underscheiden CK du sich K 13 och] joch A' 15 ö^'
mim»r] nioinung S 16.17.21 underscheidunge SN 17 underscheidunge ^
18 glide B usgescheideii BN 22 uuderacheidunge B 23 f. [daz] güt-
liches wesen B
2 f. V(jl. oben :J50,:J3 ff. 5 Meister Evkhart; vgl. unt<T seinen wf
urteilten Sätzen {Archiv II, 63S f., 683) Nr. 23 und 24 (von Gott), 10 und 1^
(vom „cerf/otteten'-^ Menschen). 9 Ergänze nach meindi: unterscheit
eins ieklichen = des Vaters, Sohnes und hl. Geistes, „Jede Person ifi ''*'
mit dem Wtscn, und betrachtet man nur das Wesen als solclies, so sieht ^'^
keinen Unterschied in Gott: dieser tritt aber alsbald zu Tage, sobald man dit
einzelnen Fersonai betrachtet, die sich durch ihre Relationen von einandff
unterscheiden- iJJeniflc 560 A.3): vgl. oben 330,25 ff, 16 underschidoD^
= Trennung f separatio), underscheidenheit = Verschiedenheit (distinctioK
20 tl'. Sense erklärt tiiir die Lehre von der Immanenz und Transcendf^
Gottes ganz korrekt : die Scholastiker ziehen gewöhnlich das Verhältnis f^ -^
and Suele zur \':rdeu:lichung bti. Vgl, Denifle561 A, 1 u, 2 und Archiv H"^-'
Büchlein der Wahrheit Kap. VI. 355
die lerer, daz disu nnderflcheideDheit eigenlich ze sprechenne nit si
in gotte, mer si ist von gotte. Und sprichet über der wisheit bftch :
aig n&t innigers ist denn got, also ist nüt underscheideners. Und
dar nmbe so ist du beilange valscb und disü nieinunge gereht.
5 Daz wilde sprach: Der selb meister hat vil schone geseit von
eime kristmessigen menschen.
Der junger sprach: Der meister sprichet an einer etat also:
Cristos ist der eingebome sun und wir nit, er ist der natürlich sun,
wan sin gebart zilet in der natur, aber wir sien nit der naturlich
)8nn, und unser geberunge [147'] heisset ein widergebuit, wan si
zilet in einförmikeit siner nature; er ist ein bilde des vatters, wir
8ien gebildet nach dem bilde der heiligen drivaltikeit. Und sprichet,
daz ime hier inne nieman kan gelich gemessen.
Daz wilde sprach: Ich han vernomen, er sprechi, ein sölicher
5 mensche wurke alles, daz Gristus wurkte.
Der junger entwürt: Der selbe meister sprichet an einer
«tat also: der gerehte der wurket alles, daz du gerehtikeit würket;
und daz ist war, sprichet er, da der gereht eingeborn ist von der
gerehtikeit, als geschriben stat: „daz von fleische geborn ist, daz ist
»fleisch, und daz geborn ist von geiste, daz ist geist." Und daz ist
allein war, sprichet er, in Cristo, und an keinem andern menschen,
wan er hat nit wesen denne daz wesen des vatters, noch geberer
1 disse underscheit Ji si] ist B 2 und er spr. K 4 8o ist hie B
nemunge C niemuge S 7 einer andren st, li 8 einborne S 9.12 sint //
15 daz daz K wurkte] würcket fi 17 [der] wurkot BCSa 19 von dem
i B 22 wan] war 4^ hat fehlt JJ denne allein B
2 f. Eckfiart in dem von Denifle wicd'fr auf ge/un denen Kommentar zum
^^er Sapientiae: Deus est indistinctissimas ab omni et quolibet creato ....
Omni; quod indistinctione distinguitur, quanio est indistinctius, tanto
^jstinctius^ distinguitur enim ipsa indistinctione (Archiv 11, 498). JHe
^hrsHsung von „indistinctius" mit inniger» gibt aber nicht den vollen Begriff
*^ Sinne Eckharts wieder. Vgl. auch Eckhart lfiH,3ff.: ez meinet ouch, dag
9^t ungescheiden ist von allen dingen, wan er ist in inniger dan si in S'^lber
*»«^ 6 20. Satz Eckharts: quod bonus homo est unigenitus filius iJei: rgL
Satz 12 u. 21 (Archiv II, 638) und die Ausführungen Eckharts in seinem Korn-
^Hntar zu EccUsiasticus (a. a. 0. 572 ff., vgl. o(j8, ti()9 f.) und in Predigt LIX
bei Pfafftr. 14 f. Vgl. den 13. Satz Eckharts. 16 If. Sense lässt Eck-
harts Satz nur von Christus im vollen Sinne gelten, Eckhnrt selbst aber bezieht
ihn in Konstquenz seitier Lehre von der Gottesgtburt auf jeden Gerecht'fUj rgl.
Äusserungen wie: jusius per essentiam, inquantum huiusmodi, amat solam iu-
stiiiam; iustus ut sie i)er essentiam habet in sie agert (Archiv 11, 6f)8 : vgl. die
oben silierten Belege), 19 f. Joh. 3.6.
356 Büchlein der Wahrheit. Kap. VI.
denne den himelschen vatter; und dar umb wnrkte er alles, daz der
vatter wurket. Aber in allen andern menseben, spriehet er, so velet
dis, daz wir minr und me mit im wurken nach dem, als wir mior
und me von im sien geborn. Und disü rede bewiset dich eigen-
lieben der warbeit. *
Daz wilde sprach: Sin rede lühtet, daz alles, daz Cristo si
gegeben, daz si och mir gegeben.
Der junger: Daz al, daz Cristo ist gegeben, daz ist vol-
komnü besitzunge der weslichen selikeit, als er sprach: ,.oiiinia
dedit mihi pater, der vatter hat mir al gegeben"; und daz selhl<>
al hat- er uns allen gegeben, aber in unglicher wise. Und er spriehet
an vil stetten, daz er daz al hat mit der infleischunge, und wir mit
der gotförmigen vereinunge; und dar umbe hat er daz so vil adel-
licher, so vil er sin adellicher enphenklich waz.
Daz wilde zoh aber für und meinde, daz er ab sprechi allein
glicheit und vereinunge, und daz er uns sazti bloz und entglicbet in
die blozsen einikeit.
Der junger antwürt und sprach: Dir gebristet ane zwivel,
daz dir nit lühtet der underscheit, von dem da vor geseit ist, wie
ein mensche ein solle werden in Cristo und doch gesundert bliben, ^
und wa er vereinet ist und sich unvereinet eins nemende ist Wes-
lieh lieht hat dir noch nit gelühtet, wan weslich lieht lidet orde
nunge und underscheit, entwiset von usbrüchiger manigvaltikeit. Din
scharphes gemerke richset mit günlichi dez lichtes der natura in be-
hender vernünftikeit, daz da vil glich lühtet dem liebte der gStlicben *
warbeit.
1 wurktc] würcket B wurcke C 3 mit im — 4 me fehU C 4 und
me fehlt S diser 6' 7 geben B 8 al fehlt S 9 wesentlichen B
13 geformigen C 14 adellichcr nach waz C enpfenlichen B 20 «l^r
mensche S eins XS\f' 24 richsenet B 25 von dem liebte Ä"
6 f. T/yZ. den 11, Satz Eckhnrts: quicquid Dens Pater dedit Filio f»^
unigenito in humana natura j hoc totum dedit mihi: hie nihil excipio, nee tinio-
nem, nee sanctitatem^ sed totum dedit mihi sicut sibi : dhnlich Pfeiffer öS.pS'
9 f. Joh. 13,H (vgl Matth. 11, 'J7; 28,18), 11 er spr. = Eckhart. 4-
Pfeiffer lurAO: :>31,37 ; 671,30 ff. 12 er = Christus, 15 f. Eckkäf^
spreche nicht von Vereinigung, sondern von absoluter Einheit und hebe j#<^f"
Unterschied auf ; vgl. seinen 10 u. 13. Säte. 26 Zu der vorangehendi*
indirekten Verteidigung Echharts den Begharden gegenüber vgl. noch Denifl^
564 A. 4 : dens. in Hist.'pol. Bl. 75, 903 f, ; Archiv II, 513, Seuse nimmt keimn
der inkriminierten Sätze selbst in Schutz, deutet sie auch nicht orthodox {*<»
K, Schmidt in Theol, Stud, u. Krit, 1843, 883), er Idsst sie vielmehr auf sich
Büdilein der Wahrheit. Kap, VII, 357
Daz wilde gesweig und hat in mit ergebenlicher iiiiderteiii-
teit. daz er fiürbaz rftrti den nützen underscheit.
Er entwürte und sprach also: Der meiste gebreste, der dich
und dine glichen entsetzet, der lit dar an, daz üeh gebristet [147']
* gutes nnderscheides vernünftiger warheit. Und dar umhe, wer ain
[BetsteB welle ervolgen und nüt in dise gebresten vallen, der sol diser
ItS^cnlich lere flizsig wesen, so kiimet er ungehindert kö eime seligen
Dfaenne.
VII. Kaj)itel.
Wie atloilieheii sich haltet ein reht gelazseuei- mensch iu
allen dingen.
Dar nah do kerte sich der junger aber mit ernste zö der
^twigen warheit and begerte öch etwas nnderseheides nah einem
geiuerke des ueseren bildes eins menschen, der sich waiüch gelassen
'Shetti. und fragte also: Ewigü warheit, wie haltet sich ein solicher
mensche in dien gegenwiirfen eins iekiichen rlinges?
»Entwurt: Er entsinket im selben und mit im ellti ding.
Ein frage: Wie haltet er sich zu dem zite"?
Entwürt; Er stat in einem gegenwürtigen nn arie behangnen
** Türwiz, und nimt sin nehstes in dem minsten als in dem meisten.
Ein frage: Paulns sprichet, daz dem gerehten enkein gesetzde
I Begehen ist.
7 tögenlicher BCS 1 1 V i-oi nach dingen :S' 12 do fthlt K 13 wie-
it 1! 15 wiehelt S 17 atn Rande Iq collaciuiiibu« palnun (fratmm C) AC,
Text K 21 gesetz S '22 ist] ayge BX
hriiAm und entiaickeU teil» »eint dgene Ltlire darüber, teil» »teilt tr ihnen
tMtre riehiigt AttneiiHlehe d'» Meinter» gegenüber. Au/ diear Art weist er die
Prüfung de» „ Wilden" auf Ecklinrt als unberechtigt »uräck, wobei natüiiich
^' Frage offen bleibt, ob nicht dtteett faUi-he» Grui'dprinsip da» tese itrum
^f^ffmd in »einer Koneeguem die Aitf/aetung der Häretiker mn »dbgt nalte~
V*- Eeliheui wurde sum Verhängnis, u-a» er im Prolog swm Opus Tri-
tftiliim (Archiv II, 53ä) schreibt: nonnulla in sequentibMS prf'pngitianihv»,
InmfJontfrtM et eepotitionibu» primo aapectu monttruata, dubia aat falsa
mnt, seeiig autem, si snllerlei' et atudioeitt» pcrtractentar. Vgl. aieh
ms vDrsicMigt Beurteilung »einer Lehre t» Vita 97,10 ff. 17 CoUat. X, 7.
19 f. behangner färaaz = »elbttiüehtiger Vorsatz. Ähnlich ist aueh wiae
braucht (Vita 167,SI. 20 Er iirnfitisrl heim Krhahennlen sowohl als beim
ttirähnlichtltn. 21 / Tim. 1,9,
858 Büchlein der Wahrheit. Kap. VE.
Entwürt: Ein gerehter mensch haltet sich nach siner ge-
wordenheit underwürflicher denne andru menschen, wan er verstat
in dem gründe von innen, waz von ussen eime ieklichen gezem ist,
und nimet ellü ding also ; aber daz er nit bandes enhat, daz ist da
von, wan er daz selb wurket usser gelazsenbeit, daz dö gemeinde 5
würket usser bezwungenheit.
Ein frage: Der in diser inniger gelazenheit übersetzet ist.
ist der nit entlediget von usseren Übungen?
Entwürt: Wan sihet wenig menschen mit unverzerten kreften
dar zft komen, da von du seist, wan daz abwürken ersuchet ir inni- 10
gostes gemarg, dien es wirt in der warheit. Und dar umbe, wenne
sü denne erkennent, waz ze tünne und ze lazsenne ist, so blibent
sü uf gemeinen Übungen, minr und me nach ire vermngentheit alder
nach auderre gelegenheit.
Ein frage: Wannen kumet etlicher gfitschinender menschen 16
groz gedrange und übrigü engi, du sü hein an der gewizseni, und
aber etlicher anderre menschen ungeordentü witi?
Entwürt: Sü zilent noch beidü uf ir selbs bilde, aber misse-
liehe, die ersten geistliche, die andern lipb'ch.
Ein frage: Gat ein solicher mensch alle zit müssig, alder 20
waz ist sin tun?
Entwürt: Eines wolgelazsenen menschen tun ist sin lazsen,
und sin werk ist sin müssig bliben, wan sines tunnes hübet er
rüwig und sins werkes blibet er müzsige.
Ein frage: Wie haltet er sich gegen sinem nehsten? *
Entwürt: Er hat gemeinsami der lüten ane inbildunge und
minlichi ane beheftunge und mitlidunge ane sorge in rehter friheit
Ein frage: Ist ein solicher mensche [148'] üt schuldigte
bihtenne?
Entwürt: Du bihte, du da geschihet von minnen, du i^^
edeler, denne du von schulden gat.
4 het i^ 5 gemein B 6 gezwunjjenheit B zwungenheit S 10 f. i"'
rostes marg S 12 erkennet C 13 vermogelicheit B 17 anderre fihU C
23 blibet [er] C 20 f. und an mini. .V und ein mini. C 31 du da v. seh. 5
15 ff. /S^use redet vom skrupulösen und laxen Gewissen; vgl. oben 351,10 f-
22 ff. Uic Frucht der Vereinigung mit Gott ist die vollkommene Freiheit da
Geistes in der äusseren Tätigkeit icie in der Zurückgeeogenheil, 26 ää^
inbildunge = ohne dass das Bild eines Menschen in ihm besonders haften ft?eiW.
30 f. Weil ohne schwere ^"Schuld ist er an sielt nicht verpfliclUet zu beichhn,
tut ts aber dtnn(>ch, um sich von leichten Fehlern zu reinigen.
Büchlein der Wahrheit. Kap. VII. 35ü
Ein frage: Wie ist eins solichen menschen betten gestalt, ald
it er och ze bettenne?
Entwürt: Sin gebet ist fruhtber, wan er nimet einen inbruch
r sinnen, wan got ist ein geist und nimet war, ob er sich iergent
nnittelt habe, ald ob er sich iergent füre in keinem fürgriffe des
isheit. Und da wirt ein lieht erzöget in der obresten kraft mit
lem erz6genne, daz got ist daz wesen und leben und daz wirken
im und er dez selben alleine ist ein gezöwe.
Ein frage: Wie ist gestalt eins solichen edelen menschen
en und trinken und schlaffen?
Ent wärt: Nach usserkeite und nach sinnelicheit isset der usser
Dsche, aber nach einem injehenne isset er nit, anders gebruchti
der spise und rftwe in vichlicheite. Und also ist es och in andren
hen, die zft dem menschen h&rent.
Ein frage: Wie ist geschaffen sin ussere wandel?
Entwürt: Er hat nüt vil wisen noch Worten, und du sint
lieht und einveltig; und hat einen sittigen waudel, daz du ding
ider in durch in flizsent, und ist i*uwig in den sinnen.
Ein frage: Sint sü ellü also?
Entwürt: Minr und me nach unglicheit dez zftvalles; aber
• weslich punct blibet gelich.
Ein frage: Ist ein sölicher mensche komen ze einem gantzen
ssenne der warheite, ald blibet im noch dünken und wenen?
Entwürt: Da der mensch im selber blibet, da blibet im och
2 dünken und wenen ; aber da er ime selber entgangen ist in daz,
E da ist, da ist ein wizsen aller warheit, wan es ist es selb, und
stat sin unangenomen.
Und hie mitte si dir genüg geseit; wan kumet dar nüt mit
genne, mer mit rehter gelazsenheit kumet man zft diser verborgnen
irheit. Amen.
4.5 iergent] ienan KS 7 er<j^etzeime B 8 gezoge li 18 ist fehlt S
nnd [da] blibet C 30 Amen fchH JiS
1 ff . Vgl. Vita 95,9 ß. 3 — 8 mit geringer A/'tceichung schon Vita
^y^)— 169,6; vgl auch Eckhart 30,30 f. 4 Joh. 4,24. 5 Oh ihn
' tigene Ich hei seinen Handlungen noch leite. 12 nach einem injehenne
indem der innere Mensch immer auf Gott zurüclschant. 16 1!'. Ähnlich
m Vita 167,3; 166,22. 21 Vgl. Bvga 160,ö Jf. 26 daz da ist
Gott. 26 f. Gott ist die Wahrheit sdhst, und der Mensch nimmt in der
einigung mit ihm sich seiher nicht an. da er sich entgangen (gelassen) ist.
Viertes Buch.
Briefbüchlein.
Hie yahet an daz yierd buchli«
Disu Icr ist us gelesen urs den gemeinen brieven,
die der diener der ewigen wishcit siner geischlicheo
tohter und andern sinen geischlichen kinden santte.
Wan eines geischlichen menschen sin nit mag ze 9
allen ziten in abgescheidenr blosheit spanen und och
schedlich kiirzwil verr sol fliehen, hier nmbe ze einer
underlibi dines gemutes so macht du diz brief lesen.
I. Brief.
Ton eins anvaheiideii measelien ledigen vonker von der weit il
zu got.
[148^] Rengnum muudi et omnem ornatum saeculi
contempsi propter amorem domini mei Jesu Cristi.
Handschriften: A C K N P S ü Wf (vgl oben S. 3 md 326'-
m = C(/7n 67.9; a = 1. Druck (146:J),
1-11 fehlt P drit S 2—4 fehlt m 4 andern fehlt ACS
geischl.] geischeu A 8 underlibung ST widerlibi C so so (!) A 10 1^
digen fehlt ACSU
3 f. s. gfcischl. tohter = der Ehheth Stapel y an welche der 3, und 8. Britf
adressieti ist. Vrjl. auch den Prolog des J^xemplars (4,16 ß,) und die £1""
leituuf/. 12 f. Worte aus der liencdiciio et consecratio virginum (feierlickt
Einsegnung dtr gottgeweihten Jungfrauen) nach dem Pontificale Eomanum (ti
typ. Ratisbonae I [IbiSS]^ 147 ff,). Der Brief ist an eine Nonne, welche tk»
die Welt verlassen hat. gerichtet.
Biiefliiichlein. I. Brirf.
Dieen frfilicbeo reieo nnd jnngfnWlichen uszog einer userwflten
']te6 gemabel, do ich den ob dir borte singen, do ^edabto iub
o: der mag wol frSIich liep lassen, der im aelher ein liebers hat
ibgangen! Und daz ist dir hüte gewerlich besehehcn. Dar nnibe
t du diaer falschen weit ein fries iirlob geben.
Lögent, alle minner, an der weit spiU leb hatte einen Bobaten
fbvangen. ich hate einen trom gemehelt, ich hate den wan be-
s»en! Eya, wa nu des wanes bilde, des troraes gelübdeV Hetti
b ilicb nn, l'ro weit, tuaent jar besessen, wa weri es nn? Als ein
;:enblik bald dsi hin! Diner natur eigen ist ein hinscheiden. Ich
ande dich haben umbvangen, — ach, wie bist du mir verswnnden!
er dich nit vorhin lat, den last aber du. Owe, da mordcrin! Dar
nbe adi, ade, got geiiade dir hüt und ieme nie! Trüg, die dich
[erkennen, du trügst mich niemer me. Rengnum mundi etc.
Kind mins in dem almehtigen gotte, gedenk, daz du alle diu
mde und ere und gftt mit besintem möt hast uf geben, nnd bis
« an disem willen! Tft nit also etlich toroht megde, die sich
ichend den wilden ingeschloseen tieren; so man den du tor be-
hlussot, 80 gugent sü dur die zun us. Die da sind halb usse, halb
ne, we mir, waz verlierent die grosser erbeit mit kleinen dingenl
Dte dienen ist in ein kercher, geischlichü Kubt ein notslal ; dar
n))e, daz in der epfel nit mag werden, so ginend sü na dem smake.
Ir du rosinü schapel legend sü uf floriertü tficher, und für roten
barlat prisent sü sich in einen wissen sak. nnd für die elichen
^m&helscbaft bekümbrent sü sich mit zitverlierender, herzberoben-
-r and alles geischlichen lebens iteretArerin: üpiger fründschaft.
i Tersendent sich mit wünschen und einredent mit dem irem bild
) ein turstiger mensch, dem von kaltem wasser tromet. Und so
l es hin nnd her gekerent, so verswindet es and vindent ein ler
B wa nu] wann KU wan SS 9 waj wie F wa» mN
13 aide aide SU 14 Begnum (!) A SO uiir| in U 21 g5^
23 roten fehtl S 28 und {§0) C 29 vindet P
I Tiergärten mit ovtländiirchfH Tieren :u halUn tear im Mitttialier
abtrti mancher J-'ürsien und Klöster, vgl. Mie/iael, Gtuch. d. dUth. Volktg
% 418 f. ; SchSnbacli, Harimann e. A. 338 /. 24 Winsen sak = das weiitt
'itJuklcid der Iiominihancrinntn. iJor. 105 f. tadelt Sautii «rharf die Modt-
'h »einer Zeil, die aueh in geiatlicke Kreiat »indmng ipanmu prrtioaixBii,
fot per scapulas dtsceHdeale», pUca« ctntupHeatae. ehyrothecae, calci'
t rottrafi et quasi ad »altaiidum apti, tanicat dittnlutai
9 atrictae, lalrula» eburneae dependentet, tonat «ericea« fulgentet).
je, caleii stricti |
manieae sci»»af ^^^H
362 Briefbüchlein. I. Brief.
hand, ein trurig berz und ein gnadlos sele. Inen gesehiht als dem
altvater, dem der tüfel uf die maten sass, die er für einen langen
mantel bäte an geleit, und zu inie in spotes wise spraeb: ^armer
man, möhtist me, du tetist ocb me!" Daz ist ein armes ellen(l(jif
leben und ein vorhof der belle: die weit nit mugen ban und got(|l» i
ane sin, weltliches und götlicbes trostes berobet sin, bedenthaJb
[149'] verlorn ban. Wie werdent die so lästerlich und so kleglici
stende an dem jüngsten tage vor fründen und fienden! Aber gotte
flizzeklicb dienen ist ein sieber fries leben bie und dort, wan sü
gant bie mit dem libe uf ertricb, und ist aber ir wonunge steteklicb ü
in dem bimelricb. Es ist werlich ein süzzes joch und ein lihtu
burdi. Mussent sü underwilent liden ban, daz ist nit ze abten: wer
ist in der zit ane liden? Nieman, nocb bürg nocb stette mugen
lidenne endrünnen, nocb rot mentel ald vech gewand mugen lidens
dar umbe ab komen, wan es scbinet dik uswendig ganz, daz in- if
wendig vast verseret ist. Dar umbe lidet ein menscb och dur ein
fries götlicbes wartspil; daz ist nit ze ahtenne. Daz erbrechen daz
tut des ersten we, als billich ist; dar na kumet ze jungst, daz man
US lust würket, und so vellet ens abe.
Eya, gedenk an die alten tage, nim her für du langen jaroodiO
lüg, wie recht lang du gescblaffen hast! Oder ist es nüt alles sainent
als ein trom gewesen, da mit dir do na dinem dunk so wol wazV ,
Stand uf, es beginnet ziten, der herr, den du so dik hast vertriben,
der wil nüt ab lan. Es ist nüt gut, der sinem fründ ze lang verseit
Scblüss uf din herze, lass in den geminten, ergezz dich dez langen Ift
zites, daz du versumet hast! Der sinem liep spat uf tut, der bedarf
wol eins geswinden ilens. Es ist nit umb dich als umb vil ander
menschen, du lawe sint und weder got nob die weit minnend, p'^t
der wil din minnericbes berz haben in allen zügen geischlicb, als J
es vor waz weltlich. Und dar umbe, leg allen dinen flizz und wizze, 91
die du do verkertest uf daz zitlich, — daz solt du nu keren uf daz,
daz da ist wirig und ewig.
1 und [t^in] K 2 matzen PXS 4 mohtest du inc Sü 5 die] AtrK
dis P 9 sicher ein C 11 Es — 12 mÜ8s. fehlt C 14 lidenne] lidcB
CyPS liden CK 16 vast] gar S 17 f. [daa] tot A' 19 icns f'S
20 noma S 25 scbluss A 26 uf 8tat S 27 wol fehlt 1> 80 waz yoxACS
1 ff. hivsdbe Erzählung auch Hör. 106 (Schluss ebd.: o moiuiche, si )^^
jwsftes, uiique d plus faceres). 10 f. Vf/L Fhil. 3,^0. 11 f. Matih. 11^
17 wartspil = Kampfgpielj Turnier; ryl, I Kor. 4,9 und Bdao 251>,14U:
daz {erstes) =^ wtts ei' leidet, 2:^ Vgl. Ja. 5^,7; Rom. 13,11,
m einem «lemütlgeu luidergaug eiuN g6tliclien meitM'lieu.
abitabit lupus cum agno.
Do der Herr der nature her ab kam nnd menseb ward, do
er würkcD nöwn wunder, und maeliete daz wilde zam, daz
inme spaftmütig, als der wisgag Isaias voHud eeite.
Min kint, ich laz einest ein wort in der sclirift, daz beginne
ieb nn erst verstan, daz ist: liebi gelichet nnglichü ding. Dar umlie
malet man fro Venus blind und ogenloa, wan si in liebes Ofjen ver-
löret ir eigen rehtes kiesen. Und als daz war ist na zititeber minue,
TÜ me ist e« üch nab geischlicher minue, daz es mengeni hoben
wirdigen inensehen alle sin herbeit bat ab geleit. Etlich, die Itoh
forsten ze Rome waren, die gaben es nf und wurden armer lüten
Wiener, dar umbe daz sä sieh dem g6llicbeu [149'] lieb, dem kleinen
lindlin gelicbetin. Dar umbe, kiud mins, gib nf den verborgen
tbermfit diner Hplicben edU und talsehen trost diner fründen, du
anx her betrogenlich waz in dir mit einem geiecfalichen schine be-
trocben, und neig dich büle zti dem kindlin in sin kripe, in sin ver-
Korfenbeit, daz es dich erhebe in sin ewigen wirdekeit. Der kark-
lich seget, der schnidet och ermlich, aber der rilich seiet, der eamnet
och rilich. Tft es recht ze l'rumen, und neig dich under die füsse
, aller menschen, als ob du ire lustüeh siest. Daz ffistiich zürnet mit
wie man im tflt, wan es ein föstttcb ist.
Ein warhafter undergang dez meuBchcn ist ein würz aller
3 lii'. tat. V'ii-sjirüche fthlin von hier an suia P öf. des grimmen C
jbd) bild S 10 &ls] aJleB KU 11 men^em Sm 14 dai u. — 15 gelicb.
i KG 19 ewig.] eigen C Paulus vor Der C 20 seiet] segel CS
oder] wider C 24 wurtzel Pm
3,6 In. 11,6. 8 Älinlk-h auch Vila y2,7. Vgl. die ."^tating: amidtia
l fiat facti. 12 f. Seuft dtnht wohl an die im MUUiallfr
\iebte AUhcias- und EtulachiuiiUgan'ie (cgi. Hör. IIb' und m Altxiue auch
1 von Friialar rd. Pfeifer IGOff.: Schiirtbratid td. Strauch li)03,39.).
IBliplichen edli. In den aUinunnutcheii Homini/ianerinnmklSutrrii tcaren »ehr
l Nonnen ron adeligef Abstammung. 19 f. II Kor. äfi. Vgl. Tauler
:. Schmidt, J. Tatdtr 1841,66): «ler sperlichen teiet, der mäs h-engliditn
n,- eUso du üamisatst, also min»et man dir auch wider in. Ähnlich auch
% ed. Weiuhold iSbOff.: Freidank 3,6. 22f. Zu fSstdch vp'.
f'ita Kap. 30 (58,6 ff.l, dm Schliut de» folgenden Bi-ieft» und Abb. 5.
4
364 Briefbüchlein. II. Brief.
tagenden und selikeit; hier us drinp:et denne ein senftmütigü still-
heit in »in selbes reliten Gelassenheit gen dem minsten als gen dem
meisten. Dis tut we: wol kunnen reden und doch swigen, bos un-
red enpfahen und sich nit rechen, ein wolkünnender, wirdiger mensch
einem unehtigen, gebresthaftigen menschen geswigen. Daz ist nah
dem edeln Cristus gebildet werden. Waz mag dem menschen nmzer
und got loblicher werden? Hier zä ist nüzz swigen und den mont
nit uf tun ze redenne, da si denn bi rehtü senftmütikeit, ordenlichü
bescheidenheit, also daz da nüt werd geredet, denn ein beru notorft,
du entweder got loblich sie, ald aber dez nehsteu nuzz da sie.
Lüg, daz ich enkeiner grossen strankheit dir zft miiten: du
solt essen und trinken und schlaffen din noturft, und hab mit urlob,
daz du bedarft ze diner krankheit.
Wellest du selig werden, so solt du dich an den vor gespro-
chenen dingen ftben, und erzag nit, ob es nit bald beschiht. \T\t
were daz muglich, daz alles daz gerunbel, daz sich zwenzeg jar an
ein stat semnot, daz sich daz als bald lass us stossen? Eswirtvon
tag ze tag us gende, so es siht, daz es sin stat nit vindet. Heilig
betrahtunge, andebtig gebet und geischlichd unmüss, daz wirt hel-
fende. Hast du nit vil süzzekeit, daz solt du dich nit lassen l)^
sweren, du solt dich sin unwirdig dünken; Hg vor sinen miiten
füzzen, unz er dich begnade, und lass got würkeu, wie er welle.
Es mflss noch menig wandelber weter über dich gau, e daz di
himelsch heitri in dir bestetet werde. Gieng es dir hie vor glich
eben wol? Nein es, es waz liep und leid, leid und liep, dar na ab
es gab der Glükd rad. Daz selb nim och gen dem werden gote.
dem du billich warten solt, des minneklich zürnen besser ist, denn
falsches liepkosen; übersieh gen ime, [150'] zwar, er hat gen dir
och übersehen ! Hab reht ein ganz getrüwen zu gotte, wan er iat
din nit. l^^g, er ist als reht tugenthaft, daz er es an sinera miiten
2 in — gelass. fehlt KU 4 volkomender CNSin 9 als [daz] S
15 wie] wan S 16 jnrerümel FSU 17 samlet KSU 22 begnadet S
25 leid u. liep fehlt KU 26 daz glükrad KPSm 29 zö] in S
2 f. Sowohl dem Niedngsien als dem Höchstsiehenden gegenüber, V^
Or Bfh IV. 12 f. Vgl Meg. S. Augustini (HoUtenius-Brockie. Codejc Bf
gularum I [J7:'tif], 340): carnem restram domate jejuniis et ahstitientia escat ^
potuf(y quanfum raletudo pcrmittü, 26 Glükd iat hier personifiziert = Glück*
göttin (fro Seide, Gr Bfb X) : vgl. Vita 1:23,00.
Biieliiiiclileiii. 11. Brief. 36ö
herzen iiihl m6hti vinden, daz er den menschen mobti lan, der sich
genzklich an in mag gelassen.
Es waz ein mensch, der waz gelassen von allem dem, daz im
Heb ald trost moht geben nach zitlicher wise. Eins males do hat
I er einen frölichen gegenwurf, do gedabt er also: „Jich, herz mina,
»es fröwst du dich so reht inneklichV" Do entwürt im sin inrkeit
sud sprach also: „in aller diser weit ist niht, des ich mich fr6we,
weder gfttes noch eren noch friindeu noch keins lustes diser weit,
Amn duz ist min fr6de, daz got als reht gflt ist und daz daz min-
t ueklli^h gftt min fründ ist, des leb ein gftt Zuversicht ban."
Min kind. wie daz si, daz luzzel ieman ist, er kom etwen in
Uwekeit einest fürbaz denn andrest, doch so mfiss ich dir eins sagen:
der berg ist hohe uud der weg schlipfrig, es enmag niit einem just
oit ergäbet werden, es heisset aber und aber, uuz es ervohten wirt.
1 E» ist ein weiche riter, der von Überkraft dez heres einest hinder
sich gewichet, der dar umbe aber nit kechlicb bin wider tringet.
Dis .«triten ist guter menschen eigen in disem zite.
Ich weiss einen hredier, so der von menger starken wellen waz
Mndfr sich getriben, ond nach sinem danke genzlicb entsezet waz dez
t nhtea ernstes und faerzkliehes andahtes, so gieng er in sich selb
ODÜ sprach: n^'^i S^^i ^^'^ '^^ <^'' ™'^ ergangen, wie bin ich so
reht nnwüssende her ab geschlichen I Wol reht her frilich, und
werben umb ein anders gftt, daz alt ist gar da hin!" Und vie
denn wider an, im selber ah ze brechene, den lip ze kestlgenne,
• den lüten ze fremden, ernschlich ze gebarene, »ich selber ze
biiten. ni'iwes gebet ze erdenkene, nüw Übung an sich ze nemene,
Uod nllc die weg, da er vor geschlipfet waz, ze versezene; und
treib daz tag und nacht, iinz er in einem götlichen ernst und herzkli-
chem aiidaht wider erhizzete, und daz nagende dik vil besser wart,
> denn daz vorgende ie wurdi. Und mit betrahtunge sines herzen
M begrub er den alten menschen, als ob er nie wurdi, nnd vand
denn mengen weg. sich ze hüten, daz er vor nie gedahte, und ward
»Iso ie wiser ond ie wiser. Und so er aber her ab kam, so vie er
1 4 ald] und C 8 ere KU 11 ibI] aie P 17 in disen zil«n S
» ffl w. her retht K 27 da] die S 28 nauht ii. tftjr Ä'Än. einen CS
S9 erhizze ASU
3 ff. Die folgende Erziibiung rii'e die weiter arUen von einem fredigtr
iuit/it rieh aohl auf Sause sdlisl. 13 Vgl. Tochtfr Syon ed. Wtinhöld
a3i€: ätr wec int hoch und enge gm: ' 31 Vgl. Kphts. i,2:iff.; Kol. 3,9 f.
33 her ab kam := lauer Kurde.
1
366 Briefbüchlein. IL Brief.
an, als ie von erst. Also mag im unzallicli dik geschehen sin. Sich,
daz lert du ewig wisheit dur sant Bernhards mund, der sprichet:
daz ist daz einig puntli^ daz da scheidet die userweiten von den du
userweiten, [löO^J daz die abgezelten blibend ligende, da die ns-
erwelten iemer me dar wider uf kerent, wan ein alw^ent stilles tan [
mag nieman in der zit han.
Ein anvahender mensch, e daz der in got beliplieh gevestnet
werde, der ma^ als reht lihte veriert werden. Ich kan hier zu nit
besserz vinden, denn daz sich ein mensch, als verr er mag, orden-
lieh allen ustragenden Sachen entsage und in sich selber einen weg i
mache und in im selber belibe; wan er treit herzenfrid veile, der
sich vil ane groz noturft usserkeit git. Man seit von dem grossen
meister AI brecht, daz der sprechi: ich gan niemer an die port,
ich gange minre her wider in.
Ein mensch sol sich herzklich mit got alle zit vereinen^ ond 1
dar zu höret stille swigen und höh betrahten, wenig wort und vil
strenger werk. Swaz got einem menschen git ze lidene, daz sol er
frölich enpfahen, aller menschen gebresten gednlteklich übersehen,
sicli von den anzügigen dingen keren, nieman vil gelosen, rincf
sinnen hüten, lüzel zites ald Worten ieman geben, sin selbes flissek- 1
lieh war nemen, sich under got und under ellü menschen verdruken, ,
von allen menschen vvol sprechen und sich selb vernuten, gote fri-
lieh dienen und den menschen gut bild vor tragen, sich vor dem
minsten als vor dem meisten hüten, got in allen dingen meinen, und
also mit got ze allen ziten umb gan ; wan hie mit so mag ein raensck i
in got gevestnot wTTden und daz verlorn zit widerbringen und DÜwea ^
hord von got erwerben. Amen.
2 Beruardus auch am Rande A 12 vil fehlt P 15 alle zit [mhl ,
got C 17 got git C 21 und [under] C 23 f. den minsten .46' 24 da
meisten A' 27 Amen fehlt PS
2 Vgl. Bet-nardus, De gratia et libtro arhitno c. ,9; 8<frmo 1 in SepUtag*
n. J. IH m. Albrecht = Älhtrtus Magnus^ von dem viele, wold nur auf d^
Lateinüchen übersetzten Sprüche bei den deutschen Mystikern zitiert vtrd^ ;
(vgl, Preger II, 3i)f.: Wackernagel, Deutsche Lit.-Gescli. ^1879, 4'^3f.; J.BaAi
M. Kckhart 1S64, 47 A. lU, 49 A. 24). Der Ausspruch findet sich ilhnlieh «idk
in der Imitatio Chn'sii I, 2o (quoties inter homines fui, minor hämo rediik^
ist jenem Senehis in Epif<t.7 (ararior redeo, ambitiomor ... inhumanior, {«••
inter Jiomines fui) nachgebildet. 23 f. Vor dem kleinsten tcie vor «J*
grösuten Fehler. Vgl. dagegen 364,2 f.
Briefbüchlein. III. Brief. 367
Hl. Brief.
Wie sich ein luensch sol geben willeklich in liden nach dem
bilde Cristi.
Eisbeten der Stagliii ze Tozz.
» Nigra sum sed formosa.
Also gtat geschriben an der minue buch von der minnenden
sele. Die töbtran von Jerusalem baten ein wundren von Herr Salo-
mons des küniges aller liepsten frowen; du waz ein mörin, und dar
ab namen sä wunder, daz su so swarz was, und im doeb under der
) grossen zal aller siner frowen du liepst waz.
Waz meinet nu der beilig geist bier inne? Du swerzü lut-
seligü mörin, die got vor andren wol gevellet, ist ein gotlidender
menscb, den got mit emzigem lidene übet und in mit gedultiger ge-
lazsenbeit begäbet. Lüg, tobter, es ist libt von lidene ze sprecbene
% und ze börene, es tut aber vil we ein gegenwürtiges enpfinden. Ein
lidender menscb kumt underwilent von gedrang dar zii, daz er m6bti
wenen, daz sin got beti vergessen, und spricbet in sinem sinne: „aeb
got, hast du unser vergessen, weist du uns nit lebende? Wes hast
du gedabt über uns? Wie mag din band so [151'] swer sin, und
> din herz doch so recht milt ist?'* Disom lieplichen zurnene entwürt
er and spricbet: „lüg an die grossen zal der heiligen, sih an daz
schon lebend gemüre der himelscben Jerusalem, wie du durlübten
steine der stat vorbin beschniten und gewürket sint mit lidene, die
nu 80 schon ^lenzend mit klarem liebte ! Wie geschah der lieben
i sant Eisbeten? Paulus waz diser weit ein hinwerf; Job,
Tobias giengen daz selb pfad. Der heilig Athanasius leid, als
ob ellü disü weit sinen tod beti gesworn. Lfig, wie alle heiligen
4 Elsb. — Tozz /e/ift XFm Elizabeth [der] .V staigliii U tüzz C
7 wunder C 9 f. [der gr. zal] allen sinen fr. S 11 gest (!j A 12 frow
die morin S 13 emszigen liden K 14 von] us C 24 und mit *S
26 Eüsabethen PS 26 pfad fehlt S
4 Über die Adressatin dieses und des S. Jiriefes vyL Vita Kap. ^iS und
eben 360,3. 6 Hohel 14. 14 f. Vgl Bdew :,'49,:J0 f. 22 f. Vgl.
Apok. 21,10 ff, (schon Bdeic 242 J fi. zitiert) und den alten Kirchiceihliymnus:
Urhs Jerusalem beata, dicta pacis risio, quae construitur in coelis viris ex
lapidfbus . . . Tunsionibus, pressuris eupoliti lapides suis coaptaniur locis etc.
25 ff. Hör, 115 f. zählt Seuse die.selben und noch weitere Vorbilder des
geduldigen Leidens auf. Elisabeth von Thüringen irar bei den deutschen
Mystikern hoch verehrt, vgl, Mechlhild von Magd. löO; Lamprecht von
i
368 Brief büchlein. III. Brief.
cintvveder herzenblüt, ald aber libes und herzen blüt hein vergossen I^
Diz solt ein lidender mensch an sehen und sich frowen, daz got in
mit lidene sinen aller liepsten fründen wil gelich machen. Dar nmbe,
so lass tSden und martren, darben und torren, sid uns liden zu als
grossem gut mag bringen.
Ob aber ein mensch zo allen ziten nit glich ergebenliche hier
inne stat, dar umbe hat er got doch nit verlorn, — morgen und
abund ist ein ganzer tag, — cht ein mensch widerspenklich wider
got nit wil. So einem lidenden menschen sin antlüt bleichet, sin
iiiund torret und sin natärlichu lütselikeit darbet, so seh of und]
Sprech: Sicut pellis Salomonis, daz ist der usser mensch des
kunges, der da an dem krüz erdarbete, daz er einem menschen ud-
glich waz. Der tret her für, der sich ime an jemerlicher Verworfen-
heit mug geliehen! Er sprichet: Ego sum vermis, ich hin ein
wurm. Owe, du lühtender wurm ob der sunnen glänz, der dich an i
sihet, der sol nit klagen, er sol sich under ein ieklichs liden, dax
im zu vellet, mit frölichem mute neigen! ;
Min kind, du gedenkst vil liht, wan dich got als vast an
griffen hat, daz dinü liden du aller grösten sien. Daz solt dn nit
gedenken. leder mensch lit im selber aller nehst; und hier inuc ^
vind ich mich selb och, daz underwilent in mir gedenk uf stünden,
die min liden gar grosklichen wngen. Aber daz sol man got bevehu
Hie von solt ich dir nit han geschriben, denn daz mich dft
gotlich minne dar zft zwinget, daz ich min ahsel hüte under din bnrdi,
daz si dir dest lichter werde. So arm dürftigen zesamen koment so
ma dient sü etwen in selber ein kürzwil, daz si ires hungers ver-
gessen. Ich wolte dir han gesendet daz fösstüch, daz ich dem hund-
nam und mir es ze einem bilder han behalten, so ist es mir als lieb, i
daz ich es nit von mir mag gelan. Nu haben guten müt und liden j
gedulteklich, wan dar nach volget fr6d in dem schönen himelrich! |
8 abeiit KSU 10 f. sih ... sprich P 11 daz] der AKSU Uf. ca^
wurm und nit ain mensch L 21 in mir fthlt S 28 hilde CSU 29 bb«
. . . lide CXm haljcnt . . . lident KS 30 ewigü frod CNm
Bet/aifibftrg, Franziskus loöd ff,: Büchltin von der Gnaden Überlast 1,15 f.:
Viten von Töss 112,^5 f.; Hermann von Fritdar 242 ff,; Schürebrand oP,i3;
Mk'. r. Ihisd 106 f., löh) ; Fclhart in Zfda XV, 400,74 ff. — Zu Paulus tfL
/ Kor. 4,13. Bei Äthanasiu.s ist an seine fünfmalige Verbannung und wied^
holte Toflisgrfahr zu denken. 11 Hohel 1,4. H Fs. 21,7. 19 ff. V^
Bdew 2Vj,Uff. und Hör. IIb. 27 ff. Vgl. vorigen Brief 363^2. Die WcrÜ
sind eigentlich nur im Gr Bfh (XII) verständlich.
i
Briefbüchlein. IV. Brief. 369
IV. Brief.
[151^] Wie ein nngelebter mensch sich zu Im selber allein sol
keren und endrd menschen nnberichtet sol lassen.
Quomodo potest caecus caecum ducere?
5 Under vil andren geisehlichen kinden, du der diener zu got
hat gezogen, waz ein tohter, du waz eins weichen, unsteten gemiites.
Si wolte und wolte doch nit, si wolte gar selig sin und da mit ir
selben na lust und gemach des libes och gar gnüg sin, und wolt
daz mit schönen glosan zft bringen. Der screib er also :
10 Liebü, wie last du dich an? Wie wirfest du die getrüwen
lere dines geisehlichen vatters so ze ruggen, daz du dich hin wider
den dingen beginnest geben, von den ich dich so reht kumme han
gebrochen, die dir sele, lip und ere haind geswechet? Dunkt dich
iezent, daz du sülist gan tun, waz dir in dinen sin kurot? Bist du
* iez bestetet, daz du dir selb ellü ding erlobest? Owe, war umb ge-
denkst du nit hinder dich, waz dir got übersehen hat, und wie reht
kome du hier zu bist komen und wie gar du noch nüt bist, und
aemist din selbes war und liessest ellü endrü menschen underwegen?
Sihst du nit den tüfel, der dir einen sidin vaden umb die kelen bat
^ gebunden und dich gern na im fürti ? Du enkondest doch dich selber
nie geleren, du bist doch krenker denn Eva in dem paradise, und
wilt ander lüt zu got ziehen? Du wilt stro zu dem fürin brand
legen, der nüwan enklein bedeket ist und noch nie reht erlasch?
Du sprichst, du wellest es nn in ein geischlich wise ziehen,
^^ weiss gott! es mag wol in dem geist an vahen, es wirt aber
schier in dem fleisch endende. Bist du nit gnüg gewizget? Dunket
dich nit, daz dir got gnüg hab vertragen? Gewerlich, du wilt nit
erwinden, e daz du an dez tüvels sail wirst gebunden. Ich han
dir es dik geseit: ir wenent als got und die lüt höflich triegen, und
80 man es denne umb keret, so sind ir selbe betrogen. Du miist
vast st an und müst allen anhang lan, anders du macht niemer
best an. Lass dich wol begnügen, ob du selb dem tüfel mäht
enpfliehen !
2—3 fehlt Nm ungeliebter (!) K ungeübter U allein fehlt Sü 8 na]
ji S 10 lieber K lieb dochter U 11 hin fehlt C 13 und lip KSU
4 dinen] den 4S' 16 dich] eich KSU 22 lürbrand S 23 nüt r. erloschen P
8 e daz daz [du] P 32 benugen KSU 33 entfliegen (!) .S'
2 ungelebt = unerfahren im geistlichen Lehen. 4 Luk. 6^39,
H. S«u8e, Deutsche Sebriften. ^4
370 Briefbtichlcin. IV. Brief.
Ich inüss dir eins sagen: l&g, der diener waz eins tages vs
gegangen und hate hinderstanden einen geischlichen rob, den er dem
tüfel wolte nemen und in got wider geben; und der rob waz eio
mensch in geischlichem schine, als du bist. Der mensch hat m
herz mit upiger minne verstriket und kond da von nit komen^ wan i
er wolt gefüg suchen, da kein gelinpf noch füg zu horte. Und do
der mensch von des dieners guter ler wegen ein triben gewan, sich
von den Sachen ze keren und sich ze got halten, da begonden sich
die bösen geiste leichen urab ire verlust und ir den vonker swer
[152'] machen, daz sü duchte, es weri ein swere berg uf ir heraM
gestossen. Des selben nahtes na der meti waz im vor in einer ge-
siht, wie ein grössü schar michels gefugeis kemi für sin celle stür-
mend, und die waren gar ungestalt und waz eine nit als der ander.
Also bot er sich zu dem venster us von wunder und fraget einen
jungling, der stund bi ime, waz frömdes gesindes daz were. Doli
sprach er: „lüg, daz wandelber gesinde daz ist ein tüfellichü sam-
nung, und sint zornig und wütig umb den menschen, daz er sich
von in wolte scheiden, und swenkent dar umb hie, wie sü in ierren
in dem guten fürsazz und in wider verwisen in daz alt leben.*
Mornendes frü, do es tag ward, do screib er ir einen brief und 81
enbot ir also:
Viriliter agite etc. So ein ersamer ritter einen knapen dei
ersten in den ring füret, so spricht er wakerlich zu ime: „eia,
werder held, tu hüt als ein frumer man und gebar kechlich und
wer dich frischlich! Lass dir din herz nit enpfallen als ein zage;*
es ist besser erlich sterben, denn unerlich leben. So der erste jnst
übertruket wirt, so wirt es lihter." Also tut geischlich ze nemene
der heilig David gen aime frumcn gotes riter, so er sich an sinem
anvang sol und mAss von zitlichen dingen scheiden; so spricht er
also: Viriliter etc., daz sprichet: gebarend künlich und manüchS
ir alle, die got getrüwent!
Des bedarfst du wol, tohter minü, daz du vast standest und
den bösen reten dez tiefeis nit volgest. Du bist iezo in dem bitersten,
1 log fehlt K 13 eins P 14 zö] vou U 18 sweben Nüm 19 y«-
wisteu P 22 knabeu SU 26 unerlich] innerlich (!) P dO etc. fehlt ÄC
33 dem b. rote P
3 f. ein mensch i. g. seh. = eine Klosterfrau, 16 wandelber. Nach
dem Gr Bfb verwandelim sich die Vögel forttvährend, 22 Ps, So^ö, VgL
auch Vita Kap. 44,
Brief büclileiii. IV. Brief. 371
0 du luncht komen; kumest du über disen schmalen Bteg, so kamst
du Bchier l'ürbaz uf die witeo schönen beide eins rüwigen geisch-
Vichen lehcns. Wolti gof, das» ich in den füsBtapfeQ dines kanpfes
fiir dich sölti stau nnd die herteti schleg für dich enpfahen, die din
angevoliten herz iez enpfahet! üaz weri dir schad, wan wa weri
deiine der grün balme, den du als och ander sunder gotes riter in
ewiger wirdekeit solt tragen, ob du geeigest? Als manig pfil dir
win geschossen, als mengen rubin wirst dn in der kröne tragende.
Ach dar umbe, kind mins, bis veste, stand vast, gebar kftn-
iicbl Es ist kurz, daz du lideet, uud ist ewig, des du dar nmbe
^kartest. Tu, als du weder sehest noch höret, unz du disen ersten
JDEt dines gätlichen auvanges überwindest. Nach den grossen weteni
komeot gern die liebten tage. Gedenk, daz menger schöner, junger,
edeier und zprter mensch, denn du bist, dinen [1Ö2'] strit hcind
riterlich überwanden, und die in dem gevehte, in dem du iez stast.
menig zit stünden und och vil bitterlicher wurden an gevohten. und
dai jüt nu ire herzen fröde.
Eya, kind mins, dar umbe so bot mir din band nnd hab dich
vaste, nät an mich, sunder an den starken herren, dem du nu ze
^dieoEt in disen strit bist komen. Wüssist, er lat diu nit, ist daz du
diüh genzlich an in lassest. Zwei ding sint, du dir ellü ding helfent
äberwinden: eins ist, daz du niemau gestandest, noch gesizest, noch
geloaest, es si friend oder vient, der dich keinen abweg wil wisen;
daz ander, daz du nit höflich klubest, noch mit linsen zügen den
1 tilgenden natren dines herzen na gangest. Folg mir: wilt du nit
mom wider in keren, so zerr im daz hopt ns! Tö es geswinde und
hederbklieh, wan wilt du su allein an dem sweil' raren, so kleibent
BÜ sich dest vester und bissent dest wirs. Enbüt in: fndus, fridus!
die din herz so berlieh mit falscbheit eutfridet band. Flüh ze
gole, lasB die tumbeu ton-en nf dich rufen, swie vil sü wen, Iftg bi
niitü hinder dich, — sich, so hast du alle diu vient schier über-
wunden nnd bist von dinen sweren banden behendeklich entbanden.
Nu wil aber ich zö dir noch eins sprechen, und hab es nit für
obel. Ich ban gemerket an dir, daz du noch unganzlicb in got mit
hnen sinnen stast, daz du dich noh nit verwegenlicb aller dingen
) wa fthll C 9 Tut] uf S 11 als ob P 13 komeent Ä Itf bit-
nu] in KL' 22 noch gesiz. fehtt C 24 kaplest U lisen CS
n] kere F 28 sich fehlt C fridua nwi- tinmal P 32 Nm haben
I späUren Zvatitt von 3 Zeilen {Pregtr, Britfe64) 8& dinem BÜme Ä.C
372 Briefbüchlein. IV. Brief.
•
hast ab getan. Gewerlich, da müst eintweder haben oder la
anders dir geschiht niemer kein selde. Mag ieman zwein h
dienen? Nein es, werlich! Tu einen frien sprang, so macht d
Üben. Lass von grande den menschen, — da merkst mich wc
und la alles daz gewerbe, daz in sölicher zerganklicber minne
sin an gegenwürtikeit und an botschaffc, und lass dich dar a
wisen, weder mit tröwene noch mit liebkosene. Gib ein kuni
urlob aller der gespilschaft, da dir dis arbeit waz ratende
helfende, oder die noch die wise fürent, die da wilt and mftsi
wan ane alle glose sind su dir ein gift, und daz weist du vil
Du solt dich aller usverten geloben und aller nebelmentelin, w
nrsach vindest, von noturft wegen ein usvertli ze erwerben ; got
du lät wissen wol, daz hie von nit vil gutes ist komen. Di
frü und spate bekünbert sin, wie du din süntliches leben gebes
wie du diner [153'] manigvaltigen gebresten lidig werdest un<
du dich mit dem grimmen richter versunest. Gewerlich, du
dar an nit genüg, daz du an den kle wol hoflich bissest, da
dinen tapfern lip an griffen, dinen geschlifuen zungen binden, <
ungesamneten mfit wider samnen, daz din herz nit sie als eii
mein gasthus, als ein offen winhus, ein tabern, da ieder man
niderlass vindet und da ieder man bestanden ist, wes er erde
kan. Eia, trib us, trib us daz uiivolg, oder sicherlich, da enn
den zarten herren niemer enpfahen! Gedenk, daz er dich in
gevordret ze einer gemahel, und dar umbe so hüt, daz du üt we
ein havendirnne!
7 kimtl.J kintliches P frigcs U 10 vil fehlt C 11 userte
iiebentmentelin S 12 ufvertli A 16 hast] ßfewinnest C 19 uzsamnc
24 einem PSm nüt P
2 f. V(jh Lah, 16,13. 6 VgL Hör, 38 : dulcv^ liier at crebraqui
nuscula (ähnlich Regula S. August, c. 9). 11 usTerten = Ausgänge i
Stadt; vgl. Vita 70,21 ff. — nebelmenteliu = Bemäntelungen, gleichbedc
mit glose. 17 Ks taugt nichts, das geistliche Lehen mit weichlicher ii
Schonung zu beginnen.
BriefbUchleih. V. Brief.
V. Brief.
Ton jubüiereuder Tröde, die die eugel und engclschllcliti
mensclien enpfalieut, so .sicli eiu siinder bekeret,
Esultet iam angelica turba coelorum.
Es sprichet unser herr an dem ewangelio, daz sich engelsch-
Ebä natur früwet, so sich ein sünder bekeret, und der enge! frSde
i^t ein bimelscbes jnbilieren.
Es kam einest zu de? dienere kundsami ein meosoh, dur den
Inhl« du weit nah grosser gevelükeit, daz von dem reidicben bilde
menig herz eotrihtet ward. Daz beti der diener gern understanden
imd es zii dem minneklichen got gezogen, daz got weri dar von
gelopi und des selben menschen engel und alle engel mit im ge-
fröwet und dii menschen gebesret. Diser bete über den menschen
kam er ernschlich an got und sunderlich an unser t'röwen. da da
ut ein liehter morgensterne, und bat si flehklieh, daz si dez mcn-
«hen weltliehen mÖt und ir vinster herz erluhti und si von 8ehed-
liehen dingen hin zu got zugl. Des ward er von ir gewert, daü
dem weltlichen herzen du gnad von got ward, in der si sieb ge-
«vrinde von der weit zft got getrülichen kerte. Dar ab entsprang
) grossii himelschii fr6de in sinem herzen, daz er neiswi in
belscher, jubilierender wise ir disen brief santte.
Dar na lange, do er uss allen sinen brieffen diz klein ding
jnen laacbote und daz ander alles dur kärzrung iinderwegen
, und do er disen brief och her für nam, do gedaht er also:
r brief ist nüt denn ein jubilierendü rede, und so die tiirren
1 und hertü herzen daz werdent lesende, so wirt es in ungesmak;
Und also verwarf er den selben brief och, Do mornent ward, —
''az waz in der heiligen engel octave, — do kom in einer geisch-
liden gesiht für in weiswi menger jungling der engelschlicben ge-
Wlgehaft und straften in, daz [l■^3'■] er den selben brief hate ver-
•ülget, und meinden, er müsti in wider scriben. Und daz tet er,
1 vie an und screib also:
1
m. C 23 küzruDg A 26 nltt aiiders dei
fehlt !•
4 Anfang des dem hl. Augustinus lugeschrithcnen Ui/mnun,
■ Wtihe dtr Ostrrkertt gesungen wird. 5f. I.ak. 15,10.
_ ciiBch «i> ößfT« = veiblicht Person. 15 inorgensterne , egl.
"^^i Mt'lici'tm Hymnus. 22 diz klein ding =^ ebtn distes d«m K.rttnpk
''nvtrkibte kleine Briefbildikin. 28 6, Okt. (vjl. Vita 30J!5.
374 BriefbUchlein. V. Brief.
Exultet iam angelica tui'ba coelorum. Do der lie
morgenstern Maria heiterlich durprach die leiden vinstri dines ti
kein herzen, do ward er fiölich gegrüzet. Ich hfib nf an der liefe
stunde mit schalle ein frodenrich stimme^ daz es in der höhi ei
klang: „ach, got gruze dich, praeclara maris Stella, got gru2
dich, ufgender, wönneklicher, zarter morgensterne, von dem grnnd
losen gründe aller minnenden herzen!" Ich reizte die gesellen, da
sü schallich den glenzenden morgensternen grüztin, owe, ich mei
die süzzen küngin von himelrich, du mit ir usbrehenden liehtriche
glenzen din tinber herz hat erlübtet, nach dem als ich es an \
togenlich komen waz. Min hoher möt enbot ein fries loben in da
himelsch land, nnd bat die hohen galander und die süzzen lercha
der himelschen beide, daz sü mir hülfin rumen, loben und prise
den herren. Ich hftb uf minü ogen mit einem vollen herzen ud
sprach also:
„Exultet iam angelica turba coelorum!" Wafen, goi
gewan ich ie leid, daz verstand do; die guldin tag baten mic
umbgeben, ich wände, daz ich swebti in dem meiental der hime
sehen fröden. Ich sprach: „fr6went üch, ir werden engelschar d(
himelschen owen, jubilierent, springent und singent umb die liebe
botschaft! Lftgent alle mit wunder: der junger sun ist wider komei
daz verlorn t5d kind ist funden, ach, daz töd lieb ist wider leben
worden! Der naturlich geblümter anger, da daz vih uf geschlage
waz und verwüstet waz, beginnet in übernatürlicher sch6ni wide
schinen, daz vih ist us getriben, die sch&nen blümen beginnent scho
uf tringen, daz tor ist beschlossen, daz eigen ist wider worden. Da
umbe, ir himelschen seitenspil, leichent üch, machent uf einen nüwe
reien, daz man es innen werde in dem himelschen hofe, daz da eo
kein gasse sie, sie werd sin vol ! Fr6went üch so vil dest me, wan de
minnegütin fro Venus ist ir herze berobet, ir fümemes sumerliebe
krenzli ist ir ab gesprochen, ein fr6denbernde8 spil ist ir erstnmbei
1. 16 Ex. — coel. fehlt 2> 2 Maria fehlt S 8 glenz. fehlt P 10 tinbeJ
inner C tunbes P 13 beiden P 20 owe NPm 22 kind -- lieb fehlt l
.SO minnegottin CNPSm 31 ein] din P frodenbares S
5 Ave, praeclara maris Stella, in lucem getUium, Maria, divimius cii^
erste Strophe eines Hermannus Contractus zugeschriebenen Marienhymnus (^*
valier, liepert. hymnol, Nr, 2046 J, 1^; Mone, LaU Hymnen II, 355 fj» ^
wird auch in den Offenbarungen der Christina Ebner zitiert (Afda /X, i^'
21 f. Vgl Luk. 10,24.
Briefbüchlein. V. Brief. 375
„£ia, falschu weit, eia^ triegendü, zergaDgklicbü minne, tu din
hopt under! Wer wil dich nu prisen? Mit wem wilt du es nu mit
80 hoflicher lütselikeit vorgan ? Din geraeiter leitstab ist under ge-
tan, er ist worden ein ansihtiger, gütlicher leitstab. Des fröwen
{F 5 Sich die bimel alle, und ellu g6tlichu minneudu herzen sprechen:
^ Gloria tibi. Domine, umb die [154'] grossen wunder, die du,
herr, allein würkest in so mengem sündigen, helflosen, verzwifletem
[ herzen.
„Ach, schöner, gewaltiger herr, wie reht schön und minneklich
UO do siest in allen dinen geteten, so bist du aber neiswi noch tusent*
n\i minneklicher und loblicher uns armen sündigen menschen, du
du als gar unverdienet gerächest ze begnadene und zu dir ze ziehene.
Herr, es gezimt dir ob allen dinen werken als reht wol, es stat
dber güti als reht zimlich. Owe, du minnekliches, grundloses gut,
flB da in dem werke zerspaltet der stehlin berg diner strengen gerehtikeit.
„Nu tretend hüt zfi mir, ellü menschen, du got also minneklich
begnadet hat, und land uns schowen, minnen und loben daz gut,
owe, daz grundlos gut unsers herren und muten vatters! Eya, ge-
minter got, Iflg ein wunder: du herzen, du vor umbfiengen den mist,
«80 herr, die minnent und umbvahent dich hüt mit grundloser girde; die
gester waren verkererin, die sint hüte diner süzzen minne bredierin.
Herr, es ist ein wunder und ein lustlich ding ze höreue: die vor
von-zartheit sich selber kumme getrügen, die brechent in selber abe
nnd vindent nüw fünde grosser strenkheit und minneklicher Übung
^ in dinem lobe, daz sü sich luterlich mit dir gesünen. Den ir eigen
lip ze liep waz^ den ist er worden ein frömder gast; die sich vor
finlich uf machetan, wie sü der minne gelagetin, die bergent sich
DU, daz sü got wol gevallen ; die vor in zorn waren als die grimmen
wolve, die sind nu an übersehene als die swigendü lemblü ; owe,
* ^ die da vor swarlich gelestet und gebunden waren mit stehlinen reifen
in trurkeit und swermütekeit der strafenden gewüssne, owe, milter
Wr, sich, die swingent nu frilich uf über alles, daz ertrich geleisten
2 QsfeMt U Sünder — 4 leitet.] dir gezuket C 5 minn. fehlt KU
lo da] das P 16 also miun. fehlt C 17 f. daz gut owe fehlt C 23 kunme A
25 dinem] dem S 27 begerent (!) KC sich fehlt KU 32 swigent (!) CS
3 leitstab = leitender Stab, Anführer (Lexer /, 1874). Jene bekehrte
^^8(m war vorher gleichsam Vorkämpferin der weltlichen Minne, 6 Ab'
y^zung der Doxologie: Gloria Patri et Filio etc, jetzt noch vor dem Evangelium
*" cicr Messe gebraucht.
376 Briefbüchlein. V. Brief.
mag, in wolgemüter eutladenr friheit, bü floierent gefriet in d^
himelsch Vaterland, sü wundret, daz 8Ü ie so blind nnd so sinneU
gen der vinstren naht der valschen minne niohtan werden. Her
daz ich hie vor laz, daz han ich na enpfunden: so daz liplich z
dem geischlichen und daz wolgenat&rt^zü dem ewigen geratet, du
denne ein grosse funk diner gnadenrichen minne dar us'wirt. Eya.
ewigü wisheit, daz ist du wandlang diner rehten hand, zartu frowe
von himelrich, daz sind du werk diner grandlosen miltekeit.'^
Nu hör och, min kind, waz ich und du und önser glichen gen
dem geminten got tun son. Wir sülen nu fürbaz also leben, daz
uns nieman got [154''] mag uf gehaben, wir sülen tun, ab ob ein
edle küüg sin kuchidirnen sasti über sin frowen. Owe, wie dank-
berlich du dirne den herren umbfiengi, wie trutlich si in minneti,
wie herzklich si in lobti, und so si ie unwirdiger weri, so er ie
minneklicher von ir geminnet wurdi ! Wir sülen reht den lutren un-
schuldigen menschen für gebieten, daz wir sü überschallen. Tfint
sü ime eins, so sülen wir im zwei tun ; minnent sü in einvalteklieb.
ach, so sülen wir in tusentvalt minnen. Lfigent rcht: alle die wisf,
als wir hie vor in unsren tunbcn tagen uns flissen, daz wir sunder-
bar stundin in aller klükheit, daz wir ellü herzen in wolgevallender
wise zu uns zügiu, — also sülin wir nu naht und tag dar nach
studieren, wie wir ellü herzen gebesren und gote usgenomenlich wol
gevallen.
Ach, kind mins, gedenk, in den toben tagen wie tet uns so
reht wol, so man uns sanderlichen rftmde, meiade und rainnete, daz:
wir wanden! Owe, wie recht wol uns wirt, so uns nu daz gemint
lieb wirt sunderlichen minnende und meinende! Ach, kind mins, ge-
denk, wie recht sur daz zitlich liep erarnet wirt, daz wir do etwen
von vort wegen lüzel kein kurzwil da von mohtan gehaben, — ach,
dar umbe ist billich, ob uns dis och etwen sur wirt. Lflg, kindJ
1 florierent CNUm 2 und [so] AKNnm 7 gerehten C ^^^
fehlt KU 9 du] die K [und] unser C 11 uf geben C 12 versasti C
17 im z. t. — 18 s. wir fehlt C 20 blügheit C 21 nu — 22 wie wir
fehlt ASFKUfa (HonioioteUuton !) 28 daz z. liep so reht sur S zitl. /iW< ^
29 kurwil A ktirtzel C 80 och dis P
7 Vgl. Ps, 76,11. 15 f. Sinn wohl: wir sollen die ganze LauUriti^
und Unschuld unserer Natur zeigen, dass wir die andern Minner Gottejt übertrtf^'
Vgl auch Gr Bfb XIV, 27 ff. Vgl. Bdttv 219,20 ff. 30 dia = *•
(Gewinnung des eicigen Liebes.
BriefbücUein. V. Brief.
ins, eine des beger ich: daz du menschen, du ein nit enpfuiideii
ein, daz du weoeiit, daz es vil me kurzwil bringe, denne es tat;
M wenent, daz uieinan wot sie, denne dem mit dem roten asse sn
ileni krumben angel geliidert ist. Ach, ewisü wieheit, miunekliches
lieb, wan sehin dich ellu s&lichü herzen, als dich min herze !<itit, sn
«rstube in in ellu zerganklichü liebi! Herr, mich kan niemer ver-
wnndren, ewie frömd es mir och hie vor waz, daz kein grundlos
rainnendes herz in Ute denn in dir, tiefer wag, grnndloees mer, tiefes
abgründ aller minneklicher dingen gelendcn mag. Herr mine, min
Kh&nes liep. war uinbe zfigeet du dich inen nitV Lfig, emgä wis-
lieit, wie die falschen minncr tAnd: waz unlütseliges, ungeRtnltes
nnd gebreslhaftiges an in ist. daz bergent bü genote, herr, hein sü
abtp üt düpiicher gestifter schöni oder iütselikeir, daz bietent sil ber
für und weri in leid, daz üt in lieh were, daz liebes ogen vergiengi ;
und so sü es hin und her getribent, owe, so sind hü nit andere, denn
ein sak vol mistes. So gedenk ich: owe, der dir nüwan die obren
hat ab zugi, wie sieb denn die warheit in di^ erzogti, wel ein Un-
tier uisn an dir sehi! Owe aber du, gemiiites Hob, ewigi'i [155']
»igbeit, du verbirgest diu minnekUches und zAgeet din leides, du
rögst daz 8ur und behaltest daz süz. Owe, gemintes zartes lieb, war
nmh tust du dazV
Ach, gemintcr herr, erlÖb mir, lasa mich sündigen menschen
ein einig w&rtli zu dir sprechen, gewerlieh, heiT, ich enmag sin nit
enbem. Owe, gemintes lieb, wan hetist du mich lieh! Ach herr,
berr, Last du mich liep? Wafeu, wan weri ich din liep! Owe,
wenet ieman uf ertrich, ob mich der i^emint herr lieb habV Min
*ele einredet dur nah, owe, min herz ruret sich in minem übe, bo
ich geding hau, daz du mich lieb habest. So es mir in minen mfit
kaut, ach, so wird ich als rebt frulich gestalt, daz man es an mir
briilcn mähte, der es nemi war; alles, daz in mir ist, daz zei'flusset
Von rehten fn'iden. hflg. herr, hetti ich wnnsches gewalt, so weri
<ht aller hfihste und begirlichost und lustlichest. so min herz und
3 aase] also C sU S 6 aSl.] frSlichen P Ijerze] ael S 7 Joch iS
J^ beeeienl KU 13 däpl.) liübschen P 24 f. herr eiumal P 26 mich
"" aTainrotift» dir noch J 30 war nerae PU 32f. und seIe/«AH C
2 es bttltht »ich vxihl auf da» eitrig* Litb (gegen Denifit 699 A. IK
KIS. Vgl. Hör. 2öf., H7 f.. Stf. 16 dir == rfoii falacittn, wülUehen
36 ff. Hat J'olginde berührt »ich nu-hrfac/, mit Kap, 7 des Bäeu-
\nammltUh 237,4 ff., 226,20 ff., 324,17 ff. >.
378 Brief büchlein. VI. Brief.
sele erdenken könde, daz du micli sunderlich lieb hetist, ach, owe,
und daz du^ truter herr, ein sunderlicbes minnekliches liebsehen af
mich hetist. Lögent, ellü herzen, weri daz uit ein himelricb? Herr*
dinu ogen sind ob der liebten 8unnen glänz, owe, din süzer gütlicher
mnnd, dem der kunt wirt, dinü liebtberndü wengel gotlicher und i
menschlicher nature, din sch6nü gestalt ob alles zitliehes Wunsches
gewaltl So man dich ie blösklicher von aller materi entwiset, so
man dich ie minneklicher in luter frodenbemder wunne schowet; so
man aller lütselikeit, gczierde, Schönheit ie grundlosklicher na ge-
denken kan, so man es ie überswenklicher in dir, zartes lieb, TindeL 1
Lüg, ist ut minnericheS; wolgevallendes an keinem minneklichea
menschen, daz nit in luter wise tusent stund minneklicher in dir,
gemintes lieb, sie? Nu schowent, ellü herzen, sehent in eben an,
lügent: Talis est dilectus mens, aisus minneklich gestellet ist I
min süsses lieb, und er ist mins HEilZEN TßüT ! Daz sie üch U
kunt getan, ir töhtran von Jerusalem! Wafen, zarter got, wie seiig
der ist, des lieb du bist und dar inne eweklich bestetet ist!
VI. Brief.
Wie sich ein mensch sol halten nnerschrokenlich^ so es git
an ein sterben.
Absalon, fili mi, quis mihi det, ut ego moriar proteif
Dem diener lag siner liepsten geischlichen kinden eins au dem
tode, und do er horte, daz es sterben müste und es sich ab dem
tod als übel gehüb, do trost er es und screib im disen brief also:
Kind mins, wer git einem getrüwen vatter, daz ich für min Ä
liebes wolgeraten kind sterbe ? Stirb ich nit liplich, so stirb ich aber
berzeklich mit dem geminten kinde mins herzen. Ich bin liplich
verr von dir, aber min herz stat vor dinem todbete mit bitren treben
und getrüwer klage. Büt mir din siechen band, und sie, daz got
[löö^j über dich gebiete, so bis vest an kristan globen und stirb
5 Wirt kuut S wengcliii CS 9 schon, fehlt S 10 übersw.] miß*
nenklichcr S 11 minnerichers CS 12 luter] purer C minneklicher AW<
ASPKUa na in dir C 13 eben] aUe S 14 Talis — mens fM F
15 minH] min P 19 e. ieklich mensch S es] er S 23 er] es ÜT und e*
— 24 geh. fehlt C als reht ü. P 26 L'ebes] selbs S 30 gebötet P
14f. Hohel 5,16. Vgl Vita 140,7. 21 // Kön. 18,33.
Briefbüchlein. VI. Brief. 379
frölich. Fr6we dich, daz din schönü sele, du da ist ein luter, ver-
ninftiger^ gotf5rmiger geist, daz du uss dem eugen jemerlichen
kercher sol erlöset werden, und daz sü nu furbaz ane alle hinder-
nast frölich mag gebruchen ir selikeit, wan got spricht selber: kein
5 mensch mag mich sehen und leben.
Ein ding ist, daz mengem unbekanten menschen an dem tode
erzöget und im einen strengen tod machet, daz ist: so er sinü ver-
gangnü jar und sin üpeklich verzeret leben her für nimt, daz er
sich denn einen grossen Schuldner gotes vindet und daz er an siner
10 jüngsten stunde nit waiss, waz im dar zä ze tüne ist. Da wil ich
dir einen sicheren weg geben uss der heiligen scrift und uss der
warheit, wie du dem macht us gan in ganzer Sicherheit.
Hast du bi dinen tagen ie gebrestklich gelebt, als wenig men-
schen dar ane ist, dar ab solt du nit ze vast erschreken an der
16 Stande dines todes. So du dinu kristanlichü reht hast, ob du macht,
ordenlich enpfangen, so tu eins und nim daz crnziiixus für dinä
ogen und sich ez an und truk es an din herz, und neig dich in die
blütgiessenden wunden siner grundlosen erbarmherzekeit und bit in,
daz er mit den blütnassen wunden ab wesch in siner götlichen kraft
20 alle din missetat nach sinem lobe und diner noturft, und bis denn
sicher uf mich : nach kristanlichem globen, der mit nütü triegen kan,
malit du daz vesteklich in dir han, daz du denn von allem mitel
genzlich wirst gelütert und frölich mäht sterben.
Es ist noh eins, daz du an der stunde solt her für nemen, daz
86 du den tod dest hast mugist verahten. Lüg, es ist ein land, da ist
ein gewonheit, wenn ein mensch wirt geborn, so koment alle sin
frint zesamen und scrient und weinent und gehabent sich übel, so
er aber stirbet, so lachent sü und habent alle fröde; und meinent
da mite, daz nieman weiss die grossen erbetselikeit, du mengem
ÖO menschen erahtet ist, und dar umbe weinent sü in der geburt, und
wan du ein ende nimet von dem tode, des fröwent sü sich. Der es
reht hinderdenket, so mag des menschen geburt in dis eilend weit
1 luter fehlt S 2 du] du P 4 f. der mensch mag mich nit s. u. 1. C
^ mengen CNma 7 erzeget AN erzaget a 20 notuft A 24 her f. solt
n- C 29 wiss K 32 reh A
7 erzogen mit Dat. der Feraan = sich ertceisen, erzeigen; vgl,
^icerl, 704; DWB III, 1018 ff. Denifle 602: verzagt macht. 16 kristanl.
'«ht= Sterbsakramente (Schmeller 11^, 27), Vgl, zum folgenden Bdtw 258,16 ff.,
380 Briefbüchlein. VI. Brief.
wol heissen ein tod von der not und erbeit, du im bereit ist, so mag
aber der liplich tod wol heissen ein nüwü gebürt von dez sweren
libes abval, von dem frien ingang in die ewigen selikeit
Swem nn sinu ogen sint uf getan, dis warbeit kantlich ze be-
kennen, dem wirt sin tod dest lihter; der aber diz nit kan [156'] 5
an gesehen, des klag wirt gross und sin unbekanter tod dest strenger.
Lüg, waz jamers in diser weit ist, was lidens eblich und angst und
not hie ist allenthalb, wa man sich hin keret! Und wen nit anders
me denn vorht libes und sele und du wandelberä unstetekeit diser
weit, uns sölti hinnan belaiigen. E daz dem menschen ein liep be- 1(3
scheh, so begegend im zehen leid. Es ist menger mensch, der in
des frageti, er sprechi: „ich gewan nie noch nie guten tag uf ertrich."
Du weit ist vol striken, falschheit und untrüwen, nieman mag sieb
an den andern gelan, wan ieder mensch suchet sinen geniess. Der
denn dar umb begeret lang ze lebene durch merung sines lones, daz 1*
ist gar zwifelich, ob sin Ion ald sin grossen schulden me werden
zu legende. Er hat lones übrig, der daz minneklich zart antlut d^
schönen herren iemer me schowen sol, ach, und bi der lieben himel-
schen geselschaft wonen sol. Tut du stund des todes we und ist
si biter, so müss es doch neiswen sin; des todes stunde ward nie SO
kein mensch überhabt. Der denn hüt unbereit ist, der mag mom
noh vil unbereiter sin: ie elter, ie böser. Man vindet vil me, die
sich bösrent, denn die sich besrent. Ist des todes gegen würtikeit
biter, so machet er doch aller biterkeit ein ende.
Dar umbe, min kind, so riht din herze und hend und ogenuf^
in daz himelsch Vaterland, und grüz es mit begirde dins herzen und
gib dineu willen in gotes willen. Stande der sache lidig; waz er
mit dir tüge, es sie sterben ald leben, daz nim uf von gote für dai
beste, wan es ist och daz beste, ob du es joh nit uf dem puncten
erkennest. Fürt dir nit, die heiligen engel sint bi dir und umb dich, ^
der milte erbarmherzige got der wil dir vaterlich helfen uss aDen
dinen nöten, ob du allein siner gütikeit macht getrüwen. —
Do dise trostliche brief der sterbenden tohter wart geantwnrt
do ward si fro und hiess ir in zwirent vor lesen-, und do si horte
6 f. nun nit k. gesellen S 8 wa] war KU 9 unstet.] wnstekeit C
13 uutr.J untuffcnt S 18 schow. sol fehlt S 25 [und] ogen C 29f. «*
wol erk. S
7 ff. V(jl Bdew 'J 19,15 ff. 18 Vgl, Bdew 219,23 f. 14 »'jl.
Phil !>,21.
Briefbüchlein. Vn. Brief. 381
i^ gnedigen rede, do ward ir ir herz neiswi reht erkicket dar abe
Qod yergieogen ir die vordren todschrekeii; und gab sich do frilicb
in gotes willen und nam gar ein heilig ende.
VII. Brief.
^ Wie sich ein menscli in ustragenden emptern Stil lialten.
Cristas factus est pro nobis obediens nsque ad
*xi.ortem.
Swer da widerstrebet, daz er von gehorsami müss tun, der
Tiacbet im selb ein * sweres leben, wan enklein ding unwilleklieh
9
0 gretan tut wirs denn vil getan [156^] mit willen. Dar nmbe, sider
dis ampt von gotes ordnnnge, von dem alle gewalt kunt, als sant
Paulas sprichet, üch zft gevallen ist ane üwern willen, so ordnent
^8 och also, daz got da von nit werd enteret und ir berlich entrihtet.
Eis tut öch enteil not, daz ir ungern an dem ampt sind; wan
U da ir hilf und rat söltind ban, da heind ir betrübde und unrat, da
ir denn söltind han undertenikeit, da heind ir frevel widerspenikeit.
Dar umbe ze diser zit meisterschaft und pflegamt haben und dem
rehte tun, daz ist nit gemaches pflegen, es ist ein marterliches leben.
Dar umbe so nemend dis krüz uf üwern ruggen dur den, der daz
^ eilend krüz dur üch uf sich nam, und land üwern müt nider, die
wil man es von üch well haben, und klagent nit üwer unvermügent-
hait und üwer unkünentheit; wenn ir getünd daz beste, daz ir üch
verstand, so sind ir ledig, ob es joh nit daz beste ist.
Ir send in allen dingen got me an sehen denn liplichen nuzz,
* Und sond nit gestaten, da ir es niugend wenden, daz kein üwer
schefli gekrenket werde an siner sele. Sind gemein in den haltungen,
daz fründ und fient glich daz joch tragen, daz gebirt fride. Die
jungen sond ir in meisterschaft haben, wan übel gezognü Jugend ist
ein zerstörunge geischliches lebens. Einen süssen ernst sond ir haben.
1 ir [ir] GNÜm reht fehlt C 2 schrekeii S 12 das (ich C 15 da
*»• -- 16 han fem C 16 frevel und wid. FNÜm 18 materieliches (!) C 23 joh]
^och S 26 da] das CN
6 Der Brief ist an eine Klostervorsteherin gerichtet^ wohl als Antwort
^ftine vorhergehende Anfrage, 6 Phil. 2ß. 12 Rom. 13,1.
29 f. Vgh Heg. S. Augustini c, :J1: ipsa (praeposita) non se existimet po-
^^*^e dominante, sed charitaie servientc felicem; c. i*:J: quamvis utrumque sit
'^^^sarium, tarnen plus a vobis arnavi appetat quam iimeru
382 ßriefbüchlein. VII. Brief.
und me von minnen denn von vorten gebieten. Daz üch ze über-
kreftig sie, daz sond ir üweren obren für legen, und da ir nit ma-
gind bissen, da beilent aber. Mugint ir geischlich zubt nit genzlich
fiir bringen, so ahtend doch, daz nit ablasses noh sweres iubmches
under üch geschehe. Der ein zerbrochens altes kleid nit wider (
büzzen wil, so ist es schier alles zerschlichen. So daz geischlich
zergat, so ist man schier us an liplichen dingen. Der des roiosteo
nit ahten wil, der valiet in du meisten.
Ir sond üwern undertanen gut bild vortragen, und mit werken
me denn mit worten leren. Verwegent üch eins, wan daz mftg8 sin: II
80 ir üch flissent, daz aller beste ze tüne in den dingen, daz man
daz für daz b6st von üch wirt uf nemende ; und gen dien, da ir
lieh aller meist tagenden flizzent, da wirt üch mit Untugenden ge-
lonet. £s mag nieman glich menlich wol gevallen ; wend ir aber
menlich willen, so heind ir got und der warheit ungewillet. Bftscrtf
lüten schelten ist guter lüten lob.
Nement war, daz ir inwendig frevel geselschaft und uswendig
schedlich früntschaft zerdrennent mit kraft. Tünt daz üwer, so sind i
ir ledig. We dem kloster, da disü zwei in gebrechent! Wan [157'] i
daz wirt fridlos und ze jungst erelos. Ir sprechent: grif ich daiSI|
an, so gewin ich unfrid. Ich sprich: selig ist der unfrid, wander
unfrid gebirt den ewigen frid. We dien, die da land hin gan und .
ires herzen frid hier inne süchent! Von den sprichet Isaias: pax,
pax, et non est pax; daz ist als vil gesprochen: sü sagent
frid, frid, und ist doch nit frid. Die söchent ir gemach, so heio*
gern zerganklich ere, und kofent die mit einem zergene aller geisch-
liehen eren. Und we den! wan sü hie iren Ion hein enpfangen.
Aber ir, min kind, ir sond nit also tun. Sftchent gotes lob und ere,
als der lieb Cristus suchte sines ewigen vaters ere, und dar umbe
Hess er sich henken. Ir klagent üch ze vaste, — nu rünnet ich*
daz blüt noch nit uss den enpfangnen wunden daz antlüt abe,
If. überkrepüg AC 2 und fehlt C 6 zerslissen CNSma 9in.(iö»
werken KU 12 l)OHt] best K da fehlt Pü 13 untug.] untruwen P
18 zerdenuent S 2H dar inne C 25 hettint K 26 einem fehlt S
lt. übcrkreftig = rw schwierig oder die Befugnisse überschreitend*
7 f. Vgl. Sirach 19,1 und oben 360,34, 9 Vgl lieg, S, Aug. c, Ä?; cir(*
omnes seipsam bonorum operum praebeat exemplum. 23 Nicht Jw»«'»
sondern Jeremias 6,14: S,tl. 27 Matth. 6,2. 29 Vgl. JoK 8,49 f»
30 f. Vgl, Hebr. 1:>,L
Brifll'ijiichlein. Vn. BrM.
m martrerD tet. Wan naiii hie vor die aller verwegenstim zft
len etnptern, und nit die daz ire BÖchten.
A Ir hetiüd jjerD röwe ze belrahten und eclioweue, — saot Gre-
pins spriehet, daz volkoninä meisterscliaft ietwedenn Hol Bin ge-
K nach ordnnnge der Rachen. Aber leider, wan ir dar zft noh nit
B komen, so nement her für üwer kleinheit nnd bittend üeh vor
prt! Gedenkent, wer ir siiint, und wie schier ir verswunden sind,
|r umbe, wenn ir ieman wend strafen, so strafent 6ch selber vor.
I Ir send iich flissen, daz ir übel mit gftt überwindent. Ein
II tribet den andern nit üb. Ir sond nss einem senften herzen
n and eenftii wort lassen belltn, als es denn gc^chafen ist.
f Gotee dienst fiirdren sol lich ob allen dingen bevoln sin.
Ir sond oeh üwer selbes nit vergessen, dik an dem tage in
: selber keren, und snnderüch zwirend, daz ist spat nnd frö, üch
ler sftL'hen nnd ein wile der ding vergessen, und üeh nf zft got
len und alles iiwer leid nnd liden in im enpfaben. ditrch in liden,
^ünc überwinden in ergezzlicher wise. Ir mugent in eim stündlin
I ganzen tages ergezzet weiden.
■ Volkonien leben lit nit an trost habene, es lit an einem uf-
Boe eines willen in gntes willen, da^ sie siir oder süss, in under-
Ikeit einem menschen an gotes stat in demütiger gehorsam!. In
I sinne weri mir lieber ein trueheDbeit, denne ane daz ein bin-
bendü sÜBsekeit, Und daz bewerte du edel gehorsami dez evrigen
tei du in trnchenr bilerkeit ward volbrabt.
. Dis sprich ich nit dar umbe, daz ir tcb dar zA, als ire vil
% erbietent, mer daz ir diz Joch gcdnlteklich lident und daz best
int, daz ir vennugent. Weri es daz nit, üch weri vil licht ein
?'] anders, ein bösera ze banden gangen. Der berr, den ii" da
taent. der üch daz hat zA geworfen ane üwer zfttftn. der mag üch
dar inne nah üwerm besten versehen, nah sinem lobe und üwer
gen sclikeit.
S noch dar zfi SU 8 selber ftlUt S 9 üljerw.] vuriiit^nent S 17 luit
■. C 18 ganzen fehlt C 22 Irucheiikeit A 26 dost e dar zfl *
der [lieh] C
Bf. Grtgorius M., Hug. Paul. II, ii: ut rtclor sit tiiigulü eompasnione
HU, pfot cunelia contmiplatione »uspengug; vr/l. Moral. VI, öl und AuQurt.,
I. Dti 19,19. — ietwedenn =; »owohl der äusseren Tätigktü aU dtm be-
Gebete. 13 ff, Ähnlich bei MechthUd von Magdeburg 174 f.
Jfitxl. wiee icird erM ditrch da» &r S/b recht veralOndlich.
►ff. Vgl. Bdev! 301,:iOff. 25 dar zä = zum Amte der Vorsteherin.
384 Briefbüchlein. Vni. Brief.
VIII. Brief.
Wie sich ein gotlicher mensch in götlicher stizzekeit so! haiMnu
Elsbeth Staglin.
Annunciate dilecto, qnia amore langneo.
Sessi ein mensch vor einem kelr und weri nach sines henen (
girde wol getrenket, und ein andre weri nf der t&rj'en heide bi einen
ruhen rekolter und lesi also turstige du her her abe, daz er tempfigi
menschen gesunt macbeti, — frageti der wol getrenket den mit d»
turren munde, wie er sich gen dem süzen seitenspil leichen 851ti,
daz bi dem win ist, er gebi im ze antwürt und sprecht miwertlieh:
„dise mag wol trunken sin ; er wenet, daz allermenlich ze müt äe.
als ime; mir ist iht anders ze mute, wir sien ungelich gef&ret Ef
dem vollen lip stet daz frölich hopt."
Min kind, daz mag ich eigenlicb zu dir sprechen von der bot*
Schaft, die du mir hast getan, und du waz, daz ein inbrünstigi 1
vakel enbrunnen sie in dinem herzen von rehter begirlicher inhizzigtf
minne zu der minneklichen ewigen wisheit, und von dem nüweD
liebte und unbekanten wundern, du si in dir würket, und wie din
herz hat dar inne enpfunden ein süsses we und ein lieplicbes xer-
fliessen und ein überswenkes enpfinden, da von du nit kanst gesagei; i|
und begcrest wisunge, wie du dicb ime aller minneklichest hier inie
sulist erzögen und dich gen den wundern halten.
Tohter, es stat ein unmessigü frod uf minem herzen, daz ridi
der niinneklich got so minneklich erzöget und daz er git ze enpfindefl
dir und etlichen me, daz ich mit den werten vil und dik sagen, i^i^
er als rebt minneklich ist; und daz daz ellu herzen als wol betin
enpfunden, dar umb wölt ich gern turstig beliben. Es ist ein grotf
wunder in mir, daz du in so kurzen jaren hier zt bist komen; nd
3 Elisabeth stä^lin S Elsb. staiglin U, fehlt NFS'mfa 4 dilecto meo C
5 kelr] kali C 6 weri] verri C 16 inhizz. fehlt C 17 f. den n. lieht«n^
18 würkent iS 25 etlichem K 26 daz [dazj ACPS 28 f. [undj dai CS»
2 VgL David v. Augshurg, De compos. III, 66: Quomodo in sengib^*'
(hdcedinis exptrientiift se homo habei-e deheaU 4 HoheL 6,8. 17 I^^
ganze: und die Botschaft war auch u,8.tc. 19 ff. VgL Bdw 336,7 f' ^
ist die Rede von der geisilicheti Trunkenheit der begnadeten Seele, Dwoid «•
Augeburg liandelt L c, III, 04 von der ebrietas Spiritus, iucunditae epiriiueMe^
liqu^actio animae. Vgl. auch Strauch, Ad. Langmann 114 f.; M. Ebner 385f'f
Tochter Syon ed. Weinhold 4:^60 ff. und Anm. S. 543 f.
.
laz bat aber gemachet der ganze ker ze gote uml volkomne vonker
roD allen dingeu und der gtuntlloae ernst und liplicher pin, mit den
In din altee leben gedilget hast und ellü ding so gar under die
Tüsse getrnket bast.
Ein meDBoh, der des ersten win trinket, dem wirt er vil en-
pÜDllich: also versieh Ich mich, daz dir gescfacben sie von der klaren
sttizen minne der ewigen wisbeit, da dich also krefteklich hat uber-
WBDden. Oder ea meinet aber daz, da/, dich got reizen wil nnd dich
scliier binaan wil nemen zft dem grundlosen bruunen, U88 dem du
DU ein [158'J tröpflin hast versbchet; oder es meinet aber, daz er
siDii wunder hie an dir wil zögen nah dem überfluss siner gäti,
Hier inne halte dich also, daz du ßincs willen lögest atie lust Bächen
(ÜDB setbsheit. Du endarft dar inne nit vort haben: es ist alles
Bament von gote und ist ein minnelüder gotes in der sele, es gat
eben, im sol also sin. Doch solt du diner liplichen kraft war nemen.
du da nit ze vil dar inne verzt:ret werdest. Es mng sich fugen.
Bo der lof fiir kunt, daz es dir ze guter mass benomen wirt und du/.
du of ein noh nehers gesezzet wirst.
Dil aohfinü gesiht, dd dir an dem heiligen tag ze winnaht
Ward, in der du sehd, wie klarlieh und minneklich du ewige wieheit
In frödenricher wise mit des dieners sele vereinet were, und enbat
'Oie, er m&hti wol sin ein frÄHcher diener der ewigen wisheit, —
die hat gemachet, daz ich herzklich hau gesüfzet, wan ich bin nit
»in miuner. Mich dunkel, ich sie sin karrer und var ufgeschürzet
durch die lachen, wie ich du menschen uss der tiefen lachen ire
sfintlichen lebens an die schÖni bringe; dar umbe sol mir genügen,
Bo er mir einen ruggin leib an min band git. Und doch so mfüss
■eil dir eins von dem geminten sagen, daz er ueiswi dik in mir bat
Ktpflegen :
Des liebten morgens, do man daz fr^dich gesang von dem
t
■ Iff. Vgl, Vüamßff.,100,6ff.,l<fr,tff. 9 bninnen, cjf/. fl(fe«r2«,7f;.
^ 16f. Vgl. David v.A. I.e. III,6ü: coneüium datur his, qui ex dteotümin veht-
*^tiUia debiUtati gunt. 17 f. Sinn: es werdett dir eielliicht jene Btgünsii-
Pvigai, welche At^fängtm tm myatischtn Leben gegeben werden, enttogen, damit
*i darauf veriichtend noch höher »teigest. Vgl. Vi<a 166,6 f. u. Bdew 3Ul,3ä^.
tS7 nigKiu leib =; Boggenlaib. Seuee meint, er verdiaic vim Gott nicht Jei"-
'amtlichen Gnaden, wie die Sliiylin,
3 [ao] gar C 8 (iJaz] daz CNm 13 ilar inue tiaeh habeo S
16 daz] dar C 17 es] er ACPäU 24 karcher I- cli.rer
386 Briefbüdüem. YIIL Brief!
yeterlichen glänz der ewigen wisbeit solt singen ze messe: Lux
fnlgebit, do waz der diener des morgens in siner kapell in eio
stilles r&wli siner ussren sinnen komen. Do waz im vor in einer
gesicht, wie er wurdi gefüret in einen kor, da man mess sang, in
dem kor waz ein grössu schar dez himelscben Ingesindes, von gote
dar gescbiket, daz sü snngin ein süss nielodie dez himelscben g^
dönes. Daz taten sü und snngen ein nuws frölicb gedöne, daz er
nieme hat gehöret, nnd daz waz als süzz, daz in dncbte, daz m
sei zerflussi von rebten fröden. Aber snnderlicb do wart daz Sanctns
so gar herlich gesangen, nnd er hüb ocb an und sang mit in. Do]
man kam an daz wort: Benedictns qui venit, do erbAben sl
ire stimmen gar hohe, und do hüb ocb der priester unsem berren oL
Den sah der diener an mit einem demutigen erbietene siner waren
liplicben gegenwürtikeit, und ducht in, daz neiswaz minneklidienTer-
nünftigen glastes von im trungi gen siner sele, daz anspreehlieb vt
allen zungen. Und in dem so ward sin herz und sele als vol niwer
inhizziger begirde und inres lichtes, daz es im zenial alle sin kraft
benam ; es waz neiswi, als so sich herz mit herzen in blosser Te^
nünftklicher wise vereinet. Und kam also in ein zerflossenbeit doer
sele, daz er ime kein [löS""] liplicb glicbnuss kond geben. Do er
also kraftlos ward und swachlich gebarete, do lachete der bimebek
jnngling, der bi im stund, des er nit erkande. Do sprach der diener
zA ime: ^owe, wes lachest du? Sibst du nit, daz mir iez von rehier
amaht und inbrünstiger minne wil gebresten?" Und in den Worten
seig er also da nider an die erde als ein mensch, dem von unkraft 1
gebrosten ist. Und in dem nidersigene kam er wider zfl im sdbeo
und tot du usren ogen uf; du waren vol trehen, und sin sei wazrol
lichter gnaden. Und gieng hin für den alter, da unsers berren fron-
lichnam waz, und tonde verborgenlich daz ged6ne: Benedictos
qui venit, als die geischlichen klenke dennoh in siner selwareni
2 des moTg. fehlt S 12 ir stimme K 16 und sin sele [als vol] S
21 ewarlich C 22 des] das ANUm enkante ANPm 24 und rehttf
inbr. m. 6' 25 sanck K 26 nidersinken KU
1 f. Anfang des IntroiUus der 2. Weihnachtsmesse ^ die „in aurcra^ ^
sangen wird, 9 ff. Sanctus, Teil der Messe (Trisagion) nach Beenüg^
der Präfation vor Beginn des Kanon ; den Abschluss des Sanctus bildet äM
Bonedictiis (vgK Matth. 21.9). 16 ff. Vgl Vita Kap. 2.
rBriefWkhlein. IX. Brief.
IX. Brief.
Vle elD mensch ze rüwe Niiies herzen in got sdl komen.
In oronibuB requiem qiiaesivi.
Aleo sprichet die ewige wisbeit: ich hab mir räw geeQchet in
pi dingen, und leret reriertü menschen, wie sü in dem mielichen
^ ire lebens ze frid sulen kamen, als rerr es denn roäglich ist.
i| Wie daz sie, daz du warbeit an ir selben Idoss und ledig sie,
j^ von unser natürlichen eigenschaft so ist uns angel>orn, daz wir
in biltlicber glichnüss müssen nemen, unz daz der nidersenkend
iwirt ab geleit und daz gielütert oge der aele vernünftikeit in der
figen Bnnnen rad bloeklich wirt gCRteket; wan unz dar so gangen
ir als die blinden Bchlicfaeu, und greifen umb ans nnd wisBen nit
1 ald wie. So wir Joch etwen haben die warheit, so enwiseen wir
t, oh wir die warheit haben, und tügen als der ein ding söht, daz
.in der band hat. Der mensch lept in zit nit, der disB genzlich
Ig Stande, wan es ist ein nabklank der erbsünde.
[ Naeh mincm vereteue su wer! gar begirlich ze wiseene einer
Mchender sele, daz si m&bli wessen, waz gotes aller liepeter wille
■ ir were, nf daz daz si im minneklicfa und gesellig macbeti, daz
nander liebi und minne und heinlichi zfi ir gewunne; wan ein reht
pneklicbes gemüt kunt dik dar zu, daz es dar umbe einen tod
Hti liden, daz er des einen lichten underscheid in einer ieklichen
(rillenden sache möbti gewinnen. Disä begirde machete den ge-
iwen Abraham us gendc von sinem lande und von sinen lieben
lüden; er enwist war und söchte got verre, daz er in nahe fündi.
z hat gejagt und getrihen ellü nserweitu raenschen von angeng
r weit unz an disen hfttigen tag und tfit fiir sich iemer me, wan
z lieb wartspil zühet me an sich denn kein adamaz daz isen, und
bdet me denn tusent seil. Wol ime, daz er ie geborn [159'] wart,
r es rindet nnd sich niemer dur von keret!
6 f.
den
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löiffcn FNm
23 f. träwen CNm
7 hlofl
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ffliU P 9 oiderainkend Ca
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8 Sir. 34,11. Öher deiieilben Text mehrere Predigte» ron ICckhai-t,
' 149 ff., 152 ff, 3S4 ff., und eine von Taulei; Leipeit/ 1498 fol. 223" ff.
M. Vgl. WtMh. 9,15. 22 er. Seuse subsiitaierl dm Begriff Mensch. —
■ von Gottes liebstem Wülett. S4 / Mos. 12,1. 4. 25 Htbr. 11,8.
t adamaz, Edelstein, Diamant, hier = Magnet (Lexer I. ai>) : vgl. Megen-
I Bueh der Natur 4H3f.
388 Briefbüehlein. EL Brief.
Ach hier nmbe so vellet mir iez ein sprach in, den las ich
der schale der naturlichen kunst; ich las in und verstund sin ab
do nit. Der höh meister der sprichet also: der alliche fürst, ei
valtig wesende, der bewegt ellÄ ding und ist er unbeweglich. ]
bewegt als ein begirliches nünnekliches lieb sei tfin: er git d(
herzen ilen und begirden lofen, und ist er stille als ein unbeweglic
zil, dez ellu wesen varent und begerent. Aber der lof und zag ii
ungelich: er machet mit des himels lof die anbeiss kriechen, de
geswinden hirz lofen, und den wilden falken fliegen. Ire wise is
ungelich und hein doch ein ende, daz ist ein ufenthalten ire wesen«
daz von dem minnezil des ersten wesens us fl&sset.
Disses gelich vinden wir in der grossen ungelichheit, die mai
under gotesfrüuden brüfet, die da dez selben gfttes enpfeuklich sint
wan eins lofet mit grosser strenkheit, eins ilet mit luter abgescheiden
heit, eins flüget mit hoher schöwlichkeit, ieder mensch, als er denm
gezogen ist. Waz under den allen daz nehst sie, daz ist unverborgei
in der scrift; aber waz einem ieklichen menschen sunderlich iui(
usgescheidenlich daz nahest sie nah siner zügehörlichkeit, daz kai
mau nüt wol gesagen. Allerley versuchen, als Paulus spricht, anc
eigens befinden, als sant Gregorius sprichet, und gAtlichu erlAb
tunge, als Dionysius seit, helfent dem menschen ze rflwe. Lip
lichü übunge hilfet etwaz, da ir nit ze vil ist; aber rehtü gelassen*
heit uf allen puncten, in allen wüssenden und unwüssenden sacben
in dez obresten aller dingen wüssenden willen, daz hilfet dem men-
schen usser allen den wellan und sezzet in ze fride in allen dingen,
der 8Ü ordenlich kan nemen.
3 ph XU Metaphysice am Bande A, im Text KNUm [der] sprich.
CNm 8 den a, C die einmeisseii P 16 eins 11. — schow. /MÄ ^
17 und fdat SU 19 und — 20 sprichet fehlt F 21 sant Dion i*
22 am Hände ncriiardus AC 28 und unw. fehU S 24 wussenden i
25 wallen P
2 nattirliche kunst = Philosophie. Vgl Bdw 349,13. 3 ArisioiM
Metaph, XII c. 7 X 107:>a25ff.h3Jf\ hat die Stelle dem Sinne nach.
12 f. Vgl, Vita 107,21 ff., U2,4ff. u. Tauler, Frankfurter Ausgäbe II (IBSlß)
323 ff., 430. 16 f. Vgl Luc. 10,42 : Maria optimam parlem degit, und dam
anknüpfend Greg. M,, Moral VI, 18; Bern., sermo 3 in Asaumpt. ÄJIf. V.n.3
Tliomas, S. Th. 2, 2 q. 182 a. 1 : Eckhart 328 ff. 19 / Tfkess. 5,21.
20 Vgl Greg. M., Moral VI,ö7. 21 Dion., Myst. Theol. 1.
22 Siehe die schon zu Vitn 108,11 ff. zitierte Steile des HL Bernhard.
Briefböchlein. X. Brief. 389
Es waz ein meDSch, der hat etwas an gevungen, daz er got ze
lob woite volbi'ingeii. Der wnrd gefraget, ob er wösti, da/, es gotes
Wille weri. Er sprach: „nein, ich enwftlti sin nit wässen, mir ist
die lieber; wan heti ich sin ein wüssen, dar abe nemi min selbsheit
«ze vil geischliches gebruebens, aber alsiis ist es mir ein undergang."
Ein wiaer mensch Hol sin inrkeit in der usserkeit nit hin werfen,
imh der usserkeit von der inrlieit nit verlognen, er sol sich selber
iit den ussren welken mit heiligen begirden unmAsgen, daz er ge-
»winde wider in sie kome, nnd sol in der inrkeit also gelassen sin,
POiliiz er der us^scrkeit mug gnftg [löO*] wesen, so es zit und redlich
itl. Und also g»t er utt und in und findet sin rtiwe in allen dingen
nscb der wisheit lere, da von sin sele gespiset wirt. als Cristua
sprach.
. Dis Bcrib ich ö dar umhe, sid ir got verr in daz eilend ge-
tevnlget heind, da/, ir in nahe und verr kunnint vinden, wan er in
allen dingen hat wonen. Ich weiss einen menschen, der kam sinee
eilenden lidens eins males under einem kracifixng an den eilenden
CrJEtna: do antwurt er ime her ah inrlieh und sprach also; „da solt
dar Dmb lieblos sin, daz du mir ze einem liep werdest, und dar umb
«'«m-hmeht sin, daz du mir ze einem lob werdest, so solt du dar
anibe unwert ein, daz du mir ze eren werdest."
X. Brief.
Von etlichen (Stäken, dii ze vulkoiuenheit hörent.
Estote perfecti:
' Also sprichst du ewig wisheit zA sinen userwelton jungem, die
i>*h hohem leben« stalten: _ir sond volkomen weseu!"
^ a eiiw. — 4 wau fehU S 8 uniioasnen A 9 komen ASPK
^At. Duchik;e folget P 15 kuiiiut A vindi^D frhll U 18 iuneklichen S
ti f. Ähnlich in deit Spriivheii l'i'la 168/. und SJb 3äH,3ff. Vgl. Denifie,
'j(w tittat. Leben 100 f.: Greg. JH., M",: XXXI, 13: Üle ipraedicalor) ad
t*frftHi'mU ndmcn rrigilvr, qui non actii'a »olumrnodo, »ed etiam contemplotiva
"ila toUdatur. 9 giK = dit Inntrkrit lOr Bßi: in die beiraeliohe),
U Sir. H.H. lü J"h. 1U,!i. 14 elleiHi «•«*<( vohl auf Nonne»
httt, iPtUh: tfefftn Benbaifhtttng dt» InUrdikt':« n»» ihrem Klnettr vtrtrMtn
imr<ün. XKf. Vgl Pi. 13b,7ff. 18 ff. Vgl. den SprMih dtr Amta von
Xtinijni"! in TffM: le »iecher du hül, rr lieber du mir hin. I< teraehmifhttr du
hüt , ic neehtr du mir bist. le ermer du bint, ii^ iiilicher du mir bitt (FÜm
von Tö9» 37^6ff.). 83 BlaOk. 5,48.
L.
390 Briefbttchlein. X. Brief.
Der lieht Dionysius an dem buche von den engelschlichen
Jerarchien sprichet also, daz die nidren engel von den obren werdeot
gelüterty erlühtet and volbraht; und daz beschiht alles mit dem os-
brehendem glänze der Aberweslichen sannen, mit einer gemeinsami
dez hohen usflusses in nüwer inlahtender warheit. (
Dis bildes gelichnuss vinden wir in der zit in yil menschen.
Daz färben lit an usgetribenheit alle» des, daz creatar ald creatir-
lieh ist nach ierreklichem hafte and begirde und kumbre, daz den
menschen in keiner wise vermitlen mag, und weri daz der hiliBt
geist von Seraphin oder der heilig sant Johans oder waz daz H 10
daz creatur ist: dem sol er us gan. Und es möhtin gut6 menscbeo
hier inne von den Sachen wol verwirret werden, ob sü es in guter
meinung tetin; aber g&tü meinung gnuget nit in allen dingen. Es
gebot unser herr hie vor dur den milten Moyses und sprach: „daz
gereht und gut ist, daz solt du reht und ordenlich tün^; anders daz 15
reht wirt ungereht.
Nah der färbung gat denn lieht und warheit, wan warheit ist
lieht, daz die tinbern vinstri der unwüssentheit vertribet. Und daz
lieht wirt etwene mit mitel, etwen sunder mitel enpfangen, daz die
sele in fr6d ernüwert und si mit götlichen forman erfüllet. So dez»
dem menschen in zit ieme werden mag, so im ellü irdeschheit ieme
enpfellet, und daz untödemklich kleit dez künftigen iemer werenden
lichtes ieme wirt geeigent in einer Verdrossenheit aller zitlichkeit
Und in dem entspringet warü volkomenheit, dti da lit an der
vereinunge der h6hsten kreften der sele in den Ursprung der weflent- *
heit in hohem sehowene, in inbrunstigem minnene und süzzen niessene
dez höhsten gfttes, als vil si vor krankheit dez [160'] sweren li
1 am Bande Dyonisius de celesti Jerarchiu A 7 fürboren (!) C 9 üi
keinen wisen C 11. IB gutii A 12 verworret S verirret PU 16 unger!
unreht NPSm 18 tunben P 19 daz] die ÄCPS 23 geeiniget ^
1 ff. De coel Hierar chia 8,1, 7,^,3. 4,3 und darnach Thomas, Ä Tkl
<j, 106 sq. Die „Läuterting*^ bezeichnet die Befreiung van den Mängeln der «»•
vollkommenen Erketmtnis, und ist insofern identisch mit der „ErleiuMunf'
überwesliche sunne = Gott. 7 ff. Im folgenden ist der Stuftngang d»
mystischen Lehens: via purgativa (daz furben), via illuminativa (lieht TfflA
warheit Z, 17), via unitiva (vereinunge Z. ^6) kurz beschrieben. Vgl JECrcbi,
Dietrich von Freiherg 126,93*. 8 Das Haften an den Kreaturen mä Ver-
langen oder Trauer ist ein irrendes und irreführendes und muss daher wf*
gegeben werden. 13 Vgl. Vita 167,:J9. 14 ff. V Mos. 16^.
BriefbUohlem. XL Brief.
391
\Bg. Wan aber dii sele von dez sweren libes krankbeit dem Intern
ftt in eotbiltlicber wiae nit mag blosseklich alle zit an gehaften. ro
lasse Bi etwas biltlichs haben, daz si wider in leite. Und daz beste
ar zfl, daz ich verstan, daz ist daz minneklich bilde Jesu Gristi;
(An da hat man got und menschen, da hat man den, der alle hei-
igen hat ^ebeiliget, da vindet man leben, daz ist der hAhst Ion
ind obrester nazz. Und ao er in daz selb bilde wirt gebildet, so
wirt er denne alu von gotes geist in die gfitlichen günlichi dez bimel-
schen herren überbildet von klarheit ze kiarheit, von klarheit einer
iarten menschbeit zu der klarheit sioer gotheit. Wan so wir in ie
diker mit begirlichen ogen minneklich an büken nnd alles imser
leben nah im bilden, ao wir in ewikeit ain weslich selikeit ie adel-
tieber werden niesaend.
pte Nicli ein mensch zu dem gütlichen iiamen Jesus sol an-
dehtklich halte».
Pone me nt signacnlnm super cor tuuni!
Es begert der ewig got von der reinen sele einer bet nnd
wichet also: „leg mich als ein minnezeichen uf din herze!"
I Ein bewei'ter gotesfnind boI alle zit etwas gnter bilde ald
Spruch bähen in der sele mund ze küwene, da von sin herz enzöndet
*Erde zfl gote: wan dar an lit daz hohste, daz wir in zit miigen
ban, daz wir dik an daz g&tlich liep gedenken, daz herz dik nah
■IS versenden, dik von im reden, sinü minneklicbü wort in nemen,
*]<ir in ellü ding lassen und tügen, nieman denn in allein meinen.
iiix oge Boi in minneklich an bliken, daz ore sich zb siner meinung
6 gut -
II mügen F 3 min Pv biltlicheit C
rerbildet C 10 in /ehtl CU 19 |werden| oiessen CNm
F die Übtrxehrift , der Brief gelbgl fehlt 16 Zunate
tdira sol man lassen am ingonden näwen ,jor C 2S
Ü
nun fthll S
16 f. m !•
lerer Hand:
yfft. Wtish. 9,lö und Bernardu», sti-mo 3 in Ärceni. Dom. n. 1 «gq.,
'iltutelbs Zitat. 2 in ontbilClicher wise = ohne Phanta»iebiid*r, in rtin
itiitigem Srtiautn, weicht» da» hSeliKt« ist i Thoma», S. Th. :i, Sq. 174 a. 31.
Vgl. röa J74,ö(forinloaklicbi; W3,W <i. Bdm 342,:.'6 ff. 4ff. Vgl. Bdtw 303ßff.
md Bim a. a. 0. SüOf. 7 er = der Mensch. 9 Vgl. II Kor. 3,1S
. Site 336,7 ff. 17 Hohel. 8,6. 18 b«t, prägnant = Erfütlung einer
tute.
392 Briefbttchlein. XL Brief.
af bieten, herze und sinne und mät in minneklieh umbvaben. So
wir in erzäroen, so süüd wir in flehen ; so er uns übet^ so stUea wir
in liden ; so er sieh birget, so sülen wir daz gemint lieb sftchen und
niemer erwinden, e wir in aber und aber wider vinden ; so wir in
vinden, so sulen wir in zarüich und wirdeklich bebalten. Wir 6
standen ald wir gangen, wir essen ald trinken, so sol alwent daz gnl-
din f&rspan IHS uf unser herz gezeichent sin. So wir nit anders
m&gen, so s&len wir in dur ünsru ogen in die sele trnken; wir
s&len siuen zarten namen lassen in dem mund umbgan, uns sol
wachende als ernst sin , daz uns nahtes dur von trome. Sprechen lo
mit dem wissagen also: „owe, du gerainter got, du ewigö wisbeit,
wie bist du so gut der sele, du dich sftchet, du din allein begert!'
Sehent, dis ist da best ubunge, dii ir haben mngent; wan ein
kröne aller abung [160^] ist emziges gebet, und daz ander alles ist
uf daz als uf sin ende ze richtene. Waz tünd sii in dem himelseheD ^
land anders, denn daz gemint lieb schowen und minneu) minneQ
und loben? Dar nmb, so wir daz götlich liep ie li^plicher in onsrft
herzen truken, und so wir es ie diker an bliken und es trutlich mit
den armen unsers herzen umbschliessen, so wir ie minneklicher hie
und in ewiger selikeit von im werden umbvangen. ^
Sehen an zu einem bilder den gotesminner Paulus, wie der
den minneklichen gotes namen Jesus in den tiefen grund sines herzen
hat gevasset. Do man im daz hobt von sinem heiligen libe hat ab
geschlagen, do sprach dennoch daz hobt ze drin malen: „Jesus, Jesus,
Jesus!" Und der hailig Ignatius, do der in sinem grosen iideneX
als Jesus emzklich nannde und er gefraget ward , war umb er daz
tete, do entwürt er und sprach, daz Jesus in sinem herzen gescribeo
1 in fehlt C 4 wider fehlt Cü 7 uf uiisern herzen «y 9 und
sol uns (' 10 sprechent KNUm 13 dis] daz KU 14 am Randih
collacionibus patnim A 16 «chouen A 17 und dar umb CNm JÖ g**
vaseetj gesetzet Sm
2 f. übet mit Leiden : in liden = unn gegen Gott nicht auflehnen.
11 f. Vgl. Jeiemias, Klagd. 3^25. 14 f. Die ganze erste CoUaiio (bu-
c. ö, 7y 8) führt auti^ das alle äusseren Übungen auf das Ziel, die puritas cordit
und contemplaiio divina hin zu richten seien. Vgl, Bdew Kap, 2H u. die B'dtft
hd Denifle, Brga XL VII. 21 ff. Vgl, das Heiligenleben Hermanns u«
Fritzlar 149; Legenda aurea (ed. G messt) 383. 26 ff. Legenda aurea 157:
Vincenz von Beauvais, S'pec. hist. X,57 ; Hennann von Fritslar 78 f. Die Sagt
ist erst im Mittelalter aus dem Beinamen .Mottesträger^ entstanden : vgl, Th* Zahn^
Ignatius von Äntiochien 1873y 72,
Zusätze zum Briefbüchlein. 393
were. Do man in ertote und sü im von wunder sin herz af schniten,
do fanden 8Ü mit gnldinen büchstaben allentbalb dar inne gescbriben :
Jesus, Jesus, Jesus. Der sie och von uns allen iemer eweklich gelopt,
ood dez wünschen mit mir ellä gotminnendü menschen von grund-
(losem herzen und sprechen frölich: Amen, Amen.
[Zusätze zum Briefbflchleiii : Erzählung yon der Yerehrung des
Nftmens Jesu, Morgengruss und Sprfiche.]
Disen jüngsten brief sant der diener och siner geistlichen tohter.
Und do die selb gottesminnerin het gemerket manigvalticlich , daz
10 ir geistlicher vatter so grosse andaht und guten globen bet zu dem
nunoiclichen namen Jesus, und er ir in götlicher heimlichi het
verjehen, wie er den selben namen uf sin bloss herze het ergraben,
do gewan si snnder minne dar zA, und zA einer reizung irs herzen
do D&t si den namen mit roter sidin uf ein kleines wisses t&chlin
U in diser gestalt also : IHS, den si ir selber wolt tragen; und machet
5 sprechent KU sprechent mit frode ihs ihs sun Davids erbarme dich uns
^en U einmal Amen C, dreimal S Zusatz am Schluss: wer sich durch
(}0t lidendes frowet der wirt durch got liebes erl'filiet in zit und in ewikeit C
6ff. Uan dschrifttn: N R S^ Wf (vgl oben S. 3):h = Heidelberg 3M,3ii:
*»= Cgm 819; «* == Stuttgart Theol et phil. 8^ 19: a = 1. Druck (1482),
-ff enthäH nur die Ereählung und das Gebetj s ^ nur die Sprüche. — Die folgenden
^Stücke gehören eigentlich nicht zum Exemplar und sind auch in keiner alten Hs,
^nthalien. Nach Vita 18,11 — 13 schrieb Seuse das Morgengehet Anima mea an
^iehe ^neue^ d, h, gekürzte Briefbüchlein (als Anhang zum letzten Brief), und
^ugUieh wohl auch die dazu gehörige, schon in Kap. 45 der Vita kurz gegebene
-^Zählung und die Sprüche; vgl, Denifle, Zfda 21,126 ff. und die Einleitung.
Später icurden diese Stücke auch in die Hss, des Exemplars aufgenommen ujid als
Briefe behandelt; in S^Wfa stehen die Sprüche mit ihrer Einleitung zicischen dem
JO. und 11, Brief, die Erzählung und das Gebet folgen am Schluss. Ob die Über-
Schriften der einzelnen Abschnitte alle von Sevse seihst stammen, ist zweifelhaft.
9 selb fehlt RS^Wfa 12 namen Jesus Xm 14 kl. seidins w. t. Wh
13 Vgl, Vita Kap. 4.
394 Zusätze zum Briefbüchlein.
do des selben namen glich unzallich vil namen och also in der aelbea
wise. Und do der diener der wisheit dar kam, do bat si in mit
grosser andaht, daz er die namen alle uf sin herz mit g6tlicher be-
girde striche nnd si ir denn wider gebe. Und daz tet er. Und si
nam den iren namen nnd haft den an iren anderrock, da in nieman 5
sach, und tet daz in der begirde, daz irs herzen andaht z& got dest
me wüchse und daz ir gelAck und seid da von dest me volgete; ond
sant die andern namen, die si och also bereit het bi im, allen sinen
geistlichen kinden, die er do het, daz si es bi in trugen oeb in
diser selben meinnng. Und daz teten si. Und si trftg iren namen 10
also heimlich an ir, bis daz er ir in daz grab volgete.
E daz die zit kom, daz got irem heiligen leben ein selig end
wolt geben, do fuget sich , daz der diener zft dem jüngsten mal zft
ir kom. Und si hftb an und sprach also: ^ach, lieber herr, ieh
han vil gfites von got durch üch enpfangen, dar nmb got ewidiebUj
gelobet si. Nn han ich noch ein bet zA Awrem tugenthaften henen, i
des gewerent mich, lieber min herre und min geistlicher vatter! j
Und s&Uent wissen, daz ich der bet an üch von dem minniclieben
got in miner h6hsten andaht neiswi dick bin ermant, der es von
üch wil han." Er sprach: „liebe tohter, was du in got wilt, dai*
sol geschehen.** Si sprach: „ach herre, wer üwer minnicliches hcn
erkennet als wol als got und ich , und wer üwrü hitzigü wort h6rt
und üwer begirliche geschrift liset, der merket, daz der gätlich nam
Jesus, von des lobricher wirdekeit ellü du geschrift seit, daz der
gelückhaftig nam so tief in üwer herz ist gesenket, daz allen 25
menschen neiswi reht ein nüwü kraft dannen enpfintlich mAht dringeo.
Dar umb ich armer lidender mensch bitt üch an gottes stat durch
des selben edlen namen wirdiges lobes willen, e daz ir vergangent
und es selb nit me mügent getün, daz ir an diser stunde legeot
üwer gesegnet band bloss uf den heilsamen namen , der nf üwrem 80
herzen von inbrünstiger götlicher minne ist ergraben, und maehent
mit der selben band ein crüz über uns ellü, die von üwer begirde
wegen in ir meinung daz nement, daz si den selben glückhaftigen
4 ir si NEm [und] daz RS' Wfa 5 haft] n&t BS'^Wfa da] daz Um
6 f. (lest me zä got S'f 7 dest nie da von S'f da von [dest] me Nhm 9 bi in
S ' Wh 10 diser] der .9* Wfa 12 mit irem S ^ 18 und sülL fMt h 19 £. will
Yonmoh RS' Wfa 21 mynnreichs JN^m 24 löblichen Äa ^fk fekU NS^fkm
25 ist nach tief BS' Wfa 26 entpfintlicher S^f 33 gltckhafägün /eW
BS' Wfa
Zaf'Aize, Kum Briefhnclitciii. 395
tiamen Jesus och wellent tiglich einest ereit mit dem lobrichen
niorgen^räz, der ucb voq got in lucht, in lieplicb da mit ze grusseii
und alle creatur in sin wirdiges lob ze reizen, als man hie nach
vindet geschriben, oder aber mit einem Pater noster und Ave Maria
5 mit einer venje dem herren ze lob. dem cUü knie von billich biegen
sfillent in himelrich und in ertrich, daz si der müt got beacbirtn
vor aller scbedlicher widerwertikeit, und in helf ir liden überwinden
nach sinem lob und irem ewigen nutz."
Do der diener sacfa des heiligen menschen ernst und andaht
10 und er verstftnd gottes willen dar inne, do tet er es mit grosser
andaht, und leit sin band bloss uf sin herz ut' den namen JesUH
eio wili und bot si da uf, und in der allmehtigen kraft des selben
nnmen machet er das heilig criiz und tet einen begirlichen sagen
I über alle die, die mit begirde wellent den vor geoanten morgeDgrflz
I U dem nameu goltes ze eren sprechen, und bat got, daz er in ein
I heilj<;es eud verlihe nnd in ewige selikeit gebe. Und des helf uns
I Pt allen durch sines heiligen namen willen!
Dis ist der vor genant lobrich gröz und gewer
Diorgensegen, den ein mensch got ze lob fiir nogeläck
** Bot sprechen, der her nach in latin ist geschriben.
0 du aller schoui^tä liehtrichü ewigü Wisheit, min sei hat
biuaht nach dir belanget, und nu an disem morgen fru in der herz-
licbeit mines geistes bin ich 7,fl dir, min lieb, erwachet und bit
dich, genediger min herre, daz din begirlichü gegenwertikeit von
mir alles übel an lib und au sei vertribe, und die gnadlosen winket
mines herzen mit sinen sundern gnaden rilich durchgiesse, und min
kaltes herz in dem fär sioer gütlichen mJnne inbrünsticlieh enzünde.
Eya, aller süssester Jesu Criste, nu ker din liepliehs antlüt frünt-
licb her gen mir, wan an disem morgen so keret sich min sei mit
■^ allen iren kreften hin zu dir, und grosse dich hüt begirlich von dem
innergosten gründe mines herzen nnd beger och, daz die tusent stund
tDseot engel, die dir dienent, dich hüt von mir gnissent, nnd die
1
fe
17 durch siuen h. u. |willen] S'/ Amen Rm 18 Dm ES'Wfa
ISbticb Ha morg^ngHlBS hm 19f. für uogelAck got xe lob (und er h) «prediim
«oU (der — Keuche] hm 27 dem för fehU liS^ Wja 28 f. frlilltL /«Ätt An
:J1 gmuile/eA« hm 3S uud [die] liS^Wfha
Iff. Vgl. Viia 18,11 ff. fi f. hhil 2,10. 21 f. Ja. 36,9: fff. 6^,1.
l'ffl. zum ganten Gebil Bikte ■JIJ,l.>ff. und Hör. :jüii. 31 ff. Dan. 7,10.
J
396 ZuB&tze zum Brief büchlein.
zehen tusent stnnd hundert tusent himelschen geiste, die bi dir
wonent, dich wirdeclich von mir prieen, und dar zfi ellü die wunnec-
lich Bchön gezierd aller creatur dich hüt von mir loben, eya, und
dinen wirdigen naraen, unsern trostlichen schirm , dankberlieh bnt
geseguen, nu und in iemer werender ewikeit. Amen. 5
Hie stat der loUrich grüz und segen in latin.
Anima mea desideravit te in nocte, sed et spiritu meo in prae-
eordiis meis de mane evigilavi ad te, o praeclarissima Sapientia,
petens, ut desiderata praesentia tua cnncta nobis adversantia rerooveat,
penetralia cordis nostri sua raultiformi gratia perfundat et in amorelO
tuo vehementer accendat. Et nunc, dulcissime Jesu Christa, ad
te diluculo consurgo, teque ex intimo cordis affectu saluto. Millia
quoque millium coelestium agminum tibi ministrantinm te ex me
salutenf, ac decies millies centena millia tibi assistentinm te ex me
gloriticent. Universalis etiam harmonia omnium creaturarum te ex I6
me collandent, ac nomen tnum gloriosum, protectionis nostrae clypenm.
benedicant in saecula. Amen.
Von helligeu bildeu uud guten Sprüchen, die einen memsehen
reizent und wisent zu got.'
Vocatum est nomen eins Jesus. ^
Den minniclichen namen Jesus schuf der diener der ewigen
wisheit entwerfen in §in capeli wol geflorieret und mit gftten sprucben
gezieret, ze einer getrüwen reizung aller herzen zfl dem minniclichen
got. Und daz dem lideuden menschen liden dest lidiger werde, do
1 dir» him. «oisto RS'Wfa 2 vou mir fehlt R.S'Wj'a 2 t Bchiiu
wunn. hm (> Uie — 17 Amen feßilt Wim 14 ex nie fehU a 24 den lid.
18 Die folgenden ^Sjiriicht ^ weiche sich z. T, mit den den Bildern de*
Kj-cmplurs beigeg ebenen (s. Kinleiiung) nahe he rühren, sind von Seuse ursjtribtg'
/u:h lateinisch abgefasst und von Elsbcth Stagel in deutsche Reime nbertragin
worden. Schönbach, Über die Marienklagen JS74, 51 hielt sie nach dem Abdruck
von Mone im Änseirßer für Kunde der deutschen Vorzeit 1838, 183 fäUchlich
für eine Parodie der Marienklagen, 20 Luk, 2,21. 21 iF. VgL Fttü
Kap. 20 {60,12 ff,) u, 35 (103,14 ff.).
I Zusätze zQm BriefbücbleiD.
I er den tröstlichen roebom zitliches lidens in die capcll och
terfen und noch einen audeiu bom des undprscheides zitlicbßr
'ig6tlicher minne. Und wie gich die zweierley minne uss der
ftrift widerwertlicb bewisent, daz stat da in latin einvalteelicb
jhriben; aber sin geistiicbü tobter brabt es ze tütech und tet daz
ferimter wise, dar umb daz eiu uüfririger mcnscb, der nit alle
mag in glicbem ernst stan, daz der mengerley vinde, daz in zA
icben lügenden gereizen niüg.
^ie clagsprüch dez lidenden menschen ander dem
rosbom vabent an also:
Herzenfröd han ich verlorn,
ze grossem leid bin ich geborn.
Min grossii clag die lit dar an,
daz ich möi^s sin ein armer man.
Eigenwillen mfisB icb lan,
ieh mÖ88 durch got gezomet gan.
Er hat mir min er da hin,
menglicbs ffiBBtiich mQss icb sin.
Die üblen hnnd haut mich zerkretzet,
böse znngen bant mich geletzet.
Ach, waz ich erlitten 1
daz nieman wol gessgen kan!
Got zuhet mich mit dem bar,
daz nira icb von im ut' gar swav.
Eya, wie ist min vergessen!
min not ist gross nnd ungemesseii.
Wenig fründe solt got ban,
wan er ist in mit liden gran.
II.] haltent •¥' W/a 4 t. geschr. einv. in Ist. ä> Wja 6 ger&mter
irS'/ 7 rindet Nhm 9f. linder d. rosb. fthlt S' W/a 10 nach
irifl: die klagsprich einea leidenden menacheu XU (=eap.) S'Wfa
] erkoro S'Wfa 13 am Rand* Job JV7. die fthlt a'a 16 ge-
^] gen mettiu Ä' Wfa 18 »engl. — 19 mich fehlt S' mfiaa] sol Nhm
■ Randt paal N gekretsiet S'Wfu 22 du ichit «■ 24 von im
ff'/ Mt fthlt hs' 27 got aol S'Wfa
k Iff. Übtr den Roaei^aum vgl. Vila Kap. SO (5Sßff.) u. 34 (103,li
roten Ragtn bedeiitiH Läden f Vita V4,X ff.). IS f. Vgl. Job Kap. 3 ff.
\ Vgl VitaKap.30(58ßff.i. 19 Vgl. Pg.31,16. 33 Vgl. Vita I33,S4.
ft. Vgl. Bdff ?3S,20£.
398 Zusätze zum Briefbüohlein.
Antwurt der ewigen wisheit:
Man sol hat amb hat geben,
daz wil ich uf min trüwe nemen.
Wer sunder lieb von got wil han,
der sol in leid von billich stan.
Lidens sol er tragen vil,
der gottes frdntschaft haben wil.
Rosen wil ich brechen,
und wil lidens uf si trechen.
Schow die martrer unverdrossen,
die ir blüt durch got haut vergossen!
Ir frumen ritter, gehabent üch wol,
kein liden äch erschrecken sol!
Alles liden wenden tftt,
wer ewikeit treit in sinem müt.
Eya, bis frisch und unverzagt,
nie weicher mfit kein er bejagt!
Der underscheid zitlicher und götlicher minne.
Der lip spricht:
Man seit uns als von minne vil,
minen lip ich selber minnen wil;
was mag dem bessers gesin,
denn gfttü mursel und starker win?
1 Die Überschriften fehlen von hier an stets .v* antwurt die ewige
weishait (so stets!) Nhm 5 von] och S^Wfa 6 tragen] amen S^Wfa
8 in brechen S^Wfa 9 wil] vü S^Wfa si] üi Wfa 12 gehalten Nhm
17 wan nie Nm 19 desz leibes rede Nhm 20 am Bande Epicoros Nh
alB fehlt Nhms' 22 dem] den sinnen 6'^ TF^Ta Bin S^Wfha 23 mutt-
schellen «*
2 Job 2,4. 4 — 9 Dieselben Sprüche beim 12. BOd. 10 f. Btm
Umbau des KonsianMer Dominikanerklosters (1874) fand man an der W<md
des nördlichen Seitenschiffes der Kirche zahlreiche Fresken in Form tw
Medaillons, welche Märtyrerszenen darstellen und wohl dem 14. Jh. angehört*
(vgl. Kraus y Kunstdenkmäler des GrossherM. Baden I [1887], 246/.). Eb.ffo»
Zeppelin in Schriften des Vereins für Oesch. des Bodensees VI (1876), 20 f^
Pelteer, Deutsche Mystik und deutsche Kunst 1899, 100 f. möe?Uen sie a^ äfft
Einfluss Seuses zurückführen. 12 f. Vgl. Vita 91,34 f. 14 L Dersdht
Spruch auch beim 12. Bild (aber Jesus statt ewikeit). 16 f. Vgl. Brief i
(370,22 ff.). 22 f. Vgl. Vita 13,11.
ZitaStze luni Briefbnchlein.
Antwtirt der ewigeo wiaheit:
0 du b6ser lastereack,
diu Ion ist bfis und ungeBmack.
Eid tumbes herz hie fttden g&cht,
der wiae der hat dar an verröeht.
nne des gutes und der eren sprich
Frönd und eren und gfites vil,
ist der weit seitenspil;
wer daz hat, der ist vil wenl,
dar umb es och min sei begert
Antwurt der ewigen wisheit:
0 witz und gtU und weltlich er,
wie triegent ir so grimme ser!
Dia zergenklich böses gftt,
bat verderbet mengen müt.
Dar nmb so wil ich fliehen dich,
zft got HO wil ich keren mich.
Die weltlich minne spricht:
Ob allen fr&deu machet wild,
reiner frowen zartes bild;
daz mideo ist herzennot,
und ist als streng alsaui der tod.
Antwurt der ewigen wiebeit:
Ach wiplicbes bildes inval,
du verderbest vil und ane zal;
noch witz noch kraft mag da gesigeii,
da h&rt nit zO, denn verre fliehen.
Der sich kert au din liebliches erbieten,
ach got, wes müss sich der genieten!
Also zergat der minne pris,
des hutent iich und werdent wis!
Ach, kurzes lieb und langes leid,
ist ir beider minner kleid.
2 am Sande Salomon AT lasterschalk 5'/ 4 hie fr.] die (reMe S'fa
raficht Nhna' 7 ere Anw' 10 ae!] herz S' W 12 0 wite — 23 wiih.
( A o Witt] unweiBse 5' Wfa. 20 reiner] achSne «' 22 d. bitter tod S'/
B und fthlt S^f 96 «igen As' 2« was NWIma leides (ren. S'Wfa
0 lergat S'Wfha 8a minueklaid S'Wfha
400 Zus&tse zum Briefbttchlein.
Von der götlichen minne:
Ein ussflaz der wisbeit,
ist daz ewig wort in der gotheit;
in unbekanter wiselosekeit,
stat ir natärlicbü blossheit.
EUü herzen hant zft ir ein jagen,
und kan doch nieman nit dar uss gesagen.
Der sunnen bild ist nit so fin,
si übertriflfet der steme schin.
Si rüwet in der sele grund,
si wirt nmbvangen tusent stund.
Daz herze wil si nieman lan^
si wil es ir selber han.
Nach ir so sol man stellen,
und si zu einem lieb erwellen.
In allen landen ist ir nit glich,
si haben ist daz himelrich.
Ach, wie selig ist der und frödenvol,
der bi ir steteclich wonen sol!
Von dem namen Jesus: ^
Jesus in der sele grnnd,
ist allez zartes ein nberbund;
Jesus, din nam ein starker turn,
den nit zerstöret enkeincr stum.
Kein schönä fürspang so wol gezieren kan, ^
sam tftt, Jesus, din finer nam.
Ein SÜ8S& harpf uf tringet,
so Jesus nam erklinget.
1 Von — 20 Jesus fehlt 8^ 7 dar uss] da yon 4^* Wfa 8 nit fehU B»
13 es wül si selb im (in SV) selber han S^Wfa 14 ir fehlt Nm 16 auw-
erwellen Nm 17 daz ist Nm 18 Ach — 19 sol fehlt S^Wfa 20 dem mm-
liehen n. J. S^Wfa 21 der] unser S^Wfa 22 überkunt SV 28 din]
ain Wa 24 eiHtöret Wa keiner S^Wfa 25 kein] ein S^Wfa M
wol zieren S^Wfa 26 din f. nam] den seinen nam (man Wa) 8^ Wfa 27 uf
fehU 8^ Wfa
6 Vgl Bdew Kap, 1. 8 f. Der gleiche Spruch atAch beim U Büd-
11 Vgl Vita 14y33ff,, 16,7 ff. 21 ff. Vgl den Hymnus Jesus dulcis mmario
(Bdew 225,3 ff.). 25 fürspang, vgl 11. Brief 392,7 u. Hör. 126 {mowk
pretiosum in pectore portatumj.
Zusätze zum Brief büchlein. 401
Ach Jesus, durch den namcn diu.
vergiss der grossen Sünden mini
Jesus min herz verwundet hat,
gezeichent da min Jesus stat.
Jesus, vi! lieber herre min,
ain schirm mfiss mir din name sin.
Gesegon mich der Jesus zart,
nu und an der jüngsten hinvart!
e TfV 4 bezaichmjt «*a da min] dar in S^Wfa 6 schirm]
ich beim 12. Bild, (5 Vgl die Spruche heim 10. Bild.
v
Doatiche Scliriften. 26
Zweite Abteilung.
Lcht in das Exemplar
lommenen deutschen
Ichrifteh Seuses.
L
Das grosse Briefbuch<
Wan eines geistlichen menseben sin nüt mag zfl
in ziten in abgeseheidener blossbeit spanen and 5ch
edliche kurtzwil verre sol fliehen, hier umb zu
er underlibi dines gemütes so mäht du dis g6tlich
ef lesen. Die sante ein diener der ewigen wiszheit
und her sinen götlichen fründen und meinet, dazer
minnebotte gottes si ze dir and ze einem ieklichen
Handschriften des grossen Briefbuchs imaUgetneinen: b^= Berlin
: C = Colmar 266; c = Cues 115; d = Darmstadt 1847; g = St. Gatten
</» =^ Göttingen Theol 292; Ä = Heidelberg 358,38; m = Cgm 819: 2V^=:
nherg VII,90; n = Nürnberg VI,55; R = Breslau Domkap, Bibl,; s =
tgart Theol. et phil. 4^67; s^ = StuUgart Theol. et phil 8^19; ü'= Über-
m 22; z = Zürich Stadtbibl C 96.
Prolog. Hss,: b c g h R s z.
Rote Überschrift: Das sint göti gaistlich minnbrieflfe g Prologus libri
iolarum s (auch der folg. Prolog rot) 1 geistl.] iegelichen hs in
1 c 2 gespanneil hsc och] all ^r 3 von billich ver g sol verre z
^thlt bg har umb s hie von g hier u. — 4 gem. fehlt z 4 uuder-
ige bgR ufinthalt c gotl.] geistliche R 4 f. diseu geistlichen brief h
1 brie£f gi5tlich s dis gotlich minnen brieflf ze ainer vertribung vnredlicher
'Hing leszen g 5 ewigen] gotlichn g 6 har s gotl.] guten gs geist-
in R geistl. guten h fründ.] kinden h daz er dar inn g 6f. si nach
CS 7 minneb.] minne b minnebrief s ze dir und fehlt g iekl. — 406,4
en fehlt s (wegen Defekt des Blattes) 7 fF. iekl. andähtigeu und begingen
en [mit namen] dz ietz ist . . . ist g
1 ff. Vgl, hier u. künftig die entsprechenden Abschnitte des Kl Bfb und
iort gegebenen Erläuterungen. 7 minnebotte gottes, vgl, Bdetc 231,6.
40G Grosses Brief buch. Proloe: und I. Brief.
hertzen mit namen, die ietze sint oder noch künftig
siut, die der valschen minne wen urlob geben und die
ewigen wiszheit wellen ze einem einigen gemintenlieb
nemen.
I. Brief. l
Bex David senuerat.
Do der künig David sine jugent in gottes dienste hatte ver-
tribcn, do er begunde alten , do hegunde er kalten. Und daz
sahent sine getruwen diener, und die ffirent durch alles lant and
sfthtent ime eine geraeite jungfrSwe; und funden ein usgenonienlO
schön mef;etin, hies Abisag, und die fügeten sü ime zö, daz sü in
wermete und im dienete.
Wer nu wunder welle schowen, der sehe nit an daz, daz
beschach in den alten tagen; er sol sehen daz klegliche ding, daz
niiwes beschehen ist, daz der volle manc gebrochen ist, daz die 15
spilnde sunne erloschen ist, der liebe ostertag zft dem stillen fritage
worden ist, ach, und die heisse summerwunne zft dem kalten riffeu
geraten ist. Dez sint trurige, ir wolsingenden kleinen v6gelin, die
1 yetzund hRc sint feMt c oder die noch bc 2 valsch i
minne] liebe hB wen] wellen nach geben g 3 wellen nach lieb k'J
3 f. ze e.Yfrener lieb nemen und behalten h ze ainem besunder und ainigen früD'l
und lieb weimd nemen g gem.] geliebten 7^, fehlt h c 4 nement h
I. Brief. Hss.: h c h m N R 8 U.
llote Überschrift: bredige b Hie geit au der prologus ader profatio dat
is eyne viirrede deses buchelgyns c gar aiu höpschen brieff wie der dieuer sine
gaistlicheu kind lert wie sy den hymelschen gespontzen Jesum ob allen andren
lieben soUent in vsser kyesen vud erwellen won kain sollichs lieb in hyi')
noch vff erd mag erfunden werden als diaser gespoutz ist U 6 Bex P. — 8
kalten, 12 im dienete — 16 stillen, 407,2 sannen -— 407,6 unwand. fehlt s v^'
ohvn 4(J5,7) 7 syne jonge dage c 8 zu alten h beg. er und hüb anzuk-Ä
9 sah.] sagen c alle mNUc 10 ime fehlt mX gemeite] geminte T
schöne Bc 11 mait hR die hies hmXc und [die] 6 12 und im
dienete fehlt U 16 wer — schowen] ist nun iemand der w. ietz wöl schawen w*V
will hc ensech inNc dat einmal c 14 geschah niNB geschiet is c
ansien c 15 newlich geschehen ist mN daz — gebr. ist fehlt ü [daz]
<1() der V. m. bhs [daz] die hR 16 verleschen c und der 1. o. c lieblich V
stilltMi fehlt c 13 dez] herum c ir] die H
6 ff. //. Kiin. 1,1 J)\
Grosses Brief buch. I. Brief. 407
in summer in lachender frötle enpfiengeut und üch gegen der
h6nen sannen glast erswungent!
Ach, nu merkent, ir werden kint, wen ich meine: min herze
einet den usglentzenden widerglast des summerlichen liehtes der
aren v&tterlichen gotheit, den vollen mane siner lütseligen menscheit,
e summerliche gestalt siner unwandelberen ewigen wiszheit, wie
ir daz alles so veraltet und verkaltet ist in den ogen und hertzen
^r geistlichen menschen, die bis her sin ingesinde hiessen und sin
^mahelvingerlin trügen.
Eya nu dar, ir reinen megde, ir schönen rosen ! Wele wil die
^höne jungfrowe sin, wele wil die künigliche ere besitzen und ein
'ormerin, ein pflegerin des geminneten ewigen küniges wesen?
>ie trette her für und lasse sich schowen! Sehe nüt an, waz sü
Jt oder waz sü ist gewesen, löge allein, war zu er sü von sime
:ewalte wil machen.
Ach, zarten kint, nu kerent uwer antlit her zu und losent, waz
eh meine! Min herre, der mich zft uwerm hertzen hat gesendet,
laz ich sine botschaft tüge, der ist ein als minneklicher herre; so
vissent ir wol, daz ein glich minnet sin glich, und dar umb neme
eh ein minncndes hertze für tusent ander. Es sint ietze vil menschen,
lietra^ent geistlichen schin und haut got nie berlich erzürnet, und
1 enpfieudend mN enpfachent U ücli] auch /tR gejj:en] in niN
schonen fehlt c glast] glancz j/iN erswini^ent U 3 kiniler hmNR
den — liehtes] das vssglentzend lieht (7 widerjj^lancz mXc souuerichen c
Volkomen ü mane] namm (!) (.' 7 alles so] alles also M all et [so] c
'^rjaltet mN veraidet is und verk. [ist] c und verk. fehlt ü erkaltet b
[der] geistlicher m. c [sin] in^es. h hiess.] sint «jceheyssen *• waren c
^ darumb mN wele — 11 sin fehlt s wele] wie h 11 schonest U
ad welche c die krön der künierlichen er U die küniclicheu eren m
If. ein fehlt gweimal c 12 wermerin sein R und ein pfleg. hmR ge-
inn.] lieben h geliebten R [owisfen] küniges [wesen] U weszt'ns (!) R
I tretend mN har für lis laszend mN sehe] scheut hsU vnd insiehe c
1 fthlt b 13 waz — 14 oder fehlt h 14 waz] wa mN gewt^sen ist h
^e] seh B seiner mN 15 wöll mN 16 zarten kinder rein h uwere
tütte h her zu fehlt hmNRs her [zu] c zä mir U his^nt] haben
!it K hörend mN 16 f. was ich üch sag und was ich meine U 17 ewren
VR 18 ein als] als ein hU als einer mN ein so c minnekl.) lieplicher R
glich lieb hat sein glich lieb h minnet] liebt H 10 f. so nement [ich] U
ich] he c minnendes] liebhabendes h 21 die fehlt c und — erz.
It U nie] me 8 nit hR berlich] schwerliciie hmX groszlich R
4 ff . Im folgenden ist Chi-isius (= diK cwiye Wcishfit) (jemtint.
8 geistliche menschen = KlosiLtfrautn. 19 \'(jl. die Anm, zu .76'^,^.
408 Grosses Brief buch. I. Brief.
des gestent sü sich und lebent also an hin lewekliche, minnelos uud
gnadelos. So sint ander menschen, die in grossen gebresten sint
gevallen und ir natürlichen adel uf die creature hant gekeret, wan
SU vil lihte des geminneten gutes nie befunden. Owe, wenne sü
sich aber umb kerent, so tünt sü als die wilden edeln valkeu uud §
tönt einen frigen swank. Und wenne die naturlichen edeln hertzen
denue inne werdent siner göttelichen heimlichi und siner togen
minne, so werdent sü reht wütende in siner minne und ruwet so
denne und sprechent: ^ach, grundeloses gut, las dir geklaget sio,
daz ich dis nüt nu lange ane vieng, daz ich dis nüt von erste il|j
wüste; ich han doch nüt in keiner minne funden denne we und
unstetikeit und valscheit, aber nu han ich funden den, des min sele ;
begert." Und geschiht dicke, so sü ie vergangner warent in ge-
bresten, daz sü in dem minneklichen umbvange ie herzeklieher
umbvangen werdent. HJ
Gewerlich, gewerlich, es ist ein friges leben, gotte minnek- \
liehen dienen in der wise, als ich es meine, daz ist, daz ein mensche
nüt gange slewenzen; er sol sich alles liebes und leides mit siner
1 gestellt] frewend mNR roement c an hin lew. feMt h an
für sich mN vort an c lewekl.] sleiflFerlichen c minnelos] on liebe h ^^
iosz li und trechelicli c 2 grosz mN geprecheu U 2 f. gev. sint hB.
3 creatnren hcmX 4 des gem. gutes] der liebhabenden gotheit und obersten
gutes h gutes] gottes 6wA' nie] in in ü bef. haben h enpfandend n^
owe] und h 4 f. sii sich] solliche h sich die c 5 aber] schon Ä, fM Ä
umb k.] bekerent hli edeln wilden li edeln fMt h und — 6 swank
fehlt U und tünt fehlt c 6 und also w. mN [und] so w. U und wanne dan f
7 denne fehlt c heimeljkeit mNR und fehlt U togen] verborgener w^
heymelicher c tauglichen H gnad reichen h 8 minne] lieb hH 9 denne
fehlt h dan ir gebrecheu c grundlose gute mNc sin gekl. h 10 dal
— ane vieng fehlt mN dis] dich hH das s dit leuen c nüt [nu] 1. ^
nun nit vil lange U nu [nit] vil 1. h [nu] vil 1. nit li dis] dich H dazW
dit guet c von erste] ee c 11 enwest mN doch] dich s nüt] nvec,
fehlt hmN anders dan c we we mN 12 und valsch. fehlt ü [ic^l
funden [den] b den fonden c des] den Ji sele] hertz U 13 geschieht
es mN vergangen weren hs 13 f. gebrecheu NU 14 umbvange] uml>-
vaniren s umbvaher mN 14 f. ie herz. umhy. fehlt 8 herzekl.] minniclicher mh
15 wurdent h 16 gewerlich nur einmal bs werlich werlich hRc 16f. got
liebhaben, got myun. dienen M minneklichen] yunenclichen c freilich «^
17 [in] der weise auch wie ich es m. h ein] das h 18 schlewenzende *»
slentzen ^v schlewen (I slewszen h slcwssen oder schlaff ent B [gange] lasz werd
mN [gange] in sal sloifforlich vnd trege syn c
3 Vol. Vita 137,:^Tf, 12 f. Hohel 3,4.
\
Gri
* üriefhiicli. I. Brief.
409
minue und liehe inachent al
Kgen minue ersetzen ,
- übte.
Ach, min lieben kint, nu hati ich üch in mime lierczen ^e-
I zfi den lutseligen minneklichen roHen. Und wie däz sich der
« dem hinieltowe lanfje tiabe vor beschlossen und sieb gegen der
vinstern naht, gegen dem kalten ritten, hab ul' getan in siner natfti-
lieh™ liitselikeit, doch so begert der überminnekliche veltblönit-,
der lnteeHg:e herre aller herren, daz ir wolstenden roseo werdeut,
dl mite sin götlich höbet finlich gezieret werde. Und erechreckent
hüt! Wanne ho ir ie berlieher entferwet und entstellet sint in
üppigem lebenne, so mnn sine ewige wiszheit und eine grossen
erbnrmhertzikeit an den wunderüehen zu^en ie bae erkennet und
Wr allem engelischen her wirt gelobet,
t Zarten kint, wer wil das trurig ertricb, den blossen walt, die
e beide noch hüie so li'itselklich ergrünen und so minneklich
m. die ime ietze in dem winterlichen zit so imglich eint? Wer
Oag daz erzögen, denne der minnektiche herre, der ietzeut vor
üwerin hertzen stat und gemahelschaft begert? Eya. tiint uf, tönt
i dem zarten herren uwer hertzen, bietent ime die hant und lögent,
l ir lieh nf ertricb ie so hoch fjefründeten? Man liset, do der
At, der Isaae umb ein frowe warp. do der zfl ir kam, daz die
i
1 einnger bh» stetigen inN miaue, das ist luit got A iniune
Mi] die gnade h [mioue und] lieb macliel /( 3 C. geücliet fe/ilt h
9 fehlt e lütB. und kS <ten mino. roHt'o b uod fchU ca wie doch das
wie öas sj das sitli U der] die behmNRn 5 d. himelisclieii
r besloasen hebe » h. [vor] verÄchloüsen U eich fihlt tiiN gegen]
r b noch mN 6 gcgeu] und nach mN und geiii r Kiner] irer iüc
8f. nstlirtichcu] lewtaeiigen 11 7 die überm. veltUlSmt; R» Uberwuuie-
licFi w.V B werdent] verd.yuen /i St das damit /i götlich fehlt e
Bnlieh] zirlich h 10 utit feltlt ü ir] er s berl.] grüszlieber U blnisac-
Ikkr c sint] ain b werdent !J 12 tarrahertzikeit liR den] dem mN
äiwn » 13 gelobet] gelost mN 14 wer] wie mN bloaien] broaBendcn L'
l6 Rgrüiiet b 16 iine] uit se in ni ietze fihlt bcmX in den vr. zitim b
^n viNU iierre/ehlt Mit 18 uweiu 6c gemot.] fretinWchaft mN
1 begert e tSut nf naf einmal bhUs 19 herreu fflill hcmN
T und biedet c heudt R '20 ob er euch ere, der so hoch ge-
t ist mN ir] er mNV gefründete kHU do) so h doch dat c
I der kneht /«Alf U 21 AeTfchUmN der dem I. hR ia {str»üe«i\ er li
1 f. Vgl. Augustinus, De bona viä. c. 31 : nuUo modo sunt oneroti tüburt^
ata in to qitod amatur, auf »on laboralw^ aul el labor amatui:
407,10. 13 Subjekt zu gelobet: »eint Weinkn'l u. Barmheitig-
< ime btsiuht aich an/heii'U (Z. 8). 30 ff. 1 Mo«. :i4.
410 Grosses Brief buch. II. Brief.
fiowe iren willen gar geswinde da zft gab. do sü horte, daz es
gottes getat was; sü sprach balde: ja. Es was ein wunder. Sü
lies balde vatter und müter und alle ir frünt und für in ein froni-
des unbekantes laut, sü fürsorgete nüt alle wege, sü bevalch sich
gotte und wägete es; und von der kommen och die heiigen gesiebte. (
Nu sint ir ettelich ietze also fürwitzig, daz sü vörhtent, do kein
vorhte ist. Der der ewigen wiszheit wil pflegen, der mfis es wagen,
und nifis menschlicher witze ein fries urlop geben.
II. Brief.
Regimni mnndi et omnem ornatnni saecnli coutempsi propterii^
amoreni domiiii mei Jesu Christi.
Disen frolicheu reigeu und jungfrowelichen uszog der uj^- J
erweiten gottes gemaheln von der valschen weit in ein himelsches
leben, do ich den ob mir horte singen, do gedahte ich also: der
mag wol liep frolich lassen, der ime selber ein liebers hat uiiib- If
gangen. Und daz ist mir gewerlieh hüte beschehen. Dar umbe so
sie dir, valsche weit, ein friges urlop von mir gegeben! Lügent, j
alle minner, der weite spil! Ich hatt einen schatten umbvangen.
ich hatt einen tröm gemehelt, ich hatt den won besessen. Eya, wa
nu des wones bilde, des trömes gelübede? Hette ich dich nutusentäO
1 dar zu /'//uV 1 f. das es were der wiUe gottes /* 2 getat] onie-
iiiing mX 3 lies [balde] h 4 ffirsorg.] versorgete lis sorget mX für one
sorge li nüt fJilt h 5 kam auch daz heilig gesl. mX 6 ir] e«T /•'?
fehlt dl ietze fehlt c sü fehlt X 7 vorlite) fürchten viX V^A
Wer cmX ewigen fehlt in X 8 witze] wysen c weiz vi X Weisheit h
IL Brief {= Kl Bfh 1), Hss.: h c d g h n R s s' U z. In bU fi^*^
der ernte 'Teil bis 413,17 und der Schlnss von 416,3 an, in g der stceiie Td
(413,1^—416,20), in n der Schluas von 415^22 Daz ander an.
10 propter — 11 Christi fehlt yhli 14 hört ob mir g 15 [liepj
frolich sin und lassen z 16 werlicheu nc geschehen ync so fehlt d
17 [dir] der valschen hU.s'^ dirre valschen a lögent] sehent und bekennenti;
18 spil und ir l»etnignüst! von ir so mag ich wol sprechen: ich hat . . '9
schatten] Schemen d 19 einen trüwen gemachel s^ gemeh.] gen ime ge-
liebt ^ den] ciinen s eya] ach g owe n 19 f. wa ist nun komen des v.
b. und des tr. g. ij 20 gelubte und dez schatten vmfange n
14 ff. Sense sjiricht im ersten Abschnitt des Briefes in der Person drr
Adres/intin, welche eben die feierliche Frofes-f abgelegt hat.
Grosses Brief buch. IL Brief. 411
jar besessen, waz wer es nuV Als ein ogenblik balde da hin!
Diner natur eigen ist ein hinscheiden. Ich wonde dich han umb-
rangen: wie bist du mir verswunden! Der dich nüt lat, den last
iber du; der dir nüt git ein willekliches scheiden, dem lonest aber
lu mit eime leitlichen scheiden. Owe, du ni6rderin ! Dar urab adi,
tde, got ^nade dir hüt und iemer me! Trüge, die dich nüt er-
nennen, du trügest mich niemer me. Regnum mundi etc.
Owe, kint mins in dem almehtigen gotte, nu höre och, waz
cb zu dir spriche! Gedenke, gedenke, daz du alle dine fründe
md ere und gftt mit besinnetem mute hast uf gegeben, und bis
'este in disem willen! Tu nüt als etteliclie torahten megde, die
ich glichent den ingeschlossenen wilden tieren in dem tiergarten:
0 man den die tor beslüsset, so guggent sü durch die züne us.
)ie do sint halb usse, halb inne, we, we, waz verlierent die grosser
irbeit mit kleinen Sachen! Got dienen ist in ein kerker, geistlich
:uht ein enge notstal, und dar umb, do in der 6pfel nüt mag werden,
lo ginont sü gegen dem smacke. Für die rosinun schappel legent
u uf gefloriertü tücher, und won sü den roten scharlat nüt mügen
wn, so prisent sü sich in einen wissen sack, owe, und für die
iplichen gemahelschaft so nement sü die zit verlierenden, die hertze
»erobenden, die alles geistlichen lebens zerstorerin: zergengliche
rüntschaft. Daz in mit werken verseit ist, daz niessent sü mit
horten, und daz unmuglich ist ze gescbenne, daz habent sü mit ge-
lenken. Sü versendent sich mit wünscheue und einredeut mit den
Qreu bilden reht als ein türstigcr mensche, dem von kalten wasser
1 waz — 2 hinscheiden] daz war alsbald da hin als oin oircnblik won
iner natur aigen ist vnd zu ^ehorlich dz hinscheiden // nn nicht anders denn
Ji og. [balde da hin] n 2 ich w. — ;i verswunden] ich gedacht ich het dich
^griffen 80 bist du mir unter den hendeii vers^chwunden n wone s wolt hJ\
dir fehlt az 5 morderin owe du felscherin n 5 f. ade ade dlia aide
de gh 6 f. trüge — erkenn, fehlt ch trüfre — niemer me fehlt d )»e-
nnent e 7 niemer] nit gn 10 [und] ere chUtf^ uf] und (.'• .v und
11 willen fehlt n 12 glichncnd s dem] den cv* lli tor] tür tt^n
die do sint] und sint also gn halbes . . halljes *• und halb i. chnlif*^
)] solch person n 15 nu merk: got d. // in f<./ilt dh 16 do) so g wa n
5Z Rd werden mag gn 17 gegen) nach Jls^ rosen cdhnliss^
won] wenne hnRsa^ scharlnch nli mohtent z 20 liepliehen dghUs::
fehlt cn verliszen iiJi 20 f. verliirinen . . . berobiriu»*n // 21 f. zerst. sind
1 zergenglicher fr. z 22 l>az — 2:i f . gi'(leiik«Mi jehU cdhllss^ 23 f. mit
lenke r mit den gedenken gn 24 vrrs»ntMi ///«' versehen ch versenkent r
i^LDnent ** enredent * redend n akoisent c
412 Grosses Brief buch. n. Brief.
tromet ; und so sii es hin und her an gelegent, so verswindet es und
vindet nüt me, denne ein lere hant und ein truriges hertze. Sü ttint
als der altvatter, den da glustet eines langen mantels ; und do er
ime nüt moht werden, do leite er da für au eine lange matten, die
ime uf der erde nach gie, und lügete ie hinder sich, wie wol sü im 6
stünde. Also sas ime der tüfel hinden uf die matten und spottet
sin und sprach: ^arm man, möhtest du me, du tetest och me!"
We, got von himelrich, ist daz nüt ein armes leben, ist daz
nüt ein vorhof der helle, die weit nüt mugen han und gottes äne
sin, aller diser weite tot sin und doch geistliches trostes berobet sin. lO
beidenthalb, gegen gotte und gegen der weite, verlorn han? Wie
werdent die so reht lasterliche stende an enr weit vor iren fründen
und vor aller der weite ! Wie werdent sü sich selber vor leide
gnngend, daz sü sich mit so kleinen dingen so grosses unmessiges
gftles heind berobet!
Owe, kint mins, aber gotte frilich und fr61ich mit einem lutern
hertzen dienen, eya, wie ein wunnekliches leben daz ist! Ach, dai
wunnekliche, minnekliche gut umbvahen mit eime vollen hertzen.
wie ein lustlich ding daz ist! Du solt wissen, und enweri keiuloD
nach diser weite, es lonote ime selber. Sich, sü gant uf ertrichundÄ
wonent in dem himelrich. Eya reinekeit, wie schön du bist! Nieman ^
dienen, nieman denne gotte leben, wie fri du bist ! Ach. zai*ter herre.
minnekliche wiszheit, dich meheln, minne durch minne lassen, vie
1 [und] so z versw. es und fehlt <j 3 altv. von dem man list dai
in glu8t g 4. 6 matzen hns natte d 5 der] die duz 6 hindenan ^
utH' den nacken (!) y* 7 sprach do ss^ [du] so tetest ha^ och fMi dhnÜi
8 owe cdlts^ daz (zweites)] dis (/z 9 vorloft' g 10 aller d. w. — doch fehlt AÄ«
— l)er. sin fehlt s^ weltliches und Rötliches trostes hli (vgl Kl Bfb 362jS}
sin c^weiies)] sint nc 12 lasterl.] schamlich g enr] gyner ä vor i. fr-
- - 13 weite fehlt g 14 nagen s fressen ii verzeren und zernagen g 17 wie]
wel z wie gar n wunnekl.) mynueklich nlis 18 wunn. und minuekl dh
mit — hertzen] mit den armen des hertzens und der andacht n volkomen h. 9
11) wie] wer s wol z wcilcli d wie gar gn Du s. wissen fehlt .v \md.fehii dhR
were gnJts einkein j 20 es belonte sich uff dem ertrich [selber] g ^
dem ertrich ghuR 21 wonent doch gn 21 f. n. dienen denne got tjtt^
22 n. leben denn got allein f/c n. denn got allein 1. n
2 vindet -- vindent (Kl Bfb 361,:iOK 20 f. Vgl, Phil 5,50. 23 Tl'd^
liehe Minne um der eicigen frillcn lassen. Vgl. Mtchthild r. Magdeb. 46fi.
Grosses Briefbuch. II. Brief. 413
teUe minneklich daz ist! Dir willeklich dienen, wie ein süsses
joch, wie ein lihtA burdi daz ist!
Herre, sü sprechent, du gebest liden. Eya liden, eya froliches
liden, daz mich dir mag gelieben, daz dich mir mag vereinen! Herre,
5 min zarter gemabel, der reinen sele ein einiger geistlicher umbvang,
in dem du in eime ogenblicke tusent stunt von der minnenden seien
wirst umbvangen, verwiget alles liden. Herre, wer ist in zit äne
liden? Gewerlich, nieman uf ertrich! Wie hoch die bürge sint,
wie wit die stette sint, noch rot nientel noch vehe kappun mugen
20 des vor gesin. Lüge^ du sihst es nut reht an: daz glentzent ist in
ngwert geslagen, aber daz smertzent ist in inwert geslagen. Eya
dar nmb, du zarter herre, sol ein mensche nüt ein klein liden, daz
er dich mug erwerben, daz er in daz sch6ne wunnekliche leben
muge komen? Und hette sich eime ein vinger erhaben, er müsti
|ß liden, untz er im wurdi us gelassen. Herre, von den dingen sieb
des ersten brechen, daz tut we; dar nach wirt es lidig, ach got,
aber hin nach wirt es Instlich ob allen zitlichen dingen.
Min kint, du solt dich flissen gemeiner haltung dines ordens,
und vor allen dingen solt du dich flissen, daz du zitlich zu kor
^ sangest und zühteklich da standest mit ernst und mit andaht, und
1 Dir — 2 daz ist nach 8 bürge sint (!) z willekl.] gewilleklychen sd
JQinnenklich s^E lieblich h frölieben n wie] wel z 1 f. ein süsses ding,
Joch wel ein 1. b. z 2 und wie e. 1. b. [daz ist] hlis^ lihtft] siiss gd
4 gelieben — mag fehlt «* 5 min einiger zarter gem. z einiger fehlt z
7 überwiget ghBs^c Herre — 8 liden fehlt hlisa^ 8 wärlich gnc
^ noch rot m. — 10 gesin] wie rot die mentel sint wie vebe die k Ursen sint,
noch mügent sie nicht vor sein dem leiden n noh ist liden da, es mugent weder
M mentel noch goldin da vor gesin g vehe] bunt« cd rot s^ 10 in
Jthit hR 11 uswert] us gn aber — geslagen fehlt ds schmertzen z.
in fehU ghUs^ 12 du] min z lieiTc] Jesus g 13 wunnekl.] mynnek-
liche nüsc land und leben z 14 einem ettwas we in einem vinger R
erhaben] gesworen d erh. und weit schweren g erb. daz er swer n 15 es
leiden JK sich liden d liden haben g den] disen nc 16 daz fehlt nc
•ber dar nach gn 17 hin nach] ze dem losten so g dingen pis an daz
ende, dammb Kegnum mundi et ommem oruatum etc. n 18 rote Überschrift:
^e er sy lert zu yeder zitt wie sy sich halten soltend ü dicli zu dem ersten
nwle 11. h gemeinü z 19 solt — flissen fehlt c 20 zuhtekl] zitlich hs
öerUchen c getzogenlichen /* da] zu kor /* 7/-
6 f. Vgl, Vita lÖJ fi, 14 f. Sause illustriert an einem Vorgang des
^Uchefi Lebens die Notwendigkeit des Leidens: selbst eine »Schwellang am
^'^gtr mu88 ertragen werden, 6ty der Kiter durch operativen Eingriff entfernt irird,
-^»t ähnliches Beispiel gehraucht Eckhart 300,12 ff.
414 Grosses Brief bucb. II. Brief.
nüt dicke us lotfest; du solt dich selben negeln in den stül, voll us
ze stenne, und sunderlich die messe in der minne, als Cristus voll
US stftnt an dem krütze. Du solt under dannen nit anders tun, i^o
du nit siech bist, denne daz och der covente tut an singen und au
lesen^ daz du dinü zit denne mit spreebist, daz du dar nach deste 0
lediger siest, noch kein ander langes gebet tun, daz dich des singens
möhte ierren.
Das ander, kint mins: du solt dich hüten vor gehem zorn, daz
du nüt entwegen werdest mit zornlicher geberde gen dien swestera:
wan als dicke du dinen willen brichest an zorn, als dicke wil dirii
got ein sunderlich kröne geben. Und ein nüt rechen, da du dich wol
raöhtist rechen, daz ist reht, als ob du im hundert march opfretist;
verhab dinen munt und lass es in dir ersterben, so wirt es dir liht.
Das dritte, daz du dich stillekliche haltest; daz zieret einen
geistlichen menschen als ein liehter karfunkel daz guldin gesmide.
Etlichü menschen sint als unrüwig, daz sü nieua gerasten mag«),
und durloflfent daz closter mit unrftw und gebrehte, daz mau sn
dicke e höret, e man sü sehe. Senftmütig geberde und stille rede
gezimt gar wol eimc seligen menschen.
Daz vier de, daz du dinem ofiFenen munt ein sloss an slahest,
daz du gewonest, daz du die porte niemer uf getügest, du habest
denne notdurftigü oder nütze sach, und mit urlop etliches guten
menschen, den du in dime hertzen ze hüter solt setzen; und not
1 dicke iifit if^h B Du — tön fehlt hs 5 diner zit bhu dyue sr
zyde cd mit] nit clhnRs^Uc, fehlt bs 9 entw.] erwegt lis^ hev^e^ nU
intfrcdit d dien] dinen dhTe disen 8 11 nüt] mit *• 12 ist im hBf^
im] nu hs 13 munt] mut U numut s in fehlt z 14 dritte] ander l
15 ^eistl.] guten t j goldgesm. hliss^U 16 uiena] niergend hcd nie*
man sU nvmer hlts^ gerasten] jrt'basten .:: gebesten U gestan h geriiwei
hBss^ niny:en] künnen dsc kan U knnnen noch mugeu e 17 dur lofi'et -'
18 dicke fehlt dz [e] lioret hs siht Bns^ 19 selig.] gaistlichen U
20 dirte b 21 wonest das niemant hBs^ 22 denne fefdt ds uot-
dürft lis^ r oder] und i'e aller .v 23 zu eime hüter ss^n setzen solt r
3 f. r<7/. liegula S. August, c.4: in oratorio nemo agat, iiisi ad qa(^
est factum, unde d nomen accepit. 4 f. ßüigen = die kanonischen llortK
das Offizium (= zit, vgl. 416^1) singen; lesen = rezitieren. Vgl. Greith iO')?-'^
Viien tum Tö^m 41. IS; Öl,!.'). 44. G lediger. In den Constit uiionts Sonrrtm
ord. Vraid. c. 11 (Hohtenius-Brockie, Codex Regularum IV [t759]y iSi^
wird als levit< culf^a aufgeführt : si quae designatum sibi legendi vei canUuiii
officium non atteute compleverit. 22 ff. Vgl. Vita 38,6 ff.
Grosses Brief buch. II. Brief. 415
reden, dich duhti denn, und weri er gegenwürtig, er gebe dir urlop,
und solt denne reden, als obe er gegenwürtig were.
Daz fünfte ist daz du nüt zu ieder swester loflfest und kurtz-
wile und i^under geBellschaft an 8Ü sücliest Du solt dien holt und
heimlich sin, die dich gebessron mugent und die selben gotlicheu
wise och begerent zft füren.
Zwei zit des tages sont dir sunderlich kostper sin: nach metti
ein gut willi mit gotte vertribeu in sunderlichem gebet mit einem
ordnen und fürsaz, wie du den tag wellist vertriben nach gottes
willen und dinem geistlichen nutz, und nach complet, wie du dich
!e8 tages in allen dingen habest gehalten; und umb daz gut lobe
:ot, umb daz sumig und gebresthaft habe ein missevallen mit eime
füten willen zu bessran. Und gang dir dis alles nüt zu allen ziten
wol zA banden, dar umb soltu nüt verzwiflen, lass allein nüt abl
Kunstu nüt ze aller höhst uf den berg, so wirstu doch uf dem we^'
diner ewigen sei de funden.
Zwei ding soltu och han, die dir gar nütz sint, daz ist, daz
da emsklich mit ünsers herren marter umb gangist; und so du un-
bedahteklich umb den krützgang gest oder ob dime werk sitzest,
ach 80 sprich: „min geminnter herre, waz tftstu ietzo, wo bistu ietzV
Zarter min herre, kume zft mir, sitz bi mir, ^^ang mit mir und
Bescheide dich niemer von mir!" Daz ander: du solt sunderlichen
unser lieben frowen und unser zarten miiter, die himelschen künigin,
1 daiicke hltsH^Ud und fahlt cdn ze gegenwürtig z er gebe
^ 2 were J'thlt h 2 obe] als ?>, fehlt : B diiz vierde daz ist h 3 f. und
kurtzw. /eÄft Uz 4 sunderlich hss^Ucd gespilschaft ,s^U an sü such.
^^hit hü dien] disen s dem s^ in allen h 6 fiiren] süchent Uz suchen
Jder ze füren n 7 sint hBs^ dir] ir hss^U »in fehlt hRs^ 8 ein
^t göte w. ffft^ einem fehlt cU 9 türbasd)^^ nach] in hc mit 7/
1 ui allen dinen dingen hs gehebt z 13 s;anix] ^at hchn nit alles nUd
ö allen z. Tiach 14 banden z 10 diner] der ds^ selikeit nJii^ 17 die
- sint fehlt U och gar hcdsU daz ist fehlt ch 18 eintzliche s
larter] leiden hn 19 tisch oder werk hJin^ 20 herre zirc.hmd hhRsU
0 b. ietz fehlt z ietz fehlt cs^ 21 min fehlt hJis^ sitz] sicst s bi]
\ e gang m. mir fehlt s^z 22 besuudrr - 2;J liel)en feldt bcss^U
7 ff. Vgl Kl Bfb 383,13 ff. 19 werk = dir gnnan.mme Handarbeit
\r Nonnen^ das Spinnen im ,werkhus^: vrjl. Viten von Toss :J0.o:^: 34,16; 61,:J5:
mn man ze werk lut, u. ebd. L^U/Jf.: ö9.38ff.. 2ras con Mczzi »^'idwibriii und
yphia von Klingnau erzählt tvird.
416
Grosses Bricfbiich. II. Brief.
licp han und ir metti und ellü ir zit ordenlich sprechen. Gewerlich, nim
si zft einer sunder müter in allen dingen, so kan dir niemer misse-
lingen. Du solt XV Salve Regina sprechen in diser begirde: die ersten
fünfe in der minne ir V sinnen, mit dien sü flisseklich und wirdeklich
und rainneklich ir kint gedienet mit ir zarten ogen, mit ir reinen
munde, denn im ie kein luter creatur gediente; und bitt sü, daz sü
dir ab leg, vva du in mit dinen V sinnen ie erzurndest. Die
andern V allein dem leide und sunderlich dem aller bitterlichsten
liden, so sü hat mit ir kind: daz erste der ersten stunt, in der sü
innan wart ir hertzeleides, daz ander dem sehen sines eilenden
nssfürens, daz dritt dem anblik sines abziehens under dem krützcj
und des annegelns, daz vierde, do si in also toten von dem krüt
enpfie, daz fünfte dem eilenden weg, den sü tet wider hein von.r
toten begrabnen kinde. Die dritte V den V usgenomen frödo;
die ein, als ir die hohen mar wurden gekündet, daz ander, ab«i
den himelschen keiser gebar, daz dritte, als er ir frölich erschein,
do er von dem tode erstftnt, daz vierde, als sü in frölich sach ri
himel varn, daz fünfte, als sü mit lip und mit sele in die himel-
schen fröde enpfangen wart.
1 ellü fehlt b 2 nim si] das sü myn sye (!) s mynne si d 3 f. enti
fünfi z 4 iren hRszd dien] disen hs 5 dienet zR ged. hat *'f
6 denn — ged. fehlt 8^ luter fehlt dhRs 8 allein] cdH sunderiich
fünf dhR6' dem] den cdE disem .v 9 sü es hat s^R mit] an *'Ä
das erste — 14 kinde fehlt s^ 12 daz vierde — 13 enpfie ftJdi cdkB$
16 dem] den ds 14 den fehlt s V (zweites) fehlt dhRs^ 15 mtf]
bofeücliaft s^cd verkündet hRss^ 15.16.17.18 daz ander... daz dritte..-
daz vierde . . . daz fünfte fehlt ^ dafür viermal und hRss^ 16 keiser]
kunig hRs^ 17 von d. tode fehlt chRss^ sach frolich z 171 W
himel sach hR 19 fi'oiden sh
1 JJie iJominikanemonnen haben täglich ausser dem gewöhnliehen Ckn^
gebet das Officium de Beaia Virgine zu verrichten (Constit. c. 1). 9 ff. ^
ViUi 35,31 ff,; 30,16 f :21f 15 die hohen mSj von der Methschverdunf
Christi, IG Über die Bezeichnung von Gott und Christus als keiser odf
küuec vgl. W. Grimm, Goldene Schmiede 1640, XXVI, XL VII.
s BrifflmcU. lU. Brief,
' Sorrexl, nt uperireni dilecto nieo.
Also stüt geschriben an der minne liüch: ich stönt uf. daz ich
lem geminneten uf tet.
Eines reliten luinuers art ist, daz er niemer ab lat, wie dick
1 ime verseit, untz daz er sin gemintes liep nach wunBcbc er-
;ben bat, Ach, ewige wisheit, wie hista ein so hober meister,
ispilest da so togenlicb der minne spil, wie kanstn so wol tagen!
frlich, alle die minner, die ie wurdeot nf ertlich, die sint gegen
le ein niht. Wer wolte so lange nach gan als du'? Weler
fttg gedulteklich beiten als du? Weler wolt vergftt haben, daz
B in als dik vertrihi, als da, zarter, trater, geminter herre und
aahel aller minnenden seien? Und dar nmb so neiget sich dir
1 sele, wau du biet daz gftt, daz mit einer güti alle verreheit ze
I ///. Brit/. Hss.: b c 4 'j fi t
t R g U a
i 2 Rote Ubertehrift : wie man dich hoU schicken th der liebi f^itteB U
Canticorum ^ eaii V « 8 an der minneuden gel hoch gmS an
k der lieb hÜ iu deio h. der mytine n 5 f. wie dick man im versaget,
I ni>ch njinmer ablat n abe g^lat g» 6 uiitz] bia hmNcd das
nacli w. fihU d nach wäuscliea mN uacb aUeu nunsche n 7 wie
jr fthlt i, dafür nach 8 Bpil : du hoher raeister s [wie) bistu gU
90j so ein mNn alszo ein h so gar ein g doch so ain U 8 du [bo] mN
;i>r tog. g togenl.] lugentlicli h heimlich mN verpargenliubeu n wie
r. tagen] wie kont it gesageu d au gar wol g tagen] taugen hm
i taTguolich ümb geu R 9 werlicb n wLrich (!) g alle [die] n min-
Bister hcdhmXRs hie uff disem e. « 9 f. gegen dir ze schätzen reht
n 10 als fehU g eiu fehlt hU tt'olte einem h also 1, b als
10.il weler] wellicher A» wer m.V 11 iiU] so h gedult.j ge-
B t als du frklt bmXnliaÜ für gfil hcgmXn 12 als dich du n
I getruwer h, fehlt bdgs lü minn.] gemyuneten bdghg liebhabenden B
' 14 sele ffhlt d neiget] nahet mX ze dir ^ U sele] hertze n
verreh.] verrütait g worheit aU freibeit hÜ alle weit mX de
I Huhfl. 6,5. 8 der minne spil, dte ireltUcheit Liebfjgrik rnlUhnter
, rgl. Stmuih, Ad. Laru/mann 93,21 ti. Anm. S. 104: Bdrw 234,11 ff,
1 Kohl otogen, laugen, tugtn, angtmessm, passend sein (Ltx, 11,1569:
', Alem. Grammatik .C? 33 ii. 388), sehiCfrlich ^ {•lugai, lougomi, hti'm-
a. II,14BU).
418 Grosses Brief buch. m. Brief.
Min zartes kint, mich wil niemer gewundern. daz sant Gregorius
Bprichety daz die heiigen in dem himelrich sunderlich fr6de dar ab
gewinnent, so ir snnderlich lieben fründ von disem eilende zu gotte
koment, won mine sei hat der fröde ietzo einen anfang an uch von
der sunderlichen necherunge, in der ich got zfi ime hat gezogen. 5
Eya, min kint, gedenkent an die alten tag, nement her für die
alten jar und lügent, wie rehte lange ir geschlaffen hant! Oder ist
es nüt alles sament als ein tr5m gewesen, da mit uch do nach
üwerra dunk so wol was? Owe, valscher trom, wa nö din gut ge-
heisse? Stant uf, kint mins, stant uf, es beginnet ziten! Din ge-lö
mahel, den du so dicke von dem betrogenen lust der träme vertribe,
der wil nüt ab lan. Gedenk, ob ie kein frowe so lang verseite,
frag din minnendes hertze, waz der minne reht si. Gedenk, waz
da von kumt , der sinen guten fründ zu lange reisset. Tfl nf die
tür, schlüss uf din hertze, läss in den geminten, ergetz dich m\\^
1 zartes fehlt n wil mich z vem'undern gmNn U daz] als w
daz da ^ 2 in dem] im U sunderl. fthU d dar an g da von n her abe h
3 snnderl.] besundem h lieben fehlt g 8 f. zu got und zu in k. n 4 min]
sin U 4 f. hat ytzunt der selben fröude ein wenig enpfunden an dir von der
snnd. neherung, in der dich got nu hat zu im gezogen n frouden hc^S
ietz gmM ietzent hs 6 nahunge(n) hhs nehimg H neigiing miW heymlicheit <i
6 eya] ach g mine h gedenk mNn 6 f. nym . . . lug ... du u. s, w. Singuhr
fast durchiceg bis zum Schluss n 7 alten] aller (!) s rehte] gar mN lange
fehlt U oder] ob inN, fehlt n 7 f. [ist] . . . gewesen sey mX 8 all«
[sament] gmNn recht als n da mit] dasz /* do] doh g^ fehlt bchm^nli
8 f. nach üw. d. fehlt n 9 dünken hcmNUÜ bedunken h hie vor so w. wS
so] also n gar g wol fehlt h was] gewesen ist mX Owe — geh. fM fc
Owe] 0 z owe nun U wa nu wa nu dmX wa ist nu gnB 9 f. gebeiszen
mX verheiszen n 10 ste auf k. m. ste auf Bn uf (zweites) fehlt z 10 f.
wan dein gem. n 11 bis her also dick n von dez lustes wegen dises be-
trogen traumes n v. den betr. lüsten U vertribcst R vertriben hast
ghmXncd 12 ie] nyc h ic k. frowe] eynich mynner d verseit hRid
vcrsaity U verseitt hab g hane versaget als du n 13 frage nun selber n
din — si] dyue minne off sy recht si d minne] minner g 14 da von
Schadens k. der do n guten] gemynden d reisset] verzichett U die]
din gR 14 f. das tor h 15 schluss — hertze fehlt h nnd lasz in h den
gem. deiner sele n 15 f. erg. dich mit im in ewiclicher hertzl. m. mX
1 J}ial. IV, 33 (Migne 77, 373 f): hont bonos et mali malos agnoscunt:
. . . in (/na ridelicet cognitione utriusque partis cumulus retributionis ejccrefcit^
ut et boni amplius gaudeant, qui secum eos lattari conspiciunt, quos amaveruntetc
6 ff. Das folgende bis Schluss auszüglich in Brief I (Regnum mundi) d(s
KlBfb 362,20—3-2, 9 f. Vgl oben 410,19 und Bruder Wemhers Lied hti
V. d. Hagen, Minnesinger 11,233. 10 Vgl. Is, 52,1: Rom. 13,11.
i Bricfbiich. III. Brief.
Kklicher hertzklieher minne des langen zites, daz du versumet hast!
p einem geminten epat uf tfit und bertzkliclier minne pflegen wil.
r bedarf wol eins geswinden ilens.
^ Min kint, es ist nüt umh iicli als umb vil andru hertzlose
bBcheii. die weder got noch die weit minnent; der ewige minner
[öwer liertze haben in allen dien zügen geistlich, ala ee muglich
je nach siner naturlieben art sich keiner creatur zft gehenne.
Et nüt wennen, daz ir niinne ein nrlop ßüllent geben; sehend,
sprächent, daz sü üch liep hettint, gewerlieh, aü künden nüt
n. Owe, ir sint erst nmbgehen mit dem geminten liebe! Und
tüwer hertze von minnen als daz grundlos mer, daz würde alles
i des schonen minneri^ minne uss gesogen; und daz ir minen
Ken untz her iiit woltent geloben, des werdent ir nu selber
pfinden. Und dar umb, alle die wise, die ir Tor kertent nf daz,
T. do zitlicb was, die verkerent nu gentzlicb in nuwer wise in daz
ige geminnete götl
1 iiinekl.] ionerUcticr U dae] lies liinXed die c du im pis her vcr-
t iiaat '1 2 xe spitt n und doch n 3 tarff mN gesw.] bellenden •/
A üch] mit vns « vil fthlt dijm auder i-ii hRU liertzl.] gotlose d
l&t miaaeot n 6 fiwer h.] frej bertzeu riaV die bertzen n dien] dieon s,
n geistlicben zUgen n als es — 7 gebenne] er wil al» vil sie ver-
Int D&cli irer nat. art daz nie sich keiner er. ^bent » alfio vil [ea] bmN
ber] einer I( 8 du solt nie w. <liu( du mannen BuUest ein u. g. n nät]
1.(1) t ein fehlt g sällent uin ii. g. e geben aiillent UR gebent
9 die die yn da] etnenn mli sprechen B wSrlicb g eu-
Im dhnc enkönnent 6 kunnent g ewcb nit hH nflt] nie y 10 minnen)
bkben tnN owe] wenne h ir Hint] du pist n erBlj aller erst mJV"
dte eirst^n d 10 fF. mit dem rechten gem. I. vmbgehen
I ab du grundlose mer, ea wurd t
.feaogea n 11 hertxe] niinn g
I Ach all g allea] also b 13 voi
!] lieb viN gegosae
NtiVil» und fehlt n umh daz daz g
_ pia gn nit] nie z geloben fehU
ppflndent e [und] dtir umh
honen mjnne ilisea mynnere
von minnen fihlt gnU [daz] so
dea acbönen und lustlichen minnera
(!) mNd nnd — 14 enpf. fehU
12 f. du . . . wolteat . , . wirst da n
dea] duz nU
p-ice] lieb g [die] du vor-
kert.] vor keret 11 verkertent. : dar Tor kert«nt U batteud
k ff daz fehU hR 15 do] so f, fthlt U 15 1. daz aolt du nu ganU
iia diaea ewig gemannt gut Amen n verker.] kerend U legend g in n.
)fMt nU nnwer] ewer h in] vff gU 16 ewige fehlt U gnte mN
12 f. Vgl. Kl BP- 384,33 ff.
420 Grosses Briefbuch. IV. Brief.
IV. Brief.
Habitabit Inpus cum agno.
Die wil die natur in irein nat&rliehem 15ffe was, do hat ein
iegliches tier daz sin werk; do aber der herre der nature her ab
kam, do wolt er würken nüwe wunder, der wunderlich got, und 5
machet daz wilde zam und daz grimme seuftmutig, als der lieb
Isaias hat geseit. Der seit, daz ein wolf solte wonen bi eime
sch&fflin und ein hkre geweidet werden bi den kelblin, und ein lowe
solti als ein rint fäter essen, und ein yil kleines kindelin s61ti ir
hüter sin. 10
Hörent nüwe wunder, die hüte und alle tage geschehent in der
sele, da daz liebe kindeli in kunt: da wirt der wAliin mensch rer-
keret in senftmütikeit und der zornig in stillheit und der grimme
in ein süsse niiltekeit; daz da hochfertig was, daz wirt demütig,
und daz da unlidig was, daz wirt gefeilig, wan do sich die hohe 15
gotheit als gar hat genidert zu eime kindlin, wer wil sich do uf
biegen V
Ach, zartes min kint, ich las einest ein wort in der geschrift,
daz beginne ich erst verstau, daz ist: liebi glichet unglichü ding.
Wan liebi bringet sin selbes Vergessenheit, und benimet, als viles20
mag, alle zweiheit und schliisset in einvaltig einberkeit. Dar umb
malet man fro Venus ogenlos , wan sü in liebes ogen machet ein
gebürin zft einer keiserin und ein keiserin machet zft einer gebnrin.
Eya, nu schowent alle, ob daz wunder sie! Mag daz die arm Venns
geleisten, owe, vvaz sol denn die zart minneklich minne derge-^
IV. Brief i= Kl Bfb II). Hss.: b c d g h n li s z.
3 in] an 6/<.v 4 daz fehlt cdfjhMs seine hR sin aigen w. gc 7 ge-
sprochen gc eime] dem g den z 8 und — kelb. fehlt hU 9 also ein
rint 8olti sd vil fehlt hU 11 ntiwe] nü wie (!) 8 12 liebe fthli f
13 in ein stille 8 14 ein s. milt] senftmütikeit hhRs daz da hoch! —
demütig nach 15 daz da iiiilid. — jrefellig hlts daz [da] hochf, d/iÄ 16 und
fehlt hnlis da fehlt ghlis do] das z 16 do] dar z denn gc mer h,
fehlt hü 18 in fehlt z sclirift h 19 ungelichen dingen h 21 Mssel
in zn einvaltikeit einbarkeit h 22 ogenl.] blind g nach ougenlos: die ist
der minnen jrottin b 22 f. ein geb. machet zc machet fehlt b 23 machet
fehlt hR 24 dis die z- 25 f. f^eminten fehlt bcdhiis
2 l8. 11,6. 5 Vgl. Ps. 67,30, 6 f. I8. 11,6 ff.
OroBsea Briefbuch. IV. Brief.
421
liutcn ewigen wissbeit schaffen! Diser minne trnRckenheit hat an
llen userweiten menscben alle herbeit, edelkeit, zartbeit, frAnd nnd
■fit yerkeret in ein verworfenbeit. Die bocb forsten von Rom waren,
ie wurden arm diener gottesfründen , dar umb daz bü aicb dem
»rten liebe, dem kleinen kindliu gelicbetiu. Hat aber du minne
^man me geblendet denn in selber? Hat ie kein liep durcb lieb
le gelassen denn erV Nein es, gewerlicb! Dar umb, kint mins,
o stant büte uf, und gib uf din herheit und den verborgnen über-
nflt diner lipitchen edli und herheit diner frönden. die bie her in
lir nuwen mit einem geistliehen scbin bedrochen was, nnd neig dich
;ft dinem lieb in die kripfen! Lftge, wie still dfi ewige wiseheit
'wiget! Sil enkan mit reden. Der in dem himel was, der lit in
[lern stalle, der bi den engein was, der lit under dem vibe! Sprich
also: „owe. du berzentrnt, du lieber Jesus, ich neig mich hat ze dir
in dine Verworfenheit, daz du mich erbebest in din ewigen wirdekcit."
Minü kint, volgent öwerm getrüwen vatter, und macbent usser einer
nDtdnrfl eine tugent und gent uf von grund öwers herzeu üwer zit-
liehen wirdekeit umb die ewigen iemer werenden wirdekeit!
Qui parce seminat, paree et metet, der karklich seiet,
<Jer suidet 5ch ennkiieb, aber der riüeh seiet, der samnet öcb rilich.
^.va, dar umb tflnt es rebt ze frumen nnd neigent licb under die
"sse aller swestran, daz ir nnt allein inen begerent glich stan, ir
*nt öcb hinnan für ir fiiastfich sin; daz enzürnt nit, swie man im
"t, wan es ist ein fftsstftcb. Sebent, dis ist ein wurtzel, dis ist der
t:*"""" ""■•'"•■"•"■""■•■■"'"
1 gescliaffea « dUi^ g»d diser miniierin kleiubeit r die kleinheit
^Wf gem;uteii n an] j» ed, fehlt zn 2 allen — 422,5 bi nflti fthlt lerfftn
AKsfrtH tineg Blattts n iierscbaft gn iierllcheit hcd 3 von Rom fehU g
■Iren fthtt hd 4 uud gottealriiud An der friiud gottes ge dai' umb
- 6 iplber fehlt U 5 lielie geüchetiii und dem kl. fc. ^1, .' 7 w&rlicli gitR
8 hüte fthlt XU 9 edelkeit b lüiies I. adel ItRc 10 dir] dirre 6 nflt
betrogen eR verdickt g bedecket ri 11 luge] ajh nü sich an g
« ftMt g 12 kau dgImR 14 ze dir fehlt b 15 diner i din] die bn
I h der 3 18 umli — wird, fthlt üz 19 der] wer hned 21 tfiut —
rail ffbU g odi reht ; 'i'2 ftUeii! iiiPii] in allen b 23 hinuaii hin fftr j
nit) oienier h tiymant Rd u)^nanT3 h iui] nü * 24 n'au — fflsst. fthlt h*
dtr\ ein s
4
14 l'gl. rila 14o,l.
19 i/ A'-ir
422 Großses Briefbuch. IV. Brief.
nüt allein gen den prelaten, 5cb gegen den minnesten kuchischwestran;
wan es ist billich, daz man ein füsstAch nnder die fusse trette^ der
minste als der meiste.
Dis tflt we^ so es gegenwärtig ist: swigen und unred enpfahen
und sich bi nüti, weder an worten noch an werken, rechen; dis 5
wunden gant tiefer denne swertslege an der ersti, e daz man es ge-
wonet. Es ist ob allen bärinen hemden, es trnket ob allen isniuen
kettinnen: ein würdiger mentsche eime unwürdigen mentschen {:e-
swigen und zA eime stummen werden und sich nüt rechen. Eva,
gesach in aber got, daz er ie geborn wart! Wan er truket sich iniö
die tiefen götlichen wunden, er vereinet sich mit dem gotlichen
hertzen, er glichet sich dem obresten, er liebet sich got und der
weit; er erlöschet allen sinen gebresten. Und als er sinen willen in
zorne und in räche brichet, also machet er, daz im got in allen
dingen willet und sin räch gen dem menschen gentzlich varn lat, ]i
ob er joch hundert tusent totsünden bette getan.
Sihstu nu, min kint, waz dir hie liebes und lones wahset?
Dar umb so setze dich gewegenlich alle zit dar uf und verbisse;
tüg es dir we, daz lid, es wirt schier weger. Ob allen dingen h5rt
hie zfl, daz ein mensche swige und den munt besliesse und bi iA6^
den munt uf tüg, es si denne, daz er drie des rites bi im hab der
götlichen stat, daz ist: rehtü senftmütikeit, ordenliche bescheidenbeit
1 suudcr och b kuchiechw.] vndertan g 2 wan — 3 meiste fehlt g
5 bi] mit gc weder fehlt hch an w^orten] verantwürten s noch] und h
6 gat lisd an dem ersten Rs [e] daz j? 7 iserin he 8 ketten h
8 f. [mentschen] gesw. ghli swigen z 11 tiefen \17mden gottes (der got-
halt g Christi n) hgn mit fehlt 8 12 glichet [sich] hhBs liebet [sich]
dhlis 13 verlöschet shcd erlost g 16 het er joh . . . getan gn hat 2
17 [nu min] liebes kint b 18 verwegenlich gc gewonlich zdn 20 hie] dar
ghli dir n den] sinen snc besl. — 21 m^int fthlt U 21 den munt fehU dh
rates] tages (!) s 21 f. von der g. stat gn 22 senftmutig hsd in orden-
licher besch. s
1 Mit prelaten sind icohl die Priori n und Sabpriorin des Klosters ;}(•
meint. — kuchischwestran = Laienschtvestenij welche die Küche besorgen »i«i
am Chorgtbet nicht teilnehmen. 7 f. Vgl Vita 107,6 f. Der Brif^f ist altif
wohl an Elshtth Stagel gerichtet. 11 Ergänze: Christi. 20 ff. 1^^-
oben 414,20 ff. — drie des rätes. Uiejmigen Nonnen, welche die ?iöherefi Ämttr
in den Dominikanerin nenklöstern bekleiden, bilden zusammen den „JUat' :*»»•
Unterstiitzinig der Friorin bei wichtigen Fragen. Vgl. das Ämterbuch des M-
Meyer im Freiburger Diözesanarchiv XIII (1880), 201.
Grosses ßriefbucL. V, Brief.
423
einer baren notdurft, eintweder got ztt lob oder dem mentsclicii zö
beBsernnge,
Ach, min kint, nu Ifrge, daz ich dich 7:arllich neig uf daz hertz
dines gemiDten und daz ich keiner etrangheit von dir beger; is nnd
trinke und slaÖ' din nofdarft und hab mit urlop, daz du bedarft zu
diner kraukheit. Und ivellestu ein nsserwelter mensche werden, so
übe dich an disen dingen, so mahtu schier ein usaerwelte mentRche
Awerden. Amen.
JSonet vox tua in uuribus raets, v»>x eiiioi tna dukis et fades
tua decora.
Also sprichet die minueude sele von irem gerainneten: lasse
din stiniine erhellen in minen oren, wan din stimme ist Busse und
din antlit lötselig.
S Min kint, ich bitte die ewige wiszheit, daz sü in dinie hertzea
KÜ bnse vach and alles daz kreftklich dar ns stosse, daz ic dar inne
gCKtuIet. Minü kint, ir enbietent mir, ir habent noch vil iertflmes
von nianigvaltikeit. ist daz ein wundert Wie were daz miiylich,
daz alles dar. genimbel, daz sich /.»einzig .jar an ein stat samnet,
daz sich daz als bald genlzlich lasse ns stossenV Es wirt von lag
ze tag uss gende, so es siht, daz es sin stat nüt ine vindet. Au-
debtig gebet, heilig betrahtnuge, dicke nach gotle gedenken, geist-
liche unmftsBe, von gotte dicke sprechen nnd daz edel verlorn zit
dicke mit bittrem hertzeii wegen, sond uwer gehillen sin.
1 baren] waren hnH zä eiae
■ttcben] nehsten g/inBe 3 Ach -
les i 6 Und — 8 werden fdiU c
[ lobe i oder] noch » oder aber g
6 krankh. fthll g 4 deiner hsd
8 Amen /Ml cdghll
V. 2
\ef. Has.: b c d g li mXn Ha
w eniiü — 11 decora fehU kR 14 lüU.] luetUcli mN zirlkii hR
16 alles [daa] h: 17 geetület] gesasz mNd irrung timNnR 18 were
[daz] nun 19 gerämel bgn 20 als ,le!tli dh bald /s/t« a '21 n. me
vindei * 23 und fthll :■ 24 soiid — »in fthtt gmN
3 f. VgLHohil.
10 f. Uohtl l;i4.
MÄbaehnat in Britf HabitabU rfw Kl Bfb (oben 3Gi,l6—2'J).
18-424,22 cnispnelu
424 Grosses Briefbuch. V. Brief.
Ach, liebes min klnt, gedenke, wie reht betrogen diser wd^e
minne ist und wie rebt selig der ist, der sich da von brichet nnc/
gotte dienet. Sprechent ir denne: „owe, daz ist war, der es enzif
tut," — da sond ir wissen, wie dem nüt gelich ist, doch so B\ht
got nit an einen guten anvang, er siht ein gut ende an. Sant 5
Bern hart sprichet, daz gotte nieman ze jung noch ze alt ist, er
git und tut, waz er wil und swie er wil.
Haut ir nut vil sussikeit, des sont ir nut ahten, ir sont uch
sin unwirdig dunkcn. Ligent got vor sinen f&ssen, untze daz sine
gute überwunden werde, und laut nüt abe ! Ich globe daz eigenlich, 10
daz er üch nüt vigentlich vertribet. Lant üch nüt wundern, ob es
üch alles sament nüt eines tages nach wünsche zfi banden gat.
Nach der vinstri gat die heitri, und aber nach dem tage kumet die
naht. Es mftss noch menig wandelber wettcr in üch uf stau, e daz
die blibent heitri in üch bestetet werde. Gieng es üch hie vor - 15
ir nierckent mich wol — glich eben wol? Nein es, gewerlicb! Es
was liep und leit, leit und liep, dar nach als es gap fro Venus
glückrat.
Daz selbe, min kint, nement och gegen dem schönen, zarten,
minneklichen minner, dem ir billich wartent, des minneklich zürnen 20
besser ist den aller minner liepkosen; übersehent gegen im, zwar,
er hat och gegen üch übersehen. Nement war siner minnewencke, |
siner togen minne. Sehent, er ist als reht gut; ein vil klein ist
von ime besser denn von andern tusentvalt. Lant unverstandnü
hertzen slewezen und swingent ir üch in ein minnen. Die minnende 85
2 und] nu h, fehlt mN 8 enzit] in zit hd bei zit hUc yetzent t
4 da] daz hcdhJRs da — wissen fehlt g wie daz dem hg 9 sin]
im z des dmN 11 er üch] üch got gm vertribe dhmNnRs nüt alle*
sam. bdhn mit fehlt gmN 13 wan nach gX 14 uf st.] bestan :
[e] daz « 16 ir — wol fehlt dmN 19 gegen den hs 20 mynniklichen
zürnen s 21 übers. — 22 übers, fehlt d zwar] wanne b 22 minnen
wercke hm umbveno- hU 23 siner t. minne fehlt gnz kleines \m^
24 tusentvaltig /> tusontstunt^ 25 slewezen] slentzen 8 slewtzen n schlawzen^
schlissen mX tregc syn c varen und sagen h gen B
4 dem = der frühzeitigen Bebehrung. 6 f. Vgl. Bet-nardus, £|>wt.
185 n. :^;i 13 Vgl Tob. 3,33 und die bekannte SenUmc: Post mbila
Photbus (ftchon im Doctrinale des Alanus ab Insults, vgl. Büchmann, Geflfigilti
Worte -HUOO,456). 23 f. Vgl Ps. 83,11. 25 slewezen (wie oben 4ü(>,lS
slewenzen), in den Wörterbüchern fehlende Erweiterung von sletcen = trägt,
matt sein, hezic. werden {Lexer 11,972; Schmeller II -, 539 ; Wackemagei, Alt-
deutsche Predigten 1876,508),
Grosses Briefbuch. VI. Briff.
425
ifc\e gelorst einest nät gemüten, daz er eich ir erzSigte oder daz er
TÄ ir kerne, si batt in allpine, daz er mit einem don siner worten
ffl \r hertz erklankti. und do sprach si: Honet vos tim in aiiribiis
meis etc.
VI. Krief,
^heie florentes odorem dodermit, et tox tnrturJR anditH est
in terra nostrn.
Also stet geschriben in dur miiiiie buch.
Wer ein fritbtlosen winterhalden säbi hin glentzen von ge-
jnter gezierde in sumeilicbrr Schönheit, und einen swartzen rappen,
^fiilem äese entogen, horti in des lieben turteMbüs art verwandlet
, der Diöhte wol dem schönen herren zarten, der so grossii wnnder
ftin mag erzÜKen. Mit welen fröden wenncnt ir, daz sich der
«rre in dem schönen wingarten ergienge, der sich bo relit wol ge-
* ilellet hetti, und wie wo] öcb sinen geiniwen knehten ze miite weri,
c< der süsse smack als rebte wol trahti, daz er nmb sieb allen
uienRchen Inst brehti und die leiden stangen von siner kraft vertribiV
Ach, ir jungen, schölten, zarten wingarten des himelschen vatters,
ir schonen lütseligen turtellübli des göttelichen gemahels, gedenkend,
' «rie lange ir wüste sint gelegen, wie nianigen schönen tag ir müssig
sint gewesen, — und w51te got, daz ir niiissig wfirint gesin und niit
mit dornen und mit bramen wärint erfället, die ir nu so arbeitsetikiich
11* rütent! Owe. ir kalten winde üppiger worten, ir starckeii riffen
WTganklicher niiane, ir tiefen sne böser unreiner geselleschaft, waz
' hanl ir ebenlicb versumet und mordes begangen an so manigem
meiiRchen! Wie reht selig der ist, der vnn üch gelidiget ist und
I mit der liebten sumerzit eins tngeuthaften lebens durlühtet istl
1 [.Arst g sifh [ir] dUs
U liipi »i] aho gn 4 el
8 erkl.j erkante b Qud fehlt » du
;. ftldl hdyh
VI. Brief. Hgs.: b c d g h m N n t! s U :. la g slehl nur der
j «• 4S5.16, das übrige fehlt.
_ - bßch fehlt nU in] «n M- 9 wer] schwel njeiitach j
l^tf. gelilüoiLen gczierden li 11 ahs^e » 12 herreu] herUcn b 13 erzögeii gU
eaägen mX IG amack] raucL mXd 17 laidigen nSl' 18 zarten
iicboneu Uc schönen fehlt dh zarteu fehlt ss 20 geleg. — 21 sint fehlt a
' |;tmd [mit] bmXs brcmen climXIt 2B ebenlich] ewiglicl hEc
6 f. Hohe). S.VJf. U iviiiirsiteu, vgl. liiiete 221.33 f.
426 Grosses Briefbucli. VI. Brief.
Minü zarten kint, waz sol ich üch me schriben, denn daz roinü
ogen hein manigen frölichen ogenblik getan, so ich gie über die
schönen beide florieren al durch die bMmen hin> und ich horte die
himelschen harpfen der lieben vögellin iren zarten, schönen, min-
nenklichen Schöpfer loben, daz es dnrch den luft af trang? Aber 5
gevverlich, ob in beiden so fröwet sich min hertze, so üwer anevangCDS
heilig leben in so maniger geblümter gezierde also süsseklicb in
gutem lümdeu smacket, da von die ewig wissheit wirt gelobet ond
die menschen gebessret. Wan ir aber noch nüt erstarcket sint, so
sont ir üwer selbes dester bas war nemen, und sont uch selber M
umbzünen als ein junges zwi vor dem vih aller menschen geselle-
sehaft, die dis sinnes nüt sint.
Eines dinges sont ir vorhin gewarnet sin: so die schönen win-
garten beginnent blugen, daz 6ch denne die bremen und die leiden
käfer beginnent stürmen; und da der böse geist mit ime selber d
nüt kann zu komen gegen eime gesitten menschen, da reisset er
aber sin gesinde zu mit bittern schalkhaften worten oder mit bösen
r&ten, mit valschem wissagen in liep oder in leit. Und daz ist nit
unbillich, wanne wissent für war, daz üch in keinem abbrechende
uwers eigen willen niemer so we geschiht, im beschehe nochvill
wirs, so er von siner eigen stat scheiden mfts, die er so lange, so
gerüweklich hat besessen.
Und dar umb, mine jungen kint, mine zarten userweiten kint,
stant vast in gotte und heint reht ein gantzes getruwen in got, wan
er lat üwer nüt! Ach, Iftgent, er ist als reht tugenthaft, er ist alsl
reht hertzklich gütig, daz er es an sime milten hertzen nüt m6hte
vinden, daz er den menschen möhte lau, der sich gentzlich an in
mag gelan.
Eya, minneklicher ewiger vatter, ich bevilhe dir dine kint in
3 florieren und ns al] als hEU, feldt mXn 4 bimel harpfeu hR:
der] die hU 9 noch fehlt b 11 zwi] swiu b 13 minü zarten kinder, eines d..-
gewarnet] gemant z 14 f. beginnent fehlt hB blugen] bläounen -
und — 15 käfer fehlt U und oueh die I. Ems leidigen mNE 15 beg.)
werden hE da] daz zd 16 gesitt.] sittigeii mXs, fehlt dn 17 ingesinde hmiS
18 valscheu mnEUzc leid . . . liebe b oder] und nU 20 beschiht &
21 eigen stat] eigenscliaft z 22 ruweklieb Uz rastlichen mS 23 miaf
zarten us. k. fehlt dmXz 24 truwen z zu got Esc 25 üwer] üch htnXnRd
tuirenth. — 26 relit fMt ns 25 f. och als reht h. g. z 26 mohte — 27 an
in fJdt mX 28 lan bmXsU 29 myu kinder cd
23 — 28 etivas ijekilrzt in Brief Ilabitabit des Kl Bfb (364^29— 3fiöJ^
Grosses Briefbuch. Vn. Brief. 427
dine g6tteliche wissheit, daz du 86 zähest nach dime aller liebsten
willen. Amen.
VII. Brief.
Trahe me^ post te curremus In odore ungnentomm tuornml
Der einen minnelosen meutschen welle machen minnend, der
sol im sinen geminten z6gen, wau daz geminte dem hertzen zuhet
es zu im als der agestein daz isen. Nu sint etlichü menschen als
blinty wan sü daz ewig lieht an im selber nut mögen gesehen, so
vallent sü mit ir minne uf das gesihtlich, als der sich von der
8QDDen glantz keret zu dem kessibodem, als die fledermus, du den
tag flühet und die vinstren naht miunet. Und die menschen müs
got zu im ziehen mit grossem liden oder des glich, als der einen
b&ren von dem hong sieht. Aber die gottes userweiten die nement
68, als sA son, und mugent su der sunnen glast nüt gesehen, sa
kapfent s& an der sunnen widerglantz uf den hohen bergen; und
heint sü noch nüt der süssen apotek des inren götlichen hertzluste»
CDpfunden, so 15ffent sü doch nach dem süssen smack, der da u&
rücbet von sime heiulichen ingesinde, als die tier dem süssen
trabt, der da us trehet von dem pantier. Und in dem smacke
werdent sü dicke hertzeklich ernüwret und gewinnent ein jagende»
Uen hin zu dem iemer werenden gute, und stiint in dem vorhof.
2 Amen fehlt bcdmyiiü
VII. Brief, Hss.: h c d h m X n R 8 U z,
4 odorem h 6 [dem] hertze binXn des hertzen hc 7 ime zu hR
8 lieht] liep hhmNRs U im] in j 10 kesseis bodem sRcd kessel boden mNn
ketsel boden h fledramus z du fehlt 8 du da j 12 gliches cdh8
13 nement] meinend mN minnend Ud 14 so fchü z 15 guffend hctnXU
Ifigent z 16 inren fehlt dh gotl.] süssen Ud hertzl.] hertzen dmX
18 himelischen nd 19 traht] rauch cdhmNnR us trabet bs us rücbet Ucd
aosz reuchet mNR 20 dicke fehlt z ja^.] in ^endes z 21 und --
?orhof fehlt bcdhmXRU Stent wartend in d. v. n
4 Hohel. 1,3. 6 f. Vyh TauUr, Basel lö^lf, 43^: wan ah der
jggtein nach jm zeucht das eysen, also zeucht nach jm Jesus alle hertzen, die
ia von jm berärt werden, 13 Vgl. Megenbvrg, Buch der Xatur 163,8 ff.
19 pantier, vgl. Vita 12,6 und Hugo von Langeastein, Martina 96, 111 — 103,49,
20 f. jagendes ilen, vgl. Bdeic 201, Uff. und 216,16,
428 Grosses Briefbuch. VIL Brief.
untz sü och werdent in gelassen. Aristotiles sprichet, daz ein
klein des unbekanten lustlicher ist, denn vil Sicherheit des bekanteB.
Sant Thomas spricht, daz ein vil klein des enpfundnen götes in
schowlicher togni ist besser denne vil anders.
Min kint, ich müss dir sagen ein gewonheit, die ich hett an (i
miner ersti. So ich mich selben als gnadenarm vant und ich von
mime grossen gebresten nüt getorste hin far komen zft dem tisch,
da liep von liebe sunder mittel gespiset wirt, als die zarte jungfrow
sant Angnes sprach: mel et lac ex ore eins suscepi, so stalt
ich mich in eines dürftigen bilde hin zu dem tor und wartet, wennri
•die himelschen gcmassen her us giengin, daz ich sü bespreche daz
mir joch ein süsse traht würdi von ir völli. Und vergich dir eins
gewerlich: es beschach mir etwenn, daz mir von ir volheit ein un-
geweschnü Schüssel wart dar geworfiFen, daz ich also gespiset wart
und von dem süssen wintraht also getrenket wart, daz ich etwenn 18
miner armfit vergass und wond, ich wer ein richer herre. Ich sprach:
„owe, richer herre, so du mich also trunken hast gemachet nnwen
von winsmack us dinen fründen, waz bist du denn in inen?" Sich,
also suchte ich daz klein golt in dem sande. Ich grAp nach: ich
saste einen priester, einen brediger zu den füssen eines sines fründes«^
und lüget im in den munt, ob kein himelscher rose da her us fieli, daz
ich den gezuckti. Und daz machet mich denn fr61ich loffent den
andern nacli.
1 och fehlt hRs 3 eupf.] unbekanten dmN 5 min kint fMt h hat
ich hcmX 6 selben fehlt dmXn an gnaden also arm 6 imd [ich] i
7 mime] meinen viXR nüt hin f. komen mäht z 8 da] das sü mittel
fehlt hU 9 ex eins ore hUz 11 genossen mRlJ gespreche 6 an
spreche dmN 12 joch] och hRU doch cdmX noch h traht] rauch ned
trank mX eins fehlt dh 13 i^^eschach hmN 14 dar wart g. hhR^l^
15 wintrank mXRsU winroch c win dh 16 wone s Ich — 17 herre /<?/<& CT
17 nuwen] nu z allein n nit mer dan dhmX 18 winrauch mXd winsmaltze 6
in fMt s 1 9 «ander w A' grabete h grebte z 20 sasz mXnc sach T
21 [her] us dmX 22 den] die cdhnRs zuckte hnR suchte mN ge-
suchte d
Iff. AvistotekSy JKth. Xic. X, 4 {1174h 19 sqq,;); De part, anim. 1,5 fßUh
24. sqq. :*1 sqq.). — Thomas, S. Th. 2.2 q. 18() a. 7: contemplatio divinftrumy qua*
?i<ihtfui' in via, etsi sit imperfecta, tarnen est delectahilior omni dlia contemphtiftM-
propter excdlentiam rei contemplatac. 7 f. Vgl. Tochter Sion 2424 f. : ich me»
die (jeistliche.li weidt, da diu seh trirf gespiset, 9 Angnes, vgl, Bdeyc 227,lf^
20 Mit priester, bredijrer meint Sense sich selbst, sines = Gottes, 22 f. V^
den Vorspruch.
i
Grosses Brief buch. Vm. Brief. 409
Owe, got, waz so] ein menscbe löffeu, der weder got nach
sinen faeimlichen fründen nie beimlich wart, der nuwen mit usseikeit
iit Binb gegangen? Gat er joch, der gang mag wo] treg und
liinkent sin; aber die lieimlicbi machet löfTent nacb dem geminten.
Sich, wenne mir ein gottesfrünt üt seit, eya, so wart ich ao wol
Bemftt, so was mir reht, icli hetti einen hört funden. Und wiBsiat,
ich gebielt daz so trntlich und sprach: „cya, gcminter hcrre, wie
last mich dinl Sei ich iemer dar zft komen, daz ich Sprech: „du
lin und ich din?" Und disA begirde bo] noch in mir und in dir
en von unser unvoikomenbeit.
Min kint, dis ban ich dinem versinten mCtt vor gesprochen,
11 du rosen us den blümen lesest und dich selb zu dime ewigen
eil mit semiicben dingen reissest.
VIII. Üripf.
Onstate et videte, qaoniam suarls est dominus.
Es sprichet der wissag »n dem salter: versfichent und Iftgeiit,
fie süsse der herre ist,
Lieben minü kint, es sprichet sant Gregorius, daz got dienen
i ein friges leben. Und gewerlicb, daz müssent ellii hertzen von
;antzer wärbeit jehen, Swer uf den tolden eines versmahens aller
itlieher dinge ist geflogen, in die hobelt des unwandelberen götes
« gesessen, mit den armen des geminten ewigen liebes ist umb-
'angen, ach. lieben kint, wes gebristet dem uf ertrichv Waz wil
IT Die? Wie mag der so wol manigen frfilichen tag uf ertricfa
2 himelischen mNd nuwen] nun e nit denn dmX allein n mit]
VidmNBtU S er] der e 3 f. und hlukent /e/itt s i heimlikeit
tXnBe b sich fehlt b fit htiimlichi n icht tieimlicliea n 7 hifltmKlCg
l^nch dh» 10 Tollkomenheit hmXlUI'
VIII. Brief. a»M.: b c d g I, m N n R s »' U g. In <j rUIh -.«r
Iv StUiist wm 431,ie an.
15 quoniam] quam m^Vn 16 an] iu bcd/iuRe»' 20 den] dem Ass*
ddeo] Kwyg »'d 22 und mit dmX liebes [ist] hUs 23 wee]
u bdhmR» 24 wol fehll hn nf ertr. ftlUi z
6 f. V</i. Hohtl. 3,16 und die Belege bei Strauch, Ad. Langmann 103 f.
Bohr, Zfda 34 (1830), 161 ff. IB Fg. 33,S. 18 Gregofiut, Hom. 3
Stech, n- 11 (Migne, Patr. Lat. 76,810) : iüe Deo »ervire aiqietil, qui üb hoe
Ueulo inmte traMirt dirliceril. Vgl. F.xiin». in I Big. V, 3 n. 13 (Migne 7!f,333).
430 Grosses Briefbuch. VIET. Brief.
haben! Gesach in got, daz er ie geborn wart! Wie mag er got
«0 wol loben, so er under sieb siht und in dem starcken gewille des
tiefen meres eins ung6tlichen lebens so manig freisinen bertzen, libes
und sele ane sibt!
Es was ein mensebe einest in einem so fr6Iicbem gegenworf 5
der süssen götlicben gegenwürtikeit, und was doch so gelassen Ton
aller creatarlicbeit, daz er gedabte: „acb, bertze mins^ wes fröwest
du dicb so rebt inneklicb?" Do antwurt ime sin besebeidenheit
und spracb: „in allen disem ertrieb ist nät, des icb micb fr6we,
weder an gut nocb an fründen noeb keinem Inst diser weite, denne 10
daz ist min fröde, daz got als rebte gut ist und daz minneklieh
gftt min frünt ist, des icb gantz zftversibt ban.**
Lieben minü kint, daz scbribe icb ucb dar nmb, daz ir einen
«eneden jamer bier nacb gewinnent und einen bertzlicben last dar
nacb babent. Trettent frilicb in die baut der ewigen wiszbeit, A tt,
werdent ücb geswinde verkert in guldin krönen ewiger s&likeit Lant
äcb nit binderen, daz der zal ietze so wenig ist, die daz rebte
pfat des engen weges wellen gan, die ir eigen gemach, als vil si
mugent, sücbent, daz 6wer ernst da von n6t geminret werde. Nement
für üwer 5gen die fromen Vorbilder eins beiligen lebens, die da war- Ä
lieh battent versmabet alles daz, daz ertrieb geleisten mag, und mit
faertzen und sinnen ze allen ziten in dem bimelscben yatterlande
wontent, die in sunderlicbem andabt als der morgensterne lacbten.
— den volgent nacb, den tretent nacb!
Lieben kint, die weit beginnent alten, die minne beginnet ft
kalten, die schönen rosen beiliges andabtes beginnent sere risen;
man vindet nu vil me scharpfer slebdome denne wisser lylien. Eya,
ir zarten rosen des geblümeten geistlichen lebens, stant vast, ver-
dürnent ücb mit usgeslossenbeit aller creaturen, scblüssent ücb zft
2 gewilde bcdmNRss^U 3 f. und libes [und sele] hRss^U 4 [ane]
siht 8 8 mynncklich bcHss^ 9 des] das mKz 10 weder fehlt f
11 rehte fehlt bs^ 13 scbribe] sprich b 14 glust zn 17 Terdriesscn
hiDdereu z ITf.den rehten pf. bcdfis 18 engen] trostlichen ß 19 söchint s
ntit] iht bcdnsU 20 [die] frome z die fronen b 21 haben versm. chmNnB
[daz] daz cdsUz mit] in hRss^ü 22 und in sinnen hRss^ und mit s. e»
23 lücbtent bdmNnRss^U 27 wisser] schöner z 28 [stant] und vaste »U
29 ufigelossenheit hs^ creatur nRs^
5 — 12 ist in Brief Habitabit des Kl Bfb aufgenommen (oben 3653
bis 305,10), 18 Die Konstruktion ist sehr hart; man tcärde erirafitf«:
so vil aber, die u, s. w. 25 f. V"gl. Bdtw 324,4 f, u. Gr Bfb 406,8,
Grjasua Bi-iefbiich. VUI. Brief. 431
gepen aller diser weite, ach, und tftnt üwer hertzen und üwer girde
af gegen dem süssen meientowe der hinielsclien sunnen, daz ir war
Dement, waz er von üch wil, wenne er einen ingang haben wil,
daz er kein vertrihen von üch newinne. Gebent inie stund und
filat, daz er sin werk in üch gewfirken nnage, daz iiwer hertzc werde
ein appotecke der gotheit, üwer munt ein fasz der reinekeit und
aller üwer wände! ein bilde himelseher heilikeit, daz got an üch
gelobet werde, üwer lieben engel gofröwet und ellü menschen ge-
bessrot. Heilig betrahtunge 8ont üwer knmber sin, mit gotte oder
I TOD gotte reden sol zfi allen zilen nwer ampt sin, swaz ir sehcnt
oder h5rent, daz sol üch ein uftragen ze gotte sin.
Einen swigenden munt tragen machet üwer hertze fridsam und
den lüten minnesam. Tönt üch ahe menschlicher heimliche, so
werdent ir gewerlich innen gottelicher heimliche. Einen abgezaiten
■ menschen von diser wplte hftret nüt zfi. kurtzwil und trost hie
stehen. In aller gehorgami, die uf usserheit zühet, heint ein inne-
bliben oder aber ein emziges inkeren wider in üch selben, daz ir
üch selber nüt verlierent, Swaz üch nit bevolhen si, da mit »int
unbekürabert.
► Vor allen dingen so setzent üch gewegenlich als alle sunder
gottesfrnnd uf zitliches liden. wan gewerlich, daz wissent für war:
söl üch üt sunders von gotte werden, daz mfis och erarnet werden.
.\ber eins ist war: git er leit, er git och liep; kan er hei-zleit geben,
ach, so kan erSchhertzliep in hertzeliebes hertzen machen. Gangent her
fc für. ellü hertzen. und sagent, wa sie liep ane leit ie funden ? fJeminter
herre, du bist allein daz gut, in dem man stete fröde, gantzen fride,
und liep ane leit findet, als verre man es in zit haben mag. Es
tat nüt wirs, denn sich selber überwinden, es tut aber nüt bas,
denne sieb selber überwunden han. Und dar umb so gant hüte dis
1 hertze bilhmNEai' U bcgiriie mXnRt'c 3 wenue — wil felUt h
7 rin) eiine s bildcr bhRsU bildiiev s' bildimge c 9 itontj aol chnR»»'
IS iiwer| das hM'x'U 13 die lüt »^R 13. 14 heimlikeit mNnü»'
U gew. iiinan] gevar dmN götteL} goltes nx 16 zS si'ichen gkmnU
17 eiiiEi^e« i 18 bevolheu] heliolffen *«• 19 bekümbert m 20 bc-
vegeolicb 6 verwegenlich cRU sunder fdilt hM»i^üz 22 daz — wurden
fMt fü 23 er gil z leit] liden hn euch hertzleit h» 24 acb
/MtR»' in liebes hertzen bcmX 27f. e« t&t minr wirs j 28 tSt) trrgtesi]
M hmJV 2S Qoeb hüte nRs' itiej des hnH
7 f. Vgl Matlh.5,Itl. 10 f. Vgl. Bdew 313,10 ff. 16 Vgl. Brief IX
d*t Kl Bfb {3S9,eff.). 27 liep ane leit. vgl. l'ila 140,W. 28 1 Gant
tiknUcb BdfW 249,33 f.
432 Grosses Briefbuch. IX. Brief.
tages manigü menschen guggen über den dornigen hag, und mab-
gant den graben ir lange tage und getirrent sieh nät wagen darcl
die dorne einer frier Verwegenheit, daz sü kemin hin nf die schöneo,
witen, geblümeten beide geistlicher Schönheit. S6 lobent die fraht
und hettint s6 gerne, aber s6 verdnisset der arbeit; und die arbeiL 5
die SU da flnbent, die Yolget in anderswa. Gesach in got, der sin
arbeit hie wol an leit, wan nach diser kurzen zit volget im ewigu
selikeit! Amen.
IX. Brief.
Quam dllecta tabernacula tna, domlne Tirtutam! lO
Also sprichet der himelsche harpfer David von dem frölicheo
himelschen lande.
Owe, minü lieben kint, wie mugent wir uns selber so wol
erbarmen, daz wir eilenden kempfen nüt anders begerent denne der
kleinen tröpflin, die da valient von der himelschen Jerusalem, da i^
die reinen megde von Syon niessen daz ewige gut an alles mittel
nach alles ir hertzen begird, mit fröden, mit rüwe und mit Sicher-
heit! Owe, wie mugen sü uns so kleine geloben! Wie mag daz
schön rosenzwi des himelschen paradises, daz zu allen ziten eint-
weder hat ein süsses meigentow oder aber der liebten sunnen glantz. ^
geloben eime armen türren tistel, der uf der herten beide wahset!
Ach, niinü lieben kint, nu trustent uns mit der armüt, die wir
haben, bis daz der lichte morgensterne werde uf gende, und ge-
denkent an die schönen roten rosen, die nu versenket sint in daz
wiselose wesen des gottelichen abgründes, da die minneklicben ^
tohtern von Syon frilichen trettent den frölichen reien in schalle
1 mauigüj yil Ä/^Ä* 2 mit sich £^ gewajüfeu ^n 3 kument 6 komcnÄ**
5 erdii'isset h und die arbeit fehlt inKs 6 anderswa nach mXU 7 imi
ain Ud wissheit und selikeit s 8 Amen fehlt cdgmNU
IX. Brief. Hss.: b c d g h m S n B s s^ U z,
10 tua fehlt s 12 lande fehlt a 14 kempflfer nJis^ ü begerten cdhEd'^
IH niesjsen] «rebrnchen cdniN 17 aller bmN froide sdg und mit r. ^
18 kloine] liitzel z wenig- nU 19 f. einUw fehlt mNU 21 armen /*^/' •
tVirrr'Ti fthlt Ich tystelin hss^ der] dtis hs 22 tr. wir uns mS^^
23 werde uf ^.J wider uff gange s 26 frilich.] froliche h Uy fehlt mN
lU I'a. 63/J 23 r^/. IIFet. 1,19. 24 Zu roeen vgl oben 409^'
25 ft. \'f/L ßdetr ;J4L\10ß\
Grosses Briefbueh. iX. Biief. 433
I in fröden, der da faeisBet ewikeit, und die vor kurtzen ziteu
I tistelB natur hatten, do bü in disem jamertal bi nns waren. Des
and wir uns trÖBten, wenne wir sint von sinen gnatleu des selben
lle tage wartent. Und denne in dem selben ei'sten aneblik, ach,
£s Bussen niinneklichen antliteB, eo ist vergangen alle die hertekeit
rdaz liden, daz wir nu also swarlich wägen.
Owe, minü lieben kint, wenne sol der fröliche tag komen,
ha uns da/. Itepliche ewige göt gekündet werde, an dem tage unser
Ilenden seien nmbvangen werden, daz sü werden gefüret in dii>
inikett, der bü hie als innekliche begerent, ane die sü alles, da/
iBÜ weit hat, nüt hertzklicfa gefrSwen noch getrosten mag? Acli.
liiiü lieben kiut, scndent unser eilenden hertzen in den minneklichen
imbvang, bis daz die sele hin nach kome! Lögent, wie gar ver-
windet ellü unser hertikeit und unser leit, so wir uns verellendeii
D daz abgründe der g&ttelichen klarheit! Ach, da süllent wir dicke
mit hertzklieher begirde wonen und mit menigem ogenblick dar
keren, so gewinnen wir ein frölich eilend und ein eilende fröde, so
mag öeh der herte tistel mit so manigem Bussen meientowe be-
gossen werden, daz er vergisset, obe er ein tistel oder ein rose ist.
L Nn, ir geminneten kint, laut üch fiwers üdens, üwer arbeit
pb verdriesBen! Habent uf, habent uf üwer hertze in den Bch6nen,
^■Untnerlicben, iemer werenden mcien, der üch bereit ist in dem ab-
grtnde der götlichen klarheitl Lögent an die schönen roten rosen
ind au die wissen lylien, die disen langen trurigen winter also ge-
initklich geleitet heint, bis daz sü daz aummerlicbe zit bringe uf ir
Hfinen natürlichen blügende art, und merkent, daz diacn nrdrutz
R Tertriben mit besser ist. denne stellen nach dem süssen meigen-
™we der götlichcn gnaden in emziger gegenwürtikeit ; wan awaz
fc sunne verselwet, daz bringet daz tow kreftkücb wider. Doch
■Dugent ir zQ allen ziten nüt hier inue stan, dar umbe sont ir nüt
■ 4 aelbea fihü ghUtsHI 5 anbiicke« nU die f«M( hcdmN^nV
Rüben fMl dg 10 mjoneklieh cAintia^ daz daz s 11 gefr. mag
Vch getr. [mag] s 12 kiat, ach mitmic1i(!hen kmd dmN aendent nreimal bi
13 gar] war tili 13 f. verBwindeot : 14 ellü fehlt hRas' ü 19 ein ÜBtel si
oder ein r. [ist] »du 21 Habent — 23 klarheit fetdl g habent uf ein-
\ hnRt'Oc dem 6»' 24 nnd — lylieu fehll g 25 ir) ilio iiiJV'*'
irl. fehlt dmN 27 ist not besser bhmNUst^lT 26 gnad gU in
[. fthlt pmN eintziger hs: 29 der tow bcdmifn»»' ü 30 nit
iDne gn dar innett nit i£s'
434 Grosses ßriefbuch. X. Brief.
verzwifeln, wann also sprichet ein meister von minnen Ovidius:
nee violae semper, nee Ulla Candida florent, daz sprichet,
daz die viol noch die schönen lylien nüt zu allen ziten blugent, — eht
dis geistlich blügen dicke in üch beschiht, bis daz ir noch uaher
QS gedringent us uwerme natürlichem vvesen. Und waz üch na 5
jerlich ist, als sant Bernhart sprichet, daz wirt üch denne tegelich
und stündlich.
X. Brief.
Revertere, revertere Snnamitis, revertere, revertere, ut
intueamnr tel 10
üise minnekliche wort stant geschriben an der minne buch.
Der durch die öden wüste und durch den wilden walt eines
anegevangen gütlichen lebens begcrt uf die schonen beide eines ge-
blümeten volkomen lebens zft komene, dem begegent manigü wildü
Strasse in der vinstri des waldes und raanig enger unbekanter weg, I5
da er dur bramen und dorne sich streiflFen mfis; da istetwie maniger
tiefer grabe und kleine stige, da er mit zittrendem hertzen über mos.
1 vou dem j^otlicheu minnen [Ovidius] y 2 fiola dmN 3 schoneD
fehlt (/hRs^ eht hin Schluits fehlt g 5 üwerme fehlt e 6 jerlich]
erlich (!) .s* selczen mX 7 Amen na^ Zusatz {rot): hilflf reine maiia -
X, Jiriif 7/ .s.v.: b c d y h m X n li s U z. In d steht nur ein klHntr
2 eil den Anfanyes und Schlus^aeSj in g fehlt der Schltufs: in n treicht der W
6-tar/^ ah und int teilweise umycstdlt,
9 ut fehlt ds 12 öden] toten dmX wiisten yhRszc 13 gütlichen 9
heg-. — 14 lebens fehlt hü beiden bghBsU 15 enger fehlt hmXRU 16 dar
die bramen z und durch dorne gU s. durchstreifFen bdhnRs nachvA^
Zusatz: untz er ze wege kunt zg bis er wider kumpt an den rechten pftt «
17 Stege gnz steg cmX überstig b bricklin /* überstigen mus b
1 OridiuSj Ars amatnria II, 116 f. (Ovidii carmina ed, Biese I fiS^lJ,
16:j): ntc violae snnperve hya<iinthina lilia florent^ et riget amissa spina rdi^
rosa, über die Kenntnis Ovids im Mittelalter rgl, K, BaHschy Albrecht v<m HaXMr-
Stadt lti6L KinUitung I—CXXVII: über die ars amaU ebd. XXXVII f
6 V^gl. sermo 2 in Purif w. 3. 9 f. Hohel 6,12, Vgl. Bdew 2Slfi^
17 stige = sticj stig, Vusssteigj oder wahrscheinlicher (vgl, die Varianten!)
= stigel, Vorrichtung zum übersteigen eines Zaunes oder einer Hecke, wie nod
Jetzt in der 6'chweiz und im Allgäu iddich (vgl. Schmeller IP,743 ; Martin u.Lien-
hartf Eis ff SS. Wörterbuch 11^579 f).
Grosse« BriefbiicL. X. Brief.
435
BZ ist der weg mauigv^altigen unbekanten lidens, in dem er
rten mÜ8 versuchet werden. Mao h6ret etwa daz süsse ge-
ler totbringenden wilden Sirenen, vor dem man die oren
in mos. So man hin in has kunt, so hegegent fro Venus
losen blicken, mit den fürinen eh'alen; sft hat houi^ in dem
nnd git't in dem hertzen. Und dis hat manigen zieren helt
gemaebet. Da sitzet fro Seide mit iiem glüktrnd und zöfiet
}1 geziert Oberteil des rades, aber den nrnhawaock hat sü
irborgen.
lines tiefen wages han ich da war genomen, da manig etoltze
nach hitzigem emste eich hat nider gelan und da erweichet
mehtig worden ist, und daz ist läwes leben nach eime hitzigen
;. Und usser dem selben vonker wider in einen kreftigen
raffet der gemabcl einer sele neiswie dick nnd spricbet:
irtere, revertere, ker wider, ker wider, Sunamitis — daz
ein verschenit bertz, — ker wider, daz wir dich an gesehen :
tter mit sime gewatte, der dir alle dine unmugentbeit beueme,
das] da t des Bimigv. gmiS'
mXn 3 wilden /Ml hnKli
Igen b 4 man denn h. in ffhU
Dsen ( ploHzeu A schSnea miV
7 iiem /Mt ss 6 hut [eü| s
— 12 hitzigen ßUlt U 12 [ui
unbek. feftil hU 2 eluan UU
lerenen « dem] der >• den i/mXU
begeg, iine 6 5 inue 1. blicke 6
und mit ys färinen] unreinen b
e fehlt hU 10 wege» ÄmA'B
ind] unmehtig »c unnieht«klich ah
13 wider fdai bchmNlUÜ U neisn-ie] ich enweis wie 6
!e « etwe hmNR 16 veramehet bemNU vereelient h» versennet R
n gmURU n benymt »
) Sirenen (Sor. 38: syrtnae), mj/lhischt Ztcitttrgttchöpf» itcischeit Mensch
llc tait «inem Küieluchtrans. Vgl. Lauchei-t, PkyHologiu 18, 143, 314;
)trg. Buch der Natur SJOfi'ff. (nirenr = tnenra'pl; Sauer, Aymbolill dt»
ifftMudet 1902, 31if. 4f. Venas ist eine der meHiffen im deutaeh*»
Üer eingebürgerten mythotogischen l-'ignfen, bei dm Minnenangem ^ wo«
Kttehe tnit Bogen und Pfeilen (stralen) aitxgriitattet irgchHiil und von der
^ttTf io dargtutfül wurde: rgl. Bartsch a. a. 0. LI ff. u. LXIIJf..-
Hd, Lamprvüht von Rtgentbanj 533. Kl Bfb 374,30/. i«l Vtnug dagegen
wpieifrin beim gommerlichtn Tarne gedacht. Zu loaen blicke vgl. ITMand,
'tder 11,707: iek ee rt an jewen ogtii irnl, gi (Frau Venae) «int «im
me. 6 derer helt, Mußg gebrauchte Formel bei Dichtern des 13. Jahr-
U, egl. dit Belege bH Lexer III, 1106. 7 fro Seide, Pfraonißkalion
tektt, betv. de» Schiekeah (= Fortuna, vgl. oben 364,36 Qltki), mü dem
Ufonctm Rad ah Attribut (da» aber 434,17 tro Venu» huigelegt tnrd.'),
m tm 13. Jahrhundert vorkommmd: vgl. J. Grimm, Deutgehe Mythologie
i64),82aff.; Germania VIII.414ff.; Semt, Vita 133^).
436 QroBses Brief buch. X. Brief.
der 8fin mit siner wiszheit, der dich bewise sinen aller liebsten
willen^ der heilige geist, daz er dich inbrünstlich wider enz6nde als
ie von erst.**
Min kint, wie daz si^ daz lützel ieman ist, er kam etwenn in
läwekeit einest färbas denne andrest, doch so mäs sich ein mensch i
reht da zä flissen, so er da zft komet, daz er eine frige ernüwerunge
imc selber an gewinne, als der fenix in dem fdre, also der hirtz
und der wis slang, dero einem die hom, dem andern die hut zä
dick wirt, und sich denn mit gezwnngenheit emüwrent. Der berg
ist hoch und der weg schlipfrig, es enmag mit eiuem just nüt er- lo
gäbet werden, es heisset aber und aber, untz daz es ervohten wirt.
Es ist ein weiche ritter, der von kraft des heres einest binder sieb
gewichet, der dar umbe aber nüt kecklich hin wider tringet. Uüd
erscbricke hier abe nüt, wan dis streiten ist guter lüten eigen in
disem eilende. Begerstu aber zfi wissende, wie der emüwerung j?oI 15
sin, daz wil ich dir sagen.
Ich weis einen brediger, so der von maniger starken welleD
was hinder sich getriben und nach sime duncke gentzlich entsetzet
was an rehtem ernst und an hertzklichem andaht, so gieng er io
sich selber und sprach: „eya got, wie ist es mir ergangen, wie bin 20
ich so rehte unwissenklich her «be geslichen! Wol reht her friiichen.
und werben umb ein nüwes gflt, daz alte ist gar da hin!" Und
vieng denne wider an, ime selber abe zft brechenne, den lip zö
kestigenne, den lüten zu frömdenne, ernestlich zu gebarenne, sieb
selber zö hutenne, nüwes gebet zu erdenkenne, nüwe Übung i^'^
vindenne und alle wege, da er vor slichen was, zfi versetzenne, und
1 aller fehlt hcghJRa ü 2 daz er] der b inbrönsteklich bg vider
fehlt Uz 4 si] ist gn U 5 denne daz ander nRs 6 so — komet ftUi 9
8 deroj so der s so dorn c do [der] 6 9 [denn] nüt s emüwert hchmlst^
10 schlipfrit *• just] wünsch hü 11 aber und aber und aber hgmny'sÜ
daz fehlt hhnlisU 12 von der kraft bchmXBsU 13 nüt aber gz U^^'
schricket ghmXnlxsU dar ab ghmNB, bloss abe sU das str. hm 15 di^
em. cmNsU 19 hertzklicher mNns 21 [her abe] ersuchen b 26 ^^f
yerslichen bchRU versetz.] versüssende b verzünen U
4 bis Schluss ausziUjlich in Brief Habitabit des KlBfb (365,U-3e6fii'
7 J)er Phönix war im Mittelalter beliebtes ^'iniibild der Auferstehung ^
der Unsterblichkeit der Seele^ vgl. Laucher t, Physiologus 10 ff. u. ö,; Ko*rd
von Megenberg ISÖf,: Hugo von Langenstein, Martina 87^36 — 88,67 C«. dai*
Germania VIII, 26 ff.) ; F, Scholl, Vom Vogel Fh. 1890. 8 f. Über di e We«-
heiten der Schlange vgl. Physiologus 15 f. y 174: Mariina löß4 — 47^.
öTosses Briefbnch. XL Brief. 437
treip daz naht ond tag. nntze er in dem götlicfaeD enist und hertzk-
licben andaht wider erhitzet, uod daz nachgendc dicke vil besser
wart, denne daz vorgende ie wurde, üiid begiöp denue den alten
mengchen in sime bertzen, rebt als ob er nie wurdi, und vant denne
5 manigen weg sieb zft hiatent, da?, er vor nie gedahte, and wart
also ie wiser nnd ie wiser. Und m er aber her abe kam, so vieng
er aber an als ie von erst. Also naag ime nnzallicli dicke be-
sehefaen sin.
Sieb, kint mins, daz leret in die ewigen wissbeit durch saut
luBernhardes muut, der spricbet, daz dis ist daz eiuige pünctü,
daz da scheidet die nserwelten von dien not neserwelten, daz die
abegezelteu blibent ligeude, do die usserwelten iemer me dar wider
uf kerent, wan ein alweut stillestan mag nieoian in zit han.
XI. Brief.
Andl, Ali ml, discipliaani patris tnil
Also spriehet die ewige wiszheit: h&rent, mine lieben kint,
mit kurtzen woi-ten die getrüwen maunng üwers vattera, und schribent
*6 in den gmnt üwers hertzen!
Begerent ir luterkeit, gottes beimelichi und warer volkomen-
1 80 heit, so Bont ir wenig ussera gewerbea mit keinem kumber haben.
Eine sele, e sü in got gefestnet werde, mag als reht liht verierret
1 tag n. naht hn den bcs 3 Und bis Sehitun fehll g 4 ob
\ fdHt bmlfnU 6 und ie wiaer fthll öiiuV Vai — 7 erat fehlt /iHsU
[ 9 lefte li 10 ein einiges p. hHU 11 gesoheidet lud daz — 12 usserw,
I Mit bhR la enmag e habeu s
XI. Brief. H»h.: h e d g h m X » IC s x^ U t. In gn: fthlt die
I «riw HSlfU ivon 43b.l9 an).
16 lieben ftldt bdg 17 mainung a' U 19 und fehAi bg 20 iMBtra]
'S 6 kleinem 6 21 gef- wirt mNRd reht fehll :
3 f. Vgl. Kph. 4,32 ff.: Kot. 3,9. Kl Bfb (365,30 f.) dfulUcher: mit be-
I tnlitunge nines herzen so begrub er ite. 9f. De gratia rt libtro arbÜHo c.8;
I tmo 1 in Sept. rt. 1. 15 Spriehw. 1,8. 16 — 436,9 überBehen hat
~t. Mtrsirin leicht überarbfilet in xeintn Traktat oon den drti Burehbrüchett
Bf/imdt, JUxtaire du panthiHmne pnptüairt 1875, 239,4—3*) aufgenommen; rgl.
ijÜMif/*» in Zfda 31,ll8f..- Siraueh in Zfdph S4fi3ö. 21 bis Schlaf» enl-
W tprieht einem Teil rftw Briefes Hahitabit im Kl Bfb (36ß,7 bis ScfUms. Inls
WfitkAret, teil» vermehrt).
438 Grosses Brief buch. XI. Brief.
werden. Ich han nach miner wise vil gestudieret und vinde nüt
nehers, denne daz sich ein mensche wislich und ordenlich allcD
dingen, als verre er mag, entsage, und in sich selber einen weg
mache und in ime selber blibe, — wan er treit hertzenvride feile,
der sich vil ane grosse notdurft usserkeit git, — und daz sich ein 5
mensch hertzklich mit got zu allen ziten vereine. Und dar zu höret
stille swigen und hoch betrahten, wenig wort und vil strenger werk,
swaz got einem menschen zu liden git frölich enpfahen und aller
menschen gebresten gedultklich übersehen, sich von allen dingen
ziehen, nieman yil gelosen, siner sinne hüten, 16tzel zites und werte 10
ieman geben, niemans uf ertrich denne sin selbes war nemen, sich
selber nnder got und under alle menschen verdrucken, von allen
menschen wol sprechen und sich selber vernihten, gotte frolich
dienen und allen menschen ein gut bilde vortragen, sinen orden
strenklich halten, sich vor dem minsten als vor dem meisten hüten, 15
guten luten heimlich sin, heilig gebet, andehtig betrahtung, himei*
scher wort voll sin, zu allen ziten rehten ernst haben, zu allen standen
nuwes lichtes oder trostes warten.
Ach, min lieben kint, und als ich üch 5ch nu bat und lerte, do
ich bi üch was, daz sont ir tun, und sont uwer hertz von allen zer- ^
genglichen dingen brechen und sont es uf zu gotte rihten. Lftgent, wie
gar alles daz ein nüt ist, daz in zit ist ! Lfigent, wie es trüget und
lüget und lat, so man es wenet haben! Und dar umb, so sendent
uwer hertzc uf zu dem iemer werenden ewigen gut, daz da niemer 1
zergat, so gewinnent ir hie ein rüwiges hertz und d6rt den iemer 25 j
werenden Ion.
Legent uwers hertzen minne an in alleine, der do alleine daz
gemint hertzentrut ist, des minne do alleine die sele edelt, wann alk
ander minner sint ir edele berSber. Ach, gedenkent, wie die ge-
1 han — uüd fehlt g 2 f. in allen d. & C/" 3 als er verrest
[in] sich s. cd 4 [in] ime «»* 5 zu usserk. mNU 6 vereine zfi a.£.^^'*
7 betrahtung cdJunNnlis^ 8 und — 9 übers, fehlt h 10 losen hss^ 12 [under)
got dh und [under] hdhmNltss^U 14 f. sinen — halten /eÄ/* bcdhmNBs^^
16 den . . . den dh^ 19 Ach — 20 tun fehlt *» och fehlt dB 21 e«l
üch b Läff. — 22 zit ist fehlt Rs"^ 22 f. und lüg. u. lat fMt ch 24 hertzen
dhHss^ ewigen fehlt hEss^ 25 geruwiges ss^hBc 28 do fehlt ctn^^
29 berobet btuN
12 sich under got und under alle menschen Terdrucken, vgl, Marg, Eh^
20,10 M. die ^'teilen atis Taulvr bei Denijie, Bvga XXXIII,
GroaaeH BriefbuoL. Xn. Brief.
439
I minnerin, die liebe saut Angnese in so zartlicli tninnet uad
I speheD valscheo minner vernihtet! LÖgent, hettent ir nu daz
II alle uwer tage getan, wie i'ro ir nu werent! Waz nu geschehen
I daz igt do hin. Flissent üch nu, daz ir üch von allen menschen
ieident, seleklicben haltent und mit gotte in tiwerm hertzen zu
DD ziten nml) gangent, wanne hie mit so mögent ir daz verlorne
Verbringen und nuwen hört von gotte erwerben.
[
f xn. Brief.
^a snm, sed formosa, flliae Jerusalem, ^Icnt tabernacula
Cedar, stcut pellis Haloniouls.
Also etat geeebriben an der minne bfich von der minuenden stle.
Die töbtren von Jerusalem batent ein angaffen mit einem wnnder
r Salomonis usgerwelten frowen, daz sü so swartz was und ime
äi wol nnder vierzig und hundert frowen die liebste was.
t antwürt sü in togenlich und sprichet also : „Nigra sum
■„ ich bin swartz und bin aber doch lütselig und minneklich",
K als ob sü spreche: „mir ist lieber ein gnadrich lütseligü swertzi,
li) ein schin einer gnadlosen wis^i."
Ach, nu hörent, ir schönen tShtreu, vvaz meinet der heilige gciat
I inne? Wer ist disü swartzü liitseligü mörin, die dem hiraelscben
bmoD so reht minneklich istV Sefacnt, daz ist ein gotÜdeuder
Bche, den die ewige sunue mit grossem bitterlichem liden enl-
i und mit eime lebenden sterbenne diser weite entstellet, und
lAngoeaelKatherinaf' Söch/etiltbdhlls'L' 4 ir [üch] 0 TÄineaf
X21. Brief. (= A'J B/b III). Hss..- b e d ■/ 'j' h n U s i h.
ün granser Teil da Bnefta '(44IJ.2— 441,17 « UI,Jä bu Sehhmi), it
inceimal (Bl. 68'' u. 16G') ahgtsehnthen : die innanttn der su^ttn, i
Mndrpen Abachnft (hia 443ß reichend) irfrdm toit b* beteichnit
_ filiae — 10 Salom. fthll gn
ig U. b. frowen) sibenzig küngiiien g
fMt An IG aher ft/dt cij'hRss
)ti tehöner achiu in einer gn. w. s
lebte myitneklich grevellet und i«l
all kapheu t, [an] kapfen e» 14
15 gar tngenl xU sprach bdhn
docbj ila bl z 17 oh feliH dnnz
20 dar inne lilCs diai'ij du bh
22 f. entv. bat ijn
1 f. Vgl. Lectio IV der Matutin vom 31. Januar n
■: Ltgenda aurea ed. Grä»sr tl3f.; Hennann von
l Hohcl 1,4. 14 f. Hohil. 6,7 f.
ch dem Dominikaner-
440 Grosse« Brief buch. Xu. Brief.
aber den inneren menschen mit gnadricher miuneklicher lätselikeit
kleidet. Wer uflF der hi meischen heide sich enneijet hat, der ahtet
n6t vil uff des zitlichen meien wat; oder waz sol ime rosenrot,
vyol, lylien und allerley varwe der blümen, so sin hertz da von
in keiner wise kan gerüwen? ,
Min kint, min kint, war zu gibe ich dir schöne wort, so min ogCD
Wassers und min hertze yol f6res ist? Und daz machet daz lieplieb
toten, in dem 6ns got in diser weite vor vil andern menschen tötet
Ach, minneklicher got, es ist lihte zu sprechenne und lihte zu hören,
es tut aber als gar we ein gegenwürtiges enpfinden. Kint mins, i(
hat unser got vergessen, weis er uns nüt lebent? Owe, schöner^
zarter, truter herre von himelrich, wes hastu gedaht über uns ? Wie
mag dine haut so swer sin, und din hertze doch so rehte milte ist!
Ach, zarter herre, so daz manigvaltig sterben mins hertzen
und libes mit mir ringet, so zämde ich gerne mit dir; owe, so wider- 15
stossest du es mit einem versüsten gedanke, reht als ob du sprechest:
y,ich tun dir nüt zu zürnen, ich tun dir zu minnen. Lüg in die
schönen allicheit der weite, lüg an daz schöne lebent gemüre der
bimelschen Jerusalem, wie die lühtenden klugen stein der stat vor
geverwet sint mit liden, die nu so glentzent sint! Gedenke och ao2l)
vil diner sunder fründen, an den ich liden sparte, war zu die worden
sint. Wie geschach aber der lieben sant Elisabethen? Paulas
was diser weit ein hinwerf, Job, Tobias, David giengen daz
selb pfat. Der heiige Athanasins leit, als ob alle disü weit
sinen tot gesworen hetti. Lüg, wie alle heiigen eintweder hertzen Ä
bli'it, oder aber libes und hertzen heint gerert!"
Herre, dis stosset mich reht in mich selber, und so ich gerne
etwenne einen ungedultigen gedank hetti, so erschamen ich mich
berlich und gedenke: „owe, wer bin ich, daz du, geminter almehtiger
herre, mich gerüchest dinen lieben fründen, dinen zarten heilgen^O
glichen ? Ich bin doch nüt wirdig, daz du an mich armen verschnlten
2 sich nach Wer bh*n 3 vil fehlt dnz 5 getruwcn (!) 8 g«r-
kau hR 6 dir] üch z dirre schone w. ^ 7 so vol f. hh*d 9 und
[lilite] hh*hn 10 als fehlt 8 11 uns] unser hh*dhli^ 16 versussesten ^*
17 Lüg- — 18 weite fehlt 8 18 lebent fehlt bb* 19 vor fehlt bdhEit T0^
h'm n 21 [an] den bcdhBs 22 aber/eÄ/t lis 23 hinwerflfen c/ä hinwerffer ^
hinvart und liinwerf z David felüt b daz] den bn 24 Anastasias (!) ^
leit es als ob z 26 aber fehlt bb*n^ und hertzenblüt bb*c 31 nüt glich
noch wirdi^i: ^
18 ff. y^fjl. Apok, 21,10 jf. 22 f. Zu Paulus vgl, I Kor. 4,13.
GroHBe» Briefbuch. XU. Brief. 44]
meDBcben gedenkest. Owe, Hchöner berre, mSbt ich aber din miiiDe
nnrl dine liebe, din zarten süssen heimelicbe erwerben! Eya, herre,
80 tÖde, 80 martcr, so vertrag mir nut uff ertrich! Sieb, berre, wer
ich deime der zaiiest, minneklicbest mensche, der uff allem ertrich
fi k-bet nach aller wirdekeit, daz müsse an mir erdorren, und flo daz
erdonnti, so w61ti ich, daz dennoht tuaent aiidrü menaehen natür
lichü Wägende scbom ir jungen natur in minem bertzen und libe
erdorren solti."
Herre, dis spriche ich, so ich bi mir selber bin, owe, mer, bo
^0 du. geminter schöner herre, bi mir bist. Herre, ob ich aber zfl
uUen ziten hier inne niht stan nach dem gegenwärtigen anblicke.
ilar umb han ich dich doch nut verlorn, — morgent und abent ist
*in gantzer las. Herre, min verscbultes leben oder aber din ge-
mintes asserwelen hat mich vor der weite entstellet. Daz si, Sol
16 ich daz klagen? Kein ich, gewerlich! Herre, din kneht Paulus
L sprichet: „geviele ich noch dien menschen wol, so wer ich nüt Cristi
I knebl." Herre, so ich sihe min antlit bleichen, minen munt dorren
L und alle min natürlichen lütselikeit darben, so sihe ich uß' und
spriche also: „Sicut peius Salomonis, daz ist der usser metisch
dee gemiuten zartf^n Salomonis, der da an dem kn'itze erdarbet und
erdorret, daz er einem menschen nnglich wart. Der tret her für.
der sich im an jemerlicher verworffenheit muge geliehen! Herre,
icb tmcke min antlit an daz dine, so ist es als gar ungelich; alles
niin liden, versmeht, entstellung, ersterben, verworffenheit verswindet
*ls ein trSpfli in dem nier. Du sprichest doch: Ego sum vermis
6t Bon homo. Owe, du schöner wurm, versmehet von aller diser
'reite, der da nn iühtet ob der sannen glantz, der dich dicke vor
liö liat, wie mag der iht klagen?
, Herre, ich weis, du minnest din glich, daz ist dir natfirlich.
"crre, nu enweis ich, waz himelrieh ist denne dine minne. Dar
3 töde] liin s 6 f , uutfirl.l marterlicliö < 7 in ir j. a. lU 8 solti
"•ch nuDem eignen enpSndüu s 9 mer] mit hh'h 10 achonet fehle £
*1 dar inue hl! 12 raorfrens und abens » 17 anllit] nwze g 19 iiss-
»►iHÜte « -21) starten fe/tll dy 21 Dor — 2B mer fehlt ff 23 ab] nlleB i
'W als 6 21 Teralelliinge hlt 25 doth] ouch »y, fthll dn 30 [en]
*tä» dknn
4ff. Vgl BdtiP S73,16ß. II Kl Bfl, 36b,li dtallicher: nit iflich er-
Ueolicfae; vgl. Gr Bfb 433.30. 15 f. Gat. 1,10. l!l Höhet. 1.4.
26 f. Pt. 31,7. 29 Vgl. Kl llfh 363,S.
442 Grosses Briefbuch. XII. Brief.
umbe so mache mich dir glich, es si sur oder süss, es sie mir li^f
oder leit. Herre, min zarter truter herre; bin ich von der weite bin
geworffen, so bin ich aber von dir enpfangen, wie we mir denne
geschiht ; bin ich der weite versmehet, so bin ich aber dir minnek-
lich. Wel ein wehsei joch daz ist! Gistu mir liden, so gistu mir ^
aber dar umbe dine minne. Owe, miunekliches liden, daz mir die
zarte minne mins geminneten herren mag bringen! Under daz 80
wil ich mich iemer mit frölichem mute neigen."
Min kint, du gedenkest vil lihte, wanne dich got als vast hat
an gegriflfen, war umb ich mich dir gliche? Des soltu nut ge- li
denken. Liden sint der nature: so sü ie verborgener sint, so süie
schnidender sint; ieder mensche ist ime selber der nehste. Dis
spriche ich dar umb nüt, daz ich ie ut gotte genemes liden habe ge-
habet, wan sol mir üt gutes von gotte widervarn, daz mfts von der
grossen erbermde sines lidens geschehen. Doch die selben liden sint Ji
mir dicke so nahe gedrungen, so ich sach veltsiechA menschen oder
meniger leyge in grosser versmehte und krankheit, daz ich gedahte:
„owe, herre, wie ist dem menschen so wol wider mir!**
Dich duncket, dast din liden grosz si. Ich spriche: gewerlicb,
imd wer es gottes wille und solt ich vor mir han, daz ich faan er- 91
litten, oder din liden: lüge, wie einer nalden spitz si gegen einer
stnnge, also lihte wer mir daz din für disü. Und wie sü mich
grosz duhten, so hab ich es doch da für, daz ein einiger ta«:, in
dem du es willeklich und frölich lidest, got lobelicher si und ge-
nemer, denne waz ich gelitten han. Doch solt ich dir hie vou nüt
han geschriben, wan daz mich die götliche minne dar zu zwinget,
daz ich min ahsel büte under dine bürde, daz sü dir dester lidiger
werde.
Kint mins, gehaben uns wol! Wir sint nüt allein die ver-
smehten, der mer teil des himelschen hoves sint da unser gesellen
Sint wir den lüten unnütz: daz widin holtz ist unfruhtber, man
machet aber gar schöne lütseligü bilde dar us, dien me eren vrirt
erbotten, denne den hohen zederbomen. Nemen unser glichen ber
4 versmelit« nz 5 welj wol hb* 7 zarte fMi z herren] hertzen W
9 du fehlt z hat also vaste hs 10 nüt] mir 6, fthlt hÜ 11 iemer verb. 5
13 gotte fehU dJisz lidens z 16 vil sieche menschen (!) b 18 so rehw
wol bd 21 uolen s si] ist ?*, fehlt s 22 daz fehlt s 23 duhte i
24 ^ewüleklich hds 24 f. genemer] gemeiner z 26 twang b 27 lihter
shn It 29 wir uns b sint] sten hl{ 31 vndin] vnld g^hB 32erc Aw
33 glich nüs
Grosses Briefbach. Xu. Brief. 44S
^^ und erkosen uns, lassen uns reht wol sin! So arme dürftigen^
die in hungersnot sint, zfi samen koment, so gewinnent sü etwenn
; ein kortzewile; daz sü ires hungers vergessent.
Ach, kint mins, ich mfis dir eins sagen, daz du enklein dester
(^ bas dines lidens vergessest, und solt du es heimlich han. Lüge^
es geschach eins moles, do was ich in grossem versmehtem liden,
nüt von miner persone^ es was von ander menschen person. Do
sasz ich in der zelle und sach einen hunt, der lieff enmitten in dem
krätzgang und tans da ein föstüch umbe, und warf es denne uf
10 und warf es denne nider. Also ersüfzet ich gar inneklich und s|)rach :
„gewerlich, herre von himelrich, reht also bin ich in der bröder munde
als daz fftsstftch.^ Also gedaht ich: „nu nim eben war: daz ffis-
t&ch lat sich handeln den hunt, wie er wil, er werffe es hoch oder
aider oder er trette dar uff," — gedaht ich: „also soltu 5ch tun;
Uman böte dich hoch oder nider oder man verspözze dich, so solt
da es in einer billichi uff nemen als daz tüch, ob es könde sprechen/'
Und nam daz fftstfich und leite es in min keppelin nebent minen
8ttd, da ich es dick mit ussern und mit Innern ögen an siehe, wie
min faovertig hertze doch nie dar umb teti, als es billich s61ti. Ich
■0 wolti dir es han gesendet, daz dir din liden dest lidiger wer gesin^
80 ist es mir als rehte liep, daz ich es nüt von mir mag gelan.
Nu, min kint, hab dinen müt, hend und ögen uff, und lobe den
£:eminten vatter getrülich und enpfach sin süssen vetterlichen schüssel
2 die fehlt hE 4 ein kleines bs ein wenig Ec 4 f. dester bas fehlt 8
^h (zweites)] Tnderi^« durch c Otantzetr tauszeti? zauset .9* denste n drfig h
^ fehlt cdh denne — 10 es fehlt h 11 rvht fMt hcdn bröder] men-
^hen g^hRs 12 nu fehlt bdhnR 13 oder] er werf es b 14 da ged. ich dli
^It och z solt ouch du 6 15 yerspütze b verspot hli spot dn 17 kaplin z
eapelie cdg^hR zelle n 17 f. nebent m. at^l fehlt nz 18 ich fehlt b es fehlt s
19 gedete s 21 gelan mag z 22 hant dhJifi 23 herren und vatter nz
^en vetterL süssen slüssel (!) s
6 ff. Vgl, Vita 68,6 ff. dieselbe Krzfthluny etwas gekürzt: Anspielungen
^rauf KlBfb 363y2:i u. 368,27 ff.: Gr Bfh 421,23 f. Die Adressatin des Briefes
^igra sum ist allem nach Klsbeth Siagel, trclche die Geschichte in die Vita
^Hfnahm, 9 tans von dinsen, denstn, tensen, gewaltsam zielten, schleppen
(l^exer /, 438 f). 17 keppelin ist hier Dtmin, von kappd = kleine Kapelle,
^^ht van kappe (Mantel mit Kapuze), vgl. Schweiztrischts Idiotikon III, 382
(Ohäpptli) u. SchmeUer r,1269. Über Seusts Kapelle s. Vita 17,15; 60,1: 103,14.
19 f. Über die Sitte der Gottesfreunde und -Freundinnen, einander Geschenke
^WMchen, vgl. Strauch, Marg. Ebner L XIII f. 23 schüssel. Das Leiden
^f^d mit einem Gerichte der himmlischen Tafel verglichen.
444 Grosses Briefbuch. XTTT. Brief.
fr61ich, wan dar nach gat nüt anders, denne sin minne und sin
heimelichi in zit und iemer werende fr6de in iemer werender selikeit
Amen.
Xm. Brief.
Absalon, All mi, Ali mi Absalon, quis mihi det, ut ego morUr 5
pro te?
Owe, kint mins, min bertzliebes kint, wer git mir, daz ich
für dich sterbe? Wer git einem getrüwen vatter, daz ich für min
liebes wolgeratens kint sterbe? Stirbe ich nit liplich, so stirbe ich
aber geistlich mit dem geminten kinde mins hertzen. Ach, min kint, 10
ich bin liplich verre von dir, aber min hertz daz stat vor dinem
bettlin, da du list in grosser krankheit, und mit vollen ogen and
bitteren trehen klaget dich min sele, wan ellü minü inrekeit ist be-
weget in bitterkeit von dime liden.
Min kint, min liebes kint, büt mir din haut, und sie, dazgotlS
über dich gebiete, so bis veste an dem tode und bis stete nach dem
tode, wan wissist für war, daz ich dir nu erst rehte trüwe wil er-
zögen. Die kint diser weite die hein liep, nutz es dar an get, and
denn laut sü. Also get es uns nüt: ich enpfach dich erst zft eime
kinde und trag dich für minen lieben herren und sprich also: „ach, W
hcrre, erbarm dich über min kint, tö im gutlich! Herre, gewerlich, es
mag anders nit gesin: herre, eintweder verwirflf mich mit miDero
kinde, oder enpfach aber min kint mit mir, und tu im vetterlich
an diser stund, wan ich neig sü in die tiefen wunden diner grand-
iosen erbarmhertzikeit, in der sü von allem mittel gentzlich gelfilertÄj
werde."
1 frolich feliU z 3 Amen fthli chz späterer Zusatz ; quod nobis
concedat ille qui passus est pro nobis (vgl, Zftla 21,111) mN
XIII. Brief (= Kl Bfh VI). Uss.i c d h n R s s.
5 fili mi nur einmal cz 7 mio (mins c) hertzen kint c?tE [min] hertsett*
kint ils daz] da j? 8 git mir dz einen sz 9 liebes und w. e 10 ibfl
doch z 12 list] bist cdJtRs 13 so klaget z sele] hertz hR InnickeitÄÄ
13 f. bewegen z 15 sie] ist H ist h ist es dn 16 f. daz es got geb. übei
dich z 16 und — 17 tode fehlt cns stete] veste z 22 sin ir duvcr
wirft* dhRs 23 ald du enpf. dz oder aber du e. hR aber — mir] mich iw^
minera kind nhR vetterlich] gütlich hR 25 der] dem *
5 // A7;//. 18y33. 7 ft\ Vgl die Einleitung im Kl Bfh (378,221
IS dar an = an das Sterben,
Groaaes Briefbnch. XIU, Brief. 445
Owe, zartes min kitit, wan wer die etnnd kotneD, daz ich mit
dir 8olte varn! Owe, langes beiten, wie tüstii so we: Owe, ellenrles
jamertal, wie lang sol ich bi dir sin! Eya. himclsches lant, wenn
wilt dn mir gnade tünV Geeacb licb got, die ietze da sint oder die
fi ietze ufT eime uafaen wartspil sint! Die Bol nieman weinen, sü boI
niemuD klagen, wan klage denn yon jamer, öeb bald dar ze komen,
Owe, Iflg, waz jamers in diser weit ist, waz lidens und angst hie
ist! Und wer nüt me ilenne ein emzige vorhte, in der ein meuscli
möss stan. und die jemerlich wandelberkeit, uns s<i da hin be-
10 langen. Die weit igt also vol striken worden, daz er es wol mils
können, der dien mag endrinnen. Nieman sag mir von lone: e daz
man ietze einen Ion verdiene, wan ist e in zehen schulden gevallen.
Er bat lones Abrig, owe, der daz minneklicb zarte antlit des sch&nen
herren iemer schSwen eol und in der lieben gesellschaft sin sol.
laTftt die stunde des todes we und ist bitter, so mfisz es doch neis-
wenn sin. Oder wart ie kein mensche so zart oder so Lere, daz
der stunde über wurdi? Der denn hi'it unbereit ist, der mag morne
vil unbereiter sin: ie elter, ie zeher. Man vindet vil me, die sich
dar nach böaront, denn die sich bessront. Ist sine gegen würtikeit
pC bitter, so macht er och aller bitterkeit ein ende.
Dar umb, zartes min kint, so riht din hertze und bend und
* Öfeo uff hin in daz lieb vatterlant nnd griisse es mit begirde dines
liertzen, und welle es got, so welle öch du. Sich, er ist ein als relit
gfiter berre: die minste wunde, die er ie erleit, versoffti in ir tieffi
IM*^ und verawaint tusent totsüode als eine, der es an riiwiger girde an
in kan gesfichen. Furcht dir nüt, bis vest an dime gel6ben, so
r kau dir nüt gescbaden. Got der wil und mfis für dich stan und
*lk dine wanden enpfahen.
Min kint, nnd so dn für den geminten got erst kumest, so bit
1 f. aÖlt mit dir s 3 lebfn ut)d laut e 4 oder — 6 sint ffhll bH
*t. nder die joch ietze s 6 wao weine und klage t 7 waz lid. — 8 ist frhU d
^ emzige] eiotzige x nngi' du 9 f. gekugeu « 10 also fthti i tl dieo]
^tODe ks i& d 12 eines Ion ietze dhHx ist [e] d/iBn schult dhSs
13 tiwe fehlt hM U der] dea * 15C. etwen Aiift lö here] edel hli
*7 überig AR unbereit] bereit n 18 je elter je kelter, je leiclier je karger n
>ut raan V. e iO öch wol i ein fehlt lif 22 girde d.i 23 uls ein s
^ piil liertze a TerkSfl« s besenfit c (ibersoffti t 25 Terswant n ver-
•teendüt edhli girde] liegerden edn genad hH genadeu g 26 im edRa
»tcheii dhRs dir) dich cdRs reht nAt s 27 fär fcUt s
1
I.
8 Kl Bfb 3bO,9: Torht Ubea uud «ele. 19 eine = dfo Tode». 23 e
CJ-rÜ'us.
446 Grosses Briefbuch. XIV. Brief.
für dineu getruwen lieblosen geistlicben vatter und über dinü geist-
lichü geswistergit. Ich bitt alles himelsch her und die lieben engel.
daz sü diu wiser und leiter sien, und ob ich dem geminneten gotte
ie keinen dienst geteto^ daz es dir ze statten kome. Amen.
XIV. Brief. 5
Exultet iani angellca tnrba celornm!
Do der liebte morgensterne heiterlich durchbrach die leiden
vinstri dins dunckeln hertzen, do wart er frölich gegrüsset. Ich hüb
uf an der lieben stunde mit schalle eine frödenriche stimme, daz es
in der hohi erklang: „ach, got grosse dich, praeclara marisio
Stella, got grusse dich, ufgender, lüchtender, wunnenklicher, zarter
morgensterne, von dem grundelosen gründe aller minnender hertzen!*
Ich reissete die gesellen, daz sü schallichen den glentzenden morgen-
Sternen grüztin, owe, ich meine die süsse küugin von himelrich, die
mit iren usbrechenden fürin blicken diu timber hertze hat erlübtet, i&
nach dem als ich an sü togenlich komcn was. Min hoher mti
enbot ein fries loben in daz himelsche laut, und bat die hellen Öd-
länder, die süssen lerchen der himelschen beide, daz sü mir hnlfio
rümen, loben und prisen den herren. Ich hüp uff min ogen mit eime
vollen hertzen und sprach also: fO
„Exultet iam angelica turba celorum!" Waffen, got!
gewan ich ie leit, daz verswant do; die guldin tage hattent mich
unibgeben, ich wonde, ich swebti in dem meiental der himelschen
fröden! Ich sprach: „fröwent üch, ir werden engelschar der
himelschen owe, jubilierent, springent und singent umb die fröliehen
mcre, umb die lieben botschaft! Lögent alle mit wunder: der junger
sfin ist wider komen, daz verlorn tote kint ist funden, ach, daz tote
1 liebl. fehlt s über] für tdhn 2 geswister dhs 8 und din L f^i*
4 es] er z Amen felilt cz
XIV. Brief (= Kl Bfh V). Hss.: c d h n s s.
9 frodenr.] froliche h 11 [lucht.] mynnenklicher s zarter /eWf^'
13 reyszc zh 15 irem iiz blikkende zd timber] tombes dhs 17 f. di«
h. call. feJdt hs 18 süsse leriche h^ hulfFe hs 19 und loben s prisea]
•eren z mit] iu s 20 also fehlt cdz 22 ie fehlt ds 23 ich w. — 24 frodea
fthlt d 24 eiigelscharen z 25 umb — 26 mere fehlt cdhs 27 ach und i
6 Anfang des bei der Weihe der Ostericerze gesungetien Hymnus,
7 ff. Vgl die Einleitung im Kl Bfh (373,8 ff,). 26 f. Vgl Luh UJH- \
Grosses Briefbuch. XTV. Brief. 447
ep ist wider lebent worden ! Der aller natürlichest geblümt anger,
a daz vich uff geslagen was und verwüstet was, beginnet in über-
aturlicher Schönheit wider schinen, daz vich ist us getriben, die
chonen blftmen beginnent schon uff tringen, daz tor ist beslossen,
laz eigen ist üch wider worden. Dar umb, ir himelschü seitenspil,
eichent üch, macheut uff einen nuwen reyen, daz man es innan
»verde in dem himelscben hofe, daz da kein gasse si, si werde sin
s'ol! Fröwent üch so vil dest me, wan der minnegötin fro Venus
ist ir hertze ber5bet, ir fürnemes sumerliches krentzli ist ir ab ge-
sprochen, ein frödeberendes spil ist ir erstumbet.
„Eya, valsche weit, eya, triegendü zergengiichü minne, gang in
truren, tu diu h5pt under! Wer wil dich nu prisen? Mit wem
wiliu es nu in so hofenlicher lütselikeit vorgan? Diu gemeiter
leitetap ist dir under getan, er ist worden ein ansihtiger götlicher
leitstap. Des fröwen sich die himel alle und alle götlichü minnendü
liertzen sprechen: Gloria tibi, Domine, umb du grossen wunder,
die du, harre, allein würkest in so manigen sündigen, helff losen,
Terzwifleten herzen.
„Ach, schöner, gewaltiger herre, wie rehte schon und minneclich
da siest in allen dinen geteten, so bistu doch aber neiswie tusentvalt
mioDcklicher and lobelicher in uns armen sündigen menschen, die
du also gar un verdienet gerftchest zu begnaden und zu dir zu
ziehende. Herre, es gezimt dir ob allen dinen werken als reht wol,
esstat diner grossen güti also reht zimlich. Owe, du minnekliches
grurideloses gftt, da in dem werk spaltet der stählin berg diner
strengen gerehtikeit, da zertüt sich uff wite din grundelosü ver-
borgnu erbarmhertzikeit.
„Tretent hüt zft mir, ellü menschen, die got also minneclich
begnadet hat, und laut uns minnen, sehowen und loben daz gut,
owe, daz grundelose gut unsers herren und railten vatters! Eya,
geminter got, lüge ein wunder: die hertzen, die vor umbviengen den
mist, herre, die minnent und umbvahent dich hüte mit grunde-
ir begirde; die gester waren verkererin, die sint hüte diner süssen
2 der beginnet hn 8 froweiit — 10 erstumbet fehlt d 9 hertze]
hört 8 10 frodebrinnendes s 11 Eya v. weit fehlt dlis 11 f. gang in
tmren fehlt cdha 14. 15 Hechts tal « 17 s<im\\gen fehlt nsi 20 siest] sitzest 2
Deiswie fehlt dhn 26 da] das s 26 f. verborgnü] gottliche cdhs 29 daz
?Öt fehlt z
8 f. Vgl. oben 435,4,
448 Grosses Briefbuch. XIV. Brief.
minne wise bredierin. Herre, es ist ein wunder und ein Instlich
ding zft hören: die vor von Zartheit sieh selber kum getrügen, die
brechent nu in selber ab und vindent nuwe fünde grosser stren^heit
und minneklicher übnnge in dime lobe^ daz sü sich laterlich mit
dir gesünen. Den ir eigen lip ze liep was, den ist er worden ein i
frömder gast; die sich vor vinlich uff mahtent, wie sü der rainoe
gelagetin, die bergent sich nu, daz sü gotte wol gevallen; die vor
in zome warent als die grimmen wolfe, die sint nu an übersehen
als die swigenden lembeli. Owe, die da vor bwarlich gelestet ond
gebunden waren mit stehelinen reiffen in trurekeit und in swer- ic
mütikeit, owe, milter herre, sich, die swingent sich nu frilich und
frölich ob alles, daz ertrich geleisten mag, in wolgemfiter friheit, sü
iloierent frilich gefriet in daz himelsche vatterland; sü wundret, daz
sü ie so blint, so sinnelos gegen der vinstern naht der valschen
minne mohtend werden. U
„Herre, daz ich hie vor läss, daz han ich nu enpfunden: so daz
liplich zft dem ^geistlichen, daz natürlich ze dem ewigen geratet
daz ein grosser funk diner gnadrichen minne dar us wirt. Eya
ewigü wissheit, dis ist die Wandlung diner rehten haut, zarcü frow
von himelrich, daz sint die werk diner grundlosen miltekeit!'' M
Nu höre och, min kint, waz ich und du und unser glichen
gegen dem geminten gotte tun sond. Wir söllin hinnan für also
leben, daz uns uieman got mage uff gehaben; wir söllin tön, als
ob ein edel künig sine küchidirnen satte über sin efrowen: owe,
wie dankberlich die dirne den herren umbvienge , wie trutlich sü tt
in minnete, wie hertzklich sü in lobete, und so sü sin ie un-
wirdiger were, so er ie wirdeclicher von ir geminnet wurde! Wir ]
söUint reht den Intern unschuldigen gottes gemahlen für bieten.
Tünt sü ime eins, so süln wir ime zwey tun, minnent sü in ein-
valtklicb, ach, so süln wir in tusentvaltklich minnen. Lügent, rebt
alle die wise, als wir hie vor in unsern tumben tagen uns flissen,
daz wir sunderbar stünden in aller klükheit, daz wir ellü hertzeo
1 lustig hz 5 versüneii sc 6 uff fehlt s 7 geklageten * 8 al»
— 10 stehel. fehlt d grimmen] üblen z 8 f. an übers, nach lembeli z 9 [di]
vor hns 11 swigent [sich nu] z 11 f. uud frolich fehlt cds 12 aUem *
allein t! 13 florierent chz lant dh 22 gotte fehlt z Wir — 23 ge-
haben fehlt hs 23 och tun z 24 sine] ein m satte — 25 herren ffhH -
25 trureklich (!) s 27 von ir fvhlt a dur minnet z 28 vor bieten «
32 sunderberlich s
17 f. Vgl Denifle, Bas geistl. Leben 468. 19 Vgl, Ps. 76,11 u. Bemardia,
Epist. 109 n. 1.
i BrielbuLli. XIV. Uihf.
449
DD& zugin, also sAllint wir nu naht und tag dar nach studieren,
fwie wir ellfi hertzen gebeseem und got iisgenomeulich vor andern
Bensoben wül gevallent.
Ach, killt mine, gedenke, in dien toben tagen wie tet uns so
reht wol, so man uns sunderlicli minnete und meinde, des wir wanden,
owe wie rebte wol uns wirt, so uns nu daz gemint liep wirt
landerlich minnende und meinende!
Ach, kint mins. gedenke, wie rehte sur es erarnet wirt, daz
■ etwenn von reliter vorhte li'itzcl kein kurtzwil da von niohtin ge-
laben! Acb, dar nmb ist billicfa, ob uns dis och etwenne vil sur wirt.
lüge, kint mins, eines dings de?: beger ich: da/, du litte, die sin
iftt enpfunden hant, dnz die wennent, daz es vil me kurtzwile bringe.
lenne es tilt. Owe, kurtzeg liep und langes leit! Owe, got, wan
Mttin BÜ din miwen ein vil klein enpfunden, wan bettln sü nuwen
in vil klein an gebissen! Gedeucke, min kint, wie reht tiSbe sü
8Ü wennent, daz nieman wol sü, denne der mit dem roten
we an dem kruniben augel gelindert ist. Ach, ewigü wi&zheit,
ninneklicbes liep ob allem liebe, wan sehin dich ellü solicbü
hertzen, als dich min hcrtz sibt, su zerstubi in in ellü zcrgeng-
Rcbü liebi! Henc, mich kim uiemer verwuudren, swie fröinde es
Blir 5eh hie vor was, daz kein grundelos minnendes heitze in icbt
denne in dir, tiefte wäg, grundeloses mer, tieffes abgründe aller
iDioDeklicben din^e gelenden mag, Herre min , min schönes liep,
War nmb z6gestu dich inen nüt? I-.üge, ewige wiszheit, wie die
Falschen minnerin tflnd: swaz unlütseliges, ungestaltes und gebrest-
baftcs an in ist, daz bergent sü genote, herre, heint sü aber icht
Üüplicher geatifter ach5ne oder lütselikeit , daz bütent su her für.
Itenn Mnt sü löse ögenblicke, denn rfitent sü den bleichen munt,
1 ach oJho hg dar utt' s 2 giibesaregint e und — 3 ^vall. fflilt il
Kuens Gl. aunderlich wiit ^ 9 kma fMi hns 10 oueh dis« etwie t
dn dioK cdha 19 gi>t frhU cilhs 14 Duwenj uQtwaii (ziPtimat) s ein
ein klein e ctipf. — 15 klein fehll n 15 vil ein klein z 16 f. der
U8 # IT den kr. a. chs 18 ob a. liebe frhll cdhs 19 zeratnbi] ver-
lg tlh in in fehll s 20 enkau cds erwundern s 21 öch frhlt i
TAlHche Dl. tSt ih 25 f. and un^'bresthafleB * 26 an [in) i begerent a(i
I gen, t 28 Denn — 450,.B vergiengi fe/ilt hu denn rot. — munt fehtl cd
26 Kl Bfb (377, n> schreibt Stune: minner, und ll>»si das Brtail fZ.äSff.)
f. 28 f. .Schon Berthold von Jlcgenshurg (1, 414, SuG) ladrll die Sittr
Sehminktna, Tioeh mehr gpSlere Prediger^ vgl. L. Kotrlmann . GetitndUeitt'
^t im MilUlalter, i-ultiinjcsih. Studien muh Prtdigit» des IJ.—15. Jahrb.
450 Grosses Briefbuch. XIV. Brief.
denn färwent gü die ungestalten wengel, denne süssrent sä die
krumben wort, den bietent sü her für die gezwagnen hende, und
were in leit, daz lebt an lieb were, daz liebes ogen vergiengi; und
so sü es hin und her getribent, owe, so sint sü nut anders denne
ein sak vol mistes. So gedenk ich: owe^ der dir nuwan die obem i
hut ab zugi, wie sich denne die warheit in dir erzogti, wd ein
nntier man an dir sehi ! Owe, aber du, gemintes liep, ewigü wisz-
heit; du yerbirgest din gemintes und zögest din leides, da z6ge8t
daz sure und behaltest daz süsse. Owe, gemintes zartes liep, war
umbe tüstu daz? K
Ach, geniinter herre, erlobe mir, lasse mich sündigen menschen
ein einig wSrteli zft dir sprechen, gewerlich, herre, ich enmag sin
nüt cnbern. Owe, gemintes liep, wanne hettist du mich liep! Ach
herre^ hastu mich liep? WaflFen, wan were ich din liep! Owe,
wennet ieman uff allem ertrich, ob mich der geminte herre liep habe? il
Min sele einredet dar nach, owe, min hertze rüret sich in mime
Übe, so ich gedinge habe, daz du mich liep habest. So es mir
in minen müt kunt, ach, so wirde ich so rehte frÖlich gestalt, alles
daz in mir ist, zerflüsset von rehten froden. Lfige^ herre, hetti ich
Wunsches gewalt, so were daz aller h6hste und begirlichest oodfli
lüstlicbest, so min hertze und sele erdenken köndi, daz du mich
sunderlich liep hettist, ach, owe, und daz du, tniter herre, ein sander-
lich minnekliches liebsehen uff mich hettist. Ach, wie wol mir denn
were! Lügent, ellü hertzen, were daz nüt ein himelrich? Herre,
diuü ogen sint lühtender denne der liebten sunnen glantz , owe, diu
süsser reiner munt, dem der liepliche wirt kunt, dinü lieht-
berenden wengel, dinü schöne g est alt ob alles zitliches wünscbes
gewalt! So man dich ie bloszlicher von aller materi enblAsset,
so man dich ie minneclicher in lutrer frödenbemder wnnne schowet;
so man alle lütselikeit, gezierde, hofelich gestalt ie Interlicher von
iedem menschen us gesamnet, so man es ie eigenlicher in dir, zarte«
2 getwagen n geweschen c 3 icht — were] iet liefliches an in were c
ir lieb die wil icht bi in were g 5 die] din ce 6 in] an cd eo^ '
wel] wie hs wel — 7 sehi fehlt d 7 owe fehlt hn 9 zartes gem. i
13 owe — liep fehlt d 14 wan fehlt ce wanne ha 17 es] er nz 18 mime*'
munt h 19 rehter froiden scdh 21 künden s 22 ach and owe [und] ^
23 Ach — 24 were (erstes) fehlt cdhs 26 reiner fehlt cdhs
2 gezwagnen, Partie. PraeU von twahen^ zwahtn = waachtn.
Üroases Bricfimuh. XV. Hiii;f. 451
liep, vindet. Ltige, ist üt miDnecliclics, wolgevallendes an keinem
minneklicfaen menschen, daz ni'tt in purer wise tusent stnnt miniiek-
licber in dir, geiuinteB liep, si?
Nu echowent, eilu hertzen, sehent in an, acli genl in ögen
6 miaem gerainten, Ifigent: Talis eet dilectuB meus, et ipee
est amicus meua, filiae Jerugaleoi, alsug minneklich ge-
stellet ist min süsses liep, und er ist mines liertzen trat; daz si
äcb kant, ir tohtien von Jerusalem! Waffen, zarter got, wie selig
der iet, des liep du bist, und dar an eweklicli bestetet ist!
W XV. Brief.
Sorge aquilo et veni anster, perfla faortam meam, et flnant
aroniata flllasi
Also stet gescliriben an der ininne bi\ch. Die heilig cristen-
heit singet von einer siinderin. mer von einer g&tlichen minnerin
1& aleo : Flavit auster et fugavit aijuilnnein, qnando lavit
cor Mariae poenitentis iraber gpiritus sancti etc.
m Nach dem als uns die meister von natur schribent, so sint
I myaneclichere ksn wnlgevHllenders e 3 1. utianeklicherH - 4 f. [neb
— hgea] minen edhi B et fehlt dh« 6 f. gestellet fehU h» 7 und [er]
iit och e 8 iat der si int fcweite») fehlt m »ach iet Zafägung (rol) : luiu
Ueher herr b'^gnäde z
X V. Brief Hss.: b C c d h m N » R a I' g.
II flaent bCUr 13 - 16 fd.ll n ^(iachriben fehll hlUÜ 14 mer
denue voll bC 16 tirabra hC
Ö f. UoKd. 5,lti. llf. Hokel. 4,16. IM. Flaoil awUr .... itabtr tancH
Spiritu»; liquefeeil tt refecil solutain iii lameniis, Verbitm miafuincotiittts = 6. Bt-
gponnoritim der MatiUiit von Maria Magdalena (22, Juli) nach dem Dominikaner-
brtcier. 17fF. Vgl.Konrad DonMegev,berg,BuchdcrNaiHr79,26ff.: drrwind
fimt vier, die ftirateH sint aüer aaderr wind. Der erst haitt der tudenmiat odtr der
tudeJier, dar umb, dar er von nudem fleugt, dag iat von millem tag her gegen
norden .... Der ivint haiit ge Inlein aiteter und ist fäuht «ttd warm, dar umb
ist rr fruhtpaer und den frühten niite. Der ander kaitrt der nordenwint . . .
der wint ist kalt und fäuht . . . Der wint haisl ge lalein aqwlo . . . Der wUU itgldchtr
käl zu^engentUen . . . AUohab vir über alvierslunt drei wind, ilasainfgwtlif. — Inder
mitUialterliehtnSi/mbdlik (vgl. Sauer a.a. O.SSJf.l gilt der Norden (üsÄitsgang alles
t/MJteil»,SitM de» Bösen, dir Süden miteeinerLichtfüUe aU Sinnbild Gottes, btsondirs
tU' hl. Geistes und seiner Gnade. Vgl. Gregor M.,hom, Sin Eereh.n. 9 (Mii/neT'/.TSiSI:
452 (Grosses Brief buch. XV. Brief.
vier widerwertig winde an dem liplichen himel, und iekliche hat
zTven gesellen, daz ir also zwelif werdent, mit den der herre der
natur sin ertrich ernüwret. Under dien ist einer, heisset aquilo
und ist grimmer denne die andern; der ist kalt und truehen and
bringet sne und beslässet daz ertrich. Wider den ist ein ander, der
heisset auster, der ist warm und nasz und bringet den schönen oweo
süssen regen ; er machet die wissen blüjent, die grünen sät walisent,
daz ertrich berhaft, er priset schone die beiden mit blämen, den
walt mit lobe, den anger mit süssem smack, und allem ertrich git
er last und fröde. io
Eya, kint mins, nu verstaut balde, wa min hertze hin wil,
wan ich mein den süssen himelschen wint der gnade des heiligen
geistes, der da kunt von der hohen mittli des himels und ein
kalt, sündiges, rüwiges hertze durweget. Ach, ellü minnendü rüwigen
hertzen, enpfundent ir des himelschen windes ie, so magent im
mich wol gemerken! Er brichet isinü hertzen, er zerflösset gefromö
is süntlicher gebresten, er ernüwert die sele, er machet alle die krefte
der sele schon widerglenzent in ir zarten lütselikeit, und der vor
als ein fules äss von dem kalten wind smakte, der wirt als ein
pantier sinen süssen smak wite zerspreiten.
Also geschach och der minneklichen rüwcrin, der gäntlicb
leben ir den eigen namcn hat verlorn, do sü zu den roilten, zarten,
usserwelten füssen der geminten wiszheit knüwet und mit disem
süssen wind was durchweget, ach, und ime sin götliehü fösse mit
3 der heisset chmN 5 wider — 6 heisset /eW^ C >iider] ander b den]
dem dz denne hUs ander wind [der] z 6 owen fehlt bC 7 blnj.] blumel «
8 heide Ccnll 9 gesmack bCdhRs 10 froiden sdmN 11 mine b m
fehlt z wa hin z 13 [der] hohem b 14 rüwiges fehlt s 16 des] dis bentU
16 merken Cchs iserinne bCc 19 ass] waz s 20 süssen fehU CdBt
22 zarten fehlt bs
non incongrue Aquilonis nomine torpor maligni Spiritus designatur ; hom.6 fL2i
(Migne 76,1011): per Aquilonem rede peccatores accipimus: super Cant. c. 4 n.2l
(Migne79j516): per Austrum vero, calidum seih venium, Spiritus sanctus fguratwr.
Hugo von St. Viktor j De btstiis 1,12: Auster Spiritus sancti graiiam designet,
flatus Austri benignitatem Spiritus sancti, calor amorem, Austtr igitur ven^i
quoties gratia Spiritus sancti mentem cuiuslibet accendit. In der deutst^
asketischen Literatur tritt an Stelle des Auster^ toohl wegen des Gleiehlda»§h
öfters der Ostwind ( oster wint), vgl. Wäckernagd, Altdeutsche Predigtei^ ^
Gebete 1S70\ LXVIII,24öff. u. 534,111 ff.; Strauch, M. Ebner XXXIV.Sbf-
21 ff. Vgl. LnJi. 1,37 j.: Kt tcce mulier, quae erat in civitaU peccatrii ftc*
aroBBes Brirtbuch. XV. Brief. 453
ii- bertzklichen trchen durcbgosz. Die gosz ubs ein edel salbe, daz
alles bns erfiilte mit eiine gntcn emake.
Owe, rüwe, wel ein edel ding du bist! Wie selig der ist,
dem der wäre grünt einer rehten rtwe wirt! Waii dem werdent
5 sine sünde luterlich vergeben, und were ir als vil, als grienes in
dem mer ist, und m einer usgenoraeo sünderin wirt ein usgenomnu
minnerin.
Wiltu aber ein rehtt'i rüwerin scbowen, die sol haben dia: so
Bol hertzleit ob allem hertzleid tragen, owe, daz su daz milte hertze
ao ie erzurnete. Und daz erzSgent die grossen abvallenden bitzigen
treben, die inbrünstigen hitzigen sufzen, daz eilend ufseben, die
farin stralen bitterlicher schäm, die bleich varw, die gcswullnen
ögeo. die verflehte iisser gezierde und daz klegelich einreden mit
dem geminteiij daz hentslahen, daz hertzklopfen und sin selbes von
S6 bitterm hertzleid vergessen, Sil sol öch ein gtttes getrüwen zu gotte
haben, daz er der miltc herre ist, der mag und wil ir alle ir si'inde
vergeben. Daz er es miige, daz ist kunt; aber daz er es welle,
daz hat der gesprochen, der nüt liegen mag: Nolo mortem pecea-
'oris. Sil eol och haben eines, daz sii einen gantzeu vesten willen
iinnnd mfit habe, nüt allein die sünde, öch ursach der sünde ienier
me fliehen, Sü sol nüt zwifelhaft sin als Eva, die do sprach: „vil
übt ist es", sü sol nüt sin weich und unstet, als die da veste eint,
iintz man in nrsach gibet.
Owe. got, vil ist der sunder, aber wenig rehter rüwer! Sieb,
•B Were in reht: e sü widerkertin mit der minsten sünde, — und
l&ge ir eigen vatter und mfiter da und nlle ir fründe an der stat
des todes, und hctte ninn ietze blossü ewert ob ir kelen erlogen
Und m6hten sü die fründ mit eime einigen widerker von dem tode
eriiseD, den s&Itin sü nüt tun, daz sü got erzumdin. Sant Thomas
O «prichet: und möbte ein mensche alle seien von dem fegt'ür erlfiften
2 gesmacke CdhSg 3 wel] wol bC wie cdhmNR 4 Wan üue bcdmNn
B wilt aber du bedhg af, sü aol haben h. hlts 9 ob| vur t hertze] gtt D
13 einrede b 14 den g 16 vergessen fehlt b 161 haben zu g. b IT dnz
ntritlfs}] ob ; 18 hat er ^respr. hmNHt der fthtt hCc 20 nre. der eflnde
QBd alle <'allet IT) sAnde aUs 21 zS fliehen CdmNn 24 wenig] weint s
4pr rehler r. dmN rivse s 26 reht] reliter bse 26 da fehU bCda
97 gezogen Ccm^ 2B abker dn ker bCmNüsU 29 den] des nd et-
«nrneii dkm 30 erlosen fdtU »V
16 1. EMtch. 33,1J. 21f. Vijl. I Mo». 3,3. W S. S. Tli. SJ! q. 1 10 a. 3
dff -i M obiger Gtdanke im alli/eviiiinrn im»grsprochfn.
454 Grosses Brief buch. XVI. Brief.
und alle sünder bekeren zfi eime g(iten leben, dar umbe s<e er
n6t ein einig sünde tun.
Wa von wenestu, daz es ietzo kome, daz so vil an vahcDt
und so wenig blibent? Owe, da ist der angel mit vast in geslagen,
er ist in nüt vernietet. Sü beint ein zipfel rüwe, daz ist: 8& wen i
gfit sin, untz daz es in we tut. Also sprichet es n6t, es sprichet
also: Neque mors neque vita neque creatnra alia etc.
Herre, mich rüwet hüte min sünde und ist mir als leit, daz ich
einen so getanen mflt gentzlicb habe in mime hertzen, daz micb
weder liep noch leit, noch leben noch tot niemer von dir gescheidet; 10
des habe ich gantzen willen und vesten müt.
WaflFen, got, waz würket ebenlich so getan inbrünstiger ernst!
Ime werdent ellü ding muglich und ist ime nüt mulich noch an-
muglich. Ein ubergülden dis alles ist, daz es nüt kome von ge-
zwungenheit, es sol komen von einer kintlichen hertzeklichen minoe^lli
als eime tugenthaften kinde ist leit, daz es sinen getrüwen vatter
ie erzurnde.
XVI. Brief.
In exitn Israhel de Egypto etc.
Wir lesen, do unser herre daz volk von Israhel füren wolt von ^
Egypto in daz geheissen lant, do fürt er sü umb wol XL jar, e daz
sü da hin kemin. Und daz tet er dar umb, daz er sü vereftchti
1 uud fehlt hCdhlisU 4 ist in der chmNnliü der] ein h
nagel hCcdhmNBsü 6 ist [in] hCcdhmNJRsU daz ist die rtiwe zcdkV
wenet hsd 6 sin g^üt s 6 f. es spr. also fehlt z 8 rüwent scdhmK*^
Sünden cd 10 [noch] leben hB n. der tot bU 11 vesten] gfiten -^
13 In z [ime] nichtes z mul. noch fehlt dhinNB mMch] mü^
lieh hCs 14 kerne s 14 f. Ungezwungenheit ß 16 hertzekl. /<ÄÄ ^
16 als ein tugenthaft kind dem ist leit s es fehlt dU
XVI. Brief Hss.: hcdhmNnBs Uz,
21 geheissen] gelopt cmNn 22 koment bn
7 Jiöm. 8,38 f. 16 f. Sense folgt kür der Lehre Atiguatins und iff
Scholastikj ironach die Beue^ welche ex timore simplicittr set-vilij d, h. aus i^
Furcht vor der götilichen Strafe hervorgeht und die Abwendung von derSini*
in sich schliessi . zwar loberiswert und nützlich ist (vgl, Sirach J,16), aber «•
Wert von der Beue e.r mera caritate weit übertroffen wird. Vgl, Thmtti
/S'. Th. ^,2q. 19(1. 2 sqq.: Schanz, Sahramentenlehre 1893, 661 f. u. die treftmk»
Bemerkungen 1) in iß es in Zfda 21,99 f gegen Pregcr, ebd, :£0,382f.
19 Fs. 113,1.
r.ronaes Brirfbiich. XVI. Biiof. 455
und da» inen kunt wurdi, vraz sü in ir hertzen trügen, und sunder-
lieh dar unib, daz sü von tag ze tag ein vergessen hettin des alten
Inudes and daz nüwc in der begirde. Und wie er daz alles wol
in eimc ögenblick hetti gewürkct, doch euwolt er des iiüt tftn, wan
5 tier bcrre der nutur git sieb einem ieglichen dinge dar nacli, als es
sin enpfengklicti ist, als sant Dionysios sprichet. Daz sehen wir
leiblich an manigem meDschen, den got hat na gefüret, daz er sü
dick tat worgen, e daz er sü volbringe nach dem hfihsten.
Eines suitu wissen für war: got ist nül ein giher, weder an
10 natürlichen noch an ühernatdrlichen werken, Üia schrib ich dir dar
umbe. daz du dich in keinen dinen werken vergäbest, .Sanctug
Gregorius sprichet, daz got dicke sine gäbe uff zühet, daz eins
menschen begirde dest ine gereisset werde; aber lat er von dem
nffiug abc. do was es kein rehte begirde. So der grant ie Inter
4(wirt, so es ie luterlicher wirt enpfangen, daz dar in gegossen wirt.
Min kint, ich ban dich daz dicke gehetssen und dunket mich
der besten eins, so ich weiss, daz du dich selber in allen dingen
feiesest, got ze minueune. Sihatu es reht an, so ist kein erealurli
so kleines, es ei dir ein stapf, got zft neben. Nu lüge, min kint,
*■) wie hertzeklich göt got ist, und ellü trüwe an in allein ze legen;
w»n andrü minne vahet an mit liebe und nimt ein ende mit leide,
>ber du süsse minne vahet an underwilen mit leide und «virt aber
1 iren rd 3 ailefl fehlt htl« 4 cineH ö^enblickcE t .1 f. es ein]
h 7 manif^u cdhc eimii « 8 dick lang w. lut h» daz fr/Ut dhnUaV
I Wutnrl. nochan/eAHfc Da» dh dii fekh z 11 vergahou wlt 6crfAmiV'Ä*t/
|lS6«igeB i\cV.c fthU b-änliVi li ei ftlOt b eakein bAni.V,)!' Ititcr
l~15 iefehU z liotrer mMlU IbMfthll hvlU lÜitz/Ml dhmNnll,
\ 16 Maflel bhRg slab mN neben] uiinaende A 20 allein fehlt bdmNnü
P*l mit leide ein ende h 22 aber —leide fehlt n irnderw. an hmNnItV
Bf, Df nom. JM I.L'. i'fft. Bdeie2ue,l3f.;aä3^t/.u.Tiiama;a.Th J,Sq.tJ3
1'R.J,- Deus moitt amnia «ecurtd'im tttodttm Mniuacuiiufu«, nicut in naturalibiu
IWnmtfi, quod alUtr morentar ah ipmn gravia tl alUtr leri'a, propter divtrtam
aturam unitfcttiu»!/!!». Und( tt hotuinem ad iutUUaiit movel «teundum eun-
iblionim n alurat humanae. 12 Moral. XXl'I,ia iMii/n« T6,36haqJ: aaept
t duidtria, ifuia celeriUr non fiitnt, tjamdintttar , it quid impUri eonettt
lu, et ipaa mtltua tarditalt prorptratur, . . . »avpe ouj^ nontra 10 psrficitur,
t diffftur . . . Sinn rrg" Itominus cum vdneütr non exaudil . quo repdlere
»r, trahit. 19 Vi/L Bdeir Kap. 24; BonavtrUura, Mnerariui
e.3 iDe npeeulalione Üti in cettifflir /•iii' in hoc tennilnli mitnd'
• fffittl. Liben 417 ff.
456 GroBses Briefbuch. XVI. Brief.
lieb und liebet sich zA allen ziten, bis daz lieb mit liebe in lieb-
licher art in ewikeit vereinet wirt.
Owe, lieben min kint, wie sint die lüte, die tumben toren, so
billich ze klagen, den da trSmet, sü essen und trincken, und so m
iru ogen uff tünt, so vindent sü läre haut und ein hungerig ruwig 5
sele! Wie werin sü so billich ze weinen, den die gewonheit ze
einer billichi und die billichi zu einer erberkeit worden ist! Owe.
zit verlieren, üppeklich reden, got vertriben, wie bist du ein so ver-
borgner schaden mengen menschen!
Min kint, ich rede zwüschen mir und dir alleine: lass ella i(
valschen mentellü ! Ist es nüt also? Es ist gewerlich also, daz der
sele swarlich m&hte tromen, die ein so klein stündeli in keinem kumber
vertribet, da got nit inne ist. Dar umb so bis mir nüt dest minr
in gotte! Lieber weri mir, daz ich dich sehe gebäret uff ligen,
deune keinen abwank in so getaner wise von gotte nemen. Min 15
kint, es weri gut zu verklagen, so ist es also : natürlich neiguog und
alte gewonheit ist mülich zu lassen, wan leider gemeinlich so lat
sü, e daz sü gelassen werde. Dis schribe ich dir dar umbe, daz
du mit frömdem schaden gewitzigot werdest.
Nu lassen wir daz dien , die in den striken sint, und kereo 90
wir unser ögen wider in daz minnekliche liep, und büken daz dicke
an mit minnendem hertzen! Und lüge, wie zart, wie minneklich,
wie süsse und wie grundloselich gut es ist zu minnende! Ach, ello
hertzen, war umb minnen wir nüt daz minneklich liep, daz da not
anders kan wan leit verswenden, herzen frien, fröde bringen? WerSS
den kalten riffen hat erkant und diner süssen minne ie bevant,
0 aller süssestes meientow, der weis, wie wirdeclich er dich haben
sol. Selig, selig ist die sele, die du, zarter herre , hast uss erweit,
1 mit liebe fehlt s 3 min lieben k. sz mein liebs k. niN 5 rüwigl
trawrig mA'd 8 so ein hmNnR 9 mangem mNR 10 dir und mir hdhnf
12 ein] kein hR^U kumber — 13 nit fehlt s 13 Und dar u. hcdmN dir
umb] da von b(dh7nXRsU so fehlt ds 14 in gotte — mir fehlt s g«*
beret bhs 15 in sollicher w. hc 18 dir fehlt nR 19 witzig bdhm^tJJ
20 in disem stricke r 21 wir fehlt cdU wider fehlt z 23 und wie
süsse 8Ü gruntlich nz es] er bcdhmNRsU 24t wir [nüt] 6 ^AfiMthH
25 daz leit b 26 bekant cdmNs dimi süsse m. z nie hhRs berint :
27 0] owe bcmN
6 f. Vgl. Bdetr 2!}2,r,f
Grosses Brief buch. XVI I. Brief. 457
bi ir und in ir ze rfiwen! Waz vindet die in zit Lcrtzeufrides, zu hofe
eren in der himelschen pfallentz, ewiges lobes^ als sanctus Paalns
sprichet: Gloria et bonor, pax omni opcranti bonum! Amen.
XVII. Brief.
Qnomodo potest cecns cecom ducere?
Owe, min liebü N., wie lastu dich an? Wie wirflfestu die ge-
trawe lere dines vatters so zfi rücken, daz du dich wider den dingen
beginnest geben, von den ich dich so rehte kume han gebrochen,
die dir sele, lip und ere hant geswecbet? Duncket dich ietzent,
daz du süllest gan tfin, wie dir in dinen sin kumraet? Bistn ietze
bestetet, daz du dir selber alle ding erlobest? Owe, war umb ge-
denckest du nüt hinder dich, waz dir got übersehen hat, und wie
rehte kume du her zu bist kommen und wie gar du noch nüt bist,
and nimest din selbes war und last alle ander menschen underwegen?
Sihstu nüt den tüfel, der dir einen sidin vaden umb die kelen hat
gebunden und dich gerne nach ime fürte? Du enkundest doch dich
selber nie geleren, waz wiltu denne ander lüte leren? Du bist doch
krenker denne Eva in dem paradise, und wilt ander lüte zu- gotte
ziehen? Du wilt stro zu dem brande legen, der nuwen ein kleines
mit der wissen eschen ist betrochen und noch niergent erloschen ist?
Du sprichest, du wellest in ein geistliche wise ziehen, daz vor
liplich was, — weis got! es mag wol in dem geiste ane vahen, es
1 bi dir und in dir h und fehlt z in] mit dmN vindent hmNJisU
If. zu hoffiren Rc ze hoch eren U [zö] hofnen und eren mX 2 palast mNn
palais cd 3 [et] honor et pax wAR pax fehlt ds Amen fehlt hcdhmNRs
XVII. Brief (= Kl Bfh IV), Hss.: C c d n s b. Nur in s voll-
ständig überlieferty in Ccd steht allein der erste Teil (bis 45i^,8), in ne der zweite,
6 min 1. N.] myn lieff c min lieben menschen a kint min d 9 und
fehU 8 und ere fehlt C 10 din sinne G 13 hie zu 0 noch fehlt ds
16 die kelen] dync kele d dich ,v 17 nie] ncit d lute — 18 ander fehlt s
20 berochen cd nierg.] neit d noit ^^ar c 21 zu ziehen .v 22 geiste fehlt C
2 pfaUentz = Pfalz, König.slmrg ; ihjI. Wachernag d a. n. 0. 111,113 ff.:
die lihdllinzey da niemir nivwil vnschonis in chcmit ; Vllyo2: in die schonin
phalnze de^ eicigin riches so bewart ivch; Strauch, Marg, Ebner XXVylS utui
Anm. S. 347. 3 Rom. 2,10. 5 Luk. (i,3^K Vgl. die historische Ein-
leitung Kl Bfb 369,5 ff. 22 f. Vgl. dal. 3,:i.
458 Grosses Brief buch. XVII. Brief.
wurt »ber schier in dem fleische lendende. Bistu uüt genüg gewitziget?
Duncket dich nit, daz dir got gnflg habe vertragen? Gewerlich,
du wilt nüt erwinden, e daz du in des tufels Sprung warst gegeben.
Ich han dir es dicke geseit: ir wenent alles got und die 16te h6felicb
triegeu; und so ir es denne umb kerent, so sint ir selbes betrogen.
Du müst vaste st an und must allen anhang lan, anders du mäht
niemer b es tan. Lassedich wol benagen, obe du selber dem tufel
mäht enpfliehen!
Er was eines tages us gegangen und hat einen r5b, den er k
dem tiefel wolte nemen, binderstanden, und der rop was also. Es
was ein mensch in geistlichem schine an einer stat , der hat sin
hertze so gar mit zergenglicher minne verstricket, daz er roanigeo
trehen rerte, und kond doch da von nüt komen, wan er wolt gefftge
suchen^ da keine zu horte. Und do er zu ime kam, do gewan der i&
mensche ein triben, daz er daz valsch liep wolt lan und die zarten
ewigen wiszheit an siner stat wolte han. Do er us kam , do b^
gunden sich die tiefel leichen und sü ane vehten und alles daz gegeo
ir uff leineU; daz sü dnhte, daz ie geflog, und was ir, als ein swere
berg uff ir lege alle die naht, daz sü nie entslieff. ^
Des selben nahtes, do er sich nach metti nach sime gebet
hat nider gesetzet, do was im vor in dem slaffe, wie vor siner
Celle eine grossü mengi gefügeis kemi. Also nam er war, daz eine
nüt als der ander was : etlich waren als die withopfen, etlicb als
die spehten, etlich als die hoch reyger und manigerleye, und ver- *
1 schier] sicher d geiing fehlt C B enwilt Cc in] mit s 4 alles]
alse C, fehlt d got und fehlt C 6 Du — und fehlt d 6 f. enmaht niem.
gestan C 8 entpfl. Amen Cd 10 Vberschnft: Viriliter agite et confortetor
cor vestrum ttc, n und den er z 12 schine] schome s 13 so gtf]
ze vil w, fehlt z mit so zerg. m. .v daz [er] s 18 alles [daz] z 19 irf
lenen * 22 in fehlt s 22 f. wie er vor . . . über ein grossü m, s 25 hoch
reyger] hochren .v heher n [und] gar manig. s 25 f. verwandlet z
3 des tufels spruug = Fahrt in die Hölle? Vgl Kl Bfb 369y2fi: an
dez tüvels sail wirst gebunden. 10 Er = der diener (Kl Bfb 370,1). V^-
zum folgenden die Erzählungen in Kap, 41 der Vita. 17 er = der Mtnsfh
(die Nonn^): us kam = sich von der weltlichen Minne freimachte. 18 «U«
daz beziefU sich auf daz ie geflog. 22 slaf ist von dem visionären Sehauen
gemeint; vgl Kl Bfb 370,11 (in einer gesiht). 23flf. Vgl. Vita llö.Hf.
Das klassische Vorbild derartiger Dämonenerscheinungen ist Vita AntonH e. t*.
Ähnliches auch bei Cäsorius von lleistcrbach , vgl. lioskoff, Geschichie dt^
Teufels I (1609), '^77 f.
GrosBfS Brieflpiuh. XVH. Briel. 459
wandelten sich dicke ?or im. Einer under deu andern, der was
grüne, der nam einen swaiik, als ob er gegen der celle wÄlti; aber
ir keine kam dar. Also tet er sich zä der celle us mit wunder
und sprach: „ach, waB'en! waz gegindeg ist disV" Üo wart ge-
5 »prochen diser sin: „hie ist ein tiefelttcbü saninung. und ist in
zorn nnd sint mügig umb den menschen, der sich von in wolle
scheiden, und swenkent dar umb hie, wie sü in ienen und wider-
wisint," Also do es tag ward, de schreib er ir ein tavel nnd enhot
ir also:
10 Viriliter agite, et eonfortetnr cor veatrum, omoea,
1)01 speratis in domino! äo ein frumer ntter ein lereknappen
bi der hant also geweftenlen in den ring stritberlicher Übung des
ersten in fnret, so weget er sin höbt und sprichet zu im: „neina,
mr hell, nu ti^ hüte als ein frumer man und gebar kechlich und
IS strit frilich ! Las dir din hertze mit enpfallen : es ist besser erlieh
sterben, denn nneriieh leben. So der erete just übertruket wirt, so
Wirtes lihter." Alsus geistlich ermütet der kune ritter David einen
ieglichen erst anevahenden menschen, und füret in in den ring des
geistlichen strites, der da lit an einem frien urlob geben zergank-
aolicLer minne und zitlicher dinge, und sprichet also: „Viriliter
agite" etc., daz sprichet: künlich und manlich werbent, und heinl
ein beches hertze ir alle, die gotte getruwent!
Owe, kint mius, daz selbe spriche ich hüte zfi dir in dime
suvaag, daz du vast standest und den b&sen raten der tiefel nüt
86 Völgest. Du bist ietüc in dem bittresten liden, so dn iemer mäht
Itoiiien. Komesl du über disen engen eteg, so kuinestu uff die scb&nen
«eide eins göflicben tugenthaften lebens, da du hertzenröwe wirst
babent. Zartes min kint, wolte got, daz ich in dien füszstapfen
ding kampfes für dich sölti stan, und für dich sölte die herten siege
1 vor inie dicke " Einer fehlt s [der] was ( 2 ob fehU i 3 ir
fthU s 4 do wart do ; 5 ist hie « 6 tuQygi * gemilet n 7 flwenk,]
schwebent n: 8 An es] da» vs « fiii tavel] einen liricIT s 10 converifitut «
11 lereknabeii e 12 stritbcrlkben s 14 zierder hevlt i 16 lebeu] sterben»
17 ennüvft. * ermnoet « küiie] Jtiinig «* 18 erat J'e/itt « 21 künlich]
_ kdBiglicii » 25 iemer Je/ill « 28 weiine wolle gol .- in fehlt i,
B 3 Kl hfh ifT0,14 deuliichtr: ?& dem veQsl«r us. ii. Nach ätm
Kif/ Bfh ffoh ihm ein Engel Antvnrt. 10 f. P». ao,-J5. 13 DGino, hier
^KKM/mMntrmrfn- Zvrvf •ihne negative Beiltutunr/ (Lt^. II.6I1. 17 ermotan
^L gemahnt», .lufmunttm: vgl. Schiceii. Idiotikon I\',6&ti; IlWB Ill.aitt.
^b>a» Wart fehlt l.ti Lej-ir. 26 f. Vgl Brief X Baeltre i34,lSff.
460 Grosses Briefbuch. XVII. Brief.
enpfahen, die din hertz und raüt ietz enpfahet! Wa were denoe
din kröne, wa were denne din grünes zepter, daz du in ewiger
wirdekeit dar umb tragen solt, ob du gesigest? Als manig pfil dir
geschossen wirt, als manigen rabin wirsta in diner kröne tragent.
Ach, neina, kint mins und ein gemahel des bimelschcn künges,
bis vest, stant vast, gebar rehte künlich ! Es ist knrz, daz da lidest
und ist ewig, des du dar umb wartest. Tft nu rehte, als ob da
weder gesehest noch gehortest, untz du disen ersten just dines gö^
liehen anvanges überwindest. Nach den grossen wettern koment
gerne die liebten tage. Gedenk, daz maniger junger, schöner, lut- 10
seliger, edler und zarter mensche dincn strit hat ritterlich über-
wunden, und in dem gevehte, in dem du ietze stast, manig zit
stünden und noch vil bitterlicher wurdent allenthalp an gevohten,
und daz ist nu ire hertzenfrSde.
Eya, eya, kint mins, dar umb so büt mir din hant und bap 15
dich vast, nüt an mich, sunder an den starcken geminten herren,
dem du nu zu dienst in disen strit bist komen. Gewerlich, er
enlat dich nüt, lastu dich ehte gentzlich an in. Zwey ding helfent
dir ellü ding überwinden. Eins ist, daz du nieman gestandest noch
gesitzest noch gelosest, es si frönt oder vient, der dich keinen abweg 20
wil wisen; daz ander, daz du mit hofelich klubest, noch mit Hosen
zügen dien sugenden natren dines hertzen nach gangest. Volge mir;
wiltu nüt morn wider in kereu, so zerre in daz höbet us! Tu es
geswinde und bederbekiich, wan wiltu sü allein an dem sweiff
rüren, so kleibent sü sich deste v«aster und bissent dest wirs. Enbut 25
in: fridus, fridus! die din hertze und sele so berlich mit valscher
minne entfrident heint. Fluch zu der ewigen wiszheit, las die tomben
toren ufF dich rüffen, swie vil sü wend, lüge bi nüti hinder dich?
sich, so hastu alle dine viende schiere überwunden, und bist von
dinen swären banden behendeklich entbunden! 3ö,
2 (He kröne .v 3 an gesigest z 5 ein fehlt h 7 ob fMi s 8 nuU
daz z 11 ritt, hat z 12 du fehlt a 13 bitterl.] berlicher r 14 ire]
mins z 16 suuder fehlt z 17 disem z 18 lass echt du dich z 19 pe-
stast z 21 wil] muge z lisen ;w 23 [in] kercn z 24 bcderplich *
nüt allein s dem] den z 25 wiracr .v 26 frides einmal s* 29 hist du -*
30 sw&ren fehlt s Amen n
1 Kl Bfh Til,5 deutlicher: daz weri dir schad, wan wa wen etc.
0 Vgl oben 424,13.
r.roÄBPS ürieflmeL. XV[Ii. Rrief. 461
XVIII. Brief.
Nemo potest doobus dominis servire.
Min liebe N., ich Ijad eins gemeiket an dir. dnz du noch un-
genlzltcb gegen got ia dime sinne stest, und daz du dich noch ndt
6 bewegenlteh aller dingen Imst verwegen. Gewerlich, Ho mflst eint-
weder haben oder lassea, anders dir gesehibt niemer kein gelde.
Mag ienian zwein herren dienen? Nein es, gewerlich! Tfl einen
fricn Sprung, so mahtu bliben. Lasse von gründe den menseben
nnd alles daz gewerb. daz in sÖlicher zergenglicher minne mag ein
JO an gegen würtikeit und un botEcbaft, und las dich dar ab nüt wisen
weder mit tr&wen noch mit liebkosen. Gip ein kuntlicbes nrlop
aller der gespilschaft, die dir dis arbeit was ratent oder helfent,
oder die noch die trise fürent, die dn wilt nnd mfist lan, wan au alle
glose so eint sä dir ein gift, und in/. Meisln vil wol. Daz dritte:
IS daz du dich aller usverten gelobest, und alle urgach und nebel-
tnentelli hin werO'est. Daz vierde: daz du fru und spate bekümbert
siest, wie du din sündiges leben gebesserst, wie du diner mauig-
valtigen gebresten lidig werdist, ach, und wie du dich mit dem
grimmen rihter versünest. Gewerlich, du hast dar au mit genöj,
lO daz du an den kle wol horelicb bissest, du niilst dineu tapfern lip an
[_ griffen, din gesliffnen zungen binden, dinen nngesamneten mfit wider
nen, daz din nifit nüt gl also ein gemeines wiiilius, tabern, do
sieb ieder man nider lat nnd da ieder man bpstanden ist, wes er
.erdenken kan. Eya, trib us, trib us daz unvolk! Oder sicherlich,
'dn mäht den zarten henen niemer enpfahcn. Gedenke, daz er dich
Jm hat gevordret zö einer gemahlen, und dar umb so hüte, daz du
aüt werdest ein hafendirne!
XFIII.Brie/f = K:}iJbI\',-ben371,33—37S^). Hsh.: b C c d n 3 b.
3 iniufi liebö kLit ed mein kint )i min lieben menschen s (cemi>rkel
b 5 beweg.] verwegenlich tYn g^iis ulilichen d allen s (gewerlich
»enachc « 7 gpedifneu hcdn U kintlicheB » kunüchen n 12 was]
ru e, felUt « 14 eö fthlt z eine gift b eine Tergift C 15 dich /«/i« s
erten] nsaerkeit s 15 f. nebe atmen tci in b neuenmeutcl c dnstcnii enteile d
Jl din] vyu ed gebessregiHt i und wie de dincs ss 19 dar [an| z
34 erdenken] erdrucken b Ijib us tiitmal m# vulk Cd» 26 im] n8 sc
Uu dieh bcdn 27 duppeudirne d roter ZusaU: hilff maria .:
2.7 Vgl. ttti. 16,13. 8 luenöcben = melllichen Litb/mber. 15 ureach
= Viranlassurti) lu Ämgüngeii. 15 f. nebelmentelli teU Kl BJb 372,11 =
tetehSuigangen, Vonrände irgl, Schireü. Idiol. IV, 342, l>31f., llWB yll,476).
J
462 Grosses Bricfbucb. XIX. Brief.
XIX. Brief.
Christas factns est pro nobis obediens usqae ad mortem.
Zartü min meisterin suppriorin!
Swer da widerstrebet, daz er von gehorsami mfls tön, der
machet ime selben ein sweres leben, wan ein klein ding mit wider-
spenigem willen getan tut wirs, denn ein vil grosses mit geneigtem
willen. Und dar urab, sider nu dis von gottes ordennng, von dem
ellü meisterscbaft geteilet wirt, als sant Paulus spriebet, ueh zfl
gevallen ist an üwerm willen, so ordnent es och also, daz got da
von nit werde enteret, und ir als berlich me entrilitet werdent, sk 1(1
ir da her dicke sint, daz üch da von n&t schulde wahse, da von
grosser Ion sol wahsen, ob ir im reht tftnt.
Liebü min meisterin und min liebes kint, es beginnet übel
stan in geistlichem leben : und dar umb so tftt es üch not, daz ir
ungern an dem ampt sint. Wan da ir helff und rat soltent han, da IS
hant ir betrübete und unrat, getörste ich es aber sprechen, so Sprech
ich: berliches durehten und heimliches verraten und offenbaren
widersatz. Da ir den söltin han undertenikeit, da hant ir fr&vel
widerspenikeit. Und dar umb so sprich ich werlich, daz ietie
meisterschaftampt haben und dem reht tfin daz ist uut gemaches 90
pflegen, es ist marterleben. Und dar umb vor allen dingen so
nement dis krutz willeclich uff üweren ruggen durch den, der daz
jemerlich krutz durch uch trüg, und laut äwern sin und mut nider,
die wile es got und üwer obren von üch wellen han. Ir haDt mir
mit bitteru trehen geklegt, ir enhabent weder kännen noch vermögen*
XIX. Brief (= Kl Bfb VIIK Hss.: c h n H 8 s^ c,
2 pro nobis fehlt chBz 3 zartü — suppr. fehlt hUss^ suppriorin
fehlt cn 6 wirt getan tot w. r 7 sider] sit ir s syd s so n dis nö«
nu das fis^ 8 sit i'ich ss^hJi 10 me fehlt cn entriht. me r 11 sint
worden cR 11 f. da gr. Ion sol von w. s 12 solt lis^ 15 amb*ht f
zu solt han z 16 betrlibtnisz nU gesprechen s 19 so fthlt ä/?** 20 dai]
dis z 21 martrer leben Jia^ 22 dis] das Ä.v* 25 bitterlichem r clagt B^
habent hnl{8.s^ miigen g
2 FhilSß. 3 i':bej' das Ami der Suppriorin {Gehilfin und SttU'
Vertreterin der Priorin ) vgl, die Constitutiones Sororum Ord. Praed. c. 26 (H«^*
Htenitis-Brockie IV, 137), und das Ämterbuch de8 Joh, Meyer in JF^rtib, IHöt.-
Archiv XIII, 198. 7 f. Böm, 11,1. 13 f. Vgl. Seuses Klagen übtr d(n
Verfall der Kloster sucht in Bdetr Kap. 6 (217,1 ff.) und besonders Hor.43ß.
Weitere Belege bei Denifie, Das geistl. Leben 50 ff.
Grosses Briefbuch. XIX. Brief. 463
dar zu: swenne ir getünt daz best^ daz ir ücb verstaut, so sint ir
lidig, ob es joch nüt daz beste ist.
Ir sond in alleu dingen got vor ogen ban, nie denne keinen
lipliehen nutz. E ir wöltin gestatten, daz uwer scheffelin eins ge-
krenket wnrdi an siner sele, da ir es möhtint verkomen, ir süllent
e hundert marck verlust Awers klosters verklagen. Ir sönd gemein
sin in den haltungen, daz frünt und vient glich daz joch tragent,
daz gebirt fride. Ir sönd die jugent in meisterschnft haben, won
Abel gezoguA jugent ist aller meist ein Zerstörung geistliches lebens.
Ir sond einen süssen ernst haben, und me von minnen den von vorhten
gebieten. Daz tich zu kreftig si, daz legent üwern obren fbr, und
iedoch, da ir nät mügent bissen, da bellent aber! Mügent ir nut
geistlich zuht gentzlich widerbringen, so ahtent iemer, daz nüt ab-
lasses noch sw&res inbruches under äch geschehe. Der ein zer-
brochens altes kleit nüt wider büssen wil, so ist es schier alles
zerschlichen. Swenn ir zergant an geistlichen dingen, so sint ir
och US an lipliehen dingen. Der der minsten niht ahtet, der vellet
in die meisten.
Ir sond den frowen g&t bilde vor tragen und mit werken me
denn mit worten leren. Verwegent üch, so ir üch flissent, daz aller
best zu tunde in allen dingen, daz daz dicke für daz böste wirt
enpfangen; er müs es wol kunnen, der allen menschen wil wol ge-
Valien. Went ir aber menlich willen, so hant ir gotte und der war-
heit ungewillet. Der bösen schelten ist der guten loben.
Innewendig frevel gespilschaft, ussewendig schedlich frunt-
schaft sond ir zertrennen mit kraft. Tftnt daz üwer, so sint ir
lidig. We, we dem kloster, da dise zwei in gebrechentl Wan daz
wirt fridelos und ze jungst erlös. Es were üch besser alle tage ein
wunden enpfachen, denne dis under üch lassen wahsen. Nu
1 tÄQt sns^ 5 da] daz zc fürkomen s^chnH ir süll. — 6 verki.
fthU z 6 marcken s 7 dem haltunge hs der haltunge nR 11 Daz —
si fehlt h zu] so hs üwerme s 12 bissen] wiszen ?is^ bellent]
wellent hs^ 12 f. not gentzlich g. zubt z 14 noch fehlt hlts^ under
üch fehlt hRs^z 15 aller z 16 zerslissen tfcn zerrissen hRa^ so sint —
17 dingen fehlt s 17 och fehlt ch vervallet hHs 19 frowen] brüdem s^
andern c 20 furkcren und leren s lernen hR 24 lob nR 25 schend-
lich r 26 sint] stant z 27 in] inne s daz] dis s ch n 28 alle tage
fehlt z 29 enpfangen schnR
17 f. Vgl, Sir, 19,1, 22 fiP. Vgl, die sprichwörtlichen Redensarten hei
I, V. Zingerle a. a, 0, 11 f.
464 Grosses Briefbuch. XIX. Brief.
sprechentir: „owe, herre, griff ich daz an, so gewinn ich unfride.'^
Ichspriche: selig si der unfride, wan der unfrid gebirt den ewigen
frid. We, wo den, die da lant hin gan und ires hertzen fride hier
inne sftchent! Von den spricbet Isnias: pax, pax, et non est
paXy dazsprichet: sü sprechent: frid, frid^ und ist doch nüt fride.
Die suchent ir eigen gemach ^ sü hant gern zergenglich ere, und
k5ffent die mit einie zergenne aller geistlicher ere. Und we dien!
wan sü hant hie iren Ion enpfangen.
Aber, kint minS; ir süchent gottes ere, als der liebe Cristos
suchet sines ewigen vattei*s ere, und dar umb Hess er sich hencken lo
an den galgen des krützes. Kint mins, du oLigest dich gar vaste.
waz du lidest; dir rinnet noch nüt daz blüt daz autlit abe! Mao
nam hie vor zu solichen empteru nüt die, die gern ere hattest,
wan nam die, die von minnen die verwegensten in den tot warent.
Nu sprechent ir: „owe, herre, hier inne vihtet min hertze, 11
owe, wa aber andehtiges gebet, wa hertzenrfiwe, wa luters schoweo?'
Los, kint mins, waz sant Gregorius sprichet: ein meisterschafi
solt als volkomen sin in einer geistliehen wise, daz sü von aller
usser unmüssikcit nüt wurdi gezogen von clarer schowlicher volle-
komenheit, daz sü allen iren undertanen eigenlich gnfig si, und irtf
selben in keinen weg nüt dest minre sie. Aber leider da zA siot
ir noch nüt komcn. So sond ir nach üwer cleinheit also tfin:
hütent üch vor hochfart, gedenkent, wer ir sient, und wie schiere
ir verswunden sint. Und dar umbe, wenn ir ieman went straffen^
so straffent üch selber vor. Und daz ir mit gut übel überwiDdent:
ein tüfel tribet den andern nüt us. Ir sond us eime senften hertzen
hertc und senfte wort lassen hellen, als es denn geschaffen ist.
2 wan — 3 frid fehlt huBss^ den ewigen fehlt z 3 aber we we hnh
da fehlt s 4 den] dison s 5 sü sprechent fthlt ns 8 bie fehlt r da
Ion hie z 0 minü z ir fthlt cs^z 10 ewigen] lieben h^s^ 11 an -
krfizes fehlt z [^ar] vaste und gar vaete h 12 abe über din a. z 13 nam
fehlt sz Soutanen z nüt — 14 nam fehlt hR^s^ 14 nam fehlt i voa
minnen fehlt chBss^ die verwej^en vest hh's^ varen /w' 16 [wa] aber i
lüterst s 18 soi rhl^ss^ 18 f. aller ir nsser ns 20 daz — 21 siefehUh
eigenlich /e/i/^ (tiHtts^ si] sien z und — 21 fiie fehlt i?.v* 21 selbes*
23 und — 24 Bint fehlt hs^z 24 geswunden s 25 vor selber hs^ 8. vor an :
27 senfte und herto chnlin^ denn fehlt s
4 Jeremias 6,14, nicht Isaias. 8 Matth. 6,2. 9 sfichent \A
Im,)erath\ vcjl. Kl Bfh 382,i>8. 9 f. Vgl.Joh,S,49f 12 Vgl Hebr. 12,1
17 Vgl. die zu Kl Bfh 383,3 u, 389 fi zitierten Stellen, 2G Vgl. Liik, IhV.
Grosses Brief buch. XIX. Brief. 465
Gottes dienst sol üch ob allen dingen bevolben sin.
Ir sond uwer selbs nüt vergessen ; ir sond dicke an dem tage
in uch selber keren und ie zwo gut stunden ücb selber nemen bi
tage and naht, in den ir üch für üch selber stellent und ab üch
5 selben rihtent und ein wil der ding vergessent, daz ir üwer geniüte
frilich äff habent, daz ir einen jamer nach dem geminten habent,
daz ir eins mit im werdent, daz ir ime alles üwer leit und liden
klagent und daz in ime enpfahent, durch in lident, mit ime über-
windent. Sprechent also: „ach, herre min, ergetze mich in dir alles
10 leides!*' Ir mugent inrent einer guten stunde eines gantzen tages
ergetzet werden.
Ein usgenomen volkomen leben lit nüt an trost alle stunde
haben, es lit an eime uffgeben willen in gottes willen, daz si sur
oder süsse, in einer undertenikeit einem menschen an gottes stat in
15 diemütiger gehorsam!. In dem sinne wer mir lieber ein truchenheit,
denne ane daz ein hinfliessende süssekeit; und daz beweret die
edel gehorsami des ewigen sunes, die in trukner bitterkeit volbraht wart.
Dis sprich ich nüt dar umb, daz ir üch dar zfi, als ir ril
tbnt, erbietent, me daz ir dis joch gedulteklich lident und daz best,
ao daz ir mugent, tugent. Wer es daz nüt, üch weri vil liht ein an-
dere, ein bösers zu gevallen. Der herre, den ir da meinent, der
üch daz liht hat zu geworffen an üwer zütftn, der mag üch wol
dar inne nach üwerme besten versehen. Und des bit ich in von
hertzen, daz ir im sin lop also dar inne volbringent, daz ir und
te üwer undertanen niemer von im gescheident. Amen.
1 ob] vor chsz 3 ie] iemer ch^z gut zwo .v 4 ab] über ns^
6 frolich hs^ ein bejaniern s 8 [in] ime hU enpfaheii . . . liden . . .
überwinden s und durch hlis^ 9 ach fehlt z ergetzen s 10 leiden» uR
12 stunden s 13 in g. willen feliU sz daz] es Its^ 15 lieber fehlt a
17 m] mit s 18 dis] das hRs^ dar nmb fehlt s daz — 19 me fehlt z
19 embietent s dis] daz hRs^z 20 vil liht] billich e 21 denn der h. z
22 daz] es z liht] lieht * villicht s^n üwer] uch * 23 dar inne] da mit hRs^
^ im] nun hnRs^ also volbr. //7/.v^ '25 Ameu fehlt c
3 ff. Vgl. GrBfh 415,1 ff, 7 f. \gl. Bdeir 25(1,24 ff
H, SoQse, Deutsche Schritten. "^
466 Grosses Brief buch. XX. Brief.
XX. Brief.
Annunciate dilecto, quia amore langaeo.
Es schinet wol, daz die minne truucken machet, daz ein mensche
nüt weis, waz er schaffet. Sesse ein mensche vor eime kelre in
eime sumerlichen tage, schone bedecket mit des gelobeten waldes i
schöne wat, bezettet mit der blümen manigvaltiger Schönheit, uud
man im do her us eines kiperwines in den durchlühtenden gleseni
i'ur trüge und in nach sines hertzen girde trenckete, — und ein
ander mensche uff der dürren beide under einem ruhen rekolter sesse
und die ber abe lese, daz er tempfige menschen gesunt inahte: lö
enbutte ieinen disem, wie er sich gegen dem süssen seitenspile halten
und leichen und gebaren solte, er spreche: „er mag wol truncken
sin, er wenet, daz allermenglich si also ime, mir ist üt anders zu
mute, wir sint unglich gefüret."
Min kint, daz mag ich eigenlich zu dir sprechen von der bot- 1:1
Schaft, die du mir hast getan : wie ein inbrünstige vackel enbrennet
si in dime hertzen von rehter, begirlicher, inhitziger minne zö der
minneklichen ewigen wiszheit, und von dem nuwen liebte und un-
bekanten wundern, die sü in dir wurcket, und wie din hertze hat
dar inne enpfunden ein süsses we und ein liepliches zerfliessen und 30
ein überswenkes enpfindcn, do von du nüt gesagen kanst; und ,
begerest, wie du dich ime aller minneklichest hier inne süllest er-
zeigen und dich gegen den wundern halten.
Min kint, es stat ein unmessige fröide uff in minem hertzen,
daz sich der minnekliche got so minnekliche erzöiget und daz er ^
git zfi cnpfindende, daz ich mit den Worten sage, daz er bewert, daz
XX. Brief i-^ Kl Bfb VIIlK Hss.: h c d s. In bcd fehU derTeü
von 467,27 an, auch s int gegen Schluss unvollständig,
2 (lilccto meo d 4 kele s 6 sunderlichen s schone] sehen i?^
7 erlulitenden s dnrchlühtcten b «jfleseliii b 8 uud iu — 12 solte /^Ä^^''
9 Wacholder c 10 [die] her h gelese b 11 enbiete s iemen] einer f'
11 f. i^oiren dez s. soitenspiles leichen solte gfebaren ?> dem s. seitenspil«'^ *^
13 üt] nüt s vil c, fehlt d ' 15 sprechen zu dir s 19 wirckent 9 20 ud^
[ein] 1. ds erfliessen .y 21 überswenckigcs b 22 ime fthlt ds
2 Hohel. 5,cS. Vgl Tauhr, Frankf. Ausg, 1,160 ff, 7 JQer ,Cypenc»*'
trird oft hildlirh bei iSchüderung der mgsiischen Trunkenheit genannt, tgl' d**
Belege bei Strauch, Ad. Langmann 114 u, Marg, Ebner 385,
Grosses Briefbuch. XX. Brief. 467
ich Büt ein lieger bin, wanne ich als reht vil von siner minneklichen
minne minnenden hertzen naht und tag sagen. Und dar nmb, daz
alle min kint, die zergengliche minne hant gelassen und aber noch
mit iren wunden umb gant, wie sü die geheilent, daz die ouch
5 hettent getruncken, dar umb wolte ich gerne turstig bliben.
Min kint, es ist ein gross wunder, daz du in so kurtzen jaren
bie zu bist komen. Und daz hat aber gemachet der gantze ker zu
gotte und volkomener vonker von allen dingen und der grundelose
ernst und liplicher pin, mit dem du din altes leben gedilget hast
10 und die valsche minne so gar under die füsse getrucket hast. Min
kint, ein mensche, der nie zii dem wine kam, so der des ersten
beginnet trincken, so wurt ime der win enpfintlicher denne dem, der
es dicke hat getan ; und gedencke, daz dir also geschehen sie von
der claren süssen minne der ewigen wiszheit, die dich als über-
15 krefteklich hat überwunden. Oder es meinet aber, daz dich got
reissen wil und dich schiere hinnan wil nemen zu dem grundlosen
burnen, us dem du nü ein tropfelin hast versuchet; oder es meinet
aber, daz er sine wunder hie an dir wil erzoigen und den übei*flusz
siner gute. Und solt dich also halten: du solt dich ime zö male
20 neigen under sine füsse mit din selbes verworfifenheit in einem lügen
sines willen an lustsüchen din selbes. Du endarft dar zu nit vorhte
ban: es ist alles sament ein minnenlüder ^ottes in der sele, es gat
eben, ime sol also sin. Doch soltu diner liplichen kraft war nemen,
daz du nüt zu vil dar inne verzert werdest. Es mag sich fügen,
^ So d^r loff für kumet, daz es dir zu guter raasse benomen wurt und
daz du ufF ein noch nehers gesetzet wurst.
Ach, min kint, die schöne gesiht, die dir an dem heiligen tag
zt winaht wart, in der du sehe, wie clarlich die minnecliche ewige
wiszheit in fröidenricber wise mit miner sele vereinet wer, und en-
^ hütest mir, ich müge ein fr5idenrich diener sin der ewigen wiszheit,
dis hat gemachet, daz ich han hertzklich gesiiftzet, wanne ich bin
nüt sin minner. Mich dunket, ich si sin karrer und watte mit den
grossen schuhen uffgeschürtzet durch daz ror, wie ich die menschen
1 YÜ fehlt 8 2 minnende s 3 [und] aber und noch i? 7 Und — 8 dingen
J^ehU d 8 vonker] ker b affkere c 10 hast fehlt hs 12 enpfintlicher sd
dem fMt hcd 21 f. han vorhte s 2;^ doch so soltu sd 24 dar inne zu
vil 8 gefogen h 25 ea] er ds 32 karter (!) s
4 wunden bezieht sich auf die verMirten Neigungen ^ die nach der Be-
Gehrung noch in der Seele sind. 28 f. Vgl. Vita 20,13 ff, u, Abhildain^ 2.
468 Grosses Brief buch. XXI. Brief.
US der tieffen lachen ires süntlichcn lebens bringe; und dar umb soi
mich genügen, so er mir einen rucken leip an mine haut git. Und
doch so mos ich dir eines von mime geminten sagen, des er kürtz-
lich neiswie dicke hat in mir gepflegen [hier bricht auch s ah; (ht
Schluss siehe Kl Bfb 385,30-386,30].
XXI. Brief.
In Omnibus reqniem qnesiyi.
Also sprichet die ewige wiszheit : ich habe mir in allen dingen
rüwe gesftchet, und Icret verirte menschen, wie sü in dem lofife ires
lebens zu fride süUent komen. ic
Wie daz si, daz die warheit an ir selbes blos und lidig si,
doch von unser naturlichen eigenschaft so ist uns anegeborn, daz
wir sü in bildlicher glicheit nemen, untz daz der swere nidertragende
lip wurt abe geleit und daz gelüterte 5ge in der ewigen sunnen rad
frilich wurt gestecket; wan untz dar so gangen wir also die blinden 15
suchen und griffen umb uns und enwissent nüt wo oder wie. Und
so wir joch ettewenne haben die warheit, so enwissent wir nüt, obe
wir die warheit haben, und tügent als der ein ding suchet, daz er
in der haut hat. Und der mensche lebet in zit nüt, der dises gentz-
lich lidig Stande, wanne es ist ein nachklang der erbesünde. 30
Aber under allen dingen nach mime verstene so wer nüt also
rehte begirlich zft wissende einer gotsftchenden sele, als daz sii
möhte wissen, waz gottes liebester wille in ir wer, daz sü inie
minneclicb und gevellig mähte, daz er sunder liep und minne und
heimeliche zu ir gewinne; wanne ein reht geordenter mftt kont dicke ^
dar zu, des mich duncket, daz er dar umb einen tot wolte Hden,
daz er des einen liebten underscheit gewinne in allen dingen. Dise
begirde mähte den getruwen Abraham us gende von sinie lande
XXL Brief (= Kl Bfh IX). Hss.: c d h R 8. In d fehlt der Sehl^^^
von J/'Vaö' wor mi.
8 Also — wiszli. fehlt h mir fehlt d 12 [unser] naturlicher /•'
13 lälderycher s 15 [die] blindslichen /* [die] plintloszen JB 17 so enw. "
18 haben fMt h 19 discs] des hlt 23 wer in u R 24 sunderlich c^*^'
und minne fehlt hH 26 des] als c 27 in allen d. gewynne 8
7 Sir. 24,11. 24 er =■- dtr Mensch. 27 des = van G&Uet W««-
28 ff. 1 Mos. 12,1.4.
|d lüten und f:
Grosses Briefbucli. XXI. Brief,
469
frÜDdeü; er enwUBte war and sächete got verre, daz
in nach vinde. Dis hat gejaget und getriben alle usserwelte
Lenschen von anegenge der wehe untze an disen hiitigen tag und
kt ienier me, waone daz liej) wartspil züliet ine dennc der adamast
ad bindet lue denne tusent Beil. Wol inie, daz er ie gehorn wart,
hpr ea vindet und ergriffet und sich meiner do von gekeret!
' Ach, har umh vellet mir ein sprueh in, den las ich in der
ihtile der nature; ich las in nnd verstfint sin aber do nüt, Er
pricbet also: er beweget unheweg:enlich also ein geniintes Uep, er
it bertzen ilen nnd begirden 16ffen und stet er also ein unbewegen-
ehes zil, des alle wesen varent und begerent. Aber der 15ff und
ng ist unglich: der Hellte himel machet die anbeis kriechen und
en geswinden birtz löffen und den wilden valkcn fliegen. Ir wise
S UDgelich und haut doch ein ende, daz ist ein ufenthalten ires
ins, daz von dem minnezil ns flässet.
Die glichen vindent wir in der grossen nnglicbeit, die man
ider gottesfninden vindet, die do des gfites enpfeuglich sint; wanne .
tiB löfl'et mit grosser strengheit, eins ilet mit Inter abgescheidenbeit,
uns flöget mit schowelicher bocbeit, ieder mensche, also ime gezem
8t, Waz do an ime selber daz nehste sie, daz wene ich. daz daz
Iteinem besiuten menschen verborgen si, aber waz einem ieklichen
Dienechen sunderlich daz aller nutzest si, daz wen ich, daz daz nie-
man dem andern künne gesagen; eigenes befinden und g&tteliche
erliihtunge müs des einen menschen bewisen. Denne eines spriehe
ich wol: liplich strenkeit git zfl den dingen vil gevellikeit, dei' es
L
■ 4 adamaB ch 5 daz er] der * 6 begiySet cd ierct H 7 laa
Jueh 8 Mhflie > 9 aller lio /rhli <■ 10 er atet AR er /«Alf * 11 warent a
*WH*n R wardit d wartende B.ynt c 12 gar nngL ed die — und fehlt h
»oiinsien Red 14 ufenthaltens » 15 daz — flügset /eW( h uf flüssetd) »c
■" Den e 17 ferueden cd 16 sUrgheil s kranckheit c mit (tweilei)] in hH
* itt daz — 22 wen ich fehlt $ 21 besinten] besonnenen c verstcndigon d
r [du] aller n. dR 23 eig. — 24 bewisen fehlt h 25 gevellecliube # es] a; c
Vgl. Hebr. 11,8. 7 f. in der nchäle dor nature =: im lAilotophüic/iin
W. 8 ff. ArUtoleli», Mtlaph. XIle.T iJ072a Säff.bSff.) ist frei
20 ff. Dan beschauliche Ltben int an u. für sich das häehtte, aber
I tind dasu berufen.- vgl. die Änm. tu Kl Bfi .3M(,Iß und Dtniflr, Dom
', Lebtn 3ti3ff. Zitat» ou» Gregor (eigenes befinden i u. Diontjsiwi (göttel.
jUlmige) Mieht Kl Bfb 3S8,3f)f.
4
4
n
470 Grosses Briefbuch. XXn. Brief.
tut mit beschcidenheit. Es ist kuntlich, daz nieman z& allen zitten
in sime loff uff eiroe päntelin mag bestan; dar umb sol man den
dingen gar sitlich nach gan. Uff den sinn sprichet der wise
Salomon: alle ding babent ir zit. Wanne also der luter inker au
eime frummen menschen sin zit wil haben, also wil och der örden-
lich usker nach gottes lop sines zittes nüt verhalten werden. Wer
sich alleine setzet uff inrekeit, der wurt entrihtet, so in got zühei
zft usserkeit; wer sich och nuwen behencket in usserkeit, der ist
ungebögig zft innerkeit. Ein wiser mensche sol sin innerkeit in dei
usserkeit nüt verwerffen, noch der usserkeit von der innerkeit nii
verlöickeuen, sunder da es ane triffet die werk der gehorsame. Ei
sol sich selber in den wercken mit heiligen begirden unmüssi^'en,
daz er geswinde wider in die heimeliche müge komen, and sol sicli
selber in der innerkeit also in gottes haut geben, daz er der gehor-
same siner obern müge gnüg wesen. Und also get er us und in
und vindet, do von er gespiset wurt, wanne er vindet rüwe nach
der wiszheit lere in allen dingen.
Dis schribe ich üch dar umb, sit ir got verre in daz eilende
gevolget hant, daz ir in nahe und verrc kunnent vinden, den, der
do in allen dingen hat sin wonen. Ich weis einen menschen, derä(
kam sines lidenden eilendes eins males under einem crucifix an den
eilenden Cristum; do antwui-tet er ime her abe innerlich also: r,i^
solt dar umb lieblos sin, daz du mir zft eime liep werdest, und solt
dar umb versmehet sin, daz du mir zu eime lobe werdest, so solt
du dar umb unwert sin, daz du mir zu eren werdest.** ^
2 gestan hH 4 inker] kerin (!) a* 6 verschalten s verschiffit c
7 eutriht.J intfredet c 8 wer — 9 iimerkeit fehlt h 10 noch — 11 p^"^^^^-
fehlt h noch die usserk. s 15 sine* chs gnug müge w. s 19 ^'^^^
^^evolg, hR 21 males fehlt s ein cruc. chs 23 und — werdest jW^ ^
1 besch(;idcuhcit = Diskretion, Ähnliclie Äusspriiche Vita 108,llf'
KlBfh 3f)4,lljf\ .76«^5. Weitere Belege bei Dmiße, Luther uml Lathttiti»
I-,o(jyff. 2 f. Vgl. Vita 166,21 f 4 Fred, 3,1. 4 ff . inker = /' '
sdiauuiKj ; usker = Beschäftigung mit äusseren Dingen, 6 ff. Ähnlich 0^
danken in den Sprüchen Vita 165ßf, 167,15 f., 168,7/. u. Kl Bfh 3So,Sf'
Tnuhrs Lvhre bei Deniße, Brga XXXI f. 8 behencket mit der AnlrMü-
lirhktit an die sinnlichen Dinge. 16 f. Joh.10^9; Sir. 24,11.
20 Vgl Ps. ViS,7ff.
Grosses Bripfbiidi. XXII Briff.
Estote perfectl!
Also sprichct die ewige wiazheit Jesus CriBtiiH zft ainen iies-
irelten jüngeru, die nach hohem lebeu stalteu : „ir sent volkomen
' Oex lieht Dionysius an dem bfiche von deu eugelsliclien
Inrchien sprichet alao, daz die uideru vod den ibern werdent ge-
Aet, erlühtet und volbraht; nad dae geechiht alles mit dem iis-
%chendeD glantz der überwesentlichen snnnen, mit einer gemein-
de dez hohen neflusees, mit nnwer inluhtender warheit.
Diis bilde» glichnisse viiident wir ettewie vil in zit in manigcr
fi wise in vil menseheo. Doch also mich diincitet, daz es dir -/.ti
ftftre: daz Torben lit an usgetribenheit alles des. daz creature oder
eatnrlich ist nach hafte und hegirde und kuraber, daz dich in
iner wise vermitlen mag, und wer daz der hÖheste geist von
'raphin oder der heilig sant Johannes oder waz daz ist, daz ge-
haffen ist, — dem aoltu us gan. Du weist vil wol, wie rebte
mdig der satan ist nnd nie gr&szlieb maniger beilger mensche hie
fffirret ist. Lfige, kint miös, ich gibe dir den, der alle heiigen
keilget hat, die ewigen wiszheit; und den ungeordenten kumber,
R du vor an sin getat leitest, den leg nü an deu gemiuten zarten
Iren. Ich weis wol, daz du es in gi'iter meinunge tele; aber die
le meinunge ist in allen dingen nüt geuüg. Es gebot unser berre
i vor durch Moyses nnd epracli: „dnz reht und g&t ist, daz soltn
b und 6rdenlich tön"* ; anders daz reht wurt unreht.
Aber nach den elaren inflüssen der g6ttelichen warheit do soltti
pt nnd tag nach kalen nach nuwem lieht, nach nuwer warheit,
URie die warheit ist ein lieht, daz die timbern vinster der tin-
XXII. Brief f= Kl lifb Xi. Ilg«.: e d h H n.
l 8 Bprach Ü 4 die ~ stalten fekll hJli 8 lieht] Icue d 7 ueilcr-
I. . oversten cd 7 f. gefurbct] gcrejoiget c, /«/ill dh 8 als cdR dem]
m idh 10 mit n. inl. ivarfa. fehlt d 11 Dee cd 13 ufffirben « reinigen e
W [de> du] creature s des fehlt dhR U haste dhs 18 «atan] viant d
Mtiiret n myii kiat ed 21 getet a 22 die] dein hll iA and
M fthU hU 25 unreht] viircht g 2t! dem d. inflneae cd 27 quelen chH
Mr liebten (!) » 28 timbern] tutnben » dode d, fehlt ch viostcmusse dh
I S Matth. Ö,Jö'. öff. De coei. HitraicMa H,l.- 7^.3.- i,3. Zu iiideru
Utren trgäntt ,rit Kl Bfh 390,:! eiigel. 24 f. V Mo». IG^O.
472 Grosses ßriefbuch. XXIII. Brief.
wissenheit vertribet; und daz lieht wurt ettewenne in mittel; etwenne
snnder mittel enpfangen, daz die sele in fröide ernawert und si mit
göttelichen formen erfüllet. So dir des in zit ieme werden mag, so
dir alle irdenscheit ieme enpfellet^ und daz untodemlich kleit des
künftigen iemer werenden liehtes ieme wurt geeigent in einer Ver-
drossenheit aller zitlicheit.
Und in dem enspringet denne daz dirte, daz ist wäre vol-
komenheit^ die do lit an der waren vereinunge der hohen kreften
der sele mit dem Ursprünge in hohem schowene, in inbrünstigem
minnene und in süssem niessenne des hohen gutes, also vil sü vor ]
krangheit des sweren libes vermag, untze sü 5ch abe geleit des libes
swerheit und frilich nach ilet irem geminten in vollekomener selikeit.
Sich, min kint, disem pfat gang nach und kumme dar ab out,
so wurstu voUekomenliche bewiset der höhsten warheit und vahest
hie in zit an einen yorsmak ewiger selikeit. Und so du den vinger i
göttelicher lere ie girlicher sagest, so du ie lüterlicher warst gewiset
und ie hertzeklicher mit dem trancke der ewigen wiszheit getrencket.
XXIII. Brief.
Exivi a patre et veni in mnndum; iterum relinquo mondnm
et Tado ad patrem. ^
Also sprach der ewige sun an dem jüngsten nahtmale, do er
von sinen jungern hin zu sinem vatter scheiden weite: „icb bin
komen von mineni vatter in die weit; nu wil ich die weit la8.*en
und varen wider zu minem vatter."
Der wise man sprichet: „drü ding sint mir unmugelich zft er-^
kennende : daz erste ist des adelers flug in dem luft, daz ander ist
1 vcrtr. der unw. liH in] ein hs etw. — 2 mittel /eAtt h 2 vreudenf'
3 So — 4 eiii)fellet fehlt h 6 geneyget cd 9 seien * 16 begirlicher ^
17 Amen hR
\}iIII. Brief. Hs8.: h c d h m X U,
10 patre ineo dmX 21 f. nabtmal, das er zö lezst mitt sinen jungern ass
und er von s. j. 17 24 var bU 25 drii] die U unmügel.] mulich T
26 iiren InnX den lüften hcU
8 f. Vyl. Bdw 347,13 ff. 19 f. Joh. 16,28. 26 ff. Sprichv, 30,1b f-
Grosse» Briefliiicli. SXIII. Brief. 473
"leg gcliiffee we^ uf dem mer. daz dirte ist des slangen sliclien uf
iem herten stein."
Diser adelar ist da^ wort in der gotheit. Wie daz us äiessende
ist und wider in fliesseode ist, daz ist allen geisten verborgen, als
fies ime ist in ime selber offenbar; aber daz ander als sin geburt ist
ein Sache aller creaturen gebereng. Daz lau ich nu zQ mole ligen
and nim daz dirte stucke, daz ist ein ende sines herkomeng, daz
siut alle die guten gemüte, die in gotte eweclich gestanden sint, daz
er die lere, wie sii wider z& ime klimmen süllent. ßxivi a patre.
K Es wart gefraget, ob der mensche dar zu m&htc klimmen, daz
er lidig wurde stonde aller neser Übungen, und ob usser übunge
begger were oder lidig ston von innan und von ussenan in einem
schowende, Do wart geantwurtet also: anevoheuden menschen, die
noch mit den snecken in dem horwe irs eigenen gebresten krieclient,
U den gehört nit zfi, daz gi'i sieb dem adeler in sime dug glichent,
mer sü süllent flis lian, daz si gangent in sich selber und lögent,
wa sü haftent, daz sü sich da entlidigent. Wer mit aweren bürden
wil fliegen, daz gat ime übel zft banden. Da von so sol sich der
mensche scheiden von allen creaturen in dem anevange. obe er zft
■9C vollekomenlieit wil komen. Daz ander stücke ist, sinen lip an grifleii
mit kestigunge in einem abbrechende an slaflTende, an essende und
an trinckende nnd alles, daz ime lustiich &i; wan sin lip ist der
weitste vigent, den er gehaben mag. wan er mns in alle zit bi ime
tragen nnd ein doch lidig stan.
1 des Bchiffea weg'] ilaz adiiS bdhmNÜ uf] in ch schlingen hmN
^ Heia h. steinen 6 3 ar dhmN d, ewij^e wort c 4 und wider iu L
J'Ml td 4 f. als ime selber offenbar ist mN u\s nn offenbar ist h 5 gelben h
aWt fehll dhniX ala] i^t hmN b f. die ein sach ist hmN G gebereu {.'
"a) ,vete r 7 das ist Aaz bU 9 die] ai h(/ U aller — 12 slon fehlt h
uW(>«d] Übung Uc 12 und v. ussenan /rAK bü 12 f. in rin. gcbow.] uad
"h ir sin recht gedenckent ü 14 ir mN IB noch nit V aren dAm.V
IH mer] aber b in gangont in a. b, hmN 17 wa] wie U Aa.] da van <!
<lw mN wan wer hmN swerer ch 18 fliegen wil hmN 21 kestigen
''iid im nlibreuben hmN 2t f. [nnd iin trinck.] und an anderu dingen und an
(^■m dem dai ime InsUich ist hntN
3 ff. Vgl. Vita 178^1 f.. 179,S3ff.und dir dort gegebmm Erläuterungen,
ftritrr Eckliart 165,34 ff. 7 ein ende aines berknmena = das Zitl dt«
Kommen» auf die Erde, der Measchterrdung. 8 Vgl. Sdwr 331,16 ff.,
334Mjf..- Füaä3,4. 10 f, i'gl. Sdw 358,7 ff. WS. Vgl. Kl B/h 373,18 ff.
Zh trgänjen ist hier die Mahnung eur Diskretion in dir Axkent, rgl. n&c» 470,1.
22 f. Vgl Vita 106,1 f. -t. EvkhaH 39,13 ff.
474 Grosses Briefbuch. XXIH. Brief.
Ich frage drier fragen. Eine ist: weles daz hoheste si an be-
kontnissc, die ander: weles daz beste si an lebende, daz dritte ist:
weles daz nehste si nach inren Übungen. Disen fragen si kurtzlicb
geantwurtet also. Daz erst: got sander mittel schowen; daz ander:
einen vereineten willen in liebe und in leide mit ime haben; daz 5
dirte: in einem ieglichen nu ein widerinfliessen haben.
Aber zfi der frag, obe der mensche dar zfi müge komen, daz.
ii?ie alle iibunge werdent enpfallende, süllent ir wissen, daz es ge-
schiht under stunden, daz ein mensche in schowelicher als in ge-
bnichlicher wise einer lidiger friheit in ime enpfindet, die in nf inre 10
lidikeit und uf usser friheit zähet und ein vereint einunge mit der
höhsten warheit erzöuget, daz er der solle genüg sin und enkeiner
wise me sülle ahten. Und wan die menschen noch nit zfi gründe
durch sich selber sint erstorben, noch die wise nit wesenliche in in
ist gestillet, denne alleine nach einer eilenden unzitlicheit zu gevallen, ^
so gesehiht dicke, daz si do von werdent gehündert und nit klein-
liche gesumet, wan es noch nüt sinen vollekomenen dnrchbrueh hat
genomen. Dar umb duncket mich fürderlich, wie hoch sü itnier
koment, daz sü docli dise vier Übungen habent und in die nieiner
lassent abe gesprecben, wanne sü sint nach minem verstende zu der*
hühtsten vollekonienheit die aller nehsten.
Die erste ist, daz sich der mensche alle zit samene von aller
nianigvaltikeit in ein einvaltig stilheit; daz ander ist, in ime selber
ein enizig unverwenckete wonunge haben; daz dritteist, dez usseru
1 Die eyiie cd daz] die h an] in cU 2 daz ander mXcd »Ü«
drit ü ist fehlt cd 3 inren] ingender hmN 4 sunder] on ftmN 6 eiiirm
fMt hmX 7 tragen hc 8 do sönd ir w. hmN ir fehlt b 9 als io]
oder bc 9 f. gebnichl.] niosseclicher b niesslicher U 10 in ime fehlt dhmy
die — 11 lidik. fehlt dhmX 11 und [uf] unszer frili. hmX ein] im tMw*V
13 wan fehlt dhmX 14 wise] wite bU 16 gestület 6-.V gestuelet c denne
— govallen fehlt m nach — unzitl.] den menschen h nach] in cdN elleuden]
entlohten U entlendon X »utzychicheit d 16 f. nit kleinl. fehlt h 17 ver-
suniet dhmX 19 diser bhU in fehlt mX in dit fehlt dli niemer in
einer stillen (!) b 21 voUek. komeji die aller meist ist b 24 emzig] stete dfony
2.5 Vfjl Vita L'3.Wf. 5 f. V(jl oben 470,12 ff, 9 f. in gt^bruch-
licher wise = actualitn\ vt/f. Kl Bfb SöOyiOff. und die Anm, ehd. 13 f. wise,
cyl. Vita 107,3. 14 f. iSinn wohl: noch das Streben, ihrem eigenen Sinnt
(statt fiott) zu folgen, roli^tändiy in ihnen zur Buhe gekommen ist, nur allein
eintr elenden i'nyehi'trigiciit zu Gefallen u. s. w, 22 fif. Vgl, Vita IßiJff
nojr>ji\
tirüBaes Briefbiich. XXIV. Brief.
475
Heben stetecliuhe war netneii in einer wüiklicheD nacliYolgitnge
I hohen bildes unsere heiTen Jesu Cristi nach der li&liesten voUe-
benbeit, als es ime denne mügelich ist zu tfiude in demiitikeit,
srilliger gehorsame, in senl'tmütiger armät; nnd iils der himelscbe
ter sieb selber minnet durch sich selber, alBo sol der menBche
h selber nnd alte creatnreu alleine durch in minneu. Die vierde
mge ist : wa er siüb selber iemer vindet, daz er sieb selber da
^ande lasse nach zit und ewikeit, daz ist an ansehen keines
lies. Üis bewert sich ein teil do mit, obe der böste mensche den
1er edelsten handelte, so er iemer wurst möhte, da/, er sich da
ider den menschen neigete, als ob er dot were; und zä glicher
ba; da gat eine bin und vindet einen guldin pfennig oder nit, —
pseltzen daz ist, dan man einen gnldin vindet, als seltzen solte
ä ain, daz der mensche sich selber iemer me fünde. Gesebibt
ler, daz er sich selben vindet, so sol er sich selber da lassen und
!h mit dem sune wider in daz velterliche hertze neigen. Daz wir
18 hie also vinden, daz wir uns eweklicben niemer verlierent, dess
If uns gott der vatter, gott der sun nnd gott der heilig geist.
XXIV. Brief.
aatein revelata facie gloriam domini simculantes iu eandeiii
;lnem traiisforniaitinr a claritate in cbirltatem, tamqnRtu
a doniiiii spiritii.
Min liebu kint, ich han uch dicke geleret luterlich leben, nu
I wörkL] V
Oek. fehlt d 3 [cb] in daii c (e
tj gewilliger h ril Am,V ö sIho -
l^t/vAH U obe] daz bdmN
B d, fehlt hmS VI da — hin) alaz
Ipfennig Am.V gder n\t f<Ht
gnldetD limN giildin pfenning hc
■ he selber fehlt d me fehlt dhmS
19 Amen feItU bedhmX
X 2 nus. herreu J'thlt AniA' uiicL
esj ilenne iu dh in demfit. fehlt h
— « minoen fefiU dhmN 8 kleines 6
10 edelBlen] besten menechen kmX
n meiuch der do gett hmS vindet
selten (tu-timal) hmX
14 siel) selber (tarch Btcb
15 vindet — lassen fehlt h
XXIV. Brief. W*«..- b c ä h m N H f C i.
82 in — 23 npiritii/eA/( hH 22 f. [tanquam | a deo syiri tu « 24 luterlich/t/iff B»
7 f. Vgl' Seiises Predigt Zterum relini/uo u. Denißn, Ua» geixllieht Leben
12.ia guldin ipfennig) ^ Goldmimte, Gulden. IHfL JXeeer nur
ÜfUtferU Schliue »eigt, daas der Brief eigentlich eint Predigt ist, tait
hervorge/U. Vgl. Zfda l9,3Si*: 3(J,364. 21 IT. l£Kor.3.1&.
476 Grosses Brief buch. XXIV. Brief.
wil ich üch och leren andehteklich betten, swie ich leider eutwederra
nie genfig were roit dem minsten püntelin. Daz hohste ende ao-
d§.htiges gcbettes daz ist ein mittelosfi vereinunge der sele, so si mit
allen iren kreften gesamnet in daz bloss abgründ des ewigen gutes
mit lutrem schowen, inbrunstigen minnen und süssen niessen versöffet i
wirt, daz sfi ir selbes und aller ding untz an daz luter gftt ein ver-
gessen gewint. Wan aber die sele von des armen libes swarheit
emzklich wirt nider gezogen, daz sä dem göt nfit luterlich mag an
haften, so müss su etwaz behelfens ir selber hau, daz s& dike wider
in leite. Nu vindet man manigerley gebet und misslich andaht, 10
dar nach als denn ein mensch gemüt ist oder als denn sin loff ist.
Aber mich dnnkt, daz daz ein übergülden alles andahtes und ein
lieht alles gebettes sie, daz da gät ufif daz minneklich bilde Je«n
Gristi und uff sin minnekliches liden; wan da hat man got, da bat
man menschen, da hat man den, der alle heiligen heiligot, da vindet ISi
man Icben^ da ist der höchst Ion und der obrest nutz. Und da sol {
ein mensch mit entbl&stem gemfite von allen creatürlichen dingen
die götlichen gänlichi des himelschen herren, die ewige wiszbeiL
schowen, und sol sich in daz selb bild verbilden von klarbeit ze
klärheit, von klärheit siner zarten menscheit ze der klärheit sioertf
ewigen gotheit; wan so wir in nu ie dicker mit spilenden ogen
minneklichen an blikeu und alles unser leben nach im bilden, so
wir eweklich ie ueher und ie höher in den himelschen Ion werdent \
geset/et. Aber wan der geminete herre, ein exemplar unser geist- ^
liehen ogen, got und mcDSch ist, so höret etwaz die gotheit an, etwaz Öj
1 üch fehlt b och fehlt dli 2 nie] ie z mit — pünt. fehlt z hoch ht
3 vereiiiia:ung hmXsU 4 daz fehlt b 5 mit einem lut. seh. r versöffet]
versenkt hl< 7 aber] als z swachheit z 8 eintzklich sz 8f. luterlich
nüt mag haben und an haften z 10 man fehlt b gebett<? ze misslicheii ü:
11 oder — iat fehlt sU 12 daz [daz] zcdmX 14 hat] vindet ( zweimal i :
16 daz ist d. h. Ion h aller höchst e 17 mit einem entbl. g. zc 191'. ton
klSrh. ze klarh. fehlt bhl<8 21 nu m hRs nu fehlt z 23 hoher] neher h
den] dem EU Ion] tron mN 26 ist fehlt z
2 ft". Sruse beschreibt hier treffend das Ziel der Kontemplation, Zar Er-
kl'irung vgl. Thomas , S. Th. 2,3 q. 179 sq.: Denifle , Das geistL Leben 523 f.;
Eies a. a, 0. ^8()ff. 5 Dieselben Ausdrücke in Brief Estote 472j9f.
6 f. Vgl Bdiv 346,8 Anm. 7 — 24 ist in Brief X Kstote perfe^ii d«f
KlBfb 391,1 IS aus züglich wiedergegeben. 15 der alle heiligen heilis^^t
ehtnso schon 47 1,19 f. 19 Vgl. Vita 168^9 f. 24 ff. Vgl Bdw Kap. 5 «.*>.
H'o Scuse die falsche, einseitig innerliche bezw, äusserliche Auffassung des Vor-
bildes Christi ausführlich zurückn-eist.
j
Grosses Brief buch. XXV. Brief. 477
e menschheit, etwaz su beide ; an etlichen einen werken ist er uns
I volgen, an etlichen ist er allein zu schowen und zu wundren mit
ner diemütiger undergeworffeuheit ane alles vrävels nachgreben
ner überswenken Verborgenheit. Und also wirt ein mensch von -
er gotheit gespiset und von der menscheit gewiset und von in
eiden emzklich ze andaht gereisset.
XXV. Brief.
Mihi autem adhaerere deo bonum est.
Das edel seitenspil des heiigen geistes, der wissage David, der
was eins males besoffet in der stille des götlichen schowens und
sprach daz edel wörteli: Mihi autem etc., daz sprichet: mir ist
gut; daz ich got an hafte.
Owe, min zarten kinder, daz min munt üch dicke hat girlich
geseit, do ich bi üch was, daz riiffet nu min hertze mit luter stimme:
daz ist gftt und ist besser und ist daz aller best, dem gut allein
leben, im wesen und mit minneclicher begirde zu allen ziten alleine
^ haften und alles anders kumbers und unrüwe vergessen; wanne
in dem anhafte da wirt die sele verswemmet in daz einig ein und
^irt widergeflösset in daz gut, dannan sü geflossen ist, und als
sant Paulus sprichet: „der anhaft machet die sele einen geist
mit got."
Ach, und daz begert der clare widerglast des ewigen lichtes,
der luter Spiegel der göttelichen majestat, eya, und daz 8ch6ne bilde
1 f. ist er und ist uns zu volgen (!) hs ist er — 2 etlichen fehlt dmN
3 ane — 4 verborg, fehlt * nachj^cben (!) hR 4 überswenkenden bcU über-
swenkigen zJt 5 in] den h 6 Amen r
XXV. Brief Hss.: b c d <j h m X n R s U z. In mN fehlt der
^'chlugs von 478,19 Seli^ ah, wofür ein Teil der Predigt Lectulus angefügt ist.
9 f. [der] was s 10 besloffet s 11 daz — sprich, fehlt dH daz
sprich, fehlt b 12 an hafte bin z 13 zarten — 14 stimme fehlt g zir-
H 8 13 f. geseit girlicli b 15 irüt (z\veitesi)\ got z guten mN 16 leben]
?eben b im] in hR myn j? 17 und alles — 18 anhaftf? fehlt hz anders
'^t bs 18 anhaften b da fehlt bcg 19 als fehlt bv, 22 und fehlt z
W] wäre b 23 majestat] her kraft g
4 f. Vgl. Joh.lO,y. 8 Ps. 1:>,:^S. 18 Vgl. Bdtic :J35,J(; u. Bdw 336,7 ff,
20 f. I Kor, 0,17. Zur ErkUlrang vgl. Rüs a. a. O. ^^^.s, 305 Jf.
478 Grosses Brief bach. XXV. Brief.
der gotlichen gute an dem jüngsten nahtmal, daz er hat mit sinen
Heben j augern und sprach: „heiliger vatter, ich beger, daz sü eins
mit uns sin, als ich und du eines sinf Und welle alsas ein mit
ein in einikeit worden sint, der hertze und geist wirt ernuwert mit
dem infliessen sins selbes geistes mit nuwer warheit, mit verborgem
liebte, mit ungewonlicher süssikeit, mit eime ablegen aller unglicheit.
mit eime waren inblick der gottelichen clarheit. Alle ir sinne koment
in sogtan ingezogenheit und ir verstantnisse in ein schowen der
blossen warheit, daz kein schöner blüm in disem wunneklichen zit
sich nie so schone naturlich gefarwet noch geziert, als ir hertze und 10
mfit in dem hohen Ursprünge alles gfttes übernatürlich wirt mit gnaden
und mit tugenden geziert.
Ach, habent uflF üwerü ögen, lügent, wes fr6wet sich ietze berg
und tal, lob und gras, wes lachent ietze die schönen beiden? Xilit
anders denne von der claren sunnen nacheit. 0 ininü lieben kint. l*
dem nü die gewere sunne inluhtende ist, dem sü inwonende ist, von
dem alles gewülken und timber nebelheit vertriben ist und mit dem
gotlichen glaste durchglestet ist, wie mag der so rehte wol ein som-
merliche wunne haben! Selig ist der, der es hat! Ist es nut ri
allen zitten, daz er sin doch underwilent ein bevinden hat.
Ach, und dar umb, minü zarten kint, so erswingent ücb in
die stillen, wilden, wüsten gotheit und verheftent üch dar inne, daz
üch in zit nieman begriffen kunne, daz ir sprechent mit sant Paolos:
^ich leben, nüt nie ich". Hier uff hat üch got dicke dur raine wort
gezogen; ich beger och, daz er üch nu sin volkomenlich durch mini^
werk bewise. Minü usserwelten kint, lident, lidcnt, und wissent, dsz
ein kraucker lip und ein vestes gem&te mügent ellü ding in got über-
winden. Nement war: wer der schonen rosen ogen weide togenlick
3 als da ich z eines und eines sint hlisz eines und einig s. E f> ^^^
intiüssen h dem iiifluss g 7 sinne — 8 ir fehlt d 9 diser schmX wudd^
zit hs 10 sich fehlt h noch] und hHs 11 mfit] miint b hohen /f^^^*
usspiiinge hs natürlich z 13 frowent hgmNEÜ 14 lachet hdhne st'WDf
beide sdhn 15 Min fehlt z nacheit] nehung hU^ fehlt hc lieben /«A^-'
16 nu fehlt sU gewere] war dghnli 17 gewülke sdghU tumber o»^
nebel :; 18 rehte /e/tft s so wol ein rehte sum. w. sn 21 Ach — 26 kint/iÄÄ|
22 wilden stillen h 24- me fehlt a me [ich] dRU hie her uf h ^^
fehlt z 25 r)ch fehlt h volkonienheit lisUz 26 lident einmal dU ^'und
[ein] z müu: z 28 toj^enlich fehlt hlis
2 f. Joh, 17,11. :>1. 4 f. Vgl. oben 471,26 ff. 23 f. Gal 2^30.
GrosHCs Briefbuch. XXVI. Brief. 479
haben wil und der wunneclichen fruht des baisamen niessen wil, der
IHÜ6S ir natürlichen art volwarten in gemach und in ungemach, bis
daz der frölich tag kunt, daz er sü in spilender wunne frölich nies-
send wirt nach alles sines hertzen last.
Ach, ir rainnenden hertzen, nfi hörent, wie min hertze die rede
beslüsset! Ir sond also werden, daz ir mugent sprechen mit sant
Paulus: „hinnan für so lasse mich ieder man schaflFen daz min, wann
ich trage die fünflF zeichen Jesu Cristi an minem Übe.''
XXVI. Brief.
Pone me nt slguacnlum super cor tuuni!
Es begert der ewige got von siner gemahlen einer bette und
sprichet also: „lege mich als ein minnezeichen uff din hertze!"
Minü lieben kint, ich sende üch hie die briefe, daz ir alle zit
ehvaz habent in den munt der sele ze legen, da von üwer hertz und
niöt emüwret und enzAndet werdent in der süssen minne der zarten,
niinneclichen ewigen wiszheit; wau dar an lit daz höhste, daz wir
in zit mügent han, die wile uns der blosse anblick, der mittel-
lose umbvang, ach, und der iemer werend ingang verseit ist, daz
wir dicke an daz liep, ja gewerlich an daz einige usserwelte liep
dike gedenken, daz hertze nach ime verseneden, dicke von ime reden,
sinn minneklichü wort lesen, durch in ellü unserü werk tügen, niemau
off ertrich denne in allein meinen. Daz oge sol in minnecliche ane
büken, daz ore zu sinen worten sich uff bieten, hertze, sin und mftt
in umbvahen. So wir in erzürnen, so söllin wir in flehen ; so er
nns übet, so söllin wir in liden ; so er sich birget, so süln wir daz
gemintc liep suchen und nieraer erwiuden, e wir in aber und aber
1 fruht — 2 naturl. fehlt h 2 müsse [ir] s wol wart«Mi gz und
in unsremach fehlt s bis fehlt b 5 Ach — 6 beslüsset fehlt y die]
<ii8ze hdn 7 so fehlt z 8 Amen hnli
XXVL Brief (= Kl Bfh XI), IIss.: c d n H .v z.
13 disen prieffe n [die] brvefe 8 14 hab. etwaz scli den] dem dnRz
20 versenen cR 21 werk] wort cdUs din»; a tfi<^en] sprechen d trafen R
23 sich fehlt dz 24 im flehen cds 25 durch in liden z 26 uch niemer s
6 daz «
7 f. Gal 6,17. 10 Hohd. b,6\ 1:5 die briefe vcifit wohl darauf
^i«, dass Seuse den Brief Pone mc zu gleich mit einem oder mehreren andern
^n dieselbe Adresse (Kloster Töss^) gesandt hat. Vgl, JJeniße in Zfda '^1,93.
480 Grosses Briefbuch. XXVII. Brief.
wider vinden ; so wir in vindeo, so söllin wir in zärtlich und wirdek-
lieh behalten. Wir standen oder gangen, wir essen oder trincken,
so sol alweg daz giildin furspan Jesus uff unser hertze gezeichent
sin. So wir nüt anders raügen, so süllin wir sin bilde durch unser
ogen in unser sele trucken; wir s611in sinen zarten namen lassen in i
dem munde umb gan, uns sol tages als ernst sin, daz uns nahtes da
von getr6me. Sprechent mit dem wissagen mit eime hertzklichen
süftzen: „owe, geminter got, owe, du schönü, zartü, usserweltA wi8z-
heit, wie bistu so gut der sele, die dich suchet, die din allein begert!'^
Sehent, dis ist die beste übunge, die ir haben mugent, wan ii
ein kröne aller übunge ist emtziges gebet, und daz ist uff dis als
uff sin ende gerihtet. Waz t&nt sü in dem himelschen lande anders,
denne daz liep, daz geminte liep schowen und minnen, minnen und
loben? Und dar umb, so wir daz g&tlich liep ie lieplicher bie in
unser hertze trucken, so wir es ie dicker an blicken und es truüich 15
mit den armen unser sele zu uns slicssent, so wir ie minneclicher
in ewiger selikeit von im werden umbvangen. Amen.
XXVn. Brief.
Cum essem parvulos^ loqnebar ut paimlus.
Disze wort spricht sant Paulus, und sprechent ze tütsch also:^
da ich ein kint was, da pflag ich kintlicher sitten und kintlicher
red ; aber da ich gewfichsz, da liesz ich vallen und gab urlöb kint-
licher wis.
Min kint, wellest du gottes und min früntschaft behalten, ^
1 wider fehlt dz 1 f. wlrdeklicher s 2 wir gangen sdnli [wir]
essen sduH 3 allzeit nd Jesus fehlt cnz 4 durch] f ür z 5 in unser]
und cdlis 7 triium Red 8 du] die s 9 allein din z 10 beste f(hU f
11 ointziges sz 18 minnen und minnen s 14 bertzklich loben z 17AmeD
fehlt fdz
9
XXV'II. Brief. Hss.: h 11 «^ Der Brief ist erstmals von Deniß'
in Z/da :*l;13üff. nach B veröffentlicht,
20 und — also fehlt «* 21 da — was fehlt h 24 wollet /<*
8 f. Vgl. Je rem.. Klaget. ä,!25, 11 daz = die äusseren Übungen
Kt/sfriungen. Kl Bj'b ^02^14 deutlicher: daz ander alles. 19 IKar.JSM-
GrosseB Britfbuth. XXVII, Britl*. 4al
I gaiitzen fiisz zu diezeti dingen: [L] du sült dine igan behüten,
I sie sieb nit wildicklicben hiu und her werffen, ond aller meiBt,
o ein man f;egenwürtig ist oder mit dir redt oder du mit im oder
!r din war nimt, das du mit fröwlicber blukeit diue Ögen nider
ver£Fest. Man merkt kuntlicb an den ogen, wie ein hertz gesitt ist.
iCwei jungrr&wliche ogen Biillen sich nit vil umb Ifigen, und keinen
nan mit voller gesiht uienier an sehen. [IL] Din antlätz sei nit
Als der gatlelstirn unscbemlicb bocbtragent Bio und das b£bt hin und
ber werffen von tober laszbeit; es sol mit fröwlicber zucht etwas
blng sin, das man dar ab gebeszert wer*l, wer es siht. [III.] Du
solt din red also müssen, das du wenig redest mid nit /.fi lut breclitest
nad nit zfi verlaszner bisprechen pflegest. Gedenck, das du ein
geistlich mensch beist, und scbem dich, das man dich zell zu einem
rffip an wortten oder an gebärden. Ich h&rt nn uszer dinem mand
1 ff. Hü -/..itd-m I— SVn Hlehen i-t i' am Ilaitäe, fehlen in liR 2 wildl-
Ifehen B werffen] wegen h 3 kein man /( red s' 4 frowl. fdiU «'
blukeit] Bchnm R plediukeit h h ein froliuli herU «' 6 ämbsehen R und]
•ol si« R 7 man oder (rowen. *' angeaicht /i an geseheu »' 9 vun
t^b. Iwzlicit A/(fl B 10 blng] Rchemig li es] das «' seh H 11 brücbtist «'
1''' pdsprUcheD pflegt R 13 zeit hR 14 gpilmon (!) n' wortten oder an
*ercten oder an geb. »* Ich — 483,3 knmen/MI/»' 14.482,3 auszB
L Iff. Vi/l. Reg.S,Augi*eU c.7: oeuli vestri tt»i iacmntur in atiqufm,ßg<intur
B «minem. Xeque enim, qaando proeedilis, viros n'deit prohibemini , »td
B^tie, aat ab ipsig apptti veih . . . Nee dicatis co« habtre animon pudkoi,
** Imiratit oeutot impadico», quia impudicug ocvlu« impudici eardis ett nuniiug.
8 gaffelstim = frech hrramgaß'endts Weib, vgl. Schwds. Idiotikon 11,131:
">'•£, 3'-'ffel = Einfallapinstl; EUü»g. Wthch. 1,198: gafftt = albernes Weibsbild.
' «rlUr I'^7i fühlt aus Cnd. Monac. August. 79f. 50 (ooh Berthold v. Regem-
fftj im: ubi modo sunt ,vitter gaffeUtirnen', tibi modo curretUts per vicos
AaMofl, ut eanim ptdchritudo a suis amatoribtt« videatur . . . ubi modo «unl
Stiee» diaboli? Weitat Beltgt aus Ingold und Geiler bei Ch. Schmidt,
. Wtbch. der elsllss. Mundart 1901, 116 f, Sri Lextr 1,1043 unrichtig in
t dime oufgHösl. ^- Zw hochtragend vgl. Cansiii. Sor. Ord. Praed. c. 15:
m «aMim» (noi)iliae) nun habeanl. Nach und irgSnee: dn sott uit.
1 brechtest, "gl. oben 414,14 ff. 12 bispreche nda- bisprech = üble Nach-
, Verleumdung (Lex. 1,386), hier wohl äberhaiipt = leichtfertiges Gei-ede.
Pl4 gpilwip = Musikantin, Gauklerin (Hör. 91: aaltatrix), ifitrg auch ^
Vgl. Lex. JI,109ö; K. Weinhold, I>ie deulscktn Frauen im MUleiaÜer
'^*(ieS7.t,130ff.; Ä. Schnitt, Das hSf. Leben D,673: Sehönhaeh, Ztuffttüat
^holäa iH/n Regensburg »ur Volkskunde 1900,66 ff., 86. Reg. ä'. Äug. c. 19:
*•« faeiunt pudoria immemori'S etiam femtnis feminae iocanda ütrpitrr et lu-
. . ab intaetit ancilli^ Christi in sancio proposito constitutis . . . \
31
482 Grosses Briefbuch. XXVII. Brief.
ein vvort gen, das mir miszviel; du sprecht also: „waffen, durch der
marter willen!" Vor dem wortt und semlichen der geliehen hiit
dicb^ das du uszer dinem geistlichen mund iemer mer laszt kumen.
[iV.] Din lachen solt du ordnen, wann es ist zfi Intbpecht und zu
torlich und stet unfröwlich. [V.] Din gän und stan und sitzen nnd 5
aller din wandel sol also züchtig sin, das das lob diner zuht verr
und nach mug komen. [VI.] Flisz dich, das dine tücher nnd din
gewant nach gemeiner wis siecht und einfeltig si, das niemant da
von hab zft reden. Es ist ein grosse schant in der warheit einer
gaistlichen f r6wen, das man von ir möcht sprechen : sie ist ein kluge li
nun. Da vor beschirm dich got!
[VII.] Du beginst nu wachsen, du bist nit mer ein kint, du
bist zitig zft der lieb gottes. Erwel dir selber ein lieb, den mioDee-
lichen zarten got von himelrich, an dem vindest du allein rehte ruw
und warheit und lieb ane leid und nerges me. [VIIL] Spann <in> i*
f6r dine ogen zu einem Spiegel und bisz danckber bisz an dineo
tod des minniclichen liebes und gfltes, das er dir gemeinsamt bat,
und lasz dich genügen. [IX.] Hinderdenck dich zu grund, wie gar
zertiich er dich sunder fürkomen hat nnd gezogen bat, und geste
dich desz und verschmeh all ander liebhaber. Zartes min kint, das*
1 sprachst R 2 seml. der gl.] sölichen li 4 masseu und ordneu f^
5 unfrowl.] uuijelich s^ ^l\\\ [uud] stan [und] ä* 6 allen deinen w. /? alle
ding deines wandel h 7 nach] weit nahcnt R dine tucher und ffhlt -*'
8 sy nach schlecht *•* 8 f. hab da von .v* 9 grosse fehlt h 9 f. [eiDcr]
gaistl. schwestren .v* 10 sie] daz .v^ 14 got und sin raine möter Mariaffi
von himelrich, an den s^ allein fehlt s^ 15 nyndert me R nyer me sunst **
in] sy ^S fehlt hJ{, wird aber vom Zusammenhang verlangt 17 liebes] Ivdes **
18 genüugen 7i* 19 gezogen [hat] ä* uud — 20 desz] nym diszen au A
geste] frew R 20 ander fehlt s^
2 marter = Leiden Christi, (ds Schicurformel gehraucht. 4 Als M^
cnlpa^ wird bezeichnet : si (/uae verbia otiosis vacaverit, vel diifsolute riserü. ^
alias <ul ridendum concitaverit (Constit. c, 17). 5 f. Vgl. Beg.S.Aug.c.^'-
in incessuy in statu, in habitu, in omnibus motibus vesfris nihil fiat, quodiUieioi
aliruias libidinun, sed quod vestram decet sanctitatem, 7 f. L. c. c. 6: «<"•
Sit notabilis habitus vesttr, nee affecteris veMibus placere. sed mon'buSj n<f fl"^
vohis tarn ten/^ra capitum tegmina, 7ie retiola subter appareant. Cotistii. c, lO'
Testes laneas honest as ei non aotabiliter prattiosas dtferani sorores, et in im»'
tellis vilitas potius observetur. 11 nun = nunne, Nonne. 12 f. ^9^-
Hur. ItJ: o quam beaius esses, si hanc (Sapientiam aeternatn) in sponsamhah^'
posses'i' Jurenis quipjte es et amori aptus, et nequaquam cor tarn viridu» p^ ;
terit esst' s*ditarium et amore privatum. 15 lieb ane leid, vgl, Vita 140flOf'
ff. (ir Bih 4oL^;.
^ Bricfbuth. XXVIL Brief. 4^3
inniclich lieb gemahcl ich dir liiit und gib Ach zivei zA sameii,
nd büt sin hant in diu baDt und din hant in Bio faant, und vcilräw
;h zu sameu in gantzer, steter gemefaellicber trüw. Und das d«
ber die truw antz uff den tod haltest, 8o bit ich got, das ei* zä allen
iten bi dir si und dir alles gelück und heil volg. Wollest du aber
lk-8 des gftts vergessen ron gut und nienier getnlwcn, er enbieten
nd lidens, so solt du furchten gottee räch und nngelück au sei und
n lib und an eren.
[X.] Magst du nit grosser andabt gepflegen und zft hoher vol-
.umenbeit kumen, so tfi doch das dinem ewigen lieb zu eren und
Q lob, das du weder in schimpf noch in ernst kein zu lieb nemest
md dich vor sänden hütest. [XL] Well kein töber liebhaber in einer
ippikeit sinen zek und schimpf an dich werffen, dem soll du nit ge-
oaen, weder im noch 'siner botscbaft. Es vacht vil klein an und
nirt dick ein unmessige b6rdi dar usz, die man vil kum ab leit, so
man dar hinder kamt. Von einem ganaisten brint ein hus. Dar umb
hitt dich und äüb! Da gehört nit andei's zb denn flfihen und nie-
maiits nfitzit gelosen. Will du aber lichtiglichen dar zft gebaren, als
etUcb törin tun, die da mit reitzlichen wincken vergifften, so bist du
tod; da sult dich sin entslahen mit einem unwertlichen fnlichen
vonker, so lassen sie dich das din schaffen. Du bist ansihtiger denn
ein ander mensch, dar umb bedarft du vil götea flisz zft dir selber;
der sin selber nit wil hüten, der ist versumet.
[XII.] Hut dich vor den, die da hcissen glüt gespilen, die da
Sicher ding pfiegen, wann die weren frS, das sie dich io ir wie
4
1 enpftlch und gib »' 2 uod bbt ~- in din bäot fehlt «' vertrAw] ver-
»ewt ß gemi-hel e' 3 UdJ — 4 trViw fehlt HR 4 uff| in Ä behaltest *'
*f. jii aller zeit hR B des ftJill g' vun — 7 lideoB] das du vun got hast
'"pfan^n «' eiihieten] pieten R 7 und uugel. /bä/( k' 9 grosse Äs'
P9*eeii »' 10 ewifiren] eigen R 11 ze lob und eren s' 12 weit «' kein
">\ liebh.] aber yement s' 13 aineu zekj seine lieb h sinen [zek und] l«rocht«n
«bimpf s' 14 weder — butsch. fehlt h 15 abgeleit hR 16 dar] da UH
8*iilBit hR verbrint dich ain h. s' 17 und it. — 18 gelesen fthlt h 17f, nie-
Sient »' 18 nichtz R 19 tJren s' vergifft«]i] veratinckent «' verieigeud A
20 nnwercklichen frewlichen AB '21 seliaffen] achickeu hR Du — 22 menneh
fMt f' 24 gesellen s' 26 söL] semlicher /i 25 f. wan ir niner wfkr frä
iIm er dich in sin wysz züg »'
7 1. Vgl. (llmHche Äa»driickt in Vita I37,:i2. 18 lek («io) = seh«rt-
lafltr Stoa» oda- Schlag, namentlieh im Kindergpiel, dann ^ Litbe»nreirrti
Binneac, v. d. Hagen, Minneniugtr II,SS9a); vgl. Lfx. 1.1037. 1100; SehmtUrr
l',10SOf. 14 botaehaft, vgl. Kl Bfb 372,6.
484 Grosses Briefbuch. XX VII. Brief.
zügen, die dir vergünnen dines heiles durch ires eigen gelimpfe
willen. Dar umb solt du weder bi in sten noch sitzen, und sie
schlichen als dinen ewigen tod. [XIIL] Du magst von diner jugeiit
wegen noch nit an trost sin; dar umb so erwel dir selber etlich erber
und götlich frowen, die din gehilfen sient, beide nach eren und nach 5
sei; und die din Zuflucht und ufenthalt sien, ob ieman weltliches liebs
oder sins kom, der der gegenwürtikeit diner jugent nit fügt; wanu
da mit behütest du dich vor schulden und gest och usz allem dem,
das man dir von arg>von möht zu legen.
[XIV.] Güte gebet, gfit sprüch und gute tütsche büchlin sint iii
diues gütlichen liebes liebbrieif ; da mit lasz dir wol sin und hab da
mit kurtzwil. [XV.] Bis nit als ein seiloser, hinlesziger mensch, dem
weder disz noch das zu hertzen get und nit verstet gftt noch übel.
[XVL] Bis bereit und merck vil eben, was dir gut und schad mu;:
sin. Lü<r, werst du in der weit, es gieng dir nit nach wünsch, din 1&
blünde jugent müst dick gedruckt werden mit willenbrechen, das es
dir in der sei we tat, und must dick ein gruntlos trurigs hertz bergen
mit frölichen Worten durch eren willen, und ein durchlidendes leben
mit der weit truglichem schin, als der einem, der in dem stock ge-
vangen lit, mit schönen kleidern die gefangen bain bedecket, ä)
[XVII.] Dar umb so tu es och nu in dinem geistlichen leben durch
dines ewigen heiles willen, und ti'uck din wilde jugent und hab sie
in hüt und in meisterschaft. Eya, wie wirt dir das hin nach so lieb
und so nütz an sei und an eren!
Belib in dinem kloster und var nit vil usz, wann da von ist 35
menger grosser schad komen; so es aber nit anders mag gesiD, so
1 ver^aiiincn] nüt gpünden s^ 2 bi in weder sten s^ 4 erberj «iwejrÄi?
5 ^n)tl. frowen] ^"itlich gespilen «* sient] sein JiR beide fehlt a* 6 nfl
enthaltung s^ sein hli ob — 7 fugt fthlt s^ libs h 8 allen hB
9 erg:eni won .v^ 10 sin 6* 11 dines goll. lebens lieb brieflf ** deinem s^'^
gesponsz lieb [brieffj h 12 geselloszer I{ hinlesz.] sinloszer /* 13 ubelrf*
14 Bis — eben] och solt du vil eben mcrcken tt^ bereit] parmherezig E ^^1
gar li mag x* 16 log] syh E 16 möst /* 18 frol. Worten] frölikeit i»'
diirchleidens hJ{ leben] willen h 19 trügl. schin] trtigenlichen stan *'
19 f. ainen [der] in den stock gef. leit und mit seh. kl. «* 20 die pein ^^
gevanjjen sindt bed. hli 21 nu fehlt s^ 23 dir das] es dir ä* her nach >^
25 Belib - - da von fehlt h 26 dick menger 6* anders nit »^
1 ff. Vf/I. Kl Bfb 371,2i\f\ : 37 2 J ff, 1 1 Vgl, Bdew 231,9 f ; Gr Bfh 40oJ'
13 Bin bereit. Jlier ist der Text vielleicht verdorben (vgl, die Varianttn^»
15 f. Vgl Kl Bfb 364,J4ff. 25 ff. Vgl, KlBfh 372,11 ff.
\
Grüsses Bricfliucli. XXVH. Britf. 485
Vbüt dich (lest basz alle zit und an allen steten uit allein vor dem
H bösfu, nch vor allem dem, das einem erberen, züchtigen gaistlicheii
^^mensohen unzimlich wer. So du zft gilten lüten koniBt, so heiaz dir
^■ein göts wort von got sagen, da von du dich gebessern mugest; so
^ dn zö diiien weltlichen friinden kumst, so bis behüt din selbs, das
du nit gedenckest also: „es schadet nit, was ich hie tön." So dich
din fründ ie lieber haben, so sie ie me frSd dar ab nemen, das sie
W) ein znchtigen tohter haben, des sie sieh gegen got und gegen der
weit gefrSwen mugen; und die dir dlnes unzüchtigen schimples tindev
JO dine ögen gelimpfen, die geben dir dar nach in irer bescheidenbeit
nngelimpf und getrnwen dir dest minder. Es spricbet ein wiser man,
das ein unwiser mensch sich da mit lidet, da mit er sich meint.
Lieben kint luins, laez dinen jungen mflt und frSlichen sin
iiider und ergib dich von innen, als du von uszen ergeben bist. Lft.ir.
l&wie lützel es den zfi lieb wirt, die in gaistlichem schin weltliche
fröd sflehent, wie mengen echreeken sie müssen nemen, und wie gar
ie das kurtz lieb müssen erarnen an hertzen und sei und eren,
und werden! verhertt, das sie weder gen got noch gen der weit nütz
»int, und habent ein arbeitselig. swermütig, verirrtes leben!
Ich bit got, das er din jung hertz ut' tu, das zd mercken und
■rvolgen nach dinem nutz und sinem liebsten willen. Amen.
l afi allen Eitcn «' 1 f. [dem] bösen j-' 2 uUen hU crwt-r^fii liH
L eöclitigcn K 3 uiigezem /. 7 da vun »' 8 [so] aintn /iioUl.
f nwntechen »' des] im ItR gegen fehit twcimal A 9 frewen üf gedreateii h
'0 iliiie] deiner H deniie dar nach n' 12 er venaeiiit aich zö lieben h
lä dinen fr. n. »' 14 [von] innen s' 14 f, aih wie wenig H 15 geist-
lichen hH 17 aar] schwär n' emeren h 18 werd. verherti] wül den
I "«liertteu h wöll denn verheilen li 20 L und sifi erv. fthlt «•
3 f. Vgl. Gr Bfb iSb.Wß. 13 (. Vgl. Gr Bf b 402,23. 14 von
U =r durch die blögtrrliche ZneM.
^
486 Grosses Brief buch. XXVIII. Brief. Testament der Minne.
XXVIII. Brief.
Testament der Minne oder Minneregel.
[248 'J Geheiliget werde der niimme gottes in üeh, uf daz ir
schoppfen mügent wasser in fröuden usser den wunden Cristi! Got-
liche minne, gewaren friden und tieflfe demütikeit us dem getruwen •
herzen Jhesu, und alle dnrehtunge lidenden leides, ein fröudenricbes
vergessen mit dem vil wirdigen sune gottes und der junckfrowen.
Dis und min Pater noster zu grussende uch in Cristo Jhesn.
Mine herzelieben kinder alle gemeine, von innan und von ussan
eine minem herzen, und eine stimme glüstliche zfi hörende! Mir ist, lo
als ich verneme von üeh eine gemeine minne und ein demütigeu
undergang, fridesamen wandel und eine veste haltunge all^r der
dinge, die üeh von mir armen sünder gegeben [248''] und gelassen
sint, beide an der minnen, ein iegliches an dem sinen. Des bitten
und gebieten ich üeh, und ich getruwe und gelobe üeh allen mitiö
enander, das ir dis rehte gerne tfint. Ich habe üeh reht in minem
hertzen, sit üeh got mir bevolhen und gegeben hat. Dez sprich ich
zu mime zarten geminneten herren Jhesu Cristo :
^Ach, getruwer vatter, und du, götlicher minnendiep.
tft uf, herre, der minnen schrin, ^
Jhesus liep, das hertze din,
und behüte sü vor aller valschen minnen schin,
und trencke sü mit süssikeit dez willen,
und nim in alles, daz sü habent wider dich!**
Und her umbe, mine lieben kinder, verdörnent üeh mit uzge- 3
slossenheit aller creaturen, besliessent üeh zft gegen aller der [2491
weit, und heben t uf hertze, möt und alle sinne gegen dem süssen
meigendowe der himelschen sunnen, daz ir war nement, wenne ödJ
wie er sinen ingang haben wil. In süssen gaben v6rhtent üeh, habent
XX VII I. Brief. Hier zum erstenmal publisitrt. Einzige Hv.: h-
3 f. Vf/L Matth. 6,9: Is. 12,3. 14 Text korrumpiert? 19 minnen-
«liep, der weltlichen Liehespoeaie entlehnter Ausdruck = Liebe^dieb, rerstohy^
Liebhaber (Lex. 1,2148). Vgl. togen minne {Gr Bfb 408,7 f.). 25 verdornent
— 29 haben wil fast wörtlich ebenso in Brief Gustate (Gr Bfb 430,28— 43^^-
29 voriiteiit üeh = habet Misstrauen gegen euch selbst; vgl. Fredigt hJ^^
und JJavid von Augsburg, De compos. 111,2 n. 0; Denifle, Das geistl. X^^^
444ff.
(iTOaseg Briefbuth. SXVIU. Brief. TesUnieiit Jet Minne. 487
kintliche frSnde und enisthaltige dangberkeit. und macbeut uwer
hertze ein appotecke der gotheit. Des sol heiige betrahtUDge awer
hekentnisse sin; alle uwer werg in gotte wircken, daz sol zö alle»
ziteti uwer ambaht Bin, Uwer raunt ai ein vas der reinikeit, mit
5 gotle und von gotte reden , und alle uwer wandelange ein bilde
himelscher heilikeit.
Ich gebAte äch in dem bände der minnen nnd bi dem bände
der g6tlicben truwen, das uwer [249'] eine der andern mit willen
drVigliche wort nnd spötliche geberde mit nüle bewise, sHüder ein
lO iegliches neme dez andern friden war, als ea beste kan, mit minnen
in alle wiBe und uf allen stetteu. Ir aüllent manigveltig ein in den
werken nach notdurft der gemeinde, ir snllent aber einfaltig bliben
von innan in der meinuuge. Ir süllent arbeiten lumpen und läppen
in gotminnender meinsamkeit, als ir Cristo Jhesu sine zarten wunden
isliündent und kündent; und wissent, mine lieben, rehte also die
■ meinnnge ist in guten dingen, also ist da/, werg vor gotte. Dar
nmbe habent anderheit der werke und einikcit der meinnnge. Und
alsus wolle ich mit göter concienzien einem [2.^0 '] daz heilge saera-
Imente geben nach allen notdurftigen minnewercken, also noch vasten.
So venjen und betten, ja ob die wercke usser gelassenbeit getan werdeut.
Gnade in zit und ere in ewikeit atitwnrtet me der meinnnge in ge-
l»s»nheit, wanne dem gewiircketen wercke von ussan^ ja wie gros
und wie beilig daz si schinent,
Alle lügende, die ir vermi'igent, suUent ir wirken, aber ir en-
^len[ dar in nit getruwen, sunder in Crieto alleine. Ir sültent uwer
tertze zu ime keren in daz himelsche vatterlant, und in diaerae leben
•Hadient üch ein süsses eilende, nit nach grossem lievinden, suuder
'n inniger begirde, beitende dez willen gottes, kummende nach sinre
^Co. Liep, leit, [250'] we, wol, ere, (VÖude, schände, laster nement
1 und maclient — 6 heilikeit gant ähnlich in Gr Sj'b 4ill,.'i — 7. b Hei
**^n irgäme ih. lü gemeioAe = Kloattrgeaieinde, Koiirrnl. 121, l'her
^i' tinflflUge , d. h. nur auf GoU gerichtete MHnung cgi. Iltniße, Das ij^isü.
■^hm äöof. 14 meiDsamkeit - gemeinsiunkeit oäfr von meiuen - WoM-
"ttBm, Liebet 18ff. iS'e«»« irill nagen, dass bfrafa- und pfliehtmUasuje Liebrs-
'^rit. die (IM* Gelansenlifit d. h. in gotttrgtbtner Oeaiunung geachtktn, eben»«
**>« Empfange der Kotnmanion befähigen , wie ffeiioilligc Kasteiungcn. Vgl.
^IMfer» Lehre bei Dentfie, Sega XXXI y ff. u. liaa geintl. Lehrn 396 ff.
Zlf. Vgl. Dciiiße, Jlas geisll. LebciHiöl>—r. Bvga 13l,3ßff. 26ff. Vgl
Cf^^fc 433,15 ff. 29 kuiumeD, kfimeii = Ir-imni, .<-MIagtn, k.
*» rtictu bftnü/im, vgl. Lrx. 1,1769.
488 Grosses Briefbuch. XXVIU. Brief. Testament der Minne.
alles von sinre hant; ir BuUent üch ime neigen zft male under sine
füsse mit uvver selbes verworflFenheit zfi gründe gantz und gar, daz
äch nieraan me verwerfen enkan. Der eren unsers herren sülieuf
ir üch frowen, in meinende, minnende ane lustsüchen uwer selbes;
in in süllent wol getruwen, iedoch nit lassen, daz ir bekenoeDf 5
ime liep.
Aeb, mine lieben, nement dis zu üch von gotte und von mir
armen sünder, uwerm gantzen fründe. Wellent ir uwer sünden b^
kennen? Ir sprechent: Jo, gerne, min lieber brftder." Mine liehen
swestern, so bekennent ander löte sünde nit, und weme ir nit en- 10
wellent nach volgen, den [251 '] sullent ir nit urteilen, sunder alre
menschen urteil vindeut nach vernünftiger demütekeit in üch selbes.
Wellent ir gotz bevinden, so lerent üch selber heimlich sin. Wellent
ir niiwes lieht und nuwe gnade von gotte haben, so lerent sin gaben
bekennen und ime dangneme zu sinde für alles daz gfit, daz ir von 15
ime hant enpfangen. Wellent ir in gotte leben und got in üch in
zit und in ewikeit, so lerent uvver selbes sterben, wan daz höhste
leben der seien lit verborgen in dem sterbende tode dez natürlichen
willen. Diser dot stet in liebe und in leide und in aller ufgesatter
wiscn, da wir inne ein usserkiesen haben m5htent liebes [251 "^J und ä^
leides, sunder nacket und blos volgent wir dem nackenden blassen
Cristo.
DIh verstont nach eigenschaft des willen und nit nach züwurfle
der gnadenrichen gaben gottes, sunder als Cristus in dem vatter l)e-
st&nt nach willen und nach werken, also och unser wille und unser :^
weri:: nach Cristo in dem vatter bestan süllent. Wir habent den m
von dem vatter, zft eren ime, zu tröste uns, und uns unbekant ein
wesenlich bestan des vatter in dem sune; aber wir hant durch den
sun einen weg zu dem vatter, und in ime, dem ewigen sune, ein
bekennen des vatters, also er selber sprach Philippo: „globest da >'
nit, daz ich in dem vatter bin und der vatter [252'] in mir ist?"
und an einre andern stat: „der vatter in mir blibende tut die werg."
und wir blibent in Cristus, in sinem finen bilde, des ewigen snne?.
1 f. Ebenso Gr Bjb 467,19 f.; rfjL Kl Bfh 363,21 f,: 366,21, 4 ane
lustsüchen, Gr Bfh 467,:n, 5 f. Sinn: jedoch nicfU ablassen, ihm Liebet«
hezeiyyn, 1 1 f. Sinn : haltet eicch für den geringsten aller Menschen,
13 ff. lerent = lernent (t^gL Lex. 1,1686), 14 nuwes lieht, vgl. GrBfh 470-
19 f. ufgfosatte wise = selbstgeirdhlte Weise zu handdn: vgl. Vita W^^-
Gr Bfh 414,13 f. it. die Anm. dazu. 23 eigrenschaft, vgl» Anm, zu Bdtt 340^'*-
28 f. \'gi. Joh. UM. 30 f. Joh, 14,10, 82 Joh. a. a. 0,
Briefbiich. XXVIII. Brief. Testament der Minne. 489
<dent wir von clarheit in clarheit geforoiet in daz selbe bilde.
Bd her umb, wer nuch valsclicr eigensdiaft keiner gefiillicber dinge
ristiim Jhesani, den wirdigeii suii <gotle8> uud rler Junckfröwen.
erkieinet und in valschem liebte verlüret, der enkummi't zfl dem
ätter nit. Dig priifent eben alle geniigede, alle bevindiinge, alle
erstentnigge and alles lieht und aller underscheit. Der uns Crtstum
erkleinet, daz ist alles valseb, wie gros und wie vernfinftig daz ist,
ran durch hohe, verborgene, snbtile, behende sinne so ist zttkünf-
?i)2']lig der unbekante, vigentliche. vergiftige dot cristenlicher orde-
nnge und gewares lebens. E.s ist ;iber ein eigenschaft gütliches
ehtes und ein erzeugen waver gnaden, das es den wirdigen snu
nlte? und sine ordenunge erhebet und grösaet in unserme gemiite.
)az kummet her von: wan durch in so werdent fruhtber gemäht
r wercke, und mit ime und in ime so bestet unsere ewige selikeit.
Und her uinb, mine herzelieben kinder, die ich mir vor allen
idern m. erkorn habe und in den dienst mins armötes dem milten
letrnwen beizen Jhesu vertniwet habe, ob ir wellent volgen, ach,
mine vil lieben, so [253'] gebent urlop, eya, gebent orlop der ander-
lieil von innan und von UHsau. und bfiugent uwer schultern under
die bürde Jhesu in liebe und in leide! Kau die getruvve haut trug,
leit und liden verhengen, ach, so kan och daz milte hertze süssen
troat und wunnencliche minne jreben. Ge8egent si trug in liden und
versmehcnisse , und daz nna daz geminnete üep Jhesum Cristuni,
fflltee nnd der jiinckfröwen sun, bekant und eigen machen kan!
Habent wir uns die ait genonien mit Petro, nnd werdent wir von
^er weit hin geworffen mit Lasaro, und <wereiit wir> dem töfel eine
borg worden, die er stürmen wil also Job, und werent wir gftte
3 goUea ftMt h -2^ nennt wir fetill h
i Vgl. OrBfh 476,19 f.: 11 Kor, ii,lb. •! gefiilUcliö (= gevUellJclieJ
I = «»ii/<cA« IHng(. 4 ff. Vgl. IJoh. S,SSf.: 4,3. Bf. Sinn: die»
• aU* ErscMnungfi und ErkennlnUse der rehirn Mt/ittil:
iL SitMe meint hier die gefithrlichtn Lehren (sinne = AuiinprUcht) der
in, die er auch an anderen Orten bekämpft: vgl. Vita Kap. 47: Bdvr
f.5 u. 6; Gr B/b 477,3/. 18 f. ttnderhelt ist pltichbtiltutend mit uü-
thheit (Bdete ä(X>,SII = alltf, ime Gotlnicht isl und was vim ihm wegjührt.
»f. Vgl. Or Brfb 431,ä3/.; 44f>,iaf. 23 nnd ist wM pleonaetUeh.
\ lit fltM Sändigm und dann aar Btkrhrun/f (Mark, 14,66 ff,>,
\ Lui-lGäOf. 27 J.,h l,tt. ?,ö.
490 Grosse» Brief buch. XXVin. Brief. Testament der Minne.
ineiischeu, ein iisgekert geinüUe worden, [253''] ob es got verhengete,
als er det Paulo, do in die apostelu fluhent, do su in <nit> ver-
stundent, — woltent wir uns betrüben des? Nein, mine lieben, nein!
Nein wir, werlich! Job, Tbobias und David gingent alle disen pfat;
der heiige Athanasius leit, als alle die weit sinen dot bette geswom. 9
Dis schribe icb uch dar umbe nit, daz ich in gotte genemes
lideudes habe gehaben, denne daz mich die g5tliche minne getwongen
und gewiset hat, daz ich mine ahsel bieten sol under uwer bürde,
die ir habent oder üch noch werden möhtent, uf daz su üch deste
lihter werdent, kundent wir ez wol getragen. 60t gebe uns niemer 10
guten da^ oder stunde, den [254'] sinen, die er glichförmelich haben
wil dem bilde sines sunes. Kinder gottes und mine lieben, gehabeot
wir uns zt mole von herzen wol! Als es kummet, so ensint wir
es nit allcine, das meiste teil dez himelschen hofes die sint do unser
mittegesellen. Hebent uf, hebent uf uwer gemüte in die schone wunnec- 16
liehe stat, die himelsche Jherusalem, ach, wie sü mit herzeliebe so
gar rehte fr51ich umbvangen sint, die hie in lidende warent! Sint
wir von der weite hin geworflFen, so sint wir aber von gotte frunt-
lieh enpfangen; sint wir der lüte spot, so sint wir aber der engel
fröude; habent wir von minnen zfi eren und zfi lobe [254''] Cristo in 20
diser zit niht eigentfim, so ist aber der himel unser eigen gar; kau
uns der tüfel bekorcn und betrüben, so kau uns daz götliche ewi^'f
liep Jhesus Cristus heimliche bi ston. Wissent, lieben, ie betrübter
hie nnib got, ie frölicher dort mit gotte; ie verrer hie in lideu von
tröste, ie naher dort in ewiger fröuden von allem leide. ^
Es waz ein mensch einest in einem also frölichen gegenwurffe
der minneclicher, ewiger götlicher gegenwertikeit, und waz doch ge-
lassen von aller creatürlicheit, also in duhte; des ^edohte er, sani
er spreche: „eya, hertze min, so wes fröwest du dich?" Do antwurie
ime sin heschei[255*^]dcnheit: uf allem disem ertriche so enistuiht, ^
dez ich mich frowen, denne daz ist min fröude, daz got also rehte
^(\t ist und lidenden menschen also nahe bi ist und also in wunder-
2 uit fehlt b 5 Athanasius] anastasius (!) h
1 i'f/l. I Kor. 4,13. 2 t. Besieht fiich wohl auf Apf/. 9,20.
4 f. Ehmso (ir Bfh iW,:*3—'^5, G 10 T/y/. Gr Bfb 44JJ3J\. :.^'>/-
Isi iit Z. (J nicht ie statt in eu lesen, wie in ehr Vorlage? 11 f. Rt'ui.b:^'
12 - - 10 \'pl Gr Bfb 443,2.9 f.: 440,19; 442,2 f. — es in Z. 13 -- "'^'
L.idvu. IT) von — fvrn, getrennt von: oder ist vri bezxc. verrc :« '"
ganzen':' 2« — 491,2 V^gl. Gr Bfb 430,5—12.
Grosses Brief buch. XXVIU. Brief. Testament der Minne. 4\)l
liehen dingen verborgen ist, und daz das minnecliche ewig gfit min
frünt ist, des ich eine ganze züversiht habe. Des viel ime dis in
sinen müt. Und ir, niine lieben, süllent öch also gedeneken und
sprechen: „owe, zartes min liep, ewige schöne wisheit, wie vol
5 gantzer fröuden ist min senendes hertze, so ich gedeneken dich minen
frünt, und mich gerüchest, dinen uzerwelten f runden zu ze ahtende
und den weg diner lieben mich zfi furende! Ich enbin doch nit
[255^] wirdig, daz du an mich armen gedenckest. 0 grundeloses
ewiges gfit, barmherziger got und getruwer vatter, hau ich gnade
10 funden an dir, und mag ich nu din minne, dine liebe, din truwe,
dine zarte süsse heimlicheit erwerben? Eya, herre, so töte, so
martele, .... alle versmehenisse und verworflFenheit mines herzen,
einiges, uzerweltes trut, so vertrag mir niht uf ertriche, so gip und
verhenge alles, das du wilt, und tö, waz du wilt ! Sich, herre, were
15 ieh nn der zarteste, minneclicheste mensch, der uf allem disem ertriche
lebet nach aller zitlicher wirdekeit, daz müste an mir erdorren zA
liebe dir; also dis erdorrete, so wolte ich, das [256'] dannoch tusent
andere menschen natürliche blugende Schönheit in mime herzen und
I übe erdorren solte, zfl eren dime zarten erdorre ten libe, der an dem
f SO crütze dorrete alsam eine griebe."
j Ach, geminter got und schöner herre, dis sprechent wir, alse
wir bi dir und bi uns selber sint. Drettent hüte zu mir, alle men-
schen, die got also minneclich begnadet hat, und lossent uns minnen,
schowen und loben daz ewige gut, daz mit so süsseme tone und mit
SB hoher fröuden alles leit vertriben kan. Dez frowent sich die himele
alle, und alle götliche menschen sprechent: Gloria tibi, Dom ine!
i Ach, aber alse du, gemintes liep, dich uns verbirgest, un«l so der
fta unsers [256''] eilenden herzen keine rastende stat vinden enkan,
80 wart uns die wite weit zii enge ; so du den gumen unsere seien
I ^ Jereisset hast mit den bröckelin dines küniglichen tisches, daz nürae
zu habende machet den kurtzen tag eins jors lang. Owe, so wurt
min fröliche geberde so gar verdrossen, aller lüte gelos der trenget
inich, herte wort und unminnesame geberde spüret man danne an
Jifi
19 soltent b der] dar f»
5 — 19 findet ,sich wenig verändert in (ir Bj h 44f),'^U — 441ß,
6 Ergänze nach und: daz du. 12 liier .scheint i'(n'a,s ausgefallen zu sein.
22 — 26 Vgl. Gr Bfb U7,:>^s-:}0, löf. 29 Vgl. Bdew :il2,16. 31 ff. Vgl
«><• i't •> O •« .'\ Jf
492 Grosses Brief buch. XXVIII. Brief. Testament der Miime.
mir; mine werg dünckent mich daune vegefür, und der fioliche
Zugang wurt ztt male verdornet mir.
Mine lieben alle, danne setzent wir uns mit dem turteltubeliu
uf den uns verborgenen dürren esten in gnoden von gnaden «:node-
los, m minnen [257'] von minnen minnelos; nach unserm schetzende ;
so werdent wir in gotte gottes von gotte quit, und durch ungelobeii
müssent wir cristen werden. Ach, denne us der tieflfen grundeloses
eilendes mffent wir mit verborgener stimmen:
^Eya, weis ieman, wo Jhesus si,
dem min hertze wonet bi? u
In minnen hat er mich gerürt,
und daz heitze mit ime gefürt.**
Wolfen, got von himelrich ! so wurt dicke smertze zft geworffen
unserm smertzen und wart alsus geantwurtet uns:
^Du solt von minnen in minnen beiten, ^^
Jhesus wil dich bas bereiten,
daz er dich lustlich miige kleiden,
und dich fr51ich mit ime leiten,
und dich in [257''] sinre gotheit weiden,
in reiner ewiger selikeit." al
Denne so gedenkent wir: „owe, hau ich verlorn gefülen und
smackenV Owe und o ach, wer git dem trostelosen herzen min.
daz ich doch niöhte wissen, ob mich daz geminte liep minue und
liep habe? Owe, habe ich es nu verlorn? Min liep, wollest do
doch an mich gedenken, daz duhte mich nu ein paradis. Owe, daz:S
minnenlftder ist hinweg!"
Kinder, hie müssent ir in globen und in hoflenunge beiteu.
und üch mit Jhesum umb kleiden, und dicke wol uf dörrer beiden
weiden, und üch von allem tröste scheiden, in minneu uud in
gelassenheit. Werdent ir gelassen nach [258'] bevintlichem, trost-*
liehen, underseheidenlichem understande, so süllent ir aber nüt lassen
2 ziVaiiJ? ^^ (iott. 3 Über die Tiwtcliauhe in der TiersymhoUk r7^-
l.auchcrt, Phyaiolofjus ^6jy4: Konrad von Megenherg 225,20 ff , Kach d(r S'Vi*
setzt sie sichj wenn sie ihren Gatten verloren ^ auf einen dürren Ast und ^•fl■«'*^
um ihn. 4 flf . Ahnliche scheinbar paradox*- Ausdrücke findefi sich hei m"*
Mystikern j vgl, Bdw 346^8 ff. und die Anm. ebd. — von minuende miiuMJl*«
wohl in anderem Sinti auch bei Eckhart 504,36 f.: 491,8. 6 uiig«!^''^
bezeichnet hier wohl die geistliche Dürre und Trostlosigkeit , von der — nkh'
ron dem Zustand der Beschauung — auch im vorJwgehenden die Red* ift-
23 f. Vgl. Gr Bfb 4-^0,13 f.: Bdeic 231,12 ff. 234,10 ff.
r
GruBse« ßriefliudi. XXVIII. Briri'. TMlamcut der Miniif. 493
|ie übun^n, Wftu Diht alleiue die biügcndeD rogen von goüc f\nt
ier Öeh die rnben tistelD.
i (.oites kinder und iDine vil liehen! Zß allen ziten, als ir
ent und künuent, so gäUent ir da/, güldin füi'epang; Cristum
Bm, gottes und der junckfröwen sun, für uwer hertze setzen, daz
)h keine kreatare fresteleu und genemen mü^e; und haltent in
Üe ögen uwer Vernunft als einen Intern claren spiegel, do ir
tone heschöwen sällent, wie glich oder wie unglich ir sint einem
K Sin liden ist die Hcliatzkammer sinre armen. 0, wie [258']
. manigein hie so richer schätz ge^^ebenl Kumment, ir lieben,
ber. die do gegtecket und gevangen sint timb alte schulde der
i Bünden, wenne in zit wol zö bezalende so ist diser schätz
offen! Hie zu sol sin unser wettelof, wer dis zil begrilfet, wol
Wan es ist der Ion, wan dar an lit daz höhste, daz sicherste
daz nutzeste, daz wir in zit haben mügent, die wile uns der
te aneblig und der mittelose umbvang, aeh, und der iemer
nde ingang versaget ist: daz wir dicke an daz liep, jo j-ewer-
in daz einige uzcrwelte liep Jhesum dicke gcdencken, daz lierze
ime verlangen, dicke von ime reden, [259'] sine minnenclieben
liÖren und lesen, durch in alle unser wort sprechen, nienianne
(trieb danne in, oder durch in oder in ime niinnen und meinen.
fige sol in minneclichen an blicken, daz ore zfi sinen wnrten
tof bieten, hertze, sinne und tnftt sol in umbvohen; und also
fane uns erzftugent, so süllent wir ime flehen, und also er uns
, 80 süllent wir in früntlich liden, also er sich verbirget, so
jU wir in, daz geniiute liep, lieplicli sftchen in gelassenre ge-
nbeit und niemer nf gehören, bitz wir uns aber and aber in
■indent, und also wir in vindent. so süllent wir alles unsers
f vergessen [259'] mit ime. Wir stont oder wir gont, essent
tlrinckeut, so sol alles der süsse wintrAbel Jhesus des blügenden
B Engadi, dez vetterlichen herzen, in dem gftmen unser Si<len
pegirlich stat haben; und also wir nit anders mügent. so süllent
bilde durch unser herze drucken. Wir süllent sinen süssen
3 richeu b
I Vgl.GrBfb43ä,Vjff. 4 f. VijlGrBfh-ttiU^. 9 ff. Vgl. Bdev-
«f. ^6ö,lff. 3d8,WK 13 i'gl 1 Kor. !l,34. H — 494,11 Gtostm-
tlieh nach Brirf l'unr mr im Gr Bfh 47U,16~iSO.U : 4W,li-
r Bfb 479^ Tcrseneden «toK verlangen. 2i f. Vitilticht iit
erxöageut riiV Ltsarl dru GrBjb 479,i'4: [aijso wir in erxAnien
m f. Hiw M vohl BdtK 3i)ä,3/. icgl. Hohtl. 1,13) beniOtt.
H atntt ^^1
rxAnien ^^^|
494 Grosses Briefbuch. XXVIII. Brief. Testament der MiDne.
zarten namen lassen in dem munde umb gan, uns sol dez tages aUo
rehte ernst sin, daz uns nahtes dar von troume. Sprechent mit dem
wissagen mit eime innigen ernste, mit herzeclichem süfzen: ^ovve,
geminter got, du zarte, uzerwelte, schone ewige wisheit, wie bistii
so rehte gftt der seien, die dich suchet, diu [260'] alleine heuert .'- 5
und anderswa: „ich slaflFe, aber min hertze wachet. '^
Und hie mitte, so wir ieme und ieme daz gotliche liehe liep
Jhesum, daz minnenfingerlin der reinen herzen, ie lieplicher in unser
herzen truckent, und so wir es ie dicker an blickent und es ie trüt-
licher mit den armen unsere seien zertlichen zfi uns sliessent, so wiriJ
ie minneclicher in ewiger sclikeit von ime werdent umbvangen. Üis
geschehe uns allen sament in gottes namen! Amen.
Disen brief han ich armer sünder üch geschriben zn eime
testamente der minnen, und su sül 5ch heissen der roinneo
regel, wanne sü uz minnen ist kummen her. Daz erbeteil JhesalS
Cristi daz erbe ich üch: [260 "'J mine lieben kinder, habent minne,
eins zfi dem andern, und künnent ir nit bas getfin, so tünt, daz icb
hie begert habe ! Eine kurtze regel : wirckent öch abe von zitlichen
dingen noch sorgveltikeit, lüterent üch von creatürlichen bilden mit
wisheit, hebent üch zfi himel wert mit Cristo sunder valscheit, jäö
druckent uwer nature drüglich in redelicheit, sint senftmutig in
demütikeit, und üch sol werden alre warheit underscbeit. Nu nit
rae zfi diser zit! Varent wol!
14 HiiUent h
3 ft'. V'gl Klaget. Jeremiä 3,L'5. 6 Hohel 5,2. 8 minneiitingeriiB.
vgl Vita 162,27; Gr Bj'h 4o7,9, 15 ff. Erinnet-t an das Veittiächtßii
der Liebe, daa der' Apostel Johannes nacfi der Erzählung des Hifrotmia
fComment. in ep.ad GaLOjlO) den Seinen hinlerliess: ßlioli, diUgite aUrruirn»!
Vgl. auch das „Seelgeräthe"^ des hl, Dominikus nach einer deutschen Legende (itf
U.Jh.imFreib.JHöz-Archiv VIIL:i47f. 18 ff. \\ol Bdeic 2bö,bn.
21 drüglich ist wohl SuhsUantiv = trügliche, trügclichheit.
IL
Predigten.
I. Predigt.
Lectnlus noster floridns.
üise wörtelin stant geschriben an der ininnen buch und siut
gesprochen zfi eime lobe einre Intern gewissen und sprecbent zfi
tische also: unser bettelin daz ist geblümet.
Als ungelich ist ein wunnencliehes bette, daz schone mit rosen
und mit lylien und roaniger leige blämen geblümet ist, do man ane
sissecliche rfiwct und slaffet, einem ungeruteten acker, der vol stocke
und nukmres stat, alse ungelich ist es umbe eins seligen menschen
sele und eins ungeordenten menschen gewissen, wan es ist gottes
hertzenlust, in der geblümeten stat zu rü wende. Und dez gaste sich
I. Predigt. Uas.: h C c g rtiN s (vgl.obmS,405): h^ = B 8elBXl,23:
fi'=z Nürnberg VI,43'. T = Druck in Taulers Predigten, Cöln 1543 f. 17^—20»^.
■^» mN ist nur der Schluss (von 606,16 au) überliefert. — Die Predigt ist
*^h b' bei W. Wackemagel - Riegei' j Altdeutsche Predigten und Gebete 1676,
^^k—61 gedruckt,
1 Rote ll)€r8chrifi : dis ist ein ^^ar gute bredige det der Suse ein brediger
'On einre bände lüten liden b dise bredie tet er durch einer haude liden durch
les menachen willen 6* dise predie tet der Sewse prediger ordens der daz puch
'er ewigen weiszheit gemacht hat durch eynerley leidender menschen willen w>
'oribus (!) s 2 dise mynnencliche w. c wort n^ an] in c der minneuden
^le buch b^ 3 einer rainen lutteni gn^ gewiss.] conciencien (so stets!) c
ind -- 4 also fehlt g sprichet n* 4 also — gebl. fehlt C daz fehlt b-Cc
* schone bs 6 und [mit] b''-Cgn^ und mit manig. cg geblüm.] geziert g
^ ist] stat g stet n^s 9 gewissen] wissen s ungewissen IrC 10 und in der s
»tat] wissen s gewissny g gewiszen n^ gesteto h frowete b- roerade c
1 Hohel 1,15.
49(5 I- Predigt.
(He minnende sele zu einer zit, do sü belangete nach dem minueiicli-
chen umbevange irs gemahels, und sprach also zfl ireni geminneten:
„Lectulus noster floridus, unser bettelin daz ist geblüinet,-
rehte alz obe sü spreche: „daz gedemelin unserre heimliche daz ist
beslossen, daz bettelin unserre minne daz ist geblümet, kuni, raJD- 5
nenkliches liep ! Do hört nüt me zfi, denne daz du mich under den
armen diner grundelosen minne sussecliche entslaflfen lassest/
Nu sint etteliche menschen, der gewissene ist nüt mit blönien
bestecket, mer ir herze ist mit miste bezettet. Wan es sint etteliche
menschen, der gebresten sint uswert geslagen ; so sint etteliche men- n
sehen, aller der gebreste ist hin inwert geraten, und den ist gar ane
alle masse midichc zu helffende, zfi glicher vvise also den lüten,
der liplich wunden inwert geratent. Der selben inrcn gebresten ist
gar vil; aber sünderlich sint ir drie, die also gar swer sint, daz
man in knme dekeinen andern gebresten geliehen mag, wan sü also n
rehte vaste engent. Der eine ist unbescheidene trurekeit, der ander
ungeordente swermütikeit, der dritte ungestüme zwifelheit.
Von dem ersten sollent ir wissen, daz do heisset unbescheiden
trurikeit, daz ein mensche also rehte trurig ist, daz er nüt gutes mag
getün und doch nut weis, waz ime gebristet; und fragete er äAn^
selber dar umbe, er enwuste bi nute, waz ime were. Diser trurekeit
enpfant der minnencliche David, do er sprach: „Quare tristis
es, anima mea, sele mine, war umbe bistu so rehte trurig, nnd
waz betrübestn michV^ — reht als obe er spreche: „dir ist neiswaz,
du cnweist aber nüt waz. Hab ein getruwen in got, es wirt we^er:25
du wurst noch dicke in sime lobe erfrowet." Dise trurekeit ist der
nature, daz sü tusent menschen von irem gftten anevange wider
2 vmbviingcn tj also fehlt h's 3 [daz] ist frCn^ 4 getleml
kenieri^yn c heiraelicheit h^cn^ 5 daz bett. — geblüin. fe?dt n' 5 f. minn-
liq)| min jL^eminnter gemaliel // 7 lassest /VÄ/f b- 10 gebrechen (So stfUlx
11 iiWor fehlt Ißh-ffs \\m fehlt cfj 11 f. ane a. masse] al zii mole b, fdlt p
12 iniil.] miHslicb (/ 13 hin inwert b^C inoe wendig geroten sint h lö
eine] tTst g d. ander is c ist n^ 17 zwifolkeit b^ verzwifelheit C 18 <!<>)
daz (fH^s heisset] ist h 19 daz (erMtem] da (7 so c 20 gebrist gs bret ^''
frebricht c 21 bi nute fehlt Ircn^ dise Ccs 22 minnencl.] säli?^
23 nica «»tc. hs so rehte fehlt h- und — 24 reht fehlt jt 24 dir] dis ^
25 du - vraz fehlt s nüt fehlt hCc in] an CgsT 27 tusent] som&nigt^
27 f. hat Hdch menschen gn^s
10 f. Vgl (jf Bfh 4 13,10 f. 16 f. SeusG spricht hier au^f eigener Er-
fahnaig, rgl, Vita Kaj». :JJ. 19 daz (trslesj = da, 22 f. Pa, 42,5-
"26 Vgl, ebd. : sp.:ra in Iho.
J. Prp^iiyt. 497
linder Bich hat getriben; wanue under allen menschen, die in zit
int, bedarf nieman also wol gutes gemfites, also der meneche, der
itterliche durchbrechen fiol die herten strite sinre eigenen gebresten,
Saz mag einem menseben uf ertriche swer sin liplicher Btrangheit,
ier innewendig einen hohen mftt hat? Oder waz mag dem usse-
¥eudig läBtIiebe sin, der zti allen ziten mit bösen inOtß überladen
pty Dar nmbe so sol sich ein mensche dia gebresten waren, als
fil er mag. Aber wie man dis gebresten lidig werde, daz merkent
imier andern Sachen do bi, wie zö einem male dem bredier geschacb,
ier disen gebresten so gar lange unlidelicbe hette nnd got so dicke
lar über hette gebetten, wie z(i ime in der überwundenheit, do er
a der zelle also sas, gesprochen wart: „wea sitzeBtu hie"? Stant
if und vergang dich in min liden, so verlürestu alles din liden!"
Und daz geschacb also, und enging ime do.
Der ander inre gebreste daz ist nngcordente swermütikeit,
und ist underscheiden von dem ersten; wanne der disen gebresten
bat, der hat wol so vil bescheidenheit, dax er weis, waz ime ist,
aber er het es uüt reht nach gottes willen geordeut, nnd dar nmbe
beisset es ungeordente ewermiitikeit. Und kummet die do von, daz
uitweder ein mensche ime selben git zu lidende dar an, daz er
*iget, daz nüt zö wegende ist, oder aber von deme lidende, daz
t ünem menschen git, and sanderliche, die uf innerkeit troffent.
1 hinder /»/li» ''-«' 2 wol — also ffhil g wol/eWt« götes /eA(( '.
4 Bwerer hC liplich Ce 5 der] den der t' ao er g iöJe-
hoheii] Bweren C gfltcn 6 6 sin] wesen Cgt 7 ist fthlt Cs
It ff» eiiij der gn' diser git'c &Ib] ao ö'Cn'» 8 diser gc
eime Irg dem N c 10 [ao] gar b'' II har Aber f dar iimb Cg do
13 ergang: be eo — liden fehlt ii' din fehlt gs 14 aleo frhll Cs
*o ilins ain liden ftfi' 16 inre fehit * 16 und — 19 Bwennät, fMi g
1' Weis — 18 er fehlt s 19 ea geh h'g die] daz bb', f€hlt gn 20 ein]
i'CcT du- umbe b da. mit jy 21 aiier fehlt bC den liden cg dax]
i] dem b-' die] dos C, fthlt b- irrekeit 6= triffet 6'C
8 Vgl Vita Kap. 44 u. Kl Bfb 370,S3ff. 9 ff. Der Predig«- f= ]}«■
er) i»l Seuat aelbtt. Diesdbe Ereählung auch Bdew 2öb;Hff. u. Hör. IST.
IQ flf. Im folgtndat rtdtt SeuKf leiederholt von Zueiäitden det nkrupiUiisen
^eaiiinui. VgK A. Koch, l.thrhueh der Moralthaologif, lyo&ßäf.: Dcnifla, Dan
f*^l. Lebm äüCff. SI f. Vgl, di« lattiuUche ÜbtrseUnng von Suirim fll.
^'umis Optra latine trannlafa, Coloniar 1555, Jffi): apedatim affiictionem, quam
0»o permütmte quis miHs patUur. E» ist hier wohl die litdt von der tog.
. Beinigung der Stele (vgl. Kirth'tütx. VIII', 3091: Searamrlti, Ait-
H der mggl. Theologie, ditttaeh II ( 1HS6), 240 ff. : D. Schräm. Iiislilulioneti
iogiae myittcae, nrma ed. I {lWSj,ä9aff.J.
i Schrlftn. 32
4Ü8 I. Predigt.
Nu vindet man usgescheidenliche vier liden, die die aller
sweresten liden sint, die menschlich hertze uf erden getragen mag,
so vil daz den eilenden hertzen nienian wol geloben m^hte, denne
der ir selber het empfanden, oder dem es von gotte gegeben were;
wanne ir liden entwichet in niemer, und dar inne ir liden gelihtert :
solte werden, daz ist, so su sich zfi gotte kerent, do haut su daz
aller pinlichste liden. Und die sweri diser liden sol man verstan
nütwan an dem emzigen we, daz sü bringent, und nüt von keinem
schaden, den sä der sele bringent. Und die liden daz sint «Ilse
viere: zwifel an dem glSben, zwifel an gottes erbarmherzikeit, in-io
schiessende gedenke wider got und sine heiligen^ und anevehtung^e
ime selben daz leben zfi nemende.
Nu nimme ich daz ander liden des ersten sünderliche her für,
und danne sü alle gemeinliche. Und von dem lidende, daz ist, daz
ein mensche beginnet zwifeln an gottes erbermede und obe sin iemer 13
rat werde, daz kummet sünderliche von drien Sachen under anderD,
und die sint, daz sü nüt künnent wegen, waz got ist, waz sünde ist
und waz ruwe ist.
Sehent, got ist ein also unerschöpfeter brunne grundeloser
erbarmherzikeit und natürlicher gute, daz nie kein getruwe mäterü
irme einigen kinde, daz sü bi irme herzen trüg, so gerne die bant
gebot, obe sü es sehe in eime starken füre, also got tftt einem
ruwigen menschen, und were joch mügelich, da^ er aller menschen
Sünde alleine uf ime bette und er die alle tage tusent stoot
tete. Ach, minnenclicher herre, war umbe bistu manigem herzen ft,
also rehte minnenclich, war umbe hüget manige sele abe dir, war
umbe gestet sich diu maniger mftt? Ist daz alleine von irem un-
schuldigem lebende? Nein es, gewerlich! Es ist dar umbe, so sn
gedenkent, wer sü sint, wie rehte sündig, wie gebresthaft, wie rehte
.•3 wol fehlt Cg 4 der ir] daz er h das ir C der it c der [ir] h- 5 f. solK
jurelilit. /**.v 6 kert<?n hcgn^s 7 bM^y fehlt hh-Cc dis lideus hCW also
verstan />* 8 nütwan feJUt ftg einzigen b-s und fehlt h'C 9 bringet g^^
die] diso s 10 zwifel — j^loben fehlt c 10 f. infliessent a 13 des« enten
— 14 l 'nd fihlt c 14 daz ist fehlt h 17 die] daz hh- 19 also ein h§
burne hCcs 20 so iretruwe hg 21 eygen s bi] an h-T 22 stArkeD)
grohjsen //- 23 joch] ja c ez w* es joch gs 24 alleine nacA hette b* 25 Ach
— 499,1(5 miniiencl. fehlt g war u. — 26 minn. fehlt h 26 hüget] hungert f
11 f. Vgl. Vita 110,27 u. Tauler (Frankfurt 1826) 111,26. 16 f. Ga^
ähnlich Vita 02,7.
I. Predigt 499
I nnwirdig eu din sint, ucb, nnd du, miltes berze, du, frier herre, dich
r ineu so frilicbe erbütest Herre, daz machet dicb in den herzen so
rehte gros, daz du menschlichee götes alles nnnotdnrftig bist. Dir
aint doch titsent marg als ein pfeniiiiig zu lassende und tnseut tot-
5 Sünden als eine zö vergebende. Herre, daz ist ein wirdlkeit obe
aller wirdikeit, berre, solicbe menBeben bünnent dir niemer volle
gedanken, ir herze Hüsset hin von dime lobe, Wanne nach der ge-
scbrift 80 ist es dir vil lobelicher, denne obe so in nie keine sünde
werent gevalien und in lewekeit lebetent und 5ch mit so vi! minne
10 zA dir hettent, wan nacb sante Bernbartz lere so sihestu nät an,
waz ein mensche ist gewesen, du sibst an, wer er sin wil nach be-
girde sins herzen. Und dar umbe, wer dir abe sprechen wil sünde
vergeben joeb also dicke nianigen Ögenblik, der wil dich grosser
eren beroben. Die sünde het dich doch von himel nf ertrich braht.
J6 Selig si die sünde, also santus Gregorins sprichet, die uns einen
so gcminneten zarten erlöser bvaht>>, der uns so minnencliche alle
Stande wil enpfahen! Und also wer gewegen kan, waz got ist,
also David sprichet, der enniag bi nute gotte missetruwen.
Daz ander ist, daz sü nüt künnent wegen, waz sünde ist.
% Rehte sünde lit alleine dar an, daz ein mensche mit eime verdabten
bescheiden willen wissentliche und gerne ane widersprechen der be-
scbeidenbeit sich von gotte uf daz gebresthafte ding kert. Wanne
were, daz ein mensche also manigcn infal bette also manigen 5gen-
blig, und die also reht ungescbaffen und also bfise werent, also es
96 mügelicb ist keinem bertzen zu gedenkende oder keinre zungen zu
1 und ffhlt CV 2 den] dem h'cn's so] alao bn' 3 rebl« fehlt h'
dies] also bCa' 5 ein] din «'i' 6 f. oUe A. vdii. fehlt n' 6 sotretane bCc
7 danken en's 7 f. Bcbryft «c 8 dennc] wanne be totsünde « 9 so]
roinne/fA/( bb'-Cen's liebd T 10 enaihatu Cc 11 ab welle b'
II t begiriien Cc 12 abe wü apr. b' wil abe spr, hC 14 von
I hinel nach braht 6', fehlt C 16 zarte» /eW( tW« 19 gewegen fcV 20 lit —
ua) ist 0 21 male und willeii b- 23 were] wie ö' also — bette fthlt a
3 ygl. Pj, 15,L'. 7 S. Vgl. iuA. 15,7 und Gr Bfb Mft^ff.
10 Vgl. Bermo 134 dt div. n. 1: atrma S3 in Cant. n. 4. Gans ähnlicher Oc-
' OrSfb 407,13 f.; iSifif. 15 f. O fdix culpa, qaar tairm ae tanivm
Ittt habere rrdemploi-eta.' Zitat nus dem Prateoniam pasehalc (vgl. Kl Bfb
i73,4>, dns »'imt dem hL Augustinus nigtschHehtn wird. 18 P». 9,11.
20ff. Vgl.beiThtmag,S.Th. 1,3 q. SS u. Ä. Koch a.a.O. ISÖß. die Kriterien
• Tod- beetö. lätalich*» Sünde gang übereinatifitmend mit Sfute angegtli«».
;. 169: H guis deliberata ac terla volantale »eiena atque voletis absqae
Nation** rtluetatione a D<o se avertat tt ad iniquilalem transferat.
500 I. Predigt.
sprechende, und von wem sü joch werent, es were joeh got oder
die ereature, und daz dennoch der mensche in deme stünde ein
gantz jar oder zwey oder wie lange es were nach dem zit, — ehte
die bescheidenheit alleine ein ringen da wider hat und ein misse-
fallen, also von naturen in solichen Sachen ist, also daz su nüt gentz-
lich mit fürdahtem mfite und mit gantzem willen dar uf vellet, so
enist keine totsünde do geschehen. Und dis ist also gewerlich wor
nach der heiligen geschrift und nach der heiligen lere, us den der
heilige geist redet, also daz got in dem himel ist.
Nu ist ein verborgens dringen hie beslossen, und daz ist daz lo
aller kleinfügest und scharpfeste baut, daz in diser materie ist, und
daz ist also. So der ungeschaffen b5se inval geschiht, und ein
mensche geswinde mit ettewaz lustes vil lihte dar uf gevellet nnd
sin selbes vermisset, daz er not hat geswinde do von gekeret so
weuent sü denne, sü sint mit willen und bescheidenheit dar uf ge- 15
Valien und haben t also ir selbes vermisset und totsünde getan. Und
daz ist nüt also. Wanne nach der heiligen lere so wurt die be-
scheidenheit dicke fürkummen, beide mit sogetanen invellen und mit
lüsten eine gute wile und ein langes zit/ e daz die bescheidenheit
ir selbes rehte innen werde; und so sü denne ir selbes reht iDnanSO
wurt mit guter bedehtikeit, so mag sü denne enpfahen und lassen
und Sünden und nüt sünden. Und dar umb so sollent die menschen
keinen schrecken haben in den Sachen von keinre totsünde, ob sn
2 die fehlt h-g creaturen hc deme] der C den s 3 oder zwer
fehlt 6- werde cn^ der zit Cc den ziten s ehte] und g weile «^ ockert
dat c 5 nature n^s in fehlt b- sogetanen n^s 6 yerdohtem bgs und
[mit] b-gn^8 7 keine — ist fehlt s 8 lerer b^cn^ den] dem b 11 [und]
scharpf. bc 13 vil lihte vor geswinde b, var lustes sn^ 14 vergisset <;
15 denne fefilt b- und mit b. Cc 18 solichen gs 19 luste b lange b-W
daz fehlt b-g 20 rehte fehlt b- innen] gewar bb- innan] gewar b 21 «leun?
fehlt n^s 23 enkeinen bC keinen totsönden b^c
1 von wem = über wett. liitger bei Wacktrnagel a. a. 0. 556 iriü tüfel
siat got lesen; mit Unrecht^ denn es sind blaspheniisclie Gedanken gemeint.
8 Surius L c; sacris litetis et ecclesiae catholicae senientiis, 8 f. U8 den-
redet, vgl, Bdw 328^3, 17 ff. Surius l, c: est namque muUorum sandorm
Patrum Concors senteniia , raiionem saepenumero imporiunis cogitaiionibui '«
animum irruentibus atque etiam delectatione quadam praeveniri, £s ist die E(di
von den der klaren Erkenntnis vorausgehenden^ nicht frei gewollten Affekten (motut
primo primi), vgl. Thomas, S. Th, l,3q,22sqq,; A, Koch a. o. 0. 40 f
21 Vgl. Jak. 1,15.
1. Predigt. 501
cristenre lere welleot gl5ben. Eb spricht Ranetns Augustinus, daz
die sände mäe also rehte willeclich geschehen, wanne gescbiht sä
not rehte willeclich, so ist sü keine BCinde. Es wellent die lerer:
nnd hette Eva aileiiie die fraUt in dem paiadise gessen und Adam
Di'it. es hette nfit geschadet. Zft gelicher wise, war, insprechendes
die sinnelicbeit hat one gantzen inst der bescheidenheit, die entritfet
ntit iif keine totsünde.
Daz dritte, daz den schaden tflt, daz ist, daz sü nüt küiinent
wegen, waz rnwe ist. Ruwe ist eine tugent, die einem menschen
sine slinde abe nymet, so sü mit bescheiden heit ist. Sant Bern-
hart sprichet, daz unbescheiden ruwe gotte missevellet. Der bfise
Kayn der ruwete öch, aber aoe wise, wanne er sprach: „mine bos-
heit ist merre, denne gottes erbarm herzikeit." Judaz der ruwete
ücb, aber dez leit was zfl un&rdenlich. Also kumment sogetane
nienscheu ettewenne in ungeordentes leit, dax sCi in in selber spre-
chent: „es ist ein übel mere, daz ich lebe, lierre, war zft wart ich
ie geborn? Ach herre, wanne stürbe ich!" und des gelich manigerley,
und erzuruent got dicke me bar an denne an der snnde. obe joch
keine Bünde an den vor genanten Sachen were. Aber nach der
heiligen gescbrift so ist do keine sünde. Und dar uinbe, der rebte
ruweu wil, der sol haben deniiitikeit in ime selben und ein misse-
jVallea der Sauden nnd ein gantzes getrüwen gegen gotte. Es sprichet
^ 1 cmt«ii "'* daz ffhll gn'» 3 iiöt (relite] gc rehte will.] mit
gnutzem willeu b sli] es //», felili h keine] kleiue h nit gn totsfinde b'-cu'
wpileat] maincnt g 4 [und] bette gn'a in d. parad. die fmht gn'a 4f. und
uit Adam bc 6 lust] gunst tt^sT gniist g eatrisset j>' triffet lig 8 dritt«]
Mder hh-C 9 einem] dem ifii' 10 b6] er 6c xait fehlt i' 12 kajm
bh'C [der) ruw. rga miore C miner gn' 13 denne] wanue 66' der
Jthlt h^C"'» 14 dez] da» Ces z'i] gai' g gm ze n's solliche bK 16 in
(in] b'« zfl in frn' 17 ie fthlt bCg Ach — ich ftidt g muniger hande 6'n'
erzamel es hie mitte bn' mit der s. hn' obe — ao sftnde fehlt g»
tretrüwea] rawen 6'P gegen] zfl bgn'T
1 he rem rtlig. li n. 37 : unifat adeo peccalum roluittarium itt malum,
l nullo modo tit ptccalum, si non nit ooltttitarium. Vgl. auch In ep. ad Hom.
^0)1.13—18; De actis cum Ftliti! Manich. 11,3. 4. 8 ff. Vgl. Thoma«,
i Th. lfiq.81 a.li: ptceatum originale noH contrahilur a matre, scd n patrr,
t te€nnäHm hoc, si Adam nun piccante Eva peccasget, ßlii originale peeeatum
H eonlrahtrent. 4ff. und Adam nüt, vgl. Suriu» I. c. 170: uec hoe in scdei'i
t lEvai) praebuisset Adam. Dif Sinnlichkfit im folgenden bedeutet
, die Vernunft (lieschei den heit) Adam. lOf Vgl. arrmo 38 in Cani.u. 1.
11 nnbeBcheideu r. =■ indiscrtia cnntritio (Surius t. e.l. 12 f. / Mo». 4.1S-
19 f. Matth.27,3ff.
502 I. Predigt
die ewige und die minDencliche wisheit: „kint mines, in dime liden
80 solta dich selber nüt versmahen! Kum sin an got, der hilffet
dir es überwinden!^ Er ist ein rebter tor, der an eime ogen nut
gesiht and ime selber dar nmbe daz ander oge och wil us brechen.
Von disen gebresten allen sol man wissen dise sehs ding:
Eins ist, daz sogetane menschen gar unusrihtig sint, daz 8a
wenig ieman her inne gl5ben wellent, den sü doch gloaben söllent,
und sünderliche^ der in üt tröstliches seit, vil minre, den der in un-
tröstliche ding Seite. Und daz kämmet von dem emzigen herzec-
lichem we^ in dem sä gemeinliche one allen nnderlas stant Und ic
hant daZy daz sü Iren gebresten gerne vil lüten klagent, dar nmbe
ob in ieman künde zu helffe kummen; und daz söUent sü nüt also
witbreht tun, wanne ir ist wenig; die hie zu geraten künnent, und
so sü ie me do von geredent, so ir gebreste ie mer wart. Sü söUent
US kiesen einen lerer, der es wol habe von der heiligen geschrifi, 15
nnd dem söllent sü gloaben ane allen zwifel, wanne got wil es an
dem jangesten tage an in vordem nnd nüt an sü, wenne sü daz ire
getünt.
Daz ander ist, daz sü hant vil anrehter vorhte. Su dancket
nüt, daz sü iemer reht gebihtent, wie flissig und wie wol gelert der ^
bihter ist, oder wie gentzlich sü ir vermügen hant getan, und ge-
winnent do von niemer geruwig hertze. Und daz kämmet do von:
sü cnwissent nüt, waz sü schuldig sint usgescheidenliche zu bihtende
nnd waz nüt. Nach der geschrift so ist ein mensche alleine schuldig
die totsünden usgescheidenliche zu bihtende, ob er es kan getün, und 95
1 und die minn. fehlt gs liden] leben hC 2 so feMt 6*n* 4 dir
nmbe fehlt hn^ oge fehlt gn^s us wil brechen bh- 5 von] und Cc allen
samen gs 6 solliche h 7 nieman h-C gfloben — doch fMt s den -
soll, fehlt c solten b 8- minre — in feMt s 8 f. untröstliches [ding] O*«'
9 einzigen bbls 11 ir b-g lütes b'^n"^ 12 künne bC soltent C 13 wit-
breht] witbreit hCs wyt mere c, fehlt g 16 soll, sü] hant sü zu *n' 19 [dai]
sü gn^ vorhten bc 20 gebiht.] getfint b- und [wie] Cs 23 dazsü^C
want si c nit enwissent bc nüt fehlt C 24 und — 26 biht fehlt C
1 f. iSir, 3tiy9, 13 witbreht von brehten = rufen, lärmen^ trie lutbrehl
(Gr Bf b4S2,4) gebildet, Bas Wort fehlt in deii Warterbüchern, Ih StiriM
h c, 171: vir um in divinis literis eruditum ac expertum, 24 ff. Surius l. r. J7lf-'
sola peccata vwrtifera, quantum fieri potest, distincte ei expresse confiteri o61i-
^^amur, leviores rero et quotidianas culpas generali quadetn enarratione exposuisse
satis ist. Vgl, dazu Thomas, S. Th. 3 q. 84 a, 2 ad 3; In 4 Sent. d, 16 q. 2a, 2:
A, Koch a. a, (), 197 f, : F. A, Kirsch, Zur Geschichte der katholischen Beichte
Wo:i, 186 ff.
1. Predigt. 503
die tegeliche sünde alleiue nach einre gemeinen iialegunge. Und
wanne uu die menschen in den rordern Sachen keinre toteünden
schuldig eint, m endiirffent si'i noch ensöllent nüt die invelle ako
nfgescheidenlicbe alle sagen, denne nach einer gemeinen uslegunge
fi nach eins g&ttelichen bescheiden bihters rate. Der tüfel verwirret
aileire hie mitte herzenrfiwe, und dar umbe so sol man ime hie
widerstan ; wanne so man ime ie me henget, eo die gewissene ie me
verwirret wurt.
Daz dritte ist: su süchent ein wissen in den Sachen, do man
XO mit Wissens mag haben, sä gant deme nach, daz sä wissent, daz
»ä ane totsönde Btandent. Es enist kein mensche tif ertriche noch
so göt, noch so selig, noch so wol gelert nach der heiligen lere, der
*in wissen möge haben, obe er in der gnaden si oder nnt, denne
von gottes Bunderlicher offenbarongc. Ea ist hier inne genftg, so
[ <i& sidi ein mensche wol ersuchet, daz er denne ein nütwissen dar umbe
I habe. Und alsus so knmmet daz wellen wissen von unbekantheit,
I tiüii ob ein kint mutete zft wissende, waz ein keiser in sime liertzen
bat verborgen. Und dar umbe, also der lipliche sieche hat sime
arzatte zfl glöbende, der die natare dez siechtagen has erkennet
denne er selber, also hat ein mensche einem bescheiden geistlichen
anale zft g'oabende.
Daz vierde ist: sü sint zfi ungestüme gegen gotte. Und daz
kunimet ouch von dem emzigen bitterlichen lidende, in dem sü z&
.»lleu ziten stant. Sü ensint mit vil geübet in anderem lidende ge-
iieiiiUch; inen geechiht also der einen jungen volen in einen karren
1 tt^elichcn sliudea f.'i: 2 CataiiiKle xit' '.i sü nach ensölteut gn'g
^t. tiso usgeech. fehlt ys 6 alleiu sicli li »iob alieine c [sii] sol gn'g hie
'«W hC 7 verhenget hCg ie [me] n'w 8 verirret b'nT 10 Wissens]
kiMCn nV hahen mag b'j 11 noch fehlt bb'iT 13 ein /«Ä^/ 6's
'f iiuiderUcbeD otTenbaruiigen bb-e 15 dar an b dar inne b^ 16 so fehlt hi/n^
ionet ans bC daz si nellen w. </e anbedehtikeit bC 17 möt bette bC
8 verb. bett* cg lipl. sieche fehlt C lipl. — sime fthlt s 18 f. s. arzatte
at hb^C 20 üinen Cc 22 ungesWndig bh'Cffs 23 einzigeu bb' 24 sint bg
hdern liden cn 25 erst, in eiu. k. yg karrich b'a's
Uff. Vgl. Pred. 9,i : 1 Kor. 4.3 f.; Thoma», S. Th. i^q.ll^ a.6: Pohh,
■ehrfluch der Dogmatik 11 flixm,^}ff. 14 f. Surias l. C. 173 gibt dm
hn treffend icirder: fufßcit in Ihk pttrU, si d'ligtnltr cc/i/om/a congnentia
tÜMiH eeftum inortiferun ffeeatum in ea compirinlnr, 20 f. 1'^/. Hortil, 193:
UritHuli» mtdicug (Suiiug l c: confeggariag).
1
504 I. Predigt.
spannet: so sich der vermüget und vervihtet, daz er mager wurt, so
er siht zfi jungest, daz es anders nüt mag sin^ so lat er sinen möt
nider und beginnet zemmeliche gebaren. Also geschiht disen men-
schen : alle die wile sä noch ein vebten do wider hant und sich nüt
gentzlichen hant geböuget under gottes willen, daz su es welleot i
durch in liden, so geschiht inen gar we, und müssent es doch lideo.
untze daz der erbarmherzige got wnrt ane sehende ir arbeit und ire
getultikeit; und er weis, wenne es in nütze ist, daz er sü do von
entbinde. Und dar umbe so hört nüt dar zu, danne sich demütek-
liehe in daz liden ergeben, wie lang es got wil, und getultekliche lo
helffe von ime vordem und gebet von gfiten luten.
Daz fünfte ist: dieselben menschen irret nüt uf ertriche also
vaste. also daz sü deme ungeschaffen gerüne went gelosen und ime
went antwnrten und mit der bescheiden heit ime wellent widerstan
und da wider disputieren. Und do vor süUent sü sich hüten also 15
vor dem tode, wanne von dem widerstonde so sinkent sü dar in ooe
alle helffe. Und dar umbe, also balde es den geistlichen oren wart
in gerunet, so süllent sü rehte geswinde ane alles widerkriegen sich
do von nebent sich keren uf daz neheste, daz sü sehent, hörent oder
wissent, rehte alz obe sü zu ime sprechent: ^hab din gerüne dirao
selben, es engat mich nüt an, du bist joch zfi böse dar zfi, daz ich
dir hie zu welle antwurten/ Sehent, und daz geschiht eigentliche:
so sü sin ie minre ahtent, so sü ie schierer do von kumment. Und
daz tügent aber und aber, untze daz sü einen gewönlicben abeker
gewiiinent. Und dise rede kan nieman wol verstau denne die selben»;
menschen.
Daz s e h s t e ist : so die zit ie heiliger ist und sich der mensche
ie gerner zfi gotte kerte, so daz selbe liden ie mer ist und so so
1 vermndet hh-ti^ 1 f. und so er siht gn^ 2 er denne siht bg nil
anders Cn^ sin enmag sc 3 gezemmeclichen C gezemlich n* gezamlich ^9
disem //- B f. menschen allen b- 4 ein widervehten hant do wider 6'
7 und [ire] es 8 und] wen </ wenne n* 9 danne daz sä sich 6* 10 und
get. — 11 ii'iten fehlt h 12 ist fehlt cn^s 12 f. nüt also vaate uf e. b* also
lehtc vast cv/n'.v 13 t. ime v,'ent fehlt s 16 dispitieren 6V sich — 16 rf
frhlt s 18 Widerreden ,v 19 der von 6'n* nehent sich fehlt hb^ horcnt
sehent //' 20 ime] eime bh- 21 gat gs 22 her zö n^c 24 bis cp
25 enkan Cc 26 die] daz b'gn' 28 rihtetent und kerteu (!) b-
2 f. lat 8. müt nider, vgl. KlBfb 361,20; GrBfb 462,43; 466,13.
13 nngcschaffen geriine, vgl. Bdew 312,4, Zu Z, 20 ff. sind die Vitae patntm
ed. Uosweyde {s. oben 104 Anm.) III, 57: VII, 1,6 (vgl auch Palm, VäUrbuck
l,'>Off.) benutzt. 27 zit = Festzeit.
I. Predigt 505
I einig Pater noster noch Ave Mana mit mugent lidekliche ge-
precben one daz veige geräne. 80 kumroeDt so ettewenne in einen
■aiimrit und werffeut daz gebet hin und sprechent zft in selber; ,waz
fctireiiestu, da/, dich daz gebet heltl'e, d»z so vemnreinet wurt?" und
( tfliit hier inne gar unreht; wanne wenne sü da» tönt, so willent bii
denie tufel gentzliche, wanne der BÖcliet nüt anders, dennc daz er
Hitn tnenschen erwere geistliche ühuuge. Si'i enwissent iiut, daz ii'
gebi'I mit allen den invellen, die in leit sint, ao rehte wol smekent
and eo vehte geneme ist vor gottes ögen, wan es eprieliet sanctus
10 Gre;;orius, daz menschlich gemüte dicke klimmet in Golliche timbcr-
lieit. daz es ime selber mit gehelflen kan, danne daz es ist in gegen-
wertikeit leides und lidena. Und die selbe widerwertikeit raffet vor
gotte inneoelicbe für sü, nud die bitterkeit irs lidens wart vor sinen
Ögen verkeret in ein lüstliohes gebet und tringet ueher denne aiie
IB die wise, und neiget iu geswinder. Und dar umbe so sol enkein
mensche enkein gut werk, noch kein gebet, noch kilchgang, der dem
gellien bösen geiste sanderliche wider ist, niemer gelossen; wan waz
dem menschen an lütri des gebettes abe gat, daz gat ime uf an
widerwertikeit des lidendee, von der wegen es gar geneme ist vor
^gottes ögen, als einen siecheu, der kume redet, den höret man dick e
denne einen gesunden starken menschen. Und so man ie me von
gebette Hesse, so man dem selben bösen geist ie me weget.
Sider nu also bewert ist von der heiligen gescbrift, daz an disen
Sachen nät sünde lit, so ist ein frage, war umbe der erbarmeherzige got
'A also rehte swer liden verheoge über sogetane menschen, wanne ge-
I noch] Diter »'« noch e
lidelkli « ledlieh n S ifit ,tr«
wniinc — 6 fetiitzl. /«htt y mfttwillent g
T eim] dem g einen et ^lathclier b'
vnr — »auctus fMi fc'» 10 kume !•''«
tämehelt C hlfnt.lieic c aw ermUtiitkeit n
b eenedigkeit. n'» en^ol l>r
bet f'Jtli c kilcheo gaii t>-it'.v
wall] null hb-e 18 luterkeit licrt' iu g» 19 widern.] wirdikeic (' von
— geneme frhlt g des wegen h 19 f. vor g. ögen f'hlt b fiO einem Cg
aierbenl uieDsohen bb^e reden (gereden n') mitg: ga'» erhöret b'n's 21 denne
fihii b< Und — 24 frage fthli g sich jome n'v 22 den hh' ie me
fthil !>•- 23 Bclirift '<'e daz fehlt Cca 25 rehle ftidt hg verheugeC bCcT
, Mlliche br meunclien] Iflt* bn' wsnno — 506,4 leii. fehlt g
»9ff. VghMorat. \1U^3 ii.3h: XX\I,U ii.sä: XX.yil.li n. 3ti. J
aif. Vgl Gi-hfb 443,9.0: M
1
uiit fMi bCc
lidekl. mugcnl 6'
hie mit n' hsr mit
hier an C daran g
t g 6 lierl er rg
demie] wanne i.'C
en ösmatketje
9 ist] sint b'Cn'^
sogeUne /.Ti.'s
10 f. lumpheil bg
14 ein frhtl 6'n
* 15 geawinder
lü enkein) ein n'#
le noch k. gt-
17 lioaeu IMI i'j>
uiemer fehlt b't
506 I. Predigt
meinliche zfi nemende man enmöbte in kein lipliches liden genom-
men, 8U nement es zfi lidende für die liden. Die selben menschen
und ettelicbe einvaltige menschen, die es nfit babent an kunsten
noch an lebende, die sint in dem wane, daz es alleine knmme von
schulden. Und daz enist nfit war, wanne manig heilig mensche i
der wurt berlicbe dar inne versflchet, daz wir alle tage sebent und
in der heiligen geschrift vindent, und dicke böse, unlutre menschen
stant ir lidig; ouch ettelichen begegent es in irre kintheit, so sie
dennoch ane gi'osse schulde stant. Do aber dis liden und disü strenge
bflsse einem menschen were kummen nach sinera wane oder nach lo
der warheit von schulden, der mensche solte got innencliche dar
umbe loben, wanne under allen andern dingen nach der schrift ist
daz ein also gar gros minnezeichen von gotte, so er geswinde die
sünde hie mit zfigesanten liden busset. Aber war umbe sü got furbas
mit dem liden zwinge denne mit andern, daz ist verborgen in gottes 15
tögene; wanne daz sollent sfi von gotte also uf nemen, wanne got
aller menschen herze und möt und wise intian und usnan aller basi
erkennet, daz er och alz ein wiser arzat und also ein getrawer
vatter einem iegelichen zfi fuget, daz er alleine erkennet, daz ir
aller bestes ist. 90
Nu möhte ein mensche vil Übte fragen, waz gfites hier inne
einem menschen möhte geligen. Dez antwurte ich nach der schrift
und spriche, daz grosses unsageliches gut einem menschen hier an
mag geligen. Daz eine ist: es sint ettelicbe menschen von n;itare
eins hochmütigen sinnes, und die möhtent niemer bas noch ver-95
börgenlicher geböuget werden in demutikeit, die do ist aller tögeude
ein rehtcr anevang. Wanne su wenent, daz nach ungeschaffenheit
1 dekein b-s 3 kunst s 5 wanne fehlt b-s wanne — 7 dicke fthlt g
7 schrift b-c vindet 6' 8 die stont gn^ irre] einer sn^ sie] er hW^f
9 ane alle grosse b^n^ stÄnt] stet b^s ist n^ sint g Do — 14 busset fehlt g
disü fehlt Cg 11 der m. der solte b- 12 so ist bc 18 gar f$fUt gn^ g»r
reht b-8 14 Aber bis Schluss stark gekürzt g 15 zwinget bCc anderme
bCn^ 17 aller — müt] alle ir stege und weg &* hertzen CmNs inne-
wendig u. ussewendig bmN ussen Cs 18 bekennet bmX alz — und
fehlt b-s 21 hier inne nach menschen bmN 22 geschrift tnNs 23 hier
an] hier inne Cc, fehlt gs hier — 24 gelig.] der enmag (mag s) liden h'x
24 von naturen Cc 27 rehter fehlt b
3 f. Vgl, Sarius L c. 175: nonnuüi simplices, qui neque scicntia mqtit
experientia isia noverunf, 6ff. Z, B. Job; vgl, Gregorius M., Moral. XV^
n. 67. 12 f. Vgl, Sir. 2,6 u. Bdew 260^^3 ff.
I. Predigt. 507
der iDvelle si och iiDgeschaSeuheit der sände, und dee enist nüt;
eia mensche in eime einigen wolgerallen ein selbes infibte Bäntliche
ongescbaffener werden vor gotle, danne obe der aller bÖsteu invelle
tnsent werent gesin. Und daz ist kuut an dem böbegten engel, der
do viel und doch nüt Bollicbcr incelle bette. Und also gCBchiht hie,
daz der mensche, der sieh selben nüt wolte erkennen in eime hoch-
Tertigen gedanke, der wnrt sich selber denne erkennende In deme
lidende; und der vor ander lüte versraahete, den duhte denne billich,
daz in allermengelich versinabete. Waz mag nn einem menschen
nutzer gesin oder me weges machen zQ gotte denne dis? Es ist
doch unmügelich, daz kein demütiger mensche verlorn werde.
Und dar nmbe gewerlicbe nach der schrift und nach der war-
heit, so soltent sogtane menschen ut' ire knii valteu, und soltent tVie.
DogeBchaß'enen Hden übergalden do mitte, daz sü gotte innenkliche
'danbetent der Hden, die sü zu einre sogtanen tugent mägent bringen.
L'nd daz selbe liden nimet sli von der bellen und setzet sü in daz
bimelrieh; so siut sü dar zä gut, daz sü die menschen behütent
Tor beliehen vellen und vor vil sünden, wanne sü gewinnent also
Til do mitte zö schaffende, daz eft aller üppikeit nach vergessent,
ud daz i^t ein edel DUtz. 80 sint sü och fürderlich zu allen tügenden.
"Wanne den menschen ist also rehle we do mitte, daz sü alle wege
icbent und in alle ding mügelich sint zu tände, nütwan daz en dis
alleine ahe kumraent. Und wie ernest in ist, so lat sü doch got
liebe also stan, nntze daz nach vil guter werke samenunge der
neasche ein volles ras wurt aller tügende und gnaden.
Ku merkent, lieben kint, wie rehte minnenklich die ewige wis-
I riknden fi'c 2 einigen /</<// Iih-Cu siiutlicher gti'scT 3 und iin-
dr. gn'T i gewesen li-e engel luoifer g 5 sogetaner h'Ccn'
erBmah. fehlt mN 9 alte meuschen h'g alle die lüte C 10 denn
»j Buch g denne diae ursnch der demutikeit b 12 nach ~ und fthU C
bs i:i sollent li'Ccn' «oUiche hex 16 daiikent b'C der]
die] 90 b-'s süllicbeu bs lö Und] wnn r/n 's J" nimel] bringet b'
37 lue] den bcn' 18f. da mit also vil gn^ 19 daz] dar h' nach] gnath niA',
20 fürderl.] sunderlii'h n'» 22 sint mügel, w'c iiilweno n' nuwent »
Baügeu ftbe kummeu 6- 24 ditke /e/il( ih'ii'» nach sani. vil g. werke 6-
nieosche »'« gnade cn'
17 f. Vgl. BdeiP 351,14, J.'l. 21 ff. Vgl. Üvrius I. i: 177: tarn mhrre
, itt r^rtuiM int rtmedii loeo stetetUur, nw quiequam eis impogsibilr
f quo suam poisint cmetm etaderc rl oblieisci. 26f. Vgl. Weiah. 8,1.
508 I. Predigt
heit alle ding kan ordenen, daz die menschen wenent, daz su also
grossen verlast dar an habent, und es got inen zft also grossem nutze
verkeret. Es minret och ir vegefür und bringet in grossen Ion; sü
wenent, su sient böse, und sint gflt; sä wenent, sä sint dar unibe
grosse sunder y so sint sä vor gottes 5gen hohe marteler, wanne es i
tfit tusent stunt wirs, alle stunde also gemartelt werden , danne mit
einem slage daz höbet verlieren. Und daz ich es kürze , nach der
heiligen schrift und nach der warheit so ist es ein gewer minne-
zeichen unmessiger gnaden und grosser heimeliche, die in der nach
künftig ist. Und dar umbe so söllent sä es fr61ich und willeclich IC
liden, wanne in get sicherliche nach der bitterkeit die ewige selikeit.
Also geschach einest. Es was ein frowe in eime kloster^ die bat
ouch diser liden eins. Do da erstarp, do kam sä her wider und
Seite, daz es ir vegefür hie was, und daz su on alles mittel tod
gotte in ewikeit enpfangen wart. Des helffe uns ouch unser U
minnenclicher herre Jhesus ("ristus. Amen.
1 geordeiieu b-c ordiniren C 3 keret h- in och ir v. mNc 3 sü
— 4 gut fehlt n^ 4t [und] so sind si gut gs dar umbe fehlt Cg 5 hohe]
grosse h-g marterer 8 6 warst hh^ gemart<?rt InnNs 7 es fhh frC
8 f. bloss zeichen gn^tt 9 gnade gs heimelichelt b-cmN in] ime bh^C
10 ist] wart b- Und fehlt bC so fehlt cmN gewiDecliche bCc 11 in]
es mXs 12 geschach es b- es gesch. m .die] und Ccs und die b^ 13 staq)
bCgmX 14 daz — w&q fehH n^ hie fthlt brnNs was] were r were
gewesen b-T 15 wart] were b-C des — 16 Amen fehlt inN des] da* f^f
16 J. Christus und Maria sein werde muter .\meii n^ nach Amen: Expliril
liber Deo griacias Amen .v
)\ minret — vegefür, tbvuso Bdeir 2öl,:il, 9-11 Vyl. (ir Bfh 444.1/
12 tt'. \'ffL Vita 14:JJ,15f.
n. Fredigt.
■iseriint Jadaei ab Jerosolyniis sacerdotes et leritas ad
Johaniiem, ut interrogarent eani : Tu qais esl
Die Juddeu und die pliariaeyen die santen zu Johannee und
leten yne, wer er were, abe er were Helyas? Er bekaate und
[nete nit und sprach: Non sum. „Uistu dann Cristus?" Non sum.
ler eyn prophete?" Nou sum.
Kynder, dieser phariaeyon fint man noch viel, die ockern geen
üppigen fragen umb. Die eynen fragent nach werntlichen
pen, wa8 die und die tbun. was meren yn den steden und yn
landen nnd under den herren sy, was under den luden, geist-
Sn und werntlichen, geschee, von diesen und von dem, und yn
tn>l mit nuwen meren. Phy der groszen schänden under geist-
ißa luden! Des solde sich ein geistlich mensch ummer geschemen
Bgeu und zu wissen eynige nuwe mere. Was geet eynen geist-
pa menschen an alles, das diese wernt geleysteu mag? Die
irn fragen von vorwitzikeyt, das sie gern viel wissten und von
dingen verstünden und konden aageu; do enwirt auch nit me
Die dritte fragen uff eyn verBuehen, das sie wiBsen, was yn
iluden sy, und koment nnd smeyuhent. als die Judden sprachen:
//. Predigt. Eng.: h' = Berlin a"32y : g'^Giaisen böU: r=^ Itostnck
Msialb&iiiothek. T = Taulerdruek 1543/. äsra _ s3". Zur Grmullag*
genommtn, — Bit Eehlheit dieser und der folgendm Predigt steht nicht
jlgl. Kinhitung. Erstere ist nach r von E. E. H. Kraute im Jahrbuch des
pü für niederdeutsche Sprachforschung 11(1876), 11 — IS puUisiert.
2 — 3 fehlt b^g\ dafür Überschrift:
iden und Aie phariBefen 2U Johanne santen g' C yne fehü rT Er —
\fMl g' bekanle] go r geyde fc' 6 nod er Bprach g' Non smo itrstet)]
■bjn gyn nit g', fehlt !•' 6f. Non suin (cu-eiies a. dritte»)] neyn y'
Bder fthU T fiot man] sint b'T noch] noch g', fehlt r ockern]
6' BchlechtH T, fehlt r 10 dingen] aachen b' 11 gy — luden fehlt j'
den] und T 12 und wat geachey van r dusem r 13 Phy]
poch g'' Mlinnde r2' ander] von g' 14 Boldeu sie sich [eio geiatl,
b] g' 15 wissen und zu fragen j;- 16 diese] die g' geleysteu mag]
Ir 19 do — 19 U8Z fehlt r nit me] nnmme b'-T 19 wollent wissen p'
«f. Joh. 1,19. 8 ockeni, oekert, Adv, = nur, bloss (Lex. U,im,-
i hd. = eht, bette, nütenn. 17 f. Vgl. Vita 98,2 ff. 18 f. Vgl. Surias
79t nee ii unquam ad aliiora proßciunt nee profectus illoriim spes ulla
tef, gumtdiu tatet permanent.
«
510 n. Prediget.
^meyster, wir wissen, das du warhaflftig bist.** Also thun diese.
Fyndcnt sie dann ir wyse yn den luden, so ist isz alles gut, und
fyndent sie der nit, so endaug alle ir thun nit. So geent sie aber
ander fragen, nnd geent also ummer fragen, das sie ir verkerte wyse
beschirmen, und enwoUent sich ye dar ane nit laszen, waz man vn l
auch gesinge oder gesage. Die vi erden das sint gude frager. der
hertze nnd selc qwelet nach dem aller liebesten willen gottes ; essent
sie, slaflFent sie, werkent sie, gent sie, Stent sie, so ist yn in: ,ach,
wie gerachen wir den aller liebsten willen des gemyntten gottes?**
Die f äfften die enfragent nit, das synt volkomen lüde, die syntu
über fragen komen. Aber wa fynt man sy? In diesen luden yoist
keyn wonder, wanne Augustinus und Aristotiles sprechent,
das fragen kome von wonder. In diesen enist keyn wonder, wanne
die warheit hat sie durchgangen.
Diese boden frageten Johannem, wer er were. Was antworte 1|
der himelfurste, der morgensterne , der erdesche engel Johannes?
Er sprach: Non sura. Er bekante und leugnet nit: Non sum, sb
alle menschen wolden des namen verleugnen und geet aller menschen
thun dar uff, wie sie ockert den namen verleugnen und verbergen:
Non sum ; sie wollent alle etwas syn ader schynen, isz sy in gejste ^
ader in nature.
Vil lieben kynder, der diesen grünt allein gerachen künde, der
hette gerachet den aller nehisten, kurtzesten, siechsten, sichersten weg
zu der höchsten nehisten warheit, die man yn der zyt ervolgen mag.
Zu diesem enist nyemant zu alt nach zu kranck, nach zu dompfll
nach zu jung, nach zu arme nach zu riebe, das were: Non sum, ich
inbyn nicht. Ach, was lyt unsprechelich wesen an diesem Non sum!
1 Also — diese fehlt g- 4 und — fragen fehlt h^ bekerte(!)/
6 auch fehlt h^g- synget oif seget rT das vierdep- 7 lieb, ind güitsteo i>^
1. und göten T 8 werkent sie] schryben sie, lesen sie, spjnen sie J, fil^ f
so — in fehlt hh' 9 aller fehlt g- 10 die volnkommende 1. p* die sra^
— 11 sy] ach da die sint g- 11 diesen luden fehlt g- 12 wanne ,/>A/< ^*
13 körnet rT In diesen lieben menschen g- 16 der ertzengel g-T 17 Xod
sum] ich bin syn nit //- [Er — 18 verl. und] ach nu geent alle m. dar uff/
18. 10 verleugnen] verlonen h^r 19 ockert fMt g-T den namen] das wort/^
20 alles r/^ 22 Vil fehlt rT gerachen] trefifen T 23 gerachet] fandeD/
24 die] den g-r 26 nach zu jung fehlt g-T 27 so unsprech. 6V wcsfl»]
Seligkeit g-
1 Matth. :j:JJ(;. .-3 ir he-ieht sich auf lüde. 51 Surius Ic: H*
quid cum Ulis agas, 7 Vgl Kl Bfb 3bi7,l7ff. 10 f. Vgl. VUa lUM
12 Aristofehs, Metaph, 1,2 (982 b 12); August,, De ord. 1,3 n,8.
II. IVedigt, 511
Ach, diesen weg enwil nyemant wanderen, man kere war man ummer
kere! Got segen mich, entruwea. wir eyn und wollen und wolden
ye syn. ye einer über den andern. Hie myt eynt alle menschen
also gefangen und gebunden, das i-ich nyemant lassen enwil; ime
6 wcre lichter zehen wercbe dann eyn gruntlich lassen. Her umb ist
alle Btryt, alle arbeyt: die werntlichen woilent her nmb gut und
friinde und mage ban und wagent eele und lyp, ockert das Ry etwas
syn. das sie grosz, rieh, hohe und geweidig syn, Wie vil die geyst-
licben dar umb duot und laaiceut, leydent und wirckent, da pruffe
>JÜ eyD ieglicher sich selber au. Des sint closter und cluaen volle, das
eyn ieglich wil ye etivas syn und schynen.
Lucil'er yn dem hyemel der hup sicli uff und wolde syn. Das
zocli yne her nyeder in das aller dieffeste, in den grünt des uichtes,
arger dann alle nicht. Disz zoch nnszern vatter und unszer mutter
^ und treib sie usz dem wouneclichen paradise, und hat uns alle yn
not und yn arbeyt bracht. Hie von komet alle jamer und alle
clage. das man fyndet, das wir syn gotloisz und gnadeuloisz und
mynneioisz und aller tagende nackct und hloisz, her umb fynden wir
uit freude von yniien noch von usaen, her umb ist allein alles, das
■D nns gebrichet an gode und an den luden. Das dut alleyn, das wir
wollen etwas syn. Ach, dis nichtsyn, das hette yn allen wysen, in
allen steden . mit allen luden gantzeu . waren, weseiicbeu, ewigen
frieden, und were das seligiste, das sicherste und das edelste, das
diesse werut hat, und nyemant wil dar an, riebe nach arm, jung
pB nach alt !
Wir lesen yn Sant Ijucas ewangeüo, das eyn riehe man, eyn
pbarisens, der hatte geladen unsern hern Jesum Gristum in syn busze.
Das was eyn harte grosze gut wercke, Gristum spysen mit allen
i «ynen jangern. Und do was vil volckes. Dieaz meynte er gar
1 WBudereu fehlt hY wan.l. — 2 kere fehlt g' 2 Oot aegen mich]
gntaan h' gotsene r, fehlt i/'T entniweu fehlt g'T 3 je einer — andem
/(«( r 8 da» sie — S ivirek. fMt r 12 der/e/<Ü g'T irhoif b' erhuO T
1-1 und treib sie fehlt n' 16 und [alle] if^T 17 utuI [da«) mftn fynd. hie
»it \a nnB g' 21 etwae fehlt g''T das selige nichtsyn g' 22 wesel.
**igeii fehlt g' 24 h&t uiid lieraaob ewigliche freude und weseliche freude j'
UMd] leyder g' uLer T. fthlt b' 27 der frhli ij'T huaze mit allen synen
JMgeni g* 29 Und — volekes /rWJ i- er] id 6' es T
12 ff. /* U.12X}'. U Adam urvi Eva. 17 t. Vgl Gr Bfb 4S3,if.'
^odelüs . . . minneloi* ; ebil. 4fiH,3l : naeket und blos. 26 ff. Luk. 7,36 ff.
512 n. Predigrt.
wol, sunder yme gebrach des edelen Non sam. Dar qwam eyn
sunderynne, die fiele dar nyder und sprach in ynne gründe: Non
suin. Des ist sie erhaben über alle hymmel, über manichen köre
der engele. Diese fiele yn das aller nyderste vor Oristas fusze, und
usz gantzem ynnecklichem hertzen sprach sie: Non sum. Usz dem .'
gründe so wuchs eyn ewig, ummer wernde Ego sum; Cristus det
ir alles, das sie wolde. Alda sas der wirthe, der yn dieser groszeo
Übungen was und yn allen zu essen und zu tryncken gap, dem ver-
smehete disz und meynte, das sich Cristus zu ir kerte^ sie were eyn
sunderynne. Ach , isz was in yme das leidige Ego sum und nit i(
Non sum ; yn duchte , er were der jener , zu dem man sich keren
solde und hören und mit yme reden solde, und das wyp nit
Ach, lieben kynder, was fyndet man dieser phariseyen alle
under geistlichen und werntlichen luden! Die wemt ist ir rol,
vol, vol : swartz und rot, gra und bla, die umb ir gut und umb ir ll
mage ader umb ir wyszheit ader ir kunst ader umb ir vemu£ftikeit
ader umb almusen ader umb yren schyne, das sie sich heiliger
dunckent und dieser glich, meinen, das man sich mit achtunge za
yn solle keren, man solle mit yne sprechen, man solle ir werte
hören, man solle durch yren willen etwas thun, und denckent zuhant.-'iC
^insolde man mir disz nit thun? Ich hau yn disz und das gethan,
ich byn der und der," und were yn harte unwert, man inhielde
1 edelen fehlt g- 2 suuderse {so stets!) hh-T dar nyder] vor die fiisze
Cristi g- 4 vor — und] mit rechter demudigkeyt und ^* 6 so fehlt g-T
ewig feJilt g' 8 ubungen] werschap r und zu tryncken fMt g^ demj
de h^ dey r 10 leid.] heiige (!) g- und — 11 sum fehlt b^ 11 yn] eme b'r
jener fehlt VT sich billich k. g- 12 und hören — solde fehlt g- 14 luden
fehlt rT 14 f. volle einmal g- 15 swartz — bla] in allem State g- rot]
wyt r und [urab] h^r 16 mage] macht T ader {erstes}] und h^g* ver-
nufft (j- vorwitzicbeyt 6' 17 almusen die sie gebent g^ das — 18 dunckeni]
die werntlichen umb yren riehen schyne, die geistlichen umb yren heiligen
schvne g' 18 meinen fehlt h^g'^ 20 thun und lassen g- 21 yn fehU bY
1 ff. Vgl. Gr Bfb X V Surge aquilo, 9 das = waz oder war nml'.
14 f. Es sind hier unter den ^^geistlichen Leuten^ wohl besonders die Beghinch
gemeint^ welche ^An den verschiedenen Konventen und zu verschiedenen ZeittK
bald groue, bald braune , schn-arse oder blaue Kleider trugen'' (U, Haupi i^
Kmlenzghiopndie für protest. Theol, II%619), 16 vemufftikeit bedeutet H!ohl
das Streiten nach mystischer Erkenntnis; vgl, Vita Kap, 46 m. 47, bes. 156^26 f.
18 Ohne meinen, das allerdings nur in T steht, wöre die Konstruktion dtf
Satzes unefirdglich hart.
II rrfdigl.. 513
rechte rne ron yne dann von andere, an den sie diese ding nit
inkenneu. Got segeii micli , wer sint sie, wann kotnment sie, wie
torrent sie disz gedenckcn, das wir massen thun, und veremchen
ander ludcV Alsus det der phariseus, der aiuh erhup über den
6 pubiicanuB, und er bleip ungerecht, wann yne ducbte, er were etwas,
and der arme publicanus, der Non sum sprach, der sich nit enduchte
und syn äugen nyeder slug und spracb: „berre, erbarme dich myner,
wann ich bin nit, ich bin eyn eunder, mynner dann uil," — dieser
gieng gerecht in syn huaz. Disz sprach der edele munt gottes selber:
ao „mculicb sehe vor sich und erhebe sich über nyemant, er sy, wer
er sy."
Diese selig sunderynne, die in des mannes husz ging, sie det
dru ding wirklich in der ubung: sie wiederkerte zu, als sie abe
gekert was; also aU sie ir äugen zu der werude gekeret hatte, also
36 her wieder utnb begosz sie die fueze Cristi mit heyszen trehen , und
myt yrme hare truckcte sie yme syne fuszc in besserunge, das sie
der wernde da mit gebruchet hatte, yren lycham mit der venigen,
ir gut mit der salben. Das ander, das sie det: sie Hesz eich an
Cristum zuhant alzuinale; das dritte: ir hertze was vol leydes.
90 Kynder, uff alle die gclaszenheit, die nit usz geubet enist, engebe
ich nit eyn boue, sie werde erfulget mit den wercken und in der
warheit usser der schal ck ha fftigen nature, die me dann dusent lystc
and winckel hat, da sie sich ynne entheldet. Es enwerde usz ge-
1 All <leu — 3 iakeai\eii ft/Ui g' 2 inkenten b'r Qot s. miclij gotzstuie b'
fotoeui! r sie meyiiteo got ayii (I) </' 3 thun — 4 ]ui]e| itjn wir lange liie
gewest Ach v/aua nie recht wol gcwest, sie (-nwereii nit uleu» herlich und aic
tHTcmraeiietco nyeraiint ilaiiiie sich iielber in der wuheit mit hcrteeu und mit
UiuQ<le g" i Alsus det] iiua tbuu sie iils g' 6 piihlic] offen suuder g-
n>ej eme h'r 6 public] Hiiuder ^' 9 gerecbtTerdi^et /■ Der ed. iniitit
du warlieit Crielus sprach sdber g^ 13 wirkl. — uhuBg fthll g' 15 unib
/rhu g''T die f. Tristi] »v ö' die T 16 in bewer. fehlt g' 19 ziiliont
*i ftMi g'T 20 ZynA^r feMt g- alle [die] r^' 21 erfuUet y' 21f. Iiiiidi,
"1. wurh. oiser] wann die schalkafftige nature bat me g- 23 entheldet und ver-
birgst J7' 23f. Hie enw. yn v»?. g, von duftendeu p- utgevoret r uSBgewortzelt T
iS. Luk. lS,10ff. flf. VglLuk. 1S,14: l Kor. 10,13. HR. Luk.7,lSfi.
17 f. Ein parg'ndt» Vtrbum, etnia ,A««eu' (bäitett), ist aus dtm vorhtrgthtndcit
*ii (rgä$uen. Vgl. dit Paraphra't dfa Sitriws {I.e. W3h cnrpuJi tiium pftuf
^•t^ui additlum cribrü- otetdU . . , aliiaiiuc af/fietionibiin altrivit , Jacullaietque
•tttu ungutnii infuiiiont "hltilü. venige betithl sieh auf dan Nieder/aUm
iatSfli: vgl. Vita tS,U. WS. Vgl. Jtenifle, Dm gtiitl. Ltbtn 486.8. <""'
Hif 4. Predigt. 22 schalcklinflft. uatnre, vgl. Vita t6],ti (»in scholk).
514 II- Predigt,
wircket, so were mir recht dar umb, als das mir ey» dufel erschiene
in engelischer waet. Uff der lüde wort ist recht zu buwen, als ab«
eyii halme eyn briicke were uher den groszen Ryne ond eyner dir
über wentc gan, — also sicher ist mau diessee Wesens tind dieMf
gelaszenbeit. Disz synt geatiffte gelaszeDheit.
80 komment sie dann aod sprecbeitt: „eya, herre, aage du
von der nehiBten warheyt!" Waffen, dem worte byn ich so rechte
unholt! Pylatus fragete unszem hern Jesnm Crietum, wellich die
warbeyt were, und Cristus sweyg. Als wenig mag man geHagen,
was die warheyt sy, als was got sy. Got ist die warheit mi
luterkeyt und eynfeldigkeit, das ist eyn und eyn wesen. Diese Inde,
wann man sie an kommet mit worten ader mit wercken, allzalisnt
so wischent sie her vor vii balde mit widerbissen nnd iet yn so un-
wert, das man disz gethan bait, und clagent. Und dann wirt man
wol geware, wo die gelaszenbeit was an worten und an fferckeo;i
ir grünt der luget da her usz.
Kynder, enbetrieget iich selber nit! Isz enschadet mir ni^
betriegent ir mich, enlruwen, ir syt die, die betrogen blyben: der
schade blybet uch, und myr nit. Ich zwyfel nit dar an eyn bare,
isz eRsy manig dnsent menscbe, die sich vil heilig und vil sunderlick:
2 waetj formen &' VFyse '■ 8 gruszen fehlt p' 4 rechte alao f
6 Dia/ — gtlfiBz, f (MI p- 6 Audb fehlt b'r nnd aprech. fehli b^T 8 gna»
uud miliolt !/' wellicb] was jj' 10 als — bv ffhlt T 13 sn ftMl y'T
wiszeut j' vil — widerbisaen] mit also vil boaen Worten und zonenl,
wjszeC dBH gut und böse, das riebe das armut doe gliich die erc die e^-hude die
trunde die mage und nrtejleut recht den menschen in dem gründe der heU«B }'
14 daa — bait] haint sie mir i&e gethan b'r olagent und aa^nt und liegen! f'
16 und fehlt h'g' 16 luchtet b'g" nach her ube Zusatt: si> sprccheo sie,
liesze man eie in frieden und holte Hie nit alnue boHKlich über, su enwerm ii(
nit yn alxue gemerckiich eulgangen. Ach, disz iet alles eyn falsche Ixwc be-
innntelD, der gruat die worl. die wercke das leben itit falsche j;' 18 betrietW
— blyben] ir nenet mich und die liide hetriegen, ach, ir betriebt uch «dbff
und ir hlvbel betrogen ummer me g'
1 f. Vgl. II Kor. I],H. 3 den Krowen Bjne (vi/l. unten älTjii ««'
wohl auf Köln aU Ort ihr Predigt hin. 6 geatiffte gelo^Eenheit, vgl- ^
BJb 449,27: gestiftfl schöne. Siirius i. c. 184: resignafio ficta ae fueaUt.
6 ff, Vgl. Vita 97,30 ff. 8 f. Joh. 1H,3S. 9 1. Vgl. Kl B/b mß!-
lOf. In Gott faUtn Wrsen unti Eigetuchoflen guMmnien: vgl. Thimat,S.T^
1 q. 13.- Bdie 3Bl,lff. 12 Sinn: venn man etvas, da» t'Ane» unangfili''
ist, sagt iidtT Cut. 13 her vor wischen = i'OJcA auffahrm. Svriwt L e. IW:
reptHte prosiliunt, trumpunt et vrhn cane.'i ohlatranl ac tttnordtiit.
17 Vgl. Kl Bfh S69,mf.
11. Predigt. 5t5
»wyeeii und .yu geistlichem leben sind gewest alle ir tage nnd ir
benbt vil sere nyedei* geBlahen, und sollen also sterben, das yn wäre
gelassenheyt nie in geblickde eynen augeabliek. Eynen verstendigen
mensclien mag isz jainern nnd mag isz auch von wonder laclien
Bnd spotten, das die lüde also gar sich selber betriegent. AVieze in
der warheit, also lange du naeh eynen troppen bludes nnverzeret
hast in dyme fleyBcbe und eynen tiahen marckes in dynen beynen,
dn enbabest isz verzeret umb rechte gelaszenheit, so eunym dich
nuiomer mer an, das du syest eyn gelaszen mengche^ und wysze:
alle die wyle. das dir das aller leste punt rechter gelaseenheit ge-
briohet an eyme waren erfulgen, die wyle musz dir got ewiglichen
entblieben. die nehiste und die hoeste selikeit zu befynden in zyt
und in ewigkeyt.
Kinder, das weyssenkorn mui^z von noit sterben, sal iez frucht
krengen, sunder stirbct isz, so brenget isz vil und grosze fruchte.
Kinder, isz musz eyn sterben nnd eyu verwerden und eyn vernichlen
lie gescheen, isz musz syn Non sum. Werlicb by gode, der die
irarheit ist, Ibz engeet nit mit wünschen noch mit begerden noch
uit bidden zu, myn kynd, isz musz erfulget werden, isz musz en-
uwen kosten; das nit enkostet, das engildct aneh nit. Mochte man
m mit hegerungen und mit beden und myt wunscheu erkriegen
ntoder kost und sunder arbeyt, das isz nit we endede noch nit
mwer enworde, so were isz eyn harte cleyne ding; entruwen, kynt,
des enioag nit syn. Sant Augustinus sprichet: got bat dich ge-
macht suuder dich , er machet dich nummer gerecht sunder dich.
Da entdarffs dee nit wenen nach gedencken, das dich got von zeichene
2 »Iahen g^T nach [ge]alalieii Zusatt: wes ale alle enbereo durch got
Qnd verx'iegen haben und ivul besitzen mögen , do sagent xie grosee uiere voo,
ond was sie nu lyden muaseii und wie gelassen sie eynt g' and] ach sie g'
3 nie in gebl.] ntimmer enblihet g' 10 lest«] beste b'g' inianeste r 14 bloM
kom -j^ 15 igz lersits)] das holfertige böse gemute in nck g' IT Werlicb
- 18 ist] vorwar T 18 noch mit beg. — 19 zu feMt g* 19 mjDJ nein b'T
25 mer er g* euer er b' gerecht] Hclich b' wiedder g'r »ach dich Zusalt:
iai omb pniffe dicbjr' 26 von zeichene] van zeigeno b' van tekenen >- zehenen g^
U f. Joh. 13,34/. 20 hanttlbe Sprichuort bei Taultr, vgl. K. Schmidt,
Taultr JSil, 86 (Frankj: Äutg. 111,131). Vgl. auch Gr Bfb 431,32.
241. Sermo 169 e. 11 n. 13: esse poU»t juslitia liei sin* volanlate tun, »eil
**t le a*e non potent pratirr volunlatem tuam . , . ^«i* ergo /teil U eine U, non
_•« Jutttjieat «n« «. Vgl. Jieniße, Luther /', 510, 6VJ. 26 von zeichene =
■AircA Wurtdfrlun. Svriu» l. c. !6Ö: Diutii non miraculii quodam ad «u&ft'mjonhj
516 n. Predigt
machen wolle, als ob uns got nu liesz eyne schone rose uff geen.
Das vermochte er gar wol, mer er endut isz nit, mer er wil, das
isz mit ordenange geschee zu may durch ryffe, durch taw and durch
maniche wyse und wedder, das dartzu geordent und gefuget ist.
Ach, kynder, das ist werlich eyn bermeclich und ein clegelich s
ding yn der warheit, das eyn geistlich mensche lebet drissig ader
viert;ßig jare und get alsus vriesen und clagen, und bat eyn zumal
ydel leben und enweysz nach hude disz tages nit, wie er dran sy.
Er mochte sich gerne eynes jares getrosten und sterben und ver-
werden und snyden das garn entzwey , ach und ach, als der dot u
kommet, und er syne langen jare versumet und verlorn und ver-
qwetzet hat: wellich eyn we, wellich eyn unwiedderbrengelicher
schaden dar geschiht, das ewige hinderbliben und ewig enberen!
Ach, das ist merer ja mer, dann man in der zyt gesprechen mag!
Eyn geistlich und eyn geordent mensche das solde also leben u
yn flysz und in stedem ernst, fürt zu gan und me gudes zu erkriegen,
das nummer dag enwere, er enfunde sich also ferre fürte gegangen,
das er kume wieder in das aide gesehen konde. Das ist jamer,
(las wcrutliche lüde flyssiger synt umb also snode doitlicbe dinge,
dann die gottes uszerwelten umb das luter gut, das got heyszetsfl
1 uns fehlt T uuder uns uflF g. g^ 2 gar] harte b^g^ 3 zu maj
fehlt g^^ durch taw] und snee durch hagel durch regen g^ 4 und gefuget
fehlt g- 6 leuflFet 6'^* 7 vriesen] muimurerende r vriesen und fehlt g*
lind hat — 8 leben] und mochte zu male wol eyn edel leben haben, wolde er
selber g- 10 garn] alles g- entzwey und abe, das yn doch syner ewigen
eren hyndert und beraubet g^ und ach] lieben kynder g- 11 er] der (eyn r)
mensche g-r 11 f. verq wetzet] vcrquist h^ verquetert r verzert T 12 wcJL
eyn we fehlt g^T well, eyn unwiedd. — 13 enberen] und siehct den an-
wiedderbrenglichen schaden und das ewiglich unwiedder brenge und siehet neb
ewiger eren und ewiger freude enberen g^ 16 kynder eyn geistl. g- mensck«
in closter in clusen g- 16 ernst und also fürt und forte gau und me und me
j^udcs erkr. g- 17 enfündc sich] solde syn ^^ 18 aide leben g- Das ist
jamor] und auch gedencken und Schemen sich g^ 19 f. dinge und bckommert
yn stediger sorgen, ja vil me dann g- 20 gottes uszerw.] geistlichen schynentf
luter] ewige g- höchste T
7 vriesen = vreschen (hd. vreischen), ausforschen, nachfragen (vgl di»
Anfang (hr Predigt), 9 sich getrosten mit Genei, = seine Hoffnung ovf
etwas setzm. 10 Vgl Fs, 123,7. 11 f. verqwetzen {vgl. die Variaiäen!)
= vi^g^'uden. IG fürt zu gan = sich selbst cu lassen.
Dd(I ist. Kyn ^cordent geietlich meneche soldc also wyllciilos eya,
das man nunimer an yriie gewar enworde dan Non sum.
So kominent vil lüde und denckent iitf maniobe wyee : so
rollent sy eyn jave waeser und brot eszcn, ader eynen weg lauffen,
> ist isz diez ader das. Ich sagen dir den siechtesten kudzten
'eg: gang in dynea grünt und prüfe, was das sy, das dit;!] aller
leiBle hyndert, das dich enthelt, dem läge und den steyn wirft' in
IcR Kynes grünt; anders lauff die wernt usz und tliu alle ding,
iz inhilfTet dir nit. Das ucharniesser das snydet das fleysch von
lea beyuen, das ist sterben syns eygcn willen und begcrden. Viel
ide dodeut die natare und laszent die gebreche leben; da enwirt
iDtniner nicht usz.
Ach, kynder, keret uch yn uch selber und sehet, wie ferre
ad wie anglich das ir syt dem mynnecüchen liylde unscrs herren
fesD Cristi, des laszen mer und gruutlicber was dan alles das laszeii
samen were, das alle menschen in der zyt sieh ye gelieszen ader
immer mer sollen. Nu diese frauwe liesz sieh Oisto alleyne, das
tl man also versLen: wann man sieh durch got Icszet, das ist alles
at getan. Vil lüde laszen sich got wol und enwoUent sieh nit den
iden laszen, das sie got trucke und nit die lüde. Neyn, man sol
rieh laszen, wie isz got wil gelassen han; und wer dich yn dyn
wyHzeluHC g- 2 an yiue — N. siiiu| ey^etis wilbuN Doch gut duiickcii-
jymc andern geware worde, das allew usz hoffcrtigkert komi-t, und disy.
Iffde wippelu clageii sagen liegen txiegen krie^'eu, Aue lunn des uummer gewure
wurde. Ach lejder, nn sint der dje ^eiBÜiohen Bchynpnt also vil, das sie gotU'B
Uli ewiger eren veigeazvn g' ü vil lüde] sie y' 4 ader — laoffen] oder
in ander fitat silecben T »o ke.vti fleysch esxeu ader kejrneu wyn trincken g-
an ist isz] iider g' dir] uch g^T 6 und fthlt VT 7 das dich eiithell]
)cr krodet in dirre zft, das dich alsus jemerlich beraubet rynA sunde fliehen
tD leben« iu dirre zyt und hernach de« ewigen lebena g' 7 f, dem lagi:
HfBze und wirff den «teyn ferre von dir in des meres gmut g' 9 »cbarrjs h'
schnrraes r 10 das iat — begerden] dem alirp h'g\ 12 nicht)
e6'etwaRg6tB T 17 gelaszen sollen y' 16f. lalleslgotalleinj' 19 licszen t'^r'
I da« ^ lüde] und lydent wol, daa sie got (nicke, und enwellent nil:, das sie
B lüde tmcken g' tnickde h'T Xeyu fMt j' 21 f. sich yn sjn nicht g-
1 wyUeiiloe, vgl. Eckhart 691, H: in disem iinergitinlliehtn Uehte dn ge-
tbm tnaehtt utit drr geloube eoti tn7 tritirn wUweHliis linde von vil tn'WMi tm'Ur-
I andt von p'I bilden bildelög. 4 eynen weg lanffon wohl ^ Hnt Wnll-
M MfflfAen ivgl, Z.8i. 7 lagen nii'( Hat. ^ nachsttlltti, »ein Aiigtnmrrk
( ttwa* richten (Lex. 1,1814: Schilkr-Lübben, Mnd. Wtbck. llfiiL'K
17 Maria Magdalena (vgl. 513,tff.j.
518 III. Predigt.
nicht wil wygeO; den entphang mit groszer danckbarkeit and mit
mynnen, das da in der warheyt werdest gemant, das du bist:
Non sum.
Das wir nu alle in diese vernichtikeit komen, das wir yn das
gotliche icht da mit versincken, des helffe uns got allen. Amen. 1
m. Predigt.
Exi?l a patre et yeni in miiiiduiii, Iternm relinquo miindnm.
Unser lieblichster herr Jesus Christus sprach: „ich byn
ausz gangen von dem vatter und kommen in die weit, wider nrob
verlasz ich die weit und gee zu dem vatter.^ Und S. Panlnsic
spricht: „Christus ist uff erstanden Yon den todten durch die glory
des yatters, uff das wyr wanderen sollen in der neuwigkeit des
lebens. Dan ist es sach, das wyr Christo in seynem todt geleich
werden y so sollen wyr auch seyner ufferstentnisz gleich seyn.''
Kinder, disz ist die lauterste, wareste und bloszte leer, dieU
man haben mag, es ist der rechste, der kiirtzte, sicherste nod
schlechste weg, man keer es, wie man wöll. All glosen ab! Disen
weg müsz man geen, den der lieber herr selb gangen bat, willen
wyr kommen, dar er ist, willen wyr im yolkomlich vereinigt werden.
Er kam ausz dem vätterlichen hertzen, usz des vatters schois, and 4
2 das — gemant] und lobe got darumb sunderlich, das dich jemant in
dyn nicht wil wysen und dich ermanet g- gemant] genant h^T 4 vcr-
nichtigunge komen also gewerliche g- das — 6 yersincken fehlt r 5 helfe]
gunne r got] der yatter under sone und der heiige geiste g- allen] alsamen h\
fehU g'T
in. Predigt Jiach T = Taaler 1643 f.85^ — 87^. Sie berührt iifh
inhaltlich mit der Predigt Ego vox clamantis von Tauler f,23^ — 2^ (Frani^-
Ausg. Iß4ff.).
6 Überschrift (vom Herausgeber): Vflf das hochzeit Ostern die erste predig:
^-ie wyr mit Christo sollen sterben und in uns todten alle sinligkeit, bcgerligkA
natürliche kreiftenn nnd bildnngen, und in Christo vfferstehen und fiberbOtet
werden. Euangelium: Jesus ist vfTerstandcn vom todt. Marci XVI T
B icht = Wesen, vgl. Vita 187,16f. 7 Joh. 16,28. 8 lieblichi»
= minneklichster. 10 ff. Iiöm.6,4f. 16 f. Vgl IL Predigt 510 jÜi
611,1 f.: Ö17y6. 20 Vgl. GrBfb473,3f.
in. Predigt 519
kam iu die weit und leyt über alle niasz in der weit alle seyne
tag, und gewann iiye gemach noch lust und wart verderbt, getodt
uud begraben. Dar nach erstundt er in gantzer, warer unleydligkeK,
in klarheit und iintodligkeit, und voer wider in das vütterlich bertz
6 in gantzer, warer, gleicher seligkeil.
So welcher mensch disen weg noch geen w51te und erstorben
Dnd verdorben were an im selber in Cfaristo, der nilicht nnd müst
on allen zweivel auch mit im uff ersteen. Werdeetu mit im begraben,
80 steestu sicherlich mit im off, wie S. Paulus spricht: „ir seyt
JO todt und enwer leben ist verborgen mit Cbrieto in gor." In der
warbeit, dieser mensch wiirt etlicher massen unleidlich, untodücb,
und fyrt mit im zu byniel, in gantzer. warer vereynung mit dem
snn, in den vatter, in das vätterlich hertz. in gantzer, warer, gleicher,
eynbarlicher Seligkeit, in gantzer besitznngen. Was got hat von
isnatureu. das bastu von gnaden. Disz mnsz aber erfolgt werden.
Diser mensch , der disen weg geet , ist über ander gemeyn leiU
erhaben, wie ein edel mensch über eyn beest. Der nun mit Christo
nit will verwerden, wie sol er mit im gewerden? Der nit wil sterben,
wie sol der off erstehen? Sant Paulus spricht: „syt ir mit Christo
sn uff erstanden, so t^meckt die dyngen, die hier oben seind, nit die utT
der erden seind." Men fynd lent, als sie von grossen dyngen hören
sagen, so weren sie es gern, und heben sehün an und wollen dem
geist nnd got leben, und als es in zubants nit woU zu banden geet.
go lassen sie sich bald nider in die natur. Die seind recht als
^K die schöler: sie weren alle gern grosse pfaffen, und etzliche leeren
kaum kranck latein und bSs grammalicam. Die andere volherden
und werden grosse meistcr. Also seind etzliche Hebe menschen,
den geet es also wol zu banden und seind gar steet und äeisig,
aber usz den änderet) will nit werden.
■O Wer nun will zu hoher volkommeoheit kommen, der mäez
9f. Kot.ä.S. II f'gl. Vita ]6^,3ff. 14t. Ebetmo Bdew 2i5,Uf.:
rgl. Mir 344,13 ff. Anm. Der Aitadivek üt iArigtns dm Mystikrm gtl/lujui,
^gt. g H, dm Traktat von dir ..wirkenden Vernunft'^, hrgg. von Prtgm- i» dm
Süaungul'erichtfH der Münchener AkiidemU 1671, IM nnd dU Stiegt aas Taater
6«' Denißt. Bvga'xXXVIIf.; ilerc, Ha» gehll. Leben 533ff. 15 Pisz —
*rfoJgt werden, egl. IL Predigt 513,21: 615,19. 16 f. Vgl. Bdw 359.9 ff.
17 bcMt = vihe. 18 verwerden, Vfil IL Predigt 615.16; älti,9f.
19 ff. Sol. 3,1 f. 21 ff. Vgl. Vita 9S.3ff. "nd Kaii. 47. Zu geist fgl.
'^Ua 83,Uff. 28 Vgl. Gr B/b 415,13/. 25 leeren = lernen.
29 Vgl IL Predigt 509.18/..- 517,}!.
520 ni. Pretlifert
auch über grosse dynge kommen. Er mfisz über IX dyng koniincii,
der wir nur IV die ininderste and niderste hie ansz lagen. Er
miisz zum ersten kommen Über die sinn und sinligkeit und alle
sienlich dyng übertreden; das ander: du mAsz kommen über deyn
leibliche und natürliche krefften; zum dritten: über alle begemn^; j
zum vierten: über alle bilt und bildunge.
Zum ersten sagen wyr über alle sinn. Hier mciifeu wyr nit
die leut, die nach sinlicher genüecht leben willig iu todtsundcD.
sonder die mit Christo willen uflF ersteen und zu hymel varen. Man
fyndet leut, die von grossen dyngen künden sagen, und wissen doch lo
nit, dan von hören sagen oder von lesen, das alles mit den sinueo
in gedragen ist. Man fyndt ridder von dreüwen und leüt von worteu.
Des sinnlichen flonrens und auszbrechens müstu sterben und über-
geen, solt du volkomen werden.
Eyn mensch begerte seer von got zu wissen, was gots liebste if
will were. Do erscheyn im unser herr und sprach: „du solt deyn
sinn twyngen und deyn zung bynden und dein hertz überwinden
und alle widerwertigkeit fr&lich durch mich leiden, das ist meyn
liebster will.^ Keer dich von sinnlichen bilden in deyn inwendig
bilde, dar ist: Signatum est super nos lumen vultns toi.t
domine, her, du hast das liecht deynes antlitz über uns gezeicbnet.
Etlich menschen haben gar vil sinlichs gewerbs in gftter
nieinung und gewinnen kaum ymmer rast. Was sollen sie thunV
Als sie doch eyn stund müssig werden, so sollen sie sich so tieff
in got sencken und also vill, das sy in eyner stund XL jar zjixi
durch die sinn verloren geweldich her wider rucken, und thün dan
dester mee zu fromen. Nit als etliche, die nit enkönneu mit gott
dan in sinnlichen bilden oder mit gelerten oder gelesen oder gedichten
Worten, sonder sie sollen usz dem grund, usz dem innersten, usz
dem geist gots geist süechen, geist mit geist, hertz zft hertz, akder»
lieber herr sprach: „got ist eyn geist, und die waren anbetter an-
betten in in dem geist und in der warheit." Got versteet hertzen
sprach und seelen meinung, eyn gruntlich, innerlich und wesenlicb
19 liester T 21 antlatz T
11 losen. Ein Beispiel ist Ehbcih Stagd, vgl Vita 97,10 ff,: 1*9,10 f
la rioriren, vgl, Vita Kap. 47. 16 f. gots liebste will, rgL Kl Bfb 3b7M;
IL Fredigt 510,7, 16 ff. Vgl. Kl Bfb 372,18 ff, 20 f. P«, 1,7.
•23 Vgl. (ir Bfb 414,16, 26 verloren ist VaHic. Praei, 31 f. Joh.iM-
32 f. Vgl. Denifle, Das geistl Leben 469 ff.
111. Prciliirf.. 5i;i
itiispreclR'ii. Miiricii sinn iintl irc tegpnwdrtigkiiit bettet lieiligoi' und
lieffer in den oren Cliristi, Han alles, daa Mai'tha gesageii oder ge-
klagcR iiiocht.
Zum a n d e 10 D ni;il soll ninii iilierkomtneii alle Datiirlidie
B kreft. inwendig und uszwcndig. So wt-lcli mensch hie mit ordentlich
künde gewircken, das er disz hegrifl'e und doch bei seinen kreÖ'ten
und natürlicher etärukbeit blih, das wer eyn wunder, der engesneli
ich nye keinen; der dtm ist, der ticdt her für und lasz sich ?ehen!
SanctiiB Bernardus enhat des nit, wan er beklagte, das er seynen
loleicham — den knecht gottea — verderbt bat; smeh S. drego rius,
der eyn Hecht was der christeiüieit. Dar umb, niemant bctriege
sich selber und lasz sieh dnnekcn, das er das sey oder hab, das
im ferr und frembdt i)<t, want es mü&z kosten! Das nit enkost,
das engilt auch nit; der lieb will haben, der müsz liebe lassen.
U Eyn junger fracht seynen meister: „liebe meister, wir essen und
drincken, und es enscheynt uns nit. '^ Da sprach der meister: „liebe
sun, das ist kein wunder, wir vertKerent alles mit inwendigen ülimigen
es geet alles eynen anderen weg." Alle uszwendige kralTt igt her
zü zt kleine, disz zu gewinnen, dan got mach wol eyn ncuwe kraft
30 geben. Als das weyesenkorn stirbt, so bringet es ncuwe körn und
vil frucht, entrauwen, stirbt es nit, so Idibt es allein, es mttez erst
sterben des seynen.
Eyn ander kraft mflsz man auch übcrgan, und heist der ge-
mein sinne. Das lint eyu mensch, wan er noch ensehet noch cn-
■i^ b&rt nsKwemlicb, so Hnt er aller leye biltc in im, so ist des vill,
das in im ist, und keert das eyn ber, das ander dar, nü susz, nn
Iff. li/LLuk. 10^:1, ■ Kl nfb 3f'fi,ltl/. iS. Vgl. hiht SUpff. : 347.tt>ff.
IJf. Vfß. Ildw36H,Vff,; Klhfbä6ä,i:-,f. 8 Vgl. Kt Bf t, 368,13 f.
9 Vita 1 S. Bernariti iiucfirc GuiUltna l.Ic.8 (Migne im>,:i51): nmi cen-
ftmdUur (Brrnardux) imque hodie «e exca&are, quod Ktroilio Da H fratratn
nbtlulrnt corpus situtn, dwn indücreto fertore imbtciüe illuii riddidtrit ac ptnr
ntulilt. Vgl. Vncandard, Vi« de S.Hrmard l ilsa6i,45»».u.Seu»«a Vita U)8,17f.
JO Vgl. <ireg. M., Urgislr, Ep. X,36: Moral. XXX,J8 n. 63: Joh. JHai'mtu;
Viia Oitg. 1.7. 13 f. Itasatlhe Sfn-ithtcori IL Prtdigt f.11.^. U iler
iMb will haben ttc., vgl. Gr hfb 412,33: minne durcli minne laBsen, und ImHatto
Clurüti 11,7 n. l: npoitel dilectum jirn dilcrtn relinqurrr. 17f. Vgl. oben 5l!>,llif.
I aOf. JnA. I3,34f. Vgl. II. Predigt 616,14/. 23 f. dw genicin sinno
■ iMMiM eoMMunfa, »Mvft xal IBia alsdi^oif bti Ariitlolelts, der Sinn der t^'tngntiOH,
K K]^, Thonuu, 3. t (irnt. JI,7I: setinux cnmMuni« apprehendit »engala
^MtHMtuu projirinrum : S. Tli. I tj. ;Su. 4. I'r iiiit. an. 4: L. Sfhilli, Th'ititaslt:
FtöSa, 741.
522 ni. PrediKl.
gl), und ist dn vil gerumpels in. Disz boI man altzätnal kcren in
eyn einfeldicbeyl, in das lauter (tat, das got ist, Eyn meister sainti
eyn grob block leygen und sprach: ^ach, wie ist da so scbones
wunniglicb bilt, inweren die spene alleyn ab gebanwen und ge-
achelt!" Unser here sprach: „sclieidestu das gute von dem hbees,
so werdestu recht als meyu mant." Acb, der alles ab scheide iiud
schelte und sunderte, der fundc got bloisz lauterlicta in sich \
Die dritte kraft ist vernnuftige kraft. Über die kraft mila
der mensch konien. Man fint tcute, die haben vil vernnnftichB nst
wirckens und floreren mit ire vemunfl, recht als ob sie die hymel
wolten durchfaren, niid eteent alles uff ire blosse natnr als A ristoteles
und Plato, die wunder verstonden und auch gar lugeiitlich leblfo,
unil was doch natnre. Dysse lente mßssen mit grossem fleysz ire
natur echweerlich underducken und sich fleyssich für sich sellier
hüten. Man tint auch ander lentc, die seyn g&T eynfeldich nnd
lassen sich eyufeltlich, und entfangen auch also alle dinck und geet
in inniglich woll /.ii banden als eyn wek was, da eyn bilt des sefels
lichtlich in gedruckt wurt, und wurt auch halte zft saiuen gedruckt
und vergeet wider. Aber in eynen steyn kömpt das bildt mit groee«
arbeit und blybt oiich hart und vast dar inn und vergeet nit h*lt.'
Also ist ouch mit disen vernunftigen leuten.
Zum dritten mal mtlsz man kommen überall begernng und
über die begerliche kratl:. Hie in meinen wir nit die leüt, die ver-
gengliche dyng begeren — den ist disz hundert tauseot raeylen ferr
und frembt, wann sie begeren gut, eer und ander zeitlich dyng — !
wir meynen etzliche göte lent. die vil begernngcn haben mit eyeen-
4 beut T 5 ilvm] den T 12 lebten] lielienn 7' 17 wck] «<¥ T
1 gerumpel, vi/i. Kl U/h Sbt.lti: gerAnbel. 2 das lanier gfit, du fot
ist ^ //. Predigt 616^f. ä f. Jti-«m. 16,19. 8 vemnaftige knft =
virtus rationatig, die dem vtmBnfligen Sedtnteih angehürigt KraJ't {vgl. Themal,
S. Th. lif.62a.8ada; SchÖU a. a. U. 8Ö6), od*r = viria« inUlltctiva (tnlcSK-
luiüis, ititellfgibilh) , die äbtrsinnlich erietinende Kraft (vgl. Thomai, S. Th.
iq.iaa. 3c: Schms a. a. l}.86&). 12f. Vgl. dULehrrden Thoma» eonJj«".
S. 2% 2^ q. 10 a 4. 17 wek was = «-«<;/«« ITocA*; »6^61 = Sitgü. Wfp'
591; *(■« «>w Hopf, ittoriH ein Bild dts Schiffet leicht ringtdrückt wird. (Mp
Lesart i»l durch dtn Zusammenhing gefordert und iitgt auch der CbtrHUnf
bei Surius (l. c. 1941 zu Grande. 23 befreiliche kraft = eoneupisdUÜi
isc. iiis oder poteniia), do» VtrmiigeH des atniilichrn BfgthrrtiH oder Slrdi***!
Kfichei mit der rin irancibilis tasammeii den appelitus settsitivue aiumaekl.
Vgl. Thonuu, S. Th. tq.bla.2e.- Schule a. a. (). ISO.
m. Predigt. 523
Bchaft und leben wuoscheng von ileu morgen 2U der nacht: „acb,
wölte myr got dis und das tfafln, nnd gebe inyr dise gnad und die
offenharnng, " oder; „were myr als dem, wer ich siie, wer ich so!"
Neyn, nit also! Man soi Bieb got alzuraal lassen und treiiwelich
S in alleyn begeren und im alle dyngen gentzlieh nnd treüwlich be-
feiben und sprechen mit Christo: „vatter, nit r\» ich will, souder
wie du wilt, fiat voluntas tua," nit mit dem m und, sonder ausz
des bertKen grnnd, usz bertzlicher andacbt und innerlicher meynung.
Acb, das were eyn wiinnigklich dyng, in allem leyden, in aller
10 gelasseubeit, in aller weisen sich zu gründe kunnen Inssen, wie der
1 lieber berr sieb so grtindlöszlich liesz! Er was allzunial gelassen,
I mee dau sich eynicbe creatur ye geliesz. Er rief: „meyn got, mcyn
r got, war umb bastii mich gelassen?" Er lies sich, bisz es alles
volhracht was, und sprach: „Gonsnmmatum est." Recht also
15 sol sich der menscb gut zumal lassen in allem leyden, in allem
untroBt.
Nit meine, das dir lyden nit wee solle thfin. Thet es nit wee,
wa mit Terdiente man dan? Hette unser berr Jesus Christus aeyneu
fynger in eyn feiiwr gesteeben, das hette im wee gethan. Also in
SO all deynem leyden und begerungen lasz dich got! Der yet begert,
das aussen im ist, oder den yet verdreust, das in im ist, der ist
nocb in disem nit, der bat sich nit gelassen.
Eynem menschen wart eyns offenbart, wie er sieh lassen solt.
Er solt recht thün, als ob er seesse in dem tieffen meer uff seinem
3fö mantel , und eyner meylen nmb solt kein laut seyn bey noch na.
Was wolt er thün? Er mficht nocb rotten noch swimmen noch waden,
dann er mtist sieb got lassen. Also solt sich der mensch allzeit
gott lassen, ob er in der warbeyt eyn gelassen mensch wil sein.
NÖn sagen ich, man sol nit begeren. Nit anders solt du begeren,
^ dann das der liebe gott dir alle mittel ab neme, und dich sonder
(
21 den] der T
et.M(jUh.3H,ä9.4S. llf. Vgl.II.Fitdigtöl7,15ff. HB. Mattk.27,4S:
Joh. 10,30. Vfil yHfi IGTJU- Sdew 273^. ITf. Vgl Bdow Stö^f.
ao yet = üt 2a tyn = einest, 24 ff. Für dit Wahl ditte» Bei-
tU war wohl von Einflim» dit Lcgtndc der Lomittikantrktiligtn Hf/aemth
■ PoUn (t 12S7) und Ka-muml tcui PmHafortt (f 12761, teonach dit^t auj'
nt MätiUl» übtr Mtere und Flütse gefahren viärtn lAeta Saniiiirum 16. Aug.
121,316; 7. Jan. l,4ilf.). Wetttrt Brltge für ditsen LtgendtiiL-ui} 6*i Günter.
tigtndtnatnditn 1906, 169 f. m t. Vgl. i'üa Kap. öS.
524 iil- Predigt.
mittel allzftmal mit im vcreynigc. In dem fallen alle snnden ab
und kumpt alle gftt und alle 8eligkeyt in.
Zftm vierten mal mftst du kommen über alle bildung. Nun
mcynen wir nit die leute, die mit mfttwillen eyniger sterblicher
creatur bildt in sieb nemen oder dragen; sie seyn wie sie scyn, 5
oder sie heissen wie man will, die geent misten mit dem vehe, gie
seyn disen zfimal ferr und frembt. Man fint auch lent, die disz
nit betten und g&t leute seyn^ doch baben sie vil infel und inbildnng.
Derer mAsz der mensch entfallen mit dem, das er alle die bildung
trage eynfeldig in gott und im seyn gcbreeh erkenne und klage; lo
und wilt es im dan nit vergehen, so leyde er sich gott hie in und
lasse sieb.
Auch fint man l^ute, die haben vil fantasien und drome: 8ie
sehen so schonen dingk und zukünftige dinge in dem slaff, so
sehen sie die heyligen oder die seelen. Disz Sprech ich nit ab, 15
wann der engel erschien Joseph in dem slaff, und ich Sprechens auch
nit zfi, wann solche dingen seyn auch von naturen, als Boetias
spricht: der mit reynen dingen urab gehet, der drommet von reynen
dingen ausz der natur, der mit affenheyt umb gehet, der dromet
von dorheyt. 20
So fint man auch solche leute, die haben vill vision und Offen-
barungen. Ob es zehen jar gut were, so mach sich der eugel desz
falschen Hechts eyns dar under mengen und dar mit driegen und
verleiden. In dissen Offenbarungen soll all deyn th&n dar auf gehen,
8 nit] nod^ T
3 hMwnv; = Bilder, Zur Erklärung vgl, Bdw 342^ ff.; Kl Bfb 39l;i.
Tfiealogia deutseh (ed. Pfeiffer löÖIjld): iran aol die selc dahin (zur Gottschauung)
komeHj 80 mtis si ganz hUer, ledig und bloss sin von äll^n bilden. 4 f. Gt-
meint ist unerlaubte weltliche Liebe, die Seuse auch andertoärts (Kl Bfb 372^4 f.:
38'J,17ff.) scharf tadelt, 7 f. Diep. *593 folgt der Le^tart von T: die davon
Not haben. V^gl. dagegen nchtig iSurius l. c. 196: qui his non cot^enttunt.
11 Vgl, Vita 168,1 off, 16 die seelen im Fegfeuer. letMaitkUO:
2,13. 19. 17 If. Bei Boethius nicM nachzuweisen, dem Sinne nach bei Thomas^
6\ Th. 2,2 q, 95 a, 6; q. 154 a, 5. 21 flf. Vgl. Vita 163,3 ff, Seuses nüchternes
Urteil über die Visionen und Offenbarungen deckt sich mit dem bei David von
Augsburg, De compos. 111,2 n.6; 111,66 — 67 (vgl. dazu Michael a, a. 0, 111,141/.'
149 f): Lamprecht von Begensburg , Tochter Syon 2827 ff.: Eckhart 240^1 f:
Bvga 19,39 ff.: 165,25 ff.: 185,5,5 ff. u. ö. Dies ist auch die Ansicht der Kireht,
vgl, Benedictus XIV, De scrvorum Bei beatificatione et beaiorum canonis^
Venedig 1764 h LH c. ÖOsqtj.: Schanz im Kirchenlex. XII \ 1016: 2>. Schräm
l. c. 11,185 sqq. 22 f. Vgl. II Kor, 1 1,14. 24 verleiden = verleiten, irreführt'
m, IT.'cliKt.. 525
Ahb du der beyliger eclidft gezeiignUsz in allen ilingen findest. Laufl
äQ das heilige eiiangeliam und an die lerer der heiiger kircben;
findeslu, das es da mit vertracht, so laaz es gfit sein, tb&t es des nit,
so tred es dar nedei', also lieb dir got und deine ewige selyeheyt
nigt. Volge noch adit es nit, schlach es von dir!
Disen weg solta alsus in dir überkommen, das du deyn gemüt
nit »etzea tilfeynige weyae oder offenbarunge gotz nocli der heyligen,
dan l&ge dich in den götliehen wyllen in allen dyngeu, in haben,
in derben, in yet, in nit, in trnst, in untrost, nach dem aller lieb-
iO liebsten exempel Christi. Den lasz die in deynes bertzen und seien
grnnt altzeyt offenbar seyn, das du den in dich bildes und in dir
an sehest on underlais/., wie hoger volkoinenbeit seyn leben, seyn
Wandel, seyn gemiid was, wie gelassen, wie eynfeldich, wie zucbticb,
6tmiidicb, geduldieb und aller tugeuten voll das er was. Dem lasz
15 dich, auch nemc in zä dir in zö eynem gesellen in allen dingen.
E^ssestu eynen munt vol, deuck, deyne geliebster herr sitzet entgeiu
dir und isset eynen mit dir, sitzstn, er sitzet bey dir und sehet dich
an, geesta, nummer ganck allein, lasz in deynen gesellen seyn,
Rcbl&fstu, läge dich in im, und also in allen steden, in allen wysen,
20 bei allen leuten. Ich weisz eynen meosch , der umb volkomen
gleycheyt unsz herren und seiner wege gynge von einem wiuckel
zft dem anderen, als der umb seyn ablasz geet, überdenckente die
wercken Christi. S. Bernart schrybt dem anhebenden menschen,
das sie einen woU genrdentcn menschen sich für äugen sollen setzen
25 lind dencken in ire tb&n und lassen: „woltu und getfirstu disz sprechen
oder thfiu, wiinn disz der gute menscb sefre?" Vil eigenlicher sol
man 'las lieblich bilt unsz herren in sich drucken, das doch w&rlich
und weselich unsz in und naere ist, dan wyr uns selben seyn; wann
8 Ihm cb] laeser T U iiir| .lieh T 22 der] die I' 83 anhekenden (1) T
lt. Vgl. Bdw S2n,S,IT. ' 9 ff. K-yl. Kl Bfb 391.4 ff. 23 ff..- Gr Bfh
476,3ff.: 476,13ff. 10 e^öiupel. Im Itriginnl »tand jetUn/aüs c»eiii|)lar
(vgl. Gr B/b476M>- 14 ötiuiididi = ntnittetec, liemätig, sanft.
IBff. ygl. Vita 34,llß: u. GrSfb 41S,a0ff.; Tauhr 1543/.34<*.
17 eynen ^ ieiia, ieiieii, irgmd, jtwtils. 20 ff. WaM S*i*Ke xelhst, vgl.
Vita Kap. 13, bes. 34,19- 22 Wie der, welcher iiut einen Ablas» ivgi. lldtw
SS7^7ff.> tu gewinnen, etica in einer. Kirche ooit Altar tu Altar geht. Vgl.
SehmtHer J',1507. 2S wercken Cbristi = Leiden Chrinli.
•auch i'ita 3H,5ff.; Gr Bfh 4ii,rig. -ll Vgl. Kl Bfh 393,6.
,F= nehw.
Vgl.
526 Tri. Predigl..
in im ist alle trost, alle gftt, alle freude, plenani gratiae et
reritatis, alle gnade und wafheyt ist in im.
Dyn geistliefa mensch sal im ttuminer augenblick disz lasun
entg&n, er eolte der stunden eyn veniunftich wissen und iowendich
inircken babeti. und warden, wye im zö got da in sie. Das Bolten (
von nlten die haben, die got von der böser falscher well hat erlost |
und nit zu sorgen noch züi dencken babent fdr hausz noch für kinder, i
dan allein, wie sie got behagen und im allein geleben rauchten. '
Dia ist Rchwerlig den zfi raten und zfl thön, die der weit sorge zfl
dragen haben, want man knm geseyn mag in der mülleii unbestohen m
und in dem feiire unverbrant. iJoch solt ir wyssen, das ich der '
leiitc runden haben in allen iren bekummernissen in also hohe lauter- |
heyt und volkomenbeit, das sich geystliehe leüte wol schämen mAgei
Das liebliche bilt uns heren nempt man und mag es nemen
in biltlicher weysen und auch in lebendiger wysen. In biltlicber
wyeen sei maus adelich, g&tlich. vernunftlich nemen, nit creaturM
oder sinlich, wie etliche leüte, als sie von gott sollen dencken. «0
dencken sie an in creatarlich als an eynem lieben mensch , der in
vil güts gethan bat und für sie geleden hat, uod haben zfi im nator-
liclic barmhertzicheit und mitleyden. Nein, nit also! Eyn menscb
sol eyn gÄtÜche inbildunge von dem lieplichen menschen Jesu Christo
leren haben als von dem gotts sune und von got-mensch und mensch-
got, nit creaturliche inhildtuige, dann götliche, übernatürliche
bildunge, also das er das aller lieblichste bilt Christi nnmmer gedencke
dan als von got. Alsus gedacht und genomen so ist man nammer
on got. Jet gotz, dar ist got zJtmal. In dieser wrsen mach maS
nnmmer das aller beste versümen.
Man nempt auch bilden in lebenticher wyeen, das ist, das
mensch nit geraste, er werde dem bilde gelich in gelichfonnigkeyt
na seiner wysen, als im m6glich ist. Im sol eyo klein dinck dnucken,
1 f. Joh. 1,14. 5 Vgl Suriat l. e. 1B9: diVffmirr explorabit, >U *•
illlg (hnrit) suua a-ga Drum animut afftciiu »it et eon»titwtua. Uff. B*-
tpielt dafür fühl Taultr auf, FrankfiuUr Augg. II, 336, 394. Vgl auch SIÖaA
von HeiUbroHn, SMeu Gh-ade 1529 ff. Iß biltlich al» Objekt drr fif#fAiai«"J.
lebendig alt Vorbild tur Nachfolge. SI ff. Suriia l. e. 199: dirinam -{uMia*
et tupernaturalem , non purae cuiutdam ereaturae imnginem dt ai
homine Christo Jrtu tanguatn dr Dei filio et Uto howiine et homiitt Dn
ngfummt. 26 7-, e. 200: iitii nami/ue alü/utd Dei est. ibi lolutn rit
ni. Predigt.. 627
das er die gebot halte, sonder alle die r&te uns heren aoUea im
[üstlich, begerlich und ivunuiglicli sein. Uoae here hat gesprochen:
Jr Bolt lieb haben'ure fiante." Das ist der lieben so lieblich, das
ir nit geniiclit, das sie die fiande gütlich an spreche, sonder man
mag wol und soll sie von gantzem hertzco lieb liaben und ausz
bertzlicber gunst alles güts und eien woll günnen, und in wol zfi
^precbeu und sie aller schult gunstlich enechuldigen. Aber nit meine,
las der mensch also ungefiiglich seyn Bolte, er m6ge wol bekennen
j^nst und Ungunst, dann er sols nit achten noch wiseen na dem
uilrJe Christi, das er dem gantz gelieh werde.
Nu haben wir hie vor gesprochen, der menscli solte und mäsz
iber alle bilden komen. Sollen wir dan das liebliche bilt uns heren
tb sprechen, von dem wir vü gesprochen haben V Das were eyn
wrglich dinck. Neyn wir, in treuwen! Dan geen wir zu im selber
lad fragen seyu eygen worf, so spricht er: „Expedit vobis, es
ist euch nntz, das ich von euch fare; fare ich nit von euch, so kumpt
1er heilige geist nit zQ euch." Ist dan disz bilt ab gesprochen ? Es
ist ab gesprochen in creaturlicher, sinlicher, biltlicher wysen, als im
lie jüngeren hatten und also mftsten sie in lassen, sonder in lieb-
icber, gütlicher, übernatürlicher wysen geliessen sie in nie; want
lo er leiplich und tegenwordiglich von in l'oer, do fort er mit sich
Ule ire gemüte, alle ire sinne und alle ire liebten. Also sollen wir
>Qeh thAn. Er ist zft byramel gefaren in das vätterliche hertz, in
les vatters schos/,, wir willen recht mit faren, da er hin gefaren ist,
nit alle unsem sinnen, liebe und meinung zftmal in das vatterliche
iert2, da er ist. Er ist da eyn leben, eyn wesen, eyn luchtende
1 Ate neTtnt die Throiogit geteilte im Evangtlium aapfoHent, aber nicht
afiitlUtn/Usig gtboUnt Mittel der TugendSbang (eonsilia mangeliea), betondert
'rtiwiüige AriHiil. E-utckheit, Gelioraam. Vgl. Thoma», S. Th, 1,3 q. I08a.i:
■i. Koeh a. a. 0. UM) ff. : Dmifit, Luthm- i«, 140 ff. 3 Mailh. 6M.
4 ff. BtütpitU aw Sttut» Leben Vita Kap. 29. 8 ungefUg'Iich = unbeholfen,
aUimp, (Suriue I. c: Hupidiiate praeditusl. Der abhängige Satt hat negativen
Sinn. II Oben 534,3. 13 f. Vgl Vita 159,13/.,- liiee ii. a. 0. 3S1Ä.1.
» IBff. Joh. 16,7. Vgl. Vila l.Mi.Gff.c Bdev 231,30ff. und dit IV. Predigt.
■pa liebUn = niione. 26 f. Hel-r. 1.3. Surias l. e. SOi: una «tm patrr
SUm» riita et asenlia. splendor gloriae et figura gub/itantine etu«, Kperttlum
ibtUÜMmum elaritalis illiun rl imngo paltrni vuliu* «i'us, non toiun imaginig
"Vtitmt. *fd eliam egtentialittf in perfecta piivonae Dei patrie aimilitudine, m
difrnfj Ulli arirmae gtnernlioniii ematialione, iinvm omntno erixlms cum todm.
528 III- Predigt
Spiegel seyner klarbeyt und eyn bilt seins v&tterlichen aogesichte,
uit allein in bilts weisen, sonder in weselicher weisen, in volkommen
gleicheyt der vätterliehen personen, in dem gütlichen auszbrucb der
ewiger geburt, eyn mit dem vatter. Da bin sollen wir mit aliem
anserm gemüt und liebe, und da mit im vereinicbt werden and ejo 5
lucbtende Spiegel werden. Da sollen wir in den drye personen wonen
und wandelen, und mngeu dann allzeit sprecben mit S. Paulo: „uose
Wandelung ist in den bymmeln", das ist in den drey personen.
Hier nach sol der nienscbe mit allen seynen begerungen, sinnen
und kreften stellen, das im disz werde. Wirt es im dann nit in 10
seynem leben , so gibt es im got an seym ende. Wurd es im da
nit und er behalt yet gebrechen, so fort er die gebrechen ins fege-
feür und werden da ab geschuert. Und als er dan in den bimmel
kumpt, so sol er es da eweglich gebrauchen alßp yil myn und mee,
als er es hie myn oder me hat geliebt und begert von gantzem 15
hertzen. Dar umb solte eyn mensch den bogen seyner begerungen nff
das aller höchste spannen, das er vil gfits gewunne in eyner yege-
lieber zeyt, waut der begerungen soll got in ewicheit antworten, die
weil er es in der zeit nummer erfolchte, und sol alle sevn laenwe
kalt leben und begerungen na den höchsten ordelen , da er ye in Vi
kam in alle seyn tage. Dar umb soll der mensch nit ab lassen; ob
er sich nit fint in eynem hohen graet der volkomenheit, so sol er
doch ye da na arbeiten mit allen kraften. Wilt es im nit gewerden,
so sol er es doch von hertzen lieben und begeren.
Das uns allen disz werde, des gunne uns got der vatter, der 25
sun und gott der heiliger gcist! Amen.
10 Stelleu] stehen T 19 weil] wol T
7 f. Phih 3,20. 14 myn und mee = minre und mer. 18 Surm
l, c. 3o:J : veris namque animi de,si(leriis Deua perenntm reddet vicem,
20 f. Ij. c: iuj'ta supreinum ülud iudicalnt^ ad quod unquam perh'gerit in
vitn 8ua.
IV. Predict.
r Iterum relliiquo mandnm et vado ad patreiu.
^ Llnsee ininaek liehen herren Jesus CriRtus alle sin vliz, sine lere,
sine hilde gingen dar uf, d&z he sine geminte vrunt lerte nnd ai
brehte inwert in den luteren grünt, in den dinst der warheit. Und
daz Baeh he, daz ei so sere gekert waren uf sine azwendige meDScheit,
daz si niet daz wäre gut ervolgen inkunden , und dar nmbe mäste
he si lazen.
Kinder, alle gelosen abe und alle mentel! Sint sich der sun
des himelschen vaders, die ewige wisheit, niet sich inkunde gehalden,
be inwere in ejn hindeinisse, so iniz keine kreatnre. si inhindere,
si beize oiler schine, wi dn wUt; si mi^zent zä gründe abe und uz,
«allen wir daz inwendige gut intfan, daz got iz.
NQ vindet man dricr leie lüde : die eyne geint abe und die anderen
zti, die dritte gient in, daz sint anbebende und zflnemende und volle-
körnen lüde. Alse der mensche ane hebet, so sal be digerlichen durch-
Taren und durchsehen alle die winkil ainre seien, obe be yt da inne
viode, daz be bit lust besezzcn habe, obe eynicbe kreature in eyniehue
winkil wane- die drief uz altzömale! Daz mQz van not daz erste
1 vfir allen dingen, alse man die kinder y.(i deme ersten leret daz
■m 1
IV. Predigt, nach V = Wien, HofbibUnthtk 3739 Bl. ST"* — 93".
Abaehrifl uon J. Haupt in Hu. 15379 (Suppl. 3779) Bl. 347' — SäO". Varianten
nach T= TauUr 1643/. 105 ■^ — 107™.
1 Übtrichrifl: diseu «ernion jiredigete brSder heurich der aiuse 1' 3 ünse
niinaekliche herre ■' fi den dinst] das liealit T 11 ufF erden keine or. T
13 inwend.] liebliche T 16 dapfferlioh T 18 einlebe vergenekliche creatür T
19 drief] jag T
2 Joh. Ifl^SS. Vgl. eu der Aufführung des Theman Vita 166,6 ff. .■ III. Predigt
1,27,17 f.: BcrtMrdiu, sermo 3 in Aseeag. .t.4.- Tatäir, Frank/. Ausg. 11,133 /.
6 daz ttrgles) = da. 9 Vgl. III. Predigt 518,19: Gr B/h 456,10/
11 f. Vgl. Xt Bfh 3-JO,7ff. 18 Vgl. III. Prtdigt 522^. 14 ff. geint
»be ier Wut und der Sande; hei zQ und in ergänte got. Dit Einteünng in
rncijfimfM, proßcienteg, prr/eeti tat die gtwöhnliehe. Sie trifft mit der Unter-
ithtidung einer via purgaUva, ittuminativa u. itniliva tutammen. Vgl. Vita 113,20:
I68ß/.: Kl Bfb 390,lff. Belege aas den Vätern und Mt/sli kern bei Krchs
L^ O. 128/.; Hit» a. a. 0. 310/. 16 digerlichen = degerlicbe, sehr, gantlich.
B 18 bit = mit (ngl. J. Gnmm, Deaftche Gramm. 111,3681.
530 IV. Predigt.
ABG. Wer ingeit dit niet alliz zfihant zfi; des inervere dich niet,
inlaiz ocker niet abe! Man liset den kinden so dicke eyn wort vor,
biz si iz vil wol knnnent, aber und aber; also laiz aber nnd aber,
iterum, also heizit iz uns, dan lazen ich die werlt, aber lazen ich
die werilt, daz iz alle dink. Des morgens an deme ersten ufslage 5
dinre ougen: „och, minnecliche luter gut, sich, nü wil ich aber an
heben, mich zfi lazen und alle dink;^ und also dusent stnnt an deme
dage; obe du dich alse dicke vindes, alse dicke saltfi dich lazen.
Da liget iz allis ane, man kere iz, wie man wille, so inwirt niet
druz sunder dit. 10
Man vindet lüde, alse si gode gedinent XL jar, nnd ubint sich
und wirkent vil guder werke, und iz an deme lesten alse unna alse
an deme aller ersten, rechte alse den kinden van Israel gesebag,
do si XL jar gegingen durch die wustenunge bit manicher grozer
arbeit und manicher not; do si zu deme ende wanden sin kftmen, 15
do vunden si sich an deme selven punte, da si zfi deme ersten nz
gingen. Och, waz wii-t grozer arbeit und kost und zit in manichen
menschen verloren, die des dunket selber und ouch ander lüde van
in, daz si rechte wol dran sin, und dunkent, daz iz rechte alle gedan
si, und sint noch an dem ersten punte, der si iz alreerst begunden! SO
Dit lazen iz daz alre swerste in deme ersten und wert is bit in
daz leste. So inleizit man sich nummer so vil, man invinde sich
aber und me und neuwelicher zA lazen. Da wirt manicher vellich,
alse in indunket, he indurfes numme; so man edelre wirt, so klein-
licher hat man zfi lazen. s&
1 Dan ob disz alles zu hant nit also zu ^eet T inerv. dich] erschreck T
2 ocker] nur 7' 4 lazen — werlt] iterum T 5 f. am ersten schlag
uff deyn ougen T 6 luter] höchste T 7 alle dyng umb dejnen will T
8 obe] wan T 11. 14 XI (!) V und üb. sich fthU T 12 ist mit in T
14 wüsten T 16 f. [do] giengenn sie wider zu dem punct dar sie erst anfiengenn/
18 die] der V 21 swerste] noitste T 23 und me fehlt T zu lassen vnd
sterben T Ilie feiet mancher an T 24 f. so kleynl. und scharpffer hat er
sich zu lassen T 25 hat man fehlt V
1 Wer = wäre daz. 1 f. Vgl, Gr Bfb 424j 12, 10, — erveren = erraeren,
erschrecken , ausser Fassung bringen (Lex» I,6S6). 6 Es ist tcoM sprach
odei' ein ähnliches Wort zu ergänzen (Surius l c. 204: sie Deum aÜoquens),
9 f. Vgl, IIL Predigt 516,19; 519,29, 11. 14 XL jare, vgl. II, Predig
516,7 : III. Predigt 520,25, 12 unna = unnahe, nicht nahe, entfernt,
13 ff. Vgl IV Mos. 33, 17 f. Vgl, Kl Bfb 361,20, 20 der ss dar,
relat, T hat da. 21 bit = bis. 23 vellich = hinfällig, schwach (Schükr-
Lühhen V,22S),
IV. freiiiet. 581
N6 vindet man lade, alae si sich ^lazent. so nement Bie Bicb
Twider, die eyne in eynre schalkcchi^r wisen, die ander in eynre
vilicher wisen, (iie dritten in eynre luciferlicher wisen. Nft versteit
ilie schal kechtige wisen: die naturc iz alse rechte schalkechtig: und
1^ suchet duz Ire alse heliendlichen, gotsene, m nemet iz wot und kau
rsich so wol iDtschuldigen, nnd maclient so vil mentit. ai willent
wiser sin dan got. Wizzit, der eyne plate goldes nf sine ougen
leehte oder eyn swartze plate iBerinz, he sehe alse wenich durch
dsz golt alse dnrch daz ysen. Dit edil blendit in alse wol alse daz
D ander, dn sehes alse vil dareh das eyne aUe durch daz ander. .Alae
Uze Taren, wie edil die kreaturen sin, oder wie du iz meines, und
behilf dir, wie dfl wilt, Maniche lüde sint alse ungelazen, sint si
in eynre samenunge, durch eynre spillen willen oder umb eyn alee
kleine diuk gebarcnt si alse rasende hunde und bellent und scheldent,
s Eyn geistelich mensche sulde alse gelazen sin, singe man in an eynen
backen, he sulde den anderen dar bieden; waz man ime dede, des
tpotde he in vriden bliben. Üeme minelicheme exemplar, unseme
^ren Jesus Cristus, deme sprach man, he were eyn verleider und
eyn verreder und eyn vraz und were bit deme dnvel besezzen. He
•} sweich und vcrdruch und leit iz gutlichen.
Man liset in vitis piilrnm, daz eyn junger vragede den sinen
meister, wie bc aulde vollenkomcn werden. Do heiz he in gan, da
die doden lagen, daz he si eyne wilc sere lobete und ander wile
sere schulde. Üaz waz in alüz gelieh. „Also sal dir sin," sprach
3 die dritten — wisen fehlt V Lucifei" T 6 Gol »egen mich T si
nein. — kan] icli meyn ea lioch woll nie kUnoen T nemeul V 8 yacre 7'
9 dit. edil] daz eiti 7" daa] <lau V 10 du — ander fthll T 11 varen]
«ehin V alle vergenckliciie creatnren, wie edel aie »ein T 13 durch —
willen] rmb eym bficha willen T 15 cyu edel gejatlicb m. T 19 deme]
nie y 21 Man — patr. fehlt T daz eyn jung'erj ejner T vragc V
2S ander wile] darnach T 24 dir] vns oueh T 24 f. sprach he fthh T
I 2 achalkecbig = acbolkhaftig. 5 gotsene = Abkünunff für got segen
Pkieh (vgl. l'ar. tu da- SttBe nnd «u 511^ in der II. Predigt). 8 iaerini,
Q»H*t, von iaerin, iaem, iser, Suhst, Xeatr, = Eisen, huondert da» verarbeittle
{Lex. 1,1459). 13 Bumenung = klötttrliche V<rtinigting , Konvetit. —
«ptUeo = Bpinnel, apindel, Spindel (Lex, IJ,1096: Schiller-Lübben IV,32B);
tgl. Gr Bfb 410,19. Di" Fredigt ist demnach an Nonnen gerichttl.
ISf. Vgl. Matth.S,39. 18f. Mailh. 11,19; Joh.7,13: 8,48. 21 ff. Vita*
t^amtvi rd. Rnpwifde VIIIßH.- Vättrbach Sl,34f.
532 IV. Predigt.
he. Unse mineklich lueister CriBtaB spricbit: „in der werilde sallit
ir not tiden und arbeit, aber in mir sullet ir haben vride."
Zfi derae anderen male uement sich sulche lüde wider in
eynre viUclier wisen. Hie inmeinen ich niet viliche lüde, ich Daeioeii
die des miimekliehen gudes, daz got heizit und ist, daz ei iz be-
gerent in eynre natürlicher wisen. Der mensche insal niet ein werk
dftn 11 n vernunftlichen alse van naturlicher neigunge oder begeronge
alse daz vilie, daz die nattire dribet, aber uz willen und uz wizzea
vernunftlicben gode zQ dienen nnd 7.t leiten, man ezze, man »lafe,
man spreche, man ewige, iz ei, waz tz si in ertriehe oder waz he!
dö; und verdrucke die viliche neigunge und wirke uz Vernunft also
beden, denken und leben: „lieber herr, dir, niet mir ezzen ich. slafen
ich, sprechen ich, leben, liden und lazen ich alle dink."
Eyn geistlich man begerte eer eynis grozen lebens; also duchte
in, wie he wurde gevniit vur eyne groze scbole, da waren Til
Studenten inne, die waren vi! vlizich nnd studerten vil sere. Do
sprach der brtider zf\ ime: „alre minneklicliiste geselle, dit is eyB
hohe echole, van der ich wunder han gehört, sage mir, was: Btndyerin«
lerit irV" Do sprach der jene: „niet anders, dan eva gruntliob
lazen eines selves in allen dingen." „Eya, hie wil ich blihen ane, '
sulde ich dar umbe dnsent dode sterben, und wil rechte eyne celle
hie buwen!" „Nein", sprach der jene, „vare vil schone und ge-
mecblicben! So d& ie minre dftiz, so dO ie me gedan bai».'
3 Huiche] die T 4 velilicbc williche »under T 5 du got h. d. iit
fthlt V 6 notnrl.] vrunüicher 1" 7 atXoA. fehlt \' 9 dienen .. lebeal
lobeu . . lieben T II uIbo — 12 lehen) uii<I liebe alsiu bittende und denckrndc f
12 lieber h. fehU V 13 sprechen ich fthb T lazen ich fthlt V U !ff
feHtT 17(. diserbraderzfl iu: aller« ebste gesellen sugt mir T I8rw
Hage Ut sagen durchstnchtn V Studium T 19 do — jene] er antwoit T
20 sini'B] uuHz T 2-2 der jene] ehr T vil] hin 7* 23 thiies und mer dick
1 f. Jnh. 1(1,33 frii tititrt. i viliche lüde, r^J. Suriu» I. c. 3u6: ("
lanqwtm iimunta Bpontt volutantur in ittrcoribug titioram tuorum. Uf. AuM
htrichlet das folgende als seibtttTltblt Vision in ViUi Kap. 19 u. Horol. 143 f~
doeh jedeamiü im Dtlaä ttKos verschieden. 14 grozen = hohtn. fT ll
ime = £« dtiH, der ih» geführt fVita 53,lo: ein atoltaer jungling = Kitgtli
IS f. atodjerine. Vüa 53,31 hat dafür biinst — lerit = lernet. 21 Pji.
Kl Bfh 3a7,3lf 21f. Vgl. Matth. 17,4. 23 Znmvdhn VerstmdnUitlder
Ztuait m Vita ö4,14f. briiuilrhtn: und meinde ein BÖlich tau, in dem der B«i»ti
sioh selb vermiteit nnd nit Inter gotes tnb meinet. Vgl. auch die Ltsari nm T.
IV. PrediEt.
583
I Die lüde shit rechte verblent und willcnt m vil ditu and be-
jaent 60 RianieheB, alee si got irTeebten wolleo, alliz bit in eelver
j^me eygenen willen, vol gfitdnnkens in ire eygenre naturen.
in, iiiet bid dime vechteii, snnder ocker bit lazen, mit sterben
i verwerden und mit lazen! Alge lange ein drope bludes in dir
nngedodet and unüberwunden, so gcbrichet dir. üis spriehet der
pnekliche sente Paulus; n^'^*^ ^S*>) i^"' i'^" ^S°' ■'^^ leben,
1; ieb, sunder Christus lebet in mir." Wizze, die wile it in dir
K, da niet got inist, dn sihes iz ane, waz daz si, so inlebet got
I noch nummer in dir.
L Die dritten nement aioh wider in eynre luciferlicher wisen.
|b wie, daz versteit. Lucifer den hatte got wunneclich geschaÜTen
edeiich gezierit. Waz deit heV He kerte wider mit behahunge
ich selver, bit eygenre bebahnnge, iie wulde it sin. Altzöhant
!me selven punte, do he sin wolde, do wart he niet und verviel.
^liebes vinden wir in unseme vader ond müder — wir indorfen
vort vragen, — die got wunderlich edeliche gezierit hatte. Der
sagete ir und verbot vrouwe Even den appel, — nein, truwen.
inwalde sü niet, daz ai niet insturbe und niet zu niede inwurde,
sprach he. „ir sullit gewerden, ir sult iz sin, eritis!" Daz
waz ir so geneme und schal so in iris hertzen aren und waz
^Ceminnet ire naturen und ir ingewurtzilt, daz si snellicben und
-adelicben den appil nam und az, und wurden wir alle icfl nyede
verwurden bis an den lesten menschen, kinder und kindskindcr.
gewerden wil, der mäz van not entwerden.
Dit iz der grünt und daz fundament unse selikeit, eyn Ver-
den nnd eyn Terniden sines selves. Wer wil gewerden, des he
2 irvecbtenl ertziehen T 4 erfechten T ocker fehlt T 6 verw.
«u] verderben iiiid mit verzieu T 6 ungetödt iineretorbeti und nnuber-
<m T 8 [die] wile V 9 das nit got ist T da niet get (1) inne inist V du
; dz wlber uder ws» das iat T 10 nimmer vnlkoramlfch T 12 AUe —
Öt fehU T 13 behnh.j wolgefnllen T IB ue] in T 17 und adelich T
jete ir und fthh T bot T vronwe] verV 20 iz fthlt T eritjsj
Ü ezdt(l) V 24 bis — 28 verwerden frhll V 27 sines] \tih» T
«,I be] hie V
4 f. Vgl 11. Fredigt 515.111. 5 I. Vgl. a. a. 0. SUfif. 7 f. Oal. 2^.
iff. Beidt folg. Britpitle, Itiltctisr in gaitt ähnlicher Autführun/i , in dtr
iPrrdigl 611,lSff. 16 Adam und Evo. 18 verbieten = vorbedeii,
(SehiOw-Lahhfi' V..113). 20 I Mo.-. 3,4f. 27 vefttiden =
rv. Pradift.
Diel iui«, der verwerde des, daz be ist; das laü't onch vnD not
Üaz luter wuDnekliche göt, daz got beixit und iz, daz ix in ime
eelver, in sime istigen wesen inne blibend, eyu weseücb, stille stände
weaen. ime selver webende und sinde, Uemc sulleut alle riink sin,
nict in selver, sunder ime, durch in. He ist weseo, wirken nnd
leben und all dink, und wir niet dan in ime,
Dfi mttst haben eyn grundeloia lazen. Wie griideloisV Were
eyn stein und viel in eyn giundeloiz wazzer, der roilste nmmer valieO)
wan be inbelte niet grundee. Also eulde der mensche haben eyn
grundcloiz versinken und vervallen in den grundelosen got undial
in gegründet sin, wie awere eyuicb dink uf in vjle, da« were inne-
wendich ader uzwendicb lydeu oder ouoh sin eygen gebrech, der
got dicke umbe din <rroz gQt verbeuget. Dit sulde allez den meDEcbeo
ye difer in got senken, und insulde siues grundes nnrnmer da an
gewar werden noch ruren noch bedruben , noch insal ouch niet
snchen noch ineyuen yme, he aal got raeynen, in den he versankep
igt. Der yt suchet, der insucbet got niet. Alle des menacben gnnsl
nnd grünt und meinunge sal sin yme, yme glorie, yme der vriUe,
die truwe, numnier unse nutz noch lust oder alsulche uaheit oder
Ion. Snche in atleine, spreuh bit deme üben aüne: „leb ensuchenl
niet mine glorie, sunder des vaders." Wisse, suchistu yt anders, so
1 verliehe und vt^twenlc T 2 ir. und beizit F 5 ime] nltae l' 5f. ni
leben und fehlt T G ti"! '"le I' 7 f- lassen und vcreihen deyns selb«. W
gruntloHz mäjiz düi^ nun aeyn? MiTckeot, wann eyn Htein fiele iu eyn gr. <r.
10 in i^ot iler gruntlnsK Jet T II ilaz were fthtt T IS Dmbe -~ )fÖ[]
TuB eigens nutz willen 'T 15 oitcb sich aelb« T
Hüchen T den] de V 18 sol got seja T
fehlt V odtir ala. naiieit] noch einige n&het 2'
ai Wisset T
i^c^
me fiiMi T
: fMl V
2U sucht . , spredil f
2 Vgl. oben 633,ö; IL Predigt 51ß,30; II J. Pr. öä2,S. A t. Gan: lUn/ie*
Bdw 3ä9fi—I3; vgl, die diirligt Anm, Suriaa l. c. 30S: tolvm itlud j/Hrim»im
ac /diciMtmum bonum ... in neipso est, t'ufiM manttM in exilttnti tttmtia '•
efftque usentialü, imm"ta, tranquilla tttmiia, aäsUng sibi ipni. Jüe Iktdloji'
lehrt die Aiciiät (n se es/ie) als Grundeigfnaehqß Golttg, uitleht die Begnf» A*
esse aimplieiter, esse tubaislens und actun pKrinsiinus eintchliegeL Vgl. flm»
S. Th. Iq. iaa.3; Pohle, Lehrbuch dir Dogmatil! I (iyoa),8lß. 5f. Kjl
Apg. 17,38; Vita I78,eff. 7 ff. Dan Bfispitl von Stein alinlkh *t^
Svga 9ltr38ff. Vgl. IL Predigt 617,7 f. Uf. Suiiu» I. e. iOS: nee aUr
setitiat, moveatHr aul contrialetar in fundu auo, 16 jine =für tich n'^'- ^
— verBunken, vgl. den ScMuse der II. Predigt 5!8,ö. Ifl alsulche mUicit, <*■ (
äerbte SleUti' Sm-iw (.<•.: noUri KcaUati«. 20f. Joh.S,49f.
IV, I'mligt. 535
\z dir Lirirecht und dir gebrichet. Eyn gla/, wie si^houe dni vi, hat
iz eyn fochelio as vaa eynre nalden spitze, so iniet iz niet gantz;
wie kleine der bruch m, ir. ist docli yc niet gantz noch voUenkomen.
Inerveret uch her timbe niet, liebe kinder, ir kümiDt doch wol
6 zit! Man viudet groze und kleine lüde in hymelrieh, aisc mau vindet
gruze man und risen and aQch kranke menschen, man mochte si
mit eyme vinger dar nider atozen, und sint doch alles lüde. Also
iz id an diserae, under dusent menschen vindet man niet oder körne
cynen votlonkomen menschen. Ktliche hant sieb gelazen und vindent
10 sich zi't deme jarc eynes in uugelassenheit: „owi und owe, ich han dich
Doch vanden, ich wände, ich bette dich begraben, leider lebistu
noch!" Die anderen vindent sieb z& deme mande eynis, die dritten
zft der wechen, anderen des dages eynis, anderen manicb werbe des
dagee. Die sullent mit weinendem hertzen ouch sprechen: „owi
16 und nmmer owe, mineklicher got, wa bin ich arme drane, nnd
uch, wie sal iz mir ergane. daz ich arme mich so dicke vindenV
Zware, ich sal mich ummer aber lazen, iterum relinquo mundum,
ich Bai iz aber beginnen." Dft salt sterben und verwinden und ver-
werden alse dicke aber und aber, biz iz gewirt. Eyns swalven
20 rlucb inkundegit uns den sftmer nit, aber wan si alse dicke koment
and ir alse vil komet, dan weiz man, daz der stimer hie iz. Daz
sich der mensche eynls oder twiges oder XX werbe leizit, dar umbe
iniz he niet vollenkftmen; aber in truwen, alse dieke und aber und
aber, da mak yt nz gewerden. Man verstet eyne lezze alse lange
% and alse dicke, daz man si vil wol kan. Also laze eyn mensche
sieb aber nnd aber, so kau he iz und getoist iz alliz. Nu ingebrichet
aas niet dan vlizez und achtsam echeit. So koment etliebe lüde und
sagent van der groster voltenkumenheit, und begunden des ueisten
3 kleine /eftii r 4 inerr.] «Bchreckt T tiehe länier fehlt V 7 lade]
fotaachen T 8 an diseme] ouch hie T niet oder fehlt T 10 e;nec V
ingrelaw. fehlt V 12 die dritten] etliche T U ouch fthll T 16 armer
menech 2' 18 und verwinden felUl T 92 twiges] swerins V «wey mal T
X werff t 24 verslent. V fasset T 26 und wurde vim alles geloist T
.87 und Tuttcüieu aller dyug T 28 sagimt yaiij fragen alles nach T de»
aetaten] dai myuBt T
Off. Vgl. Gr Bfli 47 [t,7 ß. Vi mwide = iniined, mänöt, M'uuil.
IB od) := ach, 16 verwinden ^ verwenden, umkehren, oder = ver-
lüinen, übei-vHtidnt (Schüler-Lttbben V,S00,5OGt. 24 lezse = Lektion.
27 f. Vgl. obm 600,17 f.: !il9,31Jf:
536 IV. Predigrt.
noch nye; si inkunden sich an eyme kleinen wortichen nye ge-
lazen^ noch si inhant die kreatare noch die werilt noch sich selrer
gelazen.
Daz wir also alle gelazen, alse iz got von anz wil, dez luftze
he onz helven. Amen. 5
1 wortleyn T 4 — 5 fehU 1\ dafür längerer (Bl 106^—lo7r^) Zutat:
über die Armut des GeieieSy der vielleicM von Tauler, jedenfalls nicht van Stutt
herrührt.
Das Minnebüchlein.
' [63'] Hie Taliet an daz erst caplttel des miniiebrichelinB.
0 sapiencia eterna! 0 ewigä wisheit, du bist der ugglantz
Qod eiD gebrech des vetterlichen weeens, der ellö diog von Düti
geacliaffen hat, und dar umb, daz dn den yerstoBsen meDtscheD ze
der fride des paradises widerkertest nnd im den weg dee widerkeres
mit dinem aller suBseBten wandet erzögtest, do woltest dn her ab in
dis jamertal komen, und ze gantzer sQn und ze beearung als ain
Kueeeg lembli woltest dich dem vatter opfren- Entschlös dur dinee
koetbern blbtes willen min hertze, daz ich dich, küuig aller kiiuigen
nnd herre aller herren, mit den ogen luters glöben Btätenklich mug
an sehen. Lege alle min kunat an din wanden und min wisheit an
diu wundtmäl, daz ich fürbas in dir allein, wäree minnebl^ob,
nnd dinem tode zi^ neme und allen zergangklichen dingen ab neme,
also daz ietze ich nüt ich, sunder daz du in mir und ich in dir mit
vestem band der minne vereinbert eweclichen beüben.
MinnehBchleiH. Nach der eiiuigw Ha. e = Zürich, Stadtbibliollttk
(J96 erstmals von Preger unttr dtm Titel: „Eine noch unbfiaHnt« Schrifl Sutos"
in dm Abhandlungen der bayrr. Akademie der Wine. III Kl, 21. Bd. II. Abt.
lim, 426 ff. rtröffentUeht. AuseOge (nhd.) bei Dmißf, Das geittl. Leben Sälff.
Die Echtheit itt nicht sieher, aber sehr wahrgcheinUch, >, i'.'inj.
6 widerlertcBt e 7 jamerteil e 8 entscbüH .c 13 oller t
H 2—15 Das Oebttßndet sieh in lateinischer Übertragung als Leetio prima
%r Matufin in dem von Sfuse verfaasten Curfue de aeterno aapienlia. — us-
^aoLz luid ein ^ebrech etc. = eplendor gloriae a figura aubatantiae patris
lÜfbr. },3). T juiuertal, vgl. im Salve Segina: in hac lacrimarum vallr.
11 f. Curaua: pone meam tn tuis vulneribua phüoeophiam, in tuia »tigmatibus
'tpientiam. Vgl, Bemardua, atrmo 43 in Canl. n. 4; haee mea attblimior intfim
ohilosophia, ecke Jesum et hunc crucijixatn. 14 Vgl. Gr ßfb 429ßf.
538 Minnebüclileiu. Kap. I.
Des gerouteg ein ermnudrung.
Üanimamea! 0 sele min, gang ein willi in dich, in die
heimlikeit dines hertzen und gedenk, daz du die ewigu wisheit des
himel8chen vattere dir selb ze gemahel und ze einem einigen liep
hast US erweit, und gedenk; daz du ze einem urkänd der lieplicheD 3
gemahelschaft sinen naroen dinem hertzeu nnzerdilklich bist in ge-
truckt, und hinderdenk [64'] ze gründe die muten wise, wie er dich
mit sinem tode erlöset hat, ker wider ze dir selben, min geminte
sele, und e wir erdürren, so kröne uns mit dem rubinroten rosen ?od
dem hopte unser zarten wisheit 'entsprungen. Nut geschehe uns, 10
daz die snmerlichen blfimen des liebten angers siner süssen worten
und verwürtzten werchen , die so rehte süsseklich alle tagent und
miltekeit smakent, uns vergangen, daz der geminte, den wir leider
in liplicher gestalt nie gesahen, in nnserm hertzen bab ein wonang,
und daz der, den wir den höhsten wissent, der dnr uns der nidroet is
ist worden, daz wir den nit yersmähen, mer daz wir ans an sid,
crätz negelen, daz wir durch in sam dur ein kuniglicb Strasse hin
ze der ewigen sälikeit komen.
0 spes mea! 0 einigü zftversibt von minen jungen tagen
einer trost mines hertzen, du fröden bringerin, du leit vertriberiD 30
und alles mins urdrutzes vers wenderin mit dinem süssen trost ,
ewigü wisheit, aller süssester Jesu Christe, in dem da sint aller
wisheit und kunst tieffen horde verborgen, du zarter berre, do
du mit dinem süssen wandel gut bilde der weit hattest vor ge-
tragen und unmässiger arbeit erlitten, und die götlicb kraft mitsß
manigem grossem zeichen ze erkennen gebde, und dir kunt was
die stund dines hinscheidens , do weitest dfi das jungst nahtmal
mit dinen liben jungern haben und inen dins heiligen libes und
2 in ein willi z 3 heimlik.] heiligkeit z 15 wissent wüssen z 22 f. alle
wisheit z
5 f. Vgh Vita Kap. 4 u, Uor. 221 f. 7 Vgl Bdetc 209yl9f,: 8« ich
recht hinderdenk . . die wise unsers heiles. 9—11 Vgl, Bäeto 271yW—'ifJ'.
gesegnet si der geblümte roselochter anger dines schonen antlütes, daz da ge-
zieret ist mit dem rubinroten blute der Ewigen Wisheit ! Vgl, auch Kl Bfb 374y23.
17 kunig:lich Strasse, vgl. Hör. 25: si ad divinUatis cognitiontm pemmri
drsideras, restat ut per assumptam humanitafern et humanitatis passUmem tanquam
per vi am reg tarn grndatim ascendere ad aUiora discas. 19 f. Vita JS^Uf'»
üwe, kind mins, owe, eini^ frod mins herzen und miner sei von minen kintr
liehen tagen. 20 f. Vgl. Bdew 250^3 ff. 24 göt bilde vor tragen, r^
Kl Bfb 382,9,
I blfitex sacrat
.MLiucliüi'lili.'iii. K[i[j. I.
539
I blfitex sacratiient gebde , und dur iiucli, da du iiii;ii dumuli^kliuli
tr fiisse wiiste und sÜBseklicb bredieteet, und do uff den Alberg [64 'J
keimd und din junger Bchlietfen. do knöwetost du nider und mit
^esem ernste rfiftost dn dinem vatter au und aprecbt: „pater, vatter,
■ ;•] es muglicb, so uberhab mich diser inarter, aber doch nät ala ich
wil. eunder als du," und von grundlosen angeten dine hertzen von
der gegen würtigen marter, die din zarler lip, von kuoiglich geschlecht
geboro, liden weit von den aller hosten mentschen, mit den Mistigen
abrinnenden sweisatropfen wurd begossen, — sich an die unorden-
hafleu angst und trurekeit mins hertzen und salb es mit den selben
yAeelecfaten tropfen, daz e8 in aller trurekeit und widerwertikeit von
Br werde geBterket und in dir, wäre fröde, stäteklich werde erfröwet.
W 0 salutare tnenm! 0 heil und sulde min und min günliohe
Mre, aller sftssester Jesus Christus, dt> du von dem engel in diner
l|(BgRt wurd getröstet und zt dinen jungern kemd und sie scblStfent
funde nnd inen von gefangnuss seitest, do wurt du von der inurdigcn
schar umbhalbot, und do sie von dinen krefligen worten hinder sich
gefielen, dar nach mit ainem valgchen küsse, dinem sueseu munt
geholten, wurt du verraten und strengklicli gevaugen, und diner
erbermd in dem widerheilen des abgeschlagen oren hattest nnver-
geesen, und also do din Junger von dir gefluhen, o alle min zftversiht,
do wnrd du allein den grülicben henden gelassen. 0 min einiges
heil, enbind die bant mtner sele, Uss min nüt noch verlüss mich
.nietner von dir gescheiden werden! Amen,
L[65'] 0 fortitudo mea etc. 0 himelschü sterke und vestikeit
er sele, aller süssester Jesu Ghriete, fio du von der gevangnuss
ice dem ersten wurd in her Annas hus unmilteklich gefürt, do wurd
dn von den iinmilten Juden, die umb daz fiir aassen. nnd von dem
selben Annas von diner lere gefräget, und do du des senfteklicben
antwürtoBt, do wurd d& herteklich nÜ dinen nak geschlagen. 0 ein
glantz des ewigen liehtes und ein Spiegel sunder masen, wie schamlieh
23 bont] hant f
S wfigte =^ l'nifK von winclien, wüschen, rtiniijrn, Irorki'tii.
S. MaUH. 36.39. 19 Biltir 204,}. -316,4: vientlich gev&Dgeo, streuklich
landen. 28 ßdnr 3l5Mf.: enbinde mich vun miiien sfintlichen sweren
e umb doz fär siasen isl unrichtig, Effl. Joh. lS,18ff.
t Xt, ^'gl. Capil'thim dtr 6'exl im Cursua: gapicntia candor at lucia aetei-nat
tkipaealwm tinr maciil't dirinae Maitslatin i M'eigh. 7,36). ÄAnlich auch Bdtw
'nßff.: 33I,S3,S7ß.
1
540 Mjniiübüchlein. Etip. I.
wurden dinen liebten 3gen verbunden, diu minuenklich lätselig antlif
mit unreinen speicbellen rermasgot, din wisser nack. nocb scbouer
denn der schönen lylien scbin, mit spottlieber frage so dike geschla^ol
Sag och , geininnter herre miner sele , wie din sant Peter dristDDl
vor hankrätten ziten verl5gnet, und wie dn in mit dem erbarmhertzigeo
anblik diner minnsamen ögen widerbreht ze bittern trehen. und gib
minem hertzen dich, Bpiegcl der ewikeit, ze Bcbowen, also dai ich
alle zitlich wollust durch dich milge versmähen, und daz ich mit
den ögen diner erbarmhertzikeit in aller bekoning milteklich werde
versehen. I
0 copiosissima etc. 0 aller genuhtsamnü der weit erlang,
aller sÜBsester Jcbu Christe, nach der grossen marter, so dn dnrih
die naht untz ze tage in des ffirsten Annas hus hattest erlitten, dar
umb daz din marter und din minne aller der weit ofTen word, in
den hof Caypfa wurd du friiy als ein senftes swigendee lembli U
verfürt and von den grimmen scharen des unfolkB als ein Schieber
umbgeben, min geminter erl6ger, und do dn stfint vor dem richter
so [65 ''J gar demüteklich , do wurd du valschlich geröget, and wie
du gottes snn wärist, do schrüwent sü mit grülichen stimmen, Au
du schuldig des todes werest. Gib mir, gemiotter herre. ein seoft-l
niüdg demälikeit, also daz ich mich nach dir, dem obresten bildet,
luiig gebilden und alle wider wertekeit die lebens dur dieb, minnehcher
Jhesue, gedulteklich müge liden.
0 kunig aller künigen und herre aller herren, dn wurd vor
den richter Pilatus gestellet und vor im fälschlich geräget und tod
im von dinem künlgrich gefräget; do sprecht du: „min küngrioh
ist nit von dirre weit," und dar umb, das unser erlösung nit wnrd«
gewendet, do enwoltest du im ze vil fragen nnt entwort gebea
Und do dich Pilatns unschuldig gab vor den Juden, do schrdwen
BÜ uff dich, aller dingen schöpfer, daz dn werest ein verkerer, ondl
fhrtent dich zil Herodes, und do du dem zfi aller siner fragen swigt,
do spotot er din und alles sin gesinde, und zh rechter smäclieit da
wart dir ein wisaes kleit an geleit und wurd wider zfi Pylatn ge-
schicket and wurd vor im mit löwinen stimmen, dn sässes lembli,
13 huB Annas £ 15 den] dem z IS f. und do wie du ^ottM sm w. i
15 swigondee lembli = Bdfir 360,4 (Jer. 11,19). 16 nnvolk auA
Ki Bpi 37:i,22. 18. 25 valschlich ^räg^t, Bde» S(A,1S. 19 Bdtw 304J!i
sü Bchrüwen uf mich vil grölich. 26 f. Joh. 18.36. 34 Bdtv 260,16:
die n^^tigeu lowen, — süsses lembli rbd. 360,16.
MinnebHchlein, Kap. I.
larterec und ze crützgoD gebeo an Barrabas statt gebeisohet.
in minem hertzen alle die Btnächeit, die du durch minen
I bfiBt erlitten, also daz es keines irdenechen dinges me aobte
i mere daz ea alles sin sehen habe zu dir und ander dirre zit-
I wandelberkeit da, da allein rechte fr&de ist unib, »wekliob
\ beliben. Amen.
s princeps etc. 0 einiger forste nnd erster anvang
ir wesen und ein bertzog [66 '] aller scbaren , aller süssester
»u Cbriste, da ward mit dinen annen grimme zertennet, an die
^fiigen snl nackeut gebunden und mit grimmen geislen gegchlagen,
t pfeller gekleidet, mit einer dSrnineo kröne gekr6nnet und in
•ttes wige gegrüsset und wurd uS dinen heiligen nack mit un-
Itten faenden geschlagen; du ward also mit blutigem antlit mit der
■in krnne und mit dem pfellcrlicben gewant zfi den unmilten
Lgefiirt und mit ir vientliehen stimmen zfl dem tode ze t6den begert,
, also, do ir stimmen für gebrachen, da ward des todes urteil
iMnem tüdmigen Hehler über dich, ein orthaber des lebens, <lge-
Verlib mir sünder, ilaz ich die cleider miner untügent,
) ich han entreitiet mit der unflat der sänden , an dinem frucht-
I blflt gewescbe, und daz ich dins erützes glicheit stäteklich an
I Übe getragc, also daz ich die jüngsten uiteil von dir. ewigen
mit frfiden gebeite. Amen.
Kin erwecken des hertzen.
Eva, bertze mins, halt Btille ein ständli und nim eben war
geminnten userweiten wisbeit, wie si von uggetnikten bifttes
pfen von den hertten geiselscblegen allenthalb ist beschlossen
i begossen, lüge, wie di blötigen riinsen durch den zarten lip
enthalb an die erd lulfen. W'e mir din, süsse süssckeit miner
1 wie mochten sü dich als grnlich geschlahen, dn sü dinen lip
wol geordnet und dine glider als gerad und als dar wolstend
Bähen, daz si von erbermd dir nit vertrügen, daz sie dich über
dinen lip so gar durchwandeten! Aber eins wil ich wissen
ftr, daz dn das alles lieste zh gan mit einem wisen [66*] off
8 hertEogj hertE i
re] wie r
17 f. gesprochen fehlt s
19 1 blost friicht t
II pMer (r^. Hn(«n Z. H pfeilerlich) =
bmwff, Pnrpurgcirand (Ltx. II,S3ä).
IhiH krAzeR nehsteu gliclieit.
pbellel, phellAI, fernen, koftbai"*»
20 f. Bdfir 374^: volbringe in
542 MiniieUilchli'iii. Kap. I.
(In/, daz du micli zemäl in dioe niinne zügest. wenn du dich deDOfl
aller bester, den aller bitroeteu Btreiclien zemal dnrcli mich gibesLl
Nu dar, eele min, mi nnibvahe din wiaheit, die ir scbonbeit von
grosser niinne dir liat vergessen ! Uq solt ir billicb von minnen als
menigen licplichen kuss bieten, als menigen bitteiti si durch dich)
hat erlitten. Nu diirschow öch , dar, bcger ich, sin luiiiDencliches
antlit, in im habent aller gnaden vniheit, wie daz vna dea r&selechteii
tropfen rötet, die da flnsBeu von dem himelschen parndis, slnein
wolgeetalten, intseligem höpt, von dem da uk wiclen die bKitgieeseDden
brunnen von den grimmen dornetiohen, die im wurden in gerigeoÜ
0 mine minne, mit disen blutränaen, die da diu Bch&nes antlit ab
ninnen und dine waugen bititig machten, soltu daz höpt miner sele
und des libes begieefien, dnz von irn krnft der lip der bescbeidenheil
undertenig gye und da beacheidenbcit dinem aller liebsten willen
ieiner genug sye. Amen.
0 Bancto saneta etc. 0 aller heiligestes, des ewigen vattcn
danknemetes npffer, aller süssester Jhesu Christe, dar nach, da da
wurd von dem riehter in den schamlicbeu tod des cratzee verurteilt ir
das künglieh rieb dinen achslen ward uffgeleit, do wurd du scbamlicb
UB gefiirt und berlich gespottet und von den kinden mit horwe ander i
din antlüt geworfTen und mit den meintetigen schachern nntz an die
statt des todea geföret, do wurd du aas gezogen und ["67 '] uff dai
nidergeleit crütz zertennet: nch, diu arme und füsse wurden mit
seilen zerzogen und also mit den nageln an den galgen des crutjw»
grimmendich gebeft und also mit ufferhabem crütz enlzwfiscbeDiJfl
himel <und erde> Bcbamlich orhenket. Nu gib dinem kneht, klag
miner, mit dir ein UBVolgen dins Hdens, ein tragen, daz ich mit dir
hie also werde gekrützgot, daz ich ewenklich mit dir werde riobsend!
Amen.
0 lux etc. 0 cljiree lieht des mittentages und der aanuea^
lott'es hfichstes zil, aller süssester Jhesu Ohriste, gedenk, wie da tif
die, (He dich crützgetent, die din gewant teiltent und ein Iobs nff
dinen rok wurden, und die dich, küng ob allen künigen. in dinen
2 aller best, s 7 ik-u] dem s 26 imd erde /Ml i
5 Igt nach liittem kiiM, oder eiira smertzen tu erganzen? 10 iu getigert J
Part. Prart. vnn in rihen = durchbohrend stwhen. 19 daa kflnglich rici =
das Kreal. Vgl. im Hymnus Vtxilla Utgis von Venantia» Forlunatu»; r^nahil't
a ligno IJeut, u. ZöehUr, Jia» Kreue Chrigti ISI ti,236 ff. 19 f. «chuilicb M 1
fTpffirf. auch Piiw 2'>4^.
Milincijürlilein. Kaji. 1,
igstlicheD D^ten mit schamlichem upott schultteD, dioen vatter so
^nnenclich au r&fteat, anrl wie du den riiwenden Bchäeber vod diner
ndloseii erbermd so süaseclicfa begnadetest, und dar nach, do des
fcelfi <Iiehl> von mitliden von seit unlz ze nonzit erlöaehen
mit einer grossen etinime ze dinem vatter rfiftost; o unerscbepfter
mnne des lebenden wassers, gedenk, wie du an dem crutz ersigde
ud von abri^et' dune also tiirstiger wurd, wurd du mit essich und
sUen getrenket und do gespreebt: „Coueumraatum est", wie du
inem vatter din lieiligen sele befälchte, o ein kinig bimelrichs nnd
ftrichs, von dee todes wegen alle elment und die bimelscben ge-
frae mit ungewonlichen eacbeu battent ein mitliden ze erzfigena
BS gewalteH. Herre, nnd nacb dinem bittern tode al^o ulf erhenhte
1^ liest db dir din siten mit einem wessen sper uf tttn, dar umb
RE du mit dem blttt nnd wasser, [G7^J so dar us ran, alles, daz
it und dürre was, wider erkiktesl und mit dir, dem lebenden
runnen, alle ti'irstigen hertzcn trenktest. Dar nacb wnrd du von
em crfitz genomen und begraben, du bist an dem dritten tag er-
;anden und an der gite dines vattera als ein herre aller dingen
eseesen, und hast nisus alle ding mit dinem tod zi'i dir gezogen.
übe mich zQ dir, gemintter herre, und empfach mich in diner gnSd
urch din grundlosen erbermd und verlihc mir, daz daz kostber blftt,
az du sam ein unechuldig lembli fitr aller der weit vergusde, vor
en ögen dins geberers für mich bitte unil zii mir gnediclich neige
nd für alle min sänd als ein lobliches opfer gantz bessrung volleiste.
ED flucht, min schirm und min erläser, bis ermanet diner grund-
minne, die dich betwang ze dem aller bittrosten tod an dem
n des crutzes dur mich ze liden, daz du min misseiät, die ich
nreiner sünder han begangen, milteklich vergebest und mich vor
6nftigen Sünden und vor allem übel in diner miiinewunden diner
1 befaütest, min genge in den wilden freisinen uff ein beilig ende
t Dnd mü* die bescbfiwede diner ewigen frAd verübest! Amen.
1 und du dioen t
;e] negeit t
i lieht fihll 2.
B und du mit einer gr. st, i
I Von dtr 6', big nur 9. Stunde (Luk. U3,44l. t> Itninue dee lebenden
e ^3,1 f.: vgl. 365,37 ff. 8 Joh. 19,30. 13 weBsen von
4 wesee = »ckarf. 17 f. Vgl. Si/nihotum Apn/itolorum: ttrtia dir
i mortviti . . , sedet ad dtitrram Bei Palris omnipoletUü.
I neige ergäme in {den himmlischen Valtrl. 25 — 31 Latetniaeh als
XI im Curmg. — Sacht = z&vlnht (r^itgiitm). 30 Curtits: grmiu
f in huiu» vitae fluctihits (=: frcLNiiiPn) ad sanclum Jiurm dirigas.
IL
<Uie vahet »d daz ander capittel des nilnneböchellna.>
0 aller BÜsseste himelscbe magt Maria, du ims allen sdiönen
sam die gilyen der tetre von dem abgrund der gdtlichen kunst and
wisbelt biet ob erweit, dnz du deu begerten aller der weit mit dinem
megtlicli lip enpäengest nnd als süsseclicb erzugest. O reine frow,
do dir die junger mit [68'] weinenden bgea die gevangnüse diaet
kindee kunt tätent.Cdo wurdent alle die müterlichen ädern bewegt
von grimmen schrecken,] do giengt da zii der tür her Annae has,
ob du din kint ienu mAhtest gesehen; dn wurd du dannen berlicb
vertriben noch enmobtest nut hin in komen, nnd dar umb weioetesl
bitterlich und sprecht: „o min aller Hepstes kint und ein spie^el
miner "gen, wer git tninem höpt waeser und minen Ögen einen
brunnen der trehen, daz ich geweine daz aller graste mort. das
minem zarten klnd dirre naht geschehen ist?" Und dar nach da
giengt du und Maria Magdalena umb daz hus hin nnd her,
vil lichte üweru geminten raeister ienont m6htent gesehen in M
grossen angstlichen n&ten; und do du erburtest Sant Petern, der
zwelffbotten fürsten, sin bi dem eide verlognen, frowe min, and alle
die andern berlicbe, die sie im an tatent, daz dir do von dem grossei
hertzleit nach waz gebresten , nnd do Baut Peter gegen dir ae den
huse gieng und dir seite , wie dines kindes antiät so jemerlicb wer
I entreinct, da von gewnnd da an dinem bertzen nnmessig bertzleid,
o röslecfatei- blQm; dar nach mornent frä, do din kint von her
Annas hus in Gaypbas hof ward gefürt, do ersteht du in an den
weg und 5ch sin minnenclicbee, 16tseliges antlüt, daz din hertz dike
hat erfröwet, so jemerlich verspÖtzet, und do du mit kleglichen
Worten zA im giengde und in woltest han umbvangen, do ward du
von in mit ir nnmilten worten und banden nnwertlich von im Ver-
stössen, Aber DU sihest du in eweklich [68'] in siner glorie richsen.
Enpfach mich, reinä frowe, in dinen sundern schirm nnd erwirb mir,
daz din einborn sun mich vor allem ungeordneten leben und minne
1 Üherschi/t aus der dtf 1. und S. Kapitels ergänzt. 15 liin]
2ff, Vgl.Bäitw36S,^ff. — gilyen der telre = iföAei.5,1. Vgl. Bdtic 243A
ist. Vgl. Bdem 368,6 ff. 19 berUche. Subft. = 1 !nfrranrllichkat, FrirJ-
»tligktü; von berlich Adj. = offenhar. itleU mit wigäntligir Kebinbeji
(itgl. Schwab. Wllwh. 1,647 f.l.
Miniieliäclilctii. Kap. II. 545
nd schädlicher heimlichi behüte und mir gnedecUcb verlihe. daz
in liden in mir gewinue ein sÜBsee zönemen, rIso daz alle andre
üssekeit to mir ab neme. Amen.
Immcdiatiim refagium etc. 0 mittelloBÜ Hueht aller
linder, aller milteste magt Maria, du man din kint use fürte ze
Sden, do enmohteet du 7.ft im nit konien vor der groBsen mengi des
olkes, aber mit hertzjejde du und Maria Magdalena füriüffeut in
in andern weg; do begegent er dir vü jenierlich entschSpfet und
icigt sin hSpt gen dir gvitlich und sprach: „ach, mftterl", als ob er
pr&ch: dir si gedanket alles des, dn inir ie getet, und sunderbar
1er jnngsten trüwe, da/, du im mit tniwen bi stündt, do in alle die
»reit hat gelan, und im nach iltest mit grosser bitterkeit bis nnder
len galgen des crätzes, und in da abgezogen bedaktest mit eim tüch
Iin8 höptCB, — 0 gemintter blüme aller gnaden, wie din hertz doJ j
'on dem grimmen klecken der egstlicben hamerschlege des annegieuB 1 ^ ^
tines kindes, do er ward durscblagen, <erzitrei>, wie din gewant
'on dem kostbern blftt, daz da rnn von den wunden dins einbornes
[indes, wart begossen! Din hertz was dn vol jamers und bitterkeit,
lar umh wan du din kint, daz dich, sin zarten möter, dicke in
iner kintheit so lieplich hat an gelachet, secht vor dinen 5geu in so
^sser angst und bitterkeit so scbamlich hangen nnd im alle uneren
irbieten, und du im in [*^9'] keinen sinen uöteu ze statten mohlest
Eomen; dannan von wart din sele mit dem swert heru Syraeones
nanigvalteklich wunt, und do wurd du von dinem kinde dem lieben
unger Johannes bevolhen. Dar nach, do du in secht mit dem , ^lovf
ressen spiess stechen in sin siten, do was dir nach von uumnht
lebrosten, und alsna, ein mflter aller gnaden, do wart dir aller trost
lenomen durch mentBcblicbes heiles willen. Eya, dar umb, du unser
^minte fürsprecherin, kera din ögen der erbarmhertzigkeit zil mir
nd «rman din kint aller der Wortzeichen, des jamers und des leides.
K» dn an einer marter hattost, daz er von diner niiltter bei wegen
16 eraitret fahh : 28 dax umb do du i
t'"-
r-
tit Bd*tBS63^5: du bist docli daz raitteUoB mittel sLer «ander. Vgl dk
. lAd. 15 klecken, schtr, Vrrb. —■ tmend schlagen, treffen (LtJr. I.IGIOJ.
igeÜith=tgMUch,sc/ineki:eh. 19f. Vgl.Bdttpät!7,-J3ff. Q2{.BdeirS69^;i/.:
eh Inget« nf, do eninoht ich minetn kinde nit ze staten komen. 23 f. Vtfl,
lui. 2,36. 26 f. Nach Brltr :iro,:!2ff. 1,-at die Olmmaeht KirkUch ein. —
sa möter aller gnaden =: Bdtw 363^3. 29 f. .Saiee lUgina: rya ergo,
tävocata nostra, iilo* (not misei-ieordtn ociilos ad iios eonverte. Vgl, Bäew 364,11.
H. S*B«B, D«I>B)
w
54(3 Minnebüchlcin. Kap. II.
mich der weit leren sterben und usser mir ein erwünschten mentsclien
mache, und daz antlüt siner erbermd niemer zornlich von mir kere,
und mir stätikeit untz an min tod in sinem liepsten willen gebe.
0 virgo etc. 0 aller schönstü magt, der kleglichen geberd
menig hertze ze erber m bewagde, als ob du ir eigen müter werist 5
gesin, die dir erbunnen, do sü sächen den grossen jämer und leit,
so du von dinem geminnten kinde hattost in dinem reinen hertzen.
wer git den ogcn mins hertzen, daz sü dich sehen vor dem erütz
stän und als erbermclich uflF sehen und dins einbornen kindes arme
so trutlich enpfahen, so gütlich durchküssen und an din minnencliches 10
hertz so lieplich truken, do sü von dem crütz gelediget wurdenl
Ach, herre got, wan hetti ich gesehen daz heil mins antlüttes, do
jL^ (er von dem crütz wart geloset, wie kläglich er do in diner müter-
' liehen schoss lag geneiget, [69^] und hetti ich och gesehen din bitter-
liches weinen und din jamerliches clagen und den wOff, so da dar 16
nmb hattest, daz din süsses kint als gremlich was ertödet und da
alles trostes do wurd berSbet! Ach, zarter gott, wan hetti ich ge-
sehen ze der kläglichen stunden den geminten sant Johans nff sineg
geminnten hertzen cläglich Valien, sant Petern loflFen und bitterlichen
weinen, Marien Magdalenen ab iro toten meister so cläglich vor in SO
allen gebären, wie sant Jacob sinen brüder, daz heilig antlüt, daz
im als glich was, do weinet und claget, und wie die andern junger
alle ir lieben meister klageten und bitterlich weineten! 0 reinü
magt, ach, wie was der bitter schmertz dins reinen hertzen do so
gar unmässig, wie waz dins hertzen angst do so unlidig! Ach, Ä
aller süsseste magt, nu bit ich dich, daz du mit dinem leit min hertz
alle zit in der minne dins eingebornen kindes enzündest, und mich
so, einiger schilt aller sünder, vor aller anvechtung behütest. Amen.
0 f 0 n s etc. 0 voller brunne aller wolluste, süsse und himel-
sehe Junckfrow, do der grimme tod dir also din gemintes kint. einen 30
V
24: rillen z
4 f. u. 547,20 f. V(/l. Bdew 27ü,19J\; 271,27 f, 6 erbunnen = erblinden.
Pracf.von erbunnen, mhsgönnen. Sinn: sogar solche Her een, welche dir (anfange >
deinen Jammer tnisitgn nuten, ivurden zu Mitleid gerührt, 9 f. Bdetr 275,llß-:
wie inutcrlichen ich do sin toten arme enphieng . . . zu minem mfiterlichen herzea
<laz einig; iizerweltes zartes liep trukte und sin blutig vrischen Tinnden, sin
totes antlüte durkuste! 15 wnff = Jammergeschrei, Klage: wufen, wfifen
(550,20) — laut Jammern, Jäagen. 21 Gemeint ist Jakobus d. Jung,, der
..Brudvr des Herrn" (Gal. L19). 29 Bdew 263,16: paradjs aller wollnst.
Min Debücb lein. Kap. II. 547
behalter aller mentscben, hat benomen, und er dich, ein magt ob
Stilen creataren, eines tages des früntlichen troEtes nnd des süssen
Sebes, so du nianig jär mit im gehebt hntteet, hat bcrSbet, do be-
wertest du weinendlicb mit müteiliehen nmbvengen. das man dir din
erst erstorben l^int liessi joch also toten und allermenlich widenetn,
den sü dir lebenden und vor allen mentscben lötseligen nüt enlassen
wolten; und do man dir daz [70'] verseile, do begertest du, daz
man dieb mit dem dinen geiiiinten vergrübe, nnd do dir daz och
yerzigen ward, do vielt du von wetündem leide uff daz grab, und
do dich din pfleget Johannes dannen füren wolle, do schniwd du in
an jenierlieh, da?, er dir ndt die berlichi nnd daü unliep lete, daz
rlieh also von dinem aller süssesten kind schiede, und bäte in,
daz er dich da dines endes gcbcilen Hesse, und also, o du bildriches
exemplar aller reinekeil, von dinen so kleglich Worten do wurden
Alle, die da stünden, ze erbermclichen weinen gereisset. Dar nach,
I dich der geminte junger dines ungedankes von dem grab gebracht
id dich in die statt fflrte, o aller wnnneclichste magt, wel ein
merlicb gesiebt do wurd dem volk, do es dich ingän sach mit) i
IflLigem gewand, als du under dem crütz ward gestanden, do daz ( w***
ilig hitzig blüt uff dich geruunen was, dannan von öeh die sleininä J**^
irtzen ze Prhermd wurden erwecket! Aber dar nach, als du von
nes kindes marter wurd jemerclich verwundet, also wurde von
aer nrstende, do er dir so wunnenclieh erschein, hcrlzeklich erfrowt,
id bist ntl so würdcciich in der himelschen pfallentz sam ein edlü
anabel des obresten künges ob all himelscbbait von dinem geminten \
Dt erbebet, da du ein sunderbare fürsprecherin bist aller sünder, 1
m gottes wegen du also gewürdiget; und dar umb, du müter der I
ibermd, spreit über mich den blütfarwen mantel, der von dines ein-
»bornen kindes blöt ward übergössen, nnd beschirm mich [70'] dar
ider, beidü in liep und in leid und in dis zites widerwerlikeit,
■wirbe mir ein volkomen ende mit rehter bescheiden h e i t und mit
intzer zAversicht und gSlIichen tröste, also daz ich din gemintes
int ze der rechten baut sines valters frölich werd niessent in siner
rigen günlichcit. Amen.
6 labenden i
3«. Vgl. Edfw Knfi. iX>. 18 3. i'ila 37.4^6: nie eilen dekl ich ü kora
[«nde ftleo blSträsig des bixzigeu blSteg, daz uf si hatr g^tropfet,
lS8 Vjrf. Gf Bfb 416,16. '24 himelBChe pfallentB =~ Gr Sfh 4ö7^.
96t. Vgt Rdew 243,2, ff. 271', SaJre Jlcgina: mattr müfieordiat.
548 Minnebüchleiü. Kap. III.
III.
Hie yahet an der dritte teil des bAchelins.
Ein liepliches kosen der sele under dem crötze mitirem
gemahel, dem abgelösten Christo.
Quid, dilecte mi, was, min geminter, was, ein erfüUi aller
miner begirde, was sol ich, geminter herre, ze dir sprechen^ und 6
ich von minnen bin erstummet? Min hertz ist voll minneworten.
k6nde sie die zung für bringen! Es ist grandlos, daz ich bevinde,
es ist endlos, daz ich minne, und dar umb ist wortlos, daz ich meine.
Hier umb du bist min künig, du bist min herr, da bist min liep.
du bist min fröd, du bist min gute stund, du bist min frölicher ta^. 10
du bist alles, daz sich mime hertzen fruntlichen gelieben mag, and
dar umb, waz, min gemintter, was ist der rede öt me? Du bist
min, so bin ich din, und daz muss iemer stäte sin! Wie lang
sol min zung ungeredet sin, so alle min inrekeit also riiffet? Aid
sol ich dar umb schwigen , daz ich den geminnten nit liplich bi 15
mir gebaben mag? Nein ich, bi nöte! Der, den min sei da minnet
so togen, sehent den mit mins hertzen 5 gen, 1 Agent sin, nement
war! Ich sich minen geminten under eim wilden öpfelb5me rüwen.
er ist lass von minnewunden worden [71'] noch emmag sich selber
nit enhalten ; er hat sin hopt geneiget uflF sin geminten, er ist un<ler- 20
stützet mit den blümen der gotheit und umbsetzet mit dem senat der
jungerlichen würdekeit. Nu vach ich an mit urlob ze reden, wan
ich ein äsche und ein gestüppe bin von eigner verworflenheit, und
wil reden ze minem herren, gen miner gemahlen, der clären und
zarten ewikeit und wisheit, nieman mag mich gewenden. Ich will 25
mit minem geminten kosen, wan das beger ich von hertzen, e daz
er minen ogen werd undergezogen und e daz er in daz grab mit
salbe werd verborgen.
Xu sag mir, min gemintter, waz das meine, daz dich min sele so
II alle r
4 f. VglBdeio 304y4f, 7 f. Vgl Bdttc 306ß f, 12 f. Vgl Hofiei 2,16 :
Bdeir ^67,4 f. u. oben 53744, 16 f. Gr Bfb 461,4 f.: nu schowent, ellü
hertzen, sehent in an, ach gcnt in ogen minem geminten, lügent etc.
18 Vgl Hohel 6,5. 20 Hohel a. a. 0. 22 f. Vgl. I Mos. 18,37,
26 f. Vgl. Bdew 27fi,9ff. 29 ff. Vgl Vita Kap. 1 u. 3: Bdeir Kap. 1 und
Hör. 30 ff.
MinaebücUein. Kap. lU. 54^
lang und so inbiÜDfitlich lieste suchen und ich dich nie künde vindcnV
Ifh siechte dich durch die naht in der wollust dirre weit, nnd do
tnvatid ich niit denn grosse hertzlclieh bitterkeit, in menBchliehen
Tillen emzigen bctiiibt und trurekeit; in der schäle der uppekeit
Icrntt ich von allen den dingen znifelen, noch envand ich dich niena
dar inne, dii laterö warheil, und dar omb so volgte ich minem eigen
nülen und ffir also über gebirg und über gevild unsinneclich als
ein ross, so es ist unge/.&niet, daz mit ungostumkeit eins Unheiles
ii\ dem strit ilet, und was min ermü sei in der tieffen vinstri ver-
ieret, si!i was mit dem schmertzen des lodes nnd der helle dick um-
geben, mit den wutenden giesscn der nngedankheit jemerlich besgffet
ind mit den stricken des ewigen todes umbhalbet. In allen dingen
jrzögtest du mir [71'] manig übellich widerwertekeit; aber do du
iveltest und es dir geviel, do santtost du in mich din lieht und diu
ivärheit, daz mir vor zemal was uncrkant, da kertest dich und
^kicktest mich, und von dem abgründ der erde widerlirachtest du
:nich. Uar nach do habtu mich wider uff erbarmhertzclich, do ich
gefallen was, du wisetost mich, do ich verieret was, do ruftest du
mir siisseclich wider, so ich dir endrunnen was, und erzogtest ge-
iverlich in allen Sachen, daz da gewarlich bist der erbarmhertzig
^ot und daz billicb ist, daz ich mich nn aller dtser weit eol benemen
and von gnind mins hertzen mich dir sol geben.
Und dar umb, adi, ade der valschen weit, hüt und iemer mel
L'rlob hab die valsche weit, die minne, verderben inftss die gesell-
»haft, die früntechaft, die ich der weit bis her an allen dank han
geleistet, wan ich mich wil zemal dem geben, der mich hat behatten
and als mengen und solioh, die als löse waren, bat iertes lan ge-
bogen und in den blftmen der jugent lan erstorben, und mich zä
im Bo erbannhertzklich hat gezogen. Da von, selc min, so soltii
lohen nnd gesegnen beissen von dines hertzen grünt dem, der din
jugent bat ernerret und ernuwret als ein adlers^ lob in, aegen in
and erheb in ienier me eweclich, und vergiss nit des manigvaltigen
WeB, daz er dir hat erzögt!
izigeu ,■ B ä((1» du ist riellticM du r» h-ntii
3 Kj^I. Hohtl. 3.1. 6 von allen den dingen ewifeln, i'ffl. jmm Ftr-
I Sdt« 301,r f. 8f. Vgl. Jih 39,10 ff. lOf. Vgl Fk. 17,i.
■j* ff. Vgl Pb. 43,3c 70,30. 19 lidnn 3i>2,l3f.: do ich dir endrinnen wolt,
t^tutteat du mich so sÖKeklich geTangreu. 2a Qr Bfb 41l,5f.: dar umb
adi, ade, got gnade dir tiöl und iemer me ! Vgl. auc/t 410,17. 24 Vm- minnc
Ut «Ullticht an Adjektiv ausge/allt,,. HO t. Vgl. Pa. lOiilfi.
1
550 Minnebüchleiii. Kap. m.
Nunc igitur, dilecte mi, nu dar, gemintter min, ich bitt
dich, zöge mir, bist du es, die obrest [72'] selikeit, die min sele so
begirlich hat gesüchet? Aber ich weiss für war an zwifel, daz du
es bist: du naturlich kunst hat dich gen mir vermeldet, du götlich
kunst hat dich gen mir gnüg erzögt, und dar zfi alle creatar heint 5
mich gewiset, daz du es bist ! Und bist du der, des antlüt alle die
weit begert, wie vind ich <dich> denn so gar erbermclich ligen nnder
dem schamlichen holtz des crutzes? Ich suchte din gotheit, ich
vinde din mentscheit; ich suchte din günlicheit und du erzugest
mir din erbeitsälikeit; ich begerte süssekeit und vinde bitterkeit. 10
Waz sol ich nu sprechen? Herre, du hast mich verwiset und bin
verwiset. ledoch weis ich wol an zwifel, daz du alle dine din^'
ordenlich hast gewürket in rechter wissheit, und du enlät nit berüren
daz, bessrost denn du mir daz mittel. Er enschowet dich nit in
diner hohen wirdikeit , der dich vermähet hie ligent in diner ver- IS
worflFenheit. Sid ich nü funden han den, den min sei da rainnel
wie möht ich mich denn vor weinen enthalten, so ich dich so er-
bermclich vor den ogen mins hertzen sich ligen? Und so ich dich
so mit cleglicher stimme höre weinen und clagen, waz ist mir ze
tfine, denne dich, lebender brunne, mit wüffendem hertzen und mit so
weinenden ogen under die arme mins hertzen so trutlich umbschliessen
und zti mir trucken und süsseclich mit bitterlichem hertzen dar-
küssen? Mir sint nüt widerzem die bleichen leftzen dines niundes
noch widerstendig die blutigen arme dins libes, me si liebent dich
mir minnenclich und eignent mich dir gentzlich; won so ich diehft
vor mir ligen <sich> als einen toten mentschen, so tun ich als
ein listiges [72^] tübeli, daz da haltet bi dem vollen wäge, und ker
uflf min rehtes 5g ze der hohen magenkraft diner gotheit, und also
vind ich dich, der seiden hört, den da got und natur vor allen dingen
hat geziert. »
7 dich fehlt z 19 cleglichen z 20 denne] und z 26 sich fthh :
2 f. Ganz ähnlich Bdeiv ^02,3 ff. 4 f. du naturlich kunst = P?tüosnj'liit
(B(bv 340,13: Kl Bfh 38bi,2); du gotlich kunst = Theologie, 8 ff. /»W<^
^04,:J8f.: ich such alles din gotheit, so hütest du mir din menscheit; ich sich
din suzigkeit, so hebest du vtir din bitterkeit 13 f. Sinn: du hitsi ^cf
(die Gottheit, Herrlichkeit, Süssiykeit) nicht berühren, bevor du mir das Hiftdtr-
nis trc[/schaffrst. Vgl. Bdew 205,1 ff. 16 Vgl. Vita 173,6 f.; Hohel. 3,4,
18 f. dich = Christus, nicht Maria, icie Preger annimmt: weinen «. tiigö'
sind transitiv gebraucht (vgl. 546,16 ff. 27 Vgl. K. v. Megtnberg lbO,i>ß-
u. Jlohcl. 5,12.
Minnebüohleiu. Kap. ITl.
0 sydera erraticia, o ir irregenileD steine«, icli meine
üeh, unsteten gedenke, ich heswer üch bi den geblümten roseu und
den gjlien der telre, ich mein alle geblümten heiligen mit tii^renden,
d»z ir mich nngemüiget lassen! Scheident von mir ein wil, l£nt
mir bi im werden Joch ein einiges stündelin, länt mich dem geminten
besprechen, Unt mir ein gflt bi im geaebehen! 0 alle min inren
Rinne, ir s&llent sin war nemen, hertz und ogen sond ir im gelii^n,
Iran dirre ist min geminttcr, wiss und rot ist er und usserwelt von
■llen mentsehen diser weit! 0 aller süssester Jhesu Ghriste, wie
lelig die ögen sint, die dich lebenden in dem libc sahent uud dinü
lUer siisestcn wort horten! Wan du bist der miiinenelich, den allein
Ime glich disii weit bat lür bräht; din höpt von sincr siiiwelen
bätselikeit gelichet sich des himelB genlatt in siner hohen Schönheit,
Irol wirilig ist es, ilaz es sy ein hopt der weit, und des höbtes
[lider sint alle die usserwelten. Die t'alwen Ificke des 8ch6nen böptes
änt gedrnngen aam die wnnnenelich beide, die wol gezien ist mit
Uäygenden studen und mit den grünen zwygen; aber ietuent ist es
fon den wessen [TS'] dornen jemerlich zerzert allenthalb und ist
vol blfitiges towes und der nabttropfen. Aeli mir! sine ögen, die
SD als dar wärent. daz sii der sunnen glast sam des adlere sähent an
alle« wenken und sam der clär karfunkelslain lachten, eya, die sich
ich DU erl5scben und nmbbekert als eins andern toten; sin bräwen,
die da warent sam die schwartzen wölkeli, die da swebent ob ili-m
glast der sunncn und den schon beachetwent, sin uaae, die da was
HB gemeit sam ein ptiler einer schönen mnr, sin rSseleehten wangen,
die da brunnen als die rosen, sint nö von unfletikeit entscbÖpfet
und erbleichet and gar magerlich gestellet. 0 min geminter, wie
bist du dir seihen so gar ungelich worden! Wan din zarten lefttxen,
die da sint gewesen als die roten röseli, die noch nät us geschloffen
•21 luargerlich s
1 irregendeii stemen, vgl. Jud. lä. T Vgl. oben ä4b,lt)/. Anm.
8 wiB und rot, vgl. Bohtl. 5,10; Bdftc 199^. Uf. Vgl. Ephei. I,:'ä. i.läf.
15 ß. Iiie folgendm Aimffihrungen (vgl. schon uben 641^ f.) haben als Grixnd-
Itigc — neben mehrfacher Benüttmng des Hoheliedes — das Schönhn'tsidtal det
MüUlallert, bctondtn der hl>fi»chen Kreüe. Vgl. darüber A. Schult», Quid de
perfecta corporis httmani intlchriiudine Germani eatc. XII et XIII settsirinl,
BBbil.-Schrifllbeii.Ders., Das höfiselte Leben 1,165 f. 19 Vgl. Uohel. S^.
> äOf. Mtgenberg Hi6,iiff.: der Adler hat so scharfen lilick, dats ti- die Sonne
I lÜB waiitfi" ansehen kann, und anerkennt nur die Jungen ah die Seinen,
I infcA« daxH im stände sind. Jihenfo schon Atirjuslinus, irnct. äii in ./oanu.
I "■ 5 u. .»B Physiologas.
552 Miimebüchlein. Kap. DI.
siut, din muDt, der da waz ein schul aller tugent und künsten,
uss dem er schankte alle kuDst und liste, wan er ein tabem was
der süssekeit, der milch und des honges von den süssen, lustlichen
Worten, die dar uss ilussent, die da trunken machten die andechtigeii
hertzen. — der munt ist nu gar verdorret, daz du kusch zung dem 5
rächen an haftet von dörre: din wolstendes kinne, geschickt als
ein gefuges telli zwüschent den bühelen, ist schamlich entreinet, und
din aller süsseste käl, von der die aller süsseste rede us schal, daz
alle die, die sü horten, von der süssen minne sträl geschossen wurden.
du wart mit essich und mit bittren gallen verbittert. Ach mir, wel lo
wie ist verdorl)en din wunnencliches antlüt, zemal l&tseliges als ein
[73 ""1 paradis aller wunne, an dem alle ogen süsseclich geweidet
wurdent! Ich sich doch, daz du nüt hast < Schönheit > noch gezierdel
Din lütscligen hend, sinwel und eben und schön, als ob sü getrevet
sigint, und wol geziert mit edelm gesteine, und din gebein, sam die 16
marmelsülen, die gevestnet sint uff guldin stocke, sint craftlos worden
von dem unmessigen spannen , daz sü hein erlitten ; din zarter lip.
als ein ufferhöbtes gefüges bühelin wol gestellet, daz mit den lylien
ist wol umbhalbet, der ist nu mit bifit begossen und als tünne von I
dem engeschlicheu spannen worden, daz man kuntlich alles singe- SD
bein m6hte zelleu.
Was sol ich me sagen, min gemintterV Alle din glider sonder-
lich und überal, die sam ein voller huflF der gnaden die sinne aller
meutsehen trunken machten und von begirden zc im zugen, die sint
nü von tötlicher gestalt dar zö worden, daz si alle sinne der, die»
dich minnent, von bitterm leide hertzclich verwundent, 0 heissen
trehcu, nü giessent us an underläss von dem grünt mins hertzen
und begiessent alle die wunden mins geminten! Wan weles herti
mohte sin als isenin oder als steinin , daz nüt erweichen mühte so
vil angstlicher wunden, die so nüwlich dir, süsser, behalt sint worden? 99
Eya, min aller süssester, wer git mir, daz ich für dich sterben
müge? Ich heger, daz alle min kraft mit dir ersterbe und alles
i:3 sclionhoit fehlt z 17 daz din zarter 1. z
H V<jL Hohel. 5,16: f/uttur ilUus SHavi.ssitnHui. 9 der siiüseii luinne
Htral. n/L Gr Bfh 43:t.:> u. die Anm. ehä, 13 Statt Schönheit ist riiUekhi
gestillt Zf( ergänzen : vtjL Is. 53^^: non est spev.ies ei ncque decor. 14f. Hohcl.r.l^'
maiius iUius tornatiles , fturan', plcnae hyacinthis, 16 f. Ebd. o,16: rrura
illi'is cohimnat' marunjreae, f/iiaß fundatae xiint super hasts aureas,
18 f. Vf/l chd, 7,i\ 20 f. VifLPs.nM, 28 f. Vgl Bdcir T^ll^
M II Ki"n. lh,33. Vfjl. Kl Bl'h 3:ü,!?:>J\
lUinuehüchlein. Kap. QI. 553
^beia mit dir eitödet werd, min sei mit dir riß gebenket werd.
wie g&r seleelich der stirbet, der mit dir uff den plan als e\a
«her kempfer in den strit [74'] der tugenden triltet, der wvder
i leid entwichet nocb von liep wenket, wan daz er vesteklich
Itet nnd dtircbnillecliob alle lag etirbet! Wirt der Di'it eÜEsclieh
mmdet, der emselich nach dinen vYimden trabtet und von der be-
htnug wegen von aller widerwprtckeit wird erlfisetV
) Gonsurge, consnrge, vvol uff, wol ulf, hertz mins, Btand
lud bekleid dlcb mit gottes eterki, gebar manlich. bis frum und
pi dich kecklieb, fürcbt dir nüt, gang nit me wider binder dich!
1 BOlt niemer me geflieben, hab vor dinen ögen dinen kilnig und
Ben leiter, der für dieb so kreftenklicb hat gestritten, der so
iicb wnnden so gedulteklich bat erlitten, und der den tod mit
bittern tod hat überwunden und der dir sin zeawe baut bat
;en ze hilf. Und dar unib solt da frölich striten gottes strit
Golyat, ich mein den bösen vieut. Läge, hast du schirm den
Bterkensten, die tieden wunden sines hertzen; swer zA der flüeht,
wirt bebalten. Uis ist die aller sicbrest statt von Engadi, die
ngesind ist vor beschlossen, und altein den reinen geisten
lä kunt und offen. Hie her solt da in aller diner widerwertekeit
80 wirst du wider alle diu vient behalten.
Sich also, geminter minr, die wil ich leben, so wil ich din
n mit bitterkeit mius hertzen betrahten. ich wil in virren ('(')
wil an dir allein, du zarteus minnebüch, studieren, wan icfa
ür, roUer brunne alles des, daz begirliob ist, vind guad und
alles, daz gebreatlich ist. Di'i bebüteet mich doch vor be-
in^ und alle widerwertekeit. so vind ich an dir den aller edlesten
^3 bil'ler ze lebene und ze komen zfi dir, hosten vollkomenheit,
id dar umb, was euch ich me von dir uff dirre erdeV Min
id min hertz daz müss gewinnen ein abnemen gen aller eer-
iicbeit, wan du bist der got niins hertzen und min teil in zit
ewikeit. Geniintes liep, ich vind an dir alleine alle min
le, nnd dar nmb, so ich din minne allein ban erworben, so ist
idi <hett> alle di«e weit besessen. Uin minne, geminter min,
34 hm fehlt £
Bf. Kl Bfb 37'),24f.: t.6 hfit als ein framer man und grfinr kcohHch
».Ä)^*J nnii war dich friidilichl \'fl. 36S.I5J. IS Vgl. I K/..i. 24,1.
= dir höatn GcüUr. 23 VtrdtrbU Sttll«: *» teheial etfaf
Ferren, fem sn-i r 31 1 Fa. 7S^i.
554 Minnebüchlein. Kap. III.
Übertrift in mir aller frowen minnenclichen schin, wan alle ge-
bildeten geschaffenheit ist kum ein kleines worzeicheu und unzallich
fürwesend von diner hohen ungemessenheit und eigenlich erzögende
dich; die ersten sache und einen Ursprung aller genuhtsamkeit
Eya, nu dar, sele inin, ich bitt dich, daz du dis in din hert« \
schribest und emsklich dar an gedenkest, daz dich der betrogen
glantz keins bildes icbt betriege und dekein frömde miuueriu diu
hertz verkere, und daz du icht trüwe brechest an diner aller schönsteu
gemahlen , der ewigen wisheit. Neina, sele min, du ensolt nüt me
hiuder dich sehen, du ensolt nit me under daz swere jocb diser i
weit dich verwetten. Gedenk, daz allenthalben und in allen dingen
ist arbeit und liden des geistes; und wan du doch in dirre weit
niht mäht an liden wesen, so schaff, daz dir din liden nuttz werde,
daz du dar inne als ein frumer gottesritter [75'] werdest, und <tü>
dem also, daz du umb dise kurtzen arbeit erwerbest die iemerll
werenden selikeit. Amen.
0 Jhesu, min aller süssester, min aller selegestu wisheit, eio
wort des vatter, ein ende und ein anevang aller dinge, sich ao luit
dinen milten ogen, daz ich armer mentsch bin ein ungenemes ge-
stäppe und ein krankes fleisch , und daz des menschen heil oit lit i^
an sinem verwalten, es lit an dinem milten begnaden. Ach herr.
gedenk an den bittren tod, den du für mich unwirdigen s&nder hast
gelitten, und behalt minen guten willen, den du in mir bist an ge-
vangen. 0 min erbarmhertzikelt, nu enläss mich nüt, o min scbinn,
scheide dich nüt von mir, o min erlöser, bis mir behulffen, gib mir»
der weit ein sterben und mit dir in dinem grab vor den vientliehen
lägen ein sicher vergraben, daz mich von dir weder tot noch
leben noch keines gelückes gelesse niemer mug gescheiden. Unserä
minn müss von ir kraft den tod überwinden, und dis minnebant.
ach gemintter min, müsse iemer me von ewen ze ewen zwÜ8cheD30
uns beiden also State beliben. Amen.
11 tÖ fehlt z
2 f. unzallich ( Adv,) fürwesend etc. = unsäglich vergehend, zu nichte icerdend.
vor uregtn) deiner hohen Ungemessenheit. 11 verwetten = verpfändtn.
11 f. Fred. 1,14: ecce universa vanitas et afßictio s^piriius. 12 f. 1//^
Kl Bfb :i62,13Jf\ 17 — 31 Lectio II im Cuntus. 19 ff. Cursus: quiapaki''
sum et caro, et quia non ftum volentis neque currentis sed tut miserentis (Röin.9Jf>}'
27 f. Cursus: ut me a ie nee vita nee mors nee ulla fortunae sors septt»'*'
(vgl. h'öin. ti.Sö.oS). 28 f. lloheh 8,6: fortis est ut mors dilectio.
Berichtigungen und Nachträg-e.
Ä W*. tßitr dir. Gotharr Ha. vgl. Uktrt, Beilrage 2, 11^.
S. 1B: Eine Dlmälstr lU. dr» Bdae i«t Germania SO, 256 zitiert.
S. 31' Z. 23 B. 0. Vit 19 BHtff ttaU IK — Htrr ^ofMsor Fh. Strauch
Salle, äsutti Gut» ich die nurangrhimtlrH irie auefi einige der J'olgtnden XotUen
itmir. hat mich mit graroknirr Lithensofärdigkeit auf die Ua. der Harn-
'gtr Stadtbibifotheh Cod. Iheul. 1S8S 4' aufmerkaam i/emaeM, wttehe in
\rift det 17. Jh. tfrtckiedene Myatika, u. a. auch 18 (lüfl Staat- Bri*/e,
fndigl Lsctutun und das Tratament drr Minne enlhäU. Ich kontde die Ua.
It mehr tintehen, twmßt ubrr nicht daran, daan wir in den genannten Stücken
pUm nur Kopien aue Cod. Berol. germ. oci. ÖS» f«. S. 31'f.J, tcoM von
linnanna Hand, vor uii» habtn. Die Reihenfolge der Brief t stimmt genau
t^tr TaheU' auf 8. 311' und eine RamBirmrrliuitg tu Brief IV eetieeist auf
fßudermattnsche Ausgabe ton 11132.
I 8.28'. Predigt II findet airh unlir Tauleriaehtn auch in Hilde sk lim,
Win»che Bibliothek Nr. ?24<' Bl. 73:
l S^ 126' und 161*. In einer demnächst im Afda eracheinatden Besprtehung
lYntter* Edition de» T6s*tr Sehwealemtiucha nimmt Prof, Strauch an,
■ Elsbeth Stagel die Viten vor 1336 verfaitt hat, und tut dar, dasa da*
m der Elsheth cun Ungarn nicht von ihr stammt. Zu dem Auadraek
LnhtfA' vgl auch Ch. Schmidt, Hist. Wörttrb. {a..S.4lil) 115: Grimm
l IV, 1,1056.
f S. 166' Aam. 4 lies 1892 statt 1902. — S, 166' Anm. 3 Ifirl-Duhr
f Diel. — Vüa 2fi,29 zu statt xa. — 97,31 ledoch itiitt Jedoch. — 139^
iatalt dieMr. — -V. S'M untersis Zrilt des Kommtniara lies dritte statt
l — fldf» 309 Z. 5 F. u. mobilia alatt mobilai. — 31(1,1 -iieher imentch-
•} aUM -icher. — Gr Bfb 436,14 stritCD slalt sdeiteri — S. 437 Z. 3 v. u.
|pA 34,236 atatt iJ.
' Vita 32,23Jf. Pndigten Gtiiers Aber dm Baum des hi. Krruies, v>m
'ftontaunntoff bia Oalem 3495 gehalten, befind»» sich in Mi'nem i'rtdigtvtrk
^'4fn Tod, gedruckt Sirastburg 16IJ4. Vgl. A. Hoch, Oeäers Ars moriendi
r. Thtol. Studien IV. 3) 19a], ff.
% »3,7; Kl Bfb 363,8; Gr Bfb 430.19. Vgl. einen ähnlichen Ä'a(-
vga ed.Dtnifie 7,17. 4S,36. Grumllaye i*( wohl Aristoteles, hihic. A'icom.
ibl7.
556 licrichtiorungen uud Nachträge.
Vita 99, n. Vgl. II Kor, 1^,^.
Vita 131,26. Über die Benediktion Nos cum prole pia etc. vgl. A, NägeU
im Katholik 1903 1,341 ff,, der ihr Aufkommen im 14. Jh. nachweist.
Vita 173,11 Anm. lies David von Augsburg, De compos. 111,64 statt 67.
Bdew 2()iiyl8f. Eine ähnliche Stelle bei Bern., De dil. Deo 7 «. J^.
vgl. Kies a. a. 0. 180 A. 1.
Bdtv 355,5. Der Gedanke des 20. und 21. Satzes EckJiaris ßndet sich
in finnai deutschen Schriften bei rfeiffei' 70,12 f. 16; 137,16.21; 147,38 ff. u.c:
Jostes 11,19 ff. Vgl. dazu Pahncke a. a. O. (s. oben S. 151* Anm. 4) 54.
M innere gel 488,30. Statt Philippe ist vielleicht Philippe zu lesen mi
in die Anrede einzubeziehen.
Minner. 492,3. Über die Symbolik der Turteltaube vgl. Strauchs AnvK
zu Knikels Weltchrofiik (Mon. Germ. Deutsche Chroniken IV 1900) Versieh.
Minner. 494,21 drüglich ist wohl eher als Adv. zu fassen = liruclich
fest (^^ermutung Strauchs).
I. Predigt 501,10 f. Richtiger wöre zu zitieren Bern, sermo 3 in Cant.
n. 4: paulatim proficere volo. Quantum displicet Deo impudentia peecntm^,
tantum poenitentis verecundia placet.
III. Predigt 5 J 5,23 ff. Vgl. Bern., sermo 76 in Cant. n. 9: paixuUi
tantjuam agniculis adhartationis lac poiius dafür, non esca. Ad haee bmi
sollicitique pastores impinguare pecus non cessani bonis laetisque e^tempUs ft
suis magis quam alienis. — Für Nachweis dieses und des vorigen Zitats hin ich
Herrn Dr. Ries in St. Peter bei Freiburg zu Dank verpflichtet.
Kollation') zur IM. Predigt ,Exivi a patre' S. 518—28 nach Cod.
Vindob. 2739 Bl. 79^»— 87-»> (vgl. oben S. 28* f.).
l'berschrift (rot): dit ist brftder Johannes de« taulers predigate o"»
Rande: des vunfften sondages na paischen 518,8 liebL] aller minklichste
«prichet 9 und bin 9 f. wider u. — vatt«r] und wil wider gan eO mynein
vader 10 Und — 14 seyn fehlt 16 man in der zit h. m. 18 selb] tat
19 dar kumen
519,1 über] ane in der weit fehlt 2 noch lust fehlt und] b«
6 noch] na 7 1. on allen zwifel nach Christo 9 sicherlich fehlt wic/eW
11 dieser] der ersteit und wirt 15 aber/<?ÄZ/ 16 diser] der 17 beert]
vihe nun fMi Christo] yme 20 hier fehlt 22 vil schone 23 nit ^il
wol 24 bald] z& haut 24 Die siut alse der mertz recht alse . . 25 ud^
— 26 grammat. fehlt 26 Die andere] aber etlichen 27 meister, BMJf
etliche werdent kome gelerit krank latin und hose grammatika. Also . . lieb«]
luincliche 28 herzlichen wol also gar stede vlizich 29 usr] vau oz
ge\v('rd(*n
520,1 [iU)er] irr. d. über komen Er — 2 ausz lagen] iz sint IX »liu^
über die der mensche van not komen möz, der wir ocker vier uz leijen, «Ü^
minstc.n und die nydcrstcn 2 Er] so wer her zö komen wil der 3 üd<1
') Jlerr Adolf Sp'imer in Üicsnen, dvr die THcM^r Jla. eben dorthiM tHÜithen hatti, W **
//'V/iy, die Kolliiti'>nicrnn;t für mich zu hesorf^en. Die rein dialektischen oder »achUch bfdeifiunjil^^
AhircichuHnen niwf iccpgeltfinen.
^htip[llgerl und Nuciitriigc.
ilkhe ilink müsta iiher komeii 4 kommen lllier]
f> ufttjirl. kreffton] ^'«istliche dink zÜ duine dritten
6 daz Werte alle b, . . 7 Zma — über] nÖ n«nien
( willig in t«dts. feMl 9 aooder] ober die
ir 'aS fehlt 10 die alee von künden] horeat 11 oder — das)
lesen oder van sagen iz iat 12 ist fehU 13 uud unsEbr. fihlt
14 solt da] von Dot ealtii 19 dirb dan bilden in dich gelver in
fthtt iJOf. tui domine fihlt 21 du haiz din liebt ^ezeichent
Itcht dines aatlitzie über uns 22 alite etlicbe gat] id»e 25 sencken]
I 26 f, lyts — verloren] verbrenre Jze] zit bit den ainnen 26 dan dÄn si
spricht: got ist ejn geist und die in ane sollent bedeu die v«n anebeder die
it beden 83 «elen und meinunge ejn iureliche eja treselich
6S1,1 tegenw.) in gegenwortich«it beten 6 doch/rA/I 7 «tlirckb.]
6 tredtj ge 9 Der liebe aente Bemhart dea] iz 9 f. aeynen
'k. fthtt 10 aurb] nnd 12 aelver und oucb ander lüde und lais 16 vil
iuwend, üb.] inwendiebeit IS wek nz 19 zS [z3]
^ erkrit'en dan] minder 21 entr.] aber m deme ersten 23 nber-
\ wsn er uocb] alse he 25 so vil
gerumpels] gnibelins fl du eyn m acbone 4 bilt — geaohelt]
Jinne, der die spene äUeine abe acbclte und abe hibe 5 Sprach durch eynen
leten T tuterlicben got bloz in jme ö Über fthli !l ober k6men
tdse die liridenen arietotelei; und boccius [uud Ptat«] 18 mit gr. fleysz]
jrozen vliz haben und 17 innii^l. wol] vil uiinciiuh wek was) weich
1 des Bt'g,] evnis iDgesigelz 19 Aber komit iz in ejnen Hten dar in
!t ic bit gr. a. 21 onch mit fthtt 22 über kSmcn 25 ander frMt
dt eyg. fehit
623.1 uud — uacht] der lüde vindel man die lebent alles wunRches Ton
;en biz z8 naclit 2 dia and fthU 2 1 gebe — ofTeob.] ao vil genaden
i uud so vil oftenbarungeii geben ö in alleyn] aiu 9 eyn altxfi w. d.
W uinb] wie 14 und npracb] biz an 17 meine] inwene 19 in eyn
li] gestochen dar in he nie in quam iz 19 f. Also — leyden und] Aluo
IB niet lidens waz were dan verdynens? In alle diuen 2fi mautel] »cha-
f 29 Nfin — beg,] nä in sbI mau begeren Nit — beg,] ja waz saltu
dn? Niet anders dann . . 30 ab lege
524,3 ober kfimen 4 in meinen ich aterbl, fthli 5 oder in in
mt 7 diuen] diaeme 8 nit] node seyn fehlt 10 im fthlt erk.]
IB sehen sie] aint iz 22 Ob — 23 eyns) ist das X jor gfit und der
i des T. 1. mak sicli eynis
825.2 die lerer ~ kirchen] der heiligen lere 3 das — vertraeht] doz
t der über eyn dret 4 so tred — neder] nnd dret iz da myde ungelicbeit
' — nit] si, in volge ime niet dir und inacht es niet 6 Dise dink soltu
fn der wiseu ober kämen 9 nach dem — Clirlali] aber das alre mink-
B Exemplar 12 boger volk.] vollenkomen 13 zuchtich] gexogen 14 und
•— das er] in nlre gelazcnbelt be 15 ifl dir in fikli 16 gelicbster]
iter 17 mit lür] dar intgein 10 steden] dingen 21 der bilde uns
I [nnd) 22 f, ijherd. — l.'hristi f^hlt 23 also schribet der minekliche
B. S6 gfite fthil 27 unsz ben-en ft!i!i drucken] bilden 28 in
B in bittnen
I
i
558 Berichtiguugeu und Nacbträge.
52(),3 Dyn] eyn 8 gel. mochten] geleuben und leben 12 leute f^Mi
17 oder] alse 19 und haben — 20 mitl.] und dar zö eine alse naturliche barm-
herzicheit haben und eyne mydclidunge 23 dan] sunder übemat. -
^4 liebl. fehlt 26 dar ist] daz 28 das ist] alse wie iz daz der] eyn
527,3 lieb h.] minen der minen so mineklich 4 man] he 5 lieb b.,
miunon 6 zu fehlt 7 Aber] mer nit inweinit 9 dann] aber 10 ^antz
fehlt werde] inbilde 12 Sollen] wie sulden 14 dan] aber 15 soj wie
16 so — 17 euch] so in moget ir niet den heiligen geist intfan 17 Ist — 18 ist)
daz bilde ist recht abe gesprochen, hie versteit daz bilde ist 18 im] in
21 gegenwortklich 22 liebten] minne 25 [mit] alle unse minne und meiunuge
und sinne z&male
528,1 seine] des antlitziz 5 liebe] minne 8 in deme himel 9 und
allen sinnen 10 stellen] dar na stan und giencnd) 12 nit und] niet und
inlebet he niet also 14 minre 15 minner oder] und geliebt und]
gemeinet und so he iz min und me hat gantzem] alme 16 f. uff daz a. h.] ho
17 gdts] groz 18 f. die weil] obe 19 iz ouch in 20 orteilen 23 Ar-
beiten] krigen mit alre ktaft 26 der vatter — 26 geist fehlt 26 amen.
bidet vor den schriber.
Glossar ^\
Abbruch tun, verkürzenSOQfi,
[4:8,3; subsL Inf. 46,12. 426,19.
188,12.
er 79,35.
ihend werden 47,12.
atiÜHse 347,1.
mit Bat, abgehen^ verlassen
133,29. 236,24. 505,18.
len Part, getrennt, abgeschei-
n dem Irdischen) 4,24. 15,6.
85,31. 190,17. 194,24. 218,6.
245,9. 296,27. 360,6. 406,2.
lenheit 59,29. 183,11. 192,18.
388,14.469,18; abgescheiden-
^19. 288,12.
echen 474,20.
t, abgezalt Pari, verurteilt
31,14. 437,12.
), abgnind Abgrund (des göii-
Vesens iisic.) 52*. 21,28. 26,18.
27,20. 181,16. 189,2. 191,26.
206,5. 218,15. 16. 214,4.
245,11. 262,28. 288,6. 290,13.
16. 296,9. 304,28. 805,4. 819,9.
377,9. 432,25. 433,15. 22.
476,4. 544,3.
jit 23,7. 184,6; abgmntlich-
grundl. 88,15. 188,21.
)0,11.
ab(e)ker Abkehrung von Sünde und
Welt 8,18. 29,3. 62,3. 89,26. 504,24.
ab kommen, — kummen mit Genet.
loswerden 58,23. 362,15. 507,23.
ablasB, apla8(s) Ablassen, NacJUass (der
Zucht) 382,4. 463,13; Absolution
100,14. 101,3; indulgentia 625,22.
ablegen subst. Inf. 256,22. 321,19. 478,6.
ablistig verschlagen 119,2; ablistekeit
160*1.
ab losen ablösen (vom Kreuze) 275,10;
MoBung Ablösung, Pietä 143,1.275,2.
Abraham 387,24. 468,28.
ab rinnen 319,1.
ab risen abfallen 281,11.
Absalon 273,16. 378,21. 444,5.
ab schriben 325,19.
ab schuem P. abscheuem 528,14.
ab sprechen leugnen 354,6. 356,16.
abe tön, sich entsagen 431,13.
abyal Abfall, Loslösung vom Irdischen
159,25. 380,3; ab Valien 162,20. 164,13.
168,20. 182,10. 296.6. 453,10.
ab walen niederfliessen 26,16. 84,9.
143,80.
abwank Anwendung (von Gott) 456,15.
ab weg 371,23. 460,20.
ab weschen 185,2.
ab würken vom Irdiscfien trennen 106,27 ;
subst. Inf. 858,10; sich al) wircken
494,18; in abwürkender wise 339,27''.
Fettdruck einer Zahl bedeutet, dass zu der betrefifenden Stelle im
ir eine Erklärung gegeben ist; P zeigt Wörter an, welche aus den in
zw. niederdeutschem Dialekt geschriebenen Predigten 11 — IV stammen.
I
560
(Glossar.
abziehen subsf. Inf. Abziehen (der
Kleider) 36,15. 416,11.
abzug Ekstase 10,10. 190,11. 193,16.
Aclie Aachen 158,11 (Aachenfahrt),
acht, in siner achte i'/t «eiwer ylW 313,23.
achtsamecheit P. 536,27; achtunge P.
612,18.
Adam 168,1. 601,4.
adamas, — z, — st Magnet 274,23.
387,28. 469,4.
adel 26,19. 90,20. 137,27. 28. 166,6.
158,28. 160,21. 162,27. 174,21. 192,6.
7. 304,18. 309,26. 327,20. 336,3. 408,3.
adel(l)ich 69,28. 130,21. 172,10. 194,11.
27. 272,14. 294,12. 301,23. 339,18.
356,13. 14. 391,12; adellichen Adv,
262,20. 274,17. 357,10.
ador, ad er Ader, das Innere 40,26. 44,8.
61,1. 69,14. 92,18. 110,6. 127,16. 27.
270,33. 346,17. 544,7.
adi, ade 361,13. 411,6. 6. 649,23.
adler, adelar, adeler 166,3. 180,6. J81,2.
472,26. 473,3. 15. 649,31. 551,20.
äffe 49*; affenheyt P. ToHieit 624,19.
Agathon Altvater 106,15.
agestein Magnet stein ^21^1.
Airues, Angues(e), sant 10,12. 71,14. 30.
227,16. 26. 428,9. 439,1.
ahzen ächzen 91,2.
äl • • Sm 61 • •
al Aal 9,16.
al, daz 164,6. 170,8; al in al 169,22.
171,12. 175,5; 2i\]ic\i allgemein 169,4.
177,1. 388,3; allich(k)eit 163,28,
243,19. 440,18.
Albrecht, der grosse meifiter 366,13.
alleluja legen 30,19.
allermen(gedich 384,11. 466,13, 507,9.
alnic(c)htikeit 180,3. 292,4.
almui^end i:i5,3. 185,7.
almöjsen 283,6. 11. 612,17.
alrerst eMn erst 349,33.
altar, alter 22,4. 47,6. 9. 50,26. 143,2.
386,28.
alten altem 212,3. 406,8. 430,26.
altvat(t)er, die altvcter, — alten veter
Anachoreten der Wüste W,\2. 16. 21.
24. 28. 104,1. 105,32. 106,19. 107,1.
3. 13: 21. 362,2, 412,3; der altveter
bfich 17,2. 104,7. 28.
alwegent über all, immer 336,16. :350;^';
alwent 366,5. 392,6. 437,13.
amaht Ohnmacht 87,20. 143,6. 386,-24.
ampt Plur. empter Klosteratnt, Auf-
gabe 381,5. 11. 14. 383,2. 431.10.
462.16. 464,13; ambaht 487,4.
anbei8(8) Ameise 888,8. 469,12; an-
beshafen 39,22.
an bissen anbeissen 449,16.
an(c)blik, - g 216,24. 224,20. d^2;^.
416,11. 433,4. 441,11.479,17.493,17.
aii(e)bliken476,22. 479,22. 480,15.493,*2.
494,9; na angeblikter wise 163,1.
andaht Mose. 27,23. 97,5. 7. lOO.lH.
102,6. 103,15. 109,29. 110,3. 111.1^.
116,14. 131,6. 134,36 tisic.
andehtig 198,7. 216,1, 218,5. 364,19.
423,21. 438,16. 476,3; andehtfe^klich
163,26. 194,3. 314,16. 391,16. 476,1.
anderheit(e) Anderheit, Gegefisati im
eigenen Ich 157,23. 177.3. 26. 181,1.
329,19.330,1.27. 334,3. 344,28.352^8.
487.17. 489,18.
anden\'erb wiederum, zum zweiten Ma^
348,22.
andrent auf der anderen Seite 125,8.
and(e)re8t zweimal, zum zweiten Md
35,28. 41,21. 436,5.
an gaffen s, an kapfen.
angebom 387,8. 468,12.
an gehaften 391,2.
angel Angel 284,9. 377,4. 449,17. 454,4.
an gelegen 412,1.
an genemen, sich mit Genet. »ich d"
geben 47*.
angeng(e) der weit Anfang der ir.
246,11. 387,26. 469,3.
anger 33,15. 172,16. 271,19. 374,2:^
447,1. 452,9. 638,11.
angesiht Aussehen 210,24. 276,17. 339,2i'
Angnes s. Agnes.
angrif(f)en 234,2. 368,19. 372,18. 442.10
461,20. 473,20.
angst 219,22; ängstlich 23,28. 116,26.
126,28. 562,30; engeschlich 552,20:
angschlichi 39,22.
uAtihaßni 288,14. 477,18. 20;
ig ie6,-2S.
1 19i(,2. 476,9, 477,12. 17.
Buehieiiittis , Anhünglichkeit
Itu Irdische) m,lS. 309|2i.
, 468,6.
B 427,lfi; an gaffen 439,12.
B 309,29.
0 über einen kotnmtn 66,18.
. 614,13.
i 86,11. 1S1,29. 546,20.
Hüieh 260,26.
1 i>erUuindm 126,15.
ha/ 182,6,
Dt $7,15.
fl*^rtuHdiH 44,14. &i,U. 102,2.
er sa9,27. 29. 644,1. 24 ; Ifirst
,18.
tnttM. Inf. 86.16. 416,12,
D, sich F. 515,8; ungenouieu
290,29. 883,15; aniiemunge
D 82,30.
ftbtt. Inf. 149,21.
- scbowen nuhat. Inf. 36,15.
anschowiiDgc 193,11.
Bii 197,10.
unjin-sönl. 463? Bich Ann.
ansehen suhsi. Inf. n;2\.
.8. 818,28. 382,28. 335,20.
47S,8.
nteknlieh 266,0. 376,4. 447,14.
(iurcA SeMagttt brfutiiitn
Altüaler 105,1. 30. 106,28.
Q bttrtffm 470,11.
a- meBBch 3,4. 8,20. 17,14.
118,20. 162,29. 166,2, 194,6, '
^ 360,10, 366,7. 459,16.
anTalieiiiles l^bcn 3,3.
97,10. 162,16. 251,19, 460,9.
496,27. 603,27.
n 371,6. 16. 458,18. 460,13.
I*Bbi, DntHba SohrltUB.
SM-. 5Ü1
auvelitun»r6l,7. 28. 62,6. 11. 2.'H. 106,24.
116,27. 132,16- 315,32. 498,11. 546,28.
an zenncn anJIeUchfn 252,7.
anaügig vttfahien»ch S66,I9.
aplass «. ublaes.
Apolioniu» Altvatrr 100,13.
apiiatel 490,2.
aiiutek, nppoleck(e) 266,23. 313,26.
427,16. 431,6. 487,2.
aquilo NordKind 451,]&. 452,3.
arbeit, erbeit, erbet Arbeil, Miihsot
39,18. 81.27- 82,12. 120,6. 149,6.
131,6. 164,4. 217,18. 219,22. 234,1.
247,8. 326,20 atv.:; sich iirbeit,pn
«. abmühen 325,26.
arbeiteelig, crbetselig mühs'l'g, leidemi
7fi. 62,21. 90,16. 91,8. 485,10; arbeil-
sellklicli, erbetaelklicb 48.18. 426,22.
ärbeiUeUheit, erlieUelik. 82,18. 84,12.
264,8. 370,29. 660,10.
argwoD 484,9; arknas 229,26.
AriBtotiles 171,12. 428,1. 510,12, 622.11.
Vffl. 177,15 ff.
u-ke Arche 298,18.
annat 46,7. 160,7. 218,6. 246,2. 428,16.
438,22. 475,4. 489,16.
Ar8eDiQB,SBnt38,9.1U4,4. 105,32. 106,17.
arxet, arsat, -d 142,29. 3U1,18. 503,19.
21. 506,18; arznen heilen 51,21. 52,3.
äecbe. eecbe 221,20. 457,20. 548.23.
as nier=als mer 82,13. 118,11.
a«a Aax 377,3, 449,17. 462,1'J.
ABeumptio tiimmtlfahrt Maria 112,6.
Aaweras, kftng 266,18.
äten 285,5; et«mlin 300,16.
AthanasiuB. der heilig 3673>> 440,24.
490,4.
athoiuo, iu 3Si,lh.
AugosIinuB, saut 180,10. 183.22. l;*5,ll.
;i50,26. 501,1. 510,12. fil5«4.
nuüter Sdäicind 451,11. 452,6.
Ave Maria 262,26. 314,19. 318,23. .190,4.
505,1.
Ave praeclara maria Stella 374,3.
aveutAre rtlltrtiv/tts Abenteuer, manäer-
barts KreiiinU 48,26: oTeiitürer der
auf ril Irrliche Wagnistt atusiehl
149,11.
562
(ilossar.
• P.
bad 46,2.
balme, palme Palmzirrig (als Sieges-
Zeichen) 252,24. 371,6.
biilHam ia,29. 252,1:{. 297,21. 479,1.
baltheit Kühnheit 92 8. 221,13. 263,2.
band der iniüne(n) 487,7. 537,15.
baim liann 42,15.
pantier Panther 12,6. 427,19. 452,50.
Paphnncius Altrater 106,30.
pjipyr 822,21.
paradis, -dys 222,8. 240,18. 248,16.
251,25. 259,26. 263,16. 265,19. 23.
266,23. 317,27. 35. 369,21. 432,19.
457.18. 492,25. 501,4. 511,15. 537,5.
:>42,8. 552,12; paradisophel 303,3.
bare, bärü, berü notdurft blosse, reine
X. 261,21. 364,9. 423,1.
hare Sahst. Bahre 88,8; baren auf die
Bahre legen 456,14.
bare, ber Bär 40,22. 427,13.
Barrabas 541,1.
Bartholomaeus, maister vim Bolsenheim
5,18.
passion Masv, Leidensgeschichte Christi
143,9.
Pastor Allvater 105,5. 25.
Pater noster 155,5. 314,18. 395,4. 486,8.
505,1.
Paulus, sant 85,18. 106,24. 160,28. 30.
172,4. 182,11. 31. 186,20. 193,16.
25t,12. 335,27. 357,21. 367,25. 381,12.
388.19. 392,21. 440,22. 441,15. 457,2.
462,8. 477,20. 478,23. 479,6. 480,20.
490,2. 518,10. 519,9. 19. 528,7. 5.33,7.
becher 113,16.
bedo(c)kon 484,20; sahst. Inf. 165,17;
bedaht Part. 186,16. 125,19; be-
dekun<2:e 164,5.
bedehtikeit .500,21.
bederptlicli, bedorb(f)klich Adr. ordent-
lich, kräftig 122,34. 371,27. 460.24.
bedli l:i4;;4.
becst P. Vieh 519,17.
])Oirabet l'art, ausgestattet 5,16. 367,14.
bo«ran ins Werk setzen 280.27; sich b.
.V. ahg(hi'7t ;i(M3.
bet,^crlich(i kraft P. 522,2Ji.
begerun^e) 170,5. 181,7, 196,10. 20(.KK
314,9. 24.
begrirde 209,10. 219,18. 237,10. 41b,.;.
432,17. 433,16. 445,22. 447,33. 45.5,l;i
468,28. 470,12. 471,14. 487,28.41^,12.
begirlich 27,22. 31,20. 32,3. 41,3. 50,29.
99,9. 139,21. 141,3. 153,25. 164,1 u^-^r.
begnaden, begnaden 117,18. 156,6.214,8.
364.22. 375,12. 17. 447,22.29. 491,23.
543,3. 554,21.
begnügen, be(g)nugen unpers. genü^tn
170,19. 290,26. 369,32. 458,7.
begrif Begriff 182,25. Vgl Denifle i»
Archiv 11,463 A.3; begriffenheit 337,3.
begrif(f)en ei'greifen, umfassen, erf<mtn
14,15. 36,12. 164,22. 182,13.21. 193,18.
197,19. 201,3. 206,7. 289,6. 292,3.
293,11. 18. 19. 294,3. 314,16. 387,1.
478.23. 493,13.
behaben behalten 219,22. 297,9.
behagen P. 526,8.
behaglich wohlgefällig, passend 2()6J1'
behahung P. Behagen 5.33,13. 14.
behalten 62,9. 81,2. 206,1. 207,2. 340,14.
663,18. 21 ; behalter Erlöser (Chri^tml
547,1 ; behaltlich habituaUs 351,2.
behangen Part, selbstsüchtig 170,14.
357,19.
beheben /«>«^Äa/*<^ 133,24; sich b. 167.13.
beheften festhalten, verstricken 169,13:
beheftunge 358,27.
behelfen subsL Inf. Behelf Schv^,
Vonrand 7,13. 164,18. 166,16. 476,9:
sich b. 162,13. 163,18; behulf(Oen,
beholfen sin 36,8. 40,18. 261,17.319,10-
5.54,25; in beheitV^ise 164,26.
behencken 470,8.
behend 288,9. 366,24. 489,8; behende-
lich 44,11; behendeklich 140,8.258,8.
371,32. 460,31.
behulfenheit 6,14. 44,28. 63,8. 64,2<>.
123,18.
behusen beherbergen 78,2.
behöt vorsichtig, sichhüteftdliß. 156,25.
353,7; behüt 485,5: behfitklich 340,5;
behütkeit 47.*
behüten 481,1. 486,22. 607,17; l^ehnter
89,18.
^^^^■^ 563 ^t
all), hedciitltolp 64,'2S». 412,11.
berhiLft7Vuc;i(lr-ajrmd,sc/i>onn^(r 353,26.
b^m:g 41,23.
452.8; herhaftikeit ;«0,21. 358,19.
it Cntt. irnHm, ^n>-artm 74,23.
berihten auirichtfn 170,11; Bicli li. sich
93,21. 194.20. 230,11. 236,0. 7.
rtrsrh<n 163,29.
. 246,21 IM"'.
berinueo 316,32.
herlich offenbar imil Nebenbeileulung
Ut, -DÖsae, bekentiiue, -nüa,
-nüsse Erkeimriih, Vrrtdündnig
85,29, 86,8.19.28.29. 114,19. 116,24.
»,14. 177,15. 180,19. 181.5. 10.
123,24. 152,5. 219,9. 235,17. 343,8
. 189,7. 235,27. 349,17. 474,2.
«»«■..- berUche Adt: 268,19. 606,6.
ieri^BBPn 156,30. 172,6. 177,1.
herUche, -i fiiuhxt. 5*4,19. 547,11.
233,2. 290,27. 346,21. 347,3.
bemeclicL P. 516,6.
9. 10. 15; in bekeuneodermateriL'
bennit,pennitP(rjramcntlO.'S,lT. 199.19.
hekant bekannt, erkannt, vrr-
212,29.
■g 124,21. 129,4. 166,13. Ib2,6.
hern gd,are>i 191,23.
». 177,16. 290,.^. 489,24.
Berahart, saut 38,9. 187,19. 193,16.
nge Brkmnini» 351,18.
197,25. 254,17. 256,6. 366,2. 424,6.
Betehrunp 284,12.
434,6. 437,10. 499,10. 501,10. 521,9.
373,8. 6. 454,1.
525,23.
1 mil Dat. bfgegntn 49,12.
beroben 211,25. 221,11. 447.9. 499,14;
Kimuchcn 490,22; bekomug
beröber 439,29 ; berobuug', beröhtuge
553,26.
121,8. 308,4.
Iren, -bren, beküntiem 227,1.
berren knttm 166,17.
.236,28.361,25. 372,14. 461,16;
perBonlieh 179.3. 22. 160,11. 181,12.
imerniie P. 626,12.
185,7. 334,4. 335,2. 360,21. 354.11;
1 unpirt.gtliitlrn 240,23.312,27.
peraönlicLkeit 191,27.
1. S95,22.445,9. 496,1 ; beUngung
herurile Taalänn, Bvührung 2(18,2.
25,9.
294,28. 316,6.
g^Hltt, 284,27; heleiter 89,19;
heschftiken in Vt,ruf bri«g*n 116,23.
Irin 87,19.
123.12.
bleibend, daatrnd 174,21. 22.
besobeiden l'aH. Aü. klug, ctretändig,
l. 191,5. 193,27. 366,7.
JOar htwwiBt 89,18. 108,12. 128,13.
1, blipnuat 60,11. 159,18.
192,16. 499,21. 603,6. 20.
1,11. 98SA 463,12.
«99,2.
DükrtiiOH 4,33. 68,6. 94,22. 103,3.
ns, suit 44.4.
125,25. 156,21. 161,1«. 19. 169,12.
279,7. t15,n. 467,25.
164,6. 294,34. 315,31 m«p. ,• bwoUei-
in benenter wine M0,18.
denlich 198,17.
Genügen 653,33.
beBcliHtwen hcgchaUen 561,24.
-e 384,7. 466,10. Vgl. \Axe.
heflchirmcn 229,25. 315,26. 319,14. 340, 14.
395,6, 482,11. 510,5.
L 122,15. 146,8. 173,2.
beschlahen 43,5.
Ifutftriig, hrrHl 254,27. 312,84.
\.
190,22. 191,12. 219,5.308,16.32.3,30.
nibertiUn 125,28. 492,10; \<e-
326,6. 343.34. 452,6. 479,6 mj»-!.; he-
gBlBB,».
ichlnaemm kloiter unlrr Klausur
»2,16. 449,26. 484,17.
KUkmdn Kl. 96,7.
564
Glossar.
beschiüten l'arf, 169,20.
besclionen schön machen, heschönigen
220,12; sich b. 219,6.
bepchowen 493,8; " besch6w(e)(le 72,5.
308,5. 643,31.
besinkeu untersinken 119,25. 270,31.
besinnen ausdenken 342,6; besinnet,
besint besonnen 74,16. 361,16. 411,10.
469,21.
besitzen, in besitzender wise SU8,28;
besizlich 183,1.
besitzun^e 336,16. 344,7. 351,17. 356,9.
besofifen, besoffen ertränken 477,10.
549,11; besoftkeit 69,23; besoftklich
270,18.
be8orfj:unge 156,22.
besprechen anreden 428,11. 551,6.
bes8erung(e) Entschädigung^ Busse,
Besserung 258,20. 23. 26. 29. 277,2.
282,15. 283,7. 12. 284,12.286,7.325,25.
432,2. 513,16.
bestan 458,7. 488,24. 26. 28. 489,14;
in im selben b. 251,15; bestanden sin
Zugeständnis,ErlauhnishahenS72y2l.
461,23; bestandenheit das Bestehen
(in der Prüfung) 311,3.
bestecken 248,18. 296,30. 496,9.
besteten 21,5. 278,17. 308,18. 319,20.
364,24. 369,15. 378,17. 424,15. 451,9.
be.strowen 248,20.
bestui'zen im Sturz bedecken 239,1.
besweren 84,28. 131,13. 283,17. 364,21.
bet(e), bette Bitte 373,13. 391,18. 394,16.
IH. 479,11.
bett(e)lin 444,12. 495,5. 496,3. 5; bet-
gewand 44,28. 45,3; betstat 44,27.
45,27; betstuol 55,18.
Peter, sant 107,30. 125,31. 489,25. 540,4.
544,17. 20. 546,10.
betler 283,15.
betralitung 24,11. 25,24. 29,16. 31,2.
35,12. 36,22. 26. 38,6. 10. 41,32 usw.
betrechen, bedrechen J*art. betrochen
bedfcktn 363,17. 421,10. 457,20.
betrogen triUjr-rtsch 216,10. 228,7. 23.
824,16. 418,11. 424,1; botrogenlich
363,17.
betnibt(e), -])ete, -bde 84,26. 94,29.
31. 95,20. 166,11. 253,19. 381,15.
462,16. 490,22. 23. 496,24.
betten 215,31. 297,1.
betüten 192,3. 193,3. 339,2. 4. 7. IH.
342,20. 435,16.
bevinden erfahren, empfinden 15,1. 2t*.
39,4. 204,4. 220,11. 14. 235,11. 326,9.
388,20. 408,4. 456,26. 469,23. 478,2»
487,27. 488,18; bcTindunge 489.5:
bevintlich 492,30.
bewegde, -t« Betcegung 15,12. 86.6.
200,6. 224,6. 260,8. 276,14. 444,13.
bewegenlich Adv. entschlossen 236.13.
461.5. Vgl, gewegenlich.
bewegüch(k)eit 169,36. 309,22.
beweren 187,9. 236,23. 391,20. 465,1^.
466,26. 475,9. 505,23.
bewinden umwinden 224,1.
bewisen 174,28. 177,29. 178,15. 180,1»3.
191.6. 194,5. 197,4. 206,18. 288.10.
308,28 usw.\ bewisunge 105,29.
bezeichnung 330,27.
bezeten, bezetten bestreuen 297,1. 466.6.
496,9.
bez^Tingenheit 358,6.
pfad, -t, phad 200,23. 254,10. 367,26.
430,18. 440,24. 472,13. 490,4.
pfaffe 328,23. 329,24. 519,25; pfalfQ-
vasnaht 43,29.
pfallentz, die hlmelsche Königsbunj
457,2. 547,24.
Pfarao 183,18.
phariseus P. 509,4. 8. 511,27. 512.l:V
513,4.
pfeUer 541,11 ; pfeilerlich 541,18.
pfenni(n)g 25,15. 16. 46,7. 77,7. 475,12.
499,4.
pfil,phil 131,19. 23. 281,13. 371,7.460,3.
pfiler 551,25.
Philippus Apostel 488,30.
pfingstag 40,28.
pflegamt 381,17.
Pfleger 66,15. 547,10; pflegerin 407,12:
pflegnÄs 48*.
phrengen pressen, drängen 210,21.
215,28. 316,29.
phy P. pfui 509,13.
biderman 126,15.
,24. 79,12. 80,1(1. 89.22. 99,36.
I. 10. 102.6 ustc; goDxe bibt
43,14- 99,26. 283,21 ; bihttavel 1(10,14.
l(c)hten 79,12. 2Ö. 28. 29. 80,4. 9.
102,lfi. 116,17. 136,20. 174,31.358,29.
gOB,23. 25.
Seiehtvattr 99,27. 28. 102,10.
16,6. 244,2. 502,21. 503,5.
fAtus, Pjlatufl a4,22. 315,13. 514,8.
.^140,25. 33.
klden bilden, gestallen, einprigcn 35,95.
[191,50. 273,30. 274,17. 364,6. 391,7.
kaS. 476,22; gebUdet 2ä&,lT. 554,1;
Eteh b, 342,18; in sich b. 168,3. 192,23.
1(340,14.
ildcr VorblM 368,28, 392,21. 540,21.
553,28.
ildgebend 3,3. 191,1.
dliub, biltlich 156,7. 183,27. 191,3.
tO. 15. 21. 192,4. 15. 387,9. 391,3.
M»,13. 526,14. 527,18.
Um 174,8. 183,6. 191,6. 11. 193,29.
18 ; bildloHekeit 97,13.
Sricb 24,7. 103,15. 155,16. 183,8. 9.
IB4,21. 185,6. 187,4. 197.15.
8liug(e) 200,22. 520,6. 524,3. 9.
gri(ii) l-afftr 217,5. U. 16. 24. 232,32.
840,19. 20.
iUehi Biüigkdt, GfmSs»htit 443,16.
«66,7; billicheit 302,4.
I Maec. 385,3. 467,9 ; pinlich 206,14.
<98.7.
■Jt 96,15. 159,17,
iriiaft5«»pi>/, GUichiii 14,9. 161,16.
197,28. 328,1.
in tMbtt. Inf. 221,20, 27. 313,4 ; bi-
tind 178,9.
ynch ablt XuchrtiU 481,12.
rimen 382^ 460,25. 461,20. 463,12.
)i WDUSO 492,10; biwoniin^c 341,20.
»U P. 512,15: blswTdr 44.1J.
IIa» 553,3.
^laneteu, die .''iben 172,11,
PUto P. 522,12,
lU 341,13.
ihen bltich irmU-n 385,3. 368,9.
,1,17.
blenden 177,18, 207,6. 221,]
247,9. 421,6.
Henken hin and he,- bfwegrn 224,29.
bletlin 64,26.
blick 435,5.
blindgeboren 182,30.
blindsliche fiur.bUnden aUchen ;J87,ia.
59,15.
bUntheit 158,11. 163,6. 177,6. 219,15.
247.17. S97,18. 335,8.
bloch Block 45,10.
bloBB, blos, bloz, blozB 3,17. 14,31. 23,3,
34,12. 45,15. 54,27. 31. 89,27, 97,11.
130,8. 155,2. 160,27. 170,5. 174,12 «»«■.
usw.; blÖBCn 979,8.
blos(s)heit, bloBheit 174,7. 177,27. 186,16.
188,9. 246,8. 254,18, 261,26, 328,17.
360,6. 400,5. 405,2.
blösklicli, b]oa(äe)klich, blnsElicb 378,7.
387.11. 391,2. 460,28.
blug »ehüehttrn. tagltaft 263,22. 481,10;
bluklicb 42,20. 49,31.
bla(g)keit 221,13. 301,12. 481,4.
blüjen, blügeo, blan 310,26. 212,a
215,80. 216,20. 321,33. 223,14. 289,4. \
426,14 iMir.
biam(e) 96,16. 233,10. 478,9; blBinli
110,27. 224,25.
bl&meu, geblümt 110,29. 216,21. 254,21.
272.18. 803,3. 304,17. 318,7. 29.
374,23 asw. ,
blast BIiK« 205,15. 221,81. 222,1. 224,24.
281.12. 313,29.
blutgieaaend 379,18. 542,9.
blStig 199,4. 199,8. 904,6. 205,14.210,23.
bluüi 121,18. 333,16.
bltitna«s 879,19.
blutruQB Blutßugg 542,11.
btutröDig blutig vmnd 37,5.
blÖtyar6i«f/ar6i9213,21, 215,29. 970,27. ^
276.13. 320,32. 547,28.
hodeu»e(w) 48,8. 149,8,
bogo Sogen (Waffti 131.12- 18. 2%
381,18. 628,17; Rtganhogtn 214,14.
bone, mit eyn b, P. 518,21,
bungarten Baumgarten 313,7.
port Ktm\ Rand BO,ä. 11. 81,19.
566
Glossar.
port(e) Fem. Pfotit 29,17. 38,18. 60,2.
102,15. 103,9. 10. 174,31. 175,12. 15.
266,5. 366,13. 414,21.
portner 146,9. 174,32. 176,13.
bos(8)heit, bozheit 120,5. 128,12. 161,17.
22. 182,1. 186,14. 332,24. 29. 501,12.
bosren 84,31 ; sich b. 380,23. 445,19.
boswiht 66,18.
bot(t)e 101,4. 102,8. 266,9. 294,20.
botschaft 7,19. 102,17. 243,20. 372,6.
374,21. 384,15. 407,18. 446,26. 461,10.
466,15. 4a3,14.
bougen 489,19. 506,26; sich b. 504,5.
brame Dornstrauch 425,22. 434,16.
brawe Braue 551,22.
brechen 225,8. 322,8. 406,15, 438,21;
sich br. 413,16. 424,2. 457,8.
brechten lärmen 481,11.
bredie 131,28. 152,29.
bredien 112,24. 25. 29. 124.10. 152,28.
149,7. 539,2.
bredier, brediprer Prediger, Dominikaner
7,2. 132,9. 173,17. 196,2. 199,7. 253,17.
256,24. 314,20. 365,18. 428,20. 436,17.
497,0 ; bredier orden 5,18. 96,6. 120,21.
128,13; bredierin ( bildlich) 375,21.
448,1.
prefation 27,19.
breiti 41,7.
prelat Klostt^^jirsleher (Prior) 5,18.
84,31. 126,12. 128,28. 145,9. 422,1.
breme Brenne 125,15. 426,14.
brief 68,10. 194,14. 360,2. 8. 370,20.
373,21—30. 378,24. 380,33. 393,9.
405,5. 479,13. 494,13; brief büchli
4,18. 18,12.
Priester 78,16. 80,8. 386,12. 428,20;
priesterlich 63,21.
priol Prior 145,18. 146,1. 4. 16. 20.
pris 149,2. 20. 151,4. 399,30.
priiseii rerheiTlichen^ fich mucken 172,12.
241,7. 374,13. 375,2. 396,2. 446,19.
447,12. 452,8; sich pr. 361,24. 411,19.
brockelin 401,30.
profet, prophete 183,8. 509,7.
prologiis 3,1. 200,10.
brotli 201,30.
bruch Bruchj Iiis6' 215,11.
brüder Ordensbruder^ Mönch 31,o-2.
32,2. 51,13. 64,5. 66,23. 198,12. 213.23.
214,6 usw.
brüderlich 206,26.
brufen, prüfen 101,26. 157,6. 177.7.
334,25. 377,30. 388,13. 489,5.
brugge 123,1; brücke 514,3.
brunne 75,15. 21. 92,19. 210,8. 257,^
266,2. 386,9. 408,19; burne 467.17:
der lebende brunne 216,17. 242,16.
266,27. 643,16. 650,20; br. des leben-
den Wassers 273,7. 543,6; br. des
ewigen lebens 265,29.
Prüscen, ein ritter von P. Deuhch-
Ordensritter 81,11.
brüstli 264,22.
psalteri 264,1; psalterjen 25<).KS.
263,21. 22.
bäb Trossknecht 77,3.
publicanas P. 613,6. 6.
buch, daz lebende liöer ffitat 7,3. 256,1''.
buch von den eugels(ch)lichen Jewr-
chien (des Dionysius) 390,1. 471.6:
b. von den gotlichen namen 329.1*
büchli, büch(e)lin 196,1. 200,10. 32i:i
4. 326,11. 18. 360,1. 484,10. 546.1:
b. der warheit 4,9. 189,15; 1». der
wisheit 11,25.
buchsak 76,2.
büchstab 140,4. 228,29. 268,5. 393.2.
büchs, büchs 61,20. 23. 66,13.
bühel Hügel 652,7; bühelin 552,18.
böle (Christus) 92,17.
pülverlin 308,20; pülverlich 313^27.
bünden = binden 487,15.
punct 87,17. 160,11. 178,13. 189,16.
191,14. 352,3. 4. 9. 359.21. 330,29.
388,23.
puntlin, püntli(n), pünctli 166,13.210,14.
272,16. 292,13. 309,9. 366,3. 437,10.
470,2. 476,2.
pur 451,2.
burdi, bünli, bürde 72,25. 126,11. nU.l.
212,22. 216,6. 220,22. 362,12. 368.24.
413,2. 442,27. 473,17. 483,15. 489,21».
490,8.
bürg 44,15. 83,4. 102,2. 362,13. 413,S.
480,27.
< ilossar.
567
burger 66,15. 22. 67,26; burgcriu 68,7.
burne s. bronue.
purpurvar 252,23. :i23,19.
busch 54,23.
bäaen 40,21. 80,15.
bä8s(e), büz(e) Busse, Besserung, Ab-
hilfe 25,29. 39,6. 126,9. 21. 128,31.
247,12. 258,5. 7. 12. 286,13. 506,10.
biizcD, büzzen, buBseii hassen, hessem,
befreien 46,22. 55,9. 61,9. 7:3,27.
258,0. 277,13. 287,2. 322,2. 382,6.
463,15. 506,14.
biisswirdig 92,14. 134,26.
buwen wohnen, bauen 54,11. 125,1.
319.6. 514,2.
^*yor Altvater 105,11.
C siehe K und Z.
D. T.
^«A^bern Schenke 372,20. 461,22. 552,2.
^^gen = tougen 417,8.
^«^n dieTage(unnütz) zubringen 282,17.
^^flich, tegelich 395,1. 434,6. 603,1.
t^a — talanc, tagelanc den gan zen Tag
77,6.
^^amaflcenus, der lerer (Johannes) 333,14.
ygL ll^fi. 272,16 Kommentar,
^ank, wider Binen d. wider Willeti 11,6;
dankbarkeit 74,9; -berkelt 487,1.
üan(c)kber 215,14. 314,14. 482,16; dank-
berüch 25,18. 281,22. 376,12. 396,4.
448,25; danknem angenehm, willhnn-
men 542,17.
tanz 21,17; tanzeo 21,16. 242,14.
tapfer 372,18. 461,20.
darben 57,20. 128,31. 1H8,15. 210,25.
231,20. .317,7. 13. 368,4. 10. 441,18.
tavel Schreibtafel 100,13. 459,S.
l)avid 36,6. 107,27. 298,18. :J70,28.
406.7. 432,11. 440,23. 459,17. 4i)0,4.
496,22. 499,18.
teilhaft 337,29: teilhaftig 176,11. 171>,15.
telli Talchen 552,7.
tempfig engbriistig 384,7. 466,10.
(lemut 85,34; demütikeit, diemütikeit,
-ekeit 29,11. 47.5,3. 486,5. 488,12.
494,22. 501,21. 506,26.
demütig, diemütig 33,12. 85,33. 86,14.
167,1. 420,14. 465,15. 477,3. 486,11.
507,11; demüteklich 49,16. 111,1.
152,19. 296,23. 504,9.
teDnen dehn*», spannen 289,14.
tensen Pr/ft. tans ziehen 443,9.
termner Älmosensammler 119,10.
terren dörren 221,31.
testameut der minncu 494,14.
Theodorus Altvater 104,10.
Thomas, saiit ron Aquin 180,17. 428,3.
453,29.
thron, tron203,12. 218,31. 224,16.26Ji,19;
die hohen throne Engelchor throni
243,16.
dieb, diep 66,12. 161,16. 19; düplich
verstohlen, heimlich 162,13. 377,13.
449,27.
tief(f)i 185,28. 213,1. 221,22. 237,11.
445,24.
dienst 112,31. 119,9. 14. 282,22. 298,17.
322,19. 371,20. 406,7. 446,4. 460,17.
489,16.
dienstberr 119,8; dicnstbaft 261,17.
tiergarten 411,12. Vgl. 361,18.
tierli 85,13. 103,12. 125,14. 172,18.
tievel .y. tüvel.
digcrlichen P. Adi\ sehr, gänelich 629,16.
timbcr, tinber dunkeL finster 186,17.
374,10. 390,18. 446,15. 471,28. 478.17;
timberheit 505,10.
tinkte Tinte 213,1.
Dioiiysius der Areopagite 180,11. 328.16.
24. 342,16. 388,21; saut D. 455,6;
der liehtic) D. 190,4. 390,1. 471,6.
dirne Mädchen, Dimerin 223,18. 376.13.
448,25.
tisehsegen 48,14.
tischsizen 25,32.
«liaciplin Ka.steiung, (Jeissdung 36,17.
41,28. 32. 42.5. 21. 22. 43,11. 44.16.
135,26.
disi)Utioreii 236,6. 504,15.
tistd Distel 222,11. 224,26. 310,14.
432,21. 433,2. 18. 19. 493,2.
5Ü8
Glossar.
tob, tob taiihj stumpfsinnig y unsinnig y
nichtig 27,11. 134,1, 376,24. 449,4.
15. 481,9. 483,12; tobheit 246,17;
tobig" 247,15; toblich Ädv. in un-
sinnige r^ heftiger Weise 57,26. 136,25.
toben, toben iohen, rasen 76,5. 8. 117,34.
T(h)obia8 367,26. 440,23. 490,4.
tod — .V. tot —
totfen, togen Adj. Adv. heimlich y ver-
borgen^ geheimnisvoll 140,5. 190,27.
408,7. 424,23. 548,17; togenlich, togen-
Iich3,4.rv21.41,31. 156,27. 160,5. 189,1.
190,15. 193,7. 194,7. 198,6. 201,18 «,«r.
togenhcit, tog. 21,28. 94,7. 190,6. 26.
235,26.
togni, togui, togene 101,9. 206,6. 254,13.
290,12. 428,4. 506,16.
tohterU 66,11.
tolde Wipfel 254,10. 429,20.
Dominicus, sant 38,H. 145,21. 146,8. 15.
322,27.
don, ton 323,13. 425,2. 491,24; donen,
tonen 306,15. 19. 386,29.
tonre Donner 230,3; tonren subsL Inf.
230,6.
dorf 139,15. 140,19; dorfbrunne 75,19.
torin 483,19.
torlicli(en) Adv. wie ein Tor, in törichter
W.^üe 204,16. 205,22. 219,31. 240,13.
281,20. 315,16. 482,5.
dorn 222,11. 425,22. 432,3. 434,16; dorn-
stich 542,10.
dornig 432,1; doniin, durnin 541,11. 14.
toroht. toralit 145,24. 161,28. 361,17.
411,11.
torren, dorren dürr werden, verdorren
57,20. 128,31. 210,25. 212,3. 231,20.
317,7. 368,4. 10. 441.17. 41)1,20.
todbet 146,18. 378,28.
totbliitcn Totenß ecken 44,21.
totbringend 435,3.
todenilicli sterblich 93,24. 112,4. 125,7.
157,28. 160,23. 172,3. 182,16.
toten, toden 368,4. 440,8. 491,11; toden
rrstrrhcn 271,21. 285,3.
totlicli. totlich, totlicli 36,30. 69,12.
203,1^0. 204,13. 208,11. •J59,17. 260,10.
270,32. 277,15 tisic.
todmig sterblich 81,4. 541,17.
totschlag 80,5. 206,22.
todschreke Schrecken vor dem lodt
381,2.
totsOude, tots. 258,4. 300,20. 422.16,
445,25. 499,4. 500,7. 16. 23. 501.7.
502,25. 503,2. 11. 520,8.
totsweis, totsw. 80,14. 285,11.
totwunde 275,21. 321,3.
low, tow Tau 28,9. 249,26. 297,16.
433,29; towen 22,6.
T6zz(e) 96,7. 367,4.
trag 207,8; traklich 228,2.
tragkeit, trakheit 34,19. 221,14. 228,1.
trabt Masc. Duft 427,19.
traht Fem. Gerichty Speise 24,20. 428.12.
trabten nach achten, erwögen .553,6.
trechen ziehen 54*. 115,23. 398,9.
trecken Frät. trabte ziehen (vom LafV
425,16.
trejen, treyen Prät. träte drehen 198,23.
199.9. 552,14.
trencken 466,8. 472,17.
trengen bedrängen 491,32.
triben subst, Inf. Treiben, Hinneigung
37,24. 64,2. 137,1. 370,7. 458,16.
triefen 81,28.
trieger Beträger 49*. 211,22; tr. der
weit 120,25.
driheit 184,24. 185,8. 23. 186,3. 189,S.
14. 243,17. 330,11.
dringen dringen, bedrängen, heimsachfn
53,3. 60,8. 179,31. 351,8. 442,16.
500.10. 505,14. 651,16.
trinkvas 51,8.
drispizig 43,8.
trit 236,13.
drivalt 345,11; drivaltig 171,5. 178,1".
198,21.
drivalt(e)keit, -tikeit 25,20. 179,30. 32.
180,7. 185,12. 190,14. 237,8. 329,26.
355,12.
trom, trom 246,13. 418,8.9.11. 524,13-
tronien, tromen 456,4. 12. 624,18. 19.
tron ,v. thron.
tropfen tropfen 37,6; treppe P. 615,6.
|b]li(ii), tröpb(e)Li(D] S8,8. ^6,28.
^13. 229^ 237,11. 258,21. 23.
5,7.11. 336,14.383,10. 432,15.
i. 467.17.
Etch 439,a: troBÜi 114,13. 128,
i.
Bb. troellich 74^. 87,30. 124,96.
f«lS. %0,33. Sm,4. 397,1. 492,30.
\6,9. 133,16. 366,32. 264,12.
^6. 273,SB. 31. 276,7. 321,20.
tubft. Inf. Drohaiig 372,7.
11.
Tmubf 303,3.
I, trnkeu trockeM 383,24. 462,4.
17; trachenheit 383,22. 465,16.
tmcken drüektn 480,5. 16.
«. 22. 498,33. 494,9. 21.
,aa 22; trugHcli, trfiglich, <lräg-
htti-ügtriKch 119,2. 484,19. 487,9.
Adr. ron drucken /tut 494,21.
gesättigt werden, gtdfihea S53,l-
iimrtriiHketi (im m^xfiMchm
136,9. 10. Sm.ll. 426,17.
^. 12. 5B2,4. 24; trunckpnlieit
1.1.
i 222,24. 412,2. 484,17. 496,19. 23;
l(e)klicli 36,1. <W,20. 109,19, 118,
\A. 149,2«. 276,24. 321,7. 19; tnir-
I 118,19.
Jkpit, tnirekeit 36^3. 30, 62,1.
kL 174,27. 233,15. 237,15. -JÜSfi.
MO u^.
\idj. ifditbt, traut 27,14. 92,16.
r,19. 378,2. 417,12. 440,1-2. 442,2,
(^; StAH. Ntuir. Gemahl, Ge-
IlM- 461,7. 491,13 ; trutlich 225,6,
^6. 238.17. 321,14, 876,13, 392,18.
il umr. .
B P. Adr. in Trau-n 5:1^,18; in
Iren 536,23,
«60,27.
[■fm Tueh 162,13.
|h) 164,8. 393,15,
i -d Tüchtifftdt, Tinjend 27,6.
(«,303,24. 431,17.478,12.487,34.
}i. hffl.Xn. 26.
tagen thaft tüchtig, tdcl, tugendhaft
79,13, 84,17. 88,14. 100,24, 122,80.
127,13. 171,11.364,30.394,16.«5,27.
426,26. 454,16. 459,27; tugeottiob
117,26. 192,18.
tumb,tnubfin/tfI(H;.(öncAJ238,5. 371,30.
376,19. 3.19,4. 448,31. 456.3. 460.27.
tungen dingen 205,16.
dunk Subat. Matic. Btdänken ,<W1,1.
362,22, 366,19. 418,9, 436,18.
duDken, sich 424,9; ȟbst. Inf. 369,23. 25.
dunkel 190,18; tunkelu dunkel irc.vfifn
230,2.
t&un 562,19.
dänaterheit Dunktlheit, FinsltrniH idus
göttliche Wfsen) 187,17. 189,24.
330,14.
däplich «. diel).
dlir(cli)brechen, duriireuhim durchferldm
53,2. 246,33. 339,26. 446,7. 49T.3.
durehbnioh, darpruch Durchbrueh, via
purgatim 84*. 52*. 3,11. 34,11. 94,10.
97,8. 333,6, 474,17.
diirehtein-W/oijeH 57,22, 148,14.462,17;
durehtunge 486,6.
durchgan 205,4, 305,3. 510,14.
durgemint 37,6.
dnrgleoEen 242,1.
darglestenfimeerJeucArcn 69,24. 478,18.
dur(cb)gie8sen 173,12. 208,12. 233,30.
453,1.
dUT^abeo i/urcABoAr™ 204,16. 210,19.
316,36.
dnrgTüii tlic bke itliurehgrkn düng. grün d-
lichr Kmninh 188,12.
durhowen 210.19. 318,26.
durkleren 242,9.
durtilMen 267,18, 275.16, 276.31. 321,1.
546.10. 550.22,
durlegen Port, durleil. btnetrl 242,8.
268,15.
diirchljdeiid 484,18.
duriobeu 309,10.
durloffeu 414.17.
durcUühlen 22,6. 254.18. :i67.22, 425.27,
466,7.
UunnarteriJ 127,29, 210,15. 214,21.
259.11. STiJi.
570
(rloHsar.
durnechtifi: roUkoinmtn, treu 827,19;
(lurnchtklich Adr. ganz undgnrS2b,22.
(lurne<rcln 210,17. 316,21.
durschiessen 120,26.
durschla^en 210,17. 316,22. 545,16; dur-
schlagenes gold 242,7.
durschmelzen 266,14.
durchschnidcn 229,24. 284.5.
durschowen 208,14. 214,18.
dursehen 30,10. 529,17.
durseren ganz in Schmerz versenken
210,27. 317,11.
dursofen ganz ertränken 127,28.
durötechen 315,19.
durclivaren P. 529,16.
durflosseuheit 15,15.
dur(ch )wegeii durchwehen 452,14. 24.
diirchwilleclicb Adr. ganz mit freiem
Willen 553,5.
dur(ch)wmideii 41,17. 69,8. 120,26. 127,
27.29. 199,4. 210,2.27. 271,2. 317,11.
318,31. 541,33.
durwünklich 245,19.
dürftig bedürftig, arm 72,26. 30. 91,4.
159,3. 249,10. 267,7. 286,21. 368,25.
428,10. 443,1.
turn Turm, Verlies 76,25. 293,24. 400,23.
tiiniei, -ey Turnier 149,22. 152,15; tur-
nieren 149,12. 252,15.
tiir teuer, selten 295,14. 299,25.
dörr, türr dürr, trocken 91,5. 199,22. 23.
289,25. 297,15. 303,17. 373,25. 384,
6.9. 409,15. 432,21. 466,9. 492,4.28.
dürre, dürre, türri, türi Dürre 92,20.
145,17. 199,22. 257,23. 319,27. 548,7.
552,6.
turst 95,5. 201,2.
türsten nach 240,26. 272,26. 274,11.
305,15.
tur8tig,ti'ir8tijnr91,5. 92,18.99,5.14.272,28.
274,8. 10. 361,28. 384,27. 41 1,25. 467,5.
turtcltüb(e)li(n) 425,11. 19. 492,3.
tiKsontvalt 191,8. 376,18. 424,14. 447,20;
tusontvaltklich 44H,30.
tütscli, tusch deutsch 7,2. 104,3. 124,29.
126,14. 197,10. 199,19. 200,18. 397,5.
480,20. 4S4,10. 495,5; tütscher Deut-
sehn- 199,25.
tüvel,tiefel 114,25. 115,6. 119,26. 121,15.
131,21.22.26. 136,32. 137,14. 159,13.
167,11. 332,26. 28. 362,2. 369,19.28.
32. 370,3. 33. 383,10. 412,6. 457,15.
468,3. 7. 11. 18. 469,27. 464,26. 489i6.
; 490,22. 503,5. 606,6.
I tüfellich, tiefeUich 116,15. 131,14. 133.11.
' 370,16. 459,5.
• twiges P. ziceimal 536,22.
i twingen s. zwiDgen.
e, die alte (und nüwe) alter tand neutri
Bund 132,28. 183,18. 327,10. 351.14.
ebenlengi gleiche Länge 67,8.
eblich, ebenlich Adv. auf gleicht H'ei^r
66,6. 63,11. 27. 74,17. 98,14 116,2iJ.
172,16. 227,16. 282,28 usw.
echt, eht(e) Adv. Conj, bloss, nur, fUn,
wenn nur 47,11. 143,32. 162,ia 220,:)1.
221,16.248,9.296,1.301,21.341,29Mf«".
ed(c)li, edele 228,16. 248,2. 325,9,863,16.
421,9. 438,29 ; edelkeit 421,2.
edeln 192,1. 438,28.
efrowe 448,24.
eggeht eckig 199,6.
Eghart, der selig ineister 22,28 ; der heiüir
meister Egghart (Eghard) 63,4. 9(i3'.
egstlich schrecklich 646.15.
Egyptu8 4M,21.
eig(e)nen zuteilen, zu eigen machtH
390.23. 472,5. 560,25.
eigenschaft Eigetischaft, Anhänglich-
keit an das Irdische ( GegensaU i«
gelassenheit) 101,11. 179,22. 183,1
184.24. 187,7.19. 188,2. 274,14. 33U
332,28. 340,27. 350,4. 351,26. 387.S.
486,12. 488,23. 489,2. 10.
eigentfim 490,21.
eigenwillen 397,16.
ein, eins = Gott 164,6. 193,29. m*^-
341,22. 344,13. 346,11. 347,6. 476.4.
einberkeit Einheit 420,21.
einberlichen Adv. ühereifistimmtndlV^^y
eynbarlich Adj. 619,14.
einborn eingeboren 70,11. 91,11. 19. '24.
134,6. 214,11. 19. 333,3. 839,4: ein-
geborn 339,10. 356,8. 18.
166,9. 24; einformikcil. 355,1 1 .
Ünhoi-n 2ti6,25.
z (ein) eiöigfes) ein ^ Gutt
106,35. IB6,6. 164,3. 177,27.
204.23. 313,1. 380,1. 477,18.
inigen vei-tintgen 169,7. 170,12.
'kait Alleingiin, Eiiihtil, (tau
« Wegen 60,6. RS,12. 104,9.
6. lB4,ai.ie5,6 24.186,3.13.
198,14. 169,8. 17. 190,1. 9.
328,10. 829,19. 330,l:j amu.
-~ enkeiii, neheiu 122,13. 167,8.
ttn Jnntrn pertrnulich reden
ntrt EinmütigkHl 170,17; ein-
t llbtreiHiiUmmung 339,22.
mit »ich stlbst redtn 54,19.
127,3, 173,22. 231,23. 361,27.
411.24. 460,16. 45.%13.
Einigann 167,29. 334,3. 5.
474,11.
•veltig, ainvallig 4,16. 97,15.
160,8. 162,27. 164,14. 27.
171,4. 19. 174,7. 177,13,22.24.
>. 17. 19. 184,12 imo.; ein-
lich , Hinvalteklich 17,23.
163,17. 186,17. 187,3. 292,4.
397,4. 448,30.
keit, -tikeit, -veltikeit, ain-
1 160,1. 164,27. 166,31, 167,20.
,10. 178,4. 186,14. 25. 186,3.
(©,22. 194,2. 218,6. 327,27 usk.
Vutrafm 268,5.
,28,4. H».3(t. 172,24. 543,10.
ih 361,24-
■9. Blflbet
bft*(. Frimde, VtrbanHung,
{209,13. 211,8. :!44,7. 267,8.
418,3. 436,15 »»m.
^. fremd, verbannt, brklagenn-
e,24. 208,21. 211,18. 213,18.
10. 15. 24. 218.25. 2:J0,26.
WW. .■ ellend(e)klich 69,4. 79,25.
88,»- 1K7,I7. 175.6. 204.7. 20.
S17,16 MW.
iUptrg. ilend mncheii, quälen
812,86; »ul'Ht. Inf. 322.17.
.ar. 571
ElBaa 75,18.
ElBbet StagliQ «. Staglin.
Elsbct, EliBabeth, die liebe sunt 3t>7,2&.
440,22.
eiD(t)zig, emejg htharrlich, bealändig
171,9. 192,17- 193,7. 409,1. 481,17.
433,28. 44S,S imw.: einK(e)klich, ems-
kUch 205,19. 392,26. 415,18. 476,8.
477,6; emaikeit 301,17.
empf — », enpf—
eubiasen tsatnd oder trinkend genitutBn
10,12. 24,13. 25,9, 76,20. 286,19.
enblözen, enbt5s(B)en, eutliloBeu, enl-
plözen 96,21. 125,16. 174,7. 186,19.
316,16. 450,28, 476.17.
eiibreunen 303,22. 466,16.
enbresten PrOt. enbrtmt hervnrhrtvhtii
60,15. 69,81.
eudrunge 341,17.
ener, enr = jener 58,29. 77,22. 91,21.
142,9. 148,23. 229,26. 254,26 um.
Engttd{d)i 303,4. 49;t,ll. 553,18.
enge], iler (i, näht 20,25; der e. bohzit
69,6; in der heiligen e. octnve ,47:1,28,
eQgeb(cb)lJch mglisth 20,26, 64,23.
96,8. 101,10. 13, 17. 109,16, 137,16.26.
144,27. 183,12. 343,20. 250,8 usw.
eoi^tacbar 446,24; engelgpiss (Eucha-
rimiel 297,20.
engelten lUi,16,
engen entyehn 188,5.
eugen engen 249,8. 496,16; vngi ■S5S,16.
enklein n'n tvenig 18,31. 41,20. 46,24.
49,17. 113,19 u*ut.
eiipfallen 159,12. 192,26. 472,4. 477,M.
enpfen(g)klich, enphenkUch 99,8. 165,18.
166,8. 173,10. 214,3. 221.26. 223.28.
356,14. .S88,13. 455,8. 469,17.
enpfinden, enpli— , eiupf— 94,23.
167,7. 2H 223,25, 228,2. 229,7. 234,15.
272.5. 284,4. 296,27 wui.
eopfiQdunir, i-mptindutig 66,25. 169,24.
184,7.
enpfintUch, enph— 22,22. 41,4. 140,«.
143,3. 6. 188,20. 202,9- 299,2;(, 301.17.
385.6. 394,26. 467,12.
enptinUit-'bkeit 34,^- 140,6. 193,1.
572 Glo
eothilden von Phaalasiehildern befrtien
160,28. 168,9. 3.18,5. .147,6. ;t91,2.
entbiltlicli 391,2.
entbiuilen , enbiiiiieu , hffrtien , löstn
220,28. ;tI6,24. 460,a0. 604,9. 639,23.
enteU 49,3. 52,7. 128,26. 168,33. 381,14.
entekange 186,16.
enteren ;f81,13. 462,U).
entgaii 334,10. 341,21. 354,2. 369,25.
eiit^''itU);enhoit y.iitrwhuny Ekstase
94,27. 113,13. 168,16. 189,16; ent-
ganKuiig(e) 162,31. 168,19. 344,12.
«Iitgeisten dm Gast in der hö'-hsteu Be-
xchauiinii ohsorhieren 181,28. 1S8,14.
183,1. 189,21. 193,25.
«tit^icsseo 181,16. 186,20. 186,6. 207,3;
aitJi e. 180,13. 14. 233,(-..
eaUrieB9UTis(c){i'o« der l'rinitut) 179,2 flf.
181,12.
entglicheu transformare (in myttisfhem
Sinne) 347,5. 356,16.
«ntgosseoheit (von dtr Trinilöl) 179,29.
31. 180,18. 181,4. 185,7.
■enlirötcn 18 ,in. 182,9.
ent^roben von der Sinnlichkeii befreien
94,-21. 158,9, 3-27,20.
enthalt SlUtit, Schutt 350,11.
enthalten unlerhalttn. erhalten 173,2.
187,14. 16. 256,1. 264,18. 613,23;
sich nit c. 73,29. 84,16. 548,20,
entheftcti losmachen. h:~<:i 190,13,
cnlheisscn nelohen 162,26.
entkleiden 186,17. 21.
eiitkiien htfrtifn 226,111. 370,1.
«ntk-digen :i58,8 «ich entlid, 473,17.
«ntletien, in entlentcr wiae 174,23.
cntmeiiachen 337,22.
■entnemen vtreHchm 349,26; cntnomen-
hcit 163,1,
«illreincn rrranravif/ei' -">4I,19, 644,22.
«ntiJLten Mi Unordnung hrin/jen 221,10.
373,10. 381,1:). 402,10. 470,7; crit-
i-ilituiiurv 109,20.
färirabr 511.2.
521,21.
sütli'ii. nicli 438,3.
ent8(cli>laff'en eintchluiiimern 223, 1!^
458,20. 496,7.
entsrhlaheu befreien ;^S,18; sieb ruf-
a(ch)lahen 162,5. 4ft3,20.
entscbopfeD enir,ielhii 545.*^. 651,2().
eutacbi'itea, eich s.losmaehen 164,2, US.'.
ent8ez(z)en berauben 106,32, llftSÖ,
130,22. 169,32. 186,4. 188,6. 13. mSf.
330,12. :i:i7,l-2- .'4«,i;f. 15 ««f,.- eni-
setznnge ein aelbs 350,19,
entsinken 17,3. 23,10. 94,11. I39i5.
168,22. 189,19. 20. 192,33. .'»250;
336,11. 336,18. 340,11. 357,17.
entspniiiglichkäit Uerrorgthrn I8B.7.
H.'UI«äli<Tn tn-unreiniffen 277,IJ). 321,3].
enlrnnkenheit Vfr:i'ckfififi 90,19. ^,8,
182,26, 187,28.
entvanvcn, entferweu 54,26. 4li9,lü.
439,23.
entjriden des frieden» beraiAen ?ii\ß.
460,27,
entfrien frei macht» 158,27. 353.S.
entfremden, sich 161,11; entfrönjdekrit
189,1.
taVxe^tn au» der h'iitgung bringt liW-
entwerden lu nichte wei'den imi/iliff^'
164,11. 166,6, 168,13. 170.1. 1«S,U
i 336,18, 23. 386,12, 14.
entwerfen 191,1. 226,S. 896,22, W.
entwieen wegtctisen 163,10, 186.21.1^1
.356,23. 378,7,
enlwordenheit 54,4. 160,7. K4,13,
j entwordenlich 343,17. 350,25.
entwürken vom Irdiichm io»»«*"
I 160,29. 165,20. 168,18. 189,21, 11051
341.19.
eutzo^enheit Verzückung 127,34,
enzit (fr Zeiten 62,13. 424,3.
enzweres hin und her 323,25.
epfel,opfel 361,22.411,16; epfdÜÄii:
opfelböm Ö48,1K
epiatel 36,9. 347,27.
eranien rinemim, trtetrbfn. ^rrtö'"
42,23. 60,7. 72,30. 87,23. IHJ^
121,17. 122,12. 133,18.175,21.211.1.
217,17 «*"■.
erbaldeii, sich s. erkühnen. Mal /"»«'
5.12. 117,2.
^m 673 ^^
Big 71,10. T2,a 2lHXn. 214,22.
ergriizcD bt^mtigen, it»»iir,-chm 312,20.
604,7. 505,24 ; crtarmherzklich
erhaben Pari. Adj, »rUaben, anginthm
57,8.
r(t)«(i)keit206,2B. 307,3. 214,4.
erhaben Part, erhangeo rrhäm/en 161,
m,n. 444,25. 447,27. 498,20.
23. 207,27.
erbeben, eich getchntlhii 413,14,
bet s. arbeit.
erbellen Prät. erbol eritchaUen 18,1.
17.49,12.15.68,7.76,11.79,18.
93,28. 433,13.
19,9. 148,5. 340,6. 4«4,4. 48B,2.
crteDken 542,26.
222,5. 456,7.
erhiwen, — Ueo 139,21, 227.11.365,29.
eh 72.9. BB,9, 217,5. 246,2.
437,2.
321,12.
erhöbeu 218,32.
le 333,23. 387,16. 466,20.
erholter uäfte tieftr Seujier 77,24.
^,15.
126,26.
en trbrbm 230,3. 271,30,
erbflgen erfreuen 48,23. 243,7.
lieh s. abbilden 292,U.
erkalten 199,19; erkelten 40,27.
»80,13.88,6.208,6.13.209,10.
erkantbeit Erkenntnis. Eineicht 162.9.
816,15.19. 551,27.
erkantnias 342,10.
erkennen, sich 342,9, 10.
«1,11.
erki(c)ken erfrischen 200,4. 251,10.
i.H&s(. Inf. Abbrechen, Ent-
275,11. 3B1,1. 543,15. 549,16,
f 9,26. .SB2,17; sich erhr. s. los-
erklenken erklingen lassen 425,3.
77,1.
erkleren erleuchten 303,22.
Pfiit. erbrftBt hervorbrechen
erklingen 199,15. 213,10. 246,10. 22.
Vr/l. enbresteu.
806,17. 313,22.
miatgoanen Mfi.G.
erkoaen »ubtl. Inf. trauUehe Unter-
Unaehininden 212,2. 273,91.
halUng 113,11; sich erk. 263,21.
441,20.
443,1.
1,31.
erkracben 143,5.
ertorreu 36,17. 210,11.212.1.
erkriegen, 140,6. 170.19. 515,21. 616,16.
441,5. 6. 8. 21. 491,16. 17.
erkfilou, erkulen 46,17. 84.22. 85,28.
ifinen 638,8.
202,27. 208,15. 276,11.
9*. 862,20. 4fi3,27.
erknnt (rieh) von erkomen erschrecktn.
14,1.
oder von erkuoieD kranli, elend
g 49,21.
inerdtn (Lrx. I, 64GJ 205,31.
I 98,20.
erletnen, sieb s. anlehne» 138,30.
weiltn 366,14. 436,11.
erlich trefflich, herrlich 170.11. 241,7.
eh ergthm, unitrtänig 357,1 ;
296,15. 370,26. 459.15.
«8,6.
erlofen durch Laufe" ereilen 79,23.
ga> machen 214,18.
281,21: siob e. s. gutragen, ablaiifen
tittfirabtn 393,18, 394,3].
175,22.
m in Oram versetctn 229,32.
erloscherin 250,24.
mit dm Klaam gtfanet {von
erlöaer 499,16. 540,17. 554,25; erlSeung
Ben) 282,9.
540,11. S7.
1 256,26, 268,26.
«l*hten 177,28. 220,28. 204,1. 303,21-
grDn, frisch machen, gfüit
390,8. 446,15. 471^
810,12.214,17.261,11.312,20.
erllihtungCe) 61,31. 388,20. 469,24.
^^
erliipben, ertujifeu 8,7. 114,11. »13,10.
574
Glossar.
ernicion ergötzen 208,10; sich ermeijen
440,2.
ermlich 363,20; emiklich 217,26. 421,20.
ermorden 78,29. 148,6; ermürden 148,1.
ermüden 215,26.
ermündem 251,10; ermundruiig 588,1.
ennüten ermutigen 313,5. 459,17.
emassen nass werden 35,19.
emschlich 90,17. 365,25. 373,14; ernst-
haft 218,2; ernsthaftig 487,1.
ernüwren, sieh 436,9; eniüwerüng(e)
436,6. 15.
ersam 370,22.
erschameu, sich 25,8. 27. 440,28.
erschollen Prät, erschal, Part, er-
schollen, erschallen erschallen 31,26.
67,20. 68,2. 112,3. 120,10. 139,28.
257,3.
erschiessen ersehiessen, fruchten 74,26.
237,11. 12.
erschozzen gedeihen machen 320,14.
er8chrienaa/>c/*me** 30,11. 73,17.212,18.
er8chro(c)kenlich erschrecklich 181,11.
279,34. 300,15.
ersehen 67,12.
ersetzen suhst. Inf. Ersatz 255,1.
ersigen Präi. erseig und ersigde ver-
siegen 127,15. 16. 543,6.
ersitzen Part, ersessen missraten (vom
Obst) 25,10.
erstan auferstehen 93,13; erstehen^
erwerben 348,21.
er^XAn^xm^Auferstehung ( myst. ) 163,30.
erstarekcn 420,9.
ersteiucn zu Stein werden 70,27. 206,28.
222,19. 268,8.
ersterben 40,1. 70,28. 78,13. 80,6. 92,12.
126,16. 130,7. 142,8. 205,13. 213,11.
238,24. 260,31. 268,1. 275,20 usio.
ersti^eborn 334,19.
ersti Anfang 58,22. 84,7. 329,15. 422,6.
428,6.
«rstumben 80,15. 199,24. 202.22. 374,31.
447,10.
ersuchen heimsuchen 87,16. 358,10;
sich e. sich erforschen 503,15.
ersüfzen 35.20. 58,10. 65,1. 85,15. 119,21 .
121,28. 175,11. 217.16. 443,10.
erswarzen 88,7.
erswern Prät. erswar zu eitern an-
fangen 40,23.
ertoden, ertoden sterben 35,18. 80,13.
208,6. 14. 209,10. 269,21. 316,16.19.
ertoden töten 77,6. 128,6. 269.9. 27L6.
393,1. 553,1; sich selber e. 116,27.
ertoter Mörder 318,28.
ertrenken 77,9.
ertrinken 78,12.
ertruchnen trocken werden 76,20.
ervehten 365,14. 436,11.
erveren, sich P. erscftrecken 580,1. 535,i
ervolgen etyeichen, erfüllen^ zu Endt
führen 3,14. 86,5. 98,7. 23. 27.
107,13. 208,25. 315,33. 324,8. 826,18.
331,21 usw.
erfüUi Erfüllung^ Befriedigung 548,4;
erfüllunge 237,12.
erwarmen, sich 82,5.
erwe(c)ken 211,13. 547,21; subst. Inf.
541,24.
erweichen iceich werden, ir. woeA«
73,31. 137,82. 206,28. 227,11. 268,ia
318,32. 321,18. 435,11. 552,29.
erweinen, sich s. ausweinen 122,22. 175.&
erwerberin 250,25. 267,10.
erwer(r)en mit Dat, abtcehr<m, verhin-
deren; sich e. 73,3.
erwinden auf hör en^ ablassen 45,1.
134,29. 369,28. 392,4. 458,3. 479i6.
erwirdig 244,1. 245,2.
erwischen Prift. erwuste 77,12.
erwisstro Erhsenstroh 45^. 6.
er witteren ausspüren 208,10.
erwünscht Part, ganz nach Wunsch
rollkommen 546,1.
erzagen verzagen 56,29. 70,30. 80,15.
91,35. 98,25. 127,14. 149,ia 152A
247,2.
erziehen herausziehen, zücken ^Sfl'
erzittren 229,32. 239,26.
erzogen, erzoigen, erzougen 23,6. 207A
208,21. 444,17. 453,10. 467,18. 474,li
489,12; unpers. 879,7; sich e. 163^1-
167,6. 170,8. 493,24.
erzogung, erzoigung(e) 125,19. 20^.23.
262,5. 318,20.
^F 575 1
Mtgen, ftrtig bringm 54,7.
geberer35.^,22.öl3,23;(re1>eruiige340,2it.
äl. 162,2. 409,17. 425,13.
855,10.
»4,33.
geberlich 340,19. 343.9. 347,11. 360,12.
cbc.
gebesserte)!!, geheuren 286,25. 26. 308,7.
10-
313,13. «72,14. 373,13. 426,9. 449,2.
er wise quodammodo 345,12 ;
461,17. 485,4.
er w. 351.5.
gebetJilii) 18,11. 35,26.
. 453,21. 457,18. .183,18: Ev!i-
gebihteii 502,20.
»,I7. 18.
gebilden 168,10. 191,6.
L, ewaiig — 46,11. 133,29.
gebirge 188,20.
186,9. ld7,lB. 340,20. 345,5.
gebiM 252,6.
m,5. 5)1,26. 525,2.
gcblünt 8. blümen.
Hitimi 171.18. WS,23.
gebrecb GUmr 537,3.
VorbOd, Munla- 3,2. 4,6.
fetebreht I.drm 75,7. 414,17.
8,15.331,18. 19. 338,.i.476,24.
gebrest(el Gfhrrchtn, fthltr 87,20,
S47,14.
94,30, 11.->A 116,24. 169,27. 161,18.
in,9. 137,11. 143,12. 167,27.
177,26. 246,2. 266,22 uw.
184,20. 190,3 ««0.
ich 44,1. 4(i,24. ^'72,37. 543,7.
283,6. 386,24. 429,33 luic.
gebrenthafl 416,12. 449,25. 488.29.
F x;,7,( V.
499,22; gebrosthafüg 92,22. 133,2.
134,21. 157,28. 364,5. 377,12; ge-
e.
breBt^k)lkh5,ll. 156,24.166,11.182,6.
aeMag 76,16.
193,5. 309,24 asw.
frtehe» Waibtbäd 481 3-
gebruchen 26,21. 95,25. 158,28. 30.
»pfan.
170,18. 193.22.301,24. 859,12. 379,4.
imubaüerche 374,12; callaa-
369,5.
17.
gebrucblich332,18. 350,30. 351,1.474,10.
lu) 34,25. 87,7. 213,21 . 269, 10.
gebröchlichkeit 185,30.
64,11. 542,24. 543,27. 545,13.
gebruchung 334,2. 349,18.
. 272,27.
gebur Baatr 31,1. 77,12. 8J,16; ue-
aeUt Funke 285,17. 48S,16.
bürin 420,23.
12.^,23. 291,29.
Siebnßchheit liohheil lü.1,13.
«,10.
gebart 117,9. 119,6. 169,5. 179,16. 181.13.
bUÜartg Heu Klogierg für
191,33. 22S,B. 324,1 1.276,1. 381, 11 unc
Bfl,22. 137,6. 219,10. 372,20.
tum 63,20.
gediht, gdiht »chrifüicht Aufttichnuttg
in JPofsie odtr Pr.iia 26,6. »0,27.
,163,23.172,91.220,7.297,20.
157,8. 158,9.
*»..- «ich ET. 231,1. 294.22.
gediiig Ntutt, Vtrtran 144,6.
18. 214,17.
geding(e)A-s«(r.//ojH.«nff 47,19.377,28.
0,13. 136,38. 221,22. d60,9.
450,17.
n. 414,9. 18. 481,14. 487,9.
gedSne 17,d4. 16,27. 20,26. 26,12. 29.23.
13.
31,17. 20. 139,29. 323,8 uw.
ianit 191,97. 293,23. 330,26.
gedSnen 313.24.
17.348,9; iubsl. Inf. 179,27.
getlrantf, gedrenge 10,14. 56.4. 62,4.
MB.l.'i. 473,H; BJdi g. IfiS.lO.
68,26. 69,1. 116,3. 126.20. 128,6.
16,
149,18, .127,6.837,38. 356.16. 387,16.
576
Glossar.
ge(lult(e)keit, «redultik-, gctultik- 28,11.
60 J 4. Ü4,10. 91,28. 93,9. 108,26.
248,11. 251,16. 252,19. 504,8.
gedult{e)klich 85,30. 86,9. 00,15. 102,26.
134,9. 145,3. 161,24. 192,20. 236,7 tisw.
geedelii adehi 207,3.
gegenwurf Vorwurf, Objekt, AnUcart
29,5. 81,1. 88,10. 103,26. 125,29. 160,8.
168,21. 174,26. 180,21. 181,8. 10 us^w,
gegenwürtig 96,16. 133,2. 168,31. 169,11.
170,20. 177,25. 178,3. 200,4. 204,4
U.SW,: gegen^\'firt(e)klich 73,1. 95,22.
165,13. 179,25. 236,18. 297,28 uftw.
gegen wiirt(i)kei t , -wertikeit 24,16.
164.15. 169,3. 176,15. 177,6. 178,10.
179,3. 183,12. 221,26. 230,24. 27.
231,26. 232,32 a.vir.
gegin Gegend 67,6. 131,31.
geh jöhj ungestüm 414,8; gah 455,9.
gehabd, gehab Benehmen 126,23. 24.
322,8.
gehaben suhsi. Inf. 73,30; sich g. sich
haichmen, bejindendbß2. 37,10.48,22.
57,32. 69,28. 83,22. 91,32. 92,1. 112,17.
12i),30. 131,5. 132,14 tusw.
geheilen heil werden, heilen 197,9. 467,4.
gelieiss^e), gehaiss Versi/rechung 184,16.
282.16. 285,21. 418,9.
geheisv^^en mit Dat. versprechen, in Aus-
sicht stellen 69,2. 237,17; daz g. land
150,11. 451,21.
gehellen zustimmni 340,1.
geherz beherzt 207,18.
gehilfe 207,17. 423,24. 484,5.
gehorde Gehör 209,6. 316,8.
gchorsanii, -e Gehorsam, Klosierzucht
70,19. 73,32. 81,14. 218,5. 273,2.
274,13. 320,8. 340,15. 381,8 usxv.
gehügde Gedächtnis 215,13.
geierreu 54,11.
geil muttrillitj 105,21.
geisel 43,5. 9. 16. 19. 21. 44,6. 22. 199,6.
geiselschlag 204,18. 315,18. 541,27.
geisloii 42,1. 43,25. 205,22.
geistekeit 185,3.
geisten sjnrare 185,27.
geistenrich, geistrich 160,6. 171,2. 193,4.
geis(er und geisterin 83,14. 15.
gejegde Jagd 103,12. 216,14.
gekeren 361,29.
geladen Part, beschwert 175,2. 212.:^.
309,23.
gelagen außauem 375,27. 448,7.
gelassen, -z(z)en, -zsen verlassen 79,;iC».
124,29. 238,17. 251,5. 270,15. 272J.S
us^c: Part, gottergeben 37,7. 54;t2.
93,9. 127,29. 166,21. 168,3. 9. 21. 26.
27. 29. 169,8. 19. 22. 28. 170,7. y.
14. 232,17 usw.; sich gelan :mi4.
gelassenheit, -z-, -zs- 53*. 23,5. 10. \^.
63,7. 54,3. 97,13. 127,6. 9. 25. 15.^,15.
161,10. 14. 16. 20. 23. 25. 29. 162.1.
6. 8. 165,11. 170,5 usw. usw.
gelassenlich, -z- 34,15. 189,5. 232.14.
geleben erleben 73,14; gelept im geist-
lichen Leben erfahren 184,2. 7. 3'2S,i
338,2.
gelegen die spräche verlieren 270,23.
308,17.
gelegenheit Sachlage 93,24. 358,14.
geleichen, sich *. rühren 45,10.
geleisteti 72,7. 227,21. 237,13. 269,8.
270,2. 290,15. 296,18. 301,2. 375,:ß.
420,25. 430,21. 448,12. 509,16.
geleuden landen 377,9. 449,23.
gelert Part. Adj. 293,11. 328,4. 502.2i).
503,12.
gele8s(e), -ze, -zse Gebahr en 65,3. M7.15.
301,22. 336,16. 554,28.
g(e)üchen 209,4. 259,24. 363,8. 4093-
440,31. 496,16; sich g. 209,4. 258,27.
361,18. 363,15. 411,12. 421,5. 4212-
441,22. 442,10. 473,15.
glich(h)eit 92,6. 180,1. 25, 256,2. 261.18.
262,2. 274,27. 293,22. 310,2. 317,5.
338,4 usw.
gelichnüze, glichnti8(8e), -nn8(8), -nüst
-nust, -nisae 144,26. 181,9. 191,1. a
192,4. 196,17. 198,4. 214,24. 241,24.
302,24. 338,13. 20—26. 339,4 usv.
glichnusgebend 3,8. 191,10.
glichstan 127,6. 256,11.
glichformelich 490,11; gelichformigken
P. 526,29.
gelid, glid 91,23. 210,1. 21. 317,3.
339,7. 9.
ieben litb machm 114.23. 253,4.
»" 413,4; sich g. 210,15. 548,11.
^-liegen lügtn 294,4.
i;eliger Lai/irMSHi- 44,35. 45,5.
jr(e)Umi)f, -Qpf Schicbtiekteit , angt'
mtsKenr» Senthmen 136,ln. 288,16.
370,6.
^liiuiifea Xa^lixtcht ührii, rrruHheu
48.^10.
?Iobfe(,Kelobe71l,29. 80,33. 89,16. 100,26.
lul,l. 141,9. 154,4. 39H,1U. 492,27.
498,10.
jf^oben. g(e}10beu glauben, gdolien,
KntcA«i<:AtV»nH 187,28.251,15. 419,13.
KS4.10. 432,18.21. 486,15. 498,3. 502,
KT. 16. 603,19; sich g. abstrhr» 372,11.
4til,lB,
^lobet belman 466,,i.
^elöbi^ treu fßdftig) 2:-tl,20.
gelos = getess 491,82.
Miosen 126,18. 281,32. :)66,19. 371,-2;i.
4H8,10. 14. 18. 460,20. 504,18.
gelt Jiuahlung, Geld 67,28. 79,11!.
146,15. 25. 147,8. 148,13.
gelten eurückeahhn 146,17.
gwltibleide, -bte 144,10. 16. 152,7. 361,8.
410.20.
^lAben grt'iht'i 214,18.
gelökfl, -tWe.l, glökut) l.i,22. 23. 1:^2.11.
2.'i5,4. 394,7. 483,6; (rliik(t)rad 123,20.
421,18. 435,7; der Glükd rad 3ß4,2ft.
g(e)löckhaftig 894,25. 33.
gpl6deni rriim, crrlackm 377,4.
arfellöst« 170.13. 209,10. 316,19-
g(c,ilu§tfn 228,11. 264,23. 303,5. 412,3.
429,8.
glAsÜicIie Adr. 486,10.
gMiiBch Bfqiumlichlitit 35,15. 46,27.
55,11. 29. .16,7. 238,2. S47,13. 284,16
UMW-
Btahel 211,16. 212,12.28. 213,23. 30.
1^,14. 17. 244,6. 254,23. 266,18.
396,3. 296,14 usw.
genwliellich 206,27. ■2i)6.-2i; geioehel-
lich 4ftS,3.
■kheln, geinehelij vnnShlcn 15,16.
gemahelschnft 11,20. 216,25. 219.2{t.
361.25. 409,18. 411,20. 538,6.
gemabplviiigerliD Virlahungsring 213,
29. 407,9.
gemarg Mark 120,11. 137,27. 358,11.
gemasse rischgenossr 24,18. 22. 25.28.
428,11.
gemechli kUinf Brgutmliehkdt 84,5.
gemein, der g. einne P. teueus commu-
nis {vgl. heiiiflf im Arclitv II, ööH)
521,24.
genieiiid(e) Kloster- und Dwf- lictie.
Sladtgtm*i%tdr 42,9. 148,11. 3RS,5.
487,12.
geincinden, nicb v. mittalen 189,4.
gemeinliah(e) Ädv. gewöhnlich, für dir
Hegel 98,20. 137,5. 173,18. 183.21.
300,9. 344,23. 360,18. 456,17 usir.
gemeinsamen mittcilrn 482,17.
gemeinaaini , -e Getnfinsehaft 73,3.
22t),18. 356,26. 390,4. 471,9: ge-
meiDsamkeit 337,29: gerne im otiiklicb
831,21.
gemeiBterQ 88,5.
geraett siatific/i, «rhön 206,4. 244,15.
316,13. 376,3. 406,10. 447,13; des
gemeit«)] biten 26,5. 9.
gemerk(ei Augfimrrli, Zirt 34,14. 163,h.
177,1. 341,15, 356,24. 357,14.
gemurkeu 181,23. 285,12. 452.16.
ge messe angrmrgsen 08,9.
gemessen .^5,13.
gemülle A'taub, Kclirirhl 490,1.
geniiirt' 217,7. 367,22. 440,18.
gemät gtstitntnt, aohigrmul 97,18.
314.26. 429,6.
''■ gemSten hegthren 241,17. 425,1.
: gemiit<e)klich, gem6t. 21,12.99,9. 112,8.
genade ». gnade.
' g(e)nageii 40,18. 125,16, 412,11.
' genatflrt Pari, ran Natvr amgtaiuUet.
I begabt 108,4.
j geiicuieu = iiemen 493,6.
geuemineu iitnncn 606,1.
geneten, sich s. rrllm, am Lrben tr-
luilleii 82,5.
I I.ebrrt bltihtn, rrrtiUt
•■dtn ia3,l0. 271,1. 801,18.
578
Glosaar.
geniess Vorteil 380,14. v
geniessen 27,4. 80,23. 33. 100,25. 139,1.
141,9. 195.3.
jreuieten, sich (/eniessen, sich erfreuen
308,14. 312,30. 399,29.
gfe)DOt(e), genot Adj, Adv, eifrig, be-
flissen 54,19. 87,17. 115,24. 116,14.
119,3. 124,26. 171,14. 234,25. 377,12.
449,26.
genoz 252^1.
gcnüg(e)de, gmigd 48,19. 49,26. 111,20.
166,9. 228,18. 245,9. 274,8. 489,5.
gemigen 231,11. 468,2. 482,18.
genuhtsam, gnubsam reichlich 134,32.
540,11.
genuhtsamkeit, gnuhsamkeit Fidle,
Beicht um 14,13. 255,4. 554,4.
gerachen P. erreichen 510,9. 22. 23.
geragen sich ausstrecken, erstarren
71,26.
gerasten 415,16. 526,29.
geraten 166,7. 406,18. 448,17.496,11. 13.
502,13.
gerechnen heröchnen, aufzählen 259,2.
gereden 502,14.
gereizen 206,24. 309,2. 397,8.
geren begehren 239,12.
gerereu vergiessen 208,20.
gerichtklich in Ordnung, gewandt 162,4.
^■eringklich leicht, schnell 234,2.
gerochen gewähren, genehmigen 236,16.
263,17. 308,26. 375,12. 440,30. 447,22.
491,6.
geninbel, gerürabel, gerumpel Unruhe,
Gerumpel 364,16. 423,19. 522,1.
geröne Gerauue, Einflüsterung 312,4.
504,13. 20. 505,2.
gerüwen Frät. gerow unjjers. reuen
41,21. 42,11. 58,20. 106,17.
geruwen 55,13. 202,19. 440,5.
geriiwig 502,22; gei-üweklich 426,22.
gesach in got gestgnt't, heatusl 31,25.
227,22. 244,5. 284,25. 287,19. 422,10.
4:^2,6.
^^eschadon 445,27.
geschaffen ausrichltn 218.20.
ge.^chaf(f)cn Part. Adj, geschalfvn, bc-
schaj/ln i:)8,.{2. 201,17. 232,5. 241,19.
I f-t
278.21. 293,14. 345,8. 359,15. H8:U1.
464.27. 471,17.
ge8chaf(f)enheit 53*. 157,15. 158.1.
162.28. 174,8. 554,2.
gescheiden 229,4. 415,22. 454,10. 465,2.1
geschelire) Lärm 4:3,32. 67,5. 75,6.
geschenden in Schande bringen 119,18.
120,5.
geschezzen 93,14.
geschickt Part, Adj, gestaltet, pasiieud
552,6.
geschiht, von g. V07i ungefähr 81,U'.
gescblichter halm geglätteter 16,25.
ges(ch)lifne(r) zunge 372,18. 461,21.
geschophde Geschöpf, Gestalt 280,4.".
geschowde Anblick 43,24.
geschrei 136,30.
geschrift (die heilige) 394,23. 24. 89U
420,18. 499,8. 500,8. 501,20. 502,l.i.
24. 505,23. 506,7. Vgl. schrift.
gesegnen 32,24. 122,23. 24. 138.14.
143,15. 144,5. 396,5. 549,30.
gesell(e) 16,30. 31,33. 53,30. 64,31.
66,10. 69,3. 71,7. 74,14. 21. 24. 75,14.
76,15. 23. 78,23 ustc.
gesel(le)klich 143,22. 144,6.
gesengeli 21,18.
gesetzde, gesatzd 243,21. 3.57.21.
gesigen 245,3. 460,3.
ge8i(c)ht Gtsicht, VtJtion 6,7. U^-
20,12. 25. 22,3. 23,13. 24,5. 25,4. M
31,14. 32,25. 40,27. 44,16 wnr. uff^-
gesihtig sichtbar 190,8; gesihtiekilicli
295.22. 296 5. 299,15. 427,9.
gesind(e) 32,7. 40,28. 74,25. 76,4. 101,1^
136,1. 370,15. 16. 426,17. 459,4.
gesingen oder gesagen P. 510,6.
gesitt geartt't 481,5.
gesitzen 460,20.
gesraclzen 228,29.
gesmidc 251,21. 414,15.
gespannon Prät. gespien .vpannrn 41.1^-
42,29.
gespil(ej Ge^^nelin, Genossin, M-
Schwester 80,28. 137,7. 138,10. U.
483,24.
gospilschalt die KlosterfrtwuUnM^
372,8. 461,12. 463,25.
^V 579 ]^|
gevan^nfist, -nöss, -nuss 60,10. 112.17.
11.3,3. 539,16. 26. 644,6.
77,29.
geveht 9,23. 371,15. 460,12.
mil D'U. Im einem utehtn
gevelle Otfallen 167.1.
4ßO,I9.
gevellig 115,18. 138,14. 304,12. 3-30,12.
2,8.
387,19. 420,13. 468,24.
fi3,fi.
gevellikeit 373,9. 469,25.
)h Priit. gaste atoU, freudig
gever ftindnelig 81,8.
m. 32,6.92,12.227,17.408,1.
geverde, ane boae g. ulmr WntrrhoU.
498,27.
uhm (löse Nehenitbsickt 42,10.
<irÄuA«6m(j;e» 80,20; rahig
K«vild 549,7.
346,13. 349,29.
geHisaen Part. brjlia»m 227,2.
6,28. 172,13. 254,11, 29(),17.
gevolgen 186,19.
ich niediriaaaen 423,17.
gefröwen 276,4. 4:*i,ll.
Hia<ih M7,23. 548,23. 554,19;
gefründeu, sicli sich hrfrma<U-n, ».
ich 28,7.
Freunde machen 409,20; (felrüut
gesfichc Vtrtanq<:n 47'.
241,13.
74.2.
gefüg ntiig, eierlieh 552,7. 18.
18.
g«ffig(e) J-\tff, Sehic/ilichknt 370,6.
229,18.
458,14.
75,2ß. 448,5.
geffigel (ieflügd, Vögel 370,12. 458,23.
45,18. 47,6.
gefölen suhat. Inf. QefShl 492,21.
,28. 69,14. m.
geffUIich 489,2.
422,8.
gcfur Nutem, Gewinn 18,23,
i(eii) Ade. 26,96. 1Q9,6.
gefürdie)ren 96,14. 154,2. 250,10. 289,S.
|id, -t, geawistergid, -l (if-
gewaltklich 243,9.
r. SckirrgUr 22,11. 31,33.
2,28. 29. 73,16. 446,2.
B. 172,3. 8. 410,2. 471,21.
67,17.
eutr. dat m W.thlntde, Loas
gewegen wOgr:» 250,12. 4)19,17.
gewegen Part.Adj. gtioirhtig, gewoi/en
^rt. triln« 20ti,20.
~ 115,4. 129,4; irewegeiilicli 204!l5.
197,16.
422,18. 4:11,20.
nihtn, Lebemtirtiiie 327.23.
gewendM 648,25.
433,11.
gewenken skh ohwrnden 23.^,15. 289,2.
^träw 444,8. 468,28. 486,5.
gewennen 82,22.
,17. 491,9. 493,20. 506,18;
i)Uch 109,7. 209,16. 22, 24.
g«werb(«> Bwhüftigung. TrHbfn 186,1.
821,14. 373,18, 443,23.
192,26. 372,5. 437,20. 461.9. 520,22.
geträweii 100.26. 364,29.
gewille Gewngr 289,18. 430,2.
1113,15. 459,22. 483,6. 485,11.
gewirbig miig 96.15. 99,17.
tSIB.
it Kiihnhri<, Vtnrigenhrii
gewoneu geicohnt lerrden 422,6.
1,21.
»,2. 138,2.
gewordeaheit 178.10, 34t,B. 358,2.
lieh », ricini'ien. HMgen 432,2,
gi-wordenlich .i^l.15. 333,4: gewordi-n-
22,17.
lichkeit 188,18.
5b0
GloBsar.
geworten durch Worte ausdrücken 23,7.
94,7. 101,13. 185,24. 223,26. 304,26.
309.30. 342,7.
gewülk, gewülkeii Gewölk 59,11. 186,1.
478,17.
gewülkter thron mis Wolken gehildei
14,11.
gewTindern 418,1.
gewürken 431,5.
gewürm, gewörmme Insekten 39,19. 23.
40,19.
gewörsen, sich s. schlimmer machen
40,25.
gewüsni, gewüssne, gewissen (i) Geirissati
99,25. 229,2. 251,23. 2^)4,14. 358,16.
375.31. 456,8. 495,39. 503,7.
gewzen (vgl. Var,) quacken 305,26.
gezellen 210,13.
gezem geziemendy gemäss 206,13. 358,3.
469,19.
gezemen 167,1. 2.
gezemmen zähmen XlO^l.
gezierd(e) 22,4. 33,3. 10. 20. 213,8.
224,8. 25. 299,11. 19. 304,17. 378,9
usu\
gezimber Bau 217,8. 218,7.
gezog Schar 29,19. 20.
gezow Werkzeug 167,23. 160,6. 383,17.
350,8.
gczowlich instrumentalis 335,16.
gezügnüst Abrechnung, Zeugnis 146,27.
525,1.
gezwifleu 263,3.
gezwungenheit 10,8. 436,9. 454,14.
gibel 190,15.
giesse schmaler tiefer F'lussarm 81,7.
549,11.
gilt i'ew. u. Ni'utr. Gift 75,6. 17. 135,14.
137,24. 252,18. 372,10. 435,6. 461.14.
giftig 77,16.
giftsekli 7;'), 15. 76,2.
git'ttrager 75,5. 77,3. 5. 17.
giofPH geigtn 242,13.
gimrae Julelatiiti 303,2.
gin«Mi^ä//;^(/U7,18. 92,18. 361,22.411, 17.
girdo 202,17. 242,17. 278,13. 307,27.
300,11. 375,20. 384,6. 431,1. 445,25.
46H,8.
girüch 472,16. 477,13.
gitekeit Geiz, Habsucht 67,24: gitie
284,17.
glanzenrich 10,22. 187,17. 189,24.
glast 59,12. 13. 23. 25. 203,22. 224.1.
233.8. 263,12. 267,1. 276,23 usir,
glid s. gelid.
glich s. gelich.
glimpf s. gelimpf.
gloria tibi, Domine 375,6. 447,16.
glorie 306,12. 336,22. 337,17. ois.ll.
534,18. 21 ; liecht der gl. 244,9.
glorifiziert 291,28. 294,13.
glose Auslegung, Umschiceif 369,^.
372,10. 461,14. 529,9.
glük s. gelük.
glüjen 224,20.
glust s, gelust.
glüt 47,6.
gnad(e) 228,15. 232,27. 246,14.246.7.
23. 25. 251,4. 256,21. 263,23. 264,7. lö.
265.9. 13. 266,4. 20. 24 usir.
genaden gnädig sein 2S8,^. 361,1'^ •
suhst. Inf. danken 37,16.
gnad(e)lo8 von Gott verlasse?!^ ungUid-
lieh, ungefällig 5,6. 228,10. 267,i.
300.10. 301,9. .862,1. 395,25. 4IJ8.i
. 439,18. 402,4. 511,17; gnadlosi 221.i:^.
gnadenarm 428,6.
gnad(en)rieh 32,8. 92,19. 101,25. 137.14.
174,24. 266,3. 376,6. 439,17. 440.1.
448,18. 488,24.
gnadenrichkeit 151,7.
g(e)nedig 381,1.396,24; g(e)ned(e)klicl»
68,1. 124,11. 130,2. 176,16. 1&7.'^
214,29. 303,7. 319,4.
gnagen s. genagen. |
gncist s. ganaist. i
gnot(e) s. genot j
gnügd s. genügde. |
gnuhsam .v. genuhtsam.
goch Kuckuck 310,17.
gold, -t 251,20. 282,27. 428,19.
Ciolyat — der böse vient 553,16.
gottes dienst 465,1.
gotteskind 246,20.
got(cs rainnend 29,19. 393,4. 487,14.
1
uer 392,21; (foticsiiijimcrin
,U»lat'i 47,7. 115,22. 148.11. 103,15.
471,18.
denn aac^-ihga 128,2.
grübli 39,15.
*r 554.14.
grtn 148,21. 26; gräae.i 344,3.
d 48". 34,1(1. 51.19. 69,4.83,13.
gnud, -t. 4,13. 14,24. 16,8. 20. 54,22.
70,1. 8ö,4. 91,7. 9B,12. I17,S3.
72,30, 114,26. 140.11. 156,24.157,24.27
la8,12. 142,0. 144,1. 148,21.
uair..- roitt'ronde, ze gründe ffriind-
HJ6,14. 188,9.327,25.388,13.
i.-eA,30NSa.ffnr 159,15, 162,1.182,27.
4ai,4. 429,5, 431,21. 409,17.
249,3. 260,7.9, 81ft,9. 396,18. 3H4,25
r 1Ö6.26. 335,3. 35tS,18. 379,2.
u«tr.
lolUtiiff, fromm 4,25. lö,:».
grundböswiclil 77,23.
17. 110,1, 2. 143,20. 144,4.
grtotikh,eTUiitlich 189,3.287,18.-331.23.
205,21 u»,r.
346,18. 511,.^.
BO*. 133.18, 250,21, 367,13.
gnintlieiilkh 275,13.
grundlos 11,5. 13,31. 14,32, l.i,U, 29,11.
i> Ootl rtrlagset, 169,3. 219,19.
33,19. 31. 90,24. 26. 32. 100,27. 126,2«.
127,10. 20. 138,1. 171,21 u«ir. «*.<■..■
ch P. 526^.
gruudlosklich, -loselich 121,28.179,20.
?. 581,5.
304,2. 325,15. 378,9. 466,23. 52.1,11.
id 367,18, 466,22.
gruntrüri drr tiefste Grund 331,11.
12,16.
graeeD Sahtt. Grauim 9,10.
,26; graet P. 628,22.
grtwel Grtuel 107,23.
ea, 519,26.
grAwlich, grfilich 79,2. 80,6. 89.11.
m 397,28.
107,6, 204,14, 21. 910,19. 229.30.
288,10. 304,9. 478,14.
248,29. 265.7. 316,26, 319,6.
1, unt 383,3. 388,20. 418,1.
gogen, guggen 361,19. 411,13. 433,1.
455,11. 464,17. 499,5, Ö05,9.
guldiu, gtldiD Adj.Si.n. 130,9.149,16.
228,29. 244,12. 18. 263,19. 374,17t((m'..-
Uten 367,12.
3uh»l. 72,6, 146,21. 475,13.
grimmiff 68.6. 646,18.
gült« Schuld, Zins 145,16.
fhmfMerFett'i-ih-ff'l.Schirnrtf
gameo Gaumen 491,29. 49331.
gÜDlich A4i. herrlich 593,13.
wd 28,7. 463,5.
gfiDÜchen verheriliehtn 363,16.
15. 16.
gÜDlicht HerrliehkHt, Giilliehktil 23,2.
6. 9. 43,6.
95,7. 246,19. 337,13. 356.24. 391,8.
riffen 287,6. 468,16.
476,18; g&nlJcheit 547,34. 650,9.
S9,5. 453,4; griiumkeit 85,1».
gunnen P. 528,26.
'rät. greiii wntie» 39,19,
guDst 166,30; gfuiBtig 129,1.
in mü den Zähnen Imirtehm
giirtel 40,4.
288,28.
güs Scharon. OberichKfmmunff 71,16.
12. 893,9. 340,1.
götdunkeii P. aub»t. Inj: 633,3.
5,4. 168,25. 162,29. 168,11.
gütekajt, -ikeil 179,24. 380,32.
guten, sidi s.freutidtieh mMi»«i202,!L
189,13.
233,6.
S58,^ 29, 294,33.
gütgtwüiiiier Händler 74,2.5.
riw 179,19. 258,18. 201,29.
gölheit 178,23. 179,7. 32.
gfitherzig 6,9, 14, 78,1. 874i2. 97.5.
gTCi8Uch(eo) Adr. »ehr. I.r-
124,17.
582
Glossar.
giiti, gute, göti 215,16. 236,14. 241,16.
254,5. 258,15. 263,18. 360,27. 417,14.
447,24. 467,19. 478,1. 498,20.
gütig 119,3. 426,26.
gütlich 24,18. 32,12. 86,24. 102,9. 113,4.
116,28. 117,6. 122,3. 127,18 usir.
gÖtschinend 125,18. 156,17.29. 385,16.
gütwillig 28,31.
gylie .V. lylie.
Ifaben, sich s, halten^ betragen 553,10.
haft I^'essely das Haften 190,13. 283,22,
390,8. 471,14.
haften 158,26. 473,17. -
hag 432,1.
hakbank 343,8.
halbgclassen 169,24.
halm 16,25. 514,3.
halten, sich 187,4. 352,4.
haltnng(e) 218,8. 381,26. 413,18. 463,7.
486,12.
bamerschlag 545,15.
handeln, handien behandeln 46,7. 57,4.
58,13. 68,23. 8r),29. 99,18. 110,28.
204,25 usiL\
handvol 214,2.
hankrat, vor h.tten ziten vor dem
Krähen des Hahns 540,5.
hantel (vgl, Var,) eine Art Handschuhe
ivyl. Lex, 7, 1173) 40,13.
Iiari)f(e), harph(e) 31,18. 225,5. 323,1.
3. 400,27. 426,4.
harphen 242.13. 250,17; harpfer 432,11.
harscher Kriegsknecht 75,4. 83,7.
havendirn(n)e Küchenmagd 372,25.
41 ; 1,27.
hoogli 43,19.
beide 125,22. 189,26. 224,25. 242,11.
240,6. 804,17. 805,4. 828,19. 371,2.
374,18 usw.
!ieideusch heidnisch, ausländisch 171,12.
.".28,19. 34S,12.
heidinn H)0,27.
heil 2:).y8. 814, 1 8. 429,13. 4S8,5. 484,1. 22.
heilnnt 29,8o.
ijrilii.n'11 47^>,ir\ 4sij,*.\.
heilikeit 120,10. 141,6. 142,4. Ibälii.
431,7. 487,6.
heilklich(en) Adv, auf frommt Hmt
101,21. 218,3.
heüsam 251,24. 252,19. 394,30.
heimlich, heinlich heimlich j vertraut
7,9. 42,13. 43,14. 74,7. 79,27.^5,4.
103,14. 113,24. 120,38 usw,
heimlichi (e), heinlich i Vertrauthriu
heimlicher Ort 6,12. 7,11. 15,:^i.
16,29. 42,26. 84,16. 115,6. 143;^"-
166,30. 173,15. 201,25 usw,
heinlich(k)eit Vertraulichkeit^ rertmu-
tes Gemach 181,22. 491,11. o^sÄ
heimüt Heimat 240,20.
hein = habent oder von haben, hängen?
29,1.
heischen 161,17. 274,8. 309,4.
heiser 269,28; heiserlich Adr. 71,2*2.
heiterlich 172,14. 304,20. 374,2. 44(v.
heitri 233,23. 364,24. 424,13. 15.
held, helt 370,24. 435,6. 459,14.
helfif(e) Hilfe 462,15. 504,11. 17.
helf(f)io8 375,7x 447,17; hilflos 2T2.1K
Hellas Ältvater 105,19.
Helyas P. Prophet 509,5.
helle Hölle 22,28. 62,16. 63,5. i>i:'.'-^'-
183.18. 159,12. 212,7. 214,;^. 2:;»'.^
287,21 usw.
hellen hallen, lauttn, iibercvisthni»^'*
184,9. 844,11. 345,8. m),iH, »H-
4()4,27.
hellung das Hallen, ÜbereinstimmiK'
17,28. 27,20. 157,14. 181,81. :U4.n-
855,4.
heisch höUisch 61,10. 181,11. 2a'i.7.
hemde 39,7. 107,5. 422,7.
hendli 30,9.
hendschlagen, hentslahen 6uhst. 23b.'«^-
458,14.
beugen nachgeben 503,7.
hen(c)ken Prot, harkte 2(U,22. :>2.:^'-
464,10; sich h. 264,17.
her 72,1. 138,17. 211,9. 20. 227.-2^
238.19. 241,7. 243,3. 6. 244,3. 252.10.
264,15 usw.
\ her ab komen :i65,33. 487,6.
Glossar.
583
10. 76,20. 82,9. 117,28. 140,1S.
78,1. 284,80.
lerrlichkeü, Würde 84,20.
421,2. 8. 9.
in hären 39,7. 89,9. 40,17.
\H. 20. 107,5. 422,7.
i^ubst, Inf. 473,7.
)4,1G. 315,15. 540,81.
Hoheit 108,3.
ngelchor dominationes 243,17.
lertikeit 98,15. 106,1. 142,20.
2S2,15. 238,14. 247,21 . 278,31.
1 78,1. 83,5. 123,2(>. 181,21.
38,19. 472,17.
1 herheiziehtn 128,14.
1,8.
11(1 861,52.
h hertz(e)klicli 11,9. 14,24.
5,17. 87,8. 48,26. 48,(;. r)0,15.
),2(). 100,19 usw. usw.
ht 105,1.
rd 80,2.
3()8,1. 440,25.
122,2. 11.
li't 143,26.
u Subst, 453,14.
— t 35,31. 41,15. 72,17.
5,10. 91,2. 11(),26. 204,10.
r. 218,2 um-.
r8,l7.
5b, — p 26,17. 444,7. 486,9.
^Subst, yeair, 281,1. 481,24.
SnbifL Fem, 490,1().
69,25. 419,4.
hertzenlust 14,29. 224,6.
132,2. 248,20. 825,4. 427,16.
48,18. 899,21.
247,12. 459,27. 50:^;.
Icrzaajt 16,85.
ach r. 520,82.
Subtif. yeuir. He.zens-
27,4.140.7.10.878,15.421,14.
lorztrut 226,12. 268,19.
herzenfrid 180,18. 219,26. 221,11. 297,2.
8(56,11. 488,4. 457,1.
berzenfr6d(e) 897,11. 460,14.
berzenwunne 215,2.
herzen wünsch 225,12. 23o,25.
herzU 121,14.
herzlicheit 895,22.
hesli 54,23.
hesslich 185,29.
Hest^r 266,19.
her und(T komen sterben 121,1.
Hilarion 105,21.
himel, der iiünde h. 241,25; der fiiriu
h. 241,27.
hiinelbrot (Manna, Euchariatiet 50,14.
298,18. 808,15.
himelport 252,21.
himelrich 22,28. 28,4. 80,12. 49,19. .s9,12.
21. 95,29. 124,12. 159,13. 201,17.
412,8. 507,17.
himelsung 69,22.
hinielsch 101,14. 192,29. 214,9. 222,8.
415,28. 416,18. 440,19. 447,5. 452,12;
biinelscblich 21,16.
himelscbar 69,17.
biinelschhait drr himmUxdu- 7/^/547.25.
hiiuclsmak 11,15.
himeltow 409,5.
hiraeltrager 80,11.
bimelfarst 20,12. 246,20. 510,16; hiinel-
fi'irstin {Maria) 11.8,4.
hinabt hrutf Nacht oder Abend 51,7.
8.8,1. 89,6. 118,28. 146,12. 284,29.
895,22.
hinderbliben P. 51(;,18.
binderdenken (.sich) s. mit Oedanktn
in etwas nrficftn 28,20. 55,5.74.17.
W,9. 2(H).24. 207,7. 209,19. 211,7.
228,3. 22!»,1(; iisir.
binderj^an itherftilhn .S7,19.
liinderkhifen rcrleumdtn 105,10.
biiiderniss, -nüs, -uns 170.8. 221.27.
879,8.
hinderschlirlien ri)H hinten hrsvhltichin
28SJI). 2m;,11.
hinilerstan utifln.urn 870,2. 45Sjll.
bindiian atn Uinttu 2^0,17.
bindnmjre ^51, 5.
584
Glossar.
hin glentzen 420,9.
hinken 429,4.
hinlessig fahrinssujy lau 28,2S. 484,12 ;
hinlessikeit 133,22.
hillliche AdiK nachläsaiy 297,29.
hinnen, hinnan = hin(len 41,14. 2(). 28;
von hinnan von hier fori 287,26;
hinnan für hinfort 51,14. 55,7. 12.29.
hinscheiden71,26.274,15;«w6«Mn/.89,23.
312.24. 320,11.361,10. 411,2.538,27.
hin trieffen 92,25.
hin(c)vart, jüngste Tod 37,19. 73,24.
80,2."). 88,17.27. 155,7. 278,15. 287,21.
315,29. 401,8.
hin vliezen, -fliessen 204,6. 244,4. 249,27.
315,3. 383,23. 465,16. 499,7.
hiuwerf Aus^ivurf 35,11. 13. 225,15.
367.25. 440,23.
hin werfen 49*. 72,10. 121,34. 321,20.
389,<». 442,3. 489,26. 505,3.
hinziehende ding res transiioriae 1()9,23.
hinzug, jüngster Tod 274,16. 284,28.
hinü Hirn 120,34. 127,28.
hirskomli 239,16. 18.
hir(t)z216,16. 388,9. 435,1 1.436,7.469,13.
hizzig, hitzig 18,15. 37,5. 134,33. 210,22.
216,16. 268,9. 271,23. 295,12. 313,19
usw.; Iiitzeklich 201,4. 210,8.
ho(c:)heit 205,2. 24S,21. 429,21. 469,19.
hochgemut 28,12.
hohgertogen 1H1,2.
hochmutig 506,25.
hochtragent hochgetrag^n 481,8.
hochfart, hofart 133,4. 142,14. 383,7.
464,23.
hochfertig, hofertig 131,22. 420,14.
443,19. 507,6.
hohi 27,21. 156,5. 185,27. 309,22. 374,4.
446,10.
holizit hohes kirchliches Fest 21,r>. 59,6.
112,24; hohzitklich 233,21.
holt holdj gewogen 415,4.
holrz 442,31.
hoiig, honig 96,1H. 159,17. 223,7. 427,13.
43.'),5. 552,3.
honitr^^oin Jlonigsdin 22o,7. 264,27.
lior (ivnct. horwcs Schuuil: 138,26.
237,3. 473,14. 542,20.
hord, -t Schatz 29,17. 30,10. 5i)Ji.
207,20. 259,6. 263,13. 27o,l. 290,2.'). '
366.27. 429,6. 439,7. 538,23.
hören aufhören 44, J. 69,10.
hörn 43(),8.
I hof 111,8. 112,7. 137,5. 152,22. 2421
284.28. 304,10. 374,28. 442,.m 447,7.
457,1. 490,14.
I hof(e)lich fein, artig, zart 12,24. 2tv.
149,9. 369,29. 371,24. 372,17. STU
447,13. 450,30. 458,4. 460,21. 4«1J.
hover Höcker 135,29.
I hovieren in festlicher Geselligkeit sich
erfreuen 149,12.
; hoftür 74,27.
I hübsch 30,8. 121,29. 122,7. 139,3. m^-
hufe, huff Haufen 68,26. 552,23.
, huffen, die Hüften 45,9. 20.
hügen sinnen, verlangen 498,20; w-
pers. 264,24 ; sich h. s. freuen 233;2a
hiiglich freudig, froh 18,3. 28,13. 93,5.
258,22. 277,4. 811,16.
hügnüst, -niss Gedächtnis 169,13. 803;23.
huldte) 73,9. 2,50,25.
hnlden, sich s, gentigt machen 92,7.
hülsche Hülse 207,15.
hnlzin, hultczin hölzern 41,6. 50,2^- ^•^'
hund 58,6. 368,27. 397,19. 443,S. 13:
hündli 100,22. 121,34.
hündern = hindern 474,16.
hunderste, daz aller = hinderste dof
Alleröiisserste 209,26.
hunger 296,25; bungermali/ttw^«"!'^^-
hungersnot Bedrängnis durch Hunflfr
443,2.
hungfejrig 91,5. 121,15. 4.56,5.
hure heuer 409,15.
hüsli 66,4. 71,19.
hüswirt, husw. 24,21. 142,19.
höt 38,2. 484,23.
hüter 414,23. 420,10; hüt^rin 2r)l,l7.
321,11.
hütig 236,19. 469,3.
Iiütuust Behiltung 103,10.
hüwlen heulen 57,27. 86,17. 122.21.
131,4. 238,29. 287,14.
hymnu.s 33,7.
•■rgang 98,0.
>9,4.
■MD liii:>,27, 282,30. :!Hö,4.
. 370,18.414,7.459,7.0(14,12;
in ^luigeD 549,27.
1 stenien Komrten hbi.X.
3!H),M.
3,17.
U 71,22.
t auf beiden ÄViVfi. 40,». 43,7 ;
3,21.
eit 52*.
0 gtradr jtlst 370,33. 4;>4,a
1,24.
der beJÜ? 3S2,ä&.
tttea» 188,3. 345,8. 353,35;
187,15. 329,3. 335,14. 342,8.
ihtikeit 342,21. %3,25.
ieHter hinein 331,11. 342,11.
sieb 186,8.
n it Phanl asiehildem vfiih ischl
• Einirrägiing der Phantagtt-
tHfnii>»io 306.14. 311,2!. 831,7.
524,8. 526,21. 23.
ibiM Mahlsiit 44,5. 86,27.
fruger i. 74,1^1; vast^nder i.
15. 158,31. 189,19. 33ö,lU. 11.
850,24. 478,7.
301,11.
1 157.1.
:inbruch 382,4. 463,14; i. der
^intifhung der Sinne 168,30.
inbrüchig innerlieh 175,36.
15,28, 16,4. 18,16. 29. 107.
[ÜB,ia 133,13.139,30.140,13.
tr,,-tDbniaHt(k)lich, inbrüiiatic-
11.314,3.317,16.395,27.435,2.
SftUngrunil 161i,2a
ubilo 21,19.
1, in IriLiizen V.>V^i. 193,1.
«aar. 585
I indrak 8,21; in drnken 134.27. 19ti,llt.
I ingang Eingang, Veraetkung in Goti
■ 4,2(i. Iß7,28. 232.21. 245,10. 284,2S.
' 293,14. 380,3. 431,3. 479,18. 48r>.29.
493,17.
in gebHckeo P. 615,3.
in gebrecben 382,19. 463,27.
' ingebnrt des nortes Ztugitng den Sohnes
aas rffm Viiter (in der Triniim) 279,ß.
ingeleze Einflüeterung 311,23.
ingead ringeltend, btginntnd 26,2. 4.
27,7. .^29. 111,17.
ingenomenbeit Vertmkung in Gott,
Beschauung, VertOctung 23,e. 174,17.
182,29. 188,6. 329,16.
ingeHclilosBen Part. 361,18.
ingeiiiHd(e) 20,11. 42,17. 69,16. 111.8.15.
112.1. 233,20. 368,5. 407,8. 427,18,
iDgetdii Part, eingttogen 163,15. 167,1.
ingefloMeuheit Einflitssung 193,7.
ingezogeu irt die Betchauung vtrsunken
144,12. 352,11; ingezogenbeit 478,8.
iugnmd{e) , TOn ana dem inneisttn
Grunde 48,7. 217,14.
iBgmotlicb Adv. von Grund aus 11,7.
13,27. 126,17. 138,1. 239,23. 257,11.
b] buDgeo einiBobnen 186,27.
iiibiteig, inhiK(x)ie/cur^ 24,31. 886,17.
466,17. 484,16.
injebeu nubst. Inf. Zurüekbtnth-ung
335.24. 359,12.
inker Einkthr, Versenkung fin aifh
selbst, in Gott) 1ii8,15. 169,a5. 223,21.
289,20. 309,13. 826,11. 332,2. 435,14.
470.4.
iu keren 335,G. 431,17.
in leiten einfahren 163,13, 170,25. 391,3,
476,10.
iuliden subst-Iaf. Gelassensein 164.19.
inliihten,lnlähteD4,7. 28,1. 85,24. 101,9.
168.16. 181,29. 196,7. 304,21. 327,6.
328,8. 390,5. 396,2, 471,10. 478,16.
inne blibeu 180,2. 184,23, 185,19. 31.
186,7. 191,28. 235,10. 844,27. 431,16.
inueirendig, inwendig 1tll,19, 182,20.
296.17. 463,25. 4!l7,:i.
inneweiidirkeil., innendekeil, 17,26.27,24.
48,20. 93,30,
586
(ilossar.
innen werden 500,20.
in nemen in Gott versenken 106,35.
161.12. 338,16. 343,25. 344,2. 3. 4.26.
innemung 339,12. 346,17. Vgl inge-
nomenheit.
innerkeit, inr(e)keit 11,13. 33,7. (>3,9.
163,14. 167,15. 16. 169,33. 211,5.
221,10. 365,<). 389,6. 7. 9. 444,13.
470,7. 9. 10. 14. 497,22.
innerlieh, inrlich 24,11. 36,20. 48,26.
95,26. 133,20. 14(5,12. 148,2. 167,15.
174,32. 179,3 usu\
innig innerlich, innig, indistinctus
92,30. 164,1. 165,24. 179,18. 181,16.
191,31. 355,3. 358,7.
In principio 186,9.
in rihen Part, gerigen einsfechcn 542,10.
in runen einßiisiern 504,18.
inschiessender gedank 8,26. 125,34.
498,11.
inschlag Kntriickung {myst.) 54*. 184,22.
189,21. 193,19. 327,5. 1^3,18.
in schliefen Frät, Bchlofte hinein-
stecken 40,5.
in senken, sich 186,3.
in sezzen 159,21. 162,6; insetznnge
:i50,18.
insigel Siegel 68,10. 155,18.
insprcchen suhst. Inf. Eingthnng, Ein-
sprechen 13,20. 87,8. 201,11. 501,5.
in Sweben 88,12. 173,18. 185,(). 16.
193,21. 330,14. 350,24.
in swingen in Gottes Wesen versenken
53*. 193,22.
in trugen eintragen, beibringen 97,10.
169.13. 331,8. 340,23. 351,22.
inturstig sehr durstig 210,7.
inval(l) 41,3. 61,25. 399,24. 499,23.
:)00,12. 18. 503,3. 505,8. 507,1. 3. 5.
intldschungie) incarnatio 334,3. 356,12.
in tliessen 178,21. 473,4. 478,5.
inHnz, -»'S Einßuss, Kinfliessung 197,12.
200,:{. 243,14. 302,5. 471,26.
in tinvn 169,29. 221.2S. 328,11.
inwert Adr, einwärts 413,11. 496,11. 13.
iii\v»:s<'n(l darin existierend 187,7.
in \\\>rn u;:^,ii. 1G«;,7.
in wonrn 47S,1<;.
in wurtzeln P. 533,22.
inzügig mit Genet, hereinziehend 1611.24.
Ipericius AUvater 105,9. 106,11.
irdensch 251,2. 266,3. 293,17. 28.
irde(n)8cheit irdisches, unvoUkommmtt
Sein 310,1. 390,21. 472,4.
irren s. ierren.
ir(e)8heit Xeutr. ihr eigenes Sein IsSJi.
337,13.
is 452,17.
Isaac 409,21.
Isaias 36,10. 363,6. 382,2:^. 420,7. mi
isen 427,7.
isenhalte eiserne Fessel 14,1.
isnin, isin, iscnin eisern 39,7. 41.'.
107,6. 252,7. 422,7. 452,16. '^2.29:
iserin P. 531,8.
Isidonis AUvater 105,7.
I8ra(li)el 454,20. 530,13.
istig existens, suhsistens 171,*20. i^^'M'
329,10. 337,17. .534,3.
istekeit, istik. esse, existentia 1^.25.
186,8. 335,17.
J.
Jacob, sant 546,21.
jagen 166,8. 4(KX6. 427,20. 469/2.
jainer 27,27. 111,16. 139,30. i'AÜ
220,10. 223,12. 234,8. 268,17. 27i'.2l.
28 imc,
jamern, jamren 22.3,1.5. 241,18.
jamersang 69,25. 239,11.
jamertal 91,2 1 . 237, 14. 433,2. 44r),3.:>:^' '•
jamrig 82,2. 95,5. 142,28. 173,22.822.11.
jannarkt 74,20. 26. 7(>,10.
jehen zugesteheti^ entsprechen S4,2l^'
157,4. 429,20.
Jeremias 183,8. 236,6.
jerlich 434,6.
Jerusalem 37,3. 278,14. 367,7. 22, 37S.1".
432,1.5. 439,9. 12. 440,19. 451.t^. ^
490,16.
Jesus 15,26. 21,18. 24,14. 2.5,21. 49.5.
50,6. 58,24. 102,20. 140.26. V^^-
14. 17. 22. 24. 154,5 usn\: deruame
ms 16,11.2.3. 41,27. 1.54,8. 3iv2.T.
393,16; Jesus duicis memoria 225,31
Job .55,19. 71,9. 182,3. 367,2.5. W3
489,27. 490,4.
Glossar.
587
. auch, sowie, füftcahr 79,30.
50,28. 222,19. 285,23. 380,29.
422,16 U81C.
t. Joch 56,7. 212,19. 216,6.
362,11. 381,27. 383,26. 413,2.
hhfisAUvaier 104,15. 106,3.27.
Johans der Apostel 102,8.
125,81. 340,20. 345,5. 347,23.
10. 471,16. 545,25. 546,18.
'hrysostomus 50,22.
. der Täufer b09,i. 510,15. 16.
M.
le benedicere 38,11.
tbilieren, in geistliche Freude
sein 15,21. 21,24. 173,11.
30. 175,20. 23. 242,4. 246,27.
•3,2. 7. 21. 25. 374,20. 446,25.
i 125,32. 126,1. 2. 5. 6.
6,3. 125,21. 509,4. 20. 539,28.
23. 106,19. 125,31. 190,5.
13,24. 2<)0,1. 11. 12. 261,24.
,13. 16. 291,14 MA/r..- juuger-
t2.
14,19. 116,9.
23. 21,8. 69,20.
— frowe 406,10. 407,11.
1, - frowelich 29,11. 252,25.
»,12. 481,6.
21,3.224,19.230,10.308,22;
te zit 324,4.
t ritterlicher Zweikampf,
365,13. 370,26. 371,12.
9,16. 460,8.
K.
illen innalich hvweyi stitu
5,29. 290,21.
^alaiider.
verdrn 406,S. 430.26.
127,1. 322,24.
3ll 16,16. 30,13. 135,25.
naiiirlarfifjrs Khid^ Kuttt
1. 413,10.
capell, kapell 42,12. 44,5. 48,15. 60,1.
11. 16. 93,28. 103,7. 14. 23. 104,2.
109,15. 16. 116,3. 5. 131,8. 144,12.
386,2. 396,22. 897,1; keppelin 448,17.
kaphen verrvundert schauen, gaffen
252.15. 16; gaf(f)en 75,1. 146,6.
capitel(l) Versammlung der Mönche und
Ort dasu, Ordenskapitel 84,17. .35,1.
89,3. 42,16. 25. 124,27. 145,20. 23.
175.16. 196,16. 537,1; capitelhus
174,29.
kaplan 117,12.
karfunkel 414,15; -staiii 551.21.
karklicb 363,19. 421,19.
karre Masc. Karren 503,25.
karrer Kdmier 385,24. 467,32.
karwüche Karwoche 3(),10.
Cassianas (Johannes) 105,28. 106,34.
Kayn 501,12.
Cayphas 204,9. 315,9. 540,15. 544,24.
kech 56,5. 120,81. 459,22; kechlicb,
kecklidi 105,4. 149,19. 190,6. 365,16.
370,24. 436,13. 459,14. 5.53,10.
Cedar 439,10.
keiser 246,20. 296,12. 15. 416,16. 503,17;
keiserin 219,30. 420,23; keiserücb
91,34.
j kelblin 420,8.
kelch 260,26.
kele, käl 208,4. 369,19. 453,27. 457,15.
552,8.
kelr(e) Keller 384,5. 466,4.
kelti 82,1.
kempfe KümplW 432,14; kempfer 553,3.
kemphen 246,5.
kepsun unehelicher Sohn 147,1.
ker Abkehrung, Behhrung 8,14. 13,24.
28,29. 96,9. 110,6. 132,34. 133,21.
216,12. 228,13. 247,1. 282,13. 298,11.
311,17. 385,1. 467,7.
kereber, kerker 311,5. 361,21. 379,3.
411,15.
keni(o) 207,16. 238,3.
kerzo 22,7. 153,21. 22. 23: kiTzwibi
Knentuuih* an JJvhttutss 20,24.
kcs K'lsv 75,2.
kessi'liii 48,5.
kcssibodt'm Krsse/Oodm 427,lo.
588
Glossar.
kesKOgen kasteien 108,22. 251,25. 3()5,24.
486,24; kest(i)ffuug 39,2. 105,1. 107,4.
289,8. 473,21.
keten, kettin Ketie 39,7. 422,8^
kevi Käfic/ 251,14. 297,4.
kezzer 77,14; kezzerlich 08.23.
Cherubiu 243,74. 805,30.
(Miristus, Cristus 48,25. 54,8. 18. 07,9.
09.12. a5,26. 86,2. 87,0. 89,22. 92,3.
98.13. 99,24 usiv.
kiesen 209,27. 806,3. 353,80. 363,10.
kilche Kirche 121,20 ; küchgang 505,10.
kindbeterin (Maria) 29,9. 16. 80. 80,3.
kind(e)li(n) 25,21.22. 102,20.22.23.83.
121,4. 25. 27. 29. 82. 122,2. 9. 23.
184,84. 140,3. 863,15. 18. 420,9. 12. 16.
421,5.
kindskinder P. 533,24.
kintheit 93,29. 110,26. 201,8. 276,2. 506,8.
kintlich 30,9. 85,24. 109,29. 110,3. 122,6.
201,2. 231,19. 260,12. 267,16. 22. 25
U8W,: kiutsch = kindisch kindlich
30,12.
kinne 552,6; kinnbeiii 61,19.
kiperwin ä. Cyper.
kisling Kieselstein 175,8.
klaf T'Vm. verleumderisches Oeschwütz
128,19.
clagspruch 397,9.
klag>vort 125,19.
klank 806,19. 886,30.
klapern 82,2.
klarheit 158,8. 177,20. 194,26. 213,9.
228,17. 238,30. 242,1. 274,28. 277,17.
291,23 usw,
klarlich (jlänzend 59,24. 885,20. 467,28;
evidenter 190,8.
klawe 40,28. 282,10.
kle 872,17. 461,20.
kleben 156,7.
klcckeu sahst. Inf, das tönende Schlatjen
545,15.
kleiben, sich s./estheissni 871,27. 460,25.
kb'idcn 224,4. 829.23. 440,2. 492,17.
kleinbf'reit 800,18. 19.
kleirifd KUinod 5S,14.
klt.'inhrit KUinhvit, Schirächr, Oerinri'
J'iffjighit 205,7. 284,4. 25s,2S. 206,12.
304,29. 883,6. 404,22; kleiui 26.1.U.
285.10.
kleinliche Adv. gerinff 474,16.
kleinfüg, -füg Mein^ zart, sahtilis'E)S
244,11. 500,11; kleinfugklicb 292.10.
Clemens, sant 48,13.
klert = geklert verklärt 299,21 ; gekiert
244,10.
klinglen plöischern 48,4.
klose, kluse Klause^ kleine Begintn-
niederlassung 76,9. 140,17. 19. öll.lö:
bildlich 296,27.
kloster 59,80. 67,7. 83,8. 97,1. 102,14
103,9. 104,16. 1154.4. 135,11. 2S0.1.
382,19. 414,17. 403,27. 484,25. 508,12.
511,10.
kluben klauben, abpicken 239,17. 871,24
400,21.
klög hubschy zierlich 55,28. 323,2\
440,19; klugy weise 98,22. 482.1»»:
klökheit/ei«c* Benehmen, Schicklich-
keit 376,20. 448,32.
knape 370,22.
knebli 121,22. 122,7.
kneht Knappe 149,9. 205,8; knehte
219,10; knehtliche vort timitrsmilüf
182,10 (vgl 454,15 Anm.).
knolleli kleiner Knollen 50,13; knolloht
knollig 45,0.
kole Kohle 60,10.
coelum enpyreum 241,27.
collacion Abendmahlzeit 47,21.
Coln 143,10. 152,28.
conplet, complet 81,9. 36,21. 45,30. 47.S.
17. 48,27. 415,10.
conscienci(e) 212,26. 225,21. 487,18.
contrarium 341,2. 7. 10.
convent,covent,konventÄ'/oÄfe?iyrt»rtW'
10,12. 25,10. 13. 15. 43,80. 145,15.16.
414,4 ; Kloster überhaupt 45,31. 69,4.
87,18.
convers Laienbruder 80,12.
köpf Becher 24,25 ; kopili 40,15.
kor, chor Chorraum, Chorgebet ^ hiwm-
lischer Chor 10,12. 14. 86,12. 48,10.
62,10. 71,4. 5. 103,7. 110,33. 111.23.
112,1. 113,8. 116,6. 131,16.20. 14^^^».
248,13. 886,4. 5. 413,19. 512,3.
^^^^^^
- ^w^^^-'^^^^H
^^^^^f 589 ^1
B,1U; körbli 3'>^.
181,25.32. 190:25. 194,11. :(7H.l.=..ai.
StiftthriT, canonicum Ii(i,lü. IS.
+89,9.
).
cristeu Sulmu Cliri»i 492.7.
6,15.
kristenlmit 156,21. 800.2.^. 327,8. IS.
lörpfi-, Leichnam 77,HI.
32H,6. 334,15. 351,27. 451,13.
l8,2;-t. 148,21. 197,13. U. 54«,2.26.
criattormignfleA ChfigtiYoA-ildgmaltet
:t,sUmmf>ca>ni 73,38. i2i,aa.
34.17. 134,6. 335,26; cristfonuklich
i.
50*. 145,4; kriatmeBBig 350,6.
loBtpcr 88,2+. 12!,17. 258,23.
kron(e) 224,16. 241,10. 244,12. 15, 261,17.
320,18. +16,7; koBlIierlich
,371,8. 392,14. 414,11. 430,16. 460,a.4.
ä.
480,11; krönen 205,23.
er, XXpfuud r. (pbennic) 146,13.
krot Krölt 77,lfi.
. kieftlos 113,1S. 230,26. 26S,22,
crucifisTis, crueitix Ntutr, 16,16. ÖC,+. s.
l. 318,36. 386,21 ; kraftlosi +5,23.
67.8. 22. 135,85. 196,3. 197,1. 314,21.
, 87,19. 319,17.
379,16 389,17. 470,21.
ehuach, hinfaüig, krank 18,27.
kr&gü 49,6. 7. 8. 30.
78,-2ä. 84,5. 89,1H. 90,3. 97,2.
krumb krumm 112,13. 377,4. 449,17;
107,lfi. 161,10. 191,1. 215,25
en-dreht, listig 450,2.
krankheit 54,6. 91,29. 107,1(1.
knit 313,26 334,82.
i 116,23. 136,22. 134,25. I9S,
krtz 17,6. m,2. 35,29. !)6,1+. 16. 18.
l. 162,2 «.(c.
41,2. 6. 9. 79,7. 87,18; krt(tjzgang
ur. krezze die durch KraUen
Kreitilmguitg Christi, Kreutgang im
mdrw Wände 411,22.
Kloster 34,2. 24. 25. 35,6. 86,20. ,->8,7.
46,9.
2<B,25. 415,19. 443,9; in krftzwi8(e>
l, creaturli 8ö,13. 455,1« ; Vrea-
57,96. 59,13. 2.54.2.
li, creaölrlich 193,17. 328,22.
knizgen 87,11; krüzger 261,1S.
832,20. 948,17. 3+9,18. 353,35.
kuchidirti, küchidirue 376,12. +48,3+.
471.14. 476,17. 494,19; kreatur-
leit, creatürlicheit 19^,2. 332,17.
). 430,7. 490,28.
kuehischwf^Hter 422,1.
kumber Miihaal, Bedrängnis, Belastung
W VorkonUr, Mundschenk
137,21. 218,10. 247,8. 288,1+. 822,16.
T.
390,H. 431,9. 437,20. 456,12. +71,14. 20.
ffich 73,27. I73,I2.-223,13.30;j,19.
477,17.
X 8*5,7. +38,16. 433.29.
EngeUhOr principatua 2+3,18.
mtlheü 487,28.
08,5. 7. 11. 191,19. 25.
künden +1615. 433,S. +87,tJ.
»chädigen 381,26. 46.^,5.
kündig, kundig grschiekt, lisitg 14r.,ll.
tt Kränslei», aureoh 244,13. 15.
471,8.
t 447.9.
kundBami a. kuiits.
l 888,8. 469,12. +73,14.
|6l Jtat^ogel mi,H).
künftig 284,24. 406,1. 472,5. 608.10.
lApfe Krippr 363,16. 421,11.
küng, köuig 183,18. 219,9. 248,30. 266.
». gripfeD gr*i/e», trfa»gtn 6f<,2.
17. 22. 267,3. 273,17. 277,13, 14.
80,21. 81,25. 112,11. 156,6. 1;..
296,12. 322,3. 367,8. 368,12. 376,12
30,17. 243,9.
uw.; k«ii(i)gin 17,20. 37,1. 111,14.
teiatMi.i*\eftf-X(.cA &2*. 89,H.
212,23. 219,30. 248.1. 262,15. 263,11.
i. 876,80. 501,1; kristunlich,
Ifi. 264,9. 265,2. 16 mw.
IBeh4,18. 110,11. 12a,6 18S,l.
köini)grich 86,Ö. 2S1,23. 510,26. 2».
590
Glossai'.
künklich, künifflich 203,1:>. 4()7,11.
491,30. 5H8,17. 589,7; daz k. rieh =
Kreuz 542,19.
kfinheit 205,9; kunlich, künlich 370,80.
871,9. 459,21. 460,6.
kiinne Geschlecht 270,11. 388,25.
kuimen, künnen sahst Inf. 228,18.
462,25.
kfmsch, kÜ8ch peitsch 105,22. 552,5;
kunschklich 106,11; künschkeit 105,2.
kuiist Wissen, Kenntnis, Geschicklich-
keit 5,16. 14,8. 53,6. 15. 20. 23. 27. 31.
54,2. 10. 12. 9S,31. 104,10. 176J.
190,11. 250,6. 255,8. 256,10. 262,16.
280,24. 328,19. 341,11. 388,2. 506,3.
512,16. 537,11. 538,28. 544,8. 552,1.2;
du götlich k. Theologie, du uaturlich k.
Philosophie 888,2. 550,4.
kunstig kitig, gelehrt 250,9; künstrich
256,18.
kunt 450,2(>. 453,17. 455,1; kuntlich
119,11. 125,10. 141,15. 142,29. 158,10.
177.28. 179,18. 190,25 usir.
kuntsami, kundsami Kenntnis, Bekannt-
schaft 7,5. 22,22. 97,6. 171,10. 17.
176,H. 873,8; kuntschaft 228,14.
kürzen 508,7.
kfirzi 314,25; kur(t)zwiL ktirzwil 9,80.
14,1. 101,14. 269,15. 860,7. 3()S,2(>.
876.29. 877,2. 405,8. 415,8. 481,15.
448,8. 449,9. 12. 482,12.
kürzlich, ktir(t)zlich Adr. H8,8. 99,10.
116,18. 128,22. 180,7. 132,8. 148,4.
314,11. 468,8. 474,8; kürzeklich 48,27.
kürzrun^^ Kürsunfj 878,28.
kusch .V. künsdi.
kuss 126,7. 294,10. 542,5; küssen 225,7.
819,2. 821,14.
küssi, küssin Kinfnen 17,8.45,1; küsseli
45,2.
küwen knaen 802,14. 391,21.
Cypt^r 808,4; kiperwiu 466.7.
L.
laclic PffU-r 71.8. 124,4. 6. l<;i,8l.
287.8. 8s:).2:). 46S.1.
lach. 'II 172,10. 4U7.1. 4S2.4.
la.le 113,25. 2s. 29.
laden Fensterladen 137,10.
la^e Hinterhalt 282,26. 2S(),10. 554:21.
lagen P. 517,7.
lambli s. lembli.
lampad Neutr, Lampe 288,8.
lang:wirig lang dauernd 56,17. 'i^K\
109,2. 152,16.
lappe Lappen 487,13.
Lasarus 489,26.
lass ermattet 548,18; laazheit Trägheit
Sichgehenlassen 481,9.
lassen, laszen, sich auf den eutfufn
Willen vereichten, sich Gott ergehen
161 ,2. 6. 9. 19. 21. 28. 162,1. 25. 164.17.
167,12. 170,1. 307,2. 834,24. 871,21.
475.8. 15 usw,
laster Schmähung, Schimpf, Makd,
Fehler 72,16. 119,5. 207,29. 815,26.
3 16,3. 487,29 ; la8ter])erend 78,6 ; Ima-
lieh schimpflich 77,14. 21. 120.5.
204.9. 815,7. 362,7. 412,12; lastersack
(der Leih) 399,2.
latin 124,27. 328,6. 895,20. 896.6. 897.4.
519,26.
latwerge 11,15.
law, law lau 227,9. 233,18. 237,1. 3<i2.^
485,12: lawklich, leweklich 22?^.:^
468,1; law(e)keit^ lawekeit, lewekeii
28,2H. 215,24. 221,14. 365,12. 4:«
499,9.
lehlich lebendig, frisch 89,3. «)2,4. 9Ö.:i
98,7. 194,4. 228,12. 22.5,3: lebliohi
8S,7, 2(X),3.
lebtag Lehensseit 210,9.
lech(e)lich lachend, freundlich 14,2i
15,18. 178,6.
Lectiüus noster floridus 131,29. 495.2.
496,3.
ledgen, lidigen frei machen 30).14.
809,27. 810,22. 425,26.
lediif, iidig ledig, fr^i, unbehindert '1\:'.
28,29. 54,18. 89,26. 94,15. llKT.
169,12. 20. 181, .82. 182,12. 196.16
usw. ; ledklich, lidklich 127,7. 232.14.
21K),1 ; ledikeit, lidikeit das Losgdi'Si-
siin 168,8. 2l»6,29. 474,11.
Icf'tze 550,28. 551,1.8.
Glossar.
591
8. nVirtn 870,9. 874,27. '
.6. 458,1S. 4()0,12.
tuvel 187, U; leidig: be- \
übend lß8,4. 512,10. !
Jen 189,2().
; leiter 268,1. 446,8. r)53,12.
lersUch 204,17. 213,2. 5. .
1,5.
ip Anführer 875,8. 4.
I
B I
in 5:W,2(). I
li 134,10. 204,15. 259.28. '
261,80. 277,12. 317,23.
29. 44S,9. r>87,S. 540,15. 84.
in 2S9,18. 82S,1.8. 842,8.
458,1.
Inf. 210,26. 817,9. 14.
I. 446,18.
r-ntenceisung 63,24. 1()3,10.
32,28. 197,26. 28. 200,2.
S,9. 851,27. 357,7 usw,; in
1^8,7; lereknappe 459,11.
en 488,13 ff. 519,25. 532,19.
180,17. 18.8,11. 197,19.
,8. 254,17. 328,17. ;m,l4.
en (die Hören) 414,5.
utaer 39,18.
m 875,80. 44S.9.
tion .585,24.
i schödiffcn^ verletzen 85,3.
,20.
,1(). 80,7.
Libanon 810,12; Weih-
18.
16,1. 498,5.
Adr. leicht f'erthß 488.18.
1,18.
tif/lidikcit 840,15,
in Geduld .schicl'un KJ'J.s.
168,ls. 4S5.12. 524.11;
50,4. :tt>2,3. 479,25. 49.8.25.
Ifiddi'rl^.S. !>1.2s. !»2.11.
:),29; lidcrin 142.1s.
40,5. 18.
lidlixhidend, ertritglich 41,26. 48.8. 78.72.
12(),2. 253,6. 277,24. 294,18. 896,24.
413,16 lAsiv. V(jl. ledifi:; lidekliche
Adi\ 505,1.
liebbrieflf Liebesbrief 484,11.
lieben lieb machen 120,19. 127,7. 550,24;
sich 1. 422,12. 456,1.
liepkosen subsU Inf. 3(14,28. 872,7.
424,21. 461,11.
lieplich freundlich, angenehm 108,18.
118,11. 122,10. 130,10. 174,6. 18.
2a8,31. 212,9. 217,19. 221,2. 225,6
usw.: Ueplichi 14,30. 1(J6,26.
lieblos ohne Liebe 10,7. 221,9. 270,5.
271.1. 276,7. 889,19. 446,1. 470,28;
lieblosi Verlassenheit 2()1,21.
liebschen 878,2. 450,28.
liebsSchend 57,12.
liechen, daz werk 1. Flachs rupfen
136,14.
lied Gesangsstrophe, Lied 26,5. 31,27.
189,28. 84, 35. 140,8. 12.
licfror Lügner 49*. 467,1.
lieht Subst. 11.5,11. 1.57,1. 169,3. 19(),12.
242,6.254,11. 4:^8,18. 46(J,18. 471,27.
28 usir.;\ichthnngeTiu( Maria) 17,22;
liehtmifls Maria Lichtmess 29,7. 8.
58,25.
lieht Adj. hell, strahlend 468,27. 469,12:
l.rr schlaf Verzückung 198,17; lieht-
ber(e)nd glänzend 378,5. 450,26.
liehtrich ()4,2S. 95,26. 180,9. 18. 1.56,28.
180,19. 188X 190,18. 19.8,1(5. 194,28
nsu\: lichtvar hellfarbig, strahlend
224,17.
liken mit Genet. ttiras attssjiüren , er-
picht sein 97.21. 158,29. Vgl. Schien:.
Idiot. IIT. 1250.
lilie, hiitj ^8.1.8. 212.1. 222, K». 224.28.
242.10. 248.4. 266,21. 297.1. 430,27.
488,24. 484.3. 44n.4. 495.6. .■>4(),8.
552,1 s; g:ilyo, gylie 5U,8. ."»51,8.
lind 155.17.
liuptijr fingenthm 25.1.
lins =^ lis sanft .871.24. 4(50.21.
liplich 70.17. 19. 78,1s. VH\.VX 192,s.
197.28. 209,s. 211,15. 215,28. 221.25.
224.2. 298.5. S //v/r..- lipliehkrit 157,25.
592
Glossar.
list Klugheit, Kunat, List 14,8. 89,5.
10:^,18. 115,25. 137,8; li8% 552,2.
lob Laub 452,9. 478,14.
lob(e)lich 132,19.22. 156,27.300,10.11,
12.20. 352,1. 364,10. 375,11. 442,24.
447.2. 543,24; lobrich 18,11. 27,25.
90,6. 21. 138,21. 394.24. .395,1. 18.
396,().
loblicd 15,3.
loc Flur, locke Locke 551,15.
lochelin P. 535,2.
lof, loff Lauf, Gang (der 2s'atur, Ge-
stirne, der Zeit, des Lehens) 171,13. 15.
172,10. 385,17. :^8,7.8. 420,3. 4(i7,25.
468,9. 469,11. 470,2. 476,11; einen
lof machen einen Zulauf des Volkes
hvwirkm 67,23.
logcnen leugnen 176,13; lo^genunge
329,5.
lonber lohnhringend 250,1.
los, los locker, leichtfertig 435,5. 449,27.
549,27.
lotsen 353,8.
loser Erlöser (Christus) 215,2.
losen hören 159,10. 176,6. 194,15.
loss Loos 542,32.
lowe 260,16. 420,8; lowin .4^;;. 540,34.
Lovica, die kunst L. aristotelische I^ogik
176,7. 328,19.
Lncaö, sant P. 511,2().
Lucifer P. 511,12. 533,12; hiciferlich
531.3. 533,11.
lucke Lücke 248,18.
lüdern reizeti, verlocken 449,17; subst,
hl f. 12,8.
lüicjhten 186,12. 13. 22. 187,6. 7. 189,18.
192,1. 241,21. 242,20. 244,2. 253,10.
2J)8,25. 299,21 usw.
hnnde, limde Leumund 8,7. 66,23. 426,8.
lumpo 487,13.
lust 209,5. 425,17. 430,10. 14. 479,4.
5(M),13. 5(11,6; lustsüchen diiis selbs-
heit. din uwcr) selbes 385,12.467.21.
4SS,4.
lustii;, lustiiT lieblich, angenehm 209,7.
3(t3.17; liistlioli. lüfitlich 5(1,30.90/28.
a').s. 1)6,14. 110.2. 1(;5.24. 174,21.
IsI.k;. UM».20 usn\
I lutbrecht lärmend 482,4.
luter 341,1. 416,6. 469,18. 470,4: luter-
lich 33,13. 72,18. 73,25. 86,16. U4A0.
115,12. 215,6. 261,12. 288,12. t^K\
usw.
luterkeit 51*. 29,11. 46,8. .56,9. ('4.1K
104,14. 166,1. 5. 177,22. 189,18. 21 Hl»-
218,6. 244,3. 263,3 usw.: lütri mis.
lütern 165,20. 179,23. 809,24. ^^•
390,3. 444,25. 468,14. 494,19.
lütselig, IvLiaseligwohlgef dllig, anmHtvj
22,7. 206,26. 208,9. 216,24. 269,1>-
271,21. 304,29. 305,2. 311,l(i. 32:^17
usw,
; Ifitselikeit, lützel. 14,29. 228,15. mi'K
375.3. 377,13. 378,9. 409,7. 15. 4R».L .
441,18. 447,13. 449,27. 4.50,30. 452.^-
I liitÄel, lüzzel Adj, Adv. klein, rcenif/^
gering 312,32. 365,11. 366,20. 37(yi»-
436.4. 438,10. 449,9. 485,15.
M.
Macharius Altvater 106,1.
magd, magt Flur, megde Jun(ifn'<t
110,30. 361,17. 406,10.432,16.541.1
545.5. 546,4. 26. 547,1. 17; megtüch
544,5.
mage P. Verwandter 511,7. 512,1(>.
: magenkraft Majestät .55(V-^'
; magcrlich 551,27.
I Magniticat Masc. 2^),14. 111,24.
mal . . 5. mei . .
majestat 277,8. 321,27. 477,23.
malen 103,16. 104,1 ; maler (W,12. !■>.
19. 23.
man(e) Mond 112,16. 172,11. 174.24.
406,15. 407,5.
; m&ndag Montag 144,8.
mangel 91,5; manglen 94,4.
manigvaltig, menigv. 96,16. 102,1;.
109,24. 178,19. 182,7. 183,14. 83T.2\
339.6. 372,15 usw. : manigvalticlich.
menigvalteklich Adr. auf mannifilal-
tige Weise 93,7. 154,3. 393,9.
manigvalt(i)keit, menigyaltikeit Moiot-
zerstreuende Vielheit 64,14. 164,1. 2S.
1(J7,21. 27. 170,16. 177,9. 1S.-).1.
186,3. 193,19. 285,19 usw.
Glossar.
593
Innlich r)rv22. 149,19. 87o,.Sü.
antd 323,18. 3()2,14. 412,3.
Vonrand 521M). 531,r).
2(J8,ir). 437,17.
ir(c)k, rnarg Mark, halbes
'Silber oder Gold) 282,27.
K)3,t). 499,4.
»ant M.eu tag 136,13.
Perle 242,H.
oss Varhangeschlosa 40,().
ff^r Jff«w 89,2. 333,16. 374,2.
i:r),5.
daleoa 100,1. 4514<>. r)44,15.
U),20.
trtstvi' des Lazarus 021,1.
0.
r)52,16.
tristi usic) 3,20. 84,0. 35,4.
). 118,17. 142,20. 144,8.205,19.
221,5 usir.; beim Schwören
\t 482,2; marterland (Feg-
'<b,lh\ marterlebeo 462,21.
, martehi 240,:». 368,4. 441,3.
')08,(). 541,1; iiiarteler 508,5 ;
?r 91,<). 117,31. 34. 118,1.3.
13. 21. 133,14. 244,1. 245,4.
str,
40,20. 45 23. 117.25. 118,22.
l-en, Makd 134,33. 277,9.
321. 2S; innssuaMi hejiecken,
len 122,28.
ize Mass, Ausdehnung 46,14.
2S. 140,20. 249,2: ano (alle.)
4S,2!). 323,17. 4im,12: über
sse 249,3: zc iiuter inass
.3S5,17. 4r>7,25: masseii tmis-
1,11.
(isslose Stnnfjc 45,22.
Sl4. <)0,l;^ 1S.S.4. 198,4. 12.
.324,(1. 10. 333,14. 378,7.
5»Mj,11 : mat»Tilirhrif 349,1.
2,2. 412,4. «;.
3U7,19.
euse, DciitPohc "cbriften.
mediana Miitelader 44,8.
nie^etin Jungfrau 406,11.
mebcln, mebellen vermählen 21n,30.
410,19. 412,23.
iiieie, meige, mey(e) Mai, Maihamn
32,28. 29. 30. 33,1. 3. 4. 5. 16. 20. 25.
111.17. 221,30. 224,24. 242,12. 281,12.
297,16.813,29. 433,22. 440,3; ineieii-
ris 33,19. 216,19; meiental 374,1H.
446,23; meientow, meigeiitow 252,2.
253.16. 431,2. 432,20. 433,18. 27.
456,27. 486,28.
mein Frevel, Missetat 264,20; meinte-
tig 542,21.
meinen, in wohlwollender Gesinnung
an einen denken, beswct-k^n 31,24.
32,14. 57,16. 59,22. 63,25. 110,30.
165,2. 175,8. 192,28. 298,15. 30(;,28.
309.18. 339,10 usw.
meinsamkeit = gemeinsamkeit 487,14.
meinung(e) 28,15. 41,8. 103,24. 156,21.
167,29. 309,28. ;M2,20. 390,13.471,22.
23. 487,13-21.
meist höchst, grösst 422,3. 438, 15. 463, 1 fS.
meister, maister Mvister, Philosoph,
magister theolngiae 5,15. 17. (),2. 7.
23,1. 38,7. 53,22. 60,25. 9S,;J0. 99,14.
12(U7. 162,ls. 171,7. 12. 172,4. s.
10. 177,15. 178,12. 179,7. 190,11.
191,13 usw, : meisterin 14,20. 462,3. 13.
meisterscbaft Vorstandschaß im Kloster
112,25. 126,13. 274,13. 381,17. 28.
383,4. 462,s. 4(;.3,S. 464,17. 484,23;
meisterschiiftsampt 4()2,20.
mel Genet. mehves Mehl 221,19.
melodie 380,6.
mengi, menigi 140,21. 172,13. 217,9. 12.
218,25. 226,2S. 242, HJ. 25S,ls. 2b0,3.
254.17. 304,16 //.v/r.; nienitrbcit Man-
uigfaUighit, Vielheit 'X\);>. 3.
meni«r s. niaiiiir.
Hien:?('b Fraucnsptrson 1 1.5,2(). 119,2.
120,1. 133,,3(». 145,(;. 153,20. 1(>2,24.
.*i7n,4. 373,8: i:eistlicb»-r monscb Xonne
407.8. 481,13.
nienscbib)eit 34,12. S.-),12. i)3,24. 159,14.
184,1 4. 191,29. 203,1». 204,2s. 205,4. 5.
2i«).l6. 2«) usw.
38
594
Glossar.
mentelli fiemänidung 45(1,11.
mene) Nachricht. G /nicht (10,14. (>?^,2.
70,2(>. 7n,21. S8,2i). 24. 88,1. «3,26.
124,18. 120,10 usfi\: mersa<?er 124,18.
rnoren sich rerrfrösftmt 87,15; racning
141,5. 380,15.
merklich irohl zu htachfend, iiv(Uutend
Hoi,2i. :m,23.
merstorn (Marin) 1S,1.
Dierv^imdcr seltsames Mvcrtier 172,27.
mess(e) 27,18. 58,3. 89,18. 117,:n. 131,18.
142,24. 144,7. 11. 15. 17. 386,1.
414,2; stillo messe 27,19; m. singen
117,30. 146,S. 118,20.380,4; m. .spre-
chen 22,4. 03,10; messhuch 118,5.
messer 79,3. 80,10. S5,;u. 121,12. 14.
Messias 327,11.
meti, metti Mette, ofjiciam inatut in um
17.1. 15. :U,10. 40.7. 42,10. 25. 43,9.
47.2. 4. 8. 53,8. 59,0. 190,2. 314,20.
322,2S usu\ : rnfttigestirne Morgen-
Stern 242,4.
metli khine Matte 44,2!).
michel gross .'^70,12.
midcn und liden 3,1 1.
milie) Meile 70,3. TS.20. SS,9. 297,30.
milch 552,3.
milt frenndlichy gütig, harmherzig 27,5.
70,8. 71,2. 73,34. 78,9. 10. S4,25.
85,16. 17. 21. 80,1. 100,25. 27. 29.
117,1 usw.: milt(e)klich 24,15. 51,9.
S4,2. 117,19. 213,17. 243,8. 204,18.
320,2.
miltekeit 37,10. 7^^,9. 85,17. 100,27.29.
127,10. 180,15. 203,30. 207,19.270,28.
317,81. 370,8. 420,14. 448,20.
minnc, d(jr m. huch das Hohelied 367,5.
417,3. 425X 434,11. 439,11. 451,13.
495,2: miniiehüch Christn.s 537,12.
558.24; miiinobiichelin 537,1; dorm.
pris 8!)9,8(); miniieband, -t 181,19.
554,29; minnebotte 405,7 ; minnebot-
lin281,S: miiniebrief 231.10; minnen-
dii'p 4H0.19 : luinnoirotin, -gutin 374,30.
447,8; miinickosi'n Sahst. 12,10. 16,33.
2:i<V-7. 259.7; minnekosend 24,24;
miiinelos 40S,1. 427,-5. 492,5.511,18;
niinneluder Liehesreizuuf/ 385,14.
4()7,22. 492,26; der minneu n-el
494,14; minnerich 18,14. 18. 24,22. 3ii.
20,8. 28,14. 59,24. 100.17. 180,14.
193,12. 199,24 usir. : minnerüt 252,4;
minuesara 431,13. 540,0: miune.<ie(h
142,27; miimespü 20,10. 225,1. 2<57.:).
417.8; der minnc stral 552,9: miDii?-
suchend 14,27; minnevackel 313,1\
25. 314,2; minnentinj^erlin Vi^rrnnh-
lungsring 494,8 ; minnewanck I.ifh^-
Wendung, -spiel : miuneweinen«! 1').":
minnewerck4äNr,19;miünewiselsl.2I:
minnewort 223,12. 548,6; miiinewand
Adj. 16.22. 25,1. 274,18; miniiewund»-
543,29. 548,19 ; minnezeichen Litht^' '
zeichen, fünf Wunden Christi 16,1
31. 41,9. 110,19. 210,14. 10. 21.\12.
273,26. 2^>0,15. 18. 29. 291,1. 295,17.
391,19. 479,12. 500,13. 508,8; mlnn-^-
zil 388,11. 469,15; rainnezug 223,3.
minnen und meinen 27,3. 337,2.449,5.7.
minner 181,9. 19. 211,22.220,28.227.23-
228,24. 229,1. 10. 232,31. 324,ia
325,3 usw. ; minnerin 12,1. 13. 14.21.
227.16. 19. 440,25. 451,14. 453,7.:)r)4.7.
minlichi Zuneigung .858,27.
minren verringern 251,21. 43<M9..')ii^.'^.
minst kleinst, geringst 10,20. 3o7.2".
3(>4.2. 366,24. 382J. 422.3. 43^.1.».
408,17.
mirrenbüschelli 254,2 1 .
]^Iiserere Tsaltn 50 30,24.
miss(e)bieten ungebührliches sufäg'^*^
86.8. 22. 29. 297,19.
misshfiten, sich schlecht auf sich och'
haben 42,8.
misslich, raiss(e)lich. mislich versehinhu-
artig 99,22. 142,9. 358,18. 3S7.^-
470,10.
misslingen 70.23. 416,2.
missetat 42,13. 15. 19. 6(i.l9. 7;'..26.
70,25. 92,20. 99,27. 112,12. ll.'>'-
119,5. 8. 214,12. 215,0 usir.; misse-
teti^r 208,27.
missetruwen 499,l.s.
miss(e)vallen 150.34. 200,8. 22:U1.
415,12. 482,1. 500,4. 501,11. 21 ; mi^v !
völlig missfallend 105,7.
Glossar.
595
w Fem. Buntheit 224,22.
en beim Fliegen das Ziel ver-
159,20.
iittel was hindernd im Wege
Hindernis 18,25. 20,2. 142,16.
13. 14. 17. 19. 158,1. 162,5.
. 24. 170,6. 171,1. 174,2. 181,27.
. 284,25 usic: Hilfsmittel,
ttlung 108,13. 194,6. 263,25;
278,7.
)08 ohne Hindernis, unmittel-
3,4. 263,25. 476,3. 479,17. 493,16.
tag Mittag 137,3. 542,80i
Vermittler 263,25 ; mitlerin
i) 264,1. 267,10.
Miaeid 34,17. 41,4. 84,26.
. 142,25. 206,3. 2.58,27. 260,22.
; mitlidung'e 858,27.
3lle 490,15.
ittelpunkt 452,18.
g gleichförmig 334,18.
itheit consubstantialitas 180,1.
1 187,10.
311 subst, Inf. 344,8 ; mitwürker
Mordy Missetat 66,16. 72,19.
76,4. 14. 80,5. 6. 115,16. 17.
122,33. 123,8. 211,22. 264,20.
425,25. 544,13; mordax Streit-
1,7.
79,15.
i9,26. 76,6. 77,4. 11. 20. 78,21.
22. 88. 84. 80,2. 4. 18. 25. 27; !
rin,morderml21,3. 361,12.411,5.
'. 194,1; Teufel 131,11. 285,7;
367,8. 12. 439,20.
ekentnisse cognitio matutina
8tinus)S^7^4; morgengabe 244,8.
; morgengrfiz 18.10. 19. 1(19,12.
14 ; morgenrot 271 ,18 ; morgen-
895,19; morgenstern 14,11.
18,9. 22. 283,21. 299,10. 18.
. 482,23. 446,7. 510,16; = Ma-
id, 878,15. 374,2. 6. <S. 446,12. 18.
dv. morgen :?71.26. 880,21.
; m. des tages 60,25 ; mornend
58,3. 60,26. 7S.18. 102.18.
116,7. 131,26. 146,7. 152,10.^324.1.
873,27; mornendee 12,18. 370,'20.
raoschin Adj. von Messing 39,11. 40,15.
48,6.
raost 159,8.
Moyses 327,10. 390,14. 471,24.
Moyses abbas Altvater 104,12. 106,32.
mfid elefid, unglücklich 72,23.
miidi 168,19. 210,20. 316,28.
mugent, raügen Macht, Vermögen,
Kraft 12,22. 340,21; mugentheit
185.11. 223,28. 244,10. 245,7.
miigig = mujig bekümmert 459,6.
müglich(k)eit 177,3. 887,26.
mujen Prfit. raöte unpers. beunruhigen,
verdriessen 114,26. 131,20.
müli Mühle 81,24. 526,10; mülistein
539,12.
mülich beschwerlich, lästig 86,4. 202,7.
205,30. 221,3. 5. 283,26. 284,16. 249,21.
454,13. 456,17. 496,12.
münch 61,12. 75,5. 104,16. 115,17. 136,18.
mündli 30,9.
mtinster 143,1.
muntvol 24,29. 122,15.
mfirdig mörderisch, blutgierig 121,8.
260,16. 539,16.
murmlen 70,26.
mursel Bissen 13,11. 398,28.
mÜ88ekeit,mu88ikeit54,13. 160,9. 167,21.
184.12. 186,12. 18.
muten verlangen, begehren 503,17.
möterlicb 36,22. 50,25. 85,9. 113,6.
140,2. 143,15. 205,20. 260,7. 11.
267,23. 27. 269,3 usw.
mutli 114,14.
mötwillen 8.")2,27 ; mßtwil(le)klich 108,21.
132,7. 161,80.
muzklich Adr. mit Müsse 285,26.
na, nach, nahe Adv. nahe, beinahe
131,19. 284,7. 286,8. 470,19. 507,19.
nah bilden 180,2.5.387,9; nachbildunge
274,11).
nach gan 292,5. 470,8; na(ch)gend/o/(7tf«rf
25,10. i:)8,10. 146,28. 161,16. 23.
162,5. 8. 1(>8,10. 86.V29. 437,2.
59(>
Glossar,
nahgcbur Nachbar 114,15.
nachgreben sahst. Inf. Nachgrübeln
47 7, .S; na gniblen 171,18.
nach ilen 472,12.
nach kalen 471,27. Vgl, kalen.
nahklank, -klang 887,1G. 4()8,2ü.
nahlich, in n.er wise genau 16H,12.
nahruren subsi, Inf. innerlicher Antrieb
l()r),2t).
nah tringeu 41,15.
na(c)hvolg(e) 84.7. 184,15. 839,22; nach-
vülger 91,85. 125,88. 208,29. 82. 209,2;
nachfolgklich 339,28; nachvolgunge
475,1.
nach volgcn 198,18. 207,9. 11. 488,11.
nafragen sahst. Inf. 182,12.
nahten Nacht werden 77,30.
nuhtgal 172,17. 810,18.
nahtmal Abendmahl 34,21. 187,4. 204,3.
291,15. 815,2. 472,21. 47S,1. 5;i8,27.
nahttropfe 551,19.
nachtwurmli 26(5,27.
na(c)k 539,80. 540,2. 541,12.
nackcut, nacket 200,1. 318,4. 488,21.
511,18; nekent 77,17.
nadel 89,21. 41,12. 14. 120,34. 138,82.
1.84,2. 198,20. 210,14. 823,24; nalde
442,21. 585,2.
nagt'l 89,11. 89,14. 41,8. 20.
nagend s, nachgend.
na Jen 893,15.
nani(e)lü8 ohne Xaimn 177,4. 184,22.
187,11. 828,24. 342,15. 852,20,
namhafti auctoritns (Denijle: Iland-
huhang) 10S,24.
nater Natter 871,25. 400,22.
natiir, nicister von n. Fhilosoph 451,17;
schule der n. 4(i9;8; die alten natur-
lichen meister 844,19. 349,13; schule
der natürlichen kunst 8S8,2.
naturlichkeit 198,1.
nebelhfit .Vr/>r/ 47s, 17.
neb«*lmenteliu, -mentelli V'onvand, Be-
mnutilung 872,11. 401,15.
nej-b.M' liohrtr 01,14. 10. IS.
ne-vln 114,1. 588,17.
nehor, riehst /tohcr, hnchsit 8,1.''. 28,5.
98,1.^. 115.29. 174,10. 179,1. ISOJ.
ISI.27. 182,13. 209,26. :is:>,is. 4;;>.2
nsw.
necherunge 418,5; nachheit 4Th.I.').
584,19.
nehtind in vtrgangentr Nacht. 'jnU)ii
Abend 66,20.
neigen, sich *. untertrerfen, zum /ttihoi
der Uhrfurcht sich vemeifftn :^>.l',
417,13. 467,20. 475,16. 488,1.
neigung(e) Zuneigung, GeUmif \^)\3.
181,6. 7. 18. 456,16.
neina 123,4. 459,13. 460,5.
neiss = ich enweiss 10,17. 29. 44,8. T.U
111,26; ueiswa = ich enweiss va
irgendwo Uy\. 2(). 71,19. 81,17. 112.13.
1 18,24 ; neiswannen irgLndicokr
111,29; neiswar irgendwohin 1H.'2;
neiswer irgendwer 31,16. 97,10: iieis-
waz irgendetwas 8,11. 15,27. 17.4. 20.
4S,20. 26. 50,12. 53,18. 57,31. öS-").
87,4 usw,: nei8weii(n) irgendirann
6,6. 7,14. 16,23. 48,18. 61,30. sH.i:i
90,2. 114,14. 122,27 usic: neiswi
neiswie, neiswe irgendwie 3,7. s,9.
9,23. 11,5. 14,34. 21,9. 199,2t). m:!^
270,23. 322,24 usw.
nemlich(k)cit BegHf 188,15. 3H0,2^.
nemmen nennen 76,12. 114,1. 132.10.
187,10. .840,1 9.23. 842,7. 12. 343,10 u.^.r.
nenmng(e) 4,1(). 182,12. .830.22. 831,24).
848,19. 850,24. .854,8. 15.
nerges Adv. nirgend 482,15.
nesel Nessel 222,11. 232,11.
Xestoruus) Altvater 10.5,1.5. 106,20.
nczz 185,82.
Niclans, sant 88,29.
nider giessen 87,27.
niderkleid Unter kleid^ feinitralia ^>l^^.
40,17. 43,1,5. 45,8. 21.
nider komen schlafen gehen 49,27.
nider lan, sich 485,11. 462,23; niderlaz.
-88 Euhepunhi 312,38. .872,21.
Niderland Land am Niederrh-in bi^A'-
78,22.
uidern, sich s. erniedrig<.n 420,1(>.
niderschlag Heimsuchung li^V-1-
nider senken sinken machen, be^chircnn
8S7,9. ,
Gloasar.
597
Prät. soitr niedersinken 71 ,,*U.
18,1«. U8,(;. 210,27. 213,13.
271,B. 81)9,28. 317,10. 14.
».JS(>,2n. 2fi.
•11 sinken machen 468,18.
ffen i:U,80. 272,18.
I suhsi, Inf\ 42,31. 43,1.
II niederfliessen ()2,U).
en niederschlagen (die Augen)
4SI, 4.
u\ 4,27. 476,8.
. durchaus nicht, nirgendwo
:),20. 127,28. 188,88. 178,14.
li)2,28. 202,18. 248,20; nienr
crgen 353,32 ; nier§:ent 457.20.
iezen 03,28. 171,23. 184,18.
)7,18. 274,28. 295,18. 296,28.
J2,8. 14. 18. 303,25 usw,
u Prilt. neig sich zum Zeichen
ssesy der Ehrerbietung rer-
2(>,17. 29,23. 32,24. 3(J,28.
.^8,6. 13.
tt 187,12. 15. 16. 188.4. 9.
29,2.6. 335,18. 341,8. 342,6.
. 25. 343,5 — 25 usw.: niht =
haffenen Dinge 335,13. Vgl
Verstfirkung von nit 114,10.
167,2(). 831,2. 5. .348,4. 850,8;
niitzit 345,22. 483,18.
h tekeit = das göttliche Wesen
14,22. 187,11. 188,19: Nichtig-
rdischen Dinge 327,2 1 . 885,12.
ater 106,7.
f. nötweseii.
0 = (\Gnnoc\\ jetzt noch ,846,5.
349,22.
\
des Brevijrs und Zeil d^r-
24.27. 14.8.8; iionzit 518.4.
prole pia 131,25. Vf/L dir
ge S. :>5(i.
117,15.
?aftsaine nitje Einschränkung
26,19. 210.22. 215.28. 268,9.
3<;i.21. 411,1(5.
noturft, iiotdurft. Not, Bedürfnis, das
zum Lehen Notwendige 88,24. 122,2().
124,16. 125,8. 139,11. 166,15. 169,20.
215,18. 248,9. 261,21. 284,17. 364,9.
12. 366,12. 372,12. 879,20. 421.17.
423.1. 5. 438,5. 487,12.
iioturftig, notiirfklich, notdürftig not-
wendig, hedilrftig 97,1(). 119,9. 179,4.
308,9." 414,22. 487,19.
nu Augenblick 158,31. 161,3. 170,20.
226.16. 302,7. 357,19. 474,6.
iifichterlingen Adi\ nüchtern 302,13.
nügirig neugierig ,397,6.
nun Nonne 482,11.
nüt = Gott 167,5. Vgl niht.
nütnin non esse 842,18.
nütwesen, nitwesen non esse 176,12. 1.5.
329,1.
nütwissen 508,15.
ntiwan, nuwan, nuwen, nütwan nichts
als, nur 25,16. 27,10. 4.3,2. 45,4. 46,17.
62,12. 13. 72,28. 78,4. 8.3,19. 8.5,10.
89,7. 91,2(). 116,21. 117,4. ISiV^."'.
147,7. 159,14. 224,20 usw,
nüwes Adr. neulich 152,29. 406,15.
: ni'iwi Neuheit, Frische 16,28. 149,4.
.829,1.5.
nuz8chal 219,5.
nuzzberlich 50*.
Oberland Oberdeutschland, Gegend um
Oberrhein 158.10.
! Oberteil (des Bades) 4.%,8.
obren, die Vorgesetzten i,'My. 146.27.
obsweben 111,14. 24.8.3.
; ocker(n), ockert P. 5<)9.8. 510.19. 511,7.
580.2. 588,4.
ootave achter Tag eines Festes 373,2N.
ode öd, gebrechlich^ schwach 45.21.
112,14. 484,12.
ortVnbar 85.20. ss.lii. 212.19. 244.17.
462.17. 47.3.5: om^nbarlicb 140.2S.
222.16. 80.8.25.
ofiVnbaniiii: (18.10. 1S6.1S. 508.14. 528.8.
.V24.21. 24. 525.7.
oftenlicb Adr. o/l'entlich, mr <db:r Welt
42.9. (;7.15. 205.18. 222.15.
598
Glossar.
oftf)Qen bekannt machen 4,35; sich o.
if. offenbaren 4,32.
ogeii eiüem geben ansehen 224,2^). 451,4.
551,7.
ogcublik, ogenbli(c)k Blick der Augen,
Zeitmomeni 82,20. H3,22. 95,18. J)8,19.
1()1,7. 175,17. 234,6. 235,15. 238,14.
242,12. 26«,7. 261),2(). 307,21 usw.
ojsrenlos (Venus) 3<)3,IK 420,22.
ogenweide 253,13. 297,22. 312,29. 478,28.
ügli 30,8. 122,8. 2(w,24.
olberg 539,2.
olei Öl 283,8.
opfcl .V. epfel.
opher 252,12. 273,10; opfren 414,12.
ops Obst 25,3.
ordelen P. 528,21.
ordeii Klosterorden 75,15. 7(),3. 115,2. 3.
120,12. 131,2. 413,18. 438,14. Vgl
bredier.
ürd((?)neii 415,9. 482,4. 508,1; ord(e)-
iiung(e; 168,12. 203,5. 489,9. 12.
ordeiihaft geordnet 353,10. 11; ordcD-
hafti Ordnung 3,4.17. 192,15.
ordenlich, ordenlich 158,19. 163,2. 171,1.
19.3,9. 194,0. 206,18. 243,18. 327,27.
329,16. 41(),1. 422,22. 438,2. 470,5.
171,25.
ort Funkt, Ende, Spitze 43,8. 334,25;
orthaber Urheber 26,25. 541,17.
ostorlembli (Christus) 303,14.
üstertiig 27,1. 4(;,19. 93,4. 40(n16.
ütmUdich P. 525,14.
Oven 45.31. 224,20. 250,13.
0 vernalis rosula 111,26.
üwo. owe Au 172,17. 224,24. 211,11.
242,12. 374,20. 446,25. 452,(>.
P siehe B.
<]Ujit«'rn Lage von vier Bogen 4,29.
qnit Adj. fcdig, frei 492,6.
qwcK'n P. = kalen 510,7.
K.
rattin- Ma.sr. Bachrn 552,6.
rachu'), rarho J'cm. AV/cV/c 128.32. 325,24.
422,14. 15. 483,7.
rappe Babe 425,10.
rast P. 520,23; rasten 491,28.
rat Ratschlag 233,20. 283,17. 20. 4264S.
462,15. 503,5; rat die Bafsschmstcm
422,21 ; rate consilia erangelieabiljh
ze rat werden heschlie^sen 78,11.
119,26. 145,17; Abhilfe, Befrtiun^
62,7. 13. 17. 20. 8.5,7. 498,16; Ter-
mögen, Mittel 146,16.
rechen 325,27. 414,11; 8ichr.4U.il
422.5. 9.
Te(c)hüuug Abrechnung 69,6. 84,2. STä
redlich geziemend, gchririg 98,23. HSJUO:
redelicheit Begriff 328,20; Ange-
messenheit, Vernünftigkeit 494.21.
ri'gel 494,18.
regen 452,7; regenboge 219,7; regen-
trophli 210,12; regenwet^r 81.1^.
rehlin 216,13.
reht, kristAulichü Sterbsakramtntc
379,15.
rechtschuldig der wirklich SchMg^-
Überführte 119,6.
rehtvertikeit ricJUerliche Entseheidug.
Gericht 229.18.
reie, reye, reige Tanz, Beigen, Taidi'd
bezw, -Melodie 69,1 8. 30. 1 14,2. -i-'j^-i'!.
3(>1,1. 374,28. 410,12. 432,26. 447.ii
reieu 242,14.
reif Beif<m 375,30. 448.10.
rein Bain 211,11.
reinen rein machen 27 4,20. 277,9. l32<K2:i
321,28.
reinikeit, reinekeit 212,25. 251,17.297.1.
301,6. 412,21. 431,6. 487,4.
reisen bereiten, fertig machen, anscldagta
(ein iSaiteninstrument) 28,11. 2t')4.1.
323,3.
reizen, reissen, raissen reizen, verUtchn
17,14. 305,17. 310,17. 327,22. 374.7.
385,8. 395,3. 396,19. 418,14. 42(U<).
429,13. 446,13. 455,13. 18. 467.Hi.
477,6. 491,30.
reizlich, raizzlich, reislich rerlvchnd.
verführerisch 41*. 4,28. 97,5. lU.'i.
174,17, 373,9. 483,19; reizung 39.S.i:l.
296,23.
rekolter Wacholder 384,7. 466,9.
(xlossar.
599
reuguieren regieren 1()7,20.
repetitio 21 ,25.
Requiem 'Irauermesae 144,8.
reren verf/i essen 208,28. 275,28. 281,24.
321,:). 440,26. 458,14.
respons = responsorium 18,24.
reyger, die hoch r. litthcr 458,25.
rich(h)eit 100,23. 1(>5,B1. 193,4. 244,7.
2.50,9. 255,3. 262,10. 265,15. 283,10.
296,9. 352,14.
richlich, rilich rtichlkh 165,29. 217,3.
250,21. 252,21. 299,13. 14. :^05,5.
311,1. .351,8. 363,20. 21. 395,26. 421,20.
richsen hrrtfchen 356,24. 542-,28. 544,29.
richtöm 228,16. 273,17.
riechen Xeuir. Geruchssinn 207,29.
316,4. •
riechen = riehen sich mehren 279,33.
rite, riffe Utif 220,22. 221,30. 40i>,17.
409,6. 425,23. 456,26. 516,3.
rifleii durchhecheln, vericandcn 41,22.
137,6.
rihen stechen, spiessen 77,16. 17. 120,34.
rihten ab einem urt^len 285,27. 315,28.
465,5; ri(c)hter 70,5. 12(5,12. 205,21.
229,15. 239,23. 263,7. 265,8. 285,9.
12. 319,20. 372,16. 461,19; rihthus
praetorium 34,24; rihtstöl Richier-
stuhl 244,1.
richti /'V//I. gerade Richtung 16,10.
rilich /?. richlich.
rimen, in gerimter wise 397,6.
Rin 48,8. 77,9. 78,22. 80,1. 12. 81,8.
514,3. 517,8.
ring Ring, Kreis von Mensch, Kampf-
platz UM A)2M\, \1. 178.13. 191,14.
16. 21. 23. 192,3. 193,3. 205,8. 370,23.
459,12. 18; ringli 192,4.
ring Adv, leicht, gering 287,5.
ringen sich abmühen, heftig streben
2(>2,5. 231,16. 440.15; subst. Inf.
193,23. 500,4.
riut 420,9.
rippe 214,17.
ris Reis, Ztvtig 224,25. 341,12.
rise P. Ries^ .535,6.
ri.^en zerfallen^ abfallen 217,7. 4;'0.26,
rite Fieber (iK,28. SiK''.0.
riter, ritter 36,7. 55,24-31. 91,35. 151,2.
6. 152,12. 18. 252,15. 365,15. 370,22.
28. 371,6. 398,12. 436,12. 459,11. 17.
520,12; ritterkleit 55,24; ritterschaft
51*. 55,20. 56,2. 3. 152,7. 8. 12; riter-
schöh 55,23. 27.
rit(t)eriich 51*. 64,15. 205,8. 241,1.
371,15. 460,11. 497,3.
ri vieren ausf Hessen 179,32.
roh, rop Raub 83,18. 370,2. 3. 458,10. 11.
robobli Taschengeige 114,1.
rochen röuchern 313,28.
rok Kutte 110,21. 143,25.
Korn, Rom 363,13. 421,3.
ror 467,33.
roschlich Ade. rasch 79,1.
rose, rose Masv, 58,31. 59,10. (>4,S. 9.
10. 26. 33. 102,19. 22. 23. 24. \\Mi\,
137,18. 148,22. 26. 252,24. 281,27
usw.; roseli 111,27. 551.29; rosbom
13,28. 59,8. 15. 2(). 102,19. 20. 21.
397,1. 10; rosenschapelin Krändein
roll Rosen 102,21; rosenstude 58,31;
rosenzwi 432,19.
rosin, rosin A'lj. von Rosen 64,9. 361,23.
411,17; roslin rosinrot 252,23; rG.*<(e)-
loht, ro8(e)lecht 4S*. 64,13. 17. 11(M6.
29. 271,19. 539,11. 542.7. 544,23.
551,25; rosenrot, rosenrot 224,17.
244,1. 245,18. 440.3; rosvarvv, ros-
varw 199,11. 213,27. 214,20. 271.25.
274,21. 295,12. 319,19. 320.1s. 24;
rosvarwkiich 227,18. 274,21.
r8ssli Hössldu 138.34. 139,4.8.10.12.15.
roten 214,17. 449,28.
rotguldin 266,14..
rubin 252.25. 371.S. 4()0,4; rubinrot
271,20. 53S,S.
rücben uniurs. kümnurn 169.27.
rnder 289,18.
ruf des «rcbotes 37.13: ze r. werden
ins (ivrede kommen 119.19.
riiffon 21S.17. 274.2. 319.25. 46n,2S.
ru.<jren/////7a//6'// 204.13. ;515.13.54U.ls. 25.
niirire. ze r.n stossrn lsi,29; ze n'icken
wtrrtVn 457.7.
ruiTirin, nakt'n leib h'-tgi/rnlaib 385.27.
468,2.
600
Glossar.
rüglingcii Adr. riicJcUmja 77, IS.
rukcn IHS.S.
rumeii räumen^ freien Baum schaffen
99/25. 15.S,25. 198,14.
rümen .S74,1B. \Mi\;lh. 440,19.
nineii ffüsUm 1{).\M. 145.28.
ruiis Auf<flusSj I'^luss, Quell 44,10.
1S0,12. 18. 200,1. 278,7. 541,28.
rürcu rühren, herührrn, in Bewegung
setzen^ ein Instrum tni spielen 8,1G.
14,10. 21,28. 81,18. 171,26. 191,8,
199,21. 209,18. 2()2,11. 268,S. 12.
843/20.857,2.871,27. 460,25. 492,11;
.sich r. 377,27. 450,10.
russijT: rti8sii/j schmutzig 77,12.
röte Zuchtrute 247,19.
niwt', ruwe Beue 198,14. 458,8. 4. 454,5.
498,18. 501,9. 11. ^
riiweii bereuen, Beue empfinden 282,7.
408.8 454,8. 5(U,12. 18. 21. 543,2;
suhst. Inf. 211,8. 821,10. 321,14.
rtiwer Biisser 458,24; riiweriu 458,8. 21.
rfiwig, niwijf bereuend, bussfertig 100,1.
175,15.218,17. 258,17. 265,5. 445.25.
452, 14. 450,5. 498,23 ;niweklich 1 16,17.
röwe Buhe, Be^chauung 17,25. 18.28.
I(i7.18. 183,10. 198,19,482,14; ruwfejli
17,1(). 82,21. 98,5. 101,S. 124,22. 880,3.
rüwcu 495,7 ; subst, Inf, 248,16. 297,7.
817,14.
rfiwig. rinvig. ruwig i-uhig 18,2. 85,33.
135,15. 156,11. 22. 160,23. 858,24.
859,18. .871,2. 488,25; rÖw(e)klich
18,2. 20,18.
S.
Sache Ursache, Grund 95,15. 178.9.
191.83. 2()S.29. 844.21. 849,7. 8. 18.
851.11. 478,0. 554.4: sachlich ur-
sächlich 17S,9; Sachlichkeit l.S4,25.
saonimciit 118.9. 2i>l,2i>. 292,2. 295.19.
2!)S.9. 299,1. 10. 801,15. 802.(). 10.24.
4S7.1S. yA\).\,
Saireil rgl. sii(f/ru.
^ai f'i'inf, snftV's Sa ff 2^.11; sapf 4s,l.
sak 877.1»'. 150.5; \\i>>..'r s. ir, i.s.srs
Ordrus'hlao :i(;i.24. 411.19.
I
I
salbe 453,1. 513,18.
s^de s. selde.
salm Psalm 35,4. 87,5. 6 : salter Pxnltv
429,10.
Salomoii 12,19. 273,17. :^)7,7. 4:^»,l<i.
18. 21. 441,20. 470,4.
saltz 44,2.
Salve refrina 36,2. 21. 27. 814,18. 318.^
410,8.
saiu Conj. so irie 327,15.
samiieu sammeln 372,19. 421,2(K 47tU;
sam(e)nung Versammlung, Schar.
Konrent (ron Nonnen) 70.24. W:l
870,16. 459,5. 507,24. 531,13.
Samps(»n 273,16.
Sanctus Teil der Messe :i86.9.
sandunge Sendung 82,4.
Saphir 266,15.
sat Plur, sät 452,7.
satan 471,18.
satlen 189,4.
satten sättigen 228,2(>.
Schacher, Schacher Schacher 132.3"2.
:W,14. 817,33. 540,16. 542,21. o43.2.
schaffen 74,21. 130,23. 137,2. 2^.2.
421,1. 466,4. 479,7. 483,21. 507.19.
schal 49*. 374,4. 432,26. 446.9: schal-
lich(eii) Adr. schallend, laut 374.S.
440,13.
sclialk bösei-, arglistiger Mnisch 161.^;
schalkhcit 86,1; schalkhaft hinter-
listig, boshaft 86,19. 426,17; scbalck-
hafftig, schalkechtig P. 513,22. :>31,
2. 4; schalklich 86.23. 1.36.17.
schalmie 323,2. 10.
scham(e) 71,3. 453,12; scharagen hr-
schämen 205,18; schamlich rersclunni,
schimpflich 204,18. 20. 208,22. :U:>.
13. 21. 539,31. .542,18. 19. 20. 543.1.
545,21. 550,8. 552,7; schamrot 86.^^».
180,28. 245,19.
schantlich 182,8.
schap(p)el Kram 20,7. 14. 27,5. 1*2.
(i4,9. 110.32. 111,2. 18. 252,24. 8C1.2X
411.17.
schai)ren Masc. scapulare, SchuUerlhid,
SIcapulitr 10.5.
scharlat Scharlach 801,24. 411.18.
UloflHar.
601
scliarmesser P. Scher messet' 517,0.
scharp flieh Adv, acriter 156,81.
8c]iat(o) 160,18. 228,18. 30(k7. 361, (>.
schätz 2.'>8,1(». 403,10. 12; Schatzkammer
41)8,9.
schef s, schif.
schetli. .scheff(ej»lm 78,:U. H(k8. 881, 2().
420,8. 468,4.
schelm 4!)*.
schelten sahst. Inf. (>8,8. 468,24.
sehenden 86,28. 152,22.
schenken ausschenken 552,2.
schephen, schepfen schöpfen 829,S.
84<;.10. 48<),4; erschaffen 292,20. 28.
808.11; schepfer, schopfer 215,1.
271,80. 882,11. 426,5.
Sehern scheren^ die 'Tonsur ernenern
110,18.
schezzeu. schetzen 157,7. 492,5.
schidunge separatio j Tod 220,2. 240,6.
260.11. 277,19. 278.8. 318,12.
schif .'«,4. 149,8. 287,23. 478,1 ; schitlüt
1S2,4; schifman 289,17.
schilt 546,28.
schimpf Schere, Kurzweil 488,11. 18.
485,9.
schin, geischlicher hdbitus religiosus,
klösterliches Gewand 8,5. 198,1S.
218,10. 284,11. 863,17. 870,4. 407,21.
421,10. 458,12. 4a5,15.
schinherlich Adv. sichtbar, tjlänzcnd
143,27.
schinden 125,13.
schirm 89,8. 117,14. 1(K),5. 268,4. 264,18.
896,4.401,6. 554,24; schirmen 89.11.
248,10. 840,12; schirmerin 87,20.
schit Scheit 199,23.
schl — vgl. sl — .
schlaferlich Adr. schh'ifritj 45,11.
schleht, siecht gerade, schlicht, auf-
richtig 800.9. 859.17. 4S2.S. :>li).28.
517.5. 51H.17.
3chlipfen 865.27: sclilipfrio; 365,18.
480.10.
schm — . sehn- - nfl. sin -. sn — .
schnate Strirmv 45,20.
scIm»' s. sne.
Schönheit 199,12. 217.4. 26(;.2«i. 275.17.
875.9. 425,10. 482,4. 447,8. 466,6.
491.18; schSni 266,19. 278,17. 312,12.
874,24. 377,18. 885,26. 441,7. 449,27.
schüp(p)e Masc. Jackj 77,12. 79,8.
schoss, schoz 121,27. 122,3. 256,30.
267.28. 275,19. 276,17. 821,24; schois
P. 518,30.
scliowen, schowen 167,22. 188.5. 244,17.
288,15. 388,8. 890,26. 464,1(5. 472,9.
478.18. 474,4 usw.; 8chüw(e;lich,
schowlich anschauend, beschaulich,
contemplativus 156,5. 81. 160,27.
171,22. 245,5. 889,27. 428,4. 464.19.
469.19. 474,9; schowlichkeit 38«.15;
schowung:, schüwnnj^ 21,7. 183,7.
198,18. 851,6.
schrepfen 48,18.
8chriber 4,3; schriherin 4,3.
Schrift, serift, heili^re 107,20. 4,14. 5.21.
11,28. 188,20. 190,25. 197,16.21. 281,9.
828,8. 879,11. 508,8. Vgl. geachrift.
schrin 264,5. 290,12. 486.20.
schft 467,88.
schuhen, schlichen rerschenchen^ Scheit
haben ror etwas 157,9. 19. 184.15.
297,4. 827,19. 4s4,8.
schuld und büze 820,14; Schuldner 250,8.
879,9.
schül(e) 5.8.6. 12. 14. 81. 54,1. 29. 103,21.
143.10. 19. 209,11: schuler 32,22. 50,
23. 26; scholer P. 519,25; schölerli
81,19. 98,29; schnlpfaf gelehrter A7f-
riker 58.26.
Schulter 4M9.19.
schupfen stossen 145,10.
Schussel 42H.14. 438.28.
sehnten schütteln 80,3o.
schuzziu: = inschiessend 29.8,21.
se(e)kli 45.2. 75.19.
.scgrt'l P. Siegfl 522.17.
scLrin(i sagena, Xets 18.82.
seien säen 8»;8.2«J. 421.19. "SK
seil 107.5. 8S7.29. 469.5.
srit.' >///7t 19!».2<. 250.21.254,2; sritiMi-
si.il 15.1. 112.8. 118.2!». 19!».14. 225.5.
'S^^K-ii^. 2i;5.i. 2«;9.n;. .804. >^. 8 18.24.
:'.2:i.i:>. ::74.27. 884.9. 899.s. 447.:».
4';«;.li. 177.11.
602
Glossar.
selbsLeit, selbheit Fem, Neutr. Seihst"
heit, das eigene Sein 28,10. 180,2.
182,27. 184,24. 185,2. 186,13. 187,22.
189,7. 20.22. 337,19. 339,11. 385,13.
389,4.
selb8tanduuge suhaisteniia, Persönlich-
keit 334,7.
selde, salde 224,1(1 246,23. 372,2. 394,7.
415,16. 461,6. 589,13; fro Seide 435,7;
seldenzwi G lacht reis 216,19.
seien, die die Seelen, im Fegfeuer, armen
Seelen 313,13. 453,30. 524,15.
selgerett; 146,19.
seligen beseligen 169,7.
selklich 156,25 ; Adv. 97,4. 439,5.
seilos 484,12.
selzen seltsam, unbekannt, fremdartig
90,30. 118,10. 226,14. 323,19. 475,13.
semlich Adj, ebenso beschaffen, der-
gleichen 108,24. 148,5. 482,2.
Senat 548,21.
senend, sened, send Part, sehnsüchtig,
roll Liebesschmerz 13,3. 223,11. 260,9.
271,4. 277,32. 318,10. 430,14. 491,5;
senlich 178,22. 229,17; senung 20,20.
Sonex unhekannter Altvater 105,17. 23.
1(M),5. 9. 19.
senften 21(>,2. 317,15; senfteklich(en)
Adr. 1.89,12. 589,29; senftmütig 85,4.
20S,82. 252,9. 868,6. 864,1. 414,18.
420,6. 475,4. 494,21; senftmütklich
Adr, 204,15. 260,4, 261,30. 318,7;
senftmnt(i)keit 21(>,23. 818,18. 364,8.
420,18. 421,25. 422.22.
sequonci 26,13. 111,12.
ser Mose. Neutr. Schmerz 35,16. 208,3.
215,10. 216,2. 315,81. 316,11. 817,15.
Seraphin, Serafin 18,14. 24,32. 144,22.
27. 145,11. 248,12. 805,80. 318,20.
890,10. 471,16.
sorwon cntkxlftH fr<rd*'n, dahinwelken
142.28.
scss.-l i\\\V.\.
s^oxt llnn und Zeit derselhtn 548,4.
siltiii (/ur('hs{(bru 148.19.
sicL(wlieit 108,^. 225.2. 242,15, 256,2. 11.
olI.!>. 879,12. 42S.2. ^'-VIAl.
sicherlich(en) Adv. 218,3. 226,8. 3
372,22. 461,24. 508,11.
sider Conj. da, weil 202,20. 203,1. 2^3;
261,2. 286,21. 881,10.
sidin 3()9,19. 393,15. 457.15.
siech 414,4. 503,18. 505,20 ; sieche du »-i
109,3; siechen 212,4; siechhus .
teilung des Klosters für Krem Ji
infimiarium 84,4. 86,11. 12; sL^*
Stube 31,15; siechtag Krank- ^h
Siechtum 56,17. 68,27. 69,5. 109.a - :
133,9. 503,19.
sieden 286,1.
8ig(e)lo8 166,14. 260,3. 261,28. aas.
435,7.
sigen sinken 239,24. 330,11..
Sinieon 30,3. »
sin Plur, sinne Ausspruch, These 4,11 . i'».
5,13. 97,11. 13. 28. 99,11. l^KW.
190.27. 191,2. 11. 197,20. 325,/<»
327,18; Zweck, Bedeutung 165.21.1^2;
der gemein sinne P. 521,24.
singen und (ald) sagen (lyrisch) dichten
und vortragen 15,4. 26,21. 56,(>.
sinken 842,1; in sich selb s. 338.1S.
siunelich, sinlieh 163,24. 165,31. r)20.1'
527,18; sinnelichlk)cit seiumahio'^
169,36. 359,11. 501,6. 520,6; siiimei-
los besinnungslos, frei von den Sinnm,
wivtrständig 70,28. 282,10. 341.1*)-
876,2. 448,14 ; sinne(n)rich verslündvj,
klug, scharfsinnig 4,29. 184.12. 2(>^.l'^-
sinsheit Fem, Neutr, das eigeiu vj/j
95,12. 161,6. 164,4. 167,21. H>i>-
182,29. 183,2. 18(),4. 188,7. l^'!^.-^--
382.28. .887,1. 359,(i.
sinwel rund 64,11. 199,5. 551,12. ."w^.U.
Sirenen 435,3.
Sitte 480,21; sit(t)ig 1<>6,22.28. aolUT:
sitlich Adv. i-uhig, anstdnditj 4<U."^-
«lange, schlänge 106,13. 425,17. 47:U:
der wis sl. 436.8.
s(ch)lechdoni 211,29. 480,27.
slewe(n)zen trdge ssin 408,18. 424.>
s(cb)Iichen (herab)gleiten 436.21. 2<i:
subst. Inf, 478,1.
%\q^s 414,20.
Glossar.
603
8mak Geschmack, Gti'uch 1 11,16. 125,14.
2(«,1. 203,23. 303,16. 313,25. 316,4.
361.22. 411,17. 425,16. 427,17. 19.
452,9.20. 453,2; 8(ch)ma(c)ken 209,6.
232,5. 9. 233,13. 42(),H. 452,19. 492,22.
smakhafti Wohlgeschmack 316,8.
8(ch)ma(ch)licb Adv, mit Verachtung^
auf beschimpfende Weise 123,27.
124,9. 259,21.
Smaragde 266,15.
smelzen 16,H.
smertzen 413, 11.
smevchen P. 509,20.
sne, sehne 220,23. 323,20. 425,24. 452,5 ;
sehne wiss 194,25.
snecke 473,14.
s(ch)uelleklich 169,31. 334,26; snellheit
317,3.
snod P. 516,19.
8oi,'en 267,20.
sojtr(e )tan PaH. Adj. so beschaffen 197,20.
226,1. 257,4. 258,15. 263,3. 293,21.
299,24. 340,16. 454,9. 12. 456,15 usw.
solich 464,13.
sorglich, sorklich Besorgnis erregend^
bedenklich 68,28. 78,28. 147,(i. 267,8.
352.5. 527,14.
sorgreltikeit 494,19.
.spacieren subst. Inf, 166,25; spaciiuu
322.23. 323,29.
spalten sich spalten 447,25.
spang = spanne palma 41,6.
span(n)en 482,15. 504,1; gespannt sein
360.6. 405,2.
speculieren 172,6. 7. 173,9.
Speciilum Viueentii (v, Jieaurais) 51.4.
spfhe, spech spöttisch, nbcnnütig 317.18.
28. 439,2.
speht 4.58,25.
Speichel 204,19. 208,5. 316,14. 54(V2.
spengler Klempner, Flaschner 40,15.
«per 273,6. .320,16.
Kpeten, sich 312,29.
sy\i'gcl(eigentl undbildlichvon Chriahts
ns,r.) 92.2. 97.1. 172..5. 208,9. 21(5.23.
2:n.7. 242,18. 263,12. 269,16. 30.
277.8. 292.8. :r21,27. 477,2:<. 482.16.
493,7. 528,1.6. 539,31. 540,7. 544,11;
spiegelich 155,18.
spiess 76,7. 77,13. 15. 17. 78,13. 79,2.34.
spü 205,30. 224,26. 234,16. 237,19.323,9.
361,6. ,374,31. 410,18. 447,10; der
minne sp. 234,11. 12.
spilen spielen, sich lebhaft bewegen,
fröhlich sein 31,4. 82,23. 201,18.
224,26. 276,20. 298,14. 417,8. 476,21.
479,3; spil(e)nd leuchtend, blinkend
14,12. 173,6. 267,24. 406,16.
spüle P. Spindel 631,13.
spilman, himelscher 21,8; spilwip salta-
irix 481,14.
Spiritus blasphemiae 131,15.
spisli 84,13; spi8los^81,15.
spissen aufspiessen 77,16.
spot 490,19; spotred 84,6; spotig 146,7;
8pot(t)nch , spotlich 145,24. 205,23.
2.59,19. 261,5. 317,19.28. 487,9. 540,3.
sprechen, einem susprechen, beilegen
329,23.
spreiten 547,28.
sprengwadel Aspergil 47,19.
Spruch 60,13. 104,1. 157,6. 9. 12. 158,6. 8.
163,10. 391,21. 396,18. 22. 469,7.
484,10.
Sprung 21,23. 372,-3. 458,3. 461,8.
spunzieren = sponsieren subst. Inf,
Liebesgetündel treiben, buhlen 135,14.
136,22.
spüren 172,4. 491,33.
Staglin, Elsbeth (die) 8t. 124* ff. 96,7.
367,4. 384,3.
stiihlin, steh(e)lin 212,11. 375,15. 'M
447,25. 448,10.
stanp- 442,22.
stapf restigium 455,19.
stärckhrit P. 521,7.
stecken 4(;8.15. 493.11.
steft 40,19. 4:<,6. 19; steftli 4(M5.
ste^ Mft,sc. schmaler Weg 225,10. 371,1.
459.2(;.
steirt* Fem. Trrjijtr .S6.13.
stehliii .s-, üitahlin.
steiiiin 67,7. 547,2(1. .'m2.29.
St»*lla Maria iiiaris etc. 17.29.
604
Glossar.
stellen nach Pr('lt. stalte stnheu^ trachten
96,11. 2S9,13. 389;2r). 400,14. 4S3.27.
4")1J. 471,4. 52H,10: st. uf einea
nachstellen 115,20; sich st. sich ge-
stalten 425,14; f^estcllet Part, gt-
staltet. nussehemnm,\b. 387,9. 37«,! 4.
451,7.
«tcreu =c Staren suhst, Inf. Stufren,
Stieren 10,21, 191,32.
stcrki 278,1«. 553,9.
Sternseher Astronom 250,7.
steten befestigen 215,22; stcteklicli(e)
Adr. H()2,10. 400,19. 475,1; steti Be-
ständigkeit 170,14; die steti dauernd
249,4; stetikeit 219.24. 2S9,21. 322.12.
stetli <)(>,)$. 67,4.
stiften hinstellen, amichten 75,18. 335,7;
gestift Part, erdichtet ^ erkOnsidt
377,13. 449,27. 514,4.
8ti^ Fusssteig 49,11; = stigel? 434,17.
still haben 29,20; stillsprecheud 190,16;
stillestan 366,5. 437,13; stillstend
191,16; stilleCs) swijreu 211,5. 4:W,7;
stilleswigcnd 173,23.
stille, -i 152,10. 352,12. 477,10; stillen
zum Schweigen bringen, beruhigen
122,21. 136,24. 183,14. 474,15; stii(l)-
heit 104,13. 170.1. 1H4,23. 186,11,23.
1S7,7. 189,2H. 192.2(>. 245,17. H09,27.
3()4,1. 420,13. 474,23: stilleklich Adv.
414,14.
stock Unkraut im Acker 495,7; Unter-
satz, Basis bb2A6; Gefängnis •^H^^19.
stolz, ein st.er juug:lin«; = Kngd 21,10.
31.22. 53.10. 139.26.
st(>.ss. stoz Stoss, Streit, Widerstrehen
95.13. 19S,15. 2S5,4; stossen 2(;s,21.
440,27; stnssi^ in Streit befangen,
um ins (mit sich) 95,14.
straflich 166.13.
ötranire 2iU0.
stral PMl 230,4. 435.5. 453.12: der
niinnf» str. 55*J,9.
straiiüfhcit x. stronirlieit.
StruslMur 23.1. 81.6.
stra.^sr 434.15.
streich 1I-*».1S; strciflu-ii hrrithm, 2<»><.5.
3H;.13.
I
I
I
streiffen, sieh 434.16.
8trenkih)eit, strengh., strauirh. W.*2l.
53,1. 107,9. 13. 29. 108,6. 12. 2:M7.
;-64.11. 375,24. 38.SU. -123.4. 44^.:^
469,18.25. 497,4; stren(g)klich \1:t\
204,7. 315,4. 340,5. 438,15. 53« 19.
strichen 394,4.
strik 72,23. 284,14. 310,21. 323.26 'i^WX
445.10. 456,20.
strit 459,19. 460,11. 17. 497.3; wia.?r
strit um die Wette 39,24: stritten
240.2(>. 365,17; stritberlich '1(^\%
459,12; stritlich 241,8.
stro 7().10. 369,22. 457,19 ; strosak :)ö.ln:
strowin strohern 152,12.
stübli 31,0.
stuche Fem. Schleier 83,18.
stude 216,20. .551,17.
Student P. 532,16.
studieren 104,11. 2:)6,21. 29. STÜ.'Ü
438,1. 449,1. 552,16. 18. 553,24.
stftl 70,5. 414,1.
stunde, min liebü i'göte) st. 27,2. .54S,10;
stundliüi) 93,22. 168,2(5. 216,1 7. 2J4.2S.
239.7. 281,21. 307,21. 383,17. 456.12.
551,5; stündlich 4*34,7.
sturn 4(H),24; stürmen 370.12. 42tU:).
489.27; sturmig 81,12. 92,21.
suber rein, hübsch 55,22. 79.1. 134.28.
substunci(e) 172,2. 180,3. 181.5. 23:iS:
substanzlich 171,18. 179,3.
subtil .352,13. 489,8.
suchen, einen ze gründe s. grünolid
durchsuchen, heimsuchen 56,19.
snfze Mase. Seufzer 27,24. 36,1, 45.1H.
54,30. 62,19. m,2S. 77,24. 7l».31.
80,32. 34. 90,10. 91,3 ustr,; süfzen
31,14. 48,6. 72,3. 84,11. 110,8. 120.14.
319,16 usir.
sug(?n 15,10. 39,24. 61,21. 204,30. 371.2:>.
4<J0.22. 472,16; suger .57,17.
suht 47,15.
sul 42,1. 198,25.
sumlich«i etliche 135,11.
sunion hinhalten 2S2AA. 474,17: sich s.
mit (rrnet, versifumen 2S2,14 ; sumiü
415.12.
(.Iloösar.
G05
iiniuDerlich 111,27. 172,U. 299,19.
: 104, 17. 374,3(). 407,4. 6. 425,10.
4:i3,22. 25. 447,9. 4()(>,5. 47S,19.
iiiKiiDerwuiiue 27,2. 111,3. 242,11.
299.11. 22. 304,21. 406,17; sumerzit
425,27.
11 Sä/nie 213,29. 261,15; sunzeichen
f ltt(jvnhoyen) 214,15.
iiiamitis 43"),15.
ikU'II süniUtjen 5i;0,22.
iider 125,22. 453,24. 486,13. 4S8,8.
508.5 ; Sünderin 72,10. IS. 73,8. 451,14.
453,16. 512,2. 10. 513,20; gemeine
snnderinu 116,19; sündig 79,29. 116,20.
175.2. 198,2. 212,27.447,17.21.450,11.
452.14. 461,17. 498,29.
jidtr Adj. besonder 416,2. 468,24;
sunderbar Adv. vorziUjlich 376,19.
448,32; sundern, siindem 219,10.
.•{:i2.5. 356,20 ; sunderheit 25,12. 149,6.
isr,.24. 193,15; sunderiicli(en) 72,32.
196.9. 199,19. 210,15. 224,5. 307,13.
:i76,25. 27. 414,2 ustc.
non 243,10. 321,15; öünorin 264,2.
mhcit 184,20; sünlich 184,17; sun-
lichkeit 224,13; sünlin 25,25.
iiiue, der ewigen s.u rad 387,11.
4<»s.l4; sunnenglast 299,17; sunnen-
tag Sonntag 4H,12. 352,11.
mtlicli 11(>,24. 158,25. 192.16. 322,2.
:^5,26. 452,17. 21. 468,1. 507,2.
ippriorin 462.3.
irsum 27,21. 171,26: Sursum corda
27.17. 19. 25. 28,18. 30. 29,5.
ise 7,1.
isen sauften 27,21.
issekrit, ßiissik.. siizik. 27,8. 37,2. 17.
9S,15. 142,7. 197,5.205.2.207,13.16.
241,2. 244,4. 249,26 ustr.; 8uz(e)k-
lich, snssekl. 69,18. 86,29. 90,19.
111.10. 112,3. 202.11. 13. 213.10.
223,19. 234,1 u.stt,: süzmiitig 261,31.
iSHcn Fart. gesiist 14.1; siissren 45(K1.
iter SchusUr 86,8.
Ä-alie 7,2; Swab«Mi 26.3.
lach schlecht, unvdtl »l<>,24; swachon
schwach irn'dfu 88.13; swaclilifit
S9.30: swaclilicli Adv. 380.21.
swalvc P. 535,19.
swangc'r 330,21.
8 wan k Seh icuny, A ufsch irw/<//4G8,6.459,2.
swarheit, swerheit Last, Beschwernis
95,1. 193,5. 309,24. 476,7; sweri
498,7 ; swarlich(en) 60,8. 214,31. 258, 1 7.
375,30. 433,6. 448,9. 456,12.
swärmütig, swenn. 212,27.485,19; swar-
mdtikeit, swerm. 235,4. 256,25.313,11.
351,9.375,31.448,10.496,17.497,15.19.
8 Warzen schicarz werden 230,2.
8webeu 44,11. 838,20. 350,28. 44(;,23.
8weclien eminlriyen, heschimpfen 120,21.
369,13. 457,9.
8weil\f) 371,27. 460,24.
sweinen schwächen, vernichten 286,3.
8 weis, -z 204,6. 205,14. 315,3 ; sweisbad
Schwitzbad 46,3; sweisetropfe 539,9.
swelle 35,1.
8wi*ll(*n Fart, gcswullen 453,12.
swenken schweifen, schweben 370,18.
459.7.
swerlicit, sweri y. Hwarheit.
«wert 76,10. 83,6. 85,34. 270,19. 453,27;
swertslag 422,(>.
swertzi 439,17.
swimmen l.S0,5. 185,28. 247,9.
swiu 222,12.
swinden unpers, ohnmächtig werden
79,19. 213,14.
swinen Früt. swein abnehmen, dahin-
schwinden 120,2s. 302,1.
swin^ren, sich 424,25. 448,11.
8ymeon (lieri 294,7. 295,22. 545,23.
svnioniu (»2.25.
8yndetice.»*, sancta 106,21.
Syon 297.5; di<' mogdr ttohtcr) von 8.
432,16. 2»;.
T sithe D.
ü.
ülu-llich 549,13: Ade. boshaft 123,11,
ubdsteud 123.13.
iibou as/cetische Chunt/en pflegen 3,11 ;
i,'"eübt irfah\n im geistlichen Lrhen
252.2: sich fib. 51.13; «.'inen üb. htim-
suchen 51,13. 493.25; iibig VU4. 52.6.
IKll. 140.6. 192.31.
606
Glossar.
iiberbiMcii irnmformar.^ 1()8,10. 181,22.
33S,r). 891.9.
überbuiifl Aushund 4:(M),22.
überdenken 24().1.S. r)2r),22.
i'iberji:an, -^en überdenken, üherireffeti,
üherschreitm 234,4. 257,18. 21. 24.
:m.27. 314.17. 334,4.
nberire^otet ühergöttlich 190,14; i'iber-
jETotlicb 188,20.
überji^leHtet hell glänzend 49,7; tiber-
«rlestiir 190,15. 20.
übergüldon ilfnrtreßen 507,14; sahst.
Inf. 215,9. 26«.21. 454,14. 476,12.
rtberiieben, -haben 133,8. 2(M),3. 302,3.
aS(),21.
überkonien überreden, vermöyen 140,24;
darüber hinauskommen 521,4. 525,6.
fiberkraft Übermacht 139,29. 2iK),27.
365,15; fiberkreftiü: 882.2; überkref-
teklich Adr. 4(>7.15.
tiberladen Part. Adj, überbürdet, be-
drängt 39,4. 69,7. 72,8. 216,8. 220,22.
256,26. 497,6.
überlast 51,18.
überlesen 200,6.
nberlieht 190,17.
überloben sehr loben 51,1.
übermerklieh übr.rnus in'chiig 329,7.
überm esseklicli Adr. 227,10.
überniinneklieh 229.14. 409,7.
übermrit 3()3,H>. 421,8; übermutikeit
235.3; übennütklieli S().8. 156.32.
Übernatur 311,19; übernatürlicb, -na-
türlich 10,10. 18,1. 170.2. 171.23.
17S.22. 18!),9. 193,1. 223,27. 292.18
iisir.
überuftenbar 190.18.
überschal höchste Frvude 112.4; über-
schallen 376,16.
übcjrschinen 106.25. 241,10.
übersehen mit Dat. oder o;en übnsihtn.
nnrhsehvn, rcruikvn 123.9. 340.().
364.28.29. 3(;6.18. 369.16. 424,21.22.
43S.!>. 457,12; .^abst. Inf. 375,2!).
448,8; sich üb. .v. nrsrinn, versäumen
130.12. 310.6.
übersetzen. -s(rzzen frunsf'ormmr 94,2(5.
130.22. V.ru2\\ 3:U.12. 337.13. 358.7.
I
ül)erswenk überschwenglich 52*. 5,U.
1 0.28. 23.2. 97, 1 1 . 99, 1 1 . 179,2l>. 181.24.
1S4,5. 344,26. 384,20. 466,21. 477.1:
übcrswenklicb 288,10. 378.10.
übertrajj^enheit hochfahrendes Wfsr.i
1 33,5.
übertrahten überdenken 2.57.20.
übertref(f)end 174,8. ^39,11. 'U2.l:i
352.21. 353,25; übcrtreffe(nilicli 329.7.
339,9: übertreffeulicheit 327.21.
übertruken aushalten 370,27. VM^.
übemnbekant 190,15.
übervaren subsl. Inf. obprflaeUkh U-
trachten 257,16.
übervart transitus 193,11.
übervemünftig: 185,26.
überfliessend 178,22. 2(^4,23. i«:».^.
267.1 ; überfluss 336,9. 3a5.1 1.467.18:
überflüssig: tlberfliessend 101.15.
Überflug — übervart 184,2.
übervoll 52*.
überformen transfonnare 33Vi,12.B45.l\
überfüllen 190,20.
über werden enthoben trerden 44.\17.
ther\ves\ichsuperstanUalisjVtersifii''*ii^
lieh 52*. 95,15. 157,22. 24. \mi
182.20. 24. 190,12. 14. 191.32. :U.
193.17. 390.4; überwesentlich 471.ii.
überwinden Part, überwunden "^nr-
vältigt 48,6. 15. 270,22; über\niinl»^n*
heit 497,11.
überwürken 53*.
überzinen verzinnen 48,5.
übli 261,32.
übrifr übermässig 107,9. 1?32,4. 1:^4.
139.31. 358,16. 543,7.
ubung Übung (asketisch f.) 11,22. ÄUt).
30,14. 40,26. 41,3. 43.4. 45,25. 4().IH.
27. 215,2(>. 448,4. 505,7 usw.
nf bieten 493,23; subst. Inf. \m\\
318,33; sich uff" b. 479.2:^.
uf blasen anfangen zu blasen .323.1*».
uf brcjchen aufgehen, sich aufmnvhoi
17.19. 90,29. 172.14. 173,14. 2U.«>.
233.21. 271,17. 299,9. 313.17.
nf di.nen 323.13.
nfflrin^^^en, -trinken 28,10. 172,16.211.10.
252.13. 374,26. 426,5. 447,4.
Glossar.
607
en aufrecht halten, unterhalten,
95,28. 165,5. 177,5. 280,20.
117,14. 388,10. 469,U ; sich uf e.
. ufenthalt Stütse, Schutz 24,7.
118,30. 126,11. 169,29. 484^6.
!ii 212,14.
[en 259,19. 269,19. 543,12.
en 156,3.
nisz P. 518,14.
Igen, sieh 158,26.
aufragen 217,8.
nehmen 505,18; nfgang 165,19.
\*art. cr/7c&ew 465,13; ufergehen
: ufergehenliche 339,15.
iheit Ekstase 196,7; ufgezogen-
0,2.
schön gerötet 110,14.
m die Höhe halten 77,18; uf
\i zurückhalten *61Q,\\' 448,2^3.
, sich P. 511,13.
n 553,1.
gären 159,8.
n aufspielen 28,12, 323,4.
en 138,27. 205,4.
a auflehnen, in Bewegung
• 45849.
171,26.
u, sich 448,6.
Aufschlag 530,5; Auf schuh
uf schlahen aufschlagen, auf*
i 225,15. 314,3; zur IFeidv
treiben 374,23. 447,2.
sen 207,21. 320,3.
en 385,24. 467.33.
i 438,23.
, ufgesatte wise 488,19.
en 173.7.
^n 27,30.
n, sieh 193,5.
auftragen, darbringen 27,2^).
.22. 91,16. 311,17. 431,11.
n 1H,15. 216,22. 224.15. 243,13.
1 J*rät. wüst auffahren 57,26.
210,:^
. sich 447.26.
uft' ziehen hinhalten 455,12; uffzug
455,14.
umbgan einen zu schaffen haben, sich
abgeben mit 116,15. 361,4. 410,15.
umhhalben 539,17. 549,12. 552,19.
umbhenken 296,29.
umb keren muiare 551,22.
umbkleiden 492,28.
umbmachen 66,5.
umbschliessen 20,1. 178,10. 29r),24. 297,3.
392,19.
umbswank Umfang, Umschirung 178,14.
191,15. 435,8; umb swenken 250,5.
urabvaug 14,13. 18,4. 201,27. 214,26.
276,15. 413,5. 433,13. 479,18. 493,16.
49(),2.
umbzi'inen 426,11.
unandechtklich Adr. 298,9.
uuangenomen stan gelassen sein 359,27.
unangesehen 168,26. 348,16. 350.25.
353,13. liO,
unbedaht unbesonnen 300,9; unbedali-
t(e)klich Adr. 235,13. 298,12. 415,1S.
unbegirlich 297,20.
unbegriffen ^incomprehensibilis 223,23.
328,22: unl)egrif(f)enlich 178,7. 226,15.
242,5. 243,15. 262,17. 295,9; unbe-
griffenheit 342,1;^.
unbehabenlichi Nacl^iebigkeit ¥ (rgh
Deniße ö33 A. 2) 340,15.
unbehangon 47*; unbehenkct ohne An-
hänglichkeit an die Kreatur 38,21.
unbehulfen 163.18; uubehulfenlich 81.9.
unbeliutekeit 42.10.
unbekant unbekannt, unerkennbar, un-
rorhergesehen, unverständig 128,24.
156,10. 190,20. 194,2. 215,27. 284,30.
310,12. 326,15. 379,6. 380,6. 4(H),4.
410,4. 428,2. 434,15 usu\; unbekant-
heit Unverständigkeit 503,16; unbe-
kantlich Adr. unvorhergesehen : un-
bekennen sahst. Inf. .'Ul,16.
unbekumbert 208.24. 431.19.
unbie'liplich v(trühtrgehen(i 160.29.
193.27.
unbcradflii'lien P. inmnsuHe 533,23.
unberichtet nicht untfnvicsvn^ unhe-
hrlligf Mi;9.3.
1
i
üOS
(Ilossar.
imbernrt 215,19. 226,(>. 257,18. M50,10.
iinbesclieiden iudiscrettts 1()8.12. 4:90,
10. 18. 501,11; iinbescheidentlich Adr,
ohn: Jieiriisststin 284,15.
unbeschlosseiies kloster ohne Klausur
ie5,:n.
mibescbniten 25,22.
unbesintklicb Adi\ 298,9.
iinbesorget 157,5.
imbestoben P. 526,10.
imbeweg(cn)lich 105,17. 210,21. 242,2.
261.8. 810,29.83. 388,4.0. 469,9.10.
unbewiset 201,16.
imbezwungfeulich, in u.er wise 179,4.
uiibild(c) EiUi'üsiung 120,8. 9. 127,24.
iinbilUch 201,24. 293,26. 337,30. 420,19.
unbUtlichkeit 164,8.
Undank, sines u.es gegen seinen Willen
81,24; undankbar, -ber 215,7. 310,25.
underdruken 5,11. 123,24.
underducken P. 522,14.
undergan, -gen 44,19. 55,2. 68,7. 85,30.
105,26. 148,16. 353,16; undergang
48*. 57,4. 67,3. 133,5. 104,18. 165,19.
107.9. :m,2. 24. 389,5. 486,12.
iindergeworft'euheit 477,3.
undergezogenheit Entziehung der fühl-
baren Gnad^ 322,25.
und»jrgründen 13,1.
undorlaz, -ss, ;ine 82,24. 224,30. 243,13.
;U.S,9. 502,10. 5:>2,27.
underlibi ztiin'ciligt liuhe, Erholung
r)0*. 4,23. 40,3. 360,8. 405,4.
underrock Unterkleid 394,5.
undtTScbaid, -scbeid 3,14. 10. 4,15. 97,17.
113,20. 155,12. 150,14. 158,3. 13. 14.
19. 159,10. 27. 100,10. 13. 15. 163,7. 9.
107,12 usu\ ; underscbeideu verschie-
den Adj. 850,21. 354,18. 35."'),3. 497,16;
underscheideiilit'li verschieden, deuU
lieh 185,15. 189,14. 15. 492,^1 ; under-
scheidciiheit disfinctio 174-10. 354,11.
U'k 22. .355,1.
nndcrscliidiujgo .separatio 354,16. 17. 21.
linder schlalien unterdrilcken 57,9.
nndtT^tan ftlttnhren^ verhindern 7,18.
147,0. 201.21. 2s. 205.8. 373,10; un-
d^-rstand sahiectum, Stützt 157,16.
162,20. 492,31 ; undcrstandnugtr *ü/>-
sistentia, Persönlichkeit 334,y. 12.
understützen 548,20.
undertau, Untertan 22,33. 382,9. 4<U.2»i.
465,25; undertenig 89,6. 182,19.19-2.
19. 274,13 ; undertenikeit ^57,1. :C).U.
381,10. 383,21. 462,18.
undertragen suhst, Inf, dazmfchh
tragen 62,25.
under tön 447,14.
underwcgen lassen, bliben unbehelligt
lassen, äbtrgehen, unterbleiben 97.22.
98,8.353,12. 14. 309,18. 373,23.457.14.
uuderwilenit) 367,16. 455,22.
underwinden, sich sich freundlich unur-
ziehen, s. annehmen 251,6.
undervvurf Unterwerfung 1(>3,30; iinJer-
wi'irflicb(e) 327,17. 332,22. 3öS,2.
underziehen entziehen 289,14. W.'.
548,27.
underzuk Entziehung^ Verlust 174.26:
imderzucken unterdrücken 21S.12.
275,25; underzukung 166,0.
unehtig t-on geringem Anselieii, nkht
achtend 109,20. 218,23. 304,5.
unendlich zwtcklos, unnütz 221.23.282.2.
unenphintlich unerfindlich 249.5.
unenthaltiichkeit = oltne enthalt 1»>4.\
unerbermklich Adn. 200,3. 318,6.
uncTbrochen ungebrochen 156,30.
uuere 30,25. 69,8. 120,20. 215,3. 2i^2X
308J.
nnerkant unerkannt, unerkennbarl(ji'2.\''
549,15.
unerlich schimpflich, schmählich 67.1.
115,23. 282,23. 370,20. 459,16.
uuerschoi)f(e)t 205,26. 498,19. 54a;>.
uuerschrokenlich Adv. .378,19.
unerstorben 3,12. 160,1.
iinerstürmt 160,4.
unertokeit Unbill 74,17.
uuervolgklich unerreichbar 383.21.
uni:iiuz 102,12. 275,25: ungan(tW.lich.
ungeutzlich 4,3. 871,34. 401,3.
luiireherde unziemliches Benthmen
ungebügig unbeweglich , schwerfnlV-i
470.9.
lebroehen 53,2. Iti5,3-
^bonden 56,1 0-
ftbäiH ]82,t.
er Gtdaiikt 125,21; <)ines
wiiUr Wülm *17,16; unge-
L 4ankbeit Gcdanktniosii/keit 049,11.
mgednltie 44U,28.
zugegeben 21l>,4.
jngehabd, -(, -hebd ühle» Bmrhmrn,
Ungwtdm 127,4. 24. .HÜ; ii.igehabt-
keit »4,ai.
tntreliinilert 357,7.
ingehört StK.lI.
iDgebiilfen 266,6.
ing:ehi'ir ungehruer, «chrtcklich 61,10.
77.12. 81,7. 87,14 13(»,1.
lugeisüicb 258,21. 22.
la^iitilaAea frei von Anh'JngUc'iktiliehß.
]llgelaB(8)en nicht Gott rrgehtn, unge-
duldig 28,32. 54,22. 1«5,16. 531,12;
BbBgeluienbeit 535,10.
P^ebt anerprobt 369,2.
taigeleiBten 258,5.
iiagelerl 4,10. 1110,1.
iingrlejlicb 92,10. 108,1. 4. 142,6. 10.
» ir>7ri 161,26. 164,24. 172,2fi. 191,«.
L4»4,l. 19»,14. 16. 220,14. 228,6 >»».,-
KVig(e;1icb(b)eit üivjhie/ifteil, Abwen-
Wfliutg eon Gott idie&imilitudo, im-
f ipiite») 88,22. 92,28. 142,18. IHfl.lö.
|iOO,21. 2:»,16, 233,12. 247,5. 359,20,
■^88,12. 46it,l(l. 478,6.
ingelirapr geben (mW« 136,31. 485,11;
nngelimpflicb Adv. unangtmeeitn
159,25.
iuig(e)löbe 291,26. 492,«; i>iig(e)lo1jlicb
107,22. 293,26.
ongeloQCt 182,2.
iingeln(c)k 51*. 1:13,24. 168,3. 395,19.
483,7.
iiDgemacb Sitbtl. 46,3. 57,14. 70,23.
208,4. 209,8. 213,2. 216,31. 221),18.
12. 247,12. 14 ««/'.
euen 54*. 291,31. 306,1. 328,22.
F3ff7,26; imgemessenheit 173,1. 182.29.
554,3.
ingemüigeC UKbüäntigi .')51,4.
H. Stoin, DmMcba ScbritMii.
609
iiii^enoiitheit Unnennbarktit iGiitleii)
im,i.
iingencm »aangrwekm, widtrwärtig, nb-
a/ojeenrf 89,27. 121,34. 2ia,ll. 214,7.
259,21. 305,29. 306,25, 811,24. 554,19.
imgeDemmet ungmannt 821^,19.
nugenfig 231,13: ungenügde 8,9; un-
fe-enüklitb 219,19.
nilgeordnet, -denC 42,6. 11. 62,1. 23.
174.26. 206,17- 247,11. 256,25. 318,16.
327,2. 28. 852,6 mic.
ua geraten 147,1.
Diijj^redet sprachlos 548,14.
ungereht Subal. da» Vtrkehrte, Unrecht
390,16.
nugern Adv. ungern, »chwtrlich 76.14.
462,15.
ungerätel ungerodet 495,7.
ungegamnet 8,6. 215,22. 372,19. 4fil,21.
ODgesust uiigfsetzt, iiHrtthig 159,22.
unge8Ghftt'(f)eQ unerschaffen, ungalalt,
hägtlieh 185,29. 158,4. 184,24. 312,4.
.829,14. 345.8. 499,24. 500.12. 504,13.
507,3. 14; ungescbaffenheitffti/Druti'ti«
506.27. 507,1.
Uligescheiden 273,5; ungeacbeidenliuli
Ada. 3t)9,28.
angeaelleklich Ade. unfreimdliek 130,6,
UBgeaihüg unfehlbar 190,». 19. 20.
293,8; iuige«ibteblkh Adv. 292,20.
295,23.
nngesind achltchlt» Gesindel i bost
Geisttri 558,19.
ungeiunftk luuehmackhafl . tndrrhch
.873,26. 899,3.
angestalt deformia 79,4. 131,10. 37(M3.
877,11. 449,25. 460,1.
imgestrafet 225,20.
niigestrekct 45,17.
ungestüm A^. 140,15, 261,28. 31ä,18.
496,17. 503,22; nngeat^mklicli 136,18;
ungeHtumkeit 549,8.
ungetan las8etM8,16.
ungeteilt 180,3.
UDB^tSdet 1.42,12. 633,6.
ungeirüfltet 175,lu.
ongeirüwe Irtuio» 121.3:).
09 ^^f
610
Glossar.
ungfonpt, -übt anorproht (im (jeisilichen
Lehen) y wenig begangen 56,*2r). 98.9.
l()8,ß. 205,22. 200,19. 237,2. 826,9.
8:)2,U.
ungefii^lich P. unbeholfen 5273«
iin.^ewalt 210,20. 215,20. 810.27.
iiiigeweukt unerschütterlich 309.1(5.
unii:ewcret 27.ir>.
un^ewerlich geföhrlnh 108,7.
xinfjreweschen 428,14.
un^ewillet nicht nach }\'illt'n getan
382,15. 403,24.
unjy:ewiter 145,12.
iinjj:ewonIich, -wonlich 128,32. 190.7.
205,2. 207,13. 25<>,12. 297.8. 478,0.
iin^ewordcn 158,32. 203..S: ungewordeii-
heit 157,21. 188,19. 237,9.
ungewnlkt unbeirrt 172,14. 299,9.
uugezellet 290,19.
uiigezeint 251,11.
ungezogen unartig, zuchtlos 204,17.
315,17;iingez()g:enlicli(e)208,4.310,13.
ungezomet ungeeäumt 549,8.
ungotlich 430,3.
ungrnntlich unergründlich 188,15.
un^-unst 5.11. 145,10. 148,12. 527,9.
Unheil, sines u.es zu seinem Verderben
549,8.
unholt P. 314,H.
unkraft KraftUsigkeit .'386,25.
unkrut 232,11. 495,8; unkrut^^arte 222,9.
unkunneud unerfahren, ungeschickt 4,3.
140,5; uukunentheit 381,22.
uukunt unbekannt 207,16. 212.20. 220.14.
2S1,15.
uulediiJ: unfrn 335,20; unledik(^it, un-
lidkeit Unfreiheit , Beschäftigung
3S.14. 121,22. 1(>H,7. 352,0.
unlidi^ unleidlirhj uuertnl glich, unge-
duldig 9,31. 76.25. 134,12. 105,10.
229.23. 28. 209,5. 420.15. 546,25; frei
von J.i'idin 244.12. 294,13: unlide-
lichi.' Adr. um rträglit'h 497,10; uu-
li'idlioh V. frei ron L'idi'n 519,11.
unlidektMt l'ngeduld 31>?.17. Vgl. un-
ledikfit ; nnlevdliirkoit P. Leidens-
frdkül 519.:i.
I
unliep Suhst, Nvutr. Lieblosigkeit. Hiirtt
547,11.
unliplich incorporalis 171,19.
unluHt 294,27: unlustig unaugenehui,
zuwider 9,30. 2:\3,U. 31(5,9.
unluter 500J.
unliit^elig absiossend 377.11. 44l);2.\
unmaht Schwache, Ohnmacht Tl.'i«'».
545,20.
nnmanlich 41,20.
unmaterilich utikörpcrlich 1S,().
unmehtig kraftlos, machtlos 8tJ.l. 2'»"2.s.
2()(),2. 435,12.
Unmensch Masc. 128,23; unmrnschliih
107.22. 120,5. 290,6.
unmessig, -zig 15,27. 03,23. 73,25. S4.21.
142,27. 170,5. 213,13. 21.5,16. 211.13.
242,1 usw.: unmesseklich 18;A
258,24.
unmilt unbarmherzig 260,15. iW9.'iS.
541,13. 14.544,28; unmilteklich5:^.«.27.
unminnerich 199,24.
unniinuesam 491,33.
unniugentheit Unvennögen, Schicüchf
182,20. 310,15. 317,2. 435,17.
unmüglich, -muglich 107,2(5. VM. .
1(50,23. 219,4. 233,20. 30S.12. :5S7.3".
411.23. 454,13 usir,
unmüsfl(e), -z Beschäftigung, (ieschäfUij'
keit 217,13. 218,10. 3(;4,19. ^'33:
unmüssig 54,11. 08,19; uumüssikeit
464,19; unmfisgen, -mussigeii. sich
aS9,8. 470,12.
unmfit 109,13. 505,3.
unna P. Adv, nicht nahe 530,12.
uiinoKd dürftig 35.15. 30(5,2. 499,:<.
unnütz Adj, 221.22, 222,13.14. 442,^^1.
uiinuzherlich Adv. 5,S.
unordcnhat't 353,13. 5.39.9: unonl*^uli«'li
42,24. 108,15. 16. 109,20. 501,14.
Unordnung 165,7.
unrat Gegensatz von rat, schlechter Hot,
Hilflosigkeit :^1,15. 462,10.
unred böse Bede 364,3. 422.4.
uurein 77.11. 19. 121,15. 134.29. 425.24.
510.2. 543,28; unreinkeit 263,3.
uiiruwre) 2S,23. Iu9,14. 414.17. 477.17:
uurnwig 8,12. 9.3,21. 414,1(5.
Glossar.
611
ii unttagbar 10,9. 18,4. 22,16.
73,33. 116,20. 134,31. 174,2.
. 204,10 usw.
ich 221,7. 21. 222,6.
lieh Adv. impudenter 481,8.
e 161,21. 212,24; unschuldig
448,28.' 498,28; unschuldklich
I
I«
g 220,16. 238,1 6. 246,17. 247,15.
unsinneclich 549,7.
126,23. 136,28.
(e)lich 10,18. 15,2. 171,23.
'. 17. 386,15. 510,27.
74,23. 215,21. 237,17. 369,6.
; unstetekeit 380,9. 408,12.
r ohne Streit 156,23.
49*. 161,31.
lii individuitas 333,14.
k Unterjochung 158,21.
9*. 377,18. 450,7.
lieh incorruptibilia 242,2. 472,4 ;
^mklich 390,22.
1 P. immortalis 519,1 1 ; untod-
: P. 519,4.
P. 523,16. 525,9; untröstlich
502,9.
) 57,14. 137,21. 144,14. 219,28.
■
i 107,16. 165,17. 277,8. 296,28.
. 382,13. 541,18.
unden P. 533,6.
jcheiden 354,10.
ig mit dem nichts auszurichten
2,6.
•gen 388,16.
mnet 8,1 ; unverbrant P. 526,11.
n(e)t 224,21 . 251,2. 306,3. 375,12.
>.
»ssen 398,10.
et unvereint (mit Gott) 345,2.
•
jsen 539,20.
?chet 176,1 1 ; unvermist von ver-
i nicht fehlerhaft? 169,20.
genthait 381,21. j
iftig 123,13. 156,18. 29: un-
iftlichen P. 532,7.
nden unverständig 5,1. 163,6. i
247,3. 281,4. 5. 340,1. 424,24; uu-
verstandenheit 207,6. 281,2; unver-
standenlicli Adv. ohne Besinnung
128,26.
unvervanklich unniits 301,9.
unverwenck(e)t ununterbrochen 289,9.
474,24.
unverwenet unvermutet 41,25.
unverwert ungehindert 160,9.
unverwüsen, -wissen unverständig, dumm
84,7. 158,11.
unverzagt 51*. 398,16; unverzageklich
Adv. 56,3.
unverzert 358,9.
unverzogen nicht hingehalten, unauf-
geschoben 118,29.
Unflat 68,23. 541,19; unfletikeit 551,26^
unvolbracht 301,12.
unvolg, -k schlechtes Volk, Gesindel
372,22. 461,24. 540,16.
unvolkomen 159,22. 174,23; unvol(l)-
komenheit 234,27. 429,10.
imfrid(e) 382,21. 22. 464,1. 2.
unfrolich Adv. 135,22.
unfrowlich unweiblich 482,5.
unfruhtber 442,31.
unwandelber 171,19. 1JK),17. 223,27.
230,14. 309,28. 407,6. 429,21; un-
wandelberkeit 262,20.
unwerd, -t Subst. verächtliches Ding
72,13. 225,15; Adj. verachUt, unlieb
89,21. 470,25. 512,22; unwertüch
Adj. Adv. geringschätzig, unwillig
.58,17. 71,8. 123,26. 128,4. 217,12.
229,22. 27. 253,21. 384,10. 483,20.
unweslich nicht wesenhaft, unvollkom^
men 174,22. 25.
unwiderbrinkUch 213,2. 222,3. 516,12.
unwidernemklich Adv. ohne den eigenen
Willen wieder anzunehmen 335,23.
unwilHg 174,27: unwilleklich Adv. 248,8.
:^1,9.
unwirdig 26,26. 301.7. 364,21. 376,14.
422,8. 424.9. 448,26. 499,1 ; unwirdek-
lich 112,8. 232,23.
unwis unverständig, töricht, ungelehrt
30,20. 75.i:<. 4S5.12; unwisheit 26,5.
612
Glossar.
iin wn3seiitheit,w'i88eiiheit 1 62,22. 18748-
ISSJ. 193,20. 890,1S. 472,1; un-
wiisseiid, -t unwhstfidy unbewusst,
unvermutet^ unbekannt 72,13. 156,82.
19040. 212,25. 865,22. aS8,28; un-
wisseiiklich, -tlich Adv. 200.18, 824.12.
486,21.
unziillicli 21,29. 2-t,6. 28,7. 56,22. 29.
61.8. 63,16. 155,1. 172,13. 241,25 usw,
unzerdilklich 5iW,6.
unzertriben unyekaut 257,19.
iiiizimllch unschicklich 485,3.
iinziut bin 75,16. 81,15.
unzitig unpassend, unreif 159,7. 281,11.
iinzitiicheit intempesiioitas 474,15.
unznclitig ausgelassen 485,0.
iipip)ig leer, eittl, leichtfertig 96,10.
106.5. 114,7. 28. 133,16. 138,4. 12.
209.6. 218,10. 284,16 usw,; iip(^p)ek-
lich 1364. 138,16. 289,5. 281,19.
879,8. 456,8; üpcp)ikeit 105,8. 483,18.
507,19. 549,4.
urdruzz, -tz Missbehagen, Unlust 18,30,
488.26. 588,21.
Urkunde Neuir, Kennzeichen ^ Beweis
50,15. 28. 76,1. 18 14. 218,28. 299,28. '■
29. 588,5.
urlob Erlaubnis y Abschied 4,85. 38,7.
10. 18. 15. 46,8. 60,18. 138,4. 15.
182.18. 192,12. 194,15 usu\: urloben
erlauben 51,15. 115,8.
ursach Ursache, Anlass 92A1A2. 115,24.
16(;.ir). 20. 197,18. 807,2. 814,26.
815.27. 872,12 usw.
Ursprung 14,80. 89,27. 94,14. 104,8.
179,8.10. 180,10. 181,20. 185.18.21.
200.2. 208,5. 7 usw. : urspnm^^licb
t'ontalifi 14,84.
urstendi, -e Auferstehung, mijstische
Wkdenjehurt 848.24. 27. 547,28.
urteilen 840.8. 48841.
usbas Adr. weiter hinaus 342,22.
usblik 181.11. 880,1(;; usbükcud 313,21.
usbreclien ausbrachen, ausrcissefi, her-
rorhre.chui 10.24. 58,15. 59,18. 70,21.
105.(). lf>74. H;8,20. 282.11. 446.15.
471.9.502,4; usbruch 88,21. 1(>447.
24. 192,82. 210,28. 331,15. 338,4;
usbruchig 38,6. 168,15. 17.5,26.352.14.
8u6,'i8.
U8brehendaM.svv^raÄ/«>iidl7,8.374.9.S9(U.
U8 drucken 181,16.
U8 erkiesen 47*; subst. Inf. 488.20.
U8en»'el(l)en 70,10. 153,26. 169,12.201,27.
211,16. 216,27. 305,9.' 441 ,14: ui(s'er-
welt, uzerwelt 21,2. 31 ,2. 63,13. 187,11
1444. 202,1. 20. 27. 21L18. 215.5.
223,17 tis^c. usw.
U8 gan, U8 gen mit Dat. entgehen, auf-
geben 142,14. 471,17. 484,8; sich selber
U8 gan den eigenen Willen au/gtlten,
sich lassen 28,19. 94,38. 161,19; «mU
Inf. 54,6. 95,12. 169,10; usganir 4,2»i.
245.10. 280,12.
US gedringen 434,5.
usgelocben vgl, liecheo 137,5.
usgenomeu Fart, Adj. vornehmlich, üh»-
gezeichnet 812,12. 406,10. 453.(5.
465,12; usgenomeniieh 313,26.314,14.
824.11. 876,22. 449,2; usgenomenheit
exceptio 249,12.
US gerich ten a<i*emaM<^er setzen, erkftfrt»
108,1. 171,8.
US gesamnen 450,81.
U8ge8cheidenlich(e) Adj, Adv. unter-
schieden, deutlich, ganz besonders
24,1. 832,4. 388,18.498,1.502,23.25.
508,4 ; usgescheidenheit disUnctv)
101,12.
u.sges(ch)Io8senheit 297,3. 480,28. 486.25.
usgesündert 3i^8,2.
usgetribenheit Läuterung 390,7. 471. l-^.
usgeflossenheit emanatio 52*. 186.5.7.
liK),26.
usglantz 587,2; us glen('t)zen 254.24.
407,4.
usgossenheit 180,2.
usgrunend hervorspriessend 180,l«i
usguz 248,1.5.
US herten ausdauern 149,22.
usker Auskehr, Beschäftigung mit
äusseren Dingen 63,8. 200,20. 8%.5.
470,6; usgekert gemiille 490,1.
U8 kiesen aM*«7dfÄ/ml98,7.v^7,15.502.'i).
US klingen 225,4; u8kliug(l)eQder brunue
hervorrauschend 92,19. 24246.
Glossar.
613
8 legen Part, usgeleit explanare 197,28.
198,6. 828,1; uslegunge 503,1.4.
B lesen 3«0,2.
s loflFen Ausgänge machen 414,1.
8 In^en 169,12.
B lullten 30(),4.
Bqual Masc. Het-vorquellen, QueUSiiO^l ;
US quellen 14,80.
9 riechen ausduften 427,18.
8 rihten erklären, beantworten, ab-
fertigen 23,15. 38,20. 198,8; us-
rihtung(e) Besorgung, Schlichtung,
KrkUrung 166,2. 8. 176,2. 229,10.
824,18. 349,19.
8run.s Ausfluss 181,14.
s rüten ausroden 425.28.
s sehiden trennen 354,18.
sschlag exitus, das Wiedereusichkom-
intn des Geistes bei der Beschauung
184,28. 189,18. 198,10. 882,2. ,885,17.
346,1. 15.
8 schliefen ausschlüpfen, aufbrechen
iron Bösen) 551,29.
8 schliezen 842,21.
ssehen subst. Inf 167,80.
sserkeit, -heit Aitsserlichkeit, die äussere
\Velt(Gegens. rinnerkeit) 166,2. 167,15.
211,5. 285,19. 359,11. 366,12. 889,6.
7. 10. 429,2. 431,16. 488,5. 470,8. 10.
sserlich 845,13.
8srenthalb 31,16.
8se stan übrig sein 322,22.
8(8e)wendig 218,8. 468,25. 497,5.
88ezlint?r Aussätziger 208,7.
s singen zu Ende singen 26.16.
8 stossen, -zcn eliminnre 292,7. 364.17.
K strichen ausstreichen, mahn 60,17.
» «»türmen 159,18.
8 suchen 47*.
s sugen Part, gesogen aussaugen
12.M7. 419,12.
Sis weifen subst. Inf. 169,32.
3 tu wen 254,19.
Strogen subst. Inf. Austreiben 167,30;
zum Afistrag, zur {Übereinstimmung
bringen 184,8; ustrageud nachnu-^sfu
führend, z^rHrcuend 169,88. 366.10.
.881,5.
US trehen ausduften 427,19.
us(s) triben 168,5. 191,9.
usz varen aus dem Kloster auslaufen
484.25; usvart aus dem Leibe, Tod
160,19; Ausgang aus dem Kloster
372,11. 461,15; usvertli 872,12.
usvergangen Part, hervorgeflossen2i)0,l.
US fliessen, -zen 51,1. 179,9. 185,31.
199,18. 206,10. 310,10. 344,24. 388.11.
469,15. 473,3; ustluss, -z(z) 52*. 14,34.
1;H,32. 179,8. 180,12. 203,4. 296,10.
830,8. 832,10. 390,5. 400,2. 471,10.
usvolgen subst. Inf. Nachleben 542,27.
usfuren subst. Inf. Ausführen 36,12.
196,17. 416,11; von Gott wegführen
221,28.
uswal emanatio 21,27. 185,18. 810,18;
US wallen Prät. wiel 273,7. 542,9.
uswert Adv, nach aussen 413,11. 496,10.
US wischen 7Vä7. wüste herausfahren
149,28.
US würken austciJrkeu, ins Werk setzen,
zubereiten (mystisch) 94,16. 99,8.
126,6. 156,20. 262,1. 8. 823,24. 514,1;
subst. Inf. 208,26. .849,2. 358,18.
US zerren ausreissen 229,21. 871,26.
460,23.
US zerspreiten weit auftun (das Herz)
15,8.
\\%ZQ^ Auszug (aus der Welt ins Kloster)
861,1. 410,12.
ützet := ihtesiht irgend etwas 3.86.6.
V. F.
varokel (Inldlich) 884,16. 466,16.
vadem, -n rnden 198,21. 199,9. 254,1.
828,25. 369,19. 457,15.
vaboii, zÄ huse v. einziehen 423,16.
vaht = vach Stück, Teil 107,15.
vaiss feist 1S3.18.
fal Genet. falwea gelb .'>51.15; valwcu
.v/c7/ enfflrltun 210.25.
valke 8S<s,9. 408.5. 4«)9.18; falkeuoge
187.19.
valle 2S1.88.
falsch Sahst. Masc. Folsrhlnit, Irrtum
28.5. 161.11. 4S9.7: AdJ. trüarisr},,
irnn 410.18. 17. 489.2. 447.11. 44S.14.
614
Glossar.
407,10. -486,22. 489,2. 4 ; valsch(h)eit
Betrug^ Treuloaiykeit, Irrtum 67,26.
186,15. 219,23. 221,25. 871,29. 380,13.
408,12. 494,20; valschUch 204,13.
211,22. 315,18. ,827,12.
fantasie P. r)24,18.
varen mit JJai. d, Pers, u. Genct. d,
Sache streben, abzielen 106,14. 388,7.
469,11; ^euot v. eijrif/ .streben: Ta-
rnit vol = vah'tf 494,23.
varwe 71,5. 440,4. 458,12; i^rwen, ver-
wcu 440,20. 450,1. 478,1.
VHS. fasz Gvfü^s (bildlich) 206,14.
431,6. 487,4. 507,25.
vasnaht 18,20. 30,18. 19. 21. 81,8. 82,26.
118,12. 16; der geburcu v. 31,1.
vaste Sahst, Fem. qundragtsima 143,1 ;
vasten 106,28; subst, Inf. 46,5. 106,22.
283,27. 487,19.
vater Ehrenname des Priesters 86,14.
188,88; Altvater 105,28; geistlicher
Vater 107,14. 138,2. 155,20; vätter-
Jich, vaterlich 125,9. 174,1. 3. 4.
198,26. 208,18. 212,6. 224,12. 230,7.
247,19. 248,6. 277,10. 313,23 usio.\
vct^rlicheit paternitas 224,14.
vat(t)erlaiit, -d das himmlische V., der
Himmel 240,18.22. 241,18. 17. 244,6.
24(;,26. 278,10. 284,29. 876,2. 380,26.
480.22. 445.22. 448,13. 487,26.
veeh, veh bunt 8()2,14. 413,9.
ve(e»liteii k/impfeny ringen 246.5. 6;
subst. Inf. 219,16. 504,4.
vedraen einfädeln 198,21.
ve^fiir 22,24. 28,23. 183,9. 142,12. 144,18.
214,82. 251,22. 258,11. 13. 288,24.
2sr).14. 29. 287,8. 807,29.31. 332,25.
458,80. 492,1. 508,8. 14. 528,18.
feige zum Unglück bestiynmtj unselig ,
f'nhtil bringend 77,22. 505,2.
veil feil, preisgegeben 866,11. 438,4.
vellich V. hinfälh'o :)8(),28.
vels 211,7.
velsch<ii für schlecht erklären, rer-
hamdcn 205,17.
\A\ Frld rint's 11 «y;/>^w.v 828,20. 28. 29;
Zt.' vcldc bringen ntrhringen 858,8.
veltblnnic Masc. 22^,11. 409,7.
veitsiech Aussätziger 442,16.
fenix Phönix 486,7.
venje Prostratio (als Bussübumjt 1S.11.
14. 83,4. 36,26. 37,8. 14. 42,27. 2S, 81.
196,8. 814,16. 17. ^95,5. 4S7.J'i.
513,17; gestrachte v. 42,2<5: kiji'i-
wende v. 42,27.
venster 88,2. 21. 370,14; vensterliii
81,29. 32,20.
Venus, fro (fr<>; 363,9. 874,30. 420.22. Ji.
424,17. 485,4; minnegotin frc' V.
447,8.
verahteu geringschittzen^ nicht achun
177,12. 18(),24. 8:^,2. 889,20. m.X^i
379,25; verahtung(e) ir)6,:J3. 162.H1.
182,28. 886,8. 3.50,27,
veralten 407,7.
verbilden im Bilde entwerfen, zum lUai
gestalten (myst.) 193,32. 310.2: sicii
V. 476,19.
verbinden, sich 274,22.
verbissen verbeissen 422,18.
verblenden 137,24.
verblichen verbleichen, verwelkiTi I9i».2'».
212,1. 222,2. 277,11.
verborgen Part. Ad^i. 170,6. 209.*2»>.
226,17. 227,15. 421,8. 489,8. 492.4. \
500.10. 5(K),15; Verborgenheit 2<iii.l.\
474,4; verborgenlich 95.27. i'">.
160.11. 222,5. 249,7. 280,1. 5(m;.2»).
verbrennen verbrennen 77.11 ; verbraunf
werden 78,12.
verbrieven, sich (zur Srchtrheitf M
eine Urkunde ausstellen lassen 6S.14.
verdaht Part. Adj. in Gedanken vn-
sunke?i, nachdenklich, besonnen 14.2*5.
58,4. 62,18. 146,9. 811,25. 8:)2.12.
499.20; fiirdaht .500,«); verdiihtektir
58,9.
vcrdami innen 204,14. 280,18. 815.14.
verderben zugrunde richten. ''"^■"'
121,10. 282,17.
verdienen subst. Inf. 255,1.
verdornen, verdümen mit Dornt n /"-
steckenj absperren 248,18. 492.2 : >ieh
verdornen 486,25.
verdorren 552,5.
tilö
I, -seil UMptra. :jB3,15. 4SI^,5;
Inf, 228,14; sich nit v. laasen
133,21; verdrossen 491,32; ver-
uiheit 390,23. 472,0.
!)keu, vertni(c)keii nirdn-diückm,
irucktn 246,22. 24(!,4. 261,1.'!;
It\f. Wfifii. 214,32; sicli under
. 3«Ö,21. 438,12 ; vertrnkt fer-
it fil3. 142,10.
= vertümen verurteilfii, vrr-
1 817,24. 34.
I vrrtinigm (mii Gott) 174,13.
. S!3I),2«. 24l},tl. 25. 2*5,12.
819,2a. 320,26. 345,24. 347,10
I V. 303,1«. 422,11. 438,6;
itlich 34.'>,1 ; Tereinonge u«in
279A 347,13. 348,4. 35ß,13, Iß.
i. 472,8. 476,3.
in die VeHiannuni/ treibrtt
B; sich V. in dir Frrmdi gthrn
4.
n, sich ». ahtrstilrtfn 4üü,Il.
-gen otrgihm, vtrxchieindm,
\tn 160,17—1». iai,l. 218,7.
. 290,3. 341.27. 377,14. 379,7.
. B38,13; »ehieack, btunmaiio»
n 83,10. 17; »ta-hen 87,21. 90,1.
128,27. 394,28; vergati und sich
1 got) in Begchauang ceraiitke»,
ekt werden, «. i'ii Galt vrrlirrtn
94,12. 29. 96,1. 160,29. 161,6.
, 186,2. 189,22. 193,l.'i. 194,27.
a. 836,12. 344,13. 345.12 «»v..-
V. mit Betrachtung vi^'ireilm
. 497,13; sich v. ». vflau/en
, 200,20.
'enheit (der lUBreti sinneu.) da»
itken in die Sesehauung, l'ff-
mg 64,21. 90,2a 101,8. 1&2,U.
}. 160,16. 17. 25. 161,1. 4. 12.
i. 188,5. 189,12. 198,26. 38«,18;
le V. Tod l'.t4,2ll.
n »uhft. Inf. l'erieihang 21I,;f.
i.
n *. verjelieii.
r ffrijHirn ■2d(i,27 ; bftahlm
Vergessenheit 182,:Sil.4'i(t,2l); vcrgtssung
144,20.
vergichtig cu^jeatehend, hekci\iund
832,11.
vergiffKn ins Verderben )/ringen 483,19 ;
vergifliger dot Tud durch Vm-yiflwtg
(durch das Gift der IrrlehreJ 489,9.
yergölvtdeißfatus(vgt.Äim.eu34J,13JI'.)
23,3.
vergünlichen vrrherrlichen 337,17.
vergi'mnea mit Geuet. rf, Sach/i miee-
giintien 484,1.
vergi'il haben = viir gflt h. 417,11.
verhüben 414.13. 4:ö,4.
verhalteu suräekhaltrn i~ü,G.
Tcrbefteu etnheflrn, verfeiiirn 2riM,29;
sich V. 478,22.
rerbeilen 315,31.
verhpngde yrrhänijung, Zuladfung
67.11. 70,6. 114,19. 12l,.45. 124,3.
220,21; verhengnuB 115,39.
verbengeu gestatten, verhängm 42,6.
68,13. 95,8. 109,23. 115,29. 119,26.
131,2.132,25. 133,3.148,3.489,21 (Wie..-
in verhengKr yrhe nach allgemeintr
Übereinstimmung (Dtniflc) 342,8,
verberteu Part, verhertt 485,18.
verhönen herabseteen 346,4.
veriervrjen iit die Irre führen, »ich
verirren 3,15. 8,2a 01,27. '.)4,4. 156.15.
159,19. 160,13. 366,8.
verjagen 314,5.
veijftmen in Jammer versanken 45,10.
verjehen, vergehen bekennen 66, is.
75,10. 116,25, 393,13. 428,12.
verkiltea 4()7,7.
verkeren ver kehren, vrneandetn, eine
falsche Richtung geben 83,13. 197^.
218,14.275,17.29.276,0.295,16.316,2.
320,7. 362,31 us«:; vorkcrlich ver-
kehrt 4,12. 5,2. 148,15; verkerer
VtrfOkrrr 540,3i); vcrkererin 375,21.
447,-33.
verklagen vfrechmertm 456,16. 463,6.
verkleiben verkUbm llfi,5. 192,7.
verkleincn erniedrigen 489,4. 7.
verklenUDcn verkleinern 226,28,
Torkleren 23,14. 187,17. 189,23.887,17.
61G
Glossar.
verkomen ». vürkoiuen.
verkülen refrigerare 245,17.
verkunbern verstricken 135,18.
veiiiisseii, -zen Part. Adj. ausgelassen,
unanstnndig 80,20. 25. 138,8. 10.
209.0. 221,22. Hl«,?. ;^21,m 4Sl,12.
verlei<len P. = verleiten irrefähren
524,24; verleider Verführer 031,18.
verlekern lüstern machen 174,24.
verlihen PaH. verhi wen 89,14. 2(>. 283,26.
verliket Pari, erpicht^ lüstern 34,5.
verlof(f)en verlaufen 281,12; sich v.
H)r),14. 211,H.
verir»(i )n^en, verlogen, verlti^gen ver-
leugnen, rerneinen 121,33. 251,5.
2(50,28.264,16.389,7.470,11.510,18.19.
verlorn lieit Verlust, Vergessenheit^ my-
stische Versenkung 95,4. 182,31.
187,22. 188,6. 193,2; verlust 220.5.
340.12. 463,(). 508,2.
vermasj^en beschmutzen 540,2.
vermelden kund tun 550,4.
vei-mengen 226,28.
vermessen Part. Adj. verwegen, kühn
55.13; verraessenheit 233,29.
vermischen 177,3. 351,12; verraischteH
(vermischet) wesen ens permixtum cum
potentia^ das Kreatürliche (im (Gegen-
satz zu Gott) 166,26. 176,15.
vermissen mfehjen, nicht tcahrnehmen
216,13; sahst. Inf. 188,16; sin selbes
V. (inen Vthhr hegchen 500,14. 16.
venuitit)elu, -tlen hindernd daztrischen
irrten, hindern 167,29.390,9.471,15;
sich V. sich ein Hindernis (der
Vcrf'inigung mit Gott) schaffen 54,15.
169.1. 359.5; vermittelt am Irdisrhm
haftend 300,19.
vermuiren, vcrmugfcn sahst. Inf. und
Suhlst. Vermögen, Kraft, Macht
117.20. 165,5. 6. 22. 199,10. 205,11.
206.8. 209,13. 228,19. 273.2i. 276.18.
300,22. 301.11 //.s7/-. .• vermu«:endu
(vermri<?endüi kraft 141,.'). 191.22.
330.18; vcnuui'entheit. vormu«^:. 92,28.
178.20. I8S,9. 191.18. ;C)8.13; \vi-
mügfontlicli Adr. kraft in 9.24. 192,17.
339,23.
I
venniigen, sich = vernnijeu s. ah-
mühen 504,1; vermugft entkrüftd
55,4.
vemi(c)hten zu nichte machen, für
nichts achten 233,28. 258,20. 259.21.
261,6. 317,20. 29. 335,17. 351.25.
353,28. 439,2 ; veraiit^n 366,22; ver-
nihtikeit an7»i7u7a^to (mystisch 1 162.26.
518,4.
vemidren 219,31.
vernieten vernieten 454,5.
Vernunft 156,19. 27. 31. 158,14. i:)i^.22.
1(>0,21. 163,23. 164,5. 167.20. 171.S.
177.7. 28. 180,18. 21. 24. 181.5. 19l».7.
19. 191,7. 317,1. 330,22. 28. :fö\l.
;m,27 usw.
veraunftekeit, -ikeit 3,16. 94.5. 15^.12.
156,21. 158,2 ff. 171,2. 20. 181,10.
191,5. 193,6. 326,8. 327,17. m22.
329,10. 512,16 usir.
vernünftig vernünftig, verständig, fibfr-
sinnlich 4,10. 6,15. 53,6. 18. 97,11.
121,2'!. 156,12 ff. 158,8 ff. 160,20.
163,10. 13. 167,19. 20. 170,25. 171,12.
172,2. 181,25. 183,6. 184,2. a 17.
187,9. 192,2. 7. 327,16. 18. 332,26.
338,19 usic: vernünfteklich 160.22.
181,18. 193,8. 256,a3. 38(),19.
verosen vencüstim, vernichten 221,31.
verpfuhzen mit Abscheu zurückirH.^cf^
72,14.
verpulvern 308,21.
verqwetzen P. vergeuden 516,11.
verraten sahst. Inf. 462,17.
verreden solange von etwas reden, bv^
man der SacJie müde wird 67,4.
verreder P. 531,19.
verreheit das Entfernte 417.14.
vernMi sich entfernen 201,10.
verrinnen üherrinnen (mit Blut) 204.19-
210.23. 315.20. 316.14.
verrisen ahf allen 222.2.
verrüchcn verzichten, entsagen 46.26.
.399,5: sahst. Inf. 164,2; vorrüchie.t
achtlos, sorglos, ruchlos 75,4. H^.l.
239,26. 453,13 ; verröcht(e)keit Uach-
losigkeii, Sorglosigkeit 147,2. 358.17.
verrümte beiden berühmt 56.5.
en unpfB. aufhürm Sdmers zu
Im •>a7.m.
11.26.
■11 vgnrcii/fii 49S,n ; spröde
418,12.
imt Part, etnchämt 43ö,lü.
cken rtitgart '289,U».
iefen Part, verscbloffen »ich \
Htrhai 172,19; sich veralieffen
16.
ieMen, sich 274,19. 322,17.
lüden versclitingen 287,1 it.
isaen almülien. terräsMH foon !
lUnt usw.) 58,7. 110,25.
Imeben, veramaheii 111,4.202,21.
Ifl. 246,4. 307,5. 389,20. 430,21.
Vi. 442,4. 482,30 ittre. ; suhlt.
321,21. 42!t,20,
lineht Btgehimpfiing, Vtraeh-
an,12. 36,30. «9,». 91,^. lOr.,18. |
,3. 209.9. 23fi.l0. 238,19. 306,18 I
; vcrsmeheulBac 489,23. 491,12.
llt Part, rrrächiildtl, schuldvoll,
irkt 184,21. 198,17. 229,27.263,32.
tS. 82. 333,26. 440,31. 441,13.
in vfrsorgeii, brnchütetn 12n,7.
!0. 465,23. 640,10; nicli v. rfck-
attf, rnrartm 2.39,5. 280.17.
i.
■en ttUhm, vtrduakeln 4.S3.29.
len, versenedeD (daz bprs) ir
ruehmenv*rti«fen 391,24.479,20 ;
reraendeu ». nbhärmmt 361,27.
t4.
iD in Srrtmtchmtrt versenken
!2; Pari, versened ahgahärmt
I. 281A
:en 245,12. 858,2!l. 294,18. 432,:J4.
Q utrletsen, vtnr-undm 10,15.
L 25. 45,ai. 123,28, .^2,18.
Ken vtrsperrm 365,27. 436,2«.
wn btfiatigen 77,18.
D Part, van venihen vertieffm,
■MJbtra 203,19.
en 131,4. 150,1. 158,23. 336,18.
Part, in (UdanhiH
larn 429,11.
*unk.?n
wr. ((17
verBronheu, venimeheii s. verscliintheii.
versmeliien 30;i,20.
verHÖffcn, TerMf(l}eu ertränken, ver-
senken aO,a2. 31ü,l. 446,24. 476,5.
Ter8po(i)zzen, verspotzen niupeieK '2Üiß.
307,9. 315,7. 443,16. 544,2«.
TeraprechcD absagen, aufgeben, rerw-
teilen 204,10. 216,29. 31f>,9; sicli v.
s. verteidigen 4,36.
veratOD, sich verstehen, einae/tcn, sich
beiruesl srin 186,20. 281,4. 342,6.
350,29. 463,1.
verBtiindenheit 342,4; v ersten taüsla),
-niaee. -nnel 166,5. 191,1. 243.11.
2S0,7. 303,21. :-(43,l. 348,11. 47S,8.
489,6.
veiBten subsl. Inf. Vtrslehea 291,6.
292,23. 293,18. 299,25. 301,18. .S37.5.
468.21. 474,20.
Teraleln »tehlrn 66,l:^. 75,2; sidi t.
unbemerkt irohm gehen 243,1.
varatossen 218,2ü.
verBtri(c)ken 370,5. 458,13.
veraOchen versuckci, prüfen, avf die
Probe sullttt 274,7. 388.1». 43.i,2.
454.22. 467,17. 506,6.
Teraumen rersäutnen, durch SaumseÜg''
keil in Ifachttil bringen, im Stiche
lassen 222,13. 279^*. 282,28. 362,26.
419,1. 425,25. 483,23; üch v. 352,5.
Tersüoen »ahnen, gut machen 113,1.
207,4. 215.10. 372,16; mh v. 42.19.
461,19.
veraösaeu 137,24. 256,a 440,16.
'•erschirinden machen iiit,'2ä.
versenken (in tiotll 225,16,
245,12. 477,18.
veraweiiiiea bnmtigrn, Tertrtü>*n 251,22.
313,11. 314,6. 456.26; veraweuderin
538,21.
vmwioden 290,23. 304,2«. 433.13.464,24.
veTavmllen Paii. versehmoUrn 78,6.
verteilen rerurteilen, trrlusiig erklären
34,23. 35,2. 127,12. 204,20. 315.21.
vertragen forttragen 124,18; mit Dal.
ti'uchgicht hallen, rerathontn 2Sii.\..
270.6. 3ß!i.27. 441,3. 45S.2, 491.13.
641.32.
618
Glossar.
vcrtriben 240,18. 2S1,29. 406,7. 415,8.9.
417,12. 418,11. 434,11. 425,17. 431,4.
4H3,27 usfr. ; vertribenheit ejcjmlsio
312,8.
vertniokon s. verdnicken.
vertruweü rerlohtn, rennählen 483,2.
489.17.
verunreinen 08,21. 75,17. 77,11. 208,.").
277.0. 321, 2S. 50^,4.
vervallen za'fallen, in Sünde fallcti
70.23. 72,18. 116,24. 110,5.217,6.218,5.
r>33,ir). .VU.lO.
verfaron Pari, rtrganyen, verloren
210,10. 220,1. 230,8. 253,9.
vervohtvn, sich *•. abmühen 504,1.
veiüiessen 3Jtö,8.
vertiogen ausser sich bringen 18,2. 27,2S.
139,29. 227,S.
vcrrtüssen, -zen Jiicssen machen 262,26.
337,16.
vortluchen 26."), 10.
verffircn fortfiihrcn, in die Im' führen
12:),17. 204,7. 227,5. 259,5. 280,2. 315,5.
540,16.
verwalten sahst. Inf, Macht haben
.V>4,21.
verwandlen, -dein 09,19. 207.20. 292,21.
200,7. 30.\10. 316,4. 325,21. 338,7.
425.11; verwandelkeit Venlndfrlich-
Iciii 177,24; Verwandlung 1 (52,28.
verwegen auf wägen 226,1. 413,7; sich
V. .V. entschlicsstUj gefasst sein, auf
, 'was rerzichteu .382,10. 401,5.40.3,20;
Part. Adj. verwegen entschlossen
383.1. 413,7.
verwoirenheit Entschlossenheit 152,13.
2« ir), 12. 432.3; verwegenlich rcrmcssen
152.7; Adr, rntschlossrn 371,35.
verwt'nnen renröhvcn 34,4 ; verwent
57.17.
verwerden P. ::u nirhte werden 515,16.
:)10,0. 519,18. 533.24.2«;. 534,1.535.18.
verwfit'eii 72.14. 108,0. 120,2o, 218,25.
327.0. 14. 10. 444,22. 47U.10. 488,3.
veiwt'ireii. verwirren //; Vnrahv, Ver-
trirruHff bringen 221,10. 390.12. 471,
10. 5n3.:). S: .-kh v. 219.31.
veni'eseu vertreten, entschädigen 208,19.
221,2. 260,18. 261,21.
veni'etten, eich s. verpfänden 554,11.
ven^ilden, sich «. in die Wildnin rer-
laufen 211,6.
verwinden P. suhst. Inf. 5*35,18.
ven^isen irreführen 3,15. 219,19. ^IIU
227,6. 353,2. 370,19. 550,11. 12.
verworfen Part, Adj, Verstössen, «<*•
gesetzt, unselig 72,8. 121,21. M.ll.
290,22; verworl(f)enheit Vt:rwerluHg.
Abscheu, Entstellung 250,23. jTT.l'i.
296,30. 306,17. 311,4. 322,5. 368.iy.
308,13. 421,3. 15 usw.
verwunden 41,14. 110,7. 122,4. 22H,W.
264,1.
verwundren unpers. 377,7. 449.2(».
verwnrken einfassen 17,6; anhriun'U
10:^,23.
vorwürtzen condire 538,12.
verwüsten 40,27. 52,8. 222,,\ '61121
447,2.
verzagen 132,3. 152,13. 319,12.
vcrzer(r)en 51,15. 105,19. 136,1. UrÄ
202,16. 273,18. 279,23. 281,.30. BU.b.
379,8. 385,1(). 4(i7,24,
verziehen Pa/7. verzogen vereückt'2^^.^l
verzihen Part, verzigen versagen *23D,
8. 9. 547,9; sich v. s. lossagen^ rtr-
eichten 205,26. 235,5. 261,20. 274.3.
318,3.
verzobern fascinare 219,13.
verzu(c)ken rasch vegnehrnm 234,»).
270,12; ver::ücken, in der h^sclifn'-
ung entrü<:ken 10,16. 63,15. 64,3. W.IS.
102,6. 160,27. 174,15.
verzwifeln, -rten 165,16. 213,6. 6. 247.23.
264.16. 375,7. 415,14. 434,1. 447.1S.
ve8])erzit Vesperzeit (0 Uhr abends t 77.2.
vest(e)klich, vestikl. Adr. 149,2. 246,7.
259,22. 261,8. 30S,2. 317,21.29. 326.17.
379,22; vestikeit, vestek. 61,31. 205.S.
318.17. 539,25; vesti If'estung, Burg
(bildl.limA: vestncn 215.22. 3*i6.7.
20. 437,21.
veteeli Plur. vetchen 144,27. 145.1.2.
150,4.
vetterlich 6'. vatterlich.
Mit, der bos Teuftl 81,8; die bogen
\ Tiende 37,20; die viende 89,ü. 12.
antüch, vigenUich 116,2. 2(>4,7. 2ri3,10.
1 265,6. S15,4. 319,16. 424,11. 489.9;
\ Tientgcbaft 117,6.
^lie als Zeiihe»timmuuy 173,20.
ßi(e(, yjch 281,6. 374,23. 2&. 421,13.
6,11. «7,2. 3 1 YiUioli, »iüch tit-
rhch,aiitnlichfGegettgate:ycTaüiif\ig)
156.10. 170,13. 631,3. 532,4. 11; ri(e)h-
Hchkeir da» unabgetStele, sinnliche
iK^»eH48'.8,12. 158,11. 182,18. 359,13.
le -Fe'Je 41,22; vUeii 89,11.
iKde das Virtredtti 105,26,
H 468,33: viulich 224,4. 32. 323,26.
875,27. 409,9. 448,6.
bden, sich m. als ungrlan&en rrfindcn
47ö,7. 14. 15.
Enger 472,15; Tingerlm kleiner Fingtr
.226,7; viugerli Itinij fiil» Ttimier-
^^^»ni'^,lb. 17. 150,4. 152,1.14.17.27.
BSlerjStMle;', unhegrei/lich (fom ^Vaen
Guttfs) 184,25. 180,11. 245.17. 285,17.
^471,38; viuBterlieit eatigo (myst. con
■ GoitJ 177,19. 190,18; vinslri Danket-
htit ftigmll. u. mgat.) 190,13. 233,22.
1874,2. 390,18. 424,13. 434,15. 446,8.
!B49,9.
bO, vyol Viiichen 33,12. 224,23. 296,80.
', 4843. 410,4.
in? 553,23.
■rtrion 181,28. 188,4 ff- 524,21.
Titae patnim P. 531.21.
fiedemns 177,17. 427,10.
Tlehcn 305,28. 392,2. 479,24. 493,24;
vleiLjklicIi 1.16,9. 258,28. 373,15.
flfschli 140,20. 24, 28. 141.12.
fliegen 185,27.
ttK(E) 99,26. 290,7. 362,30. 473,16. 481 ,1.
; «ÜBig, Tliiig 169,26. 171,9.
^198,7. 200,1. 367,7. 602,20; flwseklich
662,9. 366,20. 416,4.
Urea yfaHfm 376,1.448,111; floiercnd
hin- 44, htruclnFankend, aufg*bla»rii,
iuichmütig 158,15. 1"). 23. 24. 159,7,
■lOli.33; Üogitreiid prunkmä «52.14.
Vgl. florieren.
aar. 619-<
florieren *. mit Blume" schmävken(fj
426,3; j>rui)J:«n 520,13. 523,lU;tlorJert,
^'cHurieret bunt gttchmäcH, gtcitrl
361,28. 396,22. 411,18.
vifich 3011,14; flächen sühnt. Inf. 68,3.
flug 472,26.
vitiht das Fliehen 289,20; flucht Zu~
ßudd 543,25. 545,4; flflhlig 216,14.
2ö5,7.
flmuTeder Fiaumftdrr 309,20.
fluHS Fluss 92,21; Urgius 181.15.
votrd 281,14. 297,4; TÖg(;l(l)i 33,18.
85,13. 172,17. 239,14. 251,13. 282,9.
287,21. 406,18. 426,4.
Togt 76,16. 24. 77,2. 7.
vule Fohlm 503,26.
vi'U Adv. vuUmde 79,32.
Tol(ie)bringen perfice,-e 216.4. 390,3.
455.H. 471,8; volbringer 222,23.
Toldanken 215,9; Tolle gedenken 499,6.
vollen »ich fülkn 69,30; vSlIi 90,34.
428,12; TüUeklich, rüllectich 24,32.
308,8.
volgan bis mm Zieh gthen 80,31.
Tollfejheit, Tolheit 174,11. 255,3. 428,13..
542,T.
Tolherteu auidauei-n 13,21.98,25.519,26.
Tolkomen 177,26. 179,4. 198,2. 344,6.
434,14. 464,ia 465,12. 467,8 «*»-..-
volkomeolich 201,3. 336,26. 351,18.
472,14. 478,25; ToKIelkomenhcit 106,
34. 162,-i7. 178,4. 193,4.254,11.288,11.
289,6. 308,24. 389.22, 390,24 usn:
votierten genug tun 543,24.
ToUoben 306,6.
Tohchribeu 213.1.
»ollf&ren 262,5.
vul warten mii GmH. bis zite UiiJ'r
warten 479,2.
vollewiirkeri fertig nwrÄ<7i 323,22.
^oi\)tcT Abwindung 8,24. 119,28, 168,19.
169,21. 192.6, 16. 360,1W, 370,9. :-W.i-l-
435,13. 467,8. 483,21; voukenn«;
Inf. 259,23.
vuDlribcn ttäisl. Inf. 201,13.
vonsiig Abschitil 168,17.
Tor beliben mrentitaltm 'rerdcn 194,1';
4
620
(ilossar.
Vorbild 43(),20; vorbilden 208,26. 274,24.
vorder(e^ii 283,4. 5()2,17. 504,11.
vor erschinon erscheinen 6,7. 22,21.28.
23,22. 40.27. :M)AS. 51,19. 58,24. 1 1 7,11.
128,3.28. 180,9. 142,10.143,11.144,22.
25. 148,20. 194,24.
vor jran = vür j^au vorangehen, unter-
nehmen 375,3. 447,18; unpers. ent-
(ffhen 182,25; vorgend pratvius
KU. IT). 20. ir>2,1.34«),9,36:),30. 437,8;
vortrenfi^er 91,35.
vor jresin mit GenH, schützen 413,10.
vorhabe \ 'orgrahen f der Festung) 1 60.4.
vorbof 234,5. 362,5. 4l!>,9. 427.21.
vorlof praeamhulutn 174,17; vorlofer
2<t,23.
vor luhten 156,13.
torm(e) 10,19. 169,11. 181,6. 9. 12.
191,30. 193,5. 19. 218,25. 291,30.
3:ß,4. 5. 336,21. 337,15 usw.: formen
489,1; torm(i)lich 101,10. 157,22.
179,10. 342.26; formlos 10,18. 194,2:
fonnlosklich Adr. ohne Phantasie-
hilder 174,5.
voiTede 200,10.
vor8(?n^rcr 21,23. 25. 28,17.
vorsmak 297.8. 472,15.
vorspü 17,13. 31,2. 179,11. 313.8; vor-
spilen 182,24. 188,21.
vorstrit erster Streif 8,20. 22.
vort = vorht Furcht 78,6. 89,15. 182,10.
382,1. 385,13 ustr.: vortlich, vor(ch)t-
lieh furchtbar 79,4. 182.2. 230.18.
Vi.rtra^en, fr\it bild(e) v. 3H2,9. 43S,14.
46;i,19. 538,24.
vorversuchtMi ftuhsi. Inf. 344,7.
vorwitzikf'vt P. 509,17.
frai,'^er 1*. 510.6.
vnurwisi". in 197,26.
vrlivcl. fri'Vel muftrillig. frech 3S1.10.
:>S2.i7. 4<;2.1S. 463.25. 477,3.
vraz I*. Fresser bSlA\); frasHheit 105.4.
fn*i(liir. fruidiü: u^iid, trotzig, ausgelassen.
s,hr<,cl:Urh WWA. 68,4. 77.29. S3J. 16.
li:).19. 116.15. lL>().:>,. 136,27: freidfi)-
krif WibUn-H, Ühernni' 61.4. 123,i:i.
148,7 ; fivideklicli Adv. nhvnnütig 75,3.
t'reischlich = vreislicli Adr. schrecliick
grausam 43,25.
vreisi Gefahr, Drangsal 310.21. 4:^(.a
543,30.
frid(e:io8 :W2,20. 463,27; fridsain 481.12.
486,12; fridus Interj. es sei aiix mit
dem Frieden! 371,28. 460,26.
frien 288,13. 448,13. 456,25 ; friheit 26.2ii.
186,13. 228,17. 261,25. 327,2. lN
a39,30. 351,7 usiv,: frilich 15.S.-26.
178.24. 215,18. 227,22. 249,11. 268,2s
usw.
vriesen P. 510,7.
frisch 135,18; frisclüich 37ü,25.
fritag 144,8; der stille fr. Karfnilnn
143.S. 406,16.
frodenbemd freudvbringend 1H4.17.
374,31. 378,8. 447,10. 450.29; vrode-
bere 304,12; fro(u)deurich 2ii9.3ft.
297.21. 311,2. 374,4. :^5.21. 44«.9.
467,29.30. 486,6; vr6dentanz 2251;
vrodenvol 400.18; vrodli kleine Freud*-
219,21.
vrolich 215,20. 220,8. 280,16. 2ys.lT.
410.12. 15. 412,16. 426,2. 429,24 usir.
fromd fremd, unffekannt, seltsam W^^
189.22. 209,9. 212,24. 216.18. 240.19.
241.9. 1!^. 249,7 usw.: fnSmdekliclj
Adr, 231,1; fromden sich fn-n haltm
3(>5,25. 436,24; vromdi Fntfremdanii.
IJnhekanntheit 201,25. 221,13.251.8.
fronaltar Hochaliar 29,15. 47,2.
fronlicham, -lichnam Eucharistie, HoHit
43.10. 89,17. 128,27. 38t;,29.
frosch 305,25.
frostig 81,2(). 82,7.
frowe Xonne 484,5.- imse (liebe) truw
(vW»we) Maria 49,4. 8. 50,18. 111.*^.
117.11.131,24.140,1.153,11.13.20.28.
197.24. 322,23. 323,17. 415.23 as^.:
unser frowcn tag 29,13. 58,24. Il2,r,;
n. fr. kapoll 110.33.
frowenkh)ster 82.26.
frowli junge Frau niederm Stand* ^
8( ).2U ; fro wlich writdich 1( »7,10. 27 1 .14.
481.4. 9; fr.es bilde treihliche Firso»
12.2. 49.28. 116,22; fr.epcr:<on 120.2^:
vr.cr iiani 265.18.
« der Aitrrde (lebeodfi, reinä fr.)
m, Gnchöpf 33,2a. 5Ü.1. 303,2.
r 359,3. 489,13; fmhllos 425,9.
vruje Adv. frühr 1>04,9. 315,9.
dj. tüchtig, tapfer, trefflich 36,7.
1. 53,26. 76,14. 91,34. 253,15.
. 324,7. 998,12 ugtr..- Sub»t. ze
en (lin, rän) »um Naizen, ?Votn-
310,19. 363,21. 421,21 ,- frnmen
SrU aehaffm, buitllen 9,23.
!; fnimkliohen Ade. 240,äe.
Vertrandttr 79.18. 83,7. afil,16.
17, 387,25. 4111,3. 486,5. 7 atir..-
her vrlint 122,32. 297,23; frftnt-
102,25. 109,11.211. l.S0,14. 192,30.
'. 249,14. 27.S,U aar. : Mntlicbflil
I; frtntBcliaft 124,19. 125,20.
,2. 206,27. 219,24. 236,8. 12. 2.H.
»/i^i muMrr 28,16.
^6; Tfig^n (f ich) Pannen, nch'cken
7. 484,7.
I,«r<»ft»u2 425,11. 493.12; fulea
r5,24. 448,3.
ent P. .533,21!.
forscltend finden, rrforgchm
176,6. 448,18; daz liefate fänklin
«le »eintilla aitimiu 192,10.
-g vonuSH», wiitrr 161,14. 172,24.
furbea rrinigm, purgart (mytt.)
0. 296,29. 390,7. 471,8. 13.
len vorbitttn, tur .Schau stellm
S.
Igen 83,1«. 180,8. 3S2.4.
h 163,34.
; jmrgatio 390.17.
dl. fnrderl. 2H,». 122,28. I.W,".
». 309,1. :i2a,l2. 474,18.507,20.
ich ttinrm eigenen WilUnfoigm
2. 17. 169,2. 192,28. a%,lti.
pti»m, Hährrn 99,6. :«4,l-2.
en vorgebm 67,21.
rechen 541,16.
dex »ins hei t Vorgreifen drs
m Ich 169.2. 3.iH,B.
lar. 621
förin 18,15. 131,1]. 19. 32. 136,17.
137,31. 214,14. 227,10. 229,24. 230,4.
250.13 u>ir.
iiürkouipo, -knmeii ronrSri» kimunen
385,17. 467,25; /«oürtwim«! 500,18;
trstheintn,sieh rinsItlU« hlfT.'SbW^i
sorgend hehOitn 202,18.212,8.229,5.
310,25. 452,1!); vcrkomeD verhüten
46:^,5.
Tftrlofeii = TCrlofen vergehen 28150;
fürloffen laufend aherhoUrt 29,17.
545,7.
fftrnem 59,5. 68,18. 70.7. 114,20- 120,9.
131.2. 143.4 0". 149,6. 152,12. 374,.30.
447,9; ttnieinekeit57,2.115,22. 142,13.
färsaziz) Vortatz, KorAafrwi 35,10,59,1.
152,8. 8B7,äÜ. 370,19. 415,9.
fArschuK das VortchitMen t(i:j,24.
försehen praetiidtre, prardrslinare
3:14,17 ; Törsichlikeit Vnrsi-hunp
fff-itf/.^FormcA* 201,28. 206,«. 283,20.
für«ürgeD »ieh kUmmern 410,4.
vArepttü, -Bptam dag Grtpand tunamm'n-
haltmde Spange, mnnile 252,25, 392,7.
400,25. 480,3. 493,4.
turBpreohiD, fümpreclierin advncafa,
pairona 37,10. 545,29. 547,26.
ffint 8t;3,13. 421,3; f. dler kreataren,
der ftiliche f. (Öoü) 171,16. 173,9.
388,3; du obrest förstin vm liimel-
rich(JUari(i> 112,20; fürsteu^«! 21,12.
firten = vflrhten 82,12. 28. 83,1. 116,2
I
fürtreten einen migtgim trttm
für werfen .S26,19,
furweaen ^ verweaeii *u nichte
t'Arwetet ^yeTvesM Sti:tlcrrliflei
312,3.
fltrwitzig curioitua 410,6.
fnr ziehen eorhriagm ifö6,l5.
fSsHUpte ;K>,2. 36,2. 138,28. :
322,10. 371,3. 469,28.
fa8(»)tfloh 49*. ö8,7. 8. 12. 14. ;
23. 368.27. 397,18. 421,23. 24.
37,3.
werden
■.■91,15.
422,2.
Fairer, der heilig hri'der JohHUs der F.
44:f,9,
:. 17.
WBPh.-n »-ib-t. Inf. 23:t.*7 : w»Ut.-r 17.17.
18.21.
H-afun. »aff-n .^4«*--«/ drr Fnad-,
i^lHrnuirhan'j. Krmuiili-ritnii arir.
10.3. H.a. .•>5.27. 82.3. 86.17. 180.5.
220.1. 227.5. 228.22. 2i6.U. 2»i.9.
2(10.17. ,i8B.14. 312,19. .S74.1ß. 377.25.
37'<.16. 44ii,21. 450.U. 451.8. 4:>4.12.
459.2. 482,1. 402.1:1. 514.7.
wufenkkit 2(ß.lO.
wa^.WB(f.W««,iri-;f.-,iroj,-8I,2r..i:i8.22.
173.2r>. 377.8.435,10.449.22. 5511.27.
H-dli!« (iö.7. 13. 522.17.
wakfitlicb Adi:. fritch, Uhkajl 37l>,23.
walhi; WifUch>-r, Homaw 199,2.'<.
walt. vrM 400,14. 434,12. 15. 452.9.
4IH1.5; wal<l)-Bhal|j 80,3.
wal'lien J'rHI. wiel auj'irallm, hrrrinr-
„p/ürHJif« lli,12; air, Verl,. 18,8.
walkii iPOHäfri, 2tt7,8.
wao. wou iVuW. Mate, ungririnise Hoff-
nanij. JCrtrarlung, Diinkm 3t>l,7. 8.
410,19. 20. 506,4. 10.
wan = wnndK «iCiriitta 260,17.
wiiii.U-1 I.rhrHmraniH 74,3. 9l!.8. 119,3.
1H3.15. 16. 166.22. 167,1. 192,2«.
210.23. 340.0. 359.15. 17. 431.7. 482,0,
480.12; Wandluiui, WrdwH 235,25.
«■su.lclber •■rr'ln,h>iich, auslH 237.18.
304,23. 370.1«. :tH0.9. 424.14; B-aii.lcl-
lierkeit -SH.X'. 19. 445.9. .Hl.B.
H-anileivii I'. ."}11.1.
wanilli'n gilun, rrineii 148,1 ; rcnraii-
ilfhi 292.ä;i; waiidluiiK Umieiindlung
:(76.7. 448.19; l..l,niN,tnn,l.! 487.5.
52H.8.
wank l'Uir. «-.■Dkr. «iui'ke HV«(?Hi--/
21<:.I4. 48:1.19.
Wdilinit iurirlü^^iii ;Hi3,24; wiirliaftijr
>r„l,rl,.illi.hend Uü.ll. 510,1.
war miiicn 193.11. 21 1.
I 421!. i:
■| W(ihliriiff,g.n 183.17.22.
387.29. 445.5. 469.4.
wasT<erl>ad 46.3. \U.X>.
was^L-niot (irfahr iluich II o«*-- sl.j.
■«■ar^H.TMiiitii; 4:.,19.
wal Khidung. l'ificaml 111.7. IS".!!'.
134,27. 194.25. 224,22. 244.S. iW:-.
4i«,6. 514,2.
waten, watten to/ch 101.2.». är'.T.
407,32. 523.26.
wefftneri hrtraff a-a 459.12.
weg. i-,vnen w. iaall'en V.iinr ^\'allJ■■.h■^
marhrtt J17.4.
wesri'ii, wägen PMt. wa|r irwj-i.. a"-
»chlagtn 1;Ö,27. 28. 212.5. i'-Hil
2ä.-.,9. 287,5, 295.13. 300.8. 1 1. :t«.ä".
:i68,22 u*ir. .■ hfo-fiifii 259.2iL
wegfT Oim/i. von waege j«/. Pi'il'i/-
A,i/(,-. «./'■'«"""'" 56,28. 1'W,14.1I91>S.
126,19. 220,2. 422,19. 496,2.''.
«■eb«e! 442.5.
wL'büiu 66.6. 100.13.
wehsli I5&,I7.
webti-n = weteii iraitn 247.9.
weitb tc."-/i, furchtsam 365,10. 36S,6.
430,12. 453,22,
wcHcn 492,19. 29. 552,12.
weideiilicb frisch, stntllic/i. «f A"H 14.3*.
149,9. 150,3.
«■(■inen trriiteii, htiethi'H 30,Ii, 20S.1S,
27. 281,8. 9. 445,5.
weinlicli klüglich, ireiiuHich 12-',lr.
127,8. 209.2; weinendlicb -4i/c. 517,4.
weiac Waisr 91.4; weisli 121,32.
weia« pol icahrlickl 98,29. l2:iJ(l.
123,6. 369,25.
wei«»eiiTar n-eixtnfarh, gdhUeh 199.2:
wey«senk(.rii P. 5i:>,14. 521.20.
ivcjeti irehfn 261,29.
wellt- .■(06,18. 436.17.
weit, d.T w. kint 23,21; fro w. 361,3;
wi-l;lidi 110,12,218,9.484.6.485.5.15;
wfitniinner 13,19.
wCtulPii <ihiren<l<tt 381,2."i. 398,14.
weiL^r,.! Smlr. Wnniie 824.17. 227.1S.
267,16. 378.5. 450,1. 27.
Glossar.
623
weilten, weuuen Prdt, wände, woude
iinhirii, glauhen 281,1. 359,23. 25.
:U)7,17. 411,2. 419,8. 425,13. 488,23.
449,12. 16. 454,3. 458,4 u.w\
wennen (jewöhmti 323,31.
wonkoii tranken y treichen 553,4; sahst.
Inf. 551,21.
werben sich bemührn, täiig sein 195,1.
365.23. 436,22. 459,21: subst. Inf.
1*^:^.23; um eine Braut werben 4(>9,21.
wt^licr Beirerher 13,16.
weivn, sich 497,7.
Wi-rcnd bleibend 73,5.
werk Flachs, Werg 137,5. 214,3; die
hrsfimrnte Handarbeit der Nininen
tl/n'in Spinnen) 415,19.
werken 1'. 510,8.
wennen 406,12: wormerin 407,12.
wernt, werntlich P. = weit, weltlich
511.24. 513,14. 17; 509,9. 12. 511,0.
512,14. 516,19.
wiMTen mit Dat. stören, hindern 14,32;
waz Wirt Ach? 118,19. 133,31.
we.>en f^/?*', en^y essejitia 94,2S. 158,5.
1 60,6. 1 62,23. 167,2. 23. 1 69,4. 171,18 flf.
172.1. 174,12. 176,9-13. 177,1—24.
17H,1— 18 //,??r./ we8en(t)heit 162,15.
20. 30. 163,6. 183,1. 187,5. 245,7.
390,25; weslichkeit 188,11. 189,13.
191,28: wesnngre 343,19. 350,25.
354.2. 15.
weslich, we8en(t)lich essentialis. irirk-
lirh, dauerhaft 52*. 162,22. 171,19.
174,17. 18. 19. 176,14. 179,32. 180,11.
184,23. 187.3. 232,2S. 262,24. 342,2.
S ti.sir.
wesse scharf M:\,1^. r>45,26. 551, IS.
wettelof 493,13.
wQUtwr 364,23. 371,12. 424,14. 460,9.
516,4.
wetiind, wetund 23. IS. 46,13. 55,2. 60,23.
72,15. 91,1. 7. 116,26. 547,9.
wicliwasser Weihwasser 47,17.
widerbissen subst. Inf. Widerstand
s,1.3. .'»14,13.
widerblik 179,6. 1S0,24.
widerbojLjen subst. Inf. njlectere 171»,9:
widerbo|Erunä: 180,20.
widerbringen zuriickWingetiy ersetzen
erlosen 74,1. 85,9. 100,17. 116,15
213,s.l9. 21.^11. 220,7.277,11.281,25
321,31. 366,26. 439,7. 463,13. 540,6.
549,16; widerbringer 72,4.
widergebomheit 1S6,14: wldergeburt
279,7. 348,20. 23. 349,5. S. 355,10.
widerglanz 279,6. 307,23. 427,15: wider-
glast 10,22. 153,4. 190,12. 299,9.
407.4. 477,22.
widerglenzen 263,12. 299,16. 304,18.
452,18.
widergriiuen subst. Inf. 317,13.
widerheblich gegensätzlich, unterschie-
den 354,10.
widerheilen subst. Inf. 539,20.
widerhellen widerhallen 172,1S.
wideringang Ri'ickkehr in (iott 334,20.
widerinjehen subst. Inf. dasSichzurnck-
beziehen, Zuriickschauen 332,27.
widcrinfli essen 474,6 ; wideringefl<Hsen-
heit 52*. 190,27.
widerinwal Zunickwallen 21,28.
widerkaphen subst. Inf Zuriickschauen
332,22.
widerker Üückkehr, Umwandlung^
iSinnesffnderung (ZU u. ron Gott weg)
124,21. 170,14. 4r)3,2.S. 537,5; wider-
keren zurückkehren, sich abwenden
135.5. 214,5. 289,15. 453,25. 537,5.
widerkonien sich erholen, wieder bu
Kraft' n kommen S0,31.
widerkriegen subst. Inf. reluctari'M,\H.
widerlegen umbiegen 41,19; vergelten
273,27 ; subst. Inf. für das in die Ehe
Mitgebrachte ein At/uiralent zusichern
( recompensatio ) 22s. 1 s.
widerlenken subst. Inf. 349,9.
widi-rluhten l.">6.27. 172.5. 190,19.262.24.
304,16.
widermiitiiT trübselig, ungehalten l.*)2.9.
wider iiemen, sich auf den eigenen
Willen zuriickfalhn 161,7. 162.14.
25; suhsi. Inf. 1()2,2. 16.
widenechnen h'echenschaft abhgtu
222,14: widerrechnunü 146.27.
widtared 22VU!).
widerruf das Wicdn sprechen 8,28.
G24
Glossar.
\vi(l(»rsache G*'(jner^ Ftind 54,26. S5,31.
12S,33. 205,17. 317,30.
widersa^en Ju-hde anIci'indUjen 147,4.
widersatz 462,18,
widerschin 59,24; widerschinen 242,9.
widerschlag rediiusj Reflejcion nach der
Beschaiumg 185,16. 346,16.
widerspenig xviderspenMiy 9,19. 10S,20.
4(>2,5; widerspenklich Adv. H68,8;
widerspenikeit 381,16. 462,19.
widersprechen 228,13. 337,28. 499,21.
widerstan, -sten 229,11. 324,19. 503,7.
504,14; suhsi. Inf, 201,30. 504,16;
widerstendig sutrider 550,24.
widerstoz OegenstosSj WiderstandS27A ;
widerstossen 440,15.
widerstrehen 133,22. 381,8. 462,4.
widerstritz um die Weite 112,2.
widertragen sich zurückheziehen ; die
w.deu eigenschefte reXaiiones 331,2.
widervarn 295,6. 442,14; widervart
liückreise 68,27.
widerfliessen 179,11; widerfluss 192,14.
203.6.
widerwegen aufwiegen 226,2.
widerwerfon anfechten, ainstossen 9,15.
68,6. 341,11; sahst, Inf 348,5. 12.
349,12. 350,1. 13; widi'rwerfung341,10.
351,14.
widerwertig 95,22. 142,18. 341,2. 452,1;
widerwcrtikeit 54,22. 60,14. 84,13.
91,29. 98,33. 143,13. 192,21. 282,20.
230,11. 241,1 usw.: widerwertlich
Adr, gegeiusfltzUch 397,4.
widervvisen zurückweisen 459,8.
widerzem ahstossend, missfällig 547,5.
550,23.
widerzielieu 13,5.
wi(l(.Tzu('kon zun'ickstossen, verhindern
217,15.
widin cou Weidtnkolz 442,31.
wiht. der boso w. 204.22.
wild irild, unstet, unhcgreiflivh^ wunder-
bar 4J2. 8,11. 9,26. 12,14. 21,28.
116.14. 188.20. 1S9,1. 200,20. 211,6.
212.17. 245,11. 265,4 usw.; daz na-
inclos wilde die iieghardischv Irrlehre
352,20; wildickiichen Adr. 481,2.
wilerli kleines (iehöft 82,a
wili, Willi 309,11. 395,12. 415,8.
willeklich 145,3. 179,26. 192,20. 2i«Ml
I 215.30. 220,1. 248,8. 307,30. 3i)8.8.
316.18. 367,2 usw.
willen mit IJat, nachgeben, nach dm
Willen tun 382,15. 422,15. 5<»r).5.
willenhrechen suhst. Inf, 91,6. 484,16.
willig 248,11. 475,4; wyilenlos P. 517.1.
wiudtürr vom Winde ausgetrockneillA^.
wiugarte 221,33. 303,4. 425,15. 18.426.13.
winhus caupnna 372,20. 461,22.
Winkel 126,2. 175,5. 395,25. 513.23.
525,21, 529,17. 19.
wiunaht Weihnachicfi 46,26. 118.25.
124,27. 385,19. 467,28; winnahttjtf
25,23.
winsmak 428,18.
winter 433,24; winterhalde darre Wddi
425.9; winterlich 299.11. 409,16.
wintraht Masc. Weinduft 428,15.
wintrübel Weintraube 493,30.
wiplich 399,24.
wirdekeit, wirdikeit 26,20. 88,26. 2«)94'.
213.19. 217,25. 218,16. 243,2.273.17.
421,15 us^w.
wirdig 91,35. 172.8. 363,12. 364,4. 440,31.
448.27. 486,7. 489,11.491,8; wirdek-
lich 112,29. 241,4. 279,21.296,12.19.
23. 301,3. 303,5. 304.6. 305,14. 392,5
usw.
wirig langdauernd, dauerhaft 48*.
107,17. 344,6. 362,32.
wirs Adr. Komp. schlimmer, idthr 57.6.
62,17. 125,24. 169,30. 271,12. 272,26.
371.28. 381,10. 426,21 usw.: Saperl
wirst, wurst 23,17. 67,3, 121,7. 128.25.
249.10. 475,10.
Wirt 233,19. 512,7.
wise Art u. Weise, Art sich zu geben,
Beschäftigung , Urscheinungsforw
10,19. 12,7. 53,1. 83,14. 142,10. 156.
17.29.31. 166,8. 10. 188,10. 11. 205,21.
228.11. 288,4 usw.: wort und wise
85.26. 29. 167,3. 4; wise Mehdit
199.21 ; wort mit wise Tejct u. Melodie
228,16.
Glossar.
625
08 ohne wise, ohne genauere Be-
mung 52*. 10,18. 23,7. 87,30.
24, 188,11. 189,17. 191,6. 245,11.
25. 328,24. 432,25; wiselosekeit
1. 186,22. 400,4; wiseloseklich
. 335,22.
Leiter 446,3; wiserin 321,li.
1 Adv. mit Weisheit 315,30. 438,2.
ie) Prophet 36,10. 363,6. 392,11.
|l6. 477,9. 480,7. 494,3.
ren8uhst.Inf. Propheßeiung i2ß,lS,
= wise Wiese 452,7.
itliche Adv. 499,21.
weisse Farbe 439,18.
ge 384,21.
»ht Adv, lärmend 502,13.
pf Wiedehopf 458,24.
J50,28. 358,17.
eiflich Adv. weitläufig 191,3.
j 91,4.
ind rot 199,2. 551,8.
, Witz Klugheit, Einsicht 99,16.
),24. 281,28. 399,12. 26. 410,8;
aig 212,24; wite(i)geu weise
chen, witzigen 240,13. 287,20.
),26. 456,19. 458,1.
ivahend 47*.
jdaht 94,21.
»reit heue dispositus 300,12.16.18.
jscheiden verständig 99,27.
jsorget 158,8.
filieren sich hin- und her bewegen
5,23.
8<),3. 134,11. 260,16. 875,29. 420,7.
3,8.
eborn 135,32.
efloriert wohlnrziert 140,4.
eladen mit Leiden stark heimge-
cht 133,28.
elassen 164,10. 358,22.
eiert 162,18. 328,23.
emfit 28,16. 33,18. 225,20. 233,20.
8,6. 245,20. 313,9. 14. 376,1. 448,12.
•enaturt wohlbegabt 376,5.
:eorduet 171,15.
:eraten 378,26. 444,9.
resehend 5,22. 157,10.
resmack 303,15.
H. BeuRe, Deuttcho Schriftra.
wolgestalt 137,16. 542,9.
wolgetan 83,24.
wolgetrüwend 100,19. 135,1.
wolgeupt erfahren (im geistlichen Leben)
170,23. 182,5. 184,5.
wolgevallen Subsi, 94,14. 125,2. 226,23.
261,13. 262,2. 266,19.25. 319,21. 507,2.
wolgevallend 95,23. 159,11. 376,20.
378,11. 451,1.
wolgewahsen 156,4.
wolgewegen wohJgewogen , vollwichtig
335,28.
welke, wulke Masc. 230,2. 3; wolkeli
551,23.
wolkunnend geschickt, angesehen 75,14.
364,4.
Wollust Vergnügen, Lust, Freude 169,13.
206,17. 225,14. 227,20. 237,3. 248,16.
17. 249,26. 263,16. 2(J5,22. 286,17.
a39,30. 344,16. 540,8. 546,29. 549,2.
woliiiugcnd kräftig, gesund 282,13.
wolricchend 2()6,23.
wolsiiiffeud 31,23. 28. 406,18.
wolsmekcnt 505,8.
w(»l8tend 409,8. 541,31. 552,6.
wolzüiieinend 48*.
woii .V. wan.
wonhaft 187,18; wonuuge 474,24.
worgen würgen (hildl.J 455,H.
wormerin v. wermen.
wort Verbum, Logos 179,27. 180,18.22.
2(i. 181.3. 11. 191,27. 224.12. 279,6.
473,3; in dt*n worten unter dir^er
Bedingung 25,26; wortli. W(>rtcUn
1(J0,30. 200,16. 223,17. 225.3. 377,23.
450,12. 477.11. 495,2; wortlos 305,7.
548,H; wortwpjrc kritisierend, zänkisch
106,26.
Wortzeichen Kvnnzeivhen, Merkmal,
lkweis U.22. 128,10. 15.545,30; wor-
zeichen 554,2.
woschi WäsvherM.2S; woscherin 134,26.
212,13.
wöfT Klagegeschrei 54<>,1;); wiiffen
550,20.
willen 222.12.
wulttn wolfisch 23,12. 119.2. 420,12.
40
626
Gnoflsor.
wunder Venrunderung^ unerwartetes
Ereignis, Wunder 8,16. 11,12. 22,16.
30,11. 55,27. 64,30. 67,12. 68,8. 86,16.
18. 90,9. 92,20. 97,4 uw^. : wandcriich
seltsam, wunderbar 68,8. 65,8. 159,1.
173.1. 177,6. 200,24. 206,4. 292,ia
339.2. 409,12. 420,5. 490,32.
wandern, wondren bewundem 477^2;
unpers. 229,13. 291,27. 341,27. 376,2.
424,11.448,13;*tt6««.Ifi/.293,21,367,7.
wundrer der Wunderbares tut, mirabilis
(doU) 108,2.
wuudtmal 537,12.
wunue, wünne 94,3. 211,20. 225,2. 243,5.
24«,24. 265,13. 269,17. 295,3. 304,17.
312,28 us^c; wunneiibernd 171,23.
172,20; wimneklich, wünneklich, wü-
n(iiklich 23,14. 31,34. 33,1. 59,10.
(U,29. 153,3. 199,12. 200,3. '207,1.
219,29. 221,31 usw, usw,
Wunsches (wünsches) gewalt optio om-
ni um 93,15. 94,3. 17. 224,5. 242,14.
279,17. 295,8. 377,31. 378,6. 450,20.27.
würdig, 422,8; wtirdigen 547,27.
wurf 191,19.
wurken wirken^ tätig t<tin, bearbeiten 24,4.
171,20. 182,19. 335,14. 867,23 usw.;
in wurkender wise actunliter 34H,27.
würklich activus, actualis 1G5,1''>. 177,25.
li>2,32. 341,21. 47.5,1; wiirklichheit,
-kcit aütiritas, nctualitns 1S3,14.
1S5,2. 10. 1H1),20; würkunge 340,25.
.■U.S,13. 15.
wurm Wurw, Insekt 35,13. 39,21. 27.
259,22. 305,29. 36S,15. 441,26.
würz H13,2r). 303,24; wiir(t)zel 1(>5,17.
421,24; wurzgart(t)e 205,15. 222,7.
wuscIu'u = wischen Pnit. wüste trocknen
•.vüssend btwusst .3.S8,23. 24; wüssent-
heit Bcwasstsein ISS, 15.
wfi.st wiist, letr 103,8. 425,20; wüste
gotlieit (las Itlosse Wesen Gottes (vgl,
Strauch, M, Ebner 301 f.; Denifle
im Archif) II, 455): wiisti, wüste
70,24. 15().10. 211,7. 434,12; wilde
wiisti der gotheit 245,11; wuateuunge
P. 530,14.
waten 201,14; wütend 45,17. ttU
139.31. 173,26. 408,8; wfitig »#
132,6. 260,16. 370,17.
Z.
Zacharias AÜvater 105,13.
zage Subst. feiger Mensch 370,25; n^
heit 41,20.
zam 363,5. 420,6.
zarten liebkosen, schmeicheln 15,12;
subst, Inf, 122,18,
Zartheit Feinheit, Schönheit, Wetdüidh
keit^l\ 51*. 26,19. 35,16. 42,6. 94ii
205,9. 209,7. '217,4. 238,1. 243,3.
247,21. 286,17 usw.
zärtlich, zertlich Adv. liebevoll, iroA^
wollend, -?<5Fr/?w?/i 99,13. 121,31. 174^
212,8. 223,10. 224,3. 225,7. 240ii
2.54,22. 482,19 ustc,
zartsüchender lip das Wohlleben suchmd
46,3.
zederbom 310,12. 442,33.
zeh zäh 44.5,18,
zeiclieu Zeichen, Wunder 41,4. 66,6.
105.8. 248,14. 252,10. :)27,lO; WttMd-
mal 67,10. 241,11; die fünf zeichen
Chnsti 52,1. 479,8.
zeichen P. = zeichenen Wunder hw
515,26.
zeine Ka^-b 31,31; zeiuli 31,30.
zek = zic Liebtsneckerti 4^3,13.
cell(ej, zelle 40,10. 48,15. ^\ 44,27.
,58,8. 5. 103,7. 21. 104,12. 106,ia
110,82. 113 J usw.-, celleü 45,27.
zemnieliche Adv. wohl = zemiiche sak»
504,3.
zeUen zählen 214,17. 247,16. 4Sl,i:t
zelten im Passgang geJurn, traben 139,8.
zepter 252,24. 460,2.
zerbrechen zerbrechen, zerreissen 69,32.
139.32. 382,5. 463,15.
zerdenneh, zertennen 209,12. %V\y^
214,16. 20. 215,25. 250,21. 316,24.
541.9. 542,23.
zergan, zergen 218,4. 266,6. 34931
350,1. 351,11. 438,25. 463,16. 464,7;
zergangen Part, verfallen 217.6.218,1
621
(g)klich, cergenglieh 38,23. 26.
11. 135,18. 139,20. 165,18. 208,25.
10. 27. 219,2. 411,21. 438,20 usw.]
enklicheit 553,30.
«en, eich 174,12.
wen zerkratzen 40,23.
aen 397,19.
n 210,3.
ten , zermüsten zerquetschen
18. 315,18.
zerreiastn 230,3.
n zerfallen 218,5.
iien 270,33.
ichen auseinandergehen^ zergehen
3. 4ß3,16.
•iiiden Prlit, zerschrant Hisse be-
men, aufsprinyen 47,15. 92,20.
teil Friit. zerspielt zerspalten
s. 271,29.
ttnen , zerspeiinen auseinander
men, d<^hnen 210,10. 214,14. 15.
25. 272,20. 316,28.
jiteii 22,8. 30,ti. 92,18. 177,18.
20. 452,20; sich z. 28,14. 90,24.
niTi^i 212,11. :K)5,11.
beii zersfiehenj r rschivinden
15. 449,19.
•er 222,22; zerstorerin 361,26.
21; zerstSruii^ 162,20. 381,29.
9.
)wen 29,2. 170.16.
t Pari. getrennt 174,10; zerteiltes
in ens particalarv 177,2. 5. 18.
14.
a<'n s, zerdenneii.
♦r Virzärteltcr Mmsch 57,18.
rvw ztujrundi- rieht :n (durch Ver-
ödung) 125,17.
men, zerdreniieu ^82,18. 46.3,26.
011 zerkauru, wieder Uäuen (hild-
' :300,10.
ausbreiten 21(),20. 276,24; sich z.
4.
isen 27,26. 74,0. 227,6. 1:5.264,2«).
28. 29S,17. 304,23. 310,23. 3S4,20.
9. 400,9. 466,20; zerflossenheit
efaclio 386,19.
aerfl&ssen zerßiessen machen, eehmeigen
111,11. 452,16.
zerfuren verwüsten, verderben 204,18.
315,18.
serzerren zerreissen 49*. 125,14.
zerziehen Part, zerzogen 272,20.
zesamen . — *. zusamen — .
zeswe hant linke H, 558,14.
zieren 224,3. 409,16.
zierer hell herrlich, schmuck 435,6.
459,14.
zihen zeihen, beschuldigen 66,24. 307,8.
zil 184,6. 185,3. 469,11; zilen 156,30.
168,6. 327,27. 28. 355,9. 11. 358,18.
zimbreu 219,7.
zimlich passend 299,4. 375,14. 447,23.
zipfel Zipfel, kleines Stück 454,5.
cirkellich kreisrund 178,13. 179,8.
zit officium, horae canonicae 414,5.
416,1.
ziten Zeit sein 362,23. 418,10; zitig
reif, ausgewachsen 31,30. 156,3.
159,18. 482,13.
zitlich zdtlivh, wiltlich 114,20. 135,7. 10.
174,9. 178,10. 187,13. 194,20.219,7.8.
300,14. 413,17. 11) iisw.; zitiich(k)eit
390,23. 472,6.
zitlose weisse odergelhe Frühlingsblume
{ Krokus odi r Narzisse , vgl. Lex. III,
1I3S) 211,29.
zitter Subst. Masc. Zittern, Beben^O\,H\
zittrend 434,17.
zitverlierend die Zeit unnütz vertuend
3i;i,2r). 411,21.
zobror 327,11.
zora 139,15. 165,12; zonien, zomen auf-
itlainrn, gtfangtn fortfühmn 139,4.
280,2. 397,16.
zornlich 128,16. 13r»,17. 22<>,11. 22. 25.
31. 230.6. 26r),8. 285,11. 325,1. 414,9.
ziig Zug. Kunstgriff. Art und Weise
142,5. 200,24. '3()2,29. 371,24. 388,7.
4<)9,12. 419,6. 460,22. 469,12.
Zügen bezeug f-n 84.23.
zuht Zucht, HOfiichknt, Anstand, Dis-
ziplin 216,23. 221,32. .361,21. 382,3.
411,16. 463,1.3. 4S1,9. 482,6; z. und
ere bieten 49,18.
628
Oloesar.
Ulken, zncken wegnehmen, entreissen,
anlegen (den Bogen) 57,19. 78,17.
128,25. 181,18. 22. 175,6. 11. 281,20.
428,22.
z6chtig eingezogen 482,(>. 485,2. 8;
zühteklich Adw 413,20.
zun Zaun 77,18. 78,5. 411,18.
zunge Zunge, Sprache 199,24. 228,26.
372, la 461,21. 499,25.
zÄ ahteii zurechneti 491,6.
zu besliesHen, sich 486,26.
zÄ brinp:en zustande, bringen 26,6.
120,32.
zfij^ang Zutritt 263,27. 837,1S. 492,2.
zügehorlich 181,20. a53,12; zügehorlich-
kcit 388,18.
zu gevallen 192,22.
zu komen zum Ziel kommen 426,16.
zükiinftig 489,8.
zu le^i^cn beimessen 484,9.
zfilof 67,14.
ZÄ muten 364,11.
zünemen ttubst. Inf. 52*. 300,3; zö-
nemender mensch foiisehreitender
8,10. 194,6.
zu samen gehen (ehlich) 483,1.
zesamen rihen Part, gerigen zunnrnmen-
zuhen 39,13.
zu 8chliesseii, sich 480,29.
zntetig sich anschmiegend 225,8.
z^l^xn Zutun, Beihilfe 383,29. 465,22.
züval(l) Zufall, accidtns, unbesonnene
Handlung 162,19. 22. 164.12. 167,4.
288,14. ;fcfö.:l 7. 359,20.
zA Valien zufallen 462,8; zuvallend a-
fäUtg, accidentalis 54,25. 244,20. 24.%1.
387,28.
zdvailich accidentalis 162,23; zuvalli-
kait 187,5.
züveraiht 37,2. 127,21. 239,9. 2.Mi:i
264,14. 277,1. 278,1. 286,28. Sl.VÄ
865,10.430,12. 491,2. 538,19. 539,:>1.
547,32.
Zuflucht 484,6.
zu fugen zugesellen, bescheren 4C'6,ll.
506,19.
zu werffen 465,22. 492,13; zuwiirff
488,2.-^.
zürnen suhsi. Inf. 424,20.
zwahen Pari, gez wagen traschen 4.V)jL
zweien, sich *. paaren 172,20.
zweiheit 226,20. 2<»7,6. 420,21.
zweinzig, zwenzig .364,16. 423,19.
zwellfbolte Apostel 544,18.
zwelQerig 31,19.
zwi Zweig 32,31. 287,22. 297,16. 4*26,1L
zwivel 81,2. 89,15. 183,6. 21. 323,28.
498,10. 502,16; zwifelheit Zirr W^wr Af
496,17; zwifeln 498,15. .349..'>; zwifel-
haft amhiguus 4rvi.21 ; zwil'el I ich
unsicher, ztrcifelhaft 1S3.3. l'*^.^.
380,16.
zwingen, twingen drangen. /ieimffHch'H
178,23. 442,26. 4W,7. 506,i:».
zwirent, zwirunt 71,22. 173,18. 3*i:»il.
;W0,34. 383,14.
zwivalt Adj. 34S,6.
..i£s-.-
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37
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